tmfc We 3 *ö SBelt&mtymteit ROBINSON CRUSOE, ändern* tC^cil, SBeldjer fcefifenSKucföKetfe nacf) ferner 3ttful> uni) ferne au$ neue getfjane Reifen, auf welchen ftd) toiele rounöerfamc unö lefenä* tuütöige Fata mit iöm jugettagen, Sott tym felfyl kfdjwßm unb um (tu m guctceffWeit mitten, oem <3:n# fcfycn unö §ran($u|tfct)#n ins ^«utfc^e überfein , tTCtt frühem Äupffem. »—..■■ . ■■— i »■ ■*! SU£JP 53 ese^etr« Yv^/lrf Robinfon Crufoe »on jcberman fo £■»»((#)•) 9 uf befunben worben, baß matt att glftcflichem Fortgang beö mtöem nicht Utfach ju jwctffcln £af. gwac iji eö wof)t waf>t, baß mei(!ent§eil0 bte anbei:« ^eüe baö Ungtücf ju falle« fjaben; ®te Utfachc ^ietr- tott ifl leitet ju ftnben , . wenn matt bie vgtgenjtyajft bes menfcbtichett 93etftanbS fetbffc betrachtet: SBetttt et» Autor ettt 533eccf, bartmten ec ei«e@ache mit rerntmff# tigert 0tünben bctueifet, ober etwaö erttcf?tef/ fortfeßen tuiil, fo fangt bet 33erflanb an ftch jtt ermuben, bie G 3ct' mtttfff wirb unbrauchbar, baö Jeuet terge§ef, unbbie Srfmbung nimmt ab* @chreibef et eine (Sefchicht, fo gefallen ifjrn bte QSegebenfieitcn, welche et in feinem ©in» in Dehnung gebracht/ ju Anfang feinet Arbeit um gemein beffet, albwettn et felbige fchon fefm weit fort ge# fe^etljat: £)enn 2fnfangö ift bie @^reibmttini§ret tollfommetten©chenijeif,e$ tflnicbtbbatan gezwungen, imb unter waljrenbem ©ebtauch bet $tbec fallt i§m je mehr nnb me§t ein,wie et feineQebancfen woijt eröffnen feC 9?achge§enbö fielet et ftch ge§alten,eben berglei# «ben^ufalle ju befcf>reiben^ bterbet? wirb etfotbert, baß etburcbSBieberftofrtungett, welche ton Sfvafur mtange< ne^m, bem iefet nicht terbrieß lieb falle* <£t muß }lcf> gleichfam martern Synonima ober eben fo ticl bebeutem beOBorte ju fucbctt,unb bie Q5efchrcibuttg suoeränbem* Sföanflellf bte @athen nicht recht natürlich tot, matt ntereft eö wobt, bie Arbeit fangt an bem Aurori felbjT weniger jtt gefalle», unb jeme|r folche bem-'S-chtctbet X 3 nach Vorrede, nach und nach unanständig wird, jemehr nimmt siech, nnd wird mittelmäßig, oder taugt gar nichts. Dieser «nwidersprechlichen, und aufdieVernunft undErfch rung gegründeten Wahrheit ungeachtet, mag ich w-hx sage», daß dcx andre Theil der wunderbaren Le- dens'Eeschichte desHerrnke KWffleute stlbige -durch ihre Booa ^ ! «mgreiffe», zu de? Absicht, daß sie dichlbcn alsSee-i. Räuber a^fhäflgen lassen walten, Bei» sie entgehe». dieftr Gxfchr durch chre sonderbare Schickung, avkcli. ? cher Ä)pr-vge^Mem sie ruyr hieravff in keine«Haftn da Schiffe hinkamen, mehr einlauffen durfften, ftfin» denßeauff dm Küsten vonLHiirL emenPortugiejische» Steuermann, Welcher sie auff der NordlichenSeite dir« ? ses ReM in eism kleinen und fast unbekannte» Haft» führet: Ha verkauffen sie ihre W garen nach Vergnügen und geben ihr Schiff weg, gehen darauff «ach dian- o uist Wd PekinA M hier den Hof des Monarchen von O W sehen, und sinden da eine Laravsne von Ma> scowitischeq KauffikUten, mit welcher sie durch die große Tartaxey »ach Moskau zu gehe» beschließen. Auff ihrer Liesse werden sie zu unterschiedenen mahlen von ordentlichen kleinen Tarlarischen Armeen angegriffen, u«d kommen nachLeur sie viele» erstaunlichen Zufällen und taufend fast - unüberwindlichen Schwierigkeiten ent* gange», endlich zu 1 obolsk/ oder^vbolska derHaupt- Stadt in Siherien an. Kobinson macht daselbst mit einem in diese Einöde - releZirtenPrintzenFreundschafft, und wie er imBe-' griff stehet von dar ab zu reisen, erbietet er sich denselben zu la!viren und unter seinen Bedienten mit zu nehmen. Mein der will in diesen Vorschlag nicht willigen, und führet sehr schöne viscurst von dem falschen Glück, ^ welches man vo;r den Ehren-Stellen und dem Reich* khum zu entlehnen suchet, ingleichs» von den Merck* mahlen oder von der Beschaffenheit der wahren Glück- steligkssit, und von der Hülffe,welche die rechte Klugheit von einem stillen Leben und mittelmäßigen Auftaut bekommt. M, Vsnede. ^ .. — - , ^ kommt. Doch bittet er den ^urorern, er möchte diesen Dienst seinem Sohn erweisen. Er verspricht dieses, ^ end weil er entschlössen nach ^.rckunge! zn gehen, so rei^ kter nicht die ordentlichen Straffen, ziehet mit seinem ^ Gefolge daher wie eine kleine Lursvane, und vermeidet ^ mit siiem Fleiß die Rußische Besatzungen um seinen Ab vomehmenReise'Gefährten nicht in Gefahr zu bringen. In emer Wüste werde» sie übermahl durch einige Her- den Kalmückischer Tactarn angegriffen, die wider ihre ^ Gewohnheit biß dahin gekommen waren. Und als sie wd sich m ihrem Lager durch diese Barbaren belägert sa- »>> hen, sostehlen sie sich bey dunckeler Nacht heimlich weg, »Ä erreichen sichere Öerter und langen zu ^reknngei an. chi Ja diesem Hafen finden sie ein Hamburger Schiff, ü «nd setzen sich da mit auf. Endt ich kommen sie auf die i» Elbe/gewinnen sehr viel an ihren Waaren, gehen zs »» Land nach dem Haag, setzen sich dazu Schiff, und langen D> wieder in Engelland an; und hat der ^ucor mit allen chi diesen Reisen zehen Jahr und neun Monate zugebracht. H, Diese Gattung eines kurtzen Begriffs, wo man nur die Haupt-Punete berühret hat, wird, wie ich hoffe, ge« itzi nungsam zeigen, wie sehr dieser andere Theil verdienet l,N des geneigten Lesers Q'unnlltäk zu gewinnen. Was die Historie selbst anbelangt, will ich mich nicht lange aufhalten diefttbige in den Gemüthern derjenigen jAi zu rechtfertigen, welche solche für eine Fabel zu achten ßs belieben wollen. Es mag eine er lichtete Sache seyn, o« -zi der nicht, was ist daran gelegen? Die wunderbaren ^ Geschichte"lelemnclü, (ou ies^vnncure;äe'l'cle- ^ ) riechen ebenfalls nach der Fabel; deswegen a- ^ der wird dieses vortreffliche Buch nicht geringer geach» tet. Es ist allerdings ein Gedicht aber reich an herrli- ^ X S chcn Vorrede. chen Sitten-Lehren, auch viel bequemer zum Unterricht «. als die aller gewissesten Wahrheiten. M Des Herrn Robinson seine, ob sie gleich mit ei»M M andern 8cyln,undauff eine verschiedeneArt beschriebe!,, A bsind ebener massenvoll guter Lehren, und man würd? -M wohl thun, wenn man sich dieselben zu Nutz machte, an ^ statt daß man mit so grossem Ernst untersuchet, eb man f'' uns hier wahrhafftige Würckungcn Göttlicher Voch hung, oder errichtete Sachen vorträgt. E Gleichwohl kau ich mit Grund der Warheit und auf, ^ richtig behaupten, daß in den Holländischen Handels« Städten viele gar redliche Leute sind, welche versichern, ,»,k daß sie unsern Passagier, als er von seinen letzten Reisen o ^ zurück gekommen, gesehen, mit ihm gesteiftc, undstlbi- gen einen Theil derjenigen Geschichte, so man in diesen beyden Büchern antrifft, haben erzehlen hören. Dem sey wie ihm wolle, es ist »»nöthig diese Sache so genau zu untersuchen: Dieses Merck dienet zumZeit, M Vertreib, und ist zugleich nützlich. Wie glücklich wür- Äa« de das publiLum nicht seyn, wenn der meiste Theil M neuer Bücher ausgleiche Art geschrieben wären. ^ Erklärung etlicher See-und andrer Wörter. Affholen/ und Ausbringen. Auff offenbahrer «Schalouppe»/Kelle» rc. nicht hinten- nachschlep- pen/ als wodurch man sie imSturm oder sonst verlieh- rcnkvnte/odcrdochdasStcurendcsSchiffssehrhinderte.Son' ^ dem man Haler oder zeucht sie ins grosse Schis hinaus/ und bringt sie wieder »wanns nöthig/aus : läßt sie ins Wasser. He, Z-Lncke/ vorl'erreneuvc. Das Vaterland der Americani- schenKtockfischc/ ungefähr unterm sntzigstcn Grad Nvrd.Brei« rc. Dieß find feuchte Gründe oder grosscSandhauffen/ so im j' Ocem in gewifferLeite von dem Lande abliegen. Die graste ^ ^ Lanckist etwa ro Meilen vom L»y> cie Kru, als dem näch- sien Vorgebürge-JhrcLänge/ zoo Englis-Meilenund dieBrei- re /s. Das zur Fluth-Zeit darüber fiiesscndr Wasser ist etliche Faden tief/daß das gröste Schis sodann kühnlich drüberhin darf/ ausser der Stelle,die Virgin? oder Jungfer» genannt/wo schon manches Schis gestrandet. Die nächste ist die Grüne '' Lanck ungefähr 8 ° Englis.Meilcn lang/und wo sie am breite- « sten, 40. Etwas ferner liegt die LAig»ert>>Banck,als einSchuh in der Grösse schier wie die andern. Sodann folgen die feuchte Oerker von Sand-Eiland/Wallfisch - Eiland/ rc. Rund um diegrosse Banck/ so bey hoherFluch gantz befiossen,znr Ebbe- ^ Zeit aber ctl. Orten trocken laufst, ists allenthalben r-o Faden tief.bosLucl»Ioos-odcrdicBackliauen-Eilandehabenihren Nahmen von dem häuffigen Fang dieser grossen Art Stock- r Fische. Mit solchen/ und der geringsten Sorte/ Loor-ssobn,or g der der arme Jan genannt, (welche meistenthcils eingcsaltzen/ L «.doch nur in dcrLufft ein wenig getrocknet,mithin von den gantz A dürren aus Norwegen wohl zu unterscheiden 1) gehen jährlich 2 selten weniger als so» Englische und FrantzvfifcheSchiffe nach 1 Franckreich,Porniga 8 /Spanic» unv Italien. Befrachter /der dieMicthe für cinSchiff an die Rheed«r/d.i.au ^ die Eigner bezahlr. Bemanne». Mit Volck besetzen. Bergen. Retten / sa lviren: Beylegen / beystechen/ in die Lee wcrssen. DaS Schiff in den i Wind drehen/ daß es seine Fahrt eine Weile verleurt/ und ein t anders einwartet. See lassen sich die kleinen Fahrzeuge / als L>böre / Loeg- Erklärung Loegspriet. Der Echiffs-Echnabrl/Wkerbey denMeitbiel ^ Ein vorn aus dem Schiffheraus liegenderMast-Bgum/wM ^ r Scegrl/nemlich eines überrund das andre unter sich hat. E LouEanser. BrdMet hier einen Freyherrnin West-Indj« E! Buchx. EinegroffeoderklMeOrdnung/^dasMrer nisL>ch f"' hinein gemacht. E LalfarecneinSchiffrein u.dicFugen überall dichte macherM. ^ nach es mir darin gehöriger Materie wame beschmiehrek wirb. ^ Lolonjo. Ein von Europäern in den ander« Welt-Theilen besetz» dirRheede vorn am. Canal zwischen dem Nord-undThs- vor - Lans / recht vor dem Städtlcin vesle. Der Anck-ll- sE! Grund istwcgen der weichenden Kiesel-Steine» nicht der besie/ W vnd/ datto. 170;. etliche zc> Schiffe, worunter ei» Admiral sva 7«o Seelen,hieselbst zuGrunde gegangen,war mir den - s.8exk. W »708- da unser Lag - Ancker vvm heffligen Stampfen in einem zreßlichen Sturm/aus der Stelle gewichen/und die so genanten M «Duden und Falls hinter uns/ der gantzrn Schiffs-Cpmpagme «i»« von Srittehülb -Hmrderr Seelen den Untergang drvhktk, ge> wiß auch nicht lächerlich ! V« Fallen/in den Boot hinab steigen. , ^ Feure. Gantz dichte Laternen mit I pder mehr Lichtern. Fütterung, die Eichene Bretter» wormik das Schiff von innenzn, «i >ii insonderheit bey den so genannten Barck-Holten versehen wird. W Grosse Stenge. Der mittlere Mast-Baum hat über sich noch M rweene. Der oberste heißt die Lraam - Stenge, und der bch mitlere die Grosse Stenge. Wi Grosse wand. Sind Überhaupt die 4 ,s,a rc.starckeHauvt TD' Dk! e«/ so von beyden Seiten des Schiffs hinaufuntcrnMast-Korb «bb tzehen/und den grossen Mast-Danm halten, daß er weder ausder s!q xechren noch lincken Seite übcmByord falle/gleichwie die bey- M den Staage oder dicke Tauen nach dem vorderst-und hinterste» l Mast ihn weder fur-n-ch hinter sich fallen laffm.Ebcn so verhält ich, stehe auch Nlit der Scengen-Ulid Draam - Stengen - wanv, M «ur daß die Tauen mercklich dünner. Die Stricklein/womil ft dur hsiochten, und den MassLGmmer» (Matrosen) surLer « rern dienen/hrissenwevelinen. Erklärung. ^ W»Kr> wann dir Ebbe beginnt- 8?! Md machen, verfolg«». ^ M Arhoiren/ die krumme eichene Holtzrr auff beyden Seiten des M' Hchiffshinauff/welche aussen und innen mit eben dergleichen . Aretter» bckleydet und gefüttert werden. Inrerlooper. Ein Schiff/ das an Oerter Handlung tracht/ w- vtt ^ vLrovrte Compagnien das Recht allein prätendierte. ^ Lühlmtg/ steige/ frische; wird für Wind genommen^ Lage/ gantze/ unk allen Canonen von einer Seite. Loots/wiemans insgemein ausspricht, eigentlicher,Loots-Mak. ^ Sind striche beeydigte Leute, welche der Fahrt eines StrvhmeS -dp gantzer Custr» durch fieißige Aufsicht und Lvot-werffen als» kundig, daß ihnen gegen starcke Bezahlung ein Schiff auff die See hinaus, oder aus dieser in die Ströhm« und Bayer» glüch lich herein zu leiten anvertrauet werden mag. -Hamburg befallet deren über ein Dutzt / und jegliches Schiff muß doch noch allemahl vor sich sccorüiren. Ihre Proscßion ist unstreitig eine der allrrgcfahrlichstenaufdergantzen Welt. DerLarecbis» Mus/wann ichs so nennen darff/ aus welchem sie bey ihrer An- nehmung cxaminiret werden/und untern Titul: Grünollcke 6s Fragen. ^ Noch-Maj!, den man nachdem Sturm so gut zusammen zim- 2 ^ mert/alsmankan. yckoonfahr-Seegel. Dasgrösteauffm gantzen Schiff/ nem- lich das unterste am grossen Mast. Sie nennens auch wohl weg Lcbober oder Lckovrr. Engl. btsin-8sil. ^ bckwabber. Dies Englische Wort 8v/,dder heißt einen Stock ^ mit Lumpen umwunden, womit das Schiff gewaschen und gr« ftgetwird. ^ 8,'iegel. Das Schiffs Hinter-Thclk. Tuper-Largo. Der die Aufsicht aufdie Wahren hat, und deren ^ Eigenthümern von dem Verlaust Rechnung thun muß. Wache. Gehet unter dem Schiffs-Volck ordentlich herum. Auf ^ hiesigenConvoy,Schi^ensind deren Sechsserl^-: je nach den ^ e Vierteln derr 4 L tundeu,woraus Tag undNacht bestehen, l.) Von Mitternacht um >r Uhr des Morgens ist die rle Nacht-o- ^ ber sogenante -HnnseeMache. jt.) Bon g bis r Uhr Vvrmit» ragt mir n»! tsk Ä!» Erklärung. tags, die Tag-Wache- m.) Von 8 bisir die Mittags/ dj,' , Vormittag-;-Wache. IV.) Von dar bis 4 Uhr/ die Nach- miltagü-wache. V.) Von 4 bis 8 Uhr die klatvoet-Wach,. I Und dann VI.) Von 8 bis ir die (erste) Nackt-Wache: Mi che letztere allemahl durch den Prososen mit Meister- Hämischen Reimen beym grossen Mast abgekündet/ durch die GL, cke auf derBack abgeläutet/ durch den Tambour auf der Cai»>, vsgne abgessblagcn/durch den Trompeter unreinem Abend-' Lied abgeblasen/und mit einem Stück abgeschossen wird. Damit uran aber gleichwohl .lecnrat den Unterscheid dieser Wacht-Zcircn wisse/so stehet nnterm halben Verdeck unweit der Cajüte eine Schild - Wache bey einer Tand - Uhr,so alle We^ Stunde das Zeichen an einer Glocke, mithin so gut als einHr- wcrck oder dessen Zeiger die Zeit angicbt: dem auf der Back gc- antwortct wird: Nur mit dem Unterscheid/daß es bey angchcn- derWache oder vielmehr nach der ersten Z Stunde Einmal an die Glocke geschlagen wird: Nach verflossener gantzen Stund- mahl: u. s. f. Zum Ex. der Obcr-Stcur-Mann hat die Nacht- Wache : so schlagt die Schiidwachc um halb y Uhr Einmal: uni 9 zweymahl: »m halb -o.; niahl/ u. f. f. bis 1-: allwv s Streiche an die Glocke gethan werden/nachgehends eine frischMäche mit wiederum cinemSkreich angczcw ct wird- Diese ersibezeich- . nete halbeSknnden heissen auf den Schiffen Glaasen; (Gläser) M weil man sie an dem Sans - Uhr - Gi»ß bemcrcket. Svnsicä IW wechselt derSchisscr-und beedeSteuer-LeuremitdenWach- Msj ten dergestalt um/daß innerhalb-4 Stunden- jeder m Elans» oder 8 Stunden mit seinem Quartier diese Pflicht beobachtet Worbey ihnen auch von andern Unter -- Officircrn / als Hocii- boots-Mcnn/ Sckienian/ (Änarliermeissern / u. a. and» ' Hand gegangen wird: Gleichwie der Sergeant oderSvIdatc»- Sommandeur seine so Mann auf ihren Posten sich gleichfalli ,, alle/ Glasen oder jegliche Stünde fleißig ablösen läßt- Dir ' Engell-nnd Holländer geben jeder Wache auch 4 Stund!», DieFranyosenniir zß, die Türckcn aber;. Wasser mithabe»». Sich der Ebbe oder Fluch bedienen könm Theer ist die Schiffs- Schmincke z»elle, das kleinste Boorgen- dl« «? ( 0)Ktz, Der merckwürdigsten Begebenheiten Des Weltberühmten Kobiritori Lrutoe. S ist ein altes und bekanntes Spruch- wort: Jung gewohnt alr gethan: Und wenn es jemahls bey einem eintzi- gen Menschen eingetroffen, so ist es ganh gewiß bey mir gewesen wie die Erzehlung von meinem gantzen Leben sattsam bezeuget. 'Gantzer fünff und dreyßig Jahr lang habe ich so mancherleyUnglück erlebet,dergleichen wenig Menschen, oder wohl gar niemand vor mir sonst erfahren. Darauf änderte sich mein Glücke, und mir - gierig es wieder wohl. Alles Vergnügen, so ein ' Mensch, dem GOtt ein reichlich Auskommen und ein geruhig Leben gönnet, empfinden kan,hatte ich bereit?. Zähre in der schönsten Ruhe genossen; Ich wäre schon ziemlich beyJahren,und hatte ausderErfahrung, daß der Mensch nie glücklicher ist, als wenn sein Glück mit ihm die Mittelstrasse hält. Wer hätte nun berücken sollen, daß bey solchen Umstanden der mir angebohrte Trieb zu reisen, und noch in der Welt herum H. Theil. A zu r Leben des Erigelländers zu schweiften nicht zugleich mildem flüchtigen Feuer der Jugend längst verrauchet wäre, und daß ich den, W wunderlichen Einfall, min Glück erst in der Welt zu W suchen, annoch Gehör geben sollte, da ich bereits dar L i ste Jahr zurücke geleget lMe- ' M Ausser dem konte der gemeine Bewegungs-Grund, » so uns zu dergleichen Unternehmen schlüßig macht, bey ht« mir nicht mehr statt haben; immassen es nicht ferner ^ um meinGlückzu machen zu thun war, und verm'mff. D tig zu reden sahe ich mich in einem Stande, da ich mich M garnicht reicher achten solte, wenn ich etwa noch hun- rO dert tausend Pfund vor mich brachte: angesehen ich W vor mich und meine Erben Vermögen genung hatte. M Ja dieses vermehrte sich noch darzu von Tagzu Tag ^ denn weil meine Familie klein war, so konte ich mein M Einkommen nicht verthun, es sey denn, daß ich mich hätte über meinen Stand aufführen, und mit Lgmpz. Mj sen, Gesinde und anderen lächerlichen Pracht über» Haussen wollen, von welchen Dingen ich kaum eine d Abbildung in meinem Gemüt hatte, geschweige daß M ich darauff meine ganhe Zuneigung werffen sollen Diestmnach wäre das wohl der einßige Entschluß, den ^ ein weiser Mann, so an meiner Stelle gewesen,genom« jM men,daßer nemlich die Gaben der Göttlichen Vor- sorge gcruhiglich zu gemessen, und solche unter seinen Händen wachsen zu sehen getrachtet hatte. Gleich- ^ wohl waren alle diese Betrachtungen nicht so mach- ^ tig mich zu bewegen der Neigung, welche ich ^ mich von neuem in der Welt zu verlieren hatte, lange ^ Zeit zu wiederstehen. Es war wie eine rechte KranO heit und sonderlich ließ mir das Verlangen meine D ^ sul und meine?lam»Zen sammt der Lolonic, so ich ^ k NsblktKrtErulos.- z § Mbstgelassen, wieder zusehen, nicht einen Augen- blick Ruhe ; dieses war die eintzige Materie meiner ^ Gedancken amTage,und meinerTräume des Nachts; ^ Ja ich redete davon mit lauter Stimme, wenn ich zleichnicht schlieffe, und nichts in der Welt war fähig ^ mir solches aus dem Sinn zu bringen; auch lenckten ^ sich alle meine Reden «dermaßen auf selbige Seite, ^ daß mein Gespräch darüber verdrießlich ward, und ich ^ gewöhnte mir dadurch ein lächerlich Ding an, wel- ches ich gar wohl spürete, ohne daß ich mich indem ^ Stande befund dasselbe zu vermeiden. ^ Nach der Meynung vieler vernünfftiger Personen ^ rühret das ganhe Wesen, welches dasVolck vonden ? Gespensten und Erscheinungen macht, von nichts an- ^ das her als von der Krafft einer unordentlichcn Einbil- 't- düng, welche des Beystandes der Vernunfft beraubet,' und daß solches Herumspahieren der Geister und Ko- ^ bolte pur lautere Grillen sind. Die hefftige Erinne- - rung, welche man bißweilen von seinen guten Freunden ch- und deren Reden hat,Mmmt bey gewissen Umständen -5' die Einbildungs Krafft dergestalt ein, daß man würck« ^ lich glaubt wan sehe sie, man rede mit ihnen,und höre Ä ihre Antwort. Auf gleiche Weise geschiehet es, nach S Meynung solcher geschickten Leute, daß das eingenom- mene Gehirn denSchatten vor dieWürcklichkeit selb- ^ sten halten kan. - Was mich betrifft kan ich sagen, daß ich biß 6aso ^ durch meine eigene Erfahrung nicht weiß, ob es wahrte hafftig Geister giebt, welche erscheinen nachdem sie H don den Cörper abgesondert worden; so will ich auch ,< nicht entscheiden, ob es nur blosse Dünste sind, welche . einem krancken Gehirn das Licht benehmen. Hinge- A - gen Leben des ErrgMndeks genweiß ich sehr wohl, daß mich meine Einbildung Kraffr zur selben Zeit dermasstn am Narren-Seil herum führte, und mich so sehr ausser mir selber brachte, daß ich zuweilen gedachte ich wäre warhasstig voc meinem Schloß, mit allen meinen Bevestigungs- AZercken umgeben,und sähe ganh genau meinen Spq. nier, Freyrags Vate^ und die ieichtfertigenEngellän. der, so ich in meinen Gütern gelassen hatte. Ich sage Noch mehr, ich redete offt mit diesen eingebildetenPe^ Lnen, und ob ich gleich wachte^ so sahe ich sie doch nicht änderst an als Leute, welche würckitch vor meinen Au- genstunden. Dieser eitele Wahn gieng vielmahls» weit, daß mich solche errichtete Bilder in warhaffuges Erschrecken /atzten. Emsmahls hatte ich einen Traum, in welchem mir der Spanier und der alteWldeeine so besondere und lebhaffte Nachricht von vielen Ver- rathereyen der drey aufrührischen Engelländer gaben, daß es die allcrerstaunlichsteSache von der Welt war. Selbige erzehlten mir, daß diese Meineydige sich vorgenommen alle Spanier nieder;« machen,, und daß sie allen ihren Vorrath verbrannt hätten, damit sie möchten Hungers sterben. Dieses, waren nun Sachen davon ich niemahls reden hören, und die keinen sachlichen Grund hatten; Jedoch aber konte ich, weil ich diesem Traum Glauben beymaß, mich nicht enthalten solche vor gäntzlich wahr zu halten, biß daß ich des Gegentheils völlig überzeuget wäre. Zu gleicher Zeit hakte mich auch geträumet, daß mir der Spanier Beschuldigungen dergestalt zu Herßen gegangen, daß ich vorgedachte Bäsewichter zur Rede sichte, und solche alle drey zum Strang verurtheilte! Man wird an sei« krem Ort sehen was an diesem Gesicht wachasstiges zu W K Ä!k ;Zw ^ köbillkön z 2 befinden war; Wie aber die Ursache, so mir solche der A Einbildung darboth, beschaffen war, so kam solche der N Warheit nur allzunahe bey, ob sie schön M nicht nach Ä allen Puncten wahr fand, denn die Aufführung dieser ^ eingefleischten Teuffel war dergestalt abscheulich ge- W wefen, daß wenn ich sie bey meinerZurückkunfft in die Jnsulhätte am Leben straffen lassen,so wäre ihnen von mir gar recht geschehen, ohne daß man mich dißfglis ^ weder vor GOtt noch vor denMenschen hätte als einen Mchäter betrachten können. ^ Dem sey wie ihm wolle, ich lebte in diesemZustande M viele Jahre, und fand in keiner Sache die geringste Annehmlichkeit oder die geringste Lust, daferne solche ^ mit meiner wunderlichen Neigung nicht einige Ge- ^ mcinschafft hatte. Als nun meine Frau sahe mit was für Ungestüm mich alle meine Gedancken zusothanen' ^ ülwernünffigen Anschlagen trieben, so sagte sie zu mir ^ emsmahls in der Nacht,daß ihrer Meynung nach die- ^ st Bewegungen, denen ich nicht wiederstehenkönte, ^ von der göttlichen Vorsehung herrührten, welche mei- ^ neZurückrcise in diese Jnsul beschloßen hätte, und daß ^ fie nichts jähe,das mich darvon abwendig machen kön« ^ te, als meine Liebe zu ihr und zu meinen Kindern; auch ^. wäre sie versichert, daß, wenn sie mit Tode abgienge, ^ ich diesen Entschluß ohne Bedencken nehmen würde ^ well es aber eine im Himmel beschlosseneSache wäre, stwürdeesihrhertzlich leyd seyn, wenn sie allcine eine ^ Hinderniß darein streuen solte. Auf diese Rede gab ich nun genau acht und sahe sie dabey so steiff an, daß ! ^ sie gantz bestürtzt ward und auf einmahl stillschwieg., ^ 2ch fragte sie, warum sie nicht fortführe mir alles zu sagen,was sie hiervon gedächte. Allein ich ward ge- dl 3 wahr, Leben des Eugelländers wahr, daß sie das Hertz so voll hatte, daß ihr die Thränen aus den Augen zu fliesten anfingen. Redet doch mein liebes Weib, sagte ich zu ihr, wünschet ihr, daß ich fortgehe? Nein, gab sie zur Antwort, weitgefehlr,jedoch wenn ihr darzu entschlösse» seyd, so bin ich bereit viel lieber mit euch forc zu gehen, als euch darvon abwendig zumachen; Denn ob ich gleich befinde, daß fich dieser Entschluß vor euer Alter gar wenig schickt, und daß solcher vor den Zustand eures Glücks sehr übel ausgesucht ist, so bin ich doch nicht gefin- rret euch zu verlasen, wenn dieSache ja schlechter Dings seyn soll; Ihr seyd gehalten solches zuthun, falls euch dieses hefftige Verlangen von dem Himmel zugeschickt wird; Auch möget ihr demselben keineswegs wiederstehen oh neeurerpslichrzuwiederzu handeln,und ich würde meiner schlecht nach leben, wenn ich nicht den Entschluß faßte euch zu folgen. Diest liebreiche Worte vertrieben ein wenig meine Dünste, und gaben mir Anlaß, daß ich die Natur meines Vorhabens auf eine stillere Art in Erwegung zog; ich stellte mir alles, was vor einen Mann von meinem Alter hierbey thöricht wäre, vor die Augen, sieh ohne einige erhebliche Ursache von neuem in die Gefährlichkeiten zu stürtzen, aus welchen ich so glücklich gekommen, und in sothanes Elend darauff ein vollkommen glückliches Leben gefolget wäre, dafcrne ich nicht selber Bitterkeit darein mengen wollen. Hiernechst betrachtete ich, daß ausser dem daß nur die Jugend und die Armuth dergleichen Vornehmen einzugeben fähig wäre, ich über dieses eine Frau und ein -B Dk Ä>s- Dr ÄS «ch D > 4 litt! kobinlon Oulos. 7 e,n Kind hatte, welchem bald noch ein anders folgen M würde; .daß ich mich alles befaß was ich verlangen korr- ^ te, und ich zu dem alt genung wäre, daß iä) mehr den- cken tönte mich bald von demjenigen, was ich bereits erworben, auf ewig zu scheiden, als dessenHauffen fer- ner zu vermehren. Was anlanget die innerliche Er- innmmg des Himmels, der meine Frau mein Vorha- ^ den zuschrieb, so war ich deren nicht allzusehr überzeu- Hh get, und nachdem ich lange Zeit mit der Krafft meiner Einbildung gestritten hatte, so ward ich derselben end- öH lich Herr, wie ich glaube, daß man in dergleichen Fäl- len allezeit thun kan, woferne man nur es ernstlich will: ü-i Es gelung mir nach und nach mich durch die vernünf- tigen Gründe, wovon ich jeho Meldung gethan, in Ru- dL- he zusetzen; was aber das meiste hierzu beytrug, sol- üL chcs war mein genommenes Vorhaben mir etwas zu thun zu machen und mir einige Geschaffte zu suchen, »N welche da geschickt wären mir nicht Raum zulassen .... meine Einbildungs - Krafft dergleichen eigensinnigen ^ Gedancken prciß zu geben. Denn ich hatte warge- > nommen, daß mein Gehirn niemals darmit angefüllet ^ als wenn ich müßig war und nichts hatte daran ich die K. natürliclze Hurtigkeit meines Gemüchs üben konte. ^ Diesem neuen Entschluß zur Folge kauffte ich mir ^ in der Grafschafft Le65or6 einen Meverhos des Vor- Habens darauff zu wohnen. Das Hauß war artig, ^ und die Felder, so um selbiges herum lagen, waren sehr ^ beqvemverbessert zu werden. Vor mich schickte sich nichts besser, weil ich von Natur grosse Lust zum Acker» . ^ bau und zu allen den Sorgen hatte, welche man über ^ sich nehmen muß, wenn man die Einkünffte eineskand- ^Guts vermehren will. Über dieses war mein Lusthauß ^ A 4 von 8 Leben des Ettgellanders von dem Meer entfernet, welches mich demUdme ^ durch den Umgang mit den Seefahrern, und durch die Erzehlung alles desjenigen,so die entfernetenLänder ^ anbetraff, meine Thorheiten zu verneuern. ^ Ai' Nachdem ich wich nun mtt meiner gantzen Familie ^ dahin gesehethatte, sokauffteich Pflüge benebstallen Si? andern so zuBauung der Accker nöthig ist; Ich verfahr KV mich mit Karren, mit einem Wagen, Pferden,Kühen, B Schafen; und indem ich also mich mit Fleiß auf die jD» Arbeit legte, so sahe ich mich in einer Zeit von sechsM» B nathen als einen wahrhafftigen Land-Edelmann. Ich -B beflisse mich gantz und gar meine Ackerleuthe zu regle- ren, zu pflanhen, Zaune zu machen, und ich vermeyncke M das glückseligste Leben zu führen - welches die Natur jis einem Menschen geben könne, der da nach langer Un- D> ruhe einen sichern Ort wider neues Unglück suchet, sii! Ich bauete mein eigenes Land, keine Gefälle hatte M ich zu bezahlen, ich war Herr, ich konte pflanhen, aus- -ch reuten, bauen, niederreißen, alles wie ich es vor gut be- 8 fand; alles was ich einerndtete war vor mich,und alles « was ich verbessern ließ, war meinen Nachkommen zum besten. Nunmehr« dachte ich mehr mehr den Lauff iht meines herumirrenden Lebens anzutreten, und indem ^ ich mich von aller Traurigkeit und Verdruß befteyet sahe, so glaubte ich, daß ich diejenige glückseelige Mit- ^ telmäßigkeit, welche mir mein Vater so öffters gelobet, wahrhafftig erlanget hätte; Die Annehmlichkeiten, welche ich damahls in dem Leben genossen, erinnerte» G mein Gemüth offt an diesen Versen eines Poeten: ^ Hier schmecket man das Glück der wahren güldnen ^ Lobinlon Ouioe. Wo man von Hof entfernt, kein Laster nie regiert. Die Jugend unsers Orts lebt ohn Verdrießlichkeit, Die Alten in der Ruh' ein jeder unvexirt. Jedoch ward ich in dieser Glückseligkeit durch einen tinhigen unversehenen Streich des Verhängnisses ge« störet,dessen traurige Würckung nicht nur ohne Hülst- miktel war, sondern dessen Folgerungen mich auch tief- fer in meine kämmen stürheten, als vorher» noch niemahls geschehen war. Diese betrübte Neigung in der Welt herum ;u lausten vergliche sich bey mir nu't einer Kranckheit, welche im Geblüth steckt, und eine Zeitlang durch die Arhneyen zurück gehalten wird, nachmahls aber den Leib mit einer Gewalt einnimmt, welcherman nichtwiederstehen kan. Der Streich- davon ich rede war der Verlust meines Weibes. Mein Zweck ist indessen gar nicht derselben Lobrede hierzu halten, ihre gute Eigenschafften umständlich zu beschreiben, und meiner Frauen zu Ehren eine Rede zu verfertigen um dadurch des schönen Frauenzimmers Gewogenheit vermittelst einiger wohlausgesonnenen Schmeicheleyen zu erlangen. Nur will ich so viel sagen, daß sie die Stütze aller meiner Sachen war, der Mittel-Punct aller meiner Anschläge, die Urheberin meiner gantzen Glückseeligkeit; Weil sie mich von der Vollziehung meiner eiteln Anschläge durch ihre Klugheit abwendig gemacht hatte. Ihre liebreiche Reden hakten in mir weit nützlichere Gedancken zu wege gebracht, als meine eigene Vernunfft, die Thränen einer Mutter, die weisen Lehren eines vernünfftigen Vaters, und die klugen Rathschläge meiner guten Freunde vor diesem niemahls in meinem Gemüth zu wurcken A s fähig I s Leben des Engelländere fähig geweftn waren. Ich hatte mir tausendmahl ö- N »tulirt, daß ich mich durch ihre Sanfftmuch, und M, Liebe;» meiner Person, gewinnen lassen; und nach ih- rcmTod betrachtete ich mich als einen Mann, welcher in der Welt von seinerStekle gestoßen,und aller Hüls stund alles Trostes beraubet wäre. F Zn diesem betrübten Zustand hielt ich mich in mei- F> ncrn Vatcrlande vor eben so ftembd als^ ich in Braß- K lien war da ich zu anfangs daselbst anlandete, und cd B ich schon von meinen Hausgenossen umgeben war, so D' befand ich mich doch bey nahe eben so allein, als ich in D meiner Jnsul war. Ich wüste nichtwas ich vor einen Entschluß faßen solte; Um mich) herum sahe ich alle W Menschen sich mit Geschafften bemühen, einige such- ten ihr Leben mit der schwerestenArbeit zu erhalten,an- Wl> dere verdarben in den lächerlichsten Eitelkeiten, oder M giengen in den allcrschandlichstcn Lastern;uGrunde, M ohne daß weder einer noch der andere die Glückseelig- ^ keit, die ein jeder zu seinem einhigen Zweck hat, er- D langte. M Ich sahe daß den Reichen die Gewohnheit sich der Wollust;u ergeben endlich einen Eckel darvor machte, H und daß sie sich durch ihr liederliches Leben einen un- ^ glücklichen Schatz voller Schmertzen und bösen Ge- M Wissens samleten; Hingegen sahe ich den Armen alle seine Kräffte anwenden um so viel zu erwerben, damit ^ er solche erhalten möchte, und indem selbiger in einem ^ immerwährenden Kreyß der Mühe und Unruhe he- ^ rum liess sahe ich, daß er nur arbeitete,daß er leben,und lebte, daß er arbeiten könte. es Diese Betrachtungen verursachten daß ich mir der ^ Lebens, welches ich vor diesem in meinem klcinemM kkobinlon Eruloe. n 5 chreich gefüllt, erinnerte / woselbst ich nur soviel ; Eetrayde gesäct, als ich auf ein Jahr benöthiget war, M wo ich mir nicht die Mühe genommen grosseHccr- ^7 den zustimmen zu bringen, weil ich deren zu meinemUn- ""E verhalt nicht nöthig hatte, mit einem Wort: wo ich ^ das Geld verschimmeln ließ ohne solches länger als inzwantzig Jahren eines einhigen Blicks zu wür- ^ digen. 'I Wenn ich mir nun die Frucht, zu welcher mich die , ,7 gesunde Vernunfft, und kluge Überlegung führten, 'aus allen diesen Betrachtungen zu Nutz gemacht hät- v te, so würde ich eine vollkommene Glückseeligkcit an- ' - derswo als in den Wollüsten dieses Lebens zu suchen ' - gelernet haben; Ich hatte meine Gedancken auff - einen beständigen Zweck gerichtet, dahin alles zielet ' was uns hier auf Erden begegnet, und welchem das -- gegenwärtige Leben zu einer Vorbereitung dienen soll. " Kurtz ich hätte sollen an eine sothane Glückseeligkcit z- gedencken, daran uns viel liegt daß wir uns deren Besitzes versichern , ja deren Erstlinge wir auch jctzo schon genießen können. r Alleine ich hatte mit meiner Frau zugleich meinen > Führer verlohren, ich war wie ein SchiffohneSleu- 7' er-Ruder, welches die Winde nach ihrem Gefallen r) herumtreiben, das Auslauffen und die sonderlichen -5 Begebenheiten kamen mir von neuem in dcnKopff; alle mein unschuldiger Zeitvertreib, meine Aecker, ^ mein Garten, meine kamilie, mein Vieh, welche mir ,:.e auf eine so vergnügliche Art zu thun gegeben hatten, vor mich gar nichts annehmliches war. Es war e- ^ den wie eine Music vor einen Mann der keine Ohren «i- hat, und wie gute Gerichte vor einen Krancken der A 6 vor ir Lebendes EngellLnders vor dem Essen einen Ecke! und keinen ha? Diese traurige Unempfindlichkeit gegen alles was mir einige Zeit vorher das sussesie Vergnügen erwecket hatte,veranlasset mich den Entschluß zunehmen das Land zu verlassen , lind wiederum nach Lvnden zir kehren. - Jedoch begleitete mich eben die lange Weile und der Verdruß an jeHtgedachten Ort, denn ich hatte da nichts zu thun; ich liess ohne die geringste Absicht hier und da herum wie ein Müßiggänger, von dem man sagen kan, daß er unter allen erschaffenen Dingen gantzundgar unnüßlich ist, und dessen LebenundM den andernMenschen sehr gleichgültig seyn soll. Dieses war auch unter allen Beschaffenheiten des menschlichen Lebens eben diejenige, vor welcher ich den meisten Abscheu hatte, als der ich von meiner zartesten Kindheit an zu einer emsigen Lebens-Art gewöhnet war. Meiner Meinung nach sind die farilenSchlm- gel die Hefen des menschlichen Geschlechts, und ich glaubte, daß meine gegenwärtige Aufführung der Vortrefflichkeit meiner Natur bey weiten nicht so gewiß als diejenige wäre, die ich in meiner IM gehabt, daichemBret zumachen einen gantzen Monat zugebracht hatte. Zu Anfang des r 69 z Jahrs kam mein Vetter den ich zum See-Wesen auferzogen, und welchem ich ein Schiff;» commanckren gegebe hatte,von einer kleinen Reisen, die er nach KiMo gethan, zurück , und dieses war die erste so er alsPatrvn verrichtet.Jndem er mich nun besuchte, so sagte er zu mir, daß ihm gewiffeKauff- leute angetragen hätten eine Reise vor sie nach Indien und Lkina zu thun ; Mein Herr Vetter, fuhr . er kobmlon Oulös. r; v > >-- ^ er fort, würde er wohl soübel thun, wann er mit ^ mir käme ? Ich getraue mir es dahin zubrin- ^ gen daß er feine Insul wieder sehen soll, denn chr ich habe Befeh l Brasilien zu berühren- ijr; Nichts ,st meiner Meinung nach ein handgreiffir- " cher Beweiß eines zukünfftigen Lebens und des wchr- haffrigen Wesens einer unsichtbaren Welt, als eine gewisse Übereinstimmung der erschaffenensDinge mit den Gedancken , welche uns im Sinn herum gehen, ohne daß wir-gegen eine lebendige Seele etwas dar- .7', von gedenchen- .-s Atein Vetter wüste ganH und gar nichts darvvn, .si M sehr meine Neigung mder Welt herum zu lauf- sii.. fw bey mir wiedergewachsen war, und ich wüste von ^ feinem neuen Unternehmen ebenfalls nichts. Gleiche I.. wohl war ist) an eben dem Morgen, ohne daß ich mich ^ Zuspruchs versehen, bemühet gewesen meine Begierig den gegen alle Umstände der Beschaffenheit, in weh ig cher ich war, zuhalten, und endlich hatte ich folgenden Entschluß genommen; Jchwvlte ncmlich nach Uilä- tpn gehen, und meinen alten Portugiesischen Lspimi- c, ve wegen meines Vorhabens um Nachfragen^ und ^ wann er solches vor weise und chunlich achtete, so wol- ' ^ st ich mich mit einem Patent versehen, krafft dessen ich ^ Erlaubniß bekäme meine Jnsulmtt Volck zu besitzen/ ^ «B eine Lolonie . it mir dahin zuführen. Kaum hatte ich bey diesen Gedancken festen Fußgefasset,^ ch kommt gleich mein Vetter zu mir hinein, und schlägt mir vor, daß ichmitihm dahin geben svlte. Sem Vertrag sitzte mich anfangs in ein lieffes ^ Nachsinnen, und nachdem ich ihm, eine Minute steiff angesehen, sagte ich zu ihm: welcher böse Geist ^ hat 14 Leben des Engellanders hak euch hierher geführer mir diese unsechge Gedancken in den Ropff zu bringen ? In, fang schien er über diese Worte etwas bestacht, st doch alser innen ward, daß ichvor diesem Vorschlqq keinen sehr grossen Abscheu bezeigte, so erhvhlte er siA und sagte zu mir: wie denn, Herr Vetter, ist dieser Vorschlag so sehr zu verwerffen ? Es ist ja gar natürlich wie mich bedünckr, daß er verlangen traget, seine kleineSraaten wiederzusehen, woselbst er vor diesem mir größerer Glücksee. ligkeit regieret Hat, als seine Bruder die andern Menschen deren gemessen. Mit einem Wort der Vorschlag kam mit der Beschaffenheit meines Gemüths so rkhtig überem,daß ich selbigen annahm, und zu ihm sagte, daß wenn ersieh mit den Knuffen- ten wegen dieser Reise vergliche, so wäre ich entsylof- sen-ihm zu folgen, daferne ich nur nicht weiter als nach meiner Jnsul gehen dürffte. wie denns mein Herr, sagte er zu mir, ich will nicht hoffen, daß er Lust habe daselbst gelassen zu werden, und allda von neuem nach seiner alten Art zu leben. Gang und gar nicht, gab ich zu Antwort, wenn ihr aus Indienzurück kom- m er, kennet ihr mich nicht wieder abhohlen? Er antwortete mir wieder, daß es nicht schiene, daß ihnr seine Kauffleute vergönnen würden diesen Umweg mir einem beladenen Schiff zu nehmen, weil er da? durch seine Reise auf viele Monathe verlängern kow te. Zudem, sagte er,wenn er das Unglück hatt« und Schistbruch litte, so würde er gleich in o den dem betrübten Zustande seyn, aus welchem er sich mit so grossem Glück gerissen hat. v ' «i kobinlon Sruloel i s ^ diesem Einwurff war nun allerdingsHer- stand, allein wir fanden ein Mittel diesem Unheil ab- l6 Lebett des Eiigellanders und sowohl meine Duuiiien - Sachen, alö die Auferzie- lhung meiner Kinder auf einen ordentlichen Fuß -ß sitzen. . Um aber in diesem Stuck nichts zu verabsäumen, jömachte ich mein Testament, und ließ mein Vermögen in so guten Handen, daß ich gewiß versichertwar, daß meine Kinder von selbiger Seite her nichts verlieren würden, was mir auch gleich vor ein Zufall begegnen möchte, und was ihre Aufferziehungs-Artende, langte, so verließ ich mich dißfalls ganh und gar auff meine gute ehrliche Wittwe, der ich zugleich ein klein Einkommen bestimmte, welches so weit hinlänglich war, daß sie gemächlich leben konte. MitderZeit ha-> be ich gesehen, daß niemahls eine Wohlthue besser angewendet worden, immassen keine Mutter vor ihre eigene Kinder zartlichereSorge tragen konte, und baß es nicht möglich gewesen sich hierbey mit grösserer Klugheit aufzuführen. Diese ehrliche Frau lebte indessen noch solange, daß sie mich wieder zurück kommen sahe, und neue Würckungen meiner Erkenntlichkeit genoß. Mein Vetter stund fertig in Anfang des Jenners unter Seegel zugehen, und ich gierig den i b.mit meinem treuen Freytag in den Dunen zu Schiff. Ist der meine zerlegte Schaluppe hatte ich eine ansehnliche Ladung von allerhand nöthigen Sachen vor meineO lonie bey mir des Vorhabens solche in dem Schiffzu lassen, wenn ich meine Unterthanen nicht in einem gebührenden Zustand fände. Erstlich hatte ich einige Knechte und Diener bey mir, welche ich in meiner Jnsul zu lassen geneigt war. "indessen Den sie Zeit meiner Anwesenheit, daselbst vcr B A W O Kobinlon Lruloe.' r? N vor mich arbeiten , mit der Erlaubniß daselbst zu bleiben, oder mir zu folgen, wenn ich den Entschluß nähme, von dar hinweg zu gehen. Es befanden sich unter den» selbigen zwey Zimmerleute, ein Schlosser und ein ander sthr geschickter Kopff, welcher ohnerachtet er nur ein Bottger seines Handwercks, ein solcher Künstler war, der allechand l^cbmen oder Werckzeug verfertigen konte. Er war sehr geschickt Räder zu machen, und Handmuhlen das Gekrayde zu mahlen; Ferner war er ein Drechsler, auch ein Täpsser und dabey fähig allerhand höltzerne und irrdene Arbeit vollkommen m verfertigen, mit einem Wort, er verdienete den Nahmen kactorum, den wir ihm beylegten, gar wohl. . Über diese da, führte ich einen Schneider mit mir, selbiger hatte sich angeboten mit meinem Better als ein Reisender nach Indien zu gehen, nachgehends aber verwilligte er sich in meiner Ooloaie nieder zu lassen, solcher war ebenfalls einsehe geschickter Kerl, der mir mit der Zeit sehr dienlich war in Ansehung vieler Sachen auch so gar in solchen, die von seinem Handwerck weit abgiengen, denn wie ich schon gesagt habe, nichts lernt die Kunst allerhand Werckzeug zu machen besser als die Noth. Meine Ladung bestand, so viel ich mich dessen erinnern kan, meiner ziemlich grossen Menge Leinwand, und kleinen dünnen Zeugen, so beqvem waren, die Spanier zu kleiden, welche ich in meiner Jnsul zu finden vermuthete, und deren waren meiner Rechnung nach, zur Gnüge da, dieselben länger als sieben Jahr reinlich zu halten. Wenn man auch noch alle andere nöthige Sachen, dieselben zu bedecken hinzusetzet, als n. Theil» B Hand- r 8 Leben des Engellättdetv Handschuhe, Hüte, Schuhe, Strümpffe, so b!2 ^ fch solches ungefehr auffroo. Pfund Sterlings. Z„ M doch war hierunter begriffen alles, was nöthigzuBeh Ot len,ingleichen allerhand Kuchen-Geschirr, Töpffe, « Kessel, und Kupffer, deren noch eine grössere Anzahl m B machen. Diesem hatte ich ungefehr hundert Pfuch ^ -verarbeitetes Eisen beygefüget, als Nagel, allerhand Merckzeug, Haacken, Thürangeln, Schlösser rc. . ß Hiernechst soll ich nicht vergessen einenVorrachvvn «s hundert Stuck Schieß-Gewehr,als MusqvetenFliiu A ten, Pistolen, viel Kugeln von allerhand Größe, M ^ zwey eherneStücken Geschütz, und gleichwie mir er unmöglich war, daß ich die Gefahr, darein meine Lo. loriie dermahleinst gerathen mochte. Morschen kon- te, so hatte ich das Schiffnoch mit hundert Fäßgen K Stück-Pulver beladen, ingleichen mit Degen, Se- ch beln, samt vielen Picken-Eisen und Hellebarden. U- der dieses bat ich meinen Vetter, daß er zwey kleine Stücken, so man auf den Oberhvf zustellen pflegt, m U der seine benöthigte Zahl mttnehmen möchte, dami' M ich solche in derJnsul lassen könte, wann es nöthig rm „ ^ re daselbst eine Schanhe anzulegen, und solche wider H einen oder den andern Feind in velenllons-Stand ^ zu sehen: Diese Vorsicht war nicht so gar unnützlich, ^ wie ich solches bey meiner Ankunfft zu gedencken Ur- A sachhatte, gestalt man in der Fortsetzung diese? kij schicht ersehen wird, daß nicht weniger hierzu echr. ^ dert ward, wenn man sich bey dem Besitz der Jvsul er« ^ halten wolte. ^ Diese Reife gelang mir inzwischen weitbesser als ^ die andern, so ich zur See gethan hatte, und verfolg- ^ pch werde ich nicht offtgenöthiset ftyn, den Leser, mb ^ Kobinlon Oukoe. chem vielleicht schon die Zeit lang wird den Zustand, in welchem sich meine Lolonie befand, zu vernehmen, durch die Erzehlung einiger verdrießlicher Zufälle auff- ^ zuhalten- Gleichwohlistesgewiß, daß wir anfangs conrraireWinde hatten, welche einige andere Wider- , wartiakeiten, welche verursachten, daß die Reise.länB ' KN wahret« als ich schösset hatte. ' MemeReist nach Ouinea war blß dahin die ein» ^ zige gewesen, von welcher ich so war zurückgekommen^ ' Mich es mir hatte vorgenommen, und dieses machte ' daß ich befürchtete, ich würde auf meinen Fahrten " stets unglücklich/eyn: angesehen ich auf dem Lande ^niemahls vergnügt zu seyn, undauffder See allezeit 'Unglück zu haben pflegte. Die widrigen Winde trieben uns im Anfang ge- l gen Norden, nöthigten uns auch in den Inländischen < Haftn einzulauffen, und hielten uns da- - selbst drey und zwantzig Tage, bei) diesem kleinen Un, - glück aber hatten wir das Vergnügen, daß die Lebens, Mittel allda im Überfluß und wohlfeil waren, also daß - wir, an statt unsern Vorrath zu vermindern, Gele- - genheit hatten,denftlben zu vermehren.Da ließ ich virile Schweine und Kälber zu Schiffbringen, ingkeichen zwey Kül>e, welche ich willens war, wenn wir eine : glückliche Reise hätten, in meiner Jnsul auszuladen; ^ allein ich muste solche auf eine andere Art anwenden. ^ Den fünssken kebruarii giengen wir mit einem fri- Ä jchen Wind wieder unter Seegel. Selbiger wahre, te viele Tage, ohne einigen schlimmen Zufall, ausser . einem einigen, welcher sich wohl die Muhe verlohnet, - öaß er mit allen feinen Umstanden berichtet wird. Ken ro, kchruarii jähen wir Abends den Boths- B » Knecht -,ec in das Gewässer von OrmLäa nach Franckreich Kieng,und der Patron erzehlte uns die Umstände dir- ^ fes Unglücks, der Länge nach. , Das Feuer war anfangs durch Unvorsichtig"» H, besam Steuer-Ruder sitzenden Boots, Knechts, in W dem! Lic lvr '> kodmlon <^rukok -em L^biner. wo man den Compaß, Lichter und dergleichen hinthut, ausgekommen. Als darauff/eder- man zugclauffen, so hätte Mn gemeinet,daßesün- fthlbar ausaelöschetware,nachgehendö aber hätte man wargenommen, daß eine Funcken an gewisse Oerter des Schiffs gefallen, dahin man unmöglich kommen können. Von dar hätte es den Kill ergriffen, von welchem es sich im gantzen Schiffmit einer sothanen Gewalt ausgebreitet, daß weder Arbeit noch Geschick- lichkeit fähig gewesen, darvonHerv zu werden. Ihr «inhiger Rath, so ihnen übrig geblieben, wäre die Verfassung des Schiffs gewesen. Zu gutem Glück hätten sie zwey ziemlich grosse Boote benebst einem kleinen gehabt,wie wohl ihnen der letztere, zu nichts anders als zu den Lebens-Mitteln und frischen Wasser dienen können. ' - In diesem Zustand wäre das allein ihr Trost gewesen, daß sie dem Feuer entgangen wären, denn sich zn lölviren, hätten sie vernünfftiger Weise nicht hoffet» dürsten, weil sie vvm Lande so weit entfernet wären. Das eintzige Glück, damit sie sich schmeicheln können, wäre dieHoffnung gewesen,etwa ein Schiff im Meer zu finden, welches ihnen die Güte erzeigte, und sie a» Bord nähme. Sie hättenSeegel,Ruder, einenCom- paß gehabt, und sich fertig gemacht wieder nach ?crr, nova mit einem beqvemen Wind zu kehren. Alle» Verrath , den sie besessen , hätte aufs höchste nicht weiter zugereichet, als daß sie innerhalb zwölff Tagen nicht Hungers sterben dürsten, binnen welcher Zeit,wenn sie gut Wetter und beqvemen Wind gehabt, sie biß an die Bancke selbigen Landes zu kommen Schofft, und sich allda durch das Fischen so lange zu er- B 4 Haltes Lebendes Engelländers -4 halten gedacht hätten, biß daß sie an das Land kvnmZ Ä können; Jedoch hätten sie hierbei) so viel Gefahr, Ür>. B gewitter, widrige Winde, Regen und jothane Kälte ; ^ zu befürchten gehabt, die da fähig gewesen alle ihr? D Gliedmassen starr zu machen, dahero wenn sie darvvn is," gekommen, so tönte solches nicht anders als durch eini, gesWunderwerck geschehen seyn. Mitten aber unter B ihrenBerathschlagungen hatten siechn schon alle fastin K' Verzwciffelunggefallen, mit einer unbeschreiblichen O Freude einen Canönen- Schuß gehört, welchem noch ß! vier andere gefolgt: Ihr Much wäre dadurch wiedep D ganh ermuntert worden, und hätten, wie meine Ab, W ficht gewesen, dadurch verbanden, daß ein Schiff!« B der Nähe wäre, so ihnenHülffe anböte. tz Darauffhätten sie ihre Masten und Seegel nieder» M gelegt, weil ihnen der Wind nicht vergönnet an uns zu jtz kommen, undeimgeZeit drauffware, durch die Erbin »,»! ckung unserer Lichter, und durch unsere Canvnenr «i Schüsse, so sich die ganhe Nacht über von Zeit zu Zeit » hören lassen/ihre Hoffnung verdoppelt worden- Sie D hätten auch drey Musqveten-Schüsse gethan, welche i« aber von uns wegen des contt-Mn Winds nicht ge« »tz höret worden. ' I Nichts destoweniger hätten sie ihre Ruder in das « Wasser gethan,damit sie zum wenigsten hindern mäch ni! ten, daß sie durch den Wind nicht fort getrieben wür» i« den, und wir desto leichter zu ihnen kommen käuten. Endlich wären sie mit einer unbeschreiblichen Freude zs„ gewahr worden, daß wir sie im Gesicht hätten und auff h, siezuseegelten. Mir ist es nicht möglich die erstaunlichen Geberden, ^ Entzirckungen, und mancherley koScm-en abzumad» Ä kobinlon druloe. r; llndurch welche diese arme Leute die Freude, so sie ü- A her eine so unverhoffteErrettung empfanden,ausdrück- ^ ten. Die Betrübniß undFurcht können garleicht be- ^ schrieben werden, immassen Seuffzer, Thränen, Ge- O schrey- einige Bewegungen mit dem Haupt und Hän- ^ henderengantzeMannichfaltigkeit ausmachen; Eine ^ unmäßige Freude aber, sonderlich eine plötzliche,brin- D getW Menschen zu einer grossen Menge wunderli, cherDinge, die einander entgegen sind- ^ Einige yon diesen armen Leuten ersoffen gleichsam ^ in ihren Thränen, andere schienen rasend, und zerrissen sich ihre Kleider, als wenn sie- in der grausamsten Ver-» zweiffelung gewesen wären. Einige schienen rechte Stocknarren, sie liessen hier und dahin, stampfften mit den Füssen und rungen die kL> Hände. Die andern tautzken, hingen, lachten über- ^ laut, und fchryen vor Freuden; Diese hiev waren gantz Ä. dumm und betäubet, ja unfähig ein eintzigesWort vor- Ä zubringen; Jene hingegen waren kranck und schienen »i Äs wenn sie gleich in Ohnmacht fallen wölken. Kurtz « i kie wenigsten machten das Creutz vvr sich, und danck- A N GOtt vor ihre Errettung. . Diesen letzten Umstand erzehle ich nicht dem Leser W eine übele Meynung von ihnen beyzubringen, angese« B Heu ich nicht zweiffele, sie werden nachgehends den? A Himmel von Grund ihrer Seelen gedancket haben; sili leudem sie befanden sich im Anfang so voller ^KdÄen, W sie von ihren Bewegungen und Gedancken nicht Zs Herr waren; sie steckten in einer Art von Unsinnigst, und es waren wenige unter ihnen, die genügsame ^ Mmulhs-Krafft besassen sich in ihrer Freude zu muss B 5 Es r 6 Leben des Ettgellänbeks Es kanwohl seyn, daß ihr Temperament zu ihr^ ^ «berflüßigen Ausschweiffungen etwas beygetragen^ T sie waren Franhosen, ein Volck, welches hitzige) pMonixter, und mehr als ein anders fähig ist, von ei- «er Extremität;» der andern zuschreiten, wegen'des/ ^ Wenigen Feuers, so ihre Lebens-Geister erwecket. Ich ^ bin kein so grosser ?KHofopdu8, daß ich hierüber Ä gründlichmeine Gedancken eröffnen kan; ich mag a- r« der wohl sagen, daß ich dergleichen FrcudemBeM E gung meine Lebetage noch nicht gesehen hatte. Sei» ^ cher kömmt nichts näher bey, als die wunderlichen Sprünge,die mein treuer Freycag machte, da er sei- * nen Vater in dem Canvt gebunden fand; Neben dem 5 gestehe ich, daß ich in der Bestürhung des Englischen W Capirains und seiner beyden Cammeraden, welche ^ Ich vor diesem aus den Händen der Verräther, so sie " ^ in meiner Jnsul verlassen wolten, errettete, etwas der- " gleichen fand; Im Grund der Warhcit aber kan al- E' kes dieses mit demjenigen, was ich bey dieser Gelenheit bemerckte, gar nicht verglichen werden. Merdieses !» muß man beobachten, daß diese wunderliche Dinge, D auffdie Art wie ich sie beschrieben, nicht zertheilter M Weise an diesen Franhosen zum Vorschein kamen, «emlich daß einer nichts anders gethan, als gelacht ui rmd der andere nur geweinet hätte, sondern dieselben ^ folgten bey einem reden insonderheit mit aller dieser ^ Abwechselung geschwind auffeinander; Einer, der in » einem Augenblick getäubet und dumm schiene, wie ein D Mensch, den der Donner gerühret, ficng einen Au- ^ genblick drauff an zu tanken, zuspringen, und zu Ä schreyen wie ein Narr; Bald riß er sich die Haare W aus und die Kleider in Stücken, und trat sie mit M N kobrnlön k^nilok» 27 . sen,wie ein Einwohner des Narren-Hauses; bald vergoß er einen Thranen-Bach, wurde schwach, fiel ^ in Ohnmacht, und wenn mau ihm nicht wäre zu Hälft ch- ftgekommen, so würde auf diese gewaltsame Bewe- - - Zungen der Tod erfolget seyn. Mit allen oder mir -tz denwenigsten war es nicht so, jedoch fast mit jeden, e ^ M,d wenn ich mich dessen recht erinnere, so muste unser Schiffe Barbierer deren wohl dreysigen zur Ader laßen. >: Es waren zwey Priester unter ihnen', einer noch ^ jung, der andere alt, und was hierbey billig zuver- 01 wundern, so war der älteste am wenigsten klug. So bald er den Fuß in unser Schiff satzte, so fiel er der ^ Lange lang zu Boden, und war starr, als wenn er -. todt wäre. Unser Wund-Artzt wendete alsobald sol- che Mittel an, die beqvem waren, daß er wieder zu sich selbst kommen konte, maßen er im Schiff der eintzige war, welcher glaubte, daß sich noch ein Füncklein Le- den in ihm befände. Nachdem er ihm darauff den ,, Armen gerieben selbigen wieder zu wärmen, und das .j' Büitdarein zu bringen, so ließ er ihm zur Ader. An-? ^ fangs lieffdas Blut nur Tropffen vorTrvpffen,nach» ^ mahls aber kam es mit mehrerer Freyheit heraus. Drey Minuten hernach thät der gute Mann die Au- lch gen auf, und in einer Viertel Stunde redete er, und ^ war wieder völlig zu recht gebracht. So bald das ^ Blutgestillet fienger an herum zuspahierenund ver- - ^ sicherte uns, daß er sich wohl befände, der Wund- - ^ Artzt hielt also vor gut ihm ein Glaß LorcliAl-Wasser . zugeben. Allein nach Verlauffeiner Viertel Srun- ^ bekamen einige Frantzvsen geschwind in die Kammer ^ Lclauffen, wo der Barbierer einer Frau zur Ader zu r r Leben des Engellättder« lassen bemühet war, und sagten, daß der Priesters Verstand gäntzlii^ verlohren hätte. Vielleicht war ^ die plötzliche Veränderung ftines Zustandes mit allzu ^ grosser Auffmercksamkeit von ihm betrachtet worden, ^ und diese Überlegung hatte bey ihm so viel gewürcket ^ daß er von neuem vor Freuden entzücket worden' ^ Weil nun seine Lebens-Grister angefangen heMer ^ fortzugehen, als daß die Gefäße im Stande waren, ^ dieselben zuführen wie es seyn soll, so war fein Bluter- hiht und fieberhaffk worden , und gewißlich er hatte, ehe man sich um sahe, alle Eigenschafften erlanget, die erfordert werden ein Mitglied des Narren-SpitO abzugeben. Der Wund-Artzt befand nicht vor die^. lich ihm noch einmahl eine Ader zu öffnen, sondern er ^ gab ihm etwas, das ihm den Schlaff erweckte ; soll B ches thät einige Zeit hernach feine Muckung/und ^ den andern Tag wachte er gesund auff, beydes W ^ Eeib und am Gemüth.. ^ Der junge Priester mäßigte seine ^sseÄch mit eü yer grossen Standhafftigkeit , und gab uns ein wahr- ^ hafftiges Muster eines vernünfftigen Gemüthes und m einer solchen Person, die ihrer selbst mächtig ist. So W bald dieser an unsern Bord kam, siel er auff die Knie d GOtt vor seine glückliche Errettung zu dancken; ich « hatte hierbey das Glück, daß ich ihn in dieser löblichen W Verrichtung stöhrete, weil ich ihn vor ohnmächtig H hielte. Eraber richtete seinen Kvpffauffund sagte zu H mir mit sehr ruhigem Gesicht, daß er bemühet wäre ^ GOtt seine Erkenntlichkeit zu bezeugen; Ich bim « euch höchlich, fuhr er fort, ihr wollet mir vw « gönnen noch einige Augenblick darinnen fort- »s zufahren; nach diesem werde ich die Ehre ha- l Aobmlon Ouloe. ben euch gleichfalls zu dancken, als dem i enL- gem welchem ich nechst dem Himmel mein Le, ^ den schuldig bin. ^ Es war mir äusserst leid, daß ich ihn gestohrt haste, ^ dahero ließ ich ihn nicht allein in Ruhe, sondern ich ^ hielt auch dieandern ab, ihn in seiner Andacht zubeun- M ruhigen. Nachdem eraber einige Minuten in dieser koümr geblieben, so kam er zu mir, unddanckte mir '-?! griff eine freundliche und zugleich ernsthaffte Art mit ^ Thränenden Augen, daß ich hätte wollen ein Jnstru- rra Mnt in GÖttes Hand seyn, ihm und so vielen andern ^ elenden Personen das Leben zu retten. Ich gab ihm zur Antwort, daß es mir hertzlich lieb Schare, daß ich ^ ihm Gelegenheit gegeben seine Erkenntlichkeit gegen GOtt zubrzeuge«, und bäte ihn also, daß er seine ^ Dancksagungen an den allein richten möchte. Daß ich - ^ nichts anders gethan hatte, als was die Vernunfft und hie Leutseligkeit allen Menschen eingeben solle, und daß ich mich schuldig achtete meines Orts GOtt zu dancken, daß er mich so sehr liebte sich meiner zu bedien ^ neu so viele Creaturen, die nach seinem Ebenbild er- schaffen , zu erhalten. Nach dieser Unterredung wandte dieser redliche ^ Mann alle feine Bemühungen an, die Gemüths-Nei- ^ Wgen seiner Lands-Leute zustillen, durch Vermah- ^ langen,Bitten,vernünfftigeVorstellnngen,kurtz,durch alles, was beqvem war, sie zu bewegen, ihre Freude in 7^ die Gräntzen der gesunden Vernunfft einzuschließen. ^ Mit einigen gelang es ihm ziemlich wohl, die meisten ^ wer waren ihrer nicht mächtig genung, sich diese Leh- ^ enzuNutz zu machen. Diese besondere Umstände habe ich deswegen auff- «7 zeich- z» Lebendes Lttgelländer» ^ zeichnen wollen, weil der Leser daraus seine Gemüths Neigungen kan regieren lernen. Eine Übermaß,«- 4 Freude treibt den Menschen viel weiter, als die Hess. ^ rigkeit des Schmerhens, des Zorns und des Grimms» 4 und bey dieser Gelegenheit habe ich gesehen, wie sehr 7 man auff die ^KeÄcn ein wachsames Auge haben muß, sie mögen seyn von welcher Natur sie wollen, 4 denn die allzuhefftige Freude ist vor uns nicht weniger > gefährlich, als die andern Bewegungen des Herhenö, ^ welä)e vor die allergefährlichsten gehalten werden. Durch das ungereimte Vornehmen unserer Gäste ^ wurden wir den ersten Tag ein wenig aus der Orde ^ nung gebracht, nachdem wir ihnen aber die Losemcn, ^ ter, so unser Schiff;,, geben im Stande war, ausge- V theilet, und sie hiernechst wohigeschlaffen hatten, so ward alles ruhig, und wir sahen ganh ein ander Volck. Sie gaben uns alle Proben der Erkenntlichkeit, s» 7 " die artigen Manieren und Höflichkeit einer Nation, ^ die vonNatur in diesem Stück zur Übermaß geneigt, in den Sinn zugeben fähig sind. DerCapitaineund einer von den Geistlichen besuchten mich den andern Morgen, und sagten zu mir, daß sie sehr wünschten, so ^ wohl mit mir, als meinem Vetter zu reden, der das Schiffcomm-mckrte, damit sie sich wegen ihres fw nern Glücks bey uns Raths erholen möchten. So * bald nun mein Vetter angekommen, so fiengen sie an ^ und sagten zu erst, daß alles, was sie in derWelt hak- M ten, nicht zulänglich wäre uns wegen des wichtigen Dienstes, so wir ihnen geleistet, genügsame Vergeb M tung zu thun. Darauffnahm der Capitaine das A Wort, und sagte zu mir, daß sie Geld gerettet hatten, W auch andere kostbchre Sachen, die sie in der Eil aus H Lobirrion türuköe. Il ^ dem Feuer in Sicherheit gebracht, in ihren Schalup- ^ pen verwahrten, und daß sie uns alles dieses anzubie* len Befehl hätten, wenn wir so gut seyn und es anneh- ^ menwolten; Nur bäten sie unsdarbey höchlich, daß ^ wir ihnen die Liebe erzeigen, und sie an einem Ort an Land setzen möchten, von dar es ihnen wieder nach Franckreich zu gelangen möglich wäre. Mein Vet- ttr schien Anfangs ziemlich geneigt ihr Geschenckanzu- H nehmen, sich die Freyheit vorbehaltend nachmals zu- r:»! sehen, was er dißfalls zu ihrem Besten thun könte, ab- ^ lein ich vermochte bey ihm so viel, daß ich ihn darvon st abwendete, indem ich wüste, was esist, wenn man in einem fremden Lande ohne Geld verlassen wird. Ach erinnerte mich damahls, daß, wenn es derPor- ^ tugiesische Capitaine also mit mir gemacht, und mir seine Wohlthat um alles dasjenige, so ich auffder Welt besaß, verkaufft hätte, ich Hungers gestorben wäre, es sey denn daß ich wieder in eine solche Scla- ^ verey,wie ich in der Barbarey erdultet, oder vielleicht in eine schlimmere verfallen wollen, immassen es nicht ^ garzugewiß ist, daß ein Portugiese ein besserer Herr, ^ alöeinTürck sey. Dahero antwortete ich dem Franhösischen Capi- ^ raine , daß wenn wir ihm und seinen Leuten in ihrem A Unglück bülffliche Hand geleistet, wir nichts anders ^ gethan hatten als was die Liebe befähle, das wir an unserm Nächsten thun sollen, und was wir wünscb- ^ len, das man an uns thäte, wenn wir uns inderglei- ^ chen äussersten Unglück befänden. „Wir sind ver- W", sagte ich zu ihm, ihr würdet uns eben die,, Hulffe geleistet haben, wenn ihr an unser Stelle, und,, ^ wir an eurer gewesen wären ; uO haß ihr uns mit,, ' »isol- Z2 Leben des Engellanders „solcher ohne Absicht einiges Nutzens würdet Matten ^ „gekommen seyn. Wir haben euch an unsern Bord „genommen, mein Herr, fuhr ich fort, damit wir ^ „euch erhalten, nicht aber deswegen , daß wir etwas „von euch erbeuten mochten; und gewißlich ich würde „mchtö vor barbarischer halten, als wenn man euch an ^ „das Land setzte, nach dem man euch die armen Über- D „bleibst!, so ihr aus den Flammen gerissen, ab- ^ „genommen hatte: Das würde heißen euch W „darum das Leben zu retten, damit wir euch »ächze. ^ „hends selber todten möchten, und euchvordcm Er- ^ „sauffcn bewahren, eure Personen durch Hunger M „zubringen; Glaubet also nicht, daß ich zugebe, daß ^ „man das geringste annehme von demjenigen, was ^ „euch eure Erkenntlichkeit uns anzubieten treibet. D „Was den Vorschlag anlangt, welchen ihr uns thut H „euch ans Land zusehen, so ist solches eine Sache vo» ! ^ H m „grosser Schwierigkeit; Unser Schiff ist nach Oft „Indien bestimmt, und ob nur gleich sehr von uns« „Strasse nach Welken abgekommen, welches M „leicht durch göttliche Vorsehung geschehen euch M „einerso erschröcklichen Gefahr zu erretten, so stehet ei „doch nicht bey uns, unsern Weg mit Fleiß um euer! „willen zu ändernMd meinVetter derCapitaine wift ^ „d§ es bey den Eigenthums-Herrn nimmermehr vft „antworten können, weil er selbigem versprochen M „Reise zn beschleunigen,so bald er Brasilien würde b- „rühret haben. Alles was uns vor euch zu thun nios „lich ist, das wird seyn, daß wir unsern Weg nach ? „einer Seite nehmen, wo wir vermuthen konm „Schiffe anzutreffen, die aus West-Indien zuruft „kommen, und daß wir euch dadurchGrlegenheitM »B TokrnlonOüloS. 3Z, schaffen nach Engelland oder nach Frankreich zu,. Der erste Therl merner Antwort war so voller Leut- Mgkeit,ja Großmüthigkeit seihst, daß es nicht an-, das seyn konte, als diese Herren musten damit ver- ^ Migt seyn; Allein milden übrigen war es nicht auff gleiche Art, und befanden sich die Passagierer inson- '-tz Lerheit sehr bestürht, weil sie befürchteten, sie wür- ch, den mit uns biß nach Ost-Indien gehen müssen. Dali, hero baten sie mich höchlich, daß weil wir von dem Äs rechten Lauffso sehr nach Westen abgekommen'wach ren, ehe wir sie angetroffen, ich zum wenigsten die Eütehaben, und eben den Weg biß an die Bancke SU von"kerrLnovL conrmüirenmöchte, woselbst sie viel- r-- leicht ein Fahrzeug miethen und wieder nach Canada r/x kehren kämen, als von dar sie abgereiset waren. G ^ Diesen Vortrag hielt ich vor billig, und ich war sijl sihr geneigt,ihnen darinnen zu willfahren; ich betrach- me, daß diese ganße Equipage biß nach Zndicn zu ^ ^ schleppen, nicht nur ein trauriger und unerträglicher ^ Entschluß vor diese arme Leute wäre, sondern daß sok- cher auch unsere Reise gäntzlich zu Grund richten kön- te, indem er ein unausbesterlicbes Loch in unfern Vor- ^ rath an Lebcns-Mitteln machen würde. Au dem A glaubte ich nicht, daß ich wider den Contract,dm 2 mein Vetter mit seinen Kauffleuten aufgerichtet, han- ^ betn würde, wenn ich mich bey einem unyersthenen A Zufall durch Hülffeleisten etwas verweilM. Ge- ^wißlich es tonten uns weder die natürlichen noch M geoffcnbahrken Geseße erlauben eine so große Anzahl M Personen einem schier unvermeidlichen Eod zu über» V lassen, und nachdem wir solche einmahl an unsern ^ p-Theil- C Bvrd z4 Lebendes Engellättders Bord genommen, so erforderte es so wohl unsirH ^ ner als ihr Nutzen sie an einem Ort an Land zu sitzen. D Diesemnach verwilligte ich unsern Lauff zuverfolgen, wie sie es begehrten, und wenn uns die Winde diese D Sache unmöglich machten / so versprach ich ihnen sie Hs in der Jnsul KlLrcmigue in West-Indien zu Land zu bringen. Ammittelst fuhr das Wetter immer fort B schön zu seyn, auch hatten wir einen ziemlich starcken D Wind, welcher eine Zeitlang zwischen Nord-Ost. D und Süd-Ost blieb, welches Ursach war, daß uns M viele Gelegenheiten entgiengen unsere Leute in Europa K! zu schicken. Zwar traffen wir viele Schiffe an, die W nach Europa bestimmt waren; Allein selbige hatten A so lange Zeit mit den widrigen Winden gekämpffet, M daß sie sich mit keinen Reisenden beladen konten, da- M mit sie nicht alle zusammen Hungers sterben möchten. ^ Solcher gestalt wurden wir gezwungen mit unserer M Reise fortzufahren biß daß wir eine Woche hernach D bey den Bäncken von lerra NOVL anlangten. Da« ^ selbst satzten wir unsere Franhosen in eine Barque, ^ welche sie in vollem Meer gemiethet hatten, um selb!« ^ ge ans Land zubringen, und von dar nach Franckreich ^ zuführenchaferne es ihnen möglich wäre daselbst so viel ^ Lebens - Mittel zu finden um sich zu verproviantircn. ^ Der eintzige Frantzösische Pastagierer, so an uri- ^ firm Bord verblieb, war der junge Priester,Welcher ^ als ex unser Vorhaben nach Indien zugehen vernein- ^ men hatte , Verlangen trug, solche Reise mit uns zu ^ thun, unter der Bedingung, daß man ihn auffdtt ^ Küste von Coromandel an Land setzen solle, welches ich denn mit Vergnügen eingieng.. U Dieser Mensch stund mir überaus wohl an, und ^ ^ nicht Robinson (Crusoe. s <- ^__—-----II r!- nicht ohne Ursach, wie man aus der Fortsetzung dieser r-ss Geschichte sehen wird. Zudem nahmen vier Boots- hi, Knechte bey uns Dienste, welches wackere Leute und ^ uns sehr nützlich waren. - Brn dar nahmen wir unstrn Weg nach West-Jn- dien ,, und liessen von Süden, und ein Viertel Sü- ^ denMOstenMe binnenzwantzigTagen vielWind zu haben. In Msem Zustand waren wir, als wir ^ ebenem so Beweinens - würdiges ObjeÄum als das vorige antraffcn, an. welchem wir abermahl unsers Liebe in Übung setzen konten. 'ch -Andsmwirunsden 19.Marti!769s.inder Mit- ^.1 kernächtlichen Breite 2 7. Grad s. Minuten befanden, ^ und unsern Laufs nach Süd-Ost, und Süd-Ost ein ^ Viertel nach Suden liessen, so wurden wir eines grost ' -- sen Schiffs innen, welches auffuns zu kam. Anfang- I'-' lich konten wir es nicht eigentlich sehen, als wir aber k ' 2 , näher dabey waren,wurden wir gewahr, daß es dieO- cr- berstange von dem grossen Mast, die Besans - Mast ! oderhindernMast-Baum,und dieBuchsprittvder den vorn hinausragenden Mast-Baum verlohren hattet Selbiges losete gleich eineCanone-um uns zu wissen zu thun,daß es in Noth wäre.Wir hatten damahls einen ^ frischenWind voir Nord-Nord-Osten,und in kurher Feit waren wir selbigem so nahe,daß wir mit ihm spre- ^ chenkonten. Wir vernahmen, daß es nach Bristol ge- ^ Hortfund von Barbados zurück käme,es wäre aber an ^ jehtgedachtem Ort selbst durch einen grausamen ^ Sturmwind fortgetrieben worden,einigeTage zuvor, ! da es fertig gestanden unter Seegel zugehen,und zwar gleich zu einer Zeit, als der Capitaine und dessen erster ^ bubünur auf dem Lande waren; Daß es also, über i - C 2 die Leben des EttgeUänders « ,, » , » >>> . --T- " —! I , . . > > — die Gewalt des Ungewitcers,dem Schiffan tüchtige Leuten dasselbige zu führen gefehlet hätte. Nach di»- A" fern wäre es noch von einem andern Ungewitter über, fallen worden , so dasselbe gäntzlich von der West, O Heitt abgetrieben, und es in den betrübten Zustand, M in wclä-cm wir es antraffen, gesetzt hätte. Zwar B wäre von der Equipage vermuthet wvxdeZ dieHaha- A- mischen Insuln zu Gesicht zubekommen, striche aber sD hatte sich darvvn entfernet und gegen Süd-Ost ge. O worffen sehen müssen, welches ein starcker Wind von Nord-Nvrd-Ost, den wir gleich damahls hatten, vm B ursachet; und weil sie nur einen Seegel am gwsten G Mast-Baum gehabt, bencbst einem andern viere K> eckichten, so man an eine Art von Hinter-Masten, der nr der Eil auffgerichtet worden, bevestiget, so hät- D ten sie den Wind nicht recht in die Scegel fassen kön» N nen, also daß sie alle mögliche Bemühungen ange» W wandt hätten die Canaristhen Insuln zu erreichen. W Was aber das Unglück dieser Leute vollkommen «, machte, solches war, baß sie, über die Ermüdung, M die ihnen die beyden Ungewitter verursacht, Hungers H stürben. Sie hatten seit cilffTagen nicht eineeinhige U Unhe Brodt oder Fleisch mehr übrig, und ihr einiger ch Trost war, daß sie ihr Wasser noch nicht gäntzlich ^ verbraucht, und ungefehr noch eine halbe Tonne Mehl ^ hatten. Den Zucker belangend, so war ihnen dessen ^ viel übrig, ingleichen sechs Faßgen Rum- Zwar ^ hatten sie auch eine grosse Menge eingemachte Sa^ ^ chen, allein der Hunger hatte sie genöthigt solche biß ^ aufden letzten B'ssen aufzufressen. ^ Es.bcfanden sich da am Bord als Reisende ein D- ^ -er Mensch nebst seiner Vetter, und einer Mgd. ^ ^ ldobmson Orulo^ ^ « s . ---- -- -- , . -- L t. Diese, weil sie geglaubt das Schiff stünde Secgcl- ^ fertig , waren-zum Unglück selbigen Abend vor dem ^ grausamen Sturm an Bord gangen, und da sie nichts ^ mehrvon ihrem eigenen Verrath übrig gehabt, yak-- D m sie sich in einem viel erbärmlichern Zustande befun- ^ den als die Boots-Knechte, welche selbst in die äusser- ^ sie Noth gebracht zum Mittenden ganh unempfindlich gewesen waren. Man kan schliesscn,ob der Unglück- M liehe Zustand, in welchem sich diese elende Familie be- ^ funden , leicht zubeschreiben sey. ^ ^ Vielleicht hätte ich niemahls etwas von diesem ^ traurigen Umstand erfahren, wenn mich nicht, da ^ das Wetter angenehm und das Meer stillwar, meine ^ Neugierigkeit angetrieben hätte, an dieses unglücklr- Hm Schiffs Bord zugehen. Denn als der andere kri 8übllimt des Capitams, welcher in dieser äussersten Noth das Commando über das Schiff anzunehmen -ns gezwuiigenwar, an unsern Bord gekommen, so hat- teer mir von diestn Passagierern, als von Leuten die er vor todt hielt - geredet, angesehen er in zwey Tagen e«! keinWort von ihnen sagen hören,er aber sich gefürchtet hatte nach selbigen zu fragen, weil er nichtim Stande ,r!i war ihnen in ihrem Elend Linderung zu schaffen. ^ Wrr wandten also fort alle Mühe an dieser Unglück- lichen Equipage mit aller möglichen Hülste beyzu- ^ springen, und ich vermochte über meines Vetters Ge-^ ^ wüth so viel, daß ich ihn bewegte es bey ihm dahin zu ^ bringen selbige gäntzlich zu verproviantiren, wenn wir auch gleich dadurch würden genöthigt worden seyn, nach VirgiNien oder an eine andere AmericanischeKü- 7^ sie zugehen, und neuen Vorrat!) vor uns selbst anzu- schaffen. Allein zu unserm guten Glück durfften wir ^ Cz. unser 38 Lebendes Ettgelländeks unser Mitleiden so weit nicht treiben. Denndiesiär- -B. me Leute waren damahls einer neuen Gefahr ausge- j ^ seht; und man hatte alles von ihrer unmäßigen Be- ^ Zierde zum Essen zu befürchten. DesCapitains8ub- ^ liicucführte deren sechs in seinem Boot zu uns, welche insgesamt wie Todten-Gerippe aussahen, und kaum B so viel Krafft hatten ihre Ruder zubewegen. Er selbst A war halb todt, indem er nichts vor sich zurück behalten, H und mit eben der Portion, die man dem geringsten KS Boots-Knecht zu seinem Unterhaltgereichet,zufrieden KB gewesen war. Als ich ihm nun etliche Gerichte vor- -S gesetzt, so erinnte ich ihn langsam und mäßig davon B zu essen; Kaum aber hatte er drey Mund voll darvon ^ hinunter geschlungen, so fieng ihm an übel zu werden. A Er war so vernünfftig, daß er gleich aufhörte, und um ^ fer Wund-Arßt machte ihm eine warme Brühe zu- recht, welche bequem war ihm zu einer Arhney, und ^ Nahrung zugleich zu dienen. Auch ward ihm besser ^ sobald er solche zu sich genommen hatte. Jmmittclsi ^ vergaß ich seiner Cameraden nicht, sondern gab ihnen ^ ebenfalls etwas zu essen. Sie frästen solches in der ^ That, indem sie so ausgehungert waren, daß sie dar- ^ von eine Art der Raserey bekommen hatten, welche sie ^ hinderte, daß sie ihrer aufkeine Art mächtig werden ^ komen. Ja es waren deren zwey drunter, welche ^ mit so grosser Begierde das Essen in sich schluckten,daß ^ sie den folgenden Tag bald dqrvon gestorben wären-, ^ Dieses Spectackel war sehr Hertz-rührend vor mich, und fährte mir das Elend wieder zu Gemuch, ^ dessen ich mich vor diesem versähe, als ich den Fuß auf ^ das Ufer meiner Jnsul satzte, weil ich nicht die gering- ^ sien Lebens-Mittel hatte, und keinen Rath sahe deren ^ koblnlon Ouls. z9 § aufeinen eintzigenTagzu finden; Auser dem stund ^ ich, wie ich glaubte, in Gefahr, bald den wilden Thie« 2 rcnzu einer Nahrung zu dienen. 2 . flncer der ganhcn Zeit, da der 8ulEm bemühet siunddas Elend der Equipage umständlich zu erzehlen, ^ so waren meine Gedancken ohne Unterlaß aufdie Pas- ^ sagierer, die Mutter, des Sohns, und der Magd ^ Verhangniß gerichtet, von denen er in zwey Tagen nichts hatte reden hören, und die er, stiner eigenen A Bekenntniß nach,wegen der äusserstcnBedürffniß sei« ^ m eigenen Leute aus der Acht lassen müssen. Hier, ^ aus verstund ich, daß er ihnen zuletzt gar keine Nah- rung gegeben, und schloß daraus, daß sie alle drey müßen Hungers gestorben seyn. Darauf behielt ich den 8ubMuten, den wir da, ^ mahls den Capitaine hiessen, an unserm Bord mit sei- nen Leuten, damit sie sich durch gute Nahrungs-Mit- tel wieder erholten, und indem ich zu gleicher Zeit der ^ ^ übrigen Equipage eben den Dienst zu leisten bedacht ^ war, so ließ ich unsern 8ubKttuten in unserm eigenen Boot, so mit zwölffMann besetzt und mit einem Sack o § vvll Brodt samt sechs grossen Stücken Rindfleisch be- s» laden, nach ihrem Schiffhinüberführen. Unser Wund-Arßt gab meinen Boots-Knechten Befehl, dieses in chrer Gegenwart kochen zulassen, und in des Kochs Zimmer Schild-Wachten zustellen, um diese ausgehungerte Leute abzuhalten, daß sie das B Fleisch nicht gantz rohe hineinfrassen, oder es aus dem Topffrissen, ehe es gar gekocht wäre, auch sotten sie ihnen im Anfang nur eine kleine Portion geben. ^ Durch diese weise Vorsicht ward ihnen das Leben ^ erhalten; und wenn man in diesem Stück wäre M- C 4 mig 4» Lebendes Engelländeks ^ mig gewesen, so würden sie sich durch eben die Spei- ^ fen umgebracht haben, die ihnen doch deswegen gerei- ^ chet wurden, daß sie mcht sterben sollen. E Urrserm 8ubtticuten befahl ich zu gleicher Zeit, daß ^ er in der Passagierer Kammer gehen und zuschauen ^ solle, in was für einem Zustand sie wären, auch daß E" er solchen die benöthigten Erfrischungen geben wüste, ^ wenn sie noch lebten. Der Wund-Artzt hatte ihn zu ^ dem Ende mit einem grossen Napffvoll stiner zubcreu teten Brühe versehen, die dem armen 8ubüiruten so A? gut gethan, und bequem war selbige Leute wieder ^ nach und nach auszubringen. O Gleichwie ich aber mit allen diesen Anstalten noch schlecht vergnügt war, und zudem grosse Begierde hatte den traurigen Anblick, welchen mir dieses Ä Schiff auf eine weit nachdrücklichere Art vorstellen G konte, als keine Erzehlung mir selbigen abzubilden fa- m hig war, mit meinen eigenen Augen zu sehen, so nahm OI ich den mit mir, welchen wir damahls den Schiff W Capitam hiessen, und-folgte unsern Leuten in feinem V Boot nach. W . Ich fand alle diese arme verhungette Menschen in ch eitler Gattung Auffruhr, und fertig das Fleisch mit rss Gewalt aus dem Kessel zu reisten; Allein mein 8udüi- Ä«! rm beobachtete seine Schuldigkeit, indem er eine ^ Wache vor die Küchen-Thär gestellet hatte, und weil eii er sahe, daß er mit seinen Vermahnungen nichts aus- hs richtete, so brauchte er so gar Gewalt diesen elenden Ltz Leuten Gutes wider ihren Willen zu thun. Jedoch ch war er so willfährig, daß er einige Zwybacken im ^ Topfs genugsam einweichen / und einem jeden eins H darvon geben ließ um die Hefftigkeit ihres Appetits H kvbmlon Erukoe. l 4l ^ ein wenig zu stillen, dabey er sie bat, sie möchten glau- ^ den, daß es wegen ihrer eigenen Erhaltung geschahe, ,. daß er ihnen nur wenig auf einmahl gäbe. ' Dieses alles aber war nicht fakig selbige zu stillen, Mdwenn ich nicht mit ihren eigenenOjsicicrern darzu- ^ l zekcmmen wäre, und meinen Ermahnungen nicht die ^ erschreckliche Drohung, ihnen nichts zu geben, wenn sv sie nicht Ruhe hielten, beygefüget hätte, so glaubeich inWarhcit, daß sie indes Kochs Kammer mit Ge- ^ waltgedrungen, und das Fleisch aus dem Kessel ge-> rissenhatten. In diesem Fall konte man vollkömm- lich sehen, daß ein hungenger Lauch keine Gh- ren hat. Jedoch stillten ww sie so viel uns möglich, ri: und nachdem wir angefangen selbige Staffel- ivcise zu speisten und ihnen von Zeit zu Zeit immer mehr und mehr zu geben, so erlaubten wir ihnen endlich so viel zu ^ essen als sie mochten, und alles gieng besser, als ich ge- dacht hatte. ,-ss Was das Elend der Pasiagierer anlanget, so war solches weit erschrecklicher, als der Equipage ihres. Gleichwie die Boots - Knechte, gleich Anfangs gar 7^ wenig vor sich selbst hatten, so waren solchen überaus ^ z kleine Portiones von ihnen gereichet worden; und end- lieh hatten sie dieselben gantz und gar Übergängen, der- Schalt, daß sie feit sechs oder sieben Tagen gantz und gar nichts, und die zwey oder drey vorhergehenden .,7 Tage sehr wenig zu essen gehabt hatten. Die arme s. Mutter war, wie uns die Equipage berichtete, eine ^ verständige Frau und sehr wohl erzogen, welche für ihren Sohn, mit einer recht mütterlichen Liebe, alles wassiekonte, gespahret, endlich aber alle ihre Kraff« > ttvexlohren hatte. Als unstr ^utzMrgrin ihre Kam- ' C 5 mer 4r Leben des Ettgelländers mcr trat, sahe er sie auf der Erden sitzen, wösiesich ^ zwischen zwey zusammen gebundenen Stühlen an eine Seite des Schiffs gelehnet l-atte. Ihr Haupt war Ä zwischen den beyden Schultern emgesuncken,und gleü ? chcte einem todten Cörper, ohnerachtet sie noch nicht E« gantz und gar das Leben verlohren hatte. Er thäk al- ^ lcs was er tonte sie wieder zu sich selbst zu bringen, und ^ ihr das Hertz zu siärcken. Zu dem Ende gab er ihr 2 mit einem Löffel ein wenig Brühe in den Mund; dar- ^ , auf that sie zwar die Lippen von einander, und hub eine Hand auf, aber zu reden bemührte sie sich ümsonst. ^ Sie verstund auch wohl was er zu ihr sagte, allein in- ^ dem sie ihm durch Zeichen zuverstehen gab, daß diese " Hülffe vor sie zu spät käme, so zeigte sie ihm mit dem ^ Finger ihren Sohn, als wenn sie ihn bitten wollen sich ^ dessen anzunehmen. Doch weil er mit dieser liebrei- ^ chen Mutter ein außerordentliches MitlSiden hatte, M so wandte er alle seine Bemühungen an, es dahin zu- tW 'vermitteln, daß sie ein wenig warme Brühe hinunter " brächte, und wie er glaubte, so hatte er zwey oder Mw drey Löffel voll darvon in ihren Magen lauffen lassen; v ich zweiffele aber sehr, daß er dessen gewiß versichert ^ war; Doch sey dem wie ihm wolle, er machte sich nur ^ vergebene Mühe, denn die Nacht drauffstarb sie. «> Der junge Mensch, dessen Leben selbige mit Zuse- W Hung des Ihrigen erhalten hatte, befand sich nicht in einer gantz und gar so grossen Extremität, doch lag er gantz erstarret in einem kleinen Bett, und schiene halb «n todt. In seinem Mund hatte er ein altes Stück Handschuh, von welchem es das andere gegessen hat- Ä te. Nichts destoweniger weil er jung und von mch- H rern Kräfften, als seine Mutter war, so gerieth es ' kobinlon Oruköe.' 