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Ernst Götzinger : ein Lebensbild ; mit Porträt
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II. Stuciiengang. 19

Mann vor dem man Respekt bekommt und dem man es gleich beim ersten Wort anhört,dass er nicht zu den gewöhnlichen Menschen gehört." In die sächsische Schweiz begleiteteihn sein Onkel; er führte ihn zuerst nach der „Bastei", wo soeben, am 1. September, derhundertjährige Geburtstag Wilhelm Leberecht Götzingers bei einem ihm errichtetenDenkmal gefeiert worden war, dann nach Hohnstein und endlich zu Wagen, .,aber aufHolzwegen*", nach Neustadt. „Da lag denn rings von Hügeln umgeben das freundlicheStädtchen, wo der Papa sich als Knabe herumgetummelt, oder vielmehr, wo er, wie miralte Leute' erzählten, mit dem Buch in der Hand unter dem Fenster gesessen hatte, währenddie Kameraden spielten. Wie wir durchs Städtchen fuhren, grüssten die Leute den Onkelals alten Bekannten; abgestiegen wurde im Gasthof des Bürgermeisters. Dann bekränztenwir des Grossvaters Grab, besahen uns die Kirche, worin das lebensgrosse Ölgemälde desGrossvaters hängt, und machten verschiedene Besuche. Da hatten denn die Neustadtereine orosse Freude, den Sohn des Max zu sehen, der im Pfarrhaus so gut Theater gespielthatteT denn — hiess es — der alte Herr Pfarrer war ein loyaler Herr, wie's jetzt wenigemehr o-iebt." In den folgenden Tagen passierte er Sebnitz, das ihn an seinen Urgrossvatererinnerte, und sah „die wildesten Teile der sächsischen Schweiz. Weiter gieng's auf diebekannten Merkwürdigkeiten, Prebischtor, Kuhstall, nach Schandau, Königstein, Struppen,ein Dorf wo der Grossvater geboren ist, nach Pirna und endlich, am 23. September nachts,nach einer Tour von 6 Tagen nach Dresden zurück. Onkel hatte erfahren, dass mein Ge-burtstao- sei, und so überraschte er mich denn am folgenden Morgen früh mit einem schönenBlumenkranz auf einer Torte und drin -- doch ich will lieber Schillern zitieren: Und miteinem Kranz von Talern naht die Götterkönigin! . . . Aber die Zeit rückte; und ich wolltenoch auf die Leipziger Messe, vorher aber mit meinem vielen Geld in der Tasche ins Erz-gebirge, denn nach Göttingen durfte ich kein sächsisches Geld mitbringen, oder wenigstensnicht allzu viel." Er fuhr nach Chemnitz, wanderte bis nach Annaberg und nach Buchholzhinauf wo sein Vater einst im Hause des Kaufmanns Karl Bach Lehrer gewesen war,wurde'überall aufs liebenswürdigste empfangen und nahm dann seinen Rückweg gegenLeipzig In Zwickau stiess er nach einem neunstündigen Marsch unvermutet auf einenentfernten Verwandten aus Schaffhausen. „Ich kam spät an, gieng ins erste beste Gast-haus das aber sehr nobel aussah, ass etwas, gieng zu Bett, frühstückte und - schrieb michins Fremdenbuch. Der Wirt sieht's und fragt: ,Kennen Sie einen Götzinger aus der Schweiz? 1- Wenn Sie den Schaffhauser meinen, so bin ich sein Sohn. - ,Nu, wie geht's der Jean-nette?' — Aber, Herr Wirt, wer sind Sie derm? - - ,Sagen Sie mir zuerst, wie's der Jean-nette' geht.' - Recht gut, aber wer sind Sie? - ,Ich bin der Sohn der alten Frau Huber,also Ihr Vetter.' Jetzt gieng's an ein Fragen von beiden Seiten. Der Herr Vetter aberschien mir ein lustiger Gesell gewesen zu sein, ist jetzt verheiratet und hat den schönenGasthof, den er jedoch gern verkaufen möchte. Ich musste nun über Mittag bei ihm bleibenund wieder auf Deine (der Mutter) Gesundheit trinken. Dann entliess er mich zechfrei,und ich kam auf der Eisenbahn nach Werdau und Leipzig, mit einem grossen Vorrat vonLänderkenntnis in der Tasche, sogar von Theaterkenntnis, denn in Dresden hatte michOnkel auch ins Hoftheater geschickt."

Bei diesen Kreuz- und Querzügen waren aber August und September dahingegangen.Nun strebte er über Halle. Magdeburg und Wolfenbüttel seinem neuen Bestimmungsorte zu.