Ballistik Ballspiel v
von den Schießzeugen (tormentis) kommenden Pfeile und der Steine, welche von den Kata-pulten geworfen worden wären. Die Kriechen gaben den stärker» Ballisten den Namen Ona-g e l,dieRömcr nannten sie Mang an um, woraus später M a n g c entstand, das auch zu-weilcn.M arga heißt. Die Ballisten wurden nicht blos bei Belagerungen gebraucht, son-dern auch In den Feldschlachten; dann waren sie aber bloße Handballisten, welche von ein-zelnen Soldaten getragen werden konnten. Die Anzahl dieser Schleuderwerkzeuge bei denAlten war sehr groß, und Scipio soll, nach Livius, bei der Einnahme von Neukarthagoderen 538 von allen Sorten erobert haben. Nach deö Zosephus Angabe beschossen die Rö-mer Jerusalem mit 40 Ballisten und 300 Katapulten. Der Scharfsinn der Alten ließ baldbeide Werkzeuge miteinander verbinden, sodaß neben dem Hebelarm der Balliste noch ei«ePfeilrinne angebracht ward, um einen oder mehre Pfeile oder Steine gleichzeitig in flacher,wagerechter Richtung fortzuschleudern. Die Größe der Ballisten wird verschieden angege-ben. Plutarch erzählt, daß Archimedes bei der Vertheidigung von Syrakus eine Ballistegebraucht habe, welche zehn Centner schwere Eisenstücke geschleudert haben soll. Obgleich dieBallisten durch die Erfindung der Pulvergeschütze verdrängt wurden, so hat es doch selbstin neuester Zeit nicht an Vorschlägen gefehlt, sie ihrer Wohlfeilheit wegen neben jenenzu gebrauchen; einer der sinnreichsten dieser Vorschläge gehört den, schweb., nachmals preuß.,General von Helvig. Auch der Professor der Mathematik Gobert in Berlin hat dasModell einer von ihm erfundenen Balliste hinterlassen.
Ballistik heißt die Lehre von der Bewegung geschossener oder geworfener Körper,welche es besonders damit zu thun hat, die Flugbahn der Geschosse im widerstehenden Mittel,d. i. der Luft, zu bestimmen. Namentlich beschäftigten sich mit dieser Lehre Newton, derEngländer Nobins und Euler. Des letztern Arbeiten hat der General Tempelhoff in seinem„Lombarclier^irNWon" (Berl. 1781) zur Lösung des ballistischen Problems benutzt, dasnachher von Massenbach und Komarzewsky erläutert wurde. Vgl. Obenheim's „Lnllistiyuo"(Strasb. 1814). Der von Robins erfundene ballistische Pendel besteht in einerMaschine, bei der entweder ein starker Holzblock pendelartig aufgehangen ist, gegen deneine Kugel abgeschossen wird, worauf dann aus dem Schwingungswinkel des Pendelsdie Geschwindigkeit der abgeschossenen Kugel berechnet wird; oder cs ist eine kleine Kanonean dem Pendelarm befestigt, welche abgefeuert, und wo alsdann aus dem Rücklaufderselben die Geschwindigkeit der Kugel berechnet wird. Alle ballistischen Pendelversuchehaben bis jetzt zu keinem befriedigenden Resultat geführt. Die Engländer haben die Ver-suche ins Große getrieben, den Block über 6000 Pfund sschwer gemacht und eine sechs-pfündige Kanonenkugel dagegen abgeschossen, Ahne den eigentlichen Zweck zu erreichen.
Ballotage oder Kugelung nennt man eine Art des Abfiimmens. Jeder der Stim-menden erhält dabei eine'weiße und eine schwarze Kugel (tmllotte) und drückt, durch Einwer-fen derselben in ein Gefäß, mit der weißen die Bejahung oder Zustimmung, mit der schwar-zen die Verneinung aus.
Ballspiel war eine der beliebtesten Übungen der Gymnastik bei den Alten, die vonden Erwachsenen wie von der Jugend, von den vornehmsten Staatsmännern ebenso wievon den Niedrigsten im Volke, von den Meisten fast täglich, getrieben wurde. Der sonstweichliche Mäcenas vergnügte sich sogar auf der Reise, wie wir aus Horaz wissen, an diesemSpiele. In den Gymnasien der Griechen und den Bädern der Römer war eine eigene Ab-lhcilung für das Ballspiel (Spkseristerium) vorhanden, wo auch besondere Vorschriftenund Abstufungen nach dem Gesundheitszustände des Spielenden beobachtet werden mußten.Die Arten der Bälle waren sehr verschieden; gewöhnlich waren sie von Leder und mit Luftaufgeblasen, mithin unfern Ballons ähnlich, oder mit Federn ausgestopft; doch verfertigteman auch Bälle aus vielseitigen sich durchschneidenden Stoffen. Platon im „Phädon" er-wähnt Prachtbällc, die aus zwölf verschiedenen farbigen Segmenten zusammengesetzt waren.Beim Spiele selbst warf man den Ball theils in die Höhe, theils auf die Erde und lief dar-nach; auch warfen mehre Personen kleine Bälle einanderzu, entweder um sich zu werfenoder um sie aufzufangen und zurückzuschlagen. Vgl. Böttigcr's „Kleine Schriften" (Bd. 3,Dresd. 1838) und Krause's „Gymnastik und Agonistik d-r Hellenen" (Bd. I, Lpz. 1841).