Die Symphonie in ihrer historischen Entwickelung.
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Symphonie Blicke zu werfen. Die Namen derjenigen Musiker,welche damals Symphonien komponirten und ausführten, sind wohlbekannt, ihre Werke aber im Strome der Zeit untergegangen; nurdie größeren Meister, die später zu allgemeiner Geltung gelangten,ragen wie einzelne Felsen aus dem Wasser hervor. Aber selbst überdie Werke dieser gelangen wir erst jetzt allmählich zu vollständi-gerer Kenntnis, so z. B. über die 47 Symphonien von Mozart,während gerade Haydn, der „Vater der Symphonie", uns in seinenErstlingswerken dieser Gattung noch wenig bekannt ist, so lange esnämlich noch nicht, wie bei Mozart, eine Gesammtpartiturausgabeseiner Werke giebt. Das Vorhandene genügt jedoch für den Zweckdieser Darstellung, da man den Höhepunkt der Entwicklung ammeisten zu betonen haben wird.
Wie rapid sich die vollständige Entwicklung der Symphonievon Haydn ab vollzog, ergiebt sich aus folgenden wenigen Jahres-zahlen :
Erste Symphonie von Haydn 1759,
Erste Symphonie von Mozart 1764,
Letzte Symphonie von Mozart 1788,
Londoner Symphonien von Haydn 1790/94,
Erste Symphonie von Beethoven 1799,
Neunte Symphonie von Beethoven 1824.
Also in dem kurzen Zeiträume von nur 65 Jahren hat sich dieeigentliche, d. h. viersätzige und in cyklischer Form gehaltene Sym-phonie von ihrer Kindheit bis zur höchsten Ausbildung entwickelt! —
Der ganze Proceß ist nun besonders nach zwei Seiten zu be-trachten: 1) nach Seite der in der Symphonie verwendeten Klang-werkzeuge oder Instrumente, 2j nach Seite des musikalischen Satzes,wie er sich hier, parallel mit der Sonate, ausbildete. Beide gehenzwar Hand in Hand und bedingen sich gegenseitig, doch läßt sichjedes Gebiet bis auf einen gewissen Punkt auch für sich betrachtenund darstellen.
Die allerersten Symphonien waren, wie wir bei Allegri ge-sehen haben, bloß für Streichmusik geschrieben, und zwar fürsämmtliche Arten derselben von der Violine bis zum Kontrabaß.Der Satz, in der polyphon-kontrapunktischeu Zeit noch mindestensvierstimmig, wurde in der Zeit der Homophonie meist bloß drei-stimmig, da neben dem Baß nur die zwei Violinen selbständig