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mit der grössten Gemütsruhe angefangen und vollendet wurde. Sie hat gerade ebensovielLöcher, als ich nach Hause gebracht habe in den Strümpfen und den Hosen und im Rock undim Geldsäckel." Die Rückreise gieng wieder grösstenteils zu Fuss in kleinern Tagemärschenan den Rhein. Sie fanden das Wandern im lieblichen Moseltal höchst angenehm, da keineEngländer die idyllische Ruhe störten, und sie priesen die damals noch herrschende religiöseToleranz, als sie im Gasthause eines kleinen Städtchens, in welchem sie abends Herbergesuchten, die Beobachtung machen konnten, dass der katholische und der protestantischeGeistliche einträchtiglich mit den Pfarrkindern bei einem Schoppen sassen. Am siebentenTage gelangten sie nach Koblenz, „wo der Fremdenzug hinkommt, also die Gemütlichkeitaufhört", und am achten Tage (29. Mai) kamen sie auf dem Rhein wiederum nach Bonn.Der ganze Ausflug hatte nur 14 preussische Taler gekostet, „einschliesslich verschiedeneFlaschen Ahr- und Moselwein, wie noch kein einziger St. Galler sie getrunken hat."
Die heissen Sommertage, die im Juni folgten, waren nach eigenem Geständnis Götzingersdem Studium nicht sehr förderlich und bereiteten ihm für einige Zeit körperliches Unbehagen.Rasch aber gieng das Semester, in welchem er eine beschränkte Zahl von Vorlesungen beiJahn, Walter, Diez und Brandis hörte, seinem Ende entgegen. Inzwischen korrespon-dierte er nach allen Seiten mit einem Fleisse, der in dieser Rücksicht bei Studenten wohlselten anzutreffen ist. Er schrieb regelmässig an Mutter und Geschwister, um sie über seinTun und Treiben auf dem Laufenden zu erhalten und ihnen auch in ernsten oder hu-moristischen Wendungen die unvermeidlichen Ausgaben zu erklären, die er machen musste;er schickte Briefe an die Kirchhofer'schen Verwandten, an seinen Lehrer Wackernagel,dem er über den Fortgang der Studien Nachricht gab, an Wilhelm Roth in Heidelberg,an Wart mann, der während des Sommers in St. Gallen blieb, und endlich an OnkelKarl Götzinger in Dresden, einen Bruder seines Vaters, der den höchst verständigenGedanken hatte, seinem immer geldbedürftigen und bisweilen durstigen Neffen von Zeit zuZeit einen Zehn-Talerschein zu übersenden. Am 10. August 1858 wurden die Vorlesungengeschlossen, und zwei Tage darauf erhielt er gegen eine Gebühr von 4 Talern 24 Groschen— ein hübsches Exempel, wie die Preussen unverschämt Geld fordern" — das Abgangs-zeugnis in welchem Otto Jahn als Dekan der Fakultät bestätigte, dass der Inhaber seitseiner Immatrikulation am 3. November 1857 sich an der Universität Bonn als Studierenderaufgehalten und sich der philosophischen Wissenschaften beflissen habe. Er hatte den Ent-schluss gefasst, sich noch nach Göttingen zu begeben. Dort durfte er hoffen, im kommendenSemester wieder alte Freunde zu finden, die ihm in Basel oder Bonn besonders lieb ge-worden waren; dort boten sich ihm günstigere Gelegenheiten für die Pflege der speziellenGermanistik; dort gedachte er auch seine akademischen Studien förmlich abzuschliessen.
Aber es lao- nicht in seinem Sinne, auf geradem Wege vom Rhein in das Hannoveranischehinüberzuziehen. Die langen Ferien verlockten ihn zu weitern Wanderungen und zur Aus-führung eines Planes, von dem er den Seinigen schon im Laufe des Sommers erst-schüchterne,dann immer bestimmtere Andeutungen gemacht hatte. Er wollte quer durch die deutschenGaue so viel als möglich zu Fuss, bis in die sächsische Heimat seiner Sippe reisen undsich erst von dort aus nach der Georgia Augusta an der Leine wenden.
Nachdem von Schaffhausen die Zustimmung und der nötige Zehrpfennig eingetroffen
waren __ denn „brav Gelder muss die Mutter schicken, wenn der Herr Sohn studieren
soll"__, verliess er Bonn am 18. August, fuhr nach Koblenz hinauf, nahm dort das Ränzchen