//M F- ^-.G^f^,. MW Allstem eine Sammlung vom Zwölften Jahrhundert bis auf die neuesten Zeiten durch mehrere Verfasser übersetzt, mit de» nöthigen Anmerkungen versehen, und jedesmal mit einer nniversalhistorischen Uebersicht .begleitet herausgegeben Hon F rie drich Schiller G r o f e s s o r derP h i l » s o v H i e >i n I e « a. -E r st.e A b t h e i l u n g. Zweyter Band. . - ' ' I e n a, Key Johann Michael Manko, 1790. NachrLch L. den zweyren Band dieser Memoires nicht zu einer unproportionierten Größe anwachsen zu lassen, ist man genöthigt gewesen, die Fortsetzung der universalhistorischen Uebersicht so wie auch die, zu allen drey Memoires erfoderlichen, Anmerkungen, für den dritten Band der ersten Abtheilung zurück zu behalten, der in der höchsten Michaelismesse Nachfolgen wird. Schiller. Inhalt der Bücher Anna L om n e n a. Zwölftes Buch. Bohemund rüstet sich gegen den griechischen Kaiser — Alexius kauft Zoo fränkische Edelleute aus der sara- cenischen Gefangenschaft los — Er versammelt seine Armee inTheffalonich—Digression zum Lobe der Kai- serinn — ein Comet — Verschwörung gegen das Leben des Kaisers wird entdeckt — Gnade des Kaisers — Versuch der Griechen auf Brindisi, der miS- lingt — die Flotte der letzter» verkriecht sich vor Bor hemunds — dieser landet vor Dyrrachium. Dreyzehntes Buch. Gegenanstalte» des Alexius <— Eine neue Verschwörung gegen ihn, die entdeckt wird — Alexius mustert seine Truppen — Merkwürdige Belagerung Dyrrar chiums — Alexius versucht umsonst Mißtrauen unter den Lateinern zu erregen — Diese for streit die Passe nach Griechenland — Bvhemunds Verlust vor Dyrr rachiun, — Nachlässigkeit des griechischen Admirals — kantakuzen, des Alexius Feldherr — Vortheile, die er X z erbalt «Hält — Die Lateiner werden in die Enge getrie- ben — Bohemund Hut Friedensvorschläge — denen Alexius bereitwillig Gehör giebt — Bohemunds Forderungen — Elender Zustand der Lateiner vor Dyr- rachium — Bohemund macht sich auf den Weg zum Kaiser -— Beschreibung welche Anna von ihm macht— Seine Zusammenkunft mit dem Kaiser — Friede den er mit ihm schließt — die darüber ausgefertigte Urkunde. Vierzehntes Buch. Bohemund geht nach Italien zurück und stirbt bald nach geschlossenem Frieden — Alexius richtet seine Aufmerksamkeit auf den Osten des Reichs — Expeditionen in Kleinasien gegen die Türken — Lankred weigert sich Antiochien/ dem Traktat Bohemunds mit dem Kaiser gemäß, herauszugeben — Fruchtlose Negotiation des Alexius mit den Lateinern in Jerusalem —- Capereyen der Genueser und Pisaner auf dem schwarzen Meere — aus dem sie sich aber zurückziehen müssen — Alexius ist glücklich gegen die Türke»/ die um den Frieden an- suchen — der Friede kommt zu Stande/ wird aber tald gebrochen Ueble Lage des Alexius zwischen den Türken und Lateinern -— Seine körperlichen Leiden — Er muß krank gegen die Türken zu Felde — und schlagt sie — Neuer Einfall der Komauer — Alexius versammelt feine Truppen in Philippopel — Beschreibung dieser Stadt — Paulicianer— Alexius kämpft gegen diese und andre Sekten durch Waffen und Worte — die Komaner werden über die Donau zurück- Inhalt. zurückgejagt und an Bekehrung der Ketzer in Philipps- pcl wird gearbeitet — die halsstarrigen Häupter derselben kommen in ein ewiges Gefangniß. Fünfzehntes Buch. Neue Bewegungen der Türken Alexius geht nach Asien — Taktik von des Kaisers eigner Erfindung — Er erhält Vorthcile über die Türken — Der Sultan wird geschlagen — Friedensvorschläge — Sultan Saisan kommt mit dem Kaiser zusammen, der ihn vor seinem natürlichen Bruder Masut vergeblich warnt — Bald darauf wird der Sultan gefangen, geblendet und endlich strangulirt — Rühmlicher Rückzug des Kaisers — Seine Mildthatigkeit gegen Gefangene, Arme und Waysen — Ein Armenhaus in Cvnstanti- nvpcl von ihm errichtet — Seine übrigen Anstalten zum Vortheil der Klöster und Kirchen — Neue Sekte der Vogomilen — Basilius ihr Oberhaupt laßt sich von dem Kaiser durch Betrug sein Glaubensbekcnntniß ' ablocken — Alexius laßt ihn verbrennen und beschließt mit dieser Handlung fein Regentenlcbcn — Seine Krankheit und Tod. )( 4 Otto Inhalt' Otto von Freysingen. Schreiben des Kaisers Friedrich Barbarossa an denMr-^ fasser — Vorrede des Letzter». Erstes Buch. Anstand des Reichs unter Kaiser Heinrich IV — Dessen Streit mit der Kirche — Geschichte der Normänner in Italien —- Empörung' der Sachsen gegen den Kaiser — Rudolph von Schwaben Gegenkaiser — Ber- thold von Zähringen setzt sich nach dessen Tod in den Besitz von Schwaben, das er an Friedrich von Hohenstaufen abtreten muß — Heinrich IV stirbt zu Lüttich — Friedrich von Schwaben — Seine Krie- gesthaten — Er Macht sich den Erzbischofs Albert von Mainz znm Feinde / der die Kaiserwahl nach Heinrich V Tode auf Lothar von Sachsen leitet— Lothar verfolgt die Hohenstausischen Brüder — welche ihr eigener Anverwandter Heinrich der Hochmüthige von Bayern befehdet — Verräthercy des Letztem schlägt fehl — Lothars unglücklicher Zug nach Böhmen — Conrad Hl wird Kaiser — Griechische Gesandte langen bey ihm an — Schreiben Conrads an Johannes und Antwort des Letzter» — Conrads Schreiben an Inhalt. Ml Manuel — Friedrich Nsthbarts Jugend Er überwindet Bertholden von Zähringen — Auf- stand der Römer, gegen den Pabst — Ihr Brief an Conrad III — Krieg in Ungarn-—Beschreibung von Ungarn — Beschreibung dieses Landes und Volks — Schlacht zwischen den Deutschen und Ungarn im Leer- selb — Rogers von Sicilien Feldzug nach Griechenland— Eugen lV schreibt einen neuen Kreutzzug aus — Bernhard von Clairvaux — Ludwig der jüngere von Frankreich nimmt das Kreutz — Verfolgung der Juden — Bernhard in Deutschland — Conrad Hl viele Fürsten und Edlen nehmen das Kreutz — Die Sachsen nehmen es gegen ihre heidnischen Nachbarn — Sendschreiben des Abts von Clairvaux an die Deutschen — Große Ruhe in dem ganzen Occident — Conrad läßt seinen Sohn Heinrich zum römischen König wählen— Zug nach dem pro- pontischen Meer und Schicksale des deutschen Kreutz- Heers — Gilibcrt von Poitiers und Peter Abälard — Ihre Anklage und Verantwortung — Theologische Streitigkeiten — Synode der gallikanischen Bischöf- fe — Beschwerden welche die römischen Kardinäle dagegen führen — Ausgang dieses Kirchenstreits — Fernerer Verfolg der asiatischen Expedition — Zusammenkunft der Franzosen mit den Deutschen is Syrien— Konrad II! kehrt nach Hause— Trostgründe wegen des Fehlschlags dieser Unternehmung — Eugens lV Schreiben an Konrad — der römische König Heinrich stirbt — Bischoffsstreit in Utrecht — Tod Conrads 111. X 5 Zwei-- Inhalt. ZweyteS Buch. Friedrich der jüngere von Schwaben wird Kaiser — Ursachen, warum die Wahl auf ihn fällt — Krönung zu Aachen und rühmliche That des jungen Kaisers — Er schlichtet eine Streitigkeit jwe- gen der Dänischen Krone zum Vortheil des deutschen Reichs — Streitige Bischoffswahl in Magdeburg welche Friedrich entscheidet — Hoftag zu Würzburg — Eugen IV will den Erzbischoff Wichmann von Magdeburg nicht anerkennen -- Sein Schreiben an die deutschen Bischöffe — Streit der beydcn Heinriche von Sachsen und Oestreich wegen Bayern — Pabst Eugen IV stirbt und Wichmann erhalt das Pallium in Rom— Heinrich von Sachsen erhalt Bayern, durch den Ausspruch des Kaisers — Friedrichs Zug nach Italien —- Reichstag in den Ronkalischen Feldern — Nachrichten von Italien und insbesondre von Mailand — Rechte der Kaiser auf italienischem Boden — Friedrichs Feindseligkeiten gegen Mailand — Caira und Asti erobert und zerstört — Kriegsgesctze — Tvrtona wird belagert— und erobert—> Friedrich läßt sich zu Pavia krönen — Sein Aufbruch nach H Rom— Geschichte Arnolds von Brescia— Adrian IV kommt dem Kaiser bis Vitcrbo entgegen — Gesandtschaft der Römer an den Kaiser — Seine schöne Antwort — Friedrich wird in Rom gekrönt — Aufstand und Niederlage der Römer — Die Deutschen leiden sehr durch Krankheiten — Spolcto wird . . von ! Inhalt. von Friedrich zerstört — Heimkehr der Deutschen Verrätherey der Veroneser gegen den Kaiser — Ein» Räuberbande hält den Kaiser in den Pässen auf — wird aber überwunden und bestraft — Friedrichs Ankunft in Bayern — Beylegung mehrerer Streitigkeiten— Reichstag zu Regenspurg — Der Bischofs dieser Stadt wird bestraft/ weil er eigenmächtig die Regalien übergeben — die Veroneser rechtfertigen sich auf eben diesem Reichstag durch eine Gesandte schaft —- Strafe einiger Landfriedensstörer — Heurath des Kaisers mit Beatrix, Tochter ReynaldS von Burgund — Betrügerische Versuche der Griechen auf Italien — Neuausgeschriebener Zug nach Italien — Empörung der Maylander — Kirchen- trennung in Cöln — Streit wegen Bayern — Beys des von Friedrich geschlichtet. Rüde- Inhalt.' R a d e n> l ch. Vorrede des Verfassers. Erstes Buch. Ruhe in Deutschland und Äriegszug nach Polen — Dessen Veranlassung und Ausgang — Gesandte von Griechenland, die den Unwillen des Kaisers erregen — Gesandte von England — Noch mehrere auswärtige Gesandte — Pabst Adrians IV Brief an den Kaiser und wie derselbe ausgenommen wird — Friedrich will das Kaiserthum nicht als ein Bcneficium von dem Pabst erhalten haben — Burgundische Angelegenheiten —- Zwey Ungarische Prinzen bringen ihre Streitigkeiten vor ihn — Ladislav wird aus einem Herzog, König von Böhmen — Adrians IV Sendschreiben an die deutschen Bischösse — 'Ihre Antwort — Der Pabst entschließt sich den Kajr sex zu versöhnen —- Dieser sendet Abgeordnete Nach Italien voraus — die die Ehre des Reichs in die em Lande nachdrücklich behaupten — Entschuldigungsschreiben des Pabsts an den Kaiser — Aussöhnung beyder— Huldigung der Danen — Zwey- tcr Zug Friedrichs nach Italien — Heergesetzc werben pcomulgirt — Friedrichs Me an das Heer — Die I nn h a l t. Die Mayländer werden vorgeladen — und für Feinde erklärt— Friedrich geht über die Adda —. Anfang der Feindseligkeiten — Trezzo erobert — Friedrich bestraft den unbesonnenen Mutst einiger von seinen Kriegern — Er rückt vor die S' wt Mayland— Zustand der Mayländer — Sie thun einen Ausfall und werden zurückgeschlagen —- Die Kaiserlichen wagen einen Sturm auf ein Thor der Stadt, doch ohne es zu erobern — Neuer Ausfall und Niederlage der Mayländer — Friedrich schließt die Stadt ein — Grausamkeit der Pavesaner und Cremvneser gegen die Mayländer, die Gleiches mit Gleichem vergelten — Guido von Blandrate beredet die Mayländer sich zu ergeben — Friede zwischen Mayland und dem Kaiser — Ihr demüthiger Aufzug — Sie werden begnadigt — Fernere Expeditionen Friedrichs in Italien — Er entläßt einen Theil seiner Truppen — Krieg gegen Verona und Ferrara — Lodi wird neu erbaut — ein Reichstag auf den Ronkalische» Feldern ausgeschrieben — Der griechische Kaiser Manuel entgeht einem meuchelmörderischen Anschlag gegen sein Leben. Zweytes Buch. Ronkalischer Reichstag — Das Lager wird abgestochen — Anwesende Fürsten — Rede des Kaisers— und des Erzbischofs von Mayland — Friedrich laßt Lombardische Nechtslehrer über die Regalien der Kai- stk scr in Italien den Ausspruch thun — Worin diese Regalien bestehen— Publicierte Gesetze — Streit zwischen Cremona und Piacenza — Der Ronkalische Reichstag geht auseinander — Gesandte nach Sardinien und Cvrsika und Unterwerfung der Genueser — Friedrich läßt das Fodrum aller Orten einfodern, auch von den Mathildischen Ländern — Ottos von Frey- stngen Tod und Lobrede — Neue Uneinigkeiten zwischen dem Pabst und dem Kaiser — Friedrich empfiehlt dem Pabst die Bestätigung Guidos von Blandrate im Erzbißthum von Ravenna — Weigerung des Pabsies — Briefwechsel einiger Kardinäle und Bi- schöffe über den neuen Bruch des Pabsts mit dem Kaiser — Neuer Aufstand der Mayländer — Gesandtschaft aus Frankreich, England, Ungarn und Griechenland an den Kaiser — Friedrichs Beschwerden über Mayland an die deutschen Fürsten — Sie rachen und entschließen sich zur Rache — Friedrich beruft sie nach Italien— Neue Kriegsrüstungen -— Der Kaiser verschafft sich Bundsgenossen in Italien, rückt in Piacenza ein, und mustert darauf seine Truppen — Die Mayländer werden für Feinde erklärt — Harte Foderungen des Pabstcs an den Kaiser — Antwort des Letzter» — Er will sich Schiedsrichtern unterwerfen, welches der Pabst verweigert — Die Mayländer erobern Trezzo und zerstören cs — Friedrich greift sie an — und schlägt sie — Niederlage der Brescianer — Anschlag der Mayländer auf das Leben des Kaisers >— Sie zünden das neuerbaure Lodi Inhalt» kodi bey Nacht an— Friedrich entgeht der ihm M gedachten Vergiftung — Ankunft der Kaiserin, Heinrichs von Sachsen-Bayern, und Welfs von Sardinien mit Truppen in Italien — Crema wird für einen Reichsfeind erklärt — und auf Anhalten der Cremoneser belagert Gesandtschaft des Römischen Senats und Volks an den Kaiser, welche besser als das vorigemal ausgenommen wird — Kriegsoperationen gegen die Mayländer — Tod Adrians IV und darauf erfolgte Kirchentrennung — Merkwürr dige Belagerung von Crema — Die Stadt Piacenza wird als Ncichsfeind erklärt — Geschichte der römischen Kirchentrennung und einige dieser Sache wegen von beyden Theilen mit den deutschen Dischöffen und dem Kaiser gewechselte Briefe — Pabst Victor und Alexander — Fortsetzung der Belagerung von Crc, ma — Herzhaftigkeit der Kaiserlichen, verzweifelte Gegenwehr und Grausamkeit der Cremenser — Der Erzbischofs von Aquileja ermahnt sie zum Frieden — Den sie endlich sich gefallen lassen — Sie erhalten freycn Abzug und Crema wird in die Asche gelegt — Kirchenversammlung zu Pavia — welche zum Vorthcil Victors entscheidet — Aktenstücke darüber — Friedrich bestätigt die Wahl Viktors — Sein Schreiben an den Erzbischof Eberhard von Salzburg über diese Angelegenheit — Ausgestellte Erklärung der Väter des Cvnciliums— Schreiben des Bischoffs von Bamberg an den Erzbischofs Inhalt. bischoff Don Salzburg — Ein andres von eben die, fem Inhalt — Nachrichten von dem Erzbischofs Eberhard von Salzburg — Neue Gesandschaft aus Griechenland — Friedrich entläßt einen Theil der Fürsten — Ueber Friedrichs Person, Karakte» und von ihm aufgeführte Gebäude -- Schluß. Denk- Denkwürdigkeiten aus dem Leben des griechischen Kaisers Alexius Komnenes beschrieben durch seine Tochter Anna Komnena. Zwölftes Buch. Denkwürdig?, lk- B. A Zwölftes Buch. haben Bohemund von Sekten seiner herrsch- süchtigen Neigungen, seiner Anmaßungen an den kaiserlichen Thron, und seiner eben so schlau erdachten als glücklich ausgeführten Entwürfe kennen lernen ; hier sey der fernere Verfolg seiner Geschichte. Er kam, wie wir vorhin zeigten, mit dem Gestank von dem verweßten Hahn in Korypho an, sprudelte hier seine Drohungen aus, und begab sich dann in die Lombarde»), fest entschlossen, zum zweytenmal, aber mit einem starkern Heere, als er das erstemal hatte, nach Illyrien zu gehen. Zu dem Ende verband er sich mit dem fränkischen Könige durch eine doppelte Heyrath, indem er sich mit der einen Tochter desselben vermählte, und die andre zu Schiffe nach Antiochien, als Tankreds zukünftige Gemahlin abschickte. In kurzer Zeit eilten auf sein Aufgebot aus Stadt und Land Grafen mit ihrem Gefolge herbey. Viele Tausend strömten ihm aus allen Gegenden zu, und sichten sich in Bereitschaft, nach Illyrien überzu- schiffen. Die trohigen Reden, weiche Bohemund zu Ko- rypho auögestoßen hatte, waren kaum dem Kaiser hinterbracht worden, so erließ er auch schon an mehrere Staaten, namentlich an Pisa, Genua, Venedig, Briefe , die sie warnen sollten, sich nicht durch Bohemunds trügerische Vorspieglungen berücken zu lassen, der allem- A 2 halben 4 Hülben umherzog, und den Kaiser als einen Heyden und als einen Feind der Christenheit ausschrie. Es schmachteten damals dreyhundert Grafen zu Babylon in baner Gefangenschaft. Sie waren in Feindes Hände gerathen, als eine unendliche Menge Celten aus dem Abendlande nach Asien hinüberschwärmte, und Antiochien, Tyrus, nebst den angrenzenden Ländern überschwemmte. Ihr trauriges Schicksal gieng dem Kaiser sehr nahe. Er wünschte nichts so sehr, als sie aus ihrer betrübten Lage zu besreyen, und schickte deshalb den Nicetas Panucomites mit Geld und Briefen nach Babylon ab, um die Befreyung dieser Grafen, als eine große Gefälligkeit die der römische Hof dankbar erwiedcrn würde, auszuwirken. Der Babylonier bewilligte das Gesuch des Nicetas. Die Grafen kamen aus ihrem Kerker und erhielten Freyheit, jedoch nicht ganz unumschränkte, indem sie den Händen des Kaiserlichen Abgeordneten anvertraut wurden, der sie nun weiter an den Kaiser überliefern sollte. Ihre Befreyung geschah unentgeltlich; es sey nun, daß das ange- botne Geld dem Babylonier nicht genug war, oder es geschah wirklich aus Großmuth, und aus reinen Absichten , oder er suchte dadurch den Kaiser zu größern Gegendiensten geneigt zu machen. Alexius war vor Freude ganz ausser sich über die Handlung des Barbaren. Die Grafen erzählten ihm ihr trauriges Schicksal, welches sie viele Jahre hindurch ausgestanden hatten. Man hatte sie, mit Banden gefesselt, in einen Kerker geworfen, wo das Tageslicht sie nicht beschien, und ihnen weiter nichts als Brod und Wasser gereicht wurde. Ihre Erzählung -rührte den Kaiser bis zu Thränen. Er ließ ihnen alle nur mögliche Erholung angedeihen, gab ihnen Geld und Kleider, und behandelte sie mit der größten Freundlichkeit- kickstest. Sem Betragen war den Grafen um so überraschender, da sie vorher als erklärte Feinde, alsMein- eydige gegen ihn gehandelt hatten, und jetzt eine so edle Rache erfuhren. Nach Verflriß einiger Tage, that er ihnen folgendes Anerbieten. „Es sey euch unverwehrt, sagte er, ob ihr hier bey uns bleiben, oder nach Hause gehen wollt. Im letztem Fall wollen wir jeden mit Geld und andern Reisebedürfnissen reichlich ausstatten. Ihr könnt jetzt thun was euch gut dünkt denn ihr seyd freye Leute. Handelt nach eigner Einsicht." Die gute Aufnahme in Constantinopel gefiel ihnen. Nun geschah es, daß Vohemund sich zu einem Kriege rüstete, und den Kaiser in allen Landen als einen Heyden verschrie, der sich mit Heyden gegen Christen verbände. Diese Verleumdungen suchte der Kaiser dadurch zu entkräften, daß er die Grasen, wie es denn auch ihr eigner Wille war, nach Hause gehen ließ, damit sie eine beßre Meynung von ihm ihren Landsleuten beybringen möchten. Er selbst begab sich nach Thessalonich, rheils um die Recruten zu exerci- ren, theils um Anstalten zu machen, den gedachten Einfall Bohemunds zu verhindern. Die Grafen arbeiteten nach allen Kräften jenen falschen Beschuldigungen entgegen. Sie stellten sich selbst als redende Beweise auf, sagten dem Bohe- mund ins Gesicht, daß er ein Lügner sey, und bekannten allenthalben, wo sie nur hinkamen, daß man ihm auch keine Sylbe glauben dürfe. Zur Verstärkung der Truppen, welche der Kaiser in Bereitschaft hatte, eilten Kantakuzen und Monastras aus Cölosyrien herbey. An ihre Stelle rückten PetzeaS in Laodkcea und Aspie- res in Tarses und in die übrigen Oerter, welche unter 2l z Mo- Monastras gestanden hatten, mit andern Soldaten ein. Aspietes war ein Mann von edler armenischer Herkunft, und, dem Rufe nach, ein tapfrer Held, nur waren leider seine Thaten der hohen Meynung, die man von ihm hatte, nicht entsprechend. Tancred hatte sich öffentlich und mehrmals verlauten lasten, er werde in Kurzem nach Cilicien gehen, und die Kaiserlichen Heraustreiben; denn er habe e6 den Türken abgenommen , und ihm stehe es nach dem Kriegörechte zu. Er ließ es nicht allein bey mündlichen Drohungen bewenden, sondern erklärte sich auch über sein Vorhaben in Briefen, von denen sehr viele an Aspietes kamen. Die Drohungen giengen bald in Erfüllung, und schon er- öffnete er das Vorspiel von dem, was seinem Versprechen nach nun weiter erfolgen sollte. Er brachte ein Heer Celren und Komenier zusammen, übte cs täglich in den Waffen, und in allen Kriegskünste, schickte es auf Streisereyen aus, und versah sich mit allem, was zu einer Belagerung gehörte. Unterdessen that Aspietes, so ein großer braver Soldat er sonst auch war, als wenn er nicht das geringste zu befürchten hatte. Mit der größten Sorglosigkeit schwelgte er bis in die Nacht hinein, ohne die Gefahr zu bemerken, die schon über ihm schwebte. Seit dem er sich in Cilicien befand, wo ihn sein Monarch »licht mehr beobachten konnte, stöhnte er allen nur ersinnlichen Ausschweifungen, die ihn so weichlich »rächten, daß er gegen den abgehärteten Tancred nicht ausdauren konnte. Tancredä Donnerworte rührten sein abgestumpftes Ohr nicht inehr: und als jener gleich einem Wetterstrahl in Cilicien einsiel, wagte sein blinzendes Auge nicht aufzuschauen. Tancred brach mit einem sehr zahlreichen Heer von Antiochien auf. Ein Theil desselben gieng zu Lande Lande »rach Mopsveste ab, ein andrer zur See nach dem Fluß Saro, der von den taurischen Gebürgen zwischen den beyden Städten Mopsveste (von denen eine zerstört ist) in das syrische Meer stießt. Die Flotte lief den Strom hinauf bis an die Brücke, welche jene beyden Städte verbindet. So war nun der Ort von beyden Seiten eingeschlossen. Aspietes blieb noch immer in der größten Untha- tigkeit, in einem Seelenschlummer, aus dem ihn das tobende Geräusch der Belagerung nicht zu wecken vermochte. Ich weiß nicht, wie dieser Mann sich seht s» tief hat herabwürdigen können. Sein Betragen zog ihm den größten Haß bey der kaiserlichen Armee zu. Man kann sich leicht denken, wie viel Cilicien vom Tancred dulden mußte, der eben st) bewundernswürdig in seiner Kriegs - und Belagerungskunst war, als er sich durch seinen starken Körperbau auszeichnete. Man wird erstaunt fragen, wie mein Vater einen so schlechten Soldaten nicht besser gekannt habe, und ich halte es für Pflicht, ihn deshalb zu entschuldigen. Sein Stand und seine Geburt erregten für ihn ein günstiges Vorurtheil. Er war das Haupt der Ar- saciden, und stammte aus königlichem Geblüt ab. Daher machte ihn der Kaiser zum Stratopedarchen des ganzen Orients, und erhob ihn zu glänzenden Ehrenstellen. Auch hatte er schon einmal eine Probe seines Muths in dem Kriege gegen Robert abgelegt» Ein langgestreckter Celte ritt mit eingelegter Lanze spornstreichs auf ihn zu und stieß ihm die Lanze durch die junge bis hinten an den Rückgrad. Die Wunde war gefährlich, aber Aspietes blieb noch fest im Sattel sthen. Mit einem Streiche spaltete er Kopf und Helm seines Gegners. Beyde stürzten von ihren Pferden, der Celte todt, der. andre noch beseelt. Die Umstehen- A 4 ^ den 8 den trugen den Aspietes fort, und zeigten dem Kaiser die Wunde die er empfangen, und den Celten den er erlegt hatte. An diesen Umstand erinnerte sich mein Vater, als er den Posten in Cilicien besehen wollte. Und so kam es denn, daß er ihn mit der Würde eines Stratopedorchen dahin abschickte, wo er gegen Tancred hätte fechten sollen — Doch genug hievon. — Wir wollen seht wieder zum Kaiser zurückkehren, der alle Feldherren in seinen abendländischen Staaten durch Briefe nach Sehlaniha berief. Warum that er das? wollte er etwa andre für sich streiten lasten? war er so sehr in Wollust versenkt, hatte er das Bad so lieb gewonnen, wie diejenigen Fürsten thun, welche nur ein thie- risches Leben ftihren? Mit nichten. Er verließ seinen Pallast wie oben gezeigt ist, gieng mitten durch die abendländischen Provinzen nach Thessalonich, im Monat September des Jahrs n oz, und im 2osten Jahr sei« ner Regierung. Seine Gemahlin mußte ihn, wiewohl gegen ihre Gewohnheit, begleiten, denn sie mochte nicht gern öffentlich erscheinen, sondern blieb lieber zu Hause, wo ihre Beschäfftigungen darinn bestanden, daß sie Schriften heiliger Männer las, stille Betrachtungen über sich selbst anstellte, und Wohltharen ausspendete, vorzüglich gegen Personen, die in Tracht, Lebensweise, im Beten und wechselseitigem Gesänge sich als Diener Gottes ankündigten. Mußte sie ja einmal, wenn die Umstände es so verlangten, öffentlich auftreten, so geschah es mit einer Sittsamkeit, die ihre Wange mit Röche überzog. Als einst die Philosophin Theano ihren Arm entblößt hatte, sprach jemand im Scherz zu ihr „Ihr habt einen schönen Arm" — Aber nicht, er- wiederte sie, um ihn öffentlich zur Schau zu tragen. Die Kaiserin, meine Mutter, das Ideal erhabner weiblichen Tugend, das Muster eines unsträflichen Wan- Wandels war fo weit von Gefallsucht entfernt, daß sie mit keinem, als mit ganz bekannten Menschen sprach. Sie trieb ihre Sittsamkeit bis zum Bewundern hoch: allein Götter selbst, wie es in der Dichtersprache heißt, sind dem Verhängniß unterworfen. Sie war gezwungen ihren Gemahl auf seinen häufigen Feldzügen zu begleiten. Aus züchtiger Bescheidenheit weilte sie gerne im Pallast: aber die zärtliche eheliche Liebs, mir der sie ihr treues Herz ganz dem hingab, dcck^S allein beherrschte, nöthigte sie auch aus jenen Gründen ihren Wohnsitz zu verändern. Voruemlich brauchte mein Vacer, wenn ihn das Podagra, das ihm die heftigsten Schmerzen verursachte, überfiel, viele Pflege und Wartung, und niemand konnte ihm so viele Lindrung verschaffen, als seine Gemahlin. Man verzeihe mir, daß ich mich so sehr über Familien Sachen verbreite. Auch als Privatmann muß ich ihn bewundern. Was ich rede, ist lautere Wahrheit, auf deren Kosten ich gewiß meinen Vater nicht erhebe. Was er that, that er für das allgemeine Beste. Nichts schied ihn von der Liebe seiner christlichen Mitbrüder, weder Schmerz noch Lust, weder Sonnenbrand, noch erstarrende Kälte, noch die blutigsten Kriege. Alles dieß konnte ihn nicht erschüttern. Seine Natur unterlag zwar den Gebrechen, aber er richtete sich wieder auf, wenn er helfen sollte. Eine andre, noch wichtigere Ursache warum ihn seine Gemahlin begleiten mußte, lag in den hausfigen Nachstellungen, um derentwillen er, wenn cs möglich gewesen wäre, mit tausend treuen Augen hätte um- herschauen müssen. Mitternacht so wohl als Mittag bereiteten ihm Gefahren zu. Am Abend keimte Unglück auf, und der Morgen brachte ihm Verderben. Gott sey mein Zeuge, daß ich die Wahrheit rede. A 5 Ist Ist diese sage nicht schrecklich? Erfordert sie nicht die angestrengteste Wachsamkeit? Hier zielte einer mit dem Dogen auf sein Herz, dort wehte ein andrer das Schwert, seine Eingeweide zu durchwühlen, und wo Waffen nichts vermochten, da stach ihn die. Lästerzunge. Wer anders, als jeine treue Gattin hatte ihn hier beystehn können? Wer hatte den Kaiser sorgfältiger bewachen, wer aufmerksamer seine Verfolger beobachten können? Ja sie war meinem Vatersein Alles; des Nachts wachte ihr forschender Blick über ihn, des Tages diente sie ihm zum sichersten Schirm, und bey der Tafel sicherte ihre Gegenwart sein Leben vor vergifteten Speisen. Wo sie sich auch mit dem Kaiser befand, unter den Augen so vieler Männer, blieb sie die zurückhaltende Frau, die sie von je her gewesen war. Ihr verschämter Blick, ihr bescheidnes Schweigen, ihr kleiner Hofstaat machten, daß man sie nicht bemerkte, wenn nicht zwey Maulesel, die ihr Gepäcke trugen, und der darüber gebreitete kaiserliche Teppich ihre Gegenwart beym Heere verrathen hätten. Uebrigens war ihr engelreiner Leib in beständiger Abgeschiedenheit. Sie lebte für keinen als für ihren Gemahl, den sie mit immer regem Eifer unter seinen körperlichen Leiden bediente. Auch wir und alle Vertrauten des Kaisers wetteiferten nach allen Kräften ihrem aufmunternden Beyspicl zu folgen. Dieß schreib ich für jene niederträchtigen Ver- laumder, von denen auch dieser Umstand zum Nach- theil meiner Mutter gedeutet ward. Homers Muse kannte schon diese Menschenart, wenn sie singt. „Sie schänden jede gute That. Sey noch so schuldlos: ihre Lästerzunge wird dich treffen." Irene befand sich also, theils freywAlig theils nothgedrungen, mitten im kaiserlichen serlichen Heere, Ihre Waffen waren weder Helm noch Schwert: denn sie sollte nicht gegen den Feind kämpfen : aber ihre Brust war gestählt gegen jeden Schlag des Schicksals, gegen jeden Versuch, den Thron des Kaisers wankend zu machen. Unermüdete Thäcigkeit, Herrschaft über die Leidenschaften, und unverfälschter Glaube, gaben ihr die Waffen in die Hand, mit denen sie in dem Kreise ihrer Wirksamkeit mit auftrat. Sonst war sie eine friedliebende Frau, die den Namen (Irene, Friede) durch die That erfüllte. Ich muß unter den Ursachen, warum der Kaiser seine Gemahlin diesmal mit sich ins Feld nahm auch diese berühren, daß der Krieg noch nicht angegangen war, und jetzt nur Vorbereitungen zu demselben gemacht werden sollten. Irene nahm auf ihre Reise Geld und andre nützliche. Dinge mir, um es unterwegens zu einem Allmosen für Bettler und andre dürftige Personen zu verwenden, von denen sie gewiß keinen mit leerer Hand abwies. In dem ihr angewiesenen Zelt brachte sie die Zeit nicht mit tödtender Langeweile zu, sondern erlaubte jedem, der ihr ein Anliegen vorzutragen hatte, freyen Zutritt. Armen Leuten gab sie nicht allein Geld, sondern auch guten Rath, und tröstlichen Zuspruch. Sähe sie einen starken Menschen, der noch gesunde Hände zum arbeiten hatte, aber sich lieber aufs Faullenzen legte, und von Thür zu Thür betteln gieng, so ermahnte sie ihn, sich durch Fleiß und Arbeit sein Brod zu erwerben. Ihre Wohlthatigkeit war an keine Zeit gebunden. Ich könnte zu ihrem Lobe noch mehrereS anführen, wenn ich nicht das Vorurtheil gegen mich hätte, ihre Tochter zu seyn. Doch kann ich meiner Erzählung, wenn sie Mißtrauen erregen sollte, sehr leicht durch Anführung einiger Scenen aus ihrem Leben Glaubwürdigkeit verschaffen. Jetzt nehme ich den Faden der unterbrochnen Erzählung wieder auf. Wir Wir verließen den Kaiser in Theffalonich, wohin sich, auf sein Gebot, alle abendländischen Truppen einfanden. Dießmal waren nicht Heuschrecken, aber ein ungewöhnlich großer Comet Vorboten der Celten; denn so außerordentliche Begebenheiten, zu denen iht alle Anstalten gemacht wurden, mußten auch durch eben so bedeutungsvolle Zeichen vorher verkündigt werden. Er stand vierzig Tage und Nachte am Himmel, und zog sich von Abend gegen Morgen Der Kaiser pflegte aufdergleichen Erscheinungen nicht viel zu achten, weil er sich dieselben aus ganz natürlichen Gründen erklärte, dießmal aber konnte er sich doch nicht enthalten, Sachverständige deshalb um ihre Meinung zu befragen. Unter andern erkundigte er sich auch bcy dem damaligen Stadtpräfect von Byzanz, den er zu dem Ende kommen laßen, was doch wohl der Comet bedeuten möchte? Basilius, (so hieß dieser Mann, ein treuer Unterkhan des Kaisers) verschob die Antwort auf den folgenden Tag, gieng in seine Behausung bey der Kirche des Evangelisten Johannes und beobachtete nach Sonnenuntergang den Cometen. Während dieser Be- schäfftigung überfällt ihn der Schlaf, in welchem ihm Johannes nicht als Traumgesicht sondern wirklich in prie- sterlicher Kleidung erscheint. Mit Furcht und Beben fragt er den Heiligen, was der Comet andeute. „Ue- berschwemmungen der Celten, war die Antwort, die da ein Ende nehmen werden, wohinter Comet sich zum Untergange neigt." Was die Anstalten betrifft, welche der Kaiser zu Bohemunds Empfange machte, so waren sie so beschaffen, daß er, wenn dis Noch es erforderte, sogleich in Bereitschaft seyn konnte. Er übte seine Recruten in den Waffen. Sie mußten mit Pfeilen nach dein Ziel schießen, und den Schild zu ihrer Bedeckung führen lernen. lernen. Jngleichen berief er Hülfstruppen, aus allen Gegenden, verwahrte Jliyria mit der größten Sorgfalt, setzte Dyrrachium in den besten wehrhaften Zustand, zu besten Befehlshaber er den zwcyten Sohn des Se- bastocrator Isaacs, Alexius, bestellte, und zog aus den Cycladischen Insein, aus Asien und Europa eine Flotte zusammen. Die letzter» machten ihm die meh- resicn Schwierigkeiten, da viele zu saumselig, in Befolgung seiner Befehle waren, weil sie sahen, daß Bo- hemund noch nicht Anstalten zur Abfahrt machte. Allein sein Grundsatz war, ein Feldherr müsse sich jederzeit auf alle Fälle bereit halten, müsse nicht bloß für das gegenwärtige, sondern auch für das zukünftige sorgen, müsse, wenn die Umstände es verlangten, kein Geld sparen, vornehmlich wenn er den Feind in der Nähe merke. Von Thessakonich gieng er über Strumpitza nach Slopinum, und sandte an Johannes des SebastocratorS Sohn, der von den Dalmatiern eine Niederlage erlitten hatte, einen hinreichenden Succurs, nach dessen Ankunft Bolkan ungesäumt wieder um Frieden bat, und die verlangten Geißeln auölieferte. Vierzehn Monate lang wartete der Kaiser, ohne daß Bohemund erschien. Beym embrechenden Winter gab er seinen Soldaten Urlaub, und kehrte nach Thessakonich zurück. Um diese Zeit wurden seinem Sohne Jahannes Porphyro- qenetes Zwillingökinder gebohren, ein Prinz, und eine Prinzeffm. Nach dem Feste des großen Märtyrers kehrte der Kaiser wieder zur Hauptstadt zurück, wo sich jetzt folgende Begebenheiten zutrugen. Auf den Constantins Platze stand eine eherne Bildsäule aus einein Gestelle von rvthem Marmor, mit dem Gesichte gegen Morgen gekehrt, in der rechten einen Scepter, und in der linken eine eherne Kugel. Sie 14 .. - - Sie soll den Apollo vorgestellt, und, wo ich nicht irre, Anthelian (Sonnenbild) geheissen haben- Constankin der großs benannte sie mit seinem Namen, Kaiser Con- siantinS Säule, aber doch behielt sie ihre alte Benennung, Anelius, oder Anthelms bey. Diese, Säule wurde von einem plötzlichen Windstoß, als die Bronne im Zeichen des Stiers stand, umgeworfen. Viele, vorzüglich diejenigen, welche dem Kaiser nicht wohl wollten, sahen dieß als eine Vorbedeutung seines nahen Todes an. Er aber dachte ganz anders: „Mein Leben sprach er stehet in Gottes Hand. Wie sollte ein umgestürztes Bild meinen Tod nach sich ziehen? Sonst müßte ja der Bildhauer Todte erwecken, und leblose Dinge beleben können. Ware dieß, was blieb alsdann dem Allmächtigen übrig?"— Mehr Aufmerksamkeit verdient die Verschwörung einiger Großen gegen das Leben meines Vaters. Ich kann es nicht be- greiffen, wie seine Kräfte gegen so viele und so mannigfaltige Leiden, deren eines das andre drängte, haben ausdauren, und wie er bey dem allen noch der sanfte menschenfreundliche Mann hat bleiben können. Er war freygebig mit Ehren und Geschenken, gab den Barbaren keinen Anlaß zu Feindseligkeiten, vertheidigte sich aber gegen ihre Angriffe tapfer. Ich kann mit Zuversicht behaupten, daß die seit einigen Jahren beynahs erloschne Kaiserliche Würde durch ihn wieder zu ihren vorigen Glanz erhoben worden ist. Wenn man alles, was er geleistet hat, und alle Begebenheiten die unter seiner Regierung vorgefallen, zusammenfaßt, so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, daß die Vorsehung ihn zu einem mukhigen Vertheidiger des / Reichs auöerkvhren habe. — Doch wo hin verliere ich mich? Von der neuen Verschwörung gegen ihn wollte ich reden. Die Die Häupter dieser Verschwörung waren vier Brüder, AnemadeS genannt. Zu ihnen gesellten sich noch mehrere aus den berühmtesten Häusern, und andre angesehene Männer. Z.B. Nicetaö, Kostamo- nites, Cupticius, Georg Basilacius, lauter Männer, die bey der Armee die wichtigsten Stellen bekleideten. Ein gewisser, sehr reicher, Rathsherr Salomon Johannes , hatte sich durch das Versprechen, daß man ihn zum Kaiser machen wolle, ebenfalls in das Complott ziehen lassen. Er war klein von Statur, von sehr leichtsinnigem Charakter, dünkte sich dabey ein großer Platoniker, und Aristoteliker zu seyn, und sähe nicht, daß die, welche ihm jenes Versprechen gethan hakten, nie Willens waren, es je zu erfüllen, sondern bloß eigennützig handelten, um ihm sein Geld abzulocken. Er war ein so furchtsamer Mensch, daß sie es ihm nicht einmal sagen durften, durch welche blutige und gefährliche Mittel er zum Kaiserthum gelangen solle. Alles was er that, bestand darinn; daß er mit der größten Unvorsichtigkeit anwarb, und schon zum Voraus an seine Getreuen und Mithelfer Ehrenstellen auötheilte. Nachdem nun die Mitverschwornen völlig unter einander einverstanden waren, lauerten sie beym Palaste die gelegne Zeit ab, ihren Anschlag auf das Leben des Kaisers auszuführen. Schon hatten sie mehrere Tage gewartet, ohne ihren Zweck zu erreichen. Endlich faßten sie den verwegnen Entschluß, durch die Schloßkirche in des Kaisers Schlafgemach einzubrechen, wo er bisweilen des Morgens frühe, mit einigen seiner Anverwandten, das Zacrikian zu spielen pflegte - ein ursprünglich assyrisches Spiel). Ihr Vorhaben wird noch bey Zeiten entdeckt, und sogleich Anstalten getroffen, alle in Verhaft zu nehmen. Salomon und Georg Basilacius welche noch die Besten aus dem ganzen Haussen i6 Haussen waren, ließ der Kaiser ein Zimmer anwcisen, das hart an daö seine stieß. Da sie im ersten Verhör nicht bekennen wollten, trat der Sebastocrator Jsaae auf, und hielt an Salomon eine Anrede: „Ihr kennt, sprach er, die Langmuth meines Bruders, und seine Neigung zum Verzeyhen. Wenn ihr alles aufrichtig ! gesteht, so sollt ihr vollkommene Begnadigung erhalten; ! wo nicht, so warten euer unaussprechliche Martern." Einige ausländische Soldaten mit zweyschneidigen j Schwertern bewafnet, welche um den Jsaac her standen, schreckten den Salomon so sehr, daß er alles bekannte, und seine Mitverschrvornen angab, nur von dem vorgehabten Kaisermord wollte er durchaus nichts wissen. Darauf wurde er und Georg BasilaciuS, jeder in ein besonders Gefängniß gesetzt, und von der Schloßwache, ' in Verwahrung gehalten. Man bemächtigte sich auch der übrigen Mitschuldigen und erhielt von ihnen das Ge- standniß, daß sie gesonnen gewesen waren, den Kaiser aus dem Wege zu raumen. Zur Strafe wurden sie insgesamt des Landes verwiesen, und ihre Güter ein- t gezogen. Das prächtige Haus des Salomo erhielt ^ die Kaiserin zum Geschenk, trat es aber aus eigner Be- ! wegung, ohne sich auch nur das kgeringste davon auszu- ° bedingen, an dessen Gemahlin wieder ab. Salomon ! kam noch mit einer gelinden Strafe davon, denn er ^ wurde bloß nach Sozopolis in Verwahrung gebracht. Den Gebrüdern Anemas hingegen war eine härtere Züchtigung zugedacht. Ihr Haupthaar sollte ihnen glatt I abgeschoren ihr Bart ausgerauft, sie selbst auf den Markt geführt, und sodann ihrer Augen beraubt werden. Diesem Befehle zu folge, legte man ihnen einen Sack an, schlang um ihren Kopf Ochsen - und Schaaf- banne, setzte sie rücklings auf den Ochsen, und führte sie so auf den Schloßplstz umher. Gerichtsdiener, mit > Staben ^ i k Stäben in der Hand, tanzten vor ihnen her, und san- gen in der Volkssprache ein Spottgedicht, das ganz zu diese m lächerlichen Aufzug paßte. Es enthielt eine Auffoderung, die hörnergekrönten Häupter zu* schauen, - die ihre Schwerter gegen den Kaiser gezückt hatten. Jung und Alt lies hinzu, um dieß Schauspiel mit anzusehen, selbst wir Prinzessinnen stahlen uns unter die Menge. Der Anblick des Michael Anemas preßte allen die ihn ansahen, und uns vorzüglich, Thränen der Wehmurh aus. Der arme Mensch blickte schmachtend zum Palast auf, und hob seine Hände in die Hohe, als wenn er sich die Gnade erstehen wollte, daß nian ihm Hönde, Füße und den Kopf abschlagen möchte. Du mußt ihn zu retten suchen, dachte ich, gieng zu wiederhohlten malen zu meiner Mutter und bat, sie möchte den Zug nur ansehn. Aufrichtig zu gestehn, ich bemitleidete ihn meines Vaters halber, dem ich gerne so viele tapfre Officiers und vorzüglich den tiefgebeugten Michael am leben erhalten hätte. Der Zug gieng langsam, als wollte mm Zeit zum Pardon zu gewinnen suchen. Meine Mutter saß bey ihrem Gemahl an dem Platze, wo beyde gemeinschaftlich vor der Mutter Gottes ihr Gebet verrichteten. Sie zögerte. Ich getraute mich nicht näher zu treten, sondern stellte mich aussen an die Thüre, und winkte ihr so lange zu, bis sie mir endlich folgte. Kaum hatte sie den Michael erblickt, so eilte sie zum Kaiser zurück, und drang wirklich mit ihrer Bitte bey ihm durch, daß der Verbrecher nicht an den Augen gestraft würde. Dek Bote, welcher diesen Pardon überbringen sollte, erreichte glücklich die so genannten Hände, ehe Michael dahin ankam. Denn wenn ein Missethäter schon bey dieser Stelle vorbey geführt ist, so ist auch der über ihn gefällte Urtheilsspruch unwiderruflich. Denkwärdigk. II. L. B Diest i8 Diese ehernen Hände, standen auf einem steinernen Pfosten , an einem sehr hohen Orte. Sie-waren ein Sinnbild, daß der Missethäter, jo lange- er sich in ihrem Revier befand, gleichsam noch in den 'Armen des Kaisers seine Gnade zu erwarten habe, aber über dasselbe hinaus ohne Rettung verstoßen bleibe. Michael entgieng also der Strafe, und wurde nur in einen Thurm gesteckt, der nahe beym Blacher- uer Schlosse auf der Stadtmauer sta>ck>, und nach den: Nahmen desjenigen, der zuerst lange Zeit darinn in Verwahrung gehalten worden, der ÄnemoS - Thurm hieß. Während jener noch saß, wurde auch einem gewissen Gregor eben dieser Thurm zum Gefängnis angewiesen. Schon im Jahr i104. hatte GregoriuS Taronites, da er als Dux nach Trapezunc abgieng, sich des?Lufruhrü schuldig genraeht, indem er fernen Vorgänger in der Ducischen Würde, Dabaten, auf dem Wege nach Eonstantinopel anfheben, und als einen Gefangenen nach Tebenna bringen ließ. Eben so hatte er es auch mit mehreru vernehmen trapezunrischen Bürgern gemacht. Diese verbinden sich untereinander, treiben die Besatzung mit Schimpf zuin Thor hinaus, und bemächtigen sich der Festung. Der Kaiser that Gregor von Zeit zu Zeit in Briefen ernstliche Vorstellungen, von seinem Beginnen abzulassen: er aber kehrte sich nicht daran, sondern antwortete in einen: sehr beleidigender: Schreiben, worinn er den Senat, die Generale, und Anverwandte des Kaisers heftig angriff. Weil er sich mm auf keine Weise bessern wollte, so mußte Johannes (Sohn der ältesten kaiserlichen Schwester, und eines Bruders des Gregor) an ihn abgehen, und ihn anfänglich in Güte zu bereden suchen, wenn aber diese nichts fruchten sollte, die Waffen ergreiffei:; Gregor rückte rückte bis Colonea (einen sehr festen unüberwindlichen Ort) vor, wo er sich mit Tcmismann verbinden wollte, und lieferte hier einem kaiserlichen Corps, zu dem ' mehrere Celten gehörten, eine blutige Schlacht, in der er jelbst gefangen wurde. Johannes überlieferte ihn dem Kaiser, und schwur, daß er ihn auf der ganzen Reise nicht eines Anblicks, viel weniger noch einer Unterredung gewürdigt habe. Nur die einzige Gnade bat er für ihn aus, daß die Strafe nicht bis auf den Verlust der Augen ausgedehnt würde. Alexius stellte sich, als wenn er dieß im Sinne geführt hatte, und ließ seine Fürbitte statt finden, jedoch unter der Bedingung , kein Wort davon zu erwähnen. Drey Tage nachher, wurde Gregor mit abgeschornem Kopf und Bart, mitten über den Markt, auf den AnemaSthurm gebracht. Hier stieß er gegen seine Wächter, die unsinnigsten Reden aus, die deutlich genug zeigten, daß er sich noch nicht gebessert habe. Mein geliebter Casar, brachte ihn, wiewohl sehr langsam, durch gelinde Vorstellungen so weit, daß er der Gnade des Kaisers wieder empfänglich ward. Er erhielt nach der Zeit mehrere Beweise der kaiserlichen Huld, als er vorher je genossen hatte. Was ich gesagt habe, mag genug seyn, um das Betragen kennen zu lerne,, welches mein Vater gegen Majestätsverbrecher annahm. Wir kehren wieder zu den Vorbereitungen zurück, die ec auf den bevorstehenden Einfall Bohemunds machte. Er schickte nämlich den Jsaae Contostephanus, als Trosdux der Flotte, nach Dyrrachium mit dem Befehl, ab, hier noch vor Ankunft dev feindlichen Flotte einzutresfen. Auch munterte er den Dux von Dyrrachium, seines Bruders Sohn, bey Verlust der Äugen in Briefen auf, seine Schuldigkrit wohl z» beobachten, und ihm Bohe- mundS Ankunft bcy Zeiten zu melden. B 2 Com Contostephanus sollte alles, was von Bohemund kam , oder zu ihm stoßen wollte, auffangen. Er vermißte aber, aus Unkunde der Gegend, gleich zu Anfänge die Stelle, welche zur Ueberfahrt aus der Lombardei) .nach Jllyrien die bequemste ist. Noch mehr, er gieng sogar dein erhaltnen Befehl zuwider nach Hydrunt, ^ das an der italienischen Küste liegt, und damals unter den Befehlen eines Weibes stand, der Mutter Tan- creds, wie man hehcupket. Doch kann ich nicht bestimmen, ob sie Bohemunds Schwester war, oder nicht, denn mir ist es.nicht bekannt, ob Tancred von mütter- ^ licher, oder väterlicher Seite mit Bohemund ver- l wandt war. Die Kaiserlichen machten ihren ersten glücklichen Versuch gegen Brindisi, und waren schon so weit gekom- , men, daß sie den Kaiser als Herrn der Stadt aus- j- riefen. Jene, eben so kluge, als entschloßne Dame, sandte eiligst einen Boten an einen ihrer Söhne, und ließ die Zeit über, da sie seine Ankunft erwartete, die Besatzung der Stadt in den Zuruf der Belagerer mit einstimmen. Auch fieng sie schon an, mit Contoste- phanus vorläufig in Unterhandlungen zu treten, dw sie so lange hinzuhalten wußte, bis ihr Sohn mit der er- s warteten Hülfe ankam, und die Kaiserlichen in die Schiffe zurücktrieb. Unter den letztem befanden sich viele Seythen, von denen sechs in feindliche Hände fielen. Nichts konnte für Bohemunds Absichten erwünschter seyn als dieser Fang, denn nun war er im Stande zu zeigen, was für Leute der Kaiser zu seinen Kriegen gegen die Christen gebrauchte. Er führte sie nach Rom, stellte sie dem Pabst vor, zeigte bey jeden Wort auf die Scy- then hin, schalt sie Heyden, und spottete über ihren Auszug. Auf diese Art war es ihm leicht, nicht blos , die die Zustimmung des Pabstes zu seinem Feldzuge zu erhalten, sondern auch eben dadurch den wilden unwissenden Pöbel noch starker an sich zu locken — Denn wie hatte der Barbar nicht schaarenweise zu ihm strömen sollen, da der Pabsi selbst den Krieg für erlaubt erklärte. Der Rückzug in die Schiffe wurde durch das mu- thige Betragen einiger Ofsiciere z. B. Alexander Eu- phabenus gedeckt, die den vordringenden Feind tapfer zurück schlugen. Darauf segelte die Flotte nach Aulon. Bey seiner ersten Ankunft vor Dyrrachium, hatte er seine Schiffe bis Aulon, und Chimara vertheilt. (Das erste liegt hundert, das lichte sechzig Stadien von Dyrrachium.) Jetzt aber nahm er jene Station deswegen, weil die Uebersarch nach Aulon kürzer ist als die, nack Dyrrachium, und stellte auf dem Iasonshügcl Schild- Ivachen aus, die auf alles, was zur See vorgieng, ein wachsmnss Auge haben sollcen. Hier brachte ein Cel- re, der eben aus Italien kam, die Nachricht, daß Bohemund im Begriff scy, abzusegeln, Contostepha- nus und seine Untergebnen gerietheu darüber in ein so gewaltiges Schrecken, daß sie, um einer Schlacht zu entgehn, sich krank stellten, und Vorgaben, sie müßten ihrer Gesundheit halber ins Bad gehen. Lautulph, der gewiß einer der größten Seeheldeu war, bot alle seine Beredsamkeit auf, um sie von diesem Schritte zurückzubringen, aber vergebens. Sie giengen nach Chimara ins Bad, und ließen ben zweyten Drungar der Flotte auf einem Wachtschiffe unweit Aulon bey der Landspitze kreutzen. Untcrdeffsn blieb Lanculph mit einer hinlänglichen Anzahl Schiffe bey 'Anton. 'Bohemund führte zwölf zweyrudrige Kriegsschiffs an, die in der Mitte von unsäglich vielen runden Lastschiffen segelten. Die Flotte sah von weitem einer schwimmen- 22 den Stadt gleich. Wind und Wetter kam ihr auf der Fahrt von Baris bis nach Aulon zu starten, die See war ganz stille, nur ein kleiner günstiger Wind schwellte die Seegelder Lastschiffe, daß ste mit denen, die vom Rudern getrieben wurden, immer gleichen Laus halten konnten. Auf dem beyderseitigen Gestade des adriatischen Meeres konnte man das Gecöje der Schiffe hören. Kein Wunder, wenn Comostcphan und andre sich vor der Zeit zurückzogen, ohne daß man ihnen deswegen den Vorwurf der Feigherzigkeit machen darf. Selbst Lantulph wagte es nicht, sich entgegen Zu stellen, sondern ließ ihn ungestört auf der Küste von Aulon eine Landung rhun. Unter Bohemunds Heere befanden sich Franken , Celten, Insulanern, aus Thule, die bisher in kaiserlichen Sold zu gehen pflegten, und viele andre, deutschen und celtiberischen Ursprungs. Sie zogen sich gegen Dyrrachium, nach dessen Eroberung sie ihre Plackereyen bis an die Mauern von Constantinopel fortzusetzen gedachten. Bohemund übertraf in Ansehung der Belagrungskunst selbst den berühmten Stadte- zwinger Demetrius. Er versicherte sich zuvor der ganzen, rund um Dyrrachium befindlichen, Gegend, fand an manchen Orken Widerstand, an andern nicht, und Lärm erst schritt er zur Belagerung selbst. Ehe ich den Erfolg derselben erzähle, muß ich meine Leser etwas mit der Lage dieser Stadt bekannt machen. Sie ist eine alte griechische Stadt, und liegt am Adriatischen Meere, da wo es sehr breit ist, (an der östlichem und nördlichen Küste desselben wohnen die Vetoneu; Apulien gegenüber.), unterhalb ElissuS, Las oberwartä mehr rechterhand liegt, sehr stark befestigt ist, und gleichsam von seiner Höhe auf das im Grunde liegende Dyrrachium hinabschaut. Ob der Nah- Nähme Elissus von einem Flusse, der sich in denDry- mon ergießt, oder von irgend einem andern Umstand herzuleiten sey, kann ich nicht bestimmen. Durch sei« ne glückliche Lage, gereicht es Dyrrachium von der Wasser - und Landseite zu einer großen (LchuHwshr, der sich auch der Kaiser sehr wohl zu. bedienen wußte, indem er zu Land und auf dem schiffbaren Drymon, Dyrrachium mit allen benöthigten Kriegs - und Lebensbedürfnissen versorgte. Der Drymon kommt oben aus dem See, der heut zu Tage in der auSgeartcten Mundart Achris genennt wird, nach dem Bulgarischen Könige Mocrus, oder wie er zuletzt hieß, Samuel, dessen Leben in den Zeiten der beyden Kaiser und Porphy- rogeneten, Constantinus und Basilius, fallt. Aus diesem See fließen hundert Kanäle, welche sich in den Fluß, der bey Delire vorbeygeht, ergießen. Nun geht er, als ein großer breiter Strom, unter dem Nahmen Drymon aus der dalmatischen Grenze hinaus, krümmt sich gegen Norden, dann wieder gegen Süden, und fällt an dem Fuß des Berges, aus welchem Elissus steht, in das adriatische Meer. Der Dux von Dyrrachium sandte gleich nach geschehener Landung Bohemunds einen Skythen als Eilboten nach Constantinopel ab. Dieser traf eben ein, als der Kaiser von der Jagd gekommen war, beugte seinen Kopf zur Erde, und stattete feinen Bericht mit lauter Stimme ab» Alle Anwesende standen wie versteinert da , als hätte sie der bloße Nähme Bohemunds ihrer Besonnenheit beraubt. Der Kaiser hingegen blieb ganz gelassen; zog seine Schuhe ans und sagte: Jetzt ist es Zeit, zur Tafel zu gehen; nachher wollen wir schen was mit Bohemund anzufangett sey. B 4 Drey- Kaltblütigkeit, mit der AlexiuS die Nachricht von BohemundS Landung aufnahm, war in der That zum Erstaunen, obgleich sie ihm nicht von Herzen gieng. Alle Umstände riethen es ihm, sich von der Hauptstadt zu entfernen, in der er noch zu seiner eignen Sicherheit vieles zu besorgen hatte. Er that was die Nokst von ihm heischte, brachte die Angelegenheiten seines Hauses in Richtigkeit, übertrug dem Großdrun- gar der Flotte, dem Verschnittenen Eustachius Kymi- nianus und dem Nicephvrus, Decans Sohn, die Si- l chsrheit der Kaiser-Stadt, und gieng am ersten November des Jahrs 1107, mit einem kleinem Gefolge, und mit seinen Blutsverwandten aus Constantinopel, bis Geranium, wo er sein purpurfarbnes Zelt aufschlug. Hier blieb er vier Tage liegen, weil die Mutter Gottes zu Blacherne nicht das gewöhnlich- Mirakel verrichtet hatte; ja er gieng sogar am Abend des vierten Ta- l ges mit seiner Gemahlin zurück, und betrat in einem ! kleinen Gefolge heimlich die Mutter Gottes Kirche, wo er nach verrichtetem Gottesdienste, und inbrünstigem Gebete das erwünschte Wunder sah, welches ihn für die Zukunft mit guten Hoffnungen erfüllte. Den folgen- i den Tag setzte er den Weg nach Thessalonich fort, und bestellte Johannes Taronites zum Befehlshaber von Chörobacchi. > Dieser Johannes stammte von einer vornehmen Familie, war yon Jugend auf um den Kaiser gewesen, sen und hatte ihm lange als Geheimschreiber gedient. Er war ein fleißiger Mann, besaß eine ungemeine Kenntniß der Gesehe, prieß die kaiserlichen Befehle an, wenn er sie anders der Majestät würdig befand, denn er sprach freymüthig, jedoch ohne die schuldige Ehrfurcht zu verletzen. Unterwegens ermuntert der Kaiser schriftlich den Dux Jsaae, und die ihm untergeordneten Ofsiciere Exar zenus und Hyeleas, mit aller Wachsamkeit ihren Posten zu behaupten, und allen Schiffen, dis aus Italien Verstärkung zu Bohemund herüberbrachten, die Landung zu verwehren. Bey Messus wollte die Kai- serm wieder umkehren, ihr Gemahl vermochte sie aber, weiter mitzugehen. 'Als sie über den Eurus bey Psy- lus ankamen, wurde durch Gottes Hülfe eine neue Verschwörung gegen des Kaisers Leben entdeckt, die einen Menschen aus der berühmten Aronischen Familie, aber von unehelicher Geburt, zum Urheber hatte. Ob, ausser seinem Bruder, noch mehrere aufrührisch Gesinnte um diesen Anschlag gewußt, mag ich nicht behaupten. Wenigstens war ein Scyche, Nahmens Demetrius, Aarons Sclave, schon als Mörder gedungen, und ihm die Ausführung des Mordes auf den Zeitpunkt ange- setzt, wenn die Kaiserin sich würde entfernt haben, deren Gegenwart ihnen aufferst hinderlich war. Weil sich aber die Abreise derselben von Tage zu Tage verzögerte, so warfen sie heimlich eine Schmähschrift in das kaiserliche Zelt hin, worin sie dem Kaiser riekhsn. seinen Weg weiter zu verfolgen, und seine Gemablin nach Constantinopel zu schicken. Solche Schmähschriften werden nach den Gesetzen verbrannt, und alle die Theil daran haben, mir der härtesten Strafe belegt. Nach aufgehobner Tafel, da schon alle, ausser dc m Manichäer Romanus, dem Verschniktnen Basi- B 5 lius lius Psyllus, und Theodor, Aarons Bruder, aus dem Zimmer gegangen waren, findet sich unter dem kaiser« liehen Sopha ein neues Pasquill, das der Kaiserin viele Anzüglichkeiten darüber sagte, daß sie ihrem Ge-, mahl folge, und nicht lieber nach Eonstantinopek gebe. Der Kaiser las es, und ries unwillig aus, ich, oder ihr, (indem er sich zu seiner Gemahlin*wcndte,) oder einer von den Anwesenden hat dieses dahin geworfen. Unten standen die Worte : Dieß schrieb euch Herr Kaiser ein Mönch, den ihr gegenwärtig nicht kennt, aber im Traume sehen werdet» Ein gewisser, im Dienste der Kaiserin stehender Verschnittene, Rahmens Constantia, hörte um die dritte Nachtwache eine Stimme sagen: Ich will ein Schurke seyn, wenn ich nicht alle eure Bubenstücke aufoecke, und zeige, werdsrverkappte Paöquillante fsy. Sogleich gieng sein Bedienter ab, zu scheu, von wem die Stimme käme, und brachte der: Bedienten Aarons, Strategiuö, mit sich zurück , der alles, so viel er wußte, auf der Stelle bekannte, und auch dem Kaiser, den man deshalb aus dem Schlafe weckte, folgendes Ge- ständniß ablegte: Mein Herr Aaron hat mit einigen andern, die eure Majestät schon ziemlich kennen wird, einen Anschlag auf euer Leben gemacht , und zu euren: Mörder meinen Kameraden Demetrius bestellt. Dieser ist ein Scythe von Geburt, ein handfester Bursche, eine recht blutdürstige, wilde Seele, der jedes verwegnen Streiches fähig ist. Kommt das nicht etwa, was du mir da erzählst, fragte der Kaiser, aus irgend einem Groll gegen deinen Herrn, oder gegen deinen Kameraden? Kannst du deine Aussage beschwören? Denn läßt du dich auf Lügen ertappen, so wird es dir nicht gut ergehen. Der Bediente blieb fest auf seinem Bekenntnis ja er schlich mit dem Verschnittenen Basilius in Aarons Zelt, wo noch alles schlief, nahm hier ein Felleisen voll Papiere, und brachte es dem Kaiser, dem nach Durchlesung derselben weiter kein Zweifel übrig blieb. Er gab der Regierung in Constantinopel den Befehl, Aarons Mutter nach Chörobacchi ins Verhaft zu schicken , ihre beyden Söhne wurden nach Anchia- luS gebracht. Dieser Vorfall hielt den Kaiser fünf Tage auf der Reise auf, endlich kam er nach Thessalo- nich, wo der Sammelplatz seiner Truppen war, über die er jetzt eine allgemeine Musterung anstellte. Das ganze Heer stellte sich Bataillonweise in ein vorderes, hinteres und mittleres Treffen. Die Ofstciere com- mandirten an der Fronte eines jeden Haufens. Es warein furchterweckender Anblick, wie sich da Mann an Mann mit seinen blinkenden Waffen anschloß. Man hatte glauben sollen, soviel eherne Bildsäulen vor sich zu sehen, die unbeweglich auf dein Platz standen , und nur bloß ihre banzen schwenkten. Sie mußten alle Manövers machen, sich rechts lind links drehen, und die neu angeworbnen wurden geschickten Soldaten zugetheilt, die sie exercirsn mußten. Diese Soldaten, drey hundert an der Zahl, lauter junge blühende Jünglinge aus verschiedenen Standen zusammen gelesen, und in den Waffen vortrefflich geübt, machten eine besondre Compagnie aus, deren Chef der Kaiser mar, der sie such selbst exercirt hatte. Die besten unter ihnen schickte er mit Mannschaft voraus nach den Passen, durch welche der Feind dringen wollte. Das übrige Heer verlegte er nach Theffalonich in die Winterquartiere. Bohemund stand mit einer großen Macht vor Dyrrachium, dem Morgenchore gegenüber, auf dem ein Reiter von Erz steht. Den Winter über hielt er es bloS bloguirt, und rekogneszirte wahrend desselben dw 28 die Festungswerke, um ihre schwächste Seite ausfindig zu machen. Mit angehendem Frühling verbrannte er alle Lastschiffe und die Fahrzeuge, welche zum Trans- port der Pferde gebraucht wurden. Seine Absicht da- ben war theils seinen Soldaten die Hoffnung des Rückzugs abzusthneiden, theils die Belagerung mit unge- theilter Kraft fortzusetzen, denn sonst hatte er zur Bedeckung der Schiffe gegen die Angriffe der Kaiserlichen Flotte mehrere Mannschaft nöthig gehabt. Die Belagerung nahm ihren Anfang mit Pfeil- schüffen von den Thürmen herab, und einigen Ausfällen. Perula, das Städtchen Mylus und die übrigen um Dyrrachium befindlichen Oerter mußten sich an die Detachements vom feindlichen Heere ergeben. Unter der Zeit betrieb Bohemund dis Verfertigung der zum Kriege dienlichen Maschinen mit einem Eifer, der die Gemächer der Menschen eben so sehr als seine Thaten in Bestürzung setzte, aber doch den Muth der Kaiserlichen nicht beugen konnte. Er ließ Schildkröten oder Bedachungen verfertigen, die mit Thürmen versehen waren oder Skurmböcke enthielten, oder zur Bedeckung derer, die in Laufgraben, oder an andernWerken über der Erde arbeiteten, dienen sollten. Eine schreckliche Hungersnoth brach in seinem Lager aus, seitdem de>' Proviant, welchen er aus der Gegend um Dyrrachium zusammen gebracht hatte, verzehrt, und alle Zufuhr sowohl zu Wgsser, durch die Kaiserliche Flotte, als auch zu Lande, durch diejenigen, welche alle Pässe und Zugänge besetzt hielten, gesperrt war. Ausser dem Hunger, der Menschen und Pferde dahin raffte, stellte sich auch die Ruhr ein. Sie entstand aus dem Genuß der Hirse, war aber in der That blos als ein Strafgericht Gattes zu betrachten, der dem auf seine Menge stolzen Krieger zwiefaches Verderben bereitete. Alles ..' 2 § Alles dieses konnte Bohemund nicht von seinem Vorhaben zurückschrecken» Er betrieb vielmehr, vor wie nach, was er einmal beschlossen hatte. Die erste, mit einem Mauerbrecher versehene Schildkröte, welche er an der östlichen Seite der Stadt aufpstanzte, war ein Wunder in ihrer Art, und jagte schon durch den bloßen Anblick Schrecken ein. Sie war nicht groß, viereckig!, und zwar parallelograminförmig, oben und von beyden Seiten mit aneinandergehefteten Rindfellen bedeckt, stand auf Walzen, und inwendig hieng der Mauerbrecher. Man bewegte sie mit Hülse mehrerer Stangen, zog, als sie der Mauer nahe genug stand, die Walzen fort, und rammelte um sie herum viele Pfähle ein, damit sie beym Schwanken des Balkens, der gegen die Mauer getrieben ward, unbeweglich bliebe. Dieser Balken ward von den stärksten Personen angezogen und dann gegen die Mauer angelafsen, von der er gegen die Hinterwand der Schildkröte abpr mit Briefen von ihm durchschlüpfen könnte. Wenn mein Vater seiner Neigung hätte folgen wollen, so wür- ! Le er den Feind im offnen Felde ausgesucht haben: allein seine Vernunft war hier, wie in andern Fällen, die Gebieterin, der er unbedingten Gehorsam leistete. Ein Feldherr ist nicht immer genöthigk, durch Menschenopfer den Sieg zu erringen. In manchen Fällen kann ihm List und Verschlagenheit das Uebergewicht verschaffen. Nach dieser Maxime handelte hier Alexius. Er ^ wollte Uneinigkeit zwischen Bohemund und ftinen Gra- > feit fen einfachen, und brauchte deshalb zum "Unterhändler den Marinus Sebastuö, aus der Neapolitanischen Fa- rnilie den sogenannten Magister Militum. Die Treue dieses Mannes war zwar schon sehr verdächtig, doch schien er gegen Bohemund noch ganz brauchbar zu seyn. Zugleich unterredete, er sich mit Roger, einem edlen Franken, und mit Peter von Alipha, einem eben so kupfern, als dem Kayser ganz ergebenen, Ritter, über die beste Art, wie man Bohemund schaden könne, fragte sie, wer die vorzüglichsten Anhänger desselben seyn, und brachte sie so weit, daß jeder einen verschwiegenen und treuen Menschen stellte, den er mit Briefen in das feindliche Lager absenden könnte. Die Briefe waren an die vertrautesten Freunde Bohemunds in Form einer Antwort gestellt, die sich ans ein vorhergegangenes Schreiben zu beziehen schien, und ausser dem schmeichelhaftesten Dank für die Gefälligkeit, daß sie ibm Bohemunds geheime Absichten so freundschaftlich entdeckt hätten, noch das Anerbieten königlicher Geschenke enthielt, wenn sie fernerhin ihre geheime Correspon- denz unterhalten wollten. Unter den Personen, an welche sie gerichtet waren, befanden sich Guido, Bohe- mundö Bruder, Koprisian , einer der vornehmsten im Heere, Richard, ein gewisser Principakuö, der einer der angesehensten und tapfersten Ritter war. Es ließ sich leicht voraus sehen, daß Bohemund, wenn diese Briefe sollten aufgefangen werden, in die äußerste Wuth gerathen, und diejenigen, welche an nichts weniger, als an Verrätherey gedacht hätten, durch seine Mißhandlungen dazu reihen würde. Damit nun die Briefe ihm auch wirklich kn^die Hände sielen, begab sich ein andrer als Ueberläufer zu Bohemund, verrieth ihm, daß die Boten schon, unterwegens bey Petrula seyn, und bat für diese armen Denkwürdigk. ll.B. C Leute, Z4 Leute die bloß nach Eyd und Pflicht handelten, Schonung aus, welche ihnen auch eydiich zugcsichert ward. Kurz Bohemund erbrach des Kaisers Briefe, und wäre bald ohnmächtig zu Boden gesunken, als er ihren Inhalt erfuhr. Er bestellte einige heimliche Aufseher, die auf alle Unternehmungen der verdächtigen Personen ein wachsames Auge haben mußten, und verschloß sich sechs Tage in seinem Gezelte, wo er ganz dem Gedanken nachhieng, ob er in einer allgemeinen Versammlung der angeschuldigten Ofsiciere seinen Bruder Guido zur Rede stellen, und ihm so gleich die Beweise seiner Untreue vorlegen solle, oder nicht; ferner wußte er nicht, wie er den Verlust so vieler edler Ritter wieder ersehen sollte, deren Entfernung ihm nothwendig unendlichen Nachtheil zuziehen würde. Endlich fiel seine Entschließung dahin aus, sie an ihren Posten zu lasten, und ihre Herzen durch ein gefälliges Betragen zu gewinnen. Vielleicht mochte er es auch mit der Zeit gemerkt haben, was es eigentlich für eine Bewandniß mit den Briefen habe. Der Kaiser hatte mehrere Haufen, unter der Anführung seiner besten Oificieren in die Pässe vertheilt, l und alle Wege mit Verbacken unbrauchbar machen las- ^ sen. Bohemund detachirte seinen Bruder Guido, den Grasen Saracen und Contopagan gegen Daura. Einige mit den Schleichwegen wohl bekannte Einwohner, ,aus den an der albanischen Grenze gelegnen Städten, die sich schon in seiner Gewalt befanden, gaben Wegweiser ab, und führten die beyden letztem Grafen so an, daß sie dem Eustachius KamytzeS, der die Alba- / nischen Pässe besetzt hielt, in den Rücken fallen konn- ^ ten: Guido aber gierig gerades Weges auf ihn los. Kamytzes konnte den: doppelten Angriff nicht wider- ^ stehen, sondern mußte sich unter einem großen Verlust > ^.^ Z5 an Tobten zurückziehen. Zu den Gebliebenen gehören Earcs, den der Kaiser schon als Knaben unter seine Leibrruppen ausgenommen hatte, und Scaliarius, ein Türke von Geburt, der sich schon vor seinem Uebertritt zur christlichen Religion den Ruhm eines großen Feldherrn erworben hatte. Dieser Niederlage folgte eine andre bey Giabe- nitza. Achates hatte sich hier mit seinen Schaaren ins freye Feld hinabbegeben, entweder um ein Treffen zu liefern, oder um die Lage des Orts in Augenschein zu nehlWÜ. Plötzlich überfallen ihn 520 schwer bepan- zerte keltische Reiter: noch andre schleichen sich um den Sumpf, und greiffen ihn im Rücken an. Achates focht tapfer, bis ihn ein gewisser Graf KontopaganuS mit der Lanze zu Boden streckte. Ausser ihm blieben noch viele andre auf dem Platze. Jetzt sähe sich der Kaiser genöthigt, gegen Bo- hemund auf einem andern Wege Zu verfahren. Er stellte seinen Feldherrn Kantakuzen, den er aus LaodL- cea zu sich gerufen hatte, an die Spitze einer Armee, die nach Glabenitza bestimmt war, und begleitete ihn in eigner Person bis an den Paß Petra. KantakuzenS erste Unternehmung war gegen Mylusstadt gerichtet. Seine Soldaten hielten sich anfangs tapfer, legten Feuer an die Thore an, und schwungen sich schon auf die Mauer, aber ihr Muth sank bald, als die ausgestellten Vorposten, insgesammt Ausländer, in der größten Unordnung herbeyliefen, und schon von Ferne mit lauter Stimme schrien, daß die Celten jenseit des Flusses Buse sich in Bewegung setzen: da sie doch billig diese Nachricht nicht so allgemein hatten verbreiten sollen. Die Kaiserlichen wurden dadurch so sehr in Schrecken gesetzt, daß sie die Festung, die doch schon irr ihren Händen war, verließen, und jeder sein Pferd auf- C 2 suchte 56 --------- suchte, oder auch das erste beste, welches ihm vorkam, ergriff. Katukuzen wandte alles an - seine Leute wieder zum Stehen zu bringen, konnte aber weiter nichts ausrichten, als daß sie vor dem Abzüge die Belage- rungsmaschinen, und die auf dem Fluß Buse befindlichen Fahrzeuge in Brand steckten. Darauf zog er sich eine kleine Strecke in eine Ebene zurück, die zur Reckten den Fluß Charzane, zur Linken einen sumpfig- ten Boden hatte, folglich einen sehr bequemen Lagerplatz abgab. Die Zerstohrung der Fahrzeuge hatte übrigens für sie den Vorcheil, daß die Seythen nicht über den Fluß Buse gehen konnten. Ein andres keltisches Corps grenz von Guidos Armee gegen die Pässe bey Jericho und Kanina, welche Michael KekaumenoS besetzt hielt, und vertrieb auch hier die Kaiserlichen. Der Celte ist rn engen Gegenden ein sehr brauchbarer Soldat, nur im weiten Felde taugt er nicht viel. Nach dieser glücklich ausgeführten Unternehmung rückte er Kantakuzen entgegen, der sich so verschanzt hatte, daß die Celten ihn nicht würden angegriffen haben, wenn er nicht selbst die Nacht hindurch, aus seinem Lager über den Fluß gegangen wäre, und ihnen ein Treffen angeboren hätte. Er stellte sich mitten in der Schlachtordnung an die Spitze. Zur Linken hielten die Türken, zur Rechten der Alane Ros- mices mit seinen Landsleuten. Den ersten Angriff versuchten die Seythen, indem sie plötzlich vordrangen, ihr leichtes Gewehr abschossen, und dann wieder eben so schnell zurückeilten. Allein die Celten ließen sich da- « durch nicht stöhren, sondern zogen in geschlossenen Reihen, ohne ihre Stellung zu unterbrechen, auf, und trieben die Seythen, als beyde Heere einander schon nahe im Gesicht standen, so sehr ins Gedränge, daß sie die Flucht ergreifen mußten. Die Türken, welche jetzt zum Kl, »Mi tzch zm, le rül« dp ziZiK k«!^ i»>^ B«^ / «i» O/ F; ' - - 37 zum Tuffen kamen,, und einen sehr lebhaften Angriff thaten, wurden ebenfalls verächtlich zurück gewiesen. Exusiocrator Romisces eilte zwar, als sie schon zu weichen anfiengen, mit st' >n tapfern Alanen herbey, konnte aber ebenfalls nicht Ausrichten. Zuletzt brach Kan- takuzen hervor, trem die feindlichen Linien, und erfocht einen glanzenden Sieg^ Viele und die angesehensten, z. B. GrasHugo, dessen Bruder Richard und Kontopagan geriethen in Gefangenschaft, und wurden nebst den Köpfen der gebliebenen Celten,. die man auf Spießen steckte, an den Kaiser gesandt. Es ist Nacht, da ich dieses mit halb schlummerndem Auge schreibe. Jetzt fühle ich die Mängel meiner Erzählung; schmeichle mir aber, daß sie bey billig denkenden Lesern schon Entschuldigung werden gefunden habem Bin ich nicht gezwungen so viele barbarische Nahmen zu, gebrauchen? und dringen sich mir nicht Begebenheiten in unzähliger Menge auf, die sich einander gleichsam durchkrsutzen, und den Zusammenhang der Geschichte unterbrechen?. Bohemund fand sich in der verläßlichsten Lage, besonders da er wieder an allem Mangel litt. Er suchte sich zwar dadurch zu helfen, daß er einen Theil seiner Armee in die Gegenden von Jericho, Aulon,, und Kanina auf Beute ausschickte.. Allein Veröltes, ein Feldherr unter Kankuzens Befehlen schlug dieses Detachement und verbrannte noch dazu arif seinem Rückzuge die feindlichen Schiffe. Auch itzt war Bohemund noch lange nicht gedemüthigt. Er that vielmehr als wenn er noch keinen Soldaten eingebüßt hätte, und ließ ein neues Corps, Fußvolk und Reiterey ungefähr 6002 Mann stark gegen Kantakuzen anrücken, mit welcher Mannschaft er den kaiserlichen Feldherrn und seine ganze Armee aufzuheben gedachte. Dieser aber, durch seine Kundschafter bey Zeiten vor ihrer Annäherung C z gewarnt, 38 gewarnt, überfiel sie unversehens am Ufer des Flusses Buse, wo sie vom Marsch ermüdet in guter Ruhe lagen, und schlug sie gänzlich auf das Haupt. Viele Celten geriethen in Gefangenschaft, noch mehrere fielen durch das Schwert, die übrigen fanden ihren Tod im Wasser. Die gefangenen Grafen sandte der Sieger an den Kaiser, und kehrte darauf nach Timoros, einem sumpfigten, schwer zugänglichen, Ort. Hier blieb er sieben Tage liegen, während welcher Zeiterverschied- ne Patrullen ausschickte, um den Zustand des feindlichen Heeres auszukundschaften. Bey einem Flusse fallen ihnen hundert Celten, die eben im Begriff sind eine Schiffsbrücke zu schlagen, in die Hände. Das sonderbarste bey diesem Vorfälle war, daß Bohemunds Bruderssohn, ein Riese von zehn Fuß in die Länge, und von starkem derbem Gliederbau, wie ein andrer l Herkules, von einem kleinen septischen Mann, der ihm nicht einmal bis an die Hälfte reichte, gefangen genommen ward. Eben dieser Scythe mußte auch auf Kan- rakuzens ausdrücklichem Befehl, seinen Gefangenen selbst vor den Kaiser führen. Die Freude, welche der Kaiser über die, durch Kantakuzen erhaltenen, Vortheile empfand, wurde sehr bald durch die Nachricht von der Niederlage des Kamytzes und Kabasilas verbittert, die ihnbiszuThrä- nen rührte. Um aber doch den Schaden wieder gut zu machen, oder für die Zukunft ähnlichen Vorfällen vorzubeugen, bestimmte er den Constantinuö GabraS nach Petula hin, um theils die Stelle, wo die Celten eingebrochen waren, zu besichtigen, theils durch Ver- schanzungen einem nochmalige Einbruch vorzubeugen. Gabras war zwar ein sehr braver Soldat, aber er besaß zu vielen Eigendünkel, und mochte sich nur bey wichtigen Unternehmungen gebrauchen lassen. Weil er Vi-Ii kr« ft Ä k Eii- "ISNIj, M M. !Ä- srßl> ^ «- Nft- mM l-U, anlm !, B i°nh» ...- . zy nun keineftgroße Lust zeigte, jenen?luftrag zu unternehmen, so wurde MarianuS Mauracatacalon, meines CäsarS Schwesterinann, der sich durch mehrere Hel- denthaten das Zutrauen des Kaisers erworben hatte, dazu ausersehen und ihm tausend der auserlesensten Soldaten bewilligt. Aber auch Marian bat sich Bedenkzeit aus. Um Mitternacht kam ein Schreiben von Lantulph an, worinn er dem Admiral Jsaac Contostephanuö, und dessen Brüder Stephan und Euphorben Harke Vorwürfe machte, daß sie die Straße zur See nicht sorgfältig bewachten, sondern sich öfters auf dem Lande belustigten. „Ihr habt, sagte er dem Kaiser in seinem Schreiben, von eurer Seite nichts Unterlasten, um den Verwüstungen der Celten Einhalt zu thun r aber was Helsen alle Bemühungen, wenn die Befehlshaber eurer Flotte ihre Schuldigkeit verabsäumen. Unlängst ist eine große Menge Lastschiffe, die mit Menschen, Pferden, und Lebensmitteln im Ueberfluß versehen war, aus der Lombardei) mit dem Südwinde, der sie bey Dyrrachium nicht landen ließ, bey Aulon angekommen. Seitdem ist unter den Celten alles, was sie bedürfen, für die billigsten Preise zu haben." Alexius ward darüber heftig aufgebracht, und äußerte seinen Zorn gegen Jsaac Contostephanus in Kittern Vorwürfen und Drohungen, wo fern er dis begangnen Fehler nicht wieder gut machen würde. Jsaac ließ sich diese Warnungen zwar nicht vergebens gesagt seyn, allein das Glück hatte ihm den Rücken gekehrt. So oft er den Celten auf offner See begegnete, hatten sie günstigen Wind, der seine Schiffs immer zurücktrieb, ohne daß es ihm möglich gewesen wäre, sich ihnen entgegen zu stellen. C 4 An 4«r i An diesen mißlungenen Versuchen war blos die Unkunde der dortigen Seeküsten Schuld, indem er keinen sichern Standort mit der Flotte nahm. Zu dem Ende stellte ihm der Kaiser eine Charte von der italienischen und illyrischen Küste zu, auf der alle Häfen und Ankerplätze angemerkt waren, nebst einer beygefüg- ten Anzeige, wo er die Flotte hinstellen müsse, daß sie bey jedem Winde die keltischen Schiffe auffangen könne. Jsaac befolgte den Rath, und vernichtete eine ansehnliche keltische Flotte, indem er sie theils verbrannte, theils in den Abgrund versenkte. Dessen ungeachtet mußte er seine Befehlshaberstelle an MarianuS Maurocakacalo abtreten, dessen Platz in Petrula ein anderer übernahm. Das Glück war diesem gleich zu Anfänge günstig. Er erbeutete viele reichbeladene Schiffe, die für Bohemundö Armee bestimmt waren, und schnitt den Celten die Ueberfahn nach Dyrrachium gänzlich ab. ! iß! S- ck « iiki k» Der Kaiser war in seinem Lager bey Deabolis im Stande, alle, welche zu Bohemunds Heere übertreten wollten, zurückzuweisen. Auch schickte er den Besatzungen in den Pässen immer neue Verstärkungen zu, mit denen sie den Feind vor Dyrrachium beständig bell »I! s« unruhigen sollten. Ihre Streifzüge sollten sie, seiner ! « Verordnung nach, in folgender Ordnung halten. Die I tz berittenen Bogenschützen mußten vorausreiten, ihre > ^ Pfeile abschießen, dann wieder zurückeilen, und so in ; ß einem fort angreifen und fliehen. Hinter ihnen kä- ! U men dann die Lanzenträger langsam nachgezogen, die je- ^ ne im Nothfall decken, und jeden Celten, der sich so ^ weit vorwärts wagte, erlegen könnten. Sie bekamen ^ eine Menge Pfeile mit, die sie aber mehr gegen die ^ Pferde, als gegen die Reiter zu gebrauchen hatten, ^ welche letzter» durch ihre Rüstung gleichsam unverwund- ^ bar km, Kß!!I »i G> ei,, Age- »A i> gliit M» ^chm Äi« Äkw M' B»- ^s'li ,p' -- .^ — 4l bar waren. Die celrische Armatur besteht aus einem Panzerhemde das aus lauter Ringeln zusammengesetzt, und aus dem härtesten Stahl verfertigt ist, der keinen Pfeil durchläßt. Zu mehrerer Sicherheit tragen sie noch einen Schild, der sich sehr breit anfängt, und spitz endigt, inwendig etwas ausgehölt ist, und von außen eine glanzende Politur hat. Jeder Pfeil, ein scy- thischer sowohl als persischer, prallt, auch wenn er aus einer Riesenhand flöge, wieder gegen den zurück, der ihn abgeschossen hat. Das war die Ursache, warum Alexius den Befehl gab, nur immer auf die Pferde zu zielen, ohne welche die Celten wehrlose Menschen sind, mit denen man machen kann, was man will. Daß er nun ferner nicht über die Paste hinausgieng, um dem Bohemund ein Treffen zu liefern, hatte, wie ich es aus seinem eignen Munde weiß ebenfalls einen sehr triftigen Grund in dem wenigen Vertrauen, das er auf die Treue seiner Untergebnen setzte. An Muth fehlte es ihm gewiß nie, aber die Umstände waren dießmal nicht so beschaffen, daß er ihn füglich hätte beweisen können. Und doch war er in der Gegend Jllyriens kein müstiger Zuschauer der Begebenheiten, die sich jetzt zutrugen. Er wußte durch guten Rath, durch treffliche Anschläge und Einrichtungen den Mangel seiner Gegenwart so sehr zu ersetzen, daß Bohemund sich bald wieder von allen Seiten eingeschloffen sah. Marian spielte völlig den Meister zur See, und ließ auch nicht das kleinste Fahrzeug entwischen. Auf dem Lande wurde der Krieg mit gleicher Lebhaftigkeit fortgesetzt. Kein Eelte durfte sich zum Lager hinaus wagen, wenn er nicht den Kaiserlichen in die Hände fallen wollte. Durch diese beständigen Gefechte sowohl, als durch Hunger und Seuche, welche schrecklich unter den Celten wülheten, schmolz C 5 ihre - 42 ----------- ihre Macht von Tag zu Tage mehr zusammen. Graf Wilhelm Klareles floh mit 500 Reitern zum Kaiser, und erhielt dafür, ausser vielen Geschenken und Gna- denbezeugungcn, die Würde eines Nobilissimus. Bo- hemund that dem Befehlshaber von Dyrrachium Frie- densvorschläge, die sogleich an den Kaiser befördert und in Erwägung gezogen wurden. Alexius fand sich damals von so vielen unzufn'ed- nen Personen umringt, die ihm weit mehr als auswärtige Feinde zu schaffen machten, daß er, aus Noch gezwungen, den angetragenen Frieden nicht von sich ablehnen konnte, und aus seinem Lager folgendes Schreiben an Bohemund abfertigte. „Ihr habt euch des Meineydes gegen mich schon mehrmals schuldig gemacht, und ich würde euren Verstellungen kein Gehör geben, wenn nicht die göttliche Lehre des Evangeliums allen Christen Versöhnlichkeit predigte. Besser ist es, ich lasse mich hintergehen, als zu einem Fehltritte gegen Gott und seine Gebote verleiten. Aus dem Grunde also, weise ich euer Gesuch nicht ab. Wollt ihr nun ernstlich Friede, verabscheut ihr eure eiteln Versuche, die ihr nicht eurem Vaterland, nicht der Christenheit zugute, sondern blos aus Privatabsichten, aber ohne den mindesten Erfolg unternommen habt, wollt ihr eure Hände nicht mehr mit Christenblut beflecken; so kommt, da uns nur eine kleine Entfernung trennt, mit einem beliebigen Gefolge zu mir herüber. Der Vergleich mag nun zu Stande kommen oder nicht, so will ich euch aus jeden Fall ungefähre wieder ziehen lassen." Bohemund bat sich dagegen, bis zu seiner Zurückkunft, Geißeln aus. Daraus wurde der Neapolitaner Marian, der tapfere Franke Roger, Männer, die mit der Sitte der Lateiner sehr wohl bekannt waren, ferner Constantmus Euforbenus, der sich im Dienste jederzeit 43 derzeit treu und pünktlich erwiesen, und ein gewisser Adralest, welcher sehr fertig Celtisch sprach, an ihn abgesandt. Bohemund ritt ihnen eine weite Strecke vor dem Lager entgegen, damit sie nicht Augenzeugen von dem erbärmlichen Zustand seines Heeres abgeben möchten. Ihre Anrede lautete so: „Dem Kaiser sind die Verheissungen und eydlichen Ansagen noch nicht entfallen, welche ihr nebst den übrigen Grafen bey dem Durchzuge ihm geleistet habt. Itzt habt ihr den Lohn eurer Unredlichkeit dahin." Laßt es dabei) bewenden, unterbrach sie Bohemund: ich habe dergleichen Predigten nun schon genug angehört. Sagt, was ist ferner euer Auftrag? Der Kaiser, antworteten sie, laßt aus Liebe, für eure, und eures Heeres Wohlfahrt, euch folgendes Anerbieten khnn. Da ihr doch bey aller angewandten Mühe, weder Dyrrachium habt erobern, noch für euch, und eure Leute auch nur den kleinsten Gewinn ziehen können, so kommt, wenn ihr nicht euren Untergang muthwillig befördern wollt, zu mir, sagt was euer Begehr sey, und vernehmt dann meine Gesinnungen. Werden wir mit einander einig, so soll Gott dafür gepriesen seyn, geschieht es nicht, so sollt ihr unverletzt wieder in euer Lager zurückkehren. Wer von euren Kriegsleuten zum heil. Grabe wallfahrten will, dem verspreche ich sicheres Geleite. Wer hingegen in sein Vaterland zurückzukehren gedenkt, der soll, reichlich von mir beschenkt, zu seiner Heimath gelangen. Jetzt sehe ich, erwiederte Bohemund, daß ihr Männer seyd, mit denen ich als Bevollmächtigten des Kaisers in Unterhandlungen treten kann. Ich verlange demnach von euch die Bestätigung folgender Punkte: i) Der Kaiser soll mir eine ehrenvolle Aufnahme gewähren, und mir auf sechs Stadien die Vornehmsten seiner Anverwandten entgegen schicken. 2) Wenn ich sein sein Zelt betrete, so soll er sich von seinem Sitze erheben , und mich standesmaßig empfangen, z) Er soll keine Rücksicht auf vorhcrgegangene Verträge nehmen, noch vielweniger sich des Rechts bedienen, über meine Handlungen zu entscheiden, sondern mich völlig als einen freyen Menschen betrachten, der nach Willkühr sprechen darf. 4) Außerdem verlange ich, daß der Kaiser mich bey der Hand fasse, und oben an seinem Sitz einen Platz anweise. 