Baltimore II
man ihr alle Feuchtigkeit entzieht und sie außerdem vielleicht noch mit Salzen behandelt, diemit ihr stabilere, vielleicht auch dem Ungeziefer nachtheiligc, Verbindungen eingehen, unddann ist wol eine ewige Erhaltung der Masse möglich, die Form geht aber durch die Ein-trocknung gänzlich verloren; oder man hat es darauf abgesehen, den Turgor der Thcileund damit ihre Form zu erhalten, und dann ist nur eine Aufhaltung der Zersetzung zu be-wirken, wenn man nicht die Theile immer in der conservircnden Flüssigkeit liegen lassen will.Unter die crstere Classe von Proceduren gehört die zufällige Mumificirung in sehr trockenenGrabgewölben; unter die künstlichen Versahrungsweisen aber die Behandlung mit Feuchtig-keit entziehenden Salzen, mit Kreosot, Holzessig u. s. w., Dinge, die man am besten dadurchim ganzen Körper verthcilt, daß ..man die Auflösung in die Adern injicirt, ein Verfahren,welches vor dem Einweichen der Ägypter den Vorzug verdient. Endlich gehört hierher dieAnwendung der nach Chaussier's Vorgänge in Frankreich bis in die neueste Zeit in Gebrauchgezogenen Einweichung des Leichnams in gesättigter Sublimatauflösung mit nachfolgenderschneller Trocknung, und die durch Tranchina neuerdings wieder hervorgerufene Znjectionmit Arsenikauflöfung. Beide Mittel conserviren vorzüglich, bewirken aber eine ledcrartigeEintrocknung. Die Anwendung von Harzen und Spezereien in allen diesen Fällen ist na-mentlich, abgesehen von Erzeugung eines Wohlgeruchs, gegen die Thätigkeit des Ungeziefersgerichtet. Daß die Anwendung von Sublimat und Arsenik zu Entwickelung schädlicherGasarten beim Eintrockncn und Aufbcwahrcn der Leichname Veranlassung gibt, ist bekannt,und namentlich darum hat man sich neuerlich sehr dagegen erklärt. Wenn nun diese Me-thoden für die Einbalsamirung solcher Leichen, die in Särge gelegt werden sollen, immerhindie besten sein mögen, so passen sie doch nicht, wo man Leichen behufs länger fortgesetzteranatomischer Unters uchungen, besonders im Sommer, längere Zeit zu erhalten sucht, selbstda nicht, wo Leichen öffentlich exponirt werden sollen. Hier gilt es weniger eine absoluteDauer zu erlangen, als vielmehr eine Verzögerung der Zersetzung, die aber mit An-wendung unschädlicher Mittel die Formen ganz erhalten soll. Die Abhaltung der LuftourchFirniß- und ähnlichcÜberzüge, vielleicht durch galvanische Überziehung mit dünnen Mc-callschichten würde für den letzternZwcck hinreichen, obgleich sie nicht lange wirkt, da die Ursa-chen der Zersetzung vorzüglich innere sind. Die Behandlung mit Weingeist und Aufbewahrungin Spiritus ist ein bekanntes Mittel dcrAnatomen, welches bei längerer Einwirkung aber dieGewebe sehr verändert. Neuerdings hat Granat in seiner „Ilistoirs ckes embuumemeuts"(Par. 1838) gezeigt, daß Thonerdesalze, in die Gefäße injicirt, eine solche Verbindung derLhonerde mit den Geweben des Körpers bewirken, daß der lMurssche Turgor und die Formaller Theile ziemlich lange unverändert bleibt unedle Fäulniß lange hinausgeschoben wird.Auflösungen der Thonerdesalze sind zur Conservirung von Präparaten nach ihm besser alsWeingeist. Das von Granat gewöhnlich angewendete Salz ist schwefclsaure Thoncrde.Der Procede Granat hat sich eine gewisse Berühmtheit erworben, und diese ist neuerdingsbei Gelegenheit des Herzogs von Orleans wieder aufgefrischt worden, da Pasquicr denLeichnam des Herzogs nach Chauffier mit Sublimat, Granat aber auf seine Weise einbal-samiren wollte, worüber sich ein Journalstreit erhob. Handelte es sich blos um die Ausstellungdes Herzogs, so hatte Granat recht; sollte aber der Leichnam wirklich mumificirt werden, soist dies von Granal's Verfahren nicht zu erwarten. Die Anatomen haben übrigens bis jetztnoch keine große Rücksicht auf Granal's Verfahren genommen. Was die neuerdings zu glei-chem Zwecke empfohlene Auflösung der Chromsäure leistet, muß erst die Erfahrung lehren.
Baltimore, Stadt mit Hafen in der Grafschaft Baltimore im nordamerik. FreistaateMaryland, an dcrNordseite des Flusses Patapsco, der l 4 Meilen vonda in dieChesapeakebaifällt, ward 1729 von Lord Baltimore angelegt und bestand noch 1765 aus nur etwa 50Häusern. Im I. 1797 wurde B. zur Stadt erhoben und stieg hierauf durch den Handeldermaßen, daß es imJ. 1840 bereits 102313E. zählte, darunter ungefähr20000 Deutsche.Die Stadt wird in die alte Stadt und Fcll's-Poink cingetheilt, die durch ein Flüßchen ge-trennt sind, über welches drei steinerne und mehre hölzerne Brücken führen. Sie enthältviele ansehnliche Gebäude, unter denen sich die Bank von Maryland, das Stadtgefängniß,Armenhaus, Hospital, die große Börse, das Museum, die Verkaufshallen und mehre der 40Kirchen und Gotteshäuser für alle Confessionen, namentkich die katholische St.-Paulskirchc,