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Giacomo Meyerbeer : sein Leben und seine Werke
Entstehung
Seite
308
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A. Niggli.

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überzeugungsvollen Ernst, den Sinn für das Unendliche, und überall diese Gaben gießt die Sonne Italiens ihre melodischen Fluthen." Solch emphatisches Lob, welches übersieht, daß gerade die drei-fach zusammengeschweißte Manier den einheitlichen künstlerischen Stilverunmöglicht, erscheint nun freilich ebenso unpassend und einseitig,wie etwa die negative Kritik Richard Wagners, der seinem Kollegennicht bloß das künstlerische Gewissen, sondern sogar allen geschicht-lichen Sinn abspricht und behauptet, er habe das historische Gewandder Oper bloß deßhalb gewählt, weil es sich nach Klima und Zeit-alter aufs bunteste wechseln ließ, weil es ihm Gelegenheit bot, durchverstärkte Effekte, namentlich das Hereinziehen der Kirche ins Thea-ter auch auf diesem Gebiet den Dekorationsmaler und Theater-schneider auszustechen. Dem unbefangenen Blick stellen sich dieHugenotten" als Meyerbeer's bedeutendste Schöpfung, als diejenigeOper dar, in der sein außerordentliches Talent den höchsten Fluggenommen hat. So viel Unerquickliches auch hier mit unterläuft,so schwächlich und zwitterhaft einzelne Personen des Stückes, wiediejenige des Haupthelden Raoul und der puppenartigen Königin,erscheinen, so widerlich uns das zweideutige Spiel mit unsittlichen Si-tuationen im zweiten Akt berührt, das wird kein Vorurtheilsfreierzu leugnen vermögen, daß die geschichtliche Idee des Ganzen, derKonflikt fanatisirter Religionsparteien, mit Meisterschaft erfaßt undzur Darstellung gebracht ist. Charakterzeichnungen wie diejenigedes eisernen Marcel, des unbeugsam bigotten St. Bris werden stetsBewunderung verdienen, Scenen wie die der Schwerterweihe, wiedas große Duett zwischen Raoul und Valentine im vierten AktMuster echt dramatischer Musik bleiben. Treffend sagt Franz Lisztmit Bezug auf den letzterwähnten Auftritt:Wenn man dem Dich-ter fortwährend das Haschen nach Situationen zum Vorwurf macht,so wäre es ungerecht verkennen zu wollen, wie ergreifend diese oftsein können. Denn bewundernswerth ist es, wie im vierten AktderHugenotten" zwei Charaktere in der entscheidenden Stunde sichentwickeln. Während die Befürchtungen der Liebe aller Zurückhal-tung, aller Scheu und Bedenklichkeit des Weibes ein Ziel setzen,ihr das Geständnis ihrer Neigung entreißen, erhebt sich die Seeledes Mannes zum Heroismus und, das Glück in dem Augenblickeopfernd, wo es seinen Lippen sich nähert, eilt er zum Kamps.Beide zeigen in ihrer Weise den gleichen Muth gleich heftiger Lei-