5) Mich mit zwey bepan- zerten Rittern eintreten lasse, und 6) von mir weder Fußsall, noch Beugung des Nackens fordere. Der zweyte und sechste Punkt wurde verworfen, die übrigen bewilligt. Nach getroffenem Vergleich, führte man die Gesandten an den Ort hin, der ihnen zum Aufenthalt angewiesen war, wo sie von hundert Sergeanten (Fußknechten) bewacht wurden, damit sie nicht bey Nacht das Lager besichtigen, und nachher die Saiten höher spannen möchten. Den folgenden Tag begab sich Bohemund mit goo Reitern und allen seinen Grasen an die Stelle, wo vorhin die Unterhandlung vorgefallen war, ließ hier das ganze Gefolge stehen, und gieng blos in Begleitung von sechs Personen zur Wohnung der kaiserlichen Gesandten, mit denen er sich nochmals wegen der abgeschlagenen Punkte zu verglei- chen suchte. Darüber entstand nun ein heftiger Wortwechsel. Bohemund wollte durchaus seine! Federung durchsetzen: und jene wollten in nichts nachgeben. Einer seiner edelsten Grasen, Namens Hugo, brach unwillig in die Worte aus: Keiner von uns, der gegen den Kaiser auszog, hat noch einen Feind gesehen, laßt das alles gur seyn, jetzt müssen wir Friede statt Krieg ergreifen. Endlich gab Bohemund nach, und fodert ihnen nun eine eydliche Zusage ab, daß er die begehrte ehrenvolle Aufnahme zu erwarten, und im Fcll.e, daß 45 ^ Er j; LiS», kß i, ilkpG schkr ld,ßi»> ni M t ie M llN i«z bl> n s« aMtz ich", »P mrÄ MÜS 4 Dd' AD> --- 47 turfehler, sondern von seiner Erziehung herrührte. Der ganze Körper hatte eine blendende Weiße, nur auf dem Gesichte mischten sich Roth und Weiß. Sein gelbes Haar hieng nicht bis auf die Schultern herab, wie es sonst die andern Ausländer zu tragen pflegen, sondern war bis ans Ohr verschnitten. Ich glaube sein Bart war röthlich, denn genau kann ich es nicht bestimmen, weil er ihn beständig glatt rasirt trug. Aus seinem blauen Auge strahlte Muth und kühner wilder Sinn. Seine Nase stand im genauen Verhältnis zu seiner breiten Brust, die volle Athemzüge einzog und aus- stieß. Er besaß einigen Anstrich von Gefälligkeit, der aber mit gar zu vielen widerlichen Zügen schattirr war. Sein Blick, seine Größe, kurz sein ganzer Körper zeigte von einem harten unbiegsamen, heftigen Charakter. Selbst die Miene, die er zum jachen verzog, schien die Miene des Verdrusses zu seyn. In ihm gatteten sich Zorn und Wohlwollen, und bcyde erschienen in einem kriegerischen Gewände. Sein verschlagner unternehmender Geist benutzte jede sich darbiethende Gelegenheit. Seine Worte waren sorgfältig abgemessen, und seine Antworten so gestellt, daß er sich Nie bloß gab. Nur allein dem Kaiser mußte er an Glück, Scharfsinn, und andren Gaben der Natur nachstehen. Alexius spielte bey der Audienz beiläufig und verblümt auf die alten Vorfälle an, lenkte aber wiederauf andre Gegenstände ein, denn Bohemund mochte seinem Gewissen nicht gerne mit dem Andenken an jene Geschichten lästig fallen, und half sich mit dem Vorwände, daß er nicht gekommen sey um darüber Rechenschaft zu geben, denn sonst habe er auch manches anzu- chringen, das er aber unter den gegenwärtigen Umständen vergessen wolle. So mag denn, antwortete der Kaiser, das Vergangne dahin gestellt bleiben. Wollt ihr 84 ihr nun mit mir Vertrage abschließen, so müßt ihr euch zuförderst als meinen Vasallen erklären, und dem Tan- cred befehlen, an meine Abgeordneten Antiochien abzutreten. Auch müsset ihr jetzt, und in der Folge, alles das halten, was ihr mir angelobt habt. Vohemund versicherte, er könne diese Punkte unmöglich bewilligen, und bat daß es ihm erlaubt seyn möchte, seinen Abschied zu nehmen. Den sollt ihr haben, versetzte Alexius, allein ich weiß auch keinen, der euch sicherer geleiten könnte, als ich. Sogleich befahl er mit lancer Stimme seinen Feldherr» ihre Pferde in Bereitschaft zu halten. Böhemund entfernte sich, gieng in das ihm angewiesene Zelt, und verlangte meinen Gemahl, den Panhypersebastus Cäsar Nicephorus Bryennius zu sprechen, der sich auch einstellte, und durch seine unvergleichliche einschmeichlende Beredsamkeit ihn dahin brachte, daß er versprach, dem Kaiser in den meisten Forderungen nachzugeben. Darauf faßte er ihn bey der Hand, und führte ihn zum Kaiser. Den folgenden Tag, wurde der Vertrag mit freyer Einstimmung bey- Ler Theile abgeschlossen und beschworen. Das Instrument derselben lautete also: „Der erste Vergleich, den ich mit eurer von Gottes Gnaden gekrönten Majestät schloß, als ich mit jenem zahlreichen fränkischen, und zur Befreyung Jerusalems bestimmten, Heere, auf dem Zug von Europa nachAsia, in der Kaiserstadt einkehrte; der aber in den nachfolgenden Zeitläuften umgestoßen wurde, soll von nun an für null und nichtig erklärt, und eingetretener Umstände halber als abgekhan angesehen werde». Eure Majestät soll daraus kein Recht gegen mich erlangen, noch sich auf das, was darin festgesetzt und m" , terzeichnet ist, berufen. Mit dem Kriege gegen euer s von Gott erwähltes Haupt heb ich alle Verbi-ndlichkei- , -- - US s-ihitz ten auf, und so müssen auch von eurer Seite alle Be- ^ schwerden gegen mich aufhören." ^ „Jetzt erschein' ich als ein reuiger Sünder, der zu bessern: Erkenntniß gelangt ist, den euer Schwert auf richtigere Einsichten gebracht hat. Das Andenken an l W den bisher in meinen Kriegen erlittenen Verlust bewegt ^>Ä, mich mit euch einen neuen Bund zu schließen, und Om mich für euren Vasallen zu erklären: das heißt nun, k Äw mich bestimmter auszudrücken, ich gebe mich für euren Diener und Untergebnen aus, so bald ihr mich dafür zu erkennen geruhet. Ich schwöre demnach bey Gott, und allen seinen Heiligen, die ich bey dem gegenwärtig Ligen, sowohl mündlich abgelegten, als schriftlich abge- >!» faßten, Vergleiche als Zeugen anrufe, daß ich hinfüh- mich ro ein treuer Vasall eurer Majestät und eures vielge- imKl liebten Sohnes, Herrn und Kaisers Johannes Por- iqki phyrogennetos, seyn und bleiben, daß ich gegen jeden, der sich wider eure Hoheit auflehnet, sey er Christ oder Wzblf Ungläubiger, meinen Arm bewaffnen werde. Was sM» also im ersten Vertrage unter beyderseitiger Zustimmung festgesetzt ist, nehme ich auch, mit Weglassung der übrigen Punkte, in den gegenwärtigen auf, be- kräftige, und erhärte es, daß ich eurer beyden Maje- stät Diener und Vasall seyn wolle. Von diesem Ver- sprechen will ich mich nie, sey es auch unter welcher ^ Ursache es wolle, weder öffentlich noch heimlich los- „Weil ich nun kraft der goldnen Urkunde, wel- gjB che eure Majestät mit rother Unterschrift bald bestä- ^ tigen wird, die unten anzuführenden Oerter im Mor- genlande erhalten soll, so nehme ich sie als Geschenke eurer kaiserlichen Huld an, und verpflichte mich dage- Zen, als unter welcher Bedingung sie nur zugestanden '.-B' Zen, als unter welcher Bedingung sie nur zugestanden kIF !>no, zur Treue gegen euch, den Selbstherrscher, und ^ l Denkwürdigk. U.B. D " Herrn 52 Herrn Alexius ComnenuS und gegen euren vielaelieb- ten Sohn, den Kaiser und Herrn Johannes Porphy- roaenetoö: als welche ich fest und unerschütterlich zu hatten aNgelobe." „Um mich aber deutlicher auszudrücken, und dem Brauch schriftlicher Vertrage nachzukommen, bekenne ich: daß ich Bohemund, Roberts GuiscardS Sohn, mit eurer Majestät einen Vertrag abschließe, und denselben unverletzt halten will: nemlich mit dem römischen Kaiser, Herrn Alexius, und seinem Sohn und Por- phyrogeneten, vermöge dessen ich mich lebenslang zu ihren Vasallen erkläre, und gegen jeden Feind eurer hocherhabenen Majestät zu Felde ziehen will. Auf euren Wink soll euch mein ganzes Heer, ohne einigen Rückhalt, zu Dienste stehn. Wir wollen mit allen, di> sich wider euch aufiehnen, den Kamps versuchen, wenn sie nur nicht den unsterblichen Engeln gleichen, und mit eisenfesten Körpern unfern Waffen trotzen. Bleib ich gesund, und ist erst der Krieg gegen die Barbaren und Türken überstanden, so will ich in eigner Person an der Spitze meines Heeres für euch streiten. Hindert mich aber Krankheit, oder Krieg daran, so sollen die mir Methanen Edlen meine Stelle ersetzen, und euch die kräftigste Hülfe leisten." „Die Lehnöpfiicht, mit welcher ich mich heute eurer Majestät verbinde, indem ich schwöre, entweder in eigner Person, oder durch andre, meinem gegebnen Worte nachzukommen, soll unverletzt aufrecht erhalten werden. Das schwöre ich euch und eurem Leben, so lange ihr noch auf,der Erde wallet, zu. Euer Leben will ich mit meinen Waffen, wie eine eherne Säule beschützen: auch soll dieser Schwur sich bis aus eure Würde und kaiserlichen Glieder erstrecken, daß ich jeden Verruchten, der sich an dieselben vergreisten will, nach k^st- «Si» >. « ^MW ic allk», rillcht», jeichen, nch«. iKnl' > W mm. M, ß nach aller Macht daran zu hindern schuldig und gehallten sey." „Was ferner euer Reich anbetrifft, alle Oerter und Städte, groß und klein, sammt den Inseln, kurz alles was zu Wasser und zu Lande vom Adriatischen Meere an bis ins Morgenland, und durch ganz Asien, wo die Granzen des römischen Gebietes sind, der Lange nach, euren Scepter unterworfen ist: so schwöre ich bey Gott, der es hört, und mein Zeuge ist, daß ich keinen Fußbreit Landes der ehedem euer war oder es jetzt ist, weder Stadt noch Insel, noch sonst etwas woran der Constantinopolitauische Hof Ansprüche macht, im Morgen und Abendlande in Besitz nehmen, und behalten wolle, den Amhcil ausgenommen, welcher mir aus eurer kaiserlichen Gnade zugefallen ist, und unten nahmentlich in gegenwärtiger Urkunde bezeichnet werden soll. Zu dem mache ich mich auch anheischig, jeden Ort, der vormals unter kaiserlicher Hoheit gestanden. Und den ich erobern kann, nach Vertreibung seiner zeit- herigen Besitzer, dem römischen Staate wieder zuzuwenden. Wollt ihr mir nun denselben überlassen, so will ich ihn als ein Lehn von euch empfangen, oder auch sonder alles Zaudern der Person abtreten, die von euch mit kaiserlicher Vollmacht dazu ausgerüstet ist. Jeden Ort, Sradt und Schloß, die weiland dem römischen Scepter unterworfen waren, und mir von einem andern abgetreten werden, will ich als fremdes Gut betrachten, ste nicht für mich behalten, sondern alles, was ich mit oder ohne Gewalt bekomme, und ehedem euer war, soll auch von ueuem euer werden. " „Jngleichen verspreche ich, daß ich keinem Christen einen Eyd abnehmen, noch einem andern leisten oderein Bmllmiß zu eurem Nachtheil eingeheu, auch mich nicht zum Vasallen einer andern größer» oder klei- D 2 nern 52 nern Macht erklären, sondern euch allein, und eurem z vielgeliebten Sohn als meine Oberherren ansehn wolle. Jeden eurer Unterthanen, der von euch abtrünn g wird, und mir seine Dienste anbiethet, will ich mit Abscheu zurück weisen; ja sogar die Waffen gegen ihn gebrauchen. Ausländer, die mir ihre Unterwürfigkeit antragen, will ich zwar annehmen, aber nicht als ihr eigenmächtiger Herr, sondern nur an eurer und eures ! vielgeliebten Sohnes Stelle die Huldigung von ihnen empfangen, die mir übergebenen Oerter eurer Both- mäßigkeit überantworten^. und was ihr darüber verfügen werdet ohne Widerrede zur Ausführung bringen." „Das bisher gesagte, gilt von den Städten, und Gegenden welche vorhin einen Theil des römischen Gebietes ausmachten. Was diejenigen anbelangt, welche noch nie demselben angehört haben, so gelobe ich eydlich, daß ich alle, die mir mit oder ohne Gewalt zufallen werden, sie mögen nun türkischer oder armenischer, (das heißt in unserer Sprache heidnischer oder christlicher) Herrschaft seyn, als kaiserliche Lehne betrachten und mit ihren Einwohnern, solche Verträge abschließen werde, die auf den mit eurer Majestät von mir abgeschlossenen Vertrag Bezug haben, vermöge deren sie vom römischen Kaiser abhängig werden. Demnach steht es in eurer Macht mir nach Belieben Unterthanen zu überlassen: aber auch andre vor euch zu laden die ich, wenn sie abzugehen, und euch ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen sich weigern, auch von mir abweisen will." „Mein Neffe Tancred soll in mir den unversöhnlichsten Feind finden, wenn er nicht von seinem Groll gegen eure Majestät ablaßt, und die euch zugehörigen Städte abtritt. Dazu gehören Laodicea in Syrien und alle die, welche in dem Schenkungsvertrag mir nicht 5 Z jikil tz Ätz W- «««l! y,«z dmoli i» lhssÄ tt!««l Kk nicht ausdrücklich anheim gefallen sind. Er soll sie, sey es nun freywillig, oder nicht, verlassen, und euch ausliesern. Auch soll kein Flüchtling aus euren Landen bey mir Schuß finden, sondern wieder zurückgewiesen werden. Anbey verpflichte ich mich zu mehrerer Bestätigung des vorhin angezeigten, Bürgen zu stellen, daß hinfort und immerdar dieser Vertrag solle gehalten werden: und diese Bürgen sind alle meine zukünftigen Unterthanen in den mir verliehenen Gebieten, Städten und Schlössern, die ' nten namentlich werden bezeichnet werden» Ich will ihnen den fürchterlichsten Eyd abfordern, die nach römischen Gesetzen schuldige Treue gegen eure Majestät und alle in diesem Vertrage verzeichnten Artikel auf das genauste zu beobachten: will sie bey allen himmlischen Mächten und den schrecklichsten Strafgerichte Gottes beschwören, mich selbst, wenn ich ja etwas gegen eure Majestät unternehmen sollte, (welches nicht geschehen wird, so wahr mir mein Heiland, und Gottes Gerechtigkeit hilft) auf alle Weise, und zwar zuförderst durch eine Frist von vierzig Tagen, zur Beobachtung der verletzten Pflicht wieder zurückzubringen. Hilft dann nichts, verharre ich dann noch immer in meinen rasenden Entschlüssen, und bleibe taub gegen ihre beßren Vorstellungen, so sollen sie ihres mir geleisteten Eydes entlassen seyn, und fortan euch zugehören. Hiezu sollen sie kraft ihres Schwures angehalten seyn, und versprechen: euch eben die treue Unterwürfigkeit und Zuneigung zu bezeugen, welche ich selbst angelobt habe, und für euer Leben und zeitliche Ehre die Waffen zu ergreiffen; ja auch zu wachen, daß eure Majestät an keinem Theile und Glieds von einem Feinde Schaden nehme, wenn sie irgend nur dessen gefährliche arglistigen Anschläge in Erfahrung bringen. Ich schwöre bey Gott, bey Menschen und bey den hocherhabnen Engeln, daß ich sie durch die D z fürchter- fürchterlichsten Eyde zwingen werde, dieses nach Möglichkeit zu thun. Der Eyd, welchen sie leisten, soll sich, eben so wie der, welchen i ch selbst abgelegt habe, auf alle Städte und Provinzen, kurz auf alle Theile eures Reichs im Abend - und Morgenlande, erstrecken, und sie bey meinem leben sowohl, als nach meinem Tode verpflichten, Unterthanen und treue Diener eurer Hoheit zu verbleiben." ^ „Diejenigen, welche mein Gefolge ausmachen, welches ich hier bey mir habe, sollen sogleich, euch ^ Herrn und Selbstbeherrscher des Römischen Reichs Alexius, nebst eurem Sohne und Kaiser, dem Por- phyrogeneten, den Eyd der Treue leisten,^ und diejenigen meiner bewaffneten Ritter, die man gewöhnlich Kaballarien (Chevaliers) nennt, und die sich jeht in der Ferne befinden, werden ihn, auf meine Veranstaltung, eurem Bevollmächtigten, den ihr nach Antiochien zu senden habt, ablegen. Ausserdem versichre ich heilig, daß wenn eure Majestät gesonnen ist, Plätze, welche ehemals dem römischen Reiche gehörten, mit gewaffneter Hand an sich zu bringen, ich es an meiner Seite nicht werde ermangeln lassen, euch mit meinem Arm zu dienen, uns aber auch aller Feindseligkeiten gegen die zu enthalten, wider welche es euch nicht gefällig ist die Waffen zu führen. Denn wir wollen euch in allen Stücken folgen, und alles thun, was eure Majestät verlangt. Saracenen, und Jsmae- liten, wenn sie aus freyerWahl zu euch übertreten, und ihre Städte übergeben, will ich weder daran hindern, noch mich geflissentlich bemühen, sie mir zuzuwenden, nur darf das nicht von denen gelten, die ich selbst bekriege, und die, um der bevorstehenden Gefahr zu entgehen, ihre Zuflucht bey euch suchen; sondern nur von denen, die, ohne von uns geängstet zu seyn, sich frey- 5; Ätz Dille Ä»i Hü!>l^ jtzti» >iülslll- mM i, P , 6M chwl iz>O ^!>!>* «Ich Mli A^" ^i' !ll>^ willig zum Uebertritt entschließen: also fallen alle diejenigen weg, welche erst in der äußersten Noth, worinn das Schwert der Franken sie gebracht hat, ihre Zuflucht zu euch nehmen. In Betreff der übrigen Krieger, so aus der Lombardei) über das Adriatische Meer mit mir gehen, verspreche ich, daß auch sie eurer Majestät sich unterwerfen, und dem Bevollmächtigten, den ihr deshalb über das Adriacische Meer schicken müßt, den vvrgelegten Eyd ablegen werden. Wo ferne sie aber Ausflüchte suchten, und sich dazu nicht verstehen würden, so soll ihnen auf keinem Fall die Ueberfahrt gestattet werden." „Ißt komme ich auf die von euch in einer Urkunde mir zugestandenen Städte und Landschaften, welche ich in gegenwärtiger Schrift benennen muß. Diese sind: Antiochien in Cölesyrien, nebst ihrem Gebiete, den ihr zugehörigen Besitzungen, und dem am Meere gelegenen Suekion. Ferner Dux Kauka, Lulus und Wunderberg; Pheresiria mit der dazu gehörigen Lan- deöportion. Die Pranteaturen, genannt: der heilige Hellas, Borze, Seze (aufgriechisch Larissa) Artoch Teluch, und Dermanicea, mit Inbegriff ihrer Gebiete ; der Maurusberg, nebst den zu ihm gehörigen Städten und Feldern: ausgenommen was die armenischen Gebrüder, Leo und Theodor Rupenius, als Vasallen eurer Majestät besitzen: ferner die Präfectur Pay- ras, Palaßa, der Landesstrich von Zuma mit allen in ihm befindlichen Städten, Schlößern und dem anhängigen Gebiete. Dieß alles ist mir, in der von euch ausgestellten Urkunde, als ein Geschenk eurer kaiserlichen Hoheit zuerkannt worden, welches mir bis an mein Lebensende eigen seyn und bleiben, nachher aber wieder an die Obergewalt des neuen Roms und der Kaiserstadt Constantinopel zurückfallen soll: zufolge dessen ich D 4 eurer > eurer aller-durchlauchtigsten kaiserlichen Hoheiten, gegen I duren Thron und Majestät aufrichtige Anhänglichkeit und ununterbrochene Treue bezeuge, und ein Vasall und Untergebner eures kaiserlichen Scepters zu seyn, angelobe." „Weiter bekräftige und beeydige ich, daß ich keinen unsrer iandesleutsn zum Patriarchen von Antio- i chien erwählen, sondern denjenigen dafür anerkennen will, den ihr aus dem Schooße der Constantinopolita- nischen Kirche zu dieser Würde ernennen werdet, den ich ruhig seinen Sitz besteigen, lind in seinen Amts- ! Verrichtungen nicht siöhren lassen will. Unter der Du- cischen Regierungsverwaltung zu Antiochien umfaßte das antiochenische Gebiet mehrere Stücke, welche eure Majestät sich itzt unmittelbar zueignen: als nemlich, der Kreis Podandum, die Präsectur und Stadt Tar- ! sus, die Stadt Adana, Mopsvest, Anabarza, kurz der ganze Strich von Cilicien, den der Cydnus und Er- mon begränzte. So auch die Präfccturen Laodicea in Syrien, Gabali, das in unsrem verdorbnen Dialect Zebel heißt, Balaneus, Maraceus, Antaradus, und Antartus. Das sind die Stücke, welche eure Majestät von der Antiochenischen Provinz abgeschnitten, Md sich selbst Vorbehalten hat. Ich bin zufrieden mit dem was mir verliehen, und nicht verliehen ist; begnüge mich mit den Gerechtsamen und Privilegien, mit welchen ihr mich ausgestattet habt, und will mich nicht an dem, was nicht mein worden ist, vergreisten, noch die mir gesteckten Gränzen überschreiten, sondern nur den Nießbrauch des mir zugesalleneu Antheils bis an mein Ende ziehen. Nach meinem Ableben, soll er, wie schon oben angedeutet, wieder an die ehemalige Be- ^ Hörde zurückfallen, von der er so lange abgerissen war. Diesen letzten Punkt, die nach meinem Tode zu erfol- ' gende j 57 gsnde Uebergabe der von mir besessenen Länder, werde ich meinen Vasallen und Unterthanen so nachdrücklich au Gewissen legen, daß keine Schwierigkeit dagegen soll gemacht werden können, sondern alle sich ohne Aufschub dazu bereitwillig sollen finden laßen." ,-Folgender Artikel muß hier auch noch angemerkt werden. Da ich, und schon vor mir, die Pilger, eure Majestät um ein Aeguivalent für die von der antioche- nischen Provinz abgerissenen Stücke angesucht haben, und ihr dasselbe auch bewilligt habt, so muß ich die Lander und Städte, welche mir von euch als'Aeguivalente zugestanden sind, hier namentlich anführen, damit weder eurer Majestät einiger Scrupel übrigbleibe, noch auch ich ausser Stand wäre, meine Ansprüche auf dieselben gehörig darzuthun. Sie sind demnach der ganze Landeöstrich von Casiokis, darinn die Hauptstadt Beria, oder, wie sie bey Nichtgriechen heißt, Chalep: ferner der von Lipara, mit den in demselben befindlichen Plähen, nemlich: Plasta, die Festung Chanium, Romaina, Aramisos, Amera, Sarbanum, die Burg Telchampsi, die drey Tilien, davon das eine Athlabo- tilis heißt, die Burg Sgenis, die Festung Kalhie- ris, mit den Städtchen Commermoeri, Kathismatis, Sarsape und Necra. Alle diese Oerter liegen in Syrien. Aus Mesopotamien gehören hieher die nahe bey Edessa liegenden Oerter: der Limnische und Aetische Landesstrich mir allem, was er enthält." „Jngleichen muß hier das, was Edessa betrifft, und die von eurer Majestät mir jährlich bewilligten zweyhundert Mark nach Michaelatischem Gepräge, erinnert werden. Mir ist vermöge der von euch ausgestellten Urkunde die ganze Herrschaft (Ducatus) samt den zu ihr gehörigen Ortschaften nicht blos für meine Person allein bewilligt, sondern auch das Recht verliehen D Z wor- > 58 worden, sie auf welchen ich will, zu übertragen: nur muß dieser sich in den Willen und die Befehle des Kaisers als sein Vasall fügen, und daö nehmliche angeloben, was ich selbst versprochen habe. Seitdem ich nun euer Vasall geworden bin, darf ich aus dem Kaiserlichen Schatze einen jährlichen Gehalt von zweyhun- dertMark (in Golde), mit des vormahligen Kaisers Michael Stempel geprägt, durch einen Abgeordneten von eurer Flotte in Syrien ziehen. Und nun, hocherhabenster, mächtigster Kaiser, sieter Vermehrer des römischen Reichs, beherzigt ebenfalls, was ihr in der Urkunde mir zusagtet, und haltet die mir gethanen Versprechungen. Ich aber erhärte durch folgenden Eyd meine Zusage: Ist) schwöre bey den seiden des Heilands Christus, bey seinem unüberwindlichen Kreu- He, das er zu unsrer aller Seligkeit auf sich nahm, und auf die vorliegenden allerheiligsten Evangelien, welche die ganze Welt verbinden! Diese faß ich in meine Hände, und das ehrwürdigste Kreutz Christi, die Dornenkrone, Nagel und ianze, welche seine Seite durch- borcs, in Gedanken haltend, schwöre ich eurer geheiligten Person, Euch, Ale,eins ComnenuS, und eurem Mikregenken und Sohn, Johannes Psrphyrogenetes, daß ich alles und jedes, was ich mit meinem Munde auvgejagt und versprochen habe, ohne es je zu übertreten, strenge beobachten, und jederzeit eben so gegen euch gesinnt bleiben werde, wie jetzt, sonder Arglist und bösen Vorsatz. Ich will stets bey dem gegebnen Worte bleiben, es auf keine Weise brechen, zurücknehmen, und unkräftig machen, weder ich, noch die Meinigen, noch meine Unterthanen und Soldaten. Sondern wir wollen uns gegen eure Feinde waffnen und rüsten, mit euren Freunden gemeinschaftliche Sache machen, und alles was zu Nutz und Ehren des römischen Reichs gereicht, ersinnen und vollbringen. So ! jiF ! z!>>-! ft! W. >«, WS Ra lik im ---« So wahr mir Gott helfe, das heilige Kreuk, und sein ^ Evangelium!" Diese Schrift ist aufgesetzt, und die Eyds sind ybgenommen worden, in Gegenwart der unterzeichns- Wit ten Zeugen. Im September des Jahres 1108. Die Anwesenden und hier unterschrieb,,en Zeugen ^ vor welchen obiges abgehandelt ist, sind: die g 0 tt- ^ geliebten Bischöffe: inö« Maurus von Amalphi. Rena rd von Tarent, und die bey ihm be- Wa Endlichen Kleriker. kni« ^ Der ehrwürdige Prior des Klosters zum heil. An- ^ ^ dreas, das in der Lombardei), auf der Insel Brindisi „Ich liegt, und zwey von seinen Mönchen. NM Die Anführer der Pilgrimme die,ihre Zeichen mit eigner Hand verfertigt hotten, bey denen aber ihre lch Namen von dem Bischöfe zu Amalphi, der als päbst- ^ilig- licher Legate zum Kaiser gekommen war, angemerkt UM waren. ü>s«k KP AK Von kaiserlicher Seite. Der SebastuS Marinus. Roger Dagoberts Sohn. Petrns AliphaS. Wilhelm Ganze (äsQanr) Richard PrintzittaS (PrincipatuS) Josephre Males (^o 6 ro^ cls ^lailli) Umpert Grauls Sohn (oder Rauls Sohn? d. i. Humfted, Radulphö Sohn) Paulus Romäus. Die Die Abgesandten des Krall aus Dacien, des Schwiegervaters des kaiserlichen Kronprinzen; der Zupane Peres und Simon. Die Abgesandten von Riscard Siniscard (wahrscheinlich Richard Seneschall.) Der Eunuche Basilius Nobilisiimus, und Con- stantin Notarius. Diesen beschwornen, und hier schriftlich abgefaß- ten Vergleich, gieng Bohemund mit dem Kaiser ein, dagegen gab ihm dieser die eben erwähnte goldne, und der Gewohnheit nach von seiner eignen Hand mit ro- then Buchstaben Unterzeichnete Urkunde. Vier- v- Vierzehntes Buch. ^I^achdem nun Bohemund auf die heiligen Evange- lien, und die Lanze, mit der unsers Erlösers Seite durchstochen ward, den geschloßenen Vertrag beschworen hatte, so bat er den Kaiser um Erlaubniß nach Hause zu gehen, und seine Truppen, den Winter über, auf kaiserlichen Boden stehen zu lassen, damit sie sich bis zum einbrechenden Frühling Erhohlung verschaffen , und dann, wohin sie wollten, gehen konnten. Diese Bitte ward sogleich bewilligt, und ihm noch die Würde eines Sebastus nebst großen Geschenken er- theilt. Zu mehrerer Sicherheit seiner Person, um sie vor allen Mißhandlungen, die etwan von kaiserlichen Truppen zu besorgen waren, zu decken, begleitete ihn Constantinus Euphorbenus Katakalo, der zugleich den Auftrag hatte, mit dem keltischen Heere solche Verfügungen zu treffen, daß es an einem schicklichen und gefahrlosen Orte überwintern könnte. Bohemund traf also in seinem Lager ein, übergab es den Bevollmächtigten des Kaisers, und schiffte darauf nach Italien über, wo er nach Verlauf eines halben Jahres in dis Ewigkeit gieng. Alexius besorgte zuvor die Angelegenheiten der Celten, ehe er in die Hauptstadt zurückkehrte, wo er die in einem Theil seines Reichs erlangte Ruhe dazu anwandte, einem andren Theile desselben kräftig aufzuhelfen. Die Küste von Smyrna bis Attalia, welche durch die Verheerungen der Barbaren das traurigste Ansehn erlangt hatte, verdiente es, daß er ihr ißt seine ganze Aufmerksamkeit schenkte, um die ehe- 62 I Müls so blühenden Städte wieder zu ihrem vorigen Glanze zu erheben, und die aller Orten zerstreuten Einwohner wieder zu sammeln. Zu den vielen Anstalten, durch welche, er diesem Zwecke nachstrebte, gehört auch die Ernennung des Philokales Eumathiuö zum Befehlshaber von Attalia. Philokales war ein Mann, von edler Herkunft, und den herrlichsten Talenten, bieder in seinem Betragen, treu und aufrichtig gesinnt gegen Gott, gegen seine Freunde, und Vorgesetzte; aber kein Soldatvon Profession, denn er verstand weder den Bogen zu spannen, noch das Schild zu führen. Doch ersetzte er diesen Mangel hinlänglich durch seinen erfinderischen anschlagigen Kopf, und durch das Glück, welches jede seiner Unternehmungen begleitete. Daher kam es, daß der Kaiser ihm jenen wichtigen Posten übertrug. Die erste Stadt, an welche sich unser Feldherr machte, nachdem er bey Abydus übergeschifft war, hieß Atramytium, ein vormals ehr volkreicher Ort, den aber Tzachas so sehr verwüstet hatte, daß er keinem menschlichen Wohnplatze mehr ähnlich sähe. Philocales baute ihn wieder von Grunde aus, und besetzte ihn mit Landeökindern, und Fremden, die sich daselbst niederlassen wollten. Ein Detachement der Truppen, welche er bey sich führte, griff die Türken, bey Lampe an, und erfocht einen vollkommnen Sieg über dieselben; wobey, man aber die Grausamkeit begieng , junge türkische Kinder in siedendes Wasser zu stecken. Die dem Schwert und der Gefangenschaft entronnenen Türken liefen in einem traurigen elende» Aufzuge, der schon durch de» bloßen Anblick Mitleid erregen mußte, in dem türkischen Gebiete umher, jammerten laut über ihr klägliches Schicksal und forderten ihre Glaubensgenossen zur Rache auf. Asan, Oberstacthalter von Cap- padocien W hu jM ß« »j N»' 1 «ch kiU! ich ! ch> sitz ich 6z ML N», ftH- lckiL Hn >I,tz>!j l, l« !U- Mi i>!^ A >' ftB padocien, der die Eingebohrnen deS Landes wie feile Sclaven behandelte, sichte sich auf erhaltene Nachricht von diesem Vorfall mir 24000 Mann in Bewegung. Phi'locales, der sich iht zu Philadelphia befand, hixlt alle Wege mit Kundschaftern beseht- die er von Zeit zu Zeit durch auögefchickte Ronden beobachten ließ, ob .sie auch ihre Dienste gehörig verrichteten. Es konnte also nicht fehlen, daß er bey Zeiten von der 'Annäherung jenes Heeres Kundschaft einzog, und alsbald solche Anstalten traf, wie man sie von einen so großen Manne zu erwarten hatte. Weil seine Truppen viel zu schwach waren, um sie einer Menge von vier und zwanzig taufend entgegen zu stellen, so ließ er die Thors von Philadelphia verschließen, ließ Niemanden auf dis Mauer steigen, verbot alles Schreyen, alle Musik, damit die Stadt von außen das Ansehn gewinne, als wenn sie ganz menschenleer sey. Asan lagert sich vor der Stadt und bekommt gleich Anfangs, durcb den äußern Schein getauscht, eine so üble Meinung von dem Much und der Anzahl der in ihr befindlichen Truppen, daß er es nicht, der Mühe werth hielt, etwas gegen sie zu unternehmen; zumahl, da es ihm an den nöthigen Belagerungsmaschienen gebrach. Nach drey Tagen theilt er sein Heer in drey Haufen: der eine, ivooo Mann stark, mußte inach Kerbiomum marschieren: der andre nach Smyrna und Nymphaum: der dritte nach Chlr'ara und Pergamus abgehen. Durch diese unvorsichtige Theilung schwächte er selbst sein Heer, und machte den Kaiserlichen, dis nun, auf PhilocaleS Befehl, jeden Trupp besonders an- griffen, den Sieg desto leichter. Zuerst wurde der Trupp, der nach Kerbianum zog, über den Hausen geworfen , und ihm alle Gefangne abgenommeu. Eben so ging es dem zweyten, der nach Smyrna und Nvm- phäum 64 phäum bestimmt war, von dem die mehrsten, welche sich mit der Flucht retten wollten, im Mäander umka- ! men (einem Flusse bey Phrygien, der im beständigen I Krümmungen fortläuft). Den dritten konnten sie, ! weil er schon zu weit voraus war, nicht erreichen. Phi- ^ locales belohnte den Muth seiner Soldaten durch viel j Gnadenbezeugungen und Geschenke, und versprach ih- ! nen, ihre Dienste in der Folge noch besser zu vergelten. Nach Bohemunds Tode weigerte sich Tancred, Antiochien abzutreten, das er doch den Tractaten gemäß nicht ferner behaupten durfte. Was sollte nun der Kaiser thun? Sollte er nach so vieler angewandter Mühe, nach so unendlich großen Kosten, durch die er sich neue Besitzungen zu erringen gedacht, den Verlust derselben gleichgültig verschmerzen? Man denke sich nur an seiner Stelle. Alle jene unzähligen Heere von Kreußfahrern mußte er aus Europa nach Asien herbey- schaffen, mußte so manches Ungemach von ihrer stolzen, rmbiegsamen Laune erdulden. Er stelltezu ihrem Behuf viele Armeen gegen die Türken ins Feld, theils weil sie Christen waren, und er ihr Verderben abwenden wollte; theils damit sie mit vereinter Macht im Stande wären die ismaelitischen Städte entweder zu schleifen, oder sie zum Gebiete des römischen Reichs zu schlagen, er also Gelegenheit hatte, die Grenzen desselben zu erweitern. 'Allein was hatte er davon für Gewinn? was half ihm sein Aufwand an Kräften und Geld? Zum Lohne wurden ihm Antiochien und die übrigen Städte vorenthalten. Von jenen unermeßlichen Sums men, von alle den Sorgen und Arbeiten, die er den Celcen wegen unternahm, von den Feldzügen, die seine Truppen gethan hatten, sollten die Celten, gegen alles Recht und Billigkeit, allein Nutzen ziehen, und das römische Reich ganz leer ausgehen ? Konnte er die- / irchtz !W, MP üke sl M«! L m W>!" rW DS . . 65. ses gleichgültig geschehen lassen? Konnte er den Frevel der Undankbaren ungerochen lassen? Wenn man dieß alles zusammen nimmt, so wird man finden, daß er unmöglich anders handeln, konnte als er wirklich handelte. Er schickte nemlich eine Gesandtschaft an Tancred nach Antiochien ab, die ihm sein schnödes meineydigeS Verfahren vorwersen, und des Kaisers gerechte Rache ankündigen mußte. Tancred, dieser wahnsinnige verstockte Barbar, betrug sich bey den eben so freymüthi- gen, als gegründeten Vorstellungen der Gesandten, völlig so, wie es sein Nationalcharakcer mit sich brachte- Von Hochmuts) aufgeblasen, trachtete er seinen Thron über die Sterne zu erheben, und mit der Spitze seines Speeres die Mauern von Babel einzurennen. Gesteift auf seinen Mukh und Tapferkeit trotzte er jedem Versuche, ihm den Besitz von Antiochien zu entreißen , und verglich die Kaiserlichen mit schwachen ohnmächtigen Würmern. Dieser Bescheid mußte den Kaiser nothwendig aufs höchste erbittern. Der Senat sowohl als der Kriegsrath, dem er die Sache zur Entscheidung vortrug, stimmten dahin, daß man, ehe die Feindseligkeiten gegen Tancred eröffnet wurden, die Grafen, welche die Plätze um Antiochien besetzt hielten , und selbst den König von Jerusalem, Balduin, ausforschen solle, ob sie gesonnen seyn, hülsreiche Hand gegen Antiochien zu leisten; widrigenfalls aber müsse man auf andre Mittel denken. Diesem Vorschläge gemäß schickte Alexius den Manuel Butumites, nebst einem andern, der gut lateinisch sprach, an die Grafen und den König, und er- theilte, um ihr Gesuch bey den geldgierigen Lateinern desto kräftiger zu; unterstützen, dem Dux von Cypern, Eumathius PhilocaleS, schriftlichen Befehl, sie nicht Lenkwür-jgk. 8. V. E Klos blos weiter zu befördern, sondern ihnen auch vieles Geld in den verschiedensten Münzsorten mikzugeben. Von Cvpern sollten sie nach Tripolis segeln, und daselbst dem Grafen Peletran (Bertrand), Sangeles Sohn das kaiserliche Schreiben mit den Ermahnung einhändigen , daß er seines Vaters Bcyspiele, der jederzeit unbescholtene Treue gegen den Kaiser bewiesen, nachahmen, sich nicht zur Partei) des bundbrüchigcn Tancred schlagen, sondern sich vielmehr der guten Sache kräftig annehmen solle. Peletran fand sich gleich bereit, dem Willen des Kaisers zu gehorchen, ja selbst, wenn es die Umstande geböthen, für ihn in den Tod zu gehen. Er versprach nach Antiochien zu kommen, sobald der Kaiser daselbst würde angelangt seyn, um ihm persönlich seine Ehrfurcht zu bezeugen: imgleichen erlaubte er den Gesandten, daß sie ihr Geld bey ihm in der bischöflichen Wohnung zu Tripolis zur Verwahrung niederlegen durften: denn es mitzuführen wurde nicht für dienlich erachtet, weil die Grafen eö ihnen leicht vor der Zeit abnehmen, und zu ihrem und Tancreds Nutzen verwenden könnten. Sie wollten nemlich erst mit leerer Hand erscheinen, durch Versprechungen die Grafen zur Ablegung des Eydes bewegen, und dann das Geld Nachfolgen lasten. In Tripolis kommt ihnen Simon, ein Anverwandter Balduins, der damals mit der Belagerung von Ty- ruS beschafftigt war, entgegen, und führt sie mit sich zum König, bey dem sie die Fastenzeit über sehr ehrenvoll ausgenommen wurden. Tyrus war ausnehmend stark befestigt, und um die eigentlichen Festungswerke gieng noch eine dreyfache Vormauer, die also erst durchbrochen werden mußte, ehe man die Stadt selbst angreif- fen konnte. Die erste und zweyte Mauer war schon durch die Maschinen der Stürmenden niedergeristen, und i Uli« Mi ch hl im NÄ Cie 8» R i>! ^ und der dritten würde es eben so ergangenseyn, wenn ^ man sie nur mit mehrerem Eifer bestürmt hätte. Al- lein hieran ließ Balduin e6 gänzlich mangeln, weil er ^ glaubte die Eroberung der Stadt könne ihm nicht mehr fehlschlagen, und es müsse sehr leicht seyn, die Werke ^ vermittelst angelegter Leitern zu ersteigen. Diesen Um- stand benutzten die Belagerten auf eine solche feine Wei- sx, indem sie ihn durch Friedensvorschlage hinhielten, ^ kß und sich unterdessen zu einer nachdrücklichen Gegenwehr rüsteten. In einer Nacht stürzten sie eherne Töpfe, die beym hinabfallen nothwendig gleich zerbrachen, und ^ ihren Vorrath ausschütten mußten, auf die feindlichen chich Belagerungsmaschinen; hintennach warfen sie brensch nende Fackeln, und zuletzt Gefäße voll Naphta, die ih- chii re Würkung so gut verrichteten, daß mit Tagesanbruch >e H alle Maschinen in Hellen Flammen standen. Itzt erst W merkten die Soldaten Balduins, was vorgegangen sey, und welchen Schaden sie sich durch ihre Sorglosigkeit zuge- W zogen. Aber die Reue kam nach der That. Ihre Beicht stürzung stieg aufs äußerste, als ihnen die Tyrier die Hm Köpfe von sechs Gefangenen, welche sie in der ver- ii» wichenen Nacht bey den Maschienen aufgehoben hat- jM ten, zuschleuderten. Beynahe schien eö, als wenn der ^ Anblick dieser Köpfe sie unsinnig gemacht hätte, so ei- ^ lig flohen sie auf ihren Pferden davon. Balduin ritt ^ zwar allenthalben auf und nieder, um die Fliehenden wieder zu sammeln, aber er predigte tauben Ohren. ^ Sie waren schon einmal im Laufen, und hielten erst bey der ^ Burg Ake inne, in welche sie sich insgesammt warfen Hier in Ake war es, wo Butumites den König Balduin antraf, dem er, um bald von da fortzukom- men und ihn auch zum Theil in Schrecken zu setzen, die Lüge aufhesteke, daß der Kaiser schon bey Seleu- cia stände. Allein dießmahl war die Lüge am unrech- ^ E 2 ten 6F ten Ort angebracht, denn Balduin wußte besser, daß Alexius gegen Seeräuber beschafftigt gewesen war, und sich, Unpäßlichkeit halber, wieder hatte entfernen müssen, wie wir weiter unten erzählen werden. Daher nahm er es sehr übel auf, daß ButumiteS ihn mit Unwahrheit hatte berichten wollen. In Jerusalem, wohin ihm dieser gefolgt war, verlangte er Geld. „Das soll euch nicht entgehen, war die Antwort, nur versprecht dem Kaiser, laut der vormals abgeschlossenen Traktaten , hülfreiche Hand gegen Tancred". Balduin mach- ke gerne Geld haben, und doch nicht dem Kaiser bey- siehn. So sind alle Barbaren: Sie Haschen unaufhörlich nach Geschenken, wollen aber nichts dafür thun. Die Unterhandlungen zerschlugen sich also; ButumiteS gicng unverrichteter Sache mit einem leeren Schreiben ab, und Balduin bekam zu seinem großen Leidwesen kein Geld. Vor seiner Abreise sprach er noch am Osterrage beym hl. Grabe den Grafen Jaßulin (Josce- lin) der sich ebenfals zu nichts verstehen wollte. Mittlerweile war Plectran gestorben. Sein hin- terlaßner Sohn und der Bischof von Tripolis weigerten sich, das niedergelegte Geld wieder auszuliefern, Da aber die kaiserlichen Gesandten, ausser vielen gütlichen Vorstellungen, noch die Drohung äußerten, ihnen ferner keine Lebensmittel aus Cypern zukommen, und sie alle Hungers sterben zu lassen, so gaben sie endlich nach. Plectrans Sohn schwur dem Kaiser unverbrüchliche Treue, und erhielt dagegen die seinem Vater bestimmte Summe in goldner und silberner Münze, nebst vielen Kleidern. Das übrige Geld wurde Eustachius wieder zugestellt und dafür die schönsten Pferde aus Damascus, Edeßa und Arabien angeschafft. Die Gesandschaft »ahm ihrem Rückweg nach dein Cherso- nes, wo sich der Kaiser aushielt, größcentheiis zu Lande, weil es auf der See nicht so sicher war. Ge- PI! KV kdi 69 Genueser, Pisaner, und mehrere andre Jkali'e- ner machten durch ihren Kapereien das ganze Meer un- W sicher. Im Morgeniande drohte Amer Saison der »j Stadt Philadelphia und der dortigen Küste. Dieses war die Ursache, weswegen der Kaiser ißt im Cherso- l/tz neS stand, wo er sich beschäfftigte, seine Truppen bis Äh Atramet und Thrakesium zu verlegen. Philadelphia ich», hatte damals zum Befehlshaber den Constantinus Ga- bras und war hinlänglich mit Volk versehen. Unter ümoi Monastras Befehlen standen Pergamus, Chliara, fl und die umliegenden Schlösser. Eben so waren auch die übrigen Seestädte mit erfahrnen und beherzten Kch Männern besetzt, die durch ausgestellte Wachen, auf Mv jede Bewegung des Feindes genau Acht haben mußten. M Ferner verfügte der Kaiser, daß seine Flotte aus dem Ä« Hafen von Madytos (Maitus) und Koste alles, was zur See verfiele, sorgfältig beobachten, und die Inseln so- l M wohl als das feste Land, vor feindlichen Landungen sichern möchte. Er selbst ließ sich an einem schicklichen Platze M im Chersones eine Wohnung errichten, weil er geson- ^ nen war, den Winter über da zu bleiben. ^ Der Admiral der italienischen Flotte wollte gerne , nähere Erkundigung vom Kaiser einziehen, und schickte ', zu dem Ende fünf zweyrudrige Schiffe voraus, die sich mehrerer Personen aus den kaiserlichen Landen be- ^ mächtigen, und zu ihm bringen sollten. Vier von ? diesen Schiffen wurden weggenommen, das fünfte kam glücklich, wiewohl mit einer Nachricht, zurück, welche ^ für die Lateiner so viel Gewicht hatte, daß sie sich auf ^ der Stelle entschlossen, ihr Glück auf einem andern M Wege zu suchen. Sogleich segelt, wahrscheinlich auf Veranstaltung der übrigen Anführer, ein Celts ^ mit seiner eignen sehr leichten Jacht nach Tyrus, und B' überbringt diese Botschaft dem Könige Balduin, ohne l r E z ihm ihm den feigen Rückzug der gesummten Flotte zu verhehlen. So war nun zwar das Ungewitter von der einen Seite zertheilt, dagegen aber zog sich auf der andern ein neues nicht minder drohendes zusammen. Michael aus Amaßriö, Commendant von Acrunium, rebellirte gegen den Kaiser, und richtete in der umliegenden Gegend die entsetzlichsten Verwüstungen an, biß ihm endlich Georg DecanuS das Ziel steckte, indem er nach einer dreymonathlichen Belagerung die Stadt eroberte, ihn gefangen nahm und an den Kaiser schickte, der diesen Ausrührer noch vor Sonnenuntergang wieder begnadigte, und reichlich beschenkte, nachdem er ihn eine Weile durch seine Drohungen in Todesangst gesetzt hatte. Wenn mein Vater für alle seine Gütigkeit, die er bey jedem Vorfälle erwieß, doch nichts als den schnödesten Undank davon trug, gieng es ihm da anders, als unserm Herrn und Heyland, der den Juden bey und nach ihrem Ausgange aus Egypten so viele Wohl- thaten ertheilte, und dafür von ihnen ans Kreutz geschlagen ward? Ach! Thränen entquellen meinem Auge, mein Herz pocht vor gerechtem Unwillen, und fast möchte ich jene Schandnahmen aufzählen, die seine Güte so schändlich vergalten. — Aber ich schweige, und tröste mich mit dem Ausstriche des Dichters: „Dulde ruhig armes Herz. Du hast schon größere leiden ertragen" Itzt komm ich auf die Unternehmungen der Armee, welche auf des Sultans Saisom Befehl aus Chorosan in zwey Abtheilungen ausgegangen war. Die eine gieng durch die Gegend von Sinai, dis andre durch das eigentlich sogenannte Asien. ConstantiuS geht ihnen bis Kerbianum entgegen, greift sie muthig ! M a», ck Kl ------------ an, und erficht einen vollkommenen Sieg. Diese Niederlage der Türken machte auf den Sultan so großen Eindruck, daß er bey dem Kaiser um Frieden anhielt, und die Versicherung von sich gab, daß die Muselmänner schon langst mit dem römischen Reiche einen Frieden zu schließen gewünscht hätten. Bey der Audienz, welche die türkischen Gesandten erhielten, standen Soldaten aus den verschiedensten Nationen, und viele mit Beilen bewaffnet, um den Thron. Der Kaiser fand sich zwar zum Frieden geneigt, da aber die Forderungen, welche der Sultan rhat, dem römischen Staate nicht zuträglich waren, so wandte er alle Beredsamkeit an, die Gesandten davon abzubringen, und es gelang ihm so gut, daß sie sich in seinen Willen fügten. Alsdann erließ er sie für heute, mit dem Andeuten, daß sie den Verlauf ihrer Unterredung noch einmahl reiflich überlegen, und wenn sie nichts dawider hätten, morgen den Vertrag schließen sollten, welches auch geschah. Der Inhalt dieser Friedenspunkte kann ein Beweis seyn, wie sehr Alexius jederzeit das allgemeine Wohl seiner Länder, die Festigkeit, und den Glanz des römischen Throns beabsichtigt, und seine eignen Privatvortheile , nur als Nebenzwecke betrachtet habe, die ihn in dem Gange seiner Geschaffte nicht leiten durften. Er wollte, daß noch lange nach ihm, in der Folgezeit die von ihm getroffnen Einrichtungen und Verträge ihre wohlthätige Wirkung äußern möchten —> Aber leider wurde sein Wunsch nicht erreicht. Erstellte Ruhe wieder her, wo sie gestöhrt war, und sann auf nichts, als auf bleibenden Frieden, der uns wahrlich ewig würde beglückt haben, wenn nicht alles von ihm gestiftete Gute zu Grunde gegangen, und das Gebäude, das er mit so vieler Mühe aufgesührt hatte, E 4 durch 72 durch den Unverstand seiner Nachfolger in Trümmer gefallen wäre. Der Ort wo der Kaiser, wie wir vorhin zeigten, die Winterquartiere mit seiner Gemahlin, die ihn des Podagra wegen begleiten mußte, bezog, warGalliopo- lis. Hier verweilte er so lange, bis die Zeit verflossen war, wo die Lateiner gewöhnlich in See zu gehen pflegen, und kehrte bann in die Hauptstadt zurück. Nicht lange nachher drohte ein türkisches Heer das, ohnge- fähr 50000 Mann stark, auöChorasan und den übrigen Morgenländern zusammen geflossen war, mit einen neuen Einfälle. Der Kaiser, dessen Regierung ein unterbrochneö Gewebe von Unruhen war, mußte also um die Zeit, wenn die Barbaren gewöhnlich gegen die Christen auszkehen, mit seinen Truppen über die Meerenge schiffen, ohne sich dießmahl von dem Podagra zurück halten zu lassen. i I Diese Krankheit war weder ein Erbfehler, denn keiner von seinen Vorfahren, war damit behaftet gewesen; eben so wenig kann man sie bey ihm für die Folge seiner üppigen Lebensart angeben; vielmehr muß man ihren Grund in folgenden Umstanden suchen. Als er sich einst auf der Reitbahn befand, ritt jTaticius, aus Versehen seines ungestümen Pferdes, heftig gegen ihn an, und quetschte ihm Knie und Fuß. Er ' verbiß aber den Schmerz, ließ die leidenden Theile nur ^ obenhin behandeln, und kehrte dann weiter zum Spiel zurück. Wo sich nun ein örtlicher Schmerz befindet, da ist auch jedesmahl ein stärkerer Zufluß von Feuchtigkeiten. Folglich kann dieser Zufall immer eine entfernte Ursache des Podagra gewesen seyn. Die zweyte, und bedeutendere Ursache, der er eigentlich die Krankheit zuzuschreiben hat, müssen wir in den Zeiten der Krerchzüge aufsuchen, wo alle jene unaufhörliche schwere Alk, SU Misst, «ich DK Ä g« M ch W,1!i! W ft? P« AlS> it ilk^ p' re Sorgen und Arbeiten seinen Körper nothwendig angreifen mußten. Die Ueberschwemmungen der Cel- ten, ihre gefährlichen Absichten gegen den Staat, ihre unzählige Menge, welcher das römische Heer, auch wenn es auf einem Platze hatte zusammen gestellt werden können, Key weitem nicht gleich gekommen wäre, wieviel weniger jetzt, da eine Vereinigung desselben unmöglich war. Denn das Reich mußte an den Grenzen von Servien, und Dalmatien, und längst der Donau gegen Komaner, und Dacier gedeckt bleiben. Auch Dyrrachium verlangte eine starke Besatzung, damit es sich lange gegen die Celten halten könnte. Alles dieses vermochte den Kaiser, sein Augenmerk einzig auf die letztem zu richten. Die übrigen Grenznachbam besänftigte er, ehe sie ihre Feindseligkeiten zum Ausbruch kommen ließen, mit Geschenken und Ehrentiteln. Dazu kamen noch die innern Unruhen, die ihm nicht weniger, und vielleicht noch weit mehr, zu schaffen machten. Doch wer mag alle dis Verdrießlichkeiten, all das namenlose Unglück meines Vaters erzählen? genug, wenn wir wissen, daß er ihnen jederzeit, eben so un- ermüdet als geschickt, begegnete. Täglich saß er schon in der Morgendämmerung auf seinein Thron, und gab den Celten Audienz. Die Celtischen Grafen, bey denen Rohigkeit, Unhöflichkcit, und Habsucht zur andern Natur geworden sind, die ihre Begierden eben sowenig als ihre Zunge zähmen können, nahten sich ihm nicht mit geziemender Anständigkeit, sondern jeder , der wollte, trat zu ihm, und wenn dieser fort gieng, stand schon wieder ein andrer da. Jeder schwatzte so lange er wollte, ohne darnach zu fragen, ob der Kaiser und die Umstehenden seines Geschwätzes schon überdrüßig wären, und ob er den folgenden Parteyen E 5 die 74 die Zeit raubte. Eine unerschöpfliche Redseligkeit, die auch die unerheblichsten Kleinigkeiten nicht verschmäht, ist eine Hauptzug in ihrem Charakter. Wenn nun mein Vater diese Zungendrescher den ganzen Tag, ohne etwas zu genießen, angehört hatte, und sich nun in sein Gemach begeben wollte, so war er auch itzt noch nicht von dem Gedränge befreyt- Es kam noch immer einer und der andre mit einem Anlie- geir bey ihm ein, selbst diejenigen, welche schon einmal Audienz gehabt hatten, stellten sich oft zum zwey- tenmahl ein. Kurz, des SchwatzenS war kein Ende, und doch ward er nicht betäubt, sondern hörte es geduldig an, und fertigte auch jeden selbst ab. Er litt eö nicht einmahl, daß einer von seinen Ministern ihnen ihre Zudringlichkeit verwies, um nicht den jachzornigen Franken eine Veranlassung zur Rache zu geben, die aus einer noch so kleinen Ursache entsprungen, immer von wichtigen Folgen seyn konnten. Man kann es in der That nicht genugsam bewundern, wo er alle die Geduld hernahm, da er oft von Abend bis tief in die Nacht, ja nicht selten bis zum frühen Morgen, auf einer Stelle aushielt. Seine Minister traten öfters ab, um sich in etwas zu erhöhten, und kamen dann, wiewohl mit sichtbarem Unwillen, wieder; die, welche da blieben, gaben durch ihre Stellung genugsam zu erkennen, wie schwer ihnen das Stehen falle: der eine setzte sich, der andre stützte seinen Kopf auf, der dritte lehnte sich an die Mauer. Nur der Kaiser konnte nicht ermüdet werden. Nach einer kurzen Ruhe erschien er wieder auf seinem Thron, und dann gieng die Arbeit von neuem an. Dieß war also die Ursache jener bewußten Krankheit, die er gelassen ertrug, und als eine gerechte Strafe seiner vielfältig begangenen Sünden ansah. Entfloh, 7? fioh bisweilen seinem Munde ein Wort der Muthlosig keit, so segnete er sich gleich mit dem heil. KreuHe gegen die Anfechtungen des bösen Geistes, und sprach: ^ Weiche von mir du Bösewickt: ich fiuche dir und dei- >, ^ nen Versuchungen, mit denen du den Gläubigen nach- U seiner Krankheit vermehrt haben? Alle Anzeigen wa- «W ren da, daß ihr Sitz tief in den innern Gefäßen seines M- Körpers verborgen läge. Woher dieß, da doch seine ^ Gemahlin durch ihre Gegenwart jeden verruchten An- k zj- schlag auf sein Leben zu schänden machte. Ich habe dli:, einige geheime Winke erhalten, die einen Aufschluß nH« darüber geben könnten, aber ich muß die Hand auf hm den Mund legen, und darf nicht alles was ich wollte ^ erzählen; wenigstens nicht eher bis sich mir die gelege- n M- ne Zeit darbietet, wo ich füglicher davon sprechen kann. lMi Wir kehren also zur Geschichte zurück. > Der Kaiser stand bey Damalis, wo sich seine Truppen schaarenweise bey ihm einfanden, so wie seine Gemahlin, die ihn in seiner Krankheit pflegen mußte. Der Mond war schon voll, und nichts kränkte ihn so sehr, als daß er jetzt von gichterischen Anfällen verhin- dert werden mußte, die Gelegenheit so zu nutzen, wie sie wahrscheinlich die Türken nutzen würden. Er be- klagte sich darüber an einem Abend, und den folgenden Tag brachte ihm der Verschnittene, der über das kai- serliche Gemach gesetzt ist, die Nachricht» daß die Tür- < sD ken gegen Nicäa anrückten, nebst einem Schreiben von ^ dem Befehlshaber dieses Orts, Eustathiuö Kamytzes. Nun konnte er nicht länger zögern. Er vergaß seine , L> Schmerzen, bestieg, auf eine Lanze gelehnt, seinen ^ Wagen, und trat so den Weg nach Nicäa an. Die Ej Armee folgte ihm freudig nach, und beklagte nur das s°tz stellst. Yl. ö Sollte vielleicht noch eine dritte Ursache den Stoff einzige ?,5 2 .— i — ,L « einzige, daß sie den Kaiser, der ihren Muth durch sein freundliches Betragen noch immer mehr anfeuerte, nicht zu Pferde sehen konnten. In drey Tagen erreichte er Aegyllus, trennte sich hier von seiner Gemahlin, die wieder nach Constantinopel zurückkehrte, und. schiffte dann nach Kiboton über. Unterdessen hatten die Türken schon 'große Fortschritte gemacht. Vierzigtausend Mann waren, in verschiedne Haufen gecheilt, unter Anführung der vornehmsten Satrapen in das Gebiet von Nicaa eingefallen, hatten Prisa, Apollonias, Lopadium, ausgeplündert, Cyzikum von der Seeseite ohne Schwertschlag eingenommen, weil die Besatzung dieses Orts schon vor ihrer Ankunft ausgegangen war, und noch viele andre Plätze weit und breit heimgesucht. Als der Kaiser hievon Nachricht erhielt, veranstaltete er, daß der Dux Kamytzes mit zoo Soldaten ihnen auf dem Fuße nachfolgte, doch mir dem Befehl, das Zusammentreffen sorgfältig zu vermeiden. Kamytzes stößt bey der sogenannten unsichtbaren Stelle (Dorata)auf einen Trupp, den er seinem Auftrag zuwider angreift. Die Türke», welche stündlich den Kaiser erwarteten, und ihn itzt unter den Angreifenden vermutheten, nahmen eiligst die Flucht, sammelten sich aber wieder, da ein gefangener Scythe sie eines andern belehrte, und riefen mit Pau- kenschlag und einem lauten Geheule ihre zerstreuten Ca- meraden zurück. Statt daß sich nun Kamytzes in das feste Pömomenus hätte werfen sollen, blieb er vielmehr im frcyen Felde stehen, und traf über die Beute, und die gemachten Gefangenen in aller Sicherheit seine Verfügungen. Plötzlich überfallen ihn in der frühesten Morgenstunde die Türken. Die mehresten von seinen Leuten ergreifen die Flucht. Nur er, die Scythen, Cel- ken, und einige beherzte Römer bleiben muthig aufdem Kampf- ch«! -sch» rw SÄ M- chlq hm»« »M ÄP rA !vch- l!Np üsV ^km, /tz« Hi- Mi» -. ' 77 Kamsplatze und fechten beynahe bis auf den letzten Mann. Sein Pferd wird ihm unter dem Leibe erschossen. Kacarodon, sein Neffe, bietet ihm sogleich sein eigenes an, aber sein großer schwerer Körperbau verhinderte ihn, sieb leicht auf das Pferd zu schwingen. Verzweifiungsvoll weicht er einige Schritte bis an eine Eiche zurück, wo er sich aufs tapferste vertheidigt. Viele Türken stürzten todt oder verwundet neben ihm zu Boden. Sein Muth erregte allgemeine Bewunderung unter den Feinden, und brachte sie auf den Entschluß, ihn am Leben zu erhalten. Der Oberstatthalter Monhumet, der in ihm einen alten Bekannten wiederfand, stieg vom Pferde ab, machte ihm freyen Platz und sagte: Wählt nicht Tod, statt Leben: ergebt euch mir, um eurer Wohlfarth willen. Kamytzes that es, da er die Unmöglichkeit vor sich sah, der überlegnen Menge zu entkomme», setzte sich aus ein Pferd, und mußte es zugeben, daß man ihm aus Vorsicht die Füs- se band. Mittlerweile gieng der Kaiser bey Nicäa vorbei) , und kam nach Acrocum. Er förderte den Marsch, um den Vortrapp der Türken, oder Muselmänner, der von Karme herabgekommen war, sobald als möglich zu erreichen. Diese glaubten sich völlig sicher, als sie plötzlich vom kaiserlichen Heere angegriffen und geschlagen wurden. Sie retteten sich, nach einem großen Verlust an Tobten und Verwundeten, in das nahgelegne Schilf, das die kaiserlichen, weil sie wegen des Schilfes und sumpfigten Bodens ihnen füglich folgen konnten , rund um besetzten, und in Brand steckten. Die auflodernde Flamme trieb die Flüchtlinge aus ihrem Schlupfwinkel hervor, und wer sich nicht ergab, wurde ums Leben gebracht. Ohne diesen erhaltenen Vortheil würde Alexius in das aufferste Gedränge gerochen seyn, denn Mahu- met 78 met war ihm in Vereinigung mit den übrigen in Asien wohnenden Turkoinanen auf dem Fuße nachgefolgt, und fiel in sein Hintertreffen ein, welches theilö zur Bedeckung der Soldaten, die die Bagage trugen, und aus Müdigkeit hintennach blieben, theils zur Sicherheit der Pferde bestimmt war. Ampelas, und Tzipu- reles, zwey tapfere Feldherrn des Kaisers, stürzen sich zu weit vor den Ihrigen voraus in den Feind, und werden niedergesabelt, nachdem ihre Pferde mit Pfeilen erlegt waren. Ihr Tod wurde nachdrücklich von den nachfolgenden Soldaten gerochen: Die Türken ergreifen die Flucht. Kamytzes, der sich bisher unter ihnen als Gefangner befand, nutzte die Verwirrung, entwischte glücklich, und kam mit Hülfe eines Pferdes, das ihm ein Celte gab, wohlbehalten bey dem Kaiser in den Gefilden an, welche sich zwischen Philadelphia und Acrocum hin strecken. Der Kaiser empfieng ihn mit der lebhaftesten Freude, dankte Gott für seine Rettung, und entließ ihn nach der Hauptstadt: Geht, sprach er, sagt was ihr ausgestanden, was ihr gesehen habt, und berichtet den Meinigen, daß ich mit Got- . tes Hülfe noch am Leben sey. Als man ihm den Heldentod des Ampelas und TzipnreleS meldete, wurde er innigst gerührt, und brach in die Worte aus; Zwey gaben wir dahin, und empfiengm dafür Einen wieder. , Er hatte die Gewohnheit, nach jeder Schlacht sich nach den Gebliebenen und Gefangenen zu erkundigen, und schätzte Menschenleben so sehr, daß der glorreichste Sieg ihm nichts gegen den Verlust eines, selbst nur des geringsten, Soldaten bauchte. Kamytzes kam um Mitternacht in Constantmopel an, und wurde, nachdem er vorher seinen Namen angegeben, in den Theil des Pallastes, welchen die Kaiserin bewohnte, eingelassen. Diese gieng voll Freude nach I ' - - - 79 , ^ nach dem Speisesaal, wo er ihrer wartete, erschrack °M, aber nicht wenig, als sie ihn in türkischer Kl- id ung und ^ DH hinkend erblickte; denn beyde Füße waren ihm in Tref- D' «>! fen verwundet worden. Ihre erste Frage betraf ihren Gemahl, zugleich befahl sie ihm-,, sich niederzulassen. ^Die Antwort, welche er ihr gab, brachte sie vor Freu- den ganz ausser sich. Sie hieß ihm, der Ruhe pfle- tz gen, und den folgenden Tag die mitgebrachten Nach- U W richten allgemein zu verbreiten. Dieses geschah. Er U »cs bestieg sein Pferd, und in eben dem Anzuge, worinn AM er aus der Gefangenschaft so wunderbar entkommen, erst» schien er auf dem Constantinömarkt, wo er der scha- NMiz renweise herbey strömenden Menge, sowohl sein eignes Schicksal, als den glücklichen Erfolg der kaiserlichen mM Waffen verkündigte, und von dem erfreuten Volk mit WA einem lauten Iubelgeschrey empfangen wurde. Mt- Wer in'ag es leugnen, daß hier die Stimme des > ^ Volks auch die Stimme der Wahrheit war? Man HgD überdenke nur den Lauf des Schicksals, das meinen ^ ^ Vater mit unaufhörlichen Widerwärtigkeiten verfolgte. War nicht eine Reihe aneinander geketteter Beschwer-- dm das Loos das ihm gefallen war? und wer anders, ^ als sein Muth, sein immer thäkiger, immer unterneh- mender Geist, kam ihm zu Hülfe, wenn die Gefahr noch so schwer auf seinem Haupte lag? Keiner von den Kaisern, die vor ihm und bis auf den heutigen Tag regiert haben, ist in so mühsame mannigfaltige Han- del verwickelt gewesen, als er. Die Vorsehung muß es entweder so verhängt haben, daß gerade seine Regierung in den Zeitpunkt der größten Unruhen fiel (denn dem Lauf der Gestirne mag ich es nicht beymes- sen)^>der die Schuld lag an seinen Vorgängern, die durch ihre begangenen Fehler, den Schlag vorbereite, ten, der ihn nun in aller Stärke traf. Das römi- sche tzo --- sche Reich beherrscht cm sich alle übrigen Völker, die bey jeder gelegnen Zeit, gleich heimtückischen Sklaven, ihren Gebieter antasten, und daher hat es immer Unruhen in demselben gegeben: nur waren sie nie von der Art, wie mein Vater sie erdulden Mußte. Sollte mancher in diesen Worten Uebertreibungen einer schwärmerischen Tochter argwöhnen, o so schwäre ich bey dem Ungemach, das mein Vater um seiner Zander Wohl über sich nahm, schwöre bey seinen Kämpfen, bey den Leiden, die er zum Besten der Christen trug, daß ich ganz unparteyisch spreche. Seh ich ihn irren — dann schweigt die Tochter, und nur die Schriftstellerin erzählt, der ihr Vater zwar lieb, aber die Wahrheit noch lieber ist. Ich stelle die Begebenheiten auf, wie sie sich zugetragsn hoben, ohne etwas hinzu oder hinweg zu thun. Dürft ich , .könnt ich auch anders? Meine Geschichte erstreckt sich ja nicht bis auf die frühe Vorwelt. Noch iht leben Personen, welche meinen Vater gekannt haben, und vieles von ihm zu erzählen wissen: jeder sagt das, was er selbst erlebt hat: ich fasse ihre Reden auf, stelle sie zusammen, und hebe nur das aus, worinn sie mit einander übereinstimmen. Auf diese Weise habe ich keinen geringen Beytrag zur Ausfüllung dieser Geschichte erhalten. Bey den mehresten Begebenheiten bin ich im Gefolge meiner Mutter zugegen gewesen: denn ich habe keine weichliche verzärtelnde Erziehung genossen, sondern (bey Gott und der Mutter Gocces sey cs geschworen) von Kindesbeinen an, manche Bitterkeit des Lebens kosten müssen. Von meinen körperlichen Leiden mögen diejenigen sprechen, welche zur Bedienung um mich waren, und wenn ich nur mein übriges Schicksal, das mich schon vor dem achten Jahre traff, das Ungemach, welches mir von bösen Leuten bereitet ward, hernennen wollte, c m! S- ßz im s '-n 8l wollte, so müßte ich erst mit größerer Kraft dazu beseelt A werden. Es laßt sich kein Uebel, weder großes noch klei- ne§ denken, welches mir nicht zugestoßen wäre, und noch ißt, da ich dieses schreibe, schlagen die Wogen desUn- " glucks über meiner Scheitel zusammen. — Doch ich verliehre mich zu weit in meinen Angelegenheiten. Al- so ein Theil der von mir abgesaßten Geschichte enthalt Begebenheiten, denen ich selbst beygewohnt, ein an- m sein« drer solche, die ich von Augenzeugen erfahren habe. Vorzüglich muß ich vieles, den mündlichen Erzahlun- ^chn gen meines Vaters, und Georg Paläologs verdanken. Rh, Das mehreste hievon Hab ich zu einer Zeit aufgeseßt, d«ld da schon sein Enkel auf dem Throne saß, wo alles nur U, vk dem gegenwärtigen Regenten schmeichelte, und von dem Kgkik Großvater bestechen ohne Rückhalt die lautere Wahrte« heit sagen duree. In mich selbst zurückgezogen, in einen kleinen " ^ Winkel gedrängt, lebe ich nur Gott und meinen Bü- »,« und beweine den Verlust meines Vaters, mei- ner Mutter, und meines Gemahls Casar. Keiner, auch nicht der niedrigste, darf vor mir erscheinen, es »,« sxy daß er mir Nachrichten aus dem Munde «L«« andrer miltheilen könnte; denn ich bethrure es bey den Seelen der Hochseeligen Kaiser, daß ich innerhalb drey- ßig Jahren, keinen von den Bekannten meines Va- E terö, weder gesehen, noch gesprochen habe. Viele sind it!«^ dahin, die übrigen hält Furcht zurück. So weit ba- fD ben es die Großen durch ihre Kabalen gegen mich ge- -s-M- bracht, daß jeder meinen Anblick flieht. Außerdem, Hab ich noch, welches Gott Und die ^ allerheiligste Mutter Gottes weiß, einige, nachlässig, ohne Kunst und Schmuck hingeworfene Aufsäße ge- nutzt, die von Greisen verfaßt waren, welche ehemals Mf unter dem Kaiser gedient, und sich nach erlittenen Will/^, Denkwürdige. II. S. Z der- 82 derwärtigkeiten, von den Zerstreuungen der Welt, in ein stilles Kloster zurück gezogen hatten. Diese Auf. Me verglich ich mit dem, waö ich schrieb, was ich von meinem Vater, Mutter, und Anverwandten ge. Hort hatte, und brachte auf die Weise ein Werk zu Stande das nichts, als lauter Wahrheit enthält. Zeig ich mich in diesem Werke, als eine Tochter, die ihrem Vater mit kindlicher Liebe zugethan ist, was hindert mick, das ich nicht auch die Wahrheit eben so lieben sollte? Und da der Held meiner Geschichte ein Mann von rechtschaffnem Karakter ist, darf ich ihn anders schildern, als ich ihn finde? Es war eine Zeit, wo ich von der kindlichen Pfiicht gegen ihn Beweise an den Tag legte, die mir den tödlichen Haß mehrerer zuzo- gen. Und bin ich denn jeht so scher, daß ich unge- scheut mit Erdichtungen hervortreten könnte? Doch genug hievon. »ich «Mi Die Bürger von Constautinopel, empfingen wie vorhin gesagt wurde, die ihnen von Kemyhes ertheilte Nachricht, mit beynahe wilder ausgelaßner Freude, begleiteten ihn im feyerliehen Pompe nach Hause, und hatten wenige Tage nachher das Glück, den siegreichen unüberwindlichen Kaiser in ihren Ringmauern zu sehen, der nun Gott, und der Mutter Gottes den schuldigsten Dank abstattete, und dann zu seinen gewöhnlichsten Geschafften zurück kehrte. ßr Ns hm spiui Nach beendigtem Kriege, ließ er sich jedesmal dielSorge süt die Handhabung der Gerechtigkeit angelegen seyn. Denn er war nicht minder groß im Frieden als im Kriege. Er nahm sich der Wittwen und Waysen an, war ein abgesagter Feind aller Ungerechtigkeit , und erlaubte sich aus väterlicher Fürsorge für ferne Unterchanen nur leiten die Zerstreuungen der Jagd und andre.Erholungen. Seinen Körper^ machte er durch l 8Z Diks,' durch 'vielfältige Uebungen geschickt, daß er ihm bey Ä, ^ allen Vorfällen zu Gebote stand. Bald Mengte er ihn «RK, beschwerlichen Arbeiten an, bald gewährte er ihm Ruhe, um sich mit den Studien zu beschäfftigen. Ät. 1 Außerdem war Jagen, Reiten, und das Ballspiel ei- ne Nebenbeschafftigung meines Vaters gewesen, ehe U ^ ihn diese Gicht zu plagen anfieng. Seitdem ihn aber , diese überfiel, mußte er drirch häuffigereö Reiten und mN, Leibesübungen sich viele Bewegungen verschaffe^ «ack, Krankhcitöstoff einigermaßen dadurch fortzu» schaffen. K»II r LTroch war kein Jahr verstrichen, als ihn ein aber- ^ ^ maliger Einbruch der Comaner im November des Iah- > res n 14 aus der Hauptstadt zu gehen nökhigte. Er ^ verlegte seine Truppen nach Philippopolis, woselbst ' auch er sein Quartier aufschlug, nach PeriHus, Triadi- ML Ha, Ncsus bis Buranitzole. Philippopolis liegt mik- ü chü ten in Thracien. (der Eurus fließt bey ihr gegen Nor- »k KAi- den vorbey. Er kömmt aus der Grenze von Rhodope, » geht bey Adrianopel vorüber, beschreibt sehr viele Wch Krümmungen, nimmt viele Flüsselauf, und ergießt vD fick) endlich bey Amon in die-See.) Sie führt ihren Miß Namen nicht von dem Makedonischen Könige Philipp, Msik dem Sohne des Amyntas, indem sie weit neuern Ur- ' sprungs ist, sondern von dem römischen Kaiser Philipp, der wegen seiner körperlichen Größe und Stärke sW sehr berühmt ist. Vor ihm war sie nur ein kleiner unbedeutender Ort, der Krenides oder auch TrimuS , W hieß, dieser Kaiser aber machte sie zu einer der ange- VF' sehensten Städte in Thracien, befestigte sie, und er- richtete in ihr viele sehenswürdige öffentliche Gebäude, hie ich selbst, als ich meinen Vater dahin begleiten mußte, in ihren Ruinen gesehen habe. Sie steht auf ' ^ einem Eerge, der drey Spitzen hat, und mit einer 8 » großen 84 großen hohen Mauer umgeben ist. Da, wo sie all- mählig gegen die Ebene hinablaust, umschließr sie ein Graben, der sich dicht an dem Eurus vorbey zieht. Sie muß ehemals eine große schöne Stadt gewesen seyn, seitdem sie aber von Taunern und Scythen eingenommen ward, ist sie sehr in Verfall gcrathen, und hat nur noch einige Reste ihres vormaligen Ansehens aufzuweisen. Sie har unter andern viel durch Einwanderungen der Ketzer! gelitten, der Armenier nemlich, der Bogomilen, (von denen wir bey Gelegenheit sprechen werden,) Paulicianer (ein Nebenzweig der Ma- nichaischen Seete, die ihren Nahmen von Paulus und Johannes, zwcyen Söhnen der Kallinice, erhalten.) Ich würde hier beyläusig die Lehrsätze der Manichäer berührt und ihren Ungrund ausgedeckt haben, wenn ich nicht wüßte, daß diese Seete schon von jedermann genug verlacht wird, als daß ich als Geschichtschreibe- rinn noch nöthig hatte, in Glaubenssachen zu pole, misiren., Die Paulicianer, wilde tollkühne blutdürstige Menschen, sind von dem berühmten Kaiser Johann TzimisceS, aus ihren ehemaligen Sitzen in Armenien, nach Thracien kn die Gegend von Philippopolis verlegt worden, theils um sie von den festen Grenzplatzen, welche bisher in ihrer Gewalt waren, zu entfernen, theils um sie zu einer sichern Schutzwehr gegen die Scythen zu gebrauchen, von denen Thracien nur zu oft heimgesucht ward. Die Letzter« pflegten öfters mit gesamm- rer Macht über den Hamus zu gehen, und vorzüglich den nahgelegnen Städten, unter welchen Philippopolis die berühmteste war, großen Schaden zuzufügen. Der Hämus ist ein Gebürge, das sich am schwarzen Meer anfängt, die Wasserfälle der Donau etwas berührt, und bis an das Adriakische Meer geht. Meiner Mey- nung ß,? -Bi 'W r>L «ich As dr El« ! 8; Uch. ^ ch s» ^/t sx« w M «Ä^d Ä»^j MMj Ms« IIA» »"! ist >;Dl> »M? ^>tSk Ij»^ M, nung nach ist das, auf dem gegenüberstehendeu Ufer sich erhebende Gebirge eine Fortsetzung desselben, so daß sich der Hämuö eigentlich bis au den Hercynischen Wald erstreckt. Auf beyden Seiten desselben wohnen reiche und wohlhabende Nationen: nördlicher die Datier, südlicher dis Macedonier, und nach, beyden Himmelsstrichen zugleich Thracier. Um wieder auf jene Manichäer zu kommen, fs war es zwar ein glücklicher Einfall, den der Kaiser Johannes hatte, sich ihrer als Grenztruppen gegen, die Scythen zu bedienen: aber dagegen unterdrückten sie auch, ohnerachtet aller noch so ernstlichen Ermahnungen des Hofes, die in PhilippopoliS befindlichen rechtgläubigen Christen, welche dort nur eine sehr kleine Gemeinde ausmachten; und so wuchs in und um die Stadt ihre Partei) ansehnlich an. Zu ihnen gesellten sich noch Armenier und Jacobiten, und so entstand hier ein sonderbares Gemische von Ketzern, die in ihren Lehrmeynungen eben so uneinig waren, als sie im Ungehorsam gegen die Regierung übereinstimmken. Mein Vater brachte sie theilü mit Gewalt, theils mit Gelindigkeit zur Ruhe. Denn wo ist eine mühjame und große Handlung, derer sich nicht unterzog? Erschallt nicht im Morgen- und Abendlande der Ruhm seiner Hel- denthaten? War er nicht ein eben so großer Liebhaber der Wissenschaften, und ein eyfriger Freund des theologischen Studiums? Wenn sein Arm den Feind des Staats bekämpfte, so schlug sein Mund mit den Waffen der Gelehrsamkeit den Irrgläubigen darnieder. Sein Betragen gegen die Manichäer erwirbt ihm mit Recht den Nahmen eines dreyzehnten Apostels, einen Nahmen, den manche Constantin dem Großen beyge- legt haben, mit welchem Kaiser er ihn theilen, oder doch zunächst nach ihm erhalten, kann. Da er noch vor F z Ankunft 86 Ankunft der Comaner in Philippopolis erschien, wand» te er die Zwischenzeit zu dem ungleich wichtigem Be- kehrungsgeschäffte an, und bemühte sich vom Morgen bis in die sinkende Nacht, die Manichäer so wohl ih, res Jrrthums zu überführen, als zum rechten Glauben zu bringen. Er gieng in seinem apostolischen Ey- fer so weit, daß er mehrentheils das Esten darüber versäumte, und unermüdet, mitten im Sommer, in einem unter freyen Himmel stehenden Zelte diese schwere Arbeit aushielt. Seine Gehüsten waren der Erz- bischoff von Philippopolis, und der Bischofs von Ni- cäa, Eustratius; ein Manns der in der biblischen, und weltlichen Litteratur, ungemeine Stärke besaß, und in der Kunst zu überreden seines Gleichen suchte. Vor allen andern aber leistete ihm mein Gemahl, Cäsar Nicephorus, vorzügliche Dienste. Ihre Be- mühungen, wurden bcy einigen mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt, viele hingegen blieben hartnäckig bey ihrem Glauben, den sie so gar auf Aussprüche der Bibel stützen wollten. Doch auch diese ergaben sich größ- tentheils den häuffigen Vorstellungen des Kaisers, und nahmen die Taufe an. Indem er noch hier für das Seelenheil der Ketzer arbeitete, erfolgte der Uebergang der Comaner über die Donau. Alexius gieng ihnen bis Bidyne entgegen, fand aber keine Feinde, weil sie sich auf die Nachricht von seiner Annäherung wieder über die Donau zurück gezogen hatten. Ein Detachement seiner muthig- sien Truppen, das er ihnen nachschickte, erblickte sie nach einem Marsche von drcy Tagen auf dem entgegen stehenden Ufer eines Flusses jenseits der Donau, und konnte daher auch nichts gegen sie unternehmen. So gern nun der Kaiser die Barbaren gezüchtigt hatte, so mußte er sich doch für itzt damit begnügen, sie D, sitz sia! WlÄ Ol D ^ chd sck d>! ß , v f-l Kr Kj »°»W siik W ikn tzti n K-S Mzk lbrdnA ißgr«! iiM s Mi« Wt lSlS? K,-ik durch sl inen bloßen Nahmm zrirückgeschreckt zu haben. Er hatte doch gesiegt, und zwiefach gesiegt, wenn man die Lorbeeren hinzudenkt, die er auf dem theologischen Kampfplätze brach. Nachdem er wieder in Philippopolis eingetroffen, und sich etwas erholt hatte, fieng er seine vorige Arbeiten von neuem an. Kuleon, Kusin, und Pholus, Häupter der manichäiscken Sekte, machten ihm durch ihre Widersetzlichkeit am meisten zu schaffen, indem beyde einander treulich auöhalsen, wenn einer von ihnen in die Enge getrieben wurde. Auch noch dann, als sie schon ganz zum Schweigen gebracht waren, blieben sie unbiegsam, und mußten daher nach Constantinopel wandern, wo ihnen in den Vordergebauden des Palastes eine Wohnung eingeraumt ward. Waren nun gleich meines Vaters Bemühungen im einzelnen fruchtlos, so waren sie es doch nicht im ganzen; man kann vielmehr die Zahl der von ihm Bekehrten aus viele Tausende berechnen: ja auf noch weit mehrere, wenn man bedenkt, wie viel Städte und Lander er von Jrreligionen zu unsrer» wahren rechten Glauben zurückgebracht hat. Die Art, wie er die Neubekehrten behandelte, kann man aus folgendem lernen. Den Angesehensten, ertheilte er, außer vielen Gnadenbezeugungen die höchsten Würden bey der Armee: dem niedrigen Pöbel wieß er in der Nähe von Philippopolis, jen- seit des Ebrus eine Stadt zum Wohnsitz an, die er Alexiopolis, oder wie sie gewöhnlicher heißt, Neoca- stron (Neustadt) benannte, gab ihnen liegende Gründe, und bestätigte sie ihnen durch eine Urkunde, daß sie auf alle männliche Nachkommen forterben, und wenn diese auästürben, auch auf die weibliche Linien fallen sollten. Niemand hoffe ich wird diese meine F 4 Aus- 88 Aussage bezweifeln, wenn ich hinzufüge, daß noch jetzt viele Zeugen vorhanden sind, welche sie mündlich bekräftigen können. In Constantinopel setzte der Kaiser seine Religionsgespräche nm den drey vorhingenannten Häuptern der Manichäer fort. Kuleon trat zu unsrer Kirche über, aber Kusm und PholuS wurden, weil sie durch nichts zu gewinnen waren, auf die so genannte Elfenbeinerne Wache gesetzt, wo sie bey guter Pflege bis an ihr Ende verblieben. Funf- 89 ^ «i: ' ' - ^ Fünfzehntes Buch. ^^ach Beylegung dieser Streitigkeiten brachen an- dre neue Unruhen im Orient aus, wo Sultan Solymas aus Chorasan und Chalep Truppen zusam- ^ ^ ^ men zog, um von neuem Asien zu verheeren. Sobald M G der Kaiser hievon Nachricht erhielt, sammelte er ebenst U falls eine Armee, die theils aus seinen stehenden Truppen , theils aus fremden Miethsvölkern bestand, und nahm sich vor, den Schauplatz des Kriegs in Klitzir ' asthlanö Antheile bey Peonium aufzuschlagen. Ehe aber der Feldzug eröffnet ward, überfiel ihn seine alte Krankheit, das Podagra, welches ihm weniger schmerzlich fiel, als der Gedanke, daß er jetzt in seiner kriegrischen Laufbahn gehemmt würde; denn Klitziasthlan ge» wann nun Zeit, sieben verschiedene Streifzüge gegen die Christen zu unternehmen. Sonst pflegte das Podagra nur Periodenweise zu kommen, itzt aber hielt es ohne Unterlaß an. Klitziasthlan glaubte, daß es nur eine verstellte Krankheit wäre, mit der der Kayser seine Unthätigkeit zu beschönigen suchte. Daher spotteten die Türken seiner auf allen Gelagen , und führten ihn sogar in ihren Poffenspielen auf, wie er umringt von Aerzten und Wärtern auf seinem Bette lag: woran sich dann freylich der Pöbel gar sehr belustigte. Dieser ausgelaflene Spott fehlte nur noch, um den Kaiser völlig zu erbittern. Sobald nur seine Schmerzen nachließen, trat er seinen Marsch über Ki- boton nach Lopadium an, zog bier die übrigen nachgebliebenen Truppen an sich, gieng alsdann weiter nach dem Kastei des heiligen Georgs, und von hier nach dem nahgelegenen Nicäa, welches er nach einem drey- « 3 5 tägigen 92 tägigen Aufenthalte wieder verlies,'und sich bis über die Brücke von Lopadium zurückzog. . Die^Tür- ken standen in dem Thal derLeucianberge und in der Ebe. ne Kotoirakia, als die Nachricht von des Kaisers Annäherung bey ihnen ankam. Sie geriethen darüber in ein solches Schrecken, daß sie, um sich fürchterlich zu machen, viele Wachfeuer anzündeten, bey deren Anblick manchem Unkundigen das Herz pochte. Mit dem Anbruch des folgenden Tages rückte der Kaiser gegen sie an — allein die Feinde waren fort, und hatten nur traurige Reste ihrer Gegenwart zurückgelassen — Leichname, unter denen hin und wieder noch ein Lebender zuckte. Dieses grausenvolle Schauspiel mußte ihn noth- weudig laut zur Rache auffordern. Da es aber unmöglich war, die Türken mit dem ganzen Heere zu verfolgen , so schickte er ihnen seine tapfer» leichten Truppen nach, die sie bey Kellia cinhohlten, einen glänzenden Sieg über sie erfochten, ihnen alle Beute abnahmen, und dann wieder nach Pömanenum, wo sich die übrige Armee gelagert hatte, zurückkehrten. / Von hier gieng der Marsch wieder nach Lopadium, weil Mangel an Wasser Ln den Gegenden durch die er gehen mußte, und Sonnenhitze, denn es war im Sommer, ihn am weitern Vordringen hinderten. Auch wollte er vorher die übrigen Söldner, welche noch un- terwegens waren, an sich ziehen. Nachdem diese angekommen waren, verlegte er sein Heer auf den Olymp, und begab sich selbst an das Vorgebirge von Malagia, wohin er auch seine Gemahlin, (die sich, um desto geschwindere Nachrichten aus Lopadium einzuziehen , solange zu PrimipuS aufgehalten hatte) kommen ließ. Sie sollte ihm theils, wenn die Gicht imträte, hütfreiche Hand leisten, theils mit ihrem nie schlummerden Auge ihn vor heimlichen Nachstellungen bcwachey. iir», ich "nz M MtzW i«N' M- D' F -tz bewachen. Den^ dritten Tag nach ihrer Ankunft, trat ein Officier von der Leibwache in ihr Schlafgemach. Ihr bringt uns gewiß Nachricht, redete sie, ihn an, von rer Ankunft der Türken? Ja, antwortete er, sie stehen schon bey der Georgsburg. Darauf winkte sie ihm mit der Hand zu schweigen, damit nicht ihr Gemahl im Schlaf gestöhrt würde. Gleichwohl hatte dieser ihr Gespräch vernommen, jedoch ohne sich etwas merken zu lasten. Nach Sonnenaufgang begiebt er sich an seine gewöhnlichen Geschäffte, und ordnet alles auf das beste an. Die Feinde kamen immer naher, und standen um die Mittagszeit nur noch in einer kleinen Entfernung. JHt erst »erstattete er seiner Gemahlin den Rückzug nach Constantinopel. Meine Mutter betrug sich bey dieser Gelegenheit mit einem Muthe, mit einer Selbstverlaugnung, die man selten an den weiche geschaffenen empfindsamen Personen ihres Geschlechtes findet. Ihr Herz war beklemmt, aber in ihrem Betragen äufferte sich keine Spur von Furcht und Niedergeschlagenheit : und wenn sie sich fürchtete, so war es mehr für das Leben ihres Alexius, als für sich selbst. Sie trennte sich ungern von seiner Seite, riß, sich gewaltsam aus seiner Umarmung, und warf noch oft, als sie von ihm geschieden war, schmachtende sehnsuchtsvolle Blicke nach ihm zurück. Der Kaiser verfolgte nun feinen Weg weiter nach Nicaa. Die Feinde erfuhren durch einen Alanen, den sie aufgefangen hatten, seine Ankunft, und zogen sich eiligst zurück. Zwei- seiner Feldherren griffen dieselben mit eben so vielem Muth als Glück auf ihrer Flucht an, und erhielten dafür die größten Lobeserhebungen. Von Georgsburg gieng der Marsch nach Elenopolis- wo sich die Kaiserin, wegen der unruhigen See bischer aufgehalten hatte, dann nach Nicaa, und von hier nach Miscura. Van hier aus schickte er den Leo Nicerites mit einem Theile des Heers nach Lopadium, um daselbst alle Wege zu besetzen, und von allem, was er den von Türken in Erfahrung brächte, schriftlichen Bericht abzustatten. Sein übriges Heer verlegte er an schickliche Oerter, und führte es deswegen nicht gegen den Sultan an, weil er vermuthen konnte, daß die geflüchteten Türken, durch ganz Asien aussprengen würden, sie hatten verschiednemahl auf die Kaiserlichen gestoßen, und sich immer mit Verlust zurückziehen müssen, wodurch den übrigen der Muth entfallen würde, weiter vorzudringen. Deswegen gieng er selbst durch Bithy- nien nach Nicomedien zurück, um ihnen gleichsam die Thore zu öffnen, durch die sie aus dem Keficht entfliehen könnten. Hier sollten sich nun so wohl Menschen als Vieh von den Strapaßen erholen, und sich in Stand setzen, die Türken um so viel nachdrücklicher anzugreiffen, wenn der Sultan Luft bekäme, sie noch einmal auf Streifereyen auszuschicken. Birhynien lieferte als ein sehr fruchtbares Land, hinlängliches Futter für Pferde und Lastkhiere, und was der Soldat für sich brauchte, konnte ihm sehr leicht aus Constantino« psi und der umliegenden Gegend über die See zuge- sührt werden. Hier mußten die erstem vorzüglich wohl besorgt, und weder zur Jagd, noch zu andern Arbeiten abgenutzt werden, damit sie in der Folge beym An- greisfen desto bessere Dienste zu leisten im Stande wären. Bichynien selbst wurde durch ausgestellte Vorposten hinlänglich bewacht, und die Kaiserin aus mehrmals erwähnten Ursachen nach Nicomedien berufen, wo sie so lange bleiben sollte, bis der Feldzug wieder seinen Anfang nähme. Kaum war sie hier angekommen, so bemerkte sie, daß einige Mißvergnügte den Kaiser wegen seiner Un- thätig- Ml ml« Mi schl ! ^ II 9Z »lii», slkjs Ä V » dkiw !> D > DM ««>« t- LL!