Druckschrift 
2 (1845) Balde bis Buchhandel
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

, Ls

r r--

kl) Balsame Balsamire«

Im Mittelalter hatte man besondere Ballhäuser, und noch gegenwärtig gibt es iu Italienöffentliche Plätze, auf denen man sich mit Ballspiel ergötzt.

Balsame nennt man solche harzartige Materien, welche in der gewöhnlichen Tem-peratur flüssig sind und meist stark und angenehm riechen. Diese Flüssigkeit entsteht von denflüchtigen Ellen, welche allen Harzen beigemischt sind. An der Lust und durch die Länge derZeit werden die Balsame fest und in concrete Harze umgeändert. Man theilt sie in natür-liche und künstliche. Die natürlichen sind vegetabilischen Ursprungs und fließen entwederaus dem Stamme verschiedener Bäume, oder man gewinnt sie durch das Auskochcn derZweige und Blätter. Die künstlichen entstehen durch verschiedene pharmaceukische Zusam-mensetzungen und sind kheils dickflüssig wie Salbe und Öl, theils dünnflüssig und hell wieWasser. Zu den letztem, welche auch geistige Balsame heißen und meist aus Auflösungenätherischer Öle bestehen, gehören der Hoffmann'sche Lebensbalsam, der Kiesow'sche undSchauer'schc Balsam, der sogenannte Kopf-, Schlag- und Wundbalsam u. s. w. Unter dennatürlichen Balsamen sind die vorzüglichsten: I) der Balsam von Kanada, welcher von derBalsamtanne, die in Kanada und Virginien wächst, gewonnen wird; 2) der Copaivabal-sam, welcher von dem in Südamerika einheimischen Balsamcopahubaume gesammelt wird;3) der Karpatischc Balsam, auch Balsam vom Libanon, von der Zcmbratanne, welche aufden kacpatischen Gebirgen in Ungarn, in der Schweiz, Tirol u. s. w. wächst; -1) der sehrkostbare Balsam von Mekka oder Gilead, von zwei Bäumen, welche hinter Azab längs derKüste bis an die Straße von Bab-cl-Mandeb wild wachsen und nur in einigen Theilen Ara-biens, in Palästina und Ägypten angcbaut werden; 5) der Balsam von Peru, sowol vonweißer als schwarzer Farbe, vom Balsamholzbaume, der im südlichen Amerika, vornehm-lich in Peru wächst; 6) der flüssige Storax, auch flüssiger Amber, aus dem Ambrabaumein Virginien, der aber auch in Östindjen bereitet wird; 7) der Balsam von Tolu vom Bai-sambaumc, der bei Tolu, einer Stadt nicht weit von Cartagena in Columbia, wächst; 8) derUngarische Balsam, blos ein reines, feines Terpenthinöl und ü)der Terpenthin (s. d.).Die Balsame werden meist nur in der Wundarzneikunst gebraucht und besitzen eine gelindreizende und heilende, schmerz- und krampfstillende Kraft; manche, wie der Copaivabalsam,dienen auch in der Ölmalerei zu verschiedenen Lacksirnisse» u. s. w. Die natürlichen Bal-same sind neuerdings Gegenstand sehr wichtiger chemischer Untersuchungen geworden, diegroßes Licht über die Bildung der Harze und die Nolle der ätherischen Öle in der Pflanzcn-ökonomie verbreitet haben.

Balsamircn oder KinbaHamireii nennt man das Verfahren, welches man an-wendet, um Leichname vor Verwesung zu schüfen. Dergleichen Verfahruugsarten warenschon den Assyrern, Scythen und Persern bekannt, welchejl^re Leichname durch Überziehenmit Gummi oder Wachs conservirten; am berühmtesten aber haben sich darin die Ägyptergemacht, bei denen alle Leichen cinbalsamirk wurden. Die ägypt. Methode des Balsami-cens ist von Diodor beschrieben; doch ist seine Beschreibung, wenn auch im Wesentlichen durchdie Untersuchungen der Mumien (s. d.) bestätigt,in manchen Stücken undeutlich undnoch jetzt herrschen Zweifel. Jedenfalls hatten die Ägypter verschiedene Methoden. Dievollkommenste bestand in Entleerung der Kopfhöhle und Ersatz des Gehirns durch aroma-tische Substanzen, Herausnahme der Eingeweide, Jmprägnirung derselben mit aromatischenStoffen und Äusfüllung der Bauchhöhle mit wohlriechenden Harzen oder Asphalt, ferner inEinweichen des ganzen Kadavers in Auflösungen von Natronsalzen und endlich in luftdichterEinwickelung des ganzen Leichnams in aromatisirte Binden. Gesicht und Hände wurdenwol auch vergoldet. Daß die ägypt. Einbalsamirung die Leichname nicht unverändert er-hielt, zeigt die Ansicht jeder Mumie. Alle Weichtheile sind in ihrer Structur vollständigzerstört und verändert und selbst die äußere Form nur höchst unvollkommen beibehalten. Eswurde also auch hier nur eine Verwandlung der Fäulnis! in langsame Veränderung und Zer-setzung erzielt, theils durch Anwendung antiseptischer Stoffe, theils durch Abhaltung derLust, theils endlich durch Beförderung des Äustrocknens. Die neuere Zeit »nacht nur inseltenen Fällen von» Einbalsamiren Gebrauch und ist ganz von der Idee zurückgckommcn,daß es möglich sei, einen Leichnam für ewige Zeiten unverändert zu erhalten. Es sind näm-lich nur zwei Fälle denkbar; entweder man macht die thicrische Substanz dadurch stabil, daß