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Hugo Riemann.
keit, oft genug in abweichender und widersprechender Weise, diedynamische und agogische Schattirung.
Ein abgeschlossenes musikalisches Thema zerfällt in eine An-zahl deutlich von einander getrennter oder zu trennender charakteri-stischer Gebilde, welche man Phrasen nennt; die Phrase ist nochweiter zu zerlegen in Ta kt motive. Diese sind die letzten Elementevon individueller Physiognomie, gleichsam die Keimzellen des musi-kalischen Organismus. Darum ist die Lehre von den Taktartenund ihrer verschiedenen Gestaltung durch Untertheilungen oder Zusam-menziehung einzelner Taktglieder von eminenter Wichtigkeit für dieErkenntnis der musikalischen Formgebung wie für deren adäquatenAusdruck in der Reproduktion. Die Lehre von den Taktarten heißtMetrik, die Lehre von der Umgestaltung der metrischen Motivedurch Untertheilung und Zusammenziehung heißt Rhythmik; dieRhythmik ist also die Lehre von den komplicirteren metrischen Bil-dungen oder umgekehrt die Metrik die Lehre von den einfachstenrhythmischen Bildungen, weßhalb man auch nicht selten den einenwie den andern Terminus als beide Lehren begreifend braucht.Was Moritz Hauptmann*) Metrik nennt, bezeichnet Rudolf West-phal**) als Rhythmik, nämlich die gesammte Lehre von den Taktartenund ihren verschiedenen möglichen Umgestaltungen. Halten wir denNamen Metrik für die Lehre von dem in gleichen Notenwerthen ohnePausen gedachten Takt fest, so ist zu bemerken, daß diese Lehrebisher sehr vernachlässigt worden ist, besonders indem man die auf-taktigen Taktarten viel zu nebensächlich behandelt hat. Zwar hatM. Hauptmann die auftaktigen sogut wie die volltaktigen Taktartentheoretisch erklärt, aber wer liest Hauptmann? Die gründlichen me-trischen Abhandlungen im 2. Theile seiner „Natur der Harmonik undder Metrik" sind für das Allgemeinbewußsein so gut wie nicht vor-handen, da sie niemand dem Durchschnittsverständnis durch popu-läre Darstellung näher gerückt hat, die Fassung Hauptmann's aberdurchaus nicht gemeinverständlich ist. Die allgemeine Musiklehreund Elementarmnsiklehre, deren Beruf es ist, das richtige Verständ-nis der musikalischen Grundbegriffe zu vermitteln, haben alles gethan,um die Auffassung der metrischen Verhältnisse in möglichst verkehrte
*1 „Die Natur der Harmonik und der Metrik' <1853).
„Allgemeine Theorie der musikalischen Rhythmik seit I. S. Bach" <1880).