Mit Schmerzen haben wir aus eurem an unsgerichteten Schreiben ersehen, daß unlängst, in den !letzten Tagen, wo gefahrvolle Zeiten bevorstehen, Abai-lardS verderbliche Lehren, die Jrrthümer vorhingenann-ter Ketzer, und andre verkehrte dem katholischen Glau-ben zuwiderlaufende Meynungen ihr Haupt emporzu-heben anfangen. Dieß aber ist unser mächtigsterTrost, für den wir Gott dem Allmächtigen Dank st»,gen, daß wir an euch treue Verfechter der reinen Leh-re finden, die sich dein Ausbruch neuer Ketzereyen männ-lich entgegenstellen.
Wir also, die wir, obgleich unwürdiger Weise,auf dem Stuhle des H. Petrus sitzen, zu dein einstder Herr gesagt hat: auch du, wenn du dichdermahleinö bekehrest, starke deine Brü-der, haben in einer Versammlung der Cardinäle,die von euch übersandten Lehrpuncte in Betreff der Abai-lardischen Jrrthümer nebst ihrem Urheber verdammt,und legen diesem, als einem Ketzer, ein ewiges Schwei-gen auf. Auch wollen wir, daß alle seine Anhängerund Vertheidiger von der Gemeinschaft der Gläubigenausgeschlossen, und excommunicirt werden sollen.
Gegeben im Lateran den 21 sten Juli.
Dieser aus Rom erlassene Urtheilsspruch bewogden Abailard sich in das Kloster zu Clugny zu geben, w»er eine Apologie für sich schrieb, in der er gegen das nachRom geschickte Verzeichniß seine Lehrsätze protestirte,und an demselbeu theils tadelte daß man ihm Ausdrü-cke untergeschoben, die er nie gebraucht, theils aberauch, daß man durchaus seinen Sinn verfehlt habe.Diese Schutzschrift fängt sich so an: Um nicht miteiner Vorrede, die wie Boetius sagt, ein ganz unnwHes Ding ist, die Zeit zu verderben, will ich gleich