KartelS (Karl Mor. Nikolaus) Barth (Kaspar von) 77
stalten. Nach Wiederherstellung der Verfassung der Stadt übernahm er die Verwaltung derPolice!, leitete sie bis zu seiner Erhebung zur Bürgermeisterwürde im I. 1820 mit Energieund kluger Umsicht und führte namentlich eine zweckmäßige Medicinal- und eine neue Feuer-kassenorbnung ein. Seit 1836 ist er erster Bürgermeister, in welcher Stellung er insbeson-dere in Folge des großen Brandes im I. 1842 vielfache Veranlassung fand, sich neueVerdienste um die Stadt zu erwerben.
Bartels (Karl Mor. Nikolaus), als Arzt und physiologischer Schriftsteller bekannt,gcb. zu Petersburg am 24. Aug. 1800, gest. als Doctor der Medicin und russ. Hofrath zuHamburg am 7. März 1837, war der Sohn des ebenfalls aus Hamburg gebürtigen Ober-admiralitätsapothekers I o h. Mor. B. in Petersburg, der am 14. Juli >838 verstarb. Erstudirte seit 1816 in der medicin.-chirurgischen Akademie zu Petersburg, ging dann 1821 zurFortsetzung seiner Studien nach Dorpat und wurde hier 1824 zum Doctor promovirt. Im
1. 1825 unternahm er eine wissenschaftliche Reise nach Paris, auf der er bei der Natur-forscherversammlung zu Frankfurt Oken kennen lernte, der ihn zu physiologischen Unter-suchungen anregte. Er hatte die Absicht, sich in Hamburg als praktischer Arzt nicderzulassen;da sich ihm aber dabei Schwierigkeiten in den Weg stellten, kehrte er 1827 nach Petersburgzurück, wo er auf dem Kriegsschiffe, welches unter dem Admiral Ricord die türk. Campagneim Mittelländischen Meere mitmachen sollte, als Oberarzt angestellt wurde. Mit interessantennaturwissenschaftlichen und alterthümlichen Schätzen, die er zum Theil der Universität zuDorpat schenkte, kehrte er 1830 nach Petersburg zurück. Kränklichkeit veranlaßte ihn, nochin demselben Jahre aus dem Staatsdienst zu treten, worauf er nach Deutschland zurückkehrte,um sich hier ganz wissenschaftlichen Studien zu widmen. Seine „Beiträge zur Physiologiedes Gesichtssinnes" (Berl. 1834) zeichnen sich aus durch Umfang und Schärfe der Beob-achtung, sinnreiche und überraschende Combination, strenge Logik und Klarheit der Darstellung.
Barth (Christian Karl), königlicher Geheimrath zu München, bekannt durch seineForschungen über Deutschlands älteste Geschichte, geb. 1775 zu Baireuth, machte imStaatsdienste eine schnelle und glänzende Carriere. Er war bereits 1817 Director desNheinkreises und wurde das Jahr darauf Finanz- und Ministerialrath in München. SeinHauptwerk ist „Deutschlands Urgeschichte" (2 Bde., Hof 1818—20; 2. ganz umgearbei-tete Aufl., 3 Bde., 1840—42), ein Werk umfassender und gründlicher Forschung und vonallen andern die deutsche Geschichte gleichfalls behandelnden Werken wesentlich verschieden,indem es B. gilt, nicht sowol die Geschichte des deutschen Volks, als vielmehr die Geschichte desdeutschen Landes zu erzählen, nicht allein das Thun und Treiben der german. Stämme zuschildern, nicht eine auf Germanien beschränkte Erzählung zu geben, sondern dem WerdenDeutschlands nachzuforschen. Besonders werthvoll erscheint das Werk in archäologischer undgeographischer Beziehung. Außerdem hat sich B. auch noch durch andere Schriften um deut-sche Alterthümer und Geschichte verdient gemacht, so namentlich durch die Schriften „Überdie Druiden der Kelten" (Erl. 1826), „Hertha und über die Religion der Weltmuttcr imalten Deutschland" (Augsb. 1828), „Die Kabiren in Deutschland" (Erl. 1832) und„Die altdeutsche Religion" (2 Bde., Lpz. 1835).
Barth (KaSpar von), ein Mann von vieler Gelehrsamkeit, dabei aber nicht ohneEitelkeit und Anmaßung, wurde zu Küstrin am 22. Juni 1587 geboren. Er studirte zuWittenberg, unternahm nachher eine wissenschaftliche Reise durch Holland, England, Frank-reich und Italien und ließ sich zuletzt in Leipzig nieder, wo er in völliger Abgeschiedenheit blosseinen gelehrten Beschäftigungen lebte und am 17. Sept. 1658 starb. In dieser langjährigenMuße hatte B. die griech. und röm. Schriftsteller fast ohne Ausnahme, aber sehr flüchtigund ohne eine bestimmte Reihenfolge durchgelesen und an zahllosen Stellen verbessert und er-läutert, wobei ihm sein außerordentliches Gcdächtniß sehr zu Hülfe kam. Doch war seineKritik, da er weder Zeit noch Stilgattung berücksichtigte, meist sehr unglücklich, und seinenErklärungen fehlte es an Geschmack und Urtheil. Die Früchte dieser Belesenheit enthaltenseine noch jetzt nicht völlig entbehrlichen ,,^tlvers»ri<," in 60 Büchern (Franks. 1624;
2. Aufl. 1648). Nach seinem Tode waren noch 120 Bücher solcher Adversarien im Manu-skripte vorhanden, von denen die letzten 16 Bücher in neuerer Zeit in Spohn's Besitz warenund in einer Abschrift auf die Universitätsbibliothek zu Leipzig gekommen sind. Einen Aus-