4; dem 8ubsputen, daß er ihm etwas Brühe hinunter ^ hrqchte, und es schiene als wenn er sich wieder erholte, ^ allein wie er ihm dre» oder vier-Löffel voll hinreichte, so 7 - ward dem Menschen übel, und gab solche gleich wieder »sich. S! Die arme Magd betreffend, so lag sie bey ihrer Frau ausgestreckt, als wenn sie der Schlag gerühret hätte, und mit dem Tod ränge. Alle ihre Gliedmast stn waren krum; mit einer Hand hatte sie ein Stuhl- T Bein ergriffen, und hielte solches st vest, daß man grosse Mühe hatte ehe sie es fahren ließ; ihr ander ^ Arm war über den Kopffgeleget, und mit beyden Füs- r: sen trat sie mit Macht an einen Tisch. Kurhes fchie- ne als wenn sie in den letzten Zügen läge, doch war sie ^2- nicht todt. Das arme Magdgen war nicht allein durch den >7 Hunger entkrafftet, und durch die Betrachtung des - ^ bevorstehenden Todes erschröcket worden, sondern, ^ wie wir nachgchends vonden Leuten aus dem Schiff vernommen , st beunruhigte sie sich auch sthr wegen ihrer Frau, die sie seit etlichen Tagen mit dem Tode . 5 - ringen sahe, und welche sie auf a"e ersinnliche Art ^ liebte. Wir wüsten nicht was wir mit dem unglückseligen T Menschen anfangen solten, denn als unser Wund-- Arht,der ein geschickter und erfahrner Mann war, ^ ihr, so zu sagen., das Leben wieder gegeben hatte, st muste er wegen ihres Gehirns eine neue Chur vornehm 's men, weil solches viele Tage nach einander gantz üm- gekchret schiene. ^ . Wer diesen traurigen Zufall liefet, soll gedencken, !< daß es mit einem Besuch, den man auf dem Meer T abge- 44 ö-ebm des Errgelländers abstattet, eine ganh andere Bewandnißhat, alsM ^ einem, den man aufdem Land ableget , und der biß- E weilen drey Wochen dauret. Hierwar es nöthig die» ^ ser unglücklichen Equipage mit Hülffe beyzuspriuM E keines weges aber bey ihr zu bleiben, und ob solche M >v, grosses Verlangen trug einige Tage mit uns in Ge- E fellschasst zu gehen, so hatten wir doch nicht Zeit ein ^ Schiff Mrwartten, welches siine Mast-Bäume vex, E lehren hatte. Weil uns aber der Capitaine höchlich ^ bat ihm eine Oberstange auf seinen pressen Mass und E eine andere auf den Befans-Mast sitzen zu helffcn,sv waren wir so gut und fuhren drey oder vier Tage lang, nur mit dem grossen Seegel. Nachdem wir ihm D nachmahls fünffFasser mit Rind-Fleisch, eins mit M- Speck, einen guten Vorrath an Zwyback, Mehl und Er bsen gereichet, und statt der Bezahlung drey ^ Kisten Zucker, eine ziemliche Menge Rum, und «im» M gsStück vonAchttn angenommen,so Lengen wir ver « ihnen weg und nahmen auf ihr innstandiges Bitten, G einen Priester nebst vorgedachtem jungen Menschen, W der Magd und allem, was ihnen zugchvrte, auf rw ser Schiff. Der junge Mensch war ein Kerl von sr'ebenzehcn O Zalzeen, Wohlgestalt, bescheiden, wohlerzogen, und st sehr verm'mfftig. Es schiene, als wenn ihm seiner m Mutter Tod aufdas äusserste zu Herhen gierte, zu^ D mahl da er vor kurtzer Zeit in Barbados seinen Vater Ä verlohren hatte. Er hatte sich an den Wund-AH ^ gemacht, daß er mich bitten folte,ihn mit in mein H Schiff, und von denjenigen wegzunehmen, welche er « Mörder feiner Mutter hieß. Auch kan man sagen, « daß sie dasselbe auf gewisse Masse waren : Denn !-e m Robinson Oulosl 45 hätten ja können -etwas weniges von ihrer Portion ^ Mren, dieser armen Wittwe das Leben zu erhalten. ^ rverrnesauchnur so viel gewesen wäre, daß sie nicht h Medärffen gar Hungers sterben; Allein der Hun- ^ E weiß weder von Liede, noch Verwandschaffr, riech Freundschafft,^ noch Billigkeit. Er ist ohne Mitleiden, Wdnnfähig sich üher etwas ein Gewissen machen. - ^ ' Es war umsonst,daß ihm derWund-Artzt die Lang- wierigkeit unserer Reise vor Augen stellte, welche ihn Wallen seinen guten Freunden absondern würde, und '--'i Win einen so schlimmen Zustand, als derjenige gewe- Ä! sen,daraus ersetzt gekommen^von neuem stürtzentönte; 'versagte, daß es ihm gleich gälte, aufweiche Seite er gienge,wenn er nur von der grausamen LgvipÄZeweg- ' ^ käme, und daß der Lsplrnme (worunter, weil er mei- : .tz nen Vetter noch nicht kannte, er mich verstand) ein viel ! jli redlicher Mann seyn würde, als daß er ihm den ge- A ringsten Verdruß machen solle, nachdem er ihm das beben gerettet hätte» Was die Magd anbelangte, so würde uns selbige, wenn sie zu wieder zu Verstandkä- - "M, allenthalben willig folgen,und die Erlaubniß in un- sie Schiff zukommen vor eine grosse Wohlthat am „Dichuren. Der Schiff- Barbierer that mir diesen Vortrag ^ nnffeine so Mbecische Act, daß ich mir solchen gefallen Dieß, und selbige beyderseits nebst allen ihren Vermögen, ausgenommen eilffStück Zucker, dazu man mi- "' möglich kommen kontc, in mehr Schiff nahm. Weil Dber der junge Mensch eine Handschrifft hatte, so ließ ^ ich den einen Scheür unterschreiben , in welchem er versprach, so bald er würde zu ange- larrgp 46 Leben des Eugelländers ^ langt seyn, zu einem gewissen Herrn KoZM, derbes jungenMenschen Verwandter undeinKauffmannseh Äj biger Stadt war, unverweilt zu gehen, und ihm einen ^ Briessvon mir benebst allem demjenigen, sodervcr- ^ siorbenen Wittwe zugchöret hatte, einzuhändigen. Es ist aber wahrscheinlich, daß alle dieseVorsichtenverge, bens gewesen, Massen ich niemahls vernommen, daß 'L dieses Schiff zu LEol angekommen wäre. Es ist sehr vermuthlich, daß weil es so hcfftig beschädiget,und ^ auffvielen Seiten das Wasser hineindrang, selbiges ^ bey dem ersten entstandenen Ungewittcr untergesun« ckensev. ^ A Wir waren damahls auffder Breite von 19 Grad W z 2 Minuten,und wir hatten biß dahin,so viel dasÄei- G ter betrifft, eine ziemlich glückliche Reise gehabt, aus E ser daß uns im Anfang die Winde entgegen getvesen ^ waren. Ich bin aber nicht willens dem Leser mit Er- " zehlung einiger Zufalle von schlechter Wichtigkeit be- M schwerlich zu seyn, als mit Veränderung derwrn- A de, Sturm, gutem Met cer, undRegen rc. Da- Gi nur ich mich also nach der begierigen Lurioürät des Le- V fers richten möge, so will ich sagen, daß ich meine Ja- ^ fielden ro. 169s zu Gesicht bekam. Dochsand M ich solche nicht ohne grosse Schwierigkeiten; zwar war ^ ich vor diesem hineingekommen,und aufder Süd-Ost- M Seite gegen Brasilien von dar herausgegangen, weil «« wir aber damahls zwischen der Jnsul und dcm veD H Lande fuhren, und weder eine Carte von dieser Küste, ^ noch einiges Merckmahl hatten, daran ich selbige er- G kennen konte, so sahe ich sie ohne zu wissen, daß stets M war. Wir creuhten eine lange Zeit von einer Seile Es zur andern, und stiegen bey vielen Lnsuln, soimEi»' -» flltz kobinlon (^ruloe. ^ fiuß des Stroms Oronooca gelegen, an Land, allein chne unsern Zweck;« erreichen; Ich lernete dadurch bloß, indem ich diesen Küsten nachfvlgete, daß ich vor A diesem im Irrthum gewesen, daich gedachte, daß die A ßrde, welche ich zu Gesicht bekam, das veste Land wä- ^ re. Solches war eine lange Jnsul, oder vielmehr ei- ^ gelange Reihe Jvsuln, welche dem grossen Raum,den derMund dieses Flusses einnimmt, gegen über liegen. ^ Die Wilden, so dann und wann an meiner Jnsul an- jändeten, waren nicht eigentlich Laribes, sondern Ein- wohner selbiger Jnsuln, und andere Barbaren, welche die nässten Oerter um mich herum bewchneten. Ich ^ besuchte, wie gesagt, viele von diesen Jnsuln vergebens, ^ n einige fand ich bewohnt, und ander wüste. Unter an- ^ dem sahe ich in einer etliche Spanier, und ich glaubte anfänglich,daß es diejenigen wären,welche ich hatte in meine Herrschafften kommen lassen; allein wie ich mit ihnen redete, erfuhr ich, daß sie in der Nahe einen klci- ^ nenPvrt in einem kleinenMeerbusen stehen hätten,und ^ daß sie Salh und einigePerlen-Muscheln zu suchen da- hin gekommen wären, kurtz ich vernahm, daß sie nicht ch, von meinen Unterthanen waren, und daß sie nach der Jnsul derH. Dreyfaltigkeitgehörten, welchezeheno- ^ der eilffGrad laricmci. weiter nach Norden lieget. Indem ich nun von einer Jnsul zur andern gicng, bald mit dem Schiff, bald mit dem grossen Boot von ^ dem Frantzösischen Schiff, welches sehr gut war, und' ^ uns mit Vergnügen überlassen worden,kam ich endlich "I auf die Mittags-Seite meiner Jnsul, und erkannte deren gantze Figur alsobald. Ich legte so fort mein 'F- Schiff vor Ancker auf einer sichern Reede dem kleinen ^ Meerbusen gegen über, bey welchem meine alte Wvh- ' uung war. So- 48 Leben des Engellanders Sobald ich solche zu Gesicht bekommen,, rufftelh meinem Freytag, und fragte ihn, ober wüste, wo er E wäre. Er fieng an eine Zeitlang starr hinzusehen,und indem er vor Freuden die Hände zusammen schlug, ^ schrye er, ja ja, o da, o da ist es! und wie er mit dem E Fingerauff mein Schloß wieß, fieng er anzusingen und allerhand Sprünge wie ein Narr zu machen: jq ^ ich hatte Atühe genug, daß ich ihn abhielt in das Meer §7 zu springen, und mit schwimmen an das Land zu gehen. Nun wohlan, Freyrag, sagte ich zu ihm, was M sagest du darvon, werden wir jemand finden s- iD der irichc, wird dein Varer da seyn ? Bey seines D Vaters Nahmen schien der arme Kerl, dessen Hertz so empfindlich war, gantz bestächt, und ich sahe dieThra- MD neu hauffig aus feinen Augen fliesten, was ist es H Denn, Freytag, sagte ich zu ihm, bist du betrübt, D weil Hoffnung da ist, daß du deinen Vater wie- Rb> versehen wirst? Nein, Nein, antwortete erden ^ Kopffschüttelnd, ich ihn nicht mehr sehen, nie- ck. Mahls mehr sehen. D wer weiß mein liebes ivt, B^Lird. sagte ich zu ihm. Ach nein, gab er zur Ant- Wort, er lang e todt, er sehr altMann. Die Ga- Hk chc ist nicht gar gewiß, sagte ich, aber dem seywie H ihm sey, glaubst du, daß wir jemand von um Ä fern andern Leuten finden werden? AusserZwcif- fei hatte er bessere Augen als ich, denn ob wir schoneine i» halbe Meile vom Lande waren, so zeigte er doch mit dem Finger auf den Hügel, welcher über meinem U Schloß befindlich und schrye, ich sehen, ich scheu, Nii ich sehen, da viel Männer, da, da, und da. Ich >tch wandte meine Augen nach dem Ort, aber ich sahe ^ Nichts, cytch nicht.einmahl mit mcinemPerspectif, web tz " M » Robinson Oruilöe. 49 «!», «Ä» n - o!s WL oj» 1,-U j-N ,,..e r°rl' jaches vermuthlich daher kam, daß ich es nicht recht dahin richtete. Gleichwohl hatte er recht, wie ich den andern Tag erfuhr, da ich die Sache untersuchte: ES waren ihrer fünffoder sechs gewesen, die dagestanden das Schiff zu sehen, weil sie nicht gewußt,was sie dar- vongedencken sollen. Sobald mirFreytaZgesagt hatte, daß er Leute jähe, ließ ich Englische Flaggen aufstecken und zwey Stücke abfeuren um ihnen zu erkennen zu geben, daß wir Freunde wären, und eine halbe Viertel Stunde dcauffsahen wir aufder Seite des kleinen Meerbusens einen Rauch aufsteigen. Den Augenblick befahl ich den grossen Boot, miteinerwcissen Fahne zum Frie- dcns-Zeichen,in das Meer zu lassen, und nachdem ich Freitagen, und den jungen Priester mit mir genommen, hieß ich mich an das Land setzen. Selbiges war der Französische Priester, dessen ich vielmahl gedacht habe. Ich hatte ihm die Lebens-Art, so ich daselbst ge- führet, richtig erzeiget, ohne einigen Umstand zu vergessen, so wohl was mich als diejenigen betraff, so ich alldagelassen, und diese Geschichte hatte bey ihm eine grosseBegierde erwecket mich zu begleiten. Über dieses hatte ich sechzehenbewchrteMann in meinemBook, aus Furcht ich möchte etwa neue Gaste antreffen, die nicht meine Unterthanen wären; Allein zu gutemGlück befand sich diese Vorsicht von schlechter Nothwendigkeit. Gleichwie wir nun zu der Zeit, da die Fluth bey nahe hoch war, nach dem Ufer giengen,so liessen wir geradem meinen kleinen Meerbusen hinein, und der erste Mensch, auf den ich meine Augen richtete, war der Spanier, welchem ich das Leben gerettet hatte: Ich u. Theil. D kannte Leben desEttgelländeks kannte dessen Lineamenten noch sehr wohl, irasH seine Kleidung anbelangt, dieselbe will ich nacba-. hends beschreiben. Ich befahl alsofort, daß jeder- man in dem Boot bleiben, und mir niemand folgen sötte; Aber Freitagen zurück zu halten war kein Mittel da. Dieser Liebe- volle Sohn hatte seine» Vater aufeine so grosse Weite von den andern Spaniern gesehen, daß mir es nicht möglich war solchen zu Gesicht zubekommen: und es ist gewiß, daß, wenn man ihn hätte wollen abhalten an das Land zugehen er würde in das Meer gesprungen und hinüber geschwommen seyn. Kaum hatteer den Fuß drauffge- seht, so flog er so geschwind wie ein Pfeil, den ein star« cker Arm vom Bogen abgedruckt, nach dem Wilden zu. Der standhaffteste Mann würde sich nicht haben enthalten können, einige Thränen fallenzulassen, wenn er die unmäßige Freude, welcher sich dieser arme Kerl ergab, da er zu seinem Vater kam, gesehen hatte. Er umarmete solchen, küßte ihn, faste selbigen an, üm ihn aufein Klotz niederzusetzen, er sahe ihn länger als eine Viertel Stunde steiff an, wie ei» Mensch, der ein ungemein Bild mit Erstaunung betrachtet ; Nach diesemsatzte er sich bey ihn nieder auf die Erde, küßte ihn von neuem, stund wieder auf, und fuhr fort ihn mit Aufmercksamkeit zu betrachten, als wenn ihn dessen Anschauen überaus belustigte; Des andern Tages nahmen seine zärtliche Ausschweiffun- gen einen andern Laufs. Er gieng viel Stufen mit »hm am Ufer strahieren, indem er Migcl/ 'ey der Hand führte, als wenn es eine Jungfrau wäre, und dann und wann lieffer hin und holte etwas aus dem Boot, bald ein Stück Zucker, bald ein Glaß Brandewein. kobinlon Ouloe? 5! bewein, und bald ein Zwieback, kurtz, alles was ihn bequem düncktedem guten Alten Vergnügen zu erwecken. Nachmittags fieng er es noch anleine neue Art an; er sahte den guten Mann auf die Erde, und fieng an wit tausend Posituren, deren eine immer poßierlicher alsdie andere, üm ihn herum zu tanßen, und zu gleicher Zeit redete er mit ihm, und erzehlte selbigen zu seinem Zeitvertreib, einige besondere Umstände von /einem Reisen. Mit einem Wort, wenn sich eben dergleichen kindliche Liebe unter den Christen befände, so käme man aufgewisse Masse sagen, daß nichts unnützer als das fünffte Gebot wäre. Allein ich gehe von diesem Umschweiffab, und komme nunmehro auf die Art, wie ich von den Einwohnern der Insul empfangen worden. Der erste, den ich, wie gedacht, gar wohl kannte ,kam mit einer Friedens-Fahne nach dem Boot zu, und hatte noch einen von seinen Lands- Leuten bey sich. Diesem war ich Anfangs nicht allein unbekannt, sondern er hatte nichkeinmah! die Gedeuteten, daß ich es seyn könte, bevor ich mit ihm geredet hatte, wie 8ennor, sagte ich gleich auf Portugie» fisch zu ihm, ihr kennet mich nicht ? Er antwortete mir nicht eine'Sylbe, aber nachdem er seine Flinte stimm Cammeraden gegeben, sorhät er stimArme auseinander und kam und ümarmete mich, sagte auch viele Sachen auf Spanisch, davon ich nur einen Theil verstund. Er drückte mich in seine Arme, und bat mich tausendmahl üm Verzeihung, daß er nicht dasGcsicht gekannt, welcheser vor diesem betrachtet hätte als eines Engels seines, der ihm das Leben zu retten vom Himmel herab geschickt wäre. Er sägte noch sehrviel D » andere 52 Loben des Ettgelländers ^ andere schöne Sachen, welche die Spanische Höflich', K keit seinem Herhen, das warhafftig erkenntlich war, eingaben; und nachdem er sich darauf zu seinem Ca- meraden gewendet, befahl er selbigem den ganhen P Haussen herbey zu holen. Nach diesem fragte er mich ob, ich Lust hätte nach meinem Schloß zuspatzie- L ren, damit er das Vergnügen haben möchte mich wie- ^ der in dessen Besih zu setzen, wie wohl er dabey nicht -i, wurde so glücklich seyn mir einige Vermehrungen und ^ Zierathen, deren ich mich natürlicher Weise versehen ^ solte, daselbst zu zeigen. ^ Dieses war ich wohl zufrieden, aber es war mir ^ eben so unmöglich meine Wohnung zufinden, als ^ wenn ich niemahls darinnen gewesen wäre. Denn ^ sie hatten eine so grosse Menge Bäume gepsiantzet, - neben dem solche in so wunderlicher Ordnung gesehet, ^ und einen so nahe bey den andern gebracht, daß sie, nachdem solche in meiner zehenjährigen Abwesenheit ^ ungemein gewachsen, allen Zugang zu meinem Schloß gäntzlich versperret hatten, Auch kvnte man zu selbigem nicht anders, als durch so krumme Wege ^ kommen/ daß es, ausser den Einwohnern, vor alle v andere ein rechtes Labyrinth oder Irrgarten wäre. ^ Als ich ihn fragte, was ihn vor Ursache darzu be» ' wogen hätte, so viel Bevestigungen anzulegen, so gab » er mir zur Antwort, daß ich deren Nothwendigkeit ge- ^ nugsam sehen würde, wenn er mir alles, was sich seit ? der Spanier Ankunfft in meine Jnsul zugetragen, ^ " umständlich erzehlet hätte. „Ob ich gleich damals, „fuhr er fort, über euere Reise sehr bestürtzt war, so ^ „unterließ ich doch nicht euer Glück mit Belustigung / „zu bewundern, indem euch solches zu so rechter Zeit em R, kobinlön Ouloe. sZ ü, H gutes Schiff zuwege gebracht, um euch aus dieser,, Eh Einöde zu reißen. Ich habe nach diesem gewiffe,, 7h Bewegungen in meinem Gemüth empfunden, die,, fiil herüber zu bringen, damit ich dieselben auf diese Art, aus dem traurigen Zustand, darinnen sie steckten, reisten, und nebst ihnen ein Mittel finden möchte, wieder unter die Christen zukommen. Zur selbiger Zeit hatte ich nicht mehr Ursachen mei-- D 4 ne rtit ÄS! <«!, rÄ' .7.L NL ,§!rl -röü s 6 Leben des Engellanders ne Errettung zu vermuthen, als ich vor zwäntzig Ich, ren gehabt hatte, geschweige daß ich die geringste Hoff- E nung zu der Ankunfft eines Englischen Schiffs, ver- ^ mittelst dessen ich mich aus meinem betrübten Zustand ^ setzen können, sehen sollen. Verfolglich, da meine Leute zurück kamen, konte es nicht änderst seyn, ste ! musten ungemein bestürht werden, wie sie sahen, daß ^ ich fortgegangen und drey Fremde, so wohl in der In- D, sul als in dem Besitz aller Sachen, die mir zugehör- Dj ten, und die sie mit mir zu theilen hofften, gelassen ^ hatte. A Was die Reise anlanget, die mein Spanier mit Freyrags Vater verrichtet, so sagte er mir, daß nichts .Ä gar besonderes dabey vorgegangen, weil das Wetter M sehr unmuthig und das Meer still gewesen wäre. Sei- ich ne Cameraden hatten, wie es leicht zu glauben, eine tz, grosse Freude ihn wieder zu sehen, auch war er der » vornehmste unter ihnen, und ihr dlommenärmr, seit dem dcr^Ccipitaine von dem Schiff, in welchem sie G verunglücket, seinen Geist aufgegeben hatte. Sie M waren desto mehr verwundert, da sie ihn wieder er- Ä blickten, weil sie wüsten, daß er den Wilden in die M Hände gerathen, und dahero muthmasseten, daß er «j von solchen, ihrer erschrecklichen Gewohnheit nach, H würde gefressen worden seyn. M Die Erzehlung, welche er ihnen von seiner Erret- H tung thät, und aufwas Art ich ihn in Stand gesetzt tzi selbige bequem herüber zu führen, schiene ihnen ein 4, Traum: Ihre Bestürtzung war, wie sie mir nachge' ^ hends gesagt, der Söhne Jacobs ihrer gleich, als sich ^ Joseph denselben zu erkennen gab, und ihnen seine Er- ^ Hebung an des Königs in EgyptenHoferzehlcte. Als ^ er Idobinlon Oulov. 57 2 ^ ihnen aber die Lebens-Mittel zeigte, welche er ihnen Ä zur Reist brächte, ingleichen das Gewehr, das Pullis ver und Bley, so liessen sie von ihrer Verwunderung H t nach und nach ab, betrachteten ihr Verhängnis recht, G? und machten alle nöthige Anstalten in meine Insul A hinüber zugehen. Ihre erste Sorge war Lrmors zu bekommen, sie sahen sich aber gezwungen die Gränhen der Frömmigkeit etwas zu überschreiten, und ihre gu- ^ te Freunde die Wilden zu bekriegen,indem sie selbigen, ^ unter dem Vorwand sich auf dem Meer zu erlustigen, oder Fischen zu gehen, zwey grosse Barquen adbvrg- ,7 ten. In diese Lsnors traten sie den andern Morgen, ^ weil sie keine grosse Zeit brauchten ihre Kostbarkeiten und reiü-es Vermögen einzu balliren, indem sie we- 'L? der öaggge, noch Kleider, noch Lebens-Mittel, und uvg mit einem Wort nichts anders besassen, als was sie auf dem Leibe hatten, ausser etlichen Wurheln, de- cA ren sie sich an statt des Brodts zu bedienen gewohnt waren. Meine beyde Gesandten blieben in allem nicht länger als drey Wychen abwesend, und binnen A dieser Zeit, fand ich Gelegenheit mich, wie ichinmei- nem ersten Theil der Länge nach erzehlet, von derJn- M- sul weg zu machen, mein Eigenthum drey Ertz>E (Helmen zum Raub überlassend, die gewißlich die allerun- sti; verschämtesten und frechsten waren, die man in der Ar ganhen Welt hätte finden mögen. Dieses alles, und wie schwer mit ihnen umzugehen, haben meine Schalk nier mehr als zu sehr mit ihrem Schaden erfahren. Die einhige billige Sache, welche diese Schelmen tMen, war,daß sieden Spaniern gleich meinen Brief H vergaben, und ihnen, wie ich befohlen, meinen D 5 Vor- 58 Leben des Engellättders ^ Vorrath an Lebens-Älitteln einhändigten. Sie steil- ten ihnen auch eine weitläufftige und sehr umständliche i ^ Schrifftzu, darinnen enthalten war, wie ich meine Sachen angestellt, aufwas Art ich, währendes mei- O* nes Auffenthalts in der Znsul auf meinen Unterhalt und Bequemlichkeit bedacht gewesen. Es war ferner H darinnen beschrieben, wie ich mein Brodt gebacken, -Ä meine zahm-gemachte Ziegen aufgezogen, mein Gc- . trayde ausgesäet, meine Weintrauben getrocknet, ^ und meine Topfte gemacht; Mit einem Wort die gün- zB, tzr Art, wie ich mich in diesem betrübten Zustand auf- AL geführct hatte. M Diese Schrifft überlicfferten sie nicht nur denSpa- niern, unter welchen sich zwey befanden, die so viel D Englisch verstunden, daß sie dieselbe nutzen konten, sondern sie kamen ihnen auch mit allerhand Hälfte zu M statten, und im Anfang war unter meinen beyden Völckern eine ziemlich grosse Einigkeit. Mein Schloß M hatten sie gleich mit ihnen gemein und lebten wie Brii- M der mit den Spaniern, deren Oberhaupt bereits eine Vorbildung von meiner Art zu leben hatte; welches M ihn denn geschickt machte alle Sachen der Lolome mit M Freyrags Vaters Beystand zu regieren. Was die Engclländer anlanget, so waren sie aüzit ^ grosse Herrn, als daß sie sich mit so schlechten Geschäft ten vermengen sollen; Sie dachten auf nichts anders, ^ als die Jnsul zu durchlauffen, Papageyen zu schieffen, ^ und Schildkröten aufden Rücken zu kehren, und wenn sie des Abends nach Hauß kamen, so fanden sie die ^ Abendmahlzeit durch der Spanier Vorsorge gantz ^ fertig» ^ ^ Diese hier wären damit gar wohl zufrieden gewe» Robinson Lrukös. 59 > ^ sen, wenn ihnen die andern nnr hätten wollen Ruhe 2 Een, allem es waren Leute, die nicht lange Friede 2 halten konten: Sie hatten nicht die geringste Lust an 2 das Wod seyn dieser kleinen Republic zu druckenund ^ welken doch nicht leiden, dajr sie die andern dieser Sor- ? ae überhüben, wie jener Gärtners Hund, der weder ^ selber fressen, noch den andern sich zu sättigen vergön- ü mnwolte. I Ihre Zwistigkeiten waren anfänglich von schlechter ^ Wichtigkeit, und verlohnen sich nicht der Mühe crzehlt ^ zu werden, allein auf einmahl brach die Boßheit mei- ^ M Schelme aufdie schändlichste Art von der Welt ^ aus. Sie fiengen mit den Spaniern einen öffcntli» chen Streit mit allem ersinnlichen Frevel an, ja auf ^ eine Art, die der Vcrnunfft, ihren eigenen Nutzen, der Billigkeit und dem gesunden Verstand selbst zuwi- ** der liess, indem sie nicht den allergeringsten Verwand hatten, ihre viehische Auffführung zu bemändeln. M Zwar habe ich im Anfang alle besondere Umstände >!» nur oon den Spaniern erfahren, welche, so zu sagen/ ie> ihre Ankläger waren, und deren Zeugniß verdächtig eto seyn konte; Jedoch als ich Zeit hatte dieselben über a!-> u. le Puncte der Anklage zu befragen, so durfften sie nicht >s< einen eintzigen darvon leugnen. B Ehe ich aber weiter gehe, muß ich einem Versehen Meisten, dessen ich mich in meinem ersten Theil schul- ^ dig gemacht, indem ich vergessen habe den Leser von eignem besondern Umstand zubenachrichtigen, welcher lnit dem, was jeho folgen wird, einen grossen Zusam- H Mnhang hat. Solches ist nun dieses: In dem Augenblick, da wir den Ancker aufheben ^i iitid meine Jnsul verlassen wollen, so entstund von neuem 60 Leben des Engellanders neuem ein kleiner Streit in dem EnglifchcnUhiff, und es war sehr zu fürchten, daß die Lymphe M andern mal aufrührisih werden möchte« ^!« Vielleicht wäre es auch dahin gekommen, wenn der Ä» (lapltLine nicht alle seine Hertzhafftigkeit zusammen F gefastet, und vermittelst meines und seiner andern gu- tcn Freunde Beystandes, zwey von den halsstarrig- -D sten beym Kopffgenommen, und solche in Ketten und ^ Bande schliessen lassen, mit Bedrohung sie als Re- M bellen , die zum andern mal diese Ubelthat begiengm, und die andere durch ihre auffrühriftheReden außheh- ^ ten, so lauge im Gefängniß zu behalten, biß daßcrsie D in Engelland ließ an den Galgen hangen. Obschon der Laplmme dieses zu thun nicht Willens ^ war, so crschröckte er doch dadurch viele Matrosen, die an der ersten Auffruhr Theil gehabt, und diese ü> berredeten alle übrige, daß man sie nur mit guten ^ Worten bey der Nase herumführte, allein daß man ^ sie in dem ersten Englischen Hafen, wo das Schiff ^ einlieft, in die Hände der .Ml? lieffern würde. ^ Der 8ubKieur desEspULins bekam hiervonWind, E und sagte es uns, darauffward beschlossen, daß ich, so allezeit vor einen wichtigen Mann gehalten ward, nebst crmcldtem 8vklliruten mit ihnen reden, und sie ^ versichern solte, daß, wenn sie sich die übrige Reise ^ wohlaussführten, von dem vergangelstn niemals ge- redet werden solre. Diese LommiMon verrichtete ich .- aufs Beste, und gab ihnen meine Parole, daß sie M ^ gen der Empfindung ihres Eapicrüns nichts zu fmM reu hatten. Dieses Verfahren beruhigte selbige > ad- , sonderlich da sie die bcoden Rebellen. denen wandle ^ Beine mir Ketten belegt, auf meine Verbitte wlaer ^ loß sahen. koblnlon Oukoe. 6l ^ Nichts desto weniger hinderte uns diese Sache sel- ' bige Nacht unter Seegel zu gehen, und weil wir in« ^ dessen von den Wind abgekommen, so vernahmen L,. wir den andern Morgen, daß jeder Gefangener, von denen so wir loßgelassen, eineMusquete, und einiges ^ anderes Gewehr, wie auch vermuthlich Pulver und k, ! Bley gestohlen, und sich in die Pinaß oder ein klein ^ Schift'mit Seegeln und Rudern, geschlichen hatten, darauf sie ans Land geflohen, um ihren würdigen Ca- meraden, den andern Rebellen, Gesellschafft zu lei- sten. ^ So bald wir dieses erfahren, ließ ich den grossen ^ Boot nebst dem 8ubüiwten und zwvlff Mann ins Meer setzen, um diese Schelmen zu suchen, allein sie ^ fanden selbige eben so wenig als die andern drey. Denn ^ sie waren alle mit einander in das Holh gelauffen,so bald sie die Schaluppe hatten sehen heran kommen. ^ Der 8ubttirur wolte solche indem ein mal vor alle mal wegen aller ihrer bösen Thaten abstraffen, und so wol dierumiren, als alles dasjenige, so ihnen ^ zum Unterhalt dienen kvnte, verbrennen, weil er es a- der ohne Befehl nicht thun durffte, ließ er alles in dem Stande, wie er es angetroffen, und vergnügte sich ^ wieder an das Schiffzu kommen und die Pinasse wie- der zurück zu bringen. Durch diesen neuen Zuwachs belieffsich die Anzahl der Engelländer in derJnsul biß auf fünff, allein die drey erstenwaren den neulich- angekommen dermaßen F in der Boßheit überlegen , daß sie dieselben, nachdem gleiche zwey Tage mit ihnen haußgehalten, aus der .^Wohnung jagten 4 in der Absicht, daßsie selbst auff >hren Unterhalt möchten bedacht seyn, ja sie giengen eine 6r Leben des Ettgelländers ^ eine Zeitlang mit ihrer Härtigkeit so weitHäsisishen- ä selben so gar die allergeringsten Nahrungs-Mittel ab- ''M schlugen. Alles dieses trug sich zu, ehe die Spanier in ?!- die Insul kamen. , Ä Als dieß nun da angelangt waren, so wandten sie L allen Fleiß und Bemühung an, dieß drey wiche Be- ^ stien zubewegen, sich mir ihren Lauds-Leutenzuver- Ä söhnen, us.d solche wieder m ihre Wohnung zu nehmen, ^ um auf diese Weise eine einige Familie anzurichten, E. allein sie wollen nichr einmahl davon reden hören. ^ Solcher Gestalt wurden diese beyde unglückliche Kerl genöthigt vor sich allein zubleiben, und weil sie sahen, daß ihnen nichts anders als der Fleiß und Ar- ^ deit gemächlichen Unterhalt zu verschaffen fähig wäre, A" so baueten sie ihre Hütte in dem mitternächtigem Theil der Jnsul auf, jedoch ein wenig nach der West-Seite, M aus Furcht vor den Wilden,welche insgemein aUfder Ost-Seite in dieser Jnsul aus Land stiegen. E« Da baueten sie zwey Hütten, eine zu ihrer Weh- «im nung, und die andere zu ihrer Vorraths-Cammer, D und weil ihnen die Spanier Getrayde zumSäen gegc- M den, wie auch einen Theil von den Tvpffen, die ich >h- W nen gelassen harte, so fiengen sie an die ErdeumzuM den, zupflanhen und nachdem Muster, so ich ihm ^ vorgeschrieben, Zäune zumachen, und in kurher Zeit « befanden sie sich in einem ziemlich- erträglichem Zu- W stand. Denn ob sie wohl anfänglich nur ein sehr klei» nes Stück Land besäet hatten, so bekamen sie dochGe- travde genug ihr Brodt zu haben, und weil einer M W ihnen im Schiff war Unter-Koch gewesen, so war er A fthr geschickt Suppen, und andere Emch- te zu machen, so viel nemlich ihr Reiß, ihre Milch, tz. Kobinlon ( 7 ruloe. 6Z >ü > _ ^ und ihr Fleisch darzu hergeben konte. In diesem Au- H stand waren sie , als die dre» Haupt-Schelme, unge- achtet es ihre Lands-Leute waren, sich bloß eine Lust ru machen , hinkamen und ihnen allen Verdruß anthä- -- ten. Selbige sagten, daß ihnen die Jnsu! gehörte, > und daß der OouvLrneur ihnen solche »»Besitz gegeben -'j hätte; Dahero könte niemand als sie, das geringste -: Recht da haben, und selten sie also kein Hauß auf ih, ^ ren Grund und Boden bauen, es se» denn daß sie ih- neu die Gefalle darvon abtrügen, oder der Teuft! sol- te seinen Antheil daran haben. Die armen Leute bildeten sich Anfangsein, daß sie cy jcherhen wollen: Deswegen fragten sie solche, ob sie hineinkommen, und die schönen Pallaste, so sie aufge- . . richtet hätten, nach ihrer Bequemlichkeit besehen, u- auchsich wegen der Gefalle, die sie verlangten, ferner 7 erklären wolten. Der eine, so gleichfalls zu fchertzen 7 Lust hatte, sagte zu ihnen, daß wofemc sie Herrn von ,dem Grund und Boden wären, er der Hoffnung leb- te, daß wenn sie ihre Aecker baueten, wie sich es ge- '7 dühret, sie würden so gütig seyn und ihnen, nach dem '7 Exempel andererHerren, einige Jahre Freyheit zuste- '7 hen, und bat sie hiernechst, sie möchten einen NotL- 7^. rwm kommen, und einen LomraL aufrichten lassen. ^ Einer von meinen dreyen Bösewichten gab, indem ^ er fluchte und lästerte wie ein Lands-Knecht, zur Ant- E Wort, banste gleich sehen sotten, ob alles dieses nur ^ Schrrtzwäre, und nachdem er sich dem Feuer genä- rft hert, welches diese gute Leute, ihre Mittagsmahlzeit zu bereiten, gemacht hatten, so nimmt er einen Feuers- < Brand, wirfft solchen in die eine Hütte, und steckt sie damit an. Auch würde solche ausser Zweiffel gantz t!- und Lebendes Engelländers und gar drauf gegangen seyn, wenn nicht einer von F den Besitzern auf den Schelm loßgesprungen, selb,- '-B gen mit Gewalt von dieser armen Wohnung emfer- M net, und das Feuer mit dem Fuß ausgetreten hätte' ^ doch ward es ihm sauer genung,ehe ihm solches a>p gicng. ^ Dieser Bvsewicht war so toll, wie er den schlim, M men Ausgang seines barbarischen Vernehmens sahe, M daß er mit einer Stange, die er in der Hand hatte,auf L den lys'gieng, so daran Ursach war, und hätte sclbi, ^ gen g^oißlich erschlagen, wenn er dem Streich nicht ausgewichenwäre. Wie nun sein Camerad die Ge- fahr sahe, darinnen er sich befand, so kam er ihm gleich ^ zuHülffe. Sie nahmen jeder eine Flinte, und der, ^ welcher zu erst angegriffen worden, schlug seinen ^ Feind mit dem umgekehrten Gewehr auf einmal zu ^ Boden, ehe die andern zwey herbey kamen; weil sie ^ aber innen wurden, daß selbige sich fertig machten ih- neu zu Leibe zu gehen, so traten sie bey einander, und E hielten jenen die Flinten-Ächer vor die Nase mit der Bedrohung, daß sie dieselben schießen wollen, der M Dampffsolte ihnen aus dem Halse gehen, wo sie sich nicht wegpackten. E Die andern hatten zwar ebenfallsSchr'eß-Gewehn ^ aber einer von den ehrlichen Leuten, so kühner als fein" Camerade, und wegen der Gefahr, darinnen er sich befand, cicsperac war, sagte zu ihnen, daß, wenn sie ^ die geringste Mine machten anzuschlagen, so sollen sie^ dahin seyn, und befahl ihnen mit grossen Muth ihr Ge>*, wehr niederzulegen. Jedoch thaten sie es nicht, weis s sie aber die andern so relolvlrt sahen, so kamen sie;is V einem Vergleich, und versprachen fortzugehen,^ A ferne ^ kobinlon Crusoe. §5 ferne man ihnen zuließ ihren verwundeten Cameraden d. tnit wegzutragen. Er war in der T hat, und gar ge- ^ fahrltch verwundet, allein das hatte er sich durch sei- ^ ne eigene Schuld zu wege gebracht. Man kan sagen, >«h daß die beyden, welche angegriffen worden, als sie sichim Vortheil sahen, groß Unrecht hatten, als daß ^ sie nicht würcklich dieselben Wehr-loß machten, wie > sie es leicht thun konttn, und nachmahls hingiengen, und denSpaniern ihren gantzenAufall erzehlten.Denn - nach der Zeit dachten die drey Bösewichte auf nichts -- anders als sich zu rächen, und dieses verbargen sie so Ir wenig, daß sie die andern niemahls sahen ohne sclbi- ^ den damit zu dräuen. ^ Sie verfolgten dieselben Tag und Nacht, und tra- .H ten zu verschiedenen mahlen ihr Getrayde nieder, schos- sen drey Böcke und eine Ziege todt, so diese arme Leute ^ zu ihrem Unterhalt cmf-ogen, mit einem Wort sie gien- gen mit selbigen sv grausam und barbarisch um, daß ihnen die Gedult endlich ausrisse, und den verzweiffel- ^ tm Entschluß faßten , solche bey der ersten Gelegenheit anzugreiffen. In dieser Absicht giengen sie bey das ^ Schloß, wo die drey Schelmen nebst den Spaniern wohneten, und waren Willens als ehrliche Leute mit ^ ihnen zu fechten, in Gegenwart der Fremden, welchen A sie dadurch zugleich eine Lust machen wolten. Um NUN dieses Unternehmen zu vollziehen, stunden ^ siememahls vor Tage auf, und wie sie bey das ' I', Schloß kamen, siengen sie an die drey Schelmen bey ihrem Nahmen zu rüsten, und sagten zu einem Spa- runter, der ihnen antwortete, daß sie mit diesen drey Trüffeln absonderlich zu reden hätten. iHck Einen Tag zuvor hatte es sich eben zugetragen , daß ^ ji. Theil. E zwey 66 Leben des Engellanders zwey Spanier einen von den ehrlichen Engelländcm im Holtze angetroffen, und schröckiicheKlagen gehöret ^ was solche von ihren barbarischen Lands,Leuten vor L' Schrmpffund Schaden erlitten, immaßen selbige ih-- ik nen lhre lu^ncage ruinirct, ihre Erndte verderbet,und A ihr Viehe todt geschossen; welches fähig wäre sie da-- hinzubringen, daß sie Hungers sterben mästen, wenn ihnen die Spanier nicht zu Hulffe kamen. K, Nachdem nun dies letztem nach Hause gekommen W und mit den Schelmen bey Tisch fassen, nahmen sie H die Freyheit dieselben,mit Worten, wiewohl aufeine ss! gelinde und höfliche Art, zu bestraffen. Einer von ih, gs nen fragte sie, wie sie doch tönten so grausam und M unfreundlich gegen ihre arme Lands-Leutc stylt, diesie ^ > gleichwohl niemahls belcydigct hätten, und aufnichtS anders dachten, als wie sie vermittelst ihres Fleißes ^ ihren Unterhalt finden möchten; Was sie wohl vor ^ eine ersinnliche Ursache haben tönten, selbigen die ^ Mittel hierzu zu benehmen, die ihnen so mühesameAr, ^ beit gekostet hätte? ^ . , «i Einer von denen Engellandern gab trotzig zur Ant, Wort, daß diese Leute nichts auf der Jnsul zu thun hat, ten, daß sie ohne ihre Erlaubniß dahin gekommen, ^ daß ihnen das Land nicht gehörte, und daß er auf keine ^ Weise leiden würde, daß sie da baueten oder T Zen anrichteten. Aber, Herr Engellander^ We ^ der Spanier auf gar bescheidene Art, sie müsse»» nicht Hungers sterben. „Laßt sie Hungers sier, L „ben und zu allen Teufeln gehen, antworte der En- ^ „gelländsr als ein rechter Barbar: zum wenig, ^ „stcn sollen sie hier weder bauen noch pflantzen. . „was solle,» sie denn machen , Herr Engellätz ^ „der, , kobinlön Lrufok §7 ^ der, verfaßte dieser redliche Mann? Was ich will,, r:-, -äs sie thun sollen, sägte dieandere grimmige,, v. Bestie, daß sie unsere Sclaven seyen, und vor uns,, arbeiten. "Aber was habr ihr vor Ursache der-- ^ gleichen Unkerwerffungvsn ihnen zu erwar- r > rm? Ihr habt sie sa nicht vor euer Geld ge- kaufst, und ihr habt nicht das geringste Recht solche zu euern Sclaven zu machen. Eben der A Schelmgab ihm zur Antwort, daß die Insul ihnen ,dreyen gehörte, daß der 6 ouverneur ihnen solche ge-- lassen, und daß niemand als sie daselbst das geringste ^ zu sagen hätte; und um ihnen dieses zu zeigen, so wol- '' tm sie gleich hingehen, und ihrer Feinde Hütten ver- " brennen, und es möchte gehen wie es wolte, so wür- ',7' den sie weder ihre Hütten, noch ihre klE^en-dul- ' ten. - AufdieArr, Herr, sagte der Spanier, müßten " ^ wir ebener mästen eure Sclaven seyn? „Gar ''u recht, antwortete der unverschamteBosewicht,,, wir machen allerdings unstre Rechnung drauf, und,, ^ ihr werdet dessen bald innen werden.,, Dieser schöne ^ VLurs war mit ein hundert Stück Flüchen, GG re verdamme mich, ausgezieret, und an die bequem- sim Oerter, nach Redner Art, geseßet. Der Spa- nier beantwortete solchen mit nichts anders als einem ^höhnischen Lächeln, und achtete ihn nicht so gut ihm ^o dasgeringste Wort zu sagen. ^ Nichts desto weniger hatte diese Unterredung silbi- Schelmen die Galle überlauffend gemacht, und ^einer unter ihnen, (wie mich dünckt war es Wilhelm ^ckiri 8 ,1 stund im Grimm auf und sagte zuden an- Ä dern, morblcu laßt uns hingehen, und mit den E 2 Hun- 6 8 Leben des Ettgelländers ^ Hunden ein Ende machen, lasier rrnsH F Schloß niederreiten und nicht mehr leyden, K daß sie in unseren Herrschaffren den Herrn P spielen. I Daraufgiengen sie alle drey fort, jeder hatte eine ß Flinte, ein Pistol und einen Säbel, und sagten halb ^ facht tausenderlcy verwegene Dinge auf was Art sie Z die Spanier, so bald sie Gelegenheit darzu fänden, ^ ebenfalls tractircn wollen. Diese aber hörten es nur ^ halb, so viel kvnten sie wol schließen,, daß sie ihnen ^ draueten, weil sie der ehrliche Engellander Parthey 2 genommen. Man weiß nicht gar zu eigentlich was sie Z selbige gantze Nacht vornahmen, allein es stehet zu ver» ^ muthen, daß sie einige Stunden aufdem gcmtzen Land Ä! herum liessen, und sich endlich vor Müdigkeit an dem .Ä Ort, welchen ich vor diesem mein Lust-Haußnannte, ^ schlaffen geleget hatten, ohne daß sie so frühe aufwach- ^ ten ihre entsetzliche Anschlage auszuführen. '5 Nachgehends hat man erfahren, daß ihr Zweck gewesen die beyden Engelländer im Schlaf zu über, ° ' fallen, ihre Hütte, indem sie drinnen lägen, mit Feuer ^ anzustecken, und solche da zu verbrennen, oder selbige ^ umzubringen, wenn sie dem Feuer zuentgehen, von l» dar heraus wollen. Die Bosheit schläfft sonst selten ^ gar zu fest, und ich wundere mich, daß sie nicht so viel A Macht über sich hatten offen zu bleiben, um ihr bar, A barisches Vorhaben zu vovzielM. . ^ Jmmitkelst da die andern zu gleicher Zeit etwas m« ^ der dieselben vorzunehmen beschlossen hatten, sö sich " doch bester vor brave Leute schickte, als die Mordbren» ,« nerey und der Todtschlag , so geschahe es zu beyder » Glück, daß die aus der Hütte» schon auf dem Wege i waren, kobi'nlon (Üruloe. 69 --->- * waren, ehe diese blutgierigen Schelme bey ihre Woh- - ^ nung kamen. Wie sie nun da anlangten, fanden sie hie Hütte ledig, ^lkins, so der relolvirtefte war, schrye zu seinen Cameraden : Hier ist das Nest, aber - h! die Vogel sind weggeflogen , der Teufel hohle >»i sie. Daraufbliebenfie einige Minuten stille stehen, >»' um zu errathen, was ihre Feinde möchte bewogen ha- ^ den so frühe auszugehen, und sie schlössen emmüthig, H daß ihnen die Spanier von der Gefahr, darein sie bald v , gerathen würden, Nachricht müsten gegeben haben, ch Nach dieser schönen Muthmaßung gaben sie sich alle drey die Hände, und verpflichteten sich durch entsctzli- Lq chc Eydschwüre, sich an denjenigen zu rächen, welche sie vermlhen hätten. Gleich darauffiengen sie an, an ^ den Hütten der armen Engelländer zu arbeiten, sie rist sm solche beyde nieder, und liessen nicht ein Stück dar- ^ an gantz, also daß man kaum den Platz erkennen kon- ^ te, rvo sie gestanden hatten; ihren Häußrath mach- ten sie, so zu sagen zu Staub, und warffcn die Stü- cken darvon dergestalt in der Lange und der Breite herum, daß diese gute Leute nachgehends vieles von ^ ihrem Geschirreine halbe Meile von ihrer Wohnung 2°' fanden. ^ Nach dieser Verrichtung, rissen sie alle Bäume ^ aus, die ihre Feinde gepflantzet hatten, zerbrachen ih- lE" re Zäune und Verschlüge , wo sie ihr Viehe und Ge- i>i»k trayde verwahret hielten, kurh, sie plünderten alles ss vollkommen als immer eine Horde Bartarn hätte thun iiO können. Unter dieser schönen Verrichtung waren die beyden Engelländer hingegangen und hatten selbige gesucht, B - um solche anzugreiffen, wo sie dieselben fänden, und ^ E z vb 7« Leben des EnZellä-nders ob ihrer gleich nicht mehr als^zwey wider drey waren ^ so ist doch gewiß, daß da wäre Blut vergossen wer- ^: den, angesehen sie alle mit einander Hertz im Leibe hat- ten, und gar nicht fähig waren sich auf einige Art zu O' schonen. , ^ Allein die göttliche Vorsehung bemühete sich weit ^ fleißiger dieselbigen zu scheiden, als sie hitzig waren an einander zu kommen, denn gleich als wenn sie man- A der mit Fleiß hätten aus dem Wege gehen wollen, ft begaben sich die beyde nach der Schloß-Seite, da in- v? dessen die drey andern nach den Hütten zugegangen,, K und mittler weile die beyden erstenssich von neuem auf x.r Dem Weg gemacht, so waren die drey wieder nach ^ der Seite von meiner alten Wohnung gekommen. ^ Wir werden aber gleich den Augenblick sehen, was in M der einen und der andern Verfahren vor ein Unter- iS schied war. Die drey kamen bey den Spaniern zurück und hat- ^ ten die Wuth auf ihrem gantzen Gesicht, und in ihren ^ Geberden abgemahlet. Neben dem befanden sie sich ^ ^ von ihrer Verrichtung, welcher sie mit so grossem Haß ^ obgelegen, gantz erhitzt, und rühmten sich ihrer That ^ öffentlich, als wenn solches die heldenmäßigste Be- H, mühung von der Welt gewesen wäre. Hiernechst gieng einer unter ihnen mit einer hochtrabenden Art ^ aufeinen von den Spaniern loß, als wenn er mit ei- ^ uem Haussen leichtfertiger Gassen-Jungen zu thun ^ hatte, nahm selbigen bey dem Hut, drehete ihm sol- chen aufdem Kopffherum, und sagte zu ihm auf fte- ^ vele Manier indem er ihm ins Gesicht lachte: Und ' euch , Herr Maran, wollen wir eben die Brü- ^ he anrichten, wenn ihr euch nicht bemühet uns ^ mehrllcsseÄ zu erweisen. Der 'h Der Spanier, ob er wohl sänfftmüthig und sehr ^ höflich, so war er doch dabey so hertzhaffc als man es ^ nur seyn konte, zu dem war er hurtig und srarck >m höchsten Grad. Nachdem er uu» denjenigen, der !r> ilm gleich da beschimpftet, steift' angesehen , so gieng ^ er mit einem sehr gravitätischen Schritt aufihn zu, und schlug denselben mit der ersten Ohrfeige,wie einen Ochsen zu Boden; Daraufschoß ein anderer Engel- länder,der eben so frevelhafte als der erste war, mit dem > Pistol aufihm.Jedoch brachte er solchen dadurch nicht ch um, sondern die Kugeln fuhren ihm nur durch die ch Haar, wie wohl eine darvon nichts destoweniger sein Ohr-Läppgen dergestalt traft, daß er viel Blut lassen mikfte. Als nun der Spanier sein Blut hauffig fliessen sä- ^ he, glaubte er daß seine Wunde gefährlicher wäre, ' als sie sich in der That befände, und ob er wohl biß da- shin sich nach aller Möglichkeit gemaßiget, so ward er 'doch endlich böß, und glaubte, daß es Zeit wäre die- ' - scm Schelmen zu weifen, daß sie nicht wohlthäten sich an solchen tap ffern Leuten,wie sie wären, zu reiben, c'' Deswegen riß er demjenigen, welchen er zu Boden geschmissen, die Flinte aus den Händen, und stund - schon irn Begriff, demjenigen, der ihn hatte wollen -ech umbringen, den Schedelentzwei) zu schieffen, als die Lt andern Spanier ins Mittel traten, und ihn bittlich er- che suchten den Schuß nicht zu vollbringen, und zugleich fielen sie aufweine Buben loß, nahmen ihnen das Ge- << wehr, und satzten sie ausser dem Stand ihnen zu scha- ö - den. Wie sich diese Schelmen ohne Waffen sähen, und dabey gewahr wurden, daß die Spanier wieder sie E 4 eben 7r Leben des Engellanders ^ «den so erbittert als die beyden Engellander wareiH fiengen sie an anders Sinns zu werden, und selbige >,§ mit ziemlicher Freundlichkeit;» bitten ihrGewehr wie- der zu geben. Weil sie aber in Betrachtung zogen, ^ was zwischen ihnen und den beyden Einwohnern der Hütten vor Feindschafft regierte, und hierncchst ver- ' sichert lebten, daß dieses das beste Mitte! wäre solche l abzuhalten, daß sie einander nicht in die Haare gerie-- O then, daß man diese ohne Gewehr bleiben ließ, so ga- B den sie ihnen zur Antwort, daß sie gar nicht Willens O waren, ihnen das geringste zu Leid zu thun, sondern B daß sie fortfahren wvltcn, ihnen allerhand Bcyhülffe O zu leisten, wenn sie nur wollen Ruhe halten, allein B daß sie es nicht vor gut ansahen, ihnen ihr Gewehr wie, Pi der zu geben, zu einer solchen Zeit, da sie auf ihre eige- »>! ne Landö-Leute erbittert wären, und da sie zum Über-- D fiuß ihr Vorhaben alle Spanier zu Sclaven zu rna- U chen sich öffentlich vernehmen lassen. m Diese abscheuliche Leute, welche eben so wenig im G Stande waren der Vernunfft Gehör zu geben, als H vernünfftig zu erfahren, als sie sahen, daß man ih- ^ nen ihr Gewehr versagte, so giengen sie voller Toll- A heit aus diesem Ort heraus, und dräueten, daß, ob tzl, man ihnen schon ihr Schieß- Gewehr abgenommen, ^ sie sich dennoch an den Spaniern wollen zu rächen miß ^ ftn. Diese aber verachteten ihre Großsprechereyen tz und sagten zu ihnen, -sie soltepssich ja hüten, und nichts H wider ihre l'l?.MLz;cn und ikrVieh unternehmen;dem H wo sie so kühne wären und thäten es, so wollen sie Die- ^ selben, allenthalben wo sie solche anträffcn, wie grim- ^ mige Bestien niedermachen, und wenn sie nach einer ^ solchen Feindseligkeit, lebendig in ihre Hände ka- ^ Xobmlon Ouloc. 73 »o., - 1 » ' 5 -' men, so wurden sie die seiden ohne Gnade aufhen- cken. Diese Drauungen bewegten sie aber gar nicht etwas von ihrer grimmigen Boßheir abzulegen, sondern ziengen unter stetigem Feuer-- und Flammcn-speyen fort, und fluchten auf die entsetzlichste Art von der Welt. Kaum hatte man sie aus dem Gesicht verlohren, so kamen unsere beyden andere daher gezogen, und warm eben so toll als jene, allein mit besserm Recht, denn nachdem sie bey ihrer ?lE3Ze gewesen, und solche in den Grund verderbt gesehen, so hatten sie starcke Ursachen auf ihre barbarische Feinde zornig zu werden. Gleichwohl tonten sie nicht sonderMühe so vielZeit bekommen ihr Unglück denSpaniern zu erzehlen,Massen diese sehr selbst begierig waren,ihnen von ihrem eigenen FufallNachricht zu geben. Man muß bekennen ,daß es eine ungemeine Sache war zusehen. daß drey frevele Vvsewichte ncunzehen wackere Leute gröblich zu beleydigen sich unterstunden, und nicht die geringste Straffe darvor erlitten. Das i,k wohl wahr, daß die Spanier selbige verachteten , sonderlich nach dem sie solche Wchr-loß, und dadurch ihre Drauungen unkrafftig gemacht harten. Die Engelländer aber waren desto mehr erbittert,und beschlossen sich deswegen zu rächen, es möchte daraus entstehen, was da wolte. Nichtsdestoweniger stellten solche die Spanier zu« frieden, und sagten zu ihnen, daß, weil sie jenen ihr Gewehr abgenommen, sie nicht zugeben könten,daß man sie anfiele, und mit Flinten niederschösse. Über diß versicherte sie der Spanier, so damahls gleichsam E 5 (rvu- 74 Lebendes Engellariders Oouverneur von der Jnsul war, daß er ihnen eine völlige LrmsfaÄion verschaffen wolle. Denn, sagte er, man darff nicht zweiffeln, sie werden wieder zu uns kommen, wenn ihr Grimm wird nachgelassen haben, gestalt sie ohne unsern Beystand nicht fortkommen können, und in diesem Fall versprechen wir euch, daß sie euch sollen Abtrag thun, unter der Bedingung, daß ihr cuers Orts euch verpflichtet keine Gewalt wider sie zu gebrauchen, es sey denn zu euercr eigenen Vertheidigung. Die beyden Engeliander giengen dieses zwar ein, es gesahe aber nicht sonder grosse Mühe, welches denn nicht sehr gi verwundern ist; Allein die Spanier versicherten dieselben, daß sie keinen andern Zweck hätten als das Blutvergießen unter ihnen zu hindern, und sie desto glücklicher zu machen. „Denn, sagten sie,wir „sind nicht so zahlreich, daß nicht hier für uns alle „Raum genung wäre, und gewißlich es ist ein grosses „Elend, daß wir nicht alle Freunde seyn können^Die- se Worte besanfftigen sie endlich ganh und gar: Sie versprachen alles was die Spanier verlangten, und '(>»' -V blieben einige Tage bey ihnen, weil ihre eigene Wohnung war verwüstet worden. Ungefähr fünff Tagr hernach wurden die drey Landstreicher des Herum- llauffens müde, und weil sie sich mit nichts als einigen Turteltauben-Eyern erhalten, kamen sievor Hunger halb todt wieder bey das Schloß. Als sie nun da den Spanischen Lommenciarwen nebst zweyen andern an dem Ufer des kleinen Meer-Busens hcrumspatzieren sahen, so traten sie mit einer ziemlich- demüthigen Art Zu ihm, und baten selbigen um die Gnade, daß sie wieder in seine Familie aufgenommen werden möchten. kobmlon kürulöe. 75 » ^ Mein ehrlicher Spanier empficng sie gargütig, doch sagte er ihnen, daß sie mit ihren eigenen Lands-Leuten E«! Mfcine so grobe, und mit seinen eigenen Haußgenos- ^ sin auf eine so Weh-mäßige Art verfahren, daß es ihm ^ unmöglich wäre ihrem Suchen statt zu geben, er habe es denn zuvor mit den beyden Engelländern, und den ch andern Spaniern sattsam überleget: Er wolte jelbi- ^ gen den Augenblick solches vorstellen, und in einer ha!- v- den Stunde würde er ihnen Antwort geben. Allein der Hunger machte, daß ihnen die Bedingung eine !ss halbe Stunde außer dem Schloß zu warten überaus - hart schiene, und weil sie es nicht länger dauren kon- ten, baten sie den (Gouverneur ihnen unterdessen ein (i, wenig Brodt zu schicken, welches er nicht allein thät, sondern ließ ihnen zugleich ein grosses Stück von einer . . jungen Ziege und einen gebratenen Papagei) heraus ss> bringen /welches sie alles mit einem sehr grossen Appe- . ch tit verzehrten. ^ ss Nachdem sie nun den Erfolg der Berathschlagung ^ die abgeredete halbe Stunde erwartet Hütten, so ließ man sie hineinkommen, und da gab es einen langen ^ Streitzwischcn ihnen und ihren Lands-Leuten, wel- /ss che sie anklagten, sie hätten ihre ttkmuige gantzlichzn Grunde gerichtet, und noch darzu vorgehabt sie zu er- morden. Wie sie sich nun dessen zuvor gerühmet, so kanten sie es damahls auch nicht leugnen. DerSpa- ''Wier Ober-Haupt gab indessen einen Mittler ab, und ^ wie er die beyden Engelländer dahin gebracht, die an- ^derndrey, unter der Zeit da sie Wehr-loß gemacht und ihnen nicht schaden tönten, aufkeine Weise anzu- Missen, also hielt er die drey Schelmen an, daß sie ' stlten hingehen und die ruinitten Hütten wieder auff- F' bauen, ?6 Leben des Engellanders bauen, eine auf eben die Art, wie sie zuvor gewesen und die andere geraumer, ingleichen neue Zäune und Vorschläge zu machen,' andere Bäume zu pfianhcr, Gctraydean statt des verderbten zu säen, mit einem Wort alles, so viel möglich, wieder in den Stand zu bringen, wie sie esgeftmden: Denn es gieng nicht wohl an, das Gctrayde, welches schon sehr groß worden, und die Bäume, so bereits starckzuwachsen angefangen, so genau zncrsehen. Allen diesen Bedingungen unterwarfst« sie sich: wie man ihnen nun überflüssige Nahrungs-Mittel reichte, so fiengen sie an still zu leben, und die ganhe Kolonie war lehr einig. Auch fehlte nichts, als daß es nicht möglich war die drey Landstreicher dahin zu bringen, daß sie vor sich selbst gearbeitet hätten. Nichts destoweniger waren die Spanier so höflich und sagten ihnen,daß wen sie dieRuhe derGescllschüfft nicht mehr stöhren, und das Beste der l^nr^c überhaupt zu Hertzen nehmen wollen, so wären sie bereit mit Lust vor sie zu arbeiten, und ihnen zu vergönnen, daß sie nach ihrem Gefallen herumspahieren,mdso viel, als sie es vor räthst»« befänden, müßiggehcn möchten. Alles gieng auf diese Masse einen oder zwey Monath lang vollkommen wohl, deßwegen waren dre Spanier so gut und gaben ihnen nicht allein ihr Gewehr wieder, sondern auch eben die Freyheit, deren sie zuvor genossen hatten. Acht Tage nach diesem großmüthigen Verfahren der Spanier, fiengen meine Bösewichte, die MM geringsten Erkenntlichkeit fähig waren, ihre vermesse-- neBoßheiten noch besserem, und sichten sich das entsetzlichste Vorhaben von der Welt in Kopfs. ZeM -B Ä !« Robinson Lruloe. 77 Mögen sie dasselbe damahls nicht, wegen eines Zufalls, welcher die gantze Lolonie in gleiche Gefahr brachte, und sie allerseits nöthigte allen krivar-Unwil- lcri aufdie Seite zu legen, und an ihre eigene Erhaltung zudencken. Es trug sich einsmahls eine gewisse Nacht zu, daß der Gouverneur oder das Oberhaupt der Spanier nicht ein Auge zuthun konte, er mochte sich gleich keh, ren auf welche Seite er wolle. Was den Leib anlangte, befand er sich sehr wohl, doch verspührte er sich durch unruhige Gedancken hin und her bewegt; sein Gehirn war voller Abbildungen von Leuten, die sich schlugen, und untereinander umbrachten. Kurtz als tt m dieser Unruhe einige Zeit im Bett verblieben, und nachgehends malgenommen, daß sich die Bewegung seiuesGemüths verdoppelte, so stund er auf. Gleichwie sie nun alle mit einander auf zusammen-gehäuff- ten Ziegrn-Fellen, welche in kleine Bctt-Stäten,so ch sie vor sich selbst aufgerichtet, gelegt waren, zu schlaf- ftn pflegten, und nicht in solchen in der Höhe- schwe- '' benden Lagern wie ich, so brauchten sie nicht viel Mach hearifzustehen. Sie durfftennur aufdie Füsse treten ^ und ihren Rock samt ihren leichten Schuhen anlegen, '7 so waren sie gleich fertig auszugehen und ihre Sachen "ch zu verrichten- !e Nachdem er sich nun solcher Gestalt aus seinem La- . ger heraus begeben, so gieng er fort, allein die Dun- / ^ ckelheit der Nacht hinderte ihn etwas genau zu unter- -ch scheiden; über dicsesstundenihn die Bäume im Me- -5 ge, welche ich gepflantzer hatte: Solche waren so hoch gewachsen, daß er nur in die Höhe sehen und bemerkt eken konte, daß sich der Himmel klar und voller Sternen 7 8 Leben des Ettgellättders neu befände. Zudem hörte er nicht das geckM 2 Geräusch, und deswegen faßte er den Entschluß M wieder niederzulegen. Es war aber wieder eben das Ä vorige: er koute weder schlaffen noch sein Gemüth be- ' ^ ruhigen, erspührte, daß seine Seele auf gleiche Art ^ stets vollAngst war, ohnerachteter hierzu keinestrsach ^ finden mochte. Weil er aber bey dem Aufstehen und wieder Niederlegen so wohl als bey dem aus- und ein- ^ gehen einiges Getösse gemacht hatte, so wachte einer L von seinen Leuten auf, und fragte wer es wäre, der da ^ hin-undwiedergienge: Darauf mahlte ihm der 6ou- vcrnLm-die Beschaffenheit seines Gemüths ab, m Ei welcher er sich befände. Höret doch, sagte der Spa-- ^ nicr zu ihm, dergleichen Bewegungen sind nicht in den 5? Wind zu schlagen, ich versichere euch, es schwebet uns gewißlich ein Glück über dem Haupt. Wo sind - die Engclländer, fuhr er fort. Von dieser Seite ist ^ nichts zu fürchten, gab der Oouvei nem-zur Antwort, M sie sind in ihren Hütten. Vermuthlich hatten die E Spanier seit ihrer letzten Empörung mein Schloß vor A sich behalten und die Engclländer an einen besondern Ort in das Quartier verlegt, von dar sie ohne deren Einwilligung zu ihnen nicht gelangen konten. Es «ü schadet nichts, antwortete der Spanier, es ist hier ek-- was das nicht recht zugehet, ich bin dessen aus eigener ^ Erfahrung gewiß versichert. Ich glaube ohne einhi- E gen Zweiffel / sichte er hinzu, daß unsere Gemüther B mit denen von der Materie abgesonderten Geistern, M welche in der unsichtbaren Welt ihre Wohnung best- Hen, einigen Umgang haben, und von solchen Vortheil- ^ hasste Nachrichten empfangen, daferne sie nur der- A selben sich bedienen wollen. Wolgn, sagte er, laßt R Kobin/on Oruloe. 7S von hier hinausgehen, und wenn wir nichts finden, das einigen Grund euere Frucht darchun kan, so will ich euch eine Historie erzehlen, die sich hierher sehr wol schickt, und die euch der Machest meiner Meinung überzeugen wird. Meinem Wort siegicngen mit einander auf den Hügel, von dannen ich vor diesem mich des Landes in dergleichen Fall erkundiget hatte. Ich stieg auf solchen mit einer Leiter , welche ich hinanzog, damit ich biß aufdessen andere Höhe gelangen konte. Wie sie aberdamahls in grosser Anzahl in der Insul beysammen waren, so kamcnihnen diese Vorsichten nicht in den Sinn, Massen sie gerade durch das Hvlh dahin giengen; Allein sie wurden hcfftig bestächt, als sie von dieser Höhe einen Licht-Schein, welcher von einem Feuer herkam, erblickten, und vieler Menschen- Stimmen hörten. Ich hatte bey allen Gelegenheiten, da ich in meiner Insul Wilde sehen ans kand kommen, mir alle er- sinnliche Mühe genommen selbigen zu verbergen, daß die Insul bewohnet wäre, und wenn sie es dennoch in- umwurden, so ließ ich es sie auf eine so rauhe Art empfinden, daß diejenigen, so darvon kamen, keine sehr zenaue Nachrichtdarvongeben konten, und die eintzi- M, welche mich gesehen, und so fortgekommen, daß sie im Stande blieben es zu erzehlen, solches waren die drey Wilden, welche sich aus unserm letzten Scharmützel in einen von den dreyen Canots oder Kähnen Klviret, und deren Flucht mich sehr bekümmert ''Äte. Meiner Lolonie war es nicht möglich zu wissen ob ^Wilden deswegen in so grosser Menge in der Insul gelan- 8o Leben desEirgelländers gelandet hätten, weil sie, auf die Erzchlüygdichr Ä drey, einen Anschlag wrder selbige gemacht, oder vb ^ es wegen der gewöhnlichen Ursach, die solche vor die- sem dahin gebracht, geschehen wäre. Dem sey aber ^ wie ihm wolle, sie tonte nur zu zweyerley Dingen W greiften, entweder daß sie sich mit aller Sorgfalt zu P verbergen bemühete und alle mögliche Vorsicht brauchte diese Menschen-Fresser in der Unwissenheit I zulassen, daßdieJnsul bewohnet wäre, oder solchen mit so grossen Nachdruck aufden Halß zu fallen, daß H kein einiger darvon käme, welches doch nicht änderst ^ geschehen tonte, als indem man ihnen den Weg nach ^ ihren Barquenverhauete. Allein zum Unglück kam dieses meinen Leuten so gleich nicht in den Sinn, wel- ^ ches ihre Ruhe nachmahls eine geraume Zeit störete. Man wird leicht glauben, daß der (Gouverneur und die beyden Leute vor Bestürhung über das, so sie sahen, den Augenblick zurück kehreten, und ihre Ca- meraden aufweckten, um selbigen von der Gefahr, so ^ ihnen bevorstünde, Nachrichtzu geben. Solche ge- riechen nun darüber al sobald in Schrecken, allein es ^ war da keine Möglichkeit selbige zu überreden sich ein- geschlossen und verborgen zu halten, sondern sie gien-ch^ gen gleich hinaus, um mit ihren eigenen Augen zu st- hen, warum es zu thun wäre oder was vorgienge. Das Übel war nicht groß so lang es dunckel blieb, V und sie hatten einige Stunden lang Zeit genong die Wilden zu betrachten, indem diese am Ufer drey ^ Feuer in gewisser Weite von einander gemacht, weh ^ che einen hellen Glanh von sich gaben. Sie konten ^ nicht begreiffen was dieser Leute ihre Absicht wäre, ^ und sie selbst wüsten nicht wo zu sie sich entschließen stl- ^ kchbmlon Grukoc.' 8 r ^ HH^DerFeinde sahe marine grosse Menge,und was ^ W allerverdrießlichsten war, so hatten sie sich, an statt ^ heysammen zu stehen, in viele Haussen zertheilet, s welche einer von dem andern ziemlich entfernet wa- reu- Dieser Anblick sahte die Spanier in eine entsetz- licheBestürtzung; sie sahen diese Bursche allenthal» den herum lauffen, und furchten sehr,sie möchten durch r einen Zufall ihrer Wohnung innen werden, oder durch < einiges Merckmahl Versicherung bekommen, daß Mck an dem Ort befindlich wäre. Sonderlichstun- - den sie wegen ihrer Heerde in Sorgen, Massen selbige. ' nicht i uin.rt werden konte, ohne sie in Gefahr zu sitzen' Hungers zu sterben. V, Um nun diesem Unstern vorzukommen, schickten sie H fort zwey Spanier und drey Engelländer ab, mit i Befehl die gantze Heerde in das grosse Thal zusagen, ss wo meine Höhle war, und silche, wo es nöthig, so ^ Zarin die Grotte selbst zu treiben. ? Au gleicher Zeit beschlossen sie, daß wenn es geschä- - / he, daß sich die Wilden alle auff einem Haussen ver- - jämmleten, und von ihrcnKahnen entfernetenssie silbi- ' - gen auf den Halß fallen weiten, wenn ihrer gleich hun- dcrt beysammen wären. Dieses aber stund gar nicht ^ zu vermuthen, angesehen ihre kleine Haussen wohl eine - grosse halbe Meile von einander lagen, und wie man Li' nachgehends erfuhr, so waren solche von zwey unter- ^ sihieLenen Nationen. ^) Nach dem sie nun eine Zeitlang stillgestanden, und sich wegen des sichersten Entschlusses, so bey dieser s Gelegenheit zu nehmen , mit einander berathschlag A S" hatten, so beschlossen sie den alten Wilden, Frey, A sl- Theil. F tags , . ^E /l ' !>.vs! ^I< >!> ',' 8 - »eil des? tags seinen Varer abzuschicken, daß er, währender Dunckelheit, Kundschastt einziehen, und sich unter selbige mischen.solle lhre Absicht zuerfahren. Der gute Alte unternahm dieses willig, und nachdem er sich mutternackend ausgezogen, so gieng er augenbliek. sich fort. Nachdem er zwey 'Stundet! weggewesen, kam er wieder und brachte die Nachricht, daß es ein Paar unterschiedene Theile zweyer Nationen wären,, welche mit einander Krieg fuhreten. Daß solche in ihrem Lande eine grosse Schlacht gehalten, und weil sie da beyderseits einige Gefangene bekommen, so wären sie nur von ungefähr und wider ihr Vermuthen aufeinerley Jnsul gekommen, daselbst ihre Mahlzeit zuhalten, und sich lustig zu machen., Sobald aber eine Parthey die andere gemercket hätte, wäre ihr Freude aufdas äusserste gestöhret worden, und daß sie dergestalt auf einander erbittert schienen, daß man nicht Misteln dürffte, sie würden sich bey anbrechen» >A>,! demTage aufdas neue schlagen. Ausser dem hatte er » yicht den gerigsten Schein gesehen, daß sie argwohne, ten, daß die Znsul bewohnet wäre, und daß sie sich vermutheten, dastlbst andere Leute als ihre Feinde zu finden. Kaum hatte dieser gure Mann seine Erzeh- lung geendiget, so entstund ein grausamer Lärm, woraus unsere Leute schlössen, daß die beyden Armeen einander in den Haaren lägen, und daß der Streit erschrecklich seyn mäste. Freyrags Vater ivarrdte alle seine Beredsamkeit an unsern Leuten beyzubringen, daß sie sich still halten, und ja nicht zeigen möchten. Er sagte ihnen, daß einig und allein ihre Sicherheit darinnen bestände, daß die Wildert nicht ermangeln würden einander das Licht Kki U W k-vbinlon Oulos. 8 z A Mauszublasen, und daß diejenigen, so aus der Schlacht entkamen, also fort in ihre Kähne treten würden. Diese Weissagung ward auch nach allen ^ ihren Umstanden erfüllet. Nichts destvweniger wollen doch meine Leute gar nicht hören, sonderlich die Engelländer, welche ihren Vorwitz ihrer Klugheit vorzogen, und alle hinaus gien- 7 gen dasGefecht mit anzusehen. Gleichwol gebrauchten ^ sie hierbey noch einigeVvrsicht,den an statt daß sie frey ^ und unbedeckt gleich vor ihrem Hauß vorbey giengen, A so nahmen sie einen Umweg durch das Holtz, und stell- A ren sich vortheilhafft an einen solchen Ort, von dar sie alles sehen tonten was vorgieng, ohne daß sie, wie sie glaubten, von jemand erblicket würden. Den nach- ^ Agenden Zeiten aber nach scheinet es doch, daß sie von tzen Wilden mußten seyn gesehen worden. Jmmittelst war die Schlacht eben so entsetzlich als harrnäckicht, und wenn ich den Engelländern Glau- O ben beymessen darff, so ließ sich an einer von diesen W Partheyen eine ungemeine Tapfferkeit blicken, wie nicht weniger eine unüberwindliche Standhafftigkeit, liji und viel Geschicklichkeit das Gefecht vortheilhafft za »a! führen. Solches währete zwey Stunden ehe man sitzen konte auf welche Seite sich der Sieg lencken ais würde. Nach dem aber siena der Hausse, so den C n- gelländern amnahesten war, an schwach zu werden, darbey in Unordnung zu gerathen, und kurtze Zeit drauf dieFluchtzuergreiffen. , Unsere Leute fürchteten damals sehr, es möchten sich eimgevon den Flüchtigen, dem Grimm ihrer Feind? ^ zu entgehen, ihre Sicherheit in der Hole suchen, wcl- che vor ihrer Wohnung befindlich war, und also wi- Fr der« 84 Leben desEttZelländers der ihren Willen innen werden, daß der Ortbewohm ä wäre. Ja sie stunden noch in grossem Sorgen, die W Sieger möchten ihnen nachlauffen, deswegen nahmen 'B sie den Entschluß sich in der Verschantzung mit ihrem Ä Gewehr parat zu halten, und auf alle diejenigen, so in F die Höhle gehen wollen, einen Ausfall zu thun, in der F Absicht solche insgesamt nieder zu machen, und selbige P solcher Gestalt zu hindern etwas von ihrer Entdeckung A zu berichten. Ihr Vorhaben gieng aber dahin, daß sie sich zu dem Ende nur ihrer Säbel, oder derAnfchlä- ge ihrer Flinten bedienen wollen, damit sie keinen ^ Lärmen machen, und sich deren eine grössere Anzahl L über den Halß bringen möchten. ^ Dieses traff eben so ein, wie sie es vermuthet hat- - ten: indem drey der überwundenen aus allen ihren ^ Kräfften darben liessen, und, nachdem sie durch den ^ Meer-Busen geseht, gerade nach selbigem Ort zu ka- men, woselbst sie auf nichts anders bedacht waren, als ^ sich in demjenigen, so ihnen als ein dickes Holtz schiene, A einen sichern Platz zu suchen. Die Schildwache von § meinen Leuten kam also bald und gab ihnen hiervon ^ Nachricht,mit dcmZusah zu ihrem grossenVergnügen, daß die Uberwinder solche nicht verfolgcten, und es das ^ Ansehen hatte, als wenn selbige nicht wüsten, wo sie ^ hingeflohen wären; Weil nun derSpanischeSouver- " neur allzu leutselig und gütig war, als daß er hätte zu- N geben sollen, diese arme Leute umzubringen, so befahl « er darauf, daß sie über den Hügel hinab gehen,sich hin- ^ rer selbige schleichen, sie überfallen und gefangen lieh- M men sotten: welches auch also verrichtet ward. Die«- M brigen von dem überwundenenVolck,flohen nach ihren U Kähnen zu, und begaben sich in das Meer. DieSieger ^. Kobinlnn Oruloe. 8s ^ anlangend/so verfolgten sie dieselben nicht gar zu hitzig, H und nachdem sie sich alle bey einander versammlet hat- ^ reu, machten sie zwey mal ein hefftiges Geschrey, um ^ allem Vermuthen nach, ihren Triumph feyerlich zube- gchen.An eben demTage ungefähr um dreyUhrNach- «ß mittag, giengen sie wieder in ihre Fahrzeuge ,und auf üH diese Masse sahe sich meine Lolome darvon bcfreyet, vhnedaß sie dergleichenGaste in vielen Jahren wieder zu Gesicht bekam. Nachdem nun selbige alle fort wa- ^ ren, giengen die Spanier aus ihrem Schlupffwinckef hervor, und begaben sich hin an den Ort, wo die Gchlachtgehaltcn worden, selbigen zu betrachten. Sie ^ fanden da ohngefähr zo. todte, deren einige mikgrossen Pfeilen, so man noch in ihren Leibern stecken sahe, erle- get worden, aber die meisten hatten durch erschreckliche Hiebe mit gewissen hvltzernen Säbeln das Leben ver- ^ lehren. Meine Leute fanden deren r6. oder 17. aufder ^ Wahlstatt, wie auch so viel Bogen und Wurffspiesse. r« ^^^te Säbel waren von einer entsctzlichenDicke un ^ Schwere, und man muste eine ungemeine Starcke be- ^ sitzen dieselben zuführen,wie es seyn solle. Den meisten, ^ welche mit diesenJnstrumenten getödtet,war derKopff A entzwey,undwiemansagtin 1020. Stücken geschla- ^ gen. Andern hatte man die Armen und Beine zerquet- ^ schet,welches klärlich anzeiget,daß sie mit der äussersten i Verbitterung wider einander fechten.Wir fanden kei- ^ nencintzigen, der nicht ganh todt gewesen wäre: Denn ^ bey ihnen ist der Gebrauch,daß sie, ob schon verwundet, ^ demFeindchißaufden letztenTropffenihresBluts,die c> Spitze bieten, und die Sieger unterlassen niemals ihre H eigene Verwundeten mit zu nehmen, fa auch diejenige Wer den Feinden, welche ihre Wunden hindern ihre Sicherheit durch die Flucht zu suchen. ,Die- 86 Lebe,; des Engelländers ^ Die ser Zufall machte meine Engelländer eine Ich- lang ein wenig zahm. Dieses Spectackel hatte ih- ^ nen einen Abscheu gemacht, und sie zitterten wenn sie ^ nur bloß an die Menschen-Fresser gedachten.Gcstaltsie ^ in deren Hände nicht fallen tonten , sie wurden dann ^ als Feinde umgebracht, und mästen ihnen gleich einer ^ Hcerde Viehe zur Nahrung dienen. Sie gestanden mir nachgehends,daß der Gedancke wie ein Ochs oder ^ Schöps gefressen zu werden damahls etwas so er- ^ (chröckliches vor sie mit sich führte, daß ihnen darvon E übel geworden, ohnerachtet ihnen dieses Unglück nicht ^ ehe als nach ihrem Tod begegnen können, ja sie sagten, ^ daß die entsetzlichen Vorbildungen, welche viele Wo- ^ chen in ihren Gemüthern hcrumgiengen, sie bey nahe ^ kranck gemacht hätten. B Eine Zeitlang nach einander liessen sie ganh wohl V« mit sich umgehen, und arbeiteten an der Eolome ge- »«? meincnSachen.S ie pflantzten,sie säeten,crndeten ein, «> als wenn sie von Kindheit an, an diesem Ort gelebet «ch hätten: aber diese gute Aufführung dauere nicht lang, W und sie machten bald hernach neue erschreckliche An- schlage, die sie selbst in groß Unglück stürtzten. W Sie hatten drey Gefangene bekomm,wie ich gemel- hl>r> det, solches waren junge hurtige und starcke Leute die 'O ihnen vor Sclaven dieneten, und sehr nützlich waren. :;ß Allein ihr Hertz zu gewinnen fiengcn sie es nicht auff H eben die Art an, wie ich es mit Freytage»; gemacht Ärj hatte. Sie unterliessen es dahin zu bringen, daß sie tz» die Leutseligkeit, mit welcher sie ihnen das Leben er- rtz, halten, erkannten und hochachteten. Auch war es weit -tz gefehlet, daß sie ihnen einige Princips von der Relü gion beybrachten, sie waren nicht einmahl bedacht die« tz, ^ lk.obinlön Lruloel 8 ^ ^ ^ - itzi selben zu guten Sitten zu gewöhnen, und solche durch O weise und mit Sanfftmuth begleitete Unterrichtungen zu einer vernünfftigen Aufführung anzuweisen. Zwar gaben sie ihnen ihres Leibes Unterhalt, aber dargegcn ^ gebrauchten sie dieselben zu der härtesten Arbeit, und hatten von ihnen nicht änderst Dienste zu gcwartenM ^ durch Gewalt. Aufdiese Masse tonten sie sich auf sol- ^ che gar nicht verlassen, wenn es draufankäme, daß sie ^ das Leben vor ihre Herrn wagen solten: Dahingegen Frevrag ein Kerl war, der sich in einen gewissen Eod -7 gesturht hätte, bloß mir das Leben zu erhalten. - Dem sey wie ihm wolle, die gantze Oolonie lebte da- mahls in aufrichtiger Freundschafft, Massen die ge- - meine Gefahr allen besonder» Unwillen auf eine Zeitlang aus selbiger verbannet hatte. In diesem Zustand r jungen sie einmüthig an sich wegen ihres gemeinen . Besten zu berathschlagen , und die erste Sache, die -r ihnen einiger Aufmerksamkeit werth schiene, liess da- 7- hinaus, daß, weil sie aus der Erfahrung gclernet, : daß die Seite von der Insul, welche sie innen hätten, 77 von den Wilden am meisten besucht würde, sie haupt- sachlich untersuchen woltcn, ob sie nicht wohlthäten - 7 sich an einen entlegenem Ort zu begeben , welcher eben < so geschickt wäre ihnen überflüssige Lebcns-Mittel her- vorzubringen, und ungemein bequemer ihr Gctrayde s / lind Wehe in Sicherheit zu setzen. Allein nach vielen , vllcurstn, welche für und wider diesen Vortrag gc- 7 - führet wurden, beschloß man die Wohnung nicht zu verändern, weil es dermahleinst geschehen könte, daß si der alte Oouverneur jemand zu ihnen schickte, welcher 7 sie, im Fall sie sich von meiner alten Wohnung entfer- 7 neten, nothwcndi'g vergebens suchen müste, und ver- K 4 folg- 88 Lebendes Ettgellatidevs ^ folglich alle vor todt halten würde, wen er meinSchloß ^ ruinirt sähe, welches sie aber zugleich aller Hülste, ' E mit ich ihnen aus sonderbahrer Güte zustatten kommen wölke, aufewig berauben würde. Was aber ihr Ge- ^ trayde und Viehe anlangte, so waren sie einig, beydes <4 zurück in das Thal zu verlegen, wo meine Höhle war, und wo selbst sich ein grosser Umfang sehr gutenLandes ^ befand. Jedoch nachdem sie dieses reiflicher erwogen, E fo änderten sie dieses Vorhaben,und nahmen den Enk- schluß nur einen Theil von ihrem Viehe in dieses Thal ^ zu schicken, und nicht mehr als die Helffte von ihrem W Getrayde dahin zu sähen: damit, wenn ein Theil dar-- W von durch ein Unglückrumirtwürde, das übrige vh- AZ ue Schaden bleiben, und ihnen Mittel an die Hand W, geben könte ihren Verlust zu ersetzen. D Ausserdem nahmen sie, meiner Meinung nach,we- D gen ihrer Gefangenen einen klugen Entschluß. Dieser D bestund darinnen, daß sie vor denselbigen das Viehe, M welches sie in diesem Thal hatten, ingleichen den neuen G Feldbau, den sie daselbst anzurichten vor rathsäm M W achtet, mühesamst verbergen wolten. Absonderlich M liessen sie dieselben niemahls der Höhle nahe kommen, Är welche sie, im Fall der äussersten Noch, als einen Ort 8nvÄ der Sicherheit betrachteten,und dahin sie auch die bey- hm den Fässer Pulver, die ich ihnen bey meiner Abreiße icke gelassen, versteckt hatten. ^ Äi« Gleich wie ich auch mein Schloß mit einer Ver- ^ fchanhung, und mit einem ziemlich-dicken Gehölhede- Gj deckt hatte, so sahen sie so w vhl als ich, daß ihre Wtze ^ Sicherheit darinnen bestände,daß sie nicht weggerW- men würden, und daherv entschlossen sie sich ihreWch "» - ^ - --- - - - -7-. Nachts zu rccoZriolLiren aus ; Allein zu ihrem gros- 2 sm Glück war der Lermen falsch, die Wilden hatten ^ nicht angeländet, und vermuthlich waren sie weiter ^ gefahren ein anderes Unternehmen zu vollziehen. ^ Wenige Zeit hernach hatten sie mit den dreyen En- 7* gelländern einen neuen Streit, darvon dieses die Ur- Al fach war: Einer unter ihnen, welcher der allcrhefftig- ^ sie und wildeste unter allen Menschen war, erzürnete ^ sich über einen von seinen Sclaven, daßercineSache, ° ^ die er ihm zu thun gegeben, nicht recht gemacht, und als er solchen aufrichtigere Gedancken bringen wol- len, hatte derselbige einigen Verdruß darüber von sich spühren lasten, deßwegen ergriff er, der Engelländer, ^ eine Axt, nicht darum, daß er seinen Knecht abstraften, L sondern gar umbringen wolte. Er war willens demselben denKopffvoweinander zu spalten, weil ihm aber sein toller Grimm nicht zuließ, !ds feinen Streich recht zu führen, so fiel solcher auf des jÄ armen Menschen Schulter. Als nun dieses ein e« Spanier innen ward,glaubte er, daß er ihm einenArm «« abgehauen hätte, liess derohalbcn zu, ihn zu ersuchen diesen armen Schelm nicht umzubringen, und ihn mit KK Gewalt darvon abzuhalten, wenn es nöthig wäre. ^ Darauffgieng dieser rasende Mensch aufden Spa- nier selbsten loß, und schwur, daß er ihn an desWilden ^ statt niedermachen wolte; allein der andere wich dem Streich aus, und schlug ihn mit einer Schauffel, die er, weil sie alle an der Arbeit waren, in der Hand hat- ^ te. zu bvden. Da nun ein ander Engelländer seinen Cameraden aufder Erden sahe, fiel er über den Spa- »'er her, und warft ihn ebenfalls mit einem Streich ^ darnieder. Zwey andere Spanier kamen diesem zu 92 Leben des Engelländers Hulff, und der dritte Engellander trat auf der beyden V andern Seite. Sie hatten allerseits kein Schüß-Ge- ^ wehr, hingegen Aexte und ander Werckzeug einander ' F todt zuschlagen im Überfluß. Zwar ist es gewiß, ^ daß einer von den Engellandern einen Säbel nntcrfei- « pen Kleidern versteckt hatte, mit welchem er die bey- ^ den Spanier, die ihren Eameraden zu Hülste kommen 2 waren, verwundete; allein die ganheLolomegeriech Ä darüber in Unordnung, und die Engelländer wurden W alledrey gefangen genommen. Man berathschlagte sich alsofort was man mit ihnen anfangen wolle. Sie hatten schon so viel Unruhe gestifftet, waren hiernechst so grimmig, so verzweiffelt,und;udem so fau!eSchlm- gel, daß sie dieser kleinen Gesellschaft^ schädlich, und ^ auff keine Art nützlich waren; Über dieses gehörten sie A unter die Verräther und Meineydige, welchen die La- ^. ster und Boßheiten gar nicht schwer ankamen. Der ^ Lou verneur erklärte ihnen öffentlich, daß wenn sie ^ aus seinem Lande wären, er sie alle ohne Gnade anst- ^ hencken lassen wolte, weil alle Regierungen aufdie Er- ^ Haltung der Gesellschafft ihre Absicht haben: und daß es billig sey alle diejenigen, welche solche zu vernichten 2 suchten, daraus wegzuschaffen; weil sie aber Engellän- ^ der waren, so wolte er in Ansehung eines Manns von ihrer Nation, welchem sie alle das Leben zu danckcn ^ hätten, aufdie allergelindeste Art mit ihnenumgehen, A und sie dem Urtheil ihrer beyden Lands - Leute über- ? lassen. ^ Darauffstundeinervon diesen letzten auffrmdbat, I daß man sie mit dieser LommMon verschonen mvch- ? te, immassen sie in ihrem Gewissen würden verpflichtet B seyn, selbige zum Galgen zu verurtheilen. Nach d^ ftn» Kobinlon Onloel 9Z ^ simerzehlte er, welcher gestalt Wilhelm -wkins ihnen ^ da, Vorschlag gethan,daß sie alle fünffzusammenthun ^ M'-ie Spanier im Schlaff ermorden wollen. Als A der Gouverneur ein so erschreckliches Unternehmen ^ vernommen hatte, wandte er sich zu dem Schelm, den hh Wn alleweile anklagte, und sagte zu ihm: So, Herr U Mins, ihr Haber uns alle, soviel unser sind, er, ^ morden wollen? was antwortet ihr hierauff? Dieser böst Bube hatte solches so wenig zu läugnen »lH willens, daß er es ohne Scheu gestand,, und noch darzu ^ schwur, daß er noch eben des Sinns wäre. ^ Allein, Herr ^lkins, antwortete der Spanier, M was haben wir euch gethan, daß wir ein solches Tracrament verdienen sollen, und was würde ^ es euch helffen, wenn ihr uns umbrachtet ? ^ Mas fangen wir an, daß wir euch darvon ab- Ä halten? warum Zwinger ihr uns,daß wir euch todten, oder erwarten müßen von euch umge-- ^ bracht;» werden? Ihr thut sehr unrecht, daß chr uns in diesen grausamen Zustand seyet. ' Die stille lmd sanfftmüthige Art, auff Mlche der ^ Spanier diese Worte vorbrachte, veranlasset? zuglauben, daßcr seiner spottete, darüber ward erder- ^ Massen unsinnig, daß, wenn er Gewehr gehabt, und mchtdurch drey Mann zurückgehalten wvrdm, es zu Slauben stelzet, daß er den Gouverneur mitten in der GeWschafft um das Leben gebracht hatte. Dieseunbegreiffiiche Raserey nöthigte sie ernstlich , Miberlegen, was sie m Ansehung dieser eingefleischten MS> Muffel vor einen Entschluß fassen sollen. Die bey- ^ M Engelländer und der Spanier, welcher des Scla« ^ »er, man, 94 Leben des Engelländers man, den andern zum Exempel, einen darvon aufhcn- cken müste, und daß es derjenige seyn solle, welcher den Augenblick zwey Mordthaten mit seiner Axt begehen wollen. In der That stehet zu vermuthen, daß er dieses willens gewesen war, denn er hatte den armenWil- den so grausam verwundet/ daß man seine Genesung vor unmöglich hielt. Nichts destoweniger war der (-ouverncur einer gantz andern Meinung, er wiederholte nochmahls, daß es ein Engelländer wäre, dem sie alle das Leben zu daneben hatten, und daß er nicht in eines einigenTod willi. gen würde, wenn selbige gleich die Helffte seiner Leute niedergemacht hätten. Er fügte diesem bey, daß, wenn er schon selbst durch einen Engelläuder ermordet würde, sowoltecr feine letzte Worte anwenden siezn bitten ihmGnade zuerweisen. , Hierauffbestundcrso stelff und vest, daß es vergebens war ihn eines andern zu überreden, und gleichwie insgemein die Meinung, welche am meisten auff die Güte zielet, in einer Versammlung derRäthe, den Vorzug genießet, wenn solche mit Nachdruck unterstützet .wird, so pflichteten sie alle dem Urtheil dieses redlichen Mannes bey. Jedoch muste man auff Mittel dencken die Vollziehung des barbarischen Unternehmens der Ubelthäter zu unterbrechen, und diese kleine Gesellschafft von ihren sowol gegründeten Furchten auff einmahl zubefreyen. Dieses erwöge man mit grosser Auffmercksamkeit, und man verglich sich endlich einmüthig über diese Artickel,, daß sie sollen „wehrloß gemacht werden, und daß man ihnen weder „Flinten, noch Pulver, noch Bley, noch Säbel noch «etwas anders, damit manSchaden thun tönte, zu Handen ÄS snili W Pl Ist«! Ätz aus A "niß,^aß sie lebenm'öchten, wo und auf was Art sie,es ^ M gut achten würden. Daß so wohl den Spani- ^ „ern als de» Engellandern solte verboten seyn mit ihnen ^ „zureden oder die geringste Gemeinschaft mit selbigen zu haben- Daß sie stets auff eine gewisse Weite ,'^i „von dem Schloß bleiben solken, und daß, wenn sie den ^ geringsten Ilnrath in der ttlÄuraze, demGetrayde, o- „der bey dein Viehe anstifftetcn, es solte vergönnet ^ „seyn, sie allenthalben, womansieanträffe,wieHun- „daniederzumachen. Nachdem aber der Gouverneur, dessen Leutseelig- ^ keil nicht sattsam tonte gelobet werden, denJnhalt die- ses Urtheils bey siel) erwogen hatte, wandte er sich zu den beyden Engelländern, und bat solche, sie möchten >-.