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Erste Abtheilung, Zweyter Band (1790)
Entstehung
Seite
223
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beschloß Friedrich vier Teige lang, vom grünen Don»nerstag bis zum zweyten Ostertag die Feindseligkeiteneinzustellen: am Charfreytage eröffneten sich die Thorsder Stadt. Alle Cleriker und Mönche zogen in Pro-cession mit Kreuzen, Rauchfässern u. s. w. heraus,dem feindlichen Lager entgegen. Friedrich, der sievon ferne erblickte, schickte Bischöffe und gelehrte Män-ner an sie ab, die sie um die Ursache ihres Aufzugsbefragen sollten.

Wir sind, antworteten sie, ein unglückliches Häuf-lein aus Tortona, das sich zu des Kaisers Füßenwerfen, und das Elend klagen will, welches wir nichtdurch unsre, sondern durch die Schuld ruchloser Bür-ger erleiden. Da wir nun jetzt nicht vor das AntlitzunserS Herrn und Füxsten hintreten können, so wollen wirderweilen uns zu den Füßen Eurer Gnaden hinwerfen,und instandigstt bitten, daß ihr nur die Menschen mensch-licher behandeln, und unser Elend so zu Herzen netz-men wollet, als wenn es euch beträfe. Wir legen we-der für die Stadt, noch für ihre rebellischen Unter-thanen eine Fürbitte ein. Hätte sie doch nie unser Augegesehen, nie das Schicksal mit uns verknüpft, das unssür die Zukunft nichts als Verderben bereitete! Solldenn der Unschuldige mit dem Schuldigen, der, welchernichts verbrochen, mit dem Verbrecher zu gleicher Stra-ft von einem billigen Richter verurtheilt werden ? Wirsind eingesperrt, allen Schrecknissen einer belagertenStadt ausgeseht, müssen den brennenden Durst mitverdorbenem Wasser löschen, und ach! dieß ist dasschmerzlichsteDie Umstände verhindern uns, in dieserheiligen Passionözeit Gott zu dienen. Denn bey denAltären sausen Pfeile und Steine umher, die uns vielzu sehr zerstreuen als daß wir in einer ruhigen Ge-müchöverfassuüg bleiben könnten, weder in unserm

Schlaf«