^ thatigkeit öffentlich tadelten, und höchst unzufrieden -waren, daß er nach so vielen Zurüstungen und mit einer so ansehnlichen Armee ohne etwas entscheidendes zu wagen, in Nicomedien verweile. Alexius verachtete dieses leidige Kindergeschwätz von Herze«, weil er sich aus vielen Gründen einen glücklichen Erfolg von seiner Handlungsweise versprach, und beruhigte seine Gemahlin mit der Vorstellung, daß eben dieses Verhalten, weswegen jene ihn so sehr tadelten, ihm zum Siege behülfiich seyn werde. Er war itzt blos beschäfftigt, seine Armee zu recrutiren, und die Neuangeworbenen oft in eigner Person in den Waffen zu üben. Dieses beobachtete er bis zum Anfänge des Herbstes, mit welchem sich eine bequeme Zeit den Zeldzug zu eröffnen einstellte. Er gieng nunmehr nach Nicäea, und schickte von dort aus mehrere Haussen wohlgerüsteter Soldaten, unter Anführung geschickter O stierere, ausSkreifereyen gegen die Türken, und zwar mit dem gemessene,'. Befehle, daß sie den Feind an verschiednen Orten angrei- fen, aber nie zu weit verfolgen, sondern sich jedesmal nach einer glücklichen Unternehmung in guter Ordnung zurück ziehen sollten. Mit der übrigen Armee zog er sich nach einem Marsch von einigen Tagen in die Ebne von Doryleum, die er breit genug fand, um in ihr sein ganzes Heer in völlige Schlachtordnung zu stellen, und mit demselben eine Musterung, nach dem von ihm schon längst entworfnen Plane, vcrzunehmen. Von ihm entworfen, jage ich, denn sonst war er in der Ae- lianischen Kriegskunst nicht unerfahren. Alexius wußte aus vieljähriger Erfahrung, Laß die Türken sich in Anordnung des Treffens von der Ge. wohnheit der übrigen Volker unterscheiden. Der rechte und linke Flügel und das Vordertreffen, stehen von einander getrennt. Greift nun der Feind den rechten 94 ten oder Ilinken Flügel an, so! rückt das Vorder - und Hintertreffen mit unaufhaltsamer Wuth zur Unterst«. Hung. herbey. Sie brauchen nicht, wie die Celten, Spieße, sondern suchen den Gegner von allen Seiten mit Pfeilen zu ängstigen. Sie fechten nur aus der Ferne, verlassen sich beym Nachsehen sowohl als beym Fliehen, auf ihren Bogen, und schiessen ihre Pfeile mit solcher Gewalt ab, daß diese dem Reiter oder seinem Roß durch den ganzen Leib dringen. Dem zufolge stellte der Kaiser seine Truppen so, daß der angegriffne Theil hinter Schildern verwahrt war, unter- dessen ein andrer dem Feind in die Flanke fiele, wo der Körper kerne Bedeckung hatte. Nachdem er nun zu seiner, und aller andrer Zufriedenheit diese Erfindung geprüft hatte, fehle er seinen Weg weiter fort bis Santabaris, und schickte von hier aus zwey Haufen ab, den einen unter Kamyhes Befehlen gegen Cedrea, den andern unter Stypeiotes Anführung gegen die Türken in Amorium. Pueheas, Befehlshaber von Cedrea, erfuhr von zwey Scykhen, die als Ueberiauffer zu ihm gekommen waren, die Annäherung des Kamyhes, und gerieth dadurch in ein solches Schrecken, daß er mircen in der Nacht mit seinen Leuten die Festung, nebst allen darin befindlichen Gütern verließ, und davon eilte. Kamyhes aber eilte ihm den folgenden Tag, ohne vorher Cedrea zu plündern, auf dem Fuße nach, und erreichte ihn bey Poly- bot, wo er unter den Türken ein unerhörtes Blutbad anrichtete, und ihnen alle Gefangne und alle Beute abnahm. Auch Stypeiotes kehrte nach einem glücklichen Streifzuge gegen Pomanenum zur Hauptarmes zu- . rück, die sich nun bald in Cedrea einsiellte. Von hier zog Bardas mit einem ziemlich starken Corps gegen die Türken aus, Deiche in den nahgelegen Md vor- mal« s; Eellk > Sitz Air' «N ker U Mk 5 < K,M rr jeN !k» fii tzrSÄ' elisB «r,K tb ! K«- Aj>^' ^ 5 »i malS seinem Ahnherrn Burßes'zugehörigen Antheil standen. Dieß Corps war bestimmt, das umherliegende Land zu verwüsten, und die Einwohner desselben fortzuschleppen. Jetzt war der Kaiser so weit, daß er seinen Entwurf, bis Jconium vorzudringen, würde ausgeführk haben, wenn nicht Sultan Solyman die Felder und Wiesen in ganz Asien mit Feuer verheert, und dadurch allen Proviant für Menschen und Vieh zu Grunde gerichtet hätte. Ausserdem verbreitete sich auch das Gerüchte, daß ein neues Heer Türken sich in den obern Gegenden zusammenziehe. Unter diesen Umstanden, war es freylich rathsamer, von seinem Vorhaben abzustehen. Um aber doch in einer so wichtigen Sache nicht eigenmächtig zu verfahren, entschloß er sich die Entscheidung dem Willen der Gottheit zu überlassen, und trug ihr deswegen auf zwey Blättern, welche auf den Alrar gelegt wurden, die Frage vor, ob sie für gut befände, daß er den Türken nach Philomelis, oder nach Jconium entgegen rücke? Nachdem die ganze Nacht hindurch Gottesdienst war gehalten worden, nimmt der Priester das eine von den Blattern, und findet darinn den Befehl, nach Philomelis zu gehen. Bardas Brutzeö traf in der Ebene von Amorium auf einen zahlreichen Haufen Türken, die zur Verstärkung Monolyks bestimmt waren, und erfocht einen vollkommnen Sieg über dieselben. Ehe er noch zurückgekehrt war, fällt ein andrer Trupp, der ebenfalls zum Monolyk stoßen'wollte, in sein Lager ein, welches rein ausgeplündert wurde. Dieser Vorfall ward ihm schon auf dem Rückwege verrathen. Weil er aber mit vieler Beute beladen, und seine Pferde zu müde waren, um den weit schnellem Feind ohne Gefahr einzuhohlen, soL rücktej er langsam liund regelmäßig i fort, und zog sich 1 y6 sich in das so genannte Gebiete des Burtzes, wo rr alle Einwohner zu Gefangenen machte, und dann sogleich nach einer kleinen Rast zum Kaiser zurückkelM. Auf dem Wege begegnete er einem andern feindlichen Heer, das ihm das Anerbiethen that, niemals etwas gegen die Kaiserlichen zu unternehmen, wenn man ihm nur die Gefangenen, und alles erbeutete Gut wieder zustellen wollte. Aber Burtzes schlug es aus, zog sich an einen Fluß, weil seine Leute den ganzen Tag keinen Tropfen Wasser gekostet hatten, und setzte das Gefecht muthig fort. Indessen fühlte er sich doch zu schwach, um lange auöhalten zu können. Er fertigte alfo einen Eilboten, und zwar keinen von den gemeinen Soldaten, sondern seinen Mitfeldherrn, Georg Lebunes, an den Kaiser ab, berauch glücklich mitten durch die Feinde, welche alle Wege besetzt hatten, entkam. Alexius eilte ihm gleich nach erhaltner Nachricht zu Hülfe. Ni- cephoruS, meiner Mutter Brudersohn, ein junger feuriger Mann, brach mit einigen andern aus dem Glieds hervor, und erlegte einen Türken mit der Lanze, nachdem er vorher eine Wunde am Knie erhalten hakte. Sein Muth, der auch nachher das verdiente Lob erhielt, machte die übrigen Türken so furchtsam, daß sie eiligst die Flucht ergriffen. Auf diesen Sieg erfolgte die Einnahme von Phi- lomelis. Von hier aus giengen mehrere Haussen in die um Iconium gelegenen Städte und Dörfer, verheerten sie, befreyten die daselbst befindlichen Gefangenen , und kehrten mit vieler Beute zurück. Ausser den türkischen Sklaven, welche sie mitbrachten, befanden sich auch in ihrem Gefolge ganze christliche Familien, die aus ihren Wohnsitzen sich frei-willig in kaiserlichen Schutz begaben. s? I ldknhi °gsich> !likP W Fe. 5 Ws« MÄ ke!q i!I- W- t 5 ^ ui.' Ißt trat der Kaiser seinen Rückzug, und zwar in jener vorhin erwähnten Schlachtordnung an, die ihn auf alle Fälle sicherte. Die Gefangenen, nebst den.Weibern und Kindern, waren in der Mitte eilige- schlossen. Von vorne ließ sich kein Feind sehen, aber hincennach folgte Monolyk unvermerkt mit einem tüchtigen Heere, um sich eine Gelegenheit zu ersehen, wo er ihn bequem angreifen konnte, die er dann auch zwischen Polybot und dem See der vierzig Märtyrer gefunden zu haben glaubte. Den ersten Angriff versuchte er vermittelst Freypartisten, die aus leicht bewafne- ten verwegnen Menschen bestanden. Allein schon der Anblick der ungewohnten Schlachtordnung, in der daS Kay>erlm)e Heer erschien, setzte ihn, da er doch ein alter sehr erfahrner Krieger war, in kein geringes Erstaunen. Demohngeachtet wagte er ein Treffen, und ließ seine Leute in zerstückelten Haussen anrennen, ein Kunstgriff durch den seine Armee nicht allein zahlreicher, als sie wirklich war, erscheinen, sondern auch die Un- srigen in Schrecken gejagt werden sollten. Diese aber setzten ihren Marsch unverdrossen und in unverrückter Ordnung fort, als wenn sich kein Feind hätte sehen lassen. Gegen Abend zogen sich die Türken in die Berge zurück, zündeten viele Feuer an, und heulten die ganze Nacht hindurch wie Wölfe; bisweilen stießen sie auch Scheltworts gegen die Kaiserlichen aus. Den folgenden Tag, als sie ihre Angriffe erneuerten, traf Sultan Klitziasth- lan beym Monolyk ein, und machte ihm, so sehr er auch die Stellung des kaiserlichen Heeres bewunderte, aus unüberlegter jugendlicher Hitze Vorwürfe, daß er sich nicht zu einer förmlichen Schlacht entschlösse. Ich habe, antwortete dieser, als ein alter furchtsamer Mann, es nicht wagen wollen: fühlt Ihr Much genug, wohlan, so wagt es, der Erfolg wird entscheiden. Der Sultan that es, und griff den Kaiser von allen Seiten an. Denkwürdige. II. B. G Mein 98 Mein Bruder AndronikuS Porphyrogennetes zeich. nete sich in dem Treffen sehr vorteilhaft aus. — Auch diesen edlen Jüngling raste ein frühzeitiger Tod in der Blüthe seiner Jahre dahin, als er sich eben mit Ruhm aus der Bahn des Krieges hervorzuthun anfieng. Dir, bester Bruder, sey die Thräne geweiht, die jetzt in mein Auge tritt. Gott! wo nehm ich Kräfte her mein unabsehbares Elend auszudauren! Ich wünschte mir die Zeiten der fabelhaften Vorwelt zurück, wo die lei- Lende Natur von Qualen überwältigt, in einen empfindungslosen Stein erstarrte: denn bester wäre mir, ich fühlte nichts, als daß ich meine Tage in unaufhörlichem Gram und Kummer verlebe. Das Treffen wurde für die Kaiserlichen durch die Tapferkeit des Nicephorus Brvennius Cäsar gewonnen, der mit dem rechten Flügel, als das Gefecht am hitzigsten geworden war, herbeyeilte, und ihm dadurch den Ausschlag gab. Die Türken flohen nach einem großen Verlust an Tobten und Gefangenen. Dm Sultan und seinen Mundschenken verfolgten einige Scythen. Der erste entkam, weil man ihn nicht kannte ; der andre aber siel in ihre Hände. In der folgenden Nacht machten die Türken es, wie sie es vorher gethan hatten. Ein Ueberläuffer, ein Scythe von Geburt, riech dem Sultan, die Kaiserlichen in der Nacht anzugreifen, weil ihre Zelte wegen der Lage des OrtS sehr zusammengepreßt standen. Der Sultan befolgte seinen Rath, aber ohne etwas auszurichten. Denn der Kaiser war schon ebenfalls durch einen Uberläuffer davon benachrichtigt worden, und hatte die eine Hälfte seiner Truppen innerhalb des Lagers, zur Bewachung hingestellt, und die andre, auffer demselben unter Waffen treten lassen, so daß die Türken, durch ihr. unaufhörliches Schießen und Angreiffen, auch nicht die min- ! Kl D W Dz w« « wsm tztir ' R, ^ U ! 99 z ^ dests Unordnung unter ihnen bewirken konnten. Den folgenden Tag versuchte der Sultan sein Glück noch ein- ^ mal, aber mit eben so schlechtem Erfolge. Es war, - ^ als wenn er gegen eine Mauer anrennte, so dicht starr- den die Linien aneinander gedrengt, und mit ihren Mtz Schildern bedeckt. Diese widrigen Zufalle nöthigten den Sul- M» tan, mit Zustimmung der übrigen Satrapen Frie- densvorschlage zu thun. Der Kaiser ließ, sobald er den Antrag bekam, Halt machen, jedoch ohne die kM iiH Schlachtordnung zu unterbrechen, damit er auf jeden Achf. Fall zum Schlagen bereit wäre. In der Ebene zwischen Augustopolis und AcroniumFmn der Sultan mit seinen Satrapen, unter denen Monolyk unstreitig der ilim i« verdienstvollste war, ihm entgegen. Die Satrapen W > stiegen schon in der Ferne von den Pferden, und be- -ta-ß wiesen ihm die durch das Herkommen eingeführte Verehrung. Der Sultan that dasselbe, so wenig der ji«f» Kaiser es auch zugeben wollte, und küßte ihm den Fuß. »D Alexius reichte ihm dagegen die Hand, ließ ihmein „ mz prächtiges Pferd vorführen, mit welchem sich der Sul- D« tan auf die andre Seite des KayserS hinstellte, warf ihm seinen eignen Mantel um, und hielt daraus, nach ^ einer kleinen Pause, folgende Anrede. „Wollt ihr euch unsrem Willen gemäß aller Gewaltthatigkeiten Zegcn Christen enthalten, so sollt ihr von unsrer Huld mit " ^ Gaben und Ehren reichlich belohnt, und im Besitz aller .V st derjenigen Lander ungestöhrt gelassen werden, welche vor der Regierung und der unglücklichen Schlacht des Diogenes Romanus, worinn dieser seine Freyheit ver- lehr, euer gewesen sind. Ihr müsset Friede halten, und die Grenzen des römischen Reichs nicht beunruhi- ß'vzl Len. Folgt ihr meinem wohlgemeynten Rath, so soll es euch nicht gereuen, wo nicht, so werdet ihr an mir iE Len unversöhnlichsten Feind eurer Nation finden." G s Dieser Dieser Vorschlag wurde von Sultan Sasan und seinen Satrapen angenommen, und den folgenden Tag bestätigt. Sie befanden sich noch in unsrem Lager, als der Kaiser in Erfahrung brachte, daß Masut dem Sultan, dessen natürlicher Bruder er war, nach dem Leben stünde. Er bat ihn daher, so lange bey ihm zu ver- weilen, bis er hierüber nähere Wissenschaft erlangt hätte: oder wenn er dieß nicht wollte, doch wenigstens eine Bedeckung kaiserlicher Soldaten anzunehmen, die ihn biß Jconium sicher geleiten sollten. Der Sultan aber schlug das Anerbieten aus, und begab sich, mit vielen Geschenken überhäufft, sorglos auf den Weg. Unterwegs hatte er einen sonderbaren Traum, den ein kaiserlicher Soldat aus seinem Gefolge als eine Vorbedeutung naher Feinde auslegte. Ob er nun gleich auch hierauf nicht achtete, so gebrauchte er doch die Vorsicht, daß er einige Leute vorausschickte, um zu erfahren, ob Feinde im Anzüge seyn. Masut, der wirklich schon mit einem großen Heer im Felde stand, fieng dich Kundschafter auf, machte sie sich zu Freunden, und beredete sie, seine Annäherung nicht zu entdecken. In- dem nun Sasan, ohne Gefahr zu besorgen, weiter fort- geht, überfällt ihn Masut ganz unvermuthet. Gazeö, des Satrapen Asan Katuch Sohn, den Sasan einst ermordet hatte, zielt mit der Lanze auf ihn; er aber reißt sie ihm wüthend aus der Hand, und sagt dabey: Ha! das dachte ich nicht, daß auch Weiber gegen mich Lanzen werfen! Auf des verrätherischen PucheaS Anschlag warf er sich in die unweit Philomelis gelegne Stadt Tygvnium, wo ihn die Kaiserlichen, die schon vom geschloßnen Feinden gehört hatten, bereitwillig auf nahmen. PucheaS, war ein heimlicher Anhänger des Masut und darum widerrieth ers ihm, nicht in das kaiserliche Lager zurückzukehren. Die Stadt wurde , bald darauf von den Türken umringt. Sasan drohte , vsn > von der Mauer, daß der Kaiser bald erscheinen, und iM sie züchtigen würde, wenn sie nicht sogleich abzögen, chz, Pucheas hingegen, schlich sich unter dem Schein, als ilteniE wenn er der Besatzung Muth zusprechen wollte, auf ihktz die Mauer, stellte ihnen den Jammer vor, der ihnen unausbleiblich bevorstünde, wenn die Stadt mit Ge- ^ ^ walt erobert würde, lind machte sie dadurch so kleinmü- thig, daß sie den Türken die Thore öffneten. Nun war cS um Saisan geschehen. Man beraubte ihn seiner »Sii Augen mit einem Leuchter, den er vom Kaiser erhal- ^ ^ ten hatte, weil es an einem andern Werkzeug dazu mangelte. Nach einiger Zeit merkte er, daß ihm noch E ^ ein schwacher Gebrauch seines Gesichts übrig geblieben M ^ ^heilte diese Entdeckung seiner Amme mit, die- ., se erzählt es seiner Gemahlin wieder, und so verbreite« te sich die Sage weiter, bis sie endlich Masut zu Oh- ^ ren kam, der ihn, so bald er dieß erfuhr, durch einen Mvornehmsten Satrapen stranguliren ließ. i«! Ä- . Der Kaiser beobachtete auf seinem Rückzuge dieselbe Ordnung, die er einmal eingeführt hatte, und die einen Anblick gewahrte, der vorher weder gesehen noch beschrieben ward. Auf dem Wege nach Jconium sah man die schönste Regelmäßigkeit in der Stellung und Bewegung seines Heeres. Wenn es aufmarschir- te, so konnte man fast keine Bewegung an ihm bemerken, und wenn es stand, so hätte man glauben sollen, es wäre noch nicht in Ruhe. Weil Mann an Mann mit vorgehaltnem Schilde gedrängt stand, so glich es einer lang gestreckten unbeweglichen Bergkette; und, während daß es fortzog, hätte man es für eine einzige große Masse halten mögen, die nur durch Eine Seele belebt, in allen Theilen die größte Gleichförmigkeit zeigt. Von Philomelis aus konnte er nur langsam fort« -rücken, denn der ungeheure Troß von Gefangenen, Co- G z loni- '.-r> ros lonisten, Weibern und Kindern unter denen sich meh. rere Kranke befanden, war ihm, nebst der vielen Beu. te, an einen schnellen Fortrücken hinderlich. Traf es sich, daß ein Weib gebähren wollte, so wurde mit der Trompete das Signal zum Haltmachen gegeben, und sogleich stgnd die ganze Armee unbeweglich stille. Hat- te sie nun gebohren, so wurde ein andres besonders Signal zum fernem Aufbruch geblasen. Eben dieß ge- schah auch, wenn sich! jemand dem Tode nahte. Der Kaiser selbst besuchte den Sterbenden. Die Priester bereiteten ihn durch Gesänge und Mittheilung der Sa- cramente zum Uebertritt in die Ewigkeit vor, und die Armee durfte keinen Schritt weiter thun, als biß der Leichnam begraben war. Bey der Tafel theilte er die meisten ihm Vorgesetzten Speisen unter Kranke, oder alte Personen aus, und ermunterte durch sein Bey. spiel die übrigen Gäste zu gleicher Mildthätigkeit. Kei- ne rauschende Musik ertönte, wenn er seine Mahlzeit hielt.: er kannte ein göttlicheres Vergnügen, mit frey- gebiger Hand Wohlthaten auözuspenden. Gegen Abend traf er in Damalis ein, bestieg sogleich ein kleines Schiff, und langte noch vor Einbruch der Nacht in Constantinopel an, weil er einen feyerli- chen Einzug vermeiden wollte. Von nun an beschäff- tigte er sich ganz mit der Sorge für die Gefangenen und die übrigen fremden Personen. Vater - und M"k' terlose Knaben übergab er seinen Anverwandten, oder that sie unter Aufsicht der Lehrer in den Klosterschulen, wenn sie sich schon dem geistlichen Stande gewidmet hatten , und ließ ihnen, als freyen Menschen, Unterricht in der Religion und andren Wissenschaften crtheilen. Noch andre that er in das von ihm neu errichtete, mit einer Schulanstalt verbundne Armen - und WaysenhauS. Es liegt in der Berggegend nach dem Meere hin, bey der der Paulskirche, und besteht eigentlich ans mehrern dikkf Gebäuden, die das Ansehn einer kleinen Stadt ge- > ^ wahren, der Aufenthalt Armer, Kranker, Gebrechli- eher und der vielen zu ihrer Wartung bestimmten Per- sonen sind. Bsyde Stockwerke sind mit dergleichen Menschen angefüllt, deren Anzahl so groß ist, daß man von Morgen bis Abend zu thun hat, wenn man alle y besuchen will, und doch wurden sie alle auf kaiserliche L ^ Kosten erhaicen und gekleidet. Dem Beyspiele des M Kaisers folgten seine Hofleute, und bereicherten es durch milde Stiftungen an liegenden Gründen. . Hier sah ich alte Matronen von jungen Mad- chen bedient, Blinde von Sehenden geführt, Krüp- ^ pel, an Händen und Füßen verstümmelte oder gelahm- smÄ ik Menschen, mit der besten Pflege versehen, und ^. Säuglinge von fremden Müttern gestillt. Diese An- stalt führt den Nahmen Waysenhaus, von denverway- sten Soldatenkindern, welche darinn ernährt werden. " ^ Sie hat ihren Vorsteher, der einer der angesehensten Männer ist, ein Archiv, worin die Urkunden ... . und Scheukungsbriefe verwahrt liegen, und eine eig» ne Gerichtsbarkeit, die sich über ihre Besitzungen er- nv« strE, Die Paulökirche war mit einer zahlreichen «ff (c^risey versehen. Denn auch auf die Geistlichkeit und die Diaconifsinnen erstreckte sich seine Vorsorge. Ungleichen erbaute er den iberischen Mönchen, die sich bisher vom Betteln ernährt hatten, an diesem iS Qrt ein geräumiges Kloster, und gab ihnen reichst- chen Unterhalt. ,, h« Linker Hand, wenn man hineinkommt, siehtlman die Kirche? und das Kloster. Zur rechten Hand steht das Schulgebäude, wo einige von ihren Lehrern in Gegenwart deZi Rectors jdurch vorgelegte Fragen um . G 4 terrichtee 104 kerrichtet werden, und andre sich schon in geschrieb- ! nen Aufsätzen (Scheden) üben. Hier findet man la- ! teinische, scythifche und gemeine griechische Kinder, j di« sich schon mit vieler Fertigkeit und Eleganz in der > griechischen Sprache ausdrücken. Die Schedographje ^ (ein Theil der Grammatik, in welcher die Jugend > zum Verständniß und zur Prüfung der Schriftsteller, j durch Zergliederung der Construction angeführt wird) ist eine neuere leidige Erfindung unsrer Landsleute, die das wahre Studium der elastischen Schriftsteller ver> drängt, und dagegen Silbenstechereyen, Wortklaubr- reyen, und andre Spielwerke eingeführt hat, die hlos auf leeren Wörrerkram hinauslaufen, bey dem der studierende Jüngling den Cursus gründlicher Wissenschaften ganz aus den Augen setzt. Dieß Unwesen, das man heut zu Tage mit den Scheden treibt, thut mir um so viel mehr wehe, da ich selbst eine geraume Zeit damit geplagt worden bin, biß mir endlich durch das Studium der Rhetorik und Philosophie und durch die Lectüre der Poeten und Prosaiker die Augen aufgiengen. Nach Verlauf einiger Zeit erhob sich in der Kirche eine neue bisher unerhörte Sekte, die aus den Ke- Hereyen der Manichäer oder Paulicianer, und der Messalianer entsprungen war. Ich meyne nämlich die Bogomilen, die vielleicht schon vor meines Vaters Regierung , aber doch nur im Verborgenen mögen da gewesen seyn. Der Bogomile ist ein Kopfhänger, ein Frömmling, der dem Aeussern nach ein ganz heiliger Mensch zu seyn scheint. Er sieht immer niedergesthkagen aus, geht biß an die Nase verhüllt und gebückt einher, aber unter dem Kleide steckt der Schalk, Diese böse Brut hat mein tz'- r- stz i ! mein Vater aus ihrem Schlupfwinkel hervorgezogen. Er nutzte die Muße, welche ihm jetzt der stille Feie- de gewährte, um sich ganz dem Eyfer für die Aufrechthaltung her Religion hin zu geben. Ein gewisser Mönch, Basilius mit Nahmen, war die erste Veranlassung, daß man von jener Sekte laut zu sprechen anfieng. Basilius hatte sich zwölf Anhänger, die er seine Apostel nannte, und einiges loses Weibsgesindel gesammelt, mit deren Beystand er vieles Unheil stiftete. Einige von den Bogomilen wurden eingezogen, und da sie gestanden, daß Basilius lhr Oberhaupt wäre, so bemächtigte man sich seiner. Der Kaiser betrug sich gegen ihn mit der größten Herablassung. Er stand vor ihm auf, ließ ihn sich niedersetzen , zog ihn an die Tafel, kurz, er versuchte alles, wodurch er sein Zutrauen gewinnen, und ihm einbilden könnte, daß er zu seiner Sekte übertreten wolle. Eben dieselbe Rolle spielte auch der Sebastocrator Isaak, indem er sich stellte, als wenn er bey seinem bisherigen (glauben keine Beruhigung gefunden habe. Anfangs suchte Basilius auf alle Weise auSzuwei- chen; allein die Lobfprüche, mit denen er überhäuft ward, und die Ehre, welche er genoß, machten ihn bald geneigt, sich offenherzig zu erklären. Hinter der Tapetenwand saß ein Schreiber, der alle seine Reden aufzeichnete. Es waren die unsinnigsten verwegensten Gotteslästerungen, welche der Mensch ausstieß. Er griff die Glaubenslehren unsrer Kirche an, nannte unsere Gotteshäuser Wohnungen des Teufels, und verwarf die Verehrung, die wir dem reib und Blut unsers ersten OberprjesterS und Märtyrers erweisen. Plötzlich fällt der Vorhang. Der Senat, alle hohen Officiere, und die Häupter der Geistlichkeit, nebst dem Patriarchen Nicolaus treten herein. Sein Geständniß wird G 5 ihm I o6 — - - ih!n vorgeleftn. Er leugnet es nicht , sondern erbis- tet sich tausendfache Marter und selbst den schmälig- stm Tod dafür zu dulden. Das Zutrauen, welches die Bogomilen auf die Hülfe der Engel sehen, macht sie gegen jede Vorstellung des Schmerzes empsindungs. los. Man versuchte nach der Zeit öfters ihn auf den rechten Weg zu bringen, aber jedssmahl vergebens. Einst, als er noch mit dem Kaiser in scheinbar guten Vernehmen stand, ereignete es sich, daß eine große Menge Steine gegen seine nahe beym Pallast gelegene Wohnung geschleudert wurde. Die Nacht war von Mond und Sternen erleuchtet- aber man konnte keinen Menschen erblicken, der die Steine würfe. Ganz gewiß hat der Teufel selbst diesen Spuck angegeben, weil es ihm wehe that, daß Basilius nicht bester schweigen konnte. Sein Wächter, der sich bey ihm befand, damit er mit niemand über Reli- gionSsiichsn sprechen durfte, betheuert es heilig, daß er zwar die Steine aber sonst keinen Menschen aus dessen Hand sie gekommen wären, erblickt habe, wo- bey ihm denn keine geringe Angst überfallen habe, zumahi da er auch eine Erschütterung des Hauses bemerkte. Ich würde die Sekte der Bogomilen ausführlicher beschreiben, wenn mich nicht, wie die schöne Sappho spricht, Schaam zurückhielte. Denn ich bin ein Weib, bin die ältste geehrteste kaiserliche Prinzessin, und mag nicht von Dingen reden, die man lieber mit Schweigen übergeht. Sie sind ohnedem bekannt genug, und wer sich genauer darüber belehren will, den verweise ich auf das Buch, das den Titel Dogmatik Panoplia (theologische Rüstkammer) führt, dessen Verfasser ein sehr gelehrter Mönch, Rahmens Zy- gaben !07 ÄÄ b« v l«v «L« M, dl, IN M liz, dsj ih» iiiii lik, W K^kj M'» z ,sie xsint' gaben ist. §6 ist auf Befehl meines Vaters geschrieben , und enthält eine specielle Darstellung aller Kehn eyen , nebst den Gründen, mit denen eine jede derselben von den heiligen Vätern bestritten ist. So wie Basilius, so waren auch seine Anhänger , und vornehmlich seine Apostel. Ein Theil derer, die man cingezogen, gestand es freymüthig, daß er zu den Bogomilen gehöre, der andre aber leugnete es hartnäckig. Wohlan! sprach Alexius; ich sehe mich gezwungen, euch insgesammt das Todesurtheil zu sprechen. Nun entschließt euch, ob ihr als Christen, oder als Bogomilen sterben wollt. Es find schon zwey Scheiterhauffen fertig. Bey dem einen steht ein Kreutz, zum Zeichen, daß derjenige, der ein rechtgläubiger Christ ist, hier sein Ende erwarte: die Bo- gomilsn verfügen sich zu dem andern Scheiterhauffen. Für dir erstem wird der Tod immer noch besser seyn, als ein schmachvolles Leben, und als der Schimpf für Bogomilen gehalten zu werden. Darauf wurden sie unter einer zahlreichen Begleitung des Volks an den Platz abgeführt, wo das Feuer schon brannte, und lheilten sich hier, so wie es der Kaiser gewollt hatte, in; zwey Parteyen. Die Zuschauer, welche von der geheimen Absicht des Monarchen nichts iwußten, bezeigten laut ihren Unwillen, daß so viele unschuldige Menschen ihr Leben verliehren sollten, als das Schauspiel sich auf einmal endigte. Die Christen wurden unter einem tröstlichen Zuspruch freygelaffen, die Bogomilen aber wurden in Verwahrung gebracht, und zwar den zwölf Aposteln ein besondres Gefängniß angewiesen. Einige von ihnen, welche sich nachher bekehrten, wurden wieder auf freyen Fuß gestellt, die übrigen mußten bis an ihr Ende in den Gefängnissen bleiben, wo sie an keinem Bcdürfniße Mangel litten. Nur roS Nur Basilius wurde als das Haupt der Ketzer vom Patriarchen und der gesummten Geistlichkeit mit kaiserlicher Genehmigung zum Feuer verdammt. Bey dem Scheiterhauffsn, auf welchem er sterben sollte, stand ein Kreutz, damit er noch in den letzten Augenblicken seines Lebens Gelegenheit hatte, sich zu retten, wenn er sich entschließen wollte, an das Kreutz zu treten. Unter den Zuschauern befanden sich auch mehrere Ketzer. Basilius gieng mit der größten Frey- müthigkeit zum Tode, lachte von Ferne schon über die großen Zurüstungen, die man seinethalben gemacht hatte, und sagte, es werden gewiß einige Engel zu seiner Rettung herbey kommen. Als aber das Volk auseinander trat, daß er den ganzen brennenden Schei- terhauffen zu Gesichte bekam, da überfiel ihn doch eine Bangigkeit, die man aus seinen Bewegungen zur Gnüge abnehmen konnte. Er wandte das Gesicht weg, schlug die Hände zusammen, oder auf die Hüften, unö verharrte dennoch in seiner Verstockung, so sehr ihm auch der Kaiser auch jetzt noch durch andre Personen zur Rückkehr zu bewegen suchte. Entweder muß ihm seine gegenwärtige jage, und die bevorstehende Todesangst den Gebrauch seines Verstandes geraubt, oder, welches mir noch wahrscheinlicher ist, der Teufel muß ihn so verblendet und betäubt haben, daß er bey allem, was er vor sich sah, fühllos blieb. Alle Anwesende hielten ihn für wahnsinnig. Bald drehte er sich nach dem Feuer, bald nach den Zuschauern hin, ohne doch einen Schritt vorwärts oder rückwärts z» rhun. Seine allgemein bekannten Großsprechereyen von übernatürlichem Beystande machten die Henkersknechte fürchten, es möchte doch wohl auf Gottes Zulassung der böse Geist einen fatalen Streich spielen, und ihren ihren Delinquenten unversehrt aus dem Feuer auf einen recht volkreichen Platz hinführen. Sie machten also vorher eine Probe, indem sie ihm den Mantel abnah» men, und ins Feuer warfen. Schaut doch, rief Basilius entzückt aus, wie mein Mantel da in der Lust siattert. So sehr hatte ihn Satan geblendet, daß er mit offnen Augen nicht sah, was vorgieng. Allein nun hatte man auch Beweise genug von der Nichtigkeit seiner Prahlereyen, und stürzte ihn sogleich ins Feuer, das ihn in einem Nu verzehrte. Man sah aus der Flamme werter keinen Rauch empor steigen, als nur einen ganz dünnen Dampf. Das Volk verlangte mit Ungestüm, daß auch die übrigen Vogomi- len mit einer gleichen Strafe belegt würden, aber der Kaiser gab eö nicht zu. Dieß war die letzte merkwürdige Handlung mit der mein Vater von dem Schauplätze der Welk abtrat. Seine Geschichte muß dem, der sie erlebte, mehr einem Traumgesicht, als einer wirklichen Begebenheit gleichen, so sonderbar waren die Vorfälle untereinander gemischt. Die Wuth der Barbaren, welche schon seine Vorfahren traf, erfüllte auch seine Regierung mit den jammervollsten Scenen. Hier Schlachtgetümmel und Kampf, dort Rauben und Molden, und ausiodernde Städte. Allenthalben stoß Christenblut. Wer dem Schwerte entrann, wurde in die Gefangenschaft geschleppt. In Höhlen, Klüften, Wäldern und Bergen fand man Flüchtlinge, di« vor dem Feind sich zu bergen suchten. Die Gattin trauerte um ihren Gatten. Eltern weinten um ihre Kinder. Brüder und Schwestern beklagten ihren gegenseitigen Verlust. Keiner von den vorigen Kaisern, Tjimisces und Basilius ausgenommen, haben einen Fuß nach Asien gesetzt. Schon US Schon wieder schweife ich ab. Verzeihe lieber Leser! Ich erzähle nicht blos, um zu erzählen, sim. dern auch, um meinem gepreßten Herzen Luft zu ma. chen. Ist es denn meine Schuld, wenn sich meinem Gedächtnisse Worte des entschlummerten Edcln auf. dringen, die mir bittre Thränen erpressen? Er wollte es nie zugeben, wenn meine Mutter ihn aufforderte, seine Geschichte beschreiben, zu lassen. „Weint, sprach er, jammert über das Schicksal, das mich ver- folgte." Noch waren seit seinem letzten Feldzuge keine an- derthalb Jahre verflossen, als ihn eine tödtliche Krankheit ins Grab streckte. Er war einst bey eineni heftigen Winde ausgeritten, und kfühlte gleich darauf Schmerzen in der linken Schulter. Alle Aerzte glaub- ten, es habe nichts zu bedeuten, nur der einzige Nicolaus KallicleS fand einige Bedenklichkeiten dabey, und riech dem Uebel durch abführende Mittel vorzubeugen, damit es sich nicht auf andre edlere Theile des Körpers warft. Für meinen ,Vater war dieß ein neues ungewohntes Mittel, so wie er überhaupt niemals Arzney gebraucht hatte. Kallicles Rach wurde verworfen. Ich selbst befand mich, auf Befehl meiner Mutter, in der Versammlung der Aerzte, und trat der Meynung des Erstem bey, doch konnte ich ihr nicht das Uebergewicht geben. Dießmahl gieng die Krankheit vorüber, stellte sich aber nach einem halben Jahre in andrer Gestalt wieder ein. Er klagte Herzdrücken, Beängstigungen auf der Brust, und schweres Athemholen; vorzüglich übersiel ihn häuffig ein Gähnen, und dann war es, als wenn ihn etwas hinderte, alle Luft hinabzuziehen. Die Aerzte schlossen aus dem Puls auf eine durchgängige Zertüt- ^ > Zerrüttung seines Körpers, deren Grund nicht in ei- K> i ner verkehrten Lebensart, sondern in den beständigen »is. Unruhen und Sorgen zu suchen war, die sein Her; ^ übernatürlich erhitzt, und ihm einen zu großen Zufluß ms. verschafft hatten. E.. er. ^ Die Engbrüstigkeit stieg von Tage zu Tage. Er »k, mußte, um einigermaßen freyer zu athmen, eine auf- !l- rechte Stellung annehmcn, denn, wenn er sich legte, so gerieth er in Gefahr zu ersticken. Ein Aderlaß am Arm thar keine Wirkung. Mehr Beßerung verspühr- te er nach dem Gebrauch des Pfeffers. Wir dank- Ml, ken schon Gott für seine rückkehrende Genesung, als Pj. sch leider ein paar Tage darauf die Krankheit wieder ms emstellte.— Wenn nur nicht das Pfeffertrankchen mehr geschadet, und die fehlerhafte Materie, statt U. sie zu heben, tiefer ins Blut getrieben hat. Kein be,, Schlaf trat ihm von nun an in die Augen. Arzeney und Nahrungsmittel konnte er fast gar nicht mehr ge- ^ nießen. Die einzige Linderung welche er sich verschaff- ^ ke, bestand darinn, daß er sich in seinem Bette um- ^ hertragen ließ, wiewohl auch dadurch nicht viel ge- M, Wonnen ward. Endlich nahm meine Mutter ihre Zu- ^ flucht zu Gott, ließ alle Kirchen erleuchten, und da- ^ selbst ununterbrochen Gesänge anstimmen. Jngleichen theilte sie weit und breit Allmosen aus. Mönche, Einsiedler auf Bergen und in Höhlen, oder andre, die ein abgezognes Leben führten, sprach sie um ihre ^ Fürbitte an, und gab Kranken und Gefangenen rei- che Geschenke, damit sie nur für den Kaiser beten ;,s möchten. «> Endlich schwollen Unterleib und Füße an, denen ^ man vergebens mit brennenden Mitteln zu helfen such- ^ te. Eg stellte sich ein hitziges Fieber, ein, und bald L> darauf tl» ^77.777--» darauf Geschwulst nebst Entzündung im Munde und Halse, so daß er nicht mehr schlucken konnte. Dich alles geschah innerhalb eilf Tagen, nach deren Verlauf noch eine Diarrhöe hinzukam. Früh Morgens am Donnerstage den fünfzehnten August merkten die Aerz- te, welche ihm den Kopf salbten, Zeichen des herannahenden Todes, und entfernten sich. Er bekam mehrere Ohnmächten, behielt aber immer noch seinen Verstand, und tröstete uns umstehende Kinder, vorzüglich die von Weinen und Wachen ganz erschöpfte Gemahlin, bis er allmählig abstarb. Noch vor seinem Ende nahm schon sein Thronfolger Besch vom kaiserlichen Pallaste. Ende. Denk Denkwürdigkeiten aus dem Leben Kaiser Friedrichs des Ersten beschrieben durch den Bischoff Otto von Freisingen. Denkwürdige, u. B- H HG!-Ä V - MG I1§ Friedrich an den B i scho ss. Mir Friedrich von Gottes Gnaden Römischer Kaiser, steter Vermehrer des Reichs, entbiethen unserm geliebten Oheim, Bischoff Otto vonFress singen, unsre Huld und alles Gute; ^l^ir haben die voii euch verfaßte Chronik, wor- inn ihr die Begebenheiten so lichtvoll auseinans bergesehk,vdnEw. Liebden mit vielem Vergnügen erhallen, und wünschen eifrigst, daß wir bisweilen nach beendigten Kriegöunruhen uns an Lesung derselben e» götzen, und uns Nach den darinn aufgestellten Mustern tresiicher Kaiser zu einem guten Regenten bilden möchten. Ich würde ohne weiteres Bedenken, auf eure an mich erlassene Bitte, euch den kurzen Abriß meiner Geschichte seit Erlangung der Kaiserwürde übersenden, wenn ich nicht besorgen müßte, daß sie gegen die Tha- ken meiner Vorfahren wie Schatten gegen Licht abstechen. Jedoch weil euer großer Geist Geringfügigkeiten erheben, und über einen kleinen Gegenstand viel Zu schreiben weiß, so will ich, mehr aus Vertrauen .aufeure Geschicklichkeit als auf meine Verdienste, dasjenige , was ich in einem Zeitraum >von fünf Jahren im Römischen Reiche gethan habe, hier kurz aufzeichneN, „Nachdem ich zu Aachen gesalbt worden, und die Krone des deutschen Reichs erhalten hatte, berief ich zu Merseburg um Pfingsten eine allgemeine Reichsver- sammlung, woselbst sich auch König Peter von Dänemark einstellte, und, nach abgelegtem Eyde, die Krone seines Reichs von uns zu Lehen empfieng^ Darauf machte ich den Bischofs von Zeiß, WichMann, zum Erz-r bifchoff von Magdeburg, gegen welche Wahl der Rö- H 2 Mische 1 I ü > ! mische Pabst heftige Protestationen einlegte, biß er sie endlich, weil sie an sich untadelhast war, billigte. Nach dieser Begebenheit ist mein Zug nach Rom zu merken , bey dem ich mit einem starken Heere in die Lom- bardey einrückte, wo die lange Abwesenheit der Kaiser den Unterthan übermüthig gemacht, und ihm so viel Vertrauen auf seine Kräfte eingestößt hatte, daß er sicheine Zeitlang empörte. Ihr Uebermuth reihte meinen Zorn zur gerechten Rache, und ich schleifte fast alle ihre Castelle. Die stolzen verschlagenen Mailänder suchten uns mit leeren Versprechungen hinzuhalten, und bothen uns vieles Geld, wenn wir ihnen die Herrschaft über Como und Lodi gestatten wollten. Da wir uns aber weder durch Geld noch durch gute Worte bewegen ließen, in ihr Begehren zu willigen, so führten sie uns aus ihrem blühenden Gebiete in eine öde Gegend, aus der wir, wider ihren Willen, nach drey Tagen entkainen, und eine deutsche Meile vor der Stadt Mailand unser Lager aufschlugen. Hier verlangten wir von ihnen, daß sie uns gegen Bezahlung Maaren liefern sollten, weil sie sich aber dessen weigerten, so ließen wir die ihnen zugehörige Stadt Rosatiun, die mit fünfhundert bewaffneten Soldaten beseht war, einäschern. Von nun an streiften unsre Soldaten biß vor die Stadtthore, wo sie viele verwunderen oder gefangen nahmen. Hiemit waren die Feindseligkeiten Zwischen uns und ihnen eröffnet, worauf wir über den Fluß Ticin nach Novara giengen, zwey verschanzte Brücken mit Gewalt einnahmen, und abwarfen, nachdem die ganze Armee sie passirt war, alsdann drey sehr starke Festungen, Minima, Gailard und Treca schleiften, und das Wcyhnachcsfest mit aller Fröhlichkeit begingen. Von hier sichten wir unfern Marsch durch Vercelli und Turin fort, verheerten den großen, wohl- befestigten Flecken Chiara, und legten die Stadt Asti B. 5'! MW rüsti D ichl W Alt» I ß»!, ^ in Asche« Das durch Natur und Kunst feste Torto- ' na gieng nach einer dreytägigen Belagerung an uns l Ai über, bis auf die Burg, an deren Eroberung uns Nacht l i» und üble Witterung hinderten; endlich aber mußte sich auch diese nach mehrmals wiederholtem Sturm und > dir! häufigem Blutvergießen von beyden Seiten, ergeben, bey her welcher Gelegenheit wir einen vornehmen Griechen, Ni- den der Marchese Malaspina hatte sehen lassen, aus i ch seinem Verhaft befreyten. Nach Zerstöhrung von Tor- Äer tona luden uns die Bürger von Pavia zu sich ein, um Eni, uns einen ehrenvollen Triumph zu gewahren, bey de- hm- nen wir auch drey Tage unter den Festlichkeiten der . K Krönung, und vielen Vergnügungen zubrachten, und dann, zufrieden mit dem Diensteifer der Pavesaner, wei- Hr> ter nach Romanien und Tuscien biß Sutri vorrückten, iA wo uns der Pabst mit der ganzen römischen Clerisey chiy freudig entgegenkam, uns väterlich die Einweyhung r du anboth, und seine Beschwerden gegen das römisch« i v Volk vortrug. So sehten wir mit Gemächlichkeit und ^ unter angenehmen Gesprächen unfern Weg fort, biß Ugss- wir endlich vor Rom eintrafen. Hier kamen uns De- ^ putirte der Römer entgegen , welche für ihre Abhan- gigkeit Geld forderten, und uns auch drey Eide vorleg- ten. Weil wir uns aber mit keiner erkauften Herr- ^ schaft begnügen und auch dem Volke keinen Eid leisten M wollten, so hielten wir mit den: Pabst und seinen Car- dinälen Rath, wie wir am füglichsten den uns geleg- ^ tm Fallstricken entgehen könnten. Zu dem Ende lie-- ßen wir auch unter Anführung des CardinalS Octavia- A nuö den größten Theil unsrer Ritter durch die kleine ^ Pforte bey der Peterskirche zur Nachtzeit einrücken, welcl-e auch sogleich das Peterkloster besehten. Den d»ii> Agenden Morgen kam uns der Pabst mit seiner Cle- ^ risey bey obbemeldeter Kirche entgegen und empfieng uns auf den Stufen derselben mit einer großen Pro- ^ H ? zeßion. ri« > —- — - zestion. Nachdem er am Altar der Apostel Petrus und Paulus die Messe zu Ehren der Jungfrau Maria cele- brirt hatte (denn es war eben Samstag) setzte er uns die Krone des römischen Reichs unter vielen Glückwünschungen auf, Hierauf begaben wir uns, von vieler Arbeit und Hitze ermattet, in unser Lager zurück, um daselbst Mittag zu halten. Unterdessen dringen die ^ Römer über die Tiberbrücke ins Peterkloster, erlegen zwey von unfern Leuten, plündern die Cardinäle, und haben den Vorsatz, den Pabst gefangen zu nehmen. > Kaum hörten wir draußen das Geräusch, so waren I wir auch schon wieder mit bewaffneter Hand in der Stadt, wo wir den ganzen Tag gegen die Römer fochten , von welchen bcynahe tausend, theils auf dem Platze blieben, theils im Fluß ertranken, oder lebendig in > unsre Hände fielen, biß endlich die entbrechende Nacht dem Gefecht ein Ende machte. Den folgenden Tag zogen wir, weil es uns an Lebensmitteln gebrach, in Begleitung des Pabstes und der Cardinäle, vergnügt über die erhaltenen Vortheile, von Rom ab, bemächtigten uns aller um die Stadt befindlichen festen Plätze, und hielten uns zu Alba einige Tage lang mit dem Pabste auf. Von da brachen wir nach Spoleto auf, dessen Einwohner sich empört, und ausser dem Grafen Guido Guerra unsre übrigen Gesandten ins Gefängniß gesetzt hatten, Es ist wahrhaftig eine sonderbare Fügung Gottes, daß wir diese so feste mit beynahe hundert Thürmen versehene Stadt innerhalb sechs Stunden in unsre Gewalt bekamen, und zwar mit Hülfe des Schwerts und des Feuers. Es wurde in ihr eine ansehnliche Beute gemacht, das mehreste aber wurde von den Flammen vekzehrt, und die ganze Stadt von Grund aus zerstöhrt. Nun gieng der Zug nach Ancona, wo uns Paläolog, aus der kaiserlichen Familie, nebst seinem Gefährten Maroduch, und den übrigen Gesandten ^ .! k«n von Constantinopel entgegen kam. Ihr Anliegen ia tz!> bestand darinn, daß sie uns durch Versprechungen gro- ßer Geschenke zu einem Feldzuge nach Apulien gegen Lch' Wilhelm, den Feind ihres und unsers Reiches zu über- reden suchten. Weil aber unsre Mannschaft durch vie- , ^ le Strapahen und Kriege sehr geschwächt war, so >> rie stimmten die Fürsten für den Rückzug. Die Griechen wandten sich, stolz auf ihre Menge, und ihre vielen ^ Schätze nach Apulien. Paläolog starb, nachdem er d«. Dan eingenommen, und dis Festungswerke geschleift ^ hatte. Wilhelm überfiel plötzlich die Griechen, nahm ^ einige gefangen, denn die mehresten wurden erlegt, E und erbeutete all ihr Geld. Wir aber kehrten froh ^ über die durch Gottes Gnade erhaltenen Siege, welr ^ che wohl noch nie ein Heer von tausend achthundert ^ Mann erfochten hat, nach Verona zurück. Die Vor- ^ falle bey dieser Stadt wißt ihr schon, daß nemkich ihre E, Einwohner uns auf dem Abhang eines Berges Hinter- ^ halt gestellt, daß derselbe niedergehauen, und zwölf er- henkt worden. Jngleichen wißt ihr ausführlich, daß M wir zwischen dem Herzog von Oesterreich, euerm Bru- ^ der, und dem Herzog von Bayern Eintracht gestiftet, und Friedrich ehrenvoll zum Erzbischofs von Cöln er- ^ hoben haben. Dieß wenige, in wenigen Worten be- Gai lüd«, mag euch Stoff zu einer weitern Ausführung «.ji »°d-n. d ki» ' ---- KM ,Wi H 4 Vor- Vorrede des V erfassers an den Kaiser. » Geschichtschreiber vor mir haben, wie mich dünkt, immer den Zweck vor Augen gehabt, durch Erzählung preißwürdiger Handlungen Eyfer für Tugend in den Herzen der Menschen zu erregen, diesthlech. ten hingegen entweder ganz mit Schweigen zu übergehen , oder, sie so ins Dunkle zu steilen, daß sie den Leser von sich zurückschreckcn. Daher Halts ich die Geschichtschreiber gegenwärtiger Zeit einigermaßen für glücklich, wo nicht allein die Stürme auögetobk, und aus dem vormals trüben Himmel der Friede mit nie gesehenem Glanze erschienen ist, sondern auch unter dem Sccpter des siegreichsten Fürsten, den Barbaren und selbst Griechen fürchten, das römische Reich der tiefsten Ruhe von innen und aussen genießt Ich bekenne es, La ich vor einigen Jahren mein Chronik schloß, und eine fremde Gottheit (der Geist der Kreuhzüge) den ganzen Occident beseelte den eben die Seegnungen des Friedens zu beglücken ansiengen, so faßte ich schon den Vorsah meinen Plan ganz aufzugeben, an dem ich schon etwas gearbeitet hatte. Aber dennoch war es, «ils wenn ich Ahndungen der Zukunft hätte; ich ergriff meine Feder von neuem, um die Vorarbeiten zu diesem Werke zu vollenden, dessen Verfertigung also gleichsam wider mein Wissen und Willen der gegenwärtigen Zeit Vorbehalten zu seyn scheint, in der man sich von dem besten Fürsten einen dauerhaften Frieden verspricht, wenn man anders bey Dingen, die einem steten Wechsel unterworfen smd, auf etwas gewisses hoffen darf. , 7 21 § ^l>- ^ch. M fü !, O ich tkk !UkII- '»«5 ,,B ,K chB «chl, K Mit dem Ausdruck fremde Gottheit verbinde man ja keinen falschen Begriff. Ich habe ihn blos aus einer Schrift entlehnt, die damals an vielen Orten in Frankreich herumgieng, und kann ihn füglich als einen rhetorischen Tropen erklären. In dieser Schrift wurde auf eine mystische Weise dem König Ludwig von. Frankreich die Eroberung von Babel und des ganzen Orients, wie einem zweyten Cyrus und Hercules versprochen. Es heißt darinn unter andern so: Wenn du kömmst an die Seite des ewigen sitzenden Quadrats, und an die Seite der ewigen stehenden Quadrate, und an die Vervielfältigung der heiligen Zahl durch den wirklich ersten Cubus, so erhebe dich zu derjenigen, die der Engel deine Mutter zu besuchen versprochen, und doch nicht besucht hat; und dann wirst du zum ersten vorletzten gelangen. Ist nun der Verhelfter desselben hinaufgestiegen, so fehlt die Verheis- sung in Rücksicht des schönsten Lohnes: und deine ro- stnfarbigten Fahnen werden biß an die Säulen des Hercules aufgepflanzt, dir wird das Thor der Stadt B. eröffnet werden. Denn dich hat der Verlobte zum obersten Segel erhoben, dessen Barke, welches vorne ein dreyeckigtes Segel führt, beynahe gefunken ist, damit dir dein Vorgänger folge. Dein L. wird also in C verwandelt werden, der die Wasser des Flusses auseinander getrieben hat, biß sie hinüber waren.- Diese Schrift wurde von den rechtschaffensten got- tessürchtigsten Franzosen so hochgeschätzt, daß einige sie als ein Stück der sibyllmischcn Bücher, andre für eine göttliche Offenbarung ansahen, die einem gewissen Armenier sollte wiederfahren feyn. Wer nun der Prophet such gewesen seyn mag, so kann er zusehen, ob seine Weissagung noch künftig durch einen Feldzug erfüllt werde: oder ob sie als nichtig verworfen, und ihr H ; erlang- lLS ' erlangtes Ansehn auf Rechnung der französischen Leichtgläubigkeit geschrieben werden müsse. Weil nun alles in bessern Zustand gesetzt ist, und nach den traurigen Kriegszeiten der erlangte Friede uns frohere Aussichten in die Zukunft gewährt: so Hab ich es für unverantwortlich gehalten, wenn ich eure Thaken mit Stillschweigen übergehen wollte, nachdem ich die Thaten andrer Könige oder Kaiser beschrieben habe. Es schien mir vielmehr ein höchstwürdigeö Unternehmen, eure Geschichte an die Geschichte der Andern zu knüpfen, damit sie wie eine Perle im Golds glanze.. Ihr fast allein habt unter den römischen Kaisern diesen wichtigen Vorzug, daß das Schicksal, ob-' gleich es euch von Jugend an zu den beschwerlichen Geschafften des Krieges gewöhnt hat, euch dennoch nie zu einem unanständigen Betragen hat verleiten können. Mäßigung im Glück, Herzhaftigkeit in Gefahren, Gerechtigkeit im Urtheilsspruche, Klugheit und Scharfsinn bey Entscheidung gerichtlicher Fälle, sind anerkannte Tugenden, die euch nicht bloße Uebung verschafft , sondern die Gott selbst zum. allgemeinen Wohl der Menschen in euch gelegt hat. Ich übergebe demnach gegenwärtige Geschichte eurer Majestät, und flehe Gott, dem Geber alles Guten an, daß er eurem guten Anfänge ein noch besseres Ende verleihe wolle. Bevor ich aber an die Geschichte eures Lebens komme, muß ich einige vorläuflge Nach- richten von eurem Großvater, Vater und Oheim vor- aussckicken, um die folgende Erzählung dadurch desto «lehr aufzuhellen. Wenn ich hin und wieder die Geschichte geistlicher und weltlicher Personen aus fremden Reichen hineinwebe, so muß das für keine müssige Ausschweifung erklärt k- Ol»! Ukst ! jP» rH- ! ! »ü! Frich Gm Nklim -sllm «An- Nr sch ö HM klärt werden, da die Geschichte aller Reiche und Völker sich auf den römischen Staat als die gemeinschaftliche Quelle bezieht. Eben dieß gilt von den philoso- . phischen Betrachtungen, zu welchen ich mich bisweilen ' erhebe, und worinn ich den Lucan, Virgil, und die übrigen römischen Schriftsteller als Vorgänger anfüh- rcn kann, die als Fabeldichter, als leichte Sänger der stillen reihenden Natur, oder als Geschichtschreiber ihrer erhabenen Fürsten und Weltbeherrscher, sehr oft in das Hciligkhum der Philosophie vordrangen. Auf die Weise findet so wohl der, welcher sich an Erzählung bloßer Thatsachen ergötzt, als auch derjenige, den nach höherer Erkenntniß dürstet, hier befriedigende Nahrung. — So will ich dann mit Gottes Hülfe mein Werk folgendermaßen beginnen. nz »W D - Erstes 124 Erstes Buch. Hinter Heinrich, dem vierten König, und dritten Kai- ser- dieses Namens , befand sich das Reich in der äußersten Zerrüttung. Der größte Theil der Großen Hatto sich gegen sein Oberhaupt aufgelehnt, und weit und breit im Lande wütheten Schwert und Flamme. Pabst Gregor Vll. benutzte diese Gelegenheit, wo der Kaiser von den Seinigen gleichsam verlassen war, um den Bannstrahl auf ihn abzuschleudern. Die Neuheit dieser Sache ( denn bisher war noch kein Kaiser einem solchen Verfahren ausgesetzt gewesen) erregte eben so viel Aufsehn als Unwillen. Heinrich hielt daher in der Bayrischen auf den Alpen gelegenen Stadt Besten eine große Reichsversammlung, bey der sich die meh- resten italienischen, französischen und deutschen Bischöf- fe einfanden. In derselben trug er mit vieler Wärme alle dis Beschwerden vor, welche er gegen den römischen Stuhl hatte, und die darinn bestanden, daß man in Rom in seiner eignen Stadt, wo er doch als König und als Patrizier die Hauptperson bey einer Bi- schoffswahl hatte seyn sollen, ohne seine Zuziehung einen Pabst erwählt, da hingegen der Kaiser, sein Vater, mehrere Pabste gleichsam ohne vorhergegangene Wahl auf den römischen Sruhl gesetzt habe. Seine Beschwerden wurden von den Anwesenden für gerecht erklärt, denn theils kam hier die Ehre der weltlichen Macht in Anschlag, theils waren auch schon dis Bischöffe von ihren Klerikern gegen Gregor eingenommen , weil er ihnen unlängst das Cölibak aufgedrungen hatte. Man erklärte also die Wahl Gregors .^ I2Z ! ^ ! gors VII. für ungültig, schalt ihn eine Abart von I Mönchsbrut, einen Schwarzkünstler, und ernannteden ^ Erzbischofs von Ravenna, Guibert, der den Namen Clemens annahm mit Genehmigung des Kaisers, zum Bischoff von Rom. An den abgehetzten Pabst ließ man U mit allgemeiner Zustimmung ein bittres Schreiben vol- > ker ler Schmähungen ergehen, worin es unter andern hieß: ch» „So wie ihr bisher zu sagen pflegtet, daß keiner von uns weit cm Bischoff sey, so sollt ihr wissen, daß keiner von uns «. euch hinführo für apostolisch halten werde." ,» 2. Hierauf rückt Heinrich mit einer zahlreichen iilhE Armee nach Italien bis vor Rom, vertreibt mit Beel» günstigung des römischen Volkes den Pabst Gregor, Ms, setzt an seiner Stelle den Guibert ein, und erhalt da- !»lek selbst den Kaisertitel. Der ehrwürdige Bischoffbegiebk mm sich, um der Verfolgung zu entgehen, in die tuscischen mH. Gebirge, wo er auf den Gütern der Gräfin Mathildes. dis, einer Anverwandtin des Kaisers, einige Zeitlang sicher aufgehoben war, erneuert dort seine Bannflüche, kW- und wiegelt durch Briefe, welche man noch an vielen Orten aufzeigen kann, die Fürsten des Reichs gegen g ^ ihren Kaiser auf. Darauf begiebt er sich nach Cam- x K panien oder Apulien, um hier den Rest seiner Tage bey den Normannen zu verleben, die vor kurzem diese Pro- HA. vinzen unter Robert GuiscardsAnführung überschwemmt, ^ und die Einwohner theils getödtet, theils vertrieben, oder unterjocht hatten, D ?. Robert war in der Normandie, aus einem mittelmäßigen Geschlechts, in dem Flecken den die sj« Einwohner Constantia nennen, gebohren, und gehörte zu derjenigen Claffe des Adels, welche man Vaivasso- ^ ren nennt. Er und sein Bruder Roger verließen, wie man sagt, auf Anrathen ihres Vaters und wegen Un- j«j ' flucht- 126 ftuchtbarkeit des Landes zur Zeit einer Hungersnoth ihren vaterländischen Boden, um in der Ferne einen bessern Wohnsitz zu suchen. Daher führt Robert auch den Beynamen Guiscard, der in seiner Muttersprache so viel als Landstreicher bedeutet. Endlich faßte er nach langem Umherziehen in Apulien oder Calabrien festen Fuß. Diese Longobardische Provinz war von einem tragen Volke bewohnt, dessen Unthärigkeic seine Kräfte zu sehr abgestumpft hatte, als daß sie zur Gegenwehr noch tauglich gewesen waren. Robert schickte also Boten nach Frankreich, welche von dem Zustande des Volks und der physischen Beschaffenheit des Landes Nachrich» te!« mitbrachten, und eben dadurch bey vielen die Lust erregten, Mit ihm aufEroberungen auszuziehen. Kurzsein Muth, seine List und Kunstgriffe machten ihn zum Ueberwinder eines erschlafften Volkes - und erwarben ihm endlich den Besitz von Campanien, Apulien, Calabrien, und SieiHen. Seinem Bruder Roger überließ er die Grafschaft Sicilien, für sich behielt er Apulien nebst Calabrien. Sein Sohn, der sich nachher in Griechenland und im Orient so ruhmvoll hervor- lhat, war Bohemund. Rogers Sohn hieß ebenfals Roger, der in der Folge den Königlichen Titel annahm, und Vater des itzt lebenden Königs Wilhelm ist. Um diese Zeit 1087. empörten sich die Sachsen und schleiften die Harzburg nebst der Kirche, bey der sich ein Domstift befand. Die Harzburg war' auf der sächsischen Grenze an einem sehr festen Ort angelegt, um jenes unruhige Volk dadurch im Zaum zu halten. Dießmahl lag die Ursache der Empörung nicht in dem aufrührerischen Charakter der Sachsen, sondern in dem Uebermuth des Kaisers, der als ein noch junger Herr, da sein Reich eines völligen Friedens genoß, beym Eintritt auf sächsischen Boden seine Verwunderung ZU Ost hlM chsl« !'°?l ÄL st- »,!> 127 »rch schr MM Hi rung an den Tag legte, daß im ganzen weiten Reiche keiner ausstände, an dem er seine Kräfte versuchen könnte. Es ist dieß kein gutes Zeichen, setzte er hinzu, sondern ein Beweis vom Sclapensinn. Sonst pflegen dergleichen Aeusserungen eben so leicht zu verhallen, als sie ausgesprochen werden, jetzt aber schlug sie riese Wurzel, und setzte in kurzer Zeit die ganze Provinz in Bewegung. UM Der Kaiser zog den Rebellen mit einem starken ich tapfernHeere enkgegen,bey welchem sich vier mächtige Her- iittß zöge mit ihren Truppen befanden. Zuentebald von ^ Böhmen, Guelf von Bayern,Rudolph von Schwaben, „und Gottfried von Lothringen, ausserdem noch andre «- Fürsten, Grafen und unzählige Ritter. Bey der Un- strut siel ein blutiges Treffen vor, das sich zum Vor- chk theil des Kaisers endigte. Nicht lange nachher empören, ten sich auch die beyden Herzoge Guelf und Rudolph, und schlugen sich zu den Sachsen. Gottfried von Lo- M. thringen aber that einen Kreutzzug in das Morgenland, D und starb als Herzog von Jerusalem. h HS ,1>j" Unterdessen fuhr Gregor immerfort, die Fürsten sowohl heimlich als öffentlich gegen den Kaiser aufzuwiegeln, und brachte es endlich dahin, daß Ru- dolph von Schwaben zum Gegenkaiser ernannt ward. (1077) Er soll ihm auch das Diadem unter folgenden Ausdrücken gegeben haben: kerra fleciit ksrro, ksrruL äiaäsma kdoäolpbo. ^ Rudolphs Tochter war mit Bertold von Zehrin- der Edelsten des Reichs vermählt. Er selbst zlw vlieh nicht lange nachher in einem Treffen gegen die sl Kmjttlichen, und wurde zu Merseburg mit Kaiserlichem " Pompe 128 Pompe begraben. Man erzählt, daß Heinrich, nach, dem er einigermaßen die Unruhen gedämpft, Rudolphs Grabstätte besucht habe, und von einem Anwesenden gefragt worden sey, warum er dem, der doch kein Kaiser gewesen, ein kaiserliches Begräbniß zugestehen könne ? Wollte Gott, war seine Antwort, meine Feinde ruhten alle so ehrenvoll. Nach Rudolphs Tode setzte sich Bertold in den Besitz des erledigten Herzogkhums Schwaben, als wenn es ihm von seinem Schwieger- vater wäre zugestanden worden. 8. Allein er konnte sich in demselben nicht behaupten, sondern mußte es an Friedrich von Hohenstauffen, der aus einer der berühmtesten gräflichen Familien in Schwaben herstammte, abtreten. Dieser Friedrich befand sich als ein kluger tapferer Mann an dem Hofe des Kaisers, in dessen Diensten er häufige Beweise seines unerschrocknen MutheS ablegte. In der bedenklichen Lage, worinn sich das Reich befand, rief ihn Heinrich einsmal zu sich, und that ihm in einer Privataudienz folgenden Antrag: „Ich habe, edler Graf, eure Treue und Tapferkeit hinlänglich geprüft, und kann mich euch jetzt um so viel zuversichtlicher anvertrauen. Das römische Reich befindet sich in einer traurigen Lage. Kinder lehnen sich gegen ihre Eltern, und Unterthanen gegen ihre Herren auf. Der Soldat bindet sich nicht mehr an den Eid, den er seinem Fürsten geleistet, menschliche Gesetze sowohl als göttliche Gebote werden in den Staub getreten, nur der Eid, mir dem sich Aufrührer in geheimen Winkeln zu unrechtmäßigen Handlungen verknüpfen, behalt sein Ansehen. Euch fordre ich auf, diesem Uebel zu steuern, und den Feinden des Reichs männlich entgegen zu gehen. Zur Vergeltung will ich euch mit meiner einzigen Tochter vermah» l Äil che ger- W, ieiii hsse !lh 'j!ri- V, ck « !lp i,r! j«,!» Ä! D ^ ILA vermählen, und mit dem Herzogthum Schwaben, wel- ches sich Bertold angemaßt hat, belehnen." Das Versprechen des Kaisers gieng in Erfüllung, und Friedrich zwang den Bertold endlich um Friede zu bitten. Nach andern Berichten soll dieß erst dem Sohn desselben, Friedrich, gelungen seyn. Die Bedingung des Friedens war, daß Bertold der herzoglichen Würde entsagen, und dagegen die ansehnlichste Stadt in Schwaben, Zürch, vom Kaiser erhalten sollte. Zürch liegt im Gebürge gegen Italien an einem See, in den sich der Fluß Leman ergießt, und war vormals eine kaiserliche Residenz, wo sich die Gerichte befanden, vor denen sich die Maylander stellen mußten, wenn der Kaiser sie bisweilen über die Alpen herübersorderte. Ueber dem Thore dieser eben so reichen als angesehenen Stadt ließt man folgende Worte: „Zürch die edle Stadt, gar viele Ding in Menge hat" Von dem Fluß leman, dessen auch Lucan erwähnt, führt jene ganze Provinz den Namen Aleman- nie». Daher ist es falsch, wenn man unter diesen) Namen ganz Deutschland versteht. Was den Bertold anbetrifft, so war er, ob er gleich in jener Sache gegen seinen Oberherrn und gegen Gerechtigkeit verstieß, dennoch ein braver tapferer Mann. Wenn jemand ihm eine üble Nachricht brachte, und, wie es in dergleichen Fällen zu geschehen pflegt, nicht gleich mit der Sprache heraus wollte, so redete er ihn getrost an: Sage mir nur, sprach er, was du auf deinem Herzen hast. Ich weiß, daß jederzeit Freude vor Trauer, und Trauer vor Freude geht, daher will ich vorher lieber das Böse hören und dann das Gute, als das Gute zuerst, und nachher das Böse.—> Wahrhaftig, eine Gesinnung die seinem Geiste Ehre Denkwürdig?. II. B. I macht. tzv macht. Friedrich behauptete das erlangte Herzogthum, ohne daß es ihm ein andrer streitig gemacht hätte, und beherrschte es eben so lange als glücklich. Er starb in einem hohen Alter, und himerließ zwey Söhne Fried, rich und Conrad , die er mit seiner Gemahlin Agnes erzeugt hatte. Sein Begräbniß ist im Kloster Lorch befindlich, welches er auf seinen eignen Gutem erbaut hatte» Bertold behielt nach der Zeit den leeren herzoglichen Titel bey, und pfianzte ihn auf seine Nachkommen fort, die sich noch alle biß auf den heutigen Tag Herzoge Nennen, ohne doch ein Herzogkhum zu besitzen; man müßte dann die Grafschaft zwischen dem Jura und Jupiteröberg, die nach Graf Wilhelms Tode sein Sohn Conrad vom Kaiser Lothar erhielt, ein Herzogthum nennen, oder den Titel vom Herzogthume Kärnthen ableiten, welches sie doch nie besessen haben, ohnerachtet ihre Familie sonst sehr reich und angesehen ist. Friedrichs verwittwete Gemahlin begab sich zu ihrem Bruder, dem Sohn des Kaisers Heinrich, und heurathete den Marggrafen Leopold von Oesterreich, da ihr Sohn Friedrich fünfzehn, und Conrad zwölf Jahre alt waren. Friedrich folgte, als der ältere, seinem Vater in der herzoglichen Würde. In diese Zeit fällt der Tod des Kaiser Heinrichs, der zu Lüttich in den Niederlanden starb, wo auch seine Eingeweide begraben liegen. Der übrige Körper wurde nach Speyer gebracht, und daselbst in der prächtigen Marienkirche, deren Stifter er war, neben seinem Vater und Großvater beygesetzr. Den erledigten Thron bestieg sein Sohn, Kaiser Heinrich der vierte, und als König der fünfte gleiches Namens. Seine Tapftr- E. Mi LA« B jl ft»,' RE lm. ich lidi, I . > - .— LZ! Kd, 8« > er- »l« !SÄ>' - kill k« !>» s-r ff Tapferkeit verschaffte ihm in kurzer Zeit den ruhigen Besitz des ganzen Reichs, und machte ihn nicht blos seinen Unterrhanen, sondern auch den benachbarten Völkern furchtbar. Seine Thaken die er zu Rom und in Italien ausgeführt, habe ich schon in dem vorigen Merke angezeigk, hier will ich nur noch blos eine Anecdote beybringen, die sich auf einen Vorfall Key der Eroberung von Bari bezieht. Als Heinrich in der glänzendsten Periode seines Lebens, wo ganz Frankreich vor ihm zitterte, die- st Stadt wider alles Vermuthen mit stürmender Hand einnahm, bekam er den Grafen Reinald gefangen, und zog darauf vor das Schloß desselben, Mousson, welches auf einem hohen Berge gelegen allen Angriffen Trotz bieten konnte.* Weiler es nun auf keine Weise zur Uebergabe nvthigen konnte, so ließ er einen Galgen errichten, und drohte den Grafen daran aufzuknü- pfen, wenn die Uebergabe noch länger verzögert würde. Die Besatzung erhält noch einen Tag Bedenkzeit, vor dessen Ablauf die Grästn mit einem Prinzen nieder- kommt, dem die Bürger sogleich den Eyd der Treue leisten. Den folgenden Tag wurden sie noch einmal aufgefordert, erklärten sich aber, daß der Tod ihres Herren hier nichts entscheiden könne, vorzüglich, da sie in der verwichenen Nacht einen neuen Herrn erhalten hätten. Dadurch wurde der Kaiser so erbittert, daß er augenblicklich den Grafen zum Galgen führen ließ. Viele Große legten zwar Fürbitten bey ihm ein, baten ihn, er möchte wenigstens sich vor Gott fürchten, er aber antwortete im Zorn: „Der Himmel ist des Herrn, die Erde hat er den Menschenkindern gegeben." Endlich ließ er sich doch besänftigen, schenkte dem Grafen das Leben, und führte ihn als Gefangnen mit sich in seine Residenz. I 2 Im IZS Im Jahr 1114. hielt er zu Maynz sein Berla- ger mit Mathildis, einer Prinzessin des Königs Hemrich von Engelland, bey welcher Gelegenheit die vielen anwesenden Fürsten eine Verschwörung anstifteten, deren Schrecknisse sich über das ganze Land verbreiteren, indem ausser Herzog Friedrich, dessen Bruder, und dem Pfalzgrafen am Rhein, Gottfried, kaum noch ein Fürst übrig war, der sich nicht gegen den Kaiser erklärt hatte. Was Friedrich von Schwaben theils in Vereinigung init dem Kaiser, theils allein in diesem Kriege merkwürdiges verrichtet, will ich hier nur kurz zusain- menziehen, weil alles noch bey jedermann in frischem Andenken ist. Er gieng aus Schwaben über den Rhein nach Frankreich, und brachte die ganze Provinz von Basel bis Maynz, die bekanntlich die wichtigste und mächtigste im Reiche ist, allmahiig zum Gehorsam. Denn er zog sich immer den Rhein hinab, und legre, wo er einen schicklichen Platz fand, ein festes Schloß an, das die benachbarte Gegend beherrschte. Daher pflegte man im Sprüchwort zu sagen: Herzog Friedrich schleppt immer am Schweif seines Gauls ein Castell hinter sich her. Was seinen Charakter anbetriffc, so war er eben so tapfer als klug und scharfsinnig, von einer heitern Gemüthöstimmung, die sich auch in seinen Minen aus- drückke, würzte seine Gespräche mit vieler Anmuth, u.id war so sehr im Rufe der Freygebigkeit, daß er eben deswegen bey seinem Heer großen Zulauf von Menschen hatte, die ihm freywillig ihre Dienste an- boren. Nachdem er die Provinz so weit in Ordnung gebracht hatte, kündigte er den reichsten und verschlagensten Reichsfürsten damaliger Zeit, dein Erzbischof von Maynz, Albert, den Krieg an, weil er Haupt und Urheber «ss, W !ei-^ W W A Mi M, P«, ckr W kt! es» V L! ^kin Ksii chig. me !»,lÄ »:i> -M >D Urheber der Rebellion wäre. Er fiel in sein Gebiet, verbee-.re alles ringsumher, und fieng dann mit einer unzähligen Menge Ritter und Mannen die Belagerung der Stadt an. Maynz ist eine große feste Stadt am Rhein, auf der Wasserseike dicht angebauk, und volkreich, auf der tandseite aber nur sehr sparsam bewohnt. Um dis Stadt herum zieht sich eine starke mit vielen Thürmen versehene Mauer. Sie hat eine erstaunliche Lange, dagegen aber eine verhältnißmäßig zu geringe Breite ; denn gegen Frankreich beengt sie ein mittelmäßig hoher Berg, gegen Deutschland der Rhein. Daher sieht man langst dem Rhein die schönsten Kirchen und Gebäude prangen, die andre Seite nach dem Berge ist bloß zu Weingärten und andern ökonomischen Nutzungen bestimmt. Der gemeine Soldat, von Hoffnung reicher Beute getrieben, bezeugte große Lust von dieser schlecht bewohnten Seite einzubrechen, und Friedrich hatte alles zu thun, um ihn davon abzuhalten, denn er befürchtete, der unvernünftige rasende Pöbel möchte bey der Plünderung auch die heiligen Oerter nicht verschonen, oder sie gar den Flammen Preiß geben. Unterdessen schickte Albert Deputiere an de» Herzog ab, die ihm so gute FriedenSvorschlage thun mußten, daß er im Verträum auf des Bifchoffs Redlichkeit seine Soldaten entließ, und von der Stadt abzog. Kaum hatte Albert dich bemerkt, so that er verratheriscyer Weise einen Ausfall. Jetzt erst merkte Friedrich die List, mit derer war hintergangen worden, jedoch ohne auch nur im mindesten zu zagen. Vielmehr erhöhte die Gegenwart des Feindes seinen Muth; er gieng mit dem Rest seiner zerstreuten Truppen den Bischöffiichen entgegen, und lieferte ihnen eine Schlacht, die so lange dauerte, I Z biß » -I' IZ4 --— - biß Graf Emicho fiel. Denn jetzt ergriffen die Franken, weil sie ihren Anführer verlohren hakten, die Flucht, und erlitten noch ehe sie die Stadtthore erreichten , einen großen Verlust an Todren und Gefangenen. Die Bürger von Maynz deren Anverwandte oder Freunde in dem Treffen geblieben waren, gerie- then darüber in eine solche Wuth, daß sie beynahe an ihren Bischofs Hand angelegt hätten- Ein andermal belagerte eben dieser Albert in Vereinigung mit iorhar, Herzog von Sachsen und andern Fürsten die im Speyerischen gelegene Stadt Limpurg, und würde sie erobert haben, wenn nicht Friedrich bey Zeiten zum Entsatz herbeygeeilek wäre. Während der Belagerung soll sich folgender Vorfall in der Stadt ereignet haben. Eines Tages verfammketen sich die Bürger, um zu berathschlagen, was sie unter gegenwärtigen Umständen, wo Hungersnoth sie zu bedrohen anfieng, unternehmen sollten. Einige riethen dieß, die andern jenes, bis endlich ein gewisser Ulrich von Horningen, der sich durch Größe seines Geistes und Körpers auS- zeichnete, unter ihnen aufsiand, und den Antrag that: die feisten Mönche, welche in ihrer Stadt ein Kloster hätten, zu verzehren, weil dieß immer noch besser sey, als sich aus Hunger dem Feind zu ergeben. Kaum hatten die Mönche hievon Nachricht erhalten, so öffneten sie unverzüglich ihre Magazine, in denen sich so viel Vorrath befand, daß die Einwohner, bis auf den Augenblick, da Friedrich ihnen zu Hülfe kam, auödau- ern konnten. Kurz Friedrich war in allen Stücken das wahre Ebenbild seines Vaters, ein braver Soldat, und redlicher Freund des Kaisers, der so lange die Ehre des angefochtenen Throns vertheidigte- biß die aufrührerischen Glieder des großen StaatSkörperö ihrem Haupte K' ',dM iDlli zAk schd r D hm Kim Bl Kjl tu W, K- ttff- 'K- kM M SA H' M >ch M chl !«i' - H' > ^-- rz; pte wieder Folge leisteten. Seine Gemahlin war Herzog Heinrichs von Bayern Tochter, mir der er den jetzt regierenden Kaiser Friedrich, und Juditha nachhcrige Gemahlin» Matthäus Herzogs von Lothringen zeugte. Kaiser Heinrich hielt nach erlangtem Landfrieden bey Utrecht, einer friesländischen Stadt, in der Pffugst- woche eine Reichsversämmlung, und starb daselbst eines natürlichen Todes. Seine Eingeweide wurden in Utrecht begraben, der Körper aber zu Speyer in dem Familienbegrabniste beygesetzt. Die Kaiserin Mathil- dis, König Heinrichs von Engellqnd Tochter, ließ sich durch falsche Versprechungen des Erzbischoffs von Maynz überreden, ihm die Reichskleinodien anzuvertrauen. Albert berief also nach einem alten Rechte, welches die Erzbischöffe von Maynz bey Erledigung des Thrones ausüben, die Fürsten des Reichs um die Herbstzeit in Maynz zusammen. Viele wünschten den Herzog Friedrich auf dem Throne zu sehen; jedoch) Albert war dagegen, der noch immer nicht die Kränkun/ gen verschmerzen konnte, welche er von ihm hatte erleiden müssen. Er brachte cs dahin. daß die Wahl einstimmig auf Lothar, Herzog von Sachsen siel, wo- bey er freylich mehr aus Privatabstchten, als aus Liebe zum allgemeinen Besten handelte. Denn die Wahl an sich selbst war zwar untadelhaft, weil Lothar als ein Mann von erprobter Rechtschaffenheit alle Achtung verdiente, aber sie gab doch zu großemZwiespalt Veranlassung. Der neue Kaiser verfolgte nemlich auf AlbertS Anrathen, der einen unversöhnlichen Haß auf Heinrichs Familie geworfen hatte, die Gebrüder Friedrich und Conrad, und zog vor Nürnberg, worinn sie als in ihrem erblichen Eigenthum, eine Besatzung hatten. Mit ihm hatten, sich die beyden Herzoge Ulrich von Böh- I 4 men i;6 - .- nien und Heinrich von Bayern vereinigt, jener aber wurde nach einiger Zeic wieder vom Kaiser entlasse», weil das rohe Gesindel, welches er mitgebracht hatte, weder Gott noch Menschen fürchtete, sondern alles in der Nahe verwüstete, ja nicht einmal der Kirchen schonte. Friedrich und Conrad erscheinen, nach genommener Verabredung mit den Nürnberger», zur bestimmten Zeit vor der Stadt, und erregen durch ihre Ankunft eins allgemeine Freude unter den Einwohnern, welche diese durch Schreyen und Singen an den Tag legten. Auf den Kaiser hingegen machten sie einen ganz andern Eindruck, denn er hob sogleich die Belagerung auf, und zog sich über Bamberg nach Würzburg zurück. Darauf fallen die Nürnberger über das verlassene Lager her, wo sie alles, was sie noch vorfanden , zur Beute machten; begleiteten darauf ihre Herren mit vielem Jubel in die Stadt, und wurden von ihnen mir Victualien, und andern Bedürfnissen versehen. Von hier gieng Friedrich, mit seinem Bruder, dem Kaiser auf dem Fuße nach, drang biß an die Mauern von Würzburg, vor welcher Scadt Lothar mit seinen Rittern ein Turnier hielt, schlug sich dann über Len Rhein nach Speyer, dessen Einwohner ihn auS schuldiger Achtung für seine kaiserlichen Vorfahren, die in ihren Ringmauern begraben liegen, ehrfurchtsvoll aufnahmen, und legte eine Besatzung hinein, die sich nachher so wohl hielt, daß der Kaiser in Vereinigung mit Albert von Maynz sie lange vergeblich belagerte. Ferner befehdete ihn Herzog Heinrich von Bayern , Heinrichs Sohn, und zwar auö Gefälligkeit gegen den Kaiser, dessen Tochter er zur Ehe hatte, obgleich Friedrich durch seine Gemahlin Juditha, Heinrichs Schwester, mir ihm in der* nahesten Blnksver- wandschaft ' L Bl ich; km Ken KL sir Irss Hee . - >Z7 wandschast stand. Er stand schon in Schwaben beym Fluß Wenritza, unweit der Donau, mir einem ansehnlichen Heere, als ihm Kundschafter die Annäherung der beyden schwäbischen Herzogs meldeten, welche Nachricht die Bayern so sehr in Schrecken setzte, daß sie eiligst die Flucht ergriffen, und über den vorhingenannten Fluß, der eben durch häufige Regengüße angeschwollen war, sich durch Schwimmen retteten, weil die Brücke für ihre Menge zu klein war. Zu einer andern Zeit begab sich eben dieser Herzog Heinrich nach Schwaben auf seine Güter. (Denn er war einAlemanne der Herkunft nach, und stammte aus der alten berühmten Welfischen Familie ab; daher besaß er in dem Theile Schwabens, der an die Alpen grenzt, viele erbliche Güter eigenthümlich. Man muß ihm das Lob eines untadelhaften Mannes beylegen, dessen Adel der Seele dem Adel seiner Geburt völlig entsprach. Bloß jenes Betragen setzt ihn dem Tadel aus.) Von seinen Gütern schickte er De- putirte an Friedrich ab, die ihn freundschaftlich warnen mußten, sich wieder mit dem Kaiser auszusöhnen, weil es doch zu hart sey, daß ein einziger auch noch so großer und guter Regent die Last des ganzen Reichs allein tragen könne. Zugleich erbot er sich , wenn sein Vorschlag angenommen würde, zum Unterhändler. Es wurde also das Kloster Zwiefalten, und der Tag zur mündlichen Zusammenkunft festgesetzt. Friedrich kam, ohne etwas arges zu vermuthen, mit einer geringen Begleitung an den bestimmten Ort. Heinrich hingegen erkundigte sich insgeheim nach der Stelle, wo er die Nacht zubringen würde, ließ darauf bey Nachtzeit sein Schlafgemach besetzen , und zeigte nur zu deutlich, daß er nicht als Freund, sondern als Feind gekommen sey. Zu gutem Glück entdeckte Friedrich in seinem I z Zim- r;8 - -.^ Zimmer eine geheime Thüre, durch die er in die Kirche , und von da auf den Thurm entkam. Unterdessen' brechen bewaffnete Personen in sein Zimmer ein, die ngchher, weil sie ihn hier nicht fanden, das ganze Kloster durchsuchten. Gegen Morgen war dieser Vorfall in der benachbarten Gegend schon ruchbar geworden. Die Getreuen des Herzogs eilten schaarenweise dem Kloster zu, wo man noch immer im Nachsuchen begriffen war, und so gar Feuer anzulegen drohte. Kaum hatte sie Friedrich bemerkt, so faßteer Much, foderte den Heinrich heraus, und redete ihn folgendermaßen an : „Ihr habt, guter Herzog, widerrechtlich gehan- delt, und euch nicht als Freund, sondern als Feind betragen. Eure Handlung stimmt weder mit den Gesetzen der Ehre, noch mit den Pflichten unsrer nahen Verwandschaft überein. Damit ich aber nicht Böses mit Bösem vergelte, so will ich euch rachen, meine Getreuen, die von ollen Seiten herbeykommen, nicht zu erwarten." Einige wollen dieß Betragen Heinrichs theils damit entschuldigen, daß sie beyde damals wirklich Feinde waren, und also jeder das Recht hatte, den andern zu überlisten, theils sagen sie, daß er als ein treuer Vasall des Kaisers, aus der guten Absicht, die Ruhe im Reiche herzustellen, so habe handeln müssen. Die Uneinigkeit zwischen Friedrich und Lothar siöhrte fast zehn Jahre lang den Landfrieden in Deutschland. Die weitere Anführung derselben kann man in meinem vorigen Werke sinden. Hier will ich nur noch eines merkwürdigen Unglücks gedenken, das dem Kaiser tiefe Wunden schlug. Ein gewisser Otto, Graf von Mahren, bot ihm eine große Summe an, wenn er nach Böhmen ziehen, und ihn mit diesem Herzogthum belehnen wollte. Ulrich, >r^ !/' M, s-t, Ulk! Mit lu°g M INI lU, U, -ich A« ^ ll! !L rle». im Ü!< kil »»dt«. 8sü Hw if B rZS Ulrich , der damals schon im Besch derselben war, suchte den Feldzug durch gütliche Vorstellungen zu Hintertreiben. Allein der Kaiser ließ sich nicht abhalten, sondern zog zur Winterszeit mit seinen Sachsen in die Wälder auf der sächsischen und böhmischen Grenze, woselbst sich auch Ulrich an einem kleinen Flusse lagert. Der tiefe Schnee, welcher eben gefallen war, verursachte, daß jener den Weg verfehlte, und an diesen Fluß gcrieth, bey dem seine Soldaten, die von Hunger und Strapahen ganz erschöpft waren, ausru- hen wollten. Die Böhmen merkten aus dem getrübten Wasser des Flusses, daß der Feind in der Nähe sey, überfallen den noch ermüdeten Vortrab, und reiben ihn gänzlich auf, indem sie, ausser einigen Gefangenen, die übrigen ohne Barmherzigkeit erwürgten, von denen nur wenige ihrem Schwert entrannen. Der Kaiser konnte durch die engen Höhlungen den Seini- gen keinen SuccurS -zusenden, und mußte sich auf einen Hügel mit den wenigen noch übergeblieben Truppen zurückziehcn, wo er aber völlig vlokirt gehalten ward. Ulrich ließ den Hügel ringsum besehen, und alle großen Bäume umhaueu, damit ihm nirgend ein Ausweg übrig bliebe. Endlich begiebt sich dieser auf Vermittlung seines Schwestersohns, Heinrichs Markgrafen von Sachsen, der unter den kaiserlichen Gefolge war, in aller Ehrerbietung zu Lothar, unterwirft sich ihm, legt den Eyd der Treue ab, liefert die Gefangenen aus, und wird dagegen mit dem böhmischen Herzogthume belehnt. Hiermit war die Blokade beendigt. Der Kaiser kehrte, wiewohl nicht ohne große Betrübniß zurück, und nahm die Leichname der Edlen mit sich. Unter den Gefangenen befand sich auch Albert Markgraf von Sachsen, und unter den Gebliebenen Otto Graf von Mähren, der an dem ganzen Unglück Schuld l4» Schuld war. UebrigenS gab dieser Vorfall Anlaß zu einem Nationalhaß zwischen Sachsen und Böhmen, der noch bis auf diese Zeit fortglimmt. Was endlich die fernere Geschichte Lothars anbe- trifft, so waren seine folgenden Kriegszüge nun desto glüci licher. Er dampfte alle Unruhen, kehrte siegreich aus Italien zurück, wurde aber unterwegens bey Trient von einer schweren Krankheit überfallen, an der er im Gebürge, in einer schlechten Bauerhütte, starb. «M Herzog Friedrich heurathete nach dem Tode seiner Gemahlin Judith, zur Zeit da er noch in Fehden verwickelt war, Agnes, Tochter des Grafen Friedrichs von Sarbur, dessen Bruder Bischoff Albert war, und zeugte mit ihr Conrad, der als Pfalzgraf und itziger Rheingraf bekannt ist, und Claritia nachherige Gemahlin des Grafen Ludwig von Thüringen. Nachdem Kaiser Lothar gestorben, und im Kloster Lutter, welches auf seinen eigenen Gütern liegt, begraben war, erwählten dis zu Coblenz versammieten Fürsten den Herzog Conrad, Friedrichs Bruder zu seinem Nachfolger, worauf die Krönung zu Aachen erfolgte. Diese Wahl konnte um so leichter zu Stande kommen, da der Haß gegen Kaiser Heinrich bey den mehresten schon aufgehört, und Albert Erzbischoff von Maynz unlängst das Zeitliche gesegnet hatte. Dazu kam noch, daß Heinrich von Bayern die mehresten, welche unter Lothar dem Feldzuge nach Italien beyge- wohnt, durch seinen Hochmuth gegen sich gereiht hatte. Sch« teil D dslii »iW M chm «ich itzr« ich Ä m Während der Vacanz des erzbischöfstichen Stuhls begab sich Herzog Friedrich nach Maynz, und brachte cs bey Geistlichen so wohl als Weltlichen dahin, daß sie seiner zweyten Gemahlin Bruder, Albert den hungern zum Erzbischoff wählten, und darüber kayserlich/ Best«- M- »r!k Ab. Äk - - !? B k«D — l4i Bestätigung erhielten. Allein dieser Albert betrug sich völlig als das Ebenbild seines Vorgängers und Oheims. Er vergalt die empfangenen Wohlthaten mit Undank, und bezeigte gegen seinen Monarchen nicht ganz die Treue, die er ihm schuldig war. Um diese Zeit kamen einige sehr vornehme Gesandte des Kaiser Johannes ans Constantinopel an, in der Absicht die Allianz zwischen dem abendländischen und morgenländischen Reiche gegen Roger von Sicilien zu erneuern, und zu einer festem Verknüpfung derselben eine kaiserliche Prinzessin zur Gemahlin des griechischen Prinzen zu verlangen. Conrad aber bestimmte die Schwester seiner Gemahlin dazu, und schickte deshalb den Bischofs von Würzburg Embrico, einen klugen, gelehrten Mann, nach Griechenland ab. Als dieser in Constantinopel eintraf, war schon Johannes mit Tode abgegangcn, und sein Sohn Michael saß auf dem Thron , bey dem er seine Aufträge mit so vieler Geschicklichkeit ausrichtete, baß das Beylager in der Woche nach Epiphanias mit aller Pracht zu Constantinopel gefeyert ward. Ausserdem besorgte er daselbst noch einige andre öffentliche Geschäffte, wurde von den Griechen sehr ansehnlich beschenkt, und starb auf der Rückreise bey Aguileia. In diesen Angelegenheiten wurden von beyden Kaiserhöfen mehrere Briefe gewechselt, die ich aber um Weitläufigkeit zu vermeiden, nicht alle liefern kann: Schreiben Kaiser Conrads. Conrad von Gottes Gnaden Römischer Kaiser, enb- biethet dem Johannes, von Gottes Gnaden Kaiser von Constantinopel, Heil, brüderliche Liebe, Freundfchüst, Ehre und Ruhm. Die 542 F>ie Verträge, welche meine Vorfahren, die M- mischen Kaiser, mit den euren, den griechischen Kaiser eingegangen sind, gehe ich auch ein; und wie jene es gehalten haben, will ich es auch halten. Es ist kein Volk, kein Reich, keine Nation, welche nicht anerkennen, daß euer neues Rom eine Tochter unsers römischen Staates sey und heiße, und sich aus ihm als ein Sprößling aus seiner Wurzel entwickelt habe. Daher bestimmen wir den Antheil, den die Tochter von der Mutter fordern kann, und wollen daß er so biß auf ewige Zeiten bleibe, vorzüglich da, wie wir sehen , die Tochter der Mutter alle ihr zuständigen Rech, te anerkennt, daß diese nehmlich vermöge ihres mütterlichen Ansehns mit Rath und That vorangehe, jene über als eine geliebte Tochter ihr an Ruhm und Ehre gleich komme. Es walte demnach zwischen uns beyden ein gemeinschaftliches Interesse. Der Freund oder Feind des einen sey auch Freund oder Feind des andern. Wer die Tochter nicht ehrt, sey er Normann, Sicilianer, oder irgend ein andrer, zu Wasser und zu Lande, soll die Kraft des mütterlichen 'Arms erkennen und fürchten lernen — denn weder ich, noch Meine Vorfahren, haben je die Feindseligkeiten vergessen, welche gegen das Reich und die römische Hoheit verübt worden sind. Aber mit Gottes gnädigem Beystande wollen wir einem jeden, nach Maaßgabe seiner an uns begangenen Bosheit, vergelten. Die ganze Welt soll es sehen und hören, wie leicht die Räuber, welche sich gegen unsre und eure Monarchie erkühnt haben, danieder geschlagen werden; denn mit Gottes Hülfe wollen wir, sobald sich unsre Fittige ausbreiten, den Feind, der mir eben flattert, erhaschen, und ihm den Frevel, der unsrer Reiche Ehre und Ruhm antastet, aus dem Herzen reissm. Oi zB dch W U> .c- chtz - ß >MfU N Schiit !k fs !l!« ^ch. «ch ^,D m;!> K il«, MW «lk MB reissen. Wir wollen uns also gegen euch so betragen, als Recht und Freundschaft eö verlangen; und so auch ihr gegen uns, vorzüglich, da wir durch die Vermäh- lung der Schwester meiner Gemahlin mit eurem Prinzen näher vereinigt sind. Da wir aber auch glauben, daß ihr an unsei m Glücke frohen Ancheil nehmt, so habe ich es für gut befunden, euch als meinem geliebtesten Bruder und Freunde, dasjenige mitzutheilen, was auf dem allgemeinen Reichstage nach Abgang eurer Gesandten verhandelt worden. Ich muß euch also melden, daß alle, welche unserer Herrschaft übel wollten, zur Ruhe gebracht sind, und unser Reich eines vollkommenen Frie- denö genießt. Ferner Frankreich, Spanien, Engelland, Dännemark, und alle benachbarten Reiche zeigen uns durch ihre beständigen Gesandschaften die schuldige Ehrfurcht und Folgsamkeit, und bekräftigen durch Ey- de sowohl als durch Geißel, daß sie dem Willen meiner Majestät sich stets bereit erweisen wollen. Der Pabst, ganz Apulien, Italien und die Lombardey erwarten sehn- lichst mit jedem Tage unsre Ankunft, und verlangen in aller Unterwürfigkeit, von unsrer kaiserlichen Macht unterstützt zu werden. Deshalb schickten wir, um die Gesinnungen des Pabstes zu erforschen, unfern vielgeliebtesten, treflichsten Reichsfürsten, euren Freund, Em- brico Bischofs von Würzburg, nach Rom. Da wir nun feinen Willen wissen, so haben wir nach eingezo- genem Schluß unserer Fürsten, unfern Edeln Getreuen , Robert, Fürsten von Capua, und unfern vielgeliebten Capellan Albert als Gesandte an euch geschickt, von denen ihr erfahren werdet, was zu unsrer Reiche Ehre dient. Diese werdet ihr so betrachten, als wenn wir selbst mit euch sprächen, und, wie wir es als geziemend von euch hoffen und glauben, dasjenige khun, was sie 144 --------------- sie euch sagen. Jngleichen werdet ihr ohne Verzug würdige und tüchtige Bevollmächtigte an uns absenden, und unsere Gesandten sogleich wieder abgehen lassen. Was die Russen anberrifft, von denen einige unserer Un- terthanen erschlagen, und geplündert sind, so werdet ihr in dieser Sache das thun, was ich von einem Freund und Anverwandten erwarten darf, und was ihr mir schriftlich versprochen habt. Auch wolle eure Majestät sich gegen die bey euch befindlichen Schwaben hold und liebreich beweisen. Jmgleichen ersuchen wir euch, unfern Unterthanen, den Deutschen, die sich zu Constan- tinopel befinden, in Hinsicht göttlicher Belohnung und unsrer Fürsprache, PlaH zum Bau einer Kirche anzuweisen. Endlich füge ich nochmahlS die Bitte hinzu, welche ich im vorigen von meinem obbenannten Capel- lan überreichten Briefe, bey Gottes Liebe und Ehre Zechau habe: denn ist der, welcher Könige beglückt, unter uns, so ist cs auch gewiß, daß es unfern Feinden nicht wohl gehen könne. Regensburg. Antwort des griechischen Kaisers Johannes. Johannes Comnenus PorphyrogenituS erhabener mächtiger Beherrscher und Kaiser der Römer, an seinen allerdurchlauchtkgsten Bruder und Freund seines Reichs. Ällerdurchlauchtigster König, und Freund meines Reichs. Euer letzteres, durch euren Bevollmächtigten an uns erlassenes Schreiben hat uns viele Freude verursacht. Denn der geneigte Wille, den ihr als Verwandter und Freund durch Briefe, Worte und Werke gezeigt habt, muß euch nothwendig unsre ganze Zuneigung erwerben. Daher haben wir verschiedne unsrer ge- HW d O« Dl kD «m inIji k» liirch > t«, getreuesten und vertrautesten Freunde an euch abgeschickt, um alles, was ihr von uns verlangt, und um welches ihr uns geschrieben habt, in Richtigkeit zu brin- gen. Denn ich will mit Gott in allen Dingen als Freund, Verwandter, und Bruder gegen euch handeln und nichts Unterlasten, wodurch ich eure Ehre zu befördern glaube. Der von euch in gegenwärtigen Angelegenheiten erwählte Mittler, Petrus Polanus, Doge von Venedig, hat als ein rechtschaffener unparteyischer Mann meinen Beyfall. Wegen Apulien und der Lombardei haben wir unfern Abgeordneten unsre Meynung mitge- theilt, denn, obgleich sie eigentlich zum Empfang meiner künftigen allerdurchlauchtigsten Schwiegertochter bestimmt sind, so Hab ich ihnen doch auch noch andre Aufträge mitgegeben. In Absicht des Vorfalls in Rußland hat meine Majestät solche Verfügungen getroffen, als sie in der Angelegenheit meines Freundes und Verwandten von mir erwartet werden können. Was ihr mit wegen eurer Ritter schreibt, die in eurem Briefe namentlich verzeichnet stehen, das Hab ich alles und noch mehr gegen den Verstorbenen gethan. Gehabt euch wohl Allerdurchlauchtigster König, Freund ineines Reiches. Conrads Schreiben an den griechischen Kaiser Manuel. Conrad von Gottes Gnaden römischer Kaiser, entbeut seinem geliebtesten Bruder Manuel Com- nenuö Porphyrogennetus, dem berühmten und glorreichen griechischen Kaiser, Heil und brüderliche Liebe. Lenkwürdigk. II. B. K Wir rgü - —. -r §Mir haben den von euch, als von einem so großen werthcn Freunde erlassenen Brief mit vielem Vergnügen empfangen, und daraus zu unsrer großen Freude ersehen, daß ihr euch im erwünschtesten Wohlstände befindet. Ausser dem aber, was in eurem Schreiben stand, mußte ich von eurem Gesandten Nicephorus einige harte, und, die Wahrheit zu gestehen, bisher unerhörte Worte mir sagen lassen, wodurch meine Langmuth aufs äusserste gereiht, und das ganze Reich in Erstaunen gesetzt wurde. Wir wundern uns, daß gerade dieser Mann uns solche Bitterkeiten sagte, da doch das griechische Reich unter allen übrigen in der Welt sich durch Weisheit, Bescheidenheit und Mäßigung ausgezeichnet hat. Härte er meinen einzigen Sohn Heinrich vor meinen Augen erwürgt, so würde der Zorn nicht höher haben steigen können, als er itzt in mir auswallte. Drey Tage lang war ich durch keine auch noch so gute Vorstellungen zu gewinnen, bis er mich endlich am vierte» Tage durch annehmlichere Reden wieder aufmunterte, und mir dann euren Willen eröffnete. Weil es dennoch so ist, und seyn muß, daß ihr, werthester Freund, die Schwester unserer Gemahlin zur Ehe empfanget, so wollen wir hiemit einen ewigen Bund unzertrennlicher Freundschaft knüpfen, die wir durch euren gegenwärtigen Bevollmächtigten mündlich und schriftlich haben bekräftigen lassen, nemlich dergestalt, daß wir Freunde eurer Freunde, und Feinde eurer Feinde seyn. Demnach könnt ihr versichert seyn, daß, wenn euch irgendwo einige Beschwerde oder Unrecht zugefügt ist, wir sie ansehen wollen, als wenn sie uuS geschehen sey, wozu uns eure hohe Tugend , Stand, und unsre nahe Verwandschaft aufjordert: daß wir euch nemlich als unfern geliebtesten Sohn väterlich umfassen, und alles, was euch gestillt, bereitwillig unterneh- .O k'.' «« Eg !