Druckschrift 
Giacomo Meyerbeer : sein Leben und seine Werke
Entstehung
Seite
320
Einzelbild herunterladen
 

320

A. Niggli.

134

und wurde um so schmeichelhafter gefeiert, da er die Partitur derOper dem König vou Würtemberg gewidmet hatte. Nachdem derKomponist dann am 14 . Jan. 1860 auch der ersten Vorstellung desWerkes in Dresden assistirt, verweilte er mehrere Wochen zu Ber-lin. Er führte dem dortigen Hof in einem Galakonzert verschiedeneseiner neueren Arbeiten vor, worauf er einer Einladung des Her-zogs von Sachsen-Coburg nach Gotha folgte, um an der Seite desFürsten die von diesem komponirte OperDiana von Solange"anzuhören. Nach längerer Kur in Ems und Schwalbach sowieerneuten Konferenzen mit Scribe in Paris kehrte er gegen MitteSeptember in die preußische Hauptstadt zurück und arbeitete eifrigan seinerAfrikanern:". Häufiges Unwohlsein sowie der Tod ver-schiedener künstlerischer Freunde mahnten ihn zur Eile. Schon 1859waren Ludwig Spohr und Lord Westmoreland dahingeschieden;am 28 . Nov. 1860 und 21 . Feb. 1861 folgten Ludwig Rellstabund Eugen Scribe. Aber auch Meyerbeer s verehrter König Fried-rich Wilhelm IV. legte am 2. Jan. 1861 sein Haupt zur ewigenRuhe nieder. Den August letztgenannten Jahres brachte Meyerbeerin Ems zu, schrieb hierauf im September seiner Stellung als Ge-neralmusikdirektor gemäß den Krönnngsmarsch sowie eine vonHans Köster gedichteteFesthymne" für die Krönung Wilhelms I.in Königsberg nieder, entzog sich indeß den dortigen Festlichkeiten,indem er sich krank meldete. Dagegen führte er beide Werke am24 . Okt. beim Einzug des Fürsten zu Berlin im weißen Saale desKvnigl. Schlosses aus und empfing dafür den ncugestifteten Kroncn-orden II. Klasse. Dann nahm ihn eine neue Gelegenheitskompo-sition in Anspruch. Für das Einweihnngskonzert der LondonerWeltausstellung wurden die berühmtesten musikalischen Vertreter derdrei Hauptnationen, Ander, Verdi und Meyerbeer, um Einreichungje einesFest-Marsches" ersucht. Meyerbeer entledigte sich der Aus-gabe, indem er eine Marschsuite, bestehend aus Triumph-, Religiösemund Geschwind-Marsch, schrieb. Das Werk, welches zuletzt in dasengliche VolksliedRule Britannia" ausmündet, erregte bei dergroßartigen Feier des 1. Mai 1862 einen nicht enden wollendenBeifallssturm und wurde dein anwesenden Komponisten aufs schmei-chelhafteste verdankt. Das Direktorium der Ausstellung beschenkteMeyerbeer überdies mit einem prachtvoll verzierten Kästchen, dasdrei goldene Medaillen enthielt.