Druckschrift 
Gespräche In Dem Reiche derer Todten ... Zwischen Friderico V. Churfürsten von der Pfaltz, welcher die Böhmische Crone angenommen, und seinem Sohn Carol. Ludovico, ebenfalls Churfürsten von der Pfaltz : so sich in die Fräulein von Degenfeld verliebt gehabt, und darüber mit seiner Gemahlin in ein grosses Mißvernehmen gerathen ist, ...
Entstehung
Seite
690
Einzelbild herunterladen
 

-_ m ( 6 92 ) M ^

Gleichwohl erheyrathete ich das mit ihr, was nachhero meinen Fallguten Theils befördert hat. Sie hegete nemlich lauter Königliche Ge-dancken, und äiicurü te fast unaufhörlich von dem Glanhe derer Cronenund T hronen, gegen die ihr der Chur-Hut ziemlich dunckel in die Augensiel. Mir ward aufdiese Weise das Maul nach einer Königl.Cron eben«falls ziemlich wästerichtgemachet,dergestalt, daß ichöffters recht sehnlichseuffzete, und wünschete, deren eine zu erlangen, bildete mir auch wohlgar ein, meine Gemahlin könnte mich, als Churfürsten, nicht so lieben,wie sie mich als einen König lieben würde. Aber, 0 Himmel ! wie glück-lich wäre ich gewesen, woferne dergleichen thörichte Gedancken nimmer-mehr in mein Hertze gekommen wären. Ich war ja ein mächtiger Chur-fürst des Reichs, denen Königen gleich, und alles sahe Königlich bey miraus, gieng auch Königlich bey mir her. Warum muste ich dann ebenein wirklicher König heissen, mit einer Crone prangen, und auf einemThrone sitzen?

LäiroL.u8 l^uvovlcus.

Es bleibet demnach wahr, daß das menschliche Hertz niemals mitdem vergnügt ist, was ihm der Himmel zugetheilet hat ; sondern allezeitnach mehrerm trachtet. Ja der Mangel ist vielmals besser als der Über-fluß,weil derselbe machet, daß man sich nur bestrebet allezeit so viel zuhaben, daß man den Schmerh, welchen er verursachet, nicht allzusonder-lich empfinde. Allein der Überfluß, wann man in allem hohen klar undWohlstand stehet, wie jhr, mein Vater ! nebst euren Landen und Unter-thanen , zu der Zeit gestanden, da ihr noch niemals Ew. Majestät geheis-sen worden, machet gemeiniglich, daß man, aus Ubermuth getrieben, im-mer höher und höher zusteigen suchet.

kkiOLiricus.

Ihr urtheilet ganh recht, mein Sohn! der Mensch ist so geartet.Zwar ist es niemanden zu verargen, der da suchet seinen Stand und (wn-ctìà zu verbessern, folglich kein Bauer zu verdencken, wanner kan einBürger werden, keinem Bürger, daferne sich Gelegenheit p^semiret inden Adel zu kommen, keinem Edelmann,im Fall er Herr àon heissen kan,keinem àon, der Occ-Wo» vor sich siehet den Grafen Stand zu betreten,keinem Grafen, der ein Fürst, und keinem Fürsten, der ein König werdenkan. Allein wann es auf eine unerlaubte planier geschiehet, die mitgroj-ser Grfahr verknupffet, ist es thöricht gehandelt. Denn das gegenwär-