Wandels war fo weit von Gefallsucht entfernt, daßsie mit keinem, als mit ganz bekannten Menschensprach. Sie trieb ihre Sittsamkeit bis zum Bewun-dern hoch: allein Götter selbst, wie es in der Dichter-sprache heißt, sind dem Verhängniß unterworfen. Siewar gezwungen ihren Gemahl auf seinen häufigen Feld-zügen zu begleiten. Aus züchtiger Bescheidenheit weil-te sie gerne im Pallast: aber die zärtliche eheliche Liebs,mir der sie ihr treues Herz ganz dem hingab, dcck^Sallein beherrschte, nöthigte sie auch aus jenen Gründenihren Wohnsitz zu verändern. Voruemlich brauchtemein Vacer, wenn ihn das Podagra, das ihm dieheftigsten Schmerzen verursachte, überfiel, viele Pfle-ge und Wartung, und niemand konnte ihm so vieleLindrung verschaffen, als seine Gemahlin.
Man verzeihe mir, daß ich mich so sehr über Fa-milien Sachen verbreite. Auch als Privatmann mußich ihn bewundern. Was ich rede, ist lautere Wahr-heit, auf deren Kosten ich gewiß meinen Vater nichterhebe. Was er that, that er für das allgemeine Beste.Nichts schied ihn von der Liebe seiner christlichen Mit-brüder, weder Schmerz noch Lust, weder Sonnen-brand, noch erstarrende Kälte, noch die blutigstenKriege. Alles dieß konnte ihn nicht erschüttern. Sei-ne Natur unterlag zwar den Gebrechen, aber er rich-tete sich wieder auf, wenn er helfen sollte.
Eine andre, noch wichtigere Ursache warum ihnseine Gemahlin begleiten mußte, lag in den hausfigenNachstellungen, um derentwillen er, wenn cs mög-lich gewesen wäre, mit tausend treuen Augen hätte um-herschauen müssen. Mitternacht so wohl als Mittagbereiteten ihm Gefahren zu. Am Abend keimte Un-glück auf, und der Morgen brachte ihm Verderben.Gott sey mein Zeuge, daß ich die Wahrheit rede.
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