r Ball Ballade
erscheint oft ein strenger Winter mit hohem Schnecfall. Die Bewohner usbekischen Stam-mes folgen dem veränderlichen Bilde ihrer Landesnatur; sie sind friedliche Nomaden oderräuberische Krieger, Karavancnwanderer oder Ackerbauer und Handwerker in Dörfern undStädten. — Die Hauptstadt des Landes ist Balkh, fünf Meilen vom Amu in einer vonKanälen und Gräben tausendfach durchschnittenen Gegend, welche das dadurch zersplitterteWasser des Rudi-Haaj verschlingt und die Einmündung in den Amu verwehrt. Die Stadthat noch den stolzen Titel Amu-al-Bulad, d. h. die Mutter der Städte, bcibehalten; sieragt aber aus dem weiten Umkreise eines wüsten Trümmerhaufens nicht mehr mit demGlanze hervor, welchen das hier zu suchende alteBaktra hatte. Dschingis-Khan und Tamer-lan zerstörten B. fast gänzlich und noch im 1.1825 plünderte es der mächtige Beherrschervon Kunduz, Mir Murad Bei. Gegenwärtig bewohnen cs kaum einige Tausend Menschen,meist Eingeborene von Kabul, deren Hauptindustrie in Webereien, besonders in Seide, besteht.
Ball, ein Lanzfest, ist von dem stanz, bul, d. h. Tanz, im Italienischen ball», unddieses von dem veralteteten stanz. Worte bnller, d.!. tanzen, im Italienischen ballare, Herzu-leiken, keineswegs aber mit dem deutschen Worte Ball oder Spielball in Verbindung zubringen. Die Franzosen haben jedenfalls zuerst die Bälle cingesührt, wie denn auch vonihnen die Mehrzahl neuer Balltänze und Tanztouren ausging.
Ballade oder nach dem Italienischen Ball ata. Die Ballade, ist eine darum schwerzu charakterisirende Dichtgattung, weil sie im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Wand-lungen unterlegen hat und der Name derselben von neuern Dichtern auf Gedichte episch-lyrischer Gattung übertragen worden ist, die ihrem Umfange, ihrem Inhalte und Charakternach mit der ursprünglichen Ballade nichts mehr gemein haben.. Arger wurde die Begriffsver-wirrung noch dadurch, daß man Gedichte ganz desselben Charakters bald alsNomanze (s. d.),bald als Ballade, bald als epische, lyrisch-epische oder poetische Erzählung bezeichnte, sodaßim Allgemeinen hier >„^ ^ des Dichters ankam,
welchen von diesen Gattungsnamen er seinem Gedichte geben wollte. Die Italiener nanntenseitdem 12.Jahrh. Ballata ein rein lyrisches Gedicht geringen Umfangs, welches mitdem Sonett und in Hinsicht der Form noch näher mit dem Madrigal verwandt war und inder Regel Liebesklagcn zum Gegenstände hatte. Schon bei Dante finden sich dergleichen Bal-letten. Mit ihnen verwandt sind die Balladen der Franzosen, welche von Moliere angcfeindet,außer Gebrauch kamen. Balladen in der jetzigen Bedeutung finden sich zuerst im 14. Jahrh.in England und mehr noch in Schottland. Mit den span. Romanzen sind sie insofern verwa ndt, daß beide eine n Erzählungsstoff lyrisch verarbeiten. Während aber die Romanzemehr lyrischen Charakters und Ganges ist und die südliche Färbung der span.
Nation wiederspiegelt, gestaltete sich die nordischL^As'de ernster, schroffer und finsterer, be-sonders bei den Dänen, obgleich sich auch Balladen fiMn; rvotche^ine muntere und scherzhaftePointe haben. Überhaupt ist die Ballade dem Sinn und Inhalt nach der Urbestandtheil aller-epischen Dichtungen in den poetischen Urzeiten einer Nation. Die Heldengedichte, wie der Cid,die altruff. Epopöen, vielleicht selbst die Nibelungen sind aus solchen Balladen entstanden.Auch unter den alten deutschen Volksliedern finden sich dergleichen Balladen, bestehend in lyri-schen Verarbeitungen einfach epischer Vorgänge und Begebenheiten, in denen die Empfindungdes Verfassers sichtbar durchleuchtet. Aber das Wort Ballade hatte man für diese Gattungdamals noch nicht; man nannte dergleichen poetische Erzählungen einfach Lieder; erst in derzweiten Hälfte des 18. Jahrh. trug man den ausländischen Namen auf sie über. Bürger,mit der schott. und engl. Balladenpoeste innig vertraut, war der eigentliche Schöpfer derdeutschen Kunstballade, die er in einem über das Maß der alten Ballade weit hinaus-gehendcn Umfange anlegtc, mit landschaftlicher Scenerie wie mit anderm Schmuckwcrk um-gab und zugleich durch dialogische Partien zur dramatischen Lebendigkeit erhob. Seine„Lenore" hat-ebenso wol klassischen Ruf als Popularität erworben. Noch umständlicherund dcscriptiver ist Schiller in seinen erzählenden Gedichten, welche er Balladen nannte, wo-gegen Goethe, mit Ausnahmen einiger Balladen, sich schon mehr dem alten Bal laden liebenäherte und somit Andern, besonders Uhland, den Weg vorzcichnete. Bürger, Schiller,Goethe und Uhland kann man als die Koryphäen in dieser Gattung ansehe», indem sich ihnen,mit mehr oder minder ausgeprägter Individualität, größerer oder geringerer Annäherung