Druckschrift 
Gespräche in dem Reiche derer Todten ... zwischen der letztverstorbenen Römischen Käyserin, Eleonora Magdalena Theresia, und der letztverstorbenen Königin in Franckreich, Maria Theresia : worinnen das Leben, Gottesfurcht und hohe Tugenden dieser beyden großen Printzeßinnen ... zu ersehen ...
Entstehung
Seite
174
Einzelbild herunterladen
 

HZ ( 174 ) M

Wägen Vorrath zur Gnüge; allein der gantze Ort war voll derer Flücht-linge, und die Gassen wimmelten so von Volck, daß man nicht zu denenWägen kommen kunnte, ohne das Volck mit Gewalt auseinander zutreiben, welches vor diesesmal keineswegs rathsam befunden worden;angesehen der Pöbel ohnedies überaus schwierig gewesen. Des Nachtsschlicffen wir auf einem schlechten Stroh, und der Käyser bediencte sicheines, von seinen Obrist.Jägermeister, Graf Christophen von Althan,entlehnten Regen-Mantels zu einer Decke. Die Nacht war kurtz, weiluns die Umstände ^ reàen immer weiter zu eilen GOtt verliehe mir

meines Orts bey allem diesem Schrecken, elenden und verwirrten Zu-stand, gleichwohl stets ein munteres fröliches Gesichte, woraus ein jederurtheilen kunnte, daß mein Vertrauen aufihn, in dem innersten mei-nes Hertzens, gar groß gewesen seyn müste. Schmach-Reden von un-seren eigenen Unterthanen, hatten wir, bald da bald dorten, sattsamanzuhören, die wir aber mit geschlossenen Mund, unveränderten Ange-sicht, und gleichgültigen Gemüthe, gären liessen.

Was mir am beschwehrlichsten auf dieser Flucht fiel, war, daßich mich schon abermals wieder gesegneten Leibes befand» Wir nah-men unsern Weg auf Lintz zu. Als wir daselbst angelanget, und ver-meineten etliche Tage der Ruhe zu gemessen, entstünde bey nächtlicherWeil ein allgemeines Geschrey und furchtsames Russen in der Stadt, obwären die Türcken mit ihrer Macht in Ober.Oesterreich,worinnen, schon-gedachtermassen, Lintz lieget, eingedrungen, auch wircklich gegen Lintz imAnzug, den Käyser samt denen Seinigen aufzuheben. Nun ist diesesonst zierliche und überaus feine Stadt gar nicht so befestiget, daß sie, aucheiner mitlern feindlichen Macht langen Wiederstand thun könnte. Dan-nenhero gieng selbige Nacht, und bey anbrechenden Tag, ein allgemei-nes Flüchten an. Alle Strassen waren voll derer Leute. Die Nachrselbstverdoppelte den Schrecken. Theils eileten zu denen Schiffen; theilsin die Wälder, und theils suchten sich aufPferden oder Wagen zu retten.Wir bey Hofe, hielten dieses Geschrey und Getümmel, vor eine Wir-ckung derer ftreissenden und ein wenig allzunahe gekommenen Tartarn,keinesweges aber vor einen wircklichen Anzug einer feindlichen ^rmêe ; be-fanden aber dennoch vor rathsam, gleich in selbiger Nacht auftubrechen,und vollends biß nach Passau zu fliehen.

Die Belagerung unserer lieben «sticken? - Stadt Wien dauerte,wie aller Welt bekannt, layge. So »ffte nur ein courier anlangete,war

«n