>7 betrachten, daß diese böse Buben nicht gleich Getrau- deundViehe habenkönten : Dahero man ihnenver- v- folglich einige Lebens - Mittel reichen mäste, damit ch. mgn sie nicht nöthigte Hungers zu sterben- Man ward also seiner Meinung, und beschloß ihnen so viel f .7 Hetraydezu geben., daß sie nicht allein auff achtMc- -- nach ihren Unterhalt hattten, sondern auch säen tön- ttn, damit sie dessen hiernechst von ihrem eigenen ch.- Prund und Boden haben könten- Diesem fügte man ^ sechs Ziegen bey, welche Milch gaben, ingleichcn vier - Böcke und sechs junge Ziegen, welche ihnen theils zur Nahrung bestimmt waren, theils auch zum Anfang ei- 'ä. »er Heerde dienen sotten. Ferner thät man noch hin- Balles nothwenoige Werckzeug,als sechs Aerte, einen böitzrrnen Hammer, und eine Säge,jedoch unter dem ' s Beding , daß sie dieses niemahls wider ihre Lands- ^ . Leute > __ ^ hm vergönnen wolte. Daß sie auff ewig solten "k->. K-iellsekaN aeliosscn seun. iedoch mit der Erle §6 Lebendes Ettgellättders ' 7 —' Leute, oder die Spanier gebrauchen wollen, und daß sie in ihrem Leben sich nicht liessen in denSinn kommen ihnen den geringsten Schaden zu verursachen. Solcher Gestalt wurden sie aus derGesellschafft ge- A stossen, und musten hingehen und ihr Hauswesen be- M sonders anstellen : Sie machten sich demnach, wie A wohl mit einem sehr mißvergnugtenGesicht, fort, und M wollen auss keine Weise den Eyd ablegen, den man ,' mit so grosser Billigkeit von ihnen forderte. Sie sag- ^ ten, sie wollen hingehen und sich einen Ort aussuchen, wo sie bleiben, und eine ?1anwge anrichten kanten, und ... man gab ihnen zwar etwas von Lebens-Mitteln, allei-. I,, rre weder Gewehr noch Handwereks-Zeug Vier oder fünff Tage hernach kamen sie abermahl ^ wieder um etwas Verrath abzuhohlen, und zeigten zu- ^ gleich dem Gouverneur den Ort an, welchen sie sich ' ausgesehen daselbst zu wohnen und zu pflantzen- ? Dieses war eine Gelegenheit, die sehr bequem, und ' sich an dem entlegenen Ort der Jnsul auffder Nord- ^ Ost-Seite befand, nicht weit von der Küste, wo ich auffmeiner ersten Reise gelanget hatte, nachdem ich « durch die Fluthen war in das hohe Meer geführet^ worden. Da baueten sie sich zwey artige Hütten, nach dem « Hügel,'MH Muster meines Schlosses, unten an einem welcher schon auss drey Seiten mit Bäumen umge-s^g, den, als wenn sie noch eine kleineAnzahl andere pflantz- tcn, so bedeckten sie sich ganß, man müßte sie denn mit M sorgfältiger Bemühung suchen. Selbige begehrten auch von ihnen einige Ziegen-Felle, so ihnen zu Bet- ^ ten und Decken dienen sollen, und diese wurden ihnen ^ sereichet. Weil sie nun damahls eben eines friede ^ . cherü »4 H kobiirlon (üruköe. S7 chern Gemüths waren,so verpflichteten sie sich höchlich nichts wider die Lolome vorzunehmen, und unter dieser Bedingung gab man ihnen alles Handwercks- ^ Zeug, so man entbehren konte. Nicht weniger fügte ^ man diesem Erbsen, Hirsen uns Reis zum säen bey, ^ Meinem Wort, alles was sie kontenvon nöthen hall ^ den, ausgenommen kein Gewehr und kein Pulver und ^ Bley. In diesem Zustand lebten sie ungefehr sechs Monat, und verrichteten binnen der Zeit ihre Ernde, welche a- ^ der nicht gar wichtig war, indem sie andere Sachen zu L thun gehabt und also kaum so viel Zeit übrig gewesen , - > daß sie vors erste nur ein klein Stück Feld umreissm können. ^ Wie sie nach diesem anfiengen Breter und Töpffs x zu machen, so wüsten sie weder hinter sich noch vor sich wl zukommen, und machten nichts das taugte. Allein als dieJahrs-Zeit, da es stets regnete, herbey kam, da ^ gab es eine neue Sorge und Muhe vorsie, indem sie , M keinen Keller hatten, dahin sie ihr Getrayde in Sicher- Mitbringen, und solches trocken erhalten tonten,wor- l über dasselbige bey nahe gäntzlich verdorben wäre. ^ Dieser Unfall demüthigte sie so sehr, daß sie die Spa- mer um Beystand ansprachen, welche ihnen auchsol- ^ chen gar gerne zustunden. In einer Zeit von vierTa- ^ gen gruben sie demnach einen Keller auff einer Seite ^ des Hugels, der groß genug war ihr Getrayde und an- dern Vvrrath vor dem Regen in Sicherheit zu halten, aber es war gar ein geringes gegen meinen zu rechnen, ^ mderlich in demStande, darinnen er war, als ihn die ° b Spanier mercklich erweitert, und viele Behältnisse ' ! Wzugefuget hatten. u, Theil. G Un^ G - 8 Leben des Estgellanders Ungefehr neun Monat nach dieser ScheNungkqw diesen Schelmen ein neuer Narr in Kopff, dessen W, ^ gerungen, benebstdenen spquffihre vorige Ubelchatch ^ kamen, selbige so wohl, als die ganhe Lolomeineine ^ grosse Gefahr brachten. Sie waren nehmlich ihrej arbeitsamen Lebens müde worden, und weil sie »ich ^ hie geringste Hoffnung vor sich sahen, daß ihr Zustach künfftig besser werden mochte, ff satzten sie sich in dey Kopff, daß sie eine Reise auf das veste Land, von wcl- ^ chem die Wilden gekommen, thun und sehen wollen, ^ yb sie nicht einige Gefangene bekommen komm, die be- quem waren selbe der schweren Arbeit zu überheben. aV Dieser Anschlag war so schlimm nicht, wenn sie es rH nur mit Mäßigung angefangen hatten, allein dies« sll-: Bösewichte thaten nichts, da nicht eine fibelthat mit -Ä vnterlieff, entweder bey dem Anschlage selbst, oder bey eÄ dessen Vollziehung. Meiner Meinung nach stunden kch sieauffgewisse Masse unter dem Fluch des Himmels, G welcher solche wegen ihrer Bosheiten zu bestraffen ih- ncn zuließ, daß sie neue begrengen, um deren willen er chM sie nochmahls mit neuem Unglück züchtigte. Wcnigs M ftens ift das mesne Meinung, daß, wenn man nicht zu« rech geben will, daß auffsichtliche Ubelrhaten in dieser «ist Welt augenscheinliche Straffe folgen , es schwer sey Ai dasjenige, was in der Welt geschickt, mit der göttlü chen Gerechtigkeit zu vergleichen. Bey der Gelegen« ech heit, darvon hier die Frage ist, erschiene dieses oM bahrlich» r ihr boßhqfftiger Auffstand bewegtt sie A andern Ubclthaten, und brachte sie in dcn bctrübteuZ^ ^ stand, in welchem sie sich nach der Zeit befanden. An statt daß sie wegen ihrer ersten Bvßheit einige Reue i« ihrem Gewissen fühlen sotten, begierigen sie deren noch andere, k.obmlön Oruloe. 50 andere, als zum Exempel, die ungeheure Grausamkeit einen armen Sclaven zu verwunden, der vielleicht deswegen nicht gethan,, was man ihm anbefohlen, weil ihm die Sache unmöglich war, und selbigen auffelni solche Art zu verwunden, daß er seine gantze Lebenszeit gelahmet bleiben musre. Ich will nichts sagen von dem Vorhaben selbigen gar zu todten, daran schwerlich zu zwetffeln, wenn man denemsetzlichenÄn- schlag, alle Spanier im Schlaff zu c-rmorden, in Bei rrachtung ziehet. Um aber wieder auff meine Historie zu kommen, s» sage ich, daßdie drey Gesellen in Schelmstucken an einem Morgen vor das Schloß kamen, und mit grosser Demuth begehrten, daß man ihnen vergönnen möch- : temit den Spaniern zu reden. Als nun diese solches wohl zufrieden waren, so sagten die drey Engellander . zu ihnen, daßsieihrer Lebens-Art müde wären, in- ? dem sie sich nicht geschickt genug befänden die ihnen nö- - chige Dinge zu verrichten, und weil sie gar keinenBey- stand hätten damit zu recht zu kommen, würden sie ohn- Mac Hungers sterben. Wenn ihnen aber dieSpa- mer erlauben wolten einen von den OanM zunehmenderen sie sich zu ihrer Herüberführt bedienet hätten, Md sie hiernechst mit Gewehr und Pulver versehen, daß sie sich im Fall der Noth vertheidigen könten, so' wölken sie hingehen und auffdem vesten Land ihrGlück' i suchen, wodurch sie dieselben zugleich der Mühe überheben würden ihnen ferneren Unterhalt zu reichen. Die Spanier würden darum nicht böse geworden s seyn, wenn sie ihrer waren loß geworden, gleichwohl a- ber unterliefen sie nicht selbigen aus'Liebe vorzustellen, i daß sie ihren Untergang mit Fleiß befördexn lvürdev, G » und »so Leben des Ettgelländers und daß sie aus Erfahrung wüsten, ohne einen PachU ^ tischen Geist von nvthen zuhaben, daß solche nichts am A ders zu gewarten hatten, als daß sie vor pur lautem Elend auffdem vesten Land sterben würden. D Sie antworteten aber auffeine freche Art, daß sie > ^ doch auffder Jnsul ebenermassen umkommen müßten, ^ den sie könten und wollen nicht arbeiten, uud wann sie D ja das Unglück hatten und ermorden würden, so kä- men sie doch dadurch auff einmahl von allem ihren E- B lend ab. In der That hatten sie weder Weiber noch D Kinder, so etwas durch ihren Tod verlören, mit einem B Wort sie wolten fortgehen, wenn man ihnen auch schon A kein Gewehr gäbe. Z Die Spanier gaben ihnen mit vieler Höflichkeit zur Antwort, daßwenn sie ja drauffbeständen dieses Mi Werck zu untcrnehmen, so würden sie doch nicht zuge- ch«, ben,daß es geschehe ohne etwas zu haben, damit sie sich M wehren tönten , und ob sie gleich selbst Mangel an Echieß-Gewehr hätten, so wolten sie ihnen doch zwey Musqveten, ein Pistol, einen Säbel, und drey Arzte zM mittheilen, weil das alles wäre, was sie brauchten. » Meine drey Landstreicher nahmen das Erbieten an. Man gab ihnen auff mehr als einen Monath Brodt, G so viel frisch Ziegen-Fleisch als sie essen tonten, folan- 7,«« ge es gut bliebe, einen grossen Korb voller Rosinen, ei- nen Krug mit frischem Wasser, und eine junge lebendi- q», ge Ziege. Mit diesem Vorrath giengen sie kühnlich - ^ in einem Lanorauffdas Meer, ohnerachtct die Über- tzz fahrt zum wenigsten vierzig Englische Meilen breit war. Zwar befand sich das Fahrzeug so groß, daß ^ wohlzwanhig Personen darinnen Raum hatten, und verfolglich war selbiges bey dieser Gelegenheit mehr tz, beschwer« kobmlsn Oruloe. ror beschwerlich, als zu klein, gleichwie sie aber einen frischen Wind und die Flut zu ihrem Vortheil hatten, so regierten.sie dasselbe gut genung. Sie hatten eine grosse Stange wie einen Mastbaum darinnen auffge- richtet, daran hieng ein Seegel von vier gedörrten Ziegen-Fellen, die sie zusammen gcnehk hatten. Auff diese Masse nun verliessen sie das Ufer mit gar guter Manier, unddie Spanier wünschten ihnen eine glückliche Reise ohne zu vermuthen, daß sie dieselben iemalö wiedersehen würden. So wohl die Engelländer als die Spanier, welche in der Jnful geblieben, tonten sich nicht enthalten einander dann und wann Glück zu wünschen, daß sie auff so geruhige Art mit einander lebten, seit dem diese unbändige Leute fortgegangen, und gewißlich sie versahen sich in der gantzen Weltmchts wenig- als ihrer Wiederkunffh als, nach einer AbwefenlMwon zweiund zwantzig Tagen, einer von den Engelländern unter seiner Arbeit plötzlich drey Fremde zu Gesicht bekam, welche mitSchieß-Gewehr nach ihrer Seite zu- Stengen. Der Engellander fieng gleich an durchzugehen wider Wind, und liess gantz erschrocken hin zum Eouver- nsur, und sagte ihm, daß es um sie geschehen wäre, und daß es da Fremde gäbe, so aufder Jnsul ansLand gestiegen, ohne daß er sagen könte was es vor Leute wären. Nachdem sich nun der Spanier einige Augen-, blick bedacht hatte, fragte er ihn, was er denn damit sagen wolte: daß er nicht wüßte was es vor L.eu- rewaren, und daß es unfehlbar Wilde seyn müßten. Aein, nein, antwortete der Engelländer, es find bekleidete Menschen mit Schieß, Gewehr. G z »Nun ISA Leben des EttAelländers ^ „Nun wohlan, sagte der Spanier, warum strch- E! „ter ihr euch dann, wenn es keine Wilde sind? So sind A „es denn unsere Freunde, denn es giebt keine Christi,-- E „che Nation auff der Welt, die nicht svlte geneigter seyn uns gutes als Übels zu thun. Zudem sie also mit A einander sprachen, da fiengen die drey Engellander, § welche hinter den neu-gepfiantzten Bäumen stunden, 8 aus allen ihren Kräfften an zuschreyen. Man kannte V sie gleich an ihrer Stimme, und die erste Bestürtzung machte einer andern Platz. Ich will so viel jagen, O daß man anfieng sich über eine so geschwinde Wieder- iD kunfft ;ü verwundern,weil man deren Ursache unmög- B lieh errathen konte. Ehe man sie nun ließ Hineintreten, so ward vor rath- ^ fam erachtet, selbige zuvor um den Ort;ubeftagen,wo Ä' sie gewesen wären, und was sie da gemacht hatten. s,k Sie gaben kirchlich zur Antwort, daß sie die Überfahrt ^ inzwey Tagen verrichtet harten, weil sie aber gesehen, j^m daß das Volck, nachdem sie von selbigem erblicket M worden, m grosse Bewegung gebracht worden, und kUl daß sich solches fertig gehalten sie mit Pfeilen und, M Wurff-Spießen, zu empfangen, so hätten sie keinen M Fuß an das Land sehen dürften, sie wären auff der G Nord-Seite an den Küsten hingefahren, ungefehr 6 . oder 7 .Meilenweit, und daß sie da gewahr worden,' sG daß dasjenige, so wir vor das vesre Land hielten, eine M Jnsulwäre: daß sie bald hernach eine andere Ins»! tz, zur rechten Hand auffder Nord-Seite, und viel ande« tz, re auffder West-Seite entdeckt hätten : und weil sie ^ entschlossen geweftn an das Land zugehen, es möchte ^ kosten was es wolte, so wären sie nach der Seite von ei- ^ ner dieser westlichen Jnsuln gefahren, und hätten da ^ kuhnllch 8.obmkc>n s'rvkor. 4ör 25 ^ 7 - -tik si'chnlich angelandet. Das Vorhatten sie gar hö- pich und gesellig da befunden, und wären von selbigeH Mit vielen Wurhcln, und einigen gedörltey Fischest deschcncket worden, ja es hatte thuen geschienen als wenn die Weiber das Vergnügen, ihnenLebcns-Mit- telzu reichenden Männern streitig machen wollen,ohn- erachtet sie dieselben einen ziemlichen weiten Weg auf hren Köpffen hätten dahin bringen müssen. Dablieben sie vier Tage, und fragten dmch Zeichen svgutfie konten, was vor Nationen da herum befindlich waren. Man gab ihnen hierauf;» verstehen, daß man solche vor grausame Leute erkenncw, indem fiegewohnt wären die Menschen aufzufressen, was a« der selbige Nation anlangte, so fraß sie weder Männer,noch Weiber, ausgenommen dieKriegs-Gefün- genen, deren Fleisch ihnen ein Triumph-Fest zuwege brachte. Die EngeNänder fragten sie auf eben dir Art, wie lange es wäre, daß sie dergleichen Fest gehalten hätten. Sie gaben zu erkennen, daß es zwey Monath waren, indem sie mit der Hand auf den Mond zeigten, und zwey von ihren Fingern hinreckten. Diesem fügten sie bey, daß ihr grosser König zwey hun- dertGefangenehätte,dieerin einer Schlacht bekommen, und daß man solche aufein grosses bevorstehendes Gastmahl fett machte. sDie Engelländer schienen darauffehr begierig diese Gefangene zu sehen, allein die Wilden verstanden sie unrecht und meyneten, daß sie gerne einige davon haben und fressen möchten, und nachdem sie mit dem Finger gegen Niedergang, lind hernachgegen Auffgang gewiesen, gaben sie ih- yen dadurch zu verstehen, daß sie ihnen Morgen einige' darvvn bringen wvlten. G 4 S ie is4 Lebett desEttgellänVers Sie hielten ihr Wort, und brachten ihnen würck« sich fünff Weiber und eilff Männer, die sie ihnen fchenckten, aufeben die Art, als wenn wir Ochsen und Kühe nach einem See-Hafen treiben ein Schiff zü i-erproviantiren. Ob nun wohl meine Schelmen in unserer Jnsul die zrößten Merckmahle ihres barbarischen Gemüths an sich blicken lassen, so bewegte sie doch nur der blose Ge- dancke von dem Gefangenen fressen dergestalt, daß sie ihnen das Hertz im Leibe umwandte, und wüsten zudem nicht wie sie sich bey dieser Gelegenheit verhalten solten. Sie sahen nicht, was sie mit diesen armen Leuten thun solten, und gleich wohl ein Geschenck vvndie- ftmWerth nicht annehmen wollen, wäreeine grausame Beschimpfung vor diesen wilden Del gewesen. Endlich beschlossen sie dasselbe anzunehmen, und gaben denenjenigen, so ihnen diese Gunst erwiesen ,dar- gegen eine von ihren Aexten, einen alten Schlüssel, ein Messer, und fünff oder sechs Flinten Kugeln, welche ihnen sehr wolHefielen, ob sie gleich nicht wüsten was mandarmit thäte. Nach diesem band man den armen Gefangenen die Hände auf den Rücken, und die Wilden trugen solche selbst in den Lanor. Daraufwurden die Engelländer genöthigt noch selbigen Augenblick das Ufer zu verlassen, damit wem sie am Lande geblieben, sie nicht wärengezwungen worden, einige von diesen armen Leuten Wohlstands wegen abzuschlachten, selbige an den Spieß zu stecken, und diejenigen, welche so großmüthig gewesen und sie mit diesem schönen Vorrath beschickt, zum Mittagsmahl zu bitten. Nachdem sie nun aufdieftMasse von den Leuten der M« L.obinkon OuloS. IOs '.ri Znsul Abschied genommen, auch selbigen alle Kennzeichen der Erkenntlichkeit gegeben, und hiernechstje- ve Complimenten, die man durch Zeichen geben kan, abgeleget hatten, so fuhren sie wieder fort, und kehrten zurück nach der ersten Jnsul, woselbst sie acht Gefangenen die Freyheit gaben, angesehen ihnen deren Anzahl zu groß vorkam, als daß sie ihnen nicht hätte Mcncheschwchrlich fallen. Unter währender Reise wandten sie allen möglichen Fleiß an mit ihren Wilden einige Bekanntschafft zumachen, allein sie vermochten es auf keine Art dahin zu bringen, daß sie etwas begriffen hätten. Diese Leute hatten sich st fest in Kopff gesetzt, daß sie ihren Besitzern bald würden zur Speise dienen, daß sie diese vvrgefasste Einbildung zu glauben veranlasset, daß alles was man ihnen sagte, alles was man thät sie aufzumuntern, alles was man ihnen gäbe, einig und allein aufdiesen betrübten Entzwcck zielte. Zufvderst fieng man an sie loszubinden, darüber sie entsetzlichschryen, sonderlich die Weiber, als wenn ihnen bereits das Messer an der Kehle stünde. Denn wenn es den Getvvhnheiten ihres Landes nachgienge, sv kvnten sie nicht anders schließen, als daß man sie den Augenblick erwürgen würde. Ihre Furcht war nicht geringer, alsman ihnen zu essen gab. Sie bildeten sich ein, es geschähe deswegen, daß man sie bey Leibe erhalten und mit desto grösserer Lust essen möchte. Wenn die Engelländer eine.von diesen elenden Creaturen besonders anblickten, so wachte das Angesehene gleich daraus den Schluß,daß wan es vor das fetteste und bequemste hielt, zu erst zerlegt zu werden. Ja als sie schon auf unser Jnsul an- G 5 ge- Leben des Engellanders gelangt, und mit grosser Gelindigkeit tractiret wur« den, so vermutheten sie doch, eine Zeitlang, alle Tage , daß sie ihren Herrn entweder zum Mittags- M zum Abendmahl, dienen würden. ge fragte sie der (Gouverneur wo ihre neue Hausgenossen waren ? und nachdem er vernommen, daß sie dieselben in eine von ihren Hütten geführet, und bloß deswegen gekommen waren, daß sie Nahrungs-Mittel vorsolche begehren wölken, so entschloß er sichmit allen Spaniern, und den beyden ehrlichen Engelländern, mit einem Wort nebst der gantzen Lolnnie, ohne Freitags Vater darbey zu vergessen, dahin zu gehen. Sie fanden solche in derHütte insgesamt gebunden, denn ihre Herren hatten vor nöthig geachtet dieseVor- ficht zu gebrauchen, damit solche nicht in ihrer Abwesenheit, etwa den Entschluß nahmen mit dem Lanor durchzugehen. Sie fassen aufder Erde gantz nackend wie die Hand. Es waren drey Manns -Personen von ungefähr dreyßig biß fünff und dreyßig Jahren, alle wohlgewachsen, und schienen als wenn sie hurtig und starck wären. Das übrige bestund in fünff Weibern , unter denen zwey von dreyßig oder viertzig Jahren, zwey von fünff oder.sechs und zwanhig, und ein grosses und wohlgewachstnes Mägdgen von sechzehn oder siebenzehen Jahren befindlich; Was die Statur und die Lineamenten anlanget, so waren sie insgesamt wohl proporriomrt, ausser daß sie ein wenig schwach braun aussahen. Doch waren ihrer zwey drunter, die, wenn sie wären vollkommen weiß gewesen, zu Lon, den selbst hätten vor schöne Weiber x^llren können. -e «'> Kk A, ri« kobi'nlon CruloS. »27 ^ Jnihrer Gesichts-Stellung befand sich etwas über- ^ aus annehmliches, und ihr gantzes Thun und Wesen ^ war sehr sittsam, welches man sonderlich innen ward, . wie sie Kleider anhatten, ohnerachtet solche im Grün- ^ de nicht geschickt waren die Annehmlichkeiten des A Frauenzimmers zu erheben. A Indessen schiene es als wenn das Anschauen so vie- lcr nackenden Personen auf das äusserste wider den Wohlstand sündigte, sonderlich den Spaniern, wel- ^ che sich über ihre Mäßigung, ihre Auffrichtigkeit, und ihresanfftmükhigeNatur,auchdurch ihreSchamhass- dv tigkeit hervorthäten; über dieses trugen sie mit selbi- gen alles Mitleiden, indem sie dieselben in dem trau- >2 rigsten Stande, und in der allertödtlichsten Unruhe, bs die man sich einbilden kan, erblickten, gestalt sie jeden Augenblick vermutheten, man würde sie aus der Hüt- te hinaus schleppen, daß sie todtgeschlagen werden, und ihren Herrn zu einem niedlichen Gericht dienen selten. Um es nun dahin zu bringen, daß sie sich zufrieden gaben, so befahlen sie dem alten Wilden, Freyrags Vater, daß er hingehen und sehen solte, ob er einen davon kannte, und etwas von ihrer Sprache verstan-- de. Der gute Alte thät solches, sahe sie gar aufmerck- fam an, allein er kannte keinen einhigen darvon. Auch war es umsonst, daß er mit ihnen redete, niemand vcr- ^ stund etwas aus seinen Worten und Zeichen, ausge- ^ nommen eine von den Weibern. Dieses war zu der Spanier Absicht schon genug, Ä tveil man diese arme Leute dadurch versichern konte, ^ daß ihre Herrn Christen wären, welche vor den Mahl- A zeiten von Menfchen-Flcisch einen Greuel hätten, und L? Laß io8 Lebendes EngeMiiders daß sie gewiß glauben tönten,daß man sie nicht schlack, ten würde. Sobald sie hiervon unterrichtet waren, liessen sie durch tausend poßierliche Gebärden, die ganh von einander unterschieden, eine ungemeine Freude blicken, welches denn zu erkennen gab, daß sie von ganh verschiedenen Nationen waren. Die Frau, welche das Amt eines Dollmetschers vertrat, bekam Befehl, daß sie solche fragen solte, ob sie wohl Sclaven ssvn, undi vor die Männer, die sie dahin gebracht ihnen das Leben zu retten, arbeitenwol- ten; Darauffiengen sie alle mit einander an zu tan. Hen, und einer nahm dieses, der andere sonst etwas, und trugen es in der Hütten herum, wodurch sie anzeigen wolten, daß sie bereit wären ihren Herrn allerhand Dienste zu leisten. Indem aber der Gouverneur befürchtete, diese Weiber möchten Anlaß zu neuen Zänckereyen, und vielleicht wohl gar zu einigen Blutvergießen geben/so fragte er die drey Engelländer, was sie mit diesen Personen zu thun gedächten, ob sie gemeynet wären selbige als Mägde, oder als ihre Weiber zu gebrauchen; Aufbeyderley Art, gab einer von diesen Burschen kühnlich und fertig zur Antwort. „Ich bin nicht «Willens, versatzte der Spanier, euch daran zu „hindern, ihr habet darinnen eure Freyheit: ich glau« „be aber, daß, Unordnung zu vermeiden, es billig ist, „daßein jeder nur eine davon nehmen und daß ihr „euch zu solcher alleine haltet ohne mit den andern „einige Gemeinschafft zu haben. Ich weiß wohl,daß „ich nicht berechtiget bin, euch aufgebührende Art mit „einander zu Berheyrathen, gleichwohl aber scheinet A AÄ D K M Z.j ckl P W "4 Kobmlon Lrulns. ros „esmirvernünfftig, daß ihr wahrender Zeit, da ihr „hier seyd, mit der Weibs-Person, die euch wird zu „Theil worden seyn, so lebet, als wenn sie wörcklich „eure rechte Frau wäre, und daß ihr solche auf diesem „Fuß erhaltet und ihres Orts hindert mit einigem an- 1 „dem Mann ärgerliche Gemeinschafft zu pflegen.» Dieser Vertrag schiene ihnen allerseits so gerecht und H billig, daß sie denselben ohne die geringste Schwierig- '-d keit annahmen. 2 Ja die drey Engellander waren so gar damahls von ^ so besonderer Sanfftmuth, daß sie die Spanier ftag- ten, ob sie nicht Lust hätten einige vor sich zu nehmen. -- Sie beantworteten dieses alle mit Nein. Einige sag- ^ ten, sie hätten Weiber in Spanien, und andere ga- :: den vor, sie mochten mit keinen Weibern zu thun haben , die nicht Christinnen wären z mit einem Wort -7: sie erklärten sich insgesamt, daß ihr Gewissen viel zu - zart wäre, als daß sie die geringste Gemeinschafft mit -7 selbigen haben solten; Welches ein Exempel einer so strengen Tugend ist, dergleichen ich auf allen meinen -7- Reisen nicht angetroffen habe. D Damit ich es aber kurß mache, so verglichen sich die fünffEngeliänder, daß jeder eine davon nehmen wolle, und solcher Gestalt fiengen sie eine gantz neue Le- bens-Art an. Die Spanier aber und Freytags Vater fuhren fort in meiner alten Wohnung zu bleiben. Sie hatten solche ansehnlich erweitert, und die drey Schlaven, welche sie, als die Wilden einander eine Schlacht gelieffert, gefangen hatten, waren gleicher gestalt bey ihnen. Hier war, so zu sagen die Haupt- Stadt der Lolonie, von dannen die andern ihre Le- bens-Mttel,und, nach dem es die Noth erforderte, allerhand Beystand erhielten. Viel- ' HO Leben des Engelländers Vielleicht findet sich in dieser ganhen Historie nichts B wunderbahres, als die leichte Art, auf welche unter W diesen fänss Cameraden, so bey nahe alle einer wie der ^ andere vermessen und schwer zu regieren waren, die Wahl der Weiber, davon ich geredet, verrichtet ward. Sonderlich ist es erstaunlich, daß es fich nicht zutrug, daß zwey ihr Absehen auf eine Person richteten, weil deren zwo darunter befindlich, dieungemein Liebenswürdiger als die andern waren. Doch erfanden sie ein noch ziemlich gutes Mittel Zanck und Streit zu vermeiden, denn nach dem sie die fünffWei- ber insgesamt in die eine Hütte gethan. so begaben sie sich alle in die andere und loseten drum, wer sich u, erst «ineaussuchen solte. Was hierbey noch das sonder- lichste ist, dasselbe bestehet darinnen, daß, wic der/eni. ge, welchen es traft'vor den andern die erste Wahl zu thun, in die Hüttegegangcn, wo sich die armen Crea- turen gantz nackend befanden, er eben diejenige nahm, welche mit Recht unter allen vor die schlechteste und unangenehmste gehalten ward, immaften selbige die läßlichste und älteste war, welches denn so wohl bey den vier andern als den Spaniern ein grosses Gelächter zu wege brachte. Allem der Bursche überlegte die Sache besser als sie alle mit einander, und dc- griffdaher gar wohl, daß man bey dieser Wahl nicht nur schlechter Dings aufdie Annehmlichkeit sehen mä-' sie, sondern auch zugleich aufden Beystand, welchen sie von ihren Weibern im Haußivesen haben könten; und in der That billigte der Erfolg seine Absicht, ge^ statt seine Frau sehen ließ, daß sie die Beste und Näh« Üchste unter dem ganhen Haussen wäre. Jmmittelst war dieser Handel vor die amen Gesänge kobinlon Lruloe. »n fangeneu nicht gantz und gar so lustig: Denn wie sie sich gedachter Massen alle beysammen befanden, und daß man eine nach der rändern abholte, so erneuerte sch ihr alter Schrecken mit mehrerm Nachdruck,und sie glaubten fest, daß damahls der Augenblick herbeigekommen, da sie sollen gefressen werden. Dieser entsetzlichen vorgefaßten Meynung zur Folge fiengen sie, als der erste Matrose hinein kam, und die älteste gbholete , auf das erbärmlichste an zu schreyen, und traten um ihre arme Gefärtin herum dieselbe noch yiahls zu umarmen, und Abschied von ihr zu nehmen. Dieses verrichteten sie mitso grossenSchmertzens'Bs- zeugungen, daß sie wohl hatten das härteste Gemüth bewegen sollen, und den Engelländern war es nicht möglich ihnen die Meynung zu benehmen, daß man sie ohne Verzug umbringen wölke, biß daß man Frey- MZ» Vater hatte kommen lassen, der ihnen Nachricht gab, daß ein jeder von diesen fünffMännern eine zu feinem Weibe nehmen wolle. Als nun diese Ceremonie verrichtet, und der Schrecken der neu-vermählten Weiber ein wenig gestillet war,fiengen dieEngelländer an zu arbeitenM bauetcn nutHülffe derSpanier s. neue Hütten zu ihrenWoh- nungen, weil die andern, so zu sagen, von ihren Mo- Rikri, Handwercks-Zeuge, und Verrath an Lebens- Mitteln gantz voll waren. Die drey Tauge- nichts hatten den weitesten, und die beyden andern den nähe- stenOrt von meinem Schloß erwählet, aber insgesamt gegen die Nord-Seite der Ansul, also daß sie ferner besonders wohneten, und in meiner Jnsulem Anfang zu dreyen verschiedenen Städten war. Um hirr zu bemercken wie schwer es den Menscher» ist nr Leben des EttgellLnderv ist die Geheimnisse der göttlichen Vorsehungzube! greiffen, so trug es sich zu, daß die beyden ehrlichen ^ Leute eben die Weiber zu Theil bekamen, welche die ^ wenigsten gute?! Eigenschafften besassen; Da hinge. ^ gendiedrey Schelme, die zu nichts nütz, undweder ^ andern noch ihnen selbst etwas zu gut zu thun fähig wa- ren, mit einem Wort um die sich es gleichsam nicht einmahl der Mühe verlohnet«, daß man sie aufhienge, ^ dennoch ausgeschickte, fleißige, sinnreiche Weiber und ^ vollkommene Haußhalterinnen fielen: " " / S- nicht sagen, daß die andern eine böse Natur hatten: Sie waren alle eine wie die andere freundlich, geduld -O tig und still, und dabey liessen sie einen so besonderen D Gehorsam von sich spübren, daß man sie eher vor ^ Sclavinnen, als vor Weiber hätte ansehen sollen. M So viel will ich nur zu verstehen geben, daß die beyden, «l von denen hier die Frage ist, nicht so geschickt, nicht so » arbeitsam, und nicht so reinlich als die andern m-- Ä, ren- ' M Hier muß ich einem fleißigen Gemüth zu Ehren, und ch einem faulen und nachläßigen Naturel zur Schande M noch eine Anmerckung machen; Als ich hingieng die verschiedenen ?iE3Zen zu besehen, und die Art, auff Ä» welche jede kleine Lolome selbige anstellte in Augen- W schein zu nehmen, so befand ich daß der redlichen En- N gellander plannte der drey Tauge- nichts ihre berge- Äs, stakt übertraff, daß sie in keine Vergleichung kom- men konten. Zwar hatten sie beyderseits so viel Land ^ angebauet als es nöthig war Getrayde genung darein ^ zu säen, und daß die Vernunfft und die Natur nicht tz mehr erforderten; Ausser dem aber konte man gar iU leicht einen sehr grossen Unterschied warnehmen,auff M Kobinlon (Crusoe. X uz A was Art es eine jede Lolonie angefangen ihre Felder , A fruchtbar zu machen, und selbige mit Zäunen zu um- D geben. ' ^ Die beyden redlichen Engellander hatten um ihre Hütte herum eine überaus grosse Menge Bäume ge- M pfiantzet, welche machte, jdaß man weder dar;» kom- men noch selbige sehen kome, und ohnerachtet ihre A xiancage war zweymahl ruiniret worden, einmal '«g durch ihre eigene Lands-Leute, und das andere mahl M durch die Wilden, wie man bald sehen wird , so rvar «tz doch alles wieder zu recht gemacht, und in so blühen- dem Zustand, als es jemahls gewesen. Ihre Wein- >i» stocke waren nach der Ordnung gesetzt , als wenn sie in dem Lande gebühren waren, wo solche gemeiniglich zu finden, und die Trauben davon warm so gut als W, keine in der Jnsul, obgleich ihre WeinMcke viel jün- M ger waren, als der andern ihre, und dieftsaus denUr- fachen, welche ich jeho angeführet habe. Über diß hatten sie steh in dem dicksten Holh einem sichern Ort zxst verschafft, angesehen sie daselbst durch ihre nnablaßi- ge Arbeit, sich einen Keller gegraben hatten, welcher HP ihnen nachgehends sehr nützlich gewesen, ihre Familie M darinnen zu verbergen, wie sie von den Barbaren an- gegriffen worden. Sie hatten eine so grosse Anzahl Baume um selbigen herum gepflantzet, daß man nicht änderst als durch kleine Wege, die sie nur allein zu ^ treffen fähig waren, darzu kommen konte. , Belangend die drey Tauge-nichts, ob selbige gleich ^ ihre neue Haußhalkung, in Ansehung ihres vorigen A bestialischen Verhaltens, sehr bezähmet hatte, und E, hiernechst nicht mehr so gar starcke Merckmahle ihres ^ aufrührischen und zancksirchtigen Gemüths an sich er- ^ u. Theil. H blicken 114 L.eberi des Engellättbers blicken liessen, so blieb ihnen doch allemahllinsH ä- den Kennzeichen eines lasterhaffren Herhcns übrig,ich ^ will sagen die Faulheit. Zwar hatten sie Getrayde gejaer, und auch Zaune gemacht, allein sie hatten die-- A ft Worte Salomons volikornmen bestätiget: Ich greug vor des Faulen Weinberg vorbey, und ^ er war gany voller Dornen. ?tls die Spanier hin- kamen die Lrnde dieser drey Engelländer zu besehen, so O tonten sie dieftlbige kaurn vor dem Unkraut zu Gesicht A -bekommen. Neben dem waren in ihrem Zaun viele W Locher, welche die wilden Bocke die Achren adzuftesi sen gemacht hatten, und ob sie schon dieselben einiger ^ Massen ausgebessert, so hieß es doch da recht den M Stall versch liessen, wenn das Pferd gestohlen ^ Hingegen sahe man an der andern beyden ihrer riantLAe allenthalben den Fleiß und glücklichen Er- ^ folg hervor leuchten. Man ward weder einiges Un- krauts zwischen ihren Aebren, noch das geringste Loch ^ in ihrem Zaun gewahr. An diesen ward dieser aride- re Spruch Salomons erfüllet: Eine fleißige Hand ^ macbet reich; Alles schlug da aus, alles wuchs bey ^ ihnen: sie genossen einen völligen Überfluß. Zudem hatten sie mehr Viehe als die andern, mehr Hach rath, mehr -Aandwerckszeug, und zugleich mehr Mit- ^ tel sich zu ergötzen. ..ich Zwar waren der drey erstell ihre Weiber sehr um . ^ mid geschickt, sie nahmen auch alles, was die Hach ^ Haltung von innen berraff, sehr wohl in acht, und weil ^ sie von einem unter den beyden andern Engellandern, ^ der Unter-Koch im Schiffgewesen, aufEnglijche Art ^ zurichten gelemet hatten , so gaben sie ihren Männern ^ ^ lLobmkön ( 7 rckkösl x ^ äufsehr güte und nettd Manier zu essen, de es hingegen 'Oleandern beyden Weiber darzu abzurichten unmög-. ^lichgewestn, dagegen verrichtete solches der sogenann- re Unter-Koch selbst und recht wohl, ohne daß er etwas Nri»on seinen andern Geschähen darüber versäumete. -7. Die übrigen drey thaten nichts anders, als daß sie in dergantzen Jnsul herumlieffen, Turteltauben-Eyer ^' schien ,fischten und jagten, kurh, sie lagen allen Din« Mob ausser denjenigen, die nöthig waren. Darlegen aber lebten sie wie Bettler/.anstatt die Lebens- ^ s Art der andern angenehm und gemächlich war. .77 Nunmehro komme ich aufein Trauer-Spiel, wel- ^7 cheö gantz etwas anders ist, als was der Lolome und- mir zuvor begegnet; darvon gebe ich hier folgende Treue und umständliche Nachricht. 7 Es trug sich einmahls des Morgens sehr frühe zu,- - haßfünff oder sechs ( 7 anors voll Wilde Mündeten, ' chne Zweiffel in der gewöhnlichen Absicht ein Gast- - rnchl da zu halten. Die Lolome war dergleichen 7 - Begebenheiten so gewöhnet, daß sie sich nicht mehv -7 Lamm bekümmerte, sondern nur bedacht war sich zu ^ verstecken, gestalt sie gewiß versichert/daß, wenn sie 7 richt von den Wilden erblicket, selbige gleich wieder ->in ihre Kähne steigen würden, sobald sie ihren Vor-! 7 rath verzehret hätten /weil ihnen nicht der geringste GedancÄ von den Einwohnern der Ansul in den Sun»' -7 kam. Derjenige nun, welcher dessen innen geworden, > Mgnüte sich damit,daß er allen klantagen hiervon' .- .Nachricht gab, damit man sich eingezogen und ver- deckt hielt, nurstellteman eine Schildwache, welche ^^ !>e benachritigen solle, wenn die Wilden wieder fort- 77 Sichren wären. H r Diese 116 Leben des Lngelländers ^ Diese Anstalten waren ausser Zweiffel richtig^ ^ lein ein unversehener Unstern machte selche ganh un, nütz, und wäre bald der gantzen Lolonle Untergang E gewesen, indem er solche den Barbaren entdeckte-S» ^ bald der WildenKähne wieder in dasMeer gegangen, ^ so begaben sich die Spanier aus ihren Nestern heraus, A und einige unter ihnen waren so vorwitzig, daß sie hin« ^ giengen und den Ort, wo das Mahl gehalten worden, ^ irr Augenschein nahmen. Zu ihrer grossen Bcstür, Ä« Hung fanden sie dadrey Wilde aufder Erden, und in ^ einem tieffen Schlaff begraben liegen; Vermuthlich hatten sich solche mit ihren entsetzlichen Gerichten der. masten angefüllet/ daß sie wie dasViehe zu schlaffen O angefangen, und nicht aufstehen wollen, als ihre Ca, r«, meraden zur Wegreise fertig gewesen waren. Oder M vielleicht hatten sie sich in dem Holtz verirret, undwa- ßs» ren nichtzeitlich genug gekommen mit selbigen wieder D fortzufahren. ibtz Dem sey wie ihm wolle, die Spanier waren sehr M darum bekümmert, und der Gouverneur, welchen ^ man wegen dieses Zufalls um Rath gefragt, wüste c- ^ den so wenig als die andern, was zu thun wäre, Scla* Lch ven hatten sie bereits so viel als sie brauchten, und so!« N. che ohne einhege Ursach umzubringen, war ihnen auch ü« nicht gelegen. Die armen Leute hatten ihnen nicht den geringsten Schaden gethan, so fanden sie gleicher Massen keine Materie zu einem rechtmäßigen Kriege wider selbige, vermöge dessen sie hätten können berechn ^ tiget seyn, mit ihnen als Feinden umzugehen.^ Hier muß ich billig diesen Spaniern das ihnen gebührende Lob beylegen, weil ich allem denjenigen, was von den ^ Grausamkeiten, welche diese Nation in Lkxico und Kobmlon (Drukoik. n- ^ reru verübet, erzehletwird, ungeachtet, meine gan- tze Lebeirö-Ze-t in keinem Lande siebenzehen Männer, ^ -on was für Nation es seyn möchte, gesehen, die so sitt- sam, so mäßig, so tugendhafft, so höflich, und von sv ^ gutemNaturel gewesen wären. Man sahe sie nicht ^ zu der geringsten Grausamkeit, noch zu einiger heftti- ' ^ gen Paßion fähig ; und gleichwohl besassen sie insge- Meine ungemeine Tapfferkeit, und edle Großmuth. M Ihr sanfftmüthiges Temperament und die Gewalt, mit welcher sie ihre Gemüths-Neigungen beherrsche- ^ ten, hatten sich bey der Aufffährung, damit sie denen Ä« dreyEngellandcrn begegnet, sattsam spühren lassen, und in diesem Fall gaben sie die schönste Probe, so nur zu ersinnen, von ihrer Leutseligkeit und Gerechtigkeit. - r Der natürlichste Entschluß, st) man nehmen konte, 7-war sich aus dem Staub zu machen, und hiermit die- skn Indianern Zeit zu geben,biß daß sie erwachten und aus der Jnsuk weggiengen, allein ein Umstand machte diesen Rathzu nichte: Denn diese arme Leute hat- > im kein Fahrzeug, und wenn sie anfiengen dieAnsuk arM durchstreichen, iso konten sie der plrrntäZen innen werden, und dadurch der Lolonw Untergang verursachen. Darauff, wie sie sahen, daß diese unglückliche Wil» xB den immer fort Messen, beschlossen sie dieselben auff- K,! Zwecken und gefangenzunehmen. Diese arme Leute zm'ethen in die äusserste Vestürhung, als sie sich ange- packt und gebunden sahen, und stunden anfänglich m «den den Furchten, welche man an den Weibern un- ^serer Engelländer verspühvet hatte: Denn es scheinet, ' ^ daß diese Völcker sich einbilden, daß ihre Gewohnheit ^ dir Menschen zu fressen überall bey allen Nationen im Hz Schwang n8 Leben des Eiigellättdeks ^ Schwang gehet; allem man benahm ihnen dies? 4 Schrecken bald, und führte sie noch selbigen Augen ^ blick in eine von den planwAen. Zu gutem Glück brachte man selbige nicht in meir ^ Schloß; sondern man thät sie anfänglich in meinLust ^ Hauß,welches das vornehmste Pachr--Guch war ^ und nachgehends schickte man sie in die Wohnung du ^' beyden Engelländer. ^ > Da ließ man sie nun arbeiten, ohnerachtet solch ^ nicht viel vor sie zu thun hatten, und indem man da nichtgarzugenauAchtung äussre gab, weil sie selbige ^ entweder nicht sehr brauchten, oder daß sie solche ver ^ " unfähig hielten den Ackerbau recht zu lernen, so ww ^ den sie einsmahls gewahr, daß einer von diesen dreyer, ^ durchgegangen war; und was man auch that selbü gen wieder aufzusuchen, so hörte man doch nach der Zeit nicht einmal mehr von ihm reden. Alles was sie einige Zeit hernach glauben konten das war, daß er das Mittel gefunden mit den Kähner m,« einiger Wilden, die sich zwey Monath drauff wegeM gewöhnlicher Ursachen etwas in der Jnsul aufgehal W ten, wieder nach Hause zu den Seinigen zugelangnn. Dr Dieser Gedancken satzte sie in äussersten Schw cken: sie schlössen daraus sehr vernünftig, daß, wen, «q dieser Bursche wieder unter seine Lands-Leule kam Zw er nicht ermangeln würde ihnen, von den Leuten, soir 'der Jnsul wohncten, und von deren geringen AnM Mit Nachrickt zu geben. Zu gutem Glück hatte er nie ch mahls etwas von der rechten Zahl der Einwohner,m- ch ihren verschiedenen klammen in Erfahrung bracht , H Zudem war von ihm niemahls die Würckung >W ^ Schießgewehrs gesehen oder gehöret worden, a > tz Robinson Lrulos. n, rs: L'I -ii !D »» 7 ^' >üSl hatte es keine Noth, daß sie ihm einigen von ihren si- chernOertern zeigten,als zumExcmpel meine Höhle im Thale, und den Keller, welchen sich die beyden Engelländer selbst gegraben hatten. Die erste Gewißheit, die sie bekamen, daß sie mehr als zu wohl gemuthmaßct, hatten sie daher, weil zwey Monach drauffscchs^Änors, welche mit sieben, acht oder zehcn Wilden angefüllt, nahe an der Nördlichen Küste der Jnsul wegführen, dahin sie vor diesem niemahls kommen waren, und eine Stunde nach Auf- gang der Sonnen, eine Meile von der beyden Engel- lander Wohnung, wo gedachter Sclave sich aufgehalten, an das Land stiegen. Wenn sich die gantze Lolonie auf selbiger Seite befunden hätte, so wäre das Übel eben nicht groß gewesen , und allem Ansehen nach würde kein einiger von den Feiriden davon kommen seyn; Zwey Männern allein aber war es nicht möglich funffzig zurückzu treiben, und mit selbigen glücklich zu fechten. Die beyden Engelländer waren ihrer auf eine Franhösische Meile weit im Meer innen geworden, und verfolglich gierig eine gute Stunde drauffehe sie amLande waren, und gleich wie sie eine Meile von ihrer Wohnung aus- gestiegen, so brauchten sie ebenfalls Zeit ehe sie dahin kommen konten. Indem nun unsere arme Engellän» der alleersinnliche Ursach hatten zu glauben, daß sie von ihrem entflohenen Sclaven verrathen worden, so entschlossen sie sich alstbald die beyden übrigen vest zu binden, und zweyen von den drey andern, welche mit den Weibern dahin gebracht worden, und ihren Herrn einigeMerckmahle ihrerTreue gegeben hatten, Befehl zu leytheilen. Die beyden neuen nebst den H 4 Wei- I2S Lebendes Engelländeks Werbern, und allem Haußrath, den sie tragen komem in obgedachlrn Keller zu bringen. Über diß befahlen ^ sie denselbigsn, daß sie diese beyde Wilden an Händen ^ und Füssen gebunden biß auf neue Verordnung allda ^ behalten sollen. Als sie nachgehends sahen, daß alle ausgestiegenc Wilden aerade aufihre Hütten zukaMn, so machten ^ sie ihren beschlossenen Ort aufin welchem ihre zahme ^ Ziegen in Verwahrung stunden, und sagten selbe alle miteinander nebst den Jungen in das Holtz, damit ^ sich die Feinde einbilden selten, sie wären stets wild ge< > wesen. Allein der Sclave, welcher ihr Führer war, hatte sie allzuwohl unterrichtet, als daß sie dadurch DI konten betrogen werden. Denn sie giengen immer ge- L- raden Wegs nach der beyden Engetander Wohnung Äii zu. Nachdem sie nun gedachter Massen ihre Weiber, «, und ihren Haußrath in Sicherheit gebracht, so schick- « ten sie den dritten Sclaven, welcher mit den Weibern MM in die Jnsul gekommen, zu den Spaniern, daß er sel- tzz bigen auf das schleunigste von ihrer bevorstehenden W Gefahr Nachricht geben, und eilige Hülffe von ihnen « begehren solte. Zu gleicher Zeit nahmen !sie ihr Ge- Da wehr samt Pulver und Bley zu sich, und begaben sich M in eben das Holtz, wo der Keller war, der ihren Wer- W bern zur Sicherheit dienete. Nicht weit darvvn stun- den sie still um zu sehen, wenn es möglich wäre, was U die Wilden vor einen Weg nehmen würden- ch Indem sie nun mitten im Begriff waren sich auff die Seite zu machen, so sahen sie aufemem kleinen er- !W habenenOrt die kleine feindliche Armee aufihre Hüt- ^ ten loßgeher,, und einen Augenblick drauff wurden sie ^ innen kobinlön Srrrköe. 121 RrL «rt! !«rL Azx ÄL ^Ü 2 . il, «r :!in> M'l :ch Ä-^ sr^ rr^ >rl" innen, daß solche anfallen Selten von den Feuer- Flammen verzehret wurden, welches ihnen den grausamsten Schmerhen verursachte. Es war vor sie ein unersetzlicher Schade , wenigstens auf lange Zeit. Sie blieben eine Zeitlang aufdiesem kieinen.Hügel stehen, biß daß sie sahen, daß sich die Wilden, wie ein Hausse wilder Thiere, allenthalben herum zerstreue- cen,und alles durchkrochcn einige Beute zu machen, sonderlich aber die Einwohner aufzusuchen, von welchen sie, wie leicht zu fthen war, sattsame kundschafft hatten. Als dieses die Engelländer sahen, so mercktensie, daß sie an dem Ort, wo sie sich befanden, nicht sicher wären: Weil es gantz natürlich, daß einige von ihren Feinden selbigen Weg nehmen würden; und in solchem Fall hätten sie leicht in so grosser Anzahl kommen können, daß sie ihnen zu widersetzen zu schwach gewesen waren. Aus dieser Ursach befanden sie vor rath- iäm eine halbe Meile weiter hineinzugehen, weil sie sich zugleich einbildeten, daß je mehr sich die Wilden in der Lange und in der Breite herum zerstreueten, je kleiner würden ihre Haussen styn. Das erste mahl hielten sie bey dem Eingang eines sehr dicken Stück Holtzes still, wo selbst sich ein Stock von einem alten Baum befand, welcher starck belaubet , und innwendig gantz hohl war. Da stiegen sie beyde hinein mit dem Entschluß den Ausgang dieser traurigen Begebenheit daselbst zu erwarten. Sie waren noch mcht lange da, als sie zweyer Wilden innen wurden, die gerade nach selbiger Seite zu gierigen, als wenn sie solche gesehen hätten und .'anfallen wollen; Etwas weiter sahen sie drey andere, wel- H 5 chen irr Leben des EttZelländers chen noch fünffe nachfolgten, und eben den Wegmch- men. Über dieses sahen noch weiter sieben andere ^ Wilden, die einen andern Weg giengen. Denn der ^ ganße Haufflieffin derJnsul herum, wie die Jäger, welche das Gehölße durchstreichen, und machen m!- ^ len, daß das Wildpret ausstehen soll. Die armen Engelländer befanden sich damahls in ^ einem grossem Kummer, indem sie nicht wüsten ob es F besser wäre darvon zu laussen, oder auf dem Posten zubleiben, allein nach einer kurhen Beratlsschlagnng : ^ zogen sie in Erwegung, daß, wenn die Feinde so fort, W führen, und vor Ankimfft der Hülffe auf diese Masse D alles durchkröchcn, sie wohl gar des Kellers innen wer- O den tönten,welches sie vor das äusserste Unglück achte- «! ten. Diesem nach beschlossen sie dieselben zuerwarten, » und we sie von einem gar zu starckeuHaufen angegrif- A fenwürden, so wolten sie gantz aufden Baum hinan-- « steigen, von dar sie sich, so lange ihr Pulver und Bley H daurete, wehren tonten, wenn sie auch schon von-al- D, len Wilden, so an das Land gestiegen^ umgeben wür- ßü> den, es wäre denn, daß es ihnen einkäme Feuer an M den Baum zu legen. chj Nachdem sie diesen Entschluß genommen hatten, so ^ überlegten sie ferner ob es gut wäre auffdie beyden er- M sten gleich Feuer zu geben, oder ob sie die Ankunfft der jjA drey andern erwarten wolten, um also die ersten M den Fünffen, welche den Dreyen in der Mitte folgte», ^ zu scheiden. DieserAnschlag schiene ihnen der Beste, ^ und beschlossen hierncchst die beyden ersten vorbey Y> ^ lassen, daferne sie nicht hinkämen und sie angriffen.^ sfx diesem Entschluß wurden sie durch das Verfahren der ^ beyden Wilden gestarcket, weil solche ein MMgauss ^ R.obinlc>n Gruloe. !>ü I2Z , ^ der Seite des Baums, hin - und nach einem andern y s Stück Holh zugiengen; Die Drey und die Fünfte a- ^^ ter, welche hinter ihnen herkamen, richteten ihrenWeg immer gerade auff sie loß, als wenn sie von dem Ort ihrer Zuflucht sichere Nachricht gehabt hatten. Gleichwie nun einer dem andern nachfolgte, so glaubten die Engelländer, welche vor rathsam hielten nur einer nach dem andern zu Wessen, daß es nicht unmöglich wäre die drey ersten auffeinen Schuß zu erlegen. Darauffsteckte der, welcher zu erst Wessen solle, drey oder vier Kugeln in seinen Mujqucten-Lauft, und legte darauff meinem Baum--Loch, so zum Ge- wiß-schiessen sehr beqvem war muthig an; Doch wartete er biß daß sie auff dreyßig Ruthen angekommen, damit er ihrer nicht verfehlen möchte. Indem nun der Feind anrückte, so sahen sie gantz genau unter den drey ersten entflohenen Sclaven, und da beschlossen sie also fort, daß ihnen dieser nicht entgehen solte, wenn sie auch schon gleich nach einander Wessen sollten. Dahero hielt sich der eine fertig selbigen nicht zuverfehlen, wenn er ungefehr von dem ersten Schuß nicht fallen solte. Mein der erste konte allzugut zielen, als daß er sein Pulver vermehren sollen; er gab Feuer, und draffihrer zwey wie sich es gebühret. Der erste fiel gleich todt nieder, weil ihm die Kugel war gerade durch den Kopffgegangen. Der' andere, welches der flüchtige Sclave war, bekam eins auffdieBrust durch und durch, daß er ebenfalls auff der Erden zu liegen kam, wiewohl er nicht recht todt «war; den Dritten betreffend, so hatte derselbe nur eine kleine Wunde an der Schulter, welche vermuthlich von eben der Kugel, die dem andern durch den Leib gegangen, verursachet worden. ,7,Ä 124 Leben des Engelländers worden. Gleichwohl war er tödtlich erschrocken, im- darüber mit entsetzlichen Schreyen und Heulen auff die Erde gefallen. Die Fünfte, welche hinter ihnen herkamen, blieben mehr aus Bestürtzung über den Knall, als daß sie etwas von der Gefahr gewust hatten, im Anfang still stehen. Die Wälder hatten gedachten Knall, durch die Lcbo, so sich da allenthalben hören liessen, tausendmahl erschröcklicher gemacht, und nachdem die Vogel auffallen Seiten auffgeflogen, so mischten solche ihr Geschrey, jeder nach seiner Art, mit unter. Kurtz es gieng da eben so, als wie ich meinem Leben das erste, mahl in der Jnsul einen Schuß mit der Flinte gethan hatte. Doch nachdem sie sahen, daß alles wieder stillge- worden, und nicht wüsten, warum es da zu thun wäre, so giengen sie weiter ohne das geringste Merckmahleiniger Furchtan sich spühren zu lassen, alleinwie sie an den Ort kamen, wo es ihren armen Cameraden soü- bel gegangen, so waren sie alle um den verwundeten Wilden begierig herum und redeten mit selbigem, fragten ihn auch vermuthlich um die Ursach seines Unfalls, ohne zu wissen, daß sie in eben der Gefahr stünden- Selbiger antwortete ihnen ausser Zweiffel, daß ein Feuer-Strahl mit einem entsetzlichen Donnerschlag vom Himmel herab gSkommen, und seine beyden Cameraden gctödtet, ihn selbst aber verwundetste. Diese Antwort war zum wenigsten sehr natürlich: Denn gleichwie er Niemand in der Nähe bey sich sehen, und niemahls einen Ainten-Schuß gehört hatte, geschweige daß er die erschröcklichen Würckungen darvon rs! si« ik A A., kobinkm Oukos. 'F-x ^ 7 ^ ir>^ <.5 V rrs darvon erkennen sollen ; so war es ihm schwer einige andere Muthmassung ditzfallszukormiren. Die,welche ihn befragten, waren gewißlich eben so unwissend als er, ausser dem würden sie sich da,'nicht auffgehalten and auff eine so geruhige Art das Verhängniß ihrer Cameraden betrachtet haben, ohne dergleichen Unfall .u erwarten. , . Unsern beyden Engellandern war es recht sehr lcyd, wie sie mir gesagt, daß sie sich gezwungen sahen soviel arme menschliche Creaturen umzubringen, welche von der Gefahr, fb über ihren Häuptern so nahe schwebte, mchtdie geringste Vorbildung hatten; Doch weil sie darzu genöthigt waren um vor ihre eigene Einhaltung zusorgen,und svlchealle, sozusagen, in ihrer Gewalt hatten so beschlossen-sie mit gesamter Hand auffselbi- ge Feuer zu geben , denn der erste hatte Zeit genug gehabt seine Flinte wieder zu laden. Sie verglichen sich wegen der verschiedenen Seiten dahin sie zielen wolten um diese Verrichtung desto erschrecklicher zu machen, und indem sie beyde zugleich schössen, so erlegten oder verwundeten sieviere von dem Haussen, undder fänff- te, ober gleich gar nicht getroffen, fiel mit den andern gleichsam vor Furcht todt nieder, daher bildeten sich unsere Leure ein, sie hätten selbige alle niedergemacht. DieseMeimmg bewegte sie kühnlich aus den Baum zusteigen, ohne daß sie wieder geladen hatten : Wel- ches ein sehr unverständiges Verfahren war, auch wurden sie in nicht geringe Bestürhimg gesetzt, indem siezn dem Ort kamen und deren noch vier beym Leben sähen, unter denen einer nur ein wenig verwundet, und ein anderer frisch und gesund war. Wie sie dieses fahrn, wurden sie gezwungen mit dem Anschlage der Flinten 126 LebmdesEtigellätiders ^ Flinten drauff loß zuschlagen. Den entflohenenScla! ^ ven, welcher Ursach an diesem gantzen Unglück war, richteten sie zuerst hin, wie auch einen andern, der am Ä Knie verwundet war. Daraufffiel der Wilde, so ^ nicht die geringsteWul.de bekommen, vor ihnen auff ^ die Knie und reckte seine Hände gen Himmel, und bat D mit einem erbärmlichen Murmeln samt andern leicht zubegreiffenden Zeichen um sein Leben; anlangend die U Worts, welche er aussprach, so waren ihnen solche gantz unverständlich. ^ Sie gaben ihm gleichfalls durch Zeichen zu vcrste- ^ hen- daß er sich unten an einen Baum sehen solte, und weileinervon denEngelländern ebeneinenStrickbey ^ sich hatte, band er ihm damit Hände und Füsse. Zn ^ diesem Zustand liessen sie denselben und giengen beyder- ^ seits mit aller möglichen Geschwindigkeit den beyden ^7 ersten nach, rveil sie befürchteten, sie mochten den Kel- ler finden, in welchem ihre Weiber und alles ihr übn- ^ ges Vermögen verborgen waren. Einmal bekamen V sie dieselben'zu Gesicht, allein sehr von weiten. Doch gefiel ihnen dieses sehr wohl, daß sie solche auff einem Wege, der ihrem Schlupff-Winckel, davor sie in ss grossen Sorgen stunden, gantz gegen über war, durch A ein Thal nach der Seite des Meers gehen sahen. In ^ dem sie nun mit dieser Erkundigung zufrieden waren, M so kehrten wieder nach dem Baum, wo sie ihrenGefan- ^ genen gelassen hatten. Allein sie fanden ihm nicht ^ mehr daselbst- Die Stricke, damit er war gebunden gewesen, lagen unten bey eben demBaum auffderEr- 'A de, und er war von den andern Wilden da gefunden ^ und loßgemacht worden. . ^ Damahls waren sie in eben so grosser Verwirrung «« h Lobintön Lrusoc. 127 ^ als zuvor , indem sie weder wüsten was sie vor einen M Weg nehmen sollen, noch wo derIeind befindlich,noch ^ wiestarckerware. Dahero nahmen sie den Entschluß ^ nach dem Keller zugehen und zusehen, ob alles da in gu- reu'Zustand wäre, und hiernechst ihren Weibern den Schrecken zu mindern, immaffen selbige, ob sie gleich ützj. Dst Wilde waren, sich vor ihren Lands-Leuten sehr Ntz, hefftig fürchteten, weil sie deren Natur vollkommen wohl kannten. Als sie da angekommen, so wurden sie wohl gewahr, daß die Indianer im Hoch, und gantz nahe bey vorgedachtem Ort gewesen waren,alleindaß ^ sie denselben nicht ausgespühret hatten. Darüber darffman sich nicht wundern: Die Baume waren da ^ dick-belaubt und so enge zusammengesetzt, daß es un- möglich war ohne einen Wegweiser, der die Gänge chH kannte, dadurch zukommen, und wie wir oben gesehen ^ haben, so wüste derjenige, welcher die Indianer an- führte, eben so wenig als sie darvon. Unsere Engelländer fanden demnach alle Sachen, ^ wie sie es wünschten; ihre Weiber aber waren grau- sam erschrocken; Zu eben der Zeit sahen sie siebenSpa- ^ ^ nier ihnen zu Hülffe kommen : Die zehen andern und ^ Freyrags Vater hatten ein klein (^orpo konniret den 7? Meyerhof. welchen ich mein Lust-Hanß nenne, und ^ woselbst sie ihrGetraydeundViehe hatten, zu beschü- ^ Heu; allein die Wilden waren so weit nicht kommen. Bey den sieben Spaniern befand sich der Sclave,den ihnen die Engelländer zugeschickt, wie nicht weniger der Wilde, welchen sie unten an den Baum gebunden ^ selassen hatten. Da sahen sie, daß er mcht von seinen Cameraden, sondern von dem Spanier losgemacht ^ worden, welche als sie an selbigen Ort gekommen, und ^ allda i rtz Leben des Engelländers -———---- allda sieben todte Cörper nebst diesem armen Schelm ^ gefunden, so hattcn sie es vor gut erachtet selbigen mit sich zunehmen. Doch war es nöthig solchen von neu. ^ em zu binden, und ihn den beyden, so da geblieben wa- > ren als der dritte, der Urheber alles Übels därvvn.'.ge- wischt, Gesellshafft leisten zu lassen. ' ^ Die Gefangene fiengen an ihnen beschwerlich zu H werden, und sie fürchteten so sehr sie möchten ihnen em- gehen, daß sie einsmahls beschlossen selbige alle umzu- ^ bringen, weil sie gäntzlich glaubten, daß die Liebe, 1, welche sie ihnen selbst schuldig waren, sie hierzu nöthig- 7 te. Doch wolte der Spanische Oouverneur darein ^ nicht willigen; sondern befahl solchen unterdessen biß V man ein besser Mittel fände, in meine alte Höhle schi- ^ cken,und ihnen zwey Spanier zugeben solte, selbige zu bewachen und ihnen nothdürfftigen Unterhalt zu rei, i? chen. Dieses rhät man, und sie blieben die ganhe fol- 7? gende Nacht gebunden und gefesselt. G Wie die beyden Engellander der Spanier ihre 7 Hülffs-Völcker sahen, wurden sie dadurch dergestalt E angefrischet, daß sie es nicht darbey lassen wollen- Sie ^ nahmen also die fünff Spanier mit sich, und weil sie -alle miteinander fünssMusqveten, ein Plstol, und zwey gute Springstöcke hatten, so'giengen sie stehendes Fus- -" scs fort den Wilden nachzujagen. Sie begaben sich ^ zuförderst nach dem Baum wo sie anfänglich denWil- ^ den die Spitze geboten hatten, und sahen ohne Mühe, A daß seit der Zeit andere dahin gekommen, die sich eini- L, ger Massen bemühet hätten ihre Cameraden, so da um ^ das Leben gekommen, mit sich zu nehmen, weil siede- ^ ren zwey ziemlich weit von dar weggeschleppet, docha- ^ der endlich von ihrem Unternehmen hätten absieben ^ Kobinlon <ÜruloS. 129 ^5 müssen- Von dar rückten'sie nach dem Hügel zu,wel- ^ ches ihr erster Posten gewesen, und auff dem sie mit grossem Schmertzen ihre Häuser im Feuer auffgehen EI Wen. Sie hatten dasMißvergnügen, daß sie diese!- den noch ganh rauchend erblickten, aber keinen einzigen ihrer Feinde wurden stt gewahr. Dahero beschlos- ^ scnsie, daß sie mit aller möglichen Vorsicht bey ihre mheerete klammen gehen wollen; Als sie aber un- -7 terwegsdem Meer so nahe kamen, daß sie mit ihrem "" Gesicht das Ufer erreichen kontcn, so sahen sie gar eis gentlich, wie die Wilden eileten in ihre Lanors zu- - 7 springen, und von dieser Jnsul, auffwelcher sie so un- ^.7, glücklich gewesen, ie ehe ie besser wegzukommen. Anfänglich war es ihnen !eyd,daß sie dieselben weg- reisen lassen, und nicht noch mit einer tüchtigen Salve ' - , begrüßen selten, indem sie aber dieSache nnt besserm Nachsinnen erwegen, so waren sie erfreuet, daß siedest ren loßgcworden- .. > Weil aber nichts destvweniaer diese arme Engel- 7,7 länder damahls zum andern mahl rwmrct, und der ' 77 Mtzen Frucht ihrer Arbeit beraubet worden, si) ver- 7 glichen sich die andern alle miteinander, daß sie denscl- 7 bigen ihre Wohnung wieder aussbauen helffen, und '7 ihnen allen möglichen Beystand leisten woiten. Ja s so gar ihre drey Lands - Leute, welche bißhero nicht die e-. geringste Zuneigung spühren lassen, und die da von l dieser gantzcn Sache nichte gewußt, weil sie sich auff 7 ' dcrOssSeite niedergelassen,kamen u. boten ihnen ihre - - i Hülffe an, arbeiteten auch viele Tage vor sie mit gross. ,-ch serFreundschafft. Und solcherGestalt waren diese arme .. Engellander in kurtzcr Zeit von neuem in dem Standt, ,,>5 daß sie vor sich selbst ihren Unterhalt haben konren. ss. Theil.- I Zwey izo Leben des Engelländers Zwey Tage hernach hatte dieLolome dasVcrgnüI gen, daß sie drey L^non der Indianer an dasUftrae- führet, und nahe darbey zwey crtrunckene Menschen tzhe, welches ihnen Anlaß zu glauben gab, daß ihre Feinde einen Sturm auffdem Meer gehabt, und einige von deren Fahr-Zcugen umgeworffen wordenwä- ren. Dieses ward durch einen gewaltigen Wind bestätiget, den man nach der Feinde Abzug noch selbige Nacht in der Jnsul verspüret hatte. Doch wenn schon einige durch das Ungewitter umgekommen, so blieben ihrer doch noch genung übrig, Die ihren Cameraden von dem, was sie gethan und ihnen begegnet wäre, Nachricht geben, und selbige zu einem neuen Unternehmen vermögen konten,da sic denn schon so viel Macht gebrauchen dürfften, damit ihnen solches nicht mißlingen möchte. Das ist hingegen gewiß, daß sie nicht im Stande waren dem Bericht, welchen ihr Anführer von den Einwohnern abgestattet hatte, sehr wesentliche Umstände beyzufügen: immasscn sie selbst keinen Menschengesehen, und nach dem ihr gedachter Führer umgekommen, so war es nicht unmöglich, daß sie anfielt- gen die Auffrichtigkcit seines Berichts in Zwciffel zuziehen. Zum wenigsten war ihnen nichts vorgekommen, st fähig gewesen dessen Wahrheit zu bestätigen. Es giengen also wohl sechs Monath vorbey ehe man in dn Jnsul von einem neuen Anschlag der Wilden reden hörte, und meine Leute fiengen an zu hoffen, daß die Indianer ihren gehabten unglücklichen Fortgang vergessen hatten, oder daß sie doch alle Hoffnung fallen liessen solchen durch einen weiter« Versuch zu ersetzen. :>P' ich Ä! Koblnlon LpuLoe. rzr tzls sie durch eine erschreckliche Flotte, die wenigstens '-v. acht und zwanhig Canots starck, und mitWii-är, so Bogen-und Pfeile, Streit-Kolben, höltzerne Säbel L und andere dergleichen Waffen führten , angefüllet war, auffeinmahl angegriffen wurden. Ihre An- zahl war so groß, daß solche die zantze Lolonle in die grausamste Eestürhung fatzte. Wie sie nun gegen ^ Abend an den Oestlichen Theil der Jnsu! an das Land oI, stiegen, so hatten unsere Leute selbige gantzc NachtZcit sich zu bereden, was sie zu thun hakten. Zudem sie a- der wüsten, daß ihre Sicherheit gäntzlich darinnen be- standen, daß man ihrer nicht innen geworden,so glaub, kni sie,daß sie damahls durch soviel wichtigere Ur- ^ fachen dlwzu veranlasset waren, weil sich die Zahl ih- '' rer Feinde weit höher erstreckte- Dwser Meynung zur Foltzt beschlossen sie also fort Z' die Hütten der beyden Engclländer niederzureißen,und ' ihre Viehe in die alte Hole einzuschließen, denn sie ver» ' wütheten, daß die Wilden sonder Zweiffel gerade nach ' " - dieser Seite sich wenden würden um daselbst das vori- ? ge Spiel wieder anzufangen, vhnerachtet sie mehr als - lwcy Meilen von der Wohnung dieser beyden unglück- lichen Engellander ans Land getreten waren, s- Nach diesem führten sie alles Viehe weg, welches in meinem alten Lusthaußwar und denen Spaniern zugehörte, mit einem Wort sie thäten, so viel möglich, üs alles auff die Seite,was da Anlaß geben konte zu glau- ^ den,daß die Jnsul bewohnetwäre. Den Tag drauff stellten sie sich sehr frühe mit ihrer gantzen Macht vor dic?lE3ge der beyden Engelländer, um daselbst den Feind mit behertztem Muth zu erwarten« ^ Es trüge sich eben so zu wiesle geglaubet hatten; Die 3 L Wilden iLebe« des Engelländers Wilden liessen ihreesnors beyden Oestlichen Küsten derJnsul, und giengen am Ufer gerade »ach vorae' dachtem Ort zu, ander Zahl ungefähr zwey Hunden und funffzig, so viel unsere Leute davon urtheilen keilten. Unsere Armee befand sich dargegen sehr klein, u»d war noch das schlimmste, daß nicht genungsam Waffen dawaren solche gebührend bewehrt;» machen Die Mannschafft belieffsich auff ,7 Spanier, . 5 Engellander, 1 Freytags Vater, z Sclaven , so mit den wilden Weibern in die Jnsul gekommen, und sich sehr treu erwiesen hatten. 3 Andere Sclaven, die den Spaniern dieneren. 29 anderZahl. Diese Mannschafft bewehrt;» machen, waren da n Musquelen, 5 Pistolen, 3 Jagd-Flinten, s Flinten, so ich den auffrührischen Matrosen ch genommen, wie ich sie wehrloß machte. 2 Säbel, 3 alte Hellebarden^ Ä D, - V 29 Stück in allen. ^ Damit sie aber dieses Gewehr so gut als möglichst' ? brauchen mochten, so gaben sie dem Sclaven kein ^ Schieß-Gewehr, sondern bewaffneten einen jeden mit , ^ einer Hellebarde, oder mit einem Springstock nedjr einer Axt. Es waren auch zwey Weiber dabey, bis ^ koblnkon dlruloS. ^ c>. kP> man unmöglich abhalten konte ihren Männern indem .reffen Gesellschaft zu leisten. Man gab ihnen die Bögen und Pfeile, welche die Spanier beyder Schlacht, so zween verschiedene Indianer - Haussen vor einiger Zeit unter sich gehalten, bekommen hatten. Neben dem gab man einer iedcn von diesen Amazonen noch eine Axt. Der Spanische Oouverneur. von welchem ich schon so osst geredet, war (-enei-LÜssimus, und 2V il- Helm^.rkjn5. der, wennesauffeincUbelthat zu begehen ankam, wohl freylich ein schröcklicher Mensch, da- bey aber doch ein tapferer Mann war, commanclirte unter ihm. Die Wilden giengen aussunsere Leute loß wie Löwen, dabey war das schlimmste, daß unsern Leuten der Ort, dahin sie sich pottn et hatten, nicht mit dem geringsten Vortheil zustatten kommen konte, ausser daß Wilhelm -krkins, der bey dieser Gcle- Sknheit grosse Dienste thät, mit sechs Mann, wie eine Vormache hinter einigem Gebüsch versteckt läge, und Befehl hatte die ersten von den Feinden vorbey zu lassen, nachgehends recht mitten in den Haussen zu feu- ^ ren, und sich darauf in aller möglichen Geschwindig- ^ ^üvon zu machen. Nach diesem svlte er einenUm- ^ weg durch das Holtz nehmen, und sich hinter die Spanier stellen, so eine Reihe Bäume vor sich hatten. Indem nun die Wilden mit kleinen Haussen^ohne Ordnung anrückten, ließ ^ckin-? deren ungefähr fünfzig vorbey,und wie er sahe, daß der übrigeThcil aus einem zV eben so dicken, als unordentlichen Haussen bestund, so A-S- ließ er drey von seinen Leuten Feuer geben, welche ihre ^ Hinten ingesamt mit sechs oder sieben Kugeln, so ungc- fahr so groß, als die man zu den Pistolen braucht, gela- 3 z den , z4 Leben des Engellätiders den hatten. Es ist nicht möglich zu sagen wie vielsie ?« deren tödteten und verwundeten,der Feinde Schrecken L - und Bestürtzung aber kan gar nicht ausgedruckt wer- M den« ^ Sie befanden sich in einer grausamen Erstaunung und Furcht ein so unerhörtes Knallen zu vernehmen, M und ihre Leute getödtet und verwundet zu sehen, ohne ^ dessen Urfach begreiffen zu können, als ^tkim selbst ^ und die drey andern abermahl aufihren Haussen, wo L er am dicksten war, lvßbrandten, und nicht eine M- ^ nute lang hernach feuerten die ersten drey, welche Zeit ^ gehabt ihre Flinten wieder zu laden, zum dritten mal ^ aufsie hinein. ^ Wenn damahls ^rkin; und seine Leute gleich ^ drauft,wie ihnen befohlen, fortgegangen, oder daß ? die andern das Feuer zu coiwwmren bey der Hand ge- ^ d Wesen wären, so hätten die Wilden ausser Zweiffel ^ den Kürßern ziehen müssen, denn die Bestürtzung, in welcher sie waren, kam hauptsächlich daher, weil sie E glaubten, es wären Götter, die sie mit Donner und Blitz hinrichteten. Indem sich aber Wilhelm da A aufhielt sein Gewehr wieder zu laden, so brachte erste E aus solchem Irrthum. Einige von den entferntsten Ej Feinden wurden seiner innen, und kamen hin undgrif« ^ fen ihn von hinten an, und ob gleich ^rl» -s ---- > » —» « > ^ erstaunlicher Tapfferkeit: er hatte verzweiffelt ge- ^ fechten, und allein fünff Feinde in die andere Welt Htz geschickt, obschon sein Gewehr nur in einem Spring- stock und einer Axt befand, ükb: Weil nun unsere Leute auf diese Masse bedrängt ':!t> waren, und darneben einen so wichtigen Verlust ge-. och habt hatten, so zogen sie sich gegen einen Hügel in das ö i- HM zurück, und die Spanier thäten nach drey gege- ütz denen Salven eben dergleichen, ' Der Feinde Anzahl war erschrecklich, und sie foch- ^ tcn dermassen verzweiffelt, daß, ob ihrer schon bey ^ funffzig getödtet, und wenigstens so viel verwundet "" waren, sie dennoch in unsere Leute hineindrängen, und sich wenig um die Gefahr bekümmerten, sondern den- - selbigen ohne Unterlaß einige Pfeil-Wolckcn zuschick- 'I. ten, .Jaman beobachtete so gar, daß ihre verwun- ..I-, bete, die noch zu fechten tüchtig, dadurch noch desto I.. grimmiger wurden, und mehr als die andern zu fürch- ten waren. Wie unsere Leute anfiengen sich zurück zu ziehen, so liessen sie ihre Todten auf der Mahlstatt liegen, und ^ die Wilden giengen mit diesen Cvrpcrn auf die aller- ' ' ^ grausamste Art um, indem sie dcnsclbigen mit ihren ' - Kolben und höltzernen Säbeln die Arme, Beine und Köpffe, als rechte Barbaren, wie sie in der That wa- -' ren, entzwei) schlugen, Als sie sahen, daß unsere Leute ihren Abmarsch §e- nommen, waren sie gar nicht bedacht denselben nach P folgen, sondern nach dem sie sich ihrer Gewohnheit nach in einen Kreiß gcstellet, so machten sie zumZeichen A ihres Siegs zweymahl ein grosses Freuden-Geschrey. Jchoch ward kurtze Zeit hernach ihre Freude etwas ge- I 4 maßt- rzs Leben des EngellLnders - ^ .--—-—— mäßiget, weil viele von ihren verwundeten zur Erden ^ fielen, und wegen des häuffig- entgangenen Bluts das ^ Leben verlohren. Nachdem nun der Louverneur seine kleine Armee '' aufeinem kleinen erhabenen Hügel zusammen gezogen ^ hatte, so war^rkins, ungeachtet! er sehr verwundet, ^ der Meynung, daß man wieder anrücken, und mitder § ganhen vereinigten Macht von neuem schlagen solte. Der Oouvcrneur aber gab zur Antwort: „Ihr st- ? „hct, Herr ^rkms, auf was vcrzweiffelte Art ihre ver- „wundete fechten; wir wollen sie biß morgen in Ruhe ^ „lassen, da werden diele Schelmen alle sreiff und starr ^ „von ihren Wunden seyn, verfolglich müssen sie sich „denn durch den Verlust ihres Bluts allzu sehr ge- Ä „fthwächt befinden, daß sie von neuem mit uns anbin- Ä; „den solten, und wir werden unsers Orts mit den übn- W „gen desto besser zu recht kommen können. Ihr habt .G gut sagen, meinHerr, antwortete mit einer !