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Ueber die Musik der Minnesinger.
rilen von wtLlittk i) kn neuerer Notenschrift beigefügt. Was wir hinzugesetzt haben, sind: 1) einigewenige Accorde zur Begleitung; 2) die Pausen; 3) die Noten sind zwar ungeändert geblieben (bisauf 2 halbe Noten, für welche man auch eine Viertelnote setzen kann, und dann hinter der folgenden,welche die Reimzeile schließt, eine Viertelpause), doch ist einigemal ein d hinzugesetzt, wo es in der Ur-schrift nicht steht; es läßt sich aber in anderen Liedern zeigen, daß dieses Zeichen nicht selten vergessenist. Dann ist auch in der Urschrift eine Note bei der Wiederholung des Stollen anders, was manleicht aus der Vergleichung ersehen wird.
Man wird zuvörderst die Bemerkung über die dem Metrum entsprechende (und nur in Kleinig-keiten, wie die oben gedachten, abweichende) Einteilung der Melodie bestätigt finden; zu dem Endehaben wir, nach der Schreibweise der Nürnberger Meistergesangbücher, die beiden Stollen unter einandergesetzt; der Abgesang schließt sich auf die obenerwähnte Art mit seinen Schlußreihen wieder dem An-fänge an, was auch eine gute musikalische Bindung gibt.
Was nun aber den Takt betrifft, so haben wir, um der neuern Notirungsart zu genügen, Lakt-vorzeichnung und Taktstriche hinzugefügt; wir mußten aber den Takt zwischen ^ und H wegen derDaktylen und Trochäen wechseln lassen. Gibt man sich indessen die Mühe, durch wiederholte Aus-führung sich in diese Art von Musik hinein zu denken, so wird man bemerken, daß in der That imGanzen eine Bewegung sei, die doch nicht durchaus mit unserm heutigen Takt vergleichbar ist. Wennman freilich in denjenigen Stellen (und so haben es zuweilen diejenigen gemacht, die alte Melodienin neue Notenschrift übertrugen), welche im Takt gehen, die lange Sylbe auf eine halbe Notenimmt, so läßt nun das ganze Stück sich wie ein modernes im H Takt absingen: aber wir glauben,daß es alsdann völlig seinen Charakter verliert.
Bei anderen Melodien wird es noch schwerer werden, sich eine bestimmte Vorstellung zu machen,wie sie ausgeführt worden, denn der H Takt, der in unserem Liede vorherrscht, gibt schon einen be-stimmteren Gang an, als diejenigen, in welchen durchweg eine trochäische oder jambische Bewegung ist.
Das bis jetzt Erwähnte ist ein Hauptgrund, warum diese Melodien uns nicht so zusagen, wieneuere. Denn um diese Art der Komposition zu verstehen, müßten uns jene Versmaaße noch völliggeläufig, und überhaupt unser Ohr mehr daran gewöhnt sein, dergleichen Verhältnisse aufzufassen.Denn selbst diejenigen Versmaaße, welche durch Kirchenlieder auf uns gekommen, sind uns in dieserHinsicht nicht so geläufig, indem bei der Art, wie wir unsere Kirchenlieder singen, das Metrummehr durch die Harmonie als durch Zeitbestimmung angedeutet wird. Demnach werden nur noch dieeinfachsten Maaße, wie sie noch in unseren Volksliedern leben, oder wie sie neuere Dichter nachge-ahmt, für uns wirkliches Leben haben. Es wäre aber wünschenswerth, 'jenen Sinn wieder in unsaufzufrischen, wäre es auch nur, um so manches Schöne unserer Vorfahren in seinem ganzem Umfange,und in allen Einzelnheiten verstehen und genießen zu können.
Es kann gefragt werden, ob wir in neueren Compositionen nicht etwas Aehnliches haben. Es istuns eigentlich nur ein recht passendes Beispiel bekannt, nämlich die Zeltersche Composition achtzeiligerStanzen aus Epimenides Erwachen: „In tiefe Sclaverei lag ich gebunden," welche wir nachzusehenbitten, weil sie uns ein recht anschauliches Bild jener Art von Composition vorführt, zumal da nun allesübrige, Melodie und Begleitung, nicht, wie bei jenen alten Liedern, uns fremd ist oder fehlt. Eshat dieses Lied zwar Lakteintheilung, aber jeder Takt wird durch eine Verszeile ausgefüllt, so daß of-
t) Nr. XXIII, Str. 44.