III. Lebensarbeit. 47
nehmenden Kräften, seiner Familie und seinen Freunden bot. Er selbst scheint die Gefahr,in der er schwebte, nicht eigentlich empfunden zu haben. Er zeigte sich aber dankbar fürdie treue Pflege der Seinigen und für jeden teilnehmenden Besuch, den er erhielt; dannhuschte über sein Gesicht der liebenswürdige Zug, den wir an seiner Mutter und an seinemGrossvater, dem Pastor von Neustadt, wahrgenommen haben. Von den Peinlichkeiten einesallzulangen Krankenlagers blieben er und seine Angehörigen verschont. Die Cerebral-geschwulst verrichtete binnen wenigen Monaten ihr Zerstörungswerk. Am Montag, den10. August 1896, in der zweiten Nachmittagsstunde, berührte ihn mit leiser Hand der Tod.Eben waren die meisten seiner Kollegen und Schüler in die Ferien gegangen. Einestille Beerdigung wurde angeordnet. Am folgenden Mittwoch gaben die nächsten Ver-wandten und Freunde dem Dahingeschiedenen das Geleite zur letzten Ruhestätte.
Wir dürfen am Schlüsse dieses Lebensbildes darauf verzichten, die Summe der Arbeitzusammenzufassen, die der Verstorbene als Mann der Schule und der Wissenschaft in uner-müdlicher Hingabe zu seiner dauernden Ehre geleistet hat; denn das Wesentliche und Be-deutsame seines Wirkens ist je an seiner Stelle herausgehoben worden. Wir lassen unsereDarstellung einfach in den Worten ausklingen, die pietätvolle Männer unmittelbar nachseinem Tode ihm öffentlich gewidmet haben 1 ). Sie bezeichneten ihn als „eine durchaus un-gewöhnliche Persönlichkeit, von wahrer innerer Fülle des Wissens und der Gesichte", alseinen Mann, der „mit allen Fasern einer gross und schön angelegten Natur" in der Liebezu den herrlichen Weistümern unserer Muttersprache wurzelte, und der es meisterlich ver-stand, „den Funken idealer Begeisterung auch in seinen Schülern zu wecken und zu einerFlamme grosszuziehen". Nun ist „die Fackel", schloss der Nachruf, „die er fröhlichen undtapferen Sinnes lange Dezennien unserer Jugend vorangetragen, der müden Hand entfallen;wohl ihm — sie brennt hellen Glanzes in ungezählten Herzen weiter, auch über seinemGrabe noch eine reiche Fülle von Licht und Wärme spendend."
') Tagblatt der Stadt St. Gallen, 1896, Nr. 187, 192 und 193. (Von H. Seifert und 0. Fässler.) Vergl.auch die Nachrufe in den Basler Nachrichten, Nr. 221 (von Dr. J. Bucher), in der Neuen Bündner Zeitung,Nr. 193 (von Dr. M. Valer), und in der Appenzeller Zeitung vom 11. August (von E. Diem).