>'k Ich >»» iH! -47 chrÄs jerU. dieser 'jsssi- t'M >H» »ch ßV «4 §Al Di, ijs h. men. In diesem Betracht halte ich es für gerecht und billig, von euch ebenfalls für uns und unser Reich Bestätigung gleicher Freundschaft zu verlangen, damit, wenn alles ehrlich gehalten wird, beyden Kaiserthümcrn die ihnen schuldige Ehre daraus erwachse, und Christi Religion durch die ganze Welt verherrlichet werde. In Rücksicht der fünfhundert Soldaten, welche eure Majestät verlangt hat, antworten wir dieses, daß wir euch nicht bloß fünfhundert, sondern zwey bis drey- tausend, wenn ihr deren bedürftig seyd, überlassen wollen : ja was noch mehr, wir erbieten uns, euch, als unseren innigst geliebten Sohn, und theuresten Bruder, lieber an der Spitze des Kerns unsrer Reichstruppen in eigner Person zur Hülfe herbeyzueilen, ehe wir es zugeben, daß auch nur das mindeste an eurer Ehre gekrankt werde. Dem Verlangen eurer Majestät, euch angesehene und werthe Personen als Gesandte zu schicken, sind wir auch nachgekommen, indem wir folgende Personen hiezu erkohren haben : den ehrwürdigen Bisthof von Würzburg, einen erlauchten und großen Fürsten unserS Reichs, der unser Herz und Seele ist: und unfern vielgeliebten Robert den erlauchten und edlen Fürsten von Capua : ferner zwey Brüder, welche gleichsam als unsre beyden Hände zu betrachten sind: Berns einen einsichtsvollen Geistlichen, und seinen Bruder Riwin, einen edlen Mann, der mein ganzes Vertrauen besitzt: ausserdem noch einen meiner Reichsfürsten, den erlauchten Grafen von Adrian, dessen Treue und Standhaftigkeit bey mehrern Vorfällen erprobt ist: endlich unfern getreuen Walter. Diesen habe ich dasjenige, was in meinem Schreiben nicht stand, anvertraut, deren Worten ihr also trauen, und, was sie euch sagen, so ansehen könnt, als wenn es von uns selbst herkame. K 2 Wegen »48 Wegen der Russen, von denen wir eurem Vater, Kaiser Johann, gottseligen Andenkens, durch unfern Ca- pellan Adalbert, und den Grafen Alexander von Gra- vina schriftliche Aufträge gegeben haben: wegen des Orts, wo unfern Deutschen zur Ehre Gottes eine Kir- che zu erbauen soll gestattet werden, und wegen der edlen apulischen Barone, Alexander von Clairmont, Philipp von Sure, des Grafen Heinrich, und Senne Pustel , wird euch der Bischof von Würzburg, nebst den übrigen unsrer Getreuen, unsre Meynung eröffnen, de- nen ihr so gut, wie uns selbst, Glauben beymesseu könnet. In allen diesen Angelegenheiten empfehlen wir euch angelegentlich euren getreuen Gesandten Nieepho- ruS, unerachtet er uns anfänglich sehr unangenehme Dinge gesagt hat, und bitten, daß ihr ihn, weil er ss standhaft ausgedauert, belohnen möget. 4 Des Des ersten Buchs ssr. ch- !kll le. A. !ls» Zweyter Theik. 1 Unterdessen war Friedrich, Herzog Friedrichs Sohn, " schon zum Ritter herangewachsen, und durch kriegerische Spiele zu künftigen ernstlichen Geschafften geübt, die er noch bey Lebzeiten seines Vaters unternahm. Dahin gehört sein Zug nach Bayern gegen Gras Heinrich von Wolfratshaufen. Die Bayern, vorzüglich die Grafen und Ritter, harten sich auf dem Schloß desselben versammelt, um gleichsam ein Turnier,, welches wir jetzt'gewöhnlich Kunclinae benennen, zu halten,, und erwarteten den Friedrich ausserhalb der Mauer in voller Rüstung. Sie mußten sich aber nach einem langen und tapfern Widerstande in das Schloß zurückziehen, bey welcher Gelegenheit Graf Conrad von Dachowe, der nachher Herzog von Croatien und Dalmatien ward, in Gefangenschaft gerieth, und von Friedrich fortge- führt wurde. Doch setzte ihn die Großmukh desselben unentgeldlich, wieder in Freyheit, so sehr auch andre riechen, sie ihm nur gegen ein großes Lösegeld zu verkaufen. Im Jahr n z8> kündigte er dem Herzog Conrad, des obengenannten Herzog Bertolds Sohn, Fehde an, eroberte die Stadt Zürch, und legte eine Besatzung hinein. Darauf drang er in Vereinigung mit einigen Rittern , ohne irgend einen Widerstand zu finden, bis fast an die äußerste Grenze von Schwaben, bis Zähringen, eine Stadt jenes Herzogs, vor, eroberte ein zu derselben gehöriges Schloß, welches allen, die es noch sehen, unüberwindlich scheint, und setzte wider alles Vermuthen dem tapfern reichen Herzoge so heftig K Z zu, zu, daß er zu seinem Vater und Oheim sich begeben, und demüthig um Frieden bitten mußte. Im folgenden Jahre stand ein gewisser Arnold zu Rom auf, besten Lehren dem Priesterrock, den er trug, nicht im mindesten entsprachen. Aus Haß gegen die Vorzüge des geistlichen Standes wollte er die Sena- lorwürde und den Ritterstand, wie sie ehemals gewesen waren, einführen, und wiegelte fast die ganze Stadt vornehmlich aber den Pöbel gegen den Pabst auf. Die Verwegenheit oder vielmehr der Wahnsinn der Römer gieng so weit, daß sie einen Brief folgenden Inhalts an den Kaiser erließen. Dem hochberühmtesten trefli'chen Herren der Stadt und des gefammten Römischen Reichs, Conrad von Gottes Gnaden Römischen Kaiser, entbietet der Senat und das Volk zu Rom Heyl und glückliche glorreiche Regierung des Reichs. 36ir haben euch schon in mehreren Schreiben treuen Bericht von unfern Angelegenheiten und Unternehmungen abgestattet: welchcrmaßen wir nehmlich in der Treue gegen euch zu verharren gesonnen, und täglich bemüht sind, die Hoheit eurer kaiserlichen Krone auf alle Weise zu vermehren. Um so viel mehr befremdet ^6 uns, euren Söhnen und Getreuen, daß ihr als Herr und Vater, uns aus unser geschehenes Ansuchen keiner Antwort gewürdiget habt. Denn was wir thun geschieht aus treuer Anhänglichkeit zu eurer Ehre. Unsre Absicht ist, das von Gott euch anvertraute Römische Reich zu erhöhen und zu erweitern, deshalb sind wir einmüthig und aus allen Kräften bedacht, es in den Zustand, wie es zu Constantins und Justinians Zeiten war, welche durch die ungeschwächte Macht des Senats § ch li DA iriÄ We« »§« PA die U- ^ !»!. -»z- ^ auf. > der ^ libie- e»af M hi- iißi F Senats und römischen Volks das ganze Reich zusam- menbielten, wi'edcrherzustellen: und haben zu dem Ende mit Gottes Gnade den Senat eingerichtet, damit ihr hinführo alles, was dem Kaiser und Reich zugesteht, so wie es sich gebührt, erlangen könnet, zumal da auch die Rebellen, und welche bisher immer das kaiserliche Ansehen schmälerten, größtentheils unterdrückt sind. In dieser Sache haben wir nun schon einen guten Anfang gemacht. Friede und Gerechtigkeit versagen wir keinem, der sie begehrt. Die festen Thür- me und Wohnsitze der mächtigen Römer sind von uns eingenommen, und theils mit euch ergebenen Soldaten besetzt, theils dem Erdboden gleichgemacht. Dagegen aber sträuben sich der Pabst, Franjipa- nes, die Söhne des Peter Leo, als Vasallen und Freunde des Sicilianischen Fürsten (ausgenommen Jordanus, der unser Anführer und Gehülse ist) auch Tolomeus nebst vielen andern, die uns verhindern wollen, euch, als freye Leute, die Krone des Reichs aufzusetzen. Wir aber leiden sehr gerne und mit Lust eurer Ehre wegen so manche Beschwerden, denn wir schmeicheln uns dafür mit einer sichern Belohnung, und hoffen, daß ihr jene Frevler als Feinde des Reichs züchtigen werdet. Da nun unsre Treue gegen euch so groß ist, und wir curenthalben vieles dulden muffen, so bitten wir euch unsre Hoffnung nicht zu täuschen, und einen gnädigen Blick auf uns, eure Söhne und Getreue zu werfen. Sollten euch von dem Senat und uns böse Nachrichten hinterbracht werden, so gebt ihnen kein Gehör, denn sie kommen nur aus dem Munde solcher Menschen, denen es Vergnügen macht, euch und uns zu veruneinigen (welches Gott verhüte), und die gerne, ihrer Gewohnheit nach, beyde Parteyen hinterlister Weise unterdrücken möchten. Diesem möge K 4 nun I IZ2 — NUN eure kaiserliche Weisheit Vorbeugen, wobey ihr zu» gleich der vielen Drangsale und mancherley Verdrüß- lichkeicen eingedenk seyn könnt, die eure Vorfahren vom römischen Hofe, und den ehemaligen Bürgern Roms erlitten haben, oder mit denen sie auch noch itzt, in Verbindung mit Sicilien, drohen. Wir aber setzen uns als eure getreuen Unterthanen durch Christi Huld ihnen muthig entgegen, und haben viele von ihnen als die ärgsten Feinde des Reichs, welches sie auch in der That sind, aus der Stadt vertrieben. Wir bitten euch also, schleunig zu uns herüber zu kommen, weil ihr jetzt alles, was ihr verlangt, in Rom erhalten könnt. Oder, damit wir uns kurz und bündig ouödrücken, wir wünschen, daß ihr eure Residenz nach Rom verlegen möget, wo ihr, als in dem Hauptorte der Welt besser und unumschränkter, als alle eure Vorfahren , über Italien und Deutschland herrschen könnt, wenn erst alles durch die Clerisey verursachte Hinderniß aus dem Wege geräumt ist. Wir bitten euch demnach ohne Verzug zu uns herüber zu kommen, mittlerweile aber uns von eurem Zustande, den wir immer als dm glücklichsten zu sehen wünschen, einige Nachrichten zu ertheilen. Wir unsers Theils sind beständig bereit, eurem Willen in allen Stücken Folge zu leisten. Ausserdem melden wir euch, daß wir eben beschasf- tigt sind, die Milvische, nicht weit vor der Stadt gelegene Brücke, welche vormals zum Nachthell der Kaiser unbrauchbar gemacht worden, wiederherzustellen, und sie in kurzer Zeit mit einer festen Mauer werden versehen haben, damit ihr sie mit eurer Armee passiren könnt, ohne von den Petrileonen auf der Engelsburg, wie sie es mit dem Pabst und dem Sicilianer verabredet, beunruhigt zu werden. KI«' UÄ « «ifn ihm jÄl ihm in D E i>h» ^s-k, )ch «lj d« lNM Ädiz Ich UM Är> tm's mich milt B iB, B K Die Allianz zwischen dem sicilianischen und pabst- lichen Hoft ist unter folgenden Artikeln geschlossen: Der Pabst bewilligt dem Fürsten von Sicitien den Stab und Ring, die dalmatische Muße, und Pantoffeln, verspricht auch keinen Legaten in sein Gebiet zu schicken, als den er selbst verlangt, der Sicilianer giebt ihm vieles Geld zu eurem und des römischen Reiches Verderben, dessen Oberherr ihr doch durch Gottes Gnade geworden seyd. Alles dieses bringen wir, bester Kaiser, eurer Weisheit zur Ueberlegung vor. Schließlich ersuchen wir euch, daß ihr unsre Gesandten gnädig ausnehmen, und ihren Worten Glauben beymeffen wollet, da wir euch nicht alles schreiben konnten. Diese edlen Männer aber sind: der Senator Guido, Jakob, Sohn des Procurator Sixtus, und Nicolaus ihr Gehülse," So weit der Brief —- Conrad hingegen schlug ihren Antrag gänzlich aus, vielmehr nahm er die Gesandten der römischen Kirche, welche die Bestätigung ihrer alten Privilegien verlangten (einer von ihnen war Guido aus Pisa, päbstlicher Cardinal und Canzler) gnädig auf, und entließ sie wieder eben so ehrenvoll. Die ganze Welt war damals mit Krieg erfüllt, und fast alle Reichsfürsten befehdeten einander. Denn in Schwaben geschahen die vorhin genannten Händel zwischen Friedrich dem jüngern, und dem Herzog Conrad. In Bayern entspannen sich Streitigkeiten zwischen Herzog Heinrich, Marggraf Leopolds Sohn, und dem Regenfpurger Bischof gleiches Namens, die von Tage zu Tage blutiger wurden. In den Niederlanden kämpften zwey große Männer gegen einander, Albero, Erzbischof von Trier, und Heinrich Graf von Namur, die alles mit Raub und Brand verheerten, und dem Kz Staate '54 Staate tiefe Wunden schlugen. In Pohlen stritten drey Brüder gegen den vierten um das Herzogthum, welcher Zwist viele schreckliche Auftritte befürchten ließ. Auch den übrigen Provinzen des Reichs ergieng es nicht besser. Allein die Hand des Höchsten bewirkte plötzlich eine solche Veränderung, daß alle diese fürchterlichen Ungewitter vorüberzogen, und in kurzer Zeit über die ganze Erde eine ungemeine Stille verbreitet ward, welches daher kam, daß unzählige Schaaren in Deutschland und Frankreich gegen die Feinde des KreutzeS in den Krieg zogen. Ehe wir aber diese in der Geschichte so merkwürdige Periode berühren, wollen wir noch etwas weniges in Betreff jener unruhigen Zeiten voraus schicken. Wahrend des Krieges, den Heinrich von Bayern mit dem Regensburger Bischofs, und mit Odoa- ker Markgrafen von Steyermark führte, gehen einige Oesterreicher heimlich nach Ungarn, überrumpeln bey Nachtzeit die Stadt Bosan (sonst auch Presburg genannt, welche einst Kaiser Heinrich belagert hakte) und bemächtigen sich ihrer. Der König von Ungarn Gerza, Königs Belus Sohn, schickte einige von seinen Grafen voraus, die sich um die Ursache und die nähern Umstände dieses Vorfalls erkundigen sollten. Er selbst folgt ihnen mit einer großen Heereskraft nach. Die Grafen erhielten auf ihre Anfrage folgenden Bescheid : was wir gethan haben ist weder für den römischen Kaiser, noch für unfern Herzog, sondern für un- sern Herrn Boritius geschehen. Boritius war ein Sohn Calomans eines ehemaligen ungarischen Königs, der seine Ansprüche aus den väterlichen Thron bey dem römischen und griechischen Kaiserhofe geltend zu machen suchte, und viele deutsche Ritter durch Bestechungen auf seine Seite zog. Der König ch lir ül- > ö >«< P>!l Ärz M) zm ch irr>! 8» iS' iS » i!» st König Gerza rückt 'also vor die Stadt,' um sie förmlich zu belagern. Die Deutschen, welche sie erobert hatten, sahen sich bald genöthigt wegen Uebergabe derselben in Unterhandlungen zu treten, weil kein Anschein eines zu hoffenden Entsatzes da war, indem ihr Herzog in den obern Gegenden von Bayern, und der Kaiser tief im Reiche sich befand. Kurz, sie verglichen sich dahin, daß sie gegen drey tausend Pfund, weiche ihnen der König eydlich zusicherte, ihren Abzug nahmen. Diese Begebenheit zog nachher noch weit ernstlichere Folgen nach sich, indem der König den Herzog von Bayern deshalb in Verdacht hatte, und mit einer großen Heereskraft in seine Lander fiel. Hier scheint mir, ehe ich in der Erzählung weiter fortrücks, ein schicklicher Ort zu seyn, etwas weniges über Ungarn und seine Bewohner zu sagen. Ungarn hieß vormals Pannonien, weil es rings umher von Wäldern und Bergen, vorzüglich von dem Apenninischen Gebirge eingeschlossen ist. Es ist ein sehr ebnes Land, mit vielen Strömen und Flüssen durchschnitten. In seinen Wäldern findet man Wild aller Art. Dis Anmuth der Gegenden, und die Fruchtbarkeit der Aecker gewähren ihm so viele Reihe, daß es das Paradies der Welt heißt. So reichlich es aber die Natur ausgerüstet hat, so sehr wird es von seinen Einwohnern vernachläßigt, die nur hin und wieder Mauern oder Gebäude aufgeführt haben. Seine Grenzen werden nicht so wohl durch fortlaufende Berge und Wälder, als durch den Lauf der größten Flüsse bestimmt. Gegen Osten, wo die Sau sich in die Donau ergießt, stößt Ungarn an die Bulgarey, gegen Westen an Mähren und Oesterreich; gegen Süden an Croatien, Dal- matien, Istrien oder Kärnthen; gegen Norden an Böhmen, Pohlen, Rußland. i;6 Die häufigen Einfälle barbarischer Völker in Ungarn machen eö ganz natürlich, daß seine Einwobner an Cultur der Sprache und Sitten noch weit zurückste- ßen. Denn zuerst ward es von den Hunnen, die Jor- nandes eine Teufelsbrut nennt, überschwemmt; nach ihnen verheerten es die Avaren, welche rohes unreines Fleisch aßen; zuleht kamen die Ungarn, die es noch bis itzt besitzen. Die Ungarn sehen von Gesicht scheußlich aus, ha- ben tief im Kopf liegende Augen, sind kleiner Statur, und reden eine Sprache, die ganz mit ihrem rohen wilden Charakter übereinstimmt, so daß man mit Recht das Schicksal anklagen, oder vielmehr die göttliche Lang- muth bewundern muß, die solchen menschlichen Ungeheuern (denn Menschen mag ich sie nicht nennen) ein so herrliches Land Preis geben konnte. Jedoch das eine Gute haben sie mit den Griechen gemein, daß sie nichts ohne reife und häufige Beratschlagung unternehmen. Ihre Dörfer und Flecken haben ein trauriges Ansehn. Die meisten Häuser sind aus Schilf geflochten, selten aus Holz, noch seltner aus Steinen erbaut. Den Sommer und Herbst hindurch wohnen sie in Lauben. Jeder von den Großen bringt seinen Sessel in der Versammlung vor dem Könige mit, wo sie sich über Staatsangelegenheiten ernstlich unterreden, welches auch zur Winterzeit in Häusern, wo nemlich Gelegenheit dazu ist, geschieht. Alle Ungarn sind ihrem Regenten so ergeben, daß sie es schon für Verbrechen halten, heimlich gegen ihn zu sprechen, um wie viel mehr also sich öffentlich gegen ihn zu erklären. Das ganze Reich besteht aus sieben- ziq oder noch mehreren Grafschaften, aus welchen zwey Theile von den Einkünften der Gerichtsbarkeit in die Al Iw, Al Koder l ksWen , De / ' 5 ? ch. ! Ulj '»in« ha-! M, königliche Casse fließen, und nur der dritte Theil dem Grasen anheimfällr. Keiner außer dem Könige hat. das Recht Münzen zu prägen oder Zolle anzulegen. Wenn einer von den Grafen den König nur im geringsten beleidigt hat, oder von ihm, wäre es auch ungerechter Weise, entehrt worden ist, so kann ihn jeder gemeine Kerl auf Befehl des Hofes, trotz der ihn umgebenden Bedeckung, arretiren, wegseßen und peinlich behandeln. Der König hat nicht, so wie bey uns, ihm zugeordnete Beyfitzer im Gerichte: der Verklagte darf sich nicht verantworten: sondern der einzige Ausspruch des Königs muß statt aller Gründe entscheiden. W« IM Hat der König einen Heereszug vor, so versammelt sich alles ohne Widerrede auf sein Aufgeborh. Die Bauern stellen den zehnten oder achten Mann mit allem Krjegebehvr, und wenns nöthig ist, auch den sechsten u. s- w. Edelleute aber dürfen nur unter den dringendsten Umständen ausbleiben. Ausländer, deren es Key ihnen viele giebt, und ihre so genannte Fürsten, haben ihre Stelle in der Schlachtordnung neben dem König. So häßlich, wie sie selbst, sind auch ihre Waffen, wenn man etwa die Ausländer (Söldner, wie sie bey uns heißen) oder die von ihnen exercirten, oder ihre Kinder abrechnet, die in der Kriegskunst und in Schönheit der Waffen unfern Fürsten und Söldnern gleich zu kommen trachten. So weit diese Beschreibung. Der König drang mit 70000 Mann oder drüber bis nach Muzon, und lagerte sich in dem Gefilde zwi- Mch» ^en dem Fluß Lecta und dem vorgenannten Ort, n welches zu deutsch Wirfeld oder Leerfeld heißt. Herzog M Heinrich passirte auf der andern Seite des Flusses, der ^ römische Reich disseit der Donau von Ungarn trennt, - ^it "knst-it macht der Fluß Morawa die Grenzscheidung) «58 und' bemüht sich durch Spione die Lage des Feindes auszukundschaften. Den folgenden Tag bezieht sich der König in eine hölzerne Kirche, welche im Leerfeld stand, und legte daselbst feyerlich, nach geschehener prie- sterlicher Einsegnung der versammleten Bischöffe, die Rüstung an, welche er bisher aus Mangel an dazu er- foderlichem Alter noch nicht getragen hatte. Als die Ceremonie beendigt war, mußten seine Soldaten sich in Schlachtordnung stellen. Die Spitze theilte er in zwey Flügel, welche mit Bogenschützen besetzt waren, die den Feind aus der Ferne beunruhigen sollten. Gegen über stand ein einziges großes Treffen, das des Königs Oheim, Herzog Bela ansührte. Der Theil des Heers, den der König selbst anführte, soll aus 12200 Reutern bestanden haben. Darauf wendete die ganze Armee, ohne daß es die ausgestellten Kundschafter bemerkten , über die Leica, und zündeten die benachbarten Oerter an. Herzog Heinrich hatte ebenfalls seine Truppen in Schlachtordnung gestellt, und wartete nur noch auf seine Kundschafter, die entweder aus Unredlichkeit oder aus Trägheit ausblieben. Einige riechen zum Angriff: andere hingegen schlugen vor, er solle über dm Fluß Vischa setzen, der nur zwey deutsche Meilen entfernt war, wo er die Starke des Feindes besser erforschen könnte. Plötzlich sahen sie Dampf und Feuer aufsteigen. Diese Erscheinung hielten viele für ein Zeichen , daß der Feind die Flucht ergriffen, und sein eigen Lager in Brand gesteckt habe. Der Herzog, ein tapfrer, kühner, aber gar zu rascher Mann, greift schnell zu den Waffen, und stürzt sich ohne die mindeste Ordnung zu beobachten, aus den Feind. Dadurch verursachte er eine solche Verwirrung unter seinen Soldaten, daß sie nicht im regelmäßigen Marsch, sondern nur truppweise ihm nachfolgteu. Aber ! ' ! MW ! sch? AM K, chch >W,l! ML K» tM»! / MP ! mf li . Cifm ! VE« A . — .- r?9 Aber dennoch hatte diese Voreiligkeit für ihn den Nutzen, daß er die Bogenschützen nebst ihren zwei- Anführern sehr bald über den Haufen warst Als er mit diesem fertig war, gris er die Heyden Legionen an, welche der König und sein Oheim ansührten. Des Königs Legion stand fest wie ein eingewurzelter Wald; kein einziger wich von seinem Platze. Endlich kam es so weit, daß die Ungarn schon den Rücken kehren wollten, und der Sieg zu Heinrichs Vorkheil entschieden worden wäre, wenn nicht die deutschen im Hintertreffen die Flucht ergrieffen hatten. Der Herzog wußte nicht, was vorgieng, oder konnte es nicht wissen, da eine dicke Staubwolke, welche sich in der dortigen Gegend bey trockner Witterung gewöhnlich zu erheben pflegt, die Bewegung der Flüchtlinge seinen Blicken entzog. Itzt erst faßten die Feinde Muth, umringten den Herzog, und zwangen ihm die Flucht zu ergreifen, auf der er sich theils durchschlug, theils mit Hülse des Staubes, der die Luft ganz verfinsterte, in das nah gelegene Wien retteten, das ehemals von Römern bewohnt Fowian hieß. Die Ungarn begnügten sich, die fliehenden bis an den Fluß Vischa zu verfolgen, worauf sie wieder nach Hause kehrten. In diesem Treffen blieb ein großer Theil edler Ritter, und eine unzählige Menge'gemeinen Volks, noch größer aber soll der Verlust auf Ungarischer Seite gewesen seyn. Bis itzt ist die Schmach noch nicht getilgt. Wir können aber hoffen, daß der siegreiche Arm des itzt regierenden Kaysers sie mit Gottes Hülfe einst rächen werde. Zu gleicher Zeit unternahm Roger von Sicilien seinen Feldzug nach Griechenland. Er rüstete in Apulien, Calabrien, Sicilien, drey-auch zwey - rudrigts Schiffe aus, die wir gewöhnlich Galeeren, oder Pfeile (Jachten) nennen, und ausserdem noch andre zum Krieg Krieg gehörige Fahrzeuge, welche er mit tüchtigen See. officieren besetzte. Diese Armade nahm ohne viele Mü- he Mutinum ein, und fieng darauf an, die sehr starke Festung Gurfol zu belagern, welche ebenfalls nach ei. ncr langen Gegenwehr mit List erobert ward, indem einige, unter dem Schein, als wenn sie einen Todten begrüben, (denn in der inner« Burg dieser Festung steht, nach Gewohnheit der Griechen, ein Mönchskl». ster) sich unversehens der Stadt und Burg bemächtig« ten. Hierauf erfolgte die Wegnahme von Athen, Theben, Corinth, wo ihnen, unter vieler andern Beu- te, Seidenarbeiter in die Hände stelen, die sie zum Schimpf des griechischen Kaisers und zu ihres Fürsten Ruhm mit sich fortführten. Robert wies ihnen zu Palermo ihre Niederlassung an, und befahl ihnen aus seinen Unterthanen Lehrlinge aufzunehmen. Von der Zeit an giebt es in den Abendländern Seidenmanu- facturen, welche bisher unter allen christlichen Völkern nur von Griechen getrieben wurden. So viel sey genug von den damaligen Kriegsunruhen. Itzt muß ich noch etwas weniges von den Frie- den sprechen, der wider alles Vermuthen das Reich plötzlich zu Ruhe brachte. Er fällt in die Zeit, da Eugen auf dem päbstlichen Sruhl saß, Conrad im römischen, Manuel im griechischen Reiche, Ludwig in Frankreich, und Fulko zu Jerusalem regierten. Ludwig hegte ein geheimes Verlangen nach Jeru- salem zu ziehen, weil sein Bruder Philipp einen Kreutzzug angelobt hatte, aber durch den Tod daran verhindert worden war. Er rief zu dem Ende einige seiner Fürsten zu sich, eröffnete ihnen sein Vorhaben, und beschloß auf ihren Rath, den damaligen Abt des Klosters zu Clairvaux, Bernhard, um seine Meynung zu befragen. Bernhard, ein frommer, einsichtsvoller, ge- F Dfflllll b»H j»O U»i >«e M Ljl» D, xi>- d-'-k pü . . — - r6z sende unsrer gefangenen Mitbrüder der Sclaverey entreißen wöget: damit die Ehre des Namens Christ! vermehrt, und der Ruf eurer Tapferkeit, welche in der ganzen Welt gepriesen wird, unbescholten bleibe. Auch diene euch jener gute Matathias zum Beyspicl, der zur Erhaltung der väterlichen Gesetze sich selbst mit seiner Familie aufopferte, und doch mit Gottes Bey. stände so wohl selbst als seine muthige Söhne den herrlichsten Sieg über die Feinde davon trug. Wir aber, aus natürlicher Sorge für eure Ruhe und für den Zustand jener verlassenen Kirche, bewilligen und bestätigen, kraft der uns von Gott verliehenen Macht, allen denen, welche aus frommer Andacht ein so heiliges äußerst nothwendiges Werk zu unternehmen und auszuführen gesonnen sind, denjenigen Ablaß welchen schon unser Vorfahr Pabst Urban angekündigt hat: und wollen hiemit, chaß ihre Weiber und Kinder , ihr Haab und Gut unter dem Schutz der heiligen Kirche Gvttes, unter unfern, der Erzbischvffe, Bi- schaffe und andrer Prälaten Schuhe stehen sollen. In- gleichen verbiethen wir alle nachherige Untersuchung über dasjenige, was der Kreuhfahrer, als er das Kreutz annahm, ruhig besaß, so lange nehmlich, biß man von seiner Rückkunft oder seinem Tode die sichersten Nachrichten hat. Weil nun aber diejenigen, so dem Herrn dienen, weder geschmückt noch prächtig gekleidet cinhergehen, weder Hunde, noch Falken halten, kurz alles was zum Luxus gehört unterlassen müsset,; so ermahne ich euch im Herrn, euch, wenn ihr das heilige Werk beginnet, aller dieser Dinge zu enrschlagen, und bloß mit euren Waffen und Pferden, kurz mit dem, was lediglich auf Führung des Krieges gegen die Ungläubigen abzweckk, zu beschäfftigen. L s Je» 164 ^-- Jeder Schuldner, der sich aus reiner Absicht zum heiligen Kriege entschließt, darf keine rückständi- gen Zinsen zahlen, und wenn er oder andre für ihn der Zahlung halber sich verbürgt oder vereidet haben, so sprechen wir sie vermöge unsers apostolischen Ansehens davon los. Es steht ferner einem jeden ftey, sein Land oder irgend ein andres Gut, der Kirche, den Geist!,, chen, oder irgend andern treuen Personen, ohne daß ihm Einsprüche gemacht würden, zu verpfänden, wenn ihm nehmlich feine Anverwandte auf vorhergegangene Anfrage kein Geld vorschreßen wollten oder konnten. Der Ablaß, welchen wir nach unsres Vorfahren Einrichtung, laut der vom allmächtigen Gort und dem obersten aller Apostel erhaltenen Vollmacht hiermit ankündigen, enthält für den, der den Kreußzug anfangt und ausdauerk, oder während demselben stirbt, Vergebung aller Sünden, die er mit reuigem, zerknirschten Herzen gebeichtet, und Versprechung eines ewigen, vom Vergelter aller Dinge zu erwartenden Lohnes. Velketri den rsten December. H46. Der Abt Bernhard gürtet sich, nach erhaltener j Erlaubm'ß des römischen Stuhls, mit dem Schwert des göttlichen Wortes, und überredet sehr viele den bevorstehenden KreuHzug mitzumachen. Endlich ver- sammlen sich, auf einem allgemeinen Reichstage zu Verteilt , die vornehmsten Personen aus verschiedenen Pro« vinzen des Reichs, und Ludwig, König von Frankreich, die Grafen Theodorich von Flandern und Heinrich, Theobalds du Pleßis Sohn, nebst andern Baronen des Reichs und Edelleute, empfingen daselbst mit der größten Freudigkeit aus de., Händen des vorhingenannten AbteS das > Kreutz. Mittler. hi, l, !i W. M ilmi- Vn- ,fr-> M Mittlerweile predigte ein gervisser M^nch Radulph, der zwar ein strenger Religiöse aber ein schlechter Ge» lehrtcr war, in dem Theile Frankreicl)S, der an den Rhein stößt , mit ungemeinem Erfolge das Kreutz. Viele tausend Menschen aus Cölln, Maynz, Worms, Speyer, Straßburg, und andern benachbarten Flecken und Dörfern liefen ihm zu, um sich inik dem Kreutze bezeichnen zu lassen. Bcy seiner Predigt begieng er die Unvorsichtigkeit, daß er lehrte, man solle die Juden, welche in Städten und Flecken zerstreut lebten, als Feinde der Christenheit ermorden. Diese Lehre be» wirkte an vielen Orten Frankreichs und Deutschlands eine blutige Verfolgung der Juden, von denen sich mehrere, um ihr Leben zu retten, in den Schuh des Kaisers warfen. Daher kam es, daß viele Juden in die dem Kaiser angehörige Stadt Nürnberg , und an andere Oerter seines Gebiekhs ihre Zuflucht nahmen. Die Verfolgung der Juden gieng so weit, daß der Abt Bernhard deswegen besondre Nuncien oder Briefe nach Frankreich und Deutschland abgehen ließ, durch welche er aus Stellen heiliger Schrift deutlich zeigte, daß die Juden für ihre Vergehungen nicht auS- gerottet, sondern nur zerstreut werden sollen. Wobey er auch den Spruch aus dem ;? Psalm anführte, in welchem es heißt: Gott hat mir angedeutet, meine Feinde nicht zu. tödten. Nachdem nun Bernhard im nördlichen Frankreich mit dem glücklichsten Erfolge das Kreutz gepredigt hatte, begab er sich in gleicher Absicht in das östliche Frankreich , um dort theils den römischen Kaiser zum Bey- tritt zu bewegen, theils dem Unfug zu steuern, der durch Raduiphs Predigten gegen die Juden verübt, wurde. L; Der Der Kaiser berief auf die Weyhnachten einen all- * gemeinen Reichstag nach Speyer, wohin auch Bern- i hard kam, und durch Wunder, die er sowohl öffentlich, i als im Stillen verrichtete, den Kaiser, seines Bru- ! ders Sohn Friedrich, nebst andern Fürsten und Rit- l kern zur Annahme des Kreutzes bewog. Eben derselbe fand nachher den Iudensiürmer Radulph in Msyn; ,, vom Volke beynahe angebetet, gab ihm Verweise, daß ^ er gegen alle Klosterregel in der Welt umherstrich, und § unberufen predigte, brachte ihn auch endlich dahin, daß er Gehorsam angelobte, und in feine Zelle zurückzukeh- , ren versprach; worüber es in Maynz beynahe zum Aufruhr gekommen wäre, wenn nicht die Heiligkeit des Abtes das Volk zurückgeschreckt hatte. Herzog Friedrich verfiel noch während seines Aus- ! enthaltS in Frankreich in eine schwere tödliche Krank- ! heit, und konnte es noch auf dem Sterbebette dem ' Kaiser Conrad nicht vergeben, daß er den jungen Prinzen Friedrich, den erstgebohrncn und einzigen Sohn seiner ersten Gemahlin, (den er aus Conrads eigner Bewilligung nebst dem kleinen Prinzen zweyter Ehe zum Erben seines ganzen Landes eingesetzt) mit dem Kreutze hatte bezeichnen lassen. Bernhard bereitete ihn zum Tode, der in wenig Tagen erfolgte. Sein Leichnam liegt im Kloster der Heiligen Walpurgis, auf der Grenze vom Elsaß begraben. In der herzoglichen Würde folgte ihm sein Sohn Friedrich. Nach diesem Vorfälle hielt der Kaiser im Monat Februar eine allgemeine Reichsversammkung in Bayern. Adam, Abt von Eberach, ein frommer gelehrter Mann, der Bernhards Stelle vertrat, bestieg nach gehaltner Messe die Kanzel, las die Schreiben des PabsteS und Abts von Clairvaux vor, und hielt dann eine kurze Ermahnung, welches alles so erstau- > nend ! Ai,, tz. ski. iilz. itts «k- im ft»° r^» « A' !-' st ,j- --- - - 7 -'^--! »67 nend wirkte, daß fast die ganze anwesende Versammlung sich zum Kriege erbot. Dis Sache selbst bedurfte keiner blendenden Einkleidung, keines rednerischen Vortrags. Wenigs Worte waren hinreichend, die Gemürher in Flammen Zu sehen. Unter den Bischöffen nahmen Heinrich von Regensburg, Otto von Freisingen, Reginbert von Pa- dua, ferner Herzog Heinrich von Bayern, des Königs Bruder, und unzählige Grafen und Ritter das Kreitz an. Auch stellte sich eine so unglaubliche Menge loses Raubgesindel ein, daß man unmöglich, wenn matt nicht seinen Verstand verlohren hat, in diesen Begebenheiten und in der Schnelligkeit mit der sie sich zukru- gen, eine besondere Führung der Allmacht verkennen kann. Am Weyhnachtsabend nahm auch Welf, des vorigen Herzogs Heinrich Bruder, auf seinem eignen Gute Bicengau, und nicht lange nachher Odoacer Marggraf von Steyern, Ladislaus Herzog von Böhmen , Bernhard Herzog von Körnchen, nebst vielen der ihrigen das Kreuh an. Eben das gilt auch von den Sachsen, nur daß diese sich nicht zu einem Zuge ins Morgenland, sondern zur Bekämpfung ihrer heidnischen Nachbarn erboten z daher waren ihre Kreuhe nicht wie die unsrigen auf das Kleid geheftet, sondern wurden durch eine unkergelegte Scheibe in die Höhe gehaltem Hier will ich noch die Copie eines Briefes beyfü- gen, den Bernard für das östliche Frankreich bestimmte: Den geliebtesten Herren und Vätern, den Erzbi- schöffen, und dem gesummten Clerus, den Einwohnern des östlichen Frankens und Bayerns, wünscht Bernhard beruffener Abt von Clairvaux Fülle am Geiste der Kraft. L » Ick l68 Ach habe euch eine Angelegenheit Christi, in welchem unser Heil, besteht, vorzutragen: eine Angelegenheit Key deren Vortrag nicht bloß das Ansehn des Herrn, sondern schon die Erwägung des daraus zu ziehenden Nutzens meine Unwürdigkeit entschuldigen kann. So geringe ich bin, so sehr wünsche ich euch innigst mit Christo vereinigt; dieß ist die Ursache, warum ich euch schriftlich angehe. Ich würde mit euch weit lieber mündlich sprechen, wenn es mir nur möglich wäre. Seht Brüder, jetzt ist die beste Gelegenheit, jetzt ist der Tag des Heils, des überschwenglichen Heils. Die Erde bebt, weil der Gott des Himmels seine Erde zu verderben angefangen hat. Seine nenn ich sie, da er auf ihr sichtbarlich umhergewandelt, und mehr denn dreyßig Jahre als Mensch mit Menschen umgegangen ist, da er sie durch seine Wunder erleuchtet, mit seinem eignen Blute eingeweiht, und durch seine Auferstehung verherrlicht hat. Unsre Sünden sind Schuld, daß nun die Feinde des Kreutzes ihr gottloses Haupt emporheben, und daö gesegnete gelobte Land mit der Scharfe des Schwertes verheeren. Bald werden sie, wenn sich ihnen niemand widerseht, in die Stadt des lebenden Gottes eindringen., die Stätte, wo unsre Ers lösung geschah umkehren, und die heiligen Orte, wo das Blut des unbefleckten Lammes floß, verunreinigen. Leider trachten sie schon mit verruchter Begierde nach dem Allerheiligsten der christlichen Religion, wollen selbst das heilige Grab, wo unser Leben für uns den Todes- Schlummer schlief, mit unheiligen Füßen danicdertreten. «iE Ws Mj kch tiP! liih« mV A - trich ! Was thut ihr nun tapfere Männer? WaS thut ihr Diener des Kreutzes? Gebt ihr das Heilige den Hunden, und die Perlen den Säuen? Wie viele reuige Sünder habet, dort unter Vergießung häuffiger Thrä- nen, i6y Ikiltz, Es än Uß U« ÜÜK >!,d! iP» t sti- ^ litt» °b', rtt!i ilä« Mß. B !f I neu. seitdem unsrer Väter Schwert den heydnischen Unrath ausgerottet har, Vergebung erlangt! Der böse Feind sieht es mit neidischen Augen an, knirscht mit den Zähnen, und ist ausser sich für Wuth. Die Werkzeuge seiner Bosheit hat er in Harnisch gesetzt, damit sie alle Spur ehemaliger Andacht vertilgen, wenn ihnen je, welches Gott verhüte, oie Obermacht in die Hände fiele. Allein dieser unersetzliche Schade würde allen folgenden Zeiten unheilbaren Schmerz verursachen : vorzüglich aber dem gegenwärtigen Menschengeschlecht ein ewiges Brandmark seiner eignen Schande seyn. Brüder! was denken wir nun hievon ? ist denn die Hand Gottes verkürzt, oder unfähig gemacht zu retten, da sie zur Erhaltung und Wiederherstellung ihres Eigenthums kleine Würmer auffordert ? Kann der Allmächtige nicht zwölf Legionen Engelsenden, oder durch einen Machtspruch die Erde befreyen? Allerdings kann er, wenn er will. Aber ich sage euch, Gott der Herr stellt uns auf die Probe. Er sucht, ob er unter den Menschenkindern finde, die sich seiner Sache ernstlich annehmen. Denn Gott erbarmt sich seines Volkes, und richtet die Gefallenen kräftiglich auf. Betrachtet das große Mittel, durch welches er euch erläßt, und erstaunet darob. Schaut in den Abgrund der Liebe, und faßt Vertrauen, ihr Sünder! Er will nicht euren Tod, sondern daß ihr euch bekehret und lebet: u.s.w. Diese Materie wird in dem Briefe nach redne- kischer Art weiter ausgeführt. Dann verbreitet er sich auch über die Verfolgring der Juden, welche er mit Gründen der Vernunft und Religion bestreitet. Hiezu bedient er sich z. B. des oben schon angeführten Spru- L 5 che» cbes aus dem Psalm, und sagt dabey r Sie sind uns » lebende Denkmahler der Leiden unsers Herrn» L Noch eins andre Stelle, worinn er zur Annahme des KreuHes auffordert, lautet so: Glücklich preise « ich das Geschlecht, das die Zeit einer so überschweng- « lichen Gnade erreicht, das im Sühnjahre, im wah. s reu Jubeljahre lebt. Diese Segnung wird über die ganze Welt verbreitet, und alle strömen dem Zeichen v des Lebens zu. Weil nun euer Land reich ist an tapfer» d Männern, und kraftvollen Jünglingen, so rüstet euch, > und legt murhig eure glücklichen Waffen an." '! i Diese Aufforderungen wurden mit allgemeinem § Beyfall angenommen. Nicht allein Unterthanen des ^ römischen Reichs, sondern auch Franzosen, Engellander § Ungarn, und viele Tausende aus andern Nationen nahmen das Kreuß an. Die Stille, welche dadurch im Occident bewirkt wurde, war sogroß, daß man es für ungerecht hielt, Kriege anzufangen, ja sogar öffentlich bewaffnet zu erscheinen. Ehe Conrad seinen Zug ins Morgenland eröffnet?, hielt er zu Frankfurt (welches seinen Namen daher soll erhalten haben, weil Carl auf seinem Zuge gegen die Sachsen hier eine Furth im Mayn fand, durch die er mit seinen Franken über den Strohm kam) einen Reichstag , auf dem sein noch junger Prinz Heinrich durch die Wahl der Fürsten zum römischen König bestimmt, und zu Aachen am Sonntag in der Mittfasten gekrönt, ge» ^ salbt, und zum Mitregenten angenommen ward. Auf ^ eben diesem Reichstage erschien auch Heinrich, des oben erwähnten Herzog Heinrichs Sohn, der schon volljäh- ^ rig war, und forderte das seinem Vater unrechtmäßiger Weise emzogene Herzogthum Bayern zurück. Der Kayser aber brachte ihn mit vieler Klugheit so weit, daß > As 'klsl sie rn lh, « i) !> f I> f k k ! 17k er seine Ansprüche für ißt zurücknahm, und sich bis auf des Kaysers Wiederkunft ruhig zu verhalten versprach. Mit einbrechendem Frühlinge (n 47) zog Conrad aus Nürnberg, bestieg zu Regcnöburg ein Donauschiff, tmd langte am Himmelfahrtötage in Oesterreich bey Ordacher an, wo er zwey bis Lrey Tage die Ankunft der Seinigen abwartete, und dann weiter bis fast an die Grenze seines Reichs vordrang. Hier scherte er an der Vischa das Pfingsfest, gieng darauf über die Leita nach Ungarn, und ließ einen Theil seines Heeres, zu Wasser, den andern zu Lande weiter ziehen. Die Menschenmenge, welche ihm folgte, war so groß, daß man beynahe sagen konnte, Flüße und weite Ebenen würden sie nicht fassen. Nicht lange nach ihm kam Ludwig, König von Frankreich, bey dem sich von den Un- sngen die Lothringer befanden, und unter diesen die Bi- schöffe Stephan von Metz und Heinrich von Tüll, die Grafen Reginald von Mousson, und Hugo von Vau- demont: ferner aus Italien Amadeus von Turin, dessen Bruder Marggraf Wilhelm von Montferrat, mit seinen Blutsverwandten und noch viele andre. Welchen Ausgang aber dieser Kreußzug zu Strafe für unsre Vergehungen genommen, ist allen bekannt. Die Geschichte desselben mag ein andrer beschreiben; ich wenigstens will in dem gegenwärtigen Werke meine Leser nicht mit traurigen, sondern mit angenehmen Sce- nen unterhalten. Gleiches Schicksal hatten auch die Sachsen, deren Feldzug gegen die benachbarten Heyden durch Uneinigkeit ihrer Fürsten vereitelt ward. Um aber doch etwas aus dieser Periode in Beziehung auf den iht regierenden Kayser Friedrich zu sagen, von dem das Glück bis auf den heutigen Tag sein Anr- lih nie gewandt hat, will ich von den vielen Unfällen, welch« welche wir unterweges auöstehen mußten, einen einzigen ausheben. Nachdem wir unter unzähligen Beschwerlichkeiten durch Ungarn, die Bulgare») über den Hebruü, und durch das obere Thracien, in die fruchtbaren Gegenden des untern Thraciens gekommen waren, wo es uns ausnehmend wohl gefiel, gelangten wir in ein bey dem Städtchen Chärobacchi gelegenes sehr anmmhiges Thal,, durch welches ein kleiner Fluß sich schlängelte Der Reih dieser Gegend vermochte uns zu dem Entschluß hier eine Weile zu kampiren und den folgenden Tag, (den 8ten Septbr.) das Fest der Geburt Mariens zu fcyern. Herzog Friedrich, und sein Oheim Welf lagerten sich also neben uns an der Seite eines gegenüber stehenden Berges, denn die Lothringer waren noch nicht da. In der Nähe befindet sich das propontische Meer, oder, wie es jetzt von den Einwohnern genennt wird, der Arm des H. Georgs, und an dem Ufer stehen zwey kleine Städte, die eine gesunde Lage haben, und aus denen wir Zufuhr erwarteten. Ich gesteh es, während des ganzen Feldzugs ha- ben wir nie mit mehrerm Wohlbehagen kampirt, und »»irgend hat unser Lager, so viel ich nach dem Augen- »naaß urtheilen kann, einen großem Raum eingenommen. Jedoch unser Vergnügen war von kurzem Bestände. Um die Morgenstunde erhob sich eine kleine Wölke, aus der anfänglich ein sanfter Regen fioß. Plötzlich aber stieg ein heftiger Orkan auf, der von den stärksten Regengüssen begleitet war. In kurzer Zeit sahen wir unsre Zelte entweder beschädigt oder zu Boden geworfen. Der Fluß schwoll an, und setzte da« ganze Lager unter Wasser. Klägliches Angstgeschrey schallte rings umher um meine Khren, und der Gedanke, daß dieses Unglück wahrscheinlich ein Strafgericht Gottes ' - r?3 GES sey, lahmte mir völlig alle Kraft, doch ergreife ich noch mein Pferd, um durch den Fluß zu kommen. Gott! welch ein graüsenvolles Schauspiel stellte sich meinen Augen dar! Einige schwammen, andre hielten sich an Pferden an, oder wurden an Stricken her- überzogen, andre hingegen mußten elendiglich in den Fluchen umkommen. Das einzige Zelt Friedrichs, wo wir auch die Messe anhörten, war unversehrt geblie- ben. Andre, die nicht über den Fluß giengen, suchten auf Wagen und dergleichen ihr Zuflucht, wo sie so lange auödauern wollten, bis die Wasser würden verlaufen seyn. Der hiedurch bewirkte Schaden an Menschen und Gütern ist unbeschreiblich. Den folgenden Tag, als das Wasser sich verlausten hatte, entdeckte sich die schrecklichste Verwüstung, welche nur zu deutlich die Allmacht Gottes, und die Nichtigkeit menschlicher Freuden offenbarte. Des Des Ersten Buchs Zweyter Abschn itt. Bernhard war ein sehr strenger Neligionseyferer, aber aus Gutmüthigkeit zu leichtgläubig. Er konnte keinen Gelehrten leiden, der auf seine Philosophie gar zu viel baute, und nahm es leicht als Wahrheit auf, wenn man diesem einen Verstoß gegen die orthodoxe lebte tzamähls in Poitou ein gewisser Gilbert, der ' aus dieser Landschaft gebürtig war, von Jugend auf bis in sein, spätes Alker Philosophie getrieben, und unlängst die bischöfliche Würde in seiner Vaterstadt erlangt hatte. Sein äußerst spihfindiger Kopf, und die überwiegende Vorliebe zu den feinsten Subtilitäten verleitete ihn oft zu paradoxen Behauptungen, die gegen Len gemeinen Menschensinn verstießen. Einst hielt er in einer Diöcesal- Versammlung seiner Geistlichkeit eine Ermahnungsrede, in die er etwas über die H. Drey- einigkeit einfiießen ließ, das zwey seiner Archidiaconen Arnold und Calo für heterodox erklärten, und sich deshalb auf den 'Ausspruch des römischen Stuhls beriefen. Pabst Eugen war auf der Reise nach Frankreich begriffen , als sie ihm zu Siena entgegen kamen, und ihre Beschwerde vorbrachten. Der Pabst erklärte sich: er werde in Frankreich, wo es viele gelehrte Männer gebe, die beste Gelegenheit haben, die Sache genauer zu untersuchen. Mit dieser Vertröstung kehren die Geistlichen nach Frankreich zurück, und wenden sich an den Abt Bernhard, den sie auch zu ihrem Vorthcil wider Gilbert einnehmen. u s«! in l!«h s« abss, H'ei tz! »75 Lehre aufbürdete. Daher kam es, daß nicht lange vorher auf sein Anstifter, dem Peter Abaiiard zuerst von Bischöffen in Frankreich, nachher vom Pabste Schweigen auserlegt ward. Abaiiard stammte aus Bretagne einer französischen Provinz, unter deren Geistlichkeit es besonders viele scharfsinnige, geschickte Köpfe giebk, die aber zu andern Dingen fast gänzlich verdorben sind. Er hatte sich von Jugend auf den Wissenschaften ergeben, war aber so stolz, so eingebildet auf sein Genie, daß er sich kaum entschließen konnte, von andern Unterricht anzu- vehmen. Sein erster Lehrer hieß Roselin; nach diesen frequentirre er die beyden gelehrten Männer, Anselm von Laon, und Wilhelm von Champell, Bischofs zu ChalonS, fand aber auch hier zu wenig Befriedigung, als daß er ihren Unterricht hätte nutzen sollen. Als Lehrer auf der hohen Schule zu Paris wußte er seinen tiefdurchdachten Vortrag mit angenehmen Scherzen zu durchwürzen. Ein allgemein bekannter Vorfall, bey dem es ihm sehr übel ergieng, war Ursache, daß er in das Kloster des heil. Dionysius gieng. Hier rückte er mit unablässigen Fleiße in Len Studien fort, wurde nach einiger Zeit des Gehorsams gegen seinen Abt entlassen, und trat wieder auf den öffentlichen Lehrstuhl. Die falsche Anwendung aber, welche er von seiner Gelehrsamkeit auf die Theologie machte, verleitete ihn zu einem Jrrthum in der Lehre von der Dreyeinigkeit, die er durch das Beyspiel einer aus drey Theilen bestehenden.Welt erklären wollte. Eine Provincialjynode, die deshalb zu Soissons unter Vorsitz des päbstlichen Gesandten von den berühmten Theologen Alberich von Rheims und Leukald von Revers gehalten wurde, erklärte ihn für einen Sabellianer, die Bischöffe zwangen ihn, seine Schrif- ten eigenhändig ins Feuer zu werfen, und gestattete« ihm keine Verantwortung, weil sie sich alle vor seiner Geschicklichkeit im Disputiren fürchteten. — Dieß geschah unter König Ludwig dem ältern; demohnerach. tetl eröffnete er wieder seine Vorlesungen, und lehrte lange Zeit mit ausserordentlichem Beyfall. Unter Ludwig des vorigen Königs Sohn, und Pabst Jnnocenz wurde Abailard zum zweyrenmahl von den Bischöffen und dem Abt Bernhard nach Sens ge- fodert, wo man in Gegenwart des Königs, des Pfalzgrafen Theobald, vieler Edelleute, und einer unzäh» ligen Volksmenge seine Rechtgläubigkeit in Anspruch nehmen wollte. Aus Furcht vor einem Aufstande ap- pellirte er nach Rom. Sogleich laßt die Synode eine Gesandtschaft an den Pabst abgehen, die ihm das Verzeichniß der angeschuldigten Ketzereyen vorlegte, und eine Antwort erhielt, wie man gewünscht hatte. Ich will beyde Briefe hieher sehen. Schreiben der Synode. Dem ehrwürdigsten Herrn und geliebtesten Vater, Pabst Jnnocenz, bezeugen, S. der Erzbischofs von Rheims, Joscelin von Soissons, Wilhelm v. CH. u. s. f. freywilligen Gehorsam und schuldige Unterwerfung. hist i M« «M Md Aa wir jetzt mit so vielen Untersuchungen beschafftigt sind, so wollen wir euch in wenigen Worten von dem verwickelten Handel benachrichtigen, den ihr in dem Briefe des Herrn und Erzbischoffs von Sens ausführlicher lesen könnet. Peter Abaillard sucht das Verdienst des christlichen Glaubens zu schmälern, indem er die ganze Fülle der Gottheit, mit seinem menschlichen Verstände zu ergründen d 177 ergründen wahnt. Er klimmt biß in den Himmel und steigt dann wieder in den Abgrund hinab. Ihm ist nichts unbekannt, seyö in der Tiefe der Hölle, oder ^ oben in der Höhe. Er dünkt sich in seinen Augen ein großer Mann, disputirt votkr Glauben gegen den Glauben, und wandelt über seiner eignen Sphäre im Erhabnen und Wunderbaren. Seine Grübeleyen haben ihn zu Jrrthümern verleitet, die er schon ehemals in einem Buche über die heil. Dreyeinigkeit an den Tag legte, welches aber von einer Synode unter Vorsitz eines pabftuchen Legaten zum Feuer verurtheilt worden, weil sich in demselben Ketzereyen vorfanden. Verflucht sey, wer die zertrümmerten Reste von Jericho wieder aufbaut. Das Buch erhob sich aus seiner Asche, und mit ihm kamen viele Ketzereyen aus ihrem Todesschlummer zum Vorschein. Jetzt hat er schon seine Aeste bis ans Meer ausgesireckt, und seine Sprößlinge gedeyhen in Rom. Eben dieß ist es, was ihn stolz macht, daß sein Buch am römischen Hofe findet, wo es sein Haupt hinlege. Daher eben hat sei» Jrrthum noch tiefere Wurzel in ihm geschlagen, daß er mit Zuversicht seine Ketzereyen allenthalben verbreitet. Als ihn nun der Abt von Clairvaux in Gegenwart der Bischöffe, mit dem Eyfer der Gerechtigkeit und des Glaubens bewaffnet, zur Verantwortung zog, axellirte er, ohne etwas bekanne oder geleugnet zu haben, auch ohne über etwas Beschwerde führen zu können, von einem Gerüchte, das er sich selbst bestimmt hatte, an den apostolischen Stuhl. Die Bischöffe, welche bloö dieser Untersuchung halber versammlet sind, haben euch alles überlasten, und sich nicht an seiner Perfon vergriffen, sondern lediglich für die von den heiligen Kirä'envakeni verdammten Ketzereyen eine Heilarr beschlossen, die dem weitern Denkwürdig?. H.B. M Fort- Fortgang der Krankheit wehrt. Weil- nun jener Mensch sehr viel Anhänger hat, so müßt ihr eilen, dieser Krankheit mit einer Arzney zu begegnen. Wir haben in gegenwärtiger Sache so viel ge» than, als wir wagen konnten. Euer Geschafft sey es nun, heiliger Vater, für das übrige zu sorgen, damit die Zierde der Kirche durch keinen Flecken von Ketzeret) entstellt werde. Euch, Freund des Bräutigams, ist die Braut Christi anvertraut. Ihr müßt sie als eine keusche Jungfrau ihrem einzigen Manne Christo übergeben." Antwort des Pabstes. Bischofs Jnnocenz, ein Knecht der Knechte Gottes entbiethet seinen ehrwürdigen Brüdern, und Erz- bischöffen Heinrich von Sens und Reinald von Rheims, nebst ihren Suffraganen und dem ge- liebtesten Bruder in Christo Bernhard Abt von Clairvaux Heil und apostolischen Seegen. Gleichwie nur Ein Gott ist, so ist auch, nach dem Zeugniß des Apostels, nur Ein Glaube, auf welchem, k D M il- > -- »79 nen drohten ihr den Untergang. Könige verbanden sich/ und Fürsten traten zusammen. Aber dis Apostel, die Anführer des Heeres Gottes, und ihre Nachfolger, die apostolischen Männer, vom Eyser für die wahre Religion entbrannt, vertheidigten muthig den Glauben, und pflanzten ihn mit Aufopferung ihres Lebens unverdrossen in die Herzen der Völker. Nachdem endlich die Verfolger ausgetobt, gebot das Chri- stenthum den Winden, und in der Kirche fieng eine große Stille an zu herrschen. Weil aber der Feind des Menschengeschlechts immer umherschleichk, zu suchen wen er verschlinge, so erweckte er Ketzer voll Trug und List, damit sie die Reinheit des Glaubens bekämpfen möchten. Daher erhoben sich muthige achte Führer der Kirche, und verdammten die Jrrthümer stimmt ihren Bekennern. So ward im Conrilio zu Nicäa Arms verdammt, die Manichäer zu Constantinopel, NestoriuS zu Ephesus und Chalcedon, an welchem letztem Ort auch dem Dioscu- ruö nebst seinen Anhängern, und der Euthichianischen Ketzerey ihr Recht wiederfuhr. Kayser Martian, der gleichwohl nur ein Laue, aber ein großer Freund des Christenlhums war, schrieb aus Eyfer für die Religion an den Pabst Johannes einen Brief gegen diejenigen, welche die heiligen Mysterien zu entweyhen trachten, worin ei sich unter andern so ausdrückt: „Keiner aus dem geistlichen, aus dem Soldaten - oder irgend einem andern Stande, soll hinführo öffentlich über Glaubenssachen urtheilen. Was einmal durch den Schluß der verehrungswürdigsten Synode; abgethan ist, darf Niemand, ohne ihrem Ansehn zu nahe zu treten, nachher seinem Privaturkheil unterwerfen. Dieß sey ein Gesetz, dessen Übertretung wie ein Kirchenraub bestraft werden soll. Ein Cleriker, der dawider handelt, soll aus der Geistlichkeit gestoßen werden. M 2 Mit Mit Schmerzen haben wir aus eurem an uns gerichteten Schreiben ersehen, daß unlängst, in den ! letzten Tagen, wo gefahrvolle Zeiten bevorstehen, Abai- lardS verderbliche Lehren, die Jrrthümer vorhingenannter Ketzer, und andre verkehrte dem katholischen Glauben zuwiderlaufende Meynungen ihr Haupt emporzuheben anfangen. Dieß aber ist unser mächtigster Trost, für den wir Gott dem Allmächtigen Dank st», gen, daß wir an euch treue Verfechter der reinen Leh- re finden, die sich dein Ausbruch neuer Ketzereyen männlich entgegenstellen. Wir also, die wir, obgleich unwürdiger Weise, auf dem Stuhle des H. Petrus sitzen, zu dein einst der Herr gesagt hat: auch du, wenn du dich dermahleinö bekehrest, starke deine Brüder, haben in einer Versammlung der Cardinäle, die von euch übersandten Lehrpuncte in Betreff der Abai- lardischen Jrrthümer nebst ihrem Urheber verdammt, und legen diesem, als einem Ketzer, ein ewiges Schweigen auf. Auch wollen wir, daß alle seine Anhänger und Vertheidiger von der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen, und excommunicirt werden sollen. Gegeben im Lateran den 21 sten Juli. Dieser aus Rom erlassene Urtheilsspruch bewog den Abailard sich in das Kloster zu Clugny zu geben, w» er eine Apologie für sich schrieb, in der er gegen das nach Rom geschickte Verzeichniß seine Lehrsätze protestirte, und an demselbeu theils tadelte daß man ihm Ausdrücke untergeschoben, die er nie gebraucht, theils aber auch, daß man durchaus seinen Sinn verfehlt habe. Diese Schutzschrift fängt sich so an: Um nicht mit einer Vorrede, die wie Boetius sagt, ein ganz unnw Hes Ding ist, die Zeit zu verderben, will ich gleich zur Sache schreiten. Die Wahrheit selbst wird mehr als aller Wortschwall für meine Unschuld sprechen. Aus den vielen Saßen, die man ihm zu Last legte, will ich nur folgende wenige ausheben. Der Vater ist die volle Macht, der Sohn nur einigermaßen: der H, Geist gar nicht- Der H. Geist ist nicht vor, der Substanz des Vaters. Der H. Geist ist die Weltseele. Christus hat das Fleisch nicht deswegen angenommen, um uns vom Joch des Teufels zu befreyen. Diejenigen, welche aus Unwissenheit Christum tödte- ten, haben nicht gesündigt. Abailard starb wenige Zeit nachher in demselben Kloster, und legte noch vor seinem Ende ein demüthi- geö Glaubensbekenntniß seinen Brüdern ab. . Die Geschichte dieses Mannes hat mich zu einer Ausschweifung verleitet, von der ich jeht wieder einlenken muß. Wir verließen oben die Streitigkeit Giliberts, wie sich der Abt Bernhard auf Anstiften zweyer Archidiaconen gegen ihn erklärte. Allein mit Gilibert hatte es eine ganz andere Bewandmß. Er war von Jugend auf durch den Unterricht großer Männer genährt, deren Ansehn er mehr als seinem eignen Dünkel traute. Hieher gehören Hilarius von Poitiers, Bernhard von Chartres, endlich die Brüder Anshelm und Radulph von Laon. Der treue und lange fortgesetzte Gebrauch, den er von dem Unterricht seiner Lehrer machte, verschaffte ihm gründliche nicht oberflächliche Kenntnisse, mit M z de- denen fern Betragen in einem schonen Ebenmaaße stand. Nicht Schwänke oder Dinge , die nur zur Belustigung dienten, sondern ernsthafte Gegenstände beschäffrigten seinen Geist. Daher lag auf allem, was er that, oder sprach, das Gepräge eines tiefen Ernstes, und in seinen Worten herrschte eine Dunkelheit, die kaum gelehrten geübten Männern, vielweniger jungen Leuten verständlich war. Dieser Gilibert wurde also erst nach Autun dann nach Paris vorgefordert. Unter andern Hctero- doxien, die man ihm vorwarf, waren auch folgende vier, die göttliche Majestät betreffend. Das göttliche Wesen ist nicht Gott. Die Eigenschaften der göttlichen Personen sind nicht die Perfönen selbst. Die theologischen Personen können in keine Propo- sttion prädizirt werden. Die göttliche Natur ist nicht der menschlichen theil- haftig geworden. Ausserdem noch einige andere minder erhebliche z. B. Es giebt kein Verdienst, denn das Verdienst Christi. Es wird keiner getauft, als der, der selig wird. In der Synode, welche Pabst Eugen mit seinen Cardinälen und andern ehrwürdigen gelehrten Männern zu Paris hielt, traten zwey Lehrer Adam de Pont, det neuerlich Canonicus daselbst geworden ist, und Hugo von Beauchamp, des Königs Kanzler, gegen ihn auf, und versprachen es eydlich zu bezeugen, daß sie einige von jenen Lehrsätzen aus seinem eignen Munde »82 gehört hatten. Dieß Versprechen, von Seiten so großer Gelehrten, den Beweis durch einen Eyd zu führen, erregte Key vielen nicht wenig Aussehn. Indem Gilibert von allen Seiten heftig bestürmt ward, und Mühe hatte, auf alle Einwürfe zu antworten, bediente er sich folgender Ausdrücke: Ich bekenne es unverhohlen, daß der Vater durch etwas anders Vater, und durch etwas anders Gott, und doch nicht dieses und dieses sey. Die Dunkelheit, mit der er sich hier ausdrückte, schien dem Bischoff Joscelin von Soissons, eine profane Neuerung zu enthalten, der er durch eine andre Spitzfindigkeit zu begegnen suchte, welche aber so übel ausgenommen ward, daß nun alle Anwesende ihre Waffen auf ihn richteten. Nachdem der Lerm sich gelegt hatte, fragte man Gilibert, warum er die göttlichen Personen so sehr unterscheide? — weil jede Person, antwortete er kurz, an sich selbst nur Eine ist. Und hiermit war, zu nicht geringem Erstaunen, für den Tag die Sitzung beendigt. Nicht bester gieng cs in mehreren nachfolgenden Sitzungen, biß endlich der Padst, als ein frommer behutsamer Mann, diezganzs Untersuchung auf das nächste allgemeine Concilium verschob, welches auf den nächsten Sonntag nach Mktfasten und zwar zu Rheims in Frankreich angesetzt war, weil der Pabst bey Gelegenheit der in Rom ausgebrochenen Unruhen hatte entweichen mäßen. Auf diesem Concikio sollte auch ein gewiffer Ketzer fein Urlheil empfangen, der als ein bloßer Laye sich einen erstaunenden Anhang unter dem Volke gemacht, und sich gleichsam für den Sohn Gottes ausgegeben hatte. Die Oerter, wo er bisher sein Wesen getrieben, waren dis Winkel von Frankreich, Bretagne und Gascogne. Hier bewirkte die Entfernung von dem Hcr- M 4 zen »84 zen des Landes unter den Einwohnern eine gewisse Einfalt, oder Dummheit, wie ich sie lieber nennen möchte , der sich jeder Jrrthum leicht aufzudringen pflegt. Das Concilium wurde in der Marienkirche unter Vorsitz des Pabsies zu einer Zeit gehalten, da wir Kreuhsahrer von den Türken zerstreut nach Jerusalem schifften. Jener Ketzer, ein gemeiner, ungelehrter Mensch, der nicht einmal den Namen eines Ketzers verdiente, kam, zur Strafe für seine thörigte Hartnäckigkeit, in ein enges Gefängniß, in welches ihn Suger (der als Abt von St. Denis, laut eines Verrecktes dieses Klosters in Abwesenheit des Königs die Statsgeschaffte verwaltete) zu stecken den Auftrag erhielt, und wo er auch bald sein Leben endigte. Auf eben dieser Kckchenversammlung ließ auch Heinrich durch Gesandte , welchen er sine goldene Bulle mitgegeben hatte, den, Pabst seine Gelangung zur römischen Königöwürde, nebst dem Streite dreyerBrü- ^ der gegen den vierten altern um das Herzogthum Pohlen andeuken, und auch die Klagen der dortigen Bi- fchöffe anbringen, die schon bey Lebzeiten des verstorbenen Herzogs dem ältesten Prinzen gehuldiget hatten. Ausserdem war schon das Gerücht von unserm unglücklichen Kreutzzug allenthalben erschollen. Nach ausgehobener Kirchenversammkung blieben die geschicktesten Männer aus der Nachbarschaft zurück, z um den Streik des Bischoffs Gilibert zu schlichten. Die- l ser stellte sich vor dem Bischoff von Rheims, las gan- ! ze Stellen aus den rechtgläubigen Kirchenvätern vor, deren Werke er vollständig, nicht bloß in Auszügen, mitgebracht hakte, und erklärte darauf, daß er mit ihnen in der Dreyeinigkeitslehre eines Glaubens sey. Der Pabst bekam endlich lange Weile. Guter Bruder, sag - 185 te er, ihr sprecht da vieles, leset vieles, das wir vielleicht nicht verstehen; bekennt uns nur ohne Umschweife, ob ihr das höchste Wesen, in welchem ihr drey Personen als einen Gott annehmet, für Gott selbst hallet. Gilibert, zerstreut und müde durch die lange Anstrengung, antwortete ohne gehörige Ueberlegung, Nein! Sogleich protocollirte der Notar folgende Worte: Der Bischofs von Poitou hat geschrieben und gesagt: das göttliche Wesen sey nicht Gott. Hiermit war die Sitzung für den Tag geschlossen. ^ Den folgenden Tag erklärte er sich, daß er dieses nicht geradezu wolle verstanden wissen. Der Name Gott, sagte er, bezeichnet bisweilen die Natur, bisweilen die Person. Natur: wenn es z. B. heißt: dein Gott ist einer. Person, wennmansagt: der Vater ist Gott; der Sohn ist Gott. Auch nur eine einzige der drey Personen, als: Gott fahrt auf in Herrlichkeit, wo sonder Zweifel die Rede vom Sohn ist. Daher, fügte er hinzu, könne er nur in dem Sinn zugeben, daß Gott die Gottheit sey, in so ferne Gott für die Natur gesetzt werde. Allein absolut, wo dieser Name für eine jede der Personen stehe, könne er es nicht ^ zugeben. Denn sonst müßte er, wenn er sich so unbestimmt ausdrückte: Gott (d.i. eine jede der Personen) sey die Gottheit, ohne Einschränkung alles von einer jeden Person, und vom Wesen eingestehen, und in die Absurdität gerathen, von dem göttlichen Wesen, eben so wie von der Person des Sohnes sagen zu müssen, es habe gelitten u.s. w. Dies würde denn sehr leicht auf dm Sabellianismus führen. Seine Meinung suchte er durch Autorität des Theodoretö und des Toledanischen Eonciliums zu unterstützen. Letzteres drückt sich so aus: Allein dasWort M ; ward 186 ward Fleisch? und wohnte unter uns. Und da die ganze Dreyeinigkeit bey der Bildung des angenommenen Menschen geschäff- tig war, weil dieWerke der Dreyeinigkeit unzertrennlich sind: so Hut doch er allein in der Einzelnheit seiner Person, nicht in der Einheit der göttlichen Natur den Menschen angenommen; d. h. in dem, was dem Sohn eigen, nicht aber der Trinität gemein ist. Diese Ausdrücke wollte der Abt von Clairvaux naher bestimmen, weil er sich aber dabey einiger Ausdrücke bediente, dis den Cardinälen nicht gefielen, so rief Gilibert aus: „Auch das protocollire man." Ja wohl, versetzte Bernhard, und zwar mit eisernem Griffel, und steinerner Faust. Darauf legten er und die übrige Geistlichkeit ihr Glaubensbekenntniß gegen die, dem erstem angeschuldigten, Punkte ab, welches also lautet. Mir glauben, daß die Natur der Gottheit Gott sey, und daß es in keinem cakholischen Sinne geleugnet werden könne, die Gottheit sey Gott oder Gott die Gottheit. Wenn es aber heißt: er sey durch Weisheit weise, durch Größe groß, durch Ewigkeit ewig, durch Einheit einer, durch Gottheit Gott: so glauben wir, daß er nur durch die Weisheit, welche Gott selbst ist, weise sey: nur durch die Größe, welche Gott selbst ist, groß, nur durch die Ewigkeit, welche Gott selbst ist, ewig: nur durch die Einheit, welche er selbst ist, einig, nur durch die Gottheit, welche er selbst ist, Gott: d. h. daß er durch sich selbst der weise, große, ewige, einige Gott sey. Wenn wir von den drey Personen: Vater, Sohn, lind Geist reden: so bekennen wir, daß sie ein Gott, f K'i li! e N! « imb M Kn 187 Gott, eine göttliche Substanz seyn: und l'm Ge- gentheil, wenn wie von einem Gott, einer göttlichen Substanz reden, so bekennen wir, daß der eine Gott und die eine göttliche Substanz, drey Personen seyn. Wir glauben, daß allein Gott Vater Sohn und heiliger Geist ewig sey, und daß alle Beziehungen, Eigenschaften, Singularitäten, Einheiten, oder wie sie Namen haben, welche von Ewigkeit seyn, und doch nicht Gott seyn sollen, etwas anders als Gott seyn. Wir glauben, daß die Gottheit selbst (man nenne sie nun die göttliche Substanz, oder die göttliche Natur), in dem Sohne, incarnirt sey. Bernhard hatte zur Ablegung dieses Glaubensbekenntnisses so viel Geistliche, als er nur konnte zusammenberufen. Die Cardinäle aber nahmen diesen Schritt der gallicanischen Kirche als ein eigenmächtiges Unterfangen sehr übel aus, und beschwerten sich darüber beym Pabste. Ihr wißt, redeten sie ihn einstimmig an, daß ihr von uns, als den Angeln, in denen die ganze Kirche schwebt, zum Regiment der gelammten Kirche erhoben ssyd, und müßt von der Zeit an nicht euch, sondern uns, angehören. Ihr müßt neue und Privatfreundschaften nicht jenen alten vor- ziehen, die ein allgemeineres Interesse geknüpft hat, sondern für das Wohl aller sorgen, .und die Hoheit der römischen Braut die euch obliegenden Pflicht nie aus den Augen sehen. Allein was hat euer Abt, und mit ihm die gallicanische Kirche gethan? mit welcher frechen Stirne hat sie sich gegen das Primat des römischen Stuhls aufgelehnt ? denn dieser ist es, der da schließt, was Niemand öffnet, und öffnet, was Niemand schließt. Er darf allein in Glaubenssachen entscheiden, und kann, selbst in seiner Abwesenheit, keine Eingriffe in dieser Vorrecht dulden. Jene Franzosen aber erdreisten sich sogar unter unfern Augen die Puncte, welche wir jüngst in unfern Zusammenkünften in Erwägung gezogen haben abzuschließen, und ohne unser Zuziehen ihr Glaubens- bekenntniß aufzusetzen. Wenn im Orient, z. B. in Alexandrien oder Antiochien Geschäffte dieser Art verfallen, so würde jeder Schluß der Patriarchen, dem unsre Bestätigung fehlte, keine Gültigkeit haben; vielmehr muß dort alles dem hergebrachten Rechte nach dem Urtheil der römischen Curie unterworfen werden. Wie dürfen sich nun jene ein Recht in unsrer Gegenwart anmaßen, das selbst Entferntem, Männern, welche größer sind als wir, nicht zukommt? Daher verlangen wir, daß ihr euch ungesäumt dieser verwegenen Neuerung widersetzen, und sie bestrafen mögek. Der Pabst besänftigte sie mit guten Worten, rief den Abt zu sich, befragte ihn genau um die Art des Verfahrens und erhielt von ihm zur Antwort: „Weder er noch die Herren Bischöffe hätten etwas über die erwähnten Sätze ausgemacht; sondern er habe blos, da er vom Bischofs von Poitou Härte, daß sein Glaubens- bekenntniß schriftlich verfaßt werden solle, unter Autorität und Zustimmung der Bischöffe, um so etwas nicht allein zu wagen, auch das seinige in aller Einfalt aufgesetzt. Mit dieser eben so demüthigen als bescheidenen Antwort ließen sich die Cardinäle befriedigen, jedoch unter dem Beding, daß die Schrift, welche der Abt verfaßt, weil ihr die Bestätigung des päbstlichen Ho« fes fehle, nicht das Ansehen eines Symbolums, das von förmlichen Concil ien gegen Ketzer verfertigt wird, erlangen solle. Gott sey gepriesen, daß durch Nach' giebigkett ' .- ,89 giebigkeit beyder Theile eine Trennung in der Kirche der, hütet ward! Der Bischoff von Poitiers nahm den pabstlichen Ausspruch ehrerbietig an, söhnte sich mit seinen Archi- diaconen, die ihm den Streit zugezogen, aus, und gieng in seine Diöcös zurück, wo er wieder in den völligen Besch der bischöfflichen Würde eintrat. Ob nun Bernhard bey dieser Geschichte aus menschlicher Schwachheit gestrauchelt, oder ob Gili- bert als ein sehr gelehrter Mann seine wahren Absichten zu verbergen gewußt, kann ich hier nicht ausmachen. Ersten Ersten Buchs Dritter Abschnitt. > Unterdessen waren wir Kreuzfahrer bemüht, jeder so gut es angieng, festes Land zu erreichen. König Ludwig von Frankreich stieg in der Fastenzeit bey Antiochien aus, an dem Orte, weicher der Hafen des heil. Simeon heißt; andre bey PtolemaiS, das auch den Namen Akkon führt: andre bey Tyruü und Sidon in dem Sidonifchen Flecken Sarepta. Einige litten Schiffbruch, wobey mehrere das Leben verloren. Diejenigen, weiche am frühsten gelandet, kamen gegen den Palmsonntag in Jerusalem an, und feyerten daselbst die stille Woche und das Osterfest mit der größten De- muth des Herzens. Kaiser Conrad hatte noch in seinem Zuge den Bischofs Ortlieb vonlBasel, Arnoldseinen Canzler, Friedrich Herzog von Schwaben, Herzog Heinrich von Bayern, Herzog Welf nebst andern Grafen und Rittern. Er traf in der Osterwoche zu Ptolemais ein, und wenige Tage darauf zu Jerusalem, wo ihn der Clerus und das Volk mit großer Fröhlichkeit, und ausserordentlichen Ehrenbezeugungen aufnahm. Friedrich, Vogt der Regensburger Kirche und im Gefolge des Kaisers , war kurz vorher gestorben. Sein Leichnam wurde in die heilige Stadt geführt, und auf dem Kirchhofe der Tempelherren beerdigt. Der Kaiser verweilte hier einige Tage im Palast der Tempelherren, besah alle heilige Oerter, kehrte dann durch Samarien und Galiläa nach Ptolemais zurück, und brachte so viele von den ankommenden Soldaten als er si^ ki' D HK PKi k»> p ü Dl er nur konnte durch Geld dahin, daß sie in fernen Dien- sien verblieben. Er hatte nehmlich mit dem Könige von Jerusalem, dem Patriarchen, und den Tempel- Herren Abrede genommen, einen Feldzug nach Syrien zu thun, um Damascus zu erobern: und eben das war die Ursache, weswegen.er mit schweren Kosten Leute aufzubringen suchte. Gleiche Absichten hegte König Ludwig von Frankreich, der aus Antiöchien, welches seiner Gemahlin Oheim, väterlicher Seite, gehörte, bis vor Tyrus sich gezogen hatte. Er und Konrad trafen an dem Orte, der den Namen Palme von den Palmbaumen führt, gegen Ende des Monat JuniuS zusammen, um den Plan zu den künftigen KriegSoperationen zu verabreden. Uebrigens hatten alle vorhergegangenen vielfältigen Widerwärtigkeiten den königlichen Stolz beyder Regenten noch nicht unterdrücken können. Ausführlichere Nachrichten über diesen Damascenischen Feldzug will ich biß auf einen andern Ort versparen, oder sie vielleicht ganz andern Erzählern überlassen. Nach Beendigung desselben beschlossen die Fürsten in ihre Länder zurückzukehren. Der römische Kaiser durch Griechenland, der König von Frankreich durch Calabrien und Apulien. Conrad segelte von Ptolemais ! nach Europa über, und traf auf der Grenze von Acha- ja oder Thessalien seinen Bruder und Freund, den griechischen Kaiser Manuel, an, bey dem er, krank und matt von den vielen ausgestandenen Beschwerden, eine ! Zettlang verweilte. Indessen war Friedrich, seines Bruders Sohn, durch die Bulgare») und Ungarn schon vorausgegangen, um die Angelegenheiten des Reichs in Ordnung zu bringen. Er traf im Monat April zu Hause ein, und verurtheilte einige von seinen Hofbedienten als Friedensstöhrer zum Strange. Endlich gieng gieng auch der Kaiser mit dem Bischoff vom Basel ^ dem Kanzler Arnold, und seinem Bruder, Herzog Heinrich von Bayern, (Herzog Welf war schon über ^ Lalabrien und Apulien zurückgegangen) aus Griechen- U land ab. Er nahm seinen Weg durch Jllyrien, Dal- t«ck marien, über die See, stieg an der Grenze seines E R «>)s bey Pola in Istrien ans Land; setzte darauf ^ seinen Weg durch Aquileia nach Salzburg fort; feyer- te hier das Pfingstfest, das er zwey Jahre vorher auf Z der Grenze von Ungarn begangen hatte, und hielt zu D, Regensburg einen Reichstag, bey dem sich sehr viele Fürsten einfanden. ^ Es giebt mehrere, die sich daran stoßen, daß die- M ser Kreutzzug einen so schlechten Ausgang genommen; aber war er gleich nicht gut zur Erweiterung der Grm- M zen, so war er doch gut zu vieler Seelen Heil. Abt ? K Bernhard hat in einem eigenen, an Pabst Eugen ge- M richteten, Tractat sich hierüber entschuldigt. Auch erließ . M eben dieser Pabst an den römischen Kaiser ein trostrei- K, ches Schreiben folgenden Inhalts. Bischoff Eugen, Knecht der Knechte Gottes, seinem in Christo geliebtesten Sohne, Conrad, Römischen Kaiser, Heil und apostolischen Segen. Na in dieser Welt alles dem Wechsel unterworfen ist, so müssen wir, voll Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit, im Unglück so wenig zagen, als im Glücke trotzen ; denn der Mittler zwischen Gott und Menschen pflegt, nach einer bewundernswürdigen Einrichtung, jeden, den er als Sohn aufnimmt, mit Widerwärtigkeiten heimzusuchen. Wahrend seine liebreiche Stimme ihn zu den ewigen Belohnungen einladet, muß ihn die Welt, durch die Trübsale, welche sie ihm verursacht, von sich zurück stoßen: und er weicht um so viel leich- zch W che W hin! iek« ß» duz L k95 fl. «us Äe Nm- cha- Kl» tztz . ß- N ttr von der Liebe des Indischen ab, je größer der Antrieb zu dem ist, der ihn ruft. Wir sehen dieses m der Geschichte des jüdischen Volks durch Moses und Pharao bestätigt. Indem Pharao das Volk mir harten Frohnen drückte, erstholl die Stimme Moses, so daß es durch das vorgehalkene Glück, wie dura- den Druck des Elends aus seiner schändlichen Sclaverey gerissen ward. Mit diesem Trostgrund ermahnen wir euch im Herrn, das Unglück, so Gott uver euch und euer Heer hat ergehen lasser!, geduldig zu' ertragen, und eure Hoffnung auf den zu setzen, der Leiden verhängt, über welchen er will, aber auch die, welche ihm vertrauen gnädig zu beglücken pstegt. Wenn ihr bey Widerwärtigkeiten Geduld und Ergebung in den göttlichen Willen vollkommen beobachcsr, so könnt ihr durch des Lebens Wüste unter dem Schuß der Molken - und Feuersaule , das heißt, mit dem Tröste der Geduld, und dem Eifer der Liebe, unversehrt wallen. Weil wir nun eurer Person mit wahrer Liebe zu- gethan sind, und großes Zutrauen zu euch hegen , so würde es uns sehr angenehm gewesen ssyn, wenn wir uns ohne Aufschub über Sachen , die die heilige Kir- che und das Reich betreffen, mündlich mit euch hatten unterreden können. Da uns aber Umstände daran hindern, und wir doch eures Heils wegen besorgt sind, so haben wir, nachdem eure Ankunft in der Lombardey bekannt ward, wie wir es durch unsre ehrwürdigen Brüder, Hartwich Erzbischofs von Bremen, und Anselm Bischoff von Havelberg euch angedeutet, den Schluß gefaßt, einige von unfern Brüdern an eure Majestät zu senden, damit sie euch unsre Neigung und Wohlwollen gegen euch bezeugen, und über das, was wir zu wissen begehren, von euch Bescheid erhal- Denkwsrdigk.ll.B. N ten ten möchten. Wir haben ihnen den Auftrag gegeben euch, als unserm geliebtesten Sohne, als dem kakho.' lischen Monarchen und dem besonder» Vertheidiger der heiligen römischen Kirche, unsern und dieser Kirche Zustand vorzustellen. Sie waren auch schon biß nach Tuscien gekommen, als sie Nachricht von euerm Aufbruche nach Deutschland erhielten, und sodann, aus Furcht vor dem langen Wege, und der bey der Sem- merhihe sehr beschwerlichen Reise wieder umkehrten. Weil wir nun begierig sind, Nachrichten von euch, und unserm geliebten Sohne, König Heinrich dem jungem zu erhalten, den wir m eurer Abwesenheit väterlich geliebt, und dessen Unternehmungen wir fernerhin des Himmels Segen anwünschen, so ersuchen wir euch durch unsern getreuen Franko, Ueberbringecn dieses Schreibens, und durch unsren apostolischen Brich daß ihr uns durch eben diesen Franko, von euch, von Heinrich, und dem Zustande des Reichs benachrichtigen, und die Ehrfurcht, welche ihr gegen eure Mutter, die heilige römische Kirche hegt, gegenwärtig an den Tag legen möget. Denn auf die Weise werdet ihr unsrer Zuneigung gemäß handeln, und durch die Fürsprache des heil. Petrus, des obersten der Apostel, dem ihr euch ganz hingeben müßt, unsers Schöpfers reichliche« re Gnade verdienen. Gegeben im Tusculan den 25sten Iunius. Im Jahr n 50. starb Heinrich erwählter römischer König. Sein noch kleiner Bruder hieß Friedrich Um eben diese Zeit erregte der Tod Harrliebs Bischoffs von Utrecht, einer Stadt in Friestand, ei? NM sehr erheblichen Zwiespalt, indem einige Friedrich, des Grafen Adolphs Sohn, andre Herrmann Probst der St. Gereons Kirche zu Cöln, auf den erledigten Sitz erheben wollten. Letztere kamen den erstem zuvor, wendeten sich an den Kaiser, den sie zu Nürnberg antrafen, und erhalten von ihm die Investitur. Die andre Par- tey begab sich nach Speyer, und erhielt noch auf ei- i nige Wochen Frist. > In diese Zeit fällt auch der Tod des Erzbischoffs j Arnold von Cöln, der zu geistlichen und weltlichen Geschafften gleich wenig taugte. Beyde Vakanzen veran- laßren den Kayser an den Niederhein zu gehen. In seinem Gefolge befanden sich die Bijchöffe Otto von Freysingen, und Albert von Meißen. Bey Bobarr einem königlichen Cammergute imTrierischen am Rhein gelegen, kamen ihm schon Gesandte aus Cöln mit der Nachricht entgegen, daß sein Canzler Arnold zum Erzbischofs erwählt sey, und daß man nur noch auf den Kayser warte, um die Wahl bestätigen zu lassen. Conrad nahm die Nachricht mit vielem Vergnügen auf, und bemächtigte sich auf dem weitern Fortmarsche zweyer sehr festen Schlösser. In das eine an der Mosel gelegene, das Kohin hieß, warf er eine Besatzung: das andere, Rheineck, am Rhein, ließ er verbrennen. Hier war es auch, wo ihm Arnold entgegen kam. Die beyde» vorhingenannten Bi« schösse, welche ihy begleiteten, weihten nicht weit vor Cöln eine Kapelle ein, die er auf seinem eignen Gute erbaut hakte. Endlich langte er zu großer Freude!deS Volks und des Klerus zu Schiffe in Cöln an, ertheil« te dem Arnold, so sehr sich auch dieser dawider sträubte, die Investitur auf die geistliche und weltliche Würde, und gieng sodann in die Burg zu Nimwegen, um die Sache der Utrechter zu schlichten. N s Mitk- -96 Mittlerweile hatte Herrmann vor seinem Nebenbuhler Friedrich entweichen müssen. Die Unechter kommen in großer Menge auf dem Rhein an, in den sie durch die Waal, einen Arm dieses Flusses, gelangen konnten. Der Kaiser wollte sie mir ihrer Gegen- partey auSgleichen, konnte aber auf keine Weise etwas ausrichten. Sie verlangten sicheres Geleite, um wieder zurückzukehren, und sagten: es sey ihnen unmöglich vor einem weltlichen Richter einen Proceß auszumachen, den sie schon cheym Pabst anhängig gemacht. Eine so beleidigende Antwort mußte den Kaiser nothwendig erbittern, und er würde sie aus der Stelle geahndet haben, wenn er ihnen nicht schon Sicherheit für ihre Personen versprochen gehabt hatte. Auch war es ihm für itzt noch nicht möglich etwas gegen Utrecht selbst zu unternehmen, weil er nach Bayern gehen mußte, um dort die Unruhen zu dämpfen, welche durch einige Grafen waren veranlaßt worden. Er gierig also um Pfingsten nach Coblenz, verabschiedete hier die spanischen Gesandten, die sich lange bey ihm verweilt hatten, und gieng dann nach Bayern, wo er in Regensburg Hoftag hielt, und zweyen päbstlichen Legaten, Kctav an und Jordan Audienz ertheilke. Die Ausschweifungen der Söhne des Pfalzgrafen Otto hatten die Folge, daß ihr Vater in 'die Acht erklärt und sein in der Donau gelegenes Schloß Kelhaim so lange belagert ward, bis er einen von ihnen als Geißel stellte. Hierauf beendigte er die Streitigkeit der Utrechter Kirche zum Vortheile Hcrrmanns und zur Ehre des Reichs; und sein Verfahren wurde vom römischen Stuhl bestätigt, wodurch allen fernem Schwierigkeiten vorgebeugt ward. Di» Ui" W! Jtzt hatte Conrad in seinem Reiche alles in Rich* tiKkeit gebracht, bis ans den einzigen Römerzug, auf dein dem er sich die Kaiserkrone holen wollte. Eine tödli- cheKrankheit aber, welche man feinen italienischen Aerzken Schuld giebt, dis ihn aus Rogers von Sicilien An- siiften vergiftet haben sollen, vereitelte sein Unternehmen. Er kam zwar nach Bamberg zum Reichstag, starb aber daselbst den i zten Februar uz 2. Die Reichsinsignien übertrug er dem Herzog Friedrich, nebst seinem einzigen Sohne Friedrich. Denn da er die Unmöglichkeit, seinen noch unmündigen Sohn zum Thronfolger zu haben, sehr wohl einsahe, so wünschte er zum Besten des Reichs und seiner Familie, daß man seines Bruders Sohn zum römischen König erwählen möchte. Die Anverwandten des Verstorbenen wollten den steich- nam in das Kloster Lorch bringen, und ihn daselbst neben seinem Vater beysetzen; allein die Geistlichkeit zu Bamberg hielt es für schimpflich, wenn sie ihn nicht bey sich behielt, und so geschah es, daß er nebsn dem Grabe des Kaysers Heinrich, des Stifters von Bamberg, beerdigt ward. R? Zwey; 1 Z 8 Zweyte 6 Buch. I ch weiß es sehr wohl, Friedrich, Zierde der Kaiser ^ und Könige! daß meine Feder, wenn sie eure xreißwürdigen Thaten erzählt und eure sich immer mehrenden Siege, dem Gewichte des Inhaltes unterliegen wird. Jedoch unter zweyen Nebeln,, wenn ich so reden darf, ist es besser, das geringere zu wählen, besser zu wenig von seinem erhabenen Gegenstände zu sagen, als gänzlich zu schweigen. Da ich nun das erste Buch mit Kaiser Conrads, eures glorreichen Oheims, Tode, als dem Anfang eurer Laufbahn geschloffen habe, so will ich dieses zweyte Buch, dar euren, Ruhme gewidmet ist, folgendermaßen beginnen. M zin)»r HM M! Hnjl «den! t!> : schm i ^!