t888. Proklamation Kaiser Wilhelms II.
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samkeit die Auflegung neuer Lasten umgehen und eine Erleichterung bis-heriger Anforderungen herbeiführen läßt.
Die größeren und kleineren Verbänden im Staate verliehene Selbst-verwaltung halte ich für ersprießlich; dagegen stelle Ich es zur Prüfung, obnicht das diesen Verbänden gewährte Recht von Steuerauflagen, welches vonihnen ohne Rücksicht auf die gleichzeitig von Reich und Staat ausgehende Be-lastung geübt wird, den einzelnen unverhältnismäßig beschweren kann. Ingleicher Weise wird zu erwägen sein, ob nicht in der Gliederung der Be-hörden eine vereinfachende Änderung zulässig erscheint, in welcher die Ver-minderung der Zahl der Angestellten eine Erhöhung ihrer Bezüge ermöglichenwürde.
Gelingt es, die Grundlagen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebenskräftig zu erhalten, so wird es Mir zu besonderer Genugthuuug gereichen, dieBlüte, welche deutsche Kunst und Wissenschaft in so reichem Maße zeigt, zuvoller Entfaltung zu bringen. Zur Verwirklichung dieser Meiner Absichtenrechne Ich auf Ihre so oft bewiesene Hingebung und auf die Unterstützung Ihrerbewährten Erfahrung.
Möge es Mir beschieden sein, dergestalt unter einmütigem Zusammen-wirken der Reichsorgane, der hingebenden Thätigkeit der Volksvertretung wiealler Behörden und durch vertrauensvolle Mitarbeit sämtlicher Klassen derBevölkerung Deutschland und Preußen zu neuen Ehren in friedlicher Ent-wickelung zu führen.
Unbekümmert um den Glanz ruhmbringender Großthaten werde Ich zu-frieden sein, wenn dereinst von Meiner Regierung gesagt werden kann, siesei meinem Volke wohlthätig, Meinem Lande nützlich und den Reiche ein Segengewesen.
Berlin, den 12. März 1888.
Ihr wohlgeneigter Friedrich III.
278. Proklamation Kaiser Wilhelms II. 18. Juni 1888.
An Mein Volk!
Gottes Ratschluß hat über uns aufs neue die schmerzlichste Trauer ver-hängt. Nachdem die Gruft über der sterblichen Hülle Meines unvergeßlichenHerrn Großvaters sich kaum geschlossen hat, ist auch Meines heißgeliebtenHerrn Vaters Majestät aus dieser Zeitlichkeit zum ewigen Frieden abgerufenworden. Die heldenmütige, aus christlicher Ergebung erwachsende Thatkraft,mit der Er Seinen Königlichen Pflichten ungeachtet Seines Leidens gerecht zuwerden wußte, schien der Hoffnung Raum zu geben, daß Er dem Vaterlandenoch länger erhalten bleiben werde. Gott hat es anders beschlossen. DemKöniglichen Dulder, dessen Herz für alles Große und Schöne schlug, sind nurwenige Monate beschieden gewesen, um auch auf dem Throne die edlen Eigen-schaften des Geistes und Herzens zu bethätigen, welche Ihm die Liebe SeinesVolkes gewonnen haben. Der Tugenden, die Ihn schmückten, der Siege, dieEr auf den Schlachtfeldern einst errungen hat, wird dankbar gedacht werden,so lauge deutsche Herzen schlagen, und unvergänglicher Ruhm wird Seineritterliche Gestalt in der Geschichte des Vaterlandes verklären.
Auf den Thron Meiner Väter berufen, habe Ich die Regierung imAufblick zu dem Könige aller Könige übernommen und Gott gelobt, nach demBeispiel Meiner Väter Meinem Volke ein gerechter und milder Fürst zu sein,Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen, den Frieden zu schirmen, die Wohl-fahrt des Landes zu fördern, den Armen und Bedrängten ein Helfer, demRechte ein treuer Wächter zu sein.
Wenn Ich Gott um Kraft bitte, diese Königlichen Pflichten zu erfüllen,