Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

- 144

bewegung. In besondern Fällen aber kann der Komponist veranlasstsein, der Höhe oder der Tiefe das Lebergewicht zu geben, odersich ganz (wenigstens eine Zeitlang) auf eine oder die andre zubeschränken. So würde z. B. schon die Verbindung von Fagottenund Kontrafagott, Hörnern und Posaunen (mit oder ohne Pauken)ein entsprechendes Kolorit für sehr ernste, düstre, lugubre Sätzebieten; wiewohl wir dazu später noch ganz andre Mittel findenwerden.

2. Fülle des Schalls.

Eine zweite Rücksicht haben wir zu nehmen auf die Kräftig-keit und Sättigung, in der unser Salz erschallen soll. Allerdingskann für besondre Stimmungen weniger voller Schall, Beschränkungauf wenig Instrumente ja sogar auf ein einziges die angemes-senste Satzweise sein. So hat Seb. Bach*) in seiner matthäischcnPassion manchen seiner Sätze mit zwei Flöten oder zwei Oboenund Bass (No. 9, 10, IS, 19) oder mit Laute und Viol da Gamba**)im Einklang und Bass begleitet. Meierbeer hat in seinem Feld-lager und den Hugenotten sich ebenfalls bisweilen auf ein einzigesInstrument beschränkt; und wenn auch einige dieser Sätze nicht ausinnrer Nothwendigkeit also nicht mit Recht so behandelt worden,so ist doch in andern diese Behandlung aus innerm Bedürfniss hervor-gegangen. Ferner sind gewisse Instrument-Verbindungen in sichso wohl verschmolzen und befriedigend, dass ein Zutritt andrer In-strumente nur benachtheiligen könnte. So würde der Satz No. 151wenigstens in den ersten vier Takten durch den Zusatz irgendwelcherInstrumente nur an Lauterkeit und Frische verlieren; eher könn-ten bei der Wiederholung von Takt 5 an gewisse andre Instru-mente , die wir noch nicht in Besitz genommen, zutreten und demSatz eine neue Färbung geben.

Alleiu diese Fälle stehn doch als vereinzelte Ausnahmen daund im Allgemeinen ist es Bedürfniss, das Auszusprechende miteiner gewissen Fülle, die der Ausdruck innrer Gesundheit, Kraftund Gewissheit ist, laut werden zu lassen. Was ich bestimmt will,spreche oder thue ich auch mit Festigkeit und Nachdruck; wasKraft und Fülle hat, tritt auch mit Frische und Vermögen auf; daseine Extrem : Spärlichkeit, schwächliche Dünne, ist eben so vomUebel, als das andre, unangemessene Massenhäufung. Ja, das Be-dürfniss einer gewissen Fülle und Saftigkeit ist bei der Blasharmo-nie noch vorwaltender und allgemeiner, als in den Saiteninstrumen-ten. In diesen ist Beweglichkeit eine vorherrschende Eigenschaft,

) Es ist übrigens hier wohl zu erwägen, was im Anhang B gesagt wird.

**) Eine Art von Violoncell, mit 5, 6 auch 7 Saiten, längst ausser Gebrauch.