Ä trotzigen Freudigkeit, aber vor den Hencker, mir B wird es eben so wie den wilden gehen, ich wer- de nichts rangen, und darum rvolre ich den hgr Tang gerne anfangen, weil ich noch erhitzt bin. «iA, „Ihr redet wie ein sschertzrer Mann, Herr „erwiederte der Spanier,, und das habt ihr auch K „durch Äe That bewiesen, eure Schuldigkeit habt ihr ^ „gethan,lind morgen wollen wir für euch fechten,wenn D „ihr nicht mit zu machen im Stande seyd. Lass uns iij, „warten biß morgen, ich glaube das wird der klügste ^ „Rath seyn.,, 'L Nichts desto lvemger da wahrender Nacht der ^ Mond vortrefflich hell schiene, und sie wohl wüsten, ^ daß die Wilden, bey dem Ort, wo ihre Todten M ^ R.oliinlon Gruloe. verwundeten waren, in grosser Unordnung hier und dar unter einander herum liessen, so beschlossen sie nachgehends selbigen in der Nacht auf den Halß zu fallen: indem sie sich versichert hielten, daß, wenn sie pur eine Salve geben könten, ehe man sie verspührte, ihre Sachen gut gehen würden. Die Gelegenheit war vortrefflich dieses ;» Merck zu richten, denn einer von den Engellandern , bey dessen Wohnung das Gefecht angegangen, wüste ein sicheres Mittel selbige zu überrumpeln. Er ließ unsere Leute einen Umweg durch das Holh nach der West-Seite zunehmen, und hernach kehrte er sich nach der Seite gegen Süden, md führte sie so nahe bey den Ort, wo der gröste Häufst der Wilden sich hingelagert lMe, daß ehe mau selbige sahe oder hörte, acht von ihnen mit einem entsetzlichen Erfolg aufdie Feinde Salve gaben. Eine halbe Minute drauff begrießten sie acht andere auf eben die Art, und überstveuetcn solche mit einer so wichtigen Menge grosser Schrote, daß deren eine ansehnliche Zahl getödtet und verwundet ward, und unter dieser gantzen Verrichtung, war es feindlicher Seiten nicht möglich innen zu werden, wo dieses Metzeln herkäme , oder wohin sie die Flucht nehmen selten. Nachdem aber unsere Leute ihr Gewehr in aller möglichen Geschwindigkeit von neuem geladen hatten, so theilten sie sich in drey Haussen, mit dem Entschluß aufein mal auf die Feinde loßzugehen. Auf jedem kleinen Haussen befanden sich acht Personen, denn ihrer waren in allem vier und zwantzig, wenn man die beyden Weiber mit rechnet, welche, hier nur etwas weniges darvvn zu gedencken, mit aller ersinnlichen Wuth fochten. Das l z8 Lebm des Ettgelländers Das Schieß-Gewehr theilten sieuntttdiedrw ^ Haussen gleich ein, wie nicht weniger die Hellebarden ^ und Springstöcke. Und ob sie wohl die Weiber zu- ^ rück lassen walten, so sagten diese doch,, daß sie mit ih- ren Männern zu sterben entschlossen wären. Als sie sich nun aufdiese Masse irr Schlacht-Ordnung gestel» let hatten, giengen sie aus dem Wald heraus, und schryen aus allen Leibes-Kcäfften. Die Wilden hiel- K ten zwar Stand, allein sie Miethen in die äusserste D Bestürhung, da sie unsere beute auf drey Seiten zu- ^ gleich schreyen härten. Hertz im Leibe hatten sie §c- nung mit uns zufechten, wenn sie uns nur gesehen hät- ,M ten, und in der That so bald wir heranrückten, schoß M fen sie viele Pfeile aufuns loß,' deren einer FreMZs »xtz armen Vater, doch nicht gefährlich, verwundete. D Alleine unsere Leute liessen ihnen nicht viel Zeit, svn- der, nachdem sie von allen drey Seiten Feuer auf sie ^ gegeben, giengen sie auf solche loß, mischten M un- ^ sie, und rcgeten mit umgekehrten Flinten, Säbeln, M Aexten und Springstöcken die Hände so wohl, daß die ^ Feinde anfiengen erschröcklich zu heulen und darvon zu ^ lauffen, einer aufd iese der ander auf jene Seit, und , waren aufnichts weiter bedacht, als wie sie so grausa- ^ men Feinden aus dem Gesicht kommen mochten. ^ , UnsereLeute wurden endlich des Todtfchlagcns recht ^ überdrüßig, und man darff sich hierüber gar nicht ^ wundern, immasten sie deren zum wenigsten hundert ^ und achtzig in den beyden Scharmützeln erleget oder tödlich verwundet hatten. Die andern liessen von un- ^ faglichen Schrecken eingenommen über Hügel und ^ Thäler mit aller derjenigen Geschwindigkeit, tvclche ^ die Furcht ihrer natürlichen Behendigkeit zusehea / kE «ch klobinlon Oruloe^ Gleich wie wir es uns aber wenig angelegen seyn liessen dieselben zu verfolgen, so erreichten sie alle das § Ufer, an welchem be ausgestiegen waren. Allein da- , mithatte ihr Unglück noch kein Ende, denn in selbiger ^ Nacht wehete ein schrecklicher Wind, welcher von dem Meer herkam und solche abhielt vom Ufer zu stos- sen. Der Sturm dautte die ganhe Nacht; und wie die Fluth stieg wurden ihre Oanors so weit hinein auf ^ das Ufer getrieben, das es überaus grosse Mühe wür- de gebraucht haben selbige wieder in das Wasser zu fD bringen , und einige stiessen so hart an den Sand, oder einer wider den andern, daß sie darüber zu scheitern ^ gegangen waren. ,77 Ob wohl unsere Leute über ihren Sieg eine grosse 7" Freude hatten, so blieben sie doch die übrige Nachtgar ssss wenig in Ruhe, sondern so bald als sie sich, nach Mög- - lichkeit mit etwasErfrischungen gelabet hatten, faßten 5 '- sie den Entschluß nach dem Theil derKnsul zu geben, > dahin sich die Wilden gezogen hatten. Dieses Vor- haben nöthigte sie über die Wahlstatt zu gehen, wo sie fchf viele von ihren unstetigen Feinden noch bey Leben sa, cht hm, doch ohne Hoffnung wieder darvvn zu kommen. 7 ^ Dieses war ein unangenehmer Anblick vor wohlgear- 2?? tete Hcrtzen,denn ein rechtes grosses Gemüth ob es sich ^ gleich gezwungen siehet vermöge der natürlichen Gest<- ^ he seine Feinde auszurotten, so hat es doch keine Noth, .-ch daß es sich über deren Unglück erfreuen solte. Sie hatten auch nicht nöthig sich wegen dieser ar» men Wilden zu beunruhigen, denn ihre Sclaven wa- ren schon bedacht deren Elende mit grossen Axt-Hieben A- ein Ende zu machen. . Endlich kamen sie an den Ort wo die betrübten Re- ' ste 14ex! ^ durch zu erfahren, ob sie gesinnet waren sich noch weh W ter herumzuschlagen, oder ob ihnen wegen ihrer Nie- W Verlage der Muth ganh entfallen wäre, uno nach dem ^ er eins oder das andere innen würde, darnach welke ^ er seine Sachen anstellen. Diese List gelang, denn so bald die Wilden den er- rü« sten Schußgehört.unddasFeuervondeitandernge- lik sehen hatten, so sprangen sie mit allem ersinnlichen !« Schrecken aufihre Füsse, und flohen nach dem Hetze A zu, indem sie aufeinc gewisse Art heuleten,darMM itS« sere Leute biß dahin noch nichts gehört, viel weniger G dessen Jnnhalt errathen konten. Anfänglich hätten M unsere Leute lieber gcwolt, daß das Wetter wäre M Äl, gewestn,unddaß ihre Feinde hätten wieder zu Schiff A gehen können; Allein sie betrachteten damahls nicht, Ä daß ihr Abzug hätte können Ursache an einem neuen ch Unternehmen seyn, oder daß sie vielleicht mit so greffer tz; Macht wiedergekommen, dass man solcher unmöglich widerstehen mögen, oder aber daß sie sich hatten dürst W fen so osst einstellen, daß die Lolonie, weitste einig ÄA und allein bemühet seyn müssen, selbige abzutreiben, endlich Hungers zu sterben gezwungen worden wäre- Wilhelm welcher, seiner Wunde ungeachtet, si, q ^5 s '»> ^.obinisn Lrukoe. I4l .>!: üik- Mt von der Parthey bleiben wollen, gab unter allen den besten Rath, seine Meynung war sich der Feinde Schrecken zu bedienen, und sie von ihren Fahrzeugen abzuschneiden, und sie also zu hindern jemahls wieder in ihr Vaterland zugelangen. Sie erwogen dieses lange mit einander; einige widerfahren sich dieser Meynung, weil sie in Furchten stunden, dieser Vorschlag möchte die verzweiffelten Barbarn dahinbringen, sich in die Wälder zu verstecken, welches sie denn zwingen würde solche als wilde Thier aufder Jagt zu fangen, neben dem würde sie diefes an der Arbeit hindern, weil sie nur müßten bemühet seyn ihr Viehe und ihre Blamagen oder Land- Bau zu bewachen, und über diß alles würden sie in stetiger Unruhe leben. gab zur Antwort,es wäre besser mit hundert Männern, als mit hundert Nationen zuthun haben; und daß man schlechterDmgs so wohl mitdenLanvrs, als den Feinden den Garaus-spielen müste, wenn sie nicht selbst ausgerottet zu werden Lust hätten; mit einem Wort er zeigte ihnen den Nuhen seiner Meynung sowohl, daß sie solche alle mit einander annahmen. Diesem nach schritten sie also fort zu Merck,und nachdem sie etwas von dürrem Holtz zu Hauff gebracht, -ersuchten sie einige von den Lassoes in die Flammen zu sehen; allein solche waren allzu naß. Nichts desto- weniger verderbte das Feuer die Ober-Theile darvon dergestalt, daß es nicht möglich war selbige zu gebrauchen. Als die Indianer die Absicht unserer Leute innen wurden, kamen einige von ihnen aus dem Holtz heraus, und indem sie hinzu nahem fielen sie auf die. Knye , 42 Leben des Ettgelländers ^ Knye und schryen, Oa.Ou. ^rumvkZ. spr^ ^ auch andere Worte aus, davon unsere Leute nicht- ^ verstehen komm; Wie sie aber sich in emer bittenden 2 Positur befanden, so geschahe ihr Schreyen ohne ^ Zweiffci zu dem Ende, daß sie unsere Leme bittenwvl- i ren, ihrer zu verschonen und ihnen einen freyen 4 Abzug zu vergönnen. ^ Unsere Leure aber glaubten einmal vor alle mal fest, Z daß dieses das eintzlge Mittel wäre ihre Lolomezu er- ^ halten, wenn sie hinderten, daß kein einhiger von den ^ Wilden wieder nach Hauß käme, »mmassen sie ge- wiß versichert waren, daß wenn einer darvon wischte, ' welcher den traurigen Zufall seiner Cameradcn erzch- ^ len könte , es um sie geschehen wäre. Also gaben sie A den Barbaren ein Zeichen, daß es davor sie kcmQuar- ^ tier gäbe, und fuhren dacaufftn ihrem Vorhaben der- gestalt fort, daß sie alle Fahrzeuge, die der Sturm verschonet hatte, gäntzlich ruimrcen. Bey Erbli- ^ ckung dieses Spectackels machten die Wilden, so im Holtz waren, ein erschröckliches Heulen, welches die^ ^ unserigen genau vernahmen, und darauf fiengen sie M an, wie Leute, die den Verstand verlohren in derZn- ful herum zu lauffen. Welches denn die Unserigen A sehr verwirrt machte, weil sie unschlüßig waren was sie thun solten dieser elenden Leute loß zu werden. ^ Die Spanier selbst betrachteten mit aller ihm Klugheit nicht, daß, wenn sie die Wilden zur Her- M zweiffelung brächten, sie wachen bey ihre ?lEGN M stellen mästen. Zwar hatten sie wohl ihre Heerden in Sicherheitgesetzet, und den Indianern war es hier- H> nechst unmöglich weder die Haupt-Stadt in der In- ful, ich wil sagen mein alt Schloß, noch meine alle, H kobinloQ Lrulve.- ^ Höhle im Thal zufinden; Zum Unglück aber wurden . r. s,e des grojsin Pacht-Guts innen, zerbrochen es ^ gantz und gar, rmmrten den beschlosienen Ort so wohl, ^ als auch den Feld-Bau, der da herum war, zertra- '»<7 tcndasGetraydc mit den Füßen, rissen die Wcinsto, ^ cke aus, und verderbten die Trauben, welche schon meistreiffwaren, kurtz sie thäten einen unschätzbaren Schaden, unerachtet es ihnen selbst nicht zu gut kam. ^ Unsere Leute waren allerdings im Stande solche al- - lmthaiben anzusreiffen, wo sie dieselben nur fanden, 2 -, allein um die Art ,wie sie selbige vertreiben sollen, wa- rcn sie sehr bekümmert. Wenn sie dieselben einheilen ^ fanden, so verfolgten sie solche umsonst: Massen die . ^ außerordentliche Geschwindigkeit ihrer Fusse, sclbi- - gen leichtlich Sicherheit verschaffte; und aufeiner an- -7 kern Seite durfften unsere Leute ebenfalls nicht eintz- 7)' Im gehen solche zu ertappen, damit sie nicht umringet ,."s und durch die Menge überwunden würden. ^7 Das Beste war, daß sie kein Gewehr hatten; ihre Bogen waren ihnen nichts nütze, weil sie weder Pfei- 77 k, noch Materialien neue zu machen bey Handen sa- 77 !>m, und ein hauendes Gewehr vermochte der ganhe 7 7 Hausse überhaupt nicht. ^ 7 Die äusserste Noth, darein sie gebracht, war ge- -7 'reiß erbärmlich, allezn der Zustand, in welchen sie die ;Lolonie gesetzt, war auch nicht viel besser. Dean ob loschen unsere verborgene Ocrter der Sicherheit erhall- >- tm wurden, so war doch unser Proviant meistens zu . .7 Grunde gerichtet; unsere Ernde war rmwrt und das T rintzige Mittel, so übrig , sich wieder zu erholen, be- stund in dem Viehe, welches in dem Thal bey der ^ Höhle war, ingieichen befand sich auf selbiger Seite .144 Lebendes Engelländeks ein klein Stück Land mit Gewände, wie auch Will- ^ helm^rklniund seinesCameradcn Plantagen, denn ^ de' andere hatte in dem ersten Scharmützel das Leben E" verlohrm, da ihm ein Pfeil unter dem Schlaff durch ^ dcnKopssgegangenwar. Es ist merckwürdig, daß solches eben dem schel- ^ mischen Unmenschen betroffen, welcher dem armen ''' Sclaven den entsetzlichen Hieb mit der Axt gegeben, > und nachgehends den Vorschlag gethan hatte alle ^ Spanier niederzumachen. ^ Nach meiner Meynung waren diese Leute damahls ^ in einem weit betrübtem Zustande, als ich niemahls ^ gewesen, seit dem ich Mittel gefunden, Reiß und Hier- ftn zu säen, und da mir es nach und nach angieug Ae- ^ gen zahm zu machen. Sie hatten da ungefähr ein hundert Stück Wvlffe in der Jnsul, welche alles auf- ^»! frästen was sie erreichen komm, und die man selbst V unmöglich zu bekommen vermochte. 'M Die erste Sache, darum sie sich vergleichen tonten, K war, daß sie die Feinde nach Süd>West, an den ent- k legenstenOrtder Ansul treiben wolten, damit, wenn) andere Wilden unterdessen da anländeten, selbige) diese nicht innen werden tönten. Ferner beschlossen! sie dieselben stets zu zwacken, derensoviel zutödtenalsm sie vermöchten, ihre Anzahl zu vermindern, und wenn W sie endlich darzu gelangen tönten daß sie solche zahm m machten, ihnen jaen zu lernen, und sie anzuhalten von ^ ihrer eigenen Arbeit zu leben. B Diesen Entschlüssen zur Folge, satztcn sie ihnen so ^ hitzig zu, und erschröcktm selbige dermassn mit ihren^tz FeueEöhren, daß deren bloser Knall machte daß dieH, Indianer zu Boden fiesen, Ihr Entsetzen war «o ^ Robinson LruloS. -45 ^ s ' —.. — 'lss groß, daß sie sich immer je weiter entferneten; sover- minderte sich auch deren Zahl von Tag zu Tag, und A endlich wurden sie genöthigt sich in den Wäldern und Höhlen zu verkriechen, wo viele elendiglich Hungers starben, wie es nachgehends aus ihren Cörpern, die ^ man fand, erschiene. Das Elend dieser armen Leute erweckte bey den Un- strigen ein großmüthiges Mitleyden, sonderlich bey dem Spanischen Gouverneur, welches ein Mann war, der das allerwohlgearteste, und einem Menschen von Loncliriou höchst-wohlansrehendes Hertz hatte. - v?. Selbiger schlug den andern vor, man solre sich bemü- hen einen Wilden zu fangen, welchem man der Eolo. nie Meynung zu verstehen geben, und selbigen unter die Seimgen schicken könte,damitman solche zu einem sochanen Vergleich brachte, welcher der Wilden Le- den, und der Lolorüe Ruhe, die sie seit dem letzten Einfall verlohnn, in Sicherheit setzte. 22 Es gieng eine ziemliche Weile hin ehe sie ihren .H Zweck erreichen tonten, nachdem aber der Mangel - 2 silbige schwach gemacht hatte, so ertappete man einen - darvvn. Im Anfang war solcher von seinem Unglück A dergestalt niedergeschlagen, daß er weder essen noch trincken wolle; wie er aber sahe, daß man gelinde mit f.'-: ihm umgieng, und daß man so leutselig war ihm zu ge- 7 ,: den was er zu seinem Unterhalt brauchte, ohne ihm ^ den geringsten Verdruß anzuthun, so ließ er endlich feinen Schrecken fahren, und beruhigte sich nach und ^ nach. V Sie fährten Freytags Vater zu ihm, welcher sich vfftmahls mit selbigem unt'erredete, und ihn versichere - ^ te, daß man geneigt wäre ihm nicht allein, sondern auch u. Theil. K allen Leben dcsEngelländeks 146 allen seinen Cameraden das Leben zu erhalten H daß man selbigen so gar einen Theil von der Jnsul ein- ^ räumen wolte,,jedoch mit dem Beding, daß sie in jh- ren eigenen Gräntzen bleiben, und niemahls darüber Ä schreiten solten der Lolome den allergeringsten < 2 cha- '4 den zuzufügen. Neben dem versprach er ihnen, daß 'D manihnenwürdeGetraydcgeben ihreFeldcrzubesäen, und daß man ihnen unterdessen Brodt reichen weite, g biß daß sie im Stande vor sich selbst etwas zu backen. ^ Uberdiß befahl er ihm, er solte hingehen und mit seinen ^ Lands-Leuken reden, und ihnen dabey sagen, daß wenn ^ sie so vortheilhaffte Bedingungen nicht woltenanneh» ^ men, so würden sie alle mit einander umkommen, Die unglücklichen Wilden,so durch ihr Elend über» ^ aus gedemüthiget, und biß auf ungefähr sieben und ^ dreyßig gefchmolhen waren, nahmen den Vorschlag ^ ohne Bedencken an, und begehrten, daß man ihnen A etwas Nahrung reichen möchte. Darauf giengen ^ zwölffwohlbewehrte Spanier und zwey Engelländer ^ nebst drey Sclaven und Freytags Vater nach dem Ort, wo sich die Indianer damahls auWelten. Die- ^ fe letzten trugen eine gute Anzahl Brodt, einige Ku» chen von Reiß, der an der Sonne gedörret, und drei) junge lebendige Ziegen. Man befahl ihnen, sich un- ^ ten an einen Hügel zu lagern und mit einanderzu essen, -ch welches sie mit allen möglichen Merckmahlen der Er» ^ kenntlichkeit thäten, und nach der Zeit bezeigten sie sich ^ alsLeute, dieihrer Zusage so heilig nachlebten, als ^ dergleichen unter den Menschen anzutreffen nur mög- L lich ift. S ie giengen niemahls aus ihrer Gegend, als M wenn sie genöthigt waren hin zu kommen und Proviant - N zu begehren, oder sich Raths zu erholen ihren Land- ? Itobmlcm Erulns. ^47 Bau einzurichten. Auch lebten sie noch an eben dem Ort, wie ich bin wieder in die Jnsul gekommen, und selbige besucht habe. Man hatte ihnen gelernet, wie sie Getrayde säen, Brodt backen, Ziegen melcken sollen rc. und es fehlte ihnen nichts als Weiber, bald ein ordentliches Vvlck abzugeben. Man hatte ihnen einen Theil von der Jnsul angewiesen, welcher von hinten mit Felßcn, und vorwärts mit dem Meer umgeben war. Selbiger lag aufder Süd-Ost-Seiten, und sie besassen so viel fruchtbare Felder, als sie brauchten; Diese erstreckten sich aufanderthalb Meilen in die Breite, und ungefähr vier in die Länge. Unsere Leute lerneten ihnen hölßerne Schnüffeln machen, wie ich dergleichen vor diesem vor mich selbst verfertiget hatte, und verehrten dem ganßen Haussen zwölff Aexte und drey Messer; Mit diesem Werckzeu- machten sie sich ihre Arbeit leichter, und lebten in aller Stille und Unschuld, die man begehren konte. Als nun solcher gestalt dieser Krieg zu Ende war, genoß die Kolonie. in Ansehung der Wilden eine völlige Ruhe, biß daß ich zwey Jahr hernach dahin kam selbige zu besuchen. Gleichwohl unterliessen die La- uors der Wilden nicht dann und wann da anzuländen, ihre unmenschliche Mahlzeiten zu halten, wie sie aber von verschiedenen Nationen waren, und vermuthlich niemahls etwas von demjenigen, so den andern begegnet, gehört hatten, so suchten sie in der Jnsul gar nicht nach die andern Wilden zu finden, und tvenn sie dasselbe gleich gethan, so wäre es doch sehr ungewiß gewesen, ob sie selbige angetroffen hätten. Also habe ich nun einen treuen und völligen Bericht K 2 von «148 Leben des Engelländers von allen demjenigen erstattet, was meiner ^ in meiner Abwesenheit merckwurdiges begegnet ist. -E Sie hatte die Indianer überaus sittsam gemacht, und ^ besuchte sie zum Wem, ihnen aber verbot sie bey Le- ^ bens-Stk affwieder zu Üzr zu kommen, damit sie nicht § von ihnen verrathen würde. F Es ist noch merkwürdig - daß unsere Leute den ^ Wilden gezeiget hatten, wie sie Körbe und andere der- ^ gleichen geflochtene Arbeit machen sollen; Allein diese ^ hatten ihre Meister gar bald übertroffen: Sie wüsten ^ von dergleichen Art die curwsesten Sachen von der Welt zu verfertigen, als Siebe- Vogelbauer, Tische, ^ Speist-Körbe, Stühle, Betten, rc. Indem sie über- k-" aus sinnreich waren, so bald man ihnen nur eine Vor- ^ bildung einer Sache beygebracht hatte. A Meine Ankunfftwar diesen armen Leuten eine groß W se Hülffe - denn ich versähe sie überflüssig mit Messern, :« Scheereu, Schnüffeln, Grabscheiten, Karsten, kurtz, Ä mit allem Handwerkszeug, das sie brauchen konteu. tzj! Sie bedienten sich dessen bald mit grosser Geschicklich- » keit, und sie waren so sinnreich und fleißig, das sicsich Ä ganße Häuser von geflochtener Korb-Arbeit machten, H, welches, seines possierlichen Ansehens ungeachtet, wi- ljitz der die Hitze, und allerhand Geschmeiß sehr dienlich ch, war. , . H Diese Erfindung gefiel meinen Leuten dergestalt, «j daß sie die Wilden kommen liessen, eben dergleichen tzy vor sie zu machen - und wie ich hingieng die (-oloms ^ der beyden Engellander zu besehen, so fielen mir ihre ^ Hütten von weiten wie zwey grosse Bienen-Kvrbe in die Augen. ^ Anlangend Wilhelm , der M H anfieng, mäßig, fleißig und arbeitsam zu werden, st hatte ^ kobinlün'Oulöe. hatte er sich eine solche Hütte von Korbmacher-Arbeit A verfertiget, daß man es sich nicht wohl einbilden kon- A te- Sie hatte lmndert und zwanHigSchritr im Be- ^ zirck, und dercnWande waren so dichte, als der beste ^ Korb; sie bestunden in zwey und dreyßig Abthellun- ' gen, die sehr dick und sieben Fuß hoch warm. In der ^lz Mitte war eine andere Hütte, die nicht über zwey und zwantzig Schritte im Umkreiß hatte. Solche war a- her viel starcker und dicker als die äusserliche; ihre Fi- ^ gur war achteckicht, und jede von den acht Ecken war ky mit einem guten Pfahl unterstützt. Oben aufalle die- «ss se Pfähle hatte er grosse Stücken von eben der Arbeit ^ gesetzt, welche mit hölßernen Nägcln oderZapffen zurr^ stimmen gefügt waren; Diese Stücken dieneten acht ie Balcken zum Fundament, welche das Ober-Gewöl- tssi be des ganhen Gebäudes formirten, und vollkommen y« miteinander vereinigt waren, ob er gleich statt rechst» ter Nägel nur einige Axen-Nägel hatte, welche er aus t», dem alten Eisen, so ich in der Jnsul gelassen, zu bereit ten ein Mittel ausgefunde-n. ^ Gewißlich dieser Kerl ließ in vielen Sachen eine ZA, grosse Klinst etwas zu erfinden spähren, ob er gleich sich darauf;« legen niemals Gelegenheit gehabt. Er ^ MÄ)te sich nicht nur eine Esse mit zwey hvltzernen Bla- " st-Bälgen, und sehr gute Kohlen, sondern auch. einen ^ Amboß von mittelmäßiger Grösse, worzu er die Ma- ^ terie von einem eisernen Hebebaum genommen; wel- ches ihm Drittel an die Hand gab Haacken, Riegel- Eisen, grosse eiserne Nägel, Riegel und Thür-Angeln U zumachen. . ^ Ich wende mich aber wieder zu seinem Gebäude: ^ Nachdem er das Ober-Gewölbe seiner innern Hütte K z in Leben des Engelländers in Ordnung gebracht, so füllte er die leeren Plätze D'! zwischen den Balcken mit Korbmacher-Arbeit aus, die ^ so gut geflochten als es möglich war. Diefts bedeckte er mit einem andern aus Reiß-Stroh geflochtenen Merck; und über alles dieses legte er noch Blätter von einem gewissen Baum, so sehr breit,welches mach- B te,daß der Regen eben so wenig durch das Dach drin- gen konte, als wenn es mit Ziegeln, oder Schiffern gedeckt gewesen wäre; dieses machte er alles selber,aus- O genommen die Korbmacher-Arbeit, welche dieWil- ^ den für ihn geflochten hatten. Ä Die äußerliche Hütte gab eine Art von einem be- ^ deckten Gang ab, und von ihren zwey und dreyßig -A Winckeln giengen Balcken biß an die Pfahle, welche M das Ober-Gewölbe unterstützten, und von dem Um- ^ kreiß zwantzig Schuh weit entfernet waren, also daß W sich zwischen der äußerlichen und inneren Wand ein ungefähr zwantzig Schuh breiter Spatziergang da ee- H fand. Äb Durch eben diese Korbmacher-Arbeit theilte er das ^ ganhe innerliche Gezelt in sechs Zimmer, selbiges war W netter geflochten, und besser als das übrige ausgear- § beitet. In einem jedweden von diesen sechs Gem- x« chern, die am Boden einander gleich, war eine Thür, durch welche man in die mittlere Hütte trat, und eine ^ andere, welche in die äußerliche Galerie gieng, wel- ^ che ebenfalls in sechs gleiche Theile unterschieden, und ^ bequem waren, daß man sich nicht allein da auffhal- ^ ten, sondern auch etwas dahin in Verwahrung brin- ^ genkonte. E Ä« Diese sechs Plätze nahmen nicht den gantzen UM ^ kreiß hinweg, und die andern Zimmer, so sich in der j ausser» kobinlsn (^rukö^ -fr W äußern Hütten befanden, waren in diese Ordnung gebracht: Sv bald man durch die -ltssersteThür hinein- getreten, so hatte man gerade tz,r sich euren klemm Gang, der nach der Thür des innern Hauses führte; aufjedcr Seite des Gangs war eine Wand von ge- flechtener Arbeit, mit einer Thür, durch welche man in eine Gattung von Magazinen kam, so zwantzig Fuß breit und viertzig lang war, und von dar in einanderS so nicht gar so lang. Daß sich also in der äusseren Hütten zehen schöne Gemächer befanden, unter welchen man in sechse nur durch die Zimmer der innern Hütte, barvon solche gleichsam die Cabinette waren, gelangen tonte. Die vier andern, wie ich jetzo gesagt habe, vertraten die Stellen grosser Magazine, zweyaufei- ner, und zwey aufder andern Seite des Gangs, welcher von Veräußern Thür in das innerliche Hauß zu kommen Bequemlichkeit gab. Ich glaube, daß man niemahls von dergleichen Korb-Arbeit reden hören, noch auch von einer Hütte, welche mit so grosser Nettigkeit undOrdnung gemacht gewesen. Dieser grosse Bienen» Korb dienete drey Familien zur Wohnung, nemlich^ckms seiner, seines Came- raden, und der Frau des dritten Engelländers ihrer, welcher letztere im neulich vergangenen Kriege das Leben verlohren, und seine Wittwe nebst drey Kindern ihnen aufdem Halse gelassen hatte. Jedoch handelten die andern mit dieserFamilie recht wohl, und gaben selbiger aus milder Liebe alles, was sie brauchte, als Getrayde, Milch, Rosinen rc. Wenn sie eine junge Ziege schlachteten, oder eine Schildkröw fanden, bekam solche allemahl ihren Theil davon; K 4 Alss isr Lekren des Engellattders Also daß sie ziemlich wohl lebten, ob esgleichU ^ schon gesagt , weit fehlte, daß sie so fleißig waren, als ^ die andern Engellänsrr, welche eine absonderliche Lc>. lonie ausmachten. ^ In dem Verhalten aller Engellander befand sich B ein besonderer Umstand, den ich nicht mit Stillschwei- ^ gen übergehen will. Die Religion war bey ihnen ei- ^ ne gantz und gar unbekannte Sache. Zwarerinner- ten sie einander ziem!iä)offt, daß ein GOtt wäre,in dem sie nach der See-Leute Gebrauch fluchten und O schwuren; MemdergleichenEi)dschwüre,diesleder B Gottheit leisteten , waren nichts weniger als Zeugnisse O wahrer Andacht und Verehrung, und obschon ih^e Ä Weiber mit Christen verheyrathet, so war doch ihre M Erleuchtung deswegen nicht um eine Haar grösser. Ä Sie selbst lebten, was die Religion betrifft, in sehr ch grosser Unwissenheit, und verfolglich waren siegar un- «ß geschickt ihren Weibern eine Vorbildung darvvn zu M geben. AllesLicht, welches diese durch die Heizrath «n überkommen, bestund darinnen, daß sie ihre Männer j. ziemlich Englisch reden gelernt hatten, wie auch ihm U Kindern, deren Anzahl sich ungefähr aufzwantzig be« ch liess, als welche, so bald sie einen vernehmlichen Laut «i von sich geben konten, alles auf Englisch aussprachen, W, wie woht sie dieses im Anfang so wohl als ihre Vtütter ltz aufeine ziemlich-possierliche Art verrichteten. »H Unter allen diesen Kindern befand sich bei) meiner tzjj Ankunfft kein einiges so über 6. Jahr alt war. Kaum hatte man das siebende gezehlet, daß die Engellander W diese wilden Frauen in die Jnsul geführet hatten. Afl tzj kein sie waren alle fruchtbar, eine zwar mehr, die an- ^ dere weniger; Diejenige, welche dem Unter-Koch des H SchiuS kobmton Cruloe. rzr Schiffs war zu Theil worden, befand sich damals zum sechsten mahl schwanger; Man iahe da keine drunter, die nicht sanfftmüthig, bescheiden, arbeitsam, sittsam, und ihren Gesellinnen Beystand zu leisten fertig gewesen, ja sie waren ihren Herrn so überaus Unterthan und gehorsam, daß ich solche nur in gar Eigentlichem Verstände ihre Männer nennen kau. Es fehlte ihnen nichts, als daß sie in dem Christenthum unterrichtet« und rechtmäßig verheyrathet würden; Doch gelangten sie hierdurch meine Sorgfalt, oder zum wenigstenaus einer Folge von meiner Llnkunfft in dieJnsul. Nachdem ich nun also die Historie der Colome ü- berhaupt, und insonderheit der fünff rebellischen En- gelländer vorgestellet, so ist mir noch übrig, daß ich einige Umstände beschreibe, welche die Spanier, so den stärksten Theil meiner Unterthanen austrugen, vornehmlich angehen, und deren Geschieht wegen einiger merkwürdigen kArciLulMraten gar sonderbar ist. Sie gaben mir bey vielen Unterredungen, die wir mit einander pflogen, sattsame Nachricht von dem Zustand, in welchem sie sich unter den Wilden befunden hatten. Sie sagten mir aufrichtig, daß sie nicht einmahl wären bedacht gewesen, durch fleißige Arbeit einige Hülste wider das Elend zu suchen, und wenn sie gleich wären im Stand gewesen ihre Gemächlichkeit zu überkommen, so waren sie doch von der Last ihres Unglücks so sehr unterdrückt, und dermaßen in die Verzweiflung versencket gewesen, daß sie ohne ferneres Nachsinnen den Entschloß genommen, sie wols ten Hungers sterben. K 5 Ein is 4 Leben des Engellanders ^ Ein sehr ernsthaffter und verständiger MannH ihnen sagte zu mir, daß er wohl spührte, daß sie Unrecht 7: gehabt hätten, weil ein weiser Mensch sich nicht soll ^ durch sein Elend lassen über den Haussen werffen, fon, dern sich alle Mitte! zu Nutz machen, die ihm die Ver- ^ nunfft anbietet sein gegenwärtiges Unglück zu versüß ^ sen, und sich vor das Künffrige eine gäntzliche Erret- ^ tung zu bereiten. Der Schmery, fuhr er fort, ist -: die thätigste und unnützlichste Gemüths-Nch gung von drr Welt; solcher gehet nur aufver- ^ gangene Dinge, welche man nicht wieder zu- ? rückbringenkan, und insgemein ohne Mittel sind; Selbiger wendet sich schier niemahls ''' aufdeszukünfftigen Seite, und an starr, daß ^ er uns bewegen solte auf Mittel zu dencken, wodurch unser Unglück seine Endschaffr errei- chen könte,so bringrer solches zu mehrer Voll- ^ kommenheit, geschweige daß er es erträglicher machen solte. Darauf brachte er ein Spanisches D Sprüchwortvor, welches ich unmöglich von Wort Md zu Wort anfuhren kau, daraus ich aber folgendes ^ Sprüchwort gemacht: ch wenn Rummer unser Hery beschwehrt, »l So wird das Unglück sehr vermehrt. M Nach diesem kam er mit seinen Überlegungen auf die e r Bequemlichkeiten, welche ich mir vor diesem in meiner N Einsamkeit zu wege gebracht, wie nicht weniger auf M die unermüdeten Sorgen, durch welche ich mich aus «tz einem Zustand, der weit betrübter als ihrer jemahls r» gewesen, in einen bessern zu versetzen gewust, welcher >tz viel glücklicher als der Ihrige, so gar zu der Zeit war, >« da sie sich insgesamt in der Jusulbefunden- ^ Lobinkon l^rurioo. ^ Hägtt mir ferner, daß er mit grosser Verwun- K dmmgbemercket, daß sich die Engelländer besser, als sh einander Volck, so erjemahls angetroffen, in ihrem Unglück fassen kvnten, und daß feine Nation nebst der Portugiesischen die allerunglücklichstcn Leute wären, wenn mit derWiderwärtigkert solte gestritten werden, ^ denn nachdem sie die gewöhnlichen Bemühungen sich " ' aus dem Unglück zu reisten -vergebens angewendet hätten, so wäre darauf ihr erster Schritt alle mahl ^ dieVerzweiffelung, darinnen sie stets.verseuchet blie- den, und nicht so viel Standhafftigkcit des Gemüchs ^ 7 -belassen, daß sie, den geringsten Anschlag, machen kvnten, der ihr Unglück zu endigen bequem wäre. Ich gab ihm zur Antwort, daß sich zwischen ihrem -- Fall und dem memigen ein grosser Unterscheid besän- be,weil sie ohne einige benöthigte Sache zu ihrem Un- -- terhalt ans Land geworffen worden waren. Daß in der That mein Unglück mit dem Ungemach begleitet ^gewesen, daßich mich allein befunden, hingegen aber sT wäre die Hülffe, welche mir die E-öttliche Vorsehung 7^ m dieHände geschickt,indem sie das zerscheiterteSchiff so nahe an das Übergetrieben, auch kräfftig genug ge- ^ Wesen den Muth des allerschrvächsten Menschen wie- ^ d:rum aufzurichten. Mein Herr, versetzte derSpa- nier, wenn wir in euerm Zustand gewesen, so ^ hatten wir niemahls die Helffre der nöthigen Sachen aus dem Schiffegehohlet, dieihr dar- aus zunehmen gewußt habet; wir hätten - nimmermehr den Verstand gehabt eine Flösse 2s ;u machen selbige ans Land zu bringen, oder solche ohne Geegel und Ruder an die Insul zu F treiben. Dieses würde keinem einigen von uns in I s6 Leben des Ettgelländeks in den Sinn kommen s-y>r, geschweige däß^ ^ solches zu unternehmen und zu vollziehen fa« ^ hin gewesen wären. Darauffbat ich ihn höchlich ^ seinen Complin-.cnten Ziel und Maaß zu sehen, und mit der Erzüstunq fort zu fahren, wie sie an dem Ort B woswihrs Zeic E übel zugebracht, an das Landgetre- ^ ten wären. Er sagte mir, daß sie zu ihrem Unglück B in einer Jnsul aufgestiegen , woVolck ohne Lebens- ^ Mittel gewesen, und daß, wann sie so viel Verstand gehabt wieder in See, und nach einer nicht weit da- von entlegenen Jnful zu gehen, sie daftlbst Proviant « ohne Einwohner gefunden hätten. Denn weil die ^ Epaniervonder Jnsulder H Dreyfaltiqkeitofftda- hin gekommen, so hätten sie nichts verabsäumet solche « mit Böcken und Schweinen zu besetzen; überdißwq- s ren die Turteltauben und Meer - Vogel daselbstmin .D so grossem Überfluß, daß, wenn sie ja kein Brvdtda- W selbst gefunden , es ihnen doch niemahls würde an iÄ Fleisch gefehlet haben. Hingegen an dem Orh wo sie angeländet, hätten sie nichts als einige Krauter «>iis und Wurheln ohne Geschmack und Sajftgehabt, mit'«! welchen sie der Wilden Müdigkeit noch zu dem gar ß» sparsam versehen, weil diese guten Leute nicht wären« im Stand gewesen sie besser zu speisten, daferne sie nicht hätten an ihwnVrahlzeiten vomMenschey-FleO Ä Antheil nehmen wollen. A Die Spanier crzchlten mir hiernechst alle Mittel, ch, die sie angewendet ihren gntthatigen Wilden bessere tz, Sitten bemudrmgen, und sie dahin zu vermögen, daß «s sie vernünsstigere Meinungen und Gewohnheiten an- jtz nähmen, als diejenigen wären, die sie von ihren Vor- q« Eltern geerdet hätten. Den Wilden war dieses sehr »tz Kobinson Elrusoe. wunderlich vorgekommen, daß Leute, so da angelan- ^ aet bloß ihren Unterhalt zu finden, sich die Freyheit A nehmen wollen diejenigen zu Hofmeistern, welche ih- ^ nm zu leben reichten; ihrer Meinung nach mäste man sich nicht unterstehen seine Gedancken den Leuten auff- jli schmähen, man könne ihrer denn entbehren.^ ^ Mch hatten sie sich cfft in schrecklichen und äusersten Nöthen befunden, indem sie bisweilen gant; und gar ohne Lebens-Mittel gelassen wurden. Die JnsulFa- 7.^ hin sie ihr Unglück gebracht hatte, war von Wilden -ssi bewohnet, denen böses und gutes gleich galt, und ver- folglich in grösserer Armuth und Elend steckten als ^ andere Völcker von eben diesem Theil der Welt» Hingegen waren diese hier nicht so barbarisch und ^' grausam, als diejenigen, welche mehrere Beguemlich-- ickeit hatten. r- Nichtsdestoweniger fanden meine Spanier mdem W: betrübten Zustand, darinnen sie gewesen, einen augen- ^ scheinlichen Beweis; der Weisheit und Gütigkeit der ^ göttlichen Vorsehung, welche die Zufalle regieret. Denn wenn sie aus dem Elend und Mangel, so ihnen ^ zu schwer ward, angetrieben ein reicheres Land auffsu- i.-chen wollen, so würde sie eben diese Vorsicht von dem Wege sich durch meine Vermittelung zu retten abge- führet haben. "' Die Wilden, wie sie mir ferner erzehlet, hatten ^ auch, zur Vegeltung ihrer Bewirthung, von ihnen be« zehrt, daß sie mit selbigen sollen in den Krieg ziehen. ' sb Nun hatten sie zwarFeuer - Röhre, und wenn sie nicht -, so unglücklich gewesen, und um ihr Pulver und Bley V Sekommen, so hätten sie nicht allein ihren Wirthen ss. ansehnliche Dienste leisten, sondern auch beyFreunden .'ck und is8 Lebendes Engelländeks und Feinden ihren Respect erhalten können. JndHH ^ sie aber gedachter Maßen weder Pulver noch Bley vermochten, und nichts destoweniger gezwungen wm A ren ihren Gutthaten, in den Schlachten GesellschM W zu leisten, so befanden sie sich in solchen in grösserer Ge-- W fahr als die Wilden selbst. Sie hatten wederBogen D noch Pfeile, und wüsten zudem mit der Art von Ge- W wehr, so ihnen ihre Freunde geben können, nicht umzu- .«iL gehen. Solcher Gestalt musten sie die Hände in den Schoß legen,und den feindlichen Wurff-Spiessen und Pfeilen ausgesetzt bleiben, biß daß die beyden Armeen M handgemein wurden. Alsdenn konten sie in derThak grosse Dienste leisten: Allermassen sie mit drey Helle--1 § bardm, die sie hatten, und mit ihren Musqueten inde- ren Läuffe spitzige Stücken Holß, wie Bajonetten, ^ steckten, bißweilen ganhe Haussen zertrenneten. Je- Ä. doch geschahe es offt,daß sie von einer grossen Menge Feinde umgeben wurden, deren Pfeilhagel sie nicht am ^ derst als gleichsam durch Wunderwercke entgiengen. Endlich aber haben sie gelernet mit breiten hvltzernen ^ Schilden,so mit Hauten von gewissen wildenThieren, ? deren Nahme sie nicht kannten, über wgen, ihren gan- W Hen Leib zu bedecken. Gleichwohl hatte ihr Unglück ? einsmahls gewolt, daß fünffe unter ihnen durch der ^ Wilden Streit - Kolben waren zu Boden geschlagen "7° worden, welches dem Feind Gelegenheit gegeben einen ^ darvon gefangen zu nehmen; Selbiges war eben der ^ Spanier, welchen ich zu meinem Vergnügen der R Grausamkeit seiner Überwindet'entrissen hatte. Am ^ fangs waren seine Cameraden der Meinung gewesen, « er sey geblieben; indem sie aber vernommen, daß er ge- « kobmlon Onloe. Is9 ^ fangen worden, hatten sie alle, so viel ihr waren, gern ^ ihr Leben gewagt selbigen zu befreyen. Zu derZeit da diescSpanier waren niedergeworffsn worden, hatten sie die übrigen in der Mitte eingeschloss- - ^ sen gehaltenen nicht einenSchritt von ihnen gewichen, ^ biß sie wieder zu sich selbst gekommen waren. Darauff ^ hätten sie eine kleine L^millon mit einander kormiret, > und sich durch mehr als tausend Wilden platz gemacht, indem sie alles, was sich ihnen widersetzte,überwHauf- -5,' ftngeworffen,und dadurch ihren Freunden einen volli» -7 gen Sieg verschafft, so ihnen aber MgenVerlust ihres Cameraden gar sthlechtesVergnügen gebracht hätte. Hieraus kan man Messen, wie groß ihre Freude gewesen, als sie ihren Freund wiedergesehen, welchen '77 sie von der schlimmsten Gattung grimmiger Thiere, nemlich den Wilden, gefressen geglaubet hatten- Die- I. - se Freude war um ein grosses vermehret worden, als sie vernommen, daß in der Nähe ein Christ wäre, der -' 7 , aus Liebe den Anschlag gemacht ihr Unglück zu endi- - gen, auch dabep im Stande sich befände solchen zu voll- '"7 ziehen. '7 Sie machten mir auch die allerbeweglichste Be- -' schreibung von der ungemeinen Verwunderung, dar- " ein sie durch die Hülffs-Mittel, so ich ihnen zugesandt, ' - , gesetzet worden; sonderlich durch das Brodt, welches ^ sie seit so vielen Jahren nicht gesehen. Sie hatten es T lausend und tausendmahl geftgnet, als eine Nahrung, die vom Himmel gekommen , und indem sie es geko- ' 7 stet,hätten sie befunden, daß es unter allen Hertzstär- ckungen am meisten erquickte. Viele andereSachen, die ich ihnen zu ihrem Unterhalt mitgeschickt, hattcwbei) ihnen schier ebeydie Freude -ewürcket. Indem 162 Leben des Engelländek» Indem nun meine Spanier mir dieses erzehleten Ä so fanden sie wohl Redens - Arten ihre Gedancken biß- P falls zu eröffnen, alleine sie hatten keine die Freude vsr' M zustellen, welche die Erblickung eines Fahrzeugs mit ^ Ruderleuten, so alle gantz bereit, sie von der unglückli- B chen Znsul wegzuhohlen, und ihnen den Ort und die Zü Person zu zeigen, von dannen ihnen diese Hülste zuge. ^ kommen, erwecket hatte. So viel sagten sie mir nur, ^ daß die seltsame Bewegungen, darein sie eine so unver- ^ hoffte Befreyunc; gesetzt, von einer wahren Unsinnig- ^ keit nicht viel wären unterschieden gewcstn; daß ihre D- Gemüths-Neigung,welche schier alleKräfftederSee- ^ len erstickte, sich mancherley Wege gebahnetumbey ^ einem auff die Art auszubrechen, bey einem andern M auff eine jener gantz zuwiderlauffende Weise; Daß ^ einige wären ohnmächtig worden,andere hatten gewei- M net, und einige wären eine Zeitlang gar närrisch wor- den« M«« Diese Abbildung bewegte mich sehr, und erinnerte mich an Freytags seinem unmäßigen Vergnügen,als er seinen Vater antraffingleichen an dergroffenFreu- de der Frantzosen, die sich aus ihrem verbrannten Schiffan meinen Bord lülviret; so wohl auch an der L^uipage ihrer, welche durch mcinenBeystand befrei)- et worden, daß sie nicht durffte Hungers sterben, und sonderlich an der Art, wie ich selbst damit befallen worden , als ich aus der Wüste gieug darinnen ich acht und zwanßig Jahr gelobet hatte. Solcher Gestalt nehmen wir insgemein eines andern Empfindungen zu Hertzen nach der Masse wie wir unsere eigene daran erkennen. Nachdem ich nun also den Zustand, inwelchem ich meine ich Kobiulon Lrutoe. r§r weine Lolome fand, vorgestellt habe, so ist es Zeit, daß ich umständlicheMeldung thue von demjenigen,was ich Obiger zumBcsten thät,und in was vorZustand ich dieselbe ließ, als ich wieder von der Jnsul weggieng. Diese Leute waren mit mir eben der Meinung, sie würden durch der Wilden Zuspruchs nicht ferner beschweret werden, und wenn sie ja wieder kämen, so wären sie doch im Stande selbige zurück zutreiben, wenn solche sich gleich zweymahl stärcker,als zuvor, befänden. Die- semnach war auff selbiger Seite nichts zu fürchten. Ich hatte aber mit dem Spanier, den ich den (Gouverneur heisse , einen viel wichtigern Punct abzuhandeln, solches war nun, daß sie insgesamt in der Jnsul bleiben solten. Meine Absicht war nicht, daß ich einen einigen mit mir von dar herausführen wolte: auch war. esnicht billig einigen diese Gunst zu erweisen, und die andern dazulassen, weil solchen ihr Dableiben einen hefftigen Schmertz würde verursachet haben, wenn ich ihre Zahl vermindert hätte. Ich sagte dahero zu allen, daß ich gekommen wäre, sie in der Jnsul vest zusehen, ksinesweges aber sie von dar abzuhohlen; in dieser Absicht hätte ichwichtigeUn- kosten auffgewendet, sie mit allem zuversthen, was zu ihrem Unterhalt und Sicherheit nöthig wäre. Über dieses brächte ich ihnen solche Personen zu/ die nicht allein geschickt wären ihre Zahl vortheilhafft zu vermeh- rcn, sondern auch ihnen grosse Dienste zu leisten; Gestalt selbiges Handwercksleute und tüchtig wären tausend nothwendige Sachen, die ihnen bißhero gefehlet, vor die Lolouie zu verfertigen. Ehe ich ihnen aber alles, was ich vor sie mitgebracht, überlieferte, fragte ich einen ieden nach einander, ob sie ihre alte Feindschafft II. Theil. L gäntz- i6r L-obettdesEriyellanders —^—---— gäntzlich aus dem Hertzcn verbannet, und einander^ die Hände geben und sich sowohl eine genaue Freund-^- schafft, als auch eine auffrichtige Sorgfalt vor das ge- s ^ meine Beste der ganhen Gesellschafft zusagen weiten. ^ Wilhelm ^.rkin8 antwortete mit einer sreudigen und wohlmeynenden Art, daß sie Unglück gcmm.. W ^ habt sich nunmehro zu mäßigen, und neben dem hätten ^ sie viel Uneinigkeit unter sich gcheget, daß sie wohl gute ^ Freunde werden kontert. Daß er seines Orts versprä- ss chemitden andern zu leben und zu sterben; Daß es B hiernechst so ferne wäre, daß er wider die Spanier eü Ä nigcn Haß bev sich übrig lassen solte, daß er vielmehr Ä gestände, er hatte alles, was sie wider ihn vorgenom-- Ä, men, mehr als zu wohl verdienet, und wenn er wäre s, an ihrer, und sie an seiner Stelle gewesen, so würden H selbige nicht so leicht damit darvon gekommen seyn. M Daß er zu dem bereit wäre, solche, wenn sie es verlang-- M ten, wegen seiner Thorheiten und viehischen Auffuh- rung um Verzeihung zu bitten. Hiernechst wüntsch-- M teer deren Freundschafft von gantzem Hertzen, würde D auch keine Gelegenheit verabsäumen sie dessen zu über- D zeugen: Im übrigen wäre er zufrieden, daß er seinVa- M terland in zwantzig Jahren noch nicht wieder-ähe. Was die Spanier betrifft, so sagten selbige, daß sie in ^ der That ^rkms und seine Gesellen im Anfang wegen ^ ihres bösen Verhaltens entwaffnet und aus ihrer Ge- ^ genwart verbannet hätten, und daß sie mir es zu über- legen heimstellten, ob dieselbige ohne Urstrch von ihnen ^ geschehen wäre. Allein daß ^rklm in der grossen ^ Schlacht, die man mit den Wilden gehalten, soviel ^ Herhhafftigkeit sehen lassen, und nachgehends so grosse ^ Merckmahlevon sich gegeben, daß er der sanken Ge- ^ R.vbinlon (Crusoe. r§z ^ Kschafft Bestes suchte, daß man alles vorige billig Essen, und sie ihn so wohl als einen andern, wer es ' such seyn möchte, würdig achteten, daß er mit Gewehr und allem,was er benöthigt, versehen würde. Daß ^ sie auch bereits sehen lassen, wie sehr vergnügt sie mit ihm wären,indem sie ihm das Lommancio unter ihrem ' Gouverneur gegeben hatten. ^ Daß sie zu ihm und - allen seinen Lands-Leuten ein völliges Vertrauen hätten, und daß sie diese Zuversicht durch alles, was dis Menschen einander zutrauen bewegen kan,vollkömm- ' lich -- wohl verdienet hätten. Mit einem Wort, daß - sie mit Vergnügen die Gelegenheit ergriffen mich zu versichern, daß sie sich nichts würden höher angelegen seyn lassen, alsdergantzen Lolome Bestes zu suchen. Nach diesen Erklärungen, welche voller Auffrich- ' tigkeit und Freundschafft schienen, bat ich sie alle auff den andern Tag zu Gast; und gewißlich gab ich ihnen eine prächtige Mahlzeit. Selbige zu bereiten zu laj- sin hieß ich den Schiff-Koch und seinen Cameraden an - das Land kommen; und diesen beyden gab ich den Un. ter,Koch,deraufderJnsulwar, zum Gehülffen.Vom Schiff brachte man sechs Stücken Ochsen-Fleisch, - viere von Schweinen, eine grosse und liesse SchWl ' von Porcellan?uuck darinnen zumachen, wie nicht . weniger die benöthigtcn Sachen, die man darein zu nehmen pflegt; ferner zehen Loureilien rothen Wein ' Vvn Lom cieuux und so viel Flaschen Englisch Bier. - Alles dieses war meinenGästen um so viel angenehmer, ' weil sie in vielen Jahren dergleichen nichts gekostet hakten. Die Spanier thätmzu unsern Gerichten fünffgan- : tze Ziegelein, welche die Köche brieten, und deren man 8 2 drey i64 Leben des Engelländers ^ dreydarvon wohl verdeckt in das Schiff saMelda?'^ mit die LcivipLge, unter der Zeit, dameineEinwvhner^l! vonderJnsulsichan des Schiffs gesalhenen Lebens- Mitteln ergötzten, sich mit dem frischen Fleisch etwas ^ zu gut thun mochten. L. Nachdem ich nun mit ihnen alle vergönnte Tisch« Frölichkciren genossen hatte, so ließ ich die sänke La-Ä düng, welche ich meinen Leuten zugedacht, an dastand brmgcn ,,und damit es wegen der Theilung keinen ^ Streit gäbe, befahl ich, daß ein jeder einen gleichend Theil von allem, was ihnen zu ihrer damahligen Klei« ^ düng dienen solte, nehmen möchtc-Ersilich theilte ich ih- nen so viel Leinwand aus, als ein ieder zu vier Hemden ^ brauchte, und nachgehends vermehrte ich die Zahl, anf' D inständigesBitcen berSpanier, biß aufsechse. Nichts auf derWelt war fähig ihnen ein grösseres Vergnüge ^ zu machen; es war so lange, daß sie keine getragen hak- M'i ten,daß sie fast nicht mehr wüsten wie selbige aussahen. Die dünnen Englischen Zeuge, davon ich oben ge- > redet, bestimmteich, daraus vor einen ieden ein Kleid, W in Gestalt eines Futter-Hemds oder Kittels, machen L>e zu lassen; Weil ich glaubte, daß diese freye und nicht V sehr enge Kleidung sich vor die Hitze selbiger Gegend M am besten schickte. Zu gleicher Zeit verordnete ich, v daß man ihnen, so bald diese abgetragen, neue machen « solte. Auch ertheilte ich bey nahe eben den Befehl M was die Schuhe mit einfachen Sohlen, die rechten «h Schuhe, Strümpffe und Hüte betrafst . ^ Es ist mir unmöglich die Freude und das VergM M gen auszudrucken, welche in dem Gesicht und denGe- G berden aller dieser armen Leute hervorleuchteten, wie sie ttz sahen mit was für Sorgfalt ich mich bemühet hatte ^ sie ^ kobinlon Sru5oe. ^ Mit so vielen nützlichen und beqvemen Sachen zu- ^ versehen. Sie sagten mir, ich wäre ihr rechter Va- ^ ur, und so lange sie, an einem von ihrem Vaterlande so entsernetcn Orch, einen solchen Lorrc5pon6emen . wie mich hätten, würden sie vergessen, daß sie sich in ei- M Wüste befanden. Darauff erkläreten sie sich alle, daß sie versprächen niemahls die Jnsul ohne meine ^ Einwilligung zu verlassen. ^ Nach diesem stellte ick) ihnen die Leute vor, die ich mit M'gebracht hatte, sonderlich den Schneider, den Schlösser, die beyden Zimmerleute, und meinenKünst- chUer, der alles zu machen wüste. Der Schneider fieng, ü- ihnen seine eiferige Zuneigung zu ihnen blicken zu las- - - ' sm, gleich an zu arbeiten, und machte zuförderst einem ieden, mit meiner Vergünstigung ein Hemd. Unter mährender Arbeit zeigte er den Weibern wiesle die --- Nadel zum nähen und steppen gebrauchen sollen, und bedienete sich deren so Aar, daß sie unter seiner Auffsichk . die Hemder ihrer Männer und aller andern ihre ver-> ^ fertigen musten. Die Zimmerleute betreffend, so ist es nicht nöthig ^ zusagen wie nützlich dieselben meiner Lolonie waren. ^ Selbige zerbrachen alsofort meinen schlecht - weg ge- ^ machten Haußrath, und machten an dessen Stelle m ^ kurher Zeit sehr nette Tische, Stühle, Bettstellen, Schenck-Tische und dergleichen. < - Um ihnen aber zu zeigen auff was Art die Natur ss die Künstler zuwege bringt, so führte ich meine Zim- 7 merleute hin und ließ sie^ckins Hauß besehen. Sie es gestanden mir beyde, daß sie niemahls dergleichen Ex- 'ch rmpel menschlicher Geschicklichkeit zu Gesicht bekom- men; nachdem auch einer von selbigen einige Augen-- ^ L z Wck L66 Leben des Engellandets / — --— .. - . blick tieff nachgesonnen hatte, wandte er sich zu mir G und sagte: Der Mensch braucht unser in war- A heit nicht, es fehlt ihm nichts als Handwercks- 'H Zeug. Bey diesem Wort erinnerte mich, daß ich dasjem- §e, so ich mitgebracht, hervorbringen ließ; Darauf Ä theilte ich iedem Mann ein Grabscheit, eine Schauf- « fel, und einen Rechen aus,um svlcherGestaltdenPfiug ^ «nd die Ege einiger Massen zu ersetzen. Neben dem ^ gab ichnvch ieder kleinen Lolonje insonderheit, einen D. Karst, ein Brecheisen, eine grosse Axt, und eine Sä- §e, und vergönnte ihnen neue aus dem gemeinen Ma- gazinzu nehmen, wenn diese würden abgenutzt oder ^ zerbrochen seyn. Was Nagel, eiserne Zapffen, Angeln,Hammer, Messer, Scheerenund dergleichen anlangte,svverord- nete ich ihnen soviel davon zunehmen als siervolten; ^ weil ich versichert lebte, sie würden nur ihre Bedürft- ^ niß hierüber zu rathziehen, und daß sie niemals so thö- richt seyn würden selbige mit Fleiß zu verderben oder ^ zu zerbrechen. «' Über den Vorrath an Waffen und Pulver und « Bley, so ich ihnen mitbrachte, musten sie allerdings ^ höchst vergnügt seyn: Denn nunmehro waren sie im W Stande, auff ieder Schulter, wie ich vor diesem eine M Flinte zu haben, wenn sie ausgingen,und taufend A, Milden zu widerstehen, wenn ihnen die Gelegenheit M des Orts, so stets in ihrer Macht stund, nur ein wenig ffa zu statten kam. Ick) hatte zugleich den jungen Menschen, dessen R Mutter Hungers gestorben, und die Magd mit mir ^ an das Land gebracht. Dieses war ein junges freund- H liches ^obinlon Ouloch 16 - -I liches,wohl-er;vgenesund frommes Magdgen, und ihre Aufführung gefiel jedermcm überauswohl. Sie hatte im Sckiffohne sonderliches Vergnügen gelebt, weil da keine andere Weibs-Person als sie war, doch hatte fiesich ihrern Verhängnißmit grosser Gelassenheit untergeben. Wie diese die Ordnung, die in meiner Jnsul regierte, und darneben den blühenden Zustand, der allenthalben hervorblickte, zu Gesicht bekam, hwrnechst in Lrwegungzog, daßsiein Ost - Indien gar nichts zu thun hatte, so vat sie mich, daß ich sie rn der Jnsul lassen, und als ein Mitglied meiner Familie anzunehmen belieben möchte. Der junge Mensch bat mich eben dieses, und ich war es mit Vergnügen zufrieden. Ich' gab ihnen al o ein klein Stück Landesein, wo man ihnen dr- y Hütten auffbauete, die mit geflochtener Arbeit umgeben, und nach demMuster von ^rkmsHauß gebauet waren. Diese drey Hütten waren solcher Gestalt miteinander verbunden, daß iedeö sein Zimmer hatte, und die in der Mitte konte zum Magazin und EffSaal zu beyderseits Gebrauch dienen, die beyden Engelländer befandet, es vor rathsam ihre Wohnung zu ändern, und sich diesen neu-angekommenen bester zu nähern. Also blieb die Jnsul stets in drey Losten getheilet. Die Spanier nebst Freyrags Vater und denerstenScla- ven blieben allezeit in meinem alten Schloß unter dem Hügel, welches mit sehr gutem Recht vor die Haupt- Stadt mein 's Reichs gehaltenwerden mußte. Sie hatten dasselbe dermassen erweitert, daß sie da gar geraum,wiewohl gäntzlich verborgen leben komm ; und ich bin gewiß, daß niemahls eine Stadt im Holtz gs- L 4 fun- i68 Leben desEngellattders funden worden, die so sicher von allem Anfall'gewestn wäre. Es hätten wohl tausend Menschen einen gan, Hen Monath die Jnsul von einem Ort zum andern ^ durchlauffen und selbige doch nicht finden sollen, es § , wäre denn, daß sieNachricht hätten, daß solche würck- E lich da wäre. Die Bäume, damit selbige umgeben, E stunden so enge in einander, und die Aeste waren der- ^ Massen zusammen geschlungen, daß man sie hätte müs- A sin abhauen, wann man das Schloß zu sehen wäre be- O gierig gewesen: Uberdiß war es fast unmöglich der ^ beyden kleinen Wege innen zu werden, auff welchen ^ die Einwohner selbst ein-und ausgiengen. Einer von diesen wargsnh oben bey dem kleinenMeerbusen,mehr als zwey hundert Ruthen von der Wohnung. Der ÄS andere, welcher noch mehr verborgen war, führte über W den Hügel vermittelst einer Leiter, wie ich schon mehr üÄ als einmahl gesagt habe. Zum Überfluß hatten sie M noch über dem Hügel, ein sehr dickes Holh gepfianhet, M so eines Ackers groß , und da war nicht die geringste Oe Oeffnung, ausser einer sehr kleinen zwischen zween U Bäumen, durch welche man nach selbigerSeite gicng. »da« Die andere Lolome bestund aus Wilhelm r ftinerFamilie ingleichen aus seinesCameraden und ih- «l res verstorbenen Gefährten ihren, wie auch aus dem M jungen Menschen und der Magd. Nicht weniger ch, wohneten die beyden Zimmerleute nebst dem Schlosser W in dieser, welcher allen Einwohnern um so viel nühlü cher war, weil er auch das Büchsenmachen gut ver> h,, stand, und also tüchtig das Feuer-Gewehr stets in gu- ten Zustand zu erhalten. So hatten sie auch meinen ^ Künstler, der alles machen konte, bey sich, welcher ^ allein so gut war als zwantzig Handwercks-Leute. ^ Eelbi^ kobinlön Crusoe.' 169 Selbiger war nicht allein ein sehr sinnreicher Kopff, sondern zu gleich auch munter und lustig, also daß man bey ihm so wohlAnnehmlichkeitals Nutzen fand. El-e ich aus meinem Königreich weggieng hatte ich das Vergnügen ihn mit der Magd, so ein tugendhafftes und geschicktes Mensch war, zuverheyrathen. Endlich war die dritte Lolome der beyden redlichen Engelländer ihre. Weil ich hier des Heyrathens gedencke, so will ich nicht versäumen die Unterredungen hier mit anzuführen, welche ich mit dem Frantzösischem Geistlichen wegen der geringen Ceremonien, deren sich die Engel- länder bey dem Heyrathen bedienen gehabt habe. Es ist gewiß, daß er Römisch-Catholisth war, und deswegen stehet zu fürchten, ich werde die Protestanten vor den Kopffstossen, wenn ich von seinem Charakter und seiner Gottseligkeit wohl rede. Er war nicht nur ein Papist, sondern auch ein Priester, und zwar einFrantzösi'scher. Doch sollen mich diese Ekgenschafften nicht abhalten ihm dasjenige Lob, so ihm gebührt, beyzulegen, er war ein mäßiger und ernsthaffter Mann, und auf Seiten der d^oral, ein wahrer Christ. Seine Liebe war exemplarisch, und seine gantze Auffführung konte ehrlichen Leuten zu einem Muster dienen. Ich vermeine es soll niemand an dem Lob, welches ich ihm, seiner Profession und Lehrsätze ungeachtet zueigene, etwas zu tadeln finden , ober gleich nach meiner Meynung , und vielleicht nach dem Gutachten vieler meiner Leser geirret hat. Das erste Gespräch, welches ich mit ihm hatte, nachdem er verwilliget mit mir nach Indien zu gehen, L 5 ge- i7o Leben desEngellanders gefiel mir überaus wohl. Selbiges bekraffdie Reib ^ gion, md er redete mir davon mit aller ersinnlichm s"! Bescheidenheit und Höflichkeit. B. Mein Herr, jagte er zu mir, indem er das Creuh vor sich machte, ihr habet mir durch des Hin,-- B mels Seegen nicvt allein das Leben erhalten" ^ sondern ihr Haber mir zu dem erlaubet diese ^ Reise mir euch zu thun. Ihr seyd so gütig ge- ^ wesen, mich als euren Freund anzusehen/und Ä mir zu vergonnen mit euch frey zu reden. Aus B meiner Rleidung könnet ihr sehen vonwas für M einer Religion ich bin, und euere kan ich aus D euerm 'e accrlande errathen. Meine Pflicht erfordert ausser Zweiffel, daß ich bey aller Ge- ^ legenheit alle meine Bemühungen anwende D die Menschen in den Gchooß der Lathslischen M Rirchezu bringen, und solchen die Erkennt- M niß derjenigen Religion zu geben, welche ich ^ allein vor die wahre halte. Gleich wie ich mich aber hier als einen von euren Bedienten be- trachte, so zwingen mich eure wohlthaten, ^ und die Regeln der Höflichkeit, ja der Billig- ^ keir selbsten, nichts ohne eure Vergünstigung > vorzunehmen. Also, mein Herr, werde ich nie- ^ mahls so frey seyn und mich wegen einiges Re- ligion-Puncts, darüber wir nicht einerley ^ Meynung hegen, mir ällsiuriren einlassen, es js/ sey denn, daß ihr solches vor gut befindet. Ich antwortete ihm, daß rch in seinem Verhalten ü so viel Klugheit als Bescheidenheit fände, daß ich Zwar ^ einer von denen wäre, welche man in seiner Kirche vor s Ketzer hielt, allein daß er nicht der erste Römisch-Ca- R.ob!nlon (üruloe.' tholische wäre, mit dem ich mich in Gespräch eingelassen, ohne in so hefftigen Evffer auszubuchen, wodurch dergleichen Unterredungen nicht anders als grob und unnütz ausfallen mögen; daß er könte versichert seyn, daß seine Meynungen nimermchr etwas an der Hochachtung, die seine guten Eigenschassten in mir gewür- cket, verändern würden, und wenn es ja geschähe, daß unsere Gesvrä6)e von dergleichen Materien einiges Mißvergnügen zu wege brächteii, so wolte ich mich doch bemühen, daß sich dasselbe niemahls durch meine Cchuldmrüge. Ergab mir zur Antwort, daß es nach seiner Meynung ein leichtes wäre aus unsern Gesprächen alle Streitigkeiten zu verbannen, daß es sein Thun nicht wäre diejenigen,mit denen er redete,bekehren zu wollen, und daß er mich bäte ihn bey unsern Unterredungen mehr alseinen redlichen Mann,dann als einen Mönch zu betrachten. Wenn ich ihm aber vergönnen wolle dißweilen mit mir von denReligions-Sachen zu reden, so würde er es sehr gerne thun, und alsdenn hielt er sich versichert, daß ich mit Vergnügen ertragen würde, daß er seine Meynungen,so gut als es ihm möglich wäre vertheidigte. Allein ohne meine Einwilligung würde er das Gespräch niemahls nach selbiger Seite drehen. Er sagte mir ferner, daß erlo wohl als Priester, als auch ein bloßer Christ nichts verabsäumen wolte,wel- ches zu der ^guipLZL Nutzen, und des Schiffs Vortheil überhaupt gedeyen könte, und wenn er gleich weder mit uns, noch wir mit ihm zu beten vermöchten, so würde er doch wenigstens den Trost haben vor uns bey allen Gelegenheiten zu bitten. Der- Leben des EttgellLnders l^2 Dergleichen Weg pflegten unsere Gespräche ge- ^ meimglich zu nehmen, und fand an diesem Ordens- E Mann nicht allein einen wohlerzogenen Menschen,son- dern auch ein wvhlgeartetes Hertz, und wenn ich es sa- gen darff, guten Verstand und eine grosse Gelehrsam- D keit. ^ ' A Er machte mir eine sehr lustige Beschreibung von E seinem Leben, und den ungemeinen Zufällen, damit sol- ^ ches gleichsam zusammen gewebet war. Unter den B vielen Begebenheiten, die ihm die wenigen Jahre so er auf Reisen gewendet vorgekommen, war nach meiner SÄ Meynung seine letzte Fahrt am merckwärdigsten, in- M dem er auf selbiger gezwungen gewesen fünffmahl auf O ein ander Schiff zu gehen, ohne daß jemahls eins von Ä den fünffen an denOrt angelanget, dahin es bestimmt gewesen wäre. Sein erstes Vorhaben hatte dahin gezielet, daß er W nach der Jnsul d/lm cmigue gehen wollen, undwar zu tz« 8r. in ein Schiff, Mlches diese Reise zu thun be- A reit gestanden, an Bord gegangen. Weil sie aber Mx durch das schlimme Wetter gezwungen worden in den Vcho einzulauffen, so hatte das Schiff an eine Sand- W Banck gestosen und man wäre genöthiget worden die ßM gantze Ladung von dar heraus zu nehmen. In diesem verwirrten Zustand hätte er ein Schiffgefunden,wel- ^ ches gleich nach der Jnsul ^»clera seegeln wollen. Da ^ hätte er sich mit aufgesetzt, weil aber der Patron kein ^ gar vortrefflicher Seemann gewesen, und sich in sti- ^ nem Tage - Register betrogen, so hätte er das Schiff ^ bis nach kikl vom rechten Lauffabkommen lassen, wo^ selbst er durch einen glücklichen Zufall Gelegenheit ge- funden seine Waaren, die in Seträyde bestunden loß zu KoblnsonLruloe. »7Z >2 zu werden. Dieses Glück hatte ihm Anlaß gegeben s!' sich zu entschlieffen nicht nach lvläclera zu gehen, sondern in der Jnsul tvta/Saltz zu laden, und nach no- ^ va m fahren. ^ Bey so gestalten Sachen hatte mein Ordensmann ^ nichts anders thun können, als dem Verhängniß des A Schiffs folgen, und die Reise war glücklich gewesen A biß an dieBäncke, wo man die Fische fangt. Indem er aber ein Franhösisch Schiffantraff, welches nach tzuebec auf den Fluß von Lanacla bestimmt war Le- Z bensmittel dahin zu bringen, und von dar nach der Jn- 7^7 sul ^tal-ciniczue, so hatte er gemeynet, es wäre nun Ge- legenheit vor ihm da sein erstesVorhaben zu vollziehen. Als aber das Schiff zu (Quebec angekommen, wäre He der Patron davon gestorben, und das Schiffalso nicht weiter gegangen. Indem er nun gesehen,daß ihm alle» leö solcher Gestalt wäre zu Wasser geworden, hätte er »c> k sich auf das Schiff begeben, welches nachFranckreich ik« gehen sollen, mitten imMeer aber durch das Feuer ver- ^ L zehret worden, und wir hätten ihn daraus in einSchiff ^ an Bord genommen, welches nach Ost-Indien be- ^ stimmt wäre. Also waren ihm fünffReisen nach ein» ander mißlungen,welche so zu sagen, von einer einzigen A.. Fahrt die Theile waren, zu geschweige«, was ihm in ^ den folgenden Zeiten noch zustieß. ^ Damit ich aber wegen eines andern Begebenheit tev, die mit den Mennigen keine Gemeinschafft haben, ^ nicht allzu grossen Umschwciff mache, so komme ich ^ wieder auf das was vermittelst meines Ordensmanns ^ aufmeiner Jnsul vorgieng. Wie er bey uns die gan- ^ ^ Zeit, da ich in der Jnsul war, der Herberge genoß, A so kam er einsmahl-s des Morgens zu mir, als ich gleich end- 174 Leben des Enge lländers , entschlossen die Lolome der Engelländer, welches ^ dem entlegensten Ort der Insul war, zu besuchen. Er sagte mit grosser Ernsthafftigkeit zu mir, daßerscitckli- ^ chen Tagen mit Ungedult auf die Gelegenheit gewar- E tct mit mir zu sprechen, in der Hoffnung, daß mir das- ^ jenige, st er mir zu jagen hätte, nicht mißfallen würde, ^ weil es aussmeine Absicht überhaupt, nemlich auf das ^ Wohlergehen meiner Lolonle ziclete, und daß solches ^ wohl des Himmels Seegen, dessen sie noch nichtganh ^ nach feinem Wunsch genösse, dahin ziehen könte. E Weil ich mich nun über das Ende seiner Rede nicht wenig wunderte, fö antwortete ich ihm auf eine ziem- lieh übereilte Art: "Wie könnet ihr sagen,meinHerr, -M „daß wir nicht des Himmels Seegen gemessen,wir,de- Ä „neu er so wunder-vollc Hülffe, und eine so unerwarte- H „ke Rettung verliehen hat, wie ihr aus dem Bericht, Ä „welchen ich euch darvon erstattet, habet abnehmen W „können? wenn es euch beliebet hätte,antwortete er mir, tti auf eine so fertige als bescheidene ArhdasEnde mer- M ncr Rede zu erwarten, so würdet ihr nicht Ur- ^ fach gehabt haben euch über mich zu erzürne,», O> und mich vor so unverständig zu achten, daß Ä ich an den; Wunder - würdigen Beystand, da- ho mir euch GGre begnadet hat, zweiffeln solce. tzy Ich hoffe, daß, was euch betrifft, ihr im Gran« de seyd der Gunst des Himmels zu gemessen, weil in der That eure Absicht überaus gut ist, ^ wenn aber solche gleich noch bejffr wäre, so tzs können doch einige unter euernLeuten seytt.de- H rrnThatcn nicht eben diese Reinigkeit anstch ^ haben. Ihr wisset, daß in der Geschichrder ^ kobinlon Eruloe. Minder Israel ein einziger ^chan den Scegen GDcres von dem ganyenVolck entfernere,und solchen dergestalt zu Zorn reitzete,daß sechs und dreyßig Israeliten, ob ste gleich an der verübten Boßheir keinen An theil hartem das Ziel des göttlichen Elfers und Rache seyn must.n. Seine Rede machte mich sehr weichmüthig, und ich sagte zu ihm; daß sein Vorbringen so billig, und hiernechst seine Absicht mir so aufrichtig und so voller Gottseeligkeit schiene, daß es mir hertzlich le»d wäre, daß ich ihn darinnen gestört hätte, könte also nicht änderst thun als ihn ersuchen, daß er so gut seyn und fortfahren wolte. Weil ich aber versichert war,baß dasjenige, was er mir zu sagen hätte, etwas Zeit erforderte, so sagte ich ihm mein Vorhaben, daß ich hingehen und die klrmwgen der Engellander besehen wolte, und schlug ihm dahero vor, mich dahin m begleiten,und mir seine Meynung unter wegs zu eröffnen. Er antwortete mir, daß er dessen um so viel mehr zu frieden wäre, weil dasjenige, so er mir zu stigen hätte, eben diese Engelländer angienge. Darauffbegaben wir uns auff den Weg und ich bat ihn hoch! ich, er möchte mit aller möglichen Freyheit mit mir sprechen. Ehe ich auf meine Materie komme, sagte er zu mir, werdet ihr mir erlauben, mein Herr, daß ich hier einige principia gleichsam zum Grund meiner gangen Rede seye. Gbwir wohl in einigen besondern Meynungen von einander abgehen, so würde doch alles, was ich euch zu sagen habe, ohne Frucht bleiben, wenn wir nicht in den allgemeinen Grundsätzen übereinkamen- Ichweißwohl, daßwirzum Unglück nicht 176 Leben des Ettgelländers nicht einerley Lehren,besonders in demFalld^ ^ von die Rede ist,gut heißen; dargegen aber ist A es sicher, daß wir in Ansehung gewisser alten ^ warheicen allerdings müßen einig seyn. ^ glauben beyderseits, daß ein GOrr sey,und daß weil dieser GOtt uns Geseye vorgeschrieben A unseren Gottesdienst und unser Leben darnach ^ einzurichten, wir es nichrwagen sollen densel-- ^ ben mit Vorsatz zu beleydigen, durch Unterlaß ^ sen desjenigen, was er bestehlet, oder durch 5 Thun was er uns verbeut. Uberdiß mögen ^ die besonderen Puncte unser Religionen be- ^ schaffen seyn wie ste wollen, so geben wir doch alle zu als eine unstreitige VL)arheit,daß gemeü niglich der Geegen des Himmels auf die frey, ?! willige und freche Übertretung seiner Geseye ^ nicht folget. Jedweder guter Christ ist vcr- ^ folglich gehalten alle seine Bemühungen anzu wenden alle diejenigen aus ihrer sündlichen Schlafsucht zu wecken, die dahin lchen ohne « sich um das Erkantniß GGrres und seiner Ge/ E seyezu bekümmern. Euere Engelländer stnd -bij Protestanten, ob ich aber gleichTarh-lischbin. so machen mich doch ihre Meynungen, so von ^ den meinigen abgehen, deswegen nicht frey 'Ä von der Sorge, die ich vor ihre Seelen tragen v soll, und ich bin in meinem^ßxwißrn verbun-- »11 denesdahinzubringen,daßstevoneineroffen« baren Feind schafft mit ihrem Schöpfferssetttt ^ ferner leben als es möglich ist, sonderlich wenn ^ ihr mir vergönnet mich in eine Sache zu mü ri,, sehen, die euch hauptsächlich angehet. ^ Lobmlon Ouloe. 177 ___ ^ ___— ^iß dahin war es mir unmöglich ftmen Zweck zu ^ machen; Gleichwohl unterließ ich nicht feinen Grund- 2 sähen beyzupflichten, ihm hiernechst wegen des An« N theils, so er an dein, was uns angicnge, nehmen wolle, z„dancken,und chn zu bitten, daß er sich besser heraus- ^ lassen möchte, damit ich als ein anderer Zosua die ver- fiuchte Sache oder den Bann von uns abthun könne. ^ Wolan, mein Herr, sagte er, so will ich denn ^ die Freyheit nehmen, welche ihr mir zu geben K ^ beliebet. E e sind hier drey Sachen, ww mich äv, dänckr, welche zwischen euren Bemühungen L, und dem Seegen des Himmels einen Schran- r->i cken oder Scheide-Wand aufführen müssen, M und die ich aus Liebe zu euch und euern Unter- «h- chanen gerne wölke entfernet sehen. Ich bin «n- versichert, mein Herr, daß ihr werdet meiner Meynung seyn, so bald ich solche genennet ha- ^ den werde, absonderlich wenn ich euch über- ^ zeuge, daß es leicht ist allen diesenHindernißen, ^ zu euerm grossen Vergnügen, abzuhelssen. ^ Erstlich , mein Herr, fuhr er fort, habt ihr hier / vierEngellander, welche sich Weiber unter ^ den wilden gehohler, und mit solchen, ohne ^ nach den Göttlichen und menschlichen Gese- ^ tzenverheyrarherzuseyn, viele Rinder gehabt ^ haben. Verfolgliw müßen sie als solche be- ^ trachtet werden, dre biß hierher in der Unrei- ^ mgkeir gelebet. Ihr werdet mir antworten, ^ mein Herr, daß vey dieser Gelegenheit kein M Geistlicher da gewesen, der bey den Leremo- nien, so zu einer rechtmäßigen Heyrath erfor- 1 «» dert werden, zu gegen seyn können, und daß ^ ll.Theil. M auch ,78 Leben des Engellätideks HchU weder Dinre, noch Papier, noch§ ^ dern da waren einen Heyrarhs-LontrLÄaufzu, P richten und zu unterschreiben, ja ich habe eben. . -l falls Nachricht von dem was euch derSpani- sehe Onuverneur erzehlec, ingleichen von den .Ä Bedingungen,unter welchen er vergönnet hat, ^ daß diese Verbindung geschehen mochte. Ab K» lein die Vorsicht, welche er gebraucht selbige erstlich wählen zu lasten, und dennsiezu nöthi- ^ gen, daß em jeder sich nur zu einer Frau halten ^ solce, macht noch keine rechtmäßige Heyrach, weil der weiberELnwilligung nicht darzu gr- kommen, sondern die Männer sich nur zu Ver. ^ einander verglichen haben. Über diß bejrchec die wesentliche Eigen- ^ schafft der Heyrarh nicht allein in beyderseits ^ ger Einwilligung des Manns und desweibs, < sondern auch in einer förmlichen und den Ge- 5. seyen gemäßen Pflicht, welche beyde conuM- ^ rende Theile zwinget sich einander stets als , Mann und Weib zu erkennen. Solchen» - dittdor den Mann sich, so lange der erste Lon- rrLÄ bestehet, aller andern Weiber zu mchal- cen,und die seinige, so wohl als ihre Rinder, . mit allem was nöthig ist, zu versorgen, so viel 7> dieses nemlich sein Vermöge,» erlauben ka». ^ Selbiger (chncraäl nöthiger dagegen die Frau ch auf ihrer Seite, eben diese, oder dergleichen 7 ; Bedingungen zu erfüllen. .. ch was nun diese Männer, darvon hur dre Frage ist, anlanget, so hjndftk selbige ni«^ ^ Lobmlon tÜrusoe. 179 ach her ersten Gelegenheit zu bedienen und so H wohl vsuihren Weibern und Mindern weg zu gehen, als selbige in dem Elend zu Verlassen H »nd anderezu heyrarhen. Ran man da sagen, mein Herr, fuhr nein wenig erhitzt fort, daß die L Göttliche Ehre bey einer so unrechtmäßigen ^ Zr-yheit nicht leyder? Glaubet ihr, daß, s-lan- ^ gedieseunzulaßige Macht bestehet, des Him- ^mels Geegen eure Bemühungen begleiten werde, sie mögen gleich an sich selbst, und eure ^ Absicht noch so gur seyn als sie wollen? Blei« Z becs nicht allemahl gewiß,daß diese Leute,wel- ^ che eure Unterthanen,und euremwillen gäntz- ^ lich unterworfen sind, aus eurer Vergünsti. - gung in einer öffentlichen Hurereyleben. ^ Ich gestehe, daß ich über die Sache ersthrack, so bald mir die Gründe meines Ordensmanns die Augen wegen deren Abscheulichkeit eröffnet hatten; ich de- ^ griff alsofort, daß es wäre leicht gewesen selbiger vor- ^ ja kommen, ob schon keine geistliche Person vorhanden ^gewesen. Man durffte nur einen mündlichen Lon- ULÄ m Beyseyn einiger Zeugen machen,solchen durch ein gewisses Zeichen, darüm man sich einmüthig vergleichen können, bestätigen, und die Männer undWci- ^ der verpflichten einander niemahls zu verlassen, und ^ mir gesammrsr Hand ein wachendes Auge über ihre ss Kinder zu haben/und diefts wäre in den Augen GOtt tes ausser Zweiffel eine rechtmäßige Heyrath gewesen; ^ Vecfvlglich war es eine Nachläßlgkeit, die nicht zu ^ vergeben stund, daß man nicht aufein so leichtes Mit- / lei gedacht hatte. M Ich vermeyme meinem jungen Pfaffen das Maul ' M L ^ r 8o Leben des Engellanders zu stopffen, wenn ich ihm sagte, daß alles diestsHH ä ner Abwesenheit vorgegangen, und daß diese Leute D schon so lange Zeit mit einander gelebet hätte», falls nun ihre Verbindung unter einander nichts anders als ^ den Namen der Hurercy verdienete,so wäre dawider kein drittel. Z Ich bitte euch um Vergebung wegen meiner -ii, Freyheit , gab er mir zur Antwort, ich sehe /i wohl, daß ihr recht habet zu behaupten,daß ihr Ä! nicht könnet an demjenigen, so in eurer Abwe- ^ senheit hier geschehen, schuld seyn; Allem W schmeichelt euch nicht, ich bitte euch, als wäret D ihr nicht schlechter Dings gehalten, alles, was ^ hier unziemlich und unrechtmäßig Gaus ei- ^ nen andernFuß zu seyen. Niestet VasVergaN- ^ gene bey, wem ihr wollet, alles aber was kanfß ^ rig mangelhaffc ist, wird euch auf dem Halße ^ Liegen, weil ihr der Herr seyd, und es bey euch ^ siehet allem, was in dieser Sache jundlich ist, ^ abzuhelffem ch Ich gestehe zu meiner Schande, daß ich so dumm -u war und meinen Mönch noch nicht verstund, sondern ch mireinbrldete, daß seine Absichtware, ich solle sie M ^ einander scheiden, daher antwortete ich ihm, daß,wenn ^ ich meine Sachen si> anfienge, solches das wahre Min ^ tel wäre die gantze Lolonle um zu kehren. ^ r7lein,nein, mein Herr, gab ermir zur Antwort, A «nein Vorhaben rjk nicht, daß ihr diese Paare ^ Voneinander scheiden sollet, sondern daß ihr verschaffet, daß sie einander rechtmäßig hey« ^ rathen, und weil es würde schwer daher gehen sie dahin zu bringen, daß ihnen meine Art sie;» ^ Kobinkon LruloL vermählen anständig wäre, ohnerachtet solche nach den Gesehen euers Vaterlandes gültig ist, so achte ich euch vor GOtt und Menschen be- fuZtdastelbrge,vermittelst eines LoncraLl-,. der von den Männern und Meldern, in Gegen-' wart aller Zeugen, die steh in dieser Insul befinden können, unterschrieben, selbst zu verrichten. Ich zweiffele nicht eine dergleichen-Hey- rach werde bey allen Europäischen Völckern für rechtmäßig gehalten werden. Ich war voller Verwunderung da ich in seiner Rede st viel wahre Frömmigkeit, einen so aufrichtigen Eifer, und eine so großmüthige Unpartheylich>keit in Ansehung des Vortheils seiner Kirche, ja eine so brennende Begierde für die Wohlfarth dieser Leute fand, welche er doch nicht einmahl kannte, geschweige, daß er die geringste Gemeinschafft mit ihnen haben solte. Ich kan sagen, daß ich niemals eine grössere und zärtliche- reLiebe gesehen habe.Jndem ich nun sonderlich darauf mercktewaser wegen des Mittels solche selbst zu vermählen gedacht, und wohl wüste, wie weit dasselbe gültig wäre, so sagte ich zu ihm, daß ich in allem, war ersetz» gesagt, mit ihm einig,daß ich wegen seiner großmütigen Liebe ihm danckte, und daß ich diese Sache meinen Engelländern vortragen wolte. Doch sahe ich nicht, daß sie den geringsten Scrupel finden solten sich von ihm selbst verheyrathen zu lassen, mdem sie wüsten, daß es in Engelland eben so gültig wäre, als wenn sie durch einen ^nZIicanischen Priester copullret worden. Man wird aus der Folge sehen, wie diese gantze «Lache ablieff. 3ch drang hiernechst auf ihn mir seine andere Be- M z schwc« I i? 1 82 Leben des Engelländers schwerung zuenldecken, unddanckte ihmäüffdasbe- ^ sie vor das Licht, welches er mir bey dem ersten Arki- ^ ckel gegeben. Er sagte ui mir, daß er es mit eben der AuffrWg- ^ keit thun würde, weiter versichert lebte, ich würde sei- ches nicht übe! nehmen. A> Diese andere Straff * Predigt hatte zur Materie die nicht zu entschuldigende Nachlaßigkeit der Engel- lander, welche sieben Jahr, mit ihren Weiberngele- bet, selbigen Englisch reden und lesen gelernet, auch M Nachsinnen und Verstand an selbigen gespüret hat« D ten, dennoch niä)t waren bedacht gewesen selbigen ein K Wort von der Christlichen Religion, von dem Wesen ^ eines einigen GOttes, und der Art demselben zu die- ^ nen, bey zu bringen, geschweige daß sie selbige gründ- ^ lich hatten unterrichten und sie von der groben unge- ^ reimten Sache ihrer Abgötterey auff bessere und rich- ^ tigere Gedancken bringen sollen. W Er hielt diese Nachlaßigkeit vor eine grosse Übel- l,» that,davon sie nicht allein vor GOttes Richter-stuhl ^ würden Rechenschafft geben müssen, sondern daß ft ^ vielleicht auch aus gerechter Straffe nicht fernereGe- ^ legcnheit solche Scharte aus zu wetzen finden dürffttn; ^ indem ihnen GOtt ihre Weiber, deren Seeligkeir er ^ ihnen anvertrauet, leicht weg reissen könte. , tzu Ich bin versichert, fuhr er mit grossem Eifer ^ fort, daß, wenn sie wären gezwungen worden ^ unter den wilden zu leben/von denen sie ihre ^ Weiber bekommen, diese Götzen - Diener stw .' mehr würden bemühet haben sie zu desTew , fels Dienst zu bewegen, als sie bekümmert ge- ^ wesen ihren gefangenen die Lrkänmiß EDt- ^ LobmKm Trulo^. --kt ^'S-- ' - k^- r8r t«s bey zu bringen. Ob wir wohl nicht von einerley Religion sind, fuhr er fort, so sollen wir doch als Thrrsten erfreuet seyn die Sclaven des Teufels in den allgemeinen Grundsätzen des Christenthums unterrichtet, selbige einen GOTT bekennen, einen Erlöser, eine Auferstehung, ein künftiges Leben glaubenzu sehen, welches faLehren sind, darinnen wir alle eins sind- Zum wenigsten waren sie alsdenn der WrchrenRLrche naher, als feyo, da sie öffentliche Abgötterey treiben und dem Teufel dienen. Weil ich nun der zärtlichen Neigung, welche die «leuchtete Tugend dieses redlichen Menschen in mir gegen feine Person würckte, nicht länger wiedersieht» konte,so schloß ich denselben wohlmcynend in meine Arme und sagte zu ihm: ".Wie weit bin ich nicht entfer-,, net gewesen dasjenige, was das Wesentlichste in den,. Christlichen Tugenden isi, und in der Liebe der Kir-„ cheJEjii CHrisii und des Nähesien Heyl bestehet,,, recht zu erkennen. In Warheit ich habe bißhero,, den ^bsr.iLkcr eines wahren Christen nicht gewußt.,, Redet nicht also, mein lieber Herr, antwortete er mir, ihr habt au allen diesen ZTlachläßigkeiten kemeGchuld. "Es isiwahr, erwiederte ich,,, allein ich habe dergleichen Sachen nicht so, wie ihr, zu,, Hertzengenommen.,, EsistnochZeit,versatzteer, allen diesem Unrarh ab zu helffen, seyd also nichtso fertig euch selbst zu verdammen. "A- der was soll ich machen, sagte ich zu ihm, ihr wisset,, daß meine Reise keinen Verzug leydet. wolan, „ antwortete er mir, wollet ihr mir vergönnen mir diesen armen Leuten zu sprechen? "Von gan-„ M 4 tzery ,84 Leben des Engelländers ^ „tzcm Herhen, sagte ich zu ihm, und WÄ nicht InM. ^ ^lassen alles, was ihr zu ihnen sagen werdet, nritmci- „nem Ansehen zu unterstützen.,, Was dieses an« <7 langet, Versatzteer, mästen rvik sie der Gnade ^ ILsuLHrisii überlasten. Unsere Pflicht go her nur dahin selbige zu unterrichten, zu er« ^ mahnen,und aufzumuntern; wenn ihr rvsk ^ so gut seyn und mich machen lasten, und der ^ Himmel so gnädig ist meine schwache Bemü- ^ hungen zu segnen, so verzweiffele ich nicht die« ^ seunwrstettde Seelen in den Schos -es Chrü ^ sienthums zu bringen, und zu verschaffen, daß « sie dieHaupt-Artickel darinnen wir alle über- Ä einkommen, annehmen. Ja ich hoffe gar, daß N mir dieses unter derZeit, da ihr nochin der)n- M sul seyd, gelingen soll. Darauf bat ich ihn zu dem dritten Punct zu schrei«- L« ten, darvvn er mir, seinem Erbieten nach, gleichfalls Ztz Nachricht geben wollen. Dieser Punct ist eben Mir, von der Art, sagte er zu mir. Er betrifft eure ac- M me wilden, die, vermöge des Rriege - Rechts, M so zu sagen, eure Unter thanen geworden find. -M Es solte aber diese Regel von allen Christen, ch von was für einer Gecre sie seyn möchten,ange« ;Z, uommen werden, nemlich daß die Erkänrniß H unserer heiligen Religion durch alle mögliche ^ Mittel, und bey alle» ersiunlichen Gelegenheü ten ausgebreitet werden soll!