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Erste Abtheilung, Zweyter Band (1790)
Entstehung
Seite
10
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Ist diese sage nicht schrecklich? Erfordert sienicht die angestrengteste Wachsamkeit? Hier zielte einermit dem Dogen auf sein Herz, dort wehte ein andrerdas Schwert, seine Eingeweide zu durchwühlen, undwo Waffen nichts vermochten, da stach ihn die. Läster-zunge. Wer anders, als jeine treue Gattin hatte ihnhier beystehn können? Wer hatte den Kaiser sorgfälti-ger bewachen, wer aufmerksamer seine Verfolger be-obachten können? Ja sie war meinem Vatersein Alles;des Nachts wachte ihr forschender Blick über ihn, desTages diente sie ihm zum sichersten Schirm, und beyder Tafel sicherte ihre Gegenwart sein Leben vor vergif-teten Speisen.

Wo sie sich auch mit dem Kaiser befand, unterden Augen so vieler Männer, blieb sie die zurückhalten-de Frau, die sie von je her gewesen war. Ihr ver-schämter Blick, ihr bescheidnes Schweigen, ihr kleinerHofstaat machten, daß man sie nicht bemerkte, wennnicht zwey Maulesel, die ihr Gepäcke trugen, und derdarüber gebreitete kaiserliche Teppich ihre Gegenwartbeym Heere verrathen hätten. Uebrigens war ihr en-gelreiner Leib in beständiger Abgeschiedenheit. Sielebte für keinen als für ihren Gemahl, den sie mitimmer regem Eifer unter seinen körperlichen Leiden be-diente. Auch wir und alle Vertrauten des Kaiserswetteiferten nach allen Kräften ihrem aufmunterndenBeyspicl zu folgen.

Dieß schreib ich für jene niederträchtigen Ver-laumder, von denen auch dieser Umstand zum Nach-theil meiner Mutter gedeutet ward. Homers Musekannte schon diese Menschenart, wenn sie singt.Sieschänden jede gute That. Sey noch so schuldlos: ihreLästerzunge wird dich treffen." Irene befand sich also,theils freywAlig theils nothgedrungen, mitten im kai-serlichen