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Der Ausdruck in der Musik
Entstehung
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Der Ausdruck in der Musik.

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jedes Blatt des Eichbaums bis auf die Ausbuchtungen des Randesund bis auf die Linien der Rippen sich in denselben Formen ent-wickelt wie jedes andere Blatt jedes anderen Eichbaumes und dochmit keinem einzigen absolut übereinstimmt, so schafft der VortragendeKünstler nach dem ihm vom Komponisten gegebenen Urbilde immerneue Kunstwerke, vermag es aber sogar sich selbst nie ganz gleich zuthun. Wie gewaltig verschieden diese Nachschöpfungen ausfallenkönnen, wie neben wohlgebildeten und normalen sich unschöne undverkrüppelte Formen nach demselben Typus entwickeln, haben wirtäglich Gelegenheit, zu beobachten.

Angesichts der unleugbaren Thatsache, daß auch derselbe Künstlerdasselbe Werk nicht zweimal ganz gleich vortragen kann, hat manlange Zeit den musikalischen Ausdruck für etwas undesinirbares undschlechterdings nicht in Regeln faßbares gehalten; man glaubte, esganz dem Instinkte, dem Geschmack überlassen zu müssen, das zutreffen, was allgemein als richtig, als schön, als vollendet empfun-den wird. Denn daß es doch bei aller Freiheit des NachcmpfindensMöglichkeiten giebt Fehler zu machen und trotz der scheinbaren Über-einstimmung mit der Notirung so zu spielen oder zu singen, wiees sicher der Komponist nicht gewollt hat- bemerkte man wohl undnahm daher für die rechte Reproduktion die' Existenz von Gesetzenan, die unenthüllt in unserem Empfinden liegen. Der überall nachdem Warum fragende Geist des neunzehnten Jahrhunderts giebt sichdamit nicht mehr zufrieden, sondern sucht auch die Gesetze zu er-gründen, welche unbewußt die künstlerische Reproduktion beherrschen,und hat bereits eine Anzahl positiver Resultate seiner Forscherarbeitzu verzeichnen, welche wohl geeignet sind, den Minderbegabten dierechten Wege für den zutreffenden musikalischen Ausdruck zu weisenund den Begabtern das sichere Beherrschen der Ausdrucksmittel zuerleichtern.

Über die allgemein richtig verstandenen Zeichen der Notenschrift,sowohl für das Tempo als die dynamische*) Schattirung (kortound xiaiw) und die Bindung und Trennung der Töne (lkZato undstaooato) will ich nicht reden, setze vielmehr die Kenntnis ihrer Be-deutung in umfassender Weise voraus, obgleich mir nicht unbekannt

Vom griechischen Kraft, Stärke.