- Aus diesem principio schickt unsere Rirchr ^i!ssionLriv 8 inPersien,Indien, China, und um ^ sere Prälaten selbst willigen in gefährliche ^ Reisen, und unrerBarbarn und Mördern zu ^ rvoy« k obinlon Oruloe; -85 ivohnen um selbigen die Erkänrniß GGttvs zu lehren, und sie in den Gchos der Christlichen Kirche zubringen. Hier habt ihr zu dergleichen K.lebes - Merck die Gelegenheit in Händen: Ihr könnet sechs oder sieben und dreysi stg arme Milde von dem Götzendienst ab-und zu GGtt ihrem Schöpffer und Erlöser führen. Rönret ihr wohl versäumen ein dergleichen Mittel eure Gottseeligkeit zu üben, und ein gmes Merck zu thun, darum sich es wohl der Mühe verlohnet/ daß ein Christ seine ganyo Lebens - Zeit drauff wende. Diese Worte machten mich vor Verwunderung stumm, und ich hatte ein grosses Vergnügen ein wahres Muster Christlichen Eifers vor meinen Augen zu sehen; Diebssonderen Meynungen dieses ehrlichen Manns mochten sonst beschaffen seyn wiesiewoltcn. Ich gestehe, daß mir ein solcher Gedancke niemahls war in den Sinn gekommen, und ohne ihn wäre ich vielleicht mein Lebelang unfähig gewesen dergleichen zuüberkommen: Ich sahe diese Wilden als nichtige Sclaven an, welche wir auf diese Maße hatten gebrauchen können, wenn wir etwas gehabt, daran wir ihre Dienste nutzen mögen, und die wir, in Ermangelung besten, nur weg zu schaffen, und anders wohin zu bringen selten bedacht seyn, wenn sie gleich nimmermehr ihr Vaterland wieder zu sehen bekämen. Indem nun die Verwirrung meiner Gedancken ss lange währete, daß ich nicht im Stand war, ein Work auf seine Rede zu antworten, so merckte er meine Unruhe, sahe mich darauf erschafft an, und sagte zumir: Es würde mit hertzUchleyd seyn wenn ich die M 5 gering- 18 6 Leben des EttgellLnders ^ geringste Redens-Artausgestosien, die euch^ leidigen konnte. „In der 2hat, antwortete ich ^ „ihm, ich bin erzürnet, allein wider mich selbst. M E „schäme mich, daß ich niemahls mir dieses vorgestellet 2 „und hiernechst nicht weiß, wozu die Känntniß,welche „ihr nur anietzo darvon mittheilet, dienen kan. ' E „Ihr wisset, fuhr ich fort, in was für einem Stau- ^ „deich mich befinde. Das Schiff, darinnen ich bin, „ist nach Indien bestimmt. Solches ist durch best«. ^ „dere Kauffleute ausgerüstet worden, und daher wür, „de eseine sehr grosse Unbilligkeit seyn, wennmansich ^ „langer hier damit auffl-ielte, indem man weiß, daß die ^ „Lebens-Mittel, welche die aufzehret, be- „nebst dem Sold, den sie bekommt, die Kauffleute in ^ „unnöthige Unkosten bringt. Es ist wohl wahr, daß „ich mires ausgedinget, daß ich zwölff Tage hier bleu ^ „den möchte, und wenn ich mich länger da auffhielt, ^ „daß ich alle Tage drey Pfund Sterling bezahlen „walte; Allein auch da ist es mir nicht verffönntmein W „Hierbleiben weiter als auffacht Tage zu verlängern. G „Verfolglich ist es mir unmöglich ein solöblichesVvr- „haben anzugrciffen, es sey denn, daß ich leydenwvb „te, daß man mich von neuem in der Jnsulliesse, und ^, „mich in Gefahr zu setzen beliebte^ wenn es dem Schiff W „übelgelänge auffder Reife, meine gantzeLebens-Zeit G „hier in eben demZustand ungefähr zu bleiben,aus web ^ l< „chem mich die göttliche Vorsehung so wunderbarer „Weise geführet hat. W Er gestand mir, es würde mich viel kosten, wermich H dieses Unternehmen vollziehen wölke, er stellte es aber ü,; meinem Gewissen anheim, ob die SeekAkcit so vieler tzl Personen sich nicht der Mühe verlvhncte, daß «eh alles wagte, kobinlon Ouloe. r»i, i>Ä ry- !i-°. -XjX ,^'I X7!5 7 c! rs A!> 187 wagte, was ich aussder Welt hatte. Weil mein Hertz aber von dieser Warheit nicht so wie seines ge- rühretwar, so jagte ich zu ihm: „Ach bin mit euch eins, „mein Herr, daß es etwas sehr rühmliches ist ein In- „strument in der Hand GOtteszu seyn', sieben und „dreyßig Heyden zu der Erkänntniß CHristi zubekeh- „ren. Allein ihr seyd ein Geistlicher, euer besonderer „Berufftreibeteuch von Natur auffdiese Seite, und „ich wundere mich,daß, an statt mich darzu zuermah- „nen,ihr selbst nicht bedacht seyd es zu unternehmen. ^ Bey dieser Rede blieb er auff einmahl stehen, trat vor mich, und indem er einen liessen Reverentz machte, sagte er zu mir: Ich dancke GGttund euch, mein Herr, daß ich zu einem so vortrefflichen werck eine so offenbare Vocarion bekomme, wenn ihr glaubet, daß ihr euch, wegen des Zustande» darinnen ihr seyd, entbrechen könnet Hand dar- anzulegen, und mir dißfalls trauen wollet, so will ich es mitgröstcm Vergnügen angreifst», und glauben, daß mir alles Unglück meine« betrübten Reise völlig ersetzet worden, indem ich michzu einem so rühmlichen Werck gebraucht sehe- . Währender Zeit da er dieses sagte, erblickte ich in den Geberden seines Gesichts gleichsam eine Verzückung ; seine Augen strahieren mit neuem Feuer, seine Backen waren roth, und diese Farbe vergieng und kam wieder, wie man siehet, daß es einem Menschen wiederfähret, der von mancherley ^Keclen bewegt wird. Ich schwieg eine Weile still, weil ich keine ge, schickte Redens-Art finden mochte meine Gedancken vorzubringen, ich war äusserst verwundert an einem Menschen 188 Leben des Engelländers ^ Menschen so viel Eifer, und soviel AuffrichtigkeitH 4 Heu, und zwar einen Eifer, der sich so weit über die ^ Grösse des gemeinen Eifers der Leute von seiner kw- ^ 5ession> ia aller andern Christen erstreckte. ^ Nachdem ich einige Zeit nachgesonnen hatte, frag- ^ te ich ihn im Ernst, ob dieses seine rechte Meinung wa- « re, und ob er sich würcklich entschlossen sich vielleicht seine ganhe übrige Lebens - Zeit in diese Wüste einzu- ^ schliessen, bloß die Bekehrung dieser Leute zu unter- ^ nehmen, und ob er fähig dieses zu wagen, ohne gewis« ^ se Hoffnung zu haben, ob es ihm in diesem Merck auch ^ gelingen möchte. ^ Was nennet ihr steh wagen, antwortete er mir ^ nachdrücklich: saget mir, ich biete euch, in was ^ für einer Absicht habe ich den Entschluß ge« ^ nommen euch nach Indien zu folgen ? „Davon ^ „weiß ich nichts, sagte ich zu ihm, es wäre denn,daß es ^ „deswegen geschähe, damit ihr den Indianern dasEv- " angelium predigen möchtet. Ihr habt recht gna- ^ then, antwortete er mir, und wenn ich die sieben « und dreyßig Leute zudem Glauben an LHri- E sium bekehren katt, dencket ihr denn, daß ich meine Zeit werde nicht wohl angewendet ha- ^ den, wett» ich auch gleich hier solre begraben werden ? Das Heyl so vieler Seelen ist nichtal- lein mein ganyes Lchen werth, sondern auch zwanyig anderervon meiner ?ro5elIion ihre.Ia, H fa mein Herr, ich würde allezeit LHrLstrrmIE- ^ sum und die Heil. Jungfrau loben, wenn ich ^ köntedasgeringsie Instrument derSeeligkeik so vieler Seelen seyn, wenn ich schon mein Va-- ^ eerland niemahls wieder sehen solre. Weil ihr ^ kobinlon Ouloe. 189 mir aber die Ehre thun und mich zu diesem hei- ligen Werck gebrauchen wollet, darvor ich al- ^ ie Tage meines Lebens für euch bitten werde, ^ so hoffe ich, ihr werdet mir eine Gnade, die ich A von euch begehren werde, nichrversagen, nein- N lich daß ihrmirFreyragen dalajstn wollet, da- mit er mir beystehen und zum Dollmetscher ^ dienen könne, denn ihr wisset, daß ohne einen «!» solchen Beystand mir es unmöglich ist ein Ge- «ae ssrachmir diesen armen Leuten anzufangen, ick Ach erfthrack fthr über dieses Begehren ,weil ich mich aus vielen Ursachen nicht entschlieffeukonte, mich l.n von diesem treuenBedienten abzusondern. Er war auff M, Mn meinen Reisen mein Gefährte gewesen; Er war s i, nicht allein sehr auffrichtig,sondern liebete mich zugleich mit aller möglichen Zattlichkeit, und ich hatte befthlos- sen, etwas ansehnliches auf die Vestsetzung seines Glücks zu wenden, wenn er mich überlebte, wie es sehr ^ iu vermuthen stund. Wie ich ihn über dieß die proce- lbrende Religion hatte annehmen lassen, so kam er A dainGefahr nichtmehrzu wissen woran er.sich hal- 77' ten solle, wenn man sich bemühet hatte ihmandereGe- 77 dancken bey zu bringen. Ich war gewiß versichert, ^ daß, wenn man ihm gleich vorschwatzte, was man wol- te, er nimmermehr glauben würde, daß sein guter ^ Herr ein Ketzer wäre, und verdammt werden svlte. Ja t ^ dergleichen neue Unterrichtungen hätten gerade kvn- nen das Mittel seyn, ihn dahin zubringen, daß er sei- den Grund-Sätzen dcnKauff anssgesa^t hätte, und !.'!* Mieder in vorige Abgötterei) verfallen wäre. Ein Gedancke aber, so mir plötzlich emkam, mache temich ruhig ; ich sagte meinem Ordens.Mann, daß ich 190 Leben des Engellanders ich nicht anffrichtig sagen kvnte, daß ich bereit wäre Freyragen weg zu lassen, aus was für einer Ursache es auch seyn könte, ohnerachtet ich natürlicher Weise mir nichts daraus machen solte einen Bedienten dieser Liebe aufzuopffern um deren willen er sein Leben selbst auffetzte; Was mich am meisten darvon abwendig machte, wäre der veste Glaube, daß Freyrag nimmermehr zufrieden seyn würde von mir wegzugehen, und daß ich ihn ohne eine grosse Unbilligkeit nicht dar- zuzwingen kvnte, immassen es eine abscheuliche Hurtigkeit seyn würde, wenn ich einen Menschen vv/mir weg thät, der sich willig und ordentlich verpflichtet hatte mich niemahls zu verlassen. Diese Antwort machte ihn sehr verwirrt: es war ihm unmöglich diesen armen Leuten seine Gedancken zu eröffnen, Massen seine Sprache vor sie so unteutsch,' als ihre vor ihn war. Diesem Unfug abzuhelffen sagte ich ihm, daß Freytags Vater das Spanische gelernet hätte, welches er auch selbst verstände, und daß also dieser gute Alte ihm zum Dollmetschen dienen könte. Mit dieser Eröffnung war er sehr wohl zufrieden, und nunmehro war nichts fähig ihn von diesem Vorhaben abwendig zu machen, allein die göttliche Vorsehung wendete diese Sache anders, und ließ sie durch ein ander Mittel angehen. Als wir bey der Engelländer Wohnung angelanget, ließ ich sie alle zusammen kommen, und nachdem ich ihnen alles, was ich selbigen das Leben angenehm zu machen gethan, und darvor sie eine grosse Erkenntlichkeit blicken liessen, vor Augen gestellet hatte, sicng ich an mit ihnen von dem ärgerlichen Leben zu reden. -B ^ . Robinson Lrulöe. ly: ^ ^ — .. -as sie führten;. Ich sagte zu ihnen, daß ein Geist! i- , ^ cher von meinen guten Freunden dasslbe schon betrach- ^ ttk hätte, und daßer ihr Verhalten jundlich undgott-- ^ loß hieß. Ich fragte sie hernach,, ob sie verhevrathet gewesen,oder nicht,als sie diese schändlicheVerbindung unternommen hatten. Sie antwortet«» mir, daß ^ zwey unter ihnen wären Witkwer, und die andern 'Nr. noch ledige Kerl gewesen. Ich fuhr fort sie zu fragen, ^ vb sie mit Gewissen hätten mit diesen Weibern Ge- meinschafft haben, selbige ihre Frauen nennen, und ' 7^ Kinder mit ihnen zeugen können, da sie nicht rechtmäf- fig verheyrathet gewesen wären? Sie antworteten mir, wie ich mich dieses wohl ver- sehen hatte, daß niemand dagewesen, der sie copullren 77. mögen, sie hatten sich aber vor dem Oouvemeur ver- 77 pflichtet selbige als rechtmäßige Weiber zu nehmen, und, ihrer Meinung nach, wäre diese Heyrakh, bey da- -7.-.' mhligcn Umständen eben so rechtmäßig, a!s wenn sie 7^ vor einem Priester, und mit allen erforderten Ceremo- ^ ruen geschlossn wäre. ^ Ich gab ihnen zur Antwort, daß sie, in Ansehung . GÖttes, allerdings würcklich verheyrachtt, und von Gewissens wegen gehalten wären ihre gefangene -'7 Frauens-Personen, als ihre rechtmäßige Weiber zu betrachten. Weil sie aber nicht nach den weltlichen ':7s Gesetzen verheprachet wären, so könten sie, wenn sie »Volten, über eine solche Heyrath lachen,und ihre Wei-- M der und Kinder verlassen, welclsis ihre nnglücklicheFa- milien in einen beweinens - würdiget^ Zustand sitzen, M> ohne Vermögen und Freunde lassen würde. Des- ^ wegen könte ich vor sie nichts thun, dafern ich nicht ih. m guten Absichten überzeuget würde, sondern ich inüßke IyL Leben desEttAellanders mäste meine ganhe Müdigkeit auf ihrer Kinder S^e ^ richten. Ich sagte ferner ru ihnen, daß wenn sie mich 5 nicht versicherten, daß sie bereit waren diese Weiber m L heyrathen, so könte ich sie in keiner sündlichen und är, gerlichen Vereinigung beysammen lassen, wett solche 2 ausser Zweiffel den Segen GOttes von ihnen entfer, ^ nete- nahm darauff das Wort für die an« E^ demund gab mir zur Antwort, daß sie ihre Weiber e, ^ den sosehr liebten, als wenn selbige in ihremBaterlan- ^ dc gebvhren waren,und daß sie niemahls etwas bewe- ^ gen würde selbige zu verlassen; daß was ihn insonder, * heit betraffe, wenn man ihm gleich anböthe ihn wieder ^ nach Engelland zu führen und ihm das (lomnumäv ü, berdas allerschönste Kriegs-Schiff von der ganhen ^ Flotte zu geben, er solches dennoch abschlagen würde, D es wäre denn, daß man ihm vergönnete stine Familie mit zu nehmen, und wenn ein Geistlicher im Schiff Ä wäre, wolte er sich von gantzem Hertzen denAugenblick verheyrathen. ^ Äm Das war gleich was ich haben wolte: der Prie- sterbefandsichdamahls nichtbey mir, aber er mr nß», nicht weit. Ach antwortete ^clrins. daß ich würck« H lich einen Geistlichen bey mir hatte, und daß ich sie den !vj andernTag mit einander copuliren lassen wolte,drum H dürffte er sich nur mit seine n Cameraden deswegen be- ßP reden. Mich anlangend, verfaßte er, ich brau« che keine Überlegung, ich bin bereit, wenn V E cher in der Mitte mit einerGattungBinden zusammen ^ gegürtet war, daher er einem Geistlichen in leichter ^ Kleidung nicht ungleich sahe. Uberdiß zweiffelten sie nicht daran, so bald sie seine 6ravität sahen, und hiernechst des Scrupels innen !t^ wurden, welchen er sich machte diese Weiber zu copu. ^ Iiren,ehe sie gemusst wären, und die Christliche Reli- iÄ gion angenommen hätten. Diese Zärtlichkeit des A Gewissens erweckte bey ihnen eine ungemeine Ehrer- O bietunggegen seine Person. Mich anlangend, so fieag D ich an zu fürchten, er möchte mit seinen Skrupeln so M weit gehen und sie gar nicht verheyrathen ; Es war ßn> Umsonst, daß ich ihn auf andere Gedancken bringen H wvlte, er widerstund mir mit beherhtem Muth, wie M wohl mit Bescheidenheit; und endlich wolteergar k»nt! nicht weiter gehen, bevor er so wohlden Männern als dch den Weibern deswegen zugeredet hätte. Anfänglich m kam es mich sauer an darein zu willigen, endlich aber m gieng ich es ein, weil ich die Aufrichtigkeit seiner Ab- W 'ficht sahe. ^ chz Er sagte ihnen gleich anfangs,daß ich ihm von ihrem W Zustand und Vorhaben Nachricht gegeben hättezdaß ch, er sehr verlangte diesem Vergnügung zu leisten , und ^ fie zu co^uliren, wie sie es wünschten. Ehe er dieses ^ aber thäte, müfte er allerdings eine ernsthaffre Unter- H redung mit ihnen haben,und sagte zu denselben: Nach W den ordentlichen Geseyen der Gesellscbasst hadt ihr hißtzer W esnek MZvlaßiZey Gemein- ^ Kvbmlon 6rukös? 195 Ä «q yitz rfss rU schafft mir einandergelebet, und es findet sich mckrs als eine rechtmäßige Heyrarh oder eine Scheidung/ das vermögend wäre eurem fund« liehen Verhalten eine Endschaffc zu machen. Allein es ist noch eine andere Schwierigkeit Vorhanden, welche die Gesetze des Christen- chums betrifft, und es ist mir nicht erlaubet Christen mit Wilden, Götzendienerinnen und Heidinnen, welche die Tauffe nicht empfan- tauffenzu lasten, und das Christenthum anzunehmen, davon fie vielleicht niemahls Habens reden hören, welches denn ihre Tauffe unmöglich machte Ich glaube, fuhr er fort, daß ihr selbst gar schlechte Christen seyd, und daß ihr wenig Er- käntniß von GC>tt und seinem wegen habt: Dahero fürchte ich sehr ihr werdet euern ar* men Weibern nicht viel sonderliches davon gesagt haben, wenn dieses ist, so fällt mir es unmöglich, euch zu copuliren, wenn ihr mir nicht zusaget, daß ihr alle eure Bemühungen anwenden und eure Weiber überreden wollet unsere heilige Religionanzunehmen, und selbige nach euerm Vermögen zu unterrichten; Denn es läufst den Grund-Sätzen des Evan- gelii schlechter dings zu wider, Christen mir wilden zu verbinden; und mir würde es sehr lryd seyn, wenn ich mein Gewissen mit einer solchen Sache beschweren solre. Sie hörten diese Rede mit grosser AuffmerWm, N - keik i §6 Leben des Erigellandorv kcit an, und ich überfahre ihnen dieselbe von Wort zu ^ Wort, so viel mir es möglich war. Wenn ich etwas ^ von meiner Art darzu thäte ihnen die Richtigkeit der ^ Schluß-Reden des Priesters beyzubringen, so war ich sehr besorgt seine Worte von meinen zu unterscheiden, Sie antworteten mir, daß der redliche Mann recht A hätte, wenn er sie beschuldigte, sie wären selbst gar ^ schlechte Christen,und daß es sich der Warheit gemäß O verhielt, daß sie mit ihren Weibern niemahls von der ^ Religion gesprochen hätten. Lieber GGrr, sagte A Wilhelm ^ckin8> wie solren wir unsere Meibcr in der Religion unterrichten, wir verstehen selb st nichts darvon. Merdrß wenn wir mit ihnenvon GDtt, von^EsuCHristo, von dem ^ -Himmel, und von der Hölleredenwsltonwür- den wir sie nur zu lachen bewegen; und sie ckK dürfften uns fragen, ob wir diß alles selbst glaubten? wenn wir ihnen antworteten, daß g»! wir es würcklich glauben, und daß wir verst- M chcrt stnd, daß der Himmel vor di« Frommen ml sty, und die Hölle der Bösen Antheilwerden W soll, so würden stesuns fragen, wie es uns gehen würde,uns,die wir so grosstTauge-nichrs sind. »ds Geher ihr, mein Herr, da ist schon mehr da als H es braucht, ihnen unsere Religion zuwider zu >» machen sobald ste nur davon werden redenhv- «! ren. Man muß selbst Religion haben, wmn ^ mananderedarinnen unterrichten will. "^t- ^ „kius, antwortete ich ihm, ich fürchte sehr, daß alles, D „was ihr jetzo gesagt habt, mehr als zu wahr sey, das ^ „hindert aber nicht, daß ihr euerm Weibe einige Vor- ^ „bildungen von der Religion geben könnet; ihr möget H kobinlon OuloS.. 197 ihr ja wohl sagen, daß ein GOtt,und eine bessere Re-„ ligivn als ihre sey; daß ein allerhöchstes Weftn fey,„ welches alles geschaffen hat, und alles zu nichte ma-» chenkan. Daß es die Frommen belohnet, dieBö-,, ftn hingegen straffet, und daß uns dasselbige alle nach,, unserm Verhalten richten wird. Ihr möget so um,» wissend seyn als ihr wollet, so solleuch doch die Natur,, filbstdiese Warheiten gelehret haben, und ich bin,, versichert, daß ihr hiervon gäntzlich überzeuget seyd.,» Ihr habr recht, sagte aber rvie werd« ich dürften so kühne seyn und dieses alles meiner Frau sagen? sre wird mir gleich antworten, daß an allen diesem nicht ein Wort wahr fty. "Kein Wort wahr, antwortete ich ihm trotzig,„ was gedcncket ihr dadurch zusagen?,, Ja, mein Herr, sie wird mir sagen, daß alles dieses nicht seynkan, und daß es unmöglich, daß GOkt irr ftinen Vergeltungen und Straffen gerecht sef, weil ich nicht gestrafft und dem Teuffel verlangst übergehen bin/ich der da so viele Merkmahle der Bosheit, auch meiner Frauen selbst, und allen Personen, mir denen ich etwas umgegangen, har blicken laßen. Sie wird nimmermehr begreiffen, wie mich GGtt noch karr leben lassen/ nachdem ich stete aüfeine Art, die demjenigen/was ich ihr wie die Tugend, und die Regel meiner Handlungen vorstellen soll, schnurstracks zu wider gelauffen, verfahren habe." Gewißlich, ^rkms, ich stehe in grossen Furchten, daß ihr recht habet,,» und indem ich mich zu mei- »ernGeistlichen wandte, unv hiernechst sehr begierig N ? war 198 Lebendes Engelläuderv ^ war den Erfolg unsers Gesprächs zu wifftn so mach- ^ te ich demselben Willhelms Antwort kund. E, Hörer dock/ mein Herr, sagte er zu mir, spreche ^ zu Lrkins, daß ick ein ffcheres Mittel rveißwel- ^ ches ihn zu einem vortrefflichen Prediger für seineFrau machen kan,dasist wenn er 6ch selbst bekehret: Denn man muß warhastrig Reu ^ und Leyd tragen wenn man von der Reue mir ^ Nutzen predigen will. Wenn er seine Vorige ^ Sünden mir einem reckt zerknirschten Gemüt ^ ansehen kan/ so wird er tüchtiger als jemand ss seyn seine Frau zu bekehren. Alsdenn wird er geschickt seyn dieselbe zu überreden, daß GGtt, W in Ansehung des Guten und desBösen, ein ge- F rechter Richter iß; allein daß eretn barmher- O yiges Wesen sey, besten unendliche Güte und H Gedulc die Straffe des Schuldigen verschie« K de und chm Zeit gebe seine Zuflucht zu seiner U Gnade zu nehmen; daß er den Tod des Sän- Ä, ders nicke will, sondern daß er sich bekehre und «, lebe; ja sogardaßerdultet,daßesdenabscheu- H lichsten Ubelthäcern lange Zeit in ihrem bösen Fürnehmen glücke/und daß er sich derenGrraft ^ fe ins künffrige vorbehalte; daß dieses ein es- M fenbarer Äeweiß eines zukünfftigen Lebens ist, daßoffk die tugendhaffcen Leute ihre Be, ^ lohnung/ und die Bösen ihre Straffe erst in der ^ andern Welt bekommen. DieseZZetrachtUNg wird ihm eine natürliche Gelegenheit geben seiner Frau die Lehre von der Auferstehung, ^ und dem jüngsten Gericht zu lernen. Ichs«' ^ Je nochmahls/er bekehre sich selber, und so ^ Lobinkon Lruloe. 159 denn bitt ich ihm gut vor seiner Frauen Bckeh- ^^iesen ganßen VisLvM erklärte ich dem ^ckias. welcher denselben mit einem sehr ernsthafften Gesicht anhörte, und von solchem ungemein gerühret schiene, indem er es kaum leiden mochte, daß ich solchen ganH zu Ende brachte. Ich weiß alles dieses, mein Herr, sagte er zu mir, und ich weiß noch mehr; allein ich werde nicht so unverschämt seyn und mit meiner Frau hiervon sprechen, weil ich weiß, daß GDkt,.mein Gewisien, und mein» Frau selbst wider mich zeugen werdsn, daß ich hiß hier her gelebt habe, als wenn ich niemals von GDtt,einem zukünftigen Leben und der- Z seuPete er sehr tieff, und ich Iahe seine Augen mit Thränen angefüllet. Ach mein Herr, fieng er wieder an, damit ist es aus, man muß darvon nicht mehr reden." Damit ist es aus ^ckin8, sagte ich zu ihm,was verste-,, het ihr dadurch ? Ich weiß wohl,was ich dadurch versiehe, antwortete er mir, ich null sagen, es isi nicht mehr Zeit, und das isi nur allzuwahr. Ich legte demPriester von Wort zuWort aus was >tkm8jeho gesagt hatte, und dieser eiferige Mönch, welcher, der besondern Meynungen seiner Kirche ungeachtet, vor anderer Leute Seligkeit so besorgt w«, daß es ungeräumt styn würde zu glauben, seine eigene wäre ihm gleichgültig gewesen, konte sich nicht enthalten einige Thränen zu vergießen. Nachdem er sich aber wieder gefaßt hatte, bat er mich^rLiu zu fragen, N 4 »b Soc> Lebendes Engelländere. ob es ihm lieb wäre, daß die Zeit seiner Bekchnm ^ verflossen, oder ob ihm solches zu Herhen gienge, und ^ ob er ernstlich wünschte, daß er hierinnen irren möchte. ^ was ist das für eine Frage! sagte ^ grosser Gemüths - Bewegung. Wie ist es möglich D daß ein Mensch vergnügt sey sich in einem ^ Grande zu befinden, welcher nicht änderst al» ^ durch ewige Straffe ein Ende nehmen kan? Es fehlet js weit daß ich mich darüber erfreuen A solte, daß ich sehr fürchte, die Verzweiffelung H werde mich einmahl dahin bringen, daß ich «! mir den Halß abschneide um die Furcht zu en- S digen, welche mir so tödtliche Unruhe verur- »i fachet. Der Mönch, welchem ich die traurigen Worte des 'M armen ^.rkins hinterbrachte, blieb einige Augenblick M in Gedancken,als er aber bald von seinem Nachsinnen G zurückkam, sagte er zu mir: wenn er sich wahr« M hafftig in diesem Zustand befindet, soversichert iiv ihn,d^ er noch Zeit hat sich zu bekehren, und td< daß JEsus LHristue die Reue in sein Hery sen- G ecken wird. Saget ihm zugleich, daß niemand is« selig wird als durch das Verdienst und den Hi TodIEsu LHristi, welche ihm Zutritt zu dem ^ Gnaden-Thron verschaffen, und daß es vrr- K folglich niemahls zu spät sey vor diejenigen, ^ welche aufrichtig LhreZuflucht dahiil nehmen. ^ rNeynet er, daß ein Sünder jemahls fähig sey tz, sich durch seine Ubelcharen von der Barmher> yigkeit GÖrres dergestalltzu entfernen, daß er ^ solche nicht weiter erreichen käme? Saget ihm ^ fernek, ich bitte euch, daß wenn es gleich wahr ^ war», llobmlon Oukoe.' 20 r ^ l ^ - tz) wäre, daß die Gnade GDtte», nachdem sie sich offt vergebens angeboten, endlich, so zu sagen, chjl müde würde, und sich von dem halßsiarrigen Sünderganylich wegzöge, so sey es doch nie» c? mahlszu spät selbige anzuflehen, und daß dir A Diener deeEvangelii einen allgemeinen Be- sihl haben allen denjenigen, die wahre Reue ^ und Leyd tragen, die GnadeimNamen IEsu ^ LHrisii zu predigen. Nachdem mir nun /ukms mit aufmercksamen Ohren, und einer gar ernsthafften Manier zugehvret, antwortete er nichts, sondern sagte zu mir, daß er hingehen und mit seinem Weibe reden wolte, und in dem Augenblick gieng er fort. Jmmittelst hielte ich eben diese Reden an die andern, und bemerckte, daß sie in Re- liZions,Sachen alle unwissend, ja recht dumm waren, nicht ein Haar änderst als wie ich, da ich meinen Bach ter verließ in der Welt herum zu lauffen. Gleichwol hörten sie mir alle mit sehr aufmercksamen Gesicht zu, kch und versprachen mir vest mit ihren Weibern zu reden, und nichts zu verabsäumen selbige dahin zu bewegen, daß sie dasChristenthum annähmen. Als ich daraus dem Priester ihre Antwort wiedersagte, sahe er mich lächelnd an, und indem er den Kopff schüttelte sagte er: wir, die wir LHristi Diener sind, können nichts thun als unterrichten, und vermahnen; und wenn die Leute unsern Unterricht anneh- nien^md zusagen demselben)» folgen, so haben wir alles gethan was wir zu thun fähig sind, und müssen mir ihren Verheissungen zu frieden seyn. Glaubet mir aber mein Herr, fuhr er iw, ) sort, dieser Ltkias vorige Übelcharen mögen be- > N s schaffen 2or Leben des Engelländers schaffen seyn wie sie wollen, so dencke ich den- Ä noch, daß er der emtzige unter dem Haussen ist, ^, der aufrichtige Reue tragt. Ich verzrveiffel« an den andern nicht, allein ich halte darvsr ^ daß diesem Menschen die Irthümer seines ver- gangen cu Lebens wahrhaffkig leyd sind. Dir- ^ semnach bin ich gewiß, daß, wenn er mit seiner ^ Frau von der Religion sprechen wird, er wird -7 anfangen sich selbst zu erst zu bekehren; Denn man lernet niemahls besser, als wenn man sich A bemühet andere;» lehren, und ich habe einen ^ Menschen von einer sehr übclen Aufführung gekann -, der nur ein gar gering Renmniß von Ü« der Religion harte. Derselbe ward ein sehr B guter Christ, indem er sich angelegen seyn ließ einen Juden zu bekehren. Wenn dieser arme /akm 8 einmahl anfangt mit seiner Frau von B IEsu CHristo zu reden, so wolte ich mein Le- den verwerten, daß ihn seine eigene Reden ein- Nt« pstndlich rühren, und er sich würcklich bekehren wird; woraus denn viel gutes folgen köntt. M Jmmittelst weil ihm die andern Engelländer zuge- W sagt, an der Bekehrung ihrer Weiber zu arbeiten, so «ck copulirte er sie indessen, biß /ttkir» mit seiner auch ka, ÜK rne. Er war aber sehr begierig zu wissen,wo doch die- Ä,i fer letztere möchte hingegangen seyn, und indemer sich «kj zu mir wandte, sagte er zu mir: Ich bitte euch hoch »itzj ltch, lastet uns aus eurenIrrgarren heraus und stzz spatzierengehen: ich bin gewiß, wir werden ^ den armen ^tlvins an einem Ort mit seiner Hrsu Hj Lm Gespräch, und bemühet antreffen ihr einige Lchren der Religion bey zu bringen. Ich war es kobmlön Ouloe l!-ükt >r«, ^Ütz ÄS, ^llü l!»!, !l«Ä! IW^ «uri «ik VkS -V ^5'' .Ai 'v! -i' es wohl zu frieden, und führte in einen Weg, der nur mir bekannt war, woselbst die Bäume so dick stunden, daß es von aussen schwer war zu sehen, was da vorging, wo wir waren. Als wir an die Ecke des Hol- hes gekommen, sahen wir ^rkins und seineFrau in des Busches Schatten und indem ernstlichsten Gespräch begriffen sitzen. Ich gab meinem Ordensmann hiervon Nachricht, und wir sahen ihnen einige Zeit auf- mercksam zuum aus ihren Geberdenvon ihren Vi5- courlen zu urtheilen. Wir wurden gewahr daß er selbiger mit dem Finger die Sonne, alle Seiten des Himmels, die Erde, das Meer die Wälder, sich selbst und seine Frau nach einander zeigte. Da sehet ihr, sagte der Priester zu mir,daß er ihr eine Predigt thue: Allem Vermuthen nach sagt er selbiger/ daß unser GOrt den Himmel/ die Erde, das NIeer und dergleichen gemacht hat. Gleich drauff sahen wir, daß er aufstund, auff die Knye nieder fiel, und die Hände gen Himmel reckte; wir vermutheten, daß er gantz laut redete, allein wir waren zu weit darvon, als daß wir etwas davon hätten vernehmen sollen. Nachdem er in dieser pslwur eine halbe Minute geblieben, satzte er sich wieder zu seinem Weibe, und fieng von neuem an mit ihr zu reden Wir sahen sie sehraufmercksam,vhne daß wir wüsten ob sie auch redete oder nicht. Währender Zeit da ihr Mann auf denKnyen lag, hatte ich wahrgenommen, daß auf des Priesters Backen häuffige Thränen flössen, und ich selbst hatte alle Mühe von der Welt mich desWei- rienö zu enthalten. Es war uns aber sehr leyd, daß es «icht Lebendes Engelländer» ^ nicht möglich war einige von den Worten seines ^ beths zu vernehmen. ^ M Gleichwohl wollen wir nicht näher hinzutreten, da- ^ mit wir ihn nicht störten, und wir vergnügten uns M gewissen Geberden, welche uns den Inhalt der Unter, M redung sattsam zu verstehen gaben. Nachdemersich ^ wie ich bereits gedacht,von neuem zu ihr gefitzt hatte,jo M. fuhr er fort mit selbiger auf eine sehr hrrhrührende D Art zu reden, bißweilen küßte er auch solche mitgrosser Zuneigung-Ein andermal sahen wir ihn ein Schnup. «ii Euch heraus nehmen, seiner Frauen die Augen ab- Ä trocknen, und selbige von neuem mit allgemeiner Freu, W den-Bezeugung küssen. Nach diesem sahen wir,daß er plötzlich aufstund, ihr die Hand reichte gleichfalls » auf zu stehen; und nachdem er sie einige Schritte von M dar weggeführet, fiel er wieder nebst ihr auf dieKnye, und blieb also einige Minuten. W Bey diestm Anblick war mein Freundseines Eifers « nicht mehr mächtig. Er schrye überkam, OH-Pau- H lus, H. Paulus, da birren fie GCree mit «man- der. Ich befürchtete ^ckin8 möchte es hören daher ^ bat ich ihn höchlich sich einige Augenblick zu mäßigen, H, damitwir das Ende dieses herzbrechenden Auftritts ^ sehen möchten. Ich hatte nie in meinem Leben einen gesehen» der bequemer das Hertz zubewegen und M ^ gleich angenehmer gewesen wäre. Mein Priester hielt in der That an sich, allein er gab durch alle seine ^ Geberden zu erkennen, daß er vor Freuden garih ent- ^ zückt wäre, als diese arme Heydin im Begriff stund zu ^ unserer heiligen Religion zu treten. Bald weinete er, ^ bald hub er die Hände gcnHimmel, bald machte er das Creutz vor sich, bald that er einige Stoß-Gebetlem ^ kobinlön (Ürulos. 225 L __ ! vor eine so offenbare Probe des wunderba- ^ renFortgangs unserer Absichten zu dancken; Biß- ^ weilen redete er sachte,bißweilen laut,und seine Danck- ^ M00ffrer,«^leiiv«c^yranenselne^Lrkmme vermag -ü sen, daß dasjenige,was er sagte,keinem deutlichen Laut A almlichwar. ^ Ach bat ihn von neuem höchlich sich zu beruhigen,da- mit wir alles, was vor unsern Augen vorgieng mir .Aufmercksamkeit untersuchen könten. Der Auftritt ^ war noch nicht zu Ende: Denn nachdem sie wieder ^ aufgestanden, sahen wir daß abermahl seine ^ Frau mit allen Kennzeichen eines sehr grossen Eifers ' ^ anredete. Aus ihren Geberden schlössen wir, daß sie ^ durch diese Reden sehr gerühret worden; sie hub ihre Hände auf, legte solche Creutzweise aufdie Brust, und geberdete sich sonst so, wie es ein bewegtes Hertz und Ä«' aufmercksames Gemüt zu machen pflegt. Alles die- eiM sts währte eine halbe Stunde nach einander, und da- it-r rauf giengen sie fort, also daß wir mit unserm Vov- wiß innen halte musten. Dieser Zeit bediente ich mich mit meinem Mönch zureden, und ihm zu sagen, daß mir dasjenige, was wir jeho gesehen,überaus wohl gefiel; und ob ich wohl in Ansehung solcher plötzlichen Bekehrung nicht eben gar zu leichtgläubig wäre, so glaubte ich doch, daß hier alles aufrichtig zugienge, die Unwissenheit des Manns und des Weibs möchten gleich beschaffen seyn mesie wvlte, so versähe ich mich doch eines glücklichen Endes Ä eines so beglückten Anfangs. " Was weiß man,,, A ßrgte ich, ob nicht diese beyde, vermittelstder Unter-,, ^ rich- ^ 1 - Los LebettdesGkgellattders ^ „richtung und des Exempels, die Bekehrung einigt, ^ „andern befördern werden. j,si Einiger andern! gab er mir eylfertig zur Ant- Wort, ja aller so viel ihrer find. Trauer mir biß. ^ falls/ wenn diese beyde wilden (denndfi. ^ Mann ist solches nicht viel weniger als die sf Frau gewesen) sich JEsuCHristo ergeben, sch bige niemahls aufhören werden sich um die D Bekehrung der andern zu bemühen: Denn die §«! wahre Religion theilt sich gerne mir, und der« B zenige/so würcklich ein Christ geworden, rvird Ä nicht einen etntzigen Heydcn im Irrthum lass A fen/wenn er ihn hoffet heraus zu reisten. Ich ^r, gestund ihm, daß seine Mevmmg ein sehr Christliches ir kr ?rincipium zum Grund hätte, und baß solches ein Be» chi weißthum eines grossen Eifers, und eines großmütigen md« „Herßens wäre. " Allein, mein lieber Freund, wvl- „let ihr mir vergönnen euch hier eine eintzige Schwie- ml „rigkeit zu machen? Ich finde nichts an der eiftigen ^ „Begierde zu tadeln,diese Leute aus dem Echos des M „Heodenthums in der Christlichen Religion ihren zn ^ „versetzen. Was könnet ihr aber hieraus vor einen M „Trost bekommen? denn euerMeynung nach werden „sie doch allezeit ausser den Gräntzen der Catholischen „Kirchen seyn, und gleichwohl haltet ihr darvor,daß ^ „ohne dieselbe keine Seeligkeit zu hoffen sey. Wenn ^ „sie schon zu der proceNixendenNeligion bekehret wer« ^ „den, so werden sie nichts desto weniger bey euch ver „so verdammliche Ketzer, als die Heyden selbst geach« „tet werden. , Daraufantwortete er mir, mit großer Aufrichtig« / k?it Wd Christlicher Liebe, folgender Maßen: ^ Heck LchbinLatholisch, ein Priester von dem k Erdendes Heil. LeneciiÄi, und ich billige all« H, Lehren der Römischen Rirchen; ich sage euch A aber ohne die geringste Begierde euchzu com- A pllmenni en, und ohne Betrachtung des Zu- ^ stands darinnen ich mich hier befinde, daß.ich A euwgar nfcht als einen M enschen ansehender ^ schlechterdings von der Gnade GGrres aus» ^ geschlossen sey. Ich werde niemahls stgen, ob nrv man es gleich überall unter uns glaubt, daß ^ ihr nicht köntet seelig werden ; Es hat keine ^ Noch, daß ich die Barmherzigkeit JEsu " ^ LHristi so sehr einschrancken,und glauben solre, ^ daß ihr nicht durch Wege, die uns unbekannt stnd, könrer in den Schooß der Riechen ge- - bracht werden; und ich bin gewiß, daß ihre- - - ben dergleichen Liebe vor uns habet: Ja ich --- bitte GOtt unauffhörlich, daß ihr, durch er- ! ^ mge Wege, deren Wahl ich dem unendlich- ' - xveisen Wesen überlaste, wieder in die Rieche treten möget. Indessen, glaube ich, werdet ihr bekennen, daß ich als"ein Larholique ei- -S,nenwichtigen Unterscheid zu machenweißun- . 7 ) ter einem Protestanten, und einem Heyden, un- -k ter einem der IEsum LHristum anruffr, ob- gleich auf so eine Art, die ich dem wahren K Glarrben nicht gemäß achte, und einem wil- den, einem Barbaren, derweder GDtt, noch 5.! LHristum. noch Erlöser kennet, wenn ihr ^ euch nicht in den Granyen der Rirche befin- ^ der, so seyd ihr doch selbiger naher als dieieni- F §rn, welch« Mmahls dah-n reden hören. Aus dresek ro8 Leben des Engelländers dieser Ursache erfreuete ich mich, als ichdiestn B Menschen, welcher sich allerhand Lastern e^ zs geben, sahe sein Gebet zu dem Heiland richten, ob ich ihn auch gleich nicht vor ganylich er, .F Leuchtet achte, so bin ich doch versichert, daß ^ GOtt, von dem Ledes gutes werck herkömmt, ^ dieses vollenden und ihn dermahleinstzu völ« ^l- iiger Erkänntniß der warheit leitenrvird,und wenn es ihm gelinget seinem armen Weibe die <,» christliche Religion beyzubringen, so kan ich nimmermehr glauben, daß er selbst verderben :«i wird. Diesemnach ist meine Freude gegrün- ni der, wenn ich sehe, daß sich jemand der wah> S rett Kirche nähert, ob er schon nicht sobald,als «, ich wünschen möchte, darein tritt. Man muß ikE der Vollkommenheit dieses wercks halber M GOktvertrauen, der wird es vollenden, wenn er es vor gut achtenwrrd. Es würdemir eine U, grosse Freude sevn, wenn alle wilden dieser Ü guten Frauen gleicheten; solten sie auch an» «l fänglichalle Protestanten seyn : und ich wär- IH de vest glauben, daß GOTT, nachdem er ihr m Gemüt zu erleuchten angefangen, ihnen mehr K und mehr Licht vonoben herab verleyhen,und !,«> sie endlich indenSch-oß seiner Rirchcgelam rtz gsnlastennvürde. ' ß« Ich war erstaunet über die Auffrichtigkeit dieses ch frommen Papisten, nach dem, als ich durch dcnNach- z druck feiner Gründe überzeuget war, und es kam mir damahls gleich ein, daß wenn dergleichen Mäßigung Ä überhanpt unter allen Menschen regierte, so kvnterr U wrr.alle Cathvlische Christen sevn, der Unterscheid un- ^ srrer ls Robinson (^ruloe. Loa ,_.__;-___I M lerer besondern Meinungen möchte auch beschaffen ßyn wie er wolte, und daß uns dieser Geist der Liebe bald zu einerley Principien leiten würde. Wie er ^ glaubte, daß dergleichen Toler^n? uns alle zu Catho- Äj, liquen wachen würde, sagte ich zu chm, baß ich mir ein- ^ bildete, daß wenn alle Gliedmassen seiner Kirche einer ily, Men Liebe fähig waren, sie bald alle Protestanten ^ seyn winden. Hier brachen wir ab, denn wir liessen ^ vns nie in die Lomro vcrlien ein. Nichts destoweniger wolte ich ihn wegen der lojc- ram ein wenig irre machen, und indem ich ihn bey der ^ Hand nahm, sagte ich zu ihm: „Mein lieber Freund, «lch beisse dasjenige, was ihr ieho gesagt habt, sehr ^7 ^gut; allein gewißlich wenn chr dergleichen Leh- „re in Spanien oder Italien predigtet, so würdet 2'- ^ihr den Klauen der lnqmücion nimmermehr entge- „hen. --- Dieses könte Wohlseyn , sagte er zu mir ,Lch r!L glaube aber nicht, daß eine solche Strenge scl-- 12 !^: bige Völcker zu bessern Christen' macht. Ein« astzugrosst Liebe wird bey mir nimmermehr -äe vor eine Aeyerey gehalten werden. Weil Htkin; und feine Frau nicht mehr andiestm Ort waren, hatten wir keine Ursachunsauffzukalten. Wir giengen demnach wieder zurück, und wrrfandcrr sie schon auff uns warten. Als ich sie sahe, fragte ich ven Priester, ob er es vor rathsam achtere ihnen zu sa- sm, daß wir sie im Busch gesehen hätten ? Dieser ^ Meinung war er nicht, sondern er wolte mit ^ekms ^ eine Unterredung anfangen und sehen was er uns aus ! eigener Bewegung eröffnen würde- Deswegenlieff ftn wir ihn hineinkommen ohne zu vergönnen, daß tz- st. Theil. wand 21 s Leben des Engelländers mand anders, als wir drey dabey wäre, undHH F ten wir nun folgendes Gespräch: , K Kobinion Lrutoe. Ich bitte euch , saE mir, wie seyd ihr erzogen worden ? Wer war euer D Vater. ^ Vö-Melm ^rkim. Ein weit redlicher Mann als O ich in meinem Leben seyn werde; er war ein Heiftli, >»'! cher, mein Herr. js Lr. Wie hat er euch erzogen? xI Er hat nichts versäumet mich auff den ^ Weg der Tugend zu führen, aber ich Habeseine Gebe, Z te und Verweise wie ein wahres wildes Thier, als ich S war, verachtet. M R.. Lr. Salomon sagt in der That, daß derjenige, welcher die Züchtigung verachtet, dem Viehe gleich ist. V, ^c. Ach, mein Herr, ich bin den allergram «ß famsten Bestien mehr als zugleich gewesen, nachdem w, ich meinen eigene n Vater ermordet habe. Ach mein ch GOtt ? Laßt uns hiervon nicht weiter reden, mein M Herr, ich habe meinen eigenen Vater umgebracht. Der Priester, welchem ich alles von Wott zu M Wort auslegte, trat bey diesen letzten Worten zurück, « und indem er so bleich als der Tod ward, schrye er u überlaut: D Himmel, ein Vater-Mörder! A, Lr. Ich hoffe daß man dasjenige, was ihr ietzo gesagt, nicht nach dem buchstäblichen Vcn stand nehmen muß : Sollet ihr wohl euern Valek umgebracht haben? , M - ^c. Es ist freylich wohl andern, daß ich ihm z,, keinen Dolch in das Hertz gestoßen, allein ich habe sei- ^ ne Tage verkürtzt, indem ich ihm fernen gantzen Troß benommen, und alle sein Vergnügen vergifftek und ^ kobmlon Eruloe. 2n 8 vergället habe. Ich habe ihn umgebracht,meinHerr, durch die schändlichste llndanckbarkeit, mir welcher ich die stärckste Liebe, die iemahls ein Vater zu seinem Lohn gehabt, belohnet habe. k. Er. Gebet euch zufrieden, HMns, ich habe euch deswegen nicht gefragt, daß ich das Vckanntniß, so jhrietzo gethan, aus euch bringen wolle, ichbitteGott, daß er euch wahre Reue darüber sowohl als auch ü- der alle eure andern Sünden geben wolle. Ich habe euch nur darum gefragt, weil ich verspüre, daß, ob ihr gleich nicht übermäßig erleuchtet seyd, ihr dennoch nicht unterlasset eine Vorbildung von der Religion und der Sitten-Lehrs zu haben, und daß ihr mehr darvon wisset, als ihr bißhcr ins Merck geschet habt. Ihr habt dieses Bekänntniß nicht aus mir gebracht, mein Herr, mein Gewissen hat es gethan. Wann wir anfangen die Augen auff unsere vorige Sünden zu werffen, so finden sich keine, die uns empfindlicher rühren, als diejenigen, welche wir wider Eltern, so voller Güte gegen uns gewesen, begangen haben. Es giebt keine, die ein so tiestesNach- silinen verursachen, und die schwerer belästigen. . u. Er. In euerm Dllburs, ,Vckms,^ist etwas der- gejkalt Hertz-rührendes, daß ich es ohne mich zu betrüben ncht anhören kan. Und warum soltet ihr euch betrüben, mein Herr? Gedancken wie meine müssen euch schlechterdings fremde seyn. R.. Er. Nein, nein, ^.ckms, dieses ganHe Ufer, jeder Baum, jeder Hügel in dieser Jnsul, ist ein Zeug, der erschröcklichen Unruhe, welche mir die Erinnerung der Undanckbarkeit verursachet, damit ich in meiner O r ersten 212 Leben des Enge llarrders ersten Jugend die Sorgen eines so liebreichenVaters ^ als der eurige gewesen zu seyn scheinet, vergolten hg! ^ be. Ich habe meinen Vater sowohl als ihr umae. ?! bracht, mein guter aber ich fürchte sehr, eue« < re Reue übertrete die meinige sehr weit. s, Ich hätte noch mehr hiervon geredt, wann ich mci» L nes Schmertzcns wäre mächtig gewesen: Es schiene ^ mir als wann Reue meine so weit überkräffe, s baß ich nicht im Stande war diese Unterredung länger f auszuhalten. Ich sahe,daß dieser Mann, den ich hatte ?? hohlen lassen, Hm gute Lehren zu geben, mir selbst ^ sehr bewegliche darreichte, deren ich mich natürlicher A Weise nicht versehen solte. ^ Der junge Priester, welchem ich dieses ganheGe- ^ spräch erklärte,ward dadurch sehr bewegt. Da scher ^ ihr, sagte er zu mir, habe ich euch nicht zumVor- « aus berichtet, daß dieser Mensch, so bald er sich ^ bekeheece, würde unser Prediger werden? Ich km versichere euch, mein Herr , daß wenn er in W dieser Reue beharret, ich hier nichts werde nütz M seyn, und daß er alle Einwohner der InsulW Christen machen wird. ^ Indem ich michaberma! zu Hchms ivandte, sagte ich ^ znihm: „Mein, Wilhelm,woher körnt esjehoebenden W Augenblick,daß mich eureSünden so gar sehr bewege? D Ach ? mein Herr, ihr habt im'reinWerck M umer die Hände gegeben, das ist mir durch das Hertze W gegangen. Ich habe ietzo mir meiner Frau von GOlt W und der Religion geredt, um solcher zu dem Christen- « thum Belieben zu machen, und sie hat mir selbst äne Predigt gehalten, die mir nimmermehr aus dem Ge- A müthkommmwird, solange ich lebe. _ V br> 'Ä Ss! sk kÄ «t) «« Lobinkon Lruloe. S < L. Lr. Eure Frau hat euch nicht gepredigt, mein lieber ^rkin8, sondern euer Gewissen hat euch die Gründe, deren ihr euch bedient gehabt, wieder zurück in den Busen geschoben. ^r. Esist wahc mein Gewissen hat mir selbige miteiner solchen Macht zurückgeschoben, daß ich derselben unmöglich widerstehen können. k. O. Berichtet uns doch, Wilhelm, was jetzo zwischen euch und eurer Frauen vorgegangen, ich weiß schon etwas darvon. >S^. ^r. Ach! mein Herr, es ist mir nicht möglich euch hiervon richtige Rechenschafft zu geben r Denn ob ich schon dadurch betroffen worden, so kan ich doch keine Redens «Arten finden mich gebührend zu erklären? Es ist genug, daß ich dadurch gerühret den vestcn Entschluß gefaßthabe mein Leben zu bestem. L. Lr. Nun, ^tlcins, jaget uns nur etwas darvon, wobey habt ihr die Unterredung angefangen? Der Fall ist gewißlich yantz ungemein z wenn euch eure Frauzu einem so löblichen Entschluß gebracht hat, so hat sie euch würcklich eine vortreffliche Predigt gehalten. -Ve. Ich habe bey der Beschaffenheit unserer Gesetze wogendes Ehestands angefangen, daß solche dahin zielen dem Mann und die Frau durch unauff- llößliche Bande zu verknüpften. Ich hab ihr zuverste- hen gegeben, daß ohne dergleichen Gesetze, in derGe- sellschafft die Ordnung nicht könte erhalten werden : daß die Männer ihre Familien verlassen, und jlch mit andern Weibern unordentlich vermischen würden, welches alle Succession verwirren, und alle Erbschaften ungewiß machen könte. O z k. cr. 214 Leben des EngelLLnderv L. Er. Was, Wilhelm, ihr redet wie ein voLtor Zuri8. Allein habt,ihr es dahin bringen können, daß sie verstanden hat/was Erbfchaffren und Familien sind? Die Wilden, sagt man, wissen nicht einmahl was es ist, und verheyrathen sich ohne auff die Ver- wandschafft zu sehen. Ja man hat mich versichert daß die Bruder unter ihnendie Schwestern, die Vater die Töchter, und die Söhne die Mütter zu Wei, bern nehmen. Ich glaube, mein Herr,daß ilw nicht recht berichtet worden: Meine Frau hat mir rum wenigsten gesagt, daß ihre Nation vor dergleichen He,-rathen einen Abscheu habe, und daß sie sich in den Graden der Verwandschafft, deren ihr gedacht, niemals vermahlen, ob sie wohl sich, wie wir, in Ansehung der entfernetern Graden, eben kein Gewissen machen. L. O. Nun, was antwortete sie euch ? Sie sagte zu mir, daß sie diese Gesetze vor sehr gut hielte, und daß solche besser als die in ihrem Lande wären. k. Lr. Mein habet ihr selbiger erkläret was der Ehestand eigentlich sey? ^r. Ja, und dabey hat sich unser Gespräch angefangen, ich fragte sie ob sie mit mir aufunscre Art wolle verheyrathet seyn ? Mas ist das für eine Art, sagte sie zu mir ? Ich will sagen, versatzte ichchic Manier, welche GOtt wegen des Ehestands eingesetzt hat. Diese Antwort gab Anlaß zu der sonderlichsten Unterredung, die ein Mann iemahls mit seiner Frau gehabt haben mag. Hier folgt Wilhelm ^tkins Gespräch mit seiner Frau, gleich auff dir Art, wie ich es ihm nachgeschrien »>, >>ls« h? il«i ,di< kodmlon Grukos. >> ! rrs >» schrieben, nachdem als er mir solches offenbarte. - Die Frau. Von GOtt eingesetzt! Wie? habt ihr denn auch einen GOtt in euerm Land ? Ohne Zweiffel, mein Schah, GOtt ist in jedem Land. DreFr. Gantz undgar nicht, euer GOtt ist nicht in meinem Land, wir haben nur den grossen altenGott Lenamuclcee. ^r. Ach! mein liebes Kind, ich bin nicht geschickt gcnung euch zu erklären was GOtt ist. Er ist im Himmel, er hat den Himmel und die Erde samt allem, was sich da befindet, gemacht. Die Fr. Vielleicht hat er die zanke Erde geschaffen, aber mein Land hat er nicht gemacht. Indem aber .^rkinsin Ansehung der Ausnahme, die seine Frau gleich da vorgebracht hatte, etwas zu lächeln angefangen, ärgerte sie dieses, und fieng wieder also an. Die Fr. Warum spottet ihr meiner, warum lachet ihr? Dieses ist, wie mich düncket keine Materie zu lachen. är. Ihr habt recht, mein liebes Kind, ich will nicht mehr lachen. Die Fr. So saget ihr denn, daß euer GOtt alles gemacht hat. ^r. Ja, mein Hertz, GOTT hat die gantze VZelt gemacht, beydes euch und mich, mit einem Wort alles: Dieses ist der einige wahre GOtt, es ist kein anderer GOtt: er lebt ewig im Himmel. Die Fr. Und warum habt ihr mir dieses nicht vor- langst gesagt? ^ O 4 srs Leben des EttAellä»rdek5 ^c. Ihr habt gar recht, allem bißher bin ick ein abscheulicher Böstwicht gewesen: ich habe nicht nii, versäumet mit euch von GOtt zu sprechen, sondern ich habe selbst gelebt, als wenn ich ihn nicht kännte- - Die Fr. Was, ihr habt den grossen GOtt in er-, ermLande und chr kennet ihn nicht ? ihr betet ihn nickt an ? ihr thut ihm nichts zu gefallen ? das ist nicht mög, lich? ^c. Dieses ist dennoch gewiß, ob wir schon vfft leben als wenn kein GOtt im Himmel wäre, und fei, ne Macht sich nicht biß aufdie Erde erstreckte. Die Fr. Warum laßt aber GOtt dieses zu?Ware um laßt er euch nicht besser leben ? Es ist unsere eigene Schuld- DieFr. Allein ihr sagt, daß er groß sey, daß er eine grosse Macht habe, daß er euch todten kan, wenn er will, warum bringet er euch nicht um, wenn ihr ihm nicht dienet, und böses thut ? ^r. Er hätte mich frevlich vorlängst todten können, und ich hatte mich dessen auch versehen Den, denn ich bin nicht werth gewesen, daß ich leben solle; allein er ist barmhertzig, und strafft uns nicht allezeit, wenn wir es verdienen. Die Fr. Wohlan denn, habt ihr cucrm GOtt,wegen seiner Güte, die er für euchhat,gedancktt? ^r. Ach! ich habe ihm so wenig vor smr Barmherzigkeit gedancket, als ich ihn wegen seiner Macht gefürchtet habe» DieFr. Wenn das ist, seist euer GO «jii k?. W GOtt, ick) kan es nicht glauben. Er ist groß, er hat Gewalt, und er todte! euch nicht-, wenn ihr ihn er- zömtt? . . - är. k- kvbiiuou Eruloe. ^r.Muß euch denn, meinSchah,meine fchlim-- A me Aufführung abhalten an GOtt zu glauben ? Ö wie ^ unglücklich bin ich! ich bin ein Christ, und meine Übel- ?! chatenhinderndieHeydendasselbiaezuMrden. ^ Die Fr. Allein wie kan ich glauben, daß ihr da oben ^ einen grossen und starcken GOTT habt, und daß ihr ^ gleichwohl nichts gutes thut? So muß er denn nicht wissen was ihr thut: ^ Ihr irret. Er weiß alles, er höret uns, er siehet was wir thun, er kennet unsere Gedancken, ob wir gleich nicht reden. K. Die Frau: Das kan nicht seyn, er höret euch nicht schwören und alleAugenblick sagen: GOrr verdam- 2 mrmich. iiu Er höret dieses alles gewißlich, ir Die Fr. Aber wo bleibt denn seine grosse Macht? Er i st barmheryig: das ist alles was ich euch sagen kan, und eben dieses beweiset, daß er der wahrhafftige GOtt ist. Er hat keine ^tkcLlen wie die Menschen, und um dieser einigen Ursach willen geschiehet es, daß sein Zorn uns nicht verzehret, wenn wir wider ihn sündigen. ^rkilis sagte uns, daß er voller Schrecken war als er seiner Frauen anführte, daß er alles siehet und höret, und daß er unsere aller verborgensteGedancken kennet, indem er bedacht, daß er dieser Wahrheit ungeachtet, so viele böse Thaten verübet hatte. Die Fr. Barmhertzig! was wollet ihr damit sagen. Er ist unser Schopsser und unser Vaters Erhat Mitlcyden mit uns, und verschonet unser-, Die Fr. Was! er ist nicht auf euch zornig, er todter O s euch 218 Leben des Engelländeks euch nicht, wenn ihr böses thut? So istHennstidH nicht gut, oder er hat keine Macht. ^ Er ist unendlich gut, mein liebes Weib,un. endlich groß, und fähig uns zu straffen. Ja er zeigt B auch ofit Exempel seiner Gerechtigkeit und stiner Ra- che,wenn er die Sünder mitten in ihren UbelthM umkommen läßt. ? Die Fr. Gleichwohl hat er euch nicht umgebracht, ^ Derowegen muß er euch wohl Nachricht gegeben ha- H ben, daß er euch nicht todten nrolte,und daß ihreuch mit li ihm verglichen, daß ihr Übels thun Mochtet,ohne daß er Ä aufeuch, wie aufdie andern Menschen zornig werde. Ä ^.^c.Weit gefchlt, mein Hertz, ich habe aus ei- A nem falschen Vertrauen auf seine Gütigkeü frech ge- w sündiget, und er würde überaus gerecht gewesen seyn, wenn er mich, wie offt andere Sünder, umgebracht L« hatte. N Die Fr. So ist er demnach sehr gut gegen euch,was W hakt ihr denn zu ihm gesagt, ihm darvor zu dancken ? yß Nichts, meine liebe Frau, ich bin ein un- ch würdiger Bösewicht, dermitder allerschändlichsten M Undanckbarkeitüber und über bestecket ist. Ä, Die Fr. Aber ihr sagt; er habe euch gemacht, wa- litz rum hat er euch nicht bester gemacht. H Er hat mich gemacht, wie er alle andere i« Menschen geschaffen hat, aber ich habe mich selbst ver- ^ derbt, ich habe seiner Güte mißbraucht, und ich bin durch meine eigencSchuld zu diesem höchstenGrad der ^ Boßheit gelanget. ^ Die Fr, Ich wolte, ihr brächtet es dahin, daßmzch ^ GOTT kannte; ich wolte ihn nicht erzürnen,ich wol- ^ ke keine böse Sachen thun. H ^t, Kobmton (Crusoe. riz Ihr wollt sagen, mein Schatz, daß ihr wünschen möchtet, ich brächte es dahin, daß ihr GOtt könntet; denn GOtt kennet euch schon, und es findet ich nicht eine einige von euern Gedancken, die ihm un- Mnnkware. ' Die Fr. So weiß er denn auch was ich euch jetzo sage. Erweiß,daß ich Verlangen trage ihn zu erkennen ? Ach! wer kan es dahin bringen, daß ich denjenigen kenne, der mich gemacht hat? ^r. Mein Schatz, es ist mir überaus levd, daß ich nicht im Stande bin euch hierinnen zu erleuchten; er selbst muß sich euch zu erkennen geben: ich will ihn jeßo bitten, daß er euch selber unterrichten und mir verzeihen wolle, daß ich mich unwürdig, und untüchtig euch zu lehren gemacht habe. Darüber war ^ckinL, welchem es sehr zu Hertzen gegangen, daß er der brennenden Begierde seines Weibes Gott zu erkennen nicht Genüge leisten wögen, bey selbiger aufseine Knve gefallen, ihn zu bitten dieses verfinsterte Gemüt durch die heylsame Erkäntniß des Evangelii zu erleuchten, ihm selbst seine Sünde zu vergeben, und sich gefallen zu lassen ein so unwürdiges Instrument zu Bekehrung dieser unglücklichen Hendln zu gebrauchen. Nachdem er nun einige Augenblicke auf den Knyen gewesen, hatte er sich wieder zu seiner Frauen gesetzt; und die Unterredung war auf folgende Art wieder angefangen worden. DieFr. Warum seyd ihr auf die Knye gefallen, warum habt ihr gercdt ? was bedeutet diß alles? Ich hm darum niedergeknyet, mein liebes Weib, damit ich mich vor demjenigen, welcher mich Macht hat, demütigen möchte; Ich habe zu ihm gesagt rr» Leben des Ettgclländers sögt O, wie euere Alten gegen den falschen GO«^ ^ nemuckee thun; ich will sagen, ich habe mein Gebet «E zu ihm gerichtet. s- Die Fr.Und warum habt ihr zu ihm ZesagtO? B -er. Ich habe ihn gebeten die Augen euersVer- A! standes zu eröffnen,damit ihr ihn erkennen und ihm M genehm seyn möget. Die Fr. Kan er das auch thun ? ^ Ohne Zweiffel, er kan alles thun, nichts ist ihm unmöglich. Die Fr. Und er höret alles was ihr zu ihm säget? H Allerdings. Er hat uns befohlen ihn zu ^ bitten, mit der Verheissung, er wolle uns erhören und L geben was wir von ihm bitten würden. ^ Die Fr. Er hat euch befohlen zu bitten? Wann ^ hat er es euch befohlen? so hat er denn selbst mit euch ch, geredt? Nein, mein liebes Weib, er hat nicht selbst mit uns geredt, sondern er hat sich uns auf Mancherley ^ Art offenbaret. Vor Zeiten hak er mit einten HM M gen Männern mit sehr klaren Worten geredet,und hat ^ sie durch seinen Geist regiert alle seine Gesetze mein H Buch zusammen zu schreiben. Z Die Fr.Jch verstehe euch nicht. Wo ist dasBuch? ^ -er. Ach meine gute Frau, ich habe leyder das ^ Buch nicht; aber ich hoffe, daß ich es einmahl ßndcn, ^ und euch solches lesen lernen will. , . ß. Bey dieser Gelegenheit ist es gewesen, da wirihn haben seine Frau mit grosser Zuneigung umarmen ^ hen,zugleich aber auch sehr betrübt, daß er keine Bb» L hätte.- 'tz DieFr.AUeinwie wolt ihr es machen, daß »ch be< ^ greift, tdobinlon Oruloe. rrt «reiffe, GOtt selbst habe diese Männer angewiesen ^ hjeses Buch zu machen ? ' ^ XV. ^c. Durch eben die Regel vermittelst deren A wir wissen, daß er GOtt ist. ' Die Fr. Nun wolan, durch was für eine Regel durch was für ein Mittel wisset ihr, daß er GOtt ist. ^ .^r. Weil er uns nichts verordnet, und nichts ^ befiehlst, das nicht gut und gerecht sey,nichts so da nicht ^ dahin ziele uns vollkommen gut und vollkommen glück- ^ lich zu machen, und weil er uns alles verbeut was böß A an sich selber, oder schlimm in seiner Folge ist. ^ '' DieFr. Ach! ich wolw gerne dieses alles begreiffen, ^ ichinvchte alles sehen was ihr jetzv gesagt habt. Er ^, lehret alles was gut ist, er verbeut alles was böse,er be- ^ lohnet das Gute und strasst das Böse, er hat alles ge- W mächt, er giebt alles, er hört mich wenn ich zu ihm sage , O, er wird mich nicht todten wenn ich verlange gut z« W seyn; wenn ich Übels thun will, so kaner mich umbrin- gen, er kan meiner aber auch verschonen, und gleich- iiff wohl ist er der grosse GOtt. Ey wolan, ich glaube, oü daß erder grosse GOTT sty; ich will miteuch, mein i-8> Schatz, zu ihm O sagen. , Diest Rede hatte ^rlcias Hertz hauptsächlich be« W wegt. Derohalbenwar er mit ihr auf Sie Knpr ge- W faklen GOtt überlaut;li bitten selbige mit seinem Hei- ^ ligrn Geist zuerleuchtty,und esdurch stine Vorsehuus also zu fügen, daßer eme Biedel finden möchte, damit er fvlche mrr seiner Frau lestn, imdesdahinbringen tönte, daß^fie dadurch zu derErkanntmß der rvahren ^ Religion käme. Unter andern Reden, die sie nachdiefem Geber mir einander gepflogen, hatte ihn sein Frau zuftlgen lassen. daß rrr Lebendes EngellLndets ^ daß, weil er, seiner eigenen Bekenntnißnach^m^ '1 tze Lebens Zeit in stetigen Sünden gelebt, welchcGOt- tes Zorn;n reihen fäh»g wären, er sein Leben bessern und GOtt nicht mehr erzürnen wolte, damit er nicht ^ von der Welt genommen würde und sie dadurch nicht das Mitte! verlöre, die Gottheit besser zu erkennen « kurh damit er selbst nicht möchte ewig elend seyn, nie er zu ihr gesagt, daß es den Bösen nach ihrem Tod al- so ergehen würde. ^ Diese Erzehlung bewegte uns beyderseits gar sehr sonderlich aber den jungen Mönch. Auf einer Sei- v te war er vor Freuden entzückt, allein auf der andern ? war er höchst betrübt, daß er das Englische nicht ver- ^ stand um mit dieser Frauen, welche auf so Mtrcffli« ^ chem Sinn war, selbst reden zu können. Als er nun ^ von seinen Überlegungen wieder nachgelassen, wandte ^ er sich zu mir und sägte, daß es mit dieserFrauen etwas " mehrers zu thun gäbe, als sie nur bloß zu cozmüwn. ^ Anfänglich verstund ich ihn nicht, allein er erklärtesich ^ und sagte zu mir, daß er glaubte,man müste sie muffen. Dieses war ich zufrieden, indem er aber sahe, daß v ich forteilte dasjenige, was hierzu nötbig, zu veranstal- ten, so sagte er zu mir: Gedulc, mein Herr, meine Meynung ist, daß man solche allerdings muß W tauffen; ihr Mann hat ste bewegt, daß sie sich M entschlossen das Christenthum anzunehmen, er A hat selbiger richtige Abbildungen gemachtvsn « dem wahren Wesen eines GGrees" von seiner H Macht, von seiner Gerechtigkeit, und von sei- »» ner Gnade; allein eheäch weiter gehe. muß ich ^ wissen» ob er ihr etwas gesagt hat von JESU ^ CHrlsto, von den; Heil,das er unssdurch seinen tz * kobmkon Ouloe. ^ Tod zu wege gebracht, von dem Glaub en, von As dem Heiligen Geist, von der Auferstehung, von dem Iungsten-Gerichr, und dem zukünfst ^ Ugen Leben. N Ich rieff darauff ^.ckins. und fragte es ihn; er fieng aber an zu weinen und sagte, daß erihnvvhl et- ^ was, aber nur obenhin, davon gesagt, daß er ein so Hh Endlicher Mensch wäre, und daß ihm sein Gewissen fein gottloses Verhalten mit so grossem Nachdruck ktz vorhielt, daß er zitterte, wem er nur daran gedächte, , L» vaß die Wissenschafft, die seine Frau um lein böses ke- r,, den hatte, gegen alle diese heilige und wichtige Lehren bey selbigereine Verachtung erwecken möchte. Daß 1-, er aber gewiß versichert wäre, daß ihr Gemüt die Ein- 7c z druckungen von allen diesen Wahrheiten anzunehmen dermassen bereit wäre, daß/wenn ich selber mit ihr re» ^ den wölke, es mirleicht fallen würde sie darin zuüber- reden, und dassich weder Zeit noch Mühe dabey verlie- ^ reu würde. Darauf ließ ich sie hineinkommen, und - nachdem ich mich zwischen selbige und den Priester ge- , 6 » seht um einen Dollmetscher hierbei- abzugeben, so bat ^ ich diesen, er möchte zu Merck schreiten. Solches thät rr,und«ch bin versichert, daß in diesen letzten Zeiten ^ niemahls ein papistischer Priester eine dergleichen ^ Predigt gehalten hat, auch sagte ich zu ihm, daß ich an seiner Person alles Licht, allen Eifer, und alle Aufrich- tigkeit eines wahren Christen fände, ohne einige Verleg Mischung mit den Irrthümern feiner Kirche , und daß er nur den alten Römischen Blschöffen gleich schiene, -r'. ehe die Römische Kirche sich der höchsten Gewalt über ch. die Gewissen angemasset hätte. Kurtz,es gelang ihm ^ dieses arme Weib dahin zu bewegen, daß sie die Er- ^ känntniß 224 Leben desEngelkändets känritnißdesHeylandcsund der Erlösung, nichtmü ^ mit Erstaunung und Verwunderung, wiesieanfäna, ^ lieh die Wissenschafft von GOTT und seinen Elge^ ! schafften angenommen, sondern auch mit Freien,mit ^ Glauben,und mit einem solchen Grad der Erleuchtung A annahm, daß man würde Mühe haben sich dasselbe 7 ein zu bilden, geschweige daß man solches recht vorfiel- 7° !ig machen könte. Wie er sich fertig machte selbige zu ^ tauffen, bat ich ihn, er möchte diese Ceremonie mit et- ^ wasVorsicht verrichten, damit man nicht merckte, ^ daß er Catholisch wäre, weil dieses hätte können böse ^ Folgerungen nach sich ziehen, und Zwietracht unter al- ^ ken diesen Leuten erwecken, gestalt solche nur noch gar ^ schwache Vorbildungen von dergleichen Materie hat- ^ ten. Ergab mir zur Antwort, daß wie er keines » iveihete Capelle, und keine andere Sachen die zu den ^ Ceremonien seiner Kirche nöthig wären, m Bereit« E schafft hätte, er seine Dinge hierbey so anstellen wolle, ^ daß ich es selbst nicht mercken solle, daß er ein Cathvlü ^1 que wäre, wenn ich es vorher nicht gewust hätte. Er ^ hielt seine Worte, und nachdem er einige lateinische ^ Worte halb facht ausgesprochen hatte, goß er eine ganhe Schüssel mit Wasser auf des Weibs Haupt * undsagte über laut auf Frantzösisch: Maria (denn W aufBitte ihres Maus gab ich ihr alsPathe diesenNa« « men) ich tauffe dich im Namen des Vaters, des Soh- I nes, und des Heiligen Geistes. ^ E Es war nicht möglich daraus zu errathen von was N für einer Religion er wäre. Zwar gab er ihr nach« ^ gehends den Segen aufLatemisch; Mein^ckmzbll« H dete sich ein, daß es Frantzösisch wäre,oder er gab ganh ^ und gar nicht achtting drauff. . A Robinson Crulok. 2rf MI iB Wie diese Ceremonie vollendet war,copuürte er sie und kehrte sich hernach zu ^rkins. und vermahnete ihn aufeine.sehr bewegliche Art, nicht allein bey seinem guten Fürnehmen zu verharren, sondern auch ein so HeiligesLeben zuführen, damit dasselbe der Erleuchtung, die sich in sein Gewissen ergossen, gemäß seyn mochte. Er sagte ihm ferner, daß er sich vergebens angelegen seyn laßen würde Reu und Leyd zu tragen, wenn er nicht würcklich allen seinen Sünden absagte. So stellte er ihm auch vor, daß weil ihm GOtt die Gnade gethan und sich seiner zum Instrument zu Bekehrung seiner Frau bedienet hatte, er sich wohl hüten solle diese Gunst des Himmels zu vermehren; und wenn er dieses aus der Acht ließ,so könte er sehen oder erfahren,daß eine Heydin selig, das Instrument ihres Heyls aber verworffen würde. Er fügte eine grosse Menge andere vortreffliche Vermahnungen hinzu, und nachdem er sie beyderseits der göttlichen Güte befohlen, gab er ihnen abermahl seinen Segen; indem er sich meiner stets als seines Dollmetschers bedienete, und solcher gestallt ward die gantze Ceremonie geendigek. Ich kan sagen, daß selbiger Tag vor mich der angenehmste gewesen, den ich in meinem gantzen Leben hingebracht habe. Was meinen Mönch anlanget, so war derselbe mit seinen gottseligen Absichten noch nicht zu Ende; seine Gedancken waren noch stets auf die Bekehrung der sieben und dreyßig Wilden gerichtet, und er wäre von gantzem Herhen gerne in der Jnsul geblieben, um ^a» ran zu arbeiten: ich ließ ihn aber sehen, daß fein Unternehmen nicht zu Merck gerichtet werden könte, und ^ daß ich vielleicht ein Mittel finden würde es dahin zu n. Theil. P brin- rr6 Leben deEngellanders bringen, daß es angieng, ohne daß es nöthig ware^M er sich damit vermengete.^ A Naä)dem ich also die Sachen meiner Jnsul inOrd- ^ uung gebracht hatte, so machte ich mich gleich fertig wieder nach dem Schiff zu gehen, als der junge Enge!- D lander, mechen ich aus dem ausgehungertenSchiffge- sr nommen, zu mir kam utid sagte, daß er vernommen. B ich hätte einen Geistlichen bey mir, durch den ich die B Engelländer mit den wilden Weibern gebührender s Maßen coxmllren lassen; Diesem fügte er hinzu, er M wüste eine andere Heyrath unter zweyen Chrisren zu e- stifften, die mir wohl nicht unangenehm seyn möchte. M Zch sahe also fort, daß eö die Magd seiner versterbe- er nen Mutter betraff, weil dieses die einhige christliche K Weibs-Person in der Jnsul war. Darauffvmmh- M trete ich ihn sich in einer so wichtigen Sache nicht zu u- ^ bereilen, und solche nur deswegen zu unternehmen, da- tzi mit er die Einsamkeit, in welcher er sich auffder Znful , befinden mäste, dadurch versässen möchte: Ich sagte NL ihm ferner, daß ich von ihm selbst, und von der Magd M erfahren, daß er ein ansehnliches Vermögen, und so- thane Freunde hätte, die fähig wären ihn in der Welt ßf, pmpov zu bringen; Daß überdiß selbiges Mägdgen ,,ß nicht allein eine arme Magd wäre, sondern daß sich ^ auch ihr Alter zu seinem nicht wohl schickte, immassen sie sieben biß acht und zwanhig Jahr alt seyn köme, da „ er hingegen kaum achtzehen zehlete, daß er durch meine ^ Vorsorge bald aus dieser Wüsten gelangen, und wie- ^ der in sein Vaterland kommen tönte,, woselbst ihn ^ seine übereilte. Wahl gewiß gereuen würde, welches ^ sie alle beyde unglücklich machen dürffte. Ich wolle ihm dergleichen noch mehr sagen , als er ' kobinkon k^rulo^ 227. mir lächelnd in die Rede fiel, und mir mit Bescheidenheit sagte, daß ich mich in meiner Mutmassung betröge, und daß er dergleichen in seinem Gemüth nicht he- gete, weil er sich bereits in einem so betrübten Zustand zumachen; daß er über mein Vorhaben, ihn wieder in/ein Vaterland zu bringen, zum höchsten vergnügt wäre; weil aber meine Reise, allem Vermuthen nach, lange wahren dürffte, und sehr gefährlich wäre, so bäte er, vor seine Person, sich keine andere Gnade aus, als daß er ihm einige Sclaven, und alles, was zu An- richtung einer nöthig wäre, geben möchte; daß er auff diese Art die Gelegenheit wieder nach Engelland zu kehren, mit Gedult erwarten würde, in der Zuversicht, daß wenn ich zurückgekommen, ich ihn nicht vergessen würde. Endlich sagte er, daß er nur Briefe an seine Freunde mitgeben, und solchen Nachrichtgeben wolle, was ich vor Güte ihm erzeiget, und an welchem Ort ich ihn gelassen hätte, und versprach lyir hiernechst,daß, so bald ich ihn aus der In- siil führen würde, er mir seine lliELZe abtreten wolle, sie möchte gleich noch so viel werth seyn- Diese kleine Rede war, vereinen Kerl von diesem Alter, in guter Ordnung vorgebracht, und solcher war mir um soviel angenehmer, weiter mich gewiß versi» cherte,daß besagte Heyrath ihn nicht selbst angienge. Ich gab ihm alle möglicheVessicherungen seineBrsefe, wann ich gesund und glücklich nach Engelland zurückkäme, zu bestellen, darneben niemahls den verdrießlichen Zustand, darinnen ich ihn ließ, zu vergessen, und P 2 denn 2 28 Leben des Ettgellättders denn alle mögliche Mittel anzuwenden, ihnaus stl- chemzureissen. Nichts destoweniger war ich sehr begierig zu wissen, von was für einer Her-rath er hatte reden wollen, und er berichtete mir, daß es Susannen (so hießdieMagd) und meinen Künstler, der alles wüste, beträffe. Dieses gefiel mir in der That überauöwvhl, weil mir die Parthey auf beyden Seiten sehr gut schie« ne, ich habe dieses jungen Menschen Eigenschafften schon beschrieben. Was das Magdgen anlangt, so war sie sittsam, still und fromm, sie hatte Verstand, und Annehmlichkeit genung, redete wohl, und zu rechter Zeitauffeine geziemende und höfiigeArt stets fertig zu antworten, wenn es seyn muste, und niemahls zur Ungebühr übereilet sich in etwas zu mischen, das sienichtangienge, sie warsehr geschickt allerhand Arbeit zu machen, und war eine so gute Haußhalterm, daß sie der gantzen Lolome Ausgeberin hätte seyn können. Sie wüste vollkommen wohl mit allerhand Personen umzugehen und verfvlglich war es ihr nicht schwer allen Einwohnern der Znsul zugefallen. Wir verheyratheten sie noch selbigen Tag, und gleich wie ich bey dieser Ceremonie die Vaterstelle vertrat , so gab ich ihr auch ihre Heimsteuer. Denn ich wiese ihr und ihrem Bräutigam ein ziemlich ansehnlich Stück Land an, daraus sie eine Plantage machen sotten. Diese Heyrath und den Vertrag. den mir der junge Mensch gethan, ihm eine kleine Breite Lands zu eigen zugeben, veranlasseten mich dahin bedacht zu seyn die ganhe Jnsul den Einwohnern auszutheilen, und ihnen alleGelegenheit zuZanckundStrcit zu benehmen. AZ rstE jr-Ü O Zhi H-' Pl ril« kobinlon Ouloe. 