«I, k«a! !kz ch Nach dem, im Jahre n; 2 . erfolgten Tode Conrads, versammelten sich zu Frankfurt alle Fürsten Deutsch- landS nebst einigen italienischen Baronen, um ein neues Oberhaupt zu wählen. Denn dieß ist ein besonderes Vorrecht des römischen Reichs, 'daß seine Beherrscher nicht durch Erbfolge, sondern durch Wahl der Fürsten bestimmt werden. Hier nun wurde Herzog Friedrich von Schwaben, Herzog Friedrichs Sohn, einstimmig den zten Marz zum deutschen König ernannt. Die Ursache, warum alle so einmüthig für Friedrich stimmten, läßt sich aus folgendem erklären. Im römischen Reiche waren bisher zwey berühmte Familien gewesen, die der Heinriche von Gibelingen, (Weidlingen) und der Guelfen von Altdorf. Aus der einen stammten Kaiser, aus der andern große Herzoge. Bey- de waren, wie es bey ehrsüchtigen Großen gewöhnlich der Fall ist, eifersüchtig auf einander, und erregten dadurch häufige Unruhen im Staate. Endlich geschah es durch Gottes Vorsehung, der seinem Volke künftig Friede verleihen wollte, daß unter Heinrich dem fünften der Vater des jetzt regierenden Friedrichs, der aus der königlichen Familie abstammte, eine Tochter Herzog Heinrichs von Bayern, heyrathete, und durch eben diese Heyrath beyde Hauser mit einander verknüpfte. Nun sollte durch Erhebung Friedrichs auf den deutschen Thron der schwere langwierige Groll der Guelfen und Gibellinen, den bloße Privatabsichten genährt hatten, vollends gehoben werden; daher wurde auch Conrads noch unmündiges Kind bey der Wahl über- zangen. Nachdem nun alle ihm gehuldigt, und die Versammlung größtenteils auseinander gegangen war, gieng Friedrich mit den wenigen übrigen, die er sich «Mas, am Donnerstage zu Schiffe, trat bey dem kö»- N 4 niglichen 20S nielichen Gute Sinzich wieder ans Land, Md M den Sonnabend in Aachen an. Den folgenden Tag, Sonntag Läcare, wurde er von den Bischvffen in die Marienkirche geführt, von Arnold, Erzbischoff von Löin gekrönt, und auf den fränkischen Thron gesetzt, den Karl der Große in dieser Kirche ausgestellt hatte. Das sonderbarste bey seiner Thronbesteigung wach daß in einer so kurzen Zeit nicht allein eine grcße Menge Fürsten und Edler des deutschen Reichs, sondern selbst versthiedne aus Frankreich, wohin sich das Gerücht hievon wider Vermurhen schon verbreitet haue, zusammen kamen. Gleich hier bey dem Anfang seiner Regierung gab er einen auffallenden Beweis seiner unerbittlichen Ge- rechtigkeitsliebe. Ab; man ihm nach vollendeter Salbung die Krone aufsetzte, siel einer von den Hofbe- dienren, der mir andern wegen schwerer Vergehungen jn Ungnade gefallen, und verabschiedet worden war, mitten in der Kirche ihm zu Füßen, in der Hoffnung, daß die frohen Ereignisse dieses Tages Friedrichs Ge- müth zur Gelindigkeit würden gestimmt haben. Mein Friedrich war nicht zu bewegen. Nicht Haß gegen seine Person, sprach er, sondern Achtung für das was Recht ist, haben ihn meiner Gnade verlustig gemacht. Alle Anwesende erstaunten über die feste Entschlossenheit desjenigen Mannes, dessen Handlung die Bedacht- samkeit eines Greises vorauözusetzen schien, und den weder Fürsprache der Großen, weder Scbmeicheleyen des Glücks, noch äussere angenehme Eindrücke zu einer tadelhaften Schwachheit vermögen konnten. Auch den sonderbaren Urrmand muß ich hier noch erwähnen, daß an eben dem elben Tage, in eben derselben Kirche, und von denselben Bischöffm, welche Fried- Friedrich gekrönt hatten, ein Geistlicher, der auch Fried* rich hieß, zum Bischofs von Münster ordinirt ward, gleichsam als wenn der oberste König und Hohepriester' bey der Feyerlichkeit zugegen gewesen wäre, da an einem Tage und an einem Orte, zwey Personen, die nach der Einrichtung des alten und neuen Bundes allein die sacramematische Salbung empfangen können, auch wirklich gesalbt wurden. Nach vollendeter Feyerlichkeit versammlete Friedrich die verständigem und mächtigem Fürsten in dem Palast, berarhschlagte sich mit ihnen über Staatsangelegenheiten , und beschloß, Gesandte an den Pabst, die Stadt Rom, und alle italienische Staaten zu schicken , um ihnen seine Erhebung aus den Thron anzudeuten. Zu diesem Gcschäffce wurden zwey gelehrte kluge Männer ausersehen: Hilm Coadjutor von Trier, und Eberhard Bischofs von Bamberg. Von Aachen gieng Friedrich in die Gegend des Unterrheins, strafte die Utrechtsr ihrer Widersehlichkeit wegen an Gelds, bestätigte den Bischofs Herrmann in seiner Würde, kehrte darauf zu Ostern in Cöln ein, und gieng von hier durch Westphaten nach Sachsen. Um die dänische Krone stritten damals zwey Blutsverwandte: Peter, auch Sueno genannt, und Kanut. Friedrich berief ihrenthalben eine zahlreiche Reichsversammlung zu Merseburg, vor der sie in aller Unterwürfigkeit erschienen, und ihren Streit der Entscheidung der Fürsten überließen. Dem Ausspruch derselben zufolge entsagte Kanut mit Beybehalt einiger Provinzen durch Überreichung des Schwerts dem königlichen Titel, denn nach Reichösitte werden Königreiche durchs Schwert, Provinzen durch eins Fahne vom Kaiser übergeben, oder zurückgenommen. Peter hingegen wurde zum Könige ernannt, und leistete den Eyd der N z Treue, Treue, durch den er sich als einen Vasallen des Kaisers bekannte. Er empfieng also aus der Hand des letztem die Krone seines Reichs. Waldemar der ebenfalls mit ihm nahe verwandt war, erhielt ein gewisses Herzog- thiim in Dannemark. Friedrich hatte noch nicht Sachsen verlassen, als der Tod des Bischoffs von Magdeburg, welches der Sitz des Erzbifchoffs von Sachsen ist, Anlaß zu einem Zwiespalt gab, indem einige den Probst Gerhard, andre den Dechant des StiftS^zu der erledigten Würde erheben wollten. Beyde Parteyen entschlossen sich endlich an den Kaiser zu gehen. Dieser versuchte anfangs die Sache in Güte auszumitteln, weil er aber damit nichts ausrichten konnte, so brachte er es bey der Par- tey, welche für den Decan stimmte, so weit, daß sie den Bischofs Wichmann von Zeitz^ einen jungen rechtschaffnen Mann erwählten, der dann sogleich herbey- gerufen, und von dem Kaiser mit den Regalien des Stifts belehnt ward. Denn nach einem Rechte, das unter Heinrich dem fünften, wo der Investiturstreir geschlichtet ward, die Kirche dem Reich zustand, kann der Kaiser, mit Zuziehung seiner Fürsten, wenn bey einer Bischoffswahl die Stimmen getheilt sind, einen Bischofs nach Gefallen ernennen: auch darf der Erwählte nicht eher cousecrirt werden, als bis er von ihm die Regalien durch den Scepter erhalten. Nachdem nun Friedrich ganz Sachsen kn die ''gehörige Verfassung gefetzt, und sich des Gehorsams der Großen versichert hatte, gieng er nach Regenspurg, der Hauptstadt von Bayern, und ließ sich daselbst im Closter St. Emmeran (denn der Dom war mit einigen Straßen abgebrannt) krönen. Auch kamen hier die Gesandten aus Italien mit angenehmen Nachrichten zurück. IHt ° Itzt glaubte Friedrich den rechten Zeitpunkt lge- krossen zu haben, um die Ruhe seiner Staaten zur Be- kriegung der Ungarn zu benutzen, die er dem Reiche gern wieder einverleiben wollte. Weil er aber die Zustimmung der Fürsten auS gewissen geheimen Ursachen nicht erhallen konnte, so verschob er die Ausführung seiner Absicht auf eine bequemere Zeit. Die einzige Unruhe, welche jetzt den Kaiser in Deutschland beschäfftigte, wurde durch den Streit zwey- er seiner Anverwandten um das Herzogthum Bayern ! erregt. Der eine war sein Oheim väterlicher Seite, ^ Herzog Heinrich, der andre war Heinrich, seiner Mutter Brudersohn, dessen Vater, gleiches Namens, wie schon anderswo gesagt worden, Kaiser Conrad aus Bay- i ern nach Sachsen vertrieb, und das Herzogchum erst dem Leopold, des Marggrafen Leopolds Sohn, nachher i seinem Bruder Heinrich übertrug. Um nun diese Un- ' einigkeit beyzulegen, forderte er beyde auf, sich im ! Ortober zu Würzburg zu stellen. Der zweyte erschien, ^ der erste aber mußte mehrmalen citirt werden. Hier in Würzburg kamen auch Flüchtlinge ans Apulien an, welche Roger aus ihrep väterlichen Wohnsitzen vertrieben hakte. Sie warfen sich unter Vergießung vieler Thranen dem Kaiser zu Füßen, und brachten ihn zu dem Entschluß, theils um ihr Unrecht zu rächen, theils auch die Kaiserkrone an sich zu bringen, in weniger als zwey Jahren einen Feldzug nach Italien zu thun. Gerhard, einer von den beyden Compstenten zum Magdeburgschen Bißthum, wollte sich nicht mit dem Ausspruche Friedrichs begnügen, sondern gieng nach Rom an den Pabst Eugen, und klagte Wichma>m «n, daß er sich widerrechtlicher Weise der Bischoffs- würde würbe angemaßt habe. Der Pabst nahm das Ver- fahren des Hofes ehr übel auf, und bezeugte sein Mißvergnügen , sowohl in schriftlichen Antworten an diejenigen Bischöffe, welche als Anhänger des Hofes zum Besten WichmannS an ihn geschrieben hatten, als auch durch mündliche Vorstellungen einiger Cardinäle, welche nachher zu uns herüberkamen. Sein Schreiben war folgendermaßen abgefaßt; Bischof Eugen, Knecht der Knechte Gottes, entbie- thet seinen ehrwürdigen Brüdern, den Erzbi- schöffen Eberhard von Salzburg, Hartwich von Bremen, Hillin von Trier, und den Bischöffen Eberhard von Bamberg, Hermann von Costniß, Heinrich von Regensburg, Otto von Freyfingen, u. s. f. Heil und apostolischen Segen. Schreiben, welches ihr in Betreff des Magdeburger Bißthums an uns aufgesetzt, haben wir mit schuldiger Güte ausgenommen. Allein bey Lesung desselben hat uns kein geringes Erstaunen überfallen, maßen es Dinge enthält, die sich gar nicht mit der Pflicht, welche euch als Bischöffen obliegt, vereinigen lassen. Denn da ihr durch göttliche Vorsehung an die Spitze der Kirche gesetzt seyd, damit ihr von da aus alles Nachtheilige von ihr abwehren, das Nützliche mit eifrigem Bestreben erhalten sollet, so habt ihr, wie es euer Schreiben ausweist, nicht auf das gesehen, was zum Besten der Kirche Gottes dient, was mit den eano- nischen Gesehen übereinstimmt, und folglich vom Willen des Himmels genehmigt wird, sondern aus das, was den weltlichen Regenten gefällt. Statt die Gesinnungen der letztem zu berichtigen, sie von Verirrungen zurückzuführen, und ihnen zu zeigen, wo der Weg des Herrn sey, habt ihr ihnen falsche Anschläge er- cheilt, und euch nicht als eine Mauer für das Haus Israel bezeugt; ja so gar, um mich der Worte des Propheten zu bedienen, die Mauer, welche sie aufführten, mit leimen ohne Spreu überworfen. Es chut mir tief im Herzen wehe, daß ich dieß bekennen muß. So dachte nicht der Oberste der Apostel, dem sein GlaubeNöbekennniiß das Vorrecht verschaffte, der Grundstein der . ganzen Kirche zu werden. Als ihm und den Aposteln die Kinder der Welt den Tod drohten, wenn sie fortfahren würden, im Namen Jesu zu predigen, so antwortete er, voll Vertrauen auf die Kraft des Herrn: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Ihr aber gebt, um den Fürsten nicht entgegen zu seyn , jener von ihnen unternommenen Handlung, euren Beyfall, da doch die Verordnungen der Kirche, und des Höchsten Wille derselben offenbar zuwiderlaufen. Denn der Ausspruch des göttlichen Gesetzes gestattet eö nicht, daß ein Bischofs ohne Noch, oder ohne daß der sichtbarste Vortheil daraus erwüchse, sein Bißthum mir einem andern verrausche, ja bry der Wahl desselben muß mehr als irgendwo auf Einstimmigkeit des Clerus und des Volks gesehen werden. Von dem allen aber finden wir bey der Versetzung unsers ehrwürdigen Bruders Wichmann aus Zeitz nach Magdeburg nicht die geringste Spur; sondern da saht ihr allein auf Fürstengunst, dachtet nicht daran, ob die Bedürfnisse einer Kirche, oder die Nutzbarkeit der. Person das Unterfangen begünstigen, und versetztet wider Willen des Clerus, ja, wie man sagt, trotz der Protestation deS größten Theils, den Bischofs pon Zeitz nach Magdeburg. Hier- Hierüber wundern wir uns um so viel mehr) da wir den Wichmann aus seinem bisherigen Betragen als einen würdigen einsichtsvollen Mann kennen, und daher den Nutzen, den er seiner ersten Kirche zu verschaffen im Stande ist, nicht abläugnen können^ Mag nun der Hauch zeitlicher Antriebe jeden andern hin und her bewegen; wir fußen aus den festen Felsen, der gewürdigt ward, Grundstein der Kirche zu seyn:, wir dürfen, und wollen uns auch nicht jedem Winde fremder Grundsätze Preis geven, oder un§ durch irgend etwas von der Richtschnur der heiligen Gesetze abbringen lassen. Deswegen befehlen wir euch durch gegenwärtigen Brief, in dieser Sache fernerhin nicht -'parkeyisch zu seyn, und unfern theuer« ften Sohn Friedrich, den Gott zur Erhaltung der Freyheit unserer Kirche auf den römischen Thron gesetzt hat, durch Ermahnungen so weit zu bringen, daß er ebenfalls von seinem Vorhaben abstehe, und nicht gegen Gott, gegen die heiligen Verordnungen, gegen die Psiicht der königlichen Würde in dem angefangenen Unternehmen fortfahre; sondern die Magdeburger Kirche, so wie jede andere, die in dem Reich, das ihm Gott verliehen, befindlich ist, freye Macht lasse, jeden, welchen sie mit Gott will, zu wählen. Hernach, wenn die Wahl geschehen ist, kann er ihr, wie es seiner königlichen Majestät geziemt, seine Zustimmung geben. Sollte sie nun etwas für jenen unfern vorhingenannten Bruder thun, so würden wir Gründe haben weder seinem Willen noch eurem Begehr auf irgend eine Weise entgegen zu seyn, gegen Gott aber, und die heiligen canonifchen Vorschriften können wir unter keinerley Gesuch unfern Entschluß von uns geben.' ' - Gegeben zu Segni den 17. August. ' 2n -!Ä,, >N>V »W >wii, Mi N« iNkL' ;n iils ^7« cki^ä !siw )> ^ «Ä'l V, r L -F ^zi! 207 In der Dsterzeit des folgenden Jahres (115z) befand sich Friedrich zu Bamberg, und hatte an seinem Hofe zwey Cardinäle, die vom apostolischen Stuhl zu Absetzung einiger Bischöffe bestimmt waren.,^ In Worms, wo er die Pfingsten feyerre, ließ er durch eben diese Cardinäle den Erzbischofs Heinrich von Maynz absetzen, der gegen alle noch so häufhgen Ermahnungen in seiner DiöceS nichts als Unheil anrichtete. An dessen Stelle wurde der Canzler Arnold durch einige Cleriker und Layen, welche nach Worms gekommen waren, erwählt. Hier stellten sich auch die beyden vorhin erwähnten Heinriche, die um das Herzogthum Bayern stritten. Da aber der eine behauptete, er sey nicht gesetzmäßig citirt worden, so konnte ihre Sache dieß« mal nicht entschieden werden. Ferner erklärten die Cardinäle auf Friedrichs Bewilligung den Bischofs Burkhard von Eichstädt für unfähig zu fernerer Amtsführung, und nun wollten sie auch gegen den Magdeburger und andre Bischöffe ihr Unheil fällen. Friedrich aber befahk ihnen, ehe er es dahin kommen ließ, wieder nach Italien zurückzukehren. Nach des Eugem'uS Tode, der als ein gerechter und frommer Mann bekannt war, gelangte Anastasius auf den apostolischen Sitz, dessen vieljährige Erfahrung ihn mit der Politik der römischen Curie genau bekannt gemacht hatte. Dieser schickte einen Cardinal, Namens Gerhard, als Legaten nach Deutschland, um durch ihn die bekannte Magdebur- ger Streitigkeit, in Absicht der dort vorgefallenen Bifchoffswahl zu beendigen. Gerhard traf um Weihnachten in Magdeburg ein, wo sich auch damahls Friedrich aufhielt, mußte aber unverrichteter Sache und schimpflich wieder abziehen , weil er gegen den Willen deö Monarchen in manchen Stücken eigenmächtig hatte handeln wollen. Er starb noch auf der Rückreise. Dagegen ließ Friedrich den Wich- mann mit einer Gesandtschaft nach Rom abgehen/ die bey dem Pabste nicht blos die Genehmigung des 'ganzen Verfahrens, sondern auch das Pallium für Wichmann selbstauswirkten. -- Eine Begeben« heit, die umso mehr' Aufsehen machte,'da mehrere auö dem eignen Munde der Römer wußten, daßmarr in Rom um keinen Schritt habe nachgeben wollen. Seit diesem Vorfälle wuchs die Macht Friedrichs in weltlichen fo wohl als kirchlichen Angelegenheiten sehr. Im September dieses Jahrs wurden die Fürsten und Edeln von Bayern nach Regensburg vorgeladen, um den durch den Streit beyder Herzoge gestöhr- ten Landfrieden wiederherzustellen. Allein auch Ließ«' mal zerschlugen sich die Unterhandlungen. Au gleicher Zeit beschäfftigten den Kaiser die Verbindung , in welche er mit dem griechischen Kayfer Manuel treten wollte. Er war nemlich kurz vorher durch pabstliche Legaten von seiner Gemahlin geschieden worden, weil er mit ihr in naher Blutsverwandtschaft stand. Run Hatte er den Vorsatz, /ich mit einer griechischem Prinzessin zu vermählen, und mit Manuel eine Allianz gegen Wilhelm von Sicilien zu schließen, der seinem unlängst verstorbenen Vater Roger in der Regierung gefolgt, und als ein Feind beyder Kayserrhümer an- zusehen war. Au dem Ende schickte er auf den Rath feiner Großen den Anshelm von Hamelburg, und Alepandern als Gesandten nach Constantinopel. Letzte» rer war ehemals Graf von Apulien gewesen, ab r von Robert nebst den, übrigen Eyein dieser Provinz,' -veil sie seinem herrschsüchtigen Geiste verdächtig schienen, vertrieben worden. Im December stellten sich die beyden Heinriche zwar wieder zu Speyer vor Gericht: allein der Vorwand des einen, daß er auch dießmahl nicht gesetzmäßig sey vorgeladen worden, zog die Sache wieder in die Lange, bis endlich Friedrich eines Handels über- drüßig ward, an dessen Beylegung er schon zwey Jahre gearbeitet hatte. Er rhat also zu Gunsien dessen den Ausspruch, der an Bayern, als an sein väterliches ihm vorenrhaltenes Erbtheil, Ansprüche machte, und den er auf dem bevorstehenden Feldzuge sehr gut brauchen konnte. Er hielt deßwegen zu Goslar eine Reichsver- ! sammlung, vor welche er beyde Herzcge durch Edikte " citirte. Der eine erschien, der andre nicht, und so wurde dem Herzog Heinrich von Sachsen durch Gutachten der Fürsten das Herzogthum Bayern zuerkannt. ! Im dritten Jahr seiner Regierung ( n 54 ), also nach Ablauf der beyden Jahre, an deren Schluß er sich zu einem Zuge nach Italien verpflichtet hatte, versammelte er zu Anfang des Oktobers ein Heer im Lechfelde. Von diesem edlen Entschlüsse konnte ihn der ziemlich laute Unwille anderer Fürsten, der durch seinen neulichen Ausspruch gegen einen so großen Reichsfürsten rege gemacht worden, nicht abhalten. Er achtete vielmehr alles, was dahinten war, für nichts, und strebte voll, Vertrauen auf Gott, nur nach dem, was vor ihm lag. Der Marsch gieng durch Brixen, das tridentini- stheThal, über die Alpen, bis an den See Guarda in den tridentinischen Gefilden. Hier blieb Friedrich eine Weile liegen, um sich mit seinen Großen über den weitern Zug zu berathschlagen, und vor allen Dingen Lenkwürdigk. II. B. O siel) S!0 sich erst den Beherrscher des Himmels zu versöhnen« Denn auf dem Wege durch die Gebürge hatte sich dev Soldat aus Mangel an Lebensmitteln an verschiedenen heiligen Oertern vergriffen. Ob nun gleich diese Ausschweifung dadurch hinlänglich entschuldigt werden konnte, daß die Noch sie dazu gezwungen, so ließ Friedrich dennoch unter dem gesummten Heere eine Collecte anstellen, durch welche eine ansehnliche Summe Geldes zusammen kam, die er vermittelst zweyer Geistlichen an die Bischöffe von Trient und Brixen übermachte, mit dem Andeuten, sie an alle diejenigen heiligen Oerter auözutheilen, welche bey dem Durchmärsche gelitten hatten. — Wahrlich eine trestiche auf das allgemeine Wohl abzweckende Handlung des Fürsten, der bey den wichtigsten Unternehmungen zuvor die Gnade des Höchsten, ohne den nichts gut anzufangen, nichts glücklich beendigt wird, zu erlangen, und die Rache des Himmels von seinem Volke abzuwenden sucht. Von hier kam er in den Ronkalischen Feldern am Po, unweit Piacenza, im Nov. an. Einer alten Gewohnheit zufolge pstegen in diesem Felde die fränkischen si> wohl als deutschen Könige, wenn sie an der Spitze eines Heers sich die römische Kaiserkrone holen, liegen zu bleiben. Hier wird ein Schild an einer hohen Stange aufgesieckt, und die ganze Schaar der Ritter, welche Lehen besitzen, durch den Reichöherold aufgesvrdert in der nächsten Nacht bey dem Fürsten Wache zu halten. Nun bietet jeder seine Lehensmänner durch Herolde auf. Wer bey der Nachtwache gefehlt hat, wird den folgenden Tag vor den König, und die Fürsten, oder andre angesehene Männer geladen, und so wird jeder, der ein Lehen besitzt, aber ohne Willen seines Herrn ausgeblieben ist, desselben verlustig erklärt. Diese Gewohnheit beobachtete hier auch Friedrich, und so geschah es, daß die Lehen einiger weltlichen Her- ren eingezogen wurden- Eben so ergieng es auch den ! Bischöffen Hartwich von Bremen, und Ulrich von Hat- j berstadt, jedoch mit dem Bedinge, daß sie bloö für ihre Person die Regalien verlohren, denn diese sind von ^ den Fürsten nicht den Personen, sondern der Kirche auf immerwährende Zeiten verliehen worden. Italien, dieser anmuthige Garten, hak gegen Mitternacht die Alpen, gegen Mittag das Apenninische Gebürge, welches iht unter verändertem Namen das Gebürge Bardo heißt; gegen Abend das Tyrrhenische, ! und gegen Morgen das Adriatische Meer. Ausser dem ' Po, den .die Geographen zu den drey berühmtesten Flüsi- ^ sen Europa's zahlen, durchströmen das Land noch viele andre Gewässer. Sein Boden ist so schön, als das Clima gemäßigt ist. Es ist fruchtbar an Korn, Wein, - und Oehl, und erzeugt so viele Fruchtbäume, daß man deren ganze Wälder, vorzüglich von Castanien, Feigen und Oehlbäumen findet. Das obere Italien wird in drey Provinzen ge- theilt, Venetien, Aemilien, Ligurien. Im ersteren war Aquileia, im zweyten Ravenna, im dritten May- land die Hauptstadt oder der erzbischöfliche SiH. Die Strecke Landes, innerhalb des Apenningebür- ges, worinn auch Rom begriffen ist, heißt das innere Italien; diejenige aber, welche ausserhalb dieses Gebürges liegt, heißt Companien, Apulien oder Ca- labrien, ehedem groß Griechenland. Andre Geographen theilen Italien nur in zwey Theile, in das obere und untere. ' Barbaren aus der Insel Seändinavien, welche unter ihrem Herzog Alboin nach Ungarn gegangen waren, Os unterwar- , 12 -- -- - - unterwarfen sich das Land, und gaben einer Provinz den Namen Longobardey. Ihre Weiber hatten sich nein- lieh, um männlich auözusehen, weil sie Kriegsdienste thun mußten, die Haupthaare über das Kinn geschlagen, und erhielten daher den Namen Longobarden von den langen Barten. Seitdem führt das ehemalige Aemilien den Namen Romaniola, da die alten Einwohner im ravennischen Erarchak sehr zusammengeschmolzen sind. Jedoch hat die Vermischung der Barbaren mit den Eingebohrnen des Landes, bey der Güte des Elima'ö und Bodens so glücklich auf die jetzigen Einwohner gewirkt, daß man an ihnen eine nicht geringe Cultur in Sprache und Sitten bemerkt. Selbst ihre Staatsverfassung ist ein Nachbild der alten römischen, und ihre Freyheitsliebe geht so weit, daß sie sich lieber von Cousuln als von Regenten beherrschen lassen. Diese Consuln werden fast alljährlich aus den drey Ständen, der Capitaneen, Valvassoren und Gemeinen erwählt, damit sie keine Gelegenheit haben, sich eigenmächtig zu machen, und auch kein Stand sich vor dem andern Vorrechte anmaße. Daher komme es, daß jede von den Städten, unter welche das Land vertheilt ist, alles was in ihrem Bezirk wohnt, an sich gerissen hat, und kaum irgend ein edler oder sonst vornehmer Mann in dem weitläuftigcn Lande zu sinken ist, der nicht die Regierung der Stadt, zu welcher er gehört, über sich anerkennte. Jeder einzelne Landes- sirich, der seine eigne Gerichtsbarkeit hat, heißt eine Grafschaft. Um ihre Nachbarn in Respect zu erhalten, werden junge Leute aus dem niedrigsten Pöbel, oder solche die verächtliche Handwerke treiben, welche andre Nationen, von den freyen Künsten als unrein verbannen, zum Saldatendieuste genommen, in welchem sie zu ehrenvollen 2IZ renvollen Beförderungen gelangen. Hierin liegt der Grund, warum sie vor allen übrigen Städten an Macht und Reichthum so viel voraus haben; ausserdem kömmt ihnen auch noch die Abwejenheit der römischen Kaiser sehr wohl zu statten. Das einzige, was ihnen aus der vorigen Rohheit zurückgeblieben ist, besteht darum, daß sie keinen Gesehengehorchen, so sehr sie sich auch rühmen, nach Gesehen zu leben. Denn den Kaiser, dein sie doch ohne alle Schwierigkeiten sich unterwerfen sollten, empfangen sie fast nie mit der ihm gebührenden Ehrfurcht; oder unterziehen sich seinen Gesehen nicht anders, als wenn ihnen eine starke Erecution ins Land geschickt wird. Anstatt nun, daß der Unterthan durch Gesehe, der Feind durch Waffen gezwungen wird, so empfangen sie den Kaiser, der doch nur die ihm zuständigen Rechte fordert, öfters als einen Feind. Hieraus entsteht nun ein doppelter Schade für den Staat, sowohl in Rücksicht auf den Kaiser, als auf den Unterthan: jener inuß seine Aufmerksamkeit auf Bezwingung der Rebellen lenken , dieser muß sich bemühen ein Heer ins Feld zu stellen: und der Unrer- than verliehrt immer sehr viel, wenn er mit Gewalt zum Gehorsam gezwungen wird. Der Landesherr ist in diesem Fall bey Gott und Menschen entschuldigt, da er nicht anders handeln konnte, als er handelt; aus den Unterthan hingegen fallt der ganze Vorwurf zurück. Unter den Städten des Landes, von dem hier die Rede ist, behielt Mayland, das zwischen dem Po und den Alpen liegt, den Vorzug. Es führt den Namen Mayland (Kke.iiolmmm, Mittelland) von seiner Lage, indem es auf einer Insel liegt, die von den Flüßen Test» und der Adda, welche von den Alpen herab in den O z Po Po stießen, gebildet wird. Andre wollen den Namen von einer Sau herleiten, die auf der einen Seite Bor» sten, auf der andern Wolle gehabt (also kleäioknum, Halbwollen). Mayland behauptet den Vorrang vor den übrigen Städten nicht allein wegen seiner Größe und vielen tapfer» Einwohner, sondern auch deswegen, weil es sich die beyden nah gelegenen Städte Como und Lodi unterwürfig gemacht hat. Großes Glück aber er» regt Uebermukh: so ergieng es auch Mayland. Es Haschte schwindelnd von der Hohe, zu der es gelangt war, nach verbokhenem Gute, befeindete seine Nachbarn, und scheute sich nicht, neuerdings den Zorn des Regenten gegen sich zu reihen. Wie dieß lehkere zugegangen sey, will ich kürzlich auseinander setzen, vorher aber etwas von den Gerechtsamen des Reichs erwähnen. Es ist eine alte Sitte, die von der Zeit an, da das römische Reich an die Franken übergieng, bis auf den heutigen Tag besteht, daß der Monarch, wenn er einen Zug nach Italien khut, einige seiner Hofleute vor? aus schickt, die durch alle Städte und Dörfer ziehen, und von den Einwohnern die Lieferungen, das Fodrum genannt, eintreiben müssen. Nun trifft es sich oft, daß Städte , Dörfer, oder Schlösser diese Forderung entweder gar nicht oder nur zum Theil erfüllen wollen, und deshalb gänzlich zerstöhrt werden. Eine andre ebenfals alte hergebrachte Gerechtigkeit besteht darin, daß alle Würden und Magistrats- Functionen aufhören, so bald der Monarch Italien betritt, und daß jetzt seine Entscheidung allein nach Vorschrift der Gesetze, und der Rechtskundigen Urtheil Kraft hat. Diese gestehen ihm so gar das große Vorrecht zu, von allen Landeöproduccen, dis zur Unterh altung der Armee dienen, mit Ausnahme 2-5 me- des Saatkorns und der allernöthkgsten zum Feldbau gehörigen Ochsen, völligen Gebrauch zu machen. Wahrend der fünf Tage, welche Friedrich in den Ronkalischen Feldern verweilte, erschienen viele Fürsten, und die Angesehensten aus allen Städten, als Depytirte vor ihm, und brachten ihre Klagen an. Wilhelm, Marggraf von Montferrat, der von allen italienischen Edeln fast allein die Obermacht der Städte nicht anerkannte, beschwerte sich in Verbindung mit den Bisch off von Asti, über den Uebermuth der Asteu- src; der erstere führte noch besondere Klagen über dis Einwohner von Caira. Es würde meiner Mcynung nach ein sehr unerheblicher Beytrag zur Geschichte der siegreichen Unter- ^ nehmungen Friedrichs seyn, wenn ich alle Castelle, Bergschlösser, Städte und dergleichen, die er zum ^ Theil mit stürmender Hand erobert hat, einzeln hcr- nennen wollte. Ich übergehe sie lieber, um zu dem Wichtigem zu eilen. Ferner kamen die Consuln aus Como und Lodi, in Gegenwart der Mayländischen Con- suln Obert von Otto und Gerhard Negrs, mit Beschwerden über die Unterdrückungen ein, welche sie von den Mailänder erdulden mußten. Da nun Friedrich das obere Italien betreten, und durch das Maylandi- sche Gebieth gehen wollte, so behielt er jene Consuls bey sich, um sie als Wegweiser und zuBestellungder Quartiere zu gebrauchen. Endlich fanden sich auch Gesandte der Genueser ein, welche ohnlängst Almeria und Lissabon, zwey i, wichtige durch Seidenmanufacturen berühmte spanische Städte den Sarazenen abgenommen, und daselbst reiche Beute gemacht hatten. Sie brachten unter andern kostbaren Geschenken, Löwen, Straußen und Affe« mit. O 4 Fried- > rl6 Friedrich rückte aus den Ronkalischen Feldern ins Mayländische ein, wurde aber von den Consuln an dür- re unfruchtbare Oerter geführt, wo selbst gegen Be- zahlung keine Lebensmittel zu erhalten waren. Unwil. lig über diesen Betrug entließ er seine Wegweiser, und steng jetzt an, die Mayländer feindlich zu behandeln. Zufälliger Weise trat damals ein heftiges Regenwetter ein, wodurch die Erbitterung der Soldaten, die schon genug vorn Hunger leiden mußten, aufs Höchste getrieben wurden, so, daß alle sich bemühten, den Monarchen noch mehr gegen die Mayländer aufzubringen. Eins andere Ursache eines Hasses gegen sie war, daß sie sich weigerten, die von ihnen zerstörten Städte wieder aufzubauen, ja sogar Versuche machten, ihn durch Bestechungen auf ihre Seite zu ziehen. Friedrich zog also sein Heer aus den Wüsteneyen in beßre Gegenden, und ließ es nicht weit von der Stadt von dem beschwerlichen Marsche ausruhen. In der Nähe lag ein sehr volkreiches Städtchen Rosetta, in welchem die Mayländer eine Besatzung von fünfhundert bewaffneten Reutern unterhielten. Diese hatten Befehl, alles, was irgend brauchbar war, zu vernichten, den Ort anzuzünden, und sich nach Mailand zurückzuziehen. Einige von ihnen wurden vor den Thoren der Stadt von Friedrichs Leuten theils verwundet , theils gefangen. Die Mayländer versahen sich aus einem so mißlichen Anfänge keines glücklichen Fortgangs, und schleiften, um Friedrichs Zorn zu stillen, das Haus des Con- sul Gerhard, der als Urheber dieses Unglücks anzusehen war. Friedrich aber kehrte sich nicht daran, sondern drang, um ihnen noch mehr wehe zu thun, bis zum Fluß Tesin vor. Ueber diesen Fluß führen zwey hölzerne Brücken, welche von den Mayländer« zum Behuf VE MÄ-l sillch'I jchm fmk!« kknck M » jÄ iss! i>1 kl!« !iri >lD T« 21 ? Behuf ihrer Streifereyen gegen die Einwohner von Pavia und Novara angelegt, und mit Schanzen befestigt waren. Friedrich ließ sie, sobald sein Heer hinüber war, verbrennen, eroberte die schönen Vestungen, Mumma, Gailard, und Trica, welche die Mayländcr auf Novarischen Boden erbaut hatten, und legte sie ebenfals in Asche. Novara ist eine Stadt mittlerer Größe, die, seitdem sie vom Kaiser Heinrich zerstöhrt ward, wieder mit einer neuen Mauer und einem ziemlich festen Walle versehen ist. Im Bezirk derselben wohnt der Graf von Blandrate, der gegen die gewöhnliche Staatsverfassung von Italien, das ganze Novarische Gebiete unter Mayländischer Hoheit besißt. Die Maylander trachten selbst nach der Stadt Novara und Pavia, so wie sie auch andre Städte verschlingen. " Hierauf zog sich Friedrich durch Vercelli und Turin über den Po nach Pavia, und erklärte die Einwohner von Caira (Chiera) und Asti als Rebellen und Feinde indieAcht, weil sie seinen Befehl, die Gerichtsbarkeit des Marggrafen von Montferrat anzuerkennen, nicht respektieren wollten. Sie verließen aber, da er sich ihnen näherte, ihre Vestungswerke, und zogen sich in die umliegenden Gebürge. Friedrich traf zuerst in Caira ein, wo er hinlänglichen Vorrath fand. Vor seinem Abzüge der nach einigen Tagen erfolgte, ließ er die Thürme, deren die Stadt nicht wenige hatte, abtragen, und die Häuser in Brand stecken. Von hier gieng er nach Asti, das er zwar leer an Menschen, aber voll Beute fand. Auch diesen Ort ließ er nach einem Aufenthalt von mehreren Tagen plündern und anzünden. O 5 Ehe Ehe er von Asii abzog, machte er mit Zuziehung einsichtsvoller Personen eine Verordnung, die den vielen Uneinigkeiten in der Armee abhelfen sollte, und von allen und jeden beschworen werden mußte. Zufolge derselben durfte Niemand innerhalb des Lagers ein Schwert zu irgend einem Nachtheil seines Kümmernden tragen, oder mußte gewärtig styn, im Uebertre- tungöfall, wenn er einen verwundete, die Hand oder gar den Kopfzu verlieren. Dieses so weise als nothwen- dige Gesetz that die beste Wirkung, und brachte die unüberlegte Jugendhitze zur Ruhe. Nicht weit von Asti lag die Stadt Tortona, die durch Natur^und Kunst wohl befestigt war, und sich mit den Maylandern gegen Pavia verbunden hatte. Der größte Theil des Gebietes von Pavia erstreckt sich über den Fluß Tesin hinaus, wird durch keinen Fluß oder Berg begrenzt, und ist daher mehr den Placke- rcyen der Tortoneser als der Maylander ausgesetzt. Friedrich forderte die erstem auf, ihr Bund- «iß mit den letztem aufzugeben, weil sie sich aber dessen weigerten, so wurden auch sie für Feinde des Reichs erklärt. Darauf rückte er von Asti in eine Mark, Namens Busca, wo er einige Tage campirte, wahrend daß einige seiner Truppen, mit seinem Bruder Conrad, dem Burgundischen Herzog Bertold, und seinem Fahntra- ger Otto, einem Pfalzgrafen aus Bayern, vorausgien- gen, um die Lage der Stadt ausznkundschaften, welche, nachdem sie selbst bis an die Vestungswer« ke gestreift, und alles gehörig in Augenschein genommen, auf der andern Seite des Flusses Taner in der Nahe desselben sich setzten. Drey Tage darauf kam auch Friedrich an diesem Fluß an, der aber durch plötzliche Regengüsse sosehr an- 2IH augeschwollen warj daß er sich mit jenen, die auf dem entgegenstehenden Ufer standen, nicht eher vereinigen konnte, als bis das Wasser etwas verlauffen war. Aber nun wurde auch der Anfang mit den Feindselig, kciten gemacht. Gleich beym ersten Anlauf waren die mit Mauer und Thürmen versehene Vorstädte erstiegen. Beynahe hatte die einbrechende Nacht, und entstandene üble Witterung die Einwohner verhindert, sich in die obere Burg zurückzuziehen. Tortona liegt fast am. Fuß des Apenninischen Gebürges, da wo sich dieses mit den Alpen vereinigt. Vor ihn- eröffnet sich die Ebene von Pavia und Moyland. Es liegt auf einem runden Berge, dessen Seiten steile FelsenwanLe bilden, hat viele stolze Thürme, und vorzüglich einen aus Backsteinen, der vom Tar- qvinius Superbus aufgeführt worden und heut zu Tage Rubea heißt. Die auf dem Abhang des Berges erbaute Vorstadt, durch welche ein kleines Wasser stießt, ist starkbevölkert, und mit Mauern und hohen Thürmen gut verwahrt. Nachdem Friedrich die Vorstadt eingenommen hatte, schritt er zur Belagerung der Burg, oder der Stadt selbst. Ausser den Tortonefern, welche in dieser Burg lagen, hatten auch noch die Maylander, und die benachbarten Baronen , unter denen ein Marg- graf Opitz mit dem Beynahmen Malaspina war, ihre Truppen hineingeworfen, so daß sie sich stark genug fühl- ten, dem Fürsten Trotz zu bieten. Die Belagerung von Tortona begann zu An- fange des Februar. Friedrich besetzte den Berg rund umher, damit keiner entkommen, sondern dis ganze Menge wie in einem Kerker zusammengepreßk bleiben mochte. Er selbst nahm seine Station auf der westlichen 220 lichen Seite, Herzog Heinrich von Sachsen in der Vorstadt, oder der südlichen Seite gegen die Apenni- nen, und die Pavesaner in der Ebene, die gegen Pa- via und Mayland nach Osten und Norden sich erstreckt. Friedrich unterließ nichts, durch Maschinen aller Art dem Ort vorzüglich an seiner schwächeren Seite ' auf das härteste zuzusehen. Die Belagerte ; hn.gegen wehrten sich um so verzweifelter, je mehr sie in dis Enge getrieben wurden. Ein Hagel von Steinen und Pfeilen hielt sie in beständigem Schrecken, aber noch mehr als dieser marterte sie ihr eigene» Gewissen, das ihnen Abtrünnigkeit von ihren Herrn vot- warf, und der Anblick des Galgens an den sie als Rebellen sollten aufgeknüpst werden. Demohnerachtet wagten sie, als wenn sie srey von aller Furcht waren, häufsige Ausfälle, bey denen der Verlust auf beyden Seiten beträchtlich war. Denn von den Unsrigen blieben, die vielen Verwundeten ungerechnet, zwey edle junge Ritter, Kadold aus Bayern, und Johann von Sachsen. Von den Rebellen wurden, ausser denen die in der Vestimg getödtet oder verwundet waren einige lebendig gefangen genommen, und vor' aller Augen aufgeknüpfet. Eines Tages soll ein Stein aus der Wurfmasthine, die wir h. z. T. Mar- ga nennen, mit einer solchen Gewalt gegen die Mauer geschmettert seyn, daß er in drey Stücke zerschellte, und drey Soldaten in voller Rüstung tödtete. Unterdessen war das Lager der Pavesaner den häufigsten Anfällen ausgeseHt. Deswegen mußten auch Wilhelm Marggras von Montferrat, und einige andere italienische Baronen zu ihnen stoßen. Denn der einzige Brunnen, der die Belagerten noch mit Wasser ver- 22l versah, floß gerade in der Gegend des Lagers, und gab zu fast ununterbrochnen Gefechten Anlaß, weil man ihnen den Gebrauch desselben verwehren wollte. Der andere Bach hingegen, der mitten durch die Vorstadt sich ergoß, war von dem Schutt der Mauern und Thürme verstopft, und aus seinem Bette getreten; zugleich wurde er von dem Herzog zu Sachsen so genau bewacht, daß der Feind auch keinen Tropfen trüben Wassers von daher erhalten konnte. ^' Bey dem allen verzögerte sich die Belagerung zum größten Unwillen Friedrichs, der sehnlich wünschte, sich bald im Besitz der Kayserkrone zu sehen. Um nun recht bald zu seinem Zweck zu gelangen, ließ er nicht allein die Werke mit Mauerbrechern erschüttern, sondern bediente sich auch eines sehr ungewöhnlichen Mittels, indem er unter dem sogenannten Rubea ! Thurm Minen anlegte, welche den Einsturz desselben befördern mußten. Dieser Thurm steht an der Stelle, wo Mangel der natürlichen Befestigung die künstliche nöthig machte. Denn sonst ist die Stadt ohne Wall und Graben, blos durch ihre Lage innerhalb jäher Felsen, genug befestigt. Aber auch dieß Mittel wurde durch Gegenminen, welche die Belagerten gruben, vereitelt, und es ist wahrscheinlich, daß es ihnen einige der Unsrigen verra- then haben. Hierauf versuchte Friedrich ein anderes. Er ließ nemlich todte Körper von Menschen und Vieh in den vorbemeldten Brunnen werfen, und als auch dieses nichts fruchten wollte, brennende Fackeln von Pech und Schwefel hineinlegen, durch die das Wasser ganz ungenießbar wird. In der Nahe lag ein Maylandischer Ort, der durch Natur und Kunst wohl befestigt ist. Auf diesen 222 sen hatte Friedrich sein Augenmerk gerichtet. Nun wurden in seinem Lager Leitern und andere zum Sturm, laufen erforderlichen Werkzeuge, vor den Augen der Tortoneser, verfertigt, die nicht anders glaubten, als daß diese Zurüstungen zu ihrem Verderben gemacht würden. Um Mitternacht begeben sich einige tapfere auserlesene Ritter unter Anführung des Herzog Bertolds und des Pfalzgrafen Otto auf den Weg nach jenem Ort, legen Leitern an, ersteigen schon die Mauern, und würden, da alles in tiefem Schlaf begraben lag, ihren Zweck erreicht haben, wenn nicht ihr zu voreiliges Ge- schrey die Einwohner aufgeweckt hätte. Hier muß ich noch einer ausserordentlichen Kühnheit oder Verwegenheit eines gemeinen Soldaten gedenken, der dieser langen Belagerung überdrüssig, den übrigen ein Beyspiel geben wollte, wie sie beherzt den Sturm wagen sollten. Er nahm nichts, als sein Schwert, Schild, und kleines Beil, (wie es diese Art Menschen zu kragen pflegt) kletterte gegen den Rubea- khurm an, und bahnte sich mit dem Beile den Weg. Weder die häufigen Steine, weiche von den Wurfmaschinen der Belagerten gegen den Thurm, noch dis Pfeile und Steine, die aus der Vesiung selbst geschleudert wurden, konnten ihn zurückschrecken; er gelangte an den schon halb zerstörten Thurm, kämpfte hier mu- thig, streckte einen Feind zu Boden, und kehrte aus so unzähligen Gefahren unbeschädigt ins Lager zurück. Friedrich wollte ihn zur Belohnung seiner Tapferkeit zum Ritter machen, da.'er aber bekannte, daß ec nur ein Gemeiner sey, und bleiben wolle, so wurde er mit ehrenvollen Geschenken begabt. . Das bittre ungenießbare Wasser erregte in der Vestung sehr große Noch. Aus andächtigen Absichten be. > .^ 22 ; beschloß Friedrich vier Teige lang, vom grünen Don» nerstag bis zum zweyten Ostertag die Feindseligkeiten einzustellen: am Charfreytage eröffneten sich die Thors der Stadt. Alle Cleriker und Mönche zogen in Pro- cession mit Kreuzen, Rauchfässern u. s. w. heraus, dem feindlichen Lager entgegen. Friedrich, der sie von ferne erblickte, schickte Bischöffe und gelehrte Männer an sie ab, die sie um die Ursache ihres Aufzugs befragen sollten. Wir sind, antworteten sie, ein unglückliches Häuflein aus Tortona, das sich zu des Kaisers Füßen werfen, und das Elend klagen will, welches wir nicht durch unsre, sondern durch die Schuld ruchloser Bürger erleiden. Da wir nun jetzt nicht vor das Antlitz unserS Herrn und Füxsten hintreten können, so wollen wir derweilen uns zu den Füßen Eurer Gnaden hinwerfen, und instandigstt bitten, daß ihr nur die Menschen menschlicher behandeln, und unser Elend so zu Herzen netz- men wollet, als wenn es euch beträfe. Wir legen weder für die Stadt, noch für ihre rebellischen Unter- thanen eine Fürbitte ein. Hätte sie doch nie unser Auge gesehen, nie das Schicksal mit uns verknüpft, das uns sür die Zukunft nichts als Verderben bereitete! Soll denn der Unschuldige mit dem Schuldigen, der, welcher nichts verbrochen, mit dem Verbrecher zu gleicher Straft von einem billigen Richter verurtheilt werden ? Wir sind eingesperrt, allen Schrecknissen einer belagerten Stadt ausgeseht, müssen den brennenden Durst mit verdorbenem Wasser löschen, und — ach! dieß ist das schmerzlichste —Die Umstände verhindern uns, in dieser heiligen Passionözeit Gott zu dienen. Denn bey den Altären sausen Pfeile und Steine umher, die uns viel zu sehr zerstreuen als daß wir in einer ruhigen Ge- müchöverfassuüg bleiben könnten, weder in unserm Schlaf« S24 Schlafgemach, noch im Oratorio sind wir sicher, und können Gott nicht das Opfer des Friedens in Frieden bringen. Was haben wir gethan? was haben wir verjchuldet? sind wir mit Mayland gegen Pavia zum Streit verbunden? darf uns als Bundesgenossen einer aufrührerischen Stadt des Fürsten Zorn treffen? Wir haben bisher wehrlos, ohne mit einem Menschen, geschweige denn mit Rebellen verbunden zu seyn, allein im Dienste Gottes mit geistlichen, nicht aber mit weltlichen , Waffen gestritten. Ohne unfern Rarh rüstet sich der Krieger. Wir wissen es selbst nicht, wenn or in den Streit auszieht. Das alles geschieht auf Anstiften der Consuln und Großen der Stadt: sie sind es, die an dem Kriege Schuld haben. Unsere Geschaffte sind bloß auf kirchliche Verrichtungen eingeschränkt/ wir dürfen nur für der Könige undi -jM r,^ An dieser Empörung hatte ein gewisser Arnold Von Brescia sehr vielen Antheil, der unter dem Deckmantel der Religion, oder, um mich eines biblischen Ausdrucks zu bedienen, als ein Wolf in Schafskleidern, durch verführerische blendende Lehren das unwissende Volk bethörte. Er stammte aus Brescia, war daselbst Cleriker und Lector, und hatte unter Peter Abailard studirt. Er hatte einen guten Kopf, doch bestanden seine Vorzüge mehr in einer schwelgerischen Beredsamkeit, als in gründlichen Kenntnissen. Er war ein Sonderling, der nur immer nach dem Neuen haschte; und Menschen dieser Art sind gar zu gerne geneigt, Kehereyen und Trennungen zu erregen. Als er von der Universität zurückkam, legtx er, um seinen Betrug desto sicherer zu spielen, geistliche Kleidung an, und fiel ohne Schonung mit seinem Tadel über alles her. Er schmälerte das Ansehn Der Clerisey und Bi- schöffe, verfolgte die Mönche, und schmeichelte nur den Layen. Kein Cleriker, sagte er, der ein Eigenthum, kein Bischofs der Regalien, kein Mönch der Be- sihungen hat, kann auf irgend eine Weise seelig werden; dies alles gehöre dem Fürsten, und dürfe von dessen Freygebigkeit nur zum Gebrauch der Layen bewilligt werden. Ausserdem soll er vom Sacrament des Altars und der Kindertaufe falsche Begriffe gehabt haben. ^ Ich würde zu weikläuftig werden, wenn ich alle W'' seine Streiche aufzählen wollte. Kurz er verhehte die ohnehin schon gegen die Geistlichkeit aufgebrachten Layen _ in dieser Gegend, Durch boshafte Auslegung zder heil. Schrift, und trieb den Unfug so weit, daß ihn der Bi- ^ schoss und die Religiösen von Brescia auf dem unter Jnnocenz gehaltenen großen Concilium zu Rom.verulk klagten. ^ P z Der Pabst legte ihm, um der Ausbreitung sei« ner verderblichen Lehren Einhalt zu thun, ein Schweigen auf. Nun aber floh er aus Brescia nach Aürch in Schwaben, und fieng da sein voriges Lebe» wieder an. Nach Innocenz Tode, zu Anfänge der Regierung Eugens, kam er nach Rom, das er im Aufruhr gegen den Pabst begriffen fand, und bemühte sich das Feuer der Empörung nur noch mehr an- zufachen, indem er das Beyspiel der alten Römer hervorsuchte und zeigte, durch welche Mittel sie das geworden, was sie waren. Daher gab er den Rath man solle das Capitol wieder aufbauen, und die Se- „atorwürdr nebst den Nitterstand wieder cinführen. Den Pabst, sagte er, geht die politische Einrichtung der Stadt nichts an, der mag sich mit der geistlichen Gerichtsbarkeit begnügen. Das Gift seiner Grundsätze verbreitete sich bald weiter, und äufferte eine so fürchterliche Wirkung, daß nicht allein die Hauser vieler Großen und Cardinäle niedergeriffen, sondern die letzten selbst von dem wüchendcn Pö-el verwundet, und aufs äufferste gemißhandelt wurden. Das Uebel dauerte lange ununterbrochen fort, von Celestins Tode an bis auf diese Zeit. Alle Aussprüche der Kirche verlohren an ihm ihre Kraft, bis endlich jener Friedenstöhrer auf der Grenze von Tuseien aufgefangen, dem Gerichte des Monarchen Vorbehalten , und endlich vom Prüftet der Stadt zum Scheiterhaufen verdammt ward. Seine Asche warf man in die Tyber, um sie der Verehrung des thörigten Pöbels zu entziehen. Wir verließen oben Friedrich und den Pabst auf dem Wege nach Rom, den sie beyde, der geistliche Vater und sein Sohn, unter den vertraulichsten Gesprächen fortfttzten. Die beyden vornehmsten Hö« c fe rzi fe schmolzen, wenn ich so reden darf, in Einen zusam- men, und handelten gemeinschaftlich, geistliche und weltliche Geschaffte ab. Sobald die Römer von Friedrichs Ankunft hörten-, fertigten sie eine Gesandtschaft an ihn ab, die ihn zum- voraus für sie einnehmen sollte. Sie gieng nach erhaltenem sichern Geleite ab, traf ihn zwischen Sutri und Rom, und chac folgenden Antrag : „Wir, bester König, sind Gesandte der Stadt, angesehene Bürger Roms, die der Senat und das römische Volk an euch abgefertigt har. Hört mit heiterm Gemüthe, und mir gnädigem Ohre, was euch Rom, die Beherrscherin der Welt, zu verkünden hak, dessen Fürst, Kaiser, und Herr ihr nächstens mit Gottes Hülse seyn werdet. — Seyd ihr in Friede gekommen? fragt euch Rom. Ja ihr seyd es, und ich freue mich dessen. Ihr begehrt dis Herrschaft der Welt» Mit Vergnügen erhebe ich mich, euch die Krone zu reichen , mit Frohlocken zieh ich. euch entgegen. Wie sollte der nicht mit den Segnungen des Friedens sein Volk beglücken, es mit Huld und Ehre überschütten, der schon so lange aller Erwartung auf seine Ankunft gerichtet hat ? Möchten doch die alten Zeiten zurückkehren, die Vorrechte der weltberühmten Stadt wieder anerkannt, Rom- unter Friedrichs Scepter zur,Alleinherrschcrin erhoben, und der stolze Erdkreyö ihr unterworfen werden! Dann würde euch der Name, und der Ruhm eines Augustus gebühren. Ihr wißt, baß Rom durch die Weisheit detz Senats, durch die Tapferkeit und Kriegszucht der Ritter, feine Herrschaft von einem Meere zum andern P 4 aus- szr --2-"" >" ^ ausgedehnt und die entferntesten Inseln unterjocht hat. Weder die ungestümen Wogen des Meers, noch die schroffen unzugänglichen Felsen der Alpen konnten die Völker vor der Eroberungssucht der Römer schützen, deren Heldenmuth sie alle überwältigte. Aber leider! unsre Fürsten entfernten sich von uns, der Stolz des Alterthums, der Senat, wurde vcr- nachläßigt, dieScaatSklugheit schlummerteein, und so mußten auch nothwendig die Kräfte abnehmen. Euch, und dem erhabenen Staate zum Besten erbiethe ich meine Dienste, um den hochheiligen Senat und den Ritterorden wieder herzustellen, damit des erstem Rath und des letztem Waffen dem römischen Reiche und eurer Person das vormalig« Ansehn wieder verschaffen. Sollte dieß eurer Majestät nicht gefallen? Sollte einsogroßeö, eurer Würde angemessenes Unternehmen nicht alle Belohnung verdienen? — Schenket "mir also ein gnädiges Gehör, wenn ich euch etwas weniges von eurer und meiner Gerechtsame vor- krage. Ihr wart ein Fremdling, ich Hab euch zum Bürger erkohren. Ihr wart ein Fremdling jenseit der Alpen entsprossen; ich Hab euch zum Fürsten eingesetzt. Was mir von Rechtswegen zustand, Hab ich euch ertheilt. Ihr müßt mir also für die Beobachtung meiner guten hergebrachten Gewohnheiten, für die Aufrechthalrung der alten Privilegien, welche mir von euren Vorfahren, den Kaisern, in rechtskräftigen Urkunden zugesichert sind, Gewähr leisten, daß sie vor der Wuth der Feinde unangetastet blei« km: müßt meinen Officianten, die euch im Capitol den Zuruf bringen werden, fünf tausend Pfund entrichten, die »IS, » « ri> !Ü N «! I»! ", i, »! !» s ,, i! dre beleidigte Ehre der Republik selbst mir Vergießung des Bluts rächen, und alles dieß beeydigen und beurkunden " Diesen so stolzen als ungewöhnlichen Antrag nahm Friedrich mir gerechtem Unwillen auf, unterbrach den nach italienischer Sitte weitschweifigen gedehnten Vortrag, und volledeln königlichen Anstands, mit gelassenen Gebärden, gab er folgendes aus dem Stegreif zur Antwort. "Wir haben, sagteer, bisher sehr vieles von der Weisheit und Tapferkeit der Römer gehört, besonders aber von ihrer Weisheit. Daher > können wir uns nicht genug wundern, daß eure Reden mehr von dem Gegentheil zeugen. Ehe du den Adel deiner Stadt beweisest, erhebst du deine alte republica- nische Verfassung bis zu den Sternen. Ich kenne fie sehr gut, und, um mich der Worte eines deiner Schriftsteller zu bedienen, es war, eswarvor- mahls Heldentugend in diesem Staate. Vor- mahlS sage ich, und gebe der Himmel, daß ich eben soviel Grund hätte, es jetzt noch zu sagen, als ich eS wünsche! Dein und auch mein Rom hat den Wechsel der Dinge erfahren. Es konnte nicht dem Schicksal entgehen, welches der Himmel nach einem unveränderten Gesetze allen Wesen unter dem Monde bestimmte. Dein Adel wanderee aus dieser unsrer Stadt in die Kayserstadt des Orients hinüber, und Jahrhundertelang hieng der durstige Grieche an deiner köstlichen Brust. Der Franke, edel durch seinen Namen und sein Thuti, entriß die den Rest deiner noch übrigen Hoheit. Willst -du den alten Glanz deines Roms, den ehrwürdigen Senat, die P 5 Kunst Kunst ein Lager zu formiren, die Tugend und Mannszucht des Ritterordens, den unerschrocknen, unbezwun- genen Muth in Gefechten kennen lernen, so schau auf unfern Staat. Alles dies; findest du Key uns; es ist zugleich mit der Obergewalt zu uns herüber- gekommen. Wir haben nicht die bloße Herrschaft empfangen. Sie kam zu uns, umgürtet mir ihrer Tugend, im Gefolge aller ihrer Vorzüge. Eure Consuln find bey uns: euer Senat ist bey unS: eure Ritter sind bey uns. Die Großen unter den Franken werden dich mit Klugheit beherrschen, fränkische Ritter deinen Beleidiger mit dem Schwerte vertreiben. Du rühmst dich, mich gcruffen, mich zuerst zum Bürger, nachher zum Kayfer gemacht, mir alles gegeben zu haben, was dein war. Wie unerhört, wie widersinnig, wie unerweislich das sey, magst du selbst und die Sachkundigen untersuchen. Laß uns in die Geschichte der Kaiser neuerer Zeit hinemgehcn, und sehen, ob nicht unsre hochseligen Vorfahren, Carl und Otto den Besitz der Stadt keiner fremden Schenkung sondern ihrem eigenen Arm zu verdanken gehabt, ob jfie nicht Rom und Italien den Griechen und Lom gobarden entrissen, und durch Gewalt der Waffen zum fränkischen Reiche geschlagen haben. Das können deine Beherrscher Defider und Berengar beweisen, auf die du trotzest, denen du als deinen Kaysern an- hiengst. Die Geschichte lehrt eS, daß sie nicht allein von unfern Franken bezwungen und gefangen, sondern auch in der Gefangenschaft alt geworden, und gestörten seyn. Ihre Asche die bey uns begraben liegt, kann dies; unwiderleglich beweisen. "Du sprichst, ich sey auf deinen Rufgekommcn. Za, ich bin gerufen; aber laß hören, weswegen? Feinde 2Z5 Feinde bedrängten dich, und weder dein eigner Arm, „och der verzärtelte Grieche konnten dich retten. Da mußte der Franke dir seinen Hcldenarm leihen. Wae diß frcywilliger Ruf oder nochgedrungene Aufforderung ? In deinem Elend riefst du den Glücklichen an, in deiner Schwachheit den Starken, in deiner Ohnmacht den Mächtigen, in deiner Bedrängnis; den Sicher». Unter diesen Umständen eingeladen, wenn anders dies; eine Einladung heißen kann, bin ich gekommen. Ich machte deinen Fürsten zu meinem Vasallen, und nun bist du bis auf den heutigen Tag meiner Bothmäßigkeit unterworfen. Ich bin rechtmäßiger Besitzer; versuch es, wer da will, die Keule dem Hercules aus der Hand zu winden. Vielleicht soll dieses der Sicilianer thun, auf den du baust? Er mag sich an den Beyspielen anderer spiegeln. Noch ist die Hand des Franken oder Deutschen nicht entnervt. Wenn uns Gott gnädig ist, und seben schenkt, so soll auch er dereinst die Folgen seiner Verwegenheit empfinden ". " Du dringst auf die Rechte, welche ich dir Halen soll. Ich will es nicht erwähnen, daß der Fürst dem Volke, nicht aber das Volk dem Fürsten Gesetze vorzuschreiben hat; daß einer der sein Eigenthum onrritt, sich nicht erst auf Bedingungen einzulaffen braucht. Wir wollen den Grund dieser Forderung selbst untersuchen." ,,Drcy Punkte sind es, die du von mir beschworen haben willst; über einen jeden derselben will ich dir Rechenschaft geben. Zuerst soll ich dir schwören, die Privilegien, welche du von meinen Vorfahren, den Kaiser» erhalten, und deine hergebrachten Gewohnheiten zu beobachten; zweytens, deine Wohlfahrt mit Lebens- rz6 -r—. Lebensgefahr zu beschützen. Auf beyde Puncte will ich- dir zugleich antworten , „ Das was du verlangst ist entweder gerecht oder nicht. Ist es ungerecht, so darfst du es weder verlangen, noch ich es bewilligen. Ist es gerecht, so erkenne ich, daß ich es will, weil ich'ö muß, und daß ist) eö muß, weil ichs will. Daher ists unbillig, einer freywiüig übernommenen Verpflichtung, und einem pfiichtmäßigen Entschluß noch einen Eyd anzuhängen. Wie könnt ich dir deine Gerechtsame schmälern, da ich jedem, auch den Niedrigsten, sein Eigenkhum zu erhalten strebe? Wie sollt' ich das Vaterland, und vorzüglich den Sitz meines Reichs selbst mit Lebensgefahr nicht vertheidigen, da ich die Grenzen desselben, so viel meine Kräfte vermögen, nicht ohne jene Gefahr, wiederherzusielleu bedacht bin ? Davon mag das neulich bezwungene Dännemark zeugen , das dem römischen Reiche wieder beygefügt ist, und dem vielleicht noch mehrere Länder und Reiche gefolgt wären, wenn mich nicht die gegenwärtigen Angelegenheiten verhindert hatten. Ich komme zum dritten Punkt. Du verlangst, daß ich gegen Erlegung einer gewissen Summe zum Eyde solle gelassen werden. Wie Rom? du verlangst von deinem Beherrscher, was jeder Schenkwirth von seinem Gast verlangt? Dergleichen fordert man bey uns von Gefangenen. Bin ich hier ein Gefangener? Schmacht' ich in den Banden des Feindes? Bin ich nicht mit einem zahlreichen streitbare» Heer umgeben ? Wenn der Beherrscher des römischen Reichs Wohl- thacen verleyht, verleyht er sie aus schuldiger Pflicht oder aus Gnade? Bis jetzt war ich gewohnt, meine Wohlthaten nach freyer Willkühr, und vorzüglich Verdienstvollen Personen mitzutheilen. Denn jo wie man vom vom Niedern mit Recht schuldigen Gehorsam heischt r so ist es wiederum billig daß der Große die verdiente Wohlchat ertheile. Diese alte, von meinen Vorfahren und auch schon von mir beobachtete Maxime, ftll ich ste etwa zu Gunsten der Bürger Roms über- treten? Warum sollte^ mein Einzug nicht Wonne für die Stadt seyn? Aber wer unrechtmäßiger Weise un- gerechte Forderungen macht, dem werden sie rechtmäßig ger Weise verweigert" So sprach er mit sichtbarem Zorn. Einige von den Anwesenden fragten die Gesandten, ob sie noch mehr vorzulegen hätten. Nach einer kurzen Verabredung unter sich gaben diese listig zur Antwort „ sie müßten vorher, ehe sie weiter gierigen, ihren Mitbürgern die Entschließung des Fürsten vorher bekannt machen. Man gestattete ihnen daher .sichern Abzug, den sie auch in größter Eile nahmen. Friedrich merkte die List, und erhohlte sich nun Raths bey seinem Vater, dem römischen Pabst.^ Mein Sohn, sprach dieser zu ihm, du wirst die Ranke des römischen Volks noch besser kennen lernen, wirst sehen, daß sie in böser Absicht gekommen und gegangen sind. Aber mit Gottes gnädigem Beystande, der da spricht: ich will die Klugen in ihrer Klugheit zu Schanden machen, können wie ihren feinangelegten Nachstellungen entgehen. Laß demnach eiligst durch einen Theib deiner rapfern und erfahrnen Soldaten die Peterskirche und das Leonini- che Schloß besetzen. Esstehen dort unsre Ritter, welsche sie, so bald ihnen mein Wille angezeigt ist, un- vcrzüglich einlassen werden. Ausserdem wollen wir ihnen auch den CardinalOctavian, der aus dem edelsten römischen Geblüt« abstammr, und dein getreuester Diener ist, beygesellen." Die> 238 Dieser Rath wurde befolgt. Ohngefähr tau« send bewaffnete Reiter, die auserlesenste Mannschaft, treffen in der frühsten Morgendämmerung in der Leoninischen Vorstadt ein, besetzen die Peterskirche, und schicken sogleich Bolen mit dieser frohen Nachricht ins Lager zurück. Pabst Adrian erwartete schon mit den Cardinä- len und der Geistlichkeit auf den Stufen der PererS- kirche die Ankunft Friedrichs, als dieser eine Stunde nach Sonnenaufgang durch das goldne Thor in die Leoninische Stadt einrückte, in der jene Kirche steht. Ein fürchterlich schöner Anblick war es, wie das Heer Friedrichs im Glanz der Waffen und in unversehrter Ordnung daher zog. Auf den Stufen der Peterskirche empfieng ihn der Pabst, führte ihn bis zum Bekenntniß des H. Petrus, und hielt darauf das Hochamt, nach dessen Vollendung Friedrich, umringt von bewaffneten Rittern, die Krone des Reichs empfieng im vierten Jahr seiner Regierung den r ycen JuniuS H55 Bey welcher Handlung ihm von allen Anwesenden ein lauter froher Zuruf gebracht, und Gott für diese freudenvolle Begebenheit gepriesen ward. Unterdessen besetzten seine Leute die Brücke, welche bey dem Thurm der CreftxntiuS Burg von der Leoninischen Vorstadt bis zum Eingänge der Stadt Rom selbst führt; um-zu verhindern, daß derwüthende Pöbel die Feyerlichkeit der Krönung nicht unterbräche. Nach Beendigung derselben bestieg der Kaiser ein prächtig geziertes Pferd, und kehrte durch das Thor, durch das er hinein gekommen, in sein Lager zurück, welches nahe an den Mauren geschlagen war. Die übrigen folgten ihm zu Fuße nach, nur der Pabst blieb in dem Pallast, der bey der Peterskirche steht. Die U «I Kl !>tz M S/. l»d ifl !l!> !» Die Senotaren und das römische Volk waren eben auf dem Capitol versammelt, als ihnen die Nachricht von der ohne «hre Genehmigung vollbrachten Krönung zu Ohren kam. Hierüber gerierhen sie in eine solche. Wuch, daß sie sich zusammen rotteten, und in dem Heiligthum der PererSkirche selbst einige von den zurückgebliebenen Soldaten ermordeten. Kaum erscholl das Gerücht dieses Vorfalls in Friedrichs Lager, so mußte sein Heer unter die Waffen treten, ob es gleich von Hitze, Durst und Arbeit ermattet, die Erhohlung höchst nöthig gehabt hatte. Es bedurfte der Eile um so mehr, da zu befürchten stand, daß sich der rasende Pöbel vielleicht gar an dem Pabst und den Cardinälen möchte vergriffen haben. Beyde Theile wurden mit einander handgemein. Die Unsrigen hatten den Vorcheii, daß sie von dem Thurm des Creften- liuS weder mit Steinen noch mit Pfeilen beschädiget wurden, da selbst die Weiber für sie ins Mittel traten. Endlich mußten die Römer uns den Sieg überlaffen, dm sie uns lange streitig gemacht halten; und nun fimg, ein fürchterliches Blutbad unter ihnen an. Rom, konnte man jetzt sagen, empfange statt arabischen Golds deutsches Eisen. Dieß ist das Geld, das dir dein Regent für deine Krone darbieker. So kauft der Franke die Herrschaft. Solche Verträge schließt dein Fürst mit dir, so hält er dir seine Lyde l A Das Treffen dauerte ohngefähr von der zehnten , Stunde des Tages bis in die Nacht. Von den Nö- >Nttn blieben auf dem Platze oder ertranken in der f Tiber beynahe tausend, zweyhundert wurden gefangen: ß von den unsrigen kam, welches zum Erstaunen ist, nur ^ ün Einziger Mann um, und Einer wurde gefangen» Das ungewohnte Cligiä/ und die unmäßige Hitze, i« vor« r 242 -- vorzüglich in der Gegend von Rom, schadete den Deut, schcn mehr als alle römischen Waffen. Nach einem so glänzenden Siege kehrte Frie- drich in sein Lager zurück. Den folgenden Tag zog er sich, weil ihm der erbitterte Bürger keine Zufuhr zukommen ließ, in die Ebene zurück, und von da in ein anmuthiges Thal unweit der Stadt Tibur, wo er dem ermüdeten Soldaten einige Ruhe vergönnte. Nun Nahte sich das Fest der Apostel Peter und Paul, das der ganzen römischen Kirche, vorzüglich aber demPab. sie und dem Kaiser, heilig ist. An diesem Tage wutt de von dem Pabst Adrian das Hochamt gehalten, und der Kaiser gekrönt. Der erstere soll bey der Messe alle, die im Gefechte mit den Römern Men« scheu:luc vergossen, absolvirt haben, und zwar auS dem Grunde, weil der Soldat der in Dienst des Für« sten gegen den Feind des Reichs streitet, nach göttli« chen und menschlichen Rechten, nicht als Mörder, sondern als Rächer der beleidigten Majestät anzusehen ist. Aus diesem Thal rückte der Kaiser in die Gegend zwischen Tusculum und Rom. Jetzt nahten die Hundstage heran. Aus den »abgelegenen Sümpfen stiegen dicke-Nebel hervor, welche die Luft rings umher verpesteten. Der Burger von Rom, der um diese Zeit auf die Berge fiieht, empfand ihre Unbequemlichkeit eben so gut, als der an das Clima völlig ungewohnte Deutsche; und hätte letzterer nur diesem Ungemach Trotz bieten können, so würde er die Römer leicht übermeistert haben. Weil aber verheerende Seuchen unter der Armee ein- rissen, so mußte Friedrich sich in die nahen Berggegenden zurückziehen, und die Kranken dort heilen lassen. 241 Hier blieb er einige Tage liegen, und trieb unter der Zeit von den «abgelegenen Städten, Castellen, und Dörfern den Kaiserzins (Dostrum) ein, bey welcher Gelegenheit die Einwohner von Spoleco bey ihm in Ungnade fielen,, indem sie die achthundert Pfund, welche sie zahlen sollten, theilö unterschlugen, theilö in falscher Münze entrichteten. Dazu kam noch, daß sie > den Grafen Guido Guerra, den angesehensten unter' den Tuftischen Großen, auf seiner Rückreise von Apulien , wohin er in Geschäften des Kaisers gegangen war, angehalten und ihn als einen Gefangenen behandelt hatten, ohnerachtet der Kaiser auf seine Loö- laffung gedrungen. Dieser letzte Umstand war eö vorzüglich, warum Friedrich gegen sie auözog. Die Spoletaner ließen es nicht dabey bewenden? hinter ihren starken VestungSwerken eine Belagerung auszuhalten, sondern giengen mit Bogenschützen und Schleudern den Kaiserlichen entgegen; sie siengenauch wirklich an zu scharmützeln. Das ist Kinderspiel, rief Friedrich aus, und kein Mannerstreir. Dieß gesagt stürtzte er mit den Seinen muthig in den Feind. Die Spoletaner leisteten einige Zeitlang tapfere Gegenwehr, mußten sich aber doch zuletzt wieder in die Stadt zu- rückziehcn. Der Rückzug geschah in solcher Verwirrung, daß die Kaiserlichen mit hineindrangen; und nun war auch die Stadt verlohren, die der Plünderung Preis gegeben ward. Ehe aber die Beute fort- geschaft werden konnte, stand der ganze Drt schon in vollen Flammen. Die Bürger, welche dem Feuer und Schwert noch entrannen, retteten sich halbnackt auf den nahgelegenen Berg, wohin sie weiter nichts als ihr Leben mitbrachten. Das Gefecht dauerte von der dritten bis zue Neunten Stunde. Keiner rhat sich dabey so sehr Denkwürdig!:, stl. B» Q her» 2ch2 ' - - hervor als der Kaiser. Er selbst führte seine Truppen gegen eine der gefährlichsten Steller,, und erstieg mir Lebensgefahr den Berg, von dem er in die Stadt ein. brach. Der unausstehliche Geruch verbrannter Leich, name zwang ihn sein Lager an einem -andern nahen Ortauszufchlagen, wo er zwey Tage verweilte, um au6) dasjenige, was das Feuer noch verschont hatte, den armen Spoletanern nicht zu lasten-. Von hier zog sich Friedrich gegen die Küste des Adriatischen Meeres. Bey Ancona gab er den Ge. sandten des Eonstantinopolicanischen Hofes, dem Pa- iläolog, einem edlen Griechen von kaiserlichem Geblü» re, und Marod och, die sehr ansehnliche Geschenke bey sich führten, Audienz hielt mit den anwesenden Fürsten Math, und schickte darauf den Abt Wibvld von Corvey als Bevollmächtigten nach Constantinopel. Mittlerweile war der Fürst von Capua, Graf Andreas von Apulien, nebst mehren, Vertriebenen mit der kayserlichen Gesandtschaft in Camparnen und Apu. tim angekommm, und harten sich ohne Widerrede in den Besitz ihres vormaligen EigenrhumS gesetzt, weit man durchgängig glaubte, der Kaiser würde ihnen auf dem Fuße Nachfolgen. Dieftr harre sich auch wirklich alle Mühe gegeben , die Großen in feinem Heere zu einem Jeldznge nach Apulien zu bereden, allein es war ihm aus sehr natürlichen Gründen unmöglich grwe» sen, durmzudringcn. Die Sommerhitze war uner» tragiich drückend, und die Luft äufferre die schädlichsten Wirkungen bey seinen Truppen. Es befanden sich sehr wenige Gesunde unrer ihnen; viele waren auch bey den häufigen Gefechten verwundet worden, an» dre Hane der Tod weggeraffr. Dies alles zwang ihn, obgleich zu seiner großen Betrübniß, auf den Rück» weg nach Deutschland zu denken. Die 24Z Die Armee grenz auf verschiedenen Wegen nach Haufe. Ein Thei! schijsren nach Venedig über: linker diesem warPeregein, Patriarch von Aguileja, Eber« bard Bischofs vom Vambcrg, GrafBerwld, Heinrich Herzog von Kärnthen, Odoaeer Marggraf von Skeyerinark. Ein anderergieng durch die westliche Lombarde»): einige überden Jupiters Berg: andre durch bas Thal von Morieime. Viele blieben bey Friedrich, der als Sieger von Ancona aufbrach, durch Sinigag- lia, wo nach der Römer Meynung die Seno Gallier ehemals ihre Wohnsitze aufgeschlagen , rückte, Fa»o und Jmola durchzog, und nach dem Uebrrgang über trn Apennin in den Ebenen bey Bologna kampierte. Von da zog der Kaiser weiter, gieng auf dem Po zu Schiffe und hielt im Gebier von Verona still, wo er amAnfang des Septembers anlangtr. Es ist ein a'.rer gleichsam verjährter Brauch, daß die Kaiser auf dem Hin - oder Rückmärsche nicht durch Verona selbst, sondern etwas seitwärts aufeiner Schiffbrücke über den Etsch gehet. Dies sollte auch jetzt geschehen. Die Veroneser aber baueren eine so zerbrechliche Brücke, daß man sie füglichrr eine Mausefalle nennen konnte. Ferner harten sie oberhalb des Stromes mehrere Flöße auf das Wasser gelegt, die bann loSgelaffen werden und die Brücke auseinander treiben sollten, wenn die eine Hälfte der Armee hinü» ber würde gegangen seyn, damit sie mit der zweyten abgeschnmenen Hälfte um desto leichter fertig werden könnten. Allein sie sielen selbst in die Grube, dir sie andern gegraben. Friedrichs Heer kam noch glücklich, wiewohl nicht ohne Gefahr, herüber. Einige von den Veronesern, welche ihmnachgesetzt, wollten sich wieder jurückziehen. 2» diesem Augenblick aber stießen Q s die 244 / die Flöße an die Brücke, zerschmetterten sie, undschnit- ten ihnen den Rückweg ab. Sie fielen also in des. Kaisers Hände, und wurden zur Strafe ihrer Verrä« therey hingerichret. 2n der Nähe befand sich ein äußerst schmaler Paß, wo auf der einen Seite die Etsch, auf der andern ein jäher Felsen nichts als einen sehr engen Fußweg übriglassen. Hier hielt sich ein gewisser edler Verone» sischer Ritter, Alberich, mir einer Menge Raubgesindels auf. Denselben Tag, als die Armee den Fluß pa sirt war, kamen schon einige Kaiserliche an, die um den Durchzug anhielten, und ihn auch erhielten. Den folgenden Tag wollte man keinen mehr durchlassen. Friedrich schickte zwey der angesehensten Veronesischen Bürger Garzaban und Isaak, die ihn bisher begleitet, an die Räuberbande ab, um sie von ihrem Unternehmen abzuhalten, aber man gab ihnen kein Gehör. Eben so wenig konnte ein widerhohlier Versuch aus- richten. Das Gesindel warf beständig Steine herab, und wollte mit keinem andern Bedinge sich befriedigen lassen, als wenn jeder Ritter einen Harnisch oder ein Pferd abgäbe, und der Kaiser ihnen eine ansehnliche Summe Geldes entrichtete. Diese Bedingung, versetzte Friedrich, ist etwas hart. Will man haben daß ein römischer Kaiser einer Räuberbande zinsbar werden soll? Aber was zu thun? wohin sollte er sich wenden? der Fluß bot keine Furth dar, durch die man waten konnte. Die Brücke war zernichtet. Auch den Weg nach Verona versperrte ihm ein Berg, der an den Strome steil anlief und nur einen Hvlweg übrig ließ, den die Veroneser besetzt hielten. Nichts als ein entschlossener Streich konnte ihm aus dieser Verlegenheit helfen. Er O ^ stich«» Ni V Anchi itm 245 Er läßt die Soldaten ihr Gepäcks ablegen, und Aelte aufschlagen, als wenn er die Nacht über hier kampieren wollte. Hier, sprach er, wo uns schon der väterliche Boden entgegen lacht, erwartet uns nach so vielen überstandenen Gefahren der letzte Kampf. Er berief die beyden Veroneser Gazaban und Isaak zu sich, um sie über die Beschaffenheit des OrtS, und was sie wohlfürdaszuträglichstehielten, zu befragen. Wir wissen, antworteten sie, euch keinen bessern Rath zu geben, als daß ihr den hohen fast unzugänglichen Felsen zu erreichen sucht, wenn er anders nicht schon von den Feinden besetzt ist. Friedrich befolgte diesen Rath. Zweyhundert auserlesene junge Leute gehen unter Anführung des FahmragersBtto von Wittels buch durch dicke Heiden, über die unwegsamsten Berge und Felsen, und kamen endlich bey dem bestimmten Platze an. Nun aber war noch eine Schwierigkeit zu überwinden. Der Fels, den sie erklimmen sollten, war gleichsam abge« meisclt, und bot keine Stelle dar, wo nur ein Fußtritt möglich gewesen wäre. Doch halfen sie sich unter einander, so gut sie konnten. Der eine gab seinen Rücken, der andre feine Schultern her, um feinem Kameraden in die Höhe zu helfen. Endlich machten sie sich Leitern aus ihren Lanzen, weil ihnen diese Waffe bey ihrer schweren Rüstung ohnehin zur Last fiel, und so kamen sie alle glücklich hinauf. Kaum waren sie geborgen , so zog Otto die kaiserliche Fahne hervor, die er so lange versteckt gehalten hatte. Bey diesem Signal erhoben sie ein lautes Ge schrey, und zugleich setzte sich die unten im Thal stehende Armee in Bewegung. Das Entsetzen der Räuber übersteigt alle Beschreibung, da sie sich von beyden Seiten und vorzüglich von derjenigen angegriffen sa- Q Z hen, 246 hen, wo ihrer Mcmning nach höchstens ein Vogel z« ^' erwarten war. Au ihrem größten Unglücke waren ^ alle Auswege versperrt, so daß kein einziger entfliehen ^ konnte; und sich von oben hinab zu rollen war mir Kt- , unvermeidlicher Lebensgefahr verbunden, weil sich der Mensch, der dieses wagte, an den vielen hervorragenden Felsenfpitzen während dem Fallen nochwendig zer« schmettern mußte. Kurz, alle bis auf einen, der hnik? sich in einer Höhle versteckt hatte, wurden auf der x, Stelle niedergemachk; den Alberich nebst zwölf an- dem Rittern lies; der Kayfer lebendig greiffen, um ih» neu einen schimpflichen Tod anzuthun. Als man sie verführte, und ihnen das Llrcheil sprach, daß sie am ^ Galgen sterben sollten, trat einer aus ihrer Zahl auf, und sagte: "Laßt euch Durchlauchtigster Kaiser das Schicksal eines unglücklichen Mannes erzählen. Ich irD,. bin ein Franzose, kein Lombarde von Geburt; zwar nur ein armer Ritter, aber ein freyer Mann. Der «« Zufall nicht mein freyer Entschluß hat mich zu diesen M. Räubern geführt, bey denen ich mein Glück zu ma- «1!^ chen suchte. Sie gaben mir das Versprechen, mich x s-r! an Oerter zu führen, wo ich meine dürftigen Umstän» de verbessern könnte. Ich glaubte ihnen nur zu leicht, E« ließ mich belhören, und geriekh an diesen verwünschten U» Ort. Wer aber magS sagen, daß ich ungezwungen die Pflichten eines Vasallen verletzt, mich gegen mein Oberhaupt, gegen den Beherrscher des Römischen Reichs aufgeworfen habe? Schone, Kaiser, schone eines Elenden, ddn Unglück und Betrug hiehergezogen haben. Friedrich begnadigte ihn, jedoch mußte er zur Strafe bey den übrigen Delinquenten Henkersstelle vertreten, die sich durch große Summen, welche sie für ihr Leben boten, nicht vom Galgen loskaufen konnten. Die Erschlagenen, deren Zahl sich ans fünf hundert sott belauffen haben, wurden Haufenweise zum warnenden 247 Beispiel für die Vorübergehenden, auf dem Wege aufgechürmt. Von hier gieng der Marsch durch Trident nach Botzen. Dieß ist eine Stadt auf der italienischen und bäyrischen Grenze, welche mit einem süßen, zur Ausfuhr tauglichen Weine nach Bayern Handel treibt. Von nun an trennten sich immer mehrere von der Armee, je nachdem sie der Weg in ihre Heimath führte. Endlich kam Friedrich über Bripen auf Bayrischem Grund und Boden fast um eben die Zeit an, in der er das Jahr vorher ausgezogen war. So viel sey genug von der Geschichte dieses Feldzuges, aus den ich nur einzelne Thatsachen aus- gehoben, weil ich, um ihn vollständig und anmuthig zu erzählen, ihm selbst müßte beygewohnt haben. Daher fuhrt die Geschichte den Namen Historie von einem griechischen Worte, das so viel als sehen bedeutet. Denn wer als Augenzeuge auftritt, kann um desto vollständiger und zuverläßiger sprechen, da er von keinem andern abh-ängt, und weder ängstlich noch zweifelhaft nach der Wahrheit umherschauen darf. Es ist hart, wenn der Schriftsteller auf sein eignes Erkenntiiiß gleichsam Verzicht thun, und von fremder Willkühr abhangen muß. §l 4 Des 248 Des zweyten Buchs Zweyter Abschnitt. glücklich beendigtem Feldzuge ließ sich der Kai« fer die Beylegung der alten Streitigkeit über das bayrische Herzogthum wieder angelegen seyn. Er sprach deshalb in der Gegend von Regenspurg mit seinem Oheim Heinrich, um ihn dahin zu bringen, daß er sich mit dem andern Heinrich, dem schon das Herzogthum zuerkannt war, vergleichen möchte. Diese Unterredung lief eben so fruchtlos ab, als die folgende auf der bayrischen und böhmischen Grenze, bey der sich Friedrich einiger Mittelspersonen chediente, unter denen ich mich auch befand. Hier war es, wo tadiskaw Herzog von Böhmen, Albert Marggraf von Sachsen, Herrmann Pfalzgraf am Rhein, nebst andern hohen Personen bey dem Kaiser einrrafen. Seine Heldenthaten hakten ihn so furchtbar gemacht, daß alle Großen, die bey der Armee nicht zugegen gewesen,, ihm freywillig entgegen kamen, und durch zuvorkommenden Diensteyfer um seine Gnade buhlten. Wie sehr er die Italiener in Schrecken gesetzt, kann die Gesandtschaft der Veroneser beweisen, von der wir nächstens mitGokteö Hülfe umständlicher handeln wollen. In der Mitte des Oktobers begab sich Friedrich nach Regenspurg, der Hauptstadt in Bayern, um dort einen Reichstag zu halten. Er hatte in seinem Gefolge, Herzog Heinrichs Sohn Heinrich, dem er zum Besitze von Bayern verhelfen wollte. Regen- spurg -49 fpurg liegt an dev Donau, die von den Geographen zudem drey berühmtesten Flügen in Europa gezählt wird, und zwar da, wo zwey schiffbare Flüße, der Ziegen und die Nab sich in die Donau ergießen. Der lateinische Name dieser Stadt, .knr!8bona, kommt von dem Wort Kares (Schiffe) her, weil sie sehr ber quem zur Schiffahrt liegt. Vormals war sie die Residenz der Bayrischen Könige, und jetzt der Herzoge. Vor der Reichsversammkung klagten Arnold Crzbischoff vonMaynz und der vorhin benarckte Herrmann , Pfalzgraf am Rhein einander an. Es war peinlich fast ganz Deutschland während der Abwesenheit des Kaisers mir den schrecklichsten Auftritten erfüllt worden; vorzüglich hatten jene beyden'Fürsten ihr Uebergewichc an Macht und Tapferkeit dazu ge- mißbraucht, den ganzen Rheindistrict und besonders das schöne Gebieth der Stadt Maynz mit Feuer, Schwert, und Blutvergießen zu verheeren. Was nun das bayrische Herzogthnm anbe« trifft, so erhielt es eben derselbe Heinrich, dem es Friedrich zugcdacht hatte. Die bayrischen Edein schwuren ihm nicht allein den Eyd der Treue als Vasallen zu, sondern auch die Bürger-mußten ihm huldigen, und um nicht in der Folge abtrünnig zu werden, Bürgen stellen. Hardewich der unlängst durch die Wahl des Cleruö und des Volks zum Bischofs von Regensburg ernannt, und von seinem Erzbischofs eingeweyhr worden , wurde auf eben diesem Reichstage zur Verantwortung gezogen, weil er, ob gleich aus Unwissenheit, zu voreilig und ohne des Kaisers Ankunft zu erwarten, die Regalien übergeben hatte, welches, kein Q 5 Bl- Bischofs eher thun kann, als bis er sie aus der Hand des Fürsten erhalten. Da er nun die Thal weder leugnen, noch verrheidigcn konnte, so verfiel er in die gesetzmäßige Strafe. Auch die übrigen, denen erste übergeben, empfiengen eine ähnliche nach ihrem Stand und Würden eingerichtete Strafe. Denn nach einem Reichsgesetze muß jeder, Fürst ein Vergehen gegen seinen Oberherrn mit hundert Mark büßen: die andern von niedrigerem Range Freye, Freygebohr» ne, oder die in Bedienungen stehen, müssen deren zehen erlegen. Hierin Regensburg erschien auch der Bischofs von Verona als Deputirter der Stadt mit den bey- den vorhingenannten Rittern, Garzaban und Zsaac, und redete bey seiner Audienz den Kaiser folgendermaßen an. " Eure getreuen Veroneser haben uns, glorreichster Fürst, an Ew. Hoheit abgeschickt. Ich, wiewohl unwürdiger Bischofs daselbst, habe nicht eher meine Gesandtschaft antreten wollen, als bis ich alle in der großen Kirche versammelt, und Gott gleichsam zum Zeugen angenommen hatte, daß sie-wirklich so dachten , als sie redeten. Es wäre doch unglaublich, daß ein edelmüthiges wohlhabendes Volk ihren Sselenhirten zum Werkzeug des Betrugs machen sollte. Dazu hätten sich geschicktere Leute für sie gefunden. Ueberdem sind mir diese Männer als Gehüsten beygesellt, von deren Treue und Ergebenheit ihr in dem letzten Feldzuge Beweise genug erhalten. Glaubt also, Herr, glaubt dem was wir sagen. Seyd versichert, daß die Bürger von Verona euch mit besonderer Liebe und Ergebenheit zugethan sind. Bey eurem Durchmarsch durch ihr Gebiete horten sie von der Verwegenheit einiger Räuber, die euch den Weg verlegen wollten, und dafür die schuldige Stra- Strafe erdnldet haben. Diese Nachricht machte ihnen viel Freude. Verbrecher gegen Ery. Majestät sind aus ihrer Zahl ausgeschlossen. Wie könnten sie eine Räuberbande unter ihre Mitbürger zählen? Sehr traurig wäre eS für sie, wen»» ihr sie 'für Mitschuldige dieses Vergehens hieltet, und deswegen sind »vir hergeschickc worden, um euch zu versichern, daß nur ein Verläumder, der andrer Glück mit midischeu Augen ansieht, euch diesen Argwohn beyge- bracht haben könnte» Ha; Verona euch nicht gehuldigt? Ist es nicht, auch da ihr fort wäret, euch treu, verblieben? Würde es sich wohl gegen seinen Kaiser solcher Heimtücke bediene», dergleichen es sich nicht gegen seines Gleichen erlaubt? Verlangt ihr mehr? Sollte»» euch aber alle angeführten Gründe nicht überzeugen können, so ist die Stadt erbötig, sich einer förmlichen gerichtlichen Untersuchung zu unterwerfen» Nehmt also, gütigster Fürst, das Bekenntmß eines unschuldigen euch ergebenen Volkes an, und kehrt euren Zorn gegen Mayland und Rom „ Der Kaiser »Überlegte diese Sache mit ferner» Fürsten, und begnadigte diese Stadt; denn sie erlegte eine große Geldsumme, und machte sich durch einen Eyd verbindlich, so viel Soldaten, als sie könnte, gegen die Mailänder ms Feld zu stellen. Von Regensbnrg gierig Friedrich in die Rheinländer , und feyerte das Weyhnachtöfcsi zu WormS; denn diese Gegend, welche der Rhein, einer der drey berühmtesten Flüsse EuropenS durchströmt, ist reich an Korr», Wem, Wild und Fischen. Auf der Seite nach Frankreich hak sie den »iahen Ardennerwald und das vogessche Gebirge, auf der deutschen erstrecken sich ansehnliche Gehölze, die noch ihre barbarischen Na« 252 . Namen sführen; folglich ist sie im Stande, dm Kaisern, wenn sie nicht in Italien befchäfftigt sind, auf eine lange Zeit Unterhaltzu verschaffen. Auf dem Hoftage, den der Kaiser zu Worms hielt, fanden sich der Erzbischofs Arnold von Maynz und Pfalzgraf Herrmann ein, um wegen der Verheerungen die sie in Friedrichs Abwesenheit 'im Lande angerichcet, zur Verantwortung gezogen zu werden. Sie wurden beyde mit ihrem Anhänge schuldig befunden, derer» sie wegen seines Alters, Standes und gesetzten Betragens verschonet, der andre aber mit der gebührenden Strafe angesehen. Bey den Franken und Alemannen ist eine alte Gewohnheit, welche durch die Länge der Zeit das Ansehn eines Gesetzes erlangt hat, daß jeder Land- friedensstöhrer, ehe er das TodeSurtheil empfängt, 'beschimpft wird. Ein Edler muß nemlich einen Hund, ein Halbfreyer einen Sattel, und ein Einsaffe oder Bauer ein Pfiugrad bis in das nächste Gebiete tragen. Diesem Gesetze mußten sich auch der Pfalzgraf nebst zehen andern Grafen unterwerfen, und jeder eine deutsche Meile weit einen Hund tragen. Ein so strenges Urcheil wurde bald im ganzen Reiche bekannt, und verbreitete überall ein heilsames Schrecken. Friedrich that noch mehr. Er zog allenthalben umher, zerstöhrte verschiedene Raubschlöffer, und ließ mehrere solcher aufgefangenen Räuber theils hinrichten, theils auf andre Weise hart bestrafen. Nur Bayern konnte w'egen des bekannten Zwistes noch nicht dieser Wohlthat des Kaisers genießen. In demselben (11 ; 6 stcn) Jahre, zwischen Ostern «nd Pfingsten, starb Arnold Erzbischofs von Cöln, ein trefflicher Mann, der Wiederhersteller seiner Kirche. Drey Tage nach Pfingsten rraf Friedrich unweit Re- genSbu/g seiner, Oheim den Herzog Heinrich an, und war -------------- 253 war hier erst so glücklich, ihn zu einem Vergleiche mir dem andern Heinrich zu bewegen. , Nichts hatte dem Kaiser so sehr am Herzen gelegen, als zwey so Große ihm so nahe verwandte Reichsfürsten ohne Blutvergießen mit einander auSzusöhnen. In der darauf folgenden Woche begieng er zu Würzburg mit vieler Pracht sein Beylager mit Beatrix des Grafen Reinalds Tochter. Reinald stammte aus einem alten berühmten Burgundischcn Geschlechts her, und war Graf von dem Theile Burgunds, das ehemals von dem König Rudolph dem KaiserHeinrich, Conrads Sohn, vermacht worden war. Von eben dieser Provinz führten auch Conrad und sein Sohn Bertold den herzoglichen Titel. In Burgund, so wie in allen Provinzen Frankreichs ist es eingeführt, daß die Herrschaft dem ältern Bruder und seinen Kindern , sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts jufällt; die übrigen Geschwister müssen ihn gleichsamalsihren Herrn betrachten. Daher kam cs, daß Wilhelm, mit dem Beynahmen der Knabe, des Herzogs Conrad Schwester Sohn» die Herrschaft von Burgund erlangte. Nach seiner Ent- leibung (unrerHeinrich V oder Lothar II) sollte demGra- fen Reinald die Erbschaft zufallen, aber er war da- bey zu unthätig, verließ sich zu sehr auf seine gerechte Sache, und versäumte es, sich an den Kaiser zu wenden, den dieses so sehr verdroß, daß er das Land dem Herzog Conrad antrug. Der Streit, der hierüber entstand, erregte so gar blutige Austritte, und ist vor kurzem vom Kaiser dahin geschlichtet worden, daß Bertold, Conrads Sohn, drey Städte zwischen den ^uragebirge und dem Jupiters Berge, Lausanne, Genf und N. erhielt, die übrigen der Kaiserin überließ» Burgund erstreckt sich von dem Basler und Mömpel» gardree 254 gardter Gebiete biß an die Jser, Md von da biß AN die Mündung der Rhone und die Stadt Arles. Mit Burgund ist auch die Provence verknüpft. Reinald vcr. mahlte sich mit der Tochter des Herzogs Simon von Lothringen, zeugte mit ihr unreine einzig« Prinzessin, welcher nach seinem bald daraus erfolgten Tode das ganze Land zu siel. Der Kaiser erhielt also durch sein« Heurath nicht allein Burgund, sondern auch die Provence , zwey Länder die schon lange vom Reich abgerissen gewesen. Hier in Würzburg traf auch der Abt Wibold von Corvey und Estaples aus Griechenland wieder ein. Die griechischen Gesandten, welche mit ihm gekommen waren, mußten in Salzburg bleiben, und wurden nicht zur Audienz gelassen. Die Ursache hievon war folgende. Als sie den Kaiser bey Ancona verlassen, bemächtigten sie sich heimlich einiger mit dem kaiserlichen Siegel versehenen Papiere, und bedienten sich derselben um die Einwohner von Campanien und Apulien zu überreden , Friedrich habe ihnen den Besitz dieser Provinz zugestanden, welches ihnen denn auch mit Bey- hülfe ansehnlicher Bestechungen gelang. Als sie hie- mit zu Stande waren, giengen sie nach Bari, und eroberten die Burg, in der Wilhelm eine Besatzung hatte. Paläolog starb, und sein Leichnam wurde nach Griechenland gebracht. Sie hatten zu ihren, Beystand nicht allein die Fürsten und Grafen, die vormals von ihren Gütern vertrieben gewesen waren, und sich unlängst wieder in den Besitz derselben gesetzt harten, sondern auch einen gewissen Grafen Robert von Cavilla, der durck Bestechungen ihr Freund geworden war. 