XI. IV
reichstem Geiste, Walther von der Vogel weide: er ist die Mitte und der Gipfel dereigentlich bloß lyrischen Dichtung, in allen Weisen, minniglich, scherzend, spielend, ernst,lehrend, rügend, für die Weltherrlichkeit des Vaterlandes begeistert, wie für das heilige Grab,und in seinem bewegten Wanderleben stäts auf der Wallfahrt nach demselben.
An diese und einige andere Namen, besonders Frauen lob und Regenbogen,knüpft sich dann der eigentliche Meistergesang, durch die Überlieferung von seinen zwölf altenMeistern und die nach ihnen benannten und manigfaltig fortgedichteten Löne, deren Ver-hältnis zu den echten alten Lonweisen bei diesen hier vorkommenden Meistern erörtert und durchBeispiele aus den älteren Nachdichtern und späteren Meistersängern belegt ist.
Auch abgesehen von solcher geschichtlichen Nachweisung, sind überall die Weisen dereinzelen Minnesinger, so wie ihre Sprache, näher erwogen und verglichen, und dabei, wiebei der schon gedachten Schilderung aus ihrem Inhalte, ist das Nöthige und Schwierigeerläutert: so daß dieser LH eil der Lebensbeschreibungen zugleich als Commentar dient.Solches lag um so näher, als ich dieser Ausgabe kein Wörterbuch beigeben mochte: die Mengeund Verschiedenheit der alten Dichter darin würde zu weit in den Umfang eines allgemeinenMittelhochdeutschen Wörterbuchs geführt haben, wie ich selber einst zu liefern gedachte, nun-mehr aber gern jüngeren Mitarbeitern überlasse. Durch Ziemanns MittelhochdeutschesWörterbuch ist in dieser Hinsicht auch für die bisher gedruckten und berichtigten Lheile derMinnesinger schon gut gesorgt, und es dient zugleich in so fern für diese neue Ausgabe,weil sie die Bezifferung des Bodmer'schen und Müller'schen Druckes wiedergibt.
Die genaue Nachweisung, wo und welche Lieder der einzelen Dichter in den Handschrif-ten oder alten Drucken stehen, findet man zwar, wie gesagt, bei den Lesarten: hier aber,bei der Geschichte ihre.s Lebens und ihrer Werke, war noch das Verhältnis dieser Quellen inBezug auf richtige Zueignung der einzelen Gedichte zu besprechen, welche so häufig in ihnenselber schwankt.
Endlich, sind auch die früheren Abdrücke, Ausgaben, Erläuterungen, Uebersetzungen,Erneuungen und Bearbeitungen einzeler Dichter und Gedichte aufgeführt. Dabei ist jedochvon den vielen Blumenlesen, Auswahlen, Hand- und Lesebüchern abgesehen.
Sämmtliche Nachweisungen von Handschriften, Ausgaben und Vorarbeiten aller Artsind auch in Betreff aller übrigen Werke namhafter Dichter beigebracht; und es ist dabei zu-nächst auf eine vorläufige Ergänzung und Berichtigung meines Grundrisses zur Geschichte derAltdeutschen Dichtkunst (1812) angelegt.
Diesem letzten Bande sind nun auch die Steindrücke aller noch übrigen Sang-weisen der Minnesinger aus den Handschriften derselben beigefügt. Die Mittheilungeiner Sangweise der Jenaer Handschrift zu dem ersten Liede Alexanders durch ProfessorKugler (in der hiesigen musikalischen Zeitung) veranlaßt den auf diesem Felde ss