22 - »er Äi! »!!' eik lltl M «I» s«u i-) > Die Commission gab ich ^ckins, welcher war ernsthafft, bescheiden, ein guter Haußhalter, mit einem Wort, nunmehro ein redlicher Mann geworden, sehr fromm und der Religion überaus zugethan, und,wenn ich eine Sache von dieser Natur zu entscheiden mich unterstehen darff, wahrhafftig bekehrt. Er verrichtete diese Commission mit so grosserKlug- heit, daß iederman damit zu frieden war, und mich insgesamt baten die Theilung durch eine Schrifft von meiner Hand zu bestätigen. Ich ließ solche alsofort aufsetzen, und indem ich die Grantzen von ieder k^n- tLZe chocikcirte, so gab ich einem ieden ein Best- hungs - Jvecht vor sie, und ihre Erben, mir das Ober- Eigenthum der ganhen Jnsul vorbehaltend, wie auch von iedweder klamme einen gewissen Boden-Zinß, der mir, oder demjenigen von meinen Erben, welcher solchen begehrte und eine glaubwürdige Abschrifft von gegenwärtigen Auffsatz vorlegen wurde, nach Eilff Jahren entrichtet werden solte. Belangend die Re- gierungs - Form und die Gesetze, so sagte ich ihnen, daß sie eben so tüchtig, als ich wären, in diesemStück gute Verfassungen zu machen, und daß ich nur wünschte, daß sie mir von neuem zusagten als gute Freunde und gute Nachbarn mit einander zu leben- Es ist noch eine besondere Sache übrig, welche ich mit Unrecht verschweigen würde. Gleich wie alle Einwohner meiner Jnsül gleichsam in einer Art von Republiquen lebten, und viel zu thun hatten, so schien es lächerlich, daß sieben und dreyßig Wilden in eine Ecke von der Jnsül relczirt seyn sollen, woselbst solche kaum ihren Lebens-Unterhalt erwerben, geschweige etwas zu dem allgemeinen Nutzen beytragen komm. P z Diese Leben des EttMattdees Diese Betrachtung veranlaßte mich dem Spanischen Ä (Gouverneur vorzuschlagen , daß er mit FiktMgs . z! Vater dahingehen, und ihnen anbieten solte sich zu den ^ andern Einwohnern zu begeben, und daselbst entweder vor sich selbst arbeiten, oder den andern, um die Nah- ^ rung und Unterhalt, vor Gesinde, und keineswegs vor Sclaven dienen sollen. Denn ich wölke schlechter- N Dings nicht zugeben, daß man sie in die Sclaverey zö- ^ ge,weil solches der LäpimlLtion, die selbige, als sie sich ergeben, gemacht hatten, zuwider gewesen wäre. ^ Diese nahmen den Vortrag mit grossen Freude» E an, und verliessen ihre Wohnungen noch selbigen Au- ^ Kenblick. Es waren ihrer nur drey oder vier, welche sich entschlossen ihre eigene Felder zu bauen z alle die ^ andern wollen lieber unter die verschiedene Familien, V die wir auffgerichtet hatten, ausgetheilet werden. ^ - Alle Lolonien waren nunmehro in zwey gebracht, Es war der Spanier ihre, welche in meinem Schloß b wohneten, und deren plLnmZe sich nach der Ost-Sci- «>" (e, längst dem ganhen kleinen Meerbusen, biß auwei-- D men Meyerhof oder Vorwerck erstreckte. Die En- v zgelländerlebtenaufder Nord-Ost-Seite der Znsul, v Dahin sich ^tklnz und seine Cameraden im Anfang ge- « seht hatten, und breiteten sich von der Mitttags-und r>i Der Süd-West-Seite hinter die klanmZen der Spa- M aier aus. Jede Lolonie hatte noch eine grosse Breite M Angebautes Land zu ihrer vispolwion.selbige konten sie D i im Fall der Noth ebenfalls bauen, also daß auf dieser V Seite keine Materie zu Neid und Uneinigkeit da war. P Den Oestlichen Theil der Jnsul hatte man wüste W gelassen, damit die Wilden nach ihrer Gewohnheit ^ Dahin gehen und kommen könten, und man war ent- I schlvst Lobinlon Crukoel 2ZL schloffen, sich m deren Sachen nicht zu mengen, wann sie sich nicht in der Einwohner ihre mischten. Man darffnichtzweiffeln, sie werden vfft dahin gekommen seyn, wie sie vor diesem gethan hatten, allein ich habe niemahls sagen hören, daß sie das geringste wider meine ^oiomen vorgenommen hätten. Damahls fiel mir ein, daß ich meinem Mönch alle Hoffnung gemacht, daß die Bekehrung der sieben und dreyßig Wilden ohne ihn geschehen könte und zwar anffeineArt, damit er würde zufrieden seyn. Diesem- nach zeigte ich ihm, daß diese Sache bereits auf einem gutcnWege wäre,denn wen dieseLeute auf solche Masse unter die Christen getheilet würden, so wäre leicht, es dahin zu bringen, daß ihnen die Grund-Sätze unserer Religion anständig würden, daferne nur ein ieder von ihren Herren alle seine Bemühungen anwenden wolle darinnen einen guten Fortgang zu erreichen. Er war hierinnen mit mir einig , allein, sagte er, wie werden wir sie dahin bringen, daß sie mir Fleiß daran arbeiten ? Ich gab ihm zur Antwort^ daß man sie darzu verpflichten müßte, indem man selbige alle zusammen kommen ließ, oder aber zu einem jeden insonderheit gienge und deswegen mit ihm redete. Dieser andere Vorschlag schien ihm der bequemste, und daraufftheilten wir das Merck unter uns ein. Er nahm über sich zu den Spaniern zu gehen, die alle Papisten wären, undichsolte den Engeliändern, welche insgesamt Protestanten, zureden. Wir banden sowohl diesen als jenen vest ein, sie sollen unter die Lehren, die sie den Wilden geben würden, ja nicht etwas von einem Unterschied zwischen den Catholischen und den Protestanten mit unterlcmffen lassen, sondern P 4 sich - zr Levm des Ettgclländer» sich vergnügen selbigen die Haupt - Gründe der chrisi- lichen Religion beyzubringen, als Z, E. das Weser GOttes, das Verdienst CHristi und dergleichen. Sie ^ versprachen uns dieses, und verpflichteten sich so gar, ^ nie miteinander von Lonrroverüen zu sprechen. ^ Wie ich in Hauß oder in dessen Bienstvck ^ kam, sahe ich mit Vergnügen, daß die junge Frau mei- ^ nes Werckmeisters oder ^laLkinenmachers, und^r- -5 kins seine,vertraute Freundinnen mit ander geworden, ^ und daß selbigefrome Person dasWerck,svderMann angefangen, zur Vollkommenheit gebracht hatte. Ob wohl seit Fokins seiner Frauen Tauffe nicht mehr als M vier Tage verflossen, so war sie doch bereits eine so gu- le Christin geworden, daß ich in meinem Leben von ei, Ä ner so plötzlichen Bekehrung, und mit der es in so kur, ch> her Zeit soweit gekommen, niemahls habe reden hö, M ren. Gleich an dem Morgen,da ich auff diesen Be- ch« suchdachte,warmir eben eingefallen, daß, wenn ich »A ihnen schon alles Meben, was sie brauchten, ich den, noch vergessen hatte ihnen eine Bibel zu scdenckenchar, A innen ich, wie ich bekenne, vor sie tveniger sorgte, als »ck meine gute ehrliche Wittwe vor diesem in Ansehung M meiner gethan hatte, indem solche mir drey Bibeln, ^ und ein gemein Gebeth, Buch, bey einer Ladung, so »iik hundert Pfund Sterlings werth, mit sandte und be, mühet war, daß mir solches alles in Brasilien ein, sitz gebändigt würde. ich Die Liebe dieser ehrlichen Frau that eine Wüt, tzz ckung, die sich viel weiter erstreckte, als sie selbst zu, ch vor gesehen. Denn diese Bibeln dieneren damahls ^ solchen Leuten zum Unterricht und Trost, die selbige ^ besser brauchten als ich zur seihen Zeit gethan hatte. ^ Eine Kobinlon (UruloL "«4 >!»: crr eix L' r» ^r>r ! tii' 2 ZZ Eine von diesen Bibeln hatte ich in meinemSchieb- sack, als ich in^rkins Hauß kam, wo ich spürte, daß die beyden Weiber von Religivns-Sachen miteinander sprachen. Ach! mein Herr,sagte /rrkm8, sobald er mich sahe, Wenn GDtt sich mir den Sündern versöhnen will, so weiß er schon Mittel darzu zu finden. Da hat meine Frau einen neuen Prediger gefunden, ich weiß, daß ich eben so NMMwdig als untüchtig war, Hand an ein solches Merck zu legen, und da ist nun diese junge Frau, welche uns vom Himmel herab geschickt scheinet. Sie ist im Stande eine ganye Insul voller Milden zu bekehren. Die junge Frau ward bey diesen Worten roth, und stund auff und wolle weggehen, indem ich sie a- der bat dazubleiben, sagte ich zu ihr, daß sie ein vortreffliches Merck unternommen hätte, und daß ich von gantzem Hertzen wünschte, daß der Himmel ihre Bemühungen segnen wolle. Wir fuhren eine Zeitlang in dieser Materie fort, und weil ich nicht sahe, daß sie einiges Buch hatten, so zog ich die Bibel aus meiner Tasche und sagte: „ ^o ylllm, hier ist Hülste, die ich euch bringe, und ich zweifele nicht, ihr werdet sie mit Vergnügen annehmen/« Der arme Mann war über dieses Geschenck so bestückt, daß er in etlichen Minuten kein Wort vorbringen konte. Nachdem er sich aber von seiner Bestür- tzung wieder erhohlet hatte, nahm er das Buch mit seinen beydenHänden,und wandte sich nach seinerFrauen zu, und sagte: Habe ich euch nicht gesagt, mein Schatz, daß, obschon GOtt da oben im Himmel ist, er dennoch unser Gebet hören kam Hier P 5 ist 2Z4 Lebendes EttZellLnderv rsi das Buch,das ich von ihm begehret kabele wir alle beyde in dem Busch aufs die Rnie fie. ^ len. GGtr hat uns erhöret, er hat es uns zu- M geschickt. Nachdem er diese Rede geendigt hatte ^ gerieth er in so übermäßige Freude, daß er mittenM ter der Dancksagnng, welche er gen Himmel schickte, A einen Thränen - Bach vergösse. Seine Frau befand sich in einer außerordentlichen ->^ Bestürhung, und sie wäre bald in einen Irrthum ver-> fallen, dessen sich niemand von uns versehen Hatte-Sie K glaubte vest, daß GOtt dieses Buch geraden Wegs, :»ch auffdie Bitte ihres Mannes, vom Himmel herab ge- Är sandt hätte, urrd hielt das vor ein unmittelbares Ge-- s) schenck, was doch nur ein eben soviel werther LffeÄ D> der göttlichen Vorsehung war. Es stund nur bey uns « solche in diesem Gedancken zu bestücken; allein die M Sache schiene mir allzu ernsthafft, als daß ich zugeben soltechaß die gute Person in dergleichen Irrung verfie- M le. Diesemnach redete ich die junge Frau an, und M sagte zu ihr, daß man in diesem Stück unserer Neu-- ,ms bekehrten nichts weismachen wüste, und bat selbige, sie M möchte ihrergutenFreundin zeigen,daß man mitWare heit sagen kan,,GOtt erhöre unser Gebet, wenn wir von seiner Vorsehung auffeine natürliche Art die M M ihm gebotene Sache empfangen, und daß unser Ge-- ^ bet niemahls dahin gehet von GOtt Wunderwerk zu fordern. jtzW Die junge Frau verrichtete diese EommUon voll- ^ kommen wohl ,und mit einem glücklichen Ersetz ; war also in dieser gantzen Sache kein heiliger Be-- trug, und in der That, wenn man bey einer solchem ^ Gelegeheit dergleichen gebrauchen wolte, winde mir ^ es kobinlon Ouloce 2Z s rs als eine Sache vorkommen, die am allerwenigsten entschuldigt werden könte. Hiervon komme ich wieder auff^-rkins Freude, dis nicht auszusprechenwar; Gewißlich ist wohl niemals ein Mensch, rvas man ihm auch schencken mögen, erkenntlicher gewesen, als er wegen dieser ihm von mir verehrten Bibel war, und niemahls hat sich einMensch über dergleichen Geschenck aus einem bessern Grunde erfreuet. Dieser Mann, welcher einer von den großen Bösewichtern der gantzen Welt gewesen, bestätigte durch ftine Besserung diese gewisse Regel: Daß die Väter an dem glücklichen Erfolg der Unterrichtungen , die sie ihren Kindern geben, niemahls ver- Misteln sollen, sie mögen auch so unempfindlich dabey scheinen als sie wollen. Wann es GOtt jemahls vor gut befindet die Hertzen solcher Leute nachgehends zu rühren, so nimmt die Krafft ihrer Aufferziehung ihre Seelen von neuem ein, und die Lehren, welche sie in ihrer zarten Jugend bekommen, würcken in ihnen mit allem ersinnlichen Erfolg. Die Gebothe, welche, so zu sagen, langeZeit eingeschlaffen gewesen, erwachen als« denn und bringen wunderbare Würckungen hervor. So war es mit dem armen ^ckws beschaffen. Er war keiner von den erleuchtesten, wie er aber beruffen ward, eine Person, die weniger wüste als er, zu unterrichten, so nahm er alle Lehren seines Vaters, deren er sich erinnern konte, zusammen, und bedienete sich derselben mit grossem Nutzen. Sonderlich erinnerte er sichkrafftig, was ihm sem Vater von der Vortrefflichkeit der Bibel gesagt hatte, daß solche über gantze Familien und gantze Nationen den Seegen des Himmels brächte; Eine War- heit. r z 6 Leben des Engelländer» hcit, deren offenbare Richtigkeit er niemahIsHsbey F dieser Gelegenheit begriffen hatte,denn weil erHeyden ^ nndWilden unterrichten wolte,konte erdesBeystands K der göttlichen Ansprüche nicht entbehren. ^ Die junge Frau war ebenfalls sehr erfreuet diese F Bibel zu sehen, weil sie deren zur selben Zeit benvthigt ztz >war. Zwar hatte sie so wohl,als ihr junger Herr eine ^ auf dem Schiff bey ihren andernSachcn,welche man -üis noch nicht an das Land gebracht hatte; Nein sie -Ä brauchte eine, um sich derselben gleich zu bedienen. ^ Ich habe schon so viele Sachen von dieser jungen ^ Frau angeführet,daß ich mich nicht enthalten kem noch M einen sehr besonderen und erbaulichen Umstand von ^ ihr vorzubringen. Ich habe oben erzehlet in was für ^ auserste Noth sie gebracht war, als ihre Frau, in dem M unglücklichen Schiff, welches wir mitten in demMeer ^ antraffen, Hungers starb. Als ich einsmahls mit ihr von dem schlechten Au ^ stand, darinnen sie sich damahls befand, eine Unter«- ^ düng hatte, fragte ich solche, ob sie mir eine Vorbil- düng von demjenigen, was sie bey dieser Gelegenheit ^ bey sich empfunden, geben und mir beybringen kante, was Hungers sterben heisse. So sagte sie zu mir, daß ^ sie dieses wohl zu thun gedachte, und darauf machte sie ^ mir diese umständliche Beschreibung: ^ Nachdem wir fast aufder gangen Reiffaus ^, Mangel d er Lebens-Mirrel, viel ausgeftan- den, so blieb uns endlich nichts mehr übrig, als ^ ein wenig Zucker, ein wenig wein, und ein we- mgwaster. Am ersten Tage, da ich keme ^ Nahrung zu mir genommen harre, befand rev, ^ daß gegen Abend mein Magen sehr leer ^ Lobinkbn Crusoe. -Z7 mit großen Gchmeryen, die ich dabey fühlte, wie aber die Nacht herbey kam verspürte ich mich sehr schlafferig, und hörete nicht auf zu gchnen; nachdem ich ein Glaß Wein zu mir genommen,legre ich mich aufein Bett, und wie ich ohngefahr drey Stunden geschlaffen hatte, befand ich mich in etwas erftijchet. Als ich aber drey andere Stunden gewacht hatte, so fühlteich,shngefrhrumfünff Uhr des Morgens, eben die Schmeryen im Magen, und ich rvolrevon neuem schlaffen; Es war mir aber unmöglich die Augen zuzuthun, weil ich sehe schwach, und mir sonst sehr übel war, welches den ganyett andern Tag mit vieler Abwechselung so fortgieng; bald hatte ich Hungcr.bald war mir übel, mit einem solchen Eckel als wie einer Person, die ein Vomiuf eingenommen hat. Gegen Abend legte ich mich wieder auf das Bette, nachdem ich, zu meiner gangen Nahrung, nichts anders als ein Glaß Wasstr zu mir genommen; wie ich eingeschlaffen träu- mere mir, ich wäre in karbLäo-,, fände da den Marckt mit allerhand Lebens - Mitteln angefüllt, kaufftedarvon reichlichem, und speisete nebst meiner Frau mirgutem ^pperir zu Mitta- e. Zu Ende dieses Traums glaubte ich mein agenware so voll, als wenn ich würcklich gespeiste hatte; wie ich aber erwachet war, befand ich alles überaus leer um den Magen herum, und war nicht änderst als wenn ich gleich die Seele ausblastn solte. Damahls nahm ich unser letztes Glaß Wein; that Zucker 2Z8 Leben desEngelländers cker darein, weil dieser etwas nährendes ansick E hat, weil ich aber nichts im Magen hatte, da- »ander wein seine würckung verrichten tz-n« ^ te, so bestand der gange Nutzen, denich hier- Von überkam, in einigen unangenehmen Dün- sien, die er mir nach dem Gehirn zuschickt«,und man hat mir gesagt, daß, nachdem ich dieses ^ Glaß ausgeleeret, ich lange Zeit al» eine per- ^ son gewesen wäre, die vor übermäßiger Trun- »kenheit nichts fühlet. jl i Den dritten Tag, nachdem ich die gany« Nacht mir Träumen, die sich gar nicht zusanv- A men reimten, wiewohl mehr schlummernd als sch lassend, Hiirgebrachr hatte, so erwachte ich, Ä und verspürte einen entsetzlichen Hunger/ ich ÜB weiß auch nicht, wenn ich wäre Mutter gern- Wl ssn,und eins von meinen Mindern bey mir ge- » habt ^ärre, ob ich würde so viel Gtärcke drs ;leic Gemüths gehabt haben mich zu enchalrrn,daß ) ich nich t drein gebissen hätt*. Diese Tollheit ckrr währeee ungefähr drey Stunden, binnen web »«h cher Zeit ich, wie mir nachgehends mein M- lm ger Herr gesagt hat, eben so rasend gewesen, als »ich diejenigen, welche im Narren-Gpiral am mei-- U sten nur diesem Übel behaffret sind. Bey ei- L« nem von diesen Anstössen von der Raserey, sül ich, entweder wegen der ungewöhnlichen Le- tz«, wegung des Schiffs, oder weil mir der Luß ausglitte, der lange lang zu Boden, und stieß H mich mir dem G'estchx dermaßen an meiner ütz Frauen Bert, daß mir das Blut häufstg aus ^ der Nasen gieng; nachdem nv» Min Bluc tz Lobmlon Trulbe. tzj»' l!Är ÜD !^2 ',77! c.cr r«: >a^ x!i! Ä? :i2 ifli rz9 fsrtlieff, nachdem verminderte sich meine Raserey sowohl als auch der Hunger, der daran Ursachwar. Nachgehende ward mir wieder übel, und mein Eckel stellte sich ebenfalls wieder ein, a- bereswar mir unmöglich etwas von mir zu neben, weil ich gang und gar nichts im Magen hatte. Indem ich auch wegen des häuffigen Blutens schwach geworden, fiel ich in Ohnmacht, und man hielt mich für todt, allein ich kam bald wieder zu mir selbst, und stunde ssl- cheMagett-Gchmeryen aus, daß ich unmöglich euch selbige vorstellig machen kan. Bey Herannaherung der Nacht fühlte ich nichts als einen erschrecklichen Hunger, mit solchen Begierden zu estcn, die, wie ich mir einbilde, dem Verlangen einer schwanger» Frauen gleich waren. Ich tranck noch ein Glaß Wein mit Zucker, aber mein Magen vermochte diese Süßigkeit nicht bey sich zu behalten, und ich gab alles den Augenblick wieder von mir; Dieses bewog mich bloß Majsir zu nehmen, und dieses blieb «Mein demLeibe. Darauf legte ich mich zu Bettundbat GOtt von Grund meiner Seelen,daß es ihm belieben möchte mich aus einem so unglücklichen Leben zu erretten; und weil ich mich, durch die Hoffnung bald erhört zu werden, beruhigte, so kam ich ein wenig zum Schlummern,welches einige Zeitwahrere.Als ich wieder erwachte, glaubte ich mit dem Tode rmgeh Mest mit d§s Haupr, durch die Dünste, 24» Leben des Engelländers sie, welche aus meinem leeren Magen aufstiH ^ gen, zum höchsten beschweret ward. Dabe- ^ fahl ich meine SeeleGOtt, und wünschte sehr ^ daß jemand meine Schmeryen verkükyen, und ^ mich in das Meer werffen möchte. B Diese gange Zeit über lag meine Frau bey ^ mir, wie eine Person, die gleich sierben will,ab ^ lein sie ertrug ihr Elend mit grösstem Much ö« und Gedult als ich, und in diesem Zustand gab sie ihren letzten Listen Brodr ihrem Sohn,der p solchen nicht eher als nach wiederhohlren Be« fehl seiner Mutter annehmen wolte, und ich binversichert,daß ihm diese, wenige Speis« dar Leben erhalten hat. >i^ Gegen Morgen schlieff ich wieder ein, und « als meinSchlaff vorbey war, empfand ich eine tzri ungemeine Begierde zu weinenbeymir, auf «« welche ein ander hesfriger Anstoß vom Hunger folgere. Ich stand gany rasend auf, und wenn d ich rn dem erbärmlichste Zustand,den man sich «nd nur einbilden kan, meine Frau todt gefunden >vid hätte, so glaube ich sehr,ich hätte ein Gtückv-n V ihrem Fletsch mit eben so großem Hvpeur ge> «lc! gesstn,alswennes sonst von einem Thier, s» st unszur Nahrung gewiedmer, gewesen wäre. Zwey oder dreymahl wolte ich ein Stück aus meinem eigenen Armen reisstn, und wie ich dar Becken sahe, darein ich den Tag zuvor gebluret harte, so fiel ick drüber, und schlang das Blut tzj mit so grösste Eilfertigkeit hinunter, als wenn ich befürchtet härte, man möchte mir es aus den Händen reisten. . Doch l § »r> Äc; tÄ mr SL M sk a? af N' «s' cl^ Robinson (Crusoe. 24! Doch sobald Lcb dasslbigein dem Magen harre, so machte mich das bloseErinnern daran voller Eckel, und verbannete meinen Hunger eine Zeitlang von mir. Darauff rranck ich noch ein Glast Wasser, welches mich erquickte und einige Gründen ruhig machte. Dieses war nun der vierdreTag, und ich blieb in diesem Stand bist in die Nacht; daraufward ich vier Stunden lang von allen den vielerley Anstössen, die mir der Hunger schon verursacht harre, nach einander befallen, bald war ich schwach, bald voller Schlaff, bald von heffri- gem Magen-Übel geplager, bald weinereich, dißweilenwar ich rasend, und Lmmlttelst nahmen meineRraffreaufungemeineArtab.Doch legre ich mich von neuem nieder, und harre keine andere Hoffnung, als vor dem Ende der Nacht zu sterben. Selbige ganye Nacht that ich kein Auge zu, und mein Hunger hatte steh in eine stets anhaltende Rranckheit verkehret; Dieses war ein abscheuliches Bauch-Grimmen, fo die winde, welche sich in mein leeres Gedärm einen weg gemacht, verursachten, und mich ein ««gemeines Schneiden empfinden liessen. Ich blieb in diesem betrübten Zustand biß den andern Morgen frühe, da ich durch das Schreyen und Klagen meines jungen Herrn erschrecket und betrübet ward, weil mir dekselbige zu wissen chäc, daß seine Mutter gestorben wäre. wie ich nun nicht so viel Macht hatte aus dem Berte;» steigen, so hub ich den Ropff ein wenig in ll. Theil. Q die -4-r Leben des LngellLndtk».' die Höhe,und ward innen,daß meineFrau noch ^ Arhern höhlte, wiewohl sie sehr wenig Lebens, Merckmahle vonsich gab. B Ich harre damahls einen abscheulichen 2vrampff im Magen, benebst einem grimmü ^ «en Appetit, und Schmeryen, denen des Todes ^ sein« allein gleich kommen mögen. Indiesem ^ «rsbröcklicben Zustand, dörre ich die Makro- A sen aus allen ihren Rraffren schreyen, ein See- " gcl, ein Seegel. Sie sprungen und liessen in dem gangen Schiff herum rvie Leute, die um ^ ihren Verstand gekommen waren. B Mir war es unmöglich aus demBerrezu ^ steigen; meiner armenFrau noch weniger^und O meM junger Herr war so kranck, daß lch ver- M murhere, ich würde ihn denAugenblick sterben ^ sehen. Solcher gestalltwar es unsunmöglich ^ unstreRammer-Thür aufzumachen, undge« m! narre Nachricht einzuzrehen, was aller dieser G Lerm bedeuten solte. Es waren schon zwey G Lage, daß wir mir gar niemand von der Lczui- Rs« xrtge gesprochen hakten. Als man uns das Icy-- Wi te mahl besuchte, harre man uns gesagt, daß nicht mehr ein einiger BissenBrodc rm gantzett ' ^ Knie von bescheidenen und frommen Leuthen machen D wolle. So war ich auch nicht gesonnen ihnen weder H die beyden ehernen Stücken, noch die zwey kleine vorn Qberlof lassen, welche mein Vetter über die gewöhn- ß liehe Zahl mit in das Schiff genommen hatte. Ich ^ achtete sie ohne diß vor starck und bewehrt genung ei- nen Feind, der sie angriffe, abzuhalten, und mein ^ Zweck war keines Wegs dahin gerichtet, sie in Stand ^ zu setzen, daß sie etwas zu erobern trachten tonten, weil ^ sie dieses endlich in das äusserste Unglück stürhen mü- ^ ste. Um aller dieser Ursachen willen ließ ich bendes ^ den Boot und das Geschütz im Schiff, in der Absicht ^ ihnen solche Dinge auf eine andere Art nützlich zuma- chen. ^. L Dieses ist nun alles was ich von meiner 6oI.onitN zu ^ sagen hatte.Jch ließ solche in einem blühcndenZustand, ^ und kam den - - - wieder an Bord, nachdem ich mich ^ in der Jnsul fänffund zwanzig Tage verweilet, und ^ meinen Leuten die sich entschlossen so lange da zu blei- ^ den, biß ich sie von dar heraus nähme, versprochen hat- ^ re, ihnen neue Hülffe aus Brasilien zu schicken, wenn ^ kobinlon Ouloe. -47 ich Gelegenheit darzu fände. Sonderlich hatte ich ihnen zugesaget, daß ich ihnen etwas von Viehe, als Kühe, Schafe, Schweine und dergleichen übersenden wolte; Denn anlangend die beyden Kühe und das Kalb, die ich aus Engelland mitgenommen,so hatte uns die Langwierigkeit der Reise gezwungen, selbige, weil wir kein Futter mehr hatten, mitten auf dem Meer zu schlachten. Den Tag hernach gierigen wir unter Seegel nachdem wir die Eolomen mit fünff Stückschüssen zuvor gegrässet hatten, und darauf kamen wir in den Meerbusen Allerheiligen in Brasilien nach zwey und zwanzig Tagen an, ohne etwas merkwürdiges anzutreffen, ausgenommen eine einhige besondere Sache. Als den dritten Tag, nachdem wir abgeseegelt, das Meer still war, und die Flut mit Macht nach Ost« Nvrd-Ostgieng, so wurden wir ein wenig von unserer Fahrt abgetrieben, und unsere Leute schrycn zu dreyen- mahlen: Land gegen Offen, ohne daß es uns möglich war zu wisten, ob es das rechte Land, oder Jnsuln wären. Gegen denAbend sahen wir das Meer nach der Land-Seite mit etwas schwachen ganh bedeckt, so wir nichteigentlich unterscheiden konten; allein als ser 8ubMmr mit einem Perffectif auf den grossen Mast gestiegen,fieng er an zu schreyen,daß es eine gan- tze Armee wäre. Ich wüste nicht was er mit stmer Armee haben wolte, und sagte er wäre nicht klug: „Werdet nicht unwillig, mein Herr, sagre er, es ist ei- ,,ne Flotte, ich bin euch gut oarvor. Es sind mehr als „taufend Lsnocs und ich sehe sie gerade auf uns zu sahnten. „ Ich ward über diese Zeitung ein wenig bestächt, so wohl als auch mein Vetter der Oxir-üne, Q z ' wel- 246 Lebendes Ettgellanders welcher, da er in derJnsul so erschröckliche Sachen von diesen Wilden hatte erzehlen hören, und zu dem niemahls in diesen Meeren gewesen war, nicht wüste was er davon gedencken solte. Er schrye zu zweyen oder drehen mahlen, daß wir uns nichts anders versehen sol. ten, als daß wir würden gefressen werden. Ich gestehe,wie ich sahe, daß dasMeer still war, und daß uns die Fluch nach dem Uftr zutrieb, so befand ich mich nicht ohne Furcht. Nichts desto weniger sprach ich ihm einen Muth ein, und rieth ihm alsofort den Ancker fallen zu lassen, so bald er sehen würde, daß dasFechten mit diesen Barbaren unvermeidlich seyn würde. Indem es nun immer still blieb, und diese Flotte ganh nahe bey uns war, befahl ich daß man den Ancker aus- werffen und die Seegel zusammen rollen solte. Zu gleicher Zeit versicherte ich die l^uipHe.daß man von den Wilden nichts zu fürchten hatte, ausser daß sie et- wadas Schiffin den Brand bringen mochten,umfel- bige aber hiervon abzuhalten, mäste man diezweei» Boote mit tvohlbewehrten Leuten anfüllen /und solche ganh nahe vest machen, einen am Hindertheil, den andern am Vortertheil des Schiffs. Nachdem dieses Mittel gut geheißen worden, so ließ ich diejenigen, so in dem Booten waren, eine gute Anzahl Eimer nelMn um das Feuer zu löschen, welches sich die Barbam aussen an das Schiff zu bringen bemühen könten. Wir erwarteten die Feinde in dieser ünd bald salM wir selbige ganh nahe; ich glaube nicht, daß den Augen einesChristen jemahls ein abfchemM Anblick vorgekommen sey. Zwar hatte sich der'W- Lllur in seiner Rechnung sehr betrogen: anstatt tau« send Lsnvrs waren deren enva ungefähr hundert uno sich» ß! l!!> Aobmlön Oulöe. !?S ch ns s«! »l AI " 7 ^ 1 L Ä- U li'Ü ich ä-r r^- <-^ 247 sechs und zwar,tzig hingegen aber waren solche dergestalt beladen,daß sich in manchem biß siebenzehen Personen befanden, und in den allerkleinsten waren zum tvesigsten sieben Mann. Sre rückten kühn heran, und schienen als wenn sie das Schiff auf allen Seiten zu umringen willens waren ; allein wir befahlen unsern Booten sie sollen nicht zugeben, daß sie allzunahe heran führen. Diestr Befehl selbst verwickelte uns, wider unsere Meinung, mit diesen Wilden in ein Treffen. Fünff oder sechs von ihren starcksten L^nocz kamen dem grasten unter unsern Booten so nahe,daß ihnen unsere Leute ein Zeichen mit der Hand gaben, sie sollen sich zurück ziehen. Sie verstanden dieses sehr wohl, und thäten es auch, abergleich indem da sie zurückgiengen, schickten sie uns ungefähr funffzig Wurffspiesse zu, und verwundeten einen von unsern Leuten gefährlich. Nichts destowemger schrye ich denen in den Booten zu, sie sollen kein Feuer geben, und ließ ihnen eine gute Anzahl Breter zuwerffcn, damit sie sich wider der Wilden Pfeile bedecken tönten, falls sie von neuem kämen und auf sie loß schössen. Ungefähr eine halbe Stunde drauffkamen sie mit gesammter Hand auff der Seite des Hintertbeils von, Schiff auff uns angerückt, ohne daß wir anfänglich ihre Absicht errathen kvnten. Sie kamen so nahe, daß ich ohne Mühe sehen mochte,daß es welche von meinen alten Freunden waren; ich will sagen von den Wilden, mit denen ich offt handgemein geworden war. Einen Augenblick hernach entferneten sie sich übermahl , biß daß sie alle miteinander einer von den Seiten unsers Schiffs gerade gegen über waren, Q 4 und 248 Leben des EnZelländers und darauffruderten sie starckzu,damit sie^nuns E kommen möchten. In der That rückten sie so nahe I heran, daß sie uns konten reden hören, und sodenn be- s fahl ich der gantzen Lymphe Ruhe zu halten, biß daß Ä sie zum andern mahl ihre Pfeile abdrückten, indessen ! - solte man das Geschütz in völliger Bereitschafft Hai-- ^ ten. Zu gleicher Zeit befahl ich Freyragen sich auffden Oberlof zu begeben und mit selbigen zu sprechen, und solche hiernechst zu fragen, was ihre Absicht wäre. Ich Miß nicht ob fle ihn verstunden, aber das ist mir j' wohl bewust, daß fünffoder sechs von denen, welche in D den nähestc,n Lanoes waren, uns ihren Hindern ganz U nackend wiesen, als wenn sie uns gleichsam freundlich m ersuchen wolten selbige mit einem Küßgen zu beehren. V Ob dieses nur ein Zeichen der Verachtung heissenM-- ^ te, oder ob sie uns dadurch heraus forderten, und den W andern das zum Angriff gaben, das weiß ich A nicht, gleich drauff aber fchrye Freytag, sie würden 8 indemschiessen, undzudesarmen Kerlsgrossen Un» Z glück liessen sie mehr als drey hundert Pfeile in das » Schiff fliegen, von welchen niemand als mein treu« D Diener selbst verwundet ward, fein Leib war vor meu » nen Augen mit drey Pfeilen durchschossen worden, I weil er der einzige war, den sie sehen kvnttn. 8 Der Schmertz,welche mir derVerluft dieses alten ^ Gefährten aller meiner Bemühungen verursachte, ^ trieb mich zu einer gewaltsamen Rach-Begierde. Ich - befahl also fort man solte s. Stücken mitKattetsthen z und viere mit Kugeln laden, und wir gaben ihnen er- 8 ne solche Lage, daß ihnen das Andencken hiervon ihre - ganhe Lebens-Zeit gewißlich geblieben ist. Sie wa' K.vbmlon Ouloe. 249 ren nur ein halbes Ancker - Seil von uns entfernet, und unsere Büchsenmeister zielten so gewiß, daß vie-re von ihren Lanocs allem Ansehen nach, auff einen Schuß übern Haussen geworffen wurden. Das närrische Compliment, das sie uns gemacht hatten,war nicht die Haupt-Ursache meines Unwillens, immassen wir nicht wußten was sie damit haben wollen, und alles was ich, selbige wegen ihrer Unhoff- lichkeit zu bestraffen, zuthun vorhatte, das war, daß ich selbige zu schrecken vier oder fünffmit blossemPul- ver geladene Stücken abfeuren lassen wolte. Da ich aber den entsetzlichen Pfeil-Hagel sahe, welchen sie ohne Ursach auffuns fallen liessen, undhiernechft den Tod des armen Freytags, welcher alle meine Hochachtung und alle meine Liebe so wohl Verdienste, so glaubte ich, daß mir vor GOtt und den Menschen das Recht zukäme, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, und gewißlich e-s würde mir sogar lieb gewesen seyn, wenn ich alle ihre Lanorä hatte in den Grund bohren können. Dem sey wie ihm wolle, unsere Lage verrichtete eine entsetzliche Lxecuuon ; ich kan nicht eigentlich sagen, wie viel wir davon tödteten; allein es ist gewiß, daß unter einem Haussen Heute niemahls ein dergleichen Schrecken und Bestürhung gesehen worden. Dreyzehen oder vierzchen von ihren LanE waren theils zerbrochen, theils übern Haussen geworffen und in Grund gesencket,und diejenige, so drinnen gewe- i sen,waren zum Theil getödtet, und zum Theil suchten ' sie sich mit schwimmen zu retten. Die andern waren vor grossen Schrecken vom Verstand gekommen, und waren nur bedacht sich zu Q 5 entfer- rs» Lebendes Ett^llLnder» entfernen, und bekümmerten sich gar nicht um jhreCa^ meraden, deren entweder in Grund Zesihos. lß sen »der, sonst durch unser Geschütz ruinirt waren. M Verlust muß verfolg!ich wichtig gewesen seyn; Doch O stetigen rvir riur einen davon, welcher eine Stunde nach -F dem Gefecht noch im Meer schwamm. ^ Ihre Flucht war dermalst» eilfertig, daß sie in drey O Stunden schlechterdings aus unserm Gesicht waren, ^ ausgenommen drey oder vier Ono«. welche allem D Ansehen nach, leck geworden , und also dem grossen M Hauffcn nicht mit eben der Geschwindigkeit folgen »Ä konten. Unser Gefangener war über seinem Unglück der, Massenbeftürht, daßerwrdrrreden/nochrssenwvlte, H lind wir glaubten alle, daß er sich todt z» hungern rvil« W lens wäre. Gleichwohl fand ich ein Mittel ihm die ^ Sprache wiederzubringen, indem ich mich stellte / als ^ wenn ich ihn wolle wieder lassen in das Meer werffm h» und in vorigen Stand setzen, darinnen man ihn gefu», ^ den hatte, wenn er aussseinem Stillschweigen hartnä, E« ckigter weist beharren wolle. Ja man that noch mchr, ^ man warff ihn würcklich wieder in das Meer, undent, ^ fernere sich von ihm. Er folgte aber dem Boot mit ,,,, schwimmen nach, und als er endlich wieder da hinein ^ kam, st ließ er besser mit sich umgehen, undfieng anzu ^ reden, aber eine solche Sprache, davon Niemand un< ^ ter uns ein einiges Wort verstehen kome. ^ , Nachdem sich darauffein frischer Wind erhoben, ^ ßlenßt» wirwie'c cr unter Seeget, jederman war hoch «freuet / daß wir aus diesem HandelArkommenMs« /er mir, der ich über Freyrags Verlust zum höchsten ^ dettübtt war, und gerne hätte wieder nach der Zn.IH ^ d-ü ^ Robinson Oruloe. rrr M MÜckkehreL mögen üm von selbiger einen andern ab« Ll Mohlen,der mir zudienen wäre geschickt gewesen; al- lein es war eine unmögliche Sache, und wir musten ^ unserm Wege folgen. Jmmittelst fieng unser Gefan« 4 ^ gener av einige Worte Englisch zu begreiffen, und bey uns zu gewöhnen. Wir fragten ihn sodann aus was Ä füreinem Lande er mit seinen Cameraden gekommen ^ wäre / es war uns aber unmöglich ein Wortvon seiner 2 Antwort zu verstehen. Er redte auffeine so hohle und ^ seltsam« Art durch den Halß, daß es nicht einmal schie- ^ ne als wenn er einen deutlichen Laut sonnirce; und . wir hielten alle darvor / daß man diese Sprache voll- kommen gutreden könte / wenn man ein scharst Ge« ^ biß ins Maul nähme. Wir komm nicht wahrlich« ' wen / daß er sich der Zähne, der Lippen, der Zunge, o« der des Gaums bediente: seineWvrle waren den man- cherley Thonen gleich / die aus einem Wald > Horn kommen. Nichts destowcniger lernete er einige Zeit ^ drauffein wenig Englisch reden, und alsdenn gab er uns zu verstehen, daß die Flotte, welche uns angegrif« aßi« fen hätte, wäre von ihren Königen bestimmt gewesen «Ar eine grosse Schlacht zu lüstern. Wir fragten ihn M wieviel Könige sie denn hätten ? Er sagte sie wären fünff Kationen, und hätten soviel Könige, und daß ihr r,Ldi Vorhaben gewesen wäre hinzugehen und zwey feind- «V lichrVölcker anzugreiffm. Wir fragten ihn ferner, ^ aus was für Ursachen sie sich uns genähert hätten? uiid ,'P wir erfuhren von ihm/ daß ihre Absicht imAnfangnur ^ dahin gegangen eine so wunderbare Sache / als jihtn, ^ unser Schiffvsrgekommen, zir betrachten. ' ' ^ ^ Dieses alles ward in einer noch weit schlimmern ^ Sprache' vorgebracht, als Freitags seine gewesen ° ' war I r sr Leben des Engelländers ^ war, da er anfieng Englisch zusprechen. JchU« ^ hier, noch ein Wort von dem armen Menschen, dem treuen Freytag sagen; wir erwiesen ihm die letzte > Ehre mi. allein möglichen Gepränge: wir legten ihn ^ in einen Sarg, und nachdem wirselbigenindaMeer ^ gewsrffen, Nahmen wir niit eilffStück-Schüssen von ^ ihm Abschied. , Solchergestalt nahm das Leben des ^ besten und schätzbarsten unter allen Bedienten ein ^ Ende. ^ Indem wir nun unsere Reise mir einem guten Wind fvrtsahten, so entdeckten wir das Land den ^ zwölfftenTag nach dicserBegebenheit,bey demfünff- ^ ten Grad mittägiger Breite: Es wa. das Vater« «i land von dem ganßen America, welches am meisten ^ nach Nord-Osten zugehet. Wir fuhren gegen Süd« ^ Ost-Ost-Ost, indem wir in vierTagen dasUfer ^ nicht aus dem Gesicht verlohren, zu Ende derselbigen W liessen wir vor dem Vorgebürge des H.Augustir nr vorbey, und drey Tage hernach legten wir in dem R Meer-Busen Allerheiligen vor Ancker, so der Ort, A von welchem alles mein Glück und Unglück hergekom« O men. Niemahls war ein Schiff dahin gekommen, das «Mi weniger allda zu thun hatte, und gleichwohl erlangten B wir kaum mit grosser Mühe,daß wir mit den Einwvh- O nern des Landes die geringste Eorrelsionäcm haben v durfften; weder mein (Horte, der in selbigem Land ^ eins sehr schöne Figur machte, noch meine beyde ka> A Llorn, noch das Gerüchte von der wunderbaren Art/ H wie ich war aus meiner Wüste gekommen, konten ch mir dieseGunst zu wege bringen. Als sich meinLon- körte endlich eriynertt, daß ich vor diesem dem ?nor ^.obilüon Oru5ss. 2f5 ^..n. . 5 ^' - des Augustiner-Closters fünsshundert ^oMores, und zwey hundert den Armen gegeben hatte-, brachte er diesen Geistlichen dahin, daß er zu dem Oouverneur gicng,und ihn um die Erlaubniß an das Land zukommen bat ncmlich vor mich, den LäpicalNL, und noch Wandere Männer« Man stund uns dieses zu, jedoch unter dem Beding, daß wir keine Waare ans !and brächten, und niemand ohne eine ausdrückliche Vergünstigung von dar wegführten. Diese Bedingung liessen sie uns mit so grosser Strenge beobachten, daß ich alle Mühe von derWelk hatte, ehe ich drey Ballen feine Tücher, Zeuge und keinwad, so ich einig und allein mit gebracht meinen c«nlorken damit zu beschenken, an das Land bringen durffte. E Selbiger war ein sehr großmütiger Mann, und der sthrgute Meynungen hegte, ob er Aeich, eben wie ich, iviAnfang wenig gehabt l-atte.- Ohne daß er wüste, daß ich die geringste Absicht ihn zu beschenken hatte, schickte er mir Wein und Zucker-Werck vor mehr als dreyßig ^vicloresaufdas Schiff, und zu diesem that n noch Toback, und etliche schone güldene ^e^mUen. Mein Geschenck war nicht von geringerm Werth als ßknes, und solle ihm sehr angenehm seyn; Diesem lugte ich noch vor hundert Pfund Sterlings eben dergleichen Waaren bey, doch in einer andern Absicht, md hiernechst bar ich ihn, daß er meinen Boot zurecht «achen liesse, damit ich denselbigen zu Übersendung Wmgen, was ich meiner Lolome versprochen, gebrauchen könte. DieSacheward in sehr wenig, Tals» verrichtet, und wie meine Schaluppe gany «Wöge- üstet war, so gab ich den Steuermann solchen Unter- r s4 Leben des LttgellLnder» richt meine, .Jnsul zu finden, daßer selbigeunmöglich, !* verfehlen konte: auch fand.erdieselbe, wie ich nach«. t« hendö durch meines Lonlorten Brieffe vernommen ^ habe. In sehr kurher Zeitward solch« mit der Ladung-». B sehen, die ich meinen Leuten zugedacht hatte, und ein» von unsern Matrosen, der mit mit auf der Znsul «. wesen war, erbot sich mit dem Boot zu gehen und sich A in meiner Lolomc nieder zu lassen, wofern« ich dem B Spanischen Gouverneur durch einenBrief befehlen B wolle ihm Kleider, Land, und benötigtes Wncheug s zu reichen, damit er eine ?lanrazc anfangen konte; wel» «L ches er denn fthr wohl verstund, weil er vor diesem in n klar/-Land Pflanher und über diß ein sogenannter «k Loucanier * gewesen. Ich munterte ihn zu diesem Vorhaben auf, und -er,' « willigte ihm alles/ was er von mir begehrte/und schrnck- « ke ihm auch den Sclaven, den wir in dem letzten m Scharmützel gefangen hatten. Neben dem gab ich ^ dem Spanischen Gouverneur Befehl ihm von allem, h. dessen er benöthiget wäre/eben eine solche ?orüonzy M reichen, wie er sie den andern ausgetheilet hätte. ^ Wieder Boot fertig stund in See zugehen, sagte ^ mein Lonlorte zu mir, daß sich ein Pflanher von seiner ttzl Bekanntschafft da befände, der zwar ein wackerer Mann wäre, dabey aber das Unglück gehabt hätte sich ^ die ^ * Dieses find Leute die in Amerika sich in drmHvltz rersamni- - len, daselbst jagen, und nachdem sie viele Thiere gefangen, , . hauen sie dieselben in Stücken und legen sie auf den Mer« «en Rost t» braten. Nach diesem verkauffen sie dir HM ^ tc und das Geld, so sie davorberommen, vrrsauffe« sie «n ei« Wein. Mit einem Wort es seynd liederliche Gesellen. H kodlnlön Crusoe. r?5 HA tie Ungnade der Kirche auf den Halst zu laden: Ich chH s«ß hiervon die Ursache mch» gar zu wohl f sagte er zu mir, «der rch halte ihn, in dem cfirund des Heryens, vor einen 2^ee;er,und er lk? sich verftecken müssen, damit er nicht in die A Hände der Inquisition gefallen ist. Es würde ^ ihm herylich lieb seyn, wenn er diese Gele- ^ genheit fände mit seiner Frau, und seinen ^ beyden Töchtern zu entwischen, und wenn ihr A chm dasMittel geben wollet in eurerInsul eine PImraZe anzurichten, so bin ich bereit ihm er- MAg Geld zu reichen, damit er anfangen kön- ?k>u «e: denn dre Bedienten von der Inquisition haben ihm alle sein Vermögen mir Errett.belegt, und ist ihm nichts übrig als.efmge ^Inbi- lirn und zween Sclaven. Ob ich wohl seine M krincipia haste, so würde mir es doch leyd seyn, »»Wenn er in ihre Hände fiel, denn es ist gewiß, !«!»tzaßer würde lebendig verbrannt werden. W > Dieses war ich denAugmblick zu fiicden, und wir ,iädl»ttbargendiefm armen Mann mit seiner Familie in M unserm Schiff/ biß der Bvotzur Abreise fettig hielt, -rS undaisdenn tbüren wir alle stine Sachen hinein, und ^ sühnen ihn s ibsidahin/ sobald sie ausdem ADerbusen hinaus war. ' Der Matrose, wllcher eben diesenEntWußgenom» " tten,warhöcl)ftersreuet/daß er einen solchen Gefahr» irn bekommen hatte. Sie waren ungefähr beyde ^eich reich : Sie hatten einig nöthiges WerEzeug ei- ^ St?lLnrLFe anzufangen/und daswar alles. Nichts» ^ ^sivweniger hatten sie einige Zucker - Röhre be» M M dm nothwendigen Makerialieu dieselben zu nu, »A im, und man versicherte mich, daß der Portugiesische Pftan 2s6 Leben des Engelländers ^ Pflanßer, der vermeynte Ketzer, alles, was züdergleH ^ chm Pflanßungen gehöret, vollkommen verstünde ^ Das wichtigste, so ich meinen Unterthanen schickte,be^ ^ stund in drey melckenden Kühen, fünff Kälbern, zwey ^ und zwantzig Schweinen, drey trächtigen Sauen . zwo Stuten, und einem Hengst. ^ ^ Um auch meinen Spaniern einen Gefallene er- ^ weisen, so schickte ich ihnen überdiß drey Portugiesi- ^ scheWeiber, mit Bitte selbigen MännerzugebeN, und auf gelindeArt mit ihnen um zugehen. Jchhät- teihnen noch deren eine grössere Zahl zuwenden kön-- ^ nen, allein ich wüste, daß mein verfolgter Portugiese ^ zwey Töchter bey sich hatte, und daß nur fünff Spa» ^ nier imStande waren sich zu verheyrathen, weil die ^ andern schon Weiber in ihrem Vaterland hatten. ^ Diese ganhe Ladung kam in gutem Zustand in mei- ? ner Insul an, und man wird ohne Mühe glauben,daß ^ solche allda mit Vergnügen von meinen Unterthanen ^ angenommen worden: Dieselben befanden sich mit ^ diesem Zuwachs nunmehro sechzig biß siebenzig an der ^ Zahl, ohne die kleinen Kinder, deren eine grosse Men-' ^ ge da war, wie ich nachgehends bey meiner Zurücke ^ kunfft von meinen Reisen, durch Briefe, welche ich ü- ^ ber Portugal! zu Londen empsieng, erfahren habe. ! ? Von meiner Insul ist mir anietzo kein Wort mehr « zu sagen übrig, und wer das rückständige von meinen A aufgezeichneten Geschichten lesen wird, thut sehr wohl/ 7° wenn er nicht mehr daran gcdencket, und nur auffdie ^ Thorheiten eines alten Mannes mit Fleiß Achtung giebt, welcher weder durch sein eigenes, noch durch an-, P derer Leute Unglück klüger geworden; eines alten schwachen und unvermögenden, sage ich, dessen Ge> m muths^ lli Kobmlon Ouloe. 2 57 ^ v < '>'' ergehen, welches sogar dessen Hoffnung übersteiget, vergnüget worden sind. Ich war eben so wenig genöthigt nach Indien zu gehen, als ein Mensch, der frey und keiner Udelthat schuldig, gehalten ist sich zu dem Kerkermeister in Xexv- ßLw zu begeben und selbigen zu bitten, daß er ihn bey die andern Gefangenen zusetzen, und Hungers sterben zu lassen belieben möchte. Weil mir ja meine Jnsul so gar lieb war, hatte ich können ein klein Schiff nehmen, und geraden Wegs dahingehen; ich hätte dasselbe mit allem demjenigen, was ich aufmeines Vetters Sch ffgebracht, beladen, und ein Patent von der Regierung mit mir nehmen können, um mich des Eigenthums meiner Jnsul zu versichern , indem ich solche der Ober - Herrfthafft von Groß-Britannien zu untergeben , b-'mnbet gewesn wäre. Neben dem hätte ich Geschütz, Pulver und Kugeln, Sclaven und Pflänher dahin bringen, so wohl auch im Nahmen des Königreichs Engelland eine Omäelle dahin bauen, und eine beständige und blühende Lolome allda anlegen können, bim nachge- hends nach gewissen Gründen , und als ein weifte Mann zu verfahren, so ftlte ich mich selbst dahin setzen, mein kleines Schiffmit gutem Reis beladen zurückschicken, wie mir dieses in sechs Monat Zeit leichc war, und hiernechst meine Lorrelstonäencen zu bitten, dasselbige mit allem dem, was meiness Unterthanen nützlich u. angenehm seyn könte, von neuem zu beladen. Zum Unglück hatte ich dergleichen vernünfftige Absichten nicht, und von so wichtigen Vortheilen, die ich ll. Theil. R bey r s 8 Leben d es EngeNänders bey einer solchen Auffrichtung finden mögerümE ä nicht bewegt; ich ivar nur von einem LaufsTeM besessen, der mich des blossen Herumlauffens wegen 4 die Welt zu durchziehen nöthigte. Wahr ists, baß ich ein grosses Belieben trug meiner Unterthanen Wohlthäter zuseyn, selbigen aus eigener Gewaltgu- ^ tes zu thun, ohne von einem Potentaten zu öepeiwiren, Ä kurtz die alten Patriarchen vorzustellen, welche Kö- --- nige ihrer Familien waren: Weiter erstreckten sich meine Absichten nicht; ja ich war nicht einmal bedacht ^ meiner Jnful einen Nahmen zu geben : sondern ich verließ selbige, wie ich sie gefunden hatte, indem sie ^ eigentlich niemand gehörte. Auch richtete ich unter meinen Leuten keine Regierungs-Form an: .Denn ob ich wohl als Vater und Wohlthäter bey ihrerAuf. ^ führung etwas zusagen hatte, so besaß ich doch meine Z Gewalt über sie nur Bitweise, und sie waren nicht L anderst gehalten mirzugehorsamen, als soweit es die A RegelndesWohlstandserfordermDas wärenochchin- gegangen, wenn ich mich bey ihnen auffgehalten hatte; L Es wär e vielleicht alles gut abgelauffen , wie ich sie a« A ber so dasitzen ließ, auch niemahls mit einem Fuß wie- derindieJnlul kam, so muste nothwendig alles in Un- ? ordnung getragen. Dieses trug sich eben so zu, wie ^ ich nach der Zeit aus einem Briefs von meinem (chi> ^ ilorcen, der von neuem einen Boot dahin geschickt, ver- ^ nommen habe. Diesen Brief empfieng ich erst fünff ^ Jahr hernach da er war geschrieben worden, und ich ^ sahe daß die Sachen meiner Kolonie nur gar schlecht ^ ten Fortgang hatten, daß meine Leute sehr Überdruß ^ sig waren an selbigem Ort zu bleiben, daß ^ckins ge- l > pochen; daß fünffSpamer fiMegari-en; Daß°b . > RUnlon Elrukoel -s- sie wohl keinen grossen Schaden von den Wilden er- ^ Wen, sie dennoch einige kleine Scharmützel mitselbi- zmgehabt; Mit einem Wort, daß sie ihn höchlich ge- ^ bethe» mir zu schreiben, ich möchte mich meiner Zusa- rFj ze erinnern sie von dar wegzunehmen, und ihnen das rL Vergnügen zu verschaffen, daß sie in ihrem Vaterland, L v sterben tonten. ^ Meine Fahrten , und mein neues Unglück liessen ^ niirnicht Zeit, weder an diests Versprechen, noch an ^ ' etwas anders, so die Jnsu! angieng zu gedencken, und. diejenigen , die meine übrige Zufälle wissen wollen, sss, dürffen mir nur auss eine neue Bahn der Thorheit ss' md des Unglücks folgen. Zum wenigsten können ssss siedaraus lernen , daß uns der Himmel offt durch Er- ss.Jming unsers Verlangens strafet, und daß er uns. V'diegröste Betrübnisse betreffen lasset in dem er unsern. E' Wigsten Wünschen Vergnügung gi'ebet. -' o Kein Mensch schmeichele sich demnach mit der ^Krafft seiner Vernunfft, wenn es um die Wahl einer Wissen Lebens-Art zu thun ist. Der Mensch ist ein -ss Wer, welches gar nicht weit siehet. Seine Gemüths- >-' Neigungen sind nicht seine besten Freunde, und seine - - Wigsre Neinungen sind insgemein seine schlimmsten Rache. ^ Zeh sage hier dieses alles, indem ich das ungestüme rF Verlangen, in der Welt herum zu laussen, welches ich ^' Mmeiner zartesten Jugend an bey mir verspüret, er- und dabey das Unglück betrachte, daran mich diese Neigung, welche so natürlich war, daß sie mir K^üngebvhren schiene, gestürtzet hat. M Es ist mir leicht euch die Würckungen dieser Nei- ^ling mit den Umständen, die ftlbige, so zusagen, besee- N let r6o Lebendes EngellLnders let und in Bewegung gebracht, auffeine Historische ^ Art zu erzehlcn, und zu erkennen zu geben ; Allem die ^ geheimen Absichten der göttlichen Vorsehung, wann « sie uns zugiebt solchen wunderlichen Neigungen blin- 1 ,k Der Weise zufolge», können nur von denjenigen begriff ^ fcn werden, weiche gewohnt sind die Wege dieserVor- L sehung mit Ausmercksamkeit zu betrachten, und gom seelige Folgerungen aus der göttlichen Gerechtigkeit, L und unsern eigenen Irrthümern zu ziehen. « Doch ich habe von dem lächerlichen Wesen meiner 4. Aufführung weitläufftig genung geredt. Nunmehr» ^ ist es Zeit, daß ich wieder auff meine Historie komme. I». Ich hatte mich nach Zndien zu fahren zu Schiff bege- den, und ich kam auch dahin. Ehe ich aber mit mei- § ner Reise weiter gehe, muß ich hier Nachricht geben, daß ich genöthigt ward mich von meinem jungenGeist- 5 ' lichen abzusondern, welcher mir so starcke Proben sei- ner Gottseligkeit gezeiget hatte: Denn weil er da ein 7 Schiff fand, so gleich nach l^iLbon siegeln wolte, so büt er mich um Erlaubniß, daß er mit selbigem gehen ^ möchte z Also schiene es als wenn es über ihn verhängt ch wäre, daß er seine Reisen niemahls vollenden solte.Zch « war Damit zufrieden, und ich würde weißlich gethan L haben, wenn ich eben den Entschluß genommen hätte. ^ Ich hatte aber einen andern gefaßt, und der Him- Z mel macht alles aufs beste Wenn ich mit diesem Prie- ^ ster gegangen ware/o hatte ich nicht so eine grvsseMn- ^ ge ^teriL überkommen, gegen GOTT danckbar zu ^ seyn, und man hätte niemahls von dem andern Theil ^ der Reisen und seltsamenBegebenheiten des ^obiulon ^ Lruloe reden hören. - 2 Von Brasilien liessen wir gerade nach dem Vsr- , gebur« Htz s IlobmsuntüruköZe. rSr ^ mbürge der «mm Hoffnung; Unsere Reisewav «tu? hOero ziemlich glücklich, vhncrachttt wir zuweilen conrmi en Wind, und einige Ungewitter hatten; Al- ' ^ lein mein grosses Unglück auffdem Meer war zuSnde, meine künfftigen Unfälle sollen mir auffdem Lande be- gegnen, damit erscheinen mochte, daß uns solches eben sowohl als das Meer zur Straffe dienen könte, wenn es dem Himmel, welcher die Umstände aller Dinge M nach seinen Absichten richtet, also gefällt, v - Wie unser Schiff nur eintzig und allein zur Hand« M lung bestimmt war, so hatten wir einen Auffschcr oder ^ 8uger-L3t-F0 bey uns, welcher, nachdem wir würden ...U beydemVovgebürge vergüten Hoffnung ange- fchch langt seyn, dessen sämmtliche Bewegungen anordnen ^ z " solle. Alles war seiner Sorgfalt md Klugheit ander« L" trauet, und die Hände waren ihm in nichts gebunden, ^ als was dieZahl der Tage anlangte,welche dasSchiff ' in jedem Hafen zubleiben hatte. . Also brauchte ich gar nicht mich darein zu mengen, dieser 8uper - LärAv oder lnspcÄor und mein Vetter " dercagimjns beriethen sich untereinander was et- wa hier und dabey zuthun wäre. ^ Wir blieben bey dem Vorgebürge nicht langer als es nöthig war frisch Waffer, und andere benöthigte ^ Dinge einzunehmen, und wir eileten so viel möglich auf der Küste von LoromLnäel anzulangen, weil wir Nachricht hatten , daß ein Franhösisches Kriegs- Schiff von funffzig Stücken nebst My grossen Kaust» Hrtheyschiffen den Weg nach Indien genommen '(s hatte. Ich wüste daß wir mit den Franhosen im Kriege lagen, und verfolglich war ich nicht ohne . Furcht: Zum Glück giengen sie ihren Weg fort, >,.ch R z ohne S6 2 Leben des Engelländers. ebne daß wir nachgehends von ihnen habenUr 5 hören. Ich wil! meine Erzehlung nicht verwirren mit Beschreibung der Oerter, mit dem Tageregisier der Dveyse, mitden Veränderungen des Compasses, von O den Breiten, von den Winden, die ;u gewissen -s Jahrs - Zeiten zu wehen pflegen, von der Lage der D Häfen und andern besondern Umständen , welche die Beschreibungen der Reysen, die so lange gewahres -t« so verdrießlich machen, und welche denjenigen, die ,Z nicht eben dergleichen Fahrten übernehmen wollen, ^ sogar unnützlich sind. W Es wird gcnung seyn das Land zu nennen, und ^ die Häfen wo wir uns aussgehalten haben, und zu ^ sagen, was sich da merckwurdiges begeben hat. ^ Wir berührten zu erst die Jnsul^äAg^car; Das ^ Volck war da grausam und verräterisch, sehrwohl mit Bogen und Lantzen versehen, deren sie sich mit ^ grosser Gcschicklichkeit zu bedienen wissen. Nichts ^ desto weniger waren wir einige Zeit gar gut da: ^ Sie gicngen hässlich mit uns um, und vor gering- ^ schäßige Sachen, die wir ihnen gaben, alsMesser, Gchceren und dergleichen rc. brachten sie uns eilff junge Rinder, die zwar ziemlich klein , dabey aber ^ fett und gut waren ; wir brauchten einen Theil dar» ^ von zum Essen währender Zeit daß wir da bleiben ^ folten, und das übrige liessen wir zum Verrath vor «. das Schiffe,'nsaltzen. . ^ Wir musten einige Zeit dableiben, nachdem wir rrns mit Lebens - Mitteln versehen hatten, und ich, ^ der curiös war mit meinen eigenen Augen zusehen ^ was in allen Ecken der Welt , wo mich das Ver- ^ kobmlonSnikös. 26 z hangniß hinführte, vorgieng, kam ans Land fo ba-ir mir es möglich war. Einsmahls stiegen wir des A- bends auff dem Oestlichen Theil der Jnsul aus, und -je Einwohner, welche gar zahlreich sind, Lamm häuffig um uns herum, und betrachteten uns in einer gewissen Forme mit Auffmercklamkeit. Jedoch weil sie b>ß dahin höfflich mir uns umgegangen waren, so hielten wir nicht darvor, daß wir uns in Gesicht befanden; Wir hieben demnach nur drey Aests ab, und steckten solche einige Schritte von uns in die. Erde, welches in selbigem Lande nicht allein ein Frieden-und Frcundschaffrs-Zeichen bedeutet, sondern auch die Einwohner der Jnsuln bewegt eben dergleichen auff ihrer Seite zu thun , um dadurch anzuzeigen,daß sieden Frieden annehmen. Sobald diese Ceremonie vollbracht, so ist ihnen nicht vergönnet über eure Zweige herüber zu schreiten , und ihr könnet nicht über die ihren gehen, ohne selbigen den Krieg anzukündigen. Solcher Gestalt ist ein ieder hinter seinen Grün-- hen in vollkommener Sicherheit, und der Raum, der sich zwischen beyden befindet, dienet zum Marckt, und da handelt man beyderseits frey. Wenn man da hingehet, ist es nicht vergönnet Gewehr zu tragen, und die Leute aus dem Lande selbst, ehe sie so weit anrücken, stecken ihre Lanßen in die Erde, wenn man aber den Vergleich bricht, und ihnen einige Gewalt anthut, so springen sie gleich nach ihremGewehr und sind bemühet Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Als wir einsmahls des Abends ans Land gekommen waren, trug es sich zu, daß die Einwohner der In- sr 4 M 264 Leben des Engellanders sul sich hauffiger als gewöhnlicher nrassen versamm) ^ jeten ; Doch gieng alles mit der gewöhnlichen Höff, lichkeit zu. Slö machten uns viele Lebens - Mittel ^ welche sie gegen einige schlechte Waaren vertauschten,' ^ und ihre Weiber versahen uns mit Milch und cini, ^ gen Wurtzeln die wir mit Vergnügen annahmen, § Mit einem Wort, es war alles geruhig, undwirbe- B schloffen sogar selbige gantze Nacht auff dem Lande ^ Zu verbleiben, da wir eine Hütte, so wir von einigen ^ Zweigen gemacht,zu unserm Lager gebrauchen wollen. Ä Ich weiß nicht aus was für einer Vorempfindung, H> ich nicht so wohl als die andern zu frieden war dir gan- M he Nacht auff dem Lande zu verbleiben, und weil k« mir bekannt, daß unser Boot nur einen Steinwurff C Dom Ufer, benebst zwey Mann solchen zubewachen, «» Dvr Aycker läge, so ließ ich einen darvon aus Land W kommen und einige Zweige abhauen, um uns damit m im Boot zu bedecken, und nachdem ich den Seegel ach sffc gebreitet, legte ich mich drauff, und hatte dieses Grü« k ne über mir zum Schirm. Ni Ungefähr um zwey Uhr nach Mitternacht hörten N wir einen von den Boots - Knechten entsetzlich schreyen/ krt und uns um GOttes willen bitten, mit dem Boot her- bey zukommen, wenn wir nicht haben wollen, daß alle Z unsere Leute niedergemacht würden; Zu gleicher Zeit ^ hörte ich fünff Flinten - Schusse, welche hernach zwey mal nach einander wiederholet wurden, ich sage fünff Schüsse, denn das war d ie gantze Zahl des Feuer - G<- Kh wehrs, so sie hatten. Man siehet hieraus genungsam, h« daß, weil sie so offt schisssen musicn, selbige Barbara' ^ von diesein Getöse nicht so erschreckt werden, als die an- ^ Lern, mit welchen ich in meiner Ansul zu thun hatte., kobmlon OukoS. L6s Nachdem ich nun durch alle diesen Lermen plötzlich aufgeweckt worden, so ließ ich die Schaluppe hinanrü- cken, und weil ich drey Flinten vor mir sahe,so entschloß ich mich mit meinen beyden Matrosen ans Land zu gehen und unsern angegriffenen Leuten beyzuspringen. Wir waren in sehr kurtzerZeit am Ufer, allein es war uns unmöglich unserVorhaben zu vollziehen, denn unsereMatrosen, die von drey oder vier hundert.dieser Barbaren verfolgt wurden, sprangen eiligst in das Meer um zu uns zukommen. Es waren ihrer in allem NGneund hatten nur fünffMnten; Zwar waren die andern mit Pistolen und Säbeln versehen,aber dieses Gewehr hatte ihnen gar wenig genutzek. Sieben darvvn retteten wir mit grosse. Mühe, unter welchen drey sehr verwundet waren. Wahrender Zeit da wir bemühet waren solche zu uns hinein zunehmen, so sahen wir uns in eben der Gefahr wie sie, denn sie schickten uns einen grossenHagel vonWurff-Spies- smzu, und wir wurden gezwungen uns auff selbiger Seite mit unsern Bäncken zu verschanhen, wie nicht weniger mit einigen Bretern, die sich nur ungefähr, o- der besser zu sagen durch eine Würckung der göttlichen Vorsehung, da befanden. Doch zielen diese Leute so gewiß,daß,wenn derHan- del bey Tage geschehen wäre, sie uns mit ihren Pfeilen durchbohret hatten, es wäre denn daß wir uns gänhlich bedeckt gehalten hätten. Das Monden -Licht ließ uns selbige, unter der Zeit, da sie eine grosseMengeWurss- Cpiesse in unsere Barque schössen, nicht gar genau sehen. Nichtsdestoweniger, da wir unsere Flinten wieder geladen hatten, gaben wir Feuer unter sie, und ihr Geschrey machte uns sattsam kund,daß wir viele davon R 5 ver- rS6' Leben d"sEngelländers verwundet hatten. Dieses hmdette sie nicht an demsch fermSchiachr - Ordnung blßan den Morgenzublei- ben,ausser ZwAffe! in der Absicht,daß sie besser nut uns zurechc kommen wollen, so bü:d sie uns sehen kvnten. Was uns bemffk, so waren wir gezwungen in die, fem Zustand ru verharren, ohne zu wissen wie wir es machen sollen den Ancker m achten und fort zusiegeln, im'uasson wir es dann niebt dringen kvnten, es sey den daß wir auffeeedt stünden, wodurch es ihnen aber würde eben so leicht geworden seyn uns zu todten, als es uns etwa seyn möchte einen Vogel von einem Ast herunter zu schießen. Meswas wir thun kvnten das wardemSchiffZei, chen zugeben, daß wir in Gefahr wären, und ob es schon eine Meile von dar entfernet lag, so begriff doch mcinVetter, als er die Flinten-Schüsse hörte, und uns durch sein Perspectif Feuer nach dem Land geben sahe, alsofort den gantzen Handel, und nachdem erauffdas geschwindeste den Ancker gelichtet hatte, kam er so nahe bey uns, als es möglich war. Von dar schickte er uns den andern Boot mit zehen Mann zu, wir schryen abcr nach ihrer Seite, sie möchten nicht herbey nahen, indem wir selbigen unsern Zustand eröffneten. Dar, «uff ergriff einer von unsernMatrosen dasEnde von ei, nem Strick, und schwamm zwischen den beydenScha, luppen,also daß es den Wilden schwer war seiner in, neu zu werden, durch rvelches Mittel er zu denjenigen, die uns aus dieser Gefahr zu reisten geschickt waren^ m Bord kam. Darauffhicben wir unser Ancker - Seil entzwei), und indem wir den Ancker daließen wurden mir durch den andern Boot fortgezogen, biß daß ww ausser dem Pfeil-Schuß waren. . - D N O K KZ li« sch h h Robinson Ouloe. 26 ? Diese gantze Zeit über hatten wir uns hinter unserm breternen Schirm niedergelegt. Sobald Wir nicht mehr zwischen dem Schiff und dem Ich fer waren, gab der LchitÄme den Barbaren eine entsetzliche Lage, indem er viele Stücken mit Kartet- schen laden lassen, und deren Wirckung war gewiß abscheulich. Wie wir wieder aufdem Schiffund auser Gefahr waren, so hatten wir alle behörigte Zeit die Ursache dieses gantzen Lcrmens, und dieser plötzlichen Ruptur von Seiten der Wilden zu untersuchen. Unser per'(^arA0 oder inlpeÄor, welcher offt in dieser Gegend gewesen war, versicherte uns, daß man schlechter dings etwas müste gethan haben diese Wilden auszubringen, weil sie uns ohne dasselbige nimermehr wurden angegriffen haben, nachdem sie uns als Freunde empfangen hätten. DerHandel ward endlich entdeckt, und man erfuhr, daß eine alte Frau über unsere Zweige gegangen und uns Milch verkauften wollen; selbige habe ein junges Mägdgen bey sich gehabt, welche Krauter und Wurtzeln brachte; einer von unsernMa- trosen habe an diesen Magdgen einige Gewalt verüben wollen,welches dieAlte veranlasset einen erschrecklichen Lermen zu machen, die vielleicht dieMutter oder eine Verwandte davon war-Nichts destoweniger hatte der Matrost seinen Fang nicht wollen fahren lassen, sondern dahin getrachtet, wie er das Mägdgen aus demGesicht der alten mitten in denBusch führen möchte; Diese hier wäre darauf fortgegangen ihrenLands- kutenvon dieser Beschimpfung Nachricht zu geben, welche denn innerhalb drey Stunden diese gantze Ar- wee zusammen gebracht hätten. _. Etnek r68 Lebendes Engellanders' Einer von unsern Leuten war gleich anfangsnM, ^ nemWurff-Spicßgetvdtcr worden, als er aus der F von Zweigen, gemachten Hütten gicng. Alle andere s, hatten sich loß gewurcket ausser derjenige, welcher Ur- tz fach an diesem Unglück war, angesehen er die Lust, de- ^ ren er bey seiner schwachen lcl^trelL genossen hatte, sehr theuer bezahlen mnste. ^ Wir wüsten eine geraume Zeit nicht M er hinge. ^ kommen war; wir ruderten zwey ganher Tage mit ^ unserm Boot vor dem Ufer herum, vhnerachtet uns st, der Waid mr Abreist anmahnete, und wir machten A allerhand Zeichen ihm zu erkennen zu geben, daß wir ^ ihn erwarteten, allein diese gantze Mühe war verge-- bens, wir hielten ihn für verloren, und wenn er wegen ^ seiner Thorheit allein was gelitten hätte, so wäre das - Übel nicht gar zu wichtig gewesen. ^ Gleichwohl konte ich damit nicht zufrieden seyn, iH ^ muste es wagen und zum andernmahl aus Land gehen 5 um zu sehen, ob ich nichts von dem Verhängnis dieses ^ Buben erfahren könte. Ich beschloß dasselbigewah- ?. rcnder Nacht zu verrichten, damit ich nicht einen nerren Angriff der Schwarßen auszustehen hatte, st Mein ich handelte sehr unweißlich, indem iches wag- te einen Haufen grimmige Matrosen mit mir zu neh- 'ch men, ohne mir über selbige das Lommancl« geben zu ^ lassen, welches mich zu einem so unglücklichen als ? stündlichen Unternehmen brachte. . Der 8uper - Largo und ich, wir suchten zwanhiA ! von den behertztestcnKerln unter der ganßmLguipLZe , aus, und wir stiegen an eben dem Ort ans Land, w» ^ sich die Indianer verstümmlet hatten, als sie uns mit st ^ großem Grimm angefallen hatten- Mein Vorha- ^ lkobmlcm Orulo«. 269 Mwar, daß ich sehen wolle, ob sie von der Wählet weg waren, und einige von ihnen zu überfallen, wenn es möglich wäre, um selbige gegen mchrge- Lachten Nlatrosen, wenn er ungefähr noch lebte, guszuMchfeln. Nachdem wir Abends um zehen Uhr ohne Lermm -ns Land gekommen theilten wir unsere Leulhe in zwey Haussen, deren einen ich, und den andern der Bootsmann cnmmLnäwte, welcher die Ancker und Tau unter seiner Aufsicht hat. Anfänglich sahen «ud hörten wir niemand, und wir rückten also fort, daß wir einigen Zivischen Raum unter unsern beyden kleinen Armeen liessen. Gegen den Ort, wo die ^ckinn vorgegangen, sahen wir wegen der fin- - sinn Nacht im Anfang nichts; aber einige Augen- ^ blick drauss fiel nur gedachter Bootsmann übern ',.ss Haussen, weil er mit dem Fuß an einen todten s ' Cörper gestoßen hatte. Darauff hielt er still, biß s? daß ich zu ihm gekommen, und wir beschlossen da ^ solange zu bleiben biß daß der Mond aufgehen >ü" würde, welcher über den Horizont kommen müsse ^ ehe gar eine Stunde vergieng. Sodann sahen wir 22 die Meheley, die wir unter den Indianern äuge» richtet hatten, wir sahen deren zwey und dreyßig ^ auf der Erden, unter denen noch zween Athem ho- ss- leten. Einigen war der Arm, andern das Bein und andern der Kopff weg, und vermutheten, daß man diejenigen mit genommen,welch.everwundet wa- ^ reu, und die man noch zu heilen gehosst hatte. ^ Nachdem wir dieses gesehen hatten, war ich der ck-s Meynung wieder nach dem Schiff zu kehren, allein vckgedachter Bootsmann ließ mir sagen, er wäre ent- 270 Leben des Engellanders entschlossen mit seinen Leuthen hinzugehen und^ ! Stadt, wo diese Indianischen Hunde wohneten, ei, ! ne VLÜW zu geben, und ließ bitten ihn dahin zu beglei- » ten, indem er nicht zweiffelte, wir würden da eine an, ? sehnliche Beute machen, und Nachricht von ?boimz ^ haben können; Dieses war der Name des ^ Matrosen, den wir verlohren hatten. E Wenn sie mich um Erlaubniß gebeten dieses Unter, nehmen zu versuchen, so weiß ich wohl, daß ich ihnen ^ ausdrücklich würde besohlen haben wieder in denBoot < zu gehen,so aber war es ihnen genug mir ihrVorhaben ) zu wissen zu thun,und mich zu bitten,daß ich mitmachen ss möchte. Ob ich nun wohl wüste, wie sehr nachtheilig ein solches Unternehmen, dabey man viel Vvlck der- lieren könte, einem Schiff wäre, dessen einiger Zweck "7 nur dahin zielte daß es handeln wolte; so hatte ich ? Loch nicht die benöthigte Gewalt diesen Streich zu PL- ^ riren; ich ließ es mir genung seyn selbigen ihr Ansuchen ^ wegen meiner Begleitung abschlagen, und befahl den, " Wenigen die mir folgten wieder in den Boot zu gehen. Zwey oder drey von diesen Letzten fiengen gleich an ^ wider' diesen Befehl zu murren, und zu sagen, daß sie " mirzum Verdruj; dahin gehen wollen, und daß ich ?. kein Lommanäo über sie hätte. ^ Laß uns gehen Johann, schrne der eine, wüst ^ du kommen, ich vor mich gehe gewiß dahin. ^ Hanß antwortete, er wäre es wohl zu frieden. Diesem ^ folgte ein anderer und dem noch einer, also daß sie mich ? alle verliessen biß aufeinen, den ich inständig bat dazu ^ bleiben. , ^ An dem Boot war niemand austr einem eintzigcu ^ Schiffjungen geblieben ; also kehrte nur dieserMatw, ^ se, > ^ Kobinlcm türukoS, 271 ^ ssberhupeo-Lm^ound ich nach der Schaluppe, und 'X gaben den andern Nachricht, daß wir da bleiben und ^! solche bewachen, auch ihrer so viel, als uns möglich,da-- lch mit retten wölken. Ich wiederholte ihnen nochmals, - ! Laß sie das thörichste Merck von der Welt uutcruäh- ^ men,und daß es ihnen wehr eben so wie Mer^ gehen ^ ^ kente. Sie antworteten mir wie natürliche Matrostn,daß sie wollen weißlich verfahren, und daß sie mir gut-da- -ch vor waren solches mitEhren auszuführen. Es war um- ftost, daß ich ihnen des Schiffs Nutzen vor Augen sichte, und daß ihr Verhalc-m weder vor GOrt noch Menschen zu entschuldigen stünde; Es war eben so viel als wenn ich mit dem grossen Blast-Baum. im '' . Schiff geredt hätte, doch gaben sie mir gute Worte, ff und versicherten mich, daß sie auf das längste in einer ^ ch Stunde wieder zurück seyn wollen. Die Stadt der W Indianer war nur, wie sie mir sagten, eine halbe Mei- S le vorn Ufer, aber sie fanden, daß solche wohl mehr als M) starcke Meilen davon entfernetlag. 'ch Solchergestallt giengen sie alle fort, und ob wohl ' ch ihr Unternehmen im höchsten Grad ungereimt war, so muß man doch gestehen, daß sie mit aller möglichen >" Vorsicht daran giengen. Sie waren alle vollkommen wohl bewehrt, denn über eine Flinte oder Muß- :'ch Me hatte noch ein jeder ein Pistol und ein Bajonet; ach einige hatten sich über diß mit Säbeln versehen, und ch mehrgemeldter Bootsmann und zwey andere hatten ch' Streit-Aexte. Ausser dem vermochten sie alle zusam- ch- mendreyzehen Granaten; miteinem Wort niemals haben kühnere und bewehrtere Leute ein abscheuliches ^ W MgerMtes Vorhaben unternommen. L72. Leben des EnZellanders durch die Be! Wie sie fortgiengen, wurden sie gierde zum Raube und durch dieHoffmmgGold den angetrieben, Urnstandchessen sie sich zufini versahen, füllte ihnen die Gemüther mit Rache an und veränderte sie alle in so viel eingefleischte Teufel.' Als sie bey einer kleinen Anzahl Indianischer Häuser ankamen, welche sie vor die Stadt selbst angesehen hatten, wurden sie innen, daß sie von ihrer Rechnung weit entfernet wären, weil sich da nur dreyzehn Hütten befänden, und daß es ihnen unmöglich wäre die Gele, genheit und Grösse der Stadt zu wissen, die sie ^ plündern gedachten. Sie berathschlagten sich lange mit einander was für ein Entschluß zu nehmen wäre. Wenn sie dieses Dörffgen angriffen,mästen sie alleEinwohner erwürgen ohne daß ein einHiger darvon käme, der in der Stadt Lermen machen könte,weil ihnen sonst dieseseu ne gantze Armee über den Halß ziehen würde; «essen sie aber diese Leute inRuhe, so wäre es ihnen schlechter Lings unmöglich dieStadt zu finden und ihren schönen Anschlag zu vollziehen. Nichts destoweniger erwählten sie dieses letztere,mit dem Vorsatz die Stadt aufdas Beste zu suchen alses ihnen möglich wäre. Nachdem sie einige Augenblick fortgegangen,fanden siecine Kuh an einenBauw angebunden, und sie beschlossen alsofort, daß solche ihnen einen Wegweiser abgeben solte. Sie machten aber auf folgende Art ihren Schluß; entweder die Kuh gehört in das Dörffgen oder in die Stadt. Wenn sie loßgebunden ist, so wird sie ohne Zweiffel ihren Stall suchen. Kehret sie zurück so bm wir nichts darwieder zu sagen, indem sie uns U ilSü As «s Ä W Kobmlon Lrulos. 27z schlechter Dings nichts nutzet; Gehet sie aber vor sich, so dürsten wir selbiger nur nachfolgen: sie wird uns unfehlbar dahin bringen, wo wir seyn wollen. Darauf hieben wir den Strick entzwei), und jähen mit Vergnügen die Kuh vor ihnen hingehen. Kurtz, sie führte solche gerade in die Stadt, und da sahen sie,daß stlbige aus zwey hundert Hütten bestand, deren einige viele Familien enthielten. Sie fanden da einegrosse Stille, und iederman geruhig eingeschlaffen, als an einem Ort, welcher niemahls einigen feindlichen Anfall zu fürchten gehabt hätte. Da hielten sie nun einen neuen Kriegs-Nath, und beschlossen sich in drei- Haussen zu theilen, drey Häuscr an dreyen unterschiedenen Orten des Fleckens mit Feuer anzustecken, und nachdem die Leute anzupacken und zu binden, nachdemsie aus ihren brennen» den Häusern gehen würden. Widerstünde ihnen jemand, so wüsten sie schon was sie zu thun hätten. Im übrigen war die Plünderung ihr Haupt-Zweck, und sie hatten recht beschlossen selbige mit aller ersinnlichen Hitze zu verrichten. Doch erachteten sie vor ratbsam den Anfang bey Villrirung der gantzen Stadt zu machen, dabey sie sich im geringsten nicht hören lassen wollen, damit sie auffdiese Masse deren Grösse untersuchen,und daraus urtheilen tönten,ob ihrAnschlag thun- lich oder nicht wäre. Nachdem sie dieses »ollbracht hatten, entschlossen sie sich kühnlich ihr Glück zu wagen, unter der Zeit aber da sie einander einen Muth einsprachen, fiengen die drey vordersten überlaut an zu schreyen, daß sie Thomas Mery gefunden, welches die andern veranlaßte alle «ach dieser Seite zu lauffen. Sie fanden diesen milk. Theil. S BM, D iiÄA ^ r74 Leben des Engellättdees glücklichen Menschen in der That: Man hattest!, bigem denHalß abgeschnitten, und ihn gantz nackend an einem Arm auffgehenckt. Nalze dabey war ein Indianisch Hauß, wo sich viele von den Vornehmsten der Stadt befanden, welche mitten im Gefecht gewesen, und deren einige waren verwundet worden. Unst, re Leute sahen, daß sie wachten, weil sie miteinander redeten, allein es war ihnen unmöglich zu wisstn wie viel ihrer waren. Der Anblick ihres erwürgten Cameraden erweck, te bey ihnen eine solche Raserey,daß sie einander fchwu, ren sich deswegen zu rächen, und keines Zndianerö, der ihnen in die Hände fallen würde, zu verschonen, um denAugcnblick selbst schritten sie zum Merck. Gleich, wie nun die Häuser niedrig und gantz mit Strolche, deckt waren, so fanden sie keine Schwierigkeit solche in die Flammen zu bringen, und ehe eine Viertel Stunde gantz verliess, brannte die gantze Stadt M vier oder fünff unterschiedenen Orten. Sonderlich Vergüssen sie die Hütte nicht, in welcher sich die wachenden Indianer, deren ich alleweile gedacht habe, befanden. So bald das Feuer anfieng da auffzu, gehen, so suchten die armen erschrockenen Leute die Thür, und wolten sich retten, allein sie Waffen da ei, ne Gefahr an, die nicht geringer war, und vielge, dachter Boots-Mann erlegte deren zween mit feinet eigenen Hand vermittelst seiner Streit, AzN Weil das Hauß groß und mit vielen Leuten angefüllt war, wolle er nicht hinein gehen und das Morden Mtzlich vollenden, sondern er warff eine Granate hinein, web che sie anfänglich erschreckte- wie solche aber nachM kobmlon Ouloe. -75 hendsentzweysprang, bewegte sie dieses zu dem aller- Ä erbärmlichsten Schreyen. Die meisten Indianer, welche sich in diesemHauß . befanden, wurden durch die Granate entweder gelobtet oder verwundet, ausgenommen zwey oder >'^drey, welche von neuem aus der 2chür herausgehen > wollen, sie wurden aber allda durch denBoots-Mass und zwey andere mit aussgesteckten Bajonetten empfangen , und elendiglich niedergemacht. In diesem Hauß befand sich noch ein ander Zimmer, s» ' weiter zurück lag, woselbst der König, oder derOe- nerNissilE dieser Stadt benebst einigen andern sich auffhielt. Unsere Leute zwungen selbige, daß sie ss lange drinnen bleiben mußten, biß daß das Hauß durch die Flammen verzehret ihnen auff den Kopff siel, und sie zerschmetterte. . Unter dieser gantzen Verrichtung thaten sie nicht einen einigen Flinten - Schuß, weil sie das Volck nicht änderst auffwecken wvlten als nachdem sie im Stande waren solches hinzurichten; Doch machte solches das Feuer ziemlich geschwind munter, daher die Engclländer gezwungen wurden in kleinen Haussen beysammen zu halten ; weil aber die Feuers--Brunst nichts als sehr-verbrennliche Sterlett fand, so breitete sich solche in gar kurtzer Zeit dergestalt in die Länge und in die O.uehr aus, und machte, daß man bey nahe durch dieGassen, zwischen den Häussern, nicht mehr gehen konte. Nichts destowe- niger mußte dem Feuer nachgefolget werden um diesen abscheulichen Anschlag mit desto grösserer Sicherheit zuvollziehcn, und sobald die Flamme die Einwohner aus ihren Häussern trieb, wurden solche durch S r meine 27 § Lebett des Ettgelländeks XU meine Rasende todtgeschlagen, welche ihre Wuth in, Gang zu erhalten, ein ander nur immer zurieffen, sich des armen Zeffcr^ zu erinnern. ^ So lange als dieses wahrcte war ich in sehr großer M Unruhe, sonderlich da ich die Feuers - Brunst sahe, W welche mir durch die Dunckelheit der Nacht so nahe ^5: vorgestellt wurde, als wenn sie nur cinigeSchritte von Ä mir wäre. Ais auffeiner andern Seite mein Vetter der La* , pimine, welcher durch seine Leute aufgeweckt wor- den, diese Flammen sahe, gcrieth er darüber in un« gemeine Bestärkung, er konte deren Ursache nicht er- ^ rathen, und fürchtete sehr, ich möchte sowohl, als sei- 7 ^ ne Leute in grosser Gefahr seyn. Tausend Gedan- cken giengen ihm im Kopfs herum, und endlich, ohn- erachtet er kaum mehr Volck aus dem Schiff neh- men mochte, entschloß er sich nennvch in den andern Boot zu springen und uns mit dreyzehen Mann selbst zu Hülffzu kommen. Er war höchst verwundert wie er mich nebst dem ^ ^ 8uper-L3i Z0 und nur einem eintzigen Matrosen und ^ dem Schiff-Jungen allein in dem Boot fand. Ob ^ es ihm wohl sehr sieb uns gesund und frisch zusehen, so HÄ war er doch recht begierig zu wissen wie es mit den an- 'Ä dcrn stünde. Die Flamme mehrete sich von einem Uü Augenblick zum andern, und nachdem unsere Leute ch. angefangen sich erer Feuer - Röhre zu bedienen, so Än konte es nicht wohl änderst seyn, die offtern Flinten« k Schüsse, die wir hörten, musten uns überaus curiös ^ rnachen eine Sache zu wissen, die uns so sehr angienge. Nachdem nun der Lapirmne stinen Entschluß ge- faßt hatte, sagte er zu mir, daß er wolle hingehen kobinkon Ouloel und seinen Leuten Hülffe leisten, es möchte daraus entstehen was da wolte. Ich bemühete mich ihn durch eben die Ursachen, welche ich den andern angeführt, darvon abzuhalten; ich stellte ihm vor, wie er vor sein Schiff müßte besorgt seyn, wie nicht weniger den Nutzen der Eigenthums-Herren, ingleichen die Langwierigkeit der Neyse, und dergleichen, und erbot mich hicrnechst daß ich mit meinen beyden übrigen Leuten hmgehcn und Kundschafft einziehen und zugleich anst eine gewisse Weite zusehen wolte, wie dieser Handel allem Vermuthen nach ablauffen, und ihm darauf eiligst Nachricht darvon zu geben mich bemühen würde. Aber das war eben so viel, als wann man vor einem Tauben eine Rede gehalten hatte: Mein Vetter war eben so unfähig vernünfftigen Gründen Gehör zugeben, als die andern alle miteinander. Er wolte selbst hingehen, sagte er zu mir, und es wäre ihm leyd, daß er mehr als zehen Mann im Schiff gelassen hatte. Er wäre kein Mann der seine Leuw in Ermangelung der Hülffe umkommen ließ, er wäre entschlossen ihnen beyzubringen, wenn er gleich svlte das Schiffund das Leben selbst verlieren. Bey diesen Umständen war der LapitAme so wenig zu überreden dazubleiben, daß ich ihm vielmehr folgen mußte. Er befahl zweyen Leuten mit der Pinasse wieder an den Bord zugehen und noch Zwölff von ihren Cameraden zu hohlen, deren sechste den Boot bewachen , und die andern sechse unterdessen nach der Stadt marschieren selten. Solcher gestalt waren nur sechzehen Mann bestimmt im Schiff zu- S z blei- »78 Leben des Engelländers ^ bleiben', dessen ganhe LczuipLZs aus nicht mehr als ^ fünff und sechzig Mann bestand, davon aber bereits zween in der letzten ^ction getödtet worden. Wie dieser Befehl ertheilet war, traten wir un- ^ fern Marsch an, und indem uns das Feuer zum ^ Wegweiser dienete, giengen wir gerade nach der Stadt zu. Wenn wir über die Flinten - Schüsse ^ von Weitem bestürtzt worden, so erfüllten sich nun- ^ niehro unsere Herhen mit Grauen und Abscheu, da ^ wir nahe hinzukamen und das Geschrey der Unglück- ^ liehen Einwohner, die man aufeine st grausame Art 'E' traÄirte, anhörten. ^ Ich war noch niemals bey Plünderung einerStadt gegenwattig gewesen; Zwar hatte ich wohl von vroglieä^ in Jrrland reden hören, woselbst Ollvm dromxvel dasgantze Volck, Männer, Weiber und Kinder niedermachen lassen. So hatte ich auch die ^ Beschreibung der Eroberung der Stadt Magdeburg durch den Grafen von Tilly, und der Ermordung pch von mehr als zwey und zwantzig tausend Personen, -2; allerhand Geschlechts und Alters gelesen; allein mei« »s! nen eigenen Augen war nichts dergleichen vorgekvrk« rse wen, und es ist mir unmöglich dasselbige abzubilden, N oder auch die erschröcklichen Eindxückungen« so dies Äi abscheulige That in meinem Gemüth machte, vorzm sch stellen. ÄZ Wie wir an die Stadt kamen, sahen wir keinMil- tel in die Gassen hineinzugehen; Dal>cr lvaren wir genöthigt aufdenSeiten herum zu wandern,und das erste Objeclum, so sich unsern Augen darbot, wäre der Schutt oder vielmehr die Asche einer Hütte« 4, vor kobinlon dlruloe. ^7 ^2 - 7 " iA5' >4 i">"^ K 27S W welcher wir bey dem Glantz des Feuers die Cvr, per von vier Männern, und drey Weibern sahen, und wir hielten davor, daß wir noch einige andere in den Flammen erblickten. Mit einem Work wir verspürten gieieh anfangs die Fußstapffen einer so barbarischen, und von der Leutseligkeit so entfcrneten Wirth, daß wir es vor unmöglich achteten, daß unsere Leute Urheber davon rvären, und daß, wann sie würcklich daran Schuld hätten , wir solche alle des allergrau« famsten Todes werthschätzten. Dce Feuers-Brunft gieng indessen imer weiter vor Mund das Geschrey nahm eben den Weg, den das Feuer hüt, welches uns in die gröste Bestürhung sahte. Als wir nach selbiger Seite zugegangen waren, sahen wir zu unserer grossen Erftaunung drey nackendeWei- ber mit dem allerschrecklichsten Geschrey auff uns zu fliehen nicht änderst, als wenn sie Flügel gehabt hätten; sechzehn oder siebenzehn Männer aus dem Lande ftlgten auf eben dem Wege, und hatten drey oder vier von unsern Englischen Fleischerwhinter sich her, welche, da sie dieselben nicht erreiche» tonten, Feuer auf sie gaben, und einen dadurch nahe bey uns niederschössen. Wie uns die armen Flüchtlinge innen wurden, sahen sie uns vor einen andern Haussen ihrer Feinde an, und heuleten erschröcklich, sonderlich die Weiber, indem sie gewiß glaubten, wir würden sie gleich den Augenblick ermorden. Mein Blut erstarrte mir in den Ader», als ich diesen entsetzlichen Spectackel sahe, und glaube, wenn unsere vier Matrosen wären ganh an uns gekommen , ich hätte Feuer auff sie geben, lassen. S 4- Jmmit- r8o Leben des Lttgellättdeks ^ Jmmittelst begaben wir uns ein wenig auffH ^ Seite um den armen Indianern zu verstehen zu ge, den, daß sie von uns nichts zu fürchten hätten. Darauff naheten sie zu uns, und indem sie die ^ Hände gen Himmel huben, schiene es als wenn sie uns ^ mit den allererbärmlichften Stimmen bitten wollen '7 ihnen das Leben zu retten. E Wir gaben ihnen zu verstehen, daß dieses unse, E re Absicht wäre, darauff begaben sie sich alle in ei- ^ nen Haussen hinter einen auffgeworffenen Ort. M Indessen befahl ich allen meinen Leuthen sie sollen O beysammen bleiben und niemand angreiffen, son- Dili dern dahin trachten einen von unsern Leuthen zu er- M tappen, damit wir er erfahren möchten was solche W vor ein Trüffel besessen, und was ihre Absicht wä- D re. Neben dem sagte ich ihnen, daß wenn sie ihre rasende Cameraden anträffcn, sie sich bemühen set-> D ten selbige zu bewegen, daß sie sich) zurückzögen, sie M auch dabey zu versichern, daß, wenn sie da blieben biß der Tag herbey käme, sie sich von hundert tau- »>,» sind Indianern würden umringet sehen. Darauff U verließ.ich solche, und begab mich nur mit zwey Mann U, unter die arme Flüchtlinge. Ä Nichts betrübters war auff der Welt anzusehen einigen waren die Hände verbrannt; andere, weil § sie so vielmahl durch das Feuer gelausten, hatten ihre Füsse gantz geröstet. Eine von den Weibern war, als sie durch die Flammen sich zu retten gesucht, nie- ^ dergefallen, und hatte einen halb gebratenen Leib,^ an zwey oder drey Männern aber zchlte man viel,d Säbel-Hiebe in den Rücken, und dicken Beinen- , tzin anderer war mit einer Flinte durch und durch gegossen , und starb vor meinen Augen. Ich hatte gerne die Ursache dieser abscheulichen Metzelei- erfahren mögen, aber es war mir unmöglich ein Wort von dem, was sie mir sagten, zu verstehen; alles was ich aus ihren Zeichen vernehmen konte, solches war, daß sie so wenig darvon als ich wüsten. Dieses entsetzliche Unternehmen erschreckte mich dergestalt, daß ich mich endlich entschloß wieder zu meinen Leuthen zu kehren, durch die Flammen in die Stadt zubringen, und dieser Metzelei-ein.Ende zumachen, es möchte kosten was es wolte. Mittler Zeit da ich meinen Leuthen meinen Entschluß kund machte, und ihnen befahl mir zu folgen, sahen wir vier von den Unsrigen und den so genannten Bootsmann vor ihnen her, wie unsinnige Menschen über die Leiber derjenigen, so siegetödtet weglauffen. Sie waren gantz mitBlutundStaub bedeckt; wir schryen ihnen aus vollem Halse zu sie selten zu uns kommen , welches sie den Augenblick thäten. Sobald uns der Bootsmann sahe, erhub er gleichsam im Triumpff ein Freuden-Geschrey und indem die angekommene Hülste ein grosses Vergnügen bey ihm erweckte, schrye er: Ach! mein rapfferex (>Apicame, ich bin höchlich erfreuet euch zu sehen, wir sind mir diesen Teufeln, mit diesen Hollen - Hunden noch nicht halb fertig: ich will deren so viel umbringen- als der arme Zsffery Haar auff dem Haupt harre: Mir haben geschworen, y?ir wollen S 5 keines 282 Leben des Engelländers ^ keines eiiitztgen verschonen, sonderndiesegan-^H ye abscheuliche Nacisn vertilgen. Darauff fienger, gantz erhitzt und ausser dem Athen, wieder an zu lauften, und ließ uns nicht Zeit ihm ein Wort zu sagen- -lZsl Kuvtz ich schrye aus vollem Halse, und sagte zu ^ ihm: »Halt ein, barbarischer Hund! ich verbiete^, „dir bei) Lebens «Straff nicht einen eintzigenvondie- ^ „sen armen Lcuthen anzurühren: wenn du nicht D E „stehest, so bist du den Augenblick todt. M Wie denn mein Herr, anttvortete er, uns W set ihr auch, was sie gethan haben ? U)enn W ihr die Ursache von unserm Verfahren sehen D wollet, so dürssr ihr nur hierherkommen. Da- rauft zeigte er müden unglücklichen Mer/ erwürgt iM an emem Baum hangen. Ich gestehe, daß die-- M ser Anblick fähig war, mich zu bewegen ihre Rache zu W billigen, wenn sie nicht wären zu weit damit gegan- Hul« gen, und ich erinnerte mich der Worte, welche Ja- UZ cvd vor zelten zu seinen SöhnenSimeon und Levi sag- M te: Verfluche sey ihr Zorn, daß er so heffciZ ist, und ihr Grimnr, daß er so störcig ist. M Das betrübte Obj^ctum. so wir alle weile gest- ^ hen hatten, gab mir selbigen Augenblick etwas neues zu schaffen: Denn die bey mir waren, und mein ^ Vetter ftlbst geriethen darüber in eine Wuth, die e- ben so schwer ;» mäßigen war, als des Bootsmanns ^ seine und seiner Leurhe ihre. Mein Vetter sagte zu ^ mir, daß er M)ts weiter befürchtete, als seine Leute möchten nicht die Stärcksten seyn, und im übrigen ^ hielte er davor« daß man keines einigen von diesen ^ JndM- ' X.obmlon Lruloe. -i!