'Ausserdem hieng ihnen auch fast alles Volk in Städten und Dörfern an, um sich bey dieser Gelegenheit von einem schweren Joch zu besreyen, weiches ihm unter Wilhelm . 2ZZ Wilhelm und seinem Vater Roger auferlegk worden war. In den benachbarten Landern, und selbst Key uns gieng die Sage, Wilhelm sey gestorben, oder habe durch eine Krankheit den Gebrauch seines Verstandes verlohren, und die Griechen befanden sich in dem Besitz aller jener Länder. Friedrich berathschiagte lange, ob er jene Gesandten des Kaisers Manuel zur Audienz lassen, oder als Verrächer bestrafen, oder mit Verachtung zurück schicken solle, bis er sich endlicherbitten ließ, und ihnen Nürnberg als Len Ort bestimmte, wo sie vor ihm erscheinen sollten. So sehr er nun den Wiihelm haßte, so wenig konnte er doch zugeben, daß Griechen diejenigen Lander in Besitz nehmen sollten, welche Roger vom Reiche abgerissen hatte. Er ließ sich zu dem Ende schon einen Heerreszug dahin angeioben; da aber Wilhelm unterdessen Apulien und Calabrien wieder erobert Hane, so änderte er seinen Entschluß, um Mailand seine ganze Rache empfinden zu lassen, zu welchem Ende folgendes Schreiben an alle Reichsfürsten abgiengr Friedrich von Gottes Gnaden römischer Kaiser, steter Mehrer des Reichs, seinem geliebten Oheim dem Bischofs Otto von Freysingen, seine Gnade und alles Gute. §)a wir durch Gottes Huld Herr der Stadt und des Reichs sind, so müssen wir nach den mannigfaltigen Umständen und Zeitläuften demselben rächen. Den Feldzug, welchen wir neulich zu Würzburg gegen die Griechen in Apulien uns zuschwören ließen, wollen wir, da diese geschlagen sind, dir und den übrigen Fürsten erlassen, um euch zu andern Unternehmungen desto be-° reitwil- 2;6 reitwilliger zu finden. Lunge schon hak Mayland sein stolzes Haupt gegen das römische Reich erhoben, und geht jetzt damit mn, ganz Italien seiner Herrschaft un- kerwürfig zu machen. Damit nun ein so freches Un- kerfangen, durch das unsre Ehre danieder getreten wird, Hintertrieben und allem künftigen Unheil vorgebcngt werde, müssen wir alle Kräfte unsers Reichs gegen dieses verwegene Volk in Bewegung setzen. Wir thun dir also hiemit kund, daß nach dem Urtheil der Für» sten, ein Heereszug gegen Mayland von den nächsten Pfingsten an auf ein Jahr beschlossen sey, und bitten Und befehlen, daß du ihm beywohnen, und deshalb in Ulm zu uns stoßen wollest, wobei) du versichert seyn kannst, daß wir weder dich, noch irgend einen andern von unfern Fürsten zwingen werden , über die Apen- Ninen zu gehen." So wie Friedrichs Gegenwart Deutschland den Frieden wieder schenkte, eben so raubte ihn seine Abwesenheit den italienischen Staaken. Auster den Unruhen , die Apulien und Calabrien bedrängten, fiengen die Mayländer wieder mit den Pavesanern Krieg an» und bauten Torcona wieder auf. Nachdem sie zwey Brücken über den Tesin geschlagen, belagerten sie die Stadt Vigenano, und brachten die Pavesaner so weit, daß sie um Friede bitten, und Geißeln stellen mußten. Da die Friedenöbedmgungen aber äußerst hart waren, und diese sich von neuem zu widerseßen anfiengen, so gien- gendieMayländer wieder über die Brücken, bauten Lau- mello auf, und verwüsteten das ganze Gebiet von Pavia. Ws «ft« 8 >ich » film «G„i Ws Wegen der Besetzung des erledigten Erzbißthums W, zu Cöln.waren die Stimmen gekheilt; die Prvbste und ^ Aebte wählten den Probst Gerhard von Bonn, das ^ -^ Dvmcapiret aber Len Sohn des Grafen Adolph, Frick- SZ7 drich. Beyde Theile kamen im Monat Julius nach Nürnberg, um ihre Sache dem Kaiser vorzutragen, bey dem sich auch die griechischen Gesandten einsanden. Der griechische Kaiser hatte vor kurzem in Verbindung mit dem Boritius den Ungarn ein Treffen geliefert, welches zu seinem großen Nachtheil ausfiel, indem der letztere von einem Kumaner oder Scythen, der mit ihm ausgezvgen, durch einen Pfeilschuß erlegt ward. Dieß war eine von den Ursachen, weßwegen er Gesandte nach Deutschland schickte, die den Römischen Kaiser bewegen sollten, den folgenden September einen Einfall in Ungarn zu thun. Ausserdem sollten sie noch eine Eheverbindung zwischen Friedrich und einer griechischen Prinzessin zu Stande bringen. Beyde Absichten aber wurden dießmahl verfehlt. Friedrich hatte schon eine Gemahlin, und um einen Feldzug nach Uugarn zu unternehmen, war die vorgeschriebene Zeit viel zu kurz. Jedoch erhielten die Gesandten Audienz, ihre Briefe wurden angenommen, und Friedrichs Capellan mit ihnen nach Constantinopel geschickt, um dort des Kaisers Gesinnungen näher zu erfahren. Was die cöllnische Bischofföwahl anbetrifft, so beschied Friedrich auf den Rath der Bischöffe und Fürsten, welche bey ihm waren, die Parteyen, nachdem sie drey Tage lang gegen einander gestritten hatten, auf den Reichstag nach Regensburg, wo auch der Vergleich, welchen beyde Herzoge zur Beendigung ihres Zwistes geschlossen, öffentlich bekannt gemacht werden sollte. In der Mitte des Septembers waren schon alle Fürsten in Regenöburg versammelt, und warteten einige Tage auf die Ankunft des Kaisers. Endlich erschien er, gieng seinem Oheim, der in einer Entfernung von zwey deutschen Meilen unter Zelten campir- Lenkwürdigk. II. B. R te, 2Z8 te, mit allen Fm ftm und Edeln entgegen, und mach, te hier folgende Puncte bekannt, die in dem getroste-' neu Vergleich enthalten warm. „Heinrich der altere übergiebt das Herzogthum Bayern vermittelst sieben Fahnen Heinrich dem jün- gern. Dagegen erhält cr durch zwey Fahnen die Mark Oesterreich mit den seit alten Zeiten dazu gehörigen drey Grafschaften; diese werden nach dem Urrheil der Fürsten zu einem Herzogthum erhoben, nr-.yt allein ihm sondern auch seiner Gemahlin durch zwey Fahnen übertragen, und mit dein Privilegium versehen, daß keiner seiner Nachkommen das Land zerstückeln könne." Dieß geschah im fünften Jahr von Friedrichs Regierung, und im zweyten nach Erlangung der Kaiserivürde. Nachdem Min der Streit zwischen seinem Oheim und Vetter auf diese Art glücklich beendigt war, kehrte er vergnügt nach Regensburg zurücke, und ließ den folgenden Tag den Gottesfrieden von den nächsten Pfingsten bis auf ein Jahr in einer feyerlichen Versammlung beschwören, damit Bayern mit dem übrigen Reiche einer gleichen Ruhe genöße. Uebrigcns herrschte von dem Tage an biß jetzt, wo ich dieses schreibe, eine so tiefe Ruhe in.ganz Deutschland, daß Friedrich mit allem Rechte, der Vater des Vaterlandes genannt zu werden verdient. Die Cölnische Streitigkeit wurde zum Vortheil Friedrichs, Sohns des Grafen Adolph geschlichtet, der vom Kaiser mit den Regalien belehnt und alsdann nach Rom geschickt ward, um dort von dem Pabst die Weyhung zu empfangen. Nabe- Radewichs Fortsetzung der Denkwürdigkeiten aus dem Leben Kaiser Friedrichs desErsteii. x 26 Den Hochweisen im Krieg und Frieden großen Männern , Ulrich des H. Pallastes Canzler, und Heinrich, Notar, wünscht der Canonicus und Diaconus zu Freysingen, Radewich, Fülle der Weisheit und Liebe. ^?er emsige Blick, mit dem ich die Geschichte vergangener Zeiten durchlaufen habe, hat mir tausend und aber tausend Beyspiele gezeigt, aus denen ich den Unbestand aller menschlichen Dinge abnehmen konnte. Mit reißendem Fluge eilen die Lage der Sterblichen dahin, schneller enteilen sie als der Schatten verschwindet, und der Wind vorübersaust. Von der Wahrheit dieser Erfahrung kann uns auch die gegenwärtige Lebensbeschreibung einen überzeugenden Beweis geben, deren Verfasser zu früh starb, um sein so schön angefangenes Werk, zu vollenden. Er selbst trug meiner Wenigkeit, mit Zustimmung des Kaysers, das Geschaffte auf, diese so zu sagen noch unzeitige Geburt zu erwärmen und zur Reife zu bringen. Ich habe mich auch ohne Anstand dem Willen so großer Männer unterzogen, und will lieber den Tadel, ein schlechter Schriftsteller zu seyn, verdienen, als das Werk mit seinem Urheber in Vergessenheit sinken lassen. Eigentlich ziemte sich diese Arbeit für euch, als die glaubwürdigsten Zeugen. Nein andre mannigfaltige Sorgen und Beschaffcigun- gen rauben euch zu viel Zeit, als daß ihr selbst im Stande wäret, Schriftsteller zu werden: euch ist es bloß Vorbehalten, die Werke anderer mit gerechtem Lob oder Tadel zu belegen. Schriftsteller, welche, bey den Begebenheiten, die sie erzählen, nicht zugegen gewesen sind, R z son- sondern nur aus anderer Munde ungewisse und un- ^ zusammenstimmende Naa-rlchren schöpfen, treten mit mit erborgten Rednerschmucke auf. Diejenigen aber, welche so als Augenzeugen erzählen, verstoßen aus Vor- liebe für den siegenden Fürsten, oder aus Haß gegen die Ueberwundenen , gern wider die Wahrheit. . Ich schätze mich glücklich, daß ich von beyden Fehlern gleich weit entfernt bin. Ich habe mich weder M!» durch falsche Gerüchte irre führen, noch durch Partey- lichkeit gegen den Fürsten oder meine Nation zu Un- Z,, iL Wahrheiten verleiten lassen. Aber Nachsicht muß ich -liich von dem geneigten Leser in so weit erbitten, als er den auffallenden Contrast zwischen dem geschmackvollen Wer- ^jB!>! ke, dessen Fortsetzer ich bin, und meinsr dürren Gei- steSarbeit bemerkt. Mein Hauch— ich gesteh' es — ^ ^ ist schon für eine kleine Flöte zu schwach; wie wollte ec dann aus der Posaune meines Vorgängers jene rAnen schmetternden Töne hervorlocken, mit denen dieser ent- , ^ zückte. Jedoch hoffe ich die Mängel der Schreibart durch ungeschminkte Wahrheitsliebe zu verbessern. Euch also fordere ich auf, mein Werk zu prüfen und zu beurtheilen, da ihr auf dem Posten, den ihr ^ bekleidet, von allen Begebenheiten am besten unterrich- tet seyd: euch ersuche ich, jeden Fehler auszumerzen, HM und das Ueberflüssige eben so gut auszuschnciden, als ^ >D da, wo ich zu kurz bin, mich zu ergänzen. Ohne eu- tzM re Hülfe würde ich der Arbeit unterliegen, und mich Mer vergebens an die Geschichte eines Kaysers gewagt ha- ^ ^ den, der selbst die Schranken der Zeit durchbrochen zu A ' haben scheint. Weit und breit trug er über den Erd- ^ kreis seine Waffen, und war so groß im Krieg und im Frieden, daß jeder der seine Thaten ließt, nicht die ^ Geschichte eines Einzelnen, sondern mehrerer Könige und Fürsten beysammen zu finden glauben muß. Erstes Erstes Btt ch. 2bz Vilanz Deutschland war ißt durch Friedrichs weise Einrichtungen zu einer ungewohnten Ruhe gelangt. Lange Zeit hatten Privatkriege das Jnnre des Reichs zerrüttet, bis endlich der Friede erschien, der dem ganzen lande gleichsam eine andre Gestalt gab. Die Menschen schienen verwandelt, der Boden umgeändert, dev Himmel milde und sanfter geworden zu seyn. Friedrich aber mißbrauchte diese Ruhe nicht zum Müßiggänge, oder um im Genuß der Wollüste zu schwelgen. Er hielt es für unwürdig, seinen so oft geprüften Heldenmut!) in träger ttnthätigkeit, ohne Gewinn für das Reich, erschlaffen zu lassen. Daher kam es, daß er im Anguss des Jahrs n 57 einen Feldzug nach Pohlen unternahm, Pohlen, welches ißiger Zeit stavifche Völker bewohnen, hat nach Angabe der Geographen im obern Deutschland gegen Abend die Oder , gegen Morgen dle Weichsel, ger-en Norden Rußland und das scythi- sche Meer (die Ostsee) gegen Mittag die Böhmischen Wälder zur Grenze, Das Land selbst ist von Natur sehr wohl verwahrt. Seine Einwohner sind sehr kriegerisch, leben ohne Culkur,^und werden durch die Barbarei) ihrer Nachbarn noch mehr verwildert. Man sagt nemlich, daß an der. Küste der Ostsee Menschen woynen sollen, die sich, wenn sie der Hunger zwingt, untereinander selbst aufzchren, und sich blos mit Jagen und Morden beschäftigen, weil der«, ewige Winter, der in ihrem Lande herrscht, fast allen Ackerbau unmög-. R 4 sich lich macht. Sie treiben auch Capereyen zur See, und beunruhigen die Inseln des Oceans, Jrrland, Britannien, Dännemark. Es war natürlich, daß die Pohlen von der Wildheit dieser schlimmen Nachbarn auch etwas annahmen, und eben daher weder ihren Fürsten noch ihren nahen Anverwandten treu waren. Die Ursache des polnischen Kriegs war folgende. BoleSlaus, Casimir, und Ladislaus sollten das ganze Land nach dem Rechte der Erbschaft besitzen, und Ladislaus als der altere noch den Tirel und die Würde eines Herzogs führen. (Dieser letztere war mit Gertrud einer Nichte des Kayftrs, und Leopolds Marggrafen von Oesterreich Tochter vermahlt!. Allein die beyden andern vertrieben ihn mit seiner Gemahlin, und so sehr sich auch Kaiser Conrad, der ihn gnädig ausgenommen hatte, seinerhalben verwendete, so wenig wollten sie doch nachgeben. Erst Friedrich nahm sich der Sache mit mehrerm Nachdruck an, indem er sie zugleich als öffentliche Rebellen behandelte, die ihm den schuldigen Eyd der Treue noch nicht abgelegt, und den jährlichen Tribut von fünfhundert Mark schon lange vorenthalten hatten. Obgleich Polen durch Kunst und Natur so sehr befestigt ist, daß die vorigen Könige oder Kaiser kauin bis an die Oder Vordringen konnten, so gelang es doch Friedrich mit Hülfe der Vorsehung, die ihn augenscheinlich beschirmte, durch die Verhacke, welche er in den engen Wegen gemacht fand, nicht allein bis an dir Oder zu kommen, die gleichsam Polens Vormauer ist, und in ihrem tiefen Bette keine Furth bildet, sondern auch mit seinem zahlreichen Heere sie zu paffiren, und riefer ins Herz des Landes zu dringen. Seine Soldaten brannten vor Begierde über den Fluß zu setzen: einige schwammen, andre ergriffet! das erste Beste was nur .. 26; nur die Dienste eines Nachens zu leisten im Stande war. Die Pohlen, die sich dieses unvermutheten Be» suchs nicht versahen, geriethen in das äußerste Schrecken. Sie standen zwar da mit einer ansehnlichen aus l Rußen, Parthen, Preußen, Pommern bestehenden Armee, aber die Furcht hatte sich ihrer zu sehr bemei- siert, als daß sie noch Muth gehabt hatten, einigen Widerstand zu leisten. Das einzige Mittel, welches sie in der Verzweiflung ergriffen, war die Flucht, auf der sie ihren eignen vaterländischen Boden mit Feuer verheerten, und alle Schlösser oder festen Qerter verwüsteten. Unter andern legten sie zwey sehr feste vorher noch unüberwundenen Städte, Glogau und Beuchen in die Asche, um solche ausser Stand zu sehen, eine feindliche Bejahung aufzunehmen. Friedrich verfolgte die Fliehenden durch das Gebiet des Bischofs von Breßlau, bis ins Bißthum Posen , und verheerte alles mit Feuer und Schwert, weil er diejenigen keiner Schonung werth hielt, die sich selbst mit der Grausamkeit eines Feindes behandelten. Herzog Boleslaüs Begriff nunmehr, daß es um Land und Leute würde gethan seyn, wenn er nicht nachgäbe. Zu dem Ende suchte er, theils mündlich theils durch Unterhändler, unsere Baronen und Fürsten für sich einzunehmen. Er wandte Bitten, Thränen, Versprechungen an/ um des Kaisers Gnade zu gewinnen, und zum Vasallen des Römischen Reichs wieder angenommen zu werden: der heilsamste Entschluß, den er ergreiffen konnte, ehe die traurigen Folgen einer Rebellion über ihn im vollen Maße ausbrachen. Friedrich nahm den Antrag des gedemüthigten Herzogs mit einem Edelmuthe an, der nur des Stolzen Nacken R ; beugt, , beugt, aber des Unterdrückten schont, und keinen schnellen von Gott verliehenen Sieg unuöthiger Weise mit Menschenhluk befleckt. Bokeskaus kam also im Bisthum Posen zum Kaiser, that einen Fußfall , und erhielt, auf Vermittlung der Fürsten, unter folgenden Bedingungen, Gnade. Zuerst schwur er für sich und alle Pohlen, daß die Vertreibung feines Bruders nicht aus Geringschätzung des römischen Reiches geschehen sey. ZweytenS versprach er fein bisheriges Ausbleiben vom Reichstage, und die unterlassene Belehnung der Lande dadurch zu büßen, daß er dem Kaiser zweytausend Mark, den Fürsten halb so viel, der Kayserin zwanzig Mark in Golde, und den Hofbeamten zweyhundert in Silber bezahlte. Drittens gelobte ex, einen Feldzug nach Italien mitzumachen, und viertens machte er sich anheischig, die nächste Weynachten auf dem Reichstage in Magdeburg zu erscheinen, um dort nach dem Urtheile der böhmischen und polnischen Magnaten sich über die Vertreibung seines Bruders zu rechtfertigen. Nachdem jener nun den gewöhnlichen Eyd der Treu» abgelegt, und für die Erfüllung seiner Zusage, ausser andern Edeln, seinen Bruder Casimir als Geißel übergeben, kehrte der Kayser siegreich nach Deutschland Zurück. Der Erfolg aber lehrte, daß der polnische Herzog nicht die geringste Lust bezeugte, sein gegebnes Wort zu halten; denn er erschien weder auf dem Reichstage, noch schickte er Abgeordnete mit hinlänglicher Vollmacht, noch machte er den rersprochnen Feldzug nach Italien mit. Nicht lange nachher trafen Gesandte aus Constan- tinopel mit Geschenken in Würzburg ein. Der Vortrag aber, den sie thaten, hatte einen so sichtbaren c n- si.-ch 26? strich von griechischem Stolze, daß der Kaiser sie verächtlich von sich wiest, und in Versuchung gerieth, ih- neu, so fern es nur die Rechte det Gesandten zuließen, von gewissen Personen eine krankende Antwort geben zu lassen, wenn sie nicht bey Zeiten den hohen Ton herabgesiimmt hatten. Ihre Bitten und Thranen wirktet! ihnen Verzeihung aus, jedoch unter dem Bedinge, daß sie hinführo sich der hochtrabenden Ausdrücke enthalten, und die dem römischen Kaiser gebührende Ehrfurcht nicht verletzen sollten. Nach erhaltener Verzeihung trugen sie darauf an, daß der noch sehr junge Herzog von Schwaben Friedrich , Kayser Conrads Sohn, mit dem Schwerte um- gürtet, und in ihrer Gegenwart zum Ritter geschlagen würde; welches ihnen auch bewilligt ward. Die Kay- ferin Irene, Friedrichs Muhme, die ihm von Zeit zu Zeit, noch bis auf den hei^'-en Tag, viele kostbare Geschenke zufließsn ließ, st ,'n Gesandten anbefohlen haben, nicht eher wieder nau) Griechenland umzu- kehren, als bis sie ihren Auftrag ausgerichtet. Auch ihr Gemahl der griechische Kayser war diesem Prinzen sehr gewogen, aus Achtung gegen dessen Vater, mit dem er in bestem Vernehmen gestanden hatte. Ausser den griechischen Gesandten kamen hier auch einige aus Engelland vom König Heinrich an, die unter vielen lieblichen Worten verschiedue prächtige Geschenke überreichten. Vorzüglich siel uns ein Gezelk von ausserordentlicher Größe und Güte auf. Es war sogroß, daß es mit Maschinen mußte gehoben werden; und so wohl die Materie, aus der es bestand, als die Kunst, mit der es gearbeitet war, machten es zu einem beynah unerreichbaren Meisterstück. Der Brief des Königs von Engestand an den Kaiser lautete also: Seinem innigst geliebten Freunde, Friedrich, von Gottes Gnaden, unüberwindlichem römischen Kai- ser, entbicrtzec Heinrich, König von Engelland, Herzog von der Normandie, und s. f. Heyl und Eintracht aufrichtiger Liebe. Wir statten, Bester der Regenten, eurer Majestät den größten Dank für die uns erwiesene Gnade ab, daß ihr eine Gesandtschaft an uns abschicktet, uns mit einem Schreiben beehrtet, uns mit Geschenken zuvorgekommen seyd, und, welches das angenehmste war, daß es euch gefallen hat, einen Band des Friedens und der Liebe mit uns einzugehen. Euer Anerbiethen, die Angelegenheiten unsers Reichs in Ordnung zu bringen, verursachte uns ungemeine Freude, die unfern Muth gewißermaßen hob, und uns mit neuen Kräften belebte. Im Erguß dieser Freude geben wir uns mit ganzer Seele euch hin, und sind bereit nach unfern Kräften alles zu thun, was eure Ehre befördert. Wir überlassen euch unser Reich, samt allem was unsrer Herrschaft unterworfen ist, und stellen es eurer Gewalt anheim, so daß ihr in demselben nach eigner Will- kühr Einrichtungen treffen sollt, und euer Wille in jedem Stücke befolgt werde. Es müsse demnach zwischen uns und unfern Un« terthanen Friede, Eintracht, und sicheres Verkehr bestehen, doch so, daß euch, als dem vorzüglichem Theile, die Oberherrschaft bleibe, und wir euch willig gehorchen. Wie nun aber die von Eurer Hoheit erhaltenen Ge- schenke das Andenken an euch in uns erregen, so wünschen wir auch auf ähnliche Weise uns eurem Gedächtnis? zu empfehlen, und schicken euch daher das beste was wir hatten, und was euch vorzüglich gefallen wird. Seht auf den Willen des Gebers, nicht auf die Gabe, und s6- K- M d »it fl «l «sm K- O S- >v iB B' nehmt es mit eben dem Herzen an, mit dem es euch gegeben wird. Euren Auftrag wegen der Hand deö heiligen Jakobs haben wir an den Magister Heribert, und unfern Clerikuö Wilhelm ausgerichtet, wovon Thomas, Canzler bry Norhant, Zeuge ist." Endlich waren auch noch Gesandte aus Dan- nemark, Italien, Ungarn und Burgund zugegen, welche gleichfalls ihre Geschenke und ihr Anliegen anbrachten, und nicht wenig erstaunten, sich hier bey einander zu finden. In der Mitte des Octobers gieng der Kaiser nach Burgund, um in Besan^on einen Reichstag zu halten. Besan^on ist die Hauptstadt eines der drey Reiche, in die Karl der Große seine Monarchie vertheilte , um jedem seiner drey Söhne ein eignes Königreich zu hinterlassen. Hier erwartete ihn außer dem Burgundischen Adel, eine zahlreiche Gesandtschaft von Römern, Apuliern, Tusciern, Venetiern, Italienern, Franzosen, Engellandern, Spaniern, und führte ihn in feyerlichstem Pompe ein. Die ganze Erde bemühte sich gleichsam, ihm, als dem tapfersten und weisesten Fürsten, den man eben so sehr lieben als fürchten müsse, mit neuen Ehrenbezeugungen zuvorzukommen. Ehe ich aber an die politischen Angelegenheiten von Burgund komme, muß ich von den Legaten des PabsteS Adrian, und ihren Verrichtungen sprechen; denn dieff ist doch der wichtigere Theil, und die Geschaffte desselben von der meisten Bedeutung. Die Legaten waren der Cardinal Roland, Canzler des römischen Stuhls: und der Cardinal Bernhard; jwey der reichsten und würdigsten Prälaten, die am römischen Hofe das meiste Gewicht hatten. Die Ursache ihres HierseynS war dem Anschein nach sehr lauter, aber in der Folge entdeckte sich ihre böse Absicht nur zu deutlich. Nachdem sich der Kaiser aus dem Geräusche der Menge in ein abgelegenes Zimmer verfügt, wurden dis Legaten ihm vorgesiellt, und als Personen, die gute Nachrichten brächten, mit aller geziemenden Huld und Achtung empfangen. Aber schon die Ausdrücke, mir denen sie ihre Anrede eröffnten, waren auffallend. „Es grüßt euch, sprachen sie, unser allerheiligster Vater, Padst Adrian, und das römische Eardinalscollegium. Jener' als Vater, diese als Brüder" Nach einer kurzen Rede überreichten sie das päbstiiche Schreiben, welches ich, so wie einige nachfolgende, als Belege für meine Erzählung hier beyfügen will, damit jeder Leser die Acten selbst vor Augen haben, und aus diesen authen- . tischen Quellen selbst schließen möge, auf welcher Seite das Recht war. Päbstliches Schreiben» Bischoff Adrian, Knecht der Knechte Gottes, ent- buchet seinem geliebten Sohne Friedrich, dem erlauchten römischen Kaiser Heyl und apostolischen Seegen. Vor einiger Zeit haben wir Deiner Majestät jene entschliche verabscheuungswürdige That, jenes gotteslästerliche Verbrechen, welches, wie wir glauben, in Deutschland vorgefallen ist, schriftlich berichtet; jetzt sehen wir uns genöchigt, es euch nochmals ins Gedacht- niß zu rufen, und zugleich unser großes Erstaunen über euer gleichgültiges Verhalten in dieser Sache an den Tag zu legen. Unser Ehrwürdiger Bruder E. Erzbischofs von Landen, ist auf seiner Rückreise von Rom, in dem benannten Lande, von einigen gottlosen verruchten Menschen / --- s?! schm (es thut mir im Herzen wehe, daß ich es sagen muß) angehalten worden,, und wird noch biß auf diese Stunde als ein Gefangener behandelt. Die Böfewich- ter, diese gottesvergessene, nichtswürdige Brut, sind über ihn und seine Leute gewaltsamer Weise mit gezückten Schwertern hergefallen, haben sie rein auSge- plündert, und auf das schändlichste behandelt. Das alles weiß eure allerdurchlauchtigjte Hoheit, und in dm entferntesten Gegenden spricht man davon. Wir halten dich für einen Fürsten, dem das Guts gefällt, und das Böse mißfällt. Folglich hattest du die Rache jener himmelschreyenden Ungerechtigkeit mit dem größten Eyfer betreiben, das Schwert, welches dir die göttliche Vorsehung zur Bestrafung der Verfluchten, und zum Lohne der Frommen in die Hand gegeben, gegen den Nacken der Bösewichter führen, und die Miffechäter schrecklich zermalmen sollen. Du aber, spricht man, beträgst dich bey dem Vorfall so gleichgültig, vernachläßigst es so sehr das Bubenstück zu ahnden, daß die Frevler keine Ursache finden , sich ihre That gereuen zu lassen, weil sie keinen sehen, der da lmstritt, sie als Kirchenranber zu züchtigen. Wir können uns dein Betragen gar nicht erklären , da unser Gewissen von allen Vorwürfen rein ist, dich in irgend einem Falle beleidigt zu haben; wir haben dich viel mehr als unfern besondere gelicbtesten Sohn, und allerchristlichsten Fürsten, der ohne Zweifel aufdemFels des apostolischen Glaubensbekenntnisses durch Gottes Gnade befestigt steht, mit aufrichtiger Zuneigung geliebt, und mit schuldiger Gefälligkeit behandelt» Du mußt dich, glorreichster Sohn, erinnern, mit welchem Vergnügen dich vormals Deine Mutter die die allerheiligste römische Kirche ausgenommen, mit welcher Zärtlichkeit sie dich behandelt, mit welcher Ehre sie dich überschüttet, wie bereitwillig sie dir die Kaiserkrone dargeborhen, und in ihrem holdseligen Schooße dein erhabenes Haupt zu pflegen bemüht gewesen ist, indem sie nichts that, was deinem erlauchten Willen auch nur im mindesten cnkgegengewesen wäre. Es Meut uns auch nicht, dein Verlangen püncktlich erfüllt zu haben, sondern wir würden uns billig auch jezt noch erfreuen, dir wenn es möglick wäre, noch größere Wohlthaken (LenekiLi'a) als die bereits empfangenen zu erkheilen; in Betracht der vielen Vorthelle, welche der Kirche Gottes und uns durch dich erwachsen können. Jezt aber da der unerhörte Greuel, zur Beschimpfung der ganzen Kirche und deines Reichs, verübt ist, und du dich des beleidigten Therls gar nicht anzunehmen scheinst, müssen wir auf den Verdacht gerathen, daß dich ein böser Verleumder gegen deine allergnädigste Mutter, die hochheilige römiffhe Kirche, und gegen uns selbst (welches Gott verhüte^ mit irgend einem Groll erfüllt habe. ' Zu dem Ende, und auch andrer Geschaffte halber, senden wir zwey unsrer besten und liebsten Söhne, die Cardinäle Bernhard und Roland, Männer deren Klugheit, Ehrbarkeit, und Religionseyfer hervorleuchtend sind, an Dich ab, und ersuchen Deine Hoheit angelegentlich, sie eben so ehrenvoll als gütig aufzuneh- men, sie standesmäßig zu behandeln, und alles was sie Dir von unsrer Seite zu Gottes und der hochheiligen Kirche Ehre, und zu Deinem und des Reichs Bestem vorkragen werden, ohne alles Bedenken so anzusehen, als wenn es aus unserm Munde käme, und ihren Worten eben si^ zu trauen, als wenn wir sie selbst vortrügen. Die- - -7Z Dieser Brief, der durch den Kanzler Reinald verdollmetscht wurde, erregte unter den anwesenden Fürsten sehr großen Unwillen, weil er in einem ziemlich biktern Tone geschrieben war, und all das nachfolgende Unglück, zu dein er den Grund legte, gleichsam schon an der Stirne führte. Vorzüglich war ihnen die Stelle anstößig, wo der Pabst sagt: daß er dem Kaiser die höchste Würde und dis Kaiserkrone erkheilt, und daß er ihm gerne noch mehrere Wohlthaten (k!-mo6oia) möchte zufließen lassen. Sie konnten an der Richtigkeit der Ueberschung so wohl als des Sinnes, den sie mit den Worten verbanden, umso weniger zweifeln, da sie die dreiste Behauptung einiger Römer kannten, welche man so gar in Büchern und auf Gemälden findet, daß nemlich unsre Könige die Herrschaft überRom und Italien der pabstlichen Schenkung zu verdanken hakten. So findet man z. B. über einem Bilde des Kaisers Lothar im Lateran folgende Zeilen: Uex vanir anrs stures, jurans prius urdis konvres» kolk bomo 6r kapmo, stumir c^uo öams corunam, d. Er kam vor die Thors als König, beschwor zuerst die Freiheiten der Stadt, ward dann der Lehenmann des Pabstcs, der ihm die Krone auffttzte. Friedrich hörte bey seiner letzten Anwesenheit in Rom von diesem Bilde, und bezeugte sein großes Mißvergnügen darüber. Er gab deshalb dem Pabste Adrian einen freundschaftlichen Verweis, und soll auch von ihm das Versprechen erhalten haben, daö Bild nebst der Ueberschrift aus dem Wege zu schaffen, damit eine solche nichtige Posse keinen Anlaß zu Uneinigkeiten zwischen den wichtigsten Personen im Staate gäbe. Denkwürdig?. U. S. S Dieß Dieß allez zusammen erregte jetzt einen Tumult unter den Reichs-'ürsten, der immer größer ward. End- lieh stand einer von den Legaten auf, und goß, so zu sagen, vollends Oehl ins Feuer. „Von wem, sagte er, bat denn der Kaiser daö Kaiserthum, wenn er es nicht von dem Pabste hat?" Dieser Ausdruck setzte die Anwesenden in eine solche Wuth, daß Otto, Pfalzgraf von Bayern, wie man erzählt, sem Schwert zog, um dem Legaten den Kopf zu spalten. Friedrich besänftigte zwar durch sein Ansehen die ausgebrachten Gemüther, die Legaten aber mußten sich unter einem sichern Geleite in ihre Wohnungen flüchten, und den folgenden Tag in aller Frühe abreisen. Laut eines kaiserlicher Befehls durften sie unterweges weder auf den Sprengeln der Bischöfe oder Aebte einsprechen, noch irgend einen Umweg nehmen, sondern mußten die gerade Scraße nach Rom verfolgen. Sie gierigen also unverrichteter Sache zurück. Der Kaiser hingegen ließ das gelammte Reich von der ganzen Verhandlung wohlbedachtig durch ein Circularschreiben benachrichtigen, welches folgendermaßen lautet. „Da uns die göttliche Macht, von der alle Gewalt im Himmel und auf Erden abhangt, zum Beherrscher des Reichs eingesetzt, und uns bestimmt hat, den Frieden in der Kirche durch die Macht des Kaiserthums aufrecht zu erhalten: so müssen wir Ew. Lieb- den mit vieler. Rührung klagen, daß vom Haupte der H. Kirche, die doch von Christus den Geist des Friedens und der Liebe empfangen hat, der Saame der Zwietracht und das Gift einer pestilenzialischen Seuche ausgestreut wird, von welchem wir Verunreinigung des ganzen Körpers der Kirche, Trennung der Einheit, und Zwiespalt zwischen der weltlichen Macht und dem Priesterthum zu befürchten haben." -75 „Auf dem letzten Reichstage zu Besannen, wo wir uns die Ehre des und der Kirche mit schuldiger Sorgfalt angelegen seyn ließen, erschienen pabstliche Gesandte, die uns versicherten, daß sie Dinge vor- zntragen hätten, die auf Vergrößerung der Ehre unserer weltlichen Macht abzweckten. Den ersten Tag nahmen wir sie ehrenvoll auf, den zweyten Tag zogen wir sie, wie es Sitte ist, in Gegenwart unserer Fürsten zur Audienz, und hier übergaben sie uns, auf. geblasen "vom ungerechten Mammon, von Hochmuth, Hoffarth, Eigendünkel erfüllt, das pabstliche Schrei- ben, dessen Inhalt dieser war: „Wir sollten es beständig vor Augen haben, daß der Herr Pabst uns die kaiserliche Krone gegeben, und eö sich nicht würde reuen lassen, wenn wir ihm auch noch größere Wohkthaten zu verdanken hätten." DaS war also jene Gesandtschaft der väterlichen Sanstmuth, welche die Einheit der Kirche und des Reichs beschützen sollte, welche sich bemühen sollte, durch das Band des Friedens beyde zu verknüpfen, und die Herzen der Zuhörer zur Eintracht undzum Gehorsam anhalten sollte. Bey diesem verworfenen Antrags, der ganz von aller Wahrheit entblößt ist, erwachte nicht mein Zorn allein, wie natürlich und billig war, sondern alle übrigen anwesenden Fürsten geriekhen in eine solche Wuth, daß sie jenen beyden frevelhaften Geistlichen, das Todesurtheil würden gesprochen haben, wenn wir nicht dazwischen getreten wären." „Weil man endlich noch viele Briefe und besiegelte unbeschriebene Papiere bey ihnen fand, die sie nach Gefallen ausfüllen, und, wie es bisher Sitte war, an alle Kirchen des teutschen ReichtS vertheilen konnten, wodurch sich ihr Gift noch weiter verbreitet hätte, daß die Altäre entblößt, die Gefäße aus den S 2 Gottes» L?6 Gotteshäusern davon getragen, die Crucisipe entkleidet worden wären: so nöthigten wir sie, aufdemselbenWeg, den sie gekommen waren, zurück zu kehren." „Das Reich und das Kaiserkhum, isi uns durch die Wahl der Fürsten allein von Gott ertheilt worden, der bey den Leiden seines Sohnes Christi die Regierung der Welt zweyen nochwendigen Schwertern unterwarf. Ein gleiches lehret der Apostel Petrus, wenn er spricht: fürchtet Gott, und ehret den König. Wer demnach behauptet, daß wir die Kaiserkrone als eine Wohl- that von den: Herrn Pabsi erhalten hauen, der redet der göttlichen Einrichtung und Lehre Petri zuwider, und ist ein Lügner." „Bisher haben wir uns bemüht, die Ehre und und Freyheit der Gemeinden, welche schon lange unter einem unverschuldeten Joche seufzen, aus der Hand der Egypter zu reisten, und alle, ihren Würden zuständigen , Rechte zu erhalten. Deshalb bitten wir euch, mit uns und dem Reiche an der erlittenen Beschimpfung innigen Theil zu nehmen, und hoffen von eurer aufrichtigen unerschütterlichen Treue, daß ihr die Ehre des Reichs, die von Erbauung Roms und von der Stiftung der christlichen Religion an keine Verkleinerung erduldet hat, durch eine so unerhörte Neuerung, durch so stolze Anmaßungen nicht werdet kränken lassen. Es ssy euch aufrichtig gestanden, daß wir lieber in den Tod gehe« wollen, als eine solche Kränkung überleben." Nachdem Friedrich m dieser Sache so weit fertig war, gieng er wieder an die Statsangelegenheiten in Burgund. Burgund hatte ehemals mächtige, souveraine Könige. Liebe zur Freyheit, als einem unschätzbaren Guts, reihte schon seit langer Zeit die Einwohner zum Uebermuche, und machte sie gegen ihre Regen- 277 een schwierig, so daß sie nur mit vieler Mühe und Arbeit zum Gehorsam gebracht werden konnten. Jetzt aber hatte die Vorsehung das ganze Land zu einer ungewöhnlichen Ruhe kommen lassen, und Friedrich wäre in einer geringen Begleitung ungestöhrt bis Are- lat, dem Sitz des burgundischen Reichs, gelangt, wenn ihn nicht andere Geschaffte zurückgchakten hatten. Ein andrer sonderbarer Vorfall, dessen sich keiner der itzt lebenden Menschen erinnern kann, war, daß Stephan Erzbischofs von Vienne und ErZkanzler von Burgund, Heraclius, Erzbischof und Primas von Lyon, Odo Bischoffvon Valencis, Ganfred von Avignon, und Silvio von Klara, ein großer mächtiger Fürst, sich auf dem Reichstage einstellten, Friedrich den Eyd der Treue leisteten, sich für seine Vasallen erklärten, uud aus seiner Hand chrerbiethig ihre Lehen empfiengen. Ein gleiches würde der Erzbischof von Arles, und alle anderen Erzbischöffe, Bischöffe, Primaten, und Edle gethan haben, wenn er sich langer hier verweilt hatte.. Dagegen schickten sie angesehene Männer mit Briefen ab, und gelobten völlige Unterwerfung, und schuldige Lehns- neus dem römischen Reicher Auch Ludwig, König von Frankreich, reißte bis nach Dijon um dort mit dem Käufer persönlich zusammenzutreffen : dieser aber nahm fernen Weg nachAlemannien, und so wurden beyde verhindert sich in eigner hoher Person zu begrüßen. Jedoch verrichteten sie diese Eeremo- nie (denn im Grunde waren es doch bloße Hösiichkeitö- bezsngungen) durch Repräsentanten, nemlich den Canz- ler Reinald und dm Graf Udalri'ch von Lenzburg von kaiserlicher, und den Canzier Alderich von königlicher Seite. Ich weiß es aus dem Bericht des BischoffS Heinrich von Troyes, daß Ludwig, auf erhaltene Nachricht von dm wichtigen Progreßen, die Friedrich in Bur- S 3 gund 278 gund machte, in Schrecken geseht worden, und sich nicht zu einer mündlichen Unterredung, wovon er Gefahr befürchtete, sondern zu einem Kriege vorbereitet; auch heimlich ein ansehnliches Heer zusammengebracht habe. Es sollen sogar schon, wie eben dieser Gewährsmann bezeugt, eilf Bischöffe mit ihren Mannen in der Stadt Trvyes übernachtet haben. Aber auch schon dieser nicht unbedeutende Schrecken, welches ganz Frankreich überfiel, galt für einen Sieg. Friedrich verließ Burgund, nachdem er alle Geschaffte glücklich beendigt, und mit den Gütern seiner Gemahlin die nökhigen Verfügungen getroffen hatte. In Magdeburg, wo er die Weyhnachtsfeyertage über sich aufhielt, und die Polen zur Bcylegung ihrer Streitigkeiten erwartete, erhielt er einen Beweis, daß diese Menschen aus habsüchtigen, ehrgeizigen Absichten weder Treue noch eydliche Versicherungen achteten. Hierauf gieng er nach Bayern, und hielt zu Regensburg zu Anfänge des Jahres nz8 einen Reichstag, auf dein sich sehr viele Fürsten einfanden. Unter mehrern andern kamen auch Gesandte des Ungarischen Königs Gaisa daselbst an. Man hatte diesem König den Verdacht gegen seinen Bruder Stephan beygebracht, als ob dieser nach seiner Krone strebte. Man vermukhete auch, daß sein Oheim Bela, ein sehr einsichtsvoller Mann, der zu Neuerungen nicht ungeschickt war, sein Rathgeber sey, und der Verwegenheit des jungen Prinzen, durch eine vorzüglichere, ehrenvollere Behandlung immer mehr Nahrung verschaffe. Diese ausgezeichnete Achtung, welche Stephan genoß, trieb die Besorgniß seines Bruders ans das ausserste, der vorzüglich in allen Reden und Handlungen der Freunde und Vertrauten desselben lauter Verdächtiges zu finden glaubte, und ihn endlich hinterlistiger Weise aus dem Wege zu raumen wünschte. 279 Stephan flöhe zuin Kaiser, in der Ueberzeugung, daß das römische Reich eine Freystätte für die ganze Welt sey, klagte ihm unter Vergießung vieler Thrä- nen sein seid, erklärte die Beschuldigungen, welche man gegen ihn ikiache, für erdichtet, und berief sich hierum auf das allgemeine Zeugniß. Friedrich nahm sich auch wirklich seiner Sache an, und ließ durch Gesandte bey dem Könige von Ungarn eine Fürbitte für den jungen Prinzen einlegen, die durch das kaiserliche Ansehn sehr vieles Gewicht erhalten mußte. Der König schickte dagegen zwey seiner Großen als Gesandte auf den Reichstag, den Bischofs Gervasius von Eisenburg, lind den Grafen Heidenreich, die alle Beschuldigungen, welche man ihm gemacht, auf den klagenden Theil zurückwarfen. Stephan, sprachen sie, hat mit seinem Bruder die Regierung gemeinschaftlich geführt, und nichts weiter als den königlichen Titel entbehrt. Allein böse Rathgeber verleiteten seinen jugendlichen Geist zu Handlungen, welche die brüderliche Eintracht verletzten. Er selbst war der angreiftnde Theil, wurde unterdrückt, und beklagt sich nun, daß er nicht im Stande gewesen, widerrechtlich zu handeln. Zur Flucht hat ihn Niemand gezwungen; es stand ihm srey, im Reiche zu bleiben, bis alles gegen ihn so sehr würde eingenommen seyn, daß man ihn als einen blutdürstigen Feind, aus dem Lande vertriebe, ehe er im Stande wäre, es zu zerrütten und mit Blut zu beflecken. Der Kaiser hatte nun beyde Theile abgehört, und merkte wohl, daß der Prozeß sich nur durch gemeinschaftliche Theilung, oder durch Verurtheilung Eines von beyden würde beendigen lasten. Um aber für die vielen noch vorhandenen Geschaffte Zeit zu gewinnen, beschloß er die Entscheidung des Streits auf eine gelegnere Zeit S 4 ;u zu verschieben, schickte den jungen Prinzen, seinem eignen Verlangen gemäß, über Venedig nach Griechenland, und entließ die Gesandten des Königs unter Friedensversicherungen und mit reichen Geschenken begabt , nachdem er von ihnen ein Geschenk von beynahe tausend Talenten erhalten hatte. Auf demselben Reichstags im Jahr n 58 wurde der böhmische Herzog Ladislaus vom Kaiser und den Ersten des Reichs zum König ernannt, und ihm der Gebrauch des Diadems nebst andern königlichen Insignien durch ein Privilegium bestätigt; worauf er vergnügt in seine Staaten zurückkehrte, und Anstalten traf, um den Kaiser auf einem Feldzuge nach Italien zu begleiten. Ladislaus war ein sehr kluger, mächtiger, und tapferer Fürst, der schon viele Beweise seines Muths, seiner Treue und Ergebenheit, vorzüglich aber in dem letzten polnischen Kriege, abgelegt, und sich durch seine Verdienste allgemein beliebt gemacht hatte. Noch ist zu merken, daß Friedrich hier in Regensburg die Uneinigkeit zwischen Otto Bischofs von Freysmgeu und dessen Bruder Herzog Heinrich von Oesterreich beylegte, die daher entstanden war, daß der letztere unerlaubte Eingriffe in die Kirchengücer hatte thun wollen. Aus Bayern gieng Friedrich in das Gebisth der Ripuarier, durchsirich dis Gegend des Unterrheins, und ließ keinen Tag ungenützt vorbeygehen, an dem er nicht etwas zum Besten des Reichs und zu Erhaltung der Gerechtigkeit gethan hatte. Daher die bewundernswürdige Ruhe im weiten deutschen Reiche, der Frieds unterst) vielen Nationen, dis er nicht durch Waffen, sondern durch Klugheit bändigte, so daß er mehr Vater 281 einer Familie, alö Beherrscher des Reichs genannt zu werden verdient. Nach Ostern gieng er wieder unden Oberrhein zurück, und hielt sichhier indem Palaste den erbe!) Kaisers Lautern angelegt, einige Tage auf, um seine Familienangelegenheiten in Ordnung zu bringen. Die Zeit zur Eröffnung des Feldzugs brach heran, und Friedrich war gesonnen, mit der Armee nach Italien zu gehen. Ehe er aber dieses wichtige Unternehmen begann, Heilte er auf Anrathen einiger frommen Personen aus der Geistlichkeit, welche er als ein göttliches Orakel befragte, zum Beweis seines Vertrauens auf Gott an die Kirchen viele Gaben mit kaiserlicher Freygebigkcit aus. Vor allen folgte er hierin dem Rath feines treuen Seelsorgers, Bifchoffs Hartmann von Brisen, der in einem besondern Ruf der Heiligkeit und eines strengen Lebenswandels stand. Er ließ ihn zu sich kommen, unterwarf sich demuths- voll dem Rach, den dieser ihm über sein Vorhaben ertheilte, und erfüllte dadurch die Pflicht eines christlichen Fürsten, der vor dem Ausbruch eines Krieges erst seine Seele mit geistlichen Waffen versieht, und die Befehle des Himmels aswarter, che ec seinen Soldaten Befehle ertheilc. Hartmann sowohl als die übrigen Bischöffe fanden die Ursachen des Krieges gerecht, und beugten allen etwa zu besorgenden Eingriffen in die Rechte der kaiserlichen Hoheit und allen Sröhrungen des kirchlichen Friedens dadurch vor, daß sie ihn durch ihren geistlichen Zuruf zum Feldzug gegen die Rebellen aufforderten. Unterdessen waren die päbstlichcn Legaten nach Rom zurück gekehrt, wo sie die Beleidigungen und Gefahren, denen sie ausgesetzr gewesen, mir den gehässig- S ? ' freu 2§2 sten Farben abschilderten, um den Pabst zur Rache anzureitzen. Nun theilte sich der römische Clerus in zwey Parteyen. Die eine, welche kaiserlich gesinnt war, tadelte die Legaten, daß sie unvorsichtig und unklug gehandelt hätten; die andre hielt es mit dem Pabst. Ich will hier abermals, um meine vorhin an- gegebene Maxime zu befolgen, die in gegenwärtiger Sache gewechselten Briefe mittheilen, damit es dem Leser frey stehe, sich aus den Acten selbst zu belehren. Mir wird man es verzeihen , wenn ich den Pabst und den Kaiser lieber mitschuldiger Achtung verehre, als über einen von beydenein Unheil zu fällen mich vermesse. Schreibendes Pabstesan die Erzbischöffe und Blschöffe. „ blo oft jemand n der Kirche gegen Gottes Ehre und der Gläubigen Heil zu handeln sich erftecht, so oft müssen unsre Brüder/ und Mikbischöffe, vorzüglich diejenigen, welche vom Geiste Gottes getrieben werden, dafür sorgen, daß das begangene Uebel auf eine Gott wohlgefällige Weise verbessert werde. Unser geliebtester Sohn, Kaiser Friedrich, (ich kann's ohne große Betrübniß nicht auösprechen) hat sich un- längst ein Vergehen zu Schulden kommen lassen, desgleichen die Geschichte unserer Vorfahren nicht aufzuweisen hat. Wir schickten nemlich zwey unserer angese- nem Brüder, die Cardinäle Bernhard und Roland an ihn ab. Bey der ersten Audienz wurden sie freudig ausgenommen. Den folgenden Tag erschienen sie wieder, und überreichten ihm unser pabstliches Schreiben, das eine Stelle enthielt, welche ihn in die anssersie Wuth versetzte. Denn kaum hatte er die Worte: wir haben euch die vorzügliche Wohlthac 's ü> <« I> !! k> i » »l i' i« i der Krone ertheilt angehört, so brach er in Schmähungen gegen uns, und unsre Legaten aus, wieS sie schimpflich von sich ab, und nöthigte sie, schleunig das Land zu verlassen. Kurz, was er rhar, kann man nicht ohne Kränkung anhören, und nicht ohne Rührung erzählen." „Sobald nun meine Legaten fort waren, mach- teer einen Befehl bekannt, daß keiner aus eurem Reiche nach Rom gehe, und soll sogar auf allen Grenzen Deutschlands Wächter bestellt haben, die jeden, der dahin reisen wolle, mit Gewalt zurückbräch- ten. Dieses Verfahren schmerzte uns zwar sehr, doch haben wir den Trost, daß er wenigstens nicht durch euren und der Fürsten Schluß dazu bewogen worden' ist. Und darum hoffen wir, daß euer Zureden ihn sehr leicht von seinem Vorsatz zurückbringeu werde. Da nun der gegenwärtige Fall nicht bloS mich allein, sondern euch, und die übrigen Kirchen eben so nah angeht, so ermahnen wir euch im Herrn, euch als eine Mauer vor das Haus Gottes zu stellen, unfern vorhingenannten Sohn so bald als möglich aus den rechten Weg zu führen, und mit aller Macht darauf zu dringen, daß sein Kanzler Reinald, und der Pfalzgraf, für die ungeheuren Lästerungen, welche sie gegen unsre Legaten, und unsre Mutter die hochheilige römische Kirche auögestoßen, eine exemplarische Strass erhalten, die im Stande ist, eben so viele auf den rechten Weg zu bringen, als vorher durch ihre anstößigen Reden geärgert worden sind. " „Möge doch dieser unser Sohn nicht auf dem Vorsatz der Ungerechten bestehen, möge er doch die Geschichte alter und. neuster Zeiten vergleichen, und dm Pjao betreten, den Zustmian und andre cacholi- sche >i 284 - -— < sche Kaiser gegangen sind. Wenn er deren Beyspiel befolgt, fo wüch er seine Ehre auf Erden, und sein Glück im Himmel vermehren. Auch ihr werdet eure und eurer Kirchen Freyheit erhalten, wenn ihr ihn auf die rechte Bahn leitet, und dem H. Petrus, dem obersten der Apostel, gefälligen Gehorsam erweiset. AuS eurer Ermahnung, aus der Wahrheit der evangelischen Verheißung mag unser vorhin erwähnter Sohn lernen, das; die hochheilige römische Kirche auf dem festesten Felsen von Gott gegründet, trotz den heftigsten Stürmen, unter des Herrn Schutz in alle Ewigkeit forkdauern wird. Auch würde cs, wie ihr wißt, sich für ihn nicht schicken, einen so steilen Weg, ohne euren Rath zu betreten. Daher glauben wir, daß er als ein wohldenkender Mann und katholischer Kaiser sich durch euer Zureden aus bessere Gesinnungen werde lenken lassen." Antwort der hohen deutschen Geistlich- keit. „ ^^b wir gleich wissen, und versichert sind, daß die auf einem festen Felsen erbaute Kirche Gottes weder von Stürmen noch Regengüssen herabgeschwemmt werden kann, so fahren wir doch als klein« müthige und schwächere Menschen vor Entsetzen zusammen, wenn sich dergleichen schreckliche Erschütterungen zutragen. Eben daher sind wir vor Schrecken ganz ausser uns, da wir sehen, daß sich zwischen eure Heiligkeit, und eurem gottesfürchtigen Sohne, unserm Herrn dem Kaiser, Uneinigkeiten entspinnen, die, wenn Gott es nicht verhütet, zu sehr betrübten Auftritten Anlaß geben werden.". iF Dip i« ff"' - - , Pd! dil ttsl! Md di! Die ch «> gl! «!, !l» uv " " ' " i: F) „Die in eurem erwähnten Schreiben enthalte« nen Worte haben das ganze Reich in Aufruhr gesetzt. Weder seine kaiserliche Majestät, noch die Fürsten konnten sie gelassen anhören; und wir, verzeiht es uns allerheiligster Vater, getrauten uns nicht, vermochten eö auch nicht, die Vcrrheidigung dieser Worte zu übernehmen, ihnen eine schickliche Wendung zu geben, oder durch irgend einen schon vorhandenen Fall zu rechtfertigen; denn sie waren bis auf diese Zeiten noch unerhört gewesen." „Euer Schreiben haben wir mit gebührender Ehrfurcht angenommen, eurem Sohn dem Herrn unserm Kaiser, wie ihr es befohlen, Vorstellungen gethan, und von ihm, Gottlob, eine Antwort erhalten, wie man sie nur von einem katholischen Fürsten erwarten kann. " „Die gesetzliche Verfassung unsers Reichs, sprach er, gründet sich entweder auf die heiligen Verordnungen der Kaiser oderauf gute, hergebrachten Gewohnheiten unserer Vorgänger und Väter. Diese Grenzen der Kirche wollen wir und können wir nicht überschreiten, was ihnen aber zuwider ist, nehmen wir nicht an. Wir erweisen sehr gerne die unserm Vater schuldige Achtung, schreiben nur der göttlichen Huld die freye Krone unserS Reichs zu, raumen die erste Wahlstimme dem Erzbischoffs von Maynz, und die folgenden den übrigen Fürsten der Reihe nach ein, die königliche Salbung dem Erzbischofs von Cöln, die höchste aber, neinlich die kaiserliche, dem Pavste. Was über das ist, ist überflüssig und übel. Die Cardinäle haben wir nicht aus Geringschätzung unsers geliebresten verehrungöwürdigsten Vaters über die Grenze geschickt, sondern wir wollten sie nur nicht zur Schande unsers Reichs mit ihren verdächtigen Papieren weiter kommen lassen. Den fteyen Durchzug zug aus und nach Italien haben wir weder durch ein Edict gesperrt, noch wollen wir ihn auf irgend ei. ne Weise denen verweigern, die mit den Zeugnissen ihrer Vischöffe und Prälaten versehen, in eignen Angelegenheiten und aus erlaubter Absicht, an den apostolischen Stuhl zu gehen Willens sind» Allein wir wollen jenen Mißbrauchen, die zum unsäglichen Schaden aller Kirchen unserö Reichs eingerissen sind, und fast alle Klosterzucht ausgerottet haben, uns entgegensetzen. Gott hat die Kirche in Rom durch die weltliche Macht erhoben; in Rom will jetzt die Kirche (doch wohl nicht durch Gott) die weltliche Macht untergraben. Voin Gemählde fieng sie an, gieng dann zur Schrift über, und fußt jetzt auf das Ansehn der Gesetze; dieses gestatten, dieses dulden wir nicht. Ehe wollen wir die Krone vom Haupte legen, ehe sie so tief erniedrigt werden soll. Hinweg also mit jenen Bildern und Schriften, diesen ewigen Denkmahlern der Feindschaft zwischen der geistlichen und weltlichen Macht." „Dieß und noch andres, z. B. das Bündniß Rogers und Wilhelms von Sicilien, und mehrere in Italien geschehene Verträge haben wir aus dem Munde unsers Herrn und Kaisers vernommen, können sie aber nicht umständlich hier erzählen." Da der Pfalzgraf in Angelegenheiten des bevorstehenden Feldzugs vorausgegangen ist, so haben wir von dem Canzler nichts als friedliche Nachrichten erhalten, ausser daß er ihnen mit Gefahr seines Lebens nach allen Kräften beygestanden, wovon alle Anwesende zeugen können. " „Uebrigens bitten, und beschwören wir Cw. Heiligkeit, unsre Schwäche zu schonen, und den beleidigten Stolz eures Sohnes , als ein guter Hitte, durch -87 durch ein anderes gelindes Schreiben, das das erstere wieder gut macht, zu besänftigen, damit sich die Kirche in ruhiger Andacht erfreue, und das Reich in seiner erhabenen Wurde prange. Wozu der Mittler zwischen Gott und Menschen Christus Jesus seine Hülfe verleihen wolle." Friedrich stand bcy Augsburg am Lech, und wartete da sieben Tage lang, um auö verschiedenen Gegenden Truppen an sich zu ziehen. Unterdessen hacce der Pabst zuverläßige Nachrichten von dem bevorstehenden Feldzuge des Kaisers erhalten, denn die Gesandten desselben, der Kanzler Reinald, und der Pfalzgras Otto waren schon geraume Zeit vorher nach Italien gegangen. Dieser Umstand machte ihn nachgiebiger, und war Ursache, daß er, um Friedrich zu besänftigen, zwey andre Legaten an ihn abschick.e, den Cardinal Heinrich, Priester von S. Nereus und Achill, und den Cardinal JacinckuS, Diaconns, der H. Maria in der Griechischen Schule, zwey gute Staatsmänner, die sich zu politischen Unterhandlungen besser als ihre Vorgänger schickten. Hier muß ich, ehe ich in der Erzählung weiter rücke, noch etwas weniges von der Person und den Thaten jener kaiserlichen Deputaten vorläufig erwähnen. Sie waren von einer schönen angenehmen Bildung, stammten aus einem edlen Geschlechce, besagen große Vorzüge deS Geistes, und einen »«erschrocknen Muth. Sie erlaubten sich keine Verbrechen, keine Ausschweifung, geitzten nach edlen Thaten, waren freygebig mit ihrem Gelde, und wünschten sich nichts als Ruhm, und redlich erworbenes Vermögen. Sie standen noch in den reifem Jahren der Jugend, zeichneten sich durch «ine Hinreiffende Beredsamkeit aus, und und zeigten durchaus ein übereinstimmendes Betragen, ausser "daß der eine, als eine geistliche Person, Sanf- much und Barmherzigkeit in allen Handlungen blicken ließ, der andre aber als ein Krieger, der sein Schwert nicht ohne Ursache trug, mir Ernst und Würde erschien. Durch alles dich erwarben sic sich und dem Reiche Ruhm, Ehre, und ansehnliche Voc- theile, so daß damahls fast keine große hervorstcchen. de Thar in diesem Feldzuge auögesührt wurde, bey der sie nicht den vorzüglichsten Ancheil gehabt hätten. Sobald Reinald und Otts Italien betreten hatten, unterwarf sich ihnen die am veronesischen Paß gelegene von Natur unüberwindliche Vestung Rivola, und dadurch erleichterten sie den Hin-und Rückmarsch der Armee. Der Bischofs und die zahlreiche Bürgerschaft von Verona nahm sie mit vielen Ehrenbezeugungen auf, und legte ihnen, so wie auch nachher die Einwohner mehrerer Städte den Eyd der Treue gegen den Kaiser ab. Die Eydesformel, welche unter Berührung der heiligen Evangelien beschworen wurde, war in folgenden Worten abgefaßt» „Ich schwöre, daß ich von nun an fernerhin, so wie mein Herr und Kaiser cs von Rechtswegen fodern kann, ein treuer Unterthan meines Herrn, des römischen Kaisers Friedrich, verbleiben, und ihm Helsen wolle, die Krone des Reichs und alle seine Vorrechte in Italien zu erhalten, namentlich und absonderlich diese Stadt, nebst allen Rechten, die ihm in derselben , in der ganzen Grafschaft oder den Biöthum zukommen. Ich will seine Regalien weder hier noch anderwärts ihm entziehen, und wenn sie entzogen find, treulich helfen, sie wieder zu erhalten, und zu be« 289 schützen. Auch will ich weder mit Rath noch That dazu bcytragen, daß er sein Leben, ein Glied, oder seine Ehre verliehre, oder in böser Gefangenschaft gehalten werde. Alle Befehle, die er mir in eigner Person, oder schriftlich, oder durch Bevollmächtigte wegen Beobachtung der ihm zuständigen Rechte ertheilt, will ich treulich befolgen, und durch keine unerlaubten Mittel vermeiden, sie anzuhören, aufzunehmen, und zu erfüllen. Alles das will ich treu und redlich sonder Arglist beobachten. So wahr mir Gott und diese heiligen vier Evangelien helfen! Von Verona giengen die kaiserlichen Abgeordneten durch Mantua nach Cremona. Hier fanden sich ausser vielen Grafen, Marggrafen und Consuls aller umherliegenden Städte, die Erzbischöffe von Ravenna sind Mayland nebst fünfzehn ihrer Suffraganb'ischöffe ein, daß es beynahe das Anfehn hatte, als sollte hier ein Reichstag gehalten werden. So viel kann ich mit völliger Wahrheit behaupten, daß jene Heyden Gesandten die Ehre der kaiserlichen Macht, die unter Friedrichs Vorgängern häufig geschmälert war, wieder gerettet haben. Von Cremona setzten sie ihre Reise durch Ro- maniola und Aemilien in da§ Eparchat von Ravenna fort, und zeigten sich überall als khäcige vorsichtige Männer, die bey jeder Gelegenheit die Vorrheile des Kaisers und Reichs zu befördern wußten. Ferner giengen sie durch Rimini nach Ancona, wo Paläo- log, Logotheta, nebst andern Bevollmächtigten des griechischen Kaisers, Truppen für Geld anwarben, dergleichen man Söldner nennt, um sie ihrem Vorgeben nach gegen Wilhelm von Sicilien zu gebrauchen, eigentlich aber um ihren schon oft versuchten Plan,'' Lenkwürdigk. ll.B. T die 29V die Seestädte unter griechische Botmäßigkeit zu bringt» mit List oder Gewalt durchzusetzen. Nicht weit von Ravenna stießen sie auf viele Edellente, die sich schon mit den Griechen in vertrau- liche Unterhandlungen eingelassen hatten. Dieses eben so gewinnsüchtige als für das römische Reich entehren- de Betragen reitzte ihren Zorn so sehr, daß Pfalzgraf Otto, trotz seiner schwachen Bedeckung, das Schwert zog, den vornehmsten der Ravenneser, Wilhelm, mit dem Zunahmen Malkraversar, ergriff, und ihn als einen Gefangenen forkzuführen drohte. Alle übrigen schwiegen, und getrauten sich nicht vor Furcht und Entsetzen, etwas dagegen einzuwenden. Ottos entschlossener Much zeigt sich hier in einer bewundernswürdigen Größe. Weder die Überlegenheit seiner Gegner, noch die Nähe der Stadt konnten ihn dahin vermögen, das Ansehn eines kaiserlichen Gesandten da zu vergeben, wo er glaubte, daß es behauptet werden müsse. Endlich ließ er sich durch vieles Bitten und Zureden besänftigen, brachteein ziemlich'starkes Heer zusammen, und rückte mit demselben vor Ancona. Die Erklärung, welche die kaiserlichen Gesandten hier an die Griechen gaben, war in sehr heftigen Ausdrücken abgefaßc. „ Wer gab euch das Recht lautete sie, ohne das Kaisers Vorwissen also zu verfahren? Die Arglist, die Tücke der Griechen ist uns nur allzu- wohl bekannt. Ihr habt unter dem Deckmantel einer gerechten Unternehmung nichts als Unheil anstif- ren wollen, habt euren Freunden das Verderben zu- gedacht, das ihr euren Feinden zu bereiten schienet., Da nun unwiderlegliche Beweise vorhanden sind, daß ihr als offenbare Feinde des Reichs handelt, so müßt ihr auch als Majestäcsverbrecher zur gebührenden Strafe gezogen werden." Dir Griechen erschrocken über diese Drohungen, und wandten alles an, um sich so gut als möglich zu entschuldigen. „Wir kennen, sprachen sie, das Ge« setz, das gegen Staatsverbrecher abgefaßt ist. Aber unser Gewissen zeiht ur>§ keiner Schuld. Im Gegen« theil hat unsre Nation! der eurigen schon sehr viele Dienste geleistet. Wir fordern als Zeugen unsrer redlichen Gesinnungen ganz Deutschland und selbst den Kaiser auf, der aus eigner Erfahrung hierüber sprechen kann. Billigkeit gegen die Lebenden, Mitleid mit den Todten, Achtung vor dem Kaiser, und Frey« gebigkeit gegen die Großen; dieß sind die Züge, an denen die Eurigen uns erkannt haben, und die durch ihre Wahrheit alle erdichteten Beschuldigungen über« wiegen." Sie fügten noch mehrere Gründe hinzu, und baten so kläglich, daß sie den Verdacht böser Absich, ren von sich wälzten, und Erlaubniß erhielten, in ihr Vaterland zurückzukehren, nachdem sie den kaiserlichen Gesandten reiche Geschenke gemacht, die nun auch nach Modena zurückgiengen. Hier erlebten sie eine bisher ungewöhnliche Er« scheinung. Die päbstlichen Legaten, Heinrich und Ja« eint, weiche sich keine Hoffnung machten, daß die Gesandten des Kaisers ihnen entgegen kommen würden, gaben sich den Schein der Demuth und machten von Ferrara aus einen unvermutheten Besuch, und erklärten ihnen in aller Unterwürsigke t, daß ihre Aufträge nur zum Frieden und zur Ehre des Reichs abzweckcen, worauf sie ihren Weg weiter verfolgten. In dem Gebürge war die Nachricht von ihrer Ankunft erschollen. Jedermann wußte, daß die kaiserliche Majestät den Römern verhaßt fty; und viele nah- T 2 men 2YL men daher Anlaß ihnen aufzulauern in der Meynung, Laß dieser Straßenraub den Beysall des Kaisers er- halten würde. Sie giengen also von Ferrara nach Verona, von Verona durch das tridentinische Thal, und hatten zu ihrer grösser» Sicherheit den ehrwürdi« gen Bischoff von Trident Albert bey sich. Mer auch dieser konnte gegen dievermeffcne Raubsucht nichts aus- richten. Die Grasen Friedrich und Heinrich, die in den dortigen Gegenden sehr viel Gewaltthätigkeiten verübten, überßclen sowohl den Bischoff als die Ear« dinäle, plünderten sie, und setzten sie in gesängliche Verwahrung. Die Cardinale wurden zwar auf frey» en Fuß gestellt, als von Rom auS der Bruder des Zarin tuS als Geissel geschickt ward; den Bischoff aber befreyte offenbar die göttliche Allmacht. Jedoch rächte der edle Herzog von Bayern und Sachsen aus Liebe zur römischen Kirche und zu Ehren des Reichs nicht lange nachher diese Schmach; denn er entriß den Grasen den Bürgen, und nöthigle sie durch vieles Ungemach sich zu ergeben, und Genug- rhuung zu leisten» Während daß Friedrich noch bey Augsburg kam» pirte, erschienen die päbstlichen Legaten, wurden gnädig ausgenommen, und um die Ursacheihrer Reise befragt. Sie traten ehrerbiethig, mit gesenktem Blicke hin, und antworteten in folgenden sehr bescheidenen Ausdrücken. „Das Oberhaupt der römischen Kirche, der in Christo allerheiligste Vater, begrüßt euch als den liebsten Sohn des H. Petrus. 'Auch grüßen euch als den Herrn und Kaiser der Stadt und der Welk die gesummten Cardinäle, welche unsre Brüder, aber eure Cleriker sind. -9Z Mit welcher Liebe die heilige römische Kirche die Große und Ehre eures Reichs umfasse, wie ungern sie, ohne sich eines Vergehens bewußt zu feyn, euren Unwillen rege gemacht, können euch sowohl gegenwärtige Papiere, als auch der durch uns mündlich auSzu« richtende Auftrag lehren." Hierauf überreichten sie ihre Briefe, die dem ehrwürdigen Beschoss von Freyfmgen, Otto, dem cs vorzüglich wehe that, den Staat und die Kirche mit einander veruneinigt zu sehen, zum Durchlesen und Verdeutschen übergeben wurden» Entschuldigungsschreiben des Pabstes Lidrian IV. eitdem wir, nach Gottes Wohlgefallen und Airordnung, die Sorge für die allgemeine Kirche übernahmen, haben wir in allen Angelegenheiten deine Majestät so zu ehren getrachtet, daß du unö von Tage zu Tage mehr und mehr hättest lieb gewinnen, und den apostolischen Stuhl verehren müssen. Nun hörten wir, daß einige Uebelgesinnte dich gegen uns aufgewie« gelt, und schickten daher zwey von unfern angesehensten vorzüglichsten Brüdern, die Cardinale Bernhard' und Roland, Mgnner die in der römischen Kirche jederzeit für die Ehre Deiner Majestät besorgt gewesen sind, an dich ab, um zu erfahren, wie du eigevtlfth^gegen uns gesinnt wärest; allein, zu unserm großen Erstaunen behandeltest du sie nicht so, als es deiner kaiserlichen Würde angemessen war. Der Ausdruck Wohlhak (llonosieiun,) soll es seyn, was dich so sehr entrüstet hat? wahrlich «in Ausdruck, der auch nicht bey der geringsten Person, and am wenigsten bey dir, einen Anstoß erregen sollte! Denn ob er gleich öfters in einer andern Bedeutung T 3 2 Y 4 genommen wird, als er dem Sprachgebrauch nach hat, so hätte er doch hier in dem Sinne genommen werde,, müssen, den nie mit ihm verbinden, und der ihm ur. sprünglich zukommt. Er ist aus den Wörtern Wohl und That zusammengesetzt, und Wohlthar heißt bey uns kein Lehn, sondern eine gute That. In dieser Bedeutung kommt er in der g.nzen heiligen Schrift vor, und eS heißt, daß wir durch Gottes Wohlthar nicht als durch ein Lehen, sondern durch die Segnung und gute That desselben regiert und erhalten werden. Auch sieht es deine Hoheit deutlich ein, daß wir auf eine so gute ehrenvolle Art die kaiserliche Krone deinem Haupte aufgesetzt haben, daß sie von jedem eine gute - That genannt werden könne. " „Wenn demnach einige diesen Ausdruck, und auch jene Stelle: wir'haben dir die kaiserliche Krone ertheilt auf eine falsche Art auölegen und verdrehen, so haben sie keinen Grund für sich, sondern handeln nach ihrem Eigendünkel, und auf den Antrieb derer, die den Frieden zwischen dem Reich und der Kirche nicht gerne sehen. Denn unter dem Ausdruck: wir haben dir ertheilt verstehen wir nichts anders, als waö weiter oben gesagt ist; wir haben dir aufgesetzt." „ Daß du nachher die Cardinäke, wie man spricht, gehindert hast, die hochheilige römische Kirche schuldigermaßen zu besuchen, wirst du, wenn eö sich so verhält, geliebtester Sohn in Christo, wie wir glauben, als ein unbilliges Verfahren erkennen. Denn wenn du dich von uns beleidigt hieltest, so hättest du dein Anliegen uns nur durch Gesandte und Briese vortragen dürfen, und wir würden deiner Ehre alle Genugrhuung zu verschaffen bereit gewesen seyn. -znu Wz m« öi»« s« Nütz bch tenil welch aH Tetz, Liser Jetzt " ' 295 Jetzt schicken wir auf Anmabnen unsers geliebten Sohnes, Herzogs Heinrich von Bayern und Sachsen, zwey von unfern Brüdern, die Cardinäle Heinrich und Jacint, verständige ehrbare Männer, an dich ab, und ermahnen dich im Herrn, sie anständig und gütig aufzunehmen, und versichert zu seyn, daß alles, > waö sie deiner Majestät von unserer Seite vortragen werden, aus unserm redlichen Herzen komme. Mit ihnen werdet ihr also auf Vermittlung unsers vorbe- nannten Sohnes, des Herzogs, euch so weit vereinigen, daß zwischen dir und deiner Mutter, der hochheiligen römischen Kirche, kein Funke der Uneinigkeit übrig bleibe" Der Kaiser, besänftigt durch dieses Schreiben, legte den päbstlichen Legaten einige Punkte vor, welche gehoben werden mußten, wenn man allem ferner« Zwiste Vorbeugen wollte, und erhielt hierüber von ihnen eine völlig befriedigende Antwort. Sie versprachen nemlich, die Würde des römischen Kaisers in keinem Stücke anzutasten, sondern die Ehr-und Gerechtsame des Reichs beständig ungefährt zip erhalten. Nachdem sie dieses angelobc hatten, erneuerte Friedrich die Freundschaft und den Frieden mit dem Pabst und dem Cleruö durch einen Kuß, den er den Legaten gab, welche nun froh und mit königlichen Geschenken begabt von ihm schieden. Noch in denselben Tagen, da er sich in Augsburg aushielt, kamen Gesandte aus Dännemarkan, die ihn um die Bestätigung der neuen KönigSwahl, und um Belehnung für den neuerwählten König ersuchten. Der Kaiser willfahrte ihnen, ließ sich den Eyd ablegen, und bestimmte, daß der König innerhalb vierzig Tagen nach seiner Rückkunft aus Italien vor dem Reichstag erscheinen, und von ihm die Belohnung erhalten solle. T 4 Iln. 296 Unterdessen verstärkte sich sein Heer durch Zuwachs vsn allen Seiten. Verschiedene Fürsten schickten Beten an ihn ab, um ihn zu fragen, welchen Weg jeder mit seinem Heere durch die engen Paste im Gebürge nehmen solle. Eö waren der Hülfsvölker so viel, daß sie an manchen Stellen vor übergroßer Menge sich kaum durchdrängen konnten: Franken, Sachsen, Rheinländer, Burgunder, Schwaben, Bayern, Lothringer, Böhmen, Ungarn, Kärnthner, und verschiedene andere Celtische oder deutsche Nationen; mit den mannigfaltigsten Rüstungen versehen, aber alles tapfre Männer und rasche nervigte Jünglinge, die sich unerschrocken den Gefahren des Krieges entgegenstellten. Friedrich schrieb ihnen nach einem wohlüberlegten Plane, folgende Marschroute vor: Herzog Heinrich von Oesterreich, 'und Herzog Heinrich von Karnrhen, nebst den Ungarn, beynahe sechshundert auserlesene Bogenschüßen, ferner die Grafen und Baronen jener Lande gehen durch Kram, Friaul, und die Mark Verona. Herzog Bertold von Zahringen, oder vielmehr von Burgund, mit den Lothringern, über die Straße Julius Casars, die jeht der Jupiteröberg heißt, Ein großer Theil Franken, Riparioler und Schwaben—durch Chiavenna und den Comer See. Des Kaisers Gefolge bestand aus dem Könige von Böhmen, dem Herzog Friedrich von Schwaben, Kaiser Conrads Sohn, seinem Bruder Conrad, Pfalz- grafen am Rhein, den Erzbischöfen Friedrich von Cöln, Arnold von Maynz, Hellin von Trier, die Bischöfe Conrad von Eichstadt, Daniel von Prag, Herrmann von Verden, Gebhard von Würzburg, dem Abt von Fulda und noch ausser dem aus vielen Marggrafen, Graftn, und Edeln, mit deren Namen ich dem Leser nicht beschwerlich fallen will. Mit -97 Mit diesem Gefolge, und unter dem Schutzs, Gottes trat Friedrich seinen Marsch über die Alpen an, und beendigte ihn glücklich. In der Ebene Italiens war Brescia der erste Ort, die sich stolz auf seine festen Werke, und den Muth seiner Vertheidiger der kaiserlichen Armee widersetzte, aber auch in einem Augenblicke gedemüthiget ward. Den ersten schweren Stoß gab ihm der Böhmische König; nachher als Friedrich herbeyrückte mußte sie sechszig Geißeln, und eine ansehnliche Summe Geldes liefern, und sich aufDistre, tion ergeben. Nun mußte die Armee wieder eine Weile liegen bleiben, um die erwartete Verstärkung aus verschiedenen Städten Italiens an sich zu ziehen. Diese Zeit nutzte Friedrich, um durch gute Gesetz Ordnung in seinem Lager zu erhalten, und setzte in einer Fürstenversammlung folgende Friedenögesetze für die Armee fest: i) Wir haben beschloßen und wollen es strenge gehalten wissen, daß weder Ritter noch Knecht sich erkühne, einen Streit anzufangen. Zanken sich zwey, so soll keine von beyden durch das Kriegsgeschrey Lerm rufen, um nicht dadurch seinen Kameraden Anlaß zu Händeln zu geben. Hat der Streit schon angefangen, so soll Niemand mit Schwert, Lanze oder Pfeil, sondern blos mit Panzer, Schild, Helm, und in der Hand einen Knittel, herbeyeilen, um ihn auszumachen. Niemand soll das Kriegsgeschrey ausrufen, ausgenommen, wenn er sein Quartier sucht. Har aber der Soldat durch den Ausruf desselben Streit erregt, so soll ihm sein ganzer Harnisch genommen, und er aus dem Heere gestoßen werden; ist er ein Knecht, so soll er bescheren, geschlagen , und auf der Wange, ge- brandmarkc werden; es fty denn, daß ihn sein Herr mir seinem ganzen Harnisch auslöse. T 5 2) Wer »98 2) Wer jemand verwundet hat, und die Schuld nachher ableugnek, dem soll, wenn der Verwundete durch zwey glaubwürdige Zeugen ihn überführen kann, (nur dürfen diese nicht seine Blutsverwandte seyn) die Hand abgehauen werden. Fehlen Zeugen, und will sich der Verklagte durch einen Eyd reinigen, so steht es dem Ankläger frey, ihm nicht zum Eyde zu lassen, sondern zum Zweykampf herauSzufodern. z) Hat jemand einen Mord begangen, und er wird von einem Verwandten, Freunde oder Gefährten des Erschlagenen durch zwey glaubwürdige Zeugen, die aber nicht seine Blutsverwandten seyn dürfen, dessen überführt, so soll er das Leben verwirkt haben. Will er in Ermangelung der Zeugen sich durch einen Eyd reinigen, so kann ein wahrer Freund des Ermor« deten ihn zum Zweykampf herauöfordern. 4) Wenn ein fremder Ritter auf einem Klepper sttzend, friedlich, ohne Schild und Gewehr, ins Lager kommt, so ist der, welcher ihn verletzt, als ein Friedens« stöhrer zu bestrafen. Reitet er aber ein Streitroß, und ist mit Schild und Lanze bewaffnet, so kann ihn jeder, ohne den Frieden zu brechen , antasten. 5) Wenn ein Ritter einen Kaufmann beraubt, so muß er das Genommene zwiefach ersetzen, und schwören, daß er ihn nicht für einen Kaufmann gehalten. Hat dieß ein Knecht gethan, so wird er bescho« ren und auf der Backe gebrandmarkt, oder sein Herr muß für ihn den Raub ersetzen. 6) Siehcjemand, daß eine Kirche oder ein Waa- renlager soll bestohlen werden, so muß er eö, jedoch ohne Streit, zu verhindern suchen; kann er eS nicht, so muß er den Schuldigen bey den Gerichten angeben. 7) Niemand soll eine Dirnein seinem Quartier haben: hat er sie doch, so wird er seines ssanzen Harnisches , - L9Y scheS beraubt, fortgejagt, und der Dirne die Nase abgeschnitten. 8) Keiner soll einen Ort angrciffcn dürfen, der Reichstruppen zur Besatzung hat. y) Wird ein Knecht bey einem Diebstahl ertappt, so soll er, wenn er sich nicht schon vorher desselben Verbrechens schuldig gemacht hat, deswegen noch nicht gehangen, sondern bescheren, geschlagen, auf der Wange gebrandmarkt, und auögestoßen werden, oder sein Herr muß, ihn mit seinem ganzen Harnisch auSlösen. Hac er aber schon einmahl gestohlen, so kömmt er an den Galgen. io) Wird ein Knecht nur des Diebstahls beschuldigt, ohne bey demselben ertappt zu seyn, so kann er sich den folgenden Tag durch ein glühendes Eisen reinigen, oder sein Herr muß für ihn schwören. Dev Kläger hingegen muß schwören, daß er ihn aus keinem andern Grund belangt habe, als weil er ihn für Ven^. Schuldigen gehalten. n) Finder jemand das Pferd eines andern, ss muß er eö nicht bescheeren und unkenntlich machen, sondern es dem Marschall angeben, denn behält er es nicht die Diebischer Weise, und darf eS mit seinem Ge- päcke beladen. Wenn alsdann der Eigenthümer sein Pferd auf dem Wege findet, so darf er ihm die Last nicht abnehmen, sondern muß ihm bis zum Quartiere folgen, und es dann wiedernehmen. 12) Steckt jemand ein Landgut oder Haus an, so wird er geschoren, auf der. Backe gebrandmarkt, nnd geschlagen. iz) Ein Schmidt soll keine Kohlen auf einem Landhause brennen, sondern das Holz in seine Wohnung tragen, und es da verbrennen: widrigenfalls soll auch er mit eben derselben vorhin angedrohten Strafe angesehen werden. 14) Wenn 14) Wenn einer den andern verletzt unter dem Vorwände, daß dieser nicht den Frieden geschworen habe, so hat er nicht den Frieden gebrochen, es sey denn, daß der beleidigte Theil durch zwey tüchtige Zeugen beweisen könne, daß er den Frieden geschwo« ren. 15) Keiner nehme einen Knecht an, dpr ohne Herrn ist, denn sonst muß er das- was dieser gestohlen, doppelt ersetzen. 16) Wer einen Schatz findet, mag sich seiner ungehindert bedienen: wird er ihm genommen, so er« wiedre er nicht BöscS mit Bösem, nehme keine Selbstrache, sondern bringe seine Sache bey dem Mar» schall an. 17) Wenn ein deutscher Kaufmann in die Stadt geht, Waaren aufkauft, sie zur Armee bringt, und ihren Preis zu hoch ansetzt, so soll der Kämmerer ihm sein ganzes Waarenlager nehmen, ihn schlagen, bescheeren, und auf der Backe brandmarken. 18) Kein Deutscher soll einen lateinischen Knappen haben, der nicht deutsch kann, bey Verlust alles dessen, was er besitzt. 19) Wenn ein Ritter den andern schimpft, so kann er es abschwörcn; wenn er das nicht thut, so muß er ihm zehn Pfund derjenigen Münze erlegen, die zu der Zeit im Heere gangbar seyn wird. 20) Findet jemand ein Gefäß voll Wein, so muß er den Wein so behutsam ausheben, daß das Gefäß nicht zerbricht, oder die Bänder desselben nicht zerschnitten werden, damit nicht aller Wein zum Scha« den der Armee ausfließe. 21) In einer eroberten Stadt sey es erlaubt, alles zu plündern, nur muß sie nicht angezündet wer« den, wenn dich nemlich nicht der Marschall selbst thut. j ?0L K K , W ^ A ^ tz U Lß ) F j 22V Das Wild, welches jemand mit Jagdhunden getrieben und erlegt hat, soll ihm ohne Widerrede gehören. 2z) Hat einer mit Windhunden ein Stück Wild aufgejagr, so gehört es nicht norhwendig ihm, sondern dem, der cs schießt. 24) Hat jemand mit Lanze oder Schwert ein Wild erlegt, und ein andrer nimmt's ihm weg, ehe er cs mit der Hand berührt hat, so soll es ihm doch zu- erkannt werden, und nicht dem, der sich dessen bemächtigt, ohne es getödtet zu haben. 25) Auch wenn jemand mit Schleuder oder Bogen ein Wild erlegt har, so soll cö sein seyn. Diese Punkte bcstäk gten die Erzbischöffe, Bi- schösse, Aebte, durch den Handschlag, und versprachen, die Uebertrecer des Friedens mir der Strenge des geistlichen Amtes zu züchtigen. Schon waren alle Truppen zusammen gestoßen, viel verständige Männer hatten sich eingefunden, und alle waren begierig zu erfahren, gegen welche Feinds der Kaiser sie zuerst ansühren würde. Endlich trat dieser, belebt von jugendlicher Munterkeit, jedoch mit dein ganzen Ausdruck königlicher Würde an einem erhabenen Orte auf, wo er deutlich gehört werden konnte, und hielt an die. Umstehenden folgende Rede. „Wir erkennen, daß wir dem König der Könige vielen, unendlich vielen Dank schuldig sind. Da es ihm gefiel, daß wir, als sein Verwalter, das Ruder rures Reichs in Händen führen sollten, so hat er uns auch so viel Zutrauen zu eurer Redlichkeit und Klugheit cingeflößt, daß wir uns in den Stand gesetzt sehen, durch euren gütigen Schutz und Rach, nach den Beweisen, die ihr schon oft abgelegt habt allen Widerstand zu heben, und alles, was das römische Reich erschüttern kann, zu unterdrücken. Das römische Reich sage sage ich, dessen Verwaltung mir übertragen ist, dessen Hoheit aber Key euch, als den Großen desselben stehet. Keiner glaube, daß wir uns a'us freyer Willkühr E zu einem Kriege entschlossen, von dem man nicht weiß, E welchen Ausgang er gewinnen werde, der aber durch seine Gefährten, Hunger, Durst, Strapatzen, und ^ ' mannigfaltige Todesarten fürchterlich und schauderhaft ist. Nicht Herrschsucht treibt uns in das Treffen hin- ßD ein, sondern Empörer zwingen uns dazu. Maoland «lD istS, das euch aus unfern vaterländischen Wohnsitzen aufscheucht; euch aus dem KreyS eurer lieben Kinder, M aus den Umarmungen eurer Weiber reißt, und durch seine tollkühne Widersetzlichkeit alle diese Mühe und Arbeit euch bereiter. Maylands Bürger haben euch ^ gerechte Ursache zum Kriege gegeben, da sie sich gegen ihre rechtmäßige Regierung aufiehnen — Beginnt also den Krieg, nicht aus Leidenschaft i oder Blutdurst, sondern Friedens halber, damit der Verwegenheit gesteuert werde, uud gute Zucht die schuldige Belohnung erhalte. Wenn wir aus Trägheit ^ oder Freyherr die Schmach an den Mayländern nicht rächten, so würden wir das Schwert ohne Ursach süh- ^ ren, und nicht so wohl das Lob eines langmürhigen ^7"! a s den Vorwurf eines schläfrigen Regenten verdienen. Und nun, ihr Diener der Gerechtigkeit, fordern i wir euch gerechter Weise auf, eure Zustimmung zu geben, damit der übermüthige Vorsatz unsrer Gegner zu Schanden werde, und das Reich unter meiner »W Regierung die ihm schuldige Ehre erlange. Wir sind ich, nicht der angreiffende, sondern der angegriffene Theil. MG Auf dann, ihr alle, die ihr hier versammlet seyd. Hch Der Krieg, den die höchste Obergewalt beschlossen hat, ist gerecht. Sammlet Lorbeeren im Felde, kämpft ^ für das Wohl des Staats, und hoffet, daß euch zu seiner Zeit alles werde belohnt werden. Gehorcht, so ^ viel ihr vermögt, den erhaltenen Befehlen. Zeigt euch'' nicht als Feigherzige ausgearrete Nachkommen eurer Vorfahren, beweifit es jener feindlichen Stadt, wie sehr ihr bereit und fähig seyd, das zu erhalten, was unsre Vorgänger Carl und Otto dem Reich erworben haben.