Druckschrift 
Gespräche in dem Reiche derer Todten ... zwischen der letztverstorbenen Römischen Käyserin, Eleonora Magdalena Theresia, und der letztverstorbenen Königin in Franckreich, Maria Theresia : worinnen das Leben, Gottesfurcht und hohe Tugenden dieser beyden großen Printzeßinnen ... zu ersehen ...
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

m ( rsr ) W

lein , und dann ein Stroh-Sack, samt schlechten Decken zum Bette, zusehen gewesen.

An gewissen Tagen hörete ich acht Messen, und da mochte es kaltoder warm seyn. Vielmals lag ich, im Gebet,mit dem gantzen Leib, aufder Erden, die ich mit meinem Angesicht berührte, in tiefster Demuth vorGOtt, besuchete alle Kirchen in und um Wien, wohnete auch allen bw-ceKonen bey, insonderheit der am Frohnleichnams-Tag; da ich danneine schwehre weise Wax - Kertzen, 4. biß s. Stunden lang, in der Handherumtrug.

Mit einer, Namens columba, berühmten Stiffrerin derer Carme-Memmen zur Wienerischen Neustadt,lebete ich in grosser Vertraulichkeit.Hs reisete auch der glorwürdigste Käyser, mein Gemahl, bißweilcn mitnach Neustadt, und wir Meten, nebst der Ooiurà, össters eine Be-trachtung von vielen Stunden über geistliche Dinge an, 1om-e KempensBüchlein von der Nachfolge Christi, wüste ich auswendig, und ließ vielegeistliche Bücher, aus der Frantzösischen Sprache sowohl, als aus derItaliänischen, mit grossen Unkosten in die Hochteutsche übersetzen., Un-ter dem Ankleiden und Aufputzen, da fönsten die Hof-Osmss, Fräulein> und Cammer-Iungfem, ihren Printzeßinnen etwas lustiges und angeneh-

! mes vorschwatzen, war bey mir schon eine bestellet, welche einige kaLZen

^ aus dem Leben eines Heiligen Herlesen muste.

Das Geld, und dessen Preiß, kennet« ich nicht einmal recht, undmeine Einkünffte würden nicht allzuweit gelanget haben, indem ich cklpo-nirt gewesen alles weg zu geben, ohne mich zu bekümmern, woher wiederetwas zu nehmen? Allem getreuer Bedienten gute Vorsicht verhütetennicht nur den Mangel, sondern machte anch, daß nach meinem Todt an-nvch ein grosser Schatz gefunden worden ; welches zwar nicht sowohl mei-ner Bedienten Vorsicht, als vielmehr dem göttlichen Seegen zugejchrie,den werden muß, der sich in meinem Schah - Kasten gezeiget, wie er sichjemals in dem Oel- àg jener Wittwen finden lassen.

In der Beicht fegete ich allemal mein Gewissen und Hertz dermassenrein aus, daß auch nicht ein Stäublein mit Wissen und Willen darin-nen hangen blieb. Ich beichtete gemeiniglich dreymal in der Woche,und beweinete meine geringsten Schwachheiten, vor dem Beicht - Vatermit denen heißesten Thränen. Ich glaubte hiernechst, die Hoheit derWelt ftye mir bloß darum gegeben,damit gantzeStrö hme wahrer Christ-kicher Gutthätigkeiten, von meinem Thron herab in den Schooß derer

Armen