-! . xr 'ei- ss? > ^ eis Indianern verschonen müste,^ wett sie alle an diesem abscheulichen Mord Antheil hatten, mzd also insgesammt den Tod als Meuchelmörder verdiencren. Auff diese Rede flogen acht von den zuletzt gekommenen dem Bootsmann nach, dieses grausame Bubenstück vollend ins reine zu bringen, und ich, da ich sahe, daß alles, was ich selbige zu mäßigen thäte, vergebens war, gieng ich traurig und tieffsinnig zurück, indem ich weder den Anblick dieses Mordcrrs, noch das Geschrey der unglücklichen Menschen, so durch die Hände unserer barbarischen Matrosen fielen, auszuhalten vermochte. Ich hatte nur den 8 uper-LarZo und die beyden andern Leuthe bey mir, und ich gestehe, daß es von mir sehr unweißlich gethan war mit so wenigerMann- lchafft wieder nach unseren Booten zu gehen. Der Eag kam herbey, und der Lerm, welcher sich in dem zanhen Lande ausgebreitet, hatte unweit von dem kleinen Dvrffgen bey die Viertzig mit Lantzen, Bogen und und Pfeilen bewehrte Indianer zusammen gebracht. Doch verfehlte- ich zu gutem Glück diesen Hrt, indem ich gerade nach dem Ufer zugieng; als wir da ankamen, war es schon Heller Tag; wir sahten unschsofort in die Pinasse, und nachdem wir anBord gekommen, schickten wir solche in den Gedancken wieder zurück, daß unsere Leuthe derselben wohl zu ihrer Rettung benöthigeLfeyn köntcn. Damahls sake ich, daß das Feuer anfieng auszugehen, und daß der Lerm aufthvrte, eine halbe Stunde drquff aber vernähme ich eine Flinten - Salve: und nachgehends erfuhr ich , daß unsere Leuthe 284 Leben des Lttgelkänders - -— Leuthe solche auffdie Indianer gaben, welche sichck^ bey dem kleinen Dörffgenversammlet hatten. EieD^ todteren deren sechzehen oder siebenzehen, und steckten^' ihre Hütten mit Fimer an, ihre Weiber und Kinder^ aber liessen sie zu frieden. Als meine Leuthe sich mir der Pinasse dem Ufer näherten , fiengen diejenb «A gen, welche dieser grausamen Verrichtung obge- legen, an gedachtem Ufer ohne Ordnung und hier und dar zerstreuet, mit einem Wort, in einer solchen Lonfuüon zu erscheinen, daß sie durch eine gar gerin« M ge Anzahl herhhaffter Leuthe leichtlich hatten erleget D werden können. , ^>i! Zu gutem Glück hatten sie das ganhe Land in M Furcht gesetzt, und die Indianer waren durch einen D so gantz unerwarteten Anfall dermaßen erschrocken, daß hundert ihrer tapffersten Leuthe nicht würden - sechsen von unsern Matrosen Stand gehalten haben. ^ Sie waren dergestallt erstaunet über das Feuer auff ^ einer Seite, und über den Angriff der Unsrigen auff, ^ der andern, daß sie in der dunckeln Nacht nicht ^ wüsten, wo sie sich hinwenden sollen. Wenn sie ^ auff eine Seite flohen , so fielen sie auff einen von ^ unsern kleinen Haussen, und kehrten sie wieder zu« ^ rück, so traffen sie deren einen andern an, und sei- i v eher gestallt sahen sie denTod allenthalben. Auch bc« ^ kam bey diesem gantzen Handel kein eintziger von W ^ 7. ftrn keuchenden geringsten Schaden, ausgenommen ^ zwey, deren einer sich die Hand verbrannt, und der ^ andere den Fuß verrenckt hatte. . ^ Ich war auffdie gantze Lguip^ge sehr erzürnet, ^ sonderlich aber auff meinen Vetter den Lax-mne. M web 'D Kobinkon Orwloe. -8 s Mlcher nicht allein seine Pflicht schlecht beobachtet, indem er den Erfolg der ganhen Reise, deren Absicht ihm anvertrauet war, aufdas Spiel sahte, sondern auch die Wuth seiner Leute noch anreihte, an statt da er solche vielmehr stillen sollen. Er beantworte meine Vorwürffe mit grosser Ehrerbietung, in- deiner sagte, daß Merys Anblick, der auf so grausame Art hingerichtet worden, ihn der gestallt beweget hätte, daß, ob er wohl als Commendant vom Schift sich nicht sollen darzu verleiten lassen, er denno6)aber alseinMensch bey dieser Gelegenheit unfähig gewesen wäre solches vernünfftig zu erwegen. Was die Matrosen anlanget, wie diese nicht unter meiner Botmäßigkeit stunden, so bekümmerten sie sich W wenig, vbUr ihre Verrichtung mißfiel oder '7'- nicht. Den andern Tag gierigen wir wieder unter See- Zch und verfolglich wüsten wir nichts von der Wör- chmg, welche die barbarische That unserer Ä's bey diesem Volck zu wege gebracht hatte. Unsere ^ > beute waren zwar »mterschiedeiieMeynung wegen der Rechnung derjenigen, die sie getödtet hatten, doch kon« te manaus ihren verschiedenen Erzehlungen urtheilen, daß sie ungefähr hundert rmdsimsszig Personen, so ^ dvhi Männer, als Weiber und Kinder umgebracht ^ hatten. DieHäuser anlangend so rvar nicht eins vor ^ Z dem Feuer echalten worden. Obwohl unsere Leute ihre That vor sehr gerecht " > und billig achteten, so war ich doch nichts weniger als ihrer Meynung, und ich sagterhnen aufrichtig, daß EOtt unsere Reise nicht seegnen würde, und daß er sie ^ ' äsendes vergossenen Bluts, als einer vermaledeye- 286 Leben des^ttgelländers ten Metzelei), die sie verübet, straffen würde freylich die Jndiancr umgebracht, er hätte aber denersten Angriff gethan, und den Friedenge, brochen, indem er ein Magdgen, so auffdenTra«^! ctat sich verlassende in unffr Quartier gekommen, mit' - - Gewalt gemißbrauchet hätte. W Der Bootsmann vercheitigte seine Sache und ^ sagte, daß ob es wohl schiene, die Unsrigen hätten den Frieden gebrochen, so wäre es dennoch gewiß, daß die Indianer den Krieg angefangen, indem sie O ihre Pfeile auffuns geschossen, und einen von unsern Leuthen ohne einige billige Ursache gelobtet hätten. G Weil wir nun Gelegenheit gefunden uns deswegen zu: ^ rächen, so wäre es uns allerdings vergönnt gewesen ^ dasselbe zuthun, und daß zudem die kleinen Freyhei, ten, welche sich bey der jungen Indianerin D genommen, nicht verdienet hätW, daß man ihn auf «Ä eine so grausame Art ermordete; Verfolglich hätten ihm sie nichts anders gethan, als die Mörder bestraffet, M welches durch die göttlichen und weltlichen Gesetze er, tzdi laubet würde. M Wersoltenunnichtglauben, daß eine solche G« gebenheit uns hätte sollen abhalten ferner unter Hey, den und Barbaren an das Land zu gehen; Zum Um rU glück werden die Leuthe nur durch ihre eigene Unfälle rjde klug, und niemahls nutzet ihnen ihre Erfahrung besser,, als wenn ihnen solche theuer zu stehen kommt. H Wir waren nachdem Meerbusen von Persien,und ^ von dar nach der Küste von Loromrmäei bestimmt, ^ und unser Zweck war nur im Vorbeygehen nach 8urr- rri-zu siegeln. Die HarrptAbsicht des 8upcr-LLrZo war nachdem Bengalischen Meerbusen gerichtet, und ^ llobinlon (Crusoe. !!! wenn er nicht Gelegenheit fände daselbst seine Sachen zumachen, so solle er nach LKma gehen, und auf der Rückreise wieder nach Len^Ia kommen. Das erste Unglück, so uns begegnete, wiede^fuhr uns in dem Persischen Meerbusen, da fünffvon unsern Leuten, so aufder Küste, die nach Arabien gehöret, aus Land gestiegen, von den Leuten aus dem Lande entwedergetödtet oder vor Sclaven weggeführet wurden. Ihre Cameraden waren nicht im Stande selbige zu retten, weil sie selber genung zu thun hatten sich in den Beot zu Llviren. Ich sagte ihnen unverholen,daß ich dieses Unglück als eine Straffe desHimmels betrachtete. Allein der Bootsmann gab mir erhitzt zur Antwort,daß ich grosseMühe haben würde meineBestrast- siingen und Vvrwürffe durch ausdrückliche Sprüche der H. Schrifft zu rechtfertigen, und er führte mir den au, in welchem stehet, daß diejenigen,über welche derThurnzu 8IIvL gefallen,mchrgröfsereGün- derals die andern Galiläer gewesen wären.Jch gestehe, daß ich nichts beständiges ihm zu antworten fand, sonderlich weil unter denjenigen, die wir gleich oarnakls verlohren, nicht ein einiger war, der mir dem Blutbad zu kla^Zalcar zu thun gehabt hätte; Dieser Nedens-Art bediente ich mich stets, sie mochte gleich der gantzen noch so sehr zuwider seyn. ^ . Die öffteren Predigten, welche ich ihnen über diese Materie hielt, brachten schlimmere, Folgerungen vor mich zu wege, als ich geglaubet hatte.Der Bvvtsman, ivelcherdas Haript von diesem gantzen Unternehmen gewesen, kam einsmahls zu mir und sagte, daß ich groß Unrecht hätte diese Sache stets wieder aufzuwärmen, Und 288 Lebe« des Eugelländers ^ - —---—-——. ^ —» Ml? und mich mit übelgegründetcn und anzüglichen Ver- weisen weitläufftig hören zu lassen; Daß dieganhe D Li;mpaZL sehr mißvergnügt darüber wäre,er aber son, ^!l> derlich, als den ich am meisten angestochen hätte; Ich befände mich ja als ein blosserPaßagier und ohne eim- gesLommÄnäo in dem Schiff,und solle mir also nicht einbilden,daß ich das geringste Recht hätte ihnenVer- M druß zu machen, wie ich stetig thäte, was wissen ^ wir, fuhr er fort,ob ihr nicht könnet einen sthlim- ^ men Anschlag wieder uns in euerm Gemüthe hegen,und ob ihr uns nicht dermahleinst,wenn ^ wir nach Engelland zurückgekommen,werdet dieser That halber vor Gerichte fordern? Ich ' , bitte euch mein Herr,keinen viscourz mehr von der Materie; wennihr euch nochmahlsinSa-' ^ chen mischet, die euch nicht angehen, so will ich ^ lieber das Gchiffverlasten, als euere immer- währende Straff-Predigren erdulten. ^ Nall)dem ich ihm gedultig zugehört hatte, sagte ich ^ zu ihm, daß mir das Blutbad zu ^laclaMscar, welches M ich niemahls änderst nennen würde, in der That alle- « zeit zum höchsten mißfallen, und daß ich frey damit H geredt hätte, doch ohne mein Absehen mehr auff ihn tzi als einen andern zu richten ; Zwar hätte ich kein Ä t^ommanäo im Schiff, auch niemahls begehrt eü N nige Autorität darinnen sehen zu lassen, sondern nur ^ meine Meynung in Sachen, die uns alle gleich an-- tz giengen, frey herausgesagt. Nichtsdestoweniger solle er wissen, daß ich einen wichtigen Antheil an ^ der Ladung des Schiffs hätte, und bey so schallten ^ Sachen mir ein unstreitigesRecht zukäme mit grosse- ^ rer Freyheitzu reden, als ich biß dahin gethan hatte, ^ Kobmlön Lruloe. -89 chnedaß ich gehalten wäre ihm, oder wem es seyn möchte, deswegen Rechenschafft zu geben. Diese Rede hielt ich ihm mit genügsamer Standhafftigkeik, und wie er nur nichts sonder iches drauf antwortete, glaubte ich, die Sache wäre numehro geschlichtet. Wir befanden uns damahls in dein Hafen von Lenzala , und weil ich Luft hatte das Land zu besehen, sowar es mir eingekommen, mich nebst dembuper- c-rZo oder lnftiector, emige Tage nach unserer An- . kunfft an das Land sehen zu lassen, um uns daselbst einige Stunden zu ergötzen. Gegen Abend aber, da ich mich fertig machte wieder an Bord zu kehren, , kam einer von unsern Matrosen, und sagte mir, ich , Me mir nicht die Mühe nehmen und biß an das Ufer ° gehen, weil die Leurhe im Boot Befehl hätten mich nicht wieder zurück zu führen. Gleichwie ich mrn über dieses trotzige Compliment, als über einen Don- j «erschlag, erstaunet war,, so fragte ich diesen Men- j jschen, wer ihm befohlen hätte mir dergleichen un- ^-neimte Dinge zu hinterbringen; und nachdem ich stMnommen, daß es der Bootsmann wäre, sagte , dem Abgeordneten, er solte demjenigen, der ihn abgeschickt, zur Nachricht sagen, daß er seine Lvmmickon verrichtet, und daß ich nichts darauff geantwortet hätte. ^ Darauf gieng ich gleich hin zu dem Zuper-tlarZo. ünd indem ich ihm den gantzen Verlauft erzehlte, sagte ich zu ihm, daß ich eine Meutere» im Schift mvor sahe, und ich bat ilm , daß er sich mit einer Jndia, mschen Parque dahin begeben, und den (.'apiwine, von dem, was mir jetzo wiederfahren, benachrichtigen möchte. Diese Mühe hätte ich wohl erspahren kon, il. Theil. T neu, sza Leben des Ettgellättdevs nen, denn der Handel war auffdem Schiff bereits ^ angegangen^ Der Bootsmann, der.Consrabel, and der Zimmermann, mit einem Wort alle Unter- E QKcierer waren, sobald sie mich in dem Kootgest- hen,auff den Oberlof gestiegen,und hakten verlangt 'mit dem ^ÄpicLlüc zu reden. Wie nun der Boots- mann ein Kerl war, der sehr wohl redte, st hatte man ihm auffgetragen, daß er die Rede thun solte. Nach- ^ dem er also die gantze Unterredung, diewirmitein- s« ander gehabt, wiederhohlet hatte, so sagte er dem sü dapirLinc: mit wenig Worten, daß es chue« lieb wä- »e, daß ich aus eigener Bewegung den Entschluß Ä genommen an das Land zu gehen , weil siemich außer dem hierzu würben gezwungen haben. Daß sie sich r» zwar verpflichtet hatten unter seinem LomnEäo in M dem Schiff zu dienen, und daß sie noch geneigt wä- P ren oastclbe mit der. grössten Treue ferner zu verrich- .i/M ten, daferne ich aber das Schiff nicht mit gutem üWj Willen verlasset,, underin/olchem Fall mich nicht «j darzu zwingen wolte, so wären sie nicht gemeynet weiter mit thm zu gehen, sondern wollen alle das M Schiff verlassen. Indem er dieses letztere Wort aussprach, wandte er sich nach dem grossen Mast-Baum, wo alle Ma- M trosen beysammen stunden, und da fiengen sie inöge- Etz sammt eir müch.g an zu schreyen, ja alle, alle. Mein 'Vetter war ein bchcrtzter Mensch, und tonte sichge, schwind in eine Sache schicken. und ob er wohl über .4 einen so unerwarteten Oiscurs sehr erstaunete , so ant- jA wortete er denu och mir einer stillen Art, daß er die Sa- Ä)e in Erwegung ziehen wolte, dochkönte er hrcrinM tz,, yichts beschlkessen, ehe er mir mir geredet hätte. itz, kobinlön Eruloe. 2-r Darauff hedieneteersich noch vieler Gründe um ihnen die Unbilligkeit ihres Vertrags zu zeigen^, a- her vergebens; sie gaben einander alle die Hände in seiner Gegenwart und schwuren, daß sie alle ans Land gehen wollen, daferne er ihnen nicht ausdrücklich zusagte, daß er nicht zugeben weite, daß ich wieder einen Fuß in das Schiff sehte. Dieses war etwas 'sehr hartes vor ihn, der mir H vielen und großen Danck schuldig war, und darneben nicht wüste wie ich diesen Handel auffnchmen würde. Er gedachte hicrnechst, daß er denStreich wohl auff eine andere Manier abwenden tonte, und indem er höhere Saiten auffzog, sagte er zu ihnen mit grosser Herhbafftigkeit, daß ick) einer von den vornehmsten lmeretlenten im Schiff wäre, und daß es lächerlich heraus käme, wenn man mich, so zu sagen, aus meinem eigenen Hauß verjagen wolle; , Wenn sie das Schiff verliessen, sollen sie dieses Aus- treten theuer bezahlen, wenn sie jemahls so kühn wären und wieder einen Fuß in Engelland setzten: Daß was ihn bcträff, so wolte er lieber den gantzen Nutzen von der Reise wagen, und gar das Schiff verlieren, als mir einen solchen Schimpffanthun, und also tönten sie nurden Entschluß nehmen, den sie vor den rachsamsten hielten. Nach diesem schlug er ihnen von er wolte selbst mit dem Bootsmann aus Land gehen und sehen wie man diese ganhe Sache beylegen tönte. Diesen Vorschlag verwarffen sie alle einmüthig lind sagten, daß sie mit mir nichts mehr weiten zuthun haben weder auff dem Lande noch im Schiff, und wenn ich wieder hinein käme, wärm sie entschlos- ßrr dapyon weg zusehen. Z^unw-lan, erwider« T r te s§r Leben d«s Ettgelländere ^ te der OLpiraine. wenn ihr alle dieser Meynung E seyd, so will ich hingehen und mit meinem Vetter ab leine reden. Dreses thäter, und kam eben hin zu ^ der Zeic, daman mir das lächerliche Cvwplimcnt, davon ich gesagt, gemacht hakte. Ich war sehr er- freuet, da ich ihn sahe, denn ich hatte gefürchtet, sie möchten chn gefangen nehmen, und mit dem Schiff darvon gehen, welches mich gezwungen hätte ohne B Geld, ohne Sachen, und in einem erschröckkicherm B Zustand da zu bleiben, als derjenige gewesen in welche ^ ich mich vor diesem in meiner Insul befunden hatte. A Zu gutem Glück waren sie mit ihrem Frevel st sc weit nicht gegangen, und als mir mein Better er- U' zehlte , daß sie geschworen alle mir einander weg zr M gehen, wenn ich wieder in das Schiff käme; st Wl sagte ich ihm, daß er sich deswegen keinen Kummer machen solte, und daß ich entschlossen wäre auf dem M Lande zu bleiben; Nur solte er besorgt seyn mir mei- ^ ne Sachen benebst einer guten Summa Geldes brin- gen zu lassen,und ich wvlte sthon ein Mittel finden wie, H der nach Engelland zu kommen. ^ Ob es wohl meinem Vetter gar herhlich lech ^ war, daß wmich da lassen muste, so sahe er doK wohl, daß da kein ander Entschluß zu nehmen wa- .H re. Diesemnach gieng er wieder an Bord, und sag- M te seinen Leuthen, daß sein Vetter ihrem ungestümen ^ Begehren statt geqebe n, und daß man mir nur mei- ^ ne Sachen schicken dürffte. Diese Rede stillte die» ^ sts ganße slngewitter, und die L^uipage war wie- ^ der gehorsam. Niemand als ich war bekümmert, ^ weil ich nicht wüste worzu ich mich entschließen solte- ^ Ich befand mich gantz allein an dem entfernet- ? steir ^ LobirLon OrrZo» 2YZ ^ sten Ort in der Welt, Massen ich von Engelland drey lausend Meilen weiter war, als da ich mich in der ^ Znful auffhielt. Wahr ist es wohl, daß ich zu Land ? durch des grossen Mogvls Staaten biß nach 8uratL ^ gehen mochte; Von dar konte ich zur See biß nach Lalivra in den Persischen Meer , Busen gelangen, * von dar war ich im Stande mit den (Havarien durch ^ die Arabischen Wüsten biß nach ^lcppo und 8an6e- ^ wn zu kommen. Von dar war es mir leicht mich durch Italien inFranckreich zu begeben.Wen man al- ^ le dieseRcise zusamen thäte, st betrugen sie den ganhen viamecer der Erd - Kugel, und vielleicht noch mehr. "" Doch war noch ein Entschluß zu fassen übrig, nem- ch' lich rch härte die Englischen Schiffe, welche von^- "" cbim. in der Jnsul 8umeera, kommen solten, erwart- ' ten müssen, gleichwie ich aber dahin gekommen ohne etwas mit der Englischen - Ost-Indischen Lomxa- i-:« xrüe zuthun zu haben,so würde «s mir schwer geworden -r^i seyn ohne derenEinwilligung von dar heraus zu konrem Selbige.ader war mir unmöglich änderst zu erhalten, Äs durch eine grosseGunst berLapitamsr dieserSchif- aK fe, oder der kackorn der Oompagme.und ich hatte weil dermit diesen noch jenen diegeringsteGemeinschafft. j -b Währender Zeit da ich in diesem Kummer steckte, hatte ich das angenehme Vergnügen das Schiff ohne mich wegreisen zu sehen; Vielleicht war dieses vorhe- rv einem Mann, der sich in einem Stand wie ich sahe/ M noch niemahls begegnet, es wäre denn daß die L,-i Land gesehet hätte. ^ Was mich ei« wenig tröstete, solcheßDar, daß nur T 2 mein 2Y4 Lebm des Ettxelländeks nrein Vetter zwey Bediente, oderbesser zu sagen,einen Diener und einen Cameraden gelassen hatte. Dieser M Letztere war Schreiber bey den Caßierer im Schiff, zixs und der andere des LapicLin8 eigener Diener. Ich miethete mir ein gut Zimmer bey einer Engelländerin, A wo viele Englische, und Frantzösische Kauffleute,auch ^ Ztaimnische Juden logirt waren. Es ward meiner D da sehr wohl gepflcget, und damit man nicht sagen D konte, ich übereilte mich mit meinem Entschlüssen gar ^ zu sehr, so blieb ich neun Monath da um reiflich zu ü- M verlegen durch was für ein Mittel ich am bequemsten ^ und sichersten wieder nach Hauß kommen konte. ^ Ich hatte Englische Waaren von ziemlich grossen ^ Werth bev mir, und hierüber eine gute Summa Gel- ^ des: Mein Vetter hatte mir tausend Stück von ach- A ten, und einen Lreäic - Brief auf eine viel wichtigere ^ Suma gelassen,welche ich nehmen konte, wen ichwvl- ^ te, falls ich deren ber.othigt'wäre, also daß ich nicht in ch-. der geringstenGefahr stund Mangel anGeld zu leiden. L Meine Waaren ward ich gleich mitgrossem Vor- theil los, und dem Vorhaben,welches ich zu ansang der ^ Reise gehabt,zurFolge,kauffte ich mir eine schvnePar- they Diamanten, welches mein Vermögen dergestalt ^ in kleinen Format brachte,daß mir solches aufderRei- senichthmterlichseyn konte. . V Nachdem ich nun lange genug da geblieben,und mir ^ keiner von den Vorschlagen, die man mir wegen der 7" Mittel wieder nach Engelland zn kommen- gethan hat- te, an ständig gewesen waren, so kam ein Englischer ^ Kauffmann,der in eben dem Hauß wohnte, und mit M dem ich genaue Freundschafft gemacht hatte,emsmals H des Morgens jn mein Zimer, und sagte zu wir; Askirr ^ KobmIskiTrulo«» lieber Laudsmanu, ich komme hierher euch ei- uen Vorschlag kund zumachen, der mir sehr wohl gefallt,und welcher euch vielleicht auch anstehen könte,wei?ihr selbigenmitÄufmerck- samkeit betrachtet habet.N)ir stird befderseirs, ihr durch Zufall, und ich durch meine eigene Wahl,an einen Drt der Weltverseyec welcher von unsermVarerland sehr e.wfcrnerist:Allem LneinLand,rvc>fürLem e,wie ihr und ich,so die Handlung verstehen sehr viel zu erwerben ist. wenn ihr tausend PfundGrerl.zu tau end andern, die ichzu geben willens bin, zu lege» beliebet, >o wollen wir das erste Schiff miethen, so uns anjkchen wird: Ihr soll r (chpitLinc seyn, und ich Rauffmattu, und wir wollen eine Reise nach China thun. warum sollen wir zum Henckerchier die Hände in denGchos lege?alles läufst herum, alles bewegt sich in derWell,allo rrrdische und himlische Lorper haben zu thun; aus was Ursache sollen wir in einem schandli« chenN^üßiggang vcrbllibeu?Es giebt,so zu sagen,nur unter denMenschen fauleTage-Diebe, und ich sehe nicht, daß es nörhig sey, daß wir uns dieser verächtlichen Claste beyge« ellen. Dieser Vertrag stund mir sehr au, und solches um so viel mehr, weil er mir mit so grossen Merckmahlen derFrcuNdschafft undAufrichtigkeit gethan ward; neben dem trug die Ungewißheit meines Zustandes viel be» mich auf die Handlung zu legen, welche freylich sonst nicht eben das Element war, so sich für mich am besten schickte: Hingegen derVorschlag zu reisen traf baö rechte Klecksen meiner Zuneigungen; imassen ein T 4 Vo«. »96 Leben des Ettgelländers Vortrag einen mir noch unbekantenTheil derWettz! ^ fehl n, mir niemahls zur Unzeit gethan werden konte. ^ D'chgieng einige Zeit vorbey, ehe wir ein Schiff, ^ welcyes uns anstund,finden konten,und da wir es gleich ^ gefunden hatten, war es uns dennoch sehr schwer so viel ^ Englische Viatrosen zu bekomenMwir brauchten,die ^ aus dem Lande, welche wir ohne Mühe haben komm, zu regieren. Nichtsdestoweniger nahmen wir bald eh ^ neu ukstioutenan,ingleicben einen Lorsman, der Ancker und Tau in «Obstckthat, und einen ^ Lonjrabel, so alle Engelländer waren, hier- ^ neckst einen Holländischen Zimmermann, und äK drey portugiesische Matrosen, welche genug m« W ren aufrmsere Indianische Boots - Knechte ein wach« D fames Auge zu haben. «T Es giebt so viele Beschreibungen von den Reisen,die chfz nach selbigerGegend gethan worden,daß es vor denke- M str eine sehr langweiligeSache seyn würde,wen er hier sr« eine genaue Nachricht von den Landern wo wir einge- »i lauffen, und von veri Einwohnern,die solche bewohnen, !» fände. Es wird demnach genug seyn, wenn man sagt, M daß wir gleich Anfangs nach ^ckem in die Znsul 8u- ,M mLti-Agiengen und von darnach Si^m. wo wir einige (A, von unsern Waaren gegen Opium u. tauschten, lUz weil wir wüsten, daß die erstere von diesen Waaren in W OkinL in hohemPreiß war, und sonderlich zu selbiger >H Zeit, da dieses Königreich daran Mangel litte. Kurß, G aufdiescr erstenFahrt kamen wir biß nachluskW,tha« ^ ten da eine sehr gute Reise,aufweiche wir neunMonat wendeten, und giengen mit diesemVersuch sehr ver- gnugt, nach LeuMla zurück. Ich habe wargenommeu, daß meine Landsleute sich ^ kobinlön i^rulöS. «I, «Lr -97 höchlich verwundern über das überaus grosse Glück, welches in selbigen Ländern die Bedienten so dieLom- pLZliie dahin schickt, zu machen pflegen, und daß solche in kurtzer Zeit sechzig, siebenzig und bisweilen hunderttausend Pfund Sterb allda erwerben. Allein dieses ist nicht so gar sehr wunderbar vor diejenigen, welche betrachten in wie vielen Hafen wir eine freyeHandlung haben, woselbst dieEinwohncr alles,was aus fremden Landen kommt, mitdergrasten Begierde suchen, und was noch mehr ist, da man eine grosse Menge Sachen kauffen,und anderwärts mit einem gar ansehnlichen Profit verkauften kan. Dem sey wie ihm wolle, ich erwarb viel aufdiefer er- Lr sienReiffund ich bekam dabey so vie!Licht,daß ich noch grössere Gewinste machen konte, ja wenn ich noch üü MnßitzJahr jünger gewesen wäre, hätte ich mich mit E Vergnltgen da aufgehalten,indem ich gewiß versichert He war mein Glück daselbst zu machen; Allein ich zehlte ^ schon mehr als sechtzig Jahre, hatte hiernechst Vermö- gen genug, und war zudem aus meinemVakerland ge- A, gangen nicht sowohl neueSchähe zu erlangen, als ei- ^ »em unruhigen Verlangen in der Welt herum zuläufst fen Vergnügung zu schaffen; DiesesVerlangen nen- ne ich mit gutem Recht unruhig: Denn wenn ich zu ^ Hause war, hatte ich keine Ruhe biß ich mich wieder auf einerFahrt sahe,und wenn ich herum liesshatte ich ^ eine hefftige Begierde mein Land wieder zu sehen. Also A. bewegte mich der Gewinst gar wenig, weil ich reich, ^ und von Natur nicht geitzig war; Ich glaubte dem- A nach, daß ich durch meine Fahrt nicht viel erworben ** hatte, und nichts vermochte mich dahin zu bringen, daß ^ ich andere unternahm,als dieBegierde neue Lander zu ^ T s sehen: r§8 Leben des Ettgelländets ^ sehen: mein Auge war dem gleich, davon Salömvl! »Hr spricht^ daß es niemahls sartwerdezu sehen, und meineNerfti, frischeren nur meine Kuriosität zu neuen -!jl« Fahrten an, an statt daß sie dieserbc vergnügen selten. D Jchwarinein-mThciloerWeltgekommen.vonwel, ^ chem ich viel hatte reden hören,und ich war entschlossen Hk alles, was man vor das merkwürdigste hielt, daselbst ^ zu beleben, damit ich sag n könhdaß ich alles betrachtet ^ hatte,was in scc Weltverdienet gesehen zuwerden. ^ Mein Re»s - ''efährtc aber hatte solche Gedancken, die von den memiM gantz untcrsthieden waren. Die, ^ fes sage ich nicht, daß ich will zu verstehen geben, seine ' ^ wären nicht so vernünfftig gewesen; ich gestehe viel- r!. ,> mehr, daß selbige viel richtiger,und den Absichten eines ^ Kauffmans weit gemäßer waren, indem dessen Klug, heit vornemlich darinnen bestehet, daß er sichzuden Sachen, die den meisten Gewinn bringen, halte. Dieser ehrliche Mann dachte nur auf das Gewisse und nützliche, und er wäre zufrieden gewesen wenn er ^ allezeit hin und her einen Weg nehmen,und in einerley Gasthöfen, nicht anders wie ein Post»Pferd, logiren sollen, daferne er nur nach derKaufmasiischenRedens- ^ Art,seineRechnung dabey gefunden hätte; Hin- ^ gegen war ich ein wahrer Landstreicher,dem gleich eine W Sache mißfiel, sobald er sie zum andernmahl sahe. ^ Uberdiß hatte ich eine ungemeine Begierde mich bey meinem Vaterlande naher zu sehen, und ich wru sie nicht, wie ich es anstellen solte mir dieses Vergnü- ^ genzu verschaffen. MittlerZeit da mich meine Über, M kegungen nur ie mehr und mehr unschlüßig machte^ ^ schlug mir mein Freund, der immer neue Geschafft «f re suchte, eine andere Reyse nach den Jnsuln vor,von -am ^ l A.obinlon (Crusoe. 299 ^ Wnen mau die Gewürtze höhlet, um allda cmegair- he Ladung von Nägelein einzunehmen. CeineMey- ^ ,Mg war nach den Manillischen oder Philippinischen "s Anstiln zu gehen, allwo die Holländer die vornehm« ste Handlung thun, ob solche gleich dcnSpaniern zum -> Theil gehören. Doch hielten wir nicht vor rathsam so weit zu fah- ren, indem wir nicht grosse Luft hatten uns an die Hcrter zu wagen, wo die Holländer völlige Gewalt ^ , haben, als in der Insul sava, und Leiion Scc. Al- --ä les was unsere Fahrt am meisten verzögerte, solches war meine Unentschließichkeit, so bald mich aber -. mein Freund gewonnen hatte, waren die Zurüstun- >..! zen gar bald fertig. Weil ich nun nichts bessers zu ^ thun hatte, so befand ich indem Grunde, daß, wenn ^ man, in Erwartung eines sogrossen, als sichern Nu- ^ ! hens, hier und dar herumlieff, dasselbe grösser Ver- I Znügen brachte, als wenn man müßig bliebe, wel- ^ ches, meiner natürlichen Neigung nach, der betrüb- teste und unglücklichste Stand im Leben wäre. Ich ward demnach schlüßigzWir berührten dieJnjüVor- " neo,und viele andere, derenNamen ich vergessen habe, und unsere Reyse, welche nicht weniger als die estre ^ wohl gelunge, wahrere in allem nur fünffMonath. 5- Wir vcrkaufften unsere Gewürße, welche Haupt- sachlich in Nägelein und Muscaten - Nüssen bestan- den, Persianischen Kaussleuten, welche solche mit sich in den Meerbusen von Persien führen wollen; wir verdienten fünffe mit einem und verfölglich mach» ^ tm wir einen ausserordentlichen Profit dabey. Wie wir nun Rechnung mit einander hielten, sv sahe mich mein Freund lächelnd an, und sagte, in- .b'' dem zQs Leben bes Ettgelländek^ dem er meine Unempfindliche anstach: NunH ^ dieses nickt besser, als wenn man rpie eintNüs- 3 frAgänger von einem Orc zum andern laufst, ^ und die Armen weit aufsperret die thörichten 3 AusschwerssüNZen der Heyden zu betrachten? ^ «Die Warhert zu sagen , mein Freund, gab ich ^ «ihm zur Antwort, Ich fange an ein Neu-bekehr« ^ «ter oder Partisan der Handlung zu werden, allein A «vergönnet mir es euch zu sagen, fuhr ich fort, daß, ^ «wenn ich dermahleinst meiner Unempfindlichkeit «mächtig werden kan, ich euch, so alt ich bin, durch ^ „vieles Herum lausten mit meiner Person, noch mü« - «de machen will: ihr werdet da nicht einen Augen- ^ «blick Ruhe baden, ich bin euch gut darvor. E Wenige Zeit nach unserer AurückkunffL, langte ein Holländisch Schiff von ungefähr zwey hundert ^ Tonnen zu kengala an; selbiges war bestimmt die ^ Küsten zu vWriren, und nicht hin und wieder auL ^ Europa in Asien, und aus Asien in Europa zulauffen. E! Man schwatzte uns vor, daß das Schiff, nachdem ^ die gantze LgmpaZe kranck geworden, und der Lrpi-« ! tame nicht Leute genug gehabt das Meer zu halten, lck wäre gezwungen worden zu LenZal-» einzulachstn, W und daß gedachter (Äpirame, weil er Geld genunz - Ä erworben, Lust hätte wieder nach Europa zugehen, » und daß er zuerkennen gegeben, daß er gewilliget tM n« refeinSchlffzuverkauffen. / ^ Ich bekam ehe Wind von dieser Sache als mein W Eonsorte, und weil ich grosse Lust hatte diesen Kauff zu thun, so liess ich nach Hausse ihm davon Nach- A richt zu geben. Er bedachte es eine Zeitlang, denn l»,? er war gar kein Mann, der sich in seinen Entfihlier fimgek übereilte. Die- kobinlon Erulos. Diese» Schiff ist ein wenig zu gross, sirgte er Mir, allein wir muffen es gleich wohl haben. Darauff kaufftcn wir das Schiff, bezahlten es auch, und nahmen es ln Besitz ; ww beschlossen die Matrosen darvonzu behalten und selbige den andern, die wir schon hatten, bey zugesellen z allein plötzlich daeinjeder, nicht seinen Sold, sondern semenAntheil M dem Geld , so für das Schiff gegeben worden, empfangen hatte, giengen sie davon. Einige Zeit wußten wir-nrcht wo sie kmgerommen, endlich aber vernahmen wir, daß sie ihren Weg auff^ra, ws der grosse Mogvl rei^liret, genommen hatten, und willens wären von dar nach-8ursra zu reisen um allda ^u Schiff», nach demPersischcnMeerbiistn zugehen. Nichts war mir in langer Zeit so sehr leyd gewesen, als daß ich die Reyse nicht mit ihnen gethan hatte: eine solche Hur in grosser Gesellschafft, welche mir beydes Ergötzüchkeit und Sicherheit zugleich verschafft hätte, wäre ein recht Essen vor mich gewesen. Überhitz hätte ich die Welt gesehen, und wäre zu zleicher Zeit meinem Vaterlande naher gekommen; Mein diese Betrübniß vorging wenige Tage drauff, «ls ich erfuhr was diese Holländer vor Herren wären. Der Kerl, den sie (^LpicLins hiessen, war nur der Constabel. Sre waren von den Indianern zu Land angegriffen worden, welche den rechten Lom- Mensuren vom Schiff benebst drey Matrosen geltet hatten. Darauff hatten diese artige Compa- ne, ihrer eilff an der Zahl, den Entschluß gefaßt mit dem Schiff darvon zu gehen. Dieses hatten sie auch zethan, nachdem sie den 8»bNiouoen und fünffMann, don denen wir künfftig werden zu reden haben, auff Land gelassen hatten. Dem ZO2 L-ebett des Ettgelländers ^ Dem sey wie ihm wolle, wir glaubten, daßwirei'.^ nen sattsam-guten Tim! zum Besitz des Schlffs häi?^'" ten, otMrachtet wir wohl verspürten, daß wir uns ^ nicht genugsam um das Recht dieftr Buben erkuli-Ä diget, ehe wir den Kauff mit ihnen geschlossen hätten/ Wann wir sie recht befraget, wie sich es gebührte / so würden sie sich, allem Ansehen nach, verhauen, und vielleicht einander, ja wohl ein ieder sich selbst, wk- I' versprochen haben. Zwar wiesen sie uns eine Lez, ^ s-on oder Abtretung vor, darinnen ein gewisser Qoo Nerkoven genannt war ; ich bilde mir aber ein, daß / dieses alles errichtet, ob wir gleich zu der Zeit, da wir * den OvlwrLÄ schlössen, keine Ursache hatten solches argwohnen. s: Als wir uns nunHerren von einem so grossenSchiff ^ sahen, so nahmen wir mehr Englische und Holländ^ W sche Matrosen an, und beschlossen eine andere Reyse W nach Süden, nach den Philippinischen und Molucki- mli schenJnsulnzuthun, um daselbst Nägcleinzu suchen. G Damit ich aber dem Leser bey Sachen, die dessen G Auffmercksamkeit wenig verdienen, nicht ausschalte, U und zudem ihm noch so viel merkwürdige Dinge zu-iss erzehlen habe, so will ich mit wenigen Worten sagen, daß ich in selbigem Lande sechs Jahr mit sehr nützlichen ^ Handeln zubrachte, und daß ich in dem letzten Jahr ^ nebst meinem Lonlorren den Entschluß nahm mit M «A serm Schiffeine Reyse nach China zu thun - nachdem wir in dem Königreich 8l3m Reis würden gekaufft haben. ^ ^ Auffdieser Fahrt wurden wir durch die comralren ^ Winde gezwungen eine Zeitlang in denMeer - Engen, ^ ss htz Mönchischen.Jnsuln von einander scheide», hi» ^ -ch R.obialon Lrusoe. ___ Zvz und her zu seegeln, und kaum wurden wir davon loß,so spürten wir, daß unser Schlffan einem Ort war leck geworden, und so sehr wir uns auch dcmüheten zu erfahren, wo es wäre, so stund uns doch allezeitdie Unmöglichkeit entgegen. Diestr Unrast) nöthigte uns eisen Hafen zu strchen, und mem kontert, welcher dicff Länder besser als ich kannrc>rretl) dem den Fluß.chtUDbocnL etnzulaufftn. Ich sage derLa- pittine, denn weil ich das t^nmmanöo zweyer E chis- fe nicht über Mich nchmen tvoltc, hatte ich unfern dui^ Lrmen, den Herrn/l'nomMm darüdcr zum Opi- mne bestehst Der Fiuß, von welchem ich ieho gesagt, istauffder Nord-Seite des Meer - Busens, fö nach Eingehet. Währender Zeit, daß wir dawaren, und alle Tage -n das Land giengen um Erftilchungcn zu bekommen, lv geschahe es einsmahlsdes Morgens, daß ein Mann Mir kam und mit grosserEilfertigkc.t mich anredete. Selbiger war Unter- Constabel von einem Eriglisch- ZndifchenSchiff, welches in eben dem Fluß, beyder Stadt LambocilL, vor Ancker läge. Er redeteEngltsch mit mir: Mein -Herr, sagte er, ihr kennet mich «richt, und gleichwohl habe ich euch eineGache Zusagen, die euch sehr nahe angehet. Indem ich ihn auffmercksam betrachtete, glaubte ich anfänglich, daß ich ihn kannte, aber ich irrste mich. «Wenn mich die Sache nahe angehet, antwortete «ichihm, ohne daß ihr etwas dabey zu gewinnen cdcr «zu verlieren habt, was bewegt euch mir Mhe zu offenbaren? Ich werde darzu bewegt, antwortete er, »durch die grosse Gefahr, die euch über dem »Haupt schiebet, -hne daß ihr die geringste Z04 Erben des Engellander» _ ,— - — -—— -—>—>——-— . „Ränntniß darvon habet. Die gantzr Gefahr, „darinnen ich zu seyn glaube , gab ich ihm zur Arm „work, bestehet darinnen, daß mein Schiff an einem ^ ,^>rte leck geworden, allein ich bin willens es auffdie^ „Seite zu legen um mich zu bemühen desselbigen innen .1^" „zu werden. Mein Herr, mein Herr, wenn ihr M klug , werdet ihr att alles dieses nicht denckem wen n ihr wissen werdet, was ich euchE zu sagen habe.Missecihr wohl, daß dieGradtMH LLmbo^M nickt weit von hier ist, und daß nahr ch^ dabey zwey grosse Englische, und drey Hollän-D dische Sckiff'e sind ? „Nun wolan, was thut mirs!!»! „das? antwortete ich ihm. Wie,mein ^err, versetz-«eÄ te er» ist es von einem Mann, der aufgut Glück,:.: wie ihr ausgehet,weißlich gethan in einem »rü fen, einzulauffen, ehe er zuvor untersucht haLM be, was davor Schiffe mögen vor Ancker limtz, gen,und ob er imGrattde sey ihnen dieGpiyeMN«) Vieren ? Ihr wisset wohl, wie ich mir einbildMitz daß die Parthey nichrgteich ist. sS Über diesen Direo ur; erichrack ich gar nicht,weil ich iM solchen im geringsten mcht verstmkd ; ich sagte dcherDW meinem Mann, er möchte sich deutlicher erklären, un-W daß ich keine Ursach vor mir iahe die Schiffe der EnMtzH sehen und Holländischen OompaMienzu fürchten, ich keine Zölle versühre, urid keine verbotene Händig lung triebe. Sehr wohl, mein Herr, sagte er lä- chelnd mit einer kleinen sauer-süssen Mine, wen» <1^ ihreuch in Sicherheit glaubet, dürffr ihr dableiben; Jedoch ist es mirl> rnlrch leyd,daßt^ ich sehe, wie euch eureSickerbeit veranlasset ei« nen heilsamen Rath zu verwerffen. Geyd versü 1 ^ ch-rt, ^ Lvbmlon Oruloe. zos ^ versichert, daß wann ihr den Ancker nicht der* H Augenblich'auffyebec, ihr alsoforr durch fünff ^ Bosrc vollerLeute werdet angegriffen werden, ^ und daß, wenn man euch gefangen bekommt, » man denAnfang machen u. euch wie einen See- ^ Räuber hangen wird,mir Vorbehalt euren?ro- ^ ceL nachgehendo zu ionniren. Ich vermeynere, ^ mein Herr, daß eine so wichtige Nachricht mir '' einen bessern Empfang würde zuwege ge- "7 drachrhaben, alsderieuigeisi, damit ihr mich ^ hegünjkiget. „Ich bin mcmals undanckbar gegen '' „diejenigen gewesen, so mir einen Dienst gethan, jag- „reich zu ihm; Alleines ist mir schlechterdings un- H „möglich die Ürjäch von dem Anschlag, den man euerer ei- „Rede nach, wider mich gemacht hat, zu begreiffen. -«Nichts destoweniger will ich mir euern Rath zu Nutz n.' „machen, und weil man ein so abscheuliches Unterneh- rtk „men wider mich auszuführen gesonnen ist, soMll ich „den Augcnlick hingehen, und Befehl geben, daß man . ' „unter Seegel gehe,wenn man den Ort, wo dasWas- ^ „scr eindringet, verstopfft hat, oder wenn uns solcher e« „nicht hindert die See zu halten. Allein, mein Herr, „muß ich diesen Entschluß fassen ohne diese Sache „gründlich zu wissen, und töntet ihr mir nicht einiges ^ «Licht hicrinnen geben? Ich weiß nur einen Theil N davon,sagte er zu mir, aber ich habe kinenHollan- A dischen Matrosen bey mir. der konre euch dar- vsnNachricht geben, wenn es die Zeit zuliesse. ^ Es kan euch auch nicht gany und gar unwisi ^ sindseyn; Denn sehet her warum es zu thun ist: ^ Ihr seyd mit demSchiffzu äumÄtra gewesen,wo der Oliplwme mit drey seiner Leute durch die ^ ll, Theil. ll Ein« zo5 Lebendes Lngellanders Einwohner getödtet worden, und ihr seyd mit dem Schiff darvon gegangen um See-Raube- rey zu pflegen. Das ist oerGrund dieser gangen Sache, und man wird euch,ohne groß Wesen als einen See - Räuber bestraften. Ihr Wisset wohl,daß die Rauffarchey-Gcyiffe dessen nicht Viel machen mir den Lapern, wenn fle dieselben in ihrer Gewalt haben. „Zhr redet ieho gut Englisch, sagte ich zu ihm,lind „ich dancke euch. Ob ihr wohl kernen Antheil a» der „Ubelthat haben, darvon ihr ietzo geredt, und mir das „Eigenthum des Schiffs durch die rechtinätzigfteWc- „ge erhalten, so will ich doch meine Vorsicht gebrauchen, das Unglück zu vermeiden, welches mir euere „Rede andräuct. Euere Vorsicht gebrauchen, mein Herr? antwortete er mir trotzig, ihr bedienet euch einer sehr schwachen Redens-Arr. Die beste Vorsicht ist hier, sich auffdas geschwindeste vor der Gefahr in Sicherheit seyen. Wenn euch an euerm Leben, und an aller euer Lcuche ihrem etwas gelegen ist, werdet ihr ohne Verzug den Anckerauffziehen, sobald das Wasser hoch ist; rhr werdet so denn die ganyeFluch zu euerm Vortheil haben , und schon weit in See seyn, eheste biß hieher kommen können. Sir müssen sich der Fluch so wohl als ihr bedienen, und wie sie zrvanyig Englis cheMeilen von hier sind, werdcrihrvor ihnen zwey gute Gründen voraus seyn, und wenn der wind ein wenig starck ist, werden euch ihre Boote in das hohe Meer nicht verfolgen dürsten. ,Mein Herr, ihr leistet mir einen sehr wichtigen „Dienst k-tt M-« rhsw W Mi Ätr Lobinlon Lruloel Z27 . „Dienst, was wollet ihr daß ich thun soll euch meine '' „Erkenntlichkeit darvor sehen zu lasten ? Vielleicht i seyd ihr von der Wahrheit meiner Nachricht nicht soviel überzeuget, antwortete er m ir, daß ihr ^ «merklich Lust hattet mir solchen zu vergelten. ^ Doch wenn ihr im Ernst redet, so habe ich euch - einen Vortrag zu thun. Man ist mir in dem Schiff,mir welchem ich aus Engelland geksm- men neunzehen Monath Gold schuldrg, und mein Lamerad der Holländer hat eben jo viel zu fordern; wenn ihr uns dieses bezahlen wol- - let, sind wir bereit euerm Glück zu folgen ohne etwas mehrers von euch zu begehren,wenn uns nichts vorkommt, das fähig wäre euch der r.. warheitmeiner Nachricht zu überzeugen,und ^wmn das Gegentheil sich zuträgt, wollen wir ^ euch frey stellen uns solche Vergeltung zu thun, wieihr es vor gut befinden werdet. Dieses gicng ich gleich ein, und ließ mich noch den - Augenblick mit ihnen in das Schiffführen; kaum war >- ich bey demselben in der Nahe angelanget, so stieg mein Lonkorte, der am Bord geblieben, auffden Oberlof und rieffmir zu, daß der Riß oder Spalt gleich zuge- A stopfft wäre. GGtt sey darvor gelobet, sagte ich zu ihm, allein man hebe den Ancker eiligst auff. .. ^llnd warum denn, antwortete er mir, was wolt ihr »damit sagen? Es braucht hier kein Fragens,gab ich ihm zur Antwort, geschwind laßt die ganye L- guipLAL das werck angreiffen, und den Augenblick den Ancker auffziehen, ohne eine Minute zu verlieren. Ob er wohl über diesen Befehl in die äusserste Verbi 2 wun- 1'' Z 28 Leben des Ettgelländers '.Minderung geriet!), so unterließ er doch nicht den r.üne zu rüsten, und ihm solchen zu hinterbringen ; und S . ohnerachter dw Flut noch ni6)t gantz und gar hoch war, so hatten wir doch einen frischen Wind, der vorn Lande ^ kam, zum Vortheil, und giengen also unter Engel. Nach diesem ließ ich meinen (^onlvi ren in die Hütte kommen, und sagte ihm alles was ich von dieser Histo- rie wüste, die beyden neu-angekommener! aber erzehl» M ten uns das übrige. ^ ^ Gleichwie d«M standt der Waffen damit wir mit einander sprechen, ^ und die Ursach ihres Verfahrens zu wissen bekommen möchten. Allein da war übermahl keine Ant- Wort: Der Boot, suchte nur unser Hintertheildes M Schiffs zu gewinnen, deßwegen begrüßte sie unser Constabel, der stin Handwerck vortrefflich ver- stund, noch mit zwey Canonen - Schüssen, derena der keiner traff; dieses bewegte die im Boot ane W vollem Halste zu schreyen, indem sie ihre Mützen um W den Kopff herum schwungen- Nachdem sich indes ^ sen der Constabel von neuem in gar weniger Zeit 7 fertig gemacht, st) gab er mit besserm Erfolg Feuer, «cr und ob er wohl den mittlernTheil von dem Boot selbsi H»ii verfehlte, st gieng doch ein Schuß gerade unter dik^W Matrosen, und that eine erschröckliche Würckung. Dreyz^ Kobinlvn Druloe. Zu Drey andere Kugeln, die wir ihnen gleich drauff !ss schcnckten, brachen schier den gantzen Boot in Stü- li« ckcn, und nahm ihnen das Steuer-Ruder nebst einem ^ Stück von dem Hmterrhcil weg, welches sie denn in A> eine grosse Unordnung satzte. Damit sie aber unser Constabel vollend fertig machen möchte, gab er noch mit zwey andern Canoncn Feuer auf sie, welche sie H , dergestallt zurichteten, daß wir den Boot im Begriff sahen unterzugehen, wiedenn schon viele Matrosen im Wasser waren. Darauff ließ ich gleich die Pinasse ausrüsten, wel- ch che wir bisher gantz nahe beydemSchiffbehalten hat- ^ ten, und gab unsern Leuten Befehl, daß sie hindern sol- ten, daß jemand von unsern Feinden erträncke, jadaß ^ sie deren so viel auffischen mästen als sie köntcn, und 'ch hiernechst denAugenblick mit selbigen wieder anBord kommen sollen. Denn wir sahen daß die andern Boo- ^ te mit aller möglichen Geschwindigkeit bereits auf uns 2.7 anrückten. ^ Unsere Leute kamen meinemBefehl auf das genau- * " este nach.Sie fiengen deren drey,unter denen einer war, O derindem ersäuften wvlte, und uns nachgehens viel ^ Mühe kostete ehe wir ihn wieder zu sich selbst bringen ^ kanten. Sobald wir sie im Schiffhatten seegelten wir ^ slarck zu, damit wir das hoheMeer erlangen möchten, und wir sahen, daß, als die drey letzten Boote zu den beyden andern gekommen, sie vor rathsam befunden Dz diese Jagd fahren zu lassen. ^ Nachdem wir einer so grosse Gefahr, die ich zu er-» lvarten nicht die geringste Ursach hatte, glücklich ent- kommen waren,so beschloß ich dieFahrt zu andern,und ^ hierdurch jederman das Mittel zu benehmen.zu erra- lhen, wo wir hinzugehen gewillet wären. U 4 Als zir Leben desEttgellanders Als wir solchergestalt mmmehro nichts weiter zu be. fürchten hatten, so befragten wir unsere beyde neu Angekommene um die Ursachen dieses ganhen Anschlags, den man wider uns gemacht hatte, und der Holländer entdeckte uns das völlige Geheimniß. Er sagte daß derjenige, welcher uns das Schiff verkauft, nichts anders als einErh-Schelm wäre,der sich dessel- bigen bemächtigt hätte,nachdem derEÄpwame.(deftn Namen er uns sagte,mir aber ictzo nicht einfallen will) von den Jnsul-Leuten nebst dreyen von scinemSchift- Volck umgebracht worden. Er selbst wäre von selbiger ii^uipage, und hätte sich den Händen der Barbar» entrissen, indem er nur drey andern in ein Gehör- he gesprungen, und sich einige Zeitda m verbergen gezwungen worden wäre.Nachdiesem hätte er sich ganh allein auf eine Wundervolle Art daraus Aviretstn dem er an einen Boot von einem Holländischen geschwommen, welches damahls aus LKins gekommen, und sich auf stlbiger Küste vor Ancker gelegt um siiffes Wasser zu hohlen. Wie er einige Zeit zu Laraviz gewesen, wären zwey Mann von selbigem Schiffda angekommen, welche aufcher Reise ihre Cameradcn verlassen hatten; die« fe hätten erzehiet, daß der Constabel, der mit dem Schiff durchgegangen, daselbige zu Lengäla an eine Bande See-Räuber verkaufst hätte, welche, nachdem sie herum zu creutzcu angefangen, bereits ein Englisches , und zwey sehr reich -beladene Holländische Schiffe genommen hatten. Dieser letzte Theil der Rede bekümmerte uns sehr, ob wir schon die Umvarheit darvon gantzlich erkannten, wir jähen klär!ich,daß wo wir wären denjenigen, die uns so hitzig verfolgten, in die Hände gefalle«, es um A' iiiiff Äicj kobinlon Oukoe. L ZiZ 7ss- äc'- L - A Z UM uns geschehen gewesen wäre. Wir würden unsere Unschuld umsonst vertheidiget haben gegen Leuthe die so entstßlich ^vor eingenommen, und die so wohl unsere Ankläger als auch zugleich unstreRichter gewesen waren. Wir hätten nichts anders erwarten dürf- sen, als alles dasjenige rvaö die Wuth Leuten, die ihrer Gemüths-Neigungen nicht mächtig sind, eingeben, und sie zur Vollziehung derselben bewegen kan. Diese Betrachtung gab meinemOonsorten Anlaß zu glauben, daß es der beste Rath wäre, wir kehrten wieder zurück nach bengal». ohne einigen Hafen zu berühren. Da tönten wir uns ohne Mühe rechtfertigen indem wir zeigten, wo wir gewesen, als das mshrge- dachte Schiffda cingelauffenwär, von wem und auf wasArt wir es gekaufft hätten, und wenn die Sache vor den Richtern wäre abgehandelt worden, so tönten wir sich er seyn, daß man uns nicht gleich aufhienge, und nachmahls erst unstr Urtheil erhielten- Anfänglich war ich meines (Vnlotteir Meynung, allein ich verwarff solche, nachdem ich reiflicher daran gedacht hatte: denn weil wir uns jenseit derMeer-En- ge von^aluvcL befanden,so tonten wir,ohne in die grö- ste Gefahr zu gerathen, nicht wieder nach kehren. Das Gerücht von unser vermeyntenUbelthasund die schlechte Empfahung, damit wir denjenigen,so uns angegriffen, begegnet, muste allenthalben Lcrm gemacht haben, und war kein Zweiffel daß alle Englische und Holländische Schiffe unterwegs uns auspaffeten. llber diß hätte unser Umkehren ganh und gar wie eine Flucht ausgesehen, und mehr hätte es nicht bcdurfft uns leichtsinniger Weist und ohne Untersuchung zu verdammen. Diese Überlegungen offenbarte ich dem U s Engel- z l 4 Lebendes Engelläiders Engelländev, der mir die wider uns gemachte Lvn. ^ spir^non entdeckt hatte, und selbiger befand solche ^ mehr als zu richtig. - Darauf beschlossen wir die Küste von lun^ zu suchen, und hernach die von (lklna, auch; unser Vorhaben zu handeln fortzusetzen, hiernechstaber un- ser Schiff an einem Ort zu verkauffen, und mit cd 'D nem andern Fahrzeuge wieder in-stnstr Land zu keh- MS rcn. Drefe Anschlage schienen uns zu unser Sicher- W heit die Besten, und wir seegelten gegen Nord-Nord- AB Osten, indem wir uns funffng Meilen weiter von der M Küsten abwandten, als sonst die gewöhnliche Straße zAt lvar« Dieser Entschluß brachte uns in einige Angele- genhciten: Auff dieser Höhe fanden wir die Win- H de beständig concrLir . weil sie > gemeiniglich von Ost - Nord- Ost kamen, welches verursachte, daß M, unsere Reise sehr lange wahren muste, und zum An- S« glück waren wir ziemlich schlecht mit Lebens - Mit- ^ teln versehen. Ausser dem war zu befürchten, es möchten einige von den Schiffen, deren Boote uns ^ angegriffen, und welche nach eben den Oertern be- stimmt waren, vor uns in diesen Hafen einlauffen, o- ^ der aber auch sonst ein Schiff, so von allem,was aüe- ^ weile vorgegangen, benachrichtiget worden, uns mit ^ aller möglichen Halßstarrigkeit verfolgen. D Ich gestehe, -daß es sehr betrübt um mich aussa- ^ he, und ich glaubte, daß ich in dem unangenehmsten ' Zustand war,darinnen ich mich jemahls befunden IM- B te. Ich hatte keine betrügerifcheThat begangen, ge- S schweige, daß ich den Titul eines Diebes undSee- st ? Räubers verdienen sollte. Mein gantzes böses Ver- ^ halten von meiner Jugend an hatte darinnen bestan- ' den, daß ich mein eigener Feind gewesen, und dieses ^ war das erstemahl in meinem Leben, daß ich in Ge- ^ fahr stund, als einUbelchätervon der untersten L>rd- nung traLrirt zu werden. Ich war vollkommen um schutdig, sahe aber keincMöglichkeit vor mir, überzem gende Proben meiner Unschuld an den Tag zu legen. A Als nun mein c^onlorre innen ward,daß ich in einer tieffenÄtelancholic steckte, wiewol er anfangs eben so dekümert als ich gewesen,so fieng er an mir einenMuth zuzusprechen; und indem er mir die mancherley Hafen dieser Küste beschrieb, sagte er zu mir, daß er der Mey- , nung wäre, daß wir unsere Zuflucht in ^ oder in dem Meerbusen von suchen solten, von dar könten wir >lac!io erreichen, welches eine ^ Stadt, so vor Zeiten den Portugiesen gehöret, und wo- ^ selbst biß öaro sich noch eine gute Anzahl Europäische ', 6 ' Familien und sonderlich IckiNHonarlenaufhielten, wel- A! che in der Absicht dahin gekommen, daß sie sich nach LKinL von dar begeben wolten. irä Bey diesem Entschluß blieben wir, und nach einer sehrlangweiligcnReise, auf welcher wir wegen Mam 15L gel an Lebens-Mitteln viel ausgestanden, entdeckten A wir endlich die Küste von LoclUncKMa. und wir wur- ißs, denRarhs in einen kleinenFluß einzulauffen Darinnen p I gleichwohl genung Wasser vor unsre Schiffe war,dm ^ bey hatten wir beschlossen uns entweder zu Land, oder F vermittelst unstrer Pinasse zu erkundigen, ob einige SB Schiffe in den Häfen dort herum lägen. ^ DieVorsick-t welche wir gebraucht in diesen kleinen ^ Fluß einzulauffen, machte daß wir glücklich durchkam men. Denn ob wir wohl anfangs keine Schiffe in / dem z l 6 Leben des Ettgellarrders ^ demMeerbusin von'l'unguin erblickten, sosahenwir doch den andern Morgen frühe zwey HolländW 2 Schiffe da hineingehen z und noch ein anders ohne ^ Flaggen, so wir doch ebenfalls für ein Holländisches 2 hielten, siegelte zwey Meilen vor uns vorbey und liess ^ nach der Küste von Oiina. Nachmittags wurden wir ^ noch zwey EnglischeSchiffe gewahrchie eben denWeg nahmen.Diesimnachwarenwirsihrglücklichdaßwir 7 ^ an diesem Ort der Sicherheit verborgen lagen, znder ^ Zeit da wir uns von einer so grossen Menge Feinde auf ' allen Seiten umgeben befanden. W ^ Gleichwohl hatten wir da unsere Gemächlichkeit nicht gantz und gar: immassen das Land, wo wir cm- gelausten, durch die barbarsten Leute bewohnet ward, -^7 die da nicht allein von Natur, sondern auch von Pro, Gk feßivn Ertz- Diebe waren. Im Grunde hatten wir V nichts mit ihnen zu thun: und wenn man die Sorge ei- M nigeLebens-Mittel zu hohlen ausnimmt,begehrten wir ^ mit selbigen nicht die geringsteGemeinschafft zu haben. Nichts destoweniger hatten wir grosse Mühe uns wi, der ihr freveles Beginnen zu schützen- ^ Der Fluß, wo wir waren, lag nur einige Meilen M von den äussersten Mitternächtigen Gränhen des gantzen Landes, und indem wir mit unserm Boot an üP den Küsten hinfuhren,, entdeckten wir die Spitze des Wr gantzen Königreichs gegen Nord- Ost, wo sich der grosse Meerbusen von Hn^uin eröffnet. Aussdiese >A>, Maße waren wir bey dem henmssahrcn an denKüsten Atz der feindlichen Schiffe, so uns allenthalben umgäbe», ych innen geworden. Die Einwohner des Orts, wo wie uns befanden, «raren eben so beschaffen, wie ich schon M gesagt, nehmlich die grösten Barbaren von der gam tz«, ? ! R-übinlon Lruk)e. Zi^ - -- - - - - HM Küste, angesehen sie mit keinem andern Volck ^ Gcmeinschafft hatten, sondern nur von, Fischen,Oel, Wd den gröbsten Speisen lebten. Ein Augenschein- jjchesKennzeichen ihrer unmäßigen Barbarey, war ^ die abscheuliche Gewohnheit alle diejenigen, so das ^ Unglück hatten in ihrem Gebiete Schiffbruch zu ley- den, zu Sclaven zu machen, und wir sahen hiervon gar bald ein Müstergen auffnachfolgende Art. ^ Ich hab hiervben angemercket, baß unser Schiff mitten im Meer leck geworden war, ohne baß es uns möglich gewesen, den Ort zu finden,da das Wasser - ch hinein drang ; und ob es wohl nachgehends auf eine sounerwartete als glückliche Weise,gleich zu der Zeit, "r? da wir durch die Englischen und HolländischenBoote, rr- angegriffen werden sollen, zugestopfftworden, foent- schlosien wir doch, weil wir das Schiff nicht so ganh, . als wir gerne gemocht, befunden hatten, das alier- schwerste aus selbigen herauszunehmen, und solches H auffdie Seite zu legen umso wohl dasselbige zu reini- gen. als auch vornehmlich den Ort, wo das Wasftr ss" eindrang, zu finden, wenn es möglich wäre. Nach- dem wir nun diesem Entschluß gemäß dif Canonen, «nd alles das schwerste im Schiffauff eine Seite gc- ^ leget hatten, fi> thäten wir was wir konten dasselbe ümzurverffen, damit wir an den Kill kommen möch- ^ im. Die Einwohner jo niemahls dergleichen vorge- - z, nommen, kamen alsofort an das Ufer herab/ und wie ^ sie das Schiff auff jene Seite gekehrt sahen, dabey aber unserer Leute,welche in den Booten und auffGe- rüsten, auffder andern Seite die sie nicht sthen kvnn- 2-' tm,arbeiteten, nicht innen wurden, so bildeten sie sich gleich ein,das Schiffhätte Schiffbruch gelitten, und wäre z 18 Leben des Engelländer» ^ wäre im Stranden solcher Gestalt auffdieScUTa?- Ä fallen. ^ ^ Weil sie nun gedachter maßen prXluppvmnen kamen sie ungefähr drey Stunden drauffmit zehrn 2 oder zwölff grossen Barquen, deren iede mit acht Ä Mann besitzt,auffuns zugerndert,allem Ansehen nach . mit dem Entschluß das Schiff zu plündern, und die vor ihren König oder GapitÄine zu führen ^ denn wir haben von ihrer Regiments-Form nichts er- ^ fahren können; doch ist dieses gewiß, daß in solchem - Fall die Sclaverey eine solche Sache war, deren wir uns allerdings versehen mußten. Nachdem sie nun auff das Schiff angeruckt, sich- ^ gen sie an rund umher zu rudern, und da sahen sie uns ^ aus allen Krafftcn an dem Kill und an der Seite des ^ Schiffs arbeitendem dasselbe zu saubern, zu verstopf- W fen,und mit.Unschlit zu beschmieren. - ». Im Ansang thäten sie nichts als unsirSchiffauff ^ l meecksam zu betrachten, ohne daß es uns möglich war ^ tq ihre Absicht zu errathen. Jedoch bedieneten wir uns ^ dieser Frist, allen falls einige von unsern Leuten in das KA Schiffgehen zu lassen, damit sie denjenigen, welche >« arbeiteten, Gewehr und Munition sich im Fall der chl Noth zu vertheidigen, zureichen tonten. ^ ^ Es ward baldZeit sich dessen zu bedienen,denn nach-» W, dem sie sich eine viertel Stunde mit einander beredet ÄK und vermuthlich beschlossen hatten, daß das Schiff R müßte gestrandet seyn, und wir nur deswegen arbei- ^ teten, damit wir dasselbige retten, oder uns selbst ver- W mittelst der Boote, darein sie uns Gewehr tragen sa- hen, lölviren möchten,so giengen sie auff uns,als auff tz,r, eine gewisse Beute loß. ss H Kobinlon Lruloe. »»'z Als sie unsere Leute in so grosser Menge herannahen sahen, firngen sie an zu erschrocken: sie waren in ziemlich-schlechter?oürur sich zu wehren, und sie schry- en uns zu, wir möchten ihnen befehlen was sie thun sollen. Diejenigen, welche aufdem Gerüst waren, cvm- imnckrte ich also fort, sie sollen suchen auf das geschwindeste in dasSchiffzu kommen, den andern aber, so sich in den Booten befanden, sie sollen herumfahren und gleichfalls hinein gehen : Wir, die wir uns am Bord befanden, wandten alle Mühe an das-Schiff wieder auffzurichten. Jmmittelst tonten weder die vom Gerüst, noch aus den Booten unsern Befehl vollbringen, weilcinen Augenblickhernach die Barbaren, sie anzufallen, in Bereitschafft waren: Zwey von ihren Barquen hatten sich bereits unserer Pinaffe an den Bord gelegt, und packten unsere Leute als ihre Gefau- - gene an. ^ Der erste, den sie angriffen war ein Engelländer, ein so tapffcrer als starcker Kerl; selbiger hatte eine Musqucte in der Hand, an statt aber daß er sich solcher H bediente, warffer sie in den Boot, welches ich anfangs ^ bor einen Unverstand hielt; welcher der Dummheit 7.. ßhrnahe trat; allein er brachte mich bald aus dem Jrr- -'' ihum, denn er nahm den Buben, so ihn angepackt, bey ^ , denHaaren,und nachdem er selbigen aus seinerLsrozue ^ A unsere gezogen hatte, stieß er ihm den Kopffmit einer c ^ 'eichen Macht an eine Ecke des Boots,daß den Augen- ^ blick das Gehirn beraussprang. , ' Nachdem auch zu eben der Zeit ein Holländer, so bei) chm stand,die Mustzuete bey dem Lauffgenommen, ^ ircheteer solche so artig um sich herum, daß er junffo- der sechs Feinde, die in den Book springen wollen, nie- ; Erschlug. Das Zro Leben des Ettgelländers Das war aber noch nicht genung dreyßig »der vierzig Mann zurückzutreiben, welche in geschwinder Eil m die Pinasse sprangen, wo sie keine Gefahr vermutheten,und wo nur fünffMann selbige zu vertheidigen wa- ren. Allein einer von den allerpoßierlichsten Zufällen brachte uns einen völligen Sieg zuwege. Indem sich unser Zimmermann fertig machte das äusserste von dem Schiff zu schmieren und zu pichen, halte er alleweile in die Pinasse zwey Kessel, einen voll siedend Pech, und den andern voll Hartz, Unschlit, Oel, und dergleichen Materien hinab gelassen. Des Zimmermanns Handlanger hatte noch in seiner Hand einen grossen eisernen Löffel, mit welchem er den andern diesen heissenSaftt zureichte, und wie er zween von unsern Lvckwckinesern auffdcr Seite, wo er stund hineinkommen sahe, so besalbte er sie dergestalt mit einem Löffel voll daß sie gezwungen wurden in das Wasser zu springen, dabey sie wie r. Ochsen brüllten. Es ist gar rcchc, Hannß, rieff darauff der Zimmermann, sie befinden die Suppe gut, gieb ihnen noch eine Igelte voll : Zu gleicher Zeit liess er Mit einem von den Lappen, welche man an einen Stock bindet die Schiffe zu waschen, nach selbiger Seite, und wie wer ihn in das Pcch getunckt hatte, sprühte er eine so grosse Menge darvon auff diese Diebe, da in« dessen Hanß mit seinem Löffel so freygebig gegen ft war, daß sich in den drey feindlichen Barquen kein eintziger Mann befand , der nicht elendiglich gebrannt war. Die Würckung hiervon war uin so viel grösser und geschwinder, weil diese Sehe!' men schier ganh nackend waren, und ich kau sagen, daß ich in meinem Leben kein entsetzlicher Geschrey kobinion Crukotz! zrr gehört habe, als diese arme Lockinckmeser damals verführten. ^ - Es ist eine merkwürdige Sache, daß, ob wohl der Schmertz alle Völcker zu Schreyen bewegt, nichts destoweniger diests Geschrey eben so unterschieden, als die Sprachen mancherley find; Ich kan den Laut, welcher uns damahls zu Ohren kam, nicht besser nennen als ein Heulen; und ich habe niemahls etwas gehört, das solchem gleicher war als das erschröckliche Geheule, welches die Wölffe, so mich vor diesem in Languedoc anfielen, machten. Niemahls hat mir ein Sieg grösserVergnügen gebracht, nicht nur Mil uns solcher aus einer Gefahr errettet, welche ausser dem sehr groß gewesen wäre, sondern auch weil solcher vhneBlutvergiessen,und ohne jemand zu todten, ausser demjenigen,welchem derEngsl- länder den Kopffan dem Schaluppen-Bord entzweigeschlagen, darvon getragen ward. Es wäre mir un- gemein leyd gewesen, wenn ich diese unseeligenMen- schen hatte sollen lassen umbringen, wenn es gleich;» Beschühung meines eigenen Lebens geschehen, aller« Massen ich wußte, daß sie von der Unbilligkeit, die sie lins anfallend begierigen, nicht die geringste Kännt- niß hatten. So ist mir auch bewußt, daß wenn die Cache nothwendig selbige nicht weniger billig gewesen wäre, weil es keine nothwendige Ubelthaten geben kan, ich glaube aber dennoch, daß es ein betrübtes Leben ist, so man stets mit TödtUng unsers Nächsten beschützen muß, und ich wölke lieber ziemlich-grosse Frevelthaten erdulden, als meinen Gegentheil , so mich anfallt, um das Leben bringen. 3a ich stehe gar in den Gedancken, daß alle die- n. Theil. L jem- zrr Leben des EngellLnders Wenige, so etwas zu überlegen wissen, und den Werth ^ des Lebens kennen, meiner Meinnng sind. Zch kom- ^ me aber wieder auff meine Historie. Jmmittelfi, da diese poßierliche Schlacht vorgieng, hatte mein B Lontorce und ich, die die Leute, so wir am Bord hak» ten, sowohl gebraucht, daß das Schiff endlich wie- der auffgerichlet ward. Die Canonen waren be- . ^ reits wieder an ihre Stelle gebracht, und der Conjia- -B be! bat mich denen in unsern Booten anzubefehlen sich zurück zuziehen, weil er Feuer auffdie Feinde gs° FZ ben wolte. K l Ich sagte ihm, er solle nichts dergleichen thun, und KiL daß unser Zimmermann uns schon ohne Beyhülffe des Geschützes davon befreyen würde; Nur befahl , A ich dem Koch, er möchte noch einen Kessel voll Pech M heiß machen lassen. Allein zu gutem Glück brauch- M ten wir es nicht; Die armen Teuffel waren über M dasjenige, so ihnen bey dem ersten Sturm, wieder- fahren, so müßvcrgnügt, daß es keine Noth hatte,. -M daß sie einen neuen wagten. ^ - Uberdiß als diejenigen,so am weitesten von uns wa- ren, das Schiff wieder auffgerichtet, und zum Fah- rcn tüchtig sahen, fiengen sie an, allem Ansehen nach, ^. ihres Irrthums innen zu werden, und verfolglich ach- teten sie nicht vor rathsam mir ihremAnschlag weiter fortzugehen. Also kamen wir auffeine kurtzweilige Art darvori, ^ und weil wir einige Tage zuvor sechzehcn gute fette Ä Schweine, Reis, Wurtzeln undBrodt an Bord ge- bracht,so beschlossen wir.es möchte kosten was es wol- I'' te, wieder in See zu gehen, indem wir versichert, daß T' wir uns denTag drauf mir einer sogrossrnAnzahlL»- ? elun- Idvbinlon Ouloe. zrz ckinckineftr würden umgeben sehen, dass es unseren Kesseln ?auer werden dürfftc, allen ihre Nothdmfft zureichen Diesemnach trugen wir alle unsere Sachen noch selbigen Abend wieder in das Schiff, und den andern Morgen waren wir im Stande unter Seegel zugehe». Nichts destowcniger befanden wir für gut lins auffeine gewisse Wette vor Ancker zulegen, indem w,rdie§einde so sehr nicht fürchteten,weil wir in svguter Verfassung stunden, daß wir sie erwarten konten. Den andern Tag drauff, als wir alles, so auffdem Schiff zu machen war, vollendet hatten,und hiernechst sahen, daß die Oertcr, wo durch dasWasi scr in unser Schiff gedrungen , vollkommen - wohl vcrstopfft waren, so giengen wir unter Scegel. Wir hätten sehr wünschen mögen , daß wir in den Meerbusen von l unczuin gehen dürffen, um zu erfahren, wo die Holländischen Schifte, so da gewesen, hingekommen; allein wir hatten vor weniger Zeit viel andere Schiffe dahinein fahren sehen, und vcrfolg- lich durffren wir uns nicht dahin wagen. Wir Neffen also von der Nord-Oft-Seite nach derJnful sormo- ü> und fürchteten uns eben so sehr ein Englisch oder Holländisches Kauffarlhcy-Schift anzutreffen, als sicheln Europäisches in dem Mittelländischen Meer siegeln desSchiff fürchtet einemAlgierischenKriegS- Lchishu begegnen. , ^ Anfänglich seegelten wir gegen Nord-Oft, als wenn wir in dicManillifchen vderPhilippinischenJn- suili Lchen wollen,damit wir aus der Straffe der Eu- wpälschen Schiffe seyn möchten, und nachmals wan- den wir uns nach Norden, biß daß wir auff den X r Grad Z 24 Leben des Ettgelländers Grad, z. Minut. lacituä. kamen , und solcher^- ^ statt langten wir in der Jnsul l-ormos^ an. Wir E warffen da den Ancker um frisch Wasser und andern ^ Vorrath einzunehmen: wir wurden von dem Volck zum Überfluß damit versehen, und wir befanden das- selbige sehr höflich, auch ließ es uns bey der ganhen E Handlung, die wir mit ihm pflegten, eine grosse Aass. richtigkeit blicken. Vielleicht hat man diefe gure Manieren,und diese Frömmigkeit dem Christenthum ^ zu dancken, welches vor diesem, durch Holländische MilMElen, in Vieler Jnsul ist eingeführet worden. ^ Welches dann eine Anmerckung, so ich stets über die ^ Christliche Religion gemacht habe, bestarckchnehm- D lich sie mag allenthalben wo sie angenommen worden, W heyligende Würckungen hervorbringen oder nicht, ss IM! weiset sie doch zum wenigsten die Nationen zur Hof- KÄ lichkeit an, und verbessert ihre Mattieren. Ä! Von dar fuhren wir fort, nach der Nord-Seite zu siegeln, und hielten uns allezeit in einer gleichen Wei- «E te von den Küsten von China, und solcher gestassgicn- W gen wir vor allen Hafen vorbey, wo die Europäische W Schiffe einzulauffen pflegen, waren auch vesi eM- irMg schlössen alle unsere Bemühungen anzuwenden nicht iU in ihre Hände zu fallen. Es ist gewiß, daß wenn uns »ji dieses Unglück begegnet wäre, sonderlich in selbigem Kai Lande, so wäre es um uns geschehen gewesen, und ich Äuj vor meine Person fürchtete mich so sehr davor, daß ich W mich hatte lieber wollen in den Klauen der inguWou W befinden. W Als wir auff den z 2. Grad Krioud. gekommen,be- chs schlössen wir in den ersten Hafen, den wir fanden, ein- ^ zulauffen, und um deswillen siegelten wir nach dem ^ klobinlon Orulos. Z»s Wr zu. Wir waren nur zwey Meilen noch davon entfernet, als uns eine Barque mit einem alten Portugiesischen Steuermann entgegen kam, welcher', in, dein er unstrSchiff vor ein Europäisches erkannt hatte,sich da einfand uns seine Dienste anzudieten. Dieses Anerbieten war uns angenehm, und wir nahmen ihn anBord. Darauffschicktc er seineBargue zurück, ohne uns zu fragen, wo wir hinzu gehen Luft halten. Damahls stand er bey uns, daß wir uns mochten hinführen lassen, wohin wir wolten, und schlug dem guten Alten vor uns in den Meerbusen von ^si^um zu begleiten, welcher in dem allermitternächtigsten Theil der Chinesischen Künste ist. Er gab uns zur Antwort, daß er diesen Oollo sehr wohl kannte, wäre aber sehr begierig zu wissen, was wir darhun wolten. Ich sagte zu ihm, daß wir Lust hätten alle unsere Ladung zu verhandeln und an deren Stelle Procelan, Hunte Cattune,rohe und verarbeitete Seide und dergleichen einzukauffen. Er antwortete uns, daß beys» gestalten Sachen der beste Hafen vor uns der von .^cäo gewesen wäre, wo wir unstr Opium mit grof- semVvrtheil loß werden,und die Chinesischen Waaren um so guten Preiß als zu i^snijuin haben können« Um aber der Rede unsers Steuermanns, der sehr lveitlaufftig war, ein Ende zumachen, so sagten wir zu ihm, daß wir nicht blosse Kauffleute, sondern auch Reysende wären, und daß wir uns vorgesetzt hätten hinzugehen, und die grosse Stadt ?e^uir so wohl, als auch den Hofdes berühmten Monarchen von China zu besehen. So würdetihr dermwohl thun, antwortete er, Wenn ihr nachdlmWo liesset,von dar L z chr zr6 Leben des Eugellättdees —---- — ^ ihr auffdem Fluß, welcber sich daselbst ins Meerergeuß-,Ln wenig Stunden den grossen Ä Lanal erreichen könnet. Dieser Canal/welcher ^ allenthalben schiffreich ist,gehet mitten durch dasgrvs, ft Chinesische Reich, durchstreichet alle Flüsse, und 2 / und durchschneidet viele Hügel vermittelst gewisser Thore und Schleusten, und erstrecket sich biß nach?-- czuin, in dem er ein Stück Land von zwei) hundert und Ä sicbenzig Meilen durchläufft. ^ „Das ist sehrgut, Herr Portugiese, antwortete „ich ihm, allein hiervon ist die Frage nicht, wir be- „zehren nur von euch zu wissen, ob ihr uns könnetnach „l^Ln^uin führen, von bannen wir nachmahls leicht- ^ „lich an des Königs von China Hofgehen können.,, ^ Er sagte zu mir,daß er dieses sehr leicht thun könte,und daß vor kurtzen ein Holländisches Schiff eben diese» Weg genommen hätte. Diestr Umstand war nicht sehr geschickt mir zu ge- ^ fallen, und ich hätte den Trüffel, wenn er nicht in einer so gar ersthrocklichen Gestalt erschienen wäre, eben so V lieb, als ein Holländisches Schiff antreffen mögen, is t Wir waren gewiß,. daß wir selbigem nicht wärengc-- wachsen gewesen, weil alle .swklandifche Schiffe,web ^ > che in di'estn Ländern handeln, viel grösser und besser, als unsers damahls war, ausgerüstet sind. Als mich derAlte bey dem blossen Nahmen eines H Holländischen Schiffs besiürht fand, sagte er zu mir, k daß wir über dasjenige, sö er uns alleweile gesagt, ^ nicht erschrocken styn solten, angeselwn die Holländer ll«r mit unserer Nation keinen Krieg hätten. „Es ist war, P „antwortete ich ihm, allein man weiß nicht wie »i»« «dreseLerrle mit uns umgehen würden in einem solchen ^ »Lande, Kobinlon Crusoe.' Z-7 „Lande,wo sie dieGerechtigkeit nicht erreichen kan.Es ist nichts zu fürchten, versahte er, ihr seyd kerne See-Räuber, und Rauffleute, die nur ihre Sachen in der Stille zu verrichten suchen, werden sie nicht angreiffen. Wenn mir bey dieser Rede das Blut nicht in das Gesicht stieg, so geschahe es vermuthlich daher, weil die Natur einige Versiopffung in diesem oder se- nemGefäß zu wege gebracht hatte, um dessen Lauff Anhalt zu thun. Ich war in einer so grossen Verwirrung, daß es unmöglich änderst seyn konte, unser Portugiese muste es mercken. Mein Herr! sagte er zu mir, es hat das Ansehen, ob verursachte euch meine Rede Be» kümmerniß z Gehet ihr hin, wo ihr es vor das rathsamste erachtet, und seyd versichert daß ich euch alle Dienste , deren ich fähig bin, leisten will. " Es ist wahr , HerrPortu- „giese, gab ich ihm zur Antwort, ich bin gar sehr „unschlüßig in Ansehung des Wegs,den man nehmen „soll, weil ihr jeho von See - Räubern geredet „habt. Indessen hoffe ich,daß keine in diesenMeeren „sind: wir befinden uns auch nicht sehr im Stande „ihnen dasHauptzu bieten: ihr sehet,daß unserSchiff „keines von den Grösten, und dessen ziemlich schwach ist. Davor könnet ihr sicher schlaffen, antwortete er mir, seit funffzehen Jahren ist in diesen Meeren keiner zum Vorschein gekommen ausgenommen ein eingiger, welchen man vor ungefähr einem Monath in dem Meer- Busen von Siam gesehen hat; aber er ist gc^ X 4 Zrr Leben des Engelländers ^ wiß daß er nach Süden gelauffen; UbeUß - ^ ist es kein sehr wichtiges Schiff, und das sich lE zu diesem Handwerck gar zu wohl schickt, ^ Es ist em Rauffarthey - Schiff, mit welchem ^ die LcjmpaZe.nach dem Tod des LLpit3M8, ffm der Insul !ra>rmrL umgebracht worden, durch- ^ gegangen ist. "Wie, sagte ich, indem ich mich stellte al» M „wenn ich von dieser Sache nichts wüste, ha« M „ben diese Schelmen ihren eigenen Lapitame ermor« „det? Ich will nicht sagen , antwortete er, «i« „daß sie ihn selbst entleibet haben, gleichwie «A fte aber sich nachgehends des Schiffs bemach- H tiger, so scheinet essthr, daß sie ihn verrathen, W und der Indianer Grausamkeit übergeben ha« >Ä den. " Auff diese. Art haben sie den Tod eben so im „sehr verdienet, als wenn sie ihn mit eigenen Häm W „den ermordet hätten. „ Ohne Zweiffel, erwie- i dem der gute Alte, auch werden sie.nach ihrem ckß Verdienst gestrafft werden, wenn solche dir P1 Engel - oder Holländer antreffen, denn siehe« 'A den sich insgesammt verglichen, ihnen keine»« chi, wegs das Lchen zu scheuchen, falls sie ihnen in sch die Hände fallen« tz? Ich fragte ihn darauff wie sie sich Hoffnung ma« chen tönten diesen Caper anzutreffen, nachdem er jq, nicht mehr in selbigen Meeren wäre. Man versi« M cherr es, antwortete er, doch ist gewiß, daß rr W j > l-d! __Zr-> eher, daß einige Englische und Holländische x^auffleuche, die sich damahls auf eben dem Fluß befanden, im Begriff gewesen ihn wegzunehmen. wenn ihre vorderste Booce, fuhr er fort, gebührenden Beystand von den andern erhalten harren, so wäre er unfehlbar genommen worden; XVeil er aber nur zwey Boote bey der Hand sahe, so gab er Feuer drauf, und machresiezum Fechten untüchtig, ehe die am dem zur Stelle kamen ; Nach dresem er reichte er das hohe Meer, und alsdenn war es den Schaluppen nicht möglich ihn ferner zu verfolgen. Allein man hat eine so genaue Beschreibung von selbigem Schiff, daß man er allenthalben, wo es sich antreffen läßt, erkennen wird, und man hat einmürhig beschloßen beydes den Cspimine.