^ So sprach er, und lautes Geschrey ertönte unter dem frohlockenden Heere. Eine Art göttlichen MuthS verbreitete sich über alle. Jeder schickte feurige Wünsche zum Himmel, und rief in seiner Muttersprache Heil und Glück dem Kaiser Friedrich zu. Die RechtSverstänkigen gaben den Rath, die Mayländer, ohnerachtet ihrer schweren Vergehungen, in gesetzmäßigen Terminen vorzuladen, damit eö nicht schiene, als ob man gewaltsam mit ihnen verfahren, oder wider alles Recht einen Abwesenden verurtheilen wollte. Gesetzmäßige Termine nennt man drey nach einander folgende Ladungen vor Gericht. Ein peremptorischer Termin ist, wenn man ein für allemahl die Cication ergehen läßt. Die Mayländer merkten jetzt nur zu wohl, daß der Krieg in seiner ganzen Schwere sie treffen würde, und sandten einige gelehrte und beredte Männer an den Kaiser ab. Ihre Sache war aber schon einmahl so. weit gediehen, daß sie sich einem peinlichen strengen. Iiechcsurtheil unterwerfen sollten. Der Kaiser schlug die angebochene Geldsumme aus, die Großen wollten ßch nicht für sie verwenden; kurz der Krieg war unvermeidlich. Friedrich fällte gegen sie, mit Zuziehung der Rechtögelehrten, und der italienischen Großen ein VerdammungSurtheil, erklärte sie für seine Feinde, und bereitete sich zur Belagerung der Stadt. Kaum hörten die Bürger von Mayland diese trau« «ge Vothschaft, so war eH als wenn die 'ganze Stadt Lurch 304 durch einen Zauber wäre umgeändert worden. Man sah nichts als traurige Gesichter, wo kurz vorher Fröhlichkeit und Wohlleben, Achter einer langen un» gestöhnten Ruhe, geherrscht hatten. Aus dem Hängst, liehen Hin - und Herlaufen der Menschen zeigte sichs deutlich, wie sehr sie vor der nahen Gefahr bebten. Die Weiber heulten, hoben ihre Hände gen Himmel, und bedauerten ihre kleinen Kinder. Dennoch gab es mehrere, die verstockt genug waren, sich und ihr Vaterland ins Verderben Zu stürzen. Bürger einer Stadt, welche nichts zu verliehren haben, aber mit Schulden überladen sind, sehen das Vermögen und die Ruhe anderer mir neidischen Augen an, trachten beständig nach Neuerungen, sind Projektenmacher, die aus Unwillen über ihr eignes Schicksal, alles umkehren wolr len, und finden ihren Vorrheil in der Empörung. Ausserdem wurde der zahlreiche Pöbel, der sich von seiner Hände Arbeit ernährte, durch öffentliche Ausheilungen in den Stand gesetzt, nicht arbeiten zu dürfen, und so geschah es denn, daß man gegen den Rath der Edlem und Bessern den Krieg zu unlernehmtn beschloß. Friedrich blieb einige Tage unthätig, um zu erwarten, ob nicht die Mayländcr in sich gehen, und aus Betrachtung des mannigfaltigen Elends, welches sie sich bereiteren, ihren Entschluß ändern würden. Ec wollte ihnen lieber, wenn sie Besserung angelvbten, verzeihen, als Land und Leute verheeren, und über ein zu Grunde gerichtetes Volk triumphieren. Da sie aber in ihrem Vorsatz beharrten, so griff auch er endlich zum Ernste, und rückte mit der Armee bis an den Fluß Adda, der die Grenze zwischen dem Gebiete der Cremoneser und Mayländcr macht, und schon öfters Ursache war, daß diese beyden Staaten, die mit ein- ------------- Zs; einander kn den blutigsten Fehden lagen, ihre Streife- reyen einstellen mußten. Selbst itzt war der Fluß durch den geschmolzenen Alpenschnee sehr angeschwollen, hatte die Brucken zertrümmert, und schien den Kaiserlichen das fernere Vordringen zu verwehren. Auf der andern Seite standen zweycausend rüstige Mayländische Reiter, die jeden ihrer Versuche, über den Fluß zu kommen, vereiteln wollten. Allein die kühne Entschlossenheit des böhmischen Königs, und des Herzogs Konrad von Dalmatien gab der Sache gleich eine andre Wendung. Deyde stürzten sich mit ihrem Heere in den Strom, und erreichten, obgleich unter vieler Lebensgefahr, das cntgegenstehende Ufer. Die Zahl derer, welche hiebey ertranken, wird auf ohngefähr zwey hundert angegeben. Kaum sahen die Maylander, was vorgefallen war, so ergriffen sie, ohne einen Schwerdcschlag zu thun, die Flucht, und hinterließen ihre ganze Bagage den Unsrigen zur Beute» Aus diesem den Mayländern so unglücklichen Anfänge, zogen viele sehr üble Vorbedeutungen für die Zukunft. Das übrige zurückgebliebene Heer watete theils durch den Fluß, kheils wartete es bis man die Brücken wieder hergestellt hatte. Nicht weit davon lag ein fester den Mayländern gehöriger Ort, Trezzo genannt, auf einer kleinen Anhöhe im ebenen Felde. Von der einen Seite hatte er den Fluß Adda, von der andern eine starke Mauer und Thurm; durch die Vorstadt gieng eine feste Brücke. Dieser Ort war zu vortheilhaft gelegen, als daß Friedrich nicht gleich zuerst hätte suchen sollen, sich desselben zu bemeistern; welches auch in kurzer Zeit zu Stande gebracht wurde. Die Bürger wehrten sich zwar anfänglich, weil sie aber sahen, daß es hier auf Denkwürdig!, ll., B. U Tod ZSÜ ' Tod oder Leben ankäme, und für sie weiter keine Rettung übrig bliebe, so ergaben sie sich auf Gnade, und die Festung erhielt eine kaiserliche Besatzung. Mehrere Edle aus dem Heere ließen sich so bald sie Feindes Land betreten hatten, durch falsche Ehrbegierde verleiten, den andern zuvorzukommen, und unter sich um den Ruhm der größten Tapferkeit zu wett» eyfern. Hieher gehört Graf Eckebert von Butene, ein edler, reicher, muthiger, und starker Mann, nebst andern Edeln und Rittern des königlichen Hauses. Ihre Anzahl belief sich auf ohngefähr tausend Mann zu Roß. Sie thaken sich in der Absicht zusammen, um etwas Merkwürdiges zu unternehmen , das Glück aber war ihnen nicht so günstig, als ihr Muth es verdiente. Vörden Thoren von Mayland, denn so weit hatten sie sich gewagt, stieß ihnen eine zahlreiche feindliche Schaar entgegen. Anfangs fochten beyde Theile nur mit Lanzen, nachher griffen sie zum Schwerte. Sie drangen heftig auf einander ein, daß fast keiner mehr unterscheiden konnte, auf weicher Seite er stritte. Der enge Raum erlaubte ihnen nicht, sich auszubrei, ten, und verursachte zum Theil diese Verwirrung. Keiner war im Stande, durch die dicke Staubwölke vor sich zu sehen, noch unter dem vermischten Geschrey ein Wort zu verstehen. Eben so wenig war es möglich zu entfliehen, oder den Flüchtling zu verfolgen. Wer im ersten Gliede stand, mußte entweder fallen oder würgen ; eben so auch im Hinterglied. Kurz es blieb kein Fleck übrig, auf dem nicht Mann gegen Mann kämpfte. Endlich siegte die überlegene Macht der Feinde über den Muth und die Geschicklichkeit der Unsrigen. Der Sieg war schon entschieden, als Graf Cckebert, um einem seiner Ritter, der an der Erde lag , zu helfen , vom Pferde springt, ihn befteyt,. und den siegenden - tz ',U !»> Ml A « m. » slil K lk>l> !» >llj h>!> f N den Feind bis an den Wall treibt. Alle flohen vor ihm; keiner konnte seinem Arm widerstehen. Das Schicksal aber harre seinen Tod beschlossen. Hier, wo ihm niemand wegen Enge des Raums zu Hülfe'kommen konnre, umringten ihn die Feinde, streckten ihn mit einem Lanzenstoß zu Boden, und schlugen ihm den Kopf ab. Sv starb dieser edle aus königlichem Blute ent- sprossene Graf. Nicht blos seine Landsleute sondern auch Auswärtige bedauren seinen Ve lust. Nach andern Berichten soll er lebendig gefangen, und in der Stadt enthauptet worden seyn. Es fielen auch noch einige andre Edle, z. 'B. Herzog Johann, au« dem Exarchar von Ravenna; verschiedene geriethen in Gefangenschaft, die übrigen kehrten in das Lager zurück, und wurden von den Fürsten und dem Kaiser sehr hart geradelt. „Die Mäyland«r> sprachen diese, rhunalles mit kluger Vorsicht, und ihre List wirdvom Glücke begünstigt. Die Unsrigen hingegen, denen als geübten an Subordination gewöhnten Truppen das Glück zu Gebote steht, begehen die unverzeihlichsten Fehler. Es geschieht ihnen daher Recht, wennsie geschlagen werden, denn nichts ist unverantwortlicher, als im Bey» seyn deS Kaisers, ohne Anführer zu streiten; auch selbst der Sieg würde sie nicht von der Schande recken, ohne Befehl ihres Anführers gesuchten zu haben» Ich werde, fügte Friedrich hinzu, alle diejenigen auf das schärfste bestrafen, die eigenmächtig handeln, und auch nur in Kleinigkeiten gegen die Subordination' verstoßen" Dießmahl erließ der Kaiser ihnen die Strafe, da die ganze Armee für sie bat, und Besserung versprach: aber er warme sie, sich vor künftigen Ueberei- lungen zu hüren. U 2 Der ZoS . . . Der folgende Tag, als der 2 ^ sie JuliuS, war zum Aufbruch gegen die Stadl bestimmt. Der Kai- ^ fer theilte sein Heer in sieben Legionen ab, stellte bey , einer jeden Ofsiciere und Feldherrn an, die auS den Fürsten genommen wurden; ferner Fähndriche und tzk andre Personen, die auf Zucht und gute Ordnung M Halten mußten. Fouriere giengen mit einer Bedeckung ^ voran, um Dämme zu bessern, Weg« zu ebnen, und ich sonst noch alles vorzubereiten, daß der Soldat so we- -i e nig Beschwerden als möglich auf dem Marsche fände. ^ 11m den Adler und die andern Kriegszeichen befanden ^ sich Pfeiffer und Hornbläser. Bey einerjeden Schwa- ^ Lron waren Leibeigene und Fußvölker, Maulesel und ^ Zugvieh, welche das Gepäcks forrbrachten. Diesen folgten Leute, welche Belagerungsmaschienen und an-. dere Kriegsgeräthe trugen. Den Trupp beschlossen Marquerender. ^ Dreß war die Ordnung, in der die Armee ihren ^ Zug antreten sollte, und jedem Soldaten wurde anbe- fohlen, nicht aus dem Glied« zu weichen. Ehe der M Aufbruch geschah, erhob das Heer, von kriegrischem Much entstammt, laut seine Stimme zum Himmel, um dessen Hülfe anzuflehen, und trat dann langsam und W mit der schönsten Regelmäsigkeit seinen Marsch an, M als wenn ein Treffen werden sollte. im, Die Armee, mit der Friedrich vor Mayland ein- x ^ traf, bestand aus ohngefähr hundert tausend Mann oder noch darüber. Den ersten Tag hielt er sich ruhig obgleich seine Soldaten zum Angriff bereitwarrn. Die Maytänder, welch« aus der Stadt gerückt waren, blie» ben am Walle stehen, ohne die mindeste Bewegung zu machen. Entweder hatte die Gegenwart des Kai- stzr fers sie mir Ehrfurcht, oder mit Furcht erfüllt, daß sie ß« § nichts - zog nichts zu unternehmen wagten. Die Stadt wurde also rings um vor allen Thoren eingeschloffen, und die Blockade eröffnet. In dem vorhergehenden Buche ist schon von der Lage der Stadt und ihren Einwohnern so viel erwähnt worden, daß ich hier nur noch folgendes hinzusetzen darf. Sie liegt in einer weiten Ebene, und enthält in ihrem Umfange über hundert Stadien. Ringsum die Stadt geht eine Mauer, ausserhalb welcher der Consul ein Jahr vorher, unerachtet sich viele dagegen sträubten, einen breiten mit Wasser angefüllten Graben hatte ziehen lassen. Die Thürme sind nicht so hoch wie bey andern Städten, denn die Menge und Tapferkeit ihrer eignen Bürger sowohl als ihrer Bundesgenossen schien ihnen hinlänglich zu seyn, um jede Belagerung unmöglich zu machen. Daher kam es, daß Mayland seit uralten Zeiten her gegen die Regierung sich widerspenstig bezeugte, und lieber zweye» Herren, als einem rechtmäßigen Oberhaupt gehorchen wollte. Es suchte immer das Reich zu veruneinigen, und war weder dieser noch jener Partey getreu. Das um die Stadt gezogene Lager wurde in aller Eile befestigt, um sich gegen einen plötzlichen UeberfM zu decken. Mit Mauerbrechern, Thürmen, Sturmbö» «km, und andern KriegSmaschienen war gegen eine so große Stadt nichts auszurichken, desto mehr aber konnte man ihr durch eine langwierige Blockade oder wenn die Bürger einen Ausfall thäten, schaden» Die Mailänder unterließen auch nicht den Kaiserlichen allen mögliche» Abbruch zu thun, beschädigten ihr Lager, thaken häufige Ausfälle, und verwundeten sehr viele mit Schleudern und Pfeilen. Am äußersten Ende des Lagers stand Conrad, Pfalzaraf am Uz RM zio s—---------- Rhein, des Kaisers Bruder, und Herzog Friedrich mit seinen Schwaben. Ihr Haufe war theiks schwä- cher als die übrigen, theils waren sie auch von dem Kern der Armee ganz abgeschnitten. Dieß, und der Umstand, daß sie noch sehr junge Männer waren brachte die Maylander auf den Gedanken, sie zu überrumpeln. Nach Sonnenuntergang, da schon das ganze Heer schlief, brachen sie zum Thor heraus, stießen die Schildwachen nieder, und drangen zum Lager. So bald die Deutschen ihre Annäherung merkten, machten sie Lerm, ergriffen was ihnen in die Hand fiel, Degen, Steine, und dergleichen und wehrten sich damit. Kaum hörte der böhmische König, dessen Lager- nicht weit entfernt stand, das Kriegsgeschrey, so mußte alles die Waffen ergreiffen, und aufsitzen. Er selbst ritt mit den auserlesensten Leuten, Pfeiffern und Paukenschlägern voraus. Der Weg führte ü^er verzäunte Weinberge und war äußerst schlecht und holpericht; alle die sklavischen Pferde sind solcher Märsche gewohnt. Der Pfeiffen und Paukenschall, der sich schon von ferne hören ließ, stößte den Deutschen neuen Muth und neue Kräfte ein. Die Böhmen kamen an, und das Treffen wurde mit der größten Lebhaftigkeit fortgesetzt. Der König be- wieß sich als einen tapfern unerschrockenen Held, der bey allen Gefahren selbst zugegen war. Endlich ergreifen die Feinde die Flucht, und werden bis an die Thore verfolgt. Von dieser Zeit an unterblieben ihre Ausfälle. Einige von ihnen blieben auf dem Platze, mehrere wurden gefangen, und ein großer Theil schnür verwundet. Die Belagerung von Maykand ist eine der merkwürdigsten Begebenheiten jetziger Zeit. Nicht allein Deutschlands sondern auch Italiens Kräfte hatten sich hier vereinigt, und jeder, der Ruhm suchte, fand hier h«' dllp' Ml Mi MM W «kr deniZ !>chi Am « Äw Äe, ich. lkiiii, «ich zu hier nicht allein Gelegenheit sich hervorzuthun, sondern auch Nebenbuhler, mit denen er wetteifern konnte. Eines Tages bemerkte PfalzgrafOtto von Bayern, daß das Thor welches er bloqm'rt hielt, nur mit wenigen Posten besetzt sey. Dies' Nachläßigkeit des Feindes machte ihm Lust, hier einen Streich, zu wagen. In dieser Absicht befahl er seinen Rittern, sich ohne Geräusch gegen Abend zu rüsten, und die Knechte mußten Fackeln und dürre Reißer in Bereitschaft halten, mit denen man auf ein gegebenes Zeichen Hervorbrechen und wo möglich Thor und Brücken in Brand stecken sollte. Dieß geschieht, auf einen Wink der Ofsiciere brechen die Truppen auf, stürzen sich schnell auf die Vestungswerke bey der Brücke, wo sie in der größten * Geschwindigkeit Feger anlegen. Es dauerte nicht lange , so standen auch schon die Werke in Flammen. Die Einwohner geriethen darüber in ein unbeschreibliches Entsetzen, unh zitterten nicht hlos für die Brücke und das Thor, sondern auch für die Stadt, die bey dieser Gelegenheit sehr leicht ein Raub der Flamme werden konnte. Es erhob sich unter ihnen ein ängstliches Geschrey und ein verwirrter Zusammenkauf, indem sich Bewafncte unter Unbewafnete mischten, um dem Feuer Einhalt zu thun. Das Gefecht wurde von beyden Theilen mit gleicher Lebhaftigkeit geführt. Der Brand von den angezündeten Werken, und die Flammen der Fackeln erleuchteten das Dunkel der Nacht. Waffengeklirr, Aechzen der Verwundeten, und wildes Schreyen durchtönte die Lust. Graf Otto, und seine Brüder, Friedrich und Octo, legten Proben der Tapferkeit ab, die selbst der Feind an ihnen bewundern mußte. Erst die tiefe Nacht schied die Kämpfenden von einander. Von beyden Seiten wurden viel verwundet , die Finsterniß aber verhinderte, daß Las Mor- U 4 den den nicht schrecklicher war. Nach andern Erzählungen soll das Gefecht bis an den Hellen Tag gewährt haben. Die Maylander unterließen dagegen auch nicht, wo Ort und Gelegenheit es gestatteten, uns ebenfalls zu schaden- Zwar brachen sie nicht in großen, sondern nur in kleinen Haufen, mit Bogen und Schleudern bewaffnet hervor, um denen, die sich nicht genug in Acht nahmen, aufzulauern; aber auch dies war schon Beweis genug, wie verwegen sie sind. Viele von ihnen, die an den vorigen Gefechten Antheil gehabt, waren, durch Erfahrung gewitzigt, etwas behutsam geworden; die übrigen aber setzten ihre Neckereyen ununterbrochen fort. Endlich wurde Herzog Heinrich von Oesterreich, des Kaysers Oheim, müde, diesen Uebcrmuth länger ungeahndet zu dulden. Er nimmt sich vor, einen Sturm gegen das Thor, vor welchem er lag, zu wagen, läßt seine Leute unter Waffen treten, und zieht die ungarischen Hülfsvölker, welche sehr gute Bogenschützen sind, nebst dem übrigen zu seinem EorpS gehörigen Rittern zusammen. Die Maylander, welche sein Vorhaben gemerkt hatten, hielten es für schimpflich, wenn sie ihm nicht entgegen zögen, da sie ihm an Zahl gewachsen, ja wohl gar noch überlegen waren. Sie rückten also in Schlachtordnung zur Stadt hinaus, und lieferten ein förmliches Treffen. Schrecklich war das Schauspiel welches sich hier eröffnete. Dort setzte einer dem Fliehenden nach, hier sank der andre entseelt zu Boden, dort gab sich ein Dritter gefangen. Mann und Roß litt unter der Arbeit des Krieges. Viele konnten, mit Wunden bedeckt, weder fliehen, noch rasten, kaum rasten sie ihre letzten Kräfte zusammen, so stürzten sie ohnmächtig nieder. Das Feld war mit Gewehr, Rüstung, und Leichen bedeckt, und schwamm im Blute. ZrZ Endlich entschied das Glück für den Herzog. Di« Maylander zogen sich hinter ihre Werke zurück, und ließen nach der Zeit ihre Ausfälle unterbleiben. Unter mehrere Todten, die sie im Treffen zählten, gehöre auch ein gewisser Statius, den sie, wie man spricht, zu ihrem König hatten wählen wollen. Die ganze Stadt legte um ihn Trauer an, lößte seinen Körper mit vielem Gelde und gegen Wiedergabe der Gefangenen aus, und ließ ihn mit vielem Pomp bestatten. Auch scheint mir folgender Umstand zu merkwürdig, als daß ich ihn übergehen könnte. Ein stolzer sich selbst gefälliger Maylander ritt auf das kayserlicho Lager zu, stieß verschiedene Prahlereyen aus, warf den Unsrigen Unerfahrenheit in ritterlichen Uebungen vor, und forderte den Geschicktesten zu einem Lanzenstechen heraus. Bald ließ er sein Roß im vollen Galopp rennen , bald tummelte er es, wie es bey solchen Fällen Sitte ist, im Kreise umher, oder ließ es nach allerley Wendungen laufen. Verschiedne von den Kayserkkchen sahen ihm mit Verachtung zu. Einigen pochte das Herz. Noch andre wollten sich mit einem Menschen nichts zu schaffen machen, der den Tod suchte. Es ist, dachten sie, nicht Tapferkeit, sondern Unverstand, gegen einen Feind zu streiken, den man besiegt, ohne deswegen eine große That auszuführen, und von dem man nicht ohne Schande besiegt wird. Lange wagte sich keiner hervor, der den Kampf sufnähme. Endlich ergriff der edle Graf Albert von Tyrol seine Lanze und Schild, schwang sich auf sein Skreitroß, rennte gegen den trotzigen Ligurier, und heb ihn aus dem Sattel. Zufrieden mit dem, was er Zerhau Harke, schenkte er dem Besiegen das Leben, und U z kehrte kehrte ohne die-geringste Prahlerei) zu den Seinigen zurück. Er war überhaupt ein Wann der nichts weniger als Ruhmredigkeit liebte, desto mehr aber seine Thaten für sich sprechen ließ. Unterdessen bemühte sich der Kaiser, alles zu thun, was nur das Verderben der Stadt beschleunigen könnte. Bald gierig et mit wenigen, bald mit vielen auserlesenen wittern auf das Recognosciren aus, und versuchte durch allerhand Mittel die Belagerten zum Kampf herauszulocken. Bey dieser Gelegenheit entdeckte er eine Stelle, wo die Einwohner noch freyen Aus - und Eingang hatten, und ihr Vieh ungehindert vor den Thoren weiden ließen. Aber auch diesen Ausweg schnitt er ihnen ab, und nun fiengen sie recht an zu fühlen, wie groß das Elend einer belagerten Stadt fty. Die Mayländer glaubten, daß der Kaiser bloß deswegen recognoscire, um Anstalt zu einem Sturme zu machen. Sie ließen es daher an nichts fehlen, um sich in den Stand zu sehen, denselben nach allen Kräften abzuschlagen, die Trommel wurde gerührt, und in die Trompete gestoßen. Dienstfähige Männer eilten zu den Massen, Greise und Weiber erhoben ein lautes Geheul. Doch wagte sich Niemand zu den Thoren hinaus; seys aus Bangigkeit, oder aus Ehrfurcht vor dem Kaiser. Die bewaffnete Mannschaft stellte sich nun um die Stadt hin, mit dem Vorsatz, bloß verlhcidigungsweise zu handeln. Einen Pfeilschuß vom Wall stand ein starker aus Quadersteinen erbauter Thurm. Die Steine hatten eine erstaunliche Größe, und waren so künstlich zusammengefügt, daß man an ihnen, sowenig, als an einem römischen Werk eine Fuge erblicken konnte. Daher führ- - te te ersuch den Nahmen römischer Bogen. Er scheint seinen Ursprung entweder einem römischen Kaiser zu verdanken, der ihn als ein Denkmahl seines Sieges errichten ließ, oder, nach einer Nachricht, die sich in der Geschichte der Langobarden findet, hat ihn einer unsrer Könige zum Nachtheil der Stadt angelegt. Es befanden sich in ihm Casernen und Schlaf- gemacher zu vierzig auch wohl noch Mehrern Personen, auch Behältnisse für Waffen und Lebensmittel im Fall einer Belagerung. Die Mayländer hatten ihn aüs einer doppelten Absicht mit einer Besatzrmg versehen, theils, damit ihn die Feinde nicht als eine Warte gebrauchen möchten, von der sie alles was in der Stadt vorgieng bemerkten, rheils aber damit ihre Leute alle Bewegungen im kaiserlichen Heere bemerken, und sie ihnen beständig mittheilen könnten. So gern ihn Friedrich in seine Gewalt zu bekommen wünschte, so wenig Wirkung durfte er sich doch von den gewöhnlichen Maschinen versprechen, weil seine Festigkeit jedem Stoße Trotz bot. Er versuchte also ein anderes Mittel, das auch glücklich anschlug. Es mußten sich nehmlich drey Reihen der geübtesten Schützen um den Thurm stellen, die alle so geschickt zu treffen wußten, daß jeder der sich unweit der Brustwehr sehen ließ, auf der Stelle niedergeschoffen ward. Die Besatzung ergab sich unter der Bedingung eines fteyen Abzugs. Bey der Belagerung von Mayland zeigten die Truppen aus Cremona und Pavia den größten Eyfer und die höchste Erbitterung: dagegen wurden sie auch von den Maylandern am allerfeindseligsten behandelt. Jene beyden Städte hatten schon lange mit Mayland in heftigen Fehden gelebt. Viele tausend Menschen waren dabey ums Leben, oder in harte Gefangenschaft gelom- Z»6 '-u -, - .- gekommen, und die Landereyen durch Raub und Brand verheert worden. Weil aber die Mayländer durch eigne Macht und durch ihre Bundesgenossen zu stark waren , als daß jene ihnen so wehe thun konnten, wie sie wünschten, so verspürten ße ihre Rache auf eine gelegnere Zeit, welche eben seht gekommen war. Daher betrugen sie sich nicht, als ein mit den Mayländern verwandtes Volk, dos seine Landleute im Kriege mit mehrerer Schonung behandeln sollte, sondern wütheten mit einer Grausamkeit, die selbst gegen Barbaren nicht vergönnt ist. Sie verheerten die Weinberge der Mayländer, hieben die Feigen und Oehlbaume um, oder schälten ihre Rinden ab, um sie zur Feurung zu gebrauchen. Jeder Gefangene wurde ohne Barmherzigkeit vor den Augen des Feindes umgebracht r eben so machten es auch die Mayländer, wenn ein Pavesaner oder Cremoncser in ihre Hände fiel. Sie zerhackten ihn in Stücken, und warfen ihn so über die Mauer hinaus. Schon waren die Mayländer durch vielfältiges Unglück zu Boden gedrückt. Verzweiflung und Hun- gerSnoth wuchsen mit jedem Tage. Die Reichs» hatten zwar noch guten Vorrath, die Armen aber litten desto größer» Mangel, und machten doch den mehresten Theil aus, weil sich eine ungeheure Menge Volks aus dem ganzen Maylandischen Gebiete in die Stadt geworfen hatte. Dazu kam noch eine Seuche, welche das Elend auf den höchsten Gipfel brachte. Kurz die Mayländer sahen weiter keine Mittel zu ihrer Rettung vor sich, als die Stadt zu übergeben» Nur einige tollkühne Menschen warfen sich nochzuVer« theidigern der Freyßeit auf. In dieser Verwirrung faßten die Bessergesinnten den Entschluß, das Volk zu berufen, und es durch die Vorstellung des unabsehbaren Elends Elends zu einem Schritt zu bewegen, der allein ihr Vaterland noch retten könne. Graf Guido von Blan- derat war es, der durch seine hinreißende Beredsamkeit tiefen Vorschlag durchsetzte. Er war ein gebohrner Mayländer, und hatte sich bey den ganzen Streite einer so weisen Mäßigung bedient, daß weder der Kaiser noch seine Landsleute ihn in einem bösen Verdacht hatten. Die Rede, welche er an die Versammlung hielt, war folgenden Inhalts: „ Ich habe es jederzeit für meine Pflicht gehalten, mich als einen treuen Bürger eurer Republik zu erweisen, und unserm Staate die feste Dauer zu wünschen, die zum weitern Emporkommen desselben dient. Von Jugend auf Hab ich so viele Beweise eurer Huld ge- noßen, daß ich mich zu schwach fühle, sie dankbar genug zu erwiedern, wenn ihr nicht selbst die Aeusierungen eines guten Willens mir zum Verdienst angerechnet hattet. Ich sordre euch alle zu Zeugen auf, ob ich nichtWahr- heit rede. Deshalb fürchte ich in der gegenwärtigen Sache, derenthalben ich spreche, keine Vorwürfe von einem Gutgesinnten zu hören, sollte ich auch mit ihm ganz verschiedener Meynung seyn. Ich befinde mich in einer Lage in der ich seyn muß, um unbefangen in einer so kitzlichen. Angelegenheit urtheilen zu können. Mich verleitet weder Haß noch Freundschaft, weder Zorn noch Mitleid, die Wahrheit zu verlassen. Eure Würde, Ruhm, und Glück standen bisher auf einer Höhe, wo sie durch nichts verdunkelt jedem in die Augen leuchteten. Eure Thaten waren in der ganzen Welt bekannt. Allein auf der höchsten Stufe des Glücks hätten wir uns am wenigsten eine unerlaubte Freyheit herausnehmen sollen. Wir wissen, wie viel Könige Mayland auf dem Thron befestigt, wie viele vom Thron gestoßen hak; aber ww wissen auch, daß alles Z»8 dem Wechsel des Glücks unterworfen ist. Es' hat sich gewendet. Wohlan, laßt uns seinem Rathe folgen. Wer jetzt den Boden berührt, kann hernach wieder bis zu den Sternen gelangen. Freyheit, wird man mir einwenden, ist ein unschätzbares Gut. Schon ist eö, fürs Vaterland zu sterben. — Ich gesteh es ein, daß dieß bey Gründung des Staates gilt. Wenn aber Unterthanen, die schon seit langer Zeit einen Oberherrn anerkannt Haben, das Joch abschütteln wollen, so sind sie nicht Verfech ter der Freyheit, sondern stürzen sich unverantwortlicher Weise in den Tod. Es ist ein unverbrüchliches Gesetz, das dem unvernünftigen Thieren so wohl als den Menschen vorgezeichnet ist: weiche dem Mächtigem: laß dem den Sieg, der in den Waffen der Stärkere ist. Wer der Geaalt widersteht, widersteht der göttlichen Ordnung. Wie also? wenn ihr nun nicht dem Kaiserallein, sondern auch Gott entgegen handeltet? Es ist freylich schwer nach einer langen Ruhe, und durch den Genuß der Freyheit verwohnt, Zaum und Gebiß zu tragen. Doch kann die Würde des Reichs, die Hoheit des Regenten euch für die Schmach der Unterwerfung entschädigen. Unsre Väter und Vorfahren, besser als wir, standen uns gewiß nicht nach, übertrasen uns vielmehr an Treue, Redlichkeit, und allen den Tugenden, durch die sie nach Ruh nie, Ehre, und Freyheit strebten. Dessen ungeachtet konnten sie nicht dem deutschen Scepter widerstehen. Denkt nur an die deutschen Kaiser Carl den Großen, und Otto den Ersten. Schon deswegen, ohne auf das Ungemach des Krieges zu sehen, das ihr bereits erduldet habt, wäre es das Rathsamstek anders Sinnes zu werden, da euch noch der Weg zum Heyl offen steht, und das Un- ge» gewitter noch nicht in vollem Mache ausgebrochen ist. Wir Haber, alles von der Gnade des Kaisers zu erwarten, der seinen Zorn nicht bis aufs äußerste treiben wird, wenn wir es nicht aufs äußerste ankommen lassen. Bieren gleich unsre Festungswerke jedem Feinde Hohn, so werden doch in kurzer Zeit Hunger und Pest uns aufgerieben haben. Bedenket doch eure Söhne, Werber und Eltern, die in kurzer Zeit, wenn ihr euren Sinn nicht ändert, Krieg oder Hunger aufreiben wird. Glaubt nicht, daß Verzagtheit aus mir spreche. Die Vorstellung des Elends zwingt mich dazu. Ich bin bereit für meine Landsleute, für meine Vaterstadt zu sterben. Gerne wollt ich für euer Heil mein Leben auf- vpfern." Sein Vorschlag wurde von einigen angenommen, von andern verworfen. Jedoch hakte der Entschluß den die gesunde Vernunft eingab, endlich das Uebergewicht» Man wurde also darüber einig, zuerst Mit dem König von Böhmen, und dem Herzog von Oesterreich Unterhandlungen zu pflegen, die sich auch, nebst andern Fürsten, als Mittelspersonen bry dem Friedensgeschäffte gebrauchen ließen. Friedrich war zu gnädig, zu menschlich gesinnt, um nicht einer ganzen Stadt seine Huld angedeyhen zu lassen. Er trug die Sache dem ganzen Fürstenrathe vor, und da sich diese sogleich bereitwillig dazu fanden, so wurde folgendes Friedensinstrument auf- gesetzt. Im Namen Jesu Christi. Dieß ist der Vertrag, durch den die Maykändee die Gnade des Kaisers wieder erlangen und behaupten werden. Z2S ») Sie sollen Como und Lodi nicht verhindern, Reichsstädte zu werden, sollen sie von nun an weder befehden noch verwüsten, sich von aller Federung des Heergeldes, der Fouragelieferung, und wie sie Namen haben, in ihrem ganzen Gebiete enthalten, auch dasselbe nicht eigenmächtig besetzen: denn jene Städte sollen von den Maylandern so wenig abhängen, wie diese von ih« nen: ausgenommen in Kirchensachen, wo sie unter dem Erzbischoff und der Kirche von Mayland stehen. 2) Alle Mayländer mit einander, jung und alt, vomrgten bis zum 7osten Jahre, sollen dem Kaiser ohne Arglist huldigen, und ihren Eyd halten. z) Den kaiserlichen Palast sollen sie zur Ehre des Herrn Kaisers nach dem Willen der Guten wieder aufrichten und in schuldiger Ehre halten. 4) Die dem Kaiser, der Kaiserin und den Hof- leuken versprochenen Strafgelder sollen sie in bestimmten Fristen erlegen r nemlich den dritten Theil innerhalb dreyßig Tagen, von dem Tage an gerechnet, da dieser Vertrag geschlossen wird: den zweyten dritt- theil um Martini, und den letzten um Exiphanias. Ueberdem sollen sie an keine Privatversprechen gehalten seyn. Die zu bezahlende Summe aber besteht in neun tausend Mark Gold und Silber, oder in Mün» zen, die so viel werth sind. z) Zu Gewährsmännern für die Erfüllung dieser Punkte sollen sie dreyhundert Geißeln, Capitanen, Valvassoren und Bürger stellen, welche der Erzbischoff von Mayland, der Grafvon Blanderat, MarggrafWil- Helm von Montferrat, und drey geschworneConsuls ausgezeichnet haben. Die Geißeln sollen in Italien bleiben, ausgenommen fünfzig, oder auch noch weniger, welche auf Vermittlung des böhmischen Königs und andrer Fürsten, wenn der Kaiser es so haben will, nach Deutschland gebrach; werden. Diejenigen aber, bey L kt« ÄS!« !«. 7 L M'« iissu lilW Äd!' wl!n w«: 71 »Aß ^!l 321 welchen die Geißeln in Italien aufbewahrt werden, müssen den hinzu bevollmächtigten Mayländischen De- pucirten schwören, daß sie zur gesetzten Zeit innerhalb acht Tagen von dem Tage an gerechnet, da die Geißeln zurückgefordert würben, dieselben srey wieder ausliefern möchten, wenn nemlich die vorhingeimnuken Punkte von den Maylandern erfüllt sind. Auch sollen drey deutsche Fürsten die rechte Hand darauf geben, daß die Geißeln, welche vielleicht aus Italien mitgenommen werden, treulich wieder zurückgegeben würden. 6) Die Cbnsules, welche gegenwärtig ihre Würde unter kaiserlicher Hoheit und Bewilligung bekleiden, sollen für ihr Consulat dem Kaiser schwören, und es bis zum ersten Februar behalten. Die folgenden Cvnsuls sollen vom Volk erwählt und vom Kaiser bestätigt werden. Alsdann muß ihre Mittelmäßigkeit zum Kaiser selbst kommen, wenn er in Italien ist: befindet er sich aber ausserhalb Italien so dürfen nur zmey Con- suls an ihn abgehen, welche für sich und im Namen der übrigen die Huldigung leisten, und die konsularische Würde vom Kaiser erhalten. Schickt dieser einen Gesandten nach Italien, so kann derselbe als ein Repräsentant Sr. Majestät diese Ceremonien verrichten. 7) Wenn kayserliche Gesandte in Mayland ein- treffen, so müssen sie im Schloß residiren, und die ihnen vorgetragene Angelegenheiten zur Ehre des Reichs entscheiden. 8) Ehe die Belagerung aufgehoben wirb, müssen alle Gefangene dem böhmischen König auögeliefert werden, der für sich und die erlauchten Fürsten Gewähr leistet, daß er die Gefangenen dem Kaiser einhändigen wolle, so bald er den Maylänoern und ihren Denkwärdigk.H.>s. ^ Z22 - -— Verbündeten, den Tortonesern, Cremensern, und Iso. lauern, einen Frieden mit den Cremonesern, P^ave« sanern, Rovarensern, Comanern, Lodenftrn, Vercel« lensern ausgewirkt hat, und zwar so, daß die Ebre des KayserS und die freundschaftlichen Verbindungen dcrMayländerunangctüststverbleiben. " Sollrcer aber Len Frieden mit jenen Städten nicht zu Stande bringen können, so sollen die alten Gefangenen den May« ländern zunickgegebcn, und weder diese letztem noch ihre Murre um dieser Ursache willen die Gnade des Kaisers verliehren. 9) Die Regalien, als Münze, Zoll, Geleite, Ha« fen, und dergleichen oberherrschaftliche Gefälle sollen die Mayländcr fahren lassen , und sich derselben nicht weiter anmafien. Sollte sich jemand dieselbe gewaltsamer Weise zueignen wollen, 'und sich deshalb nicht vordem Kaiser oder seinen Gesandten zur Rechenschaft stellen, so müssen die Maylander an seiner Person oder seinem Haab und Gut nach Möglichkeit Rache nehmen, und die Regalien dem Herrn Kaiser ohne Hinterlist und bösen Vorsatz wiederherstellen. 10) Unter diesen Bedingungen wird der Kaiser und Beherrscher von Mayland den Cremensern gegen Erlegung von hundert und zwanzig Mark seine Gna« de wieder schenken, und sie so wie ihre Freunde öffent« lich vor einer vollständigen Reichösitzung von der Acht lossprechen. Jngleichen wird er alle Gefangene, die alten wie die neuen ihnen auslieferv, so bald sie die Eeisseln gestellt, und ihrer seics die Gefangenen, alte und neue, dem Könige vom Böhmen zugeschickt haben. 11) Den zweyten oder dritten Tag nach lieber- gäbe der Geiffeln und Gefangenen soll die Belagerung auf« FH WS »s-k P» WA KM W» i Cr» jh ltlti -- Z2Z aufgehoben werden, und der Kaiser wird die Maylän- der mit aller Schonung behandeln. 12) Der Mayländische Staat wird die genann« ten Bedingungen treulich, sonder Trug und Arglist halten, es sey denn, daß ein sehr gültiges Hinderniß ein- trece, oder der Kaiser entweder selbst oder durch seine Gesandten oder daß sein Nachfolger etwas daran Nachlassen sollte. iz) Die verlangte Summe Geldes mögen die Mayländer von denen einsammlen, die mit ihnen verbunden zu seyn pflegten , ausgenommen die Comaner, Lodenfer und diejenigen aus der Grafschaft Solferi- no welche neulich dem Kaiser gehuldigt haben. Nachdem diese Friedenöbedingungen von beyden Theilcn angenommen waren, mußte Mayland vor der Reichsversammlung erscheinen. Erst kam der Erz- bischoff, dergesammteCleruS, und die Geistlichkeit, mit vvrgewagenen Crucifixen, barfuß, in einem sehr demü- thigen Aufzuge. Ihnen folgten die ConsuleS und die Großen der Stadt, ebenfalls in schlechter Kleidung, barfuß und bloße Schwerdter am , Nacken tragend. Es war ein großes und rührendes Schauspiel. Jene vorhin so stolzen übermüthigen Menschen erschienen jeßc bebend und tiefgebeugt; eine Veränderung, die selbst an einem Feinde Mitleid erregen mußte. Im kaiserlichen Heer entstand ein solches Gedränge, daß selbst der Kaiser und die Fürsten kaum durchkommen, und einen Platz erhalten konnten. Friedrich schenkte den Mayländern einen holden Blick, und sprach ihnen Muth zu. „ Gorr, sprach er, hat eine so berühmte Stadt, ein so großes Volk dahin vermocht, den Frieden für den Krieg zu erwählen, und X 2 mich Z2ch — —- - mich aus der traurigen Nvthivendigkeit gerissen, siehär- ter zu behandeln. Haktet ihr vom Anfang an so ge. hanoelc, so würdet ihr kein Uebel erduldet, sondern sehr viel Gutes genossen haben. Weil es aber der göttlichen Ordnung gefallen, daß ihr die Macht und die Gnade des Reichs fühlen solltet, so müßt ihr euch bemühen, eure Vergehungen recht bald wieder gut zu machen, und euch dieselben gereuen lassen. Man kann mich leichter durch Gehorsam als durch Krieg besiegen. Jeder, auch der Feige, kann einen Kampf anfangen, der Ausgang aber beruht auf dem Sieger. Hierauf antworteten sie nur weniges in demüthi« gen Ausdrücken. Sie hätten, sprachen sie, nicht aus feindseliger Absicht, nicht gegen das Reich die Waffen ergriffen, sondern blos, weil sie es nicht zugeben wollten, daß ihr von ihren Vorfahren durch das Recht des Krieges erworbenes Gebiete von ihren eigenen Landsleuten verwüstet würden. Uebrigens wollen sie, wenn sie Gnade erhielten, dahin streben , daß sie frey von aller Furcht des Kaisers Huld und Gewogenheit, in vollem Maaß genössen. Es wurden ihnen die Punkte des angeführten Vertrages vorgelesen, und einstimmig angenommen. Hierauf erfolgte die Begnadigung, und zum Zeichen des Sieges steckte man die Kaiserliche Fahne in der Stadt auf. Im Lager so wohl als in der Stadt war nun alles voll Freude. Die Gefangenen zogen in einem langen Reihen zu den Füssen des Kaisers. Mit Freudenrhränen wurden sie von ihren Freunden und Bekannten ausgenommen. Ihr bleiches Gesicht, ihr schmutziger Anzug und ausgemergelter Körper erregte bey allen denen, die sie als blühende Jünglinge gekannt hatten - 3-5 hatten, und nun so entstellt wiedersahen, bas empfind- lichste Mitleid. Das Wiedersehn nach einer langen Trennung verursachte die rührendsten Seenen, wo der Vater an dem Racken feines Sohnes hreng, ei» Bruder den andern umarmte, und ein Freund an dem Busen seines geliebten langst vermißten Freundes weinte. Hätte der gute leutselige Friedrich nur etwas wenige« von dem Stolze der ehemaligen Könige an sich gehabt, so wurde er diesen Tag den Italienern jährlich zu fty- ern anbefohlen haben. Von Moyland gicng er nach Monza dem Sitz des italienischen Reichs, und wurde daselbst gekrönt Dieser Kirche, die schon längst von den Mayländern unterjocht und beynahc zerstöhrk war, gab er ihre vorige Freyheik wieder, und ließ daselbst auf eigne Kosten den bifchöfflichen Sitz sehr prächtig erneuern. Die Unterjochung einer so großen Stadt ließ ihn hoffen, daß nun die größten Schwierigkeiten in Ira- ljen würden überstanden seyn. In dieser VorauSse- tzung gab er einem großen Theik seines Heeres Erlaub- niß nach Hause zu gehen. Dahin gehört der König von Böhmen, der Herzog von Oesterreich mit den ungarischen Truppen, Arnold Erzbischofs von Maynz, Herzog Bertold von Burgund, die Grafen und Marg- grasen und ein großer Theil von den Rittern. Alke wurden mit der größten Fröhlichkeit entlasten, der Kaiser aber gieng jetzt an die übrigen Geschaffte, welche ihm noch in Italien übrig waren. Der Ruhm seiner Thaten hatte so viel Schrecken im Lande verbreitet, daß Niemand es wagte sich öffentlich gegen ihn aufzulehncn, allein unter der Asche glimmte noch immer der Funke des Aufruhrs. Ein gewisser Veroneser Tunsund hatte mit seinem Anhän- - ^3 ger ger sich des königlichen Schlosses Garda bemächtigt, und wollte es durchaus nicht zurückgeben. Er und seine Rotte wurden also für Feinde erklärt, und unter diesen befanden sich mehrere Veroneser. Nun gieng Friedrich unvermukhet unterhalb Verona über die Etsch, durchzog ihr Gebiete, das lange Zeit keinen Feind gesehen hatte, ließ eö verheeren, die Schlösser niederreis- sen und in die Asche legen. Dieß war ganz recht gehandelt, um die Rebellen in Schrecken zu setzen, und diejenigen, welche mit ihnen gemeinschaftliche Sache gemacht, vor weiterm Schaden zu bewahren. Hierauf gieng er wieder wie vorher durch die Etsch, ohne ein Fahrzeug oder Brücke nöthig zu haben. Eö scheint als habe die Natur alle ihre Kräfte aufgebochen, um jede Absicht des Kaisers befördern zu helfen. Die Witterung war durchaus günstig, der Boden fruchtbar, und die Flüsse beynahe versiegt. Eben dieser Umstand bewirkte auch noch eine andere glückliche Unternehmung. Um die Zeit da alle Städte Geisseln stellten, gieng Otto Pfalzgraf von Bayern, um dieß Geschäffre zu betreiben, mit einem Theil des Heers nach Ferrara, paßirte den Po an der Stelle, wo er sich theilt, ohne dabey Schiffe zu gebrauchen, und überraschte die Stadt so plötzlich, daß er im Stande war, alles nach Wunsch cinzurichten, und micvierzig Geisseln zurückzugehen. Die Stärke von Ferrara bestand eben in dem wasserreichen Po, der hier unzugängliche Sümpft bildete, auf welche die Einwohner nicht wenig trotzten. Es war fast undenkbar, daß man ihr etwas würde anhaben können, und daher mußte jene so glücklich beendigte Unternehmung um desto mehr Eindruck auf die benachbarten Städte machen. Als 327 Als der Kaiser hierauf in dieKrongüter des Ma« thildischen Hauses einrückte, verbannte er den Troß von Marguerendern und Dirnen, die auch von seinen Vorfahren nicht gelitten waren, weil sie nur dazu dienen, den Soldaten zu entnerven. Der siille Friede, welcher setzt nach den Unruhen des Krieges in Italien blühte, gab dem immer geschäff- tigen Friedrich, der keinen Augenblick ungenutzt verstreichen ließ, Gelegenheit, den ^odensern eineneue Stadt zu erbauen, die ihnen mehr Sicherheitverschaffte, wenn etwa die Mayländer wieder Händel anfangen sollten. Der Drt, den er hiezu erwählte, war mit aller Vorsicht ausgesucht. Di^ Stadt sollte nemlich an einem Platze angelegt werden, der rings um von dem Fluß Adda umspühlt war; nur eine Stelle durfte mit Wall und Mauer versehen werden. Die vielen Kosten, welche er hiezu anwandte, sind ein großer Beweis seiner Freygebigkeit. Hierauf kündigte er allen italienischen Städten und Großen an, sich aufMartini in den Ron« kalischen Feldern zu einem allgemeinen Reichstage zu versammle», wo die Friedenöverträge kund gemacht, und die Gerechtsame des Reichs, die schon seit langer Zeit in Verfall gerathen war, mit Zuziehung gelehrter Männer untersucht, und in ihr voriges Ansehn gesetzt werden sollte. Kaiser Manuel von Griechenland stand um diese Zeit gegen die Türken bey Anliochien im Felde. Der Vorgesetzte über das Comicleum, (was bey uns der Canzler ist) erkaufte drey verwegene Jünglinge durch große Summen Geldes, ihn aus dem Wege zu räumen. An dem zum Meuchelmord bestimmten Tage wollte er mit einem zahlreichen Heere bey Constantino« xel sich in Bereitschaft halten um sogleich den kaiserli- X4 chen eben Palast und den Thron in seine Gewalt zu bringen. Mein die Verschwörung wurde durch einen ge- Heimen Canal der Kaiserin hknterbracht, die unverzüg- lich einen Eilbothen mit dieser Nachricht an ihren Gemahl abgehen ließ. Man ergriff nun dieMeuchelmör- der, bemächtigte sich des Kanzlers, und ließ jedem ei- ne gerechte Strafe wiederfahren. Dem letztem wurden die Augen ausgestochen, der Schlund durchbohrt, und die Zunge durch die Oeffnung gezogen, so daß er jam- merlich seinen Geist aufgeben mußte. Zwey Z w eytes Buch. §^er Tag war gekommen, dm Friedrich zu einer Reichsversammtung in den ronkalischen Gefilden anberaumt hatte. Er erschien mit einem großen Gefolge am Ufer des Po, an dessen anderen Ufer sich dieMayländee Brefcianer, und noch viele andere niederließen. Aus allen Theiken des Reichs floß eine große Menge Erz» beschösse, Bischöffe, und geistlicher Personen zusammen, Herzoge, Marggrafen, Grafen, Edelleute , Consules, und Stadtrichter. Jede Nation unterschied sich durch ihre Zelte, deren Anordnung ich hier, als an dem schicklichsten Orte, beschreiben will. Noch jetzt behalt die Armee des römischen Reichs die alte römische Sitte bey. jedesmahl, wenn sie Feindes Land betritt, zuerst ans Befestigung ihres Lagers zu denken. Das Lager wird auf einem schicklichen Platze regelmäßig abgestochen, mehrentheiks auf ebenem Felde, oder wenn der Boden uneben ist, so wird er so viel als möglich geebnet. Die Figur desselben ist gewöhnlich ein Cirkel, oft auch ein Viereck. Die Handwerker und Marqnetender, welche kn großer Anzahl der Armee folgen, machen, wenn das Lager viereckigt ist, mit ihren Buden und Werkstätten gleichsam die Vorstädte aus, ist es rund, so ziehen sie sich wie eine Mauer von außen rings um das Lager. Inwendig hat rs breite Straßen und geräumige Thore, daß die Passage auf keine Weise gehemmt wird, und gleicht -anz einer Stadt, die in wenigen Augenblicken emporsteigt. In der Mitte steht das Zelt des Anführers, T 5 oder 55S oder Fürsten^ das einem Tempel sehr ähnlich sieht, und um dasselbe die Zelte der hohen Feldobersten, in der einem jeden zukommenden Ordnung. Die Solda- ten leben hier wohl und in Freuden mit einander, und setzen ihre Waffenübungen beständig fort. Das auf diese Art eingerichtete kaiserliche Lager wurde durch eine Brücke die in zweyen Tagen über den Fluß geschlagen werden mußte, mit dem.ita- lienischen verbunden. Die bey der Versammluug anwesenden hohen Personen waren folgende. Aus Deutschland, Friedrich Erzbischofs von Cöln, die Bischöffe Eberhard von Bamberg, Conrad von Eichstädt, Daniel von Prag, Gebhart von Würzburg, Herrmann von Verben. Aus Italien Guido von Crema, Cardinal , des Apostolischen Stuhls Legate, Pelegrin Patriarch von Aquileja und der Erzbischofs von Mayland. Die Bischöffe von Turin, Alba, Asta, Navara, Ver- celli, Tortona, Pavia, Como, Lodi, Cremona, Piacenza (der von Parma lag zu Hause an einer tödt- lichen Krankheit darnieder) Reggio, Modena, Bono- nien, Mantua, Casale, Verona, Brescia, Pergamo, und Concordia, das Eparchat von Ravenna war eben damals seines Metropolitans durch den Tod Anselms erledigt. Ausser diesen geistliche» Personen waren noch sehr viele weltliche da. Friedrich aber deutete blos den Bi- schöffen, und einigen wenigen Fürsten an, aus Furcht vor Gott solche Entschließungen in den Angelegenheiten Italiens zu faßen, durch welche der Kirche Gottes bleibender Friede, und der Krone ihre hohen Rechte erhalten würden. Die Beratschlagungen dauerten Lrey Tage. Den vierten Tag erschien.der.allerdurch- . ' ZZi lauchtrgste Kaiser in der Versammlung, setzte sich auf einen erhabenen Ork, wo er von allen gesehen und gehört werden konnte, und redete sie durch einen Doll- metscher an. Da es, sprach er, der göttlichen Ordnung ge« füllen, uns das Ruder des römischen Reichs in die Hände zu geben, so bemühen wir uns billiger Weise, so viel wir unter Gottes Obhut vermögen, alles dasjenige zu erhalten, was demselben zusteht. Ferner halten wir es für Pflicht der kaiserlichen Majestät, durch Wachsamkeit und Androhung der Strafen dem Verbrecher einen Zaum anzulegen, den Guten zu unterstützen, und den Landfrieden zu erhalten. Eben so gut aber kennen wir auch die Rechte und Privilegien, welche uns nach göttlichen und menschlichen Gesetzen zustehen. Unser Wunsch ist es; rechtmäßiger Herr des Reichs zu seyn, von einem jeden sein Recht und seine Freyheiten zu beschützen,! aber nicht um den Tyran« neu zu spielen, und alles ungeahndet zu thun. Mit Gottes Hülfe werde ich der seyn , dessen Gesinnungen das Glück nicht ändern soll. Die Grundsätze, welche ich auf den Thron mitbrachte, werde ich auch in der Folge beybehalten, allein nie kann ich ruhig zusehen, daß irgend jemand Eingriffe in die Rechte meiner Krone macht? Weil man nun entweder im Krieg oder im Frieden groß werden kann, und das Vaterland eben so wohl durch Waffen beschützen, als durch Gesetze vertheidigen muß, so wollen wir jetzt nach beendigtem Kriege uns an das Geschäfte des Friedens ' machen. Ihr wißt daß die Bürgerlichen Rechte durch uns empor gehoben, und befestigt, und durch die, welche sie genießen, genugsam gebilligt sind, um hinlängliche Kraft zu besitzen: allein die Rechte des Regenten sind so sehr geschmählert. daß ,'ch es durchaus als Nothwendigkeit erkenne, solche in Vereinigung mit euch auseinander zu sehen. Es sey nun von euren oder unsren Rechten die Rede, so muß Key ihrer Bestimmung darauf gesehen werden, ob sie anständig, gerecht, möglich, nothwendig, miß. lich, Zvit und Ort angemessen seyn. Daher ist sowohl «ns als euch, bey Festsetzung derselben die größte Vorsicht nöthig. Denn sind die Gesetze einmal da, so steht es uns nicht mehr frey, über sie zu urtheiken, sondern wir sind gezwungen nach ihrer Vorschrift zu verfahren. Dieser so kluge als hinreißende Vortrag erregte allgemeine Bewunderung, da ihnein unstudierter Mann hielt, der noch dazu kaum über das jugendliche Alter . hinaus war. Einer nach dem andern trat auf, zuerst die Bischöffe, dann die Landesfürsten, endlich die Con- suln und Deputirte der Städte, wie es bey ihnen Sitte ist , um diesen ganzen Tag hindurch bis in die Nacht hinein Reden zu halten , welche man entweder als bloßen Prunk, oder als ein Bekenntniß ihrer Achtung gegen den Kaiser ansichen kann. Ich will hier anstatt alstr die Rede des mayländischen Erzbischoffs Herjetzen. „Dieß ist der Tag, sprach er, den der Herr gemacht hat, laßt uns an demselben fröhlich seyn und jauchzen. Ja ein Tag der Gnade ist er, ein Tag der Lust. Denn an ihm erscheint der allergnädigste Fürst, der berühmte Held, der friedliebende Sieger, mitten unter seinem Volke, nicht um mit Krieg und Tyrannei) zu schrecken, sondern um Gesetze des Friedens zu bestimmen. Nach vielen Jahrhunderten ist Italien kndliG so glücklich, einem Fürsten zu gehorchen, der „ns als Menschen, ja als seine Brüder betrachtet. Ihr send es, alierdurchlauchcigster Kaiser, der die alte längst unter- .MM irr ll»! lN» Mb tzA N sch ji o >- Fri«! chizstl >>t krjs! Äkin* chül Ä likü ieKni Wch Was 353 Ä. »«s 8>k- i tz ka -f »- « ft O ,ki ulk L unterdrückte Freyheik wiederherstellt, und jenen Ausspruch: wachset, vermehret euch, und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel in der Luft, in Erfüllung bringt. Wie viele Tyrannen haben nicht ehedem über dich geherrscht, Italien! die gerade das Gegentheil von dem thaten, was dieser Spruch lehrt. Sie unterdrückten den Guten, den Weisen, der als ein vernünftiges Geschöpf seine Vernunft brauchen wallte. Sie nahmen nur Bösewichter, Räuber, Wollüstlinge in Schutz. Es gab Zeiten, wo wir unter dem Joch der Ungerechtigkeit, Grausamkeit und Unterdrückung seufzten. Da ward kein Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen. Der Reiche wurde, ohne ein Verbrechen begangen zn haben, vertrieben, obrigkeitliche Würde, und geistliche Aemter auf eine schändliche Weift besetzt, und alle Greuel einer gesetzlosen Regierung unter unfern Augen verübt. Wir dürfen uns also freuen und Gott danken, daß nach so trüben Tagen uns endlich die heitre Sonne des Friedens erscheint, daß Ihr, unser allerdurch, lauchtigster Herr, euer Reich lieber durch Gerechtigkeit erhalten, als durch Ungerechtigkeit erweitern, und mit dem Blute der Unterthanen bestecken wollt. Beherrschet erhabenster Kaiser! die Fische des Meeres, und die Vögel des Himmels. Denn auch das göttliche Gericht widersteht den Hoffärtigen, den Demü- thigen aber giebt es Gnade. Was die Absicht betrifft, weswegen ihr hier feyd, so wißt, daß das ganze Reckt des Volkes in Abfasung dir Gesetze euch überlassen ist. Das Recht beruht auf eurem Willen, nach dem Ausspruch: was dem Fürsten gefällt, hat die Kraft der Gesetzes, da da das Volk ihm seine Macht und Gewalt übertragen hat. Was der Kaiser schriftlich oder mündlich bestimmt, gilt als ein Gesetz. Es ist natürlich , daß jeder, der die Beschwerlichkeiten irgend einer Sache übernimmt, auch von ihr wieder dis Vorteile genieße; daher dürft ihr über uns alle herrschen da ihr für uns alle die Sorgen der Regierung traget." Außer diesen Reden gab es auch einige, welche die Lhaten des Kaisers öffentlich in Volksliedern besangen. Die folgenden Tage beschäfftigte sich der Kaiser in der Versammlung mit Handhabung der Gerechtigkeit. Die Sitzung dauerte jedeSmahl von früh Morgens bis spat auf den AbenD, während welcher Zeit er das Anliegen der Reichen sowohl als der Armen mit vieler Gelassenheit anhörte. Die Gerichtspersonen, mit denen er die Processe untersuchte, ^ waren Rechtskundige, die ans verschiednen Städten hieher gekommen waren, und worunter sich vier berühmte Nechtslehrer von Bononien befanden: Vulgär, Martin, Jakob und Hugo» Es ist Sitte in Italien, daß jeder , der eine Klage zu führen Hat, mit einem Crucisix in der Hand erscheint, und dieß geschah auch hier. Die große Menge derer, die dergleichen trugen, rührte den Kaiser nicht wenig." Ich kann mich, sprach er, in die Klugheit der Italiener nicht finden. Sie prahlen vorzüglich mit ihrer Kenntniß der Gesetze, und sind doch die groß« ten Uebertreter derselben. Die vielen Menschen, welche nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, sind klare Beweise, wie fest sie an Ausübung derselben halten mögen. Er bestellte also über die Parteyen, welche aus einer und derselben Provinz her waren, besondere Rick' ter L UM ElM kftlü Wkl Etz L ter, die aber nicht aus ihren Landsleuten ) sondern ariden Gliedern der Reichsversammlung, oder aus andern Städten genommen wurden, um alle Parteylichkeit zu verhüten, mit der ein Landsmann für oder wieder den andern sprechen könnte. Daher kam es, daß unter einer so großen Menge in Proceß verwickelter Menschen nicht leicht einer war, der nicht entweder vollkommnes Recht erhalten oder sich doch mit seinem Widerpart auf eine befriedigende Wei- se verglichen hatte. Hierauf wurden die seit langer Zeit von den Regenten vernachlaßi'gten und gefchmählerten Gerechtsame des Reichs in ernstliche Erwägung genommen, und da Niemand die geschehenen Eingriffe in dieselben verthei- digen konnte, so wurden sie ihm von allen Bischöffen, Edeln und Städten einmüthig zugestanden, und zwar waren die Mayländer die ersten, welche auf diese von ihnen usurpirten Rechte Verzicht thaten: dahin gehören: die Herzogthümer, Marggrafschasten, Grafschaften, die Consulate, das Münzwesen, die Zölle, das Fodrum (oder die Lieferungen an den Kaiser) die Mauchen, Hafen, Geleite, Mühlen, Fischerey, und alle Nutzungen von den Flüssen; auch eine jährliche Steuer von ihren Personen sowohl als Gütern. Hiebey bewies sich Friedrich so edelmüthig, daß er jedem, der auf eine von den benannten Regalien ein Privilegium hatte, welches er gehörig documentiren konnte, dasselbe für alle folgende Zeiten bestätigte. Bey dieser Einrichtung blieben ihm doch an jährlichen Gefällen, ohngefähr Zsooo Talente (Pfund Silber) übrig. Außerdem wurde ihm auch noch dasVorrecht zugestanden, in jeder Stadt die obrigkeitlichen Würden mir ZZ6 mit Zustimmung des Volks zu besetzen, und zwar mit treuen einsichtsvollen Männern, die für die Rechte des Kaisers und das Beste ihres Vaterlandes mit gleicher Sorgfalt wachten. Alle diese im Vertrage eingegange- ne Artikel bekräftigte man eydlich, und stellte noch zu mehrerer Sicherheit Bürgen. Der allgemein beschwor- ne Landfriede erstreckte sich dahin, daß keine Stadt die andere, ohne Erlaubniß des Kaisers, befehden solle. Was das Lehnrecht anbetrifft, daß bey den Lateinern noch nicht gehörig bestimmt war, und daher viele Verwirrungen angerichtet hatte, so erließ er hierüber folgende Anordnungen. Friedrich von Gottes Gnaden Römischer Kaiser. §)er Landesherr muß für seinen Staat so genau wachen, und die Vortheile der Unterthanen sowohl jn Acht nehmen, daß weder Land noch Leute im minder sten leiden. Da wir nun nach hergebrachter Sitte einen allgemeinen Reichstag in den Roncalifchen Feldern halten, und uns von den Fürsten Italiens und der hohen Geistlichkeit sehr erhebliche Klagen über das eigenmächtige Verfahren ihrer Vasallen mit den Lehngütern vorgebracht worden sind, daß viele ihre Lehen ohne Vorwissen des Lehnherrn verpfänden, oder verkaufen, wodurch ihnen der schuldige Dienst entzogen, und unsre Heereöfolge geschwächt wird: so haben wir, nach gepflogenem Rath mit den Bifchöffen, Herzögen, Marggrafen, Grafen, Pfalzgrafen, Rechtsgelehrten, und andern angesehenen Männern, folgende Gesetze festgesetzt, die mit Gotteshülfe immerwahrende Gültigkeit haben sollen: Kein Vasall soll sein Lehen verkaufen , verpfänden , oder auf irgend eine andre Weife veräußern, oder es «t^ ßB Ws ssß- «O M V zM tlf Ä W d«! MN Hand' -ich. Nh dsikl NÄ!l . § KG r-ns I37 «llh Äjl ! W,. ! »!>< ! Ä Ä!I U >P O k>^ ßill k/ li es auch zu frommen Stiftungen verwenden, ebne Erlaubnis des Oberlehnöherren, dessen Vasall erist. Die Verordnung des Kaisers Lothar bezog sich blos auf das, was künftighin geschehen sollte, wir aber dehnen sie auch auf dasjenige aus, was bereits geschehen ist, erklären alle dergleichen unerlaubte Veräusse- rungen für null und nichtig, bey denen keine Verjäh- rung statt findet, und wo der rechtmäßige Käufer den Kaufpreis zurückfordern kann. Manche gebrauchen die List, daß sie nach empfangenem Gelds unter dem Schein der Belehnung, die sie als eine Gerechtsame, welche ihnen zukomme, ausgeben, die Lehne verkaufen, und auf andre übertragen. Diese und andre ähnliche Ränke, welche man sich gegen unsre Verordnung erlauben könnte, verbieten wir auf alle Weise, mit der ernstlichen Drohung, daß Käufer und Verkäufer, die einen so unerlaubten Handel getroffen haben, das Lehen verliehren und dieses dagegen an den Herrn zurückfallen solle. Der Schreiber der wissentlich über diesen Contract das Instrument aus- gefercigt, soll seines Amts entsetzt werden, und die Hand verliehren. Wenn ein Lehnträger, der über vierzehn Jahr alt ist, innerhalb Jahr und Tag aus Fahrläßigkeit die Belehnung von seinem Oberherrn nicht sucht, so soll er des Lehns verlustig seyn, und dasselbe an seinen Herrn wieder zurückfallen. Ferner verordnen wir, wenn jemand, Italiener oder Deutsche, auf das von seinem Lehnsherren erlassene Aufgeboth, sicb nicht zur gehörigen Zeit einfindet, noch eine andere schickliche Person an seine Stelle sendet: oder auch, wenn er die Hälfte von dem einjährigen Ertrag seines Lehngutes dem Herrn nicht entrich- Denkwürdige. ll.S^ P tet; tzzT ' - - - tet; so soll er dasselbe, er mag es von einem Bischof, oder von einem andern Herrn bekommen haben, verkehren, und dieser hat völlige Freyheit es, wie er will, zu verwenden» Kein Herzogthum, keine Marggraffchast, keine Grafschaft soll zerstückelt werden, wohl aber jedes andere Gut, wenn es die Theiinehmer zufrieden sind. Dann aber müssen alle, die einen Theil des schon Ze- theilten, oder noch zu theilenden Lehnö besitzen, ihrem Herrn huldigen. Jedoch darf der Vasall nicht angehalten werden, mehrere Herren anzuerkennen, noch der Herr ohne Genehmigung der Vasallen rin Lehn an einen andern übertragen» Hat der Sohn eines Vasallen, sich gegen den Herrn vergangen, so muß ihn sein Vater, wenn Jener ihn fordert, stellen , oder seinen Sohn von sich entlassen : widrigenfalls wird ihm sein Lehn genommen. Hält ihn sein Vater ün, die verlangte Genugkhuung zu leisten, er aber sträubt sich dagegen, so soll er nach des Vaters Tode nicht in dem Lehen folgen, bevor er diese geleistet hat. Eben so muß auch der Vasall für- alle seine Angehörigen stehen. Hat ein Vasall einen andern Vasallen , und beleidigt dieser den Lehnsherrn seines Herrn, so soll er, wenn er nicht im Dienst seines rechtmäßigen Herrn so gehandelt hat, sein Lehn verkehren, und dasselbe an den zurückfallen, von dem er es erhalten ; es sey denn, daß er, von diesem autzefordsrt, sich zur Genugkhuung bereitwillig finden laßt. Hat aber sein Herr nach geschehenem Ansuchen des beleidigten Thesis, als des Oberlehnsherrn, ihn nicht zur Genugchuung ungehalten , so soll der Herr selbst mit dem Vetlust des Lehe» gestraft werheN- Wen» - -- ZZ9 Wenn zwischen zweyen Vasallen über ein Lehen Streit entsteht, so muß der Lehnsherr darüber erken- nen, und entscheiden. Betrifft die Uneinigkeit aber den Herrn und Vasallen, so müssen die Magnaten da- rüber entscheiden. Auch befehlen wir, daß bey jedem Eyde der Treue der Kaiser namentlich mit begriffen werde. Wir Friedrich von Gottes Gnaden Römischer Kaiser befehlen Kraft dieses für alle nachfolgende Zeiten gültigen Gesetzes, den gcsammten Unterthanen un- sers Reichs, daß sie einen wahren dauerhaften Frieden unter einander beobachten, und beständig einen unverletzten Bund erhalten. Die Herzoge, Marggrafen, Grasen, Caprtaneen, Valvassoren, die Obrigkeiten, Vornehme und Gemeine jedes Orts, von ihrem achtzehnten bis siebzigsten Lebens» fahre an, sollen eydlich geloben, den Frieden zu halten, und den Obrigkeiten in Beschützung und Wiederherstellung desselben bcyzustehen: auch sollen sie jedes» mahl nach Verlauf von fünf Jahren diesen Eyd erneuern. Hat jemand ans irgend einer Ursache oder Handlung ein Recht gegen einen andern, so wende er sich an die Gerichte, und erwarte von diesen das ihm zuständige Recht. Auf die freventliche Verletzung des Landfriedens wird folgende Strafe festgesetzt: eine Stadt zahlt eine Strafe von hundert Pfund Gold an unsre Kammer: ein Mecken zwanzig: Herzoge, Marggrafen, Grafen, fünfzig. Capitaneen und obere Valvosioren, zwanzig. Niedre Valvassoren und alle andre FriedenSstöhrer sechs, und vergüten den durch den Friedenörruch verursachten Schaden nach den Gesetzen» ^ Ps Be« z.,a Beleidigung oder Diebstahl soll nach den Gesehen bestraft werden. Todtschlag, Verstümmlung des Körpers, oder jedes andre Verbrechen soll nach den Gesehen bestraft werden. Richter, Befehlshaber, oder jede andre Magistratsperson die vom Kaiser eingesetzt oder bestätigt sind, und die Rechtspflege verabsäumen, den Bruch des Landfriedens nicht gehörig ahnden, sollen angehalten werden, allen daraus erwachsenden Schaden zu ersetzen: und außerdem, wenn sie zu den angesehenen Personen gehören, eine Strafe von zehn; wenn zu den niedern, eine Strafe von drey Pfund Goldes erlegen. Hat jemand aber so viel nicht im Vermögen, so muß er nach auägehaltenem Skaupenschlag sich fünfzig Meilen weit von seinem Wohnort auf fünf Jahr entfernen. Alle Verbindungen und Verschwörungen in und außerhalb der Städte, selbst unter dem Vorwand der Verwandschaft so wohl zwischen einer Stadt und der andern, als auch zwischen einer Person und der an- dem, oder zwischen einer Stadt und einer Person verbieten wir durchaus, heben die schon geschehenen auf, und bedrohen jeden, der dawider handeln wird, mit einer Geldbusse von einem Pfund Goldes. Auch wollen wir, daß der Bischof eines jeden Orts denUeber- treter dieses Gebots so lange mit einer Kirchenbuße belege, bis er Genugthuung geleistet hat. Diejenigen, so einen Friedensstöhrer aufnehmen und kaufen, sollen einer gleichen Strafe gewärtig seyn. Wer den Frieden nicht schwören und halten will, und denselben bricht, dessen Güter sollen consiscirt, und sein Haus eingerissen werden. Unrecht- - Z4k Unrechtmäßige, wie wohl schon lange eingerissene Erpressungen, besonders von der Geistlichkeit, in Stad« ten uud Schlössern, verdammen und verbieten wir auf alle Weise, und wer sich dieselben doch erlaubt, soll das Erpreßre zwiefach erstatten. Die Eyde mit welchen Pupillen freywillig die Gültigkeit der mit ihren Gütern vorgenommnen Ein» richtungen beschwören, müssen unverletzt gehalten werden. Sind sie aber gewaltsamer und unrechtmäßiger Weise, selbst von schon majorennen Personen erzwungen, besonders um sie zu nötigen, über ein verübtes Verbrechen keine Klage zu fuhren, so sollen sie keine Gültigkeit haben. Wer sein Allodium verkauft, der kann die Gerichtsbarkeit des Kaisers nicht zugleich mit verkaufen. Thut er es doch, so soll es keine Gültigkeit haben. Unter den streitenden Parteyen, welche hier vor dem Kaiser erschienen, lagen die Städte Cremona und Piacenza in dem hitzigsten Kampf. Nahe Nach* darinnen und blos durch den Po getrennt, standen sie wegen ihres Verhältnisses mit Mayland, in einem alten unaufhörlichem Zwist. Dazu kam noch, daß die Cremoneser, als sie mit dem Kaiser auf den Reichstag zogen, von Soldaten aus Piacenza zu einem Gefechte, oder Turnier, wie man es heut zu Tage gewöhnlich nennt, aufgefordert wurden, bey welchem von beyden Seiten verschiedne verwundet, gefangen genommen, auch einige getödtet wurden. Dieses Vorfalls wegen klagten sich beyde Theile wechselseitig an. Die Cremoneser gaben vor, daß sie im Dienste und im Gefolge des Kaisers feindlich P z wären waren überfallen worden: daß dadurch nicht so wohl sie selbst als die kaiserliche Majestät beleidigt sey: und daß der angreifende Theil eine schwere Strafe verdient habe. Die Bürge? von Piacenza wandten dagegen ein, daß sie nicht gegen den Kaiser, sondern gegen ihre ärgsten Feinde auögezogen styn,.von denen sie vieles Ungemach erduldet hatten. Friedrich ließ sich die Gründe einer jeden Partey mit aller Genauigkeit vorlegen, und da ergab sichs, Laß Piacenza sein Betragen gar nicht gehörig entschuldigen konnte, vorzüglich da es sich schon mehrmalen einer Untreue gegen das Reich schuldig gemacht hatte. Es wurde daher folgender Urtheilöspruch erlassen: Piacenza soll auf den Beding wieder zu Gnaden angenommen werden, wenn seine Bürger eine bestimmte ansehnliche Geldsumme erlegen, den schönen Wal- und Graben, die erst seit Kurzem angelegt waren, abtragsn und ausfüllen, und alle ihre Thürme schleifen würden. Pieß geschah auch wirklich zum Schrecken der übrigen Städte. Endlich wurden hier auch die Ansprüche Maylands auf Monza untersucht, und die Entscheidung der auserlesensten Rechtsgelehrten siel dahin aus, daß diese Stadt unmittelbar unter Kaiserlicher Hoheit siehe. Nachdem Friedrich in den Ronkalischen Feldern alle Geschaffte glücklich beendigt und die Versammlung entlassen hatte, so richtete er sein Augenmerk aus das übrige Italien und die Inseln. Zu dem Ende schickte er den Bischof Conrad von Eichstädt, und den Grafen Emicho nach Sardinien und Corsica ab, und empfahl den Pisanern und Genuesern sie dahin zu führen, weil diese beyden Städte die mächtigsten auf dem Tyrrhenischen Meere sind. Wer aber die Vorthciie kennt, welche Pisa und Genua aus Sardinien ziehen, der wird — ^ ? 4 ? leicht' die Ursache vermuthen können, warum die Gesandtschaft ohne Wirkung blieb. Wahrscheinlich hat man. ihre Reise durch verschiedne Mittel zu verhindern gewußt. Denn Friedrich drohte ihnen mit einem Einfall in, ihr Gebiete, nahte sich auch wirklich demselben, und sehrs sie mit unerhörter Geschwindigkeit in ein solches Schrecken, daß sie sich mit tausend Mark Silbers den Frieden erkauften, und die Stadtmauer, welche sie eben angefangen hatten, nicht weiter fortzusehen versprachen. Man möchte beynahe sagen , Gottes Vorsehung habe selbst diese Furcht veranlaßt, damit sie nicht durch ihr Beyspiol mehrere andere zur Rebellion aufmuntern möchten. Denn Genua ist durch seine Lage, durch dis Alpen und das Meer so sehr gedeckt, daß es nicht leicht einen Feind zu besorgen hat. Allein Friedrich getraute sich selbst gegen die Natur zu kämpfen. Jeht aber gieng die Zeit des Feldzugs zu Ende» und Friedrich beschloß zur Erholung seiner Truppen, in den schönen Gegenden Italiens, die bisher noch verschont geblieben waren, die Winterquartiere zu nehmen» Aus Alba, wo er die Weyhnachten scherte, schickte erbrach ganz Tuscien, Campanien, und die Seeküste Leute aus, um die Lieferungen an die Armee einzutrei- bcn. Von den Großen, die er Hey sich hatte, gierigen mehrere in die Städte ab, um Consulen, oder Obrigkeiten zu erwählen; sie hatten Geheimschreiber bey sich, die einen genauen Aufsah der anden Fiskus zu? rückgefallenen Regalien verfertigen mußten. Auch die Kaiserlichen Domänen, oder die st> genannten Mathil- dischen Güter, die vom Herzog Welf und andern zerstückelt waren, brachte er wieder zusammen, und lieferte sie vereinigt, und verbessert, lenem edlen Fürsten aus. Wer die Gegend am Pc> berocht hat, wird dis H 4 Größe Z44 Größe und den reichen Ertrag dieser Güter leicht beurr theilen können. Das Glück, welches den Kaiser auf diesem Feld» zug begleitet-, wurde durch den Tod einiger Großen sehr gesiöhrt, die zu viel Vorzüge des Geistes und Körpers hatten, als daß ihr Andenken bey der Nach, weit gänzlich erlöschen sollte. Unter diese gehört vor allen andern Bischof Otto von Freysingen, der durch einen zu frühen Tod gehindert wurde, das gegenwärtige Werk zu vollenden. Der Tod dieses treflichen Mannes, und der schreckliche Brand, der Freismgen ins äußerste Elend stürzte, wird mich entschuldigen, wenn ich in Erzählung desselben etwas weitläuftig scheinen sollte, zumahl da das Unglück, welches ich erzählen will, meine Vaterstadt betrifft, die dadurch aus ihrem vormahligen Wohlstände in den traurigsten Zustand versetzt ward. ' Im Jahr 1159, unter Kaiser Friedrichs Regierung , als dem fünften Jahr seit seiner Thronbesiei- gung, und dem dritten nach Erlangung der Kaiser, würde gieng Bischofs Otto aus dieser,Zeitlichkeit in die Ewigkeit. Er fand Freysingen als einen elenden dürftigen Ork, dessen Einwohner fast kein Vermögen be- saßen, wo die Gebäude verfallen waren, und die Klo- sterzuchk s.st gänzlich darnieder lag. Aber mit Gotus Hülfe brachte es der seelig Verstorbene so weit, daß er mehr der Stifter als der Wiederhersteller seines Bischöflichen Sitzes genannt zu werden verdient. Hiezu waren ihm mehrere Umstande günstig. Er «ar ein Enkel Kaisers Heinrich kV., ein Schwestersohn Heinrichs V., Kaiser Conrads leiblicher Bruder, des jetzt regierenden Kaisers FriedrichOheim, ein Sohn des Marggrafen Leopold und der Agnes, der Tochter Kaisers i »45 Kaiser Heinrichs IV. Seine Geschwister waren Conrad, Bischoff von Pastau, Leopold Herzog von Bayern, Heinrich Herzog von Oesterreich, Gertrud Herzogin von Böhmen, Bertha Herzogin von Pohlen, Jta Margrafin von Montferrat, Mutter der Königin von Spanien. Außer diesen Vorzügen einer erlauchten Geburt besaß er noch eine ungemeine Gelehrsamkeit, die ihn unter den deutschen Bischöffen wo nicht zum Rang deS ersten, doch gewiß eines der vorzüglichsten Gelehrten erhob. Außer einer ungemeinen Kenntniß der H. Schrift und Theologie war er auch mit der aristotelischen Philosophie sehr genau bekannt, die ihm unter den erste» Weltweisen Deutschlands einen Rang verschaffte. Dieß sowohl, als seine Klugheit in politischen Geschähen, und die freymüthige Beredtsamkeit, mit der er oft vor Königen und Fürsten sprach, zogen ihm nicht wenig« Neider zu, denen er aber auf eine gute Art zu entgehen wußte. Er führte eine strenge nach Art der Cistercienser Mönche geregelte Klosterzucht ein. Zuerst war er Abt des Klosters Morimund: dann Bischoff, nachdem er die verführerischen Jahre der Jugend überstanden hatte. Von den kleinen Flecken, welche er aus dem Umgangs mit der Welt empfieng, reinigte ihn jetzt die Strenge seiner Tadler. Er hätte als ein Anverwandter Friedrichs, und in StaatSgeschafften sehr brauchbarer Mann billig den letzten Feldzug mitmachen sollen: allein die Vorsehung wollte ihn nicht unter dem Geräusch der Waffen sterben lasten. Es schien, als ahndete er seinen Tod, da er den Kaiser um die Erlaubniß bat, ZU Hause bleiben zu dürfen, und ihm unter vielen Thronen das Bißthum Freysingen anempfahl, daß er es auf keine Weise drücken, und demselben, wie es ehedem P 5 mehrern -46 mehreren Stiftern ergangen ist, nicht die Wahlfreyheit rauben möchte, Friedrich willigte in sein Begehren. Er erfuhr, daß einigen, in Gesichten oder Träumen, sein bevorstehender Tod offenbart worden sty, und begab sich kurz vor seinem Ende in das Kloster Morimund, wo er, unter andern Verordnungen, auch wegen der von ihm angefangenen Lebensgeschichte verfügte, die er den Hän- den gelehrter und gottesfürchkiger Personen übergab, und sie bat, alles was ihnen in der Erzählung der Cilibertschen Hände! anstößig scheinen sollte, nachGefal- len zu verbessern. Er verschied im Beyseyn vieler Bi- schöffe und Aebte, und wurde in der Kirche beym hohen Altäre begraben, obgleich er sich ein Begräbniß ausser der Kirche ausgesucht hatte. Ich- bin es der ihm die Augen zudrückte, und der ihm auch eine Grabschrist setzte. Sein Todestag war der 22ste September 1159. Der ;te April oder Palmsontag drö folgenden Jahres ist durch das Unglück merkwürdig, das Freysingen betraf. Ein gewaltiges Feuer legte die ganze Stadt völlig in die Asche. Alle Kirchen und Capellen, das Dom- siist, das Ritterhaus wurden ein Raub der Flammen. Nur sehr wenige Gebäude blieben verschont. Freysin- gen befand sich damahls in einem Wohlstände, daßeS in dieser Rücksicht den benachbarten bischöflichen Sitzen den Rang streitig machen konnte. Die gute Kirchenzucht, welche die Geistlichkeit des Orts beobachtete, ihre Frömmigkeit, und der Fleiß, den sie auf die Studien verwandten , waren Eigenschaften, in denen eS ihnen wenige im deutschen Reiche gleich thaten, keiner aber sic übcrtraf. Es ereigneten sich einige Zelt vor jenem merkwürdigen Unglücke verschiedene Vorbedeutungen. Am Ta« Z47 ge der Beschneidung Christi, stürzte der gesegnete Kelch während der Priester das Hochamt verrichtete, vor aller Augen um, und der Wein ward verschüttet, daß auch nicht ein Tropfen übrig blieb. Diesen Vorfall erklärte der Bischofs als eine üble Vorbedeutung, und rieth durch Fasten und Beten die göttlichen Strafgerichte abzuwendcn. Um dieselbe Zeit bezeugten glaubwürdige Personen, sowohl Geistliche als Weltliche, gewisse vicrsüßige Ungeheuer und andre dergleichen Erscheinungen zu Nachtzeit in der Luft gesehen zu haben. Füchse, Hasen und andre wilde Thiere, giengen, als wenn sie zahm wären, in die Kirchen und Klöstergebaude und ließen sich mit Stricken fangen. Kinder trieben vst ihr Spiel damit, daß sie in Processionen durch die Straßen zogen, und Litaneycn absangen, unbewußt wie nahe die Zeit sey, da aus dem Spiele Ernst werden sollte. Im folgenden Jahr wurde der Ort, wo man den Dom und den bischöflichen Sitz erbauen wollte, von einem Blih angczündet. Eulen, Uhu, und Käutzlein heulten das ganze Jahr hindurch von den Dächern herab. Kobolde, die man Satyrcn nennt, hörte man säst in allen Häusern. Der jetzige Bischofs und Nachfolger Otto's ist Albert, von dem sich Frey- singen alles Gute verspricht. In demselben Jahre (1159) gieng auch die schöne prächtige Kirche zu Speyer in den Flammen auf. Die cingestürzte Mauer soll dabey viele Menschen zerschmettert haben. Auch fallt in diese Zeit der Tod Friedrichs Crzbischoffs von Cöln, nachdem er noch nicht völlig drey Jahre die bstchöffliche Würde bekleidet hatte. Sein Fleisch und Eingeweide wurde in Pavia vey» gesetzt, seine Knochen aber nach Cöln gebracht. Er wer ein edler, gelehrter Mann, dessen menschenfreundlicher Charakter ihm weit und beert alle Achtung vcr- schafften. Auch Anselm, Metropolitan von Ravenna, der als ein alter treuer Vasall des Reichs bekannt war, und viele gelehrte Kenntnisse besaß, starb vor May- land. Aus Sehnsucht nach seinem Vaterland nahm der Bischofs Gebhard von Würzburg seinen Abschied vom Kaiser, starb aber in Würzburg acht Tage nach seiner Zurückkunst. Ein Beweis, daß weder bessere Pflege, noch ein sicherer Wohnsitz den Tod abhalten können. Merkwürdig ist noch der Tod Conrads Herzogs von Croatien und Dalmatien, dessen Stammhaus Dachau in Bayern war. Der Leichnam wurde von Bergamo, wo erlgestorben, in sein rand gebracht, und im Kloster Schiren begraben. Sein Edelmuth, und seine oft erprobte Tapferkeit werden ihn bey der Nachwelt im Andenken erhalten. Außer diesen sind noch viele andre edle tapfere Ritter, deren Namen mir nicht beyfallen, theils durch Krieg theils durch Krankheiten aufgerieben worden. Wahrend daß Friedrich in den Winkerquartiren war, versuchte der Pabst Adrian, auf Anregung gewisser Personen, die alte in Augsburg schon abgetha« ne Streitigkeit wieder auf die Bahn zu bringen. Seine Klagen betrasen theils die den päbstlichen Legaten zu- gefügten Beleidigungen, theils das unbillige Verfahren derer, die die Bedürfnisse für die Armee eintrie- ben, und die Beschwerden seiner Castellane. Gelegen- hnt, sich hierüber zu erklären, gab ihm der Umstand, daß geistliche sowohl als weltliche Mächte dem Kaiser die Regalien zuerkannt hatten. Er schrieb demnach einen Brief an den Kaiser, der beym ersten Durch- lesen sehr gelinde war, bey genauer Betrachtung aber, viele Drohungen enthielt. Der Ucberbringer desselben war ein schlechter unwürdiger Mensch, der sich auch gleich davon machte, ehe noch der Brief vorgelesen war. 'kl»r i «i« >D » ' ' " ' 444 war. Friedrich hierüber aufgebracht faßte den Entschluß ihm durch einen andern aber mehr schicklichen ehrenvollen Gesandten eine derbe Antwort zuzustellen. Schon vorher war der Bischofs von Vercelli mit einer freundschaftlichen Bitte nach Rom abgegangcn, um die päbstliche Bestätigung für den neuerwählten Metropolitan von Ravenna, Guido, des vorhinerwähnten Grafen Guido's von Blanderat Sohn, auszuwirkm. Dieser junge Mann nchmlich war noch nicht durch alle geistliche Ordnungen gegangen, sondern ohnlängst zum Clericus zu Rom und dann von dem Pabst Adrian zum Subdiaconus gewählt worden; er konnte also ohne des letztem besondere Einwilligung in keinen andern Sprengel ausgenommen werden. Da sich nun der Pabst, um die ganze Wahl rückgängig zu machen / hiezu nicht verstehen wollte, so wurde BischoffHerrmann von Verden in derselben Sache nach Rom geschickt, aber auch er erreichte seinen Zweck nicht. « »k !«S» W Man wird sich am besten hierüber aus folgenden Briefen unterrichten können. Brief Kaysers Friedrich. Friedrich von Gottes Gnaden, römischer Kaiser, dem ehrwürdigen Pabste Adrian. 9?ach dem Ableben des Bischofss von Ravenna Anselms, seligen Andenkens, unsers Treuen und Geliebten , bemühten wir uns eine so wichtige Stelle nicht lange unbesetzt zu lassen, und ihm einen Nachfolger zu geben, der diesen schmerzlichen Verlust ersetzen könnte, und schicklich wäre, ein Vasall unsers Reichs zu seyn. Daher haben wir, aus Betrachtung des Spruches: Einer komme dem andern mikEhrer-i ? 