Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
226
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lieh. Diese Hauptstimme, die Klariuette also, bedingt den Karakterdes Ganzen. Wir suchen eine Liedform, deren Karakter dem derKlarinette entspricht und die eine reicher entfaltete Hauptstimmefodert; es scheint keine so geeignet, als die Form der Polonaise(No. 145, Th. II. S. 57) die also hier unsre Aufgabe wird. AndreLiedsätze sollen hiermit nicht ausgeschlossen sein.

Sobald das Kontrafagott und dann die Hörner zugezogen sind,können Tänze, Märsche zu ländlichen Aufzügen u. s. w. schonmit hinreichender Besetzung geschrieben, Ober- und Unterstimmeschon in Gegensatz gebracht, dann kann bei dem Zutritt derFlöten und Oboen die Melodie wechselnd bald diesem, bald jenemInstrument und den verschiednen Zusammenstellungen derselbengegeben, auch in die Milte gelegt werden. Besonders in Adagiosätzen(kleine Rondo- oder Liedformen) und Variationen ist dies untersteter Beobachtung des Karakteristischen jedes Instruments ausführbar.

Für grosse Harmoniemusik sind Märsche und Tänze, nament-lich wieder die Polonaise, die nächsten Aufgaben.

- In alle diesen Formen kann der Satz für Harmoniemusik künstrlerisch auf mannigfaltige Weise geübt und eine Seile und Wirkungs-art der Blasinstrumente nach der andern zur Geltung gebracht wer-den. Es fehlt aber noch eine Form, die Gelegenheit giebt:ein und denselben Gedanken durch Wahl der Organe und Be-handlung in das mannigfaltigste Licht zu stellen; oder umge-kehrt: die verschiednen Organe und ihre Verknüpfungen an dem-selben Gedanken zu bethätigen und dabei die Auffassung ihres We-sens und Karakters zu erproben. Keine von allen Kunstformen istdazu so wohl geeignet, als die Fuge.

Wir stellen also als letzte und höchste Aufgabe für das Stu-dium des Harmoniesatzes

eine Ouvertüre in Fugenform;während die üblichen Formen der Ouvertüre an einem andern Ortezur Sprache kommen. Die hier zur Hebung vorgeschlagne*) Fugewird desswegen als Ouvertüre**) bezeichnet, damit der Komponistsogleich darauf hingewiesen werde, ihr einen gewissen Karakler derOeffentlichkeit, Grossartigkeit, Pracht, Feierlichkeit und wassich ihm sonst zu Gunsten grossarliger und mannigfaltiger Orchester-Wirkung vorstellt- zu geben. Denn dass die Fugenform auch ganzandre Stimmungen, die der Stille, der Wehmuth, heitrer LauneU. s. w. in sich aufnehmen kann, wissen wir (Th. II. S. 234) längst,

*) Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass auch dieser Vorschlag unmit-telbar aus der Lehrerfahrung des Verf. herstammt.

) Die Ouvertüre ist bekanntlich zur Eröffnung irgend eines feierlichen oderfestlichen Vorgangs, einer dramatischen Darstellung u. s. w. bestimmt. DasNähere späterhin.