142 -
Fünfter Abschnitt.
Betrachtungen über die Vereinigung und Mischung der
Instrumente.
Wir haben nun eine Reihe von Versuchen und Uebungen anuns vorübergehen lassen und den Kreis unsers Orchesters schoneinigerraassen erweitert; es stehen uns zwei oder drei Klarinetten*Fagotte und Kontrafagott, zwei oder vier Hörner — also eine Har-moniemusik von vier bis zehn Stimmen zu Gebote; Trompeten,Pauken, Posaunen sind einstweilen noch bei Seite geblieben. Aberauch ohne sie sind wir miltclreich genug, um über Wahl und Ver-wendung unsers Vermögens uns zu besinnen und haben schon einigepraktische Erfahrung, die uns des abstrakt-leeren Theoretisirensiiberhebt. Es ist also an der Zeit, unsre vorläufigen Betrachtungen(S. 116) fortzusetzen und mit der Ausübung näher zu verknüpfen.
Nach welchen Gesichtspunkten haben wir unser Orchester zu-sammen zu stellen und die versammelten Organe in Thätigkeit zuführen? — Dies ist die Frage. Wir können sie nur dann befriedi-gend beantworten, wenn wir uns vollständig vorstellen, was dasOrchester zu leisten haben wird.
1. Tonsystem.
Wollen wir unser Inneres in Fülle und Vollständigkeit in derMusik verlautbaren, so bedürfen wir eben auch der vollständigenTonsprache; was uns an letzterer fehlt, können wir auch nichtaussprechen. Mag daher ein unvollständiges Tonsystem, z. B. dasder Naturharmonie, eine Seite unsers Seelenlebens zum Ausdruckbringen, — und vielleicht zu einem tief eingreifenden: dennochkann umfassenden Ausdruck nur das umfassende, vollständige Ton-system gewähren. Daher hat die eigentliche Komposition erst mit demSatz für Klarinetten und Fagotte wieder begonnen; erst diese In-strumente boten eine vollständige und zugleich Höhe und Tiefeumfassende Tonreihe. Die vorangegangne Blechmusik, — zunächstTrompeten und Hörner, — verhält sich zu diesem Satze, wie einst(Th. I.) die Naturharmonie zur Kunstharmonie; sie hat Tiefe undMacht ihres Inhalts, aber dieser Inhalt ist ein höchst beschränkter.Auch die Posaunen ändern den Karakter nicht wesentlich; sie sindin Tonumfang und Behandlung zu beschränkt, in ihrem Karakterzu wenig mannigfaltig, in ihrer Kraft zu unbändig, als dass ihreWirksamkeit, — wenn man sie allein lässt oder das Blech zusam-menfasst , — vielseitig und reich sein könnte.