5 -> biekung zuvor/ den Sohn des Grafen von Blan- berat, den ihr ans unser Ansuchen zum Clerikus und Sohn der römischen Kirche angenommen, zu eurer und der römischen Kirche Ehre noch höher erheben wol. len , und ihn zum Vorsteher einer Kirche gemacht, die nach der heiligen römischen, wo nicht die größte, doch eine der größten ist; und zwar ist diese Wahl auf ein- stimmige fteye Bewilligung der ganzen Gemeinde von Ravenna in Gegenwart des CardinalJacinct eures Legaten, und des Bischoffs Hermann von Verden unsers Gesandten, zu Stande gekommen. In der Person des Erwählten, vereinigen sich Gelehrsamkeit, gute Sitten, und Adel des Geschlechts; auch ist er mir durch eure Empfehlung noch weit lieber und angenehmer geworden. Die Zuneigung also und Ehre, weiche ihr ihm erwcißt, macht mir viele Freude und ich wünsche, daß ihr sie fortsehen wöget, jedoch aus eine Weise wie ein liebreicher Vater zu handeln pflegt, der feine Kinder zur gehörigen Zeit der väterlichen Gewalt entläßt, damit sie ihrem eignen Hauswesen vorstehen mögen. Es ist auch das Beste, was die heilige römische Kirche thun kann, wenn sie, als Mutter aller übrigen, ihre Söhne, die Frucht ihres Leibes erst zur Ehre des Hauses Gottes versammlet, dann aber wieder in verschiedene Familien vertheilt, wo ihnen unser Reich, als den Spröslingen aus dem Schooß unserer Mutter, die geziemende Ehre weder versagen darf, noch will. Deßhalb mögct ihr reiflicher überlegen, was in dieser Sach« eurer und unsrer Würde geziemend sey. z.k r'i Hm ßcii Mir H 77« ftis ^ >>» t«! i Ä 'Ä > Aß Ärl '8» »il » ,Kt ;>il- s'Ä .D V-Ä L ß Z;r Antwortschreiben des Pabstes Adrian an den Kaiser. Adrian, Knecht der Knechte Gottes, entbeut seinem geliebtesten Cohn, dem erlauchten römischen Kaiser Friedrich, Heil und apostolischen Seegen. §»r Ehre Gottes, und auf deine, wie auch unsers geliebten Sohnes, des Grafen Guido von Blandrat Fürsprache , haben wir unfern geliebten Sohn und Sub- diaronus Guido, des obbemeldten Grasen Sohn, in unsre besondere Freundschaft ausgenommen, ihm auch in Betracht seiner guten Eigenschaften, zu Nutz und Ehren der Hochheiligen römischen Kirche, als wenn er schon zum Diaconus ordinirt wäre, eine Kirche besonders angewiesen. Das alles wird Euch sowohl als Uns sehr wohl bekannt seyn. Nun aber, da er diese Vorzüge von uns erhalten hat, und wir einsebsn, wie viele Vorcheile von ihm, und seinen edlen Mächtigen Eltern die römische Kirche mit der Zeit zu erwarten habe: da er ferner in derselben immer höher steigen kann, so können wir ein so kostbares Pfand nichts von unsrer Seite lassen. Es ist nicht mehr als billig, daß jeder, der ein Sohn und Elcricus der römischen Kirche ist, sich nicht aus ihrem Schooße begebe, und dagegen von ihr immer höher befördert werde. Gern lockt sie Männer von guten Sitten und Kenntnissen, und von hoher Geburt zu sich an, sie ist gewohnt, solche von andern Orten hier aufzunehmen, aber nicht, sich derselben wieder zu berauben, wenn sie sie einmal besitzt. Weil wir nun diese Handlungsweise für die anständigste und glimpflichste halten, und das Zutrauen zu dir haben, daß du sie genehmigen werdest, so können wir deine Federung nicht eingehen, und leben der Hoff. LZ» Hoffnung, daß du unfern Entschluß billigen werdest, sobald er dir eröffnet ist. , Der Kaiser benahm sich hierauf folgendermaßen. Sein Notar mußte in öffentlichen Schriften, des Kaisers Namen dem Namen des römischen Bischoffs vor- snseHen, und diesen im Singular anreden. Er hatte auch wirklich hierin eine alte Gewohnheit für sich, die aber in der Folge abgeänderk ward. Der Pabst muß entweder, sagte Friedrich, in dem Ton und in demKanz- leysiyl seiner Vorgänger an den Kaiser schreiben, oder ich muß nstch in meinen Briefen nach dem Brauch meiner Vorfahren richten. Dieser Umstand trieb die Erbitterung zwischen beyden so weit, daß der apostolische Stuhl in Briefen an Mayland und andre Städte von neuem Aufruhr blies. Die hier beygefügten Briefe können die Sache in ein helleres Licht sehen. Schreiben des Cardinals Heinrich an Eberhard Bischofvon Bamberg. Dem ehrwürdigen Vater, Bruder und geliebtesten Freunde Eberhard von Gottes Gnaden, Bischofs von Bamberg, entbeut Heinrich, von Gottes Gnaden, Cardinal der heiligen römischen Kirche, Heil im Herrn. wie der Charakter des Kaisers aus seinen Hoft bedienten erkannt wird, so müssen auch diese seine Rathgeber auf ihr Gewissen und Ehre Acht geben, well ihre Ehre eben so viel Bezug auf den Herrn hat, als der Schade, den er nimmt, auch sie mit betrifft. Deswegen, geliebter Vater! ehrwürdiger Bruder, und bes ster Freund! wollen wir eure Klugheit nicht sowohl belehren als ermahnen, daß ihr des Kaisers Majestät in ^ d-^ «F! W dir Kr schlißt ft« «> § M Ml M r fckll fand, hi, dir Ui bliibr, ZZ3 in Dingen, welche den Frieden und die Ehre betreffen, den kräftigsten Rath ertheilet. Denn ihr sehr das, waö auf Gott, und die ungestörte Ausübung der Gerechtsame Bezug hat, besser ein, als alle andre Für« sten, die, so edel sie auch'seyn mögen, doch weder die heiligen kanonischen Gesetze, noch die ehemals von den Vätern getroffenen Einrichtungen kennen. Ihr selbst wart, als eine der getreuesten Mittelspersonen unseres Standes bey den Friedenöuntel Handlungen zugegen, die mit dem Kaiser so wohl in Absicht auf den Staat als die Kkche geschlossen wurden. Jetzt aber laßt unS der Brief, welche Se. Majestät an meinen Herrn geschrieben hat, und der ganz von der gewöhnlichen Schreibart und Form abweicht, fürchten, daß der Kair ser nach seiner Rückkunft sich geändert, und äußerlich anders scheine, als er innerlich denke. Darüber ist mein Herz mit Wehmuth erfüllt, und mein Gesicht verdüstert worden. All die Ehre, Ruhm, Herrlichkeit, welche ich mitbrachte, scheint durch jenen Brief zu Grabe getragen zu seyn. Daher, geliebkester Bruder, Werthester Freund, fordert euch die bischöffliche Würde und der Priester, stand, zu welchem euch die göttliche Weisheit erhoben hat, auf, euch zum Vertheidiger Gottes, eurer eigner» Ehre, und der Freyheit der Kirche darzubieken, damit die Kirche im Besitz ihrer alten Rechte unangetastet bleibe, und ihre Ehre durch keine neuersonnenen Anschläge beeinträchtiget werde. Was wir nach eurem Rach zu bewirken glaubten, ist schon sehr rückgängig gemacht worden. Wir versichern euch, so lange Menschen, die in göttlichen Dingen unbewandert sind, An« kheil daran nehmen, kann der Friede unmöglich Bestand haben. Wenn aber ihr, und der Bischoff von Magdeburg, euch für diese Sache verwendet, so wird Denkwürdige. ll.H. Z «usr Z54 euer Rcligionseifer, uud eure Einsichten, in denen ihr beyde so große Vorzüge habt, verbunden mit dem eis. rigsten Bestreben zu dem Vorgesetzten Zwecke, dem gan. zen Geschaffte einen Ausgang geben, die zu Gottes und der Kirchen Ehren, und unsers Kaisers Ruhm ge- reicht. Findet sich zur Zeit der Erbitterung keiner, der auf Aussöhnung dringt, der durch seine Vorstellungen die Hindernisse heben kann, so wird die Sachs selbst einen andern Gang nehmen, und das, was itzt noch unbeschädigt ist, sich verschlimmern. Antwort Eberhards von Bamberg an dm Cardinal Heinrich. Ich habe euer Schreiben mehr als einmal durch- lefen, und mich nicht genug über das Ach und Weh verwundern können, wovon ihr mir schreibet, und welches mir doch bis dahin ein Geheimniß war. Ich forschte aber nach,, und fand was ich wollte, was mir vielen Schmerz verursachte, und bey Gott! auch noch itzt äußerst kränkend ist. Ich hörte es, ward bestürzt, und in Trauer versenkt. Alle meine Glieder zitterten, die Haut hieng an meinen Gebeinen. Ich sah gar zu deutlich, Daß ein feindselig Gesinnter unter den guten Samen, und auf euren guten Rath., den ich mir gar nicht anmaße, Unkraut gesäet habe. Alles Böse kam aus einer guten Quelle her. So wie es in der heiligen Schrift heißt : Der Herr hat die Gefäße des Todes bereitet, und die feurigen Pfeile geschmiedet, eben so findet man in den kaiserlichen Handlungen, Worten und Schriften, vieles, welches einige irre führt, andere erbaut. Wenn man die Jahrbücher nachschlagt, so wird man kaiserliche Beweise finden, welche ganz im Ton jener alten Zeiten der Gutherzigkeit und Einfalt geschrieben sind , wo man beym Sprechen weder die 55Z Zahl noch die Personen mit einander verwechselte. Al- lein jetzt ist alles umgeändert. Aber das Gold soll nicht verbleichen, die schönste Farbe nicht verschlechtert, die Steine des Heiligthums nicht auf den Straßen zer. streuet werden. Die Aweichung von der heutigen Gewohnheit ist nurl dadurch bewirkt worden, daß die schon erloschne Flamme durch den Wind eines Briefes wieder aus. geblasen wird, den der Pabst durch einen zerlumpten, heimtückischen, feindseligen Gesellen , welcher sich auch sogleich unsichtbar machte, dem Kaiser einhändigen ließ, und worin er in harten, gleichsam gebieterischen Ausdrücken, den Kaiser anhalken will, in dem Streit zwischen Brescia und.Bergamo keinen Ausspruch zu thun. Dieß schreibe ich euch, nicht, um eine Sache zu bemänteln, die nicht braucht bemäntelt zu werden, sondern damit ihr und andre kluge, gottesfürchtige Männer der Krankheit desto leichter abhelfen möget, da ihr jetzt ihren Grund eingesehen habt. Wir sagen und schreiben alltäglich: Kommt, kommt — Wir werden kommen, wir werden kommen. — Nun sitzen wir da, (vergebt, mir, eure Heiligkeit, daß ich so spreche) sitzen da, und gähnen. Wir warten, um mit jenem Römer zu reden, bey Tage den Anbruch der Nacht, bey Nacht den Anbruch des Tages ab, und gerathen wissentlich ins Verderben. Ich gestehe euch, ich mag kein trauriger Bote seyn, will nicht kommen, um unangenehme Dinge zu hören oder zu berichten. Wo ist di« Weisheit? wo die Klugheit im Staat sowohl als in der Kirche ? Möge doch Gott die von uns trennen, deren Weisheit, wie es in der Bibel heißt, ganz verschlungen ist. Sagt uns nicht mehr, kommt! Z 2 sondern ;;6 —- sondern ihr, die ihr die Schlüssel der Wissenschaft in Händen habt, kommt uns zuvor! kommt ungerufen und belehrt eure Söhne nicht mit Bitterkeit, sondern mit Miloe und Canftmuth! Gott sey denen gnädig, die Oel ins Feuer gießen, die zwischen Vater und Sohn, zwischen Reich und der Priesterschaft Uneinigkeit stis. ten. Ich bin ein Thor geworden, ihr habt mich dazu gezwungen. Laßt Friedensmanner auftreten, die uns überführen, daß wir unrecht haben. Der Herr gebe, daß die Briefe wieder in der üblichen Form geschrieben, und der traurige'Anfang zu einem frohen Ende ge- bracht werde. Als Euer Gesandte ankam, verließ der Kaiser plötzlich, gewisser geheimen Geschäfte hal- ber, das Lager. Daher konnte weder ich einen bestimmtem Entschluß, noch ihr eine promptere Antwort erhalten. Was für ein Mann er ist, wißt ihr. Er ist dem gewogen, der ihm zugethan ist, und dem abgeneigt, der gegen ihn nicht gut gesinnt ist; denn auf die Kunst, seinen Feind zu lieben, versteht er sich noch zu wenig. Eben desselben Schreiben an den römischen Pabst. Schweigen' und Reden hat seine Zeit. Bey einer allgemeinen Gefahr würde es nicht christlich, son- dem verzagt gehandelt seyn, nichts zu sprechen. Hier müssen alle schreyen, zusammmlauftn, und Hülfe leisten. Laust der Feind gegen eine Stadt an, oder bricht Feuer in ihr aus, so ist es vorzüglich Pflicht der Wächter, alle, welche in der Burg sind, selbst den Hausvater zur Hülfe herbey zu rufen. In Betracht dieier merner Psscht und besondem Schuldigkeit, die mir aus mehreren Gründen obliegt, nef ich, wenn gleich der kleinste unter den Bischöffm, der kaum den Namen eines Dischoffs verdient, euch, ehrwürdigster Vater 357 ter und Herr! aus unverständiger Dreistigkeit zu, aus die Gefahr zu achten, welche jetziger Zeit uns Schwa, chere bedroht. Schon ist aus dem Topfe, den der Nordwind, wie der Prophet in einem Gesichte sah, ent- zündete, das Feuer in verborgenen Funken hcrvorge- brochen: aber noch zeigt sich, Gottlob! nur Rauch ohne Flamme. Der Streit zwischen euch, Herr! und eurem Sohn unserm Herrn, dem Kaiser, ist bis itzt nur noch bey Worten geblieben. Jedoch steht zu befürchten, daß ein Wort das andere geben, und sie durch ihr An- einanderreiben sich endlich erhitzen möchten, woraus denn leicht eine Flamme entstehen dürfte, die weit und breit, (welches Gott verhüte) den weltlichen uno geistlichen P anbl essx Ni», Ai, Alf Rolle so meisterhaft, daß er im ganzen Lager als ein Possenreißer geduldet ward. Friedrichs Zelt stand nah an der Adda auf einem erhabenen Ufer, von dem man nicht ohne Lebensgefahr hinabstürzen konnte. Als der Kaiser einst seiner Gewohnheit nach früh Morgens mit Tages Anbruch zum Zelt heraustrat, um seine Andacht zu verrichten, ersah jener Mensch die Gelegenheit, überfiel ihn, zerrte ihn an den Rand des Ufers, und würde wahrscheinlich zu seinem Zweck gelangt seyn, wenn sich nicht beyde in die Stricke, woran das Zelt befestigt war, verwickelt hatten, und zu Doden gefallen wären. Das Geschrei) des Kaisers zog die Wache herbey, die den Meuchelmörder nach vielen Mißhandlungen vom Ufer hinabsiürzte. Nach anderer Meynung soll dieser Mensch wirklich wahnsinnig gewesen, und unschuldig ums Leben gebracht worden seyn. Ich muß hier noch zweyer Umstande erwähnen, welche von traurigen Folgen hätten seyn können, wenn die verruchten Anschläge gelungen waren. Die May- kander erkauften nemlich, da ihnen jener Versuch mißlungen war, acht Mordbrenner, welche Lodi in Brand stecken sollten. Einer von diesen wurde in einer stürmischen Nacht über der That ergriffen, und den Morgen darauf Moyland gegen über aufgehangen. Ein andrer, der sich als Mönch verkleidet hatte, erhielt dieselbe Strafe. Nicht lange nachher empfieng der Kaiser ein Schreiben, worinn ihm angedeutet ward, es sey ein Spanier oder Sarazene mit einer Rotte nach Italien gekommen; dieser sey der größte Meister in der Giftmischerkunst, ein alter, häßlicher, einäugiger Mann, aber völlig entschlossen, mit Aufopferung seines eigenen Lebens, sich und seinen Gesellen durch Ermordung des Kaisers einen unsterblichen Namen zu machen. Er führe zu dem Ende Medizin, Ringe, Aaz Gem- Gemmen, Zügel, Sporen, als Geschenke bey sich, die aber-alle so sehr vergiftet seyn, daß schon ihr bloßes Berühren Lödte. Er trage auch einen verborgenen Dolch an der Hüfte, um ihn auf den Fall zu gebrau, chen, wenn es ihm mit dem Gift nicht gelingen sollte'. Diese Nachricht theilte der Kaiser einigen wem» gen mit, und ließ genau Acht geben, wenn der Besagte kommen sollte« Er kam man fand unwiderlegliche Beweise, daß alles so zutreffe, wie es indem Briefe gestanden, und setzte ihn in Verhaft. Hier wurde er befragt: wer ihn zu dem abscheulichen Verbrechen verleitet? Friedrich versprach ihm völlige Begnadigung, wenn er die Wahrheit gestände, widrigenfals er gemartert werden sollte. Allein er blieb verstockt, man mochte auch mit ihm machen, was man wollte. Er drohte so gar dein Kaiser mit einem augenblicklichen Tode, wenn er ihn hinrichten ließe; seine Gesellen bewiesen sich eben so hartnäckig als er, und da sie kein Gestand» uiß von sich gaben, so wurde der Alte als der Rädelsführer an den Kreuhgalgen gehangen. Endlich kam die Zeit, da die Kaiserin Beatrix, Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen, und Conrad Bischofs von Augsburg mit ihren Truppen und allen uöthigen Kriegsbedürfnißen sich in Bewegung setzten. In wenigen Tagen betraten sie mit einem zahlreichen Heere die Grenze von Italien, worüber die Feinde eben soviel Furcht, als die Unsrigen Freude empfanden. Jener Fürst war ein Sohn Herzogs Heinrich, und Gertrude, einer Tochter des Kaisers jokhar. Seine Eltern waren ihm schon in seiner frühen Kindheit gestorben. Als er heranwuchs, ward er ein kraftvoller, schöner Jüngling, dessen Geisteskräfte die körperlichen Vorzüge noch weit überwogen. Er verschweigt? seine Jugendblüthe nicht in Weichlichkeit oder Trägheit, 37S sondern übte sich, wie es unter den Sachsen Sitte ist,' im Reiten, Lanzenwerfen und Laufen; und so sehr er auch alle an Ruhm übertraf, so sehr wurde er doch von aller» geliebt. Er befliß sich oller der Tugenden, die ihn zu einem rechtschaffenen Mann machten, ohne cö scheinen zu wollen. Sein Werth lag nicht auf der Zunge, mit der er sich etwa selbst Lobeserhebungen gemacht hakte, sondern seine Thaten müssen für ihn sprechen. Er erhielt, wie oben erzählt worden, vom Kaiser das Herzogthum Bayern, inachte sich mit dein Zustand und den Sitten seiner Unthanen bekannt, und brachte es in kurzer Zeit durch unabläßige Bemühungen dahin, daß in ganz Böhmen der Landfriede zu Stands kam, und er von Gutgesinnten eben so sehr geliebt, als von Uebelgesinnten gefürchtet wurde» Seine Anwesenheit machte in Beobachtung der Gesetze keinen Unterschied; jeder scheute sich sie zu übertreten, um nichö in die Strafe zu verfallen, die der Fürst auch aus der Entfernung über ihn verhängen konnte. Seine Truppen kamen, bald nach ihrer Vereinigung mit den alten gedienten Soldaten des Kaisers, diesen gleich. Nicht lange nach ihm kam des Kaisers Oheim, Fürst Guelfo von Sardinien, Herzog von Spoleto, und Marggraf von Thuscien mit einem neuen Heere an. Diese bey- den, durch die Bande des Bluts so innigst verknüpften Männer, zeichneten sich, jeder durch befondre Tugenden, rühmlichst aus. An Guelfo bewunderte man die sanftem Tugenden der Menschenliebe, Frey- gebigkeit, und Versöhnlichkeit. An Heinrich hingegen sah man mehr den festen Mann, der init Ernst und Standhaftigkeit dem Verbrecher auf den Nacken tritt. Jener opferte sich ganz seinen Freunden, mit Vernach- läßigung seines eigenen VorkheilS aus: er konnte nichts «bfchlagen, was würdig war, ein Geschenk zu seyn und strebte nur nach Vergrößerung seiner Macht, und nach Aa 4 MM 37 » neuen Kriegen, um'Gelegenheit zu haben sich hervor- zu thun. Heinrich war ganz für den Frieden gestimmt, den er nicht durch Geld, nicht durch Intriguen, sondern auf dem Wege suchte, wo es sich ziemte. Cremona und Mayland waren schon lange so hef. tig an einander gerathen, daß sie nicht eher ruhen wollten, als bis einer von beiden Theilen gänzlich zernichtet, oder doch unterdrückt wäre. Nun hatte sich die Stadt Crema, die im Gebiete von Cremona liegt, und sowohl in geistlichen als weltlichen Dingen unter ihr steht, widerrechtlicher Weise mit den Mayländern verbunden, und wollte, da sie jetzt zur Rechenschaft gefordert wurde, sich durchaus nicht vor dem kaiserlichen Gericht stellen. Diese Halsstarrigkeit, und das Versprechen der Cremoneser, eiistauscnd Talente für die Zerstörung von Crema zu zahlen, wirkte so stark, daß eine harte Sentenz gegen sie ergieng, in der sie für einen Feiyd erklärt wurde. Die Armee, mit welcher Friedrich jetzt den Feldzug eröffnete, war noch starker als die im vorigen Jahr; daher konnte er sie s hr leicht in zwey Abteilungen, an zwey verschiedenen Orten agiren lasten. Ein Theil zog gegen Crema, der andere, den er selbst ansührte, siel ins Maylandische ein. Die Cremoneser singen mit dem ihnen überlassenen Corps die Belagerung von Crema Mt vieler Heftigkeit an, und die Belagerten unter, ließen dagegen auch nicht, sich muthig zu wehren. Auf bcyden Seiten ward viel Blut vergossen; unter die Gebliebenen von kaiserlicher Seite gehört auch Garnherio, * Marggraf von Ancona. ^ Crema liegt auf dem platten Lande, und ist durch Kunst und Natur stark befestigt. Es hat tiefe mit Wasser angesüilte Stadtgräben, eine doppelte hohe Man- 377 Mauer, und wird zum Thcil schon durch einen Sumpf gedeckt. Seine Einwohner sind ein verwegenes, streitbares Volk, das sich von seinem Glücke zu allen Ausschweifungen des Uebermuths verleiten ließ. Indem nun Crema belagert, und das Maylan- dische Gebiete verheert ward, kamen einige edle Römer, als Gesandte des Senats und Volks, bey dem Kaiser an, bezeugten ihm ihren unkerthanigsten Gehorsam, baten um Schonung für die vielen ihrer Mitbürger, welche an dem Frevel einiger wenigen keinen Theil nähmen: und setzten hinzu, daß sie es doch wären, von denen er den Titel eines Kaisers trüge. So hart Friedrich bey einer andern Gelegenheit sich einstmals gegen sie bewiesen hatte, so gnädig betrug er sich jetzt, entließ sie nach einigen Tagen mit königlichen Geschenken überhäuft, und schickte mit ihnen zugleich den Pfalzgraf L^tto, und den Magister Haribert, Probst von Aqui, einen klugen in Staatsgeschäfften sehr brauchbaren Monn. Sie hatten den Auftrag, mit dem römischen Volke die Verhandlungen wegen Bestätigung des Senats, oder wegen Aufnahme eines Präfeckö zu beendigen; und mit dem Pabfte, wenn er cs wollte, die streitigen Puncte ins Reine zu bringen. Bey ihrem Einzug in die Stadt wurden sie vom Volk und Senat mit allen Ehrenbezeugungen ausgenommen, pflogen von der Zeit an durch Mittelspersonen, welche häufig hin und wiedcr gicngcn, Unterhandlungen mit dem Pabste, uud hielten dabcy strenge auf das ihnen gebührende Ceremoniel: ja sie setzten es sogar durch, daß die päbsilichen Unterhändler, so sehr diese auch nach alter römischer Hofttiquette behandelt feyn wollten, es sich gefallen ließen, daß die Conferenzen nicht so oft bey ihnen als in der Wohnung der kaiserlichen Gesandten gehalrm wurden. Aa 5 Fric- 378 Friedrich, der jetzt in Ligurien stand ^ und den Mayländern, die sich alle in die Stadt geflüchtet, gerne einen Streich versitzt hätte, redete mit den tapfersten der Pavesaner ab, einen Angriff gegen die Stadt zu wagen, und sich dann in die Flucht treiben zu lassen; er selbst wolle schon zu rechter Zeit mit dem Hinterhalt in den uachsetzenden Feind einbrechen. Dieß geschah. Die Pavesaner nähern sich' der Vestung, und sind schon im Begriff, die gemachte Beute fortzutreiben, als die Mayländer plötzlich hinter ihnen Herkommen. Es entsteht ein Gefecht, bey dem sich der Vorkhei! so sehr auf die Seite der letztem neigte, daß jene wirklich in Unordnung gebracht die Flucht ergriffen, und von der Stelle abwichen, wo der Hinterhalt gelegt war. Kaum bemerkte dieß Friedrich, so lag ec auch schon dem Feind in dem Rücken, der durch diesen unvermutheten Ue- berfall in eine Falle gelockt war, aus welcher er nicht entkommen konnte. Es war schrecklich, wie jetzt die kaiserliche Reuterey in die Mayländer eindrang, die, von allen Seiten eingeschlossen, sich entweder mußten niederhauen oder gefangen nehmen lassen. Allenthalben, wohin man seine Augen richtete, erblickte man Gewehre, Rüstungen, Leichname, oder mit dem Tode ringende Menschen. Eine Stelle aus einem Briefe des Kaisers an den Bischofs Albert von Freysingen ckann die Zahl der Gebliebenen und Gefangenen näher bestimmen. „Gott, schreibt er, hat eine große Menge Feinde in unsre Hände geliefert. Sechshundert sind gefangen, und beynahe i;o auf der Wahlstätte geblieben. Die Zahl der Ertrunkenen und Verwundeten war übergroß, und läßt sich nicht bestimmen. Nach erhaltenem Siege kehrten wir nach neu Lodi zurück." Den i sten Scpt. deö r i Zysten Jahres starb Pabst Adrian bey Anagni, und wurde den 4ten des Monats in KiÄ O'> l-ii- sisl diiay O K » D m>t Ä! N kie kcl noch höl! sllNI ich ch tan W Kl - Z7S in dev Kirche des H. Petrus in Gegenwart des-Ekerns, Senats und römischen Volks zur Erde bestattet. Die kaiserlichen Gesandten befanden sich damals noch in Rom. Ueber die neue Pabstwahl entstanden jetzt un- ter den Cardinälen zwey Parteyen, die statt Eines Pab- stes deren zwey erwählten, nemlich den Cardinal Ocla- vian, dem sie den Namen Victor, und den Cardinal Roland, Canzler des römischen Hofes, dem sieden Namen Alexander beylegten. Um aber eine so wichtige Begebenheit in ungetrenntem Zusammenhang zu lassen, will ich vorher noch einige Kriegövorsälle erzählen. Mangel aus KbenSmitteln nöthigte den Kaiser, seine Armee aus dem mayländischen Gebiete, das er schon zum Theil verwüstet hatte, hinwegzuführen, und mit vereinton Macht Crcma anzugreisen, das schon längst von den Kaiserlichen bedrängt worden war, aber sich noch immer tapfer gewehrt hatte. Die Erscheinung deö gestimmten feindlichen Heeres erfüllte zwar die Belagerten mit ungemeinem Schrecken, schlug aber doch ihren Muth nicht so sehr danieder,, daß sie nicht noch manche Beweise ihrer Verwegenheit gegeben hätten. Eines Tages verließ Friedrich das Lager, um bey seiner Gemahlin in dem nah gelegenen Schlosse Som- baßan einen Besuch abzustatten. Die Cremenser erfuhren es, brachen mit ehngesähr sechshundert Reutern zu dem Thors hinaus, vor dem die kaiserliche Edel- wache stand, und lieferten eines der blutigsten Treffen, das die Unsrigen bey aller Anstrengung nicht gewinnen konnten. Es war ein beständiges Metzeln, dem erst die einbrechende Nacht ein Ende machte, wo sich bey-- de Theile trennten, ohne daß einer den andern zum Weichen vermocht hätte. Der Erzählung nach sollen Z8s die Bache auf dem Felde vom Blut der Erschlagenen oder Verwundeten gefärbt worden seyn. ^ Dt Dieser Trotz, mit dem ein Besiegter beynahe schon zu Grunde gerichteter Feind noch Ausfälle zu ^ rhun sich erkühnte, reizte den Umwillen des Kaisers. Schon vorher hatten sie alles, und zwar nicht ohne Er- folg, versucht, um den Belagerern allen möglichen Abbruch zu thun: und jetzt, da man glauben sollte, ihr kr" stolzer Sinn habe sich gelegt, prahlten sie noch mit ih- ren H Identhaten. Es warein trauriger Anblick, wenn ^ man sah, wie die Unsrigen mit den Köpfen der Er- ^ schlagenen wie mit Bällen spielten, sie aus der rechten di in die linke Hand warfen, und sich gleichsam damit be- k lustigten; und wie dagegen die Ctemenser, um ei» ähn- liches Gegenstück zu liefern, ihre Kriegsgefaugene auf W der Mauer ohne Barmherzigkeit in Stücke zerhackten. Es kam endlich so weit, daß Friedrich den Befehl gab, die gefangenen Cremenser im Angesicht der Stadt auf- zuhängen. Allein diese Racke half nichts, sie bewirkte ge vielmehr, daß man in der Stadt an den Gefangenen U von kaiserlicher Seite eine ähnliche Rache nahm. Gott! M ries Friedrich aus, geht eure Verwegenheit so weit, daß m ihr euch als elende Sclaven noch mit dem Sieger mes, M sen wollt. Unsre Nachsicht habt ihr zum schändlichsten M Frevel gemißbraucht. Wir haben euch lange genug verschont, haben uns eurer Gefangenen erbarmt, unser Hgj gegebenes Wort beständig gehalten, den mordlustiacn Soldaten gehindert, wenn er würgen wollte, und sind ^ ungern zur Belagerung geschritten. Dieß alles könnt ihr so schnöde verschmähen. Nun so mag auch über ^ euch, eure Kinder und Enkel Verderben und Untergang ^ kommen Ihr dürft euch nicht mehr meiner Schonung ^ gekröstcn, da ihr euch selbst nicht schonen wollt." ^ bi» Nach Nachdem er dieß gesagt hakte, ließ er durch einen Herold erklären, daß kein Cremenser ferner zu ihm übertreten, und Gnade hoffen solle. Keiner dürft sich weiter Verzeihung versprechen, sondern alle sollen nach ihren Kräften streiten, weil nun bloß nach dem Rechte des Krieges würde verfahren werden. Und nun muß» ten die Griffeln, welche die Cremenser gestellt hatten, vierzig an der Zahl, insgesammt an den Galgen wandern. Eine gleiche Straft erhielten auch sechs edle mayländische Ritter, so viel Geld sie auch für ihr Leben darborhen. Sie waren in einer verräthcrischen Absicht nach Piacenza gegangen, (das, wie oben gesagt, dem Kaiser nur dem Scheine nach ergeben, im Grunde aber ihm abgeneigt war) und von den Unsrigen aufgefattgen worden. Einer von ihnen war ein Nepote des mayländischen Bischoffs, ein reicher Mann, der be-y seinen Landsleuten außerordentlich viel galt. Schon von diesem Vorfall wurde Crema von Tage zu Tage immer mehr ln die Enge getrieben. Die Belagerer führten gegen die Mauern viele Maschinen und hohe Thurme auf, und die Belagerten strengten ihrer SeitS alle ihre Kräfte an, um sie unbrauchbar zu machen. In der Vestung hatte man neun Catapulken, oder sogenannte Stangen, aus denen große Steine geschleudert wurden, und deren swchterliche Wirkung der Kaiser dadurch zu schwächen suchte, daß er die Geisseln der Cremenser an seine Maschinen schmieden ließ. Allein auch dieß Mittel half nichts. Die Rebellen besiegten die Gefühle der Natur, unterdrückten die Sprache des Herzens, welches sie zum Erbarmen für ihre BlutS- sieunde, zum Mitleid gegen die zarte Jugend auffor- derke. Sie schossen unaufhörlich Steine herab, und zerschmetterten dadurch einige ihrer Kinder; ja sie trieben es so weit, daß diejenigen, welche am Leben blieben, 382 —-n'-- - durch den Strang ihr Leben endigen mußten. Kann man sich einen rührendem Auftritt denken, als da die Kinder an die Belagerungsmaschinen gefesselt, durch Worte oder Gebehrden ihre Väter zum Mittleid ausi- foderten: und diese mit Thränen in den Augen, unter dem Jammergeschrei) über ihr Unglück, das Schießen und Sceinwerftn nicht einstellten. Wenn auch einige sich ihrer Kinder erbarmen wollten, so waren andere wieder da, die ihnen lieber den Tod, alsein Leben wünschten, das der Feind mit tausendfachen Quaalen vergalt ien könnte. Die Mayländer glaubten, der Kaiser wäre vor Crema zu sehr beschäfftigt, als daß er seine Macht thei- len könnte, um auch an andern Orken zu agiren. In dieser Voraussetzung wagten sie es, vor Manerbe, eine Stadt in der Gegend des Comer Sees, mit ohnge- fähr dreytausend Mann zu rücken, und sie förmlich zu belagern. Graf Goswin schickte sogleich einen Bericht hievon an Friedrich ad, bat um Vsrhaltungsbefehle, und erbot sich, so viel Truppen als möglich auf die Beine zu bringen, nur müsse er eine Verstärkung von der Hauptarmee erhalten. Er sammelte lauch wirklich ein ansehnliches Heer, mit dem er den Feind in unaufhörlichen Scharmützeln neckte, ohne es jedoch zu einem Treffen kommen zu lassen, welches er nicht eher anfangen wollte, als bis die 520 bewaffnete Äeiter, die ihm der Kaiser versprochen , angekommen wären. Sein Betragen brachte die Mayländer auf die Vermuthung, Friedrich selbst müsse zum Entsatz der Vestung schon ausgebrochen seyn; da sie nun keine Lust hatten, eine Schlacht zu liefern, die auf diesem Falle unvermeidlich gewesen seyn würde, so hoben sie die Belagerung auf, und fiohen eiligst davon. Graf Goswin eilte ihnen nach , richtete eine fürchterliche Nie- » - .. g83 Verlags unter ihnen an, und kehrte dann mit vieler Veu-- te beladen zurücke. Unterdessen klärte sich die Verrätherey der Pla-- cenzer nur zu deutlich auf. Sie hielten heimliche Unterredungen mit den Maylandern, brachten ihnen Ge- treyde und andre Lebensmittel heimlich zu, ja sie hakten auch einige von den ihrigen den Cremensern zu Hülfe geschickt. Dieses Betragen zwang den Kaiser, auch sie für Feinde zu erklären, weil er es lieber mit offenbaren Feinden, als mit verstellten Freunden zu thun haben wollte. Jetzt komme ich auf die schon berührte Spaltung in der römischen Kirche. Ich will mich hier wieder gan meines Urtheilö enthalten, und den Leser in den Stand sehen, sich aus den Schriften beyder Parteyen zu überzeugen, auf welcher Seite das Recht scy. Nachdem Octavian zu Anfang des Oktobers und ! Roland den achtzehnten September zu römischen Bi- ^ schöfen consecrirt waren, machte jeder von ihnen seine Erhebung, durch die hier beygesügten Bullen, der Welt bekannt. > Bulle des Octavian, oder des Pabstes Victor. Victor , Knecht der Knechts Gottes, seinen ehr. würdigen Brüdern, den Patriarchen, Erzbischof- fen, Bischöffen, und seinen geliebtesten Söhnen, den Aebten, Herzogen, Marggraftn, Grafen, ^ und übrigen Fürsten, wie auch allen hochberühmten Hofleuten des allerdurchlauchtigsten un- ! überwindlichsten Römischen Kaisers, Heyl und apostolischen Seegen. Ä)ir hoffen, daß ihr unsre aufrichtige Neigung für das Veste des Römischen Reichs und unsre grgenfti- ! tigen Z84 7- , — . ' ,..^ tigen Freundschaftsbezeugungen noch im guten Anden, ken haben werdet. Jetzt, da wir mit Gottes Hülfe zu einer großem Würde gelangt sind, wird es unser eyfriges Bestreben seyn, noch kräftigere Beweise der« Wenigen Achtung an den Tag zu legen, mit der wir euch und das Reich umfassen. Dagegen aber müssen wir euch inständigst bitten, daß ihr aus Ehrfurcht vor dem H. Petrus, und wegen des Bandes der Liebe welches uns unauflöslich verknüpft, dem Kaiser die Sorge und den Schutz der Kirche anempfehlen und ihn ermahnen wollet, der Bosheit zu steuern, und sich der Kirche Gottes, der Braut Jesu Christi, deren Schirmvogt und Vertheidiger er durch den Willen des Höchsten geworden ist, so wie auch seines, ihm von Gott verliehenen Reichs anzunehmen, damit nicht unter seiner Regierung das Schifflein Petri beschädigt, und der Glanz seines Reichs verdunkelt werde. Wir thun euch aber alle, Kraft dieser Bulle, kund und zu wissen, daß wir nach des Herrn Willen, auf den apostolischen Stuhl gesetzt sind. Nach einer langwierigen vorhergegangenen Ueberlegung der wählenden Personen bewirkte es die göttliche Gnade, daß wir durch die Wahl eurer ehrwürdigen Brüder, der Bi» schösse und Cardinäle, auf Ansuchen des römischen CleruS, mit Zustimmung des Volks, Senats, und der Capitaneen, auf eine kanonische Weise zum Pabst erkohren, auf den apostolischen Stuhl gesetzt, und am ersten Sonntag des Oktober Monats conserrirt wurden. Deshalb ersuchen wir euch nun, eure Fürsprache für uns bey dem einzulegen, von dem alle Gewalt und alle mit den Würden verbundene Vorrechte ab- hängen. Sollten aber von dem Kanzler Roland, der durch eine Verschwörung gegen die Kirche Gottes und das Reich, als ein VundesgenosseWilhelms von Siei- Z8- Sirilien, zwölf Tage nachdem ich erwählt war, sich auf den apostolischen Stuhl drang ; sollten von diesem Menschen Briefe an euch cinlaufen, so müßt ihr sie, als von einem Abtrünnigen und Ketzer nichtannehmen, und euer Ohr vor ihrem lügenhaften Inhalt verschließen. Gegeben zu Scgni 1159. den 27sten Septbr. Bulle -es Roland, oder des PabsteS Alexander. Bischofs Alexander, Knecht der Knechte Gottes entbeut seinem ehrwürdigen Bruder, dem Bischofs Gerhard, und seinen geliebten Söhnen, den Canonicis, Rechtsgelehrten, und übrigen Lehrern zu Bononien Heil und Apostolischen Seegen. §^ie ewige unwandelbare Vorsehung des Schöpfers wollte die heilige unbesteckte Kirche von ihrer Stiftung an nur durch Einen Hirten regieren lassen, dem sich alle Prälaren ohne Widerrede unterwerfen, uud als Glieder eines Haupts in bewunderungswürdiger Einigkeit anhangen sollten. Christus, der seinen Aposteln verhieß: Siehe ich bin beyeuch bis an der Welt Ende, wird auch seiner Kirche, deren Lehrer die Apostel waren, diese Verheißung erfüllen, und sie in ihrem Zustand unwandelbar erhalten, sollte auch das Schifstem Petri bisweilen zu schwanken scheinen. Cs haben neulich drei) falsche Brüder, die zwar von uns ausgegangen, und als Engel des Lichtö gekleidet, aber eigentlich Kinder des Teufels sind, den ungenäheken Rock Christi zu zerstückeln versucht. Chri- Denkwürdige. II. L. Wb stuS i Z,86 ^ . stusaber beschützt seine Kirche, deren Haupt und Süs. ter er ist, als seine einzige Braut, mit aller Vorsicht, und giebt nicht zu, daß das Schiff des trefflichen Fi. fcherö, so vielen Stößen eö auch ausgesetzt sey, von den Wellen zertrümmert werde. Nach Adrians Tode waren wir mit unfern Brüdern eyfrig bedacht, ihm ei. nen Nachfolger zu erwählen. Endlich fiel nach drey Tagen die Wahl auf mich, der ich einer solchen Wüp. de und Bürde mit Nichten gewachsen bin. AlleSrim-- men der Anwesenden waren für mich, ausgenommen drey, Octavians, IohanneSvon St. Martin, und Gm» öoS von Crema, Gott sey mein Zeuge, daß ich die lautere Wahrheit rede! Ich ward also mit Zustim. mung des C eruS und des Volks zum römischen Pabst ernannt. Octavian gerieth darüberin eine solche Wurh, daß er den Mantel, welchen uns Ddo, Prior der Diakonen, umhieng, so sehr wir uns auch aus Gefühl unserer Schwache dagegen sträubten, mit seinen eignen Händen von unserm Halse riß, und Gift und Galle sprudelnd mit sich forttrug. Einer von den Senatoren gerieth darüber in heiligen Eyfer, und riß ihm den- selben wieder aus der Hand. Neben dem Ottavian stand sein Capellan, den er hiezu schon abgerichter hatte. Auf diesen warf er einen milden trotzigen Blrck, schrie und winkte ihm zu, sich geschwind wieder in den Besitz des Mantels zu setzen, welches auch geschah. Alle Brüder hatten sich entfernt, es stand Niemand weiter bey ihm als jener Capellan und ein ClericuS, die ihm, nachdem er den Kopf entblößt und gebückt hacce, den Mantel umgaben, wobey er sich selbst Hel. ftn mußte. Aber durch eine göttliche Schickung geschah es, daß derjenige Theil des Mantels / der vorne liegen sollte, den Nucken bedeckte. Dieser Zufall hak viele, die eö sahen, zum Lachen bewegt. Er selbst be- merkte den Fehler, konnte aber in der Zerstreuung e - Z87 ! nicht die Capuze finden , sondern schlang den Saum ! um den Hals, damit der Mantel doch wenigstens auf irgend eine Art sitzen möchte. Und so geschah es, daß eben die verkehrte Lage seines Mantels einen Beweis von seiner verkehrten Denkungsart abgeben mußte. Nun wurden die verschlossenen Kirchthüren aufgethan; bewafnere Männer, die, wie es die Sache selbst zeig» z te, erkauft waren, drangen mit gezückten Schwereren > hinein, und nahmen jenen heillosen Menschen in Schutz, der keinen Cardinal auf seiner Seite harre. Die Brüder, welche ein so entsetzliches und unerhörtes Vergehen ungeahndet gelassen, und befürchten mußten, von den Mierhsvldaten ermordet zu werden, zogen sich mit uns in den befestigten Theil der Kirche zu- - rück, wo man uns durch Vorschub einiger ebenfalls bestochenen Senatoren neun Tage lang eingeschlossen hielt. Endlich bewirkte der Unwille i des Volks, daß die Senatoren uns herausließen, aber uns sogleich in einem noch fester« und sichern Ort in Verwahrung brachten. Hier mußten wir wieder drey Tage aushalren, nach deren Verfiuß uns die Senatoren die Edeln und das Volk, da§ eine so schändliche Behandlung nicht länger geduldig ansehen konnte, einen ehrenvollen Durchzug durch die Stadt, i unter Geläute der Glocken, gestattete. Den folgenden ! Sonntag hatten sich unsere ehrwürdigen Brüder, die ! Bischoffe Gregor von Sabinum, Hubald von Ostia Bernhard, Walther, Julius und B., die Cardinä- j le, Aeble, Priore, Rechtsgelehrte, Advocaten, Sekretäre, der Primicer, und das Sängerchor, die Edeln und ein Theil des Volks bey Nimpha mMn der Stadt versammelt. Hier empfingen wir die CAssecracwn, und wurden, nach der Sitte der römischen Kirche, feyerlich gekrönt. S8S UebrigeNs berief Occavian, so lange er in der Stadt war, und auch nachdem er sie heimlich verlassen hatte, viele Bischöffe zusammen, um sich von ihnen ein- weyhen oder vielmehr entweihen zu lassender konnte aber zur Bestätigung seiner wahnsinnigen Frechheit riurden einzigen Bischoffvon Ferrencino aufseineSei- te bringen. So sehr er auch durch Drohungen, Gewalt, Bestechungen, und Schmeicheleycn die Bischöffe zu gewinnen suchte, so wenig konnte er doch über sie vermögen. Daher will sich auch jetzt noch Keiner finden, der an ihm das Amt der Einweihung, Entweihung wollte ich sagen, verrichtete. Allein die gedachten bey- den Männer, Johann und Guido, beharren in ihrer Verstockung, trennen die Einheit der Kirche, und verehren ihn', als daö Götzenbild, welches sie sich selbst errichtet haben. Er selbst, das Vorbild des Ami- christs, maßt sich so hohe Dinge an, daß er so gar im Tempel Gottes sitzt, und sich als ein Gott brüstet. Viele haben dieses verworfene Scheusal an dem Heiligen Ott nicht ohne bittere Thränen sehen können. Dey dem Gefühl unserer Schwäche und Unzulänglichkeit setzen wir unsre ganze Hoffnung auf die Barmherzigkeit Christi, und sind versichert , daß er seine Kirche, für die er selbst in der Hülle der Sterblichkeit erschien, ohne i den geringsten Flecken, in aller Lauterkeit und Ruhe, unter den größten Stürmen erhalten werde. Weil wir nun unfern eigenen Verdienste nicht trauen , dagegenaber von eurem Enser für das Gute und die Religion uns das Beste versprechen , so ersuchen wir euch, unsre Schwäche durch eure und der gestimmten Kirche Fürbitte zu unterstützen, mit der zugefügten Ermahnung, in der Treue gegen eure Mutter, die. hochheilige römische Kirche, eine unerschütterliche Standhaftigkeit zu zeigen. Sollte der vorhinge- riann. -- "° S8S nannte gottlose Mensch einige seiner verdammungSwür- digen Briefe an euch schicken, so müßt ihr sie, wie sie es verdienen, von euch weisen, sie als eiste, gotteslästerliche Schriften verachten und verwerfen. Schließlich melden wir euch, daß wir eben diesen Ackavian, acht Tage nach unserer Consecration, (denn auf so lange hatten wir ihm Frist gegeben, in sich zu gehen, und zur Einheit der Kirche zurückzukehren) als einen Abtrünnigen Ungehorsamen und Halsstarrigen, samtdenen, die sich-erfrechten, ihn zuconsecri- ren nach einem allgemeinen Schluß unserer Brüder, der Bischöffeund Cardinäle, in der Kirche bey angezün- deten Lichtern und der versammelten Clerisey mir dein Bannflüche belegt, und sie, nebst ihrem Anstifter dem Teufel, verdammt haben. Schreiben der Cardinäle des einen ThcilL. Den ehrwürdigen Brüdern in Christo, den Pa» Märchen, Erzbischöffen, Bischäffen, Aebcen, Herzogen, Fürsten, Probsten, Prioren, und der» übrigen Prälaten, an welche dieses Schreiben gelangt, entbieten Pmar Bischofs von Tusculum, Vorsteher der Bischöffe, Johann von S. Sylvester und Martin Guido von Crema von S. CalixtuS, Cardinalbischöffe Raimund DiacanuS von S. Maria in der breiten Straße , Sy. von S. Maria in Dominica, und der Abt von Subjaco, immerwährendes Heyl im Herrn. seitdem der Ehre Gottes und des Reichs zuwider: der Pabst Adrian mit Wilhelm von Sicikien bey Be- Bb ^ neverG. nevent einen Freundschaftsbund schloß, entstand unter den Cardinäken der hochheiligen römischen Kirche* eine große sehr gegründete Trennung. Wir nemlich, die wir der heiligen Kirche Gottes und des Reichs Ehre und Würde auf keine Weise wollten schmälern lassen, waren mit jenem Bündniß das für Kirche und Reich große Nachtheile brachte, keineswegs zufrieden. Die andern hingegen, die durch Geld und Verfprechun« gen verblendet, dem Sicilianer anhiengen, erklärten es für gültig, machten sich einen großen Anhang, und widerstanden uns auö allen Kräften. Ja sie giengen noch weiter, sie suchten den Pabst zu überreden, den Kaiser, zu einer Zeit, da dieser schon wichtige Eroberungen in Italien gemacht hatte, nebst seinem ganzen Gefolge, unter irgend einem Vorwände, in den Bann zu thun ; und von uns verlangten sie, unSmit ihnen zu dieser Absicht eydlich zu verbinden. Wir er- wiederten, daß der Sieilianer vielmehr den Bannfluch verdiene, weil er die Kirche aller geistlichen und weltlichen Rechte gewaltsamer Weise beraubt: nicht aber der Kaiser, dessen eyftigeö Bestreben es sey, die Rechte der Römischen Kirche und des Reichs wieder her- zustellen, und die Kirche auö der Sclaverey zu erlösen. Unserer Bemühung hat man es also zu verdanken, daß sie jenen Vorsatz zu ihrer Beschämung wieder aufgeben mußten. Als darauf unser ehrwürdiger Bruder Oera- vian, damahliger Cardinal jetziger Pabst, und der Cardinal Wilhelm, als päbstliche Legateü an den Kaiser ab- gegangen waren, reißte der Pabst mit den Anhängern des oben gedachten Wilhelm nach Anagui, wo diess in seiner Gegenwart eydlich bezeugten, daß die Person de§Kaisers excommunicierk, und ihm in allen Stücken encgegengehandelt werden müßte, und daß in Zukunft nach Erledigung deö apostolischen Stuhls keiner, «ls der mit ihnen einverstanden sey, denselben besteigen sollte. ' 59 r sollt«. Ueberdem forderten sie den anwesenden Bischöf- feneine eydliche Versicherung ab, daß sie keinen, der ohne ihre Zustimmung gewählt würde, cinweihen wollten. Nach Adrians Tode entstand erst ein großer Streit, ob man seinen Körper zu Anagni lassen, oder nach Rom führen solle. Das letztere geschah. Nun machten wir unter einander folgenden Vergleich, der auch schriftlich aufgesetzt ward. „ Im 'Namen des „Herrn. Amen. Die Bifchöffe, Presbytcri, Diacone, „Cardinäle der heiligen Römischen Kirche, haben „einander zugesagt, daß sie bcy der Wahl eines neuen „PabsteS nach der Gewohnheit dieser Kirche verfahren „wollen, welche darinn besteht, daß sie einige aus ihrer „Mitte dazu bestimmen, den Willen eines jeden zu vernehmen, ihn sorgfältig zu untersuchen, und getreu« „lich anzumerken. Sollte eö nun Gott gefallen, uns „über die Wahl vereinigen zu können, so istö gur; widrigenfalls soll es keinem erlaubt seyn, ohne allgemeine Bewilligung in der Sache einen Schritt weiter „zn wagen : und so wollen wir es denn sonder Trug „und Arglist gehalten wissen." Nachdem wir nun diesen Vergleich getroffen und den entseelten Körper Adrians zur Erde bestattet hatten, schritten wir zur neuen Pabstwahl, und ernannten die Personen, welche unsre Stimmen einsammlen sollten. Aber die Gegenparthey hemmte den Gang der Geschäfte, bis es endlich am Schluß des dritten Tages so wcir kam, daß vierzehn Cardinäle, die sich zusammen verschworen hatten, auf den Kanzler Roland stimmten; wir übrigen, neun an der Zahl, erwählten unfern ehrwürdigen Bruder, den Cardinal Octavian, einen ehrbaren gotteöfürchcigen Mann, in dem festen Vertrauen, Bb 4 daß daß er würdig und geschickt sey, auf dem apostolischen Stuhl zu sitzen, und die Eintracht zwischen der Kirche und dem Reich zu erneuern und zu erhalten. Bey so bewandten Umständen, da die Gegenpartei) Anstalten machte, den getroffenen Vergleich gänzlich zu übertreten, verboten wir ihr, in des allmächtigen Gottes , aller Heiligen, und unserm Namen, ohne unfern Willen den Roland mit dem päbstlichen Mantel zu bekleiden. Weil sie aber unfern Vorstellungen kein Gehör gaben, so suchten wirihnenzuvorzukommen und daher kam es, daß wir auf Bitten des Volks, durch die Wahl des gesammten CleruS, mit Zustimmung fast des ganzen Senats, und aller Eapikanen Baronen, Edeln, so wohl derer, die innerhalb als die ausserhalb der Stadt lebten, dem von uns erwählten Cardinal den Mantel anzogen, ihn auf den Sitz des H. Petrus setzten, und von da unter einer feyerlichen Begleitung in das Schloß einführten. Die Cardinäle von der Gegenpartey begaben sich in die Burg des H. Petrus, wo sie über acht Tage eingejperrt blieben. Die Senatoren ließen sie endlich abziehen, worauf sie den zwölften Tag nachher, welches nie erhört ist, in der Burg Cisterna genennt, zwischen Aritia und Terracina, dem Canzler Roland den Mantel umthaten, und ihn den folgenden Sonntag einweihten entweihten, wollen wir sagen. Von Stund an schickten sie Gesandte an alle italienische Beschösse ab, die sie mit derExcom« munication und lebenslänglicher Entsetzung von ihren Aemtern bedrohten, wenn sie sich zur Consecration des von uns erwählten Pabsteö einfinden würden, der demohngeachtet am ersten Sonntag des Oktobers, aus göttlicher Vollmacht, mir allen. Ehren consecrirt worden ist. Dieß Dieß ist der wahre Verlauf der Sache, bey de- j ren Erzählung wir nicht im geringsten gegen die Wahr« i heit verstoßen haben, welches uns Gott selbst, der Ün- ! trügliche, bezeugen wird. Und käme ein Engel vom Himmel, so würde er Lügen reden, wenn er die Sache . anders vortrüge. Um uns so kurz als möglich zu fassen, übergiengen wir noch vieles. Wir beschwören, ! ermahnen, bitten euch im Herrn, das Gesagte wohl , zu beherzigen, damit ihr weder durch Gespräche noch i durch Briefe euch irre führen lasset, sondern so wie wir standhaft und unerschüttert in der Wahrheit beharret. Schreiben der Cardinäle des andern Theils. Friedrich, von Gottes Gnaden, dem glorreichen, erlauchten, vortreflichen, und erhabenen römischen Kaiser, wünschen die Bischöfe Gregor von Sa- ! binum, Hubald von Ostia, Julius von Präneste, Bernhard von Porto, Walther von Alba: und dis ^ Cardinäle Hubert, Johann u. s. w. (i6 an der Zahl) Hey! und Sieg über die Feinde. > Ae größer die euch von Gott verliehene Macht ist, und ! je größer die Stufe, auf der ihr unter den Sterb- ' liehen steht, um so viel mehr müßt ihr die hochheilige römische Kirche, eure besondre und einzige Mutter ehren, und ihr vorzüglich zur Zeit der Noch kräftig unter die Arme greifen. Wir können euch nicht vorent- ! halten, was unlängst in eben dieser Kirche vorgefallen ist, und welch eine unerhörte That diejenigen, die sie als ihre Söhne ansah, verübt haben u. s. w. Auch müssen wir es Ew.Gnaden kund thun, daß der Pfalzqraf Otto so wohl uns insgesamt, als den von uns erwählten Pabst sehr übel behandelt, dis Kirche Gottes zu trennen, und ohne einen vernünftigen Grund z zu sichren versucht hat. Er kam nach Campanien, und in das Erbtheil des H. Petrus, mit dem Vorsatz, > Bb z dem t dem untergeschobenen, unrechtmäßiger Weise aufgedrungenen Octavian, auf eine gewaltsame Art zum Besitz des Landes zu verhelfen. Deswegen bitten wir und die ganze Kirche Gottes eure Majestät inständigst, zu eurer Seelen Heyl und des Reiches Ehre, euch dieser Sache eifrigst anzu- nehmen. Erwäget wohl, wie ihr euch gegen die hochheilige römische Kirche, und gegen ihren einzigen Bräutigam unfern Herrn, Jesum Christum, ohne welchen man weder das irrdische noch das himmlische Reich erlangen kann, verhalten, und wie ihr sie vorzüglich gegen dis Angriffe der Schismatiker und Ketzer, vermöge eurer kaiserlichen Würde aus alle Weise vertheidigen und beschützen müßt. Was uns anbetrift, so bestreben wir uns, euch als den vorzüglichen Beschützer und Patron der römischen Kirche, so gut wir können, zu ehren, und euren Ruhm zu erhöhen. Dagegen bitten und flehen wir inständigst, daß ihr eure Mutter, die heilige römische Kirche, lieben, schützen, für ihren Frieden alles, was eurer kaiserlichen Majestät möglich ist, versuchen, und den unrechtmäßigen Pabst zur Ruhe verweisen wollet." Diese Spaltung in der Kirche, wo zwey Päbsie zu gleicher Zeit auf dem Stuhl saßen, und gegen einander den Bannsirahl schleuderten, lag dem Kaiser zu sehr am Herzen, als daß er nicht alle Anstalten, um ihr ein Ende zu machen, hätte treffen sollen. Da nun dieß ohne den Ausspruch der Kirche nicht geschehen konnte, so beschloß er ein Coucilium zu berufen, bey welcher Gelegenheit er auch das alte Recht der Kaiser, ein Concilium berufen zu können, wieder in Ausübung brachte. Die schriftlichen Stationen. welche er durch die Bischöfe Daniel von Prag, und Herr- maun von Verden Än die beyden Päbste schickte, lauten so; Schrei- Schreiben des Kaisers an Roland und die übrigen Cardinale. gebührt uns, den Gesehen desjenigen nachzuleben, der uns zum Beherrscher des Reichs erhoben hat. Als Veschüher aller in unserm Reiche befindlichen Kirchen ist es vornehmlich unsre Pflicht, für die Römisch zu sorgen, die unserm Schuh von der göttlichen Vorsehung besonders anvertraut worden ist. Wir empfinden daher den lebhaftesten Schmerz über die in ihr entstandene Trennung, und befürchten zerstvhrende Erschütterungen, die um so viel starker seyn müssen, da sie mit sich selbst nicht einig ist. Um nun dem Uebel auf eine schickliche, Gott gefällige Weise vorzubeugen, haben wir eine allgemeine Kirchenversammlung ausgeschrieben, die acht Tage nach Epiphanias zu Pavia eröjf- net werden soll. Wir haben zu derselben nicht allein die Geistlichkeit unserS Reichs, sondern auch anderer Länder, aus Engelland, Frankreich, Ungarn, Dännn- mark eingeladen, und wollen die Beylegung eines jo wichtigen Streits ganz allein ihrem Urtheile überlassen» Zu dem Ende befehlen wir euch, im Namen des allmächtigen Gottes, und der catholischen Kirche, vc»r dem Concilium zu erscheinen, und euch dem Ausspruch desselben zu unterwerfen. Gott sey unser Zeuge, dass wjr hiebey weder aus Neigung noch aus Haß gegeir irgend einen verfahren, sondern uns bloß die Ehre Gottes, und die Einheit der Kirche zum Zweck sehen» Die Bischöfe, Hernnann von Verden, und Daniel von Prag, unser Blursfreund der Pfalzgraf, und noch andere, die von uns abgesandt sind, werden euch, wenn ihr kommen wollt, sicheres Geleite verschaffen» Wollt ihr aber den Richterspruch Gottes und der Kirche in einer so feyerlichen Versammlung nicht anerkennen;, so möge Gott richten, dessen Rechtsspruch ich als römischer Kaiser durchsetzen werde. Einladungsschreiben des Kaisers an die ausser- italienischen Bischöfe. Friedrich von Gottes Gnaden römischer Kaiser ent- bietet dem Bischof Herrmann von Brixen Heyl und alles Gute. §)ie beyden Schwerter, mit dem sich Christus in den Tagen seines Leidens begnügte, scheinen auf die römi- sche Kirche und das Reich zu deuten - als durch welche die Welt in göttlichen und menschlichen Dingen regiert wird. Es ist nur ein Gott, es darf nur ein Pabst, ein Kaiser, eine Kirche seyn — aber leider haben wir jetzt zwey Pabste. u. s. w. Ihr werdet euch also zur bestimmten Zeit an dem zur Kirchenversammlung angeseHten Ort einfinden, und euch bey der ganzen Geschichte als einen unparteyisthen Mann beweisen. - * Gegeben zu Crema den Lzsten Oktober H Z9. Ich komme seht wieder aus die Belagerung von Crema zurück, deren Einwohner noch immer Muth genug behielten, neue Erfindungen zu ihrer Vertheidi« gung zu ersinnen. Sie stellten nemlich bey dem Walle gewisse den Mausefallen ähnliche Maschinen auf, in welchen mancher Soldat, der sie nicht kannte, hangen blieb, und dann leichr gefangen oder todt geschlagen werden konnte. Zu eben dem Endzweck gruben sie auch viele Löcher in den Boden, und bedeckten sie mit zerbrechlichem Zeuge. Kurz sie reihten den Zorn des Kaisers so sehr, daß er endlich den Entschluß faßte, die Vestung zu bestürmen. Sein ganzes Heer forderte ihn hiezu auf, weil die Soldaten des langen Zauderns,' und der vielen Strapahen überdrüßig, die Blockade einer Stadt, die noch reichlich mit Lebensmitteln versehen war, weder fortsetzen konnten, noch wollten. Sechs A> !« dr. ! « > s I I f ! v P f . !- ß s l«i, <» ! s»> ^ ." SdA Sechs Monate hatten sie bereits davor gelegen^»vobey sie sehr viel von Schnee und Kalte leiden mußten, dis damahls außerordentlich stark war. Es wurden also Belagerungsmaschinen, und hohe Thürme gegen die Mauren geführt. Die letzter» wa- ren mit Eisen und andern Materien wohl verwahrt, um theils fester stehen zu können, theils gegen das Feuer gesichert zu seyn. In denselben befanden sich die tapfersten Soldaten, welche mit ihrem Geschoß um ss viel mehr Schaden thaten, da sie von oben sehr gue hinab sehen, aus den Straßen aber, und von den Vestungöwerken nicht erblickt werden konnten. Dis Feinde schossen zwar brennende mit Widerhaken versehene Bolzen auf die Thürme ab, allein sie konnten damit wenig auSrichten; das Feuer wurde sogleich gelöscht, und wenn ja ein Stück von der Bekleidung in Brand geriejh, so hieb man es mit Aextcn aus. Bey diesem Kampf und Gegenkampf vergiengen wieder viele Tage, wahrend welcher Zeit die Cremenser viele Menschen einbüßten, ohne den Unsrigen irgend einen beträchtlichen Schaden zufügen zu können. Endlich gab der Kaiser, da er sah, daß die Cremenser durchaus keine Gnade suchen wollten, Befehl zu einem allgemeinen Sturm. Die tapfersten Männer aus dem ganzen Heere mußten die Thürme besetzen. Oben auf der Spitze eines jeden standen Bogenschützen und Lanzenschleuderer zur Bedeckung derer, welche bestimmt waren, die weiter unken befindliche Fallbrücke auf die Mauer fallen zu lassen. Die Thürme waren über hundert Fuß hoch, und konnten inwendig sehr viele Menschen fassen» Das übrige Heer war rings um die Mauer vertheilk, und hakte Befehl, sie entweder zu ersteigen, oder zu durchbrechen, sobald die Fallbrücken herabgelassen wären. Die Belagerten strengten ihrer seits alle Kräfte an, um sich diesen Zurüstungen mit Nachdruck zu wider- berschen. Sie erwarteten den Angriff in den so ge. nannten Gatten, und fochten mit der größten Erbitterung. Aber auch die Kaiserlichen ließen eö nicht an Proben der Tapferkeit mangeln. Ein Ritter, Bertold von Arrach, war einer von den ersten, die mit Hülfe der Fallbrücke auf die Mauer kamen; von hier sprang er in die Stadt hinab, und focht mit einem solchen Muthe, daß er, ein einziger Mann, seine Feinde in die Flucht crieb, und sie eine weite Strecke in die Stadt hinein verfolgte, bis er durch einen Streich von hinten zu Boden gestreckt ward; denn von vorne getraute sich keiner schm beyzukommen. Ein Cremen- ser soll ihm, als er todt war, die Haut vom Schädel gerissen, und sie auf seinen Helm gesteckt haben. Einem andern kaiserlichen Soldaten hackten sie Hände und Füße ab, und ließen ihn so zerstümmelt durch dis Straßen kriechen. Unter denen, welche die Mauer zu ersteigen strebten, und die alle verdient hatten, namentlich angeführt zu werden, zeichnete sich Otto Pfalzgraf von Bayern besonders aus. Endlich wandte das Glück den Rebellen der Rücken: denn die Kaiserlichen, welche oben von den Thürmen herabschossen, richteten eine solche Verwüstung unter ihnen an, daß sie von der ersten Mauer, in die Werke hinter der zweyten zurückwichen. Und nun erst fiengen sie an, ihre traurige Lage einzusehen. Strapahen, Furcht, und tausend andre Mühseligkeit hatten ihre Kräfte wie ihren Muth geschwächt. Der Kaiser, der ihren unvermeidlichen Untergang vor" Augen sah, verschob die Kirchenversammlung noch auf einige Zeit, um sich ganz allein mit Crema bejchäffti- gen zu können. Die junge Mannschaft in der Stadt war sebon sehr verdünnt, täglich wurden immer mehrere erschossen, den Unsrigen hingegen konnte kein Leid widerfahren. In dieser Noch hielten sie um eine Un- Z99 terredung mit dem Patriarchen Peregrin von Aquileia und dem Herzog Heinrich von Bayern und Sachsexuarr, welche ihnen auch unter dem Beding verwilligt ward, daß sie von ihrer Seite die angesehensten und verstau- digsien Männer zum Eongreß schickten. Der Patriarch, ein gelehrter und in mehrerer Rücksicht schätzbarer Mann, eröffnete die Sitzung mit folgender Anrede: „Wüßte ich nicht die Absicht, in der ihr hieher gekommen, wäre ich nicht überzeugt, daß ihr der edlere bester denkende Theii eurer Mitbürger seyd, so würde ich mich nie mit euch in Unterhandlungen eingelassen haben. Denn was vermögen gute Vorstellungen bei) einem Haufen, der nur aus niedern Absichten zu handeln sich verschworen hat. Einige sind noch in den Jahren, wo ihnen die Unbekanntschaft mit den Beschwerden des Krieges Lust zum Streite macht; andre regt unüberlegte Hoffnung der Freyheit, oder Habsucht auf. Es ist Pflicht den wenigen Guten, sie gleich zu Anfänge aus diesem Taumel wilder Leidenschaften zu reißen, oder doch, wenn die That schon geschehen ist, sie hinterher so viel als möglich zu verbefsern. Bedenkt, daß eure Stadt wo nicht schon verkehren, doch der Zerstöhrung nahe ist. Erbarmt euch wenigstens eurer Weiber und eurer noch lebenden Kinder. Verschont die noch übrig gebliebenen Menschen, da ihr eurer väterlichen Mauern nicht habt schonen wollen. Ihr habet die Deutschen als wilde, starke, große Leute kennen lernen, ihr Geist aber ist noch größer als ihr Körper, und verachtet den Tod. Ich will euch kürzlich meine Meynung sagen: unterwerft euch dem siegreichen Kaiser, legt die Waffen nieder, und übergebt euch ihm, wenn ihr euer eigenes Bestes liebt. Wollt ihr euch hiezu nicht bequemen, so erwartet errch noch größer Elend, als ihr bisher erduldet." „Wir haben, antworteten sie mit einem ver« bißenen Gram im Herzen, nicht gegen den Kaiser, son-- sondern gegen unsre Landesleute, die Cremoneser, die Waffen ergriffen. Es warschon lange unser Vorsatz, ausser Gott und dem Kaiser, keinem andern zu gehorchen. Unser Entschluß lieber den Tod als eine unverschuldete Knechtschaft zu dulden, liegt in vielen Beyspielen klar am Tage. Wir schloßen deshalb ein Bündniß mit dem Mayländern, welches wir auch, so es Gott gefallen, treulich gehalten haben. Itzt leiden wir den Zorn des Himmels für unsre Sünden, und fühlen die Uebermacht des Kaisers. Unsre Zeughäuser sind nicht leer', unsre Magazine noch angefüllt. Gott ist es also, der uns sichtbarlich die Hoffnung der Rettung entreißt. Wenn wir nun gestraft werden sollen, so bitten wir, daß der Kaiser allein die Strafe über uns verhänge, nicht aber unsre abgesagtesten Feinde und Landsleute, die Cremoneser." Dieser Friedensantrag wurde dem Reichsgericht eröfnet und angenommen: die Friedensbedingungen entworfen, und von den Ständen bestätigt. Die Bedingungen waren folgende: die Cremenser sollten die Stadt übergeben: mit Weib und Kind hinziehen, wohin sie wollten: von ihrer Habe so viel mitnehmen, als sie auf den Schultern tragen könnten: die May- länder und Brescianer, welche als Besatzung in Crema gestanden, sollten Waffen und alles Ihrige zurücklassen, und nur mit dem Leben davon gehen. Dieser Vertrag kam den s^ten Januar zu Stands. Zwanzigtausend Menschen zogen aus der Stadt, die darauf der Plünderung und den Flammen Preis gegeben wurde. Nach der Zerstöhrung von Crema zog Friedrich mit seinem siegreichen Heere in Pavia ein. Vor der , Stadt erwartete ihn eine unzählige Menge Menschen, Greise und Jünglinge, Weiber und Kinder, die ihn alle mit dem Zuruf empfiengsn r da kommt, schrieen sie, der capfern Sieger, der Geber des Glückes, der allem würdig ist. Römischer Kaiser zu ftyn! Ganz Pa- via war wie ein Tempel mit verschiedenen Zierrathen ausgeschmückt, und duftete von wohlriechenden Spe- zereyen. Kaum konnte er durch den ungeheuren Haufen bis in die Kirche gelangen, in der er, ehe er das das Schloß betrat, dem allmächtigen Gott seine Gelübde entrichtete. Das Concilium wurde nun auf den Tag der Reinigung Maria angeseht. Das kayserliche Circular - Schreiben über die Eroberung oder vielmehr Zerstöhrung von Crema, lautete also: Friedrich von Gottes Gnaden römischer Kaiser, steter Vermehrer des Reichs. Ihr wißt, wie wir glauben, daß ein so großes Geschenk der göttlichen Gnade, welches uns, zum Preis und Ruhm des Namens Christi ertheilt worden, auch nicht verhehlt werden kann Wir khun es euch also hiemit kund, damit ihr als unsre Geliebtesten und Getreuen an der Ehr und Freude Theil nehmen möget. Denn Tag nach Pauli Bekehrung hat uns Gott den vollkommensten Steg über Crema gewahrt, der so ehrenvoll für uns ausfiel, daß der unterjochte Theil nur unsrer Huld und Gnade sein Leben zu verdanken hat, welches wir ihm deswegen ließen, weil nach göttlichen und menschlichen Gesehen, die Pflicht eines Fürsten es also sodsrt.,, Nachdem sich endlich das Concilium versammelt hatte, ermahnte der Kaiser alle Anwesende die Sache der katholischen Kirche durch Fasten und Beten Gott angelegentlich zu empfehlen und er selbst flehte m Vereinigung mir dem Volke die Fürsprache aller Heingen an. In der Versammlung selbst redete er die Bi- schösse folgender maßen an: „Ob ich gleich weiß daß uns, als römischem Kaiser, das Recht, Kirchenversammlungen zu berufen, besonders unter so bedenklichen Umständen, als die ge- Denkwürdige. II. B. Ce M- genwartigen sind, zukommt, (denn Constantin, Theo- dos, Iustiniüu, und unter.den Neuern, Carl der Große und Otto haben es ausgeübt) so überlasse ich es euch doch gänzlich, in einer so wichtigen Sache zu ent- scheiden. Denn Gott hat euch zu Bischöffen eingesetzt, und euch die Macht ertheilt, über uns zu urtheilen. Weil wir nun nicht berechtigt sind, in geistlichen Dingen über euch zu urtheilen, so müßt ihr euch jetzt als Männer beweisen, deren Urtheil wir als den Ausspruch der Gottheit ansehen können." Mit diese!, Worten entfernte er sich aus der Versammlung , in der sich ohngefähr fünfzig Erzbischöffe und Bischöffe, und eine fast unzählige Menge Aebte und Pröbste befand. Ausserdem waren noch verschiedene Gesandte auswärtiger Machte da, welche sich der Entscheidung des Conciliums zu unterwerfen versprachen. Nach mehreren Sitzungen, welche sieben Tage lang dauerten erklärte endlich die Versammlung den Occavian, der auf geschehene Einladung sich gestellt, und seine Vertheidiger gefunden hatte, für den rechtmässigen Pabst; Roland aber, der sich halsstarriger Weise geweigert hatte, vor ihr zu erscheinen, wurde verworfen. Wir müssen in dieser Geschichte den Leser nochmahls ersuchen, lediglich auf die Briefe zu bauen, welche wir als Urkunden aufstellen. Schreiben der Domherren des H. Petrus zu Rom, auf Seiten Victors. Ihrem unüberwindlichsten und glorreichsten Herrn, Friedrich, Römischem Kaiser, und den ehrwürdigen in Christi Namen versammelten Vätern, wünschen die zu Rom befindlichen Brüder, die Domherren der Kirche des H. Petrus, den gegenwärtigen Rath des Erzengels und die tröstende Gnade des Heiligen Geistes. goz Heiligste Väter! die Gott zum Trost der Trauren- dsn, zur Besserung der Fehlenden, wie der Apostel spricht, ausersehen hat, züchtigt die Fricdensstöhrer, tröstet die Kleinmüthigen, merkt auf unsre Bitten, und gewährt uns in unserem Schmerze lindernden Trost. Der Kummer, welcher uns drückt, ist so unsäglich groß, daß wir nicht Worte sinden, ihn aus- zudrückcn: doch wollen wir es versuchen. Merkt also, und sehet, wenn euer Schmerz so groß ist, als der einstige, schaut wie eure Mutter, die ehemals glänzende römische Kirche, von ihren Söhnen — nein von Fremden, die sich fälschlich für ihre Söhne ausgeben, die sie ernährt und erhöht hat, und dafür mit dem schändlichsten Undank belohnt wird — schändlich gemishandelt, zum Theil zerstammelt, in den Kokh getreten wird, und ihre Schmach und Schande nicht eiumahl empfindet; so daß wir billig mit Jeremias seufzen können: die Könige der Erde und alle Bewohner des Landes glaubten es nicht, daß der Feind durch die Thors von Jerusalem dringen werde. Ja wohl war unsre Mutter die römische Kirche ein Jerusalem: sie gab allen, die sich bey ihr darum bewarben , den Frieden. Jetzt aber ächzen wir im Schmerz wie das alte Jerusalem: ach! die Stadt hat gesündigt, deswegen ist sie wankend gemacht! Wegen der Vergehungen ihrer Propheten, wegen der Verbrechen ihrer Priester, sind sie als Blinde auf den Straßen umhergeirrt; des Herrn Angesicht hat sie getrennt. Wahr! denn das Antlitz des Herrn scheint auf die, so Böses thun, ihr Gedächtnis von der Erde zu vertilgen. Dieser Umstand ist für uns äußerst beschämend. Unser Jerusalem hat sich ißt eine Missethat zu Schulden kommen lassen, die aus Neid, Haß, und vielen an dern Lastern entsprungen ist: welches wir an der Pabst- wähl beweisen wollen. Cc 2 Nach 4°4 Nachdem Adrian, den neu September, den Weg alles Fleisches gegangen war, wurde sein Leichnam unter einem zahlreichen Gefolge nach Rom gebracht. Die Uneinigkeit unter den Cardinälen wuchs immer mehr und mehr, doch wurden sie noch in so weit einig, daß sie nach Rom gehen, und zu einer einstimmigen Wahl schreiten wollten; sollten sie sich aber hierüber nicht vereinigen können, so trafen sie den Ver- gleich, auf einen dritten zu compromittiren, oder, wenn auch dieß nicht halse, die Wahl so lange auszusehen, bis sich ein Mann fände, den sie einmüthig zumPabst ernennen könnten. Diese Puncte wurden allgemein angenommen; worauf sie nach Rom zurückkehrten. Der Herr Octavian und einige andre beschafftigten sich mit dem Leichenbegängniß des Verstorbenen: andre aber schickten den Unheilstifter, Boso, den Erstge- bohrnen Satans voraus, um sich der Burg des H. Petrus zu bemächtigen, deren Besatzung ihm schon bey Adrians Lebzeiten den Eyd der Treue geleistet hatte, und nachher mit ihm die Burg bestieg. Her Octavian, und Herr Roland giengen in einiger Begleitung zu uns. Unterweges rief man ihnen von der Burg zu, hinaufzukommen, sie antworteten aber, die Furcht vor Boso und seinen Mitverschwornen erlaübe es ihnen nicht, an einen Ort hinzugehen, wo man sie leicht als Gefangene behandeln könnte. Wohlan, rief der Herr Canzler, ich will es wagen: er gieng und mit ihm der Diaconus äs Lärcere: allein sie kamen nichts wieder, und so konnte man drey Tage lang über den Ort, wo die Zusammenkunft gehalten werden sollte, nichts ausmachen. Endlich kamen sie am Sonnabend aus der Burg herab, versammleten sich in dem Chor hinter dem Altar des H. Petrus, und giengen an das Wahlgeschaffte. Da sie nun hiemit nicht zu Stande kommen konnten, so that die Partey, welche Frieden und Eintracht in der der Kirche wünschte, den Vorschlag, die Wahl ihr zu überlassen, auf welchem Fall sie einen von der andern Partei- erwählen wolle: oder dieser die Wahl unter dem Beding zu übertragen, daß sie einen der Ihrigen zum Pabst ernennte. Allein der Vorschlag wurde verworfen. Da wollte nun der Diaconus Otto, Cardinal Adebaldus Crassus, Johann von Neapel dem Herrn Canzler Roland den päbstiichen Mantel mit Gewalt umthun, die Cardinäle der bessern Partey aber verhinderten es im Namen des allmächtigen Gottes, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, und der gesamm- ten Kirche. Dennoch wollten jene, wiewohl vergeblich, ihren Vorsatz noch einmahl ausführen, und es lag nicht an ihnen, daß sie ihn nicht durchsetzten. Der römische Clerus, welcher sich in der Peterskirche versammelt hatte, hörte den Lerm, lief herbey, umringte den Herrn Otto, und schrie einhellig: „Wählt den Herrn Octa- vian, durch den allein die Kirche Frieden haben kann!" Darauf wurde auf Bitten des römischen Volks, durch die Wahl des gestimmten CleruS, mit Zustimmung und auf Verlangen des ganzen Capitels der Peterskirche, der Herr Octavian, von dem besser gesinnten Theile der Cardinäle erwählt, mit dem Mantel bekleidet, !und auf den Stuhl des H. Petrus gesetzt, ohne den geringsten Widerspruch, und unter freudiger Anstimmung des Liedes: De Deum lauäamus! Nach dieser Ceremonie nahten sich ihm die Herren Cardinäle, und der ganze Clerus, der theils schon gegenwärtig war, theils noch herbeyströmte, so wie auch der größte Theil des römischen Volks, um seine Füße der Gewohnheit nach zu küssen. Der Herr Canzler Roland, und sein Anhang, der, wie man spricht, sich ihm eydlich verpflichtet hatte, sahen dieß ruhig, ohne den mindesten Einspruch zu thun an, ließen den Kopf sinken, und giengen auf die Burg. Die Herrn Cardinäle, der Clerus, die Rechtsgelehrten- Secretäre, Ce z Sk- Senatoren, das römische Volk, gkengen mit den pabst- lichen Insignien voraus, begleiteten ihn mit Frohlocken bis zum Palast, und riefen: ?aga Viüni-e 8. kierro l'ol^ge! Den folgenden Tag begaben sich einige vom römischen Clemö auf die Burg, küßten die Hand des Herrn CanzlerS , und baten ihn , nebst seinem Anhang, den Frieden in der Kirche zu bedenken. Ein Diaco- nuS aber antwortete ihnen unwillig: Gestern habt ihr die Füße des Herrn Ocravic.nL geküßt, der seinem Bruder, dem Herrn Canzier, dem Mantel abgezogen und sich angelegt hat: jetzt kommt ihr zu uns? Herr Cardinal, antwoi tete der Herr Canzler, sprecht doch nicht die Unwahrheit. Der Herr Octavian hat mir nie den Mantel abgezogen, weil ich ihn nie angelegt habe. So blieb denn der Herr Canzler mit den Seimgen die ganze Woche in der Kirche des H. Petrus. Den neunten Tag giengen sie über die Tyber, und kamen nach zwey Tagen an die Cisterne Nero's, in welcher Nero auf der Flucht vor den Römern sich verborgen hielt. Ja mit Recht betraten sie die Cisterne, weil sie den Quell des lebendigen Wassers verlassen, und sich selbst Cisternen gegraben hatten: zerrissene Cister- nen, welche kein Wasser halten können. Den folgenden Tag, als den zwölften nach der Wahl des Herrn Victors, zogen sie dem Canzler die Stola und das Pallium des Jrrthums an, zum Ruin und zur Verwirrung der Kirche, und sangen allda zuerst: Ds Oe um Iauc! amus. Wer von euch, ihr heiligsten Väter hak je so was gehört? Heute ist, so viel an ihnen lag, eine Spaltung in der römischen Kirche geschehen. Jetzt müssen mir schweigen, damit der Herr Pfalzgraf Otto, Herr Guido Graf von Blandrate, Herr Probst Heribert, als Abgeordnete des Kaisers hierüber einen treuen und nähern Bericht ertheilen mögen. Wir geben ihnen noch zur Bestätigung dessen, was sie euch erzählen werden, zwey - 4O7 zwey von unfern Brüdern, den Peter Christian, Dia- con, und Peter Guido's Kämmerer, Subdiacomis zu Rom, als Zeugen mit. Ihr seyd am Tisch des Herrn, an dem dieser das Sacrament der Erlösung des Menschengeschlechts vollzog. Die Apostel haben sich zwey Schwerter zugeschricben, die auch ihr führet: und rhr wißt, was ihr mit ihnen zu thun habt. Christus hat gesprochen, es ist genug. Und wir, die wir in seine Fußstapfen treten müssen, sagen euch, unserm Herrn, indem wir dieß Werk beschließen: es ist genug. Die Weisheit des allmächtigen Vaters, der aller Wüm sche vereinigen kann, möge auch euch lehren, und zu dem Zwecke verbinden, die babylonische Verwirrung zu zerstreuen, die Simonie aus der Kirche zu verbannen und der Welt Len begehrungswrrthen Frieden wieder zu schenken. Zu diesem will ich noch den Verlauf des Concili- ums hinzufügen. . Dieß sind die Puncte, welche auf dem Concilio zu Pavia in Betreff der Pabstwahl, festgestellt sind. Herr Octavian, und kein anderer ist zu Rom in der Peterskirche, auf Bitten und Bewilligung des Volks, und auf Verengen deS Clerus von den Eardinälen fcyer-- lich mit dem Mantel bekleidet, und in Gegenwart des Canzlerö, ohne dessen Widerspruch, auf den Stuhl des H. Petrus gefetzt worden, wobey dieCardinäle und der Clerus das Ne veum anstimmten, und ihm den Namen Victor gaben. Darauf stieg der Sccretair, nach altem römischem Brauch auf eine Erhöhung, und rief mit lauter Stimme aus: Hört Bürger von Rom, und Versammlung der Republik^ Den zweyten Tag in der Woche starb unser Vater Adrian, und den nächst folgenden Sonnabend wurde der Herr Cardinal Octa- vian zum römischen Pabst erwählt, eingekleidet, ans den Stuhl Petri gesetzt, und Victor genannt. Seyd ihr dessen zufrieden? — ja, antwortete das Volk und Cc 4 der der Clerus mit lauter Stimme. Er fragte zum zwey- ten und drittennrahl, und erhielt dieselbe Antwort. Nachdem diese Zeremonie vorbey war. führte man den Pabst mit den päbstlichen Insignien in den Pallast. Sogleich versammelte sich das Capltel des H. Petrus zu den Füßen des Pabstes Victor, nm ihm sei- neu Gehorsam und schuldige Achtung zu beweisen, welchem Beyspiel auch das Volk und der Clerus folgte. Den andern Tag giengen die Vornehmsten der römischen Geistlichkeit zu dem Herrn Kanzler, und den bey ihm befindlichen Kardinälen, umzusthen, ob er, wie einige Vorgaben, das Pallium erhalten habe? allein sie fanden, daß dteß noch nicht geschehen sey, wie er selbst und seine Cardinale es bezeugten, kehrten darauf zum Victor zurück, und bezeigten ihm ihren Gehorsam und Achtung. Die Zahl aller geistlichen Personen, Kirchen, und Klöster, welche dem Pabst Victor die Obedienz geleistet haben, sind fast nicht alle herzunennen. Als Victor den päbstlichen Stuhl betreten, schickten die Canonici des H. Petrus zweymahl einige an den Canzler Roland ab, um zu erfahren, ob er schon das Pallium angelegt, oder irgend einen Schritt zu seiner Erhebung gschan habe, und jedesmahl erhielten sie Nachricht, daß noch nicht einmahl ein Anschein dazu vorhanden sey. Um sich nun völlige Gewißheit zu Verschaffen, giengen noch einmal einige Canonici dahin , um die Cardinale wahrend der Tafel zu beobachten, ob sie etwan dem Kanzler einen ehrenvollere.» Sitz, als sonst gewöhnlich einräumten, ob er der sey, der über Tisch den Segen spräche, und rb er sich durch Ort, Betragen, oder Kleidung von den übrigen auszeichne. Aber auch hier konnten sie noch keine Veränderung entdecken. Diese Nachforschungen wurden acht Tage hinter einander fortgesetzt. Das - - 4vI Das Resultat aller Aussagen von Personen, die ihn beobachtet und gesprochen haben, lauft darauf kstn- ous, daß er noch nicht das Pallium erhalten. Er selbst verwies mehrere, die sich an ihn wandten, an den Victor. Uncer andern bezeugte Johann von St. Stephano und Welferamin, daß Adrian, als er Rom verließ, gesagt habe: ,.Octavian, den ich in die Lom- bardey gesandt, will die Maylander exeommunicimn, ich aber habe ihnen befohlen, sich nicht um ihn zu bekümmern, sondern in Verbindung mit den Brescianem dem Kaiser tapfern Widerstand zu leisten. Ich habe mit ihnen schon die Verabredung getroffen, daß der Kaiser ihrenthalben seinen Zug nach Rom wird aufgeben müssen; und mit den Cardinalen, daß Qctavian nach meinem Tode nicht Pabjt werden soll. Der Schluß des Conciliums wurde Friedrich vorgelegt, der ihn ehrerbietig annahm und billigte. Die Erhebung Victors auf den pabstlichen Stuhl geschah mit vieler Feyerlichkeit, und unter einem großen Zulauf des Volks. Friedrich selbst erwies ihm die gewöhnliche Ehrfurchtsbezeigung, so wie sie Constcmtin dem Papst Sylvester vor der Kirchchüre erwies. Er hielt ihm beym Herabsteigen vom Pferde den Steigbügel, führte ihn selbst an der Hand bis an den pabstlichen Sitz, und setzte ihn darauf. Ueber den weitern Verlauf der Sache können folgende Briefe Aufschluß geben. Kaiserliches Schreiben. an Eberhard Erzbischofs von Salzburg, und dussen Suffraganeen, den Bischöffen Albert von Freysingen, Hartmann von Brixen, und Romamus von Gurk, und der ganzen Salzburgischen Diöces. Wenn ihr dem heiligen Concilium zu Pavia be>-ge- «ohnt hättet, so würdet ihr alles, was daselbst, oder Cc; in 1 In der römischen Kirche vorgefallen, mit eignen Augen haben sehen können. Damit aber die falschen Berichte, welche schon fast aller Orten davon ausgesprengt sind, nicht die Wahrheitwerdunkeln, oder euch bethären möchten, so will ich euch die ganze Geschichte kurz, aufrichtig, ohne den mindesten Zusatz der Verfälschung erzählen. Es ist sonnenklar, daß Pabst Adrian, derCanz- ler Roland, und einige Cardinäle, weil sie den Spruch: Eure Rede sey ja, ja; nein, nein, aus der Acht ließen, mit dem vorhin excommunicierken Wilhelm von Sicilisn und den übrigen Feinden des Reichs, den Mayländern, Brescianern, Plazentinern, sich verschworen hatten, nach Adrians Tode keinen zum Pabst zu wählen, der nicht zu ihrer Partey gehöre. Aus dieser Ursache verließen sie die Stadt, und erwählten zu ihrem Abgott den Canzler Roland, da doch Victor schon zwölf Tage auf dem päbstlichen Stuhl saß. Daß diese Verschwörung, und die Art, wie Roland durch sie Pabst geworden, keine Erdichtung, son- dern wirkliche Thatsache sey, ist von dem Herzenskün- digcr wunderbarer Weise einigen Geistlichen entdeckt worden. Mittlerweile wir nun mit den Erzbischöffm und Bischöffen Rath pflogen, was hier wohl zu thun wäre, kamen der Erzbischoff von Tarent, die Aebte von Clairvaux, Morimund und noch zehen andre, welche als Friedensvermittler nach Mayland giengen, und hier auf ihren Antrag folgende Antwort erhielten: „Ihr Herren Vater, wir haben mit dem Pabst und den Cardinälen einen gegenseitigen Vertrag errichtet, und beschworen, daß weder wir ohne ihren Willen, noch sie ohne den unsrigen mit dem Kaiser Friede machen dürfen. -- Da der Pabst aber gestorben ist, wandten die Aebte ein, so seyd ihr an euer Versprechen nicht mchr gebunden. — Nein! erwiederten sie, wenn cr gleich todt ist, so sind wir doch noch immer den Cardinälen, nalen, und diese uns verpflichtet." — Außerdem haben wir viele verdächtige Briefe aufgefangen. Wir schrieben auf den Rath rechtgläubiger Personen ein Concilium zu Pavia aus, wo die beyden sogenannten Päbste sich einfinden, und dem geistlichen, nicht weltlichen, Gericht sich unterwerfen sollten. Victor erschien,'weil er ein gutes Gewissen hatte; Roland hingegen wollte nicht kommen, weil der, der alle richten sollte/ wie er vorgab, keinen andern Richterspruch übet sich erkennen könne. Die Versammlung, zu der kein Laye gelassen ward, dauerte acht volle Tage. Nach langer Ueberlegung , und Anrufung der Gnade des H. Geistes, erklärte di« Kirche Gottes den Kanzler Roland für einen Friedensstörer und Schismatiker; den Herrn Victor aber bestätigte sie in der bischöfflichen Würde. Jenem konnte man eine schändliche, Gott und der Kirche gehässige, Verschwörung durch die offenbarsten Beweise zur Last legen: an diesem aber war nichts verwerfliches zu finden, es müßte dann der einzige Umstand scyn, daß die Zahl der Cardinäle, welche ihn, um den Frieden zwischen der geistlichen und weltlichen Macht zu bewerkstelligen, erwählt haben, die geringere war. Wir bestätigen nun den Victor in seiner erlangten Würde, ernennen ihn mit Gottes Willen für den künftigen Vater und Regierer der ganzen Kirche, und wünschen, daß ihr uns, zum Wohl der Kirche rmd des Staats, hierin beypflichten möget. Allgemeines Reskript/ das vor den Vorste» Hern der Synode in alle Lander erlas- fen worden. Enthält eine nochmalige Recapitulatron aller schon vorhin erwähnter Auftritte: folglich nichts Neues. Eben w auch der Brief des BischoffS von Bamberg an Eberhard, Erzbischofs von Salzburg, in welchem jener diesen fen auffordere, dem Schluß des Concilii beyzutrecen, da außer dem Erzbischofs von Trier, den eine zugesto. ßene Schwachheit an der Reise verhindert hatte, er nur der einzige deutsche Prälat sey, der seine Zustimmung noch nicht gegeben. Das folgende Schreiben des Prob« stes Heinrich von Berchtesgaden ist gleichen Inhalts. Unter andern heißt eö darinn: „Den zweyten Tag, nachdem Victor auf den päbstlichen Stuhl'gelangt war, «xeommunicirtc er seinen Gegner, und einige von des« sen Anhängern, nemlichdieBischöffevon Ostia und Por« to, weil sie sich erfrecht hatten, dem Roland die Weihe zu geben: die Cardinäle Heinrich von Pisa, Johann von Neapel, und JacinctuS: (Heinrich fiel deswegen in diese Strafe, weil auf sein Geheiß der Cardinal Raimund geplündert und ermordet worden) ferner den Probst von Piacenza, weil er den Herrn Tusculan mit bewaffneter Hand angefallen, beraubt, und sehr gemiß- handelt hatte. Den König Wilhelm von Sicilien und die Mayländer forderte er für die an den Kirchen und dem Reiche verübten Gewaltthätigkeiten zur Genug- thuung auf. Auf dem Concilium waren zugegen die Erzbischöffe von Maynz, Cöln, Magdeburg, Bremen, nebst mehreren ihrer Suffraganett, und der größte Theil der lombardischen Bischöffe. Der Herr Patriarch und einige andere stimmten dem Schluß der Kirchenversammlung bey, weil dieß die Angelegenhetten des Reichs so erforderten, jedoch mit Vorbehalt der Rechte der römischen Kirche auf künftige Fälle. Die Ursache, warum dem Erzbischofs von Salzburg über die Verhandlungen des Conciliums so viele Briefe geschrieben wurden, war, daß eine unter- wegeS ihm zugestoßene Unpäßlichkeit ihn verhindert hatte, selbst in Pavia zu erscheinen. Er war ein ehr, würdiger Greis, der als Theolog und als praktischer Christ jedermanns Achtung verdiente. Seine Freyge- bigkeit gegen Mönche, Pilger und Arme erstreckte sich ß> weit, daß nicht bloß seine Schatulle, sondern auch .. 4iZ die Finanzen seines Landes darunter kitten. Er schau« derke nicht vor dem Anblicke der Elenden zurück, ließ sich von Aussätzigen berühren, berührte sie selbst, und küßte ihnen die Hände. Es war ihm nicht genug, die Dürft tigen durch seine Leute bedienen zu lassen; er selbst unterzog sich bisweilen diesem Geschafft, und setzte ihnenEssen- Trinken und Wasser zum Waschen der Hände und Füße vor. Nachdem das Concilium geendigt, und an die Könige von Spanien, Engelland, Frankreich, Däri- nemark, Böhmen, Ungarn Gesandte abgegangen waren, schickte Friedrich auch drey Abgeordnete an den griechischen Kaiser Manuel, nemlich den Herzog Heinrich von Kärnthen, den Notanus Heinrich, und einen gewissen Neimer, Sohn des venetianischen Doge, Petrus Polanuö. Die Absicht ihrer Gesandtschaft soll ein Gesuch des constantinopolitanischen Hofes wegen der fünf Seestädte Apuliens, und geheime Bersch« schlagungen gegen Wilhelm von Sicilien betroffen haben. Die ganze Lombardey war nun zwey Jahre nach einander ein immerwährender Schauplatz des Krieges gewesen, durch den sowohl Freunde als Feinde gelitten hakten. Sie war dadurch so mitgenommen, daß Friedrich es für zuträglich fand, ihr wieder einige Ruhe zu gönnen, um neue Kräfte zu gewinnen, und im Stand zu seyn, bey einem künftigen Feldzug seine Armee besser mit Lebensmitteln zu unterstützen.. Dieser Umstand nöthigte den Kaiser, sein Heör aus einandergehen zu lassen. Er berief also die Fürsten und edelsten der Ritter zu sich, dankte ihnen für ihren Eifer und Treue, die sie in seinem Dienste bewiesen, lobte eines jeden Tapferkeit, versprach ihnen, sie nach Verdiensten zu belohnen, nannte auch jeden besonders, der sich durch eine vorzügliche Handlung ausgezeichnet hatte, und beschenkte sie mit allerhand Kostbarkeiten, worauf die mchresten nach Hause gicngen; nur wenige blieben mit dem Kaiser in Italien zurück. Da Da es mein Vorsah war, gegenwärtiges Merk nicht über vier Bücher anwachsim zu lassen, so will ich dieß kleine und lehte Buch mit einer Beschreitung der Person unsers Friedrichs schließen. Friedrich ist ein schöner Mann, nicht von den groß, ten, aber doch über die Mittelstatur erhaben. Ec trägt gelbes Haar, das auf der Stirne etwas gekräuselt ist. Die Locken bedecken nicht völlig das Ohr, denn es ist Sitte, daß sie sowohl als der Backenbart geschoren werden. Seine Augen sind scharf und durchdringend, der Bart röthlich, die Lippen fein, und der Mund niedlich abgerundet. Aus diesen Gesichtezügen spricht sein heiterer, aufgeweckter Geist. Die Zähne stehen in einer schönen Ordnung und glänzen vor Weiße. Die weiße Haut seines mehr nervigken als fetten Halses ist mit einer Röthe untermischt. Die Schultern ragen ein wenig hervor, die Hüften sind nett und stark; Lenden und Waden ansehnlich dick, und voll Mannkrast: sein Tritt fest, die Aussprache deutlich, und der ganze Körperbau männlich. Er genießt eine sehr dauerhafte Gesundheit, ausgenommen, daß er bisweilen an einem eintägigen Fieber leidet. Er liebt den Krieg, in so weit dieser ein Mittel zum Frieden ist. Dem geistlichen Stande schenkt er eine so ausgezeichnete Achtung, daß er hierin allen Jtaliänern zu einem Muster dient. Er besucht die Frühmetten entweder allein, oder in einem geringen Gefolge. In den Stunden, während welcher Gottesdienst gehalten wird, beobachtet er eine Stille, die niemand durch irgend ein Anliegen unterbrechen darf. Nach verrichteter Andacht geht er früh morgens an die Negierungögeschäffte. In der Jägerei) giebt er keinem nach, er braucht keinen Bogenspanner, keinen, der ihm die Pfeile austegte; er schießt, was man haben will. Seine Tafel hält die schöne Mitkcl- siraße zwischen Kargheit und Schwelgerey. Bey den Spielen legt erhitz Majestät ab, nie schreckt einen der . . . 4'Z Fürst zurück, wo er Privatmann seyn will; wo er als Richter handelt, sieht man ihn die Strenge nie bis zur Blutdürstigkeit, Key Vergehungen die Unter- uchung nie bis zu einer übertriebenen Genauigkeit treiben. Bey freundschaftlichen Gesprächen verbannt er alle Härte, und läßt sich gerne einen guten Rath gefallen. Er studiert die Geschichte und die Thaten der Alten mit anhaltendem Fleiße, theilt meistentheils mit eigener Hand den Armen Almosen aus, giebt den Zehnten vo» seinem Gelde an Kirchen und Klöster. In seiner Muttersprache weiß er sich sehr gut auszu- drücken, die Lateinische aber kann er bester verstehen als reden. Seine Kleidung ist vaterländisch, nicht kostbar, nicht üppig, aber auch nicht gemein. Im Lager sucht er mehr auf der Bahn des Mars als der Venus Lorbeers zuj brechen. Sh sehr er auch um die Erweiterung der Grenzen seines Reichs bemüht ist, so sehr ist er doch auch Landesvater, der an mehrern Orten verschiedenes zur Verschönerung und Bequemlichkeit! angelegt hak. Er hat die von Carl dem Großen angelegten Pallaste bey Nimwegen, und unweit Ingelheim in ihrer vorigen Pracht wiederhergestellt, da sie zwar dauerhaft gebaut, aber durch Zeit und Vernachlässigung! in Verfall gerathen waren. Eben dieß gilt auch voru dem königlichen aus rothen Steinen erbautem Haust; bey Lautern, das er von der einen Seite mit einer Mauer, von der andern mit einem Fischteich umfassen ließ, und mit allen Ergötzungen für den Geschmack u.nd das Auge versah. Dicht an stößt ein Thiergarten, in welchem Wild gehegt wird. Auch in Italien hat er durch Ausbesserung der Palläste und Kirchen Denkmäler seiner Freygebigkeit gestiftet, die ihn bey der späten Nachwelt im Andenken erhalten werden. Die Könige von Spanien, Engelland, Frankreich, Dännemark, Böhmen und Ungarn, waren zwar auf seine Macht eifersüchtig, aber ihm dennoch so sehr zugechan, daß sie tz ihn schriftlich sowohl als durch Gesandte von ihrem Gehör! am versicherten. Den griechischen Kaiser Manuel, der i ihm aus freyen Stücken ein freundschaftliches Bünd- nlß ankrug, und sich so wie seine Vorfahren einen römischen Kai iser nannte, brachte er dahin ,daß er den Titel, Kaiser von Rom, mit dem Titel, Kaiser von Neu Rom vertäu! chte. Kurz, er strebt nach keinem höhern Ruhm und Vergnügen, als die Herrschaft Roms zu ihrem ehe- ma ligen Glanze zurückzubringen. Dieß ist die Geschichte des glorreichen Fürsten bis zum gegenwärtigen n Lösten Jahre nach Christi Gi.'burt, welches das siebente seit seiner Königswahl un d das fünfte seit seiner Erlangung der Kaiserwürde »st. Ihm ist noch eine große Laufbahn übrig, die er gl»' icklich vollenden möge, um bey dem König der Könige mi t den hinübergeschlummerten frommen Fürsten die e»)ige Seligkeit zu theilen. Schlußrede. a ^iese Blumen, bester Kaiser, hat euer geliebter Oheim, k Lischest Otto , und meine Wenigkeit auf dem weiten «Heide eurer Thaten gepflückt, und aus ihnen haben »vir den Kranz dieses Werkleins geflochten. Das »ibnge, was noch in unserer Erzählung fehlt, mögen d ie ergänzen, welche eure Geschichte besser kennen, und naHer um euch leben. Sollte diese Arheit bey einigen Ur uvillen, bey andern Tadel erregen, so veruhigr uns dei c'Gedanke, daß wir sie auf hohen Befehl u->ter- na hmen, und daß sie eine Frucht unsres Geho, a-ns ist. Ueber den Werth derselben mögt ihr, vielgeii lue- st e Herren! die wir als Beurtheiler und Verbessirec a ufgesordert haben, richten; denn ihr habt zu verantworten, was ihr stehen lastet, und was daran aus- i zumärzen sey, muß euch am besten bekannt seyn. 4 »; ann seyn will; wo er ihn die Strenge nie rgehungen die Unter- enen Genauigkeit trei- esprächen verbannt er einen guten Rath ge- te und die Thaten der , theilt meistentheils mosen aus, giebt den Kirchen und Klöster, r sich sehr zur auszu- nn er besser verstehen terlandisch, nicht kost- t gemein. Im Lager Mars als der Venus r auch um dis Erwri- bemüht ist, so sehr ist n mehrern Orten ver- d Bequemlichkeit! an- ri dem Großen ange- nd unweit Ingelheim rgestellt, da sie zwar und Vernachlässigung! en dieß gilt auch vom inen erbautem Haust inen Seite mit emev m Fischteich umfassen r den Geschmack u>nd t ein Thiergarten, in uch in Italien hat er md Kirchen Denkmä- ie ihn bey der späten erben. Die Könige nkreich, Dannemark, r auf seine Macht eiehr zugethan, daß sie ' ihn «r!.-'>''' VN ER L-W« MM cDM . ?L>V^'^ ''*" ... >»^-Ä *Kd^