8 Ballhorn Balliste
kannten die gegenwärtige Form des Ballets nicht, obgleich sich der erste Ursprung auf diePantomimen der Römer zurückführen lassen mag und bereits im Morgenlande, wie na-mentlich bei den Griechen, Ballete nicht unbekannt waren. Das Ballet ist wesentlich imDienste und zum Vergnügen der Höfe entstanden, wenn außerordentliche Gelegenheiten inaußerordentlicher Weise gefeiert werden sollten. Wir finden es in Italien zu Anfänge des16. Jahrh., besonders am turiner Hofe, wo Graf Aglio dasselbe mit seinem erfinderischenGenie befruchtete und die Prinzen und die Prinzessinnen des Hofes durch Gesang, Decla-mation und Tan; selbst mitwirkten. Baltagerini, Musikdirektor der Katharina de'Me-dici, führte das Ballet zuerst in Frankreich ein, wo es bald so beliebt bei Hofe wurde, daßLudwig XIII. auf einem dieser Ballete mittanzte, welches Beispiel Ludwig XI V. in seiner Ju-gend nachahmte. Anfangs war hier das Ballet, der Richtung der Zeit entsprechend, wesent-lich allegorisch und meist geschmacklos. Erst gegen Ende des 17. Jahrh. erhielt es, zugleichmit der Gründung der großen franz. Oper, seine höhere künstlerische Ausbildung; Quinault' verflocht es in seine Opern. Um dieselbe Zeit traten zuerst Frauen im Ballete auf, währendbis dahin nur Männer in demselben getanzt hatten; doch findet man Ballettänzerinnen vonBedeutung nicht vor 1790. Im I. 1697 wurde Antoine Houdart de la Motte Verbessererund Reformator des Ballets, indem er besonders die Handlung und das dramatische In-teresse der Balleioper verstärkte. Noch immer blieben Oper und Ballet beisammen, bisendlich Jean Georges Noverre (s. d.) erschien, das Ballet von der Oper trennte, es zueiner besondern Kunstgattung erhob und zugleich als denkender Künstler eine sinnreicheTheorie desselben begründete. Vincenzo Galeotti's glänzende und geniale Versuche zu Ko-penhagen, das Ballet im antiken Sinne auf das rein dramatisch-plastische Princip zurückzu-führen, diesem den Tanz durchaus unterzuordnen, statt ihm das Übergewicht zu gestattenund somit seinenBallets den Charakter großer rhythmisch-plastischer Pantomimen zu erthei-len, sind seit seinem Tode im I. 1827 nicht wieder belebt worden.
Ballhorn (Joh.), ein Buchdrucker zu Lübeck, der 1531—99 daselbst gelebt habensoll. Schon damals druckte man Fibeln, auf deren letzter Seite das Bild eines an den Füßengespornten Hahns angebracht war. Auch B. druckte eine solche, ließ aber die Sporen weg,legte dem Hahne zwei Eier zur Seite und setzte in Betracht der Veränderungen auf denTitel: „Verbessert durch Joh. B" Hierdurch brachte er seinen Namen auf die Nachwelt,und noch jetzt heißt ballhornisiren oder verballhornen soviel als abgeschmackte undunnütze Veränderungen machen, oder auch etwas verschlechtern statt verbessern.
BalliA^^ine Wurfmaschine der Alten, deren Erfindung den Phöniziern zugeschrie-ben wird, um große Steine, glühende ^sta eln, brennbare Stoffe, Massen Bleikugeln, so-gar tobte und verwesete thierische Körper ml Bvaeuau We rken. Gebäude und Streitmitteldes Feindes damit zu zerstören und in belagerten Orten Verwüstungen anzurichten undKrankheiten herbcizuführen. In spätern Zeiten erhielt dieses Wurfgeschütz die Benennun-gen Man ge, Steinblyde,Petrern,Rutta oder Ankwerk. Die Balliste bestandauS einem Balkengerüst, zwischen welchem sich ein hölzerner Arm oder Hebel bewegte, der vornin einem Löffel oder Kasten endete, worein die Gegenstände gelegt wurden, die man fort-schleudern wollte. Die bewegende Kraft bestand in einer starken, mehrfach zusammcngedreh-ten Darmsaite, welche an dem untern Theile des ArmS sich befand und durch Zurückbrin-gen des letztern sich spannen ließ. Sollte die Maschine wirken, so wurde mittels eines Ab-zugs oder Drückers die gespannte Saite freigelaffen, drehte mit Heftigkeit sich auf undschnellte dabei den Arm gewaltsam nach vorn, wodurch die im Löffel befindlichen Gegenständefortgcschleudert wurden. Andere Ballisten erhielten die bewegende Kraft durch angebrachteGewichte, welche unterwärts zur Erde wirkten und dadurch die vorwärtsgehende Bewegungdes Hebels erzeugten. Röm. Geschichtschreiber, und unter ihnen auch Vegetius, verwechselndie Ballisten mit den Katapulten (s. d.), was zu allerhand Irrungen und StreitigkeitenAnlaß gegeben hat, indem die Griechen unter Katapulten nur solche Werkzeuge verstanden,welche Pfeile in flachem Bogen fortschleuderten, während die Ballisten für das Werfen imhohen Bogen, nach Art der heutigen Bombenmörser, bestimmt waren. Polybius hatdiesen Unterschied streng festgehalten, ebenso Vitruv, Tacitus und Seneca. Julius Cäsarerwähnt dagegen bei der Belagerung von Marseille mehre Deckungen der Römer Wider die