72 S. Bagge. !8
geführt wurden, Bratsche und Violoncell sich einfach an den Kon-trabaß anschlossen, resp. in Oktaven mit ihm gingen. Die Wieder-einführung der selbständig geführten Bratsche wird dem JtaliänerSammartini (1700 bis nach 1770) zugeschrieben, doch werden wohlauch die deutschen (Mannheimer) Orchesterdirigenten und Kompo-nisten Stamitz und Cannabich daran theilhaben. Das Violon-cell vom Baß getrennt und selbständig zu führen, wurde erst späterversucht, und zwar mit Recht so, daß nur die eine Hälfte der Vio-loncellspieler sich loslöst, die andere aber beim Kontrabaß verbleibt,der dadurch an Kraft und Deutlichkeit gewinnt. Man sieht, daßdas Bestreben bald dahin gerichtet war, die Mittelstimmen aus ihrerAbhängigkeit zu erlösen und selbständig zu machen. —
Die ersten Blasinstrumente, welche sich dem Quartett der Strei-cher zugesellten, waren zwei Oboen und zwei Waldhörner, oftaber auch schon vier Hörner, meist zwei und zwei in verschiedenerStimmung. Während die Oboen uns überall begegnen, sind Flö-ten manchmal bloß im Andante statt der Oboen verwendet — esscheint, daß man damals den Musikern zumuthen durfte, beide In-strumente blasen zu können, so daß sie bei den verschiedenen Sätzender Symphonie die Instrumente vertauschten. Ähnliches muß auchbei Horn und Fagott der Fall gewesen sein, denn man findet Sym-phonien, wo in dem einen Satze vier Hörner, im andern aber bloßzwei Hörner, dafür aber zwei Fagotte vorgeschrieben sind; es ist nichtwohl anzunehmen, daß man Personen, die man haben konnte,nicht auch beschäftigt hätte. Regelmäßig erscheinen die Fagotteviel später auf dem Plan der Symphonie als ihre Stammesgenossen,die Oboen. Auch die Flöten werden erst später ständige Theile desOrchesters. Das am spätesten eintretende Instrument aber ist dieKlarinette. Im Haydn'schen und Mozart'schen Symphonie-Orchestererscheint sie nur selten; erst bei Beethoven ist sie stehendes Mitglieddes Orchesters. Vermuthlich hatte man sie ihrer höheren Stim-mungen und daher schreienden Tonfarbe wegen zuerst in das mili-tärische Orchester verbannt.
Von den Metallblasinstrumenten sind, wie schon bemerkt, dieHörner die ersten, welche regelmäßig Vorkommen, dies aber in allenStimmungen, sogar in solchen, die wir heutzutage gar nicht mehrkennen. So erscheinen in Mozart'schen Symphonien ans der Jugend-zeit hohe 0- ja sogar hohe Ls-Hörner — merkwürdig hohe Lagen! -