25)
Giacomo Meyerbeer.
311
ben wurde den 26. Mai 1845 Felicien David's Sinfonie-Ode „DieWüste" in Gegenwart des Komponisten zu Potsdam und den 26.und 27. Juli gleichen Jahres Spohr's neue Oper „Die Kreuzfahrer"im königl. Opernhaus zu Berlin anfgeführt, wobei Meyerbeer demgreisen Komponisten eigenhändig einen Lorbeerkranz auf die Stirnedrückte. Während feines Wiener Aufenthaltes 1847 unterstützte erdaselbst in hochherziger Weise eine alte Wittwe, die ihm als Ab-kömmlingin Gluck's empfohlen wurde. Nach Lortzing's Tod 1851veranlaßte Meyerbeer die Bildung eines Hilfskomites, durch dessenBemühungen die Hinterlassenen des Komponisten eine Summe von16,000 Thlr. erhielten.
Schon im Spätherst 1845 hatte Meyerbeer um seine Entlassungaus dem Hofdienst nachgesucht, indeß bloß einen Urlaub auf einJahr erlangt, der dann später auf unbestimmte Zeit verlängertwurde. Abgesehen davon, daß ihn die amtlichen Funktionen ander Arbeit des Komponirens hinderten, war unser Künstler seinerhöflich feinen, sensiblen Natur gemäß kein Freund des Dirigirens.„Ich eigne mich überhaupt nicht gut zum Dirigenten," schreibt erden 2. März 1857 an De. Schucht, „Man sagt, ein tüchtiger Ka-pellmeister muß ein gut Theil Grobheit haben. Ich will das nichtbejahen. Mir ist eine solche Grobheit stets zuwider gewesen. Esmacht einen sehr unangenehmen Eindruck, wenn gebildete Künstlermit Worten traktirt werden, die man keinem Bedienten sagt. Grob-heit verlange ich nicht von einem Dirigenten, aber er muß ener-gisch auftreten, scharfe Verweise ertheilen können, ohne grob zu wer-den, und darf bei den schärfsten Rügen den Anstand nicht verletzen,zugleich muß er so viel Jovialität entfalten, um sich die Liebe fämmt-licher Künstler zu erwerben; sie müssen ihn lieben und fürchten.Nie darf er Charakterschwäche blicken lassen; das beeinträchtigt denRespekt ungemein. Ich kann nicht so energisch, schneidend austreten,wie es beim Einstudiren erforderlich ist, und überlasse daher dieFunktion sehr gern den Kapellmeistern. — Die Proben haben michzuweilen krank gemacht."
Nachdem Meyerbeer Anfangs Winter 1845 wiederum Parisausgesucht, um mit Scribe über den seiner Vollendung entgegen-gehenden „Propheten" sowie über die „Afrikanerin" und eine Um-arbeitung des „Feldlagers" für die französische Bühne zu verhandeln,ging er bei Beginn des Jahres 1846 an die Komposition der