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Erste Abtheilung, Zweyter Band (1790)
Entstehung
Seite
155
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König Gerza rückt 'also vor die Stadt,' um sie förm-lich zu belagern. Die Deutschen, welche sie eroberthatten, sahen sich bald genöthigt wegen Uebergabe der-selben in Unterhandlungen zu treten, weil kein Anscheineines zu hoffenden Entsatzes da war, indem ihr Her-zog in den obern Gegenden von Bayern, und der Kai-ser tief im Reiche sich befand. Kurz, sie verglichen sichdahin, daß sie gegen drey tausend Pfund, weiche ihnender König eydlich zusicherte, ihren Abzug nahmen.

Diese Begebenheit zog nachher noch weit ernstli-chere Folgen nach sich, indem der König den Herzogvon Bayern deshalb in Verdacht hatte, und mit einergroßen Heereskraft in seine Lander fiel. Hier scheintmir, ehe ich in der Erzählung weiter fortrücks, einschicklicher Ort zu seyn, etwas weniges über Ungarn undseine Bewohner zu sagen.

Ungarn hieß vormals Pannonien, weil es ringsumher von Wäldern und Bergen, vorzüglich von demApenninischen Gebirge eingeschlossen ist. Es ist einsehr ebnes Land, mit vielen Strömen und Flüssen durch-schnitten. In seinen Wäldern findet man Wild allerArt. Dis Anmuth der Gegenden, und die Fruchtbar-keit der Aecker gewähren ihm so viele Reihe, daß es dasParadies der Welt heißt. So reichlich es aber dieNatur ausgerüstet hat, so sehr wird es von seinen Ein-wohnern vernachläßigt, die nur hin und wieder Mau-ern oder Gebäude aufgeführt haben. Seine Grenzenwerden nicht so wohl durch fortlaufende Berge und Wäl-der, als durch den Lauf der größten Flüsse bestimmt.Gegen Osten, wo die Sau sich in die Donau ergießt,stößt Ungarn an die Bulgarey, gegen Westen an Mäh-ren und Oesterreich; gegen Süden an Croatien, Dal-matien, Istrien oder Kärnthen; gegen Norden an Böh-men, Pohlen, Rußland.