gemacht worden (was immer wenigstens dem Inhalt entsprechende Anlässe Voraussicht), oder-gar erst später erdichtet wären. Dagegen ist zu sagen, daß auch das stolzeste und härteste Ge-müt!) seine Jugend, seinen minniglichen Frühling hat, und daß, dem allgemeinen Geiste jeneshohen und schönen Zeitalters gemäß, es zur edlen und höflichen Erziehung und Sitte, auchder Fürsten gehörte, die ritterliche und minnigliche Dichtkunst eben so ernstlich zu lernen und zuüben, wie die Ritterschaft selber, obwohl beides mehr durch lebendiges Beispiel, als durchBuchstabenlehre. So lernte Ulrich von Lichtenstein, als Knappe, die Lieder, wie die Waffen,vom Herzog Heinrich von Oesterreich; und Wolfram von Eschenbach lernte beides etwa, wieder Knappe Lschonatulander, der Liebes- (und Lieder-) Bote zwischen seinem Herrn, Gamu-ret von Anjou, und der schönen Französischen Königin Ansolise: wenn beide Dichter freilichnicht lesen und schreiben konnten, so konnten sie desto besser hören und reden. Am KönigRichard Löwenherz, um welchen Geschichte und Sage, schon im Beinamen, einen dichterischenGlanz verbreiten, wird es nicht auffallen, daß er, wie sein Sänger Blonde!, auch selber ge-dichtet hat: wohl aber an Karl von Anjou, dem finstern Blutrichter des letzten Hohenstausi-schen Minnesingers, des jungen Königs Konrad: und gleichwohl zeugt ein unbestritte-nes zärtliches Minnelied von dem bessern Karl kn ihm. Ich erinnere hier nur noch an diedurch gleichzeitige Zeugnisse und Dichtwerke bewährte freundliche Pflege der Dichtkunst und derDichter an den durch diese wieder verherrlichten Höfen der Hohenstaufen, der Thürin-ger Landgrafen, der Babenberger, dann der Böhmenkönige, der Markgrafenvon Brandenburg; an mancherlei Zeugnisse, daß diese Fürsten zum Lheil auch selber dich-teten, wie namentlich der letzte Babenberger, Friedrich der Streitbare, der mit demTanhuser im Mai den Tanzleich oder Reigen vorsang und vortanzte. Dann aber sind ebendie unter den Namen dieser Herren noch vorhandenen Gedichte die besten Zeugnisse, welche,bei der allgemeinen Aehnlichkeit durch den Inhalt, gleichwohl manigfaltig und bedeutsam unter-schieden sind; und ich habe überall, wo es anging, aus denselben ein ähnliches Bild des in-ner« und äußern Lebens eines jeden Dichters nach besten Kräften zu entwerfen und gehörigzu beleuchten gestrebt.
Die Eigenthümlichkeit unserer Minnesinger wird auch dadurch nicht angefochten,daß sich wirkliche Einwirkung der Provenzalen zeigt, bei dem, der Heimat (Landschaft)nach, schon mehr der Romanischen Zunge zustehenden Fenis oder Neuenburg: überhauptals Folge der frühern Ausbildung der Ritterpoesie, mit dem gesammten Ritterthum, in denkirchlich, wie bürgerlich älteren Romanischen Ländern. Ebenso möchte sich später noch mancheEinwirkung der Nordfranzösischen lyrischen Dichter (trouveres) finden, denen zugleich unserWalther von Metz angehörte, wie der Dichter des Wälschen Gastes, und wie so allge-mein die ins Altdeutsche übertragenen erzählenden Gedichte dorther rühren. Der damals mehrals je gemeinsame Europäische Christlich-ritterliche Geist, aus welchem dies alles hervorging,
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