Druckschrift 
Erste Abtheilung, Zweyter Band (1790)
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

viel ihr vermögt, den erhaltenen Befehlen. Zeigt euch''nicht als Feigherzige ausgearrete Nachkommen eurerVorfahren, beweifit es jener feindlichen Stadt, wiesehr ihr bereit und fähig seyd, das zu erhalten, wasunsre Vorgänger Carl und Otto dem Reich erworbenhaben.^

So sprach er, und lautes Geschrey ertönte unterdem frohlockenden Heere. Eine Art göttlichen MuthSverbreitete sich über alle. Jeder schickte feurige Wün-sche zum Himmel, und rief in seiner Muttersprache Heilund Glück dem Kaiser Friedrich zu.

Die RechtSverstänkigen gaben den Rath, dieMayländer, ohnerachtet ihrer schweren Vergehungen,in gesetzmäßigen Terminen vorzuladen, damit nichtschiene, als ob man gewaltsam mit ihnen verfahren,oder wider alles Recht einen Abwesenden verurtheilenwollte. Gesetzmäßige Termine nennt man drey nacheinander folgende Ladungen vor Gericht. Ein peremp-torischer Termin ist, wenn man ein für allemahl dieCication ergehen läßt.

Die Mayländer merkten jetzt nur zu wohl, daßder Krieg in seiner ganzen Schwere sie treffen würde,und sandten einige gelehrte und beredte Männer an denKaiser ab. Ihre Sache war aber schon einmahl so.weit gediehen, daß sie sich einem peinlichen strengen.Iiechcsurtheil unterwerfen sollten. Der Kaiser schlugdie angebochene Geldsumme aus, die Großen wolltenßch nicht für sie verwenden; kurz der Krieg war un-vermeidlich. Friedrich fällte gegen sie, mit Zuziehungder Rechtögelehrten, und der italienischen Großen einVerdammungSurtheil, erklärte sie für seine Feinde, undbereitete sich zur Belagerung der Stadt.

Kaum hörten die Bürger von Mayland diese trau««ge Vothschaft, so war eH als wenn die 'ganze Stadt

Lurch