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1 (1838) Manessische Sammlung aus der Pariser Urschrift, nach G. W. Haßmanns Vergleichung
Entstehung
Seite
XLIII
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Auf diesen noch nicht eben angebahnten Wegen war freilich überall erst noch mehrUntersuchung und Begründung, als Darstellung schon gewonnener Ergebnisse zu leisten, undmanches konnte nur zum Anlasse weiterer Aufhellung hingestellt werden, welche sich mehrmalswährend der mehrjährigen Arbeit selber ergab, und mit anderen Zusätzen und Berichtigungennachgetragen wurde. Die als Zeugnisse dienenden Stellen der Urkunden und anderer geschicht-licher Werke und Gedichte sind überall, als Belege, ausführlich mitgetheilt, einige Urkundenvollständig und buchstäblich, der Wichtigkeit wegen (Seven) und auch als noch ungedruckt(Lichtenstein). Desgleichen einige Gedichte, Volks- und Meisterlieder vom Leben einzeler Dichter(Honberg, Brennenberg, Lanhuser).

Ferner, bot sich hier Anlaß, manche Gegend in der Geschichte der AltdeutschenDichtkunst näher zu beleuchten, weil unter diesen Minnesingern zugleich alle die bedeutendstenalten Dichter überhaupt ausireten, welche auch durch größere erzählende und romantische Werkeberühmt sind und die stärkste Wirkung ausgeübt haben, folglich eine umfassendere Behandlungerforderten: die Namen Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue, Wolframvon Eschenbach sprechen schon für sich allein. Hier waren auch ihre Romanischen, vor-nämlich Nordfranzösischen Quellen zu berücksichtigen, so weit sie gegenwärtig zugänglich sind;und auf der andern Seite, ihre Fortsetzer und Nachdichter mancherlei Art, wie sie besondersbei Eschenbachs Wilhelm und Liturel vortreten und noch spät herab nachklingcn.

Vor allen hat solche Wichtigkeit und Wirkung, nur in anderem Kreise, Gottfriedvon Straßburg; zu welchem ich bereits in näherem Verhältnisse stand durch die Ausgabeseiner Werke (Minnelieder und Tristan) sammt seinen Fortsetzern und den Altfranzösischen, Alt-englischen und Walisischen Lristangedichten (1823). Hier habe ich gelegentlich die Einleitung vonGottfrieds Leben und Werken durchaus umgeschrieben, und sie durch die, so viel mir thunlich, voll-ständige Geschichte der Lristandichtung selber, mit Beifügung des bisher ungedruckten Altfran-zösischen Tristan-Lay's, der Spanischen Romanze und Nordischen Ballade, ergänzt. Dieinnere Bedeutung der uralten Dichtung und ihre vielgestaltige Seelenwanderung vom Urlandeim Morgen bis an die äußersten Enden des Abendlandes erheischte diese geschichtliche Darstel-lung an sich, und wird hoffentlich auch ihre Stelle hier geltend machen. Die weite WirkungGottfrieds zeigt sich nicht allein in der doppelten Lristanfortsetzung, sondern auch durch be-deutende und fruchtbare Nachfolger in beiden Richtungen, des Rittergedichts und des geistli-chen Minneliedes, vornämlich durch Rudolf von Hohenems und Meister Konrad vonWürz bürg. Denn auch in seinem Hohenlieds stellt Gottfried ein Höchstes in seiner Artdar, wie in seinem großen Minneliede von Tristan und Isolde.

Die weltliche Seite des Minneliedes vertritt, nächst Veldeke, am frühstenund reichsten Reinmar der Alte, wie die ernste, lehrhafte Seite Reinmar von Zweier;vor allen aber, nach allen Seiten, und in vollkommenster Bildung, edelster Gesinnung und