Leben des Eugelländers
wahr, daß sie das Hertz so voll hatte, daß ihr die Thrä-nen aus den Augen zu fliesten anfingen. Redet dochmein liebes Weib, sagte ich zu ihr, wünschet ihr,daß ich fortgehe? Nein, gab sie zur Antwort,weitgefehlr,jedoch wenn ihr darzu entschlösse»seyd, so bin ich bereit viel lieber mit euch forc zugehen, als euch darvon abwendig zumachen;Denn ob ich gleich befinde, daß fich dieser Ent-schluß vor euer Alter gar wenig schickt, unddaß solcher vor den Zustand eures Glücks sehrübel ausgesucht ist, so bin ich doch nicht gefin-rret euch zu verlasen, wenn dieSache ja schlech-ter Dings seyn soll; Ihr seyd gehalten solcheszuthun, falls euch dieses hefftige Verlangenvon dem Himmel zugeschickt wird; Auch mö-get ihr demselben keineswegs wiederstehen ohneeurerpslichrzuwiederzu handeln,und ichwürde meiner schlecht nach leben, wenn ichnicht den Entschluß faßte euch zu folgen.
Diest liebreiche Worte vertrieben ein wenig meineDünste, und gaben mir Anlaß, daß ich die Natur mei-nes Vorhabens auf eine stillere Art in Erwegung zog;ich stellte mir alles, was vor einen Mann von meinemAlter hierbey thöricht wäre, vor die Augen, sieh ohneeinige erhebliche Ursache von neuem in die Gefährlich-keiten zu stürtzen, aus welchen ich so glücklich gekom-men, und in sothanes Elend darauff ein vollkommenglückliches Leben gefolget wäre, dafcrne ich nicht selberBitterkeit darein mengen wollen.
Hiernechst betrachtete ich, daß ausser dem daß nurdie Jugend und die Armuth dergleichen Vornehmeneinzugeben fähig wäre, ich über dieses eine Frau und
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