Banken 23
dem unbenutzt ruhen würden, dadurch aber zu Capitalie» anwachsend in die Kanäle desHandels, der Industrie und des Ackerbaus übergehen.
Werden auch die Banken theoretisch in der erwähnten Weise abgetheilt, so ist eS in derPraxis doch keineswegs der Fall, denn wenn auch die Girobanken ganz für sich bestehenkönnen, so ist eS doch mit den übrigen keineswegs der Fall, weil die Depositenbank discon-tiren muß, um von den erhaltenen Einlagen Nutzen zu ziehen, die Discontobankgcrn Depo-sita annehmen wird, um Geld zu einem geringern Zinsfüße zu erhalten, als der ihrige ist,und weil beiden es nur Vortheil bringen kann, wenn sie auch Noten ausgeben undselbstGiro-geschäfte in den Kreis ihrer Thätigkeit ziehen. Die Regel ist daher, daß eine Bank Depo-siten-, Disconto- und Zettelbank zugleich ist. So nothwendig als nützlich die Banken seinmögen, so haben sie doch über mehre Länder zeitweise so viel Unheil verbreitet, daß eingroßer Theil des Publicums sie mit großem Mistrauen ansieht, jedoch mit Unrecht, weilsolches nur durch Misbrauch hcrbcigeführt worden ist, der, wenn man nur will, sehr wohlvermieden werden kann. Bei nur einigermaßen rechtlicher und einsichtsvoller Leitung stehendem Misbrauche mehre Hindernisse entgegen. Zuerst darf nicht unerwogen bleiben, daßBanknoten nur gegen Sicherheiten ausgegcben werden können, und wer diese gibt, gewißjener bedarf. Wenn nun die Bank, sowol den Statuten gemäß als auch ihres eigenen Vor-theils wegen die Sicherheiten genau prüfen und die ungeeigneten zurückweisen wird undmuß, so können nicht mehr Noten ausgegcben werden, als das Publicum wirklich bcnöthigtist, und es wird daher der Betrag der auszugebendcn Noten durch die Nachfrage des Publi-cums und durch das Bestreben der Bank, Verluste zu vermeiden, beschränkt und bedingt.Eine ungemessene Notenausgabe wird zweitens durch deren sofortige Einlösung gegen baarcsGeld beim Vorzeigen verhindert. Wenn schon eine Bank es möglich machen sollte, ihreNotenin Übermaß auszugeben, was jedoch nur durch feste Darlehngrschäfte oder durch Annahmezweifelhafter Sicherheiten zu bewerkstelligen ist, so hat sie doch nicht die Macht, sie in Umlaufzu erhalten, indem dies nicht von der Bank, sondern vom Publicum abhängt, und die Ungewiß-heit, wenn sie zur Auswechselung znrückkommcn werden, sie nöthigt, zu jeder Zeit auf einenhinlänglichen Vorrath klingenden Geldes zu halten. Ein drittes praktisches Hinderniß ist,daß die Banken für die Summen, welche man bei ihnen niederlcgt, Zinsen gewähren. Eswird folglich Niemand Geld müßig liegen lassen, wenn er es so leicht und sicher bei ihnenzinsbar anlcgen kann. Versucht daher eine Bank, Noten über den Bedarf auszugeben, so ge-langen sie natürlich in die Hände von Individuen. Diejenigen, welche sie in ihrem Geschäftenicht gebrauchen, werden sie sogleich zurückgeben, um Gläuhiaer de r Bank -zu werden undZinsen dafür zu erhalten. Die zuviel ausgegebenen Noten Hrden daher theils von den andernBanken, theils von den Privaten, welche sie nicht bedürfen, an dieBankzurückgcgcben vndin'beiden Fällen bald außer Umlaufgcfetzt. Der Umstand, daß eine zu große Ausgabe Banknotenaugenblicklich deren Werth gegen geprägtes Geld herabsctzt und einen Curs unter Parihcrbeiführt, ist das vierte Hinderniß, und zugleich ein untrügliches, nicht zu verbergendesKennzeichen eines Misbrauchs, dem sogleich durch Einziehcn von Noten abgcholfen werdenkann. Wenn in den Ländern, in welchen es viele Banken gibt, der Gebrauch statkfindet,wöchentlich die bei den Banken cingegangenen fremden Noten gegenseitig auszutauschcn, soist dieser endlich ein fünftes Hinderniß. Jede Bank, die Noten ausgibt, hat ein Interesse,die Noten der andern Banken aus dem Umlaufe zu bringen, um den ihrigen Raum zu ver-schaffen, und gibt daher die bei ihr eingehenden Noten anderer Banken nicht wieder aus,sondern tauscht sie bei ihnen gegen die ihrigen ein, wobei der Unterschied durch geprägtesGeld ausgeglichen wird. Die Noten der einen Bank werden folglich von der andern immergern genommen werden. Wenn daher eine Bank versucht, einen größer» Betrag Notenauszugcbcn, als ihr Geschäftskreis erfodert, so wird unverzüglich das Zuviel durch den Um-tausch mit den benachbarten Banken ihr wieder zurückgegeben, ihre Vcrfahrungswcise ent-deckt und ihr Credit verdächtig werden. Die Banken sehen mit der größten Eifersucht undAufmerksamkeit auf diese Abrechnungen, sodaß, wenn im Laufe dieser Austausche etwasnur einigermaßen Unrechtes sichtbar werden sollte, die andern Banken die ungeeignet handelndeaugenblicklich nöthigen würden, ihre Verfahrungsweise zu ändern. Wenn daher die Notengegen geprägtes Geld sofort cinzulösen sind, ein verhältnißmäßigcr Vorrath von Geld dazu