Druckschrift 
Erste Abtheilung, Zweyter Band (1790)
Entstehung
Seite
291
Einzelbild herunterladen
 

Dir Griechen erschrocken über diese Drohungen,und wandten alles an, um sich so gut als möglich zuentschuldigen.Wir kennen, sprachen sie, das Ge«setz, das gegen Staatsverbrecher abgefaßt ist. Aberunser Gewissen zeiht ur>§ keiner Schuld. Im Gegen«theil hat unsre Nation! der eurigen schon sehr vieleDienste geleistet. Wir fordern als Zeugen unsrerredlichen Gesinnungen ganz Deutschland und selbstden Kaiser auf, der aus eigner Erfahrung hierübersprechen kann. Billigkeit gegen die Lebenden, Mitleidmit den Todten, Achtung vor dem Kaiser, und Frey«gebigkeit gegen die Großen; dieß sind die Züge, andenen die Eurigen uns erkannt haben, und die durchihre Wahrheit alle erdichteten Beschuldigungen über«wiegen."

Sie fügten noch mehrere Gründe hinzu, undbaten so kläglich, daß sie den Verdacht böser Absich,ren von sich wälzten, und Erlaubniß erhielten, in ihrVaterland zurückzukehren, nachdem sie den kaiserlichenGesandten reiche Geschenke gemacht, die nun auch nachModena zurückgiengen.

Hier erlebten sie eine bisher ungewöhnliche Er«scheinung. Die päbstlichen Legaten, Heinrich und Ja«eint, weiche sich keine Hoffnung machten, daß die Ge-sandten des Kaisers ihnen entgegen kommen würden,gaben sich den Schein der Demuth und machten vonFerrara aus einen unvermutheten Besuch, und er-klärten ihnen in aller Unterwürsigke t, daß ihre Aufträ-ge nur zum Frieden und zur Ehre des Reichs abzweckcen,worauf sie ihren Weg weiter verfolgten.

In dem Gebürge war die Nachricht von ihrerAnkunft erschollen. Jedermann wußte, daß die kaiserli-che Majestät den Römern verhaßt fty; und viele nah-

T 2 men