^und die paZe, an die grosse Geegel-Stange hängen zu lassen,wenn man sich jemahls deren bemächtigen kan. "Wie, sagte ich, sie wollen selbige ohne alles gehörige Verfahren hinrichten ? Sie wollen sie erst z,hencken, und ihnen nachgehends den Proceß ma- „chen? Es ist schon gue mein Herr, antwortete er mir, was soll man lange gebührend verfahren mit dergleichen Bösewichten ? es ist genugwetttt man sie insMeer schmeist um sich die Mühe zu ersparen selbige zu hängen; es wiedersähet den Schelmen nichts anders als was sie verdienen. Weil ich nun. sahe, daß der alte Portugiese we- kr unsern Bord verlassen, noch uns den geringsten L y Scha« zZQ Leben des Ettgellätiders Schaden zufügen tonte, so sagte ich ihm trotzig «H F „ist eben die Ursache, weswegen ich haben will, daß Ä „ihr uns nach und nicht nach v. „der in einen andern Hafen, da die Engellander und „Holländer offr hinkommen, führen sollet. Wisset M „auch, daß diese Oapimmeb. von welchen ihr allcwci- AM „le gesprochen habt, ftevelhaffte und unbesonnene D „keuche sind, welche nicht wissen was Gerechtigkeit Ä"> „ist, und die sich weder nach dem göttlichen, noch na» DÄ „türlichsn Recht verhalten. Sie sind so unbedacht- M „sinn, daß sie sich, unter den Vorwand Diebe zu be- „straffen, in Gefahr setzen Mörder zu werden, weil sie „falschlich-angeklagte Leute hinrichte»», und als Übel- D „thäter ri'Lckiren wollen, ohne sich die Mühe zu nch« M „men, selbe zu befragen und ihre Vertheidigung an- lm „zurren. GOTT wird mir vielleicht die Gnade jckzu „thun und mich so lange leben lassen, Laß ich einige A „darvon an solchen Oertsrn antreffe, wo man sie wird W „lehren können, auf was Art man die Gerechtigkeit M ^verwalten muß. Nachdiesem sagte ich ihm aussi « „richtig, daß das Schiff,auf welchem er sich befände, ^ eben das wäre, so sie aufeinc so wohl schändliche als m M bel ausgeführte Art,angegriffen hatten. Ich crzehb ZN te ihm umständlich, wie wir unser Schiff von gewissen ^ Holländern erkaufft, und aus was »nasse wir nächst' G hends erfahren hätten, daß es Schelmen wären, die ^ mit dem Schiff durchgegangen, nachdem ihre H t-rine von den Indianern aus Lumarra ermordet rvott den, aber daß man versichern wolte, ob hätten sich leb G bi.ae LcjulpLAL auf das See-Rauben begeben, solches ^ wäre nichts anders als ein Mährlein unter die Leuthe bringen, welches man zur Lust ersonnen hätte; daß ^ kobinlon Cruloe. W l« V t» «- » V B B ir> '!! ZZl hicrncchst unsereFeinde würden weißlich gethan haben diese Sache recht zu untersuchen, bevor sie uns angegriffen hatten, und daß sie wegeii'deö Bluts, welches sie uns zu vergießen gezwungen, vor GOtt würden Rechen schafft geben müssen. Der gute Alte gerieth über diese Erzehlung in äusserste Verwunderung, und sagte zu uns,daß wirRecht hätten, indem wir uns nach der Nord-Seite wenden wolten.Nachdiesem rieth er uns inO-ina unser Schiff zu verkauffcn und entweder ein anders an uns zu handeln, oder aber auch ein Neues zu bauen. Ihrwerdet keines finden, das so gucalsdas eurigc ist, fügte er hinzu, es wird euch aber leicht seyn eines zubekommen welches tüchtig sey euch nebst euern Leuten und Waaren wieder nach LenZaU zurückzuführen. Ich sagte zu ihm, daß ich mir seinen Rath von Her- hsr gerne zu Nutz machen wolte, sobald ich nur ein mir anständiges Schiffbekommen, und einen Kauffmann zu meinem finden kante. Er versicherte mich, daß es zu ^nguin Leute zum Überfluß geben würde, die mit Freuden unser Schiff kauffen würden, daß hiernechst eine Chinesische sonczue zu meiner Zurückreise schon tönte zulänglich seyn, und daß er mir ohne Mühe Leu- the finden wolte, die mir das eine abnähmen, und das andere verkaufftcn. "Allein, sagte ich zu ihm, ihr sprecht, daß urinier Schiff unsichtbar wird erkannt werden, und ver- „folglich wenn ich das thue, was ihr mir rathet, kan „ich dadurch ehrliche Leute in eine entsetzliche Gefahr „bringen, und Ursache an ihrem Tode seyn: Denn sei „bigen Capitalien, indem sie das Schifffinden, wird »es zzr Leben des Ettgellanderv ^ „es schon genug seyn,daß sie sich zugleich inKopffsth^ B „sie haben auch die Ubelthäter ertappet und solcher E „stallt ohne einige gegebene Ursach Leute ermorden,die ^ „niemahls gedacht haben dieselben zu beleidigen. W Ich weiß ein Mittel diesem Unheil vor;»- E ksmen, gab mir der guteAlte zur Antwort,ich kenn« ^ die (.ommcnnaiiten von allen diesen Schissen, ^ und ich will zu ihnen gehen,wenn sie hierdurch- kommen,da will ich nicht unterlassen ihnen ih- O xen Irrchum zu zeigen, und selbigen zu sagen, ill« daß ob es wohlwahr sey,daß die vorige L^uixz- B ^ ge mir dem Schiff fortgegangen, so sey es doch M falsch,daß solche sich dessen jemahls bedienet D habeGce-Äauberey damitzu treiben.Sonder, W sich will ich ihnen hincerbrrngen, daß diejenü gen, welche sie in dem Meerbusen von Giam angegriffen, nicht eben selbige Leute sind, son- M! der» vielmehr rechtschaffene ^auffleute,w»b « che das Gchrffvon einigenBösewichtenchiesie G vor die Eigenrhums-Herrn gehalten,unschul- « digerXVcijegekauffc haben.Ich bin versichert, »Z daß sie mir zum wenigsten hierinnen so viel trauen werden, daß sie künffrig mit besseret ^ Vorsicht, als sie sich anfänglich vorgenomen, Verfahren. "Wolan, sagte ich zu ihm, wenn ihr „sie antreffet, wollet ihr wohl eine Lomwitkou, dieich G „euch geben will, bey ihnen ausrichten? H Von Herum gerne, antwortete er mir, wenn tzs Lhr mir nur solche schriffrlich gebet, damit sie ^ klarlich sehen, daß dieselbe von euch kommt ^ und daß ich sie nichtvor mich geschmiedet ha' ^ be. Darauff satzte ich mich hinHnen zu schreiben, und kobinlon Oruloe. » ' 2 . ur? 2 ; I'^i ür ^^^ -s ;zr und nachdem ich den gantzen Verlauft'von dem Anfall der Boote, so ich auszuhalten gezwungen worden, umständlich vorgestellt, und hiernechst die Unwahrheit der Ursachen, so sie, in der Absicht auf alle mögliche Art der Unmenfchlichkeit mir mir umzugehen, bewegt, diesen Frevel an mir aus zu üben deutlich dargethan hatte, so schloß ich mit der Versicherung, daß, wem ich jemahls das Glück hätte selbige in Engclland anzutreffen, ich sie mit Wucher davor bezahlen wolle, es Märe denn, daß die Gesetze meines Vaterlandes in meiner Abwesenheit, ihre gantze Macht verlohren hätte«. Der alte Steuer - Mann laß und überlaß diese, Schrifftzu verschiedenen mahlen, und fragte mich, ob ich bereit wäre alles dasjenige, was ich darinnen vorgäbe, zu behaupten. Ich sagte ihm, daß ich solches behaupten wolle, so lange mir ein Stüber von meinem Vermögen übrig blieb, und daß ich gewiß versichertwäre eine Gelegenheit zu sinden, da ich machen wolle, daß diese Herrn die Übereilung ihres grau, sdmen Anschlags gereuen solte. , Unter diesen Unterredungen ruckten wir immer gegen zu, und nachdem wir dreyzehen Tage gefahren, legten wir aufder Süd-West-Seike des grossen Mevr-Busens vor Ancker, daselbst erfuhren wir ungefähr, daß alleweile zwey Holländische Schiffe borbeygegangen, daraus schloffen wir, daß, wenn wir unsern Weg ferner behielten, wir unfehlbar in ihre Hände fallen würden. Nachdem ich mich wegen dieses entsetzlichen Ungemachs mit meinem Lonlorten, der eben so bekümmert als ich war, und wegen des zu nehmendenEnkschlusses ZZ4 Lebendes Eirgelländers. sich eben so wenig als ich relol viren konte, weitläWig - ?! berathen hatte, so redete ich den alten Steuermann an ^ und fragte ihn, ob nicht da in der Nähe ein Meerbusen oder Reede wäre, wo wir einlauffen und mit den Chi- ^ liefern, ohne Gefahr, unsere besondere Handlung pfie-> E gen käuten. Er sägte mir,daß wenn ich wolte ungefähr , zwey und vierzig Meilen weit nach Süden gehen, ich allda einen kleinen Hafen,(MmcWinZ genannt finden würde, woselbst die Mißionarien insgemein ansLand stiegen, wenn sie von kämen, und hingehen wolten in Okina die Christliche Religion zu predigen, ^ und aliwo niemahls die Europäischen Schiffe einlieft ? > ftn. Wenn ich da wäre könte ich wegen der übrigen ^ Reise meinen Entschluß fassen. Daß imGrunde sel- ^ bigeö keinOrt wäre,da sich vicleKauffleute einfänden, d ausgenommen daß zu gewissen Seiten im Jahr allda eine Messe oder Jahrmarkt wäre, aufwelchemsich ^ die JapanischenKauffleute einstellten und sich mitChi- nefischen Sachen versähen. Wir wurden insgesamt ^ einig nach diesem Hafen zu lausten, dessen Namen ich vielleicht nicht recht schreibe.Ich hatte solchen nebst vie- ^ len andcrnOertern in eine kleinen Register aufgezcich- ^ net, welches durch einem Zufall, den ich an seinem Ort ^ erzehlen wilhzumUnglück von dcznWasscr ist verderbt ^ worden: Das erinnere ich mich sehr wohl, daß die Chi- ^ neser undJapaner diesem kleincnHasen einenNamen ^ gaben, welcher von demjenigen, so ihm unserPortugie- ^ stscher Steuermann gab, gantz unterschieden war,und den sie Ouinckang ausspracheu. E Als wir nun bey diesem Vorsatz zu bleiben entschloß « scn waren, huben wir den Tag draufdcnAncker,nach- 'ä dem wir nur zweymahl am Lande gewesen ftischWaft ^ ser, kobinlon drukoe. ZZs ser und Lebensrnittel,als Wurtzeln,llwe. Reiß,einige Vogeiund dergleichen einzunehmen: Die Leute aus drmLandc hatten uns für unser Geld, mit einer gar hefflichcn und aufrichtigen Art, einen grossenUberfluß hiervon herbey gebracht. Weil uns aber die Winde entgegen waren, st siegelten wir fünffganhe Tage, bevor wir in diesen Haftn eiulauffen tonten; doch giengen wir endlich mit allem ersmlichcnVergmrgen hinein. Was mich anlangt da ich mich auf demLande merckte,war ich vollerFrcu- de undErkentlichkeitgegen den Himelund ich beschloß eben so wohl als mein Lonlorre niemahls wieder einen §uß in das unglückliche Schiffzu setzen,daferne es uns nur möglich wäre unsere Waaren an den Mann zu bringen,wenn es auch gleich mit gar schlechtem Vortheil geschehen foite. Ich kan mich nicht enthalten hier anzumercken, daß unter allenZustanden desLebens,keiner gefunden wer> de, welcher den Menschen so vollkommen elend mache, als eine immerwährende Furcht. DieH.Schrifft sagt uns mit grossem Recht, daß die Furcht dem Mett- , rche scheu zum Fallstrick diene. Sie ist ein stetigerTod, und beschweret das Gemüt dergestaltchaß nicht der gering^ Trost dahin gelangen kan,sie erstickt unsere Lc- dms-Gcisteramd schlägt alle natürliche Krafft nieder, welche uns stuft in Leisten von einer andern Beschaffenheit unterstützen. MeineEmbiidlmgs-Krafft,welche auf eine abschcu- war; Sie mahlte mir die Englischen und Holländischen LsxirAacL als stlche Leute ab, die schlechterdings unfa- zzS Leben desEngelländers unfähig wären der Vcrnunfft Platz zu gebenUdun- ^ ttrSchelmenund redllchenLeuten so wohl als auch uw ter einem Vrährlein,so man,selbige zu bekriegen,erfun- w den, und einer wahren Geschieht, darauf unsere Rei- 2 sen und Anschlage erfolget,einen sattsamen Unterschied L zu machen. Zn der That war uns nichts leichter als je- 2 derman, soeinwenigvernünfftig, darzuchun,daßwir ^ nichts weniger als See-Räuber wären. Das Opium ^ und die andern Waaren, die wir auf dem Schiff hat- ^ ten, bewiesen klarlich, daß wir zu Lengsla gewesen, E, und die Holländer, welche, als man sagte, alle Nah- wen von der andern LczuipLZe hatten, selten im ersten ^ Anblies mercken, daß bey uns eine Vermischung von ^ Engellandcrn, Portugiesen, undAndianern war,un- ^ ter denen sich nur zwey Holländer befanden. Das war schon mehr als es bedurffte den ersten OapiiAme» der '! uns angetroffen, unserer Unschuld, und feines Irr- ^ thums zu überzeugen. - ^ Llllein die Furcht, diese so blinde als unnützekatlicm ^ füllte unser Gehirn mit allzu-vielen Dünsten an, als ^ daß sie der grösten Wahrscheinlichkeit hätte daselbstei- ^ nen Platz übrig lassen sollen. Wir wüsten, daß die Em ^ glischen undHolländischen See-Fahrer,und sonderlich die letzteren beydem blossen Nahmen See-Räuber, ^ und solcher See -- Räuber, die ihnen aus den Händen« entwischt, indem sie einen Theil von den Booten, ss * man selbige weg zunehmen abgeschickt, rumirk hatten, ? dergestalt erevferr waren, daß wir uns gewiß versichert hielten, sie würden uns nicht einmahl anhören sondern « die Figur desSchiffs,welches sie sehr wohl kanten,wie nicht weniger unsere Flucht aus dem Fluß Onmbocliä vor eine überzeugendeProbe unserer vermeynten Übel- « kkobinlon Lruloe. ZZ7 that annehmen. Mich anlangend, so betrog ich mich selbst so gar, daß ich mir einbildete, wenn ich an ihrer Stelle wäre, ich aufeben die Art verfahren, und die gantze LguipaZe in Stücken hauen wolte, ohne selbige sovielzu würdigen,daß ich ihreVertheidigung anhörte. Wahrender Zeit da wir, ich und mein ^vnlorre, ^ in diesem unruh - vollen Zustand gewesen waren, ^ hätten wir kein Auge zuthun können, da uns nicht H Stricke und grosse Seegel-Srangm im Traum vor? btz! gekommen waren. Unter andern träumte mir in ei- rss »er Nacht; daß sieb ein Holländisches Schiffan un- fern Bord gelegt hätte, und darübergerieth ich in einen solchen Grimm,daß, indem ich einen feindlichen Matrosen zu erschlagen glaubte, ich mit der Faust wider eine Pfoste von meinem Bett mit so grosser Macht schlug, daß ich mir die Gelencke zerschmetter- ^ te, und nachgehends in Gefahr stand zwey Anger 1 zu verlieren. Es war noch eine Sache, die mich in „Tden Gedancken stärckte, wir würden von den Hol- ^ Ländern übel gehalten werden, wenn sie uns in ihrer A Gewalt hätten, nemlich ich hatte von den Grausam- kciten, die sie an meinen Lands - Leuten zu ^mboina ^ verübet, reden hören, woselbst sie dieselbigen müder größten Unmenschligkeit gemartert hatten; Dahero ^ stund ich in Furchten, wenn sie einige von unsern Leu- -A tm solcher Gestalt auffdie lorcur brächten tmd sol- ^chendie allergrausamste Schmertzen empfinden lies- sen, sie es dahin bringen möchten, daß selbige einige U- ^ belthaten bekännten, die sie nicht begangen, und sie, die Holländer, uns hernack als See-Räuber, unter dem Schein der Gerechtigkeit abstraffen dürfften. Zu dem konte ihnen die Ladung unsers Schiffs hierzu u, Theil. V einen Zz 8 Leben des Ettgellander» eimnstarcken Bewegungs-Grund an die HandU- A ben,solche unmenschlicheAnschläge zn machen,immas- sin selbige fünfftausend Pfund Sterl. werth war. D Die gantze Zeit über, da unser Schröcken währte ^ befanden wir uns ohne Unterlaß von dergleichen Ü- ^ berlegungen beunruhiget, und betrachteten nicht einmahl, daß dieSchiff-Lammes LieMacht nicht haben dergleichen Lxecmiones zu thun : Denn es ^ ist gewiß, daß, wenn wir uns einem unter ihnen er- L, geben hätten, und selbiger so kühn gewesen wäre uns L auffdie Folter zulegen, oder gar hinzurichten, er in -s seinem Vaterlande sehr ernstlich darvor würde ge- -A strafft worden seyn. Jedoch war diese Warheit K vor uns nicht sehr tröstlich : weil ein Mensch, den man ermordet, von der Todes - Straffe, welche man H seinen Mörder ausstehen läßt, keinen grossen An-« theil hat.- Jmmittelst konte es nicht anders seyn diese Furcht A mußte mich veranlassen über die mancherley Umsiän- ^ de meines vorigen Lebens Hertz - nagende Armer- ^ ckungen zu machen ssjj Nachdem ich vierhig Jahre in stetigen Arbeite» ^ und Gefährlichkeiten zubcbracht, hatte ich mich in dem Hafen, auf welchem alle Menschen ihre Absicht ^ richten, mit einer begüterten Ruhe gesehen; und gleichwohl war ich so boßhafft, daß ich mich aus fm- ein Willen in grössere Unruhen als diejenigen gewe- ^ sen, aus welchen ich mich auff so unerwartete Artge- ^ rissen, von Neuem ftürtzte-Was war das für ein Be- ^ trübniß für mich, der ich meiner Jugend so vielen Ge» ^ fahren entgangen, mich nunmehr» in meinem Alter ^ durch meiyen Laufs-Geist dahin gebracht sahe, daß ^ Robinson Llruloe. ZZS ich fürchten mußte das Leben an einem Galgen wegen einer Ubelthat zu verlieren, zu welcher ich niemahls die geringste Neigung bey mir verspürt hatte, ge, schweige daß ich solche begangen haben solte. Bißweilen folgten auff diese Schmertzen - volle Betrachtungen gottselige Gedancken: ich ließ mir in denSinn komen,daß wenn ich indasUnglückfiehwel- ches ich sosehr fürchtete, so müßte ich dielen Unfall als eine Wärckung der göttlichen Vorsehung betrachten, welche, ob ich schon in Ansehung des gegenwärtigen Falls unschuldig wäre, mich dennoch wegen anderer Laster straffen könte, und daß ich gehalten wäre mich demüthig darein zu ergeben, nicht änderst, als wenn sie vor gut angesehen mich mit einem Schiffbruch oder einigem andern Unglück, welches mit meinem herumirrenden Leben einige Verwand- niß hätte, zu bestraffen. So wiederfuhr es mir auch ziemlich osst, daß ich durch meine Furcht aufgemuntert ward tapsscreEnt- schlicssungen zu machen, da dachte ich denn auf nichts alö biß auffden letzten Tropffen Blut zu fechten, ehe ich mich wolte von solchen Leuten nehmen lassen, die fähig wären mich ohne die geringste Untersuchung zu ermorden. Es wäre noch besser für mich, sagte ich bey mir selbst, wenn ich von den Wilden gefangen würde,und leidigen zur Nahrung dienen müßte,als daß ich diesen Leuten in die Hände fiele, welche villeicht in ihrer Grausamkeit sinnreich seyn, und mich nicht ehe umbringen dürfften,als biß sie mich durch die grausamst» Folter zerrissen hatten. Wenn ich mit denMenschen- Fressern mich herumgeschlagen habe, so geschahe sol- A r ches Z40 Leben des Ettgellandeks ^ ches allezeit mit dem Vorsitz biß auff meiimu^l ^ Seuffzer zu fechten; Aus was für Ursachen solle ich dann verzagter seyn, wenn es drauf ankömmt einer- ^ schrvcklicher Übel zu vermeiden ? ^ Zu der Zeit da dergleichen Gedancken in meiner ^ Einbildung dieOberhand hatten,befand ich mich in ei- Ä ner Gattung von Fiebern, und in einer solchenBewe- ? gung, als wenn ich würcklich in ein hart Gefecht ver- ^ wickelt wäre: meine Augen funckelten, und dasBlut Ä kochte mir in den Adern: Da beschloß ich denn vesllg- 7,' lich, daß, wenn ich gezwungen wäre dahin zukommen, . ich niemahls um mein Leben bitten,sondern daöSchiff ?! in die Lufft sprengen wolle, wenn ich nicht mehr wi« ?! derstehenkönte,um meinen Verfolgern so wenigBeu- , te zu lassen, daß es ihnen schwerlich würde in Sinn ? kommen sich damit zu berühmen. Je grösser unsere Unruhen währender Zeit gewe- ^ fen, da wir uns noch auff dem Meer befanden, ie am genehmer war es uns, als wir uns nunmehro amLam de sahen. Bey dieser Gelegenheit erzehlte mir mein A Loniorte, daß ihn die Nacht zuvor geträumet,ob hat- te er eine grosse Last auff den Schultern, welche er v auffdie Spitze eines Hügels tragen solte. Allein der ^ Portugiesische Steuermann habe dieselbe.von seiner!? Schulter weggenommen, und zu gleicher Zeit hätte er A an statt des Hügels nichts als ein ebenes und ange- ^ nehmes.Land gesehen. Dieser Traum war von groß ? serer Bedeutung, als sonst die Träume gemeiniglich ? zu seyn pflegen: Wir waren warhafftig wieLeute, H denen man alleweile eine schwere Bürde abgenonu men hatte. . d So buch wir am Lande waren fand unser aller ig - , Steuer Idvbmlon Crusoe. -- " - -— . . - - -— Steuer-Mann, der uns mit grosser Freundschafftzu ^ gethan, eine Wohnung und ein Magazin für uns, wie ^ wohl diese beyden Stücke im Grunde einerley Ge, bände ausmachten. , Es war ein kleines Haußgen, daran eine geraume Hütte gefügt, alles aber von Rohr gemacht, und ^ mit Pallisaden von den grossen Röhren umgeben,wel> che man in Indien Luiwous heißt. Diese Stacke- ten dienten uns sehr, unsere Waaren wider die Lift der Diebe in Sicherheit zu setzen, Oberen es in selbigem ::: i. Lande eine ziemliche grosse Menge giebt. Uberdiß verwilligte uns die Obrigkeit des Orts eine Schild- -i wache, so vor unserm Magazin mit einer Gattung ^ von halben Piquen in der Hand Wache hielt. Al- les was uns dieses kostete, das war ein wenig Reis, ' ' und ein klein Stück Geld, so wir dieser Schildwach gaben, und sich in allem nicht höher als auffdreyStü- .D> der des Tags belieff. ^ Es war schon eine feine Zeit, daß die Messe, davon ich geredt, vorbey war: Nichts destoweniger befan- den sich noch drey oder vier Chinesische ^on^ues, be- nebst zwey Japanischen Schiften auf dem Fluß, so '7^ mit Sachen beladen, die sie in China gekaufft hatten, und biß dahin waren selbige noch nicht unter Seegek < gegangen, weil die Kauffleute sich noch auffdem Lau- deauffhielten. ^ . Der erste Dienst, den uns unser Steuer - Mann leistete,war daß er uns mit drey Mißionarien bekannt Machte, welche sich, dieEinwohner des Orts zu bekeh- ^ ren, einige Zeit da auffgehalten hatten. Wahr ist es, daß sie aus ihren Neu-bekehrten eine ziemlich-pvßier- liche Art vonChristen gemacht; aber das gieng sie an, A 3 und Z4? Leben des Engellanders ^ und uns nicht. Unter diesen Herren befand sicheln ^ Frantzosischer Priester, ein sehr feiner Mensch, M E lustigem Gemüth und einer gar artigen Lonverk. rion. Er hieß parer Simon, und stine Manieren waren von der Ernsthafftigkeit seiner beyden Mitge- »offen, deren einer ein Portugiese, und der andere ein Genueser, sehr weit entfernet. Sie waren heftig strenge, und schienen als wenn sie das Merck, dazu sie ^ ausgesandt waren, gar sehr zuHerhen nähmen,indem sie sich stets bemüheten sich in die Gemüther der Ein- wvhnereinzuschleichen, und Mittel zu finden sichmil ^ selbigen zu unterreden. >B Wir hatten das Vergnügen, daß wir offt mit die- m« sen Mönchen speisten, und dadurch erfuhren aufwas ^ Art sie den Heyden das Evangelium predigen. Es ist ! Ä gewiß, daß dasjenige, was sie die Bekehrung der Chi- « neser hiessen, sehr weit entfernet war einen so prachti- » gen Titul zu verdienen; Dasgantze Christenthum dieser armen Leute bestehet in nicht viel mehr als das M, sie denNahmenJesu Christi auszusprechen wissend G Uige Gebete an die H. Jungfrau und ihren Sohn ge, R richtet, in einer.ihnen unbekannten Sprache herzusa- » gen, und das Zeichen des Creutzes zu machen. s Diese grobe Unwissenheit selbiger vermeyntenBe« :ch kehrten hindert die Mißionarien, nicht verglich zb G glauben, daß diese Leute geraden Wegs in das Para- H dies gehen werden, und daß fie selbst die glonvürdig- rp sien lokrumLML der Seligkeit ihrer Neu-- bekehrten ch find. In der Hoffnung eines so wunderbaren Erfolgs tz geschiehet es, daß sie grosse Reusen wagen, daß sie das ^ betrübte Verhängnis über sich ergehen lassen unM p) diesen Barbaren lange Zeit sich auffzuhalten, und sich i, einem l^okinkdn Ouloe. Z4Z M !V L- r« Al St j-i rinem von der grausamsten Marter begleiteten Tod aussetzen. Was mich betrifft, ob ich auch gleich noch so cme schlimme Mevnung von ihrer Art die Heyderf zu bekehren hege; so halte ich doch davor es würde mir an Liebe fehlen, wenn ich nicht einen hohen Gedarrten von ihrem Eifer hätte, welcher sie bewegt, mitten um tertausend Gefährlichkeiten, und ohne die geringste Absicht eines zeitlichen Nutzendem dergleichenWerck zu unternehmen. Der Frantzösische Mönch, karer Simon genant, hatte Befehl nach pekinZ zu gehen, wo der grosse' Käufer von Lbina reliciiret, und er war nur in dieser kleinen Stadt einen Gefährten zu erwarten, welcher von KiLLLo kommen und diese Reise mit ihm thun sol- te. Er begegnet mir niemahls, daß er nicht eyferig bey- mir angehalten hätte mit ihm zu gehen, mir der Versicherung, daß er mir alles zeigen wolte,was grosses und schönes in diesem ganßen berühmten Reich zu finden wäre, sonderlich aber die groste Stadt in der Welses ue Stadt, welcher, seiner Meynung nach, Londen und Paris, wenn man sie schon zusamen nähme, nicht bey-' kommen könten. Diese Stadt ist in derThat groß, und lmgemein volckreich; Gleichwie ich aber dergleichen Sachen mit andern Augen ansehe als diese Leute, welsche sich gleich über alles mit ganherMacht verwundernd so will ich nachmahls schon gedencken,was meineMey- nung von diesem berühmten ?eKmZ ist- Indessen komme ich wieder aufden Simon. Als wir eins- rnahls mit einander zu Mittage speisetcn, und insgesammt sehr gutesMuths waren,so ließ ich gegen ihn einige Neigung blicken ihn auf seiner Reise zu begleiten, Nnd er hielt bey mir und meinem Lonlorten starck an> ' A 4 diesen Z44 Leben des Eigelländers die-eiiL ncschluß zu nehmen.woher komme es,?Mr E Girnon,sagte mein (onlortezu ihm,daß ihr so sehr unsere Lesellschasft wünschet? ihr wisiet, daß A? wir ix eger jmd,und verfolglich könnet ihr uns B nicht lieben,noch das geringsteVergnügen bey D uniermel.nganZfinden."Wohs,antworteten, A! ,gyr roaiiec Mit der Zeit Catholisch werden, meine hie- B „sige Verrichtung ist dieHeydenzu bekehren,wer weiß -?> „oo es mir mcht gelingen wird euä) ebenfalls zu bekeh» B „r n? „ O ja, Herr l^wr, sagte ich zu ihm, so würde Ä> es den n aufoem gangen N) ege nichts als pre- ch,' digren hinten und Predigten vorn seyen. « „Furchtet euch nicht darvvr, ich will euch mit meinen O „Predigten mcht beschwerlich fallen: unsere Religion M „streitet nicht mit der Höflichkeit: überdiß sehen wir M „euch in einem entfernten Lande als Lands-Leute an,ob P „ihr gleichLngelländer seyd,und ich ein Franhvsezweö-' „wegeaköncenwwemandernichtalsChristenbettach- ch „ten, ob ihr schon Hugenotten seyd und ich Catholisch? ch „Dem sty wie ihm wolle, sagte er hinzu,wir sind ab tzü „te redliche Leute, und auf diesen Fuß können wir mir hi „einander reden, ohne unsere OonverLtion, mit cii; „puciren wegen der Religion/zu verwirren. ^ M« Das Ende seiner Rede schiene mir sehr vermmfftig, und erinnerte mich an den guten Mönch, von web chem ich in Brasilien geschieden war. Ä, . Doch ist es gewiß, daß des ?urer Simons Lkaw. ^ üer meines jungenPriesters seinem gar nicht beykam. ^ Zwar hatte er in seinen Manieren nichts, welches seine ^ Profeßiön verunehrete, allein man verspürte an ihm mcht den grossen Eifer, die eigentliche Frömmigkeit noch auch selbige Zuneigung zu dem Christenthum. ^ welche kobmlon (Crusoe. Z4f welche in des andernAufsührung so starck hervorleuchteten. So hefftig er aber-nun bey uns anhielt, so war es doch nicht möglich, daß wir sobald dahin gehen tonten, wir musten vvrhero erst unser Schiff». unsereWaare wegschaffen, welches ziemlich schwer war an einem Ort,wo so wenigHandlung getrieben ward ;ja es kam mir einsmahls deswegen gar in Sinn nach dem Fluß k.lLin zu seegeln, und biß zur Stadt hinauff zugehen, allein ich ward durch einen unerwarteten Streich der göttlichenVorsehung davon abwendig ge- ^ macht, und es schiene als wenn dieselbige anfieng sich unserer Sachen anzunehmen. Hieraus schloß ich, "ß daß ich hoffen könte dermaleinst wieder in mein Va- ^ terland zu kommen, wiewohl ich von den Mitteln, de- ^ ren ich mich dasselbige zu unternehmen bedienen konte, ^ nicht die geringste Vorbildung hatte. Es war mir ge- T nug, mir aufdieses Vergnügen gewisse Rechnung zu machenchaß ich einigenGlanß göttlicherGüte sich über unserFurnehmen ausbreiten sahe. Es war aber jetzt- folgendes. Einsmahls führte unser alter Steuermann einen ZapanischenKauffmann zu uns,damit er sehen möchte, was wir für Waaren Hätten-Selbiger kauffte uns also fort unser Opium ab, und bezahlte es sehr wohl, und auf der Stelle, theils inGold,so wir nach demGewicht nahmen, theils in gemüntzten Silber,mit dem Geprä« o ge seines Landes, und zum Theil in Silber-Platten von ungefähr zehrn Unzen. Währender Zeit da wir diesenHandel mit ihm hatten, kam mir ein, daß uns e- A» den dieserKauffman auch wohl unserSchiff abkauffen köme,und ich befahl unserm Dollmetscher,ihm deßhal- ber den Vorschlag zu thun. Er nahm solchen aber nur ß N 5^ mit 346 Leben des Ettgellästders mit zuckenden Achseln an, jedoch kam er einige Tage ^ drauf wieder zu uns, und brachte einen von denMißio- ^ narien mit, der ihm zum Dollmctscher dienen, und uns ^ den Vortrag, welchen er uns zu thun hätte, kundma- ^ chen feite. Er sagte zu uns,daß er uns eine grosseMenge F Waaren bezahlt,ehe er den geringsten Gedancken uns ^ das Schiffabzuhandeln gehabt hatte,», daß ihm nicht ^ so viel Geld übrig wäre uns den Werth davor gut zu ^ machen; wenn ich aber eben dieMatrosen drauf lassen D wolle,wäre er willens dasselbe zu einer Reise nach Ja- s pan zu miethen z daß er es da von neuen beladen,und in ch die Philippinischen Jnsuln schicken wolte.wenn er den eist Schiff-Lohn davor bezahlt hätte, nach dessen Zurück- M' kunfft aber wolte er es kauffen. DiesemVortraggab W i ich nicht allein Gehör,sondern meinzumHerumlauffen geneigtes Naturel gab mir auch gar ein selbst mit da- Ä. bey zu seyn, mit nach denPhilippinischen Jnsuln zu ge-> Ztz hen,und von dar nach dem Süd-Meer.Darauffragte «m,! ich den Kanffmann ob er Lust hätte das Schiff biß in m i die Philippinischen Jnsuln zu miethen, und solches da- ck, selbst auszuladen. Er jagte mir,daß die Sache nicht m möglich wäre, sondern daß er es in Japan ausladen « wolle, wenn er mit seiner Waare zurückgekommen M wäre. tz Ich hatte den Vorschlag angenommen,wenn mich ch mein Oonloi te, der klüger als ich war,nicht davon ab« ^ gehalten,indem er mir die Gefährlichkeiten des Meers .» vorstellte,ingleichen das meinevdige und verrätherische Gemüt der Japaner, wie nicht weniger der Spanies U aus den Philippinischen Jnsuln ihres, so noch meiner)- diger und verrätherischer wäre. ^ Das erste was man thun muste,chewir mir demJa- parier, kobinlon Orulöe. Z47 paner unsern Kauffschlosscn,solches war den Lapimi- ne und die L^uipage zu fragen, ob sie Luft hätten diese Fahrt zu unternehmen. Währender Zeit da wir hiermit bemühet waren, bekam ich einen Besuch von dem jungenMenschen, welchen mirmeinVettcrzumReise- Gefährten gegeben hatte. Er sagte zu mir, daß diese Fahrt zu gar wichtigen Vortheilen Hoffnung machte, und daß er mir sehr rieche solche zu unternehmen, doch wenn ich keine Luft dazu hätte, bäte er mich ihn in das Schiff als Kauffmann, oder unter einem Tituhwie ich es vorgut befände,;» setzen, und wenn er mich bey seiner Aurückkunfft nach Engelland noch beym Leben fand, wolte er mir eine richtige Rechnung von seinem Gewinst ablegen , und denn sötte ich ihm nur den Antheil geben, der mir belieben würde. Ich hatte keine grosse Luft mich von ihm abzusondern, indem ich aber die wichtigen Vortheile, zu welchen uns dieser Entschluß natürlicher Weise bringen muste, zuvor sahe, und ihn vor einen jungen Menschen erkannte, welcher so geschickt als jemand war hierrinnen guten Fortgang zu erreichen, so fand ich ei- nige Neigung bey mir in sein Begehren zu willigen. Nichtsdestoweniger sagte ich zu ihm, daß ich meinen Lonlorten wegen diesesVorschlags zu rath ziehen,und ihm den andern Tag gewisse Antwort erteilen wolle. Mein Lonlorte, dem ich gleich davon sagte, willigte sehr großmüthig in diesen Vorschlag: er führte miran, daß ich wohl wüste, daß wir unser Schiff, als eine unter bösen Zeichen geknuffte Sache ansahen, und daß wir nicht willens wären uns wieder drauf zusetzen ; Dahero nrir wohl thun würden dasselbige dem jungen Z48 Leben des Lngelländers jungen Menschen abzutreten jedoch miHenHel^ ding, daß, wenn wir ihn wieder in Engelland ss, ^ hcn, er uns die Helffte von dem Nutzen seiner Rei- F sen geben, und die andere Helffte vor sich behalten solle. . Fi Es hatte keine Noth, daß ich nicht so großmüthig Ä als mein Konsorte seyn solte: Denn diesem waran O dem Glück meines Reise - Gefährten nicht so viel als M mir gelegen, und ward durch keinen besondern Bewe- ch» gungs-Grund angetricbenselbigem Gutes zu erweü M sen. Indem wir nun sahen, daß die gantze k^uipL. D ge entschlossen war diese neue zu thun, so gaben wir meinem jungen Menschen die Helffte des D, Schiffs zu eigen, und nahmen eine schrifftliche Zusage W, von ihm, daß er uns wegen der Helffte des Nutzens M von der Reise Rechnung ablegen wolte. tzn>c Der Japanische Kauffmann bezeigte sich, wie wir D nach der Zeit erfahren, als ein vollkommen redlicher^ Mann. Er nahm sich meines jungen Menschen in Ja- H pan an,und erhielt ihm dieVergünstigung ansLand zu kommen, welches seit vielen Jahren den Fremden sei- ten erlaubet worden. Er bezahlte ihm den Schiß M Lohn mit großer Richtigkeit, und schickte ihn nach den ^ Philippinischen Jnsuln mit einer Ladung vonJapanü ^ schen und Chinesischen Waaren, in Begleitung eines ^ 8uper - oder incheÄoris aus dem Lande, weß eher da mit den Spaniern handelte, und mit Europas ^ schen Waaren, nebst einer grossen Menge Gewüch wieder zurück kam. Alle seine Reisen wurden ihm ^ sehr wohl bezahlt, und weil er keine Lust hatte das,, Schiff weg zu thun, so belud er es mit Waare vor seü ne eigene Rechnung, welche er den Spanierninden^- Manisi ^ Robinson (Crusoe. Z4S Manillischen Znsulnauf eine vortheilhaffte Art verpuffte. Auch hatte er,vermittelst der gutenFreunde, die er sich da gemacht, das Glück es dahin zu bringen, daß sein Schifffrey erkläret, und von deni Gouverneur gemiethet ward naeh^capulco aufderKüste von Mxico zu siegeln, und daselbst mit allen seinen Leuten ineinSpanisches Schiff zu gehen,und solcher gestalt wieder nach Europa zu kehren, Er verrichtete diese Reise mit grossem Nutzen, verkauffte sein Schiff zugedachtem ^capulco.und nachdem er Erlaubniß bekommen biß nach ?orco bello zu Land zu gehen, fand er das Mittel sammt allein was er gewonnen hatte, nach zu kommen, von dar er acht Jahr hernach mit überaus grossem Vermögen wieder nach Engelland kehrte. Ich werde an seinem Ort weiter davon reden: jetzo ist es Zeit, daß ich wieder auff meine eigene Sachen komme. Wie das Schiff fertig war unter Seegel zu gehen, fiengen wir an-dahin bedacht zu seyn die beyden 'Leute zu belohnen, welche uns einen so grossen Dienst gethan, indem sie uns von der Lonchii^mou, si man in dem Fluß LambockÄ wieder uns geschmiedet, bey Zeiten Nachricht gegeben hatten. In, der That 'wüsten wir mehr als zu wohl, daß es nicht um unsertwillen geschehen, daß sie uns eine so wichtige Nachricht gegeben , und daß sie uns mehr aus Schelmerei) als aus Liebe durch gemeldten Dienst obügiret hatten : Sie hielten uns vor würckliche See-Räuber , und gleichwohl entdeckten sie uns einen Anschlag, den sie doch vor sehr gerecht zu achten alle er- sinnliche Ursach hatten, bloß in der Absicht mit uns auff Z zo Leben des Errgellanders> ^ auf dem Meer zu creuhen und Antheil an derBeuü zu haben. Nichtsdestoweniger hatten sie uns aus eb ^, neräussersten Gefahr errettet, und mein Verspre-- '4 chen war, ihnen davor meine Erkenntlichkeit zube, . zeugen. Den ersten Anfang machte ich mit der ^ ^ Bezahlung desjenigen , was man ihnen auff den ^ .Schiffen, die sie verlassen, um uns zu folgen, ihrem Vorgeben nach schuldig verblieben, nehmlich dem Engcllander neunzehen Monath, und sieben dem 5, Holländer. Neben dem gab ich einem jeden eine .^! kleine Summa Geldes in Gold, damit sie sehr zu frieden waren, und machte hiernechst den Engel, ^ länder zum Constabel des Schiffs an des unsrigen ^ Stelle, den man zur aridem 8 ublliruten-undCas- ^ sierevl-Stelle befördert hatte; Den Holländera- der machte ich zum Bootsmann, der Ancker und ^ Tau in Obsicht hat. Hierdurch achteten sie sich ^ vor sehr wohl belohnt, und thäten sehr grosse Dienste ^ im Schiff, indem es herhhaffte Leuthe waren, unddas See - Wesen sehr wohl verstunden. Uns anlangend ^ ^ blieben wir in LKinL auf dem Lande, und wenn ich ^ mich zu LenZala, wo es mir leicht war vor mein Eln Geld wieder nach Hause zu kommen, weit von meb nem Vaterland entfernet geglaubt hatte, was D M te ich nicht damahls gedencken , da ich mich mehr Wl als tausend Meilen weiter von Engelland befand, W und mehr das geringste Mittel wüste wieder dahin p M kommen. - Alles was nun diesem Kummer einigermassen die W, Waage halten konte, solches war, daß in derStadt, ^ wo wir waren, in einigen Monathen wieder eine Meß A ft seyn solte, und daß wir alsdenn Gelegenheit haben ^ wur» kobinion Eruloe. z;r würden, uns ant allerhand Sachen ane dem Land ;u versehen, auch überdiß viellclcht eine Chinesische joague, oder ein ander Fahr-Zeug von l ui^uin anzutreffen^, um uns mit aikm, was uns zustünde, wieder zurücke zu führen. Indem mir nun diese Zeitung überaus wohl gefiehl, nahm ich den Entschluß diese Gelegenheit daselbst zu erwartten, und wie wir versichert waren, daß man an unsere Personen .nicht wolte, weil solche ausser dem Schiff nicht verdächtig seyn mochten, so komm wir sogar hoffen, daselbst ein Englisches oder Holländisches Schiff anzutreffen, welches uns an einen Ort in Indien, der un-erm Vaterlande naher wäre, führen wolte. Zmmittelst sahen wir vor gut an uns ein wenig zu ergötzen,indem wrr drey oder vier kleine Reisen in das Land thäten. Unter andern verrichteten wir eine von zehen Tagereisen nach dlauczum, welches eine Stadt, ! darum sich es wohl der Mühe verlohnet, daß sie gesehen wird. Man sagt, daß eine Million Seelen dar- ^ innen anzutreffen, welches ich aber mit genauer Noth ' glauben kam Sonst ist sie ordentlich gcbauet, alle , Gassen sind nach der Meß-Schnur angelegt, und gehen creuhweise ineinander, welches deren Schönheit überaus vermehret. Wenn ich aber die Völcker selbiger Lander, ihre Lebens-Art, »hr Regiment, ihre Religion und ihre ' Pracht, mit demjenigen, was man als das merck- . würdigste in Europa anstehet, in Vergleich» ng z bringe, so muß ich gestehen, daß alles dieses nicht z der Mühe werth ist, daß man davon redet, ge- i schweige daß er die prächtigen Beschreibungen, die Leben des Engellanders Zs2 <7 uns gewisse keiaciones davon machen, verdienen? > solte. Wenn wir die Hoheit der Chinsser ihren Reich- > . chum,ihre prächtigen Ceremonien, und ihre Macht bewundern, so kommt es nicht daher, weil bis ^ Sachen an sich selbst Wunder-würdig sind, svn-^" dern weil uns die Vorbildung, so wir von Leüthen haben, welche diesen Theil der Welt bewohnen, -E nicht vergönnet etwas grosses und ungemeines zu ^ erwarten. , Ausser dem, was ist es mit ihren Gebäuden inVer- ^ gleichungso vieler prächtigen Palläste, die man in Europa bewundert ? Was ist ihre Handlung nachM kropoicion des Engli,chen,Holländischen, Frantzvsi- O ^ schen und Spanischen Lommercü? Ihre Städte M find nichts in Ansehung der unserigen, was Pracht,; Vestigkeit, Reichthum, Annehmlichkeit und Ver--«« änderung betrifft. Nichts ist lächerlicher als wenn M>x man ihre Häfen, wo sich eine kleine Anzahl zoncjuEch und andere schlechte Fahr-Zeuge befinden, mit unsern M Kauffarthey-Flottenund See-Armaten vergleichend Ja mankan mit Warheit sagen, daß in unserer ei- nigenStadt Londen mehr Handlung, als in ihrem«!» weiten Reich getrieben wird, und daß ein einhigesEn- M glisthes, Holländisches oder Französisches Kriegs- A,-, Schiffvom ersten Rang fähig ist ihrer gantzen See- W Macht das Haupt zubieten, ja solche gar in den Ab-iW gründ zu versencken. Ich sage also noch einmahl,Zß. daß uns nur die Vorbildung, so wir von der Bar-^ barey der Völcker selbiger Länder haben, alles was!-., man am merckwürdigsten in China antrifft, ausstz. eine vorcheilhaffte Art vorstellt : alles scheint uns da^ erstaun ^ K.obinlon Crusoe. Z5Z erstaunlich, weil wir nichts vermutheten, das fähig wäre bey uns einige Verwunderung zu erwecken. Was ich von ihren Flotten gemeldet, kau auch auf jhreArmeen gezogen werden. Wenn sie gleich zwey. Millionen Soldaten zusammen brächten, so würde doch eine dem Schein nach, so mächtige Armee nichts anders thun als das Land verderben, undsich sechsten wegen Mangel an Lebens-Mitteln dahin bringen, daß sie umkommen mäste. Wenn es drauffankäme, daß eine veste Stadt, wie man deren in Flandern viek findet, belagert oder eine öffentliche Feld - Schlacht gehalten werden solle, so würde eine cintzige Linie teutsche Curaßierer oder Franhösische Ceuäarmer die gantze Chinesische Reuterey übern Haussen werf- fen. Eine Million ihrer Fuß - Knechte würde nicht mit einem eintzigen Corpo unsers Fuß - Volcks ftr- tigwerden, falls nur solches auffso eine Art gestellek wäre, daß es nicht auffallen Seiten umgeben werden könte. Ja ich glaub gar daß ich ohne Prahlerei- sagen karr, daß dreyßig tausend Teutsche oder Englische Mufquerierer, und zehen tausend Franhösische Reurer diegantze Machtvon China zu Grund richten würden. Eben so ist es mit der Kunstdie Städte anzugreiffen, und zu vertheidigen beschaffen. Es giebt in China keine bevestigte Stadt, welche dieGe- walt einer Europäischen Armee einen Monath MS halten könte, und alle Chinesische Armeen zusammen würden einen Ort wie Ounkirckeu vergebens belagern, woferne solcher nicht durch Hunger dahin gebracht würde, daß er sichergeben müßte. Sie haben Feuer-Röhre, es ist wahr, aber sie sich grvb- H. Theil. Z aus- z 54 Leben des LttgellLnders ausgearbeitet, und sehr zum fehlen geschickt;Hh mangelt es ihnen nicht an Stück-Pulver, aber es ist ohne Krafft. Sie sind ohne Lchcipim, wissen D> nichts von den LxLrcitüs und von der Manier sich in B Schlacht-Ordnung zustellen, weil ihnen unbewustzB was mit Ordnung angrciffcn, und ohne Llonkuüvn D sich zurück zu ziehen heißt. Alle diese Warheurn, Ä deren ich sehr überzeuget bin, bewegen mich vvnM gantzem Hertzen zu lachen, wenn ich so schöne Ca- chß chen von diesen berühmten Chinesern reden höre. M welche in derThat nur unnütze und verächklicheCcla, K» ven sind, die da einer absoluten Regierung, so ihrem s« Naturel und ihren Zuneigungen gemäß, unterjoch -Ä ftnsind. > -ich Wenn dieses schone Reich nicht von dem milt, Ich lern Theil Rußlands so weit entfernet läge, und die« Moscowiter selbst nicht in so grosser Dienstbarkeitals ^ die Chinescr steckten, so würde vor einen Czaarcs -G von Moscau nichts leichter seyn als selbiges Reich H in einen» einigen Feld-Zug zu erobern, und wenn der gegenwärtige Czaar so , wie man sagt, ein jurl- ger Printz von grosser Hosinrmg ist, und bereits an- fängt sich in der Welt gefürchtet zu machen, sein! ^ ehrbegicrige Anschläge auff selbige Seite, an statt die streitbaren Schweden anzugreiffcn, gemudel ^ hätte, so wäre er vielleicht ietzv Kayser von China,da ^ rr hingegen zu Xmvawon dem unerschrockenen^- rolv grossen Schaden gelitten, vhnerachttt derRus ftn mehr als der Schweden waren. Man thut unrecht, wenn man von der Grleyr» samkeit der Chinefer und von ihrem Fortgang in den ^ Wisssnschafften bessere Meinung hat, Sie habe» ^ ^ M» " Lobinstm Elrulos. Zss zwar Erd » und Himmels -Kugeln bcnebst einigen geringen Käntnissen hon Mathematischen Wissen- schafftcn; wenn man aber ihre Geschicklichkcit ein wenig genau untersuchet, so wird man derselben Schwachheit gar bald innen: sie wissen nichts von der Bewegung der himmlischen Cörper, und ihre Unwissenheit erstrecket sich auff einen solchen Grad belachens-würdiger Thorheit, daß, wenndieSvn- ne verfinstert ist, selbige sich einbilden , daß solche von einem grossen Drachen, der sie fressen will, angefallen wird, und daß sie alsdann einen entsetzlichen kennen machen , indem sie Trommeln und Paulen rühren, dem Ungeheuer eine Furcht einzujagen, und selbiges von seinem Raub wegzubringen. Das ist der eintzige Umschweiff von dieser Art, den man in meiner Historie finden wird; künfftig will ich mich nur zu den Zufällen meines herunurren- den Lebens halten, und nichts sagen von den Städten, die ich gesehen, noch auch von den grossen Wüsten, durch welche ich j'gekommcn, als nur so viel es nöthig istdas merkwürdige, somirauff meinen Rey- ftn begegnet, zu erläutern. ' Als ich nach ^anguin zurückgekommen, befand ich wichmeinerRechmmg nach,mitten in China, immaf- sen dieser kleine Hafen in zo.Grad mitternächtlicher Breite liegt. Ich hatte grosse Luft die Stadt ?ekin§ zusehen, und dem hcfftigcn Anhatten des ?arer Simons zu willfahren. Sein Gefährte war von ktgcgo angekommen, die Zeit seiner Abreise wär vcst gestellt, and verfolglich muste ich meinen Entschluß nehmen. Ich ließ es dißfalls gcmtz und gar auf meinen On- ^ körten ankommen, welcher sich endlich darzu resol- " 3 2 virte. zs6 Leben des Ettgellanders ^ vitte, und wir machten uns zur Reyse fertig. Mr Ä .fanden eine glückliche Gelegenheit diesenWeg auff D eine sichere und bequeme Art Meldungen, gestallt wir von einem >lünc!Li-m Erlaubniß erhielten in sei- yer Gesellschafft, und wie seine Bediente, zu reyfen ^ Diese klanöärins sind eine Art von Vice - Köm- gen, oder Statthaltern in den Provintzen, welch« einen grossen Staat führen, und von Sem Volck sehr geehret werden z Dagegen beschweren sie dieses B sehr, weil sie,, mit ihrem ganhen Gesolg und allen ih- M ren LquipÄgen, unter Wegs frey gehalten werden. s!v An Lebens-Mitteln und Fütterung fehlte es uns M auffder Reyse nicht, weil die Chineser gehalten wa- N! ren uns solche ohne Entgeld zu lieffern, welches vor «» uns sehr bequem war, ob es uns gleich nicht zu Nu- ich hen kam: Wir sahen uns gezwungen solche nach dem gesehten Preiß zu bezahlen, und der Auffseher oder Hofmeister des kam und begehrte dil KH Zahlung gar ordentlich von uns. Also wardieVer- günstigung,welche uns der Herr unter seinem Gefolg K M reysen gegeben hatte, sehr bequem für uns, ohn« daß solche vor eine grosse Gnade geachtet werden M darff. Vielmehr gewann er viel dabey, denn es wa> ren wohl dreyßig Personen , welche ihm auff diese Art folgten-und ihm alles bezahlten, was ihnen das ^ Volck umsonst reichten Wir waren fünffund zwantzkg Tage unter Wegs ehe wir nach ?ekm kamen. Das Land, wo wir ^ durchreyseten, ist in Warheit überaus volckreich, ^ Wiewohl ziemlich schlecht gebauet. Die Haußhab tung dieser Leute ist gar was geringes, und ihre ?e- -bens-Art elend, wenn man sie nrit unserer in Ver« Slel, kobinlon (ürülcE. rrr ir- es si't iF Zs? gleichung stellet. Das ist freylich wahr, daß diese unglückliche Leute, deren Geschicklichken und Fleiß man so sehr rühmet, ihr Unglück nicht empfinden, und sich gar glücklich achten, weil sie von dein Glück, dessen die Unterthanen bey unsern EuropäischenNo tionen, so wohl bestellt und mit guten Gesehen versehen sind, ;u genießen pflegen,nicht einmahl eineVor- bildung haben. Der Hochmuth der Chineser ist ungemein,und wird nur durch ihre Armuth, die er vollkommen macht,übertreffen. Nach meinerMei- nung sind die Wilden in America weit glücklicher als diese Leute. Haben jene gleich nichts, so verlange» sie auch nichts; Da hingegen die Chineser mitten in ihrer Bettelei) stoltz und trotzig sind. Es ist nicht möglich ihre Prahlerey vorzustellen, welche man an ihren Kleidern, Gebäuden, an der Menge ihrer Sclaven, und, was am lächerlichsten ist, an der Verachtung bemercket, die sie mit Fleiß gegen alle andere Nationen blicken lassen. Ich gestehe, daß ich nachgehends in den schrecklichen Einöden der grossen Tarmrey mit grösserer Annehmlichkeit,als in Orinz gereiset,ungeachtet dieWe- ge da gut sind und vollkommen wohl unterhalten werden. Nicht verdroß mich mehr,als daß ich diesesVolck stolh, hochtrabend, und trotzig mitten in seinem Elend, und der gröbsten Unwissenheit sahe, welches diesenigcn so nur der äussersten Schale nach, davon uerhGen, Verstand und Gesthicklichkeit ncuUren. Ob mir nun wohl ihre Manicrn im höchsten Grad ;u wider warm, so unterließ ich doch nicht mich offt darübermit dem?->- rer Simon zu ergötzen. Als wir uns einömal'ls Z z dem z s 8 Leben des Engelländers dem vermeynten Schloß eine Gattung Land-Edelleu, te näherten, hatten wir gleich die Ehre, eine grosse ^ Halde Meile Wegs mit dem Herrn davon in Gesell- ^ schafft zu reisen. Seine Lquipago war nach von. (^ffiiLkottlscher Art vollkommen eingerichtet, eine ,I wahre Vermisthung des Prachts und der Armuth: M Die Kleidung dieses von - Chinesers hatte sich vor- M trest ich vor einem Pickelhäring oder einen ^n-porL- xe geschickt. Es war eine Indianische Leinwad W reichlich mit Schmcer oder Fett gestickt: mansche B allen nothwendigen Zierrath ihn auslachens-werth M zu machen daran glänhen: grosse Hangende Ermel, kalbLl^ und dergleichen. Dieser prächtige Rock be- deckte eine Weste von schwachen Tastet, welche so „t, l fett als eines Fleischers seine war, so denn eine deut, H liche Probe. daß derjenige, welcher sie trug vor ei- ne Haupt - Sau pMxen tonte. Sein Pferd war D «ine edele Copey der berühmten kossmanre. Es war alt, mager, und halb todt vor Hunger, man würde vor anderthalbe Luinses in Engelland ein weit bessers kauffenz auch hatte es sich nicht die Mü- he genommen fortzugehen, wenn nicht zwey Scla- ^ den, die dem Cavalier zu Fuß folgten, und mit gu- ^ ten Kardätschen bewaffnet waren, diese Schind- märe aufgemuntert hätten. Er selbst führte auch ei- ne Peitsche in der Hand, und arbeitete aufSeiten des M Kopsts und der Schultern des edlen Thiers, da indes- sen seine Reut - Knechte ihre Kräffte an den hinten hin ^ ausgelegen-n Theilen in Übung brachten. ' ^ Diesen Pracht vollkommen zu machen, waran- noch von zehLn oder zwölff andern Sclaven begleitet; ^ von ' kobinlon Ouloe. b»i »> »!- sü» jr» O' von der Herrlichkeit ihrer Äderei) kan man aus der Beschreibung urtheilen, welche ich von des Herrn Kleyde gegeben habe. Wir vernahmen, daß er aus der Sradt kam, und auf sein Guth, so ungefähr eine halbe Meile von uns lag, gehen wolte. Wir ritten aantz sachte, damit wir der glantzenden Figur dieses Ritters desto länger gemessen möchten; Endlich aber gieng er voraus, weil wir es vor gut befanden in einem Dorff still zu halten und uns ein wenig zu erfrischen. Als wirkurhe Zeit drauff vor seinem Schloß angelangt waren, fanden wir ihn da in einem kleinen Hof vor seiner Thür zu Mittag speisen. Er hatte aus blossem Hochmuth diesen Ort erwählet, um von den Vorbeygehenden gesehen zu werden, und man sagte uns, daß je mehr wir ihn ansahen, semehr wir seinem eitel» Stolh schmeicheln würde. Er saß im Schatten eines Baums, der einem Zwerg, Palm gleich sahe, unter welchem er, sich noch besser wider die Sonnen-Straalen zu schützen, ein groß pLi-Lkvl setzen lassen, welches nicht uneben einen Himmel vorstellte, und verfolglich viel beytrug dieses Spectackel prächtig zu machen. Er lag da in einem grossen Stuhl mit Armen ausgestreckt, welcher die gantze Maße seines dicken Wansts, kaum zu halten vermochte, und er ward durch zwey Sclavinnen, so die Schüsseln auftrugen, bedienet. Es waren auch noch ^ zwey andere eben dieses Geschlechts da, welche eine Bedienung verrichteten, die wenig Europäische E- delleute von ihrem Gesinde würden fordern wollen. Eine steckte ihm mit dem Löffel die Suppe in den Mund, und die andere hielt indessen einen Teller un- Z 4 ter, z5o Leben des Engelländers ^ ter, und fieng die Brocken anst, welche vonUn Bart und der tasteten Weste seiner Gnaden sie, ^ len. Dieses edele Schwein glaubte, daß es vor ihn zu ^ gering wäre, wenn er sich seiner eigenen Hände bc- 2 / dienere, da doch wohl unsere Könige bey dergleichen Gelegenheit dieselben viellieber gebrauchen, als daßsie sich die Finger ihrer Bedienten liessen nahe km- ^ men. iliil Hierbey konte ich mich nicht enthalten die lächerli- r'ä chen Sorgen zu betrachten, in welche der Hochmuth U die Menschen stürtzt, wie nicht weniger den Kummer, Ak> darinnen sich ein Menftl), der Vernunfft hat, befind:« M muß, wenn er eine unglückliche Neigung zu der Eitel- s» keil bey sich verspüret. Nachdem wir endlich die Narrheit dieses armen Thiers, welches sich einbildete ich wir wären vor Verwunderungganß entzückt, da wir M ihn indessen mit mitleydigen und dabey verächtlichen P Augen ansahen, länger zu betrachten müde waren, ich fo traten wir unsereReyse wieder an; der einigeM Simon hielt sich da noch etliche Augenblick auf, weil H er vorwitzig war die Gerichte, damit sich dieser E- chq dellmann den Rauhen mit so grosser Pralerey aM stopffte, in der Nähe zu sehen. Er hinterbrachte ch, uns nach diesem, daß es solche Lecker-Bißlein wärm, K mit welchen kaum eine Englische würde ihre« Hunger stillen wollen. Selbiges war eine Schüsse! ich mit gekochtem Reis, darinnen ein groß Stück Knvb- lauchlag, benebsteineinSackgen mitgrünen Pfefter ^ und einem andern Kraut angefüllt lag, welches dem Ingwer gleich siehet, wie Muscuö riechet, urrdwü ^ Robinson Oruloe. z6r Senff ichmeckct; alles dieses war mit einem Stück sehr magern Schöpsen - Fleisch gesotten; und soviel betrug das gantze Mittags-mahl, welches diesesVieh den Vorbeygehenden zum Schauspiel zu der Zeit vor- ^ stellte. Da man über die vier Mägde auss eine ge- ^ wisse Weite von der Tafel, vier oder fünff Sclaven gantz bereit sahe die Befehle Sr. Lxcellenr zu vollziehen. Wenn ihr Ttsch schlimmer, als ihres Herrn seiner war, so isigewiß, daß sie nicht garzuwvhl ge- speiset wurden. Was unsern KlanciLrm betrifft, so muß man gestehen, daß in dem prächtigen Staat, damit er sich sehen ließ, mehr wurckliches zu finden war. Er ward wie ein König relpeckiret und stets mit seinen Edelleuten und Bedienten dergestallt umgeben, daß ich ihn niemahls änderst als auff eine gewisse Weite zu sehen vermochte. Zwar befand sich unter seiner ganßenL^uipage kein eintziges Pferd, das mir besser vorkam als unsere ^ kasttragcnde Pferde, aber sie waren unter denDecken ^ und Zeuge dermaffen wohl versteckt, daß es mir nicht ' ^ möglich war zu bemercken, ob sie fett oder mager wa- l ren: Alles was man darvon sahe, das bestund in dem ' Kvpffund den Füssen. ^ Weil ich im übrigen damahls von aller Unruhe frey war, so thät ich diese ganhe Reysemitfrölichem Gemüt, und was dabey meine gute Humor vermeh- rete,das war daß ich solche gantz vollendete ohne das geringste Unlück zu erfahren; ausgenommen daß, ^ wie wir durch ein klein Wasser giengen, mein Pferd niederfiel und mich gerade mitten in das Wasser Z s schmiß. z6r Leben des Engeklanders schmiß. Es war nicht fchr liess; gleichwohl aber ^ unterließ ich nicht von den Füssen biß ausss Haupt ^ naß zu werden; welches denn das kleine Buch, in welchem ich dieNamen der Völcker und Städte, de, ^ ren ich mich erinnern wolle, gantz und garverder« " Endlich langten wir zu?ekinZ an, ich hatte keinen andern Bedienten, alsdenLaquayen, welchen mir mein Vetter gegeben hatte, und der ein sehr wacker E Ksrl war. Das ganhe Ge folg meines (.'onlörten be< ^ stund ebenfalls nur in einemMcnschen,derunserLands E mann war.So hatten wir auch den alten Portugiesi- ^ schen Steuermann bey uns, vernicht weniger Lust hatte den Chinesischen Hof zu sehen, und den wir auff ^ der Reyse frey hielten um uns dessen statt eines Voll- ^ metsthers zu bedienen. Er verstund die Sprache im Lande sehr wohl, redete gut Franßösisch,und wüste nv ^ den dem so viel Englisch, daß er sich zu verstehen geben ^ konte- Dieser gute Alte nutzte uns gar sehr, und zeigte ^ uns tausend Merckmahle seinerZuueigung gegen uns. Kaum hatten wir eine Woche zu ?LkmZ zugebracht W als er von seinem ganhenHertzen lachend zu uns kam ^ und mit uns sprechen wolte. 2lck, Herr Engellän- M der, sagte er zu mir, ich habe eucb die allerbeste Zerrung von der Welt zu hinterbringen. ZchFch antwortete ihm, daß ich mich in diesem Lande weder R sehr guter noch sehr böser Zerrungen versähe. Ich ven ^zn sichere euch, fieng er wieder an, daß solche vor euch sehr -D gut, ob sie wohl gar böse vor mich ist. Ihr habet mich M auf einer Reyse, die fünff und zwanhig Tage ge« W währet, frey gehalten, und werdet mich gantz allein, «e» ohne« kobinlon Oulöei ohne Schiff, ohne Pferd, und ohne Geld zurück gehen lassen. Damit ich es aber kurß mache,so sagte er,daß in der Stadt eine grosse LäravLnevon Mvscowitischen und Polnischen Kauffleuten wäre, die sich bereit hielten durch Groß-Reußen wieder nach Hauß zu kehren; daß sie beschlossen in fünffoder sechs Wochen von dar ab zu reisen, und baß er daher nicht zweiffelte, wir würden uns einer so guten Gelegenheit bedienen. Ich gestehe, daß diese Zeitung ein empfindliches Vergnügen bcp mir erweckte. Eine unaussprechliche Freude breitete sich in meiner Seelen aus, und hinderte mich einige Augenblicke dem guten Alttn ein Wort zu antworten. Nachdem ich endlich aus dieser Verzückung wieder zu mir selbst gekvnune», so fragte ich ihn, woher er das wüste,was er jetzo erzehiet hatte,und ob er dessen recht gewiß wäre- Sehr gewiß, antwortete er mir, ich habe diesen Morgen einen von meinen alten Bekanrenaufd« r Gasse angetroffen: sel- > biger iff ein^rmemäner,so vott^llr^can mir dem f^Vorsatzgekommen, daß er will nach I muzum ^ Fehen, wo ich ihn vor diesem gesehen habe; ^ nachdem er aber anders Sinns geworden,will ^ er nunmehr» mit diesorLaravanc biß nachMo« ä scau reisen, und von dar hat er Lust auff dev Wolga hinunter zu fahren und wieder nach^- Krachn zu kehren." Das ist mir recht sehr lieb, mein »Herr^ sagte ich zu ihm,ich bitte euch aber,ihr wollet „euch über eine Sache, die ich als ein groß Glück für , ^ „mich ansehe, nicht betrüben: Wenn ihr ganh allein „wieder nach lvlacao reiset, so wird es eure eigene ^ »Schuld seyn. Dar- Z 46 Leben desEngclländers . . .. — -- . ^ ^ Darauf zog ich meinen Konsorten wegen desVvr- ^. schlags, so man uns alleweile gethanen rathend frag-- 4 te ihn, ob ihm diese Gelegenheit ansiändigwäre. Er - sagte mir, daß er alles thun wolte was ich vor gut be- ^ fände. Daß er zu LenZr^ seine Sache in so gute ä >, Ordnung gesetzt, und zudem seine LKeclen in so guten Händen gelassen hätte, daß, wenn er dasjenige, so er jetzo a»fdieser letzten Reyse erworben,an rohe uudvcr- arbeitete Seite anlegen kvnte, es ihm ein Vergnügen ftyn würde nach Engelland zu gehen, von dar er leicht- ^ ^ lieh Mit den Schiffen der Compagnie nach LcnNl» ^ zurückkehren kvnte. Als wir nun hierüber einig waren beschlossen wir^ den alten Steuermann, wennes ihm beliebte, mit uns ^ zu nehmen, und daß wir ihn biß nach Moscau oder-D auch gar nach Engelland frey halten wolten. Wenn ö»! wir nicht wären geneigt gewesen selbigem noch einiges andere Belohnung zu geben, würden wir dadurch -' Z nicht Verdiener haben, daß man uns vor freygebig ge-,Ä halten hatte. Er hatte uns wichtige Dienste, nicht al-G lein auf dem Meer,sondern auch aufdemLcmd gethan, W woselbst er sich unserer Sachen mit aller ersmnlichcns-ü Zuneigung angenommen hatte. Das einige Ver-Ä gnügen, welches er uns erwecket, indem er den Ja- panischen Kauffmann zu uns geführet, hatte uns ei- V neu Profit von vielen hundert Pf. Sterling zuwege^,! gebracht. Wenn wir ihm also was zu gut thäten, so ^ verrichteten wir nichts anders,als was ihm von rechts !llß wegen gebührte. Daher besthlossen wir demselbenf « eine kleine Summe in gemüntztem Gold, so sich imge- fahr auf hundert und fünffund siebentzig Pfund inh Robinson druloe. ZLs Sterling belieff, zu verehren und ihn und sein »Pferd frey zu halten, wenn er mit uns reisen wolle: Dieses wünschten wir von gautzem Hcrtzen, weil er uns bey vielen Gelegenheiten sehr nützlich seyn könte. . , Wir liessen ihn also zu uns,kommen um demselben unsern Entschluß zu eröffnen. Ich sagte zu ihm. Laß er sich beklagt hätte, er wäre gezwungen gantz Bein zurück zu kehren, ich wäre aber der Meynung , er solle ganh und gar nicht wieder dahin gehen, wir ^ hätten relolvirc mit der L-UÄvane nach Europa zu gehen, und ihn mit zu nehmen, wenn er Lust hätte uns zu folgen. Der gute Mann schüttelte bey diesen Vertrag den Kopss, und sagte zu uns , daß die Reyse sehr lang wäre, er aber hätte kein Geld die Unkosten darzu aus zuhalten, oder quch an dem Art, dahin wir ihn führen würden, zu lubMi- reu. Ich antwortete ihm, daß ich es wohl glaubte, und daß es eben deßwegen wäre, daß wir uns entschlossen, etwas für ihn zu thun, damit wir ihm Möchten zu erkennen geben, daß wir der Dienste, so ^ st uns geleistet, eingchenck wären, und daß wir seine " Gesellschafft vor angenehm hielten. Darauff gab ich ihm Nachricht von der Verehrung, die wir ihm zu thun vorhätten, und sägte ihm dabey, daß, was die Reyse-kosten anlangte, wir ' ^ ihn davon gantzlich frey machen, und ihn auff um ßre Unkosten entweder nach Moscarr oder in Engel- ^ land, nachdem es ihmansteken würde, lieffern wvl- leg, bloß unter dem Beding, daß wenn er dasGeld, lö wir ihm gaben', an Waaren legte, er solche auf ^ ßine eigene Kosten mit überführe» solle. Er zös Lebendes Lttgelländers Er nahm meinen Vortrag mit überaus grojkÄ Freude an, und antwortete mir, daß er uns biß an das Ende der Welt folgen wolte, wenn wir es ver-^ langten, und darauf schickten wir alles zur Rech an, ^ welches uns aber mehr Zeit kostete, als wir anfäng- A.-, lich gemeynet hatten. Zu gutem Glück wiederfuhr ^ eben dieses den andern Kauffleuthen von der vE, welche an statt in fünff oder sechs Wochen^ fertig zu werden, mehr als vier Monath brauchten, ^ ehe sie im Stande waren ab zu reysen. ^ Es war zu Anfang des kebruMi. nach dem al- ^ ten 8c/lo, als wie von keKmZ auffbrachen. Mein Lonlorte und der alte Steuermann hattet! mit ein- ^ ander eine Reise nach dem kleinen Hafen, in web ^ chem wir eingelauffen, gechan, um daselbst wegen ^ der Waaren , so wir da gelassen, eine und anderes Verordnung;» machen, und ich war unter der mit einem (Unefer, den ich zu dlan^uin gekannt, hin -M in diese Stadt gegangen, und Hütte da neunzig Etü, cken schönen Damast, nebst ungefähr zwey hundert i Ha andern Stücken Seiden-Zeug, darunter sich einige Wi. mit goldenen Streiffen befanden, «»gleichen eine « ziemliche grosse Menge rohe Seide, und andere Sa^ 6)en aus dem Lande gekaufft. Alles dieses war, M a«!, der Wiederkunfft meines Konsorten, stbon zu bs- n,di angelangt, und dieser Einkaufs kostete uns eb ne Summa von drey taufend fünff hundert Pfund ^ Sterling. Alle diese Waaren nun zu laden, wozu noch eint ziemliche grosse (Xumrität "?bee und schöne bunte ich Eiarune kamen, musten wir über die Camcele, so W uns tragen sollen, noch achtzehen dergleichen TlM re kobinlon vruloe. 367 gehaben ; ferner hatten wir zwey Hand-Pferde, und drey andere unsern Vorrath an LebenS-Mitteln fortzubringen, also daß unsere in sechs und zwanhig Camcelcn und Pferden bestand. Die war groß , sie befand sich, wenn ich mkh recht besinne, ohngefähr dreyhundert Last- Thiere, und hundertund zwantzig Mannstarck, die wohl bewehret und altff alle Falle geschickt waren. Denn gleichwie die Orientalischen Lar^vanen leicht von den Arabern angegriffen werden, so müssen sich Liese vor den Anfällen der Tartarn fürchten , welche doch weder so gefährlich noch auch so grausam als jene sind, wenn sie die Ober-Hand haben. Es waren da allerhand Melonen unter einander dcch befanden sich die Moskowiter die stärksten. Es gab da wenigstens stchzig Einwohner aus der Stadt Moskau, unter denen einige Lieffländer, und was Ais sehr erfreuete, auch fünff Schottländer befindlich, welches reiche Leuthe und in den Sachen, so die Handlung, und die Reysen angehen, sehr geübt waren. Nachdem wir die erste Tage-Neyse zurückgelegt ^ hatten, so rieffen unstre Wegweiser, deren fünffe ^ warm, alle Kauffleuthe und Passagier, ausgenom- ^ wen, die Knechte, zusammen, um nach Gewöhnst heit aller Oar^vLnen selbigen Landes, grossen Rath / ^ iu l)alten. Bey dieser Versammlung gab ein sed- ^ ' weder eine kleine Summa um einen gemeinen Beutel daraus zu machen , damit man die Fütterung ; und andere Sachen , die man täglich brauchen möch- te bezahlen könte. Da richtete man die gantze viryse ein , man ernannte die OxinmeL und andere «l> !I>H OL- z68 Leben des Engellanders OEciers uns zu commÄnckreu, falls wir angefalln len zwürden, und alle diese Verordnungen wurden 4 nicht durch Gewalt und Ansehen, sondern durch ein- ^ mutige Verwilligung aller Rey senden gemacht, ge- W sialr einem soviel als dem andern an dem gemeinen D Nutzen der L^vrine gelegen war. ^ Die Strasse nach selbiger Seite gehet durch ein überaus - volckreiches Land; sonderlich giebt es da W eine grosse Menge Töpffer, und andere Leute, wel- che die schöne Erde zurichten, daraus man die Ge- ^ säße macht, welche in der ganhen Melt so hoch ge- geschätzt sind. Mitten auff dem Marsch kam unser alter Portugiese, der uns zu ergötzen immer etwas ^ zu sagen hatte, zu mir und versprach er wolle mir ^ die grosse Luriolltät vonssanh China zeigen, wel- che, alles Bösen, so ich täglich von diesem Land sag-^ te, ungeachtet, mich überführen würbe, daß man ^ da Sachen sahe, die man in der gantzen übrigens Welt unmöglich betrachten könte. ' Nachdem er sich nun lange genung bitten lassen seine Meynung dcut-,^ lichcr von sich m geben, sagte er zu mir, daß es ein Lust-Hauß wäre, so man gantz aus Chinesischer Erde verfertiget hätte. " Macht ihr andern et-- ^ ^ „was weiß, sagte ich zu ihm, die Sache ist leicht zu ^ „begreiffen: alle Ziegel-Steine, die man in diesem „Land macht, sind von Chineser Erde, und das iß „kein groß Wunderwerck. Ihr verstehet es nicht recht, antwortete er, von Chineser Erde, von ^ wahrem Porcellan. "Das kan wohl seyn, gab ich „ihm zur Antwort, wie groß ist es, dass'lbige Hauß? ^ „Wennn wir es in einer Schachtel oder Kastlem -^ „auff einem Eameel können mitnehmen , wollen^ üobmlon (lruloe. wir es gerne an uns handeln, wenn man es verpuffen will. Auf einem Lameel-, versatzte der al:e Wettermann, indem er die Hände gen Himmel hub, es ist ein Hauß, wo eine Familie von dreyßig Personen wobner. Als ich sahe, daß er in Ernst redete, war ich sehr begierig dahin zugehen und dieses Wunder zu besehen, es war aber dicjcs. Das ganhe Gebäude war von Zimmer-Arbcir und Gops, doch war dieser würcklich von eben der Erde, daraus man den Porcellan macht. Das äusserliche, welches in der Sonnen-Hrtze stand, war mit Verniß überzogen, neben dem vortrefflich weiß, dabey mit blauen Figuren gemahlt, wie die grossen Gefässe, so aus selbigem Land kommen, und eben so hart, als wenn alles im Ofen gebrannt wäre. Inwendig waren alle Wände aus viereckigen Steinen, so im Feuer gehärtet, und Mahlt, zusammen gesetzt, ungefehr von eben der Grosse, wie man sie in Engell-und Holland findet,und waren alle von den» schönsten Porcellan den manch fttt kän. Die Mahlerey daran war überaus ange- .... nehm,und durch die mancherley mit Gold vermochten ^Farben auf verschiedene Art vorgestellt; viele von ^diesen Steinen bildeten nur einerley Figur ab,allein sie waren mit Kalck von eben der Erde mit so grosser Kunst zusammen gefüget, daß es schwer war selbige richt dakvor anzusehen als wenn sie aus einem Stück -4, verfertiget wären. Die Böden,oder die Esieriche wa- ^ ten von eben der Materie, und so hart, wie die sichrer- iim Pflaster, welche man in vielen Provmtzen Engel- t'ch landes findet, sonderlich in l.mcoln5lnre > d-'- ccmg- >»M«Iüre. und I-eicettersbire; doch waren solche w - dergemahlt noch gebrannt, ausgenommen in einigen u. Lheü. Aa Eavi- l Gebest des Ettgellandets ^ -——————— ° — - -——— . — ^ ^ ^ Cabinetten,woman sie aus dergleichen viereckichten kleinen Steinen, so die Wände bedeckten, gemacht hatte. Die Keller, mit einem Wort,das gantzeHauk L war aus eben der Erde gemacht, und das Dach haue M- man mit viereckichten Porcellan-Steinen, so von ei* 7«, ner sehr leuchtenden und hellglantzenden Schwäche waren, bedeckt. EswarinderThateinHaußvonPorcellan, und L wenn ich nicht aufder Reyse gewesen, si> hätte ich mich ^ wohl entschlossen, viele Tage da zu bleiben, desselben besondere Theile insgesamt zu untersuchen. Man sagte mir, daß es in dem Garten Teiche gäbe, deren ^ Boden und Seiten mit eben dergleichen viereckichten ^ Steinen ausgelegt wären, und daß man in den Gän- Z-' gen vollkommen-schöne Statuen von Porcellan jähe. Man würde den Chinesern grosses Unrecht thun,D wenn man nicht gestände, daß sie in dergleichen.Arbeit ^ vortreffliche Meister wären, allein es ist zugleich ge-'^ wiß, daß sie sich mit den Fabeln, welche sie von ihm, ^ Geschicklichkeit in diesem Stück aussprengen, auE" gar sonderlich hervor thun. Sie haben mir so wE ! rüg - wahrscheinliche Dinge davon gesagt,-aß ich mir nicht die Mühe nehmen will selbige zu erzehlen. Doch ^ will ich hier ein Müstergen darvon geben. Sie haben ^ lE mir gemeldet, daß einer von ihrenKünstlern eingao--G hes Porcellancncs Schiff, mit aller seiner Zugehör,^ als Masten, Seegeln und Strickwerck gemacht hä- M te, und daß dieses zerbrechliche Schiff so groß gem-W sen, daß funffzig Personen darinnen Raum gehabt AR hätten. Um aber die Sache desto beweglicher zu M machen, hätten sie nur dürsten dazu setzen, daß manW mit diesem Schiff eine Reise nach Japan gethan, ich'itz ktzbinlön Online. würde dasselbe ebensowenig als das übrige gestandet haben, denn ich halte darvor, daß sie, mitZüchten zu reden, gar sehr derb daran gelogen haben. Dieser ungewöhnliche Anblick hielt mich da zwey Stunden auf, nachdem die Caravans schon vorbey war; welches denjenigen, so selbigen Tag comm -n- ckrte, bewog, mich ungefähr in drey Schilling Geld- Busse zu verurtheilcn, dabey er mir sagte, daß, wenn mir eben dieses drey^Tage-Reisen jenseits der Mauer wiederfahren waw, da wir uns hingegen drey Ta- ge-Reisen disseits befänden, es mich würde viermahl soviel gekostet haben, und über diß gehalten gewesen stynchey dem ersten allgemeinen Naths-Tage deswegen üm Vergebung zu bitten. Zch versprach, daß ich ins künfftige richtiger seyn wolte, auch hatte ich nach der Zeit Gelegenheit zu bemercken, daß der Befehl, sich nicht von einander zu entfernen, bey den La- ravannen eine schlechter dings-nöthige Sache ist. Zwey Tage hernach sahen wir die berühmte Mauer, die man deswegen gemachthat, daß sie den Chi- nesern wider den Einfall der Tartarn statt eines Walls dienen soll. Es ist gewißlich ein Merck von überaus grosser Arbeit: sie gehet so gar ohne einige Noth über Berge und Felßen, welche an sich selbst ungangbar und schwerer mit Gewalt zu Versteige» sind als die Mauer selber an vielen Orten. Sie erstrecket sich, wie man vorgiebt, auf tausend Englische Meilen, das Land aber, so sie bedeckt, hat deren nur fünff hundert, wenn man es rechnet ohne die Umwege, die man bey Erbauung der Mauer nehmen müssen. Sie ist vier und zwantzig Fuß hoch, und a» einigen Orten eben so dick. . Aa r Wah- 37 » Lebstt des Engellanders Währender Zeit da die Laravane durch eins von ^ denThoren dieser Art vonVestungs-Wercken Mg, konte ich diesen berühmten Bau eine gute Stunde be- . D trachten / ohne wider unsere Gesetze zu sündigen r der, «s folglich hatte ich Zeit, denselben auf allen Seiten zu ^ besichtigen, nehmlich so weit als meme Augen reichen ^ konten. Unser Chinesischer Führer, der uns darvon, ' als von einem der sieben Wunderwerke der Welt .;K gesprochen hatte, ließ grosse Begierde an sich verspür ren, meine Meynung darvon zu wissen. Ich sagte zu ihmchaß es die beste Sache von der Welt wider die ^ Tartan', wäre; Er merckte nicht, daß der Schalet ^ darunter verborgen lag, und nahm also diese Worte vor ein sehr gütiges Complimentauf; unser alter ^ Steuermann aber war nicht so einfältig, sondern er sagte zu mir: Es steckt etwas vorn LLMLleoo in eurenReden. " Vome-mLleon,antwortete ich Ä - ihm, was verstehet ihr dadurch ?Ich will so- ^ Viel sagen, gab er mir zur Antwort, daß der Oü- cours» welchen ihr mit dem Wegweiser alle- ^ weile gehalten, weiß scheinet, wenn man ihn i. von hier betrachtet, und schwary, wenn man selbigen von dar anstehet. Daß es aufeine Art ern Lomplr'ment ist, und auf eine andere ^ unter die spöttischen Dinge gehöret. Ihr sagt, daß diese Mauer gut wider die Tarrarn A ist, damit sprecht ihr zu mir, daß solche nur wider die Tartarn allein gut ist. Der Chr ^ neser aber verstehet euch auf seine Manier, ^ und ist zufrieden, und ich begreifst euch auf ^ meine, und bin auch vergnügt. "Allem habe A " ich groß Unrecht, nach dem Verstände, wie ihr es nehmet, ^ kobinloa Lruköe. 3>r nehmet, sagte ich zu ihm, glaubet ihr, daß diese,, schöne Mauer die Angriffe einer Europäischen Ar-„ Mee, somit gutem Geschütz UNd guten Ingenieur',, versehen, aushalten würde? Gölte diese nicht in „ zehen Tagen eine so grosse Lrecbs legen, daß man in völliger Schlacht-Ordnung hindurch marschiren,, könte , oder aber würde sie solche nicht mit samt ih->, rem Fundament auf so eine Art in dieLufft spren-,» gen, daß man nachgehends Anlaß zuzweiffelnhät-,. ,te,ob jemahls eine Mauer an diesem Ort gestanden? „ Unsere Chineser waren sehr vorwitzig dasjenige zu wissen, was ich zu dem Steuermann gesagt hätte, und ich erlaubte ihm selbigen drey oder vier Tage drauf davon Nachricht zu geben, weil wir damahls ungefähr über ihre Gräntzen gegangen, und gleich im Begriff stunden uns von unsern Führern zu scheiden. Sobald sie von der Meynung, welche ich von ihrer schönen Mauer führte, Nachricht bekommen hatten, so waren sie den ganhen übrigen Weg, den sie noch mit uns thun mußten, verstummet, und solcher gestalt wurden wir von allen diesen schönen -Historien, die Chinesische Hoheit und Macht betreffend, auf einmahl frey. Nachdem wir nun durch dieses prächtige Nichts, so die Mauer von China genannt wird,und ungefähr derjenigen gleich ist, welche vor Zeiten die Römer in dlorrkumberlrma wider die Einfalle der PLcten aufgeführet, gereiset waren, so fanden wir das Land ziemlich schlecht mit Volck beseht; ja man kan sagen, daß die Einwohner daselbst auf gewisse Masse in den vesten Orten gefangen sind, gestalt solche kaum draus gehen dürffen, Damit sie mchtden Aa z Tar- S74 Leben des Ettttelländers ^artarn zur Beute werden, welche da herum mit P ordentlichen Armeen die Strassen berauben, und denen die Einwohner im freyen Felde unmöglich Widerstand thun könten. Damahls fieng ich an vollkommen wohl zu mer- cken, wie nöthig es wäre, daß man sich nicht von den Caravanen entfernete, indem ich ganhe Haussen Tartarn um uns herum schwärmen sahe. Auch kamen sie uns so nahe , daß ich selbige nach meiner Gemächlichkeit betrachten konte, und ich war erstaunet, daß ein Reich als das Chinesische, durch so veracht- liehe Holuncken, wie die waren, so ich zu Gesicht be- E kam, habe können erobert werden; es waren nur ^ verwirrte Haussen, ohne Ordnung, ohne Disciplin, und fast ohne Gewehr. ^i> Ihre Pferde sind mager, halb todt vor Hunger, ^ übel zugeritten, mit einem Wort, sie taugen zu nichts. Ich hatte Gelegenheit, dieses,was ich Leho gesagt,den ^ ersten Tag anzumercken, nachdem wir die Mauer W zurück gelegt hatten. Derjenige, welcher uns da- M mahls commgunirte, vergönnete, daß unserer sich- D« zehen auf die wilde Schöps-Jagd gehen mochten, ^ welche Thiere gewißlich die lebhaftesten und mun- irrsten von ihrer ganhen Art sind. Sie lausten mit Dk einer erstaunenden Geschwindigkeit, aber sie werdm V leicht müde, und wenn man einige davon siehet, ist man sicher, daß man selbigen nicht vergebens nach- W rennet, sie kommen gemeiniglich bey viertzigen zum W Vorschein, und gehen immer hinter einander her, «U wie rechte Hammel. . 's Mitten auf dieser poßierlichen Jagd traffen wir W mehr als vierhig Tartarn an. Ob sie nun wie wir, K auf kokililon Lruloe. «e sr ril- -er ,A' .-e^ r-5 'F ^75 auf die Schöps-Jagd gehen wollen- oder einen andern Raub suchten - das weiß ich nicht - allein so bald sie unser innen wurden- fieng einer unter ihnen auf einer Art von Hörnern zu blasen, welches einen entsetzlichen Klang von sich gab. Wir dachten dabey alle, daß es deswegen geschähe, damit er ihren Freunden ein Zeichen geben möchte, herbey zu kommen, und dieser Gcdancke befand sich nicht falsch, indem es nicht gar eine viertel Stunde wahrste, so sahen wir eine halbe Englische Meile von uns einen andern und eben so starcken Haussen daher kommen. Zu gutem Glück war unter uns ein Schottischer Kauffmann und Einwohner von Moscau, welcher, sa bald er das Horn vernahm,zu uns sagte,daß da nichts anders zu thun wäre, als daß man ohneVerzug dieses Gesindel mit Nachdruck scharmuzierte, und nachdem er uns aufeine Linie gestellt, fragte er uns, ob wir zum Angrifffertig wären. Wie er darauf sahe, daß wir ihm zu folgen entschlossen, sahte er sich vor uns, und rückte gerade auf sie loß. Die Tartarn sahen uns mit grausamen Augen an, und waren gar nicht bemühet sich in einige Ordnung -u stellen, aber so bald sie gewahr wurden, daß wir auf sie ankamen, liessen sie eine gute Menge ihrer Pfeile auf uns zu fliegen, deren uns doch zu gutem Glück keiner traff. Zwar hatten sie nicht übel gezielet, allein sie hatten gar zuweit zugeschossen; gleichwohl fielen ihre Pfeile gerade vor uns nieder, daher wenn wir ihnen zwantzig Ruthen näher gewesen wären, so ist kein Zweiflet, es würden viele von uns gctödtet, oder zum wenigsten sehr verwundet worden seyn. Wirhieltendmaufalsobald still, und ob wir schon Aa 4 von Z7§ Leben des EnZelläuders vo? diesem Geschmeiß ziemlich weit entfernet waren, so gaben wir doch Feuer auf sie , und schickten ihnen blcyemeKugeinsür ihre hölheme Pfeile. Nachun, ^7 serer Salve rannten wir in vollem Galvp zu, unsern Fanden, nach derQrdre unsers braven SchoMn- K- ders , mit dem Säbel in der Faust auf den Halß zu fallen. Selbiger war nur ein blosser Kauffmann, al- B lein er führte sich beydieser Gelegenheit mit so grosser Tapfferkeit, und mit-sogelassmem Muth auf, daß es O schiene,als wenn er zu den militarischen^Lerrichtungen M gebohrenware. iR So bald wir diesen elenden Tropffen so nahe was M ren, daß wir sie erreichen komm /so schössen wir ihnert «M unsere- Pistolen in den Knebel-Bart hinein, und gleich Ä drauff wischten wir mit unsern Schwerdtern heraus : W wir hatten aber dieser Mühe können überhoben seyn! W weil unsere liederliche Gesellen über Halß und über M Kopffdarvon rannten. Man hielt uns nirgend stand tzw als gufder rechten Seite,wo drey Tartarn tapffer ste- «W hsn blieben und den andern ein Zeichen gaben, sie sol- Gi ten zu ihnen kommen. In der Hand führtensie eins Z, N Gattung von Säbeln, und ihre Bögen hiengen auf H ihren Schultern. 'Allein unser tapfferer CoMMrn« ich dant gieng, ohne jemand von uns zu bitten ihm zu D M gen, auf selbige in vollem Galop loß, schlug einen mit ^ dem Anschlag seines Carabiners todt, und schoß eilten H mit dem Pi stol nieder, da mittler Zeit der dritte in vosi ihzi lem Rennen durchgienge. - Also lieffunser Treffen ab, darinnen wir keinen am dem Schaden bekamen,als daß wir die Hammel ver- ^ ^ lohrc a, die wir aufder Jagd gefangen hatten: es war L keiner von uns weder todt noch verwundet ; auf Sei- ^ kirj >rtz »r» r« Sr r, t!» Ül> cck , 2 '-> :r« sr» 2 '' ÜjS >^i Robinlon Lrusoe. ^ __Z77 ten der Tartarn gab es fünff todte, von den verwundeten aber kan ich nichts sagen, doch ist dieses gewiß, daß der andere Hausse, welcher aufdas Horn-Blasen herbey gekommen,durch unserFeuer-Gewehr Vormast sen erschreckt ward, daß er keineswegs Lust hatte etwas wider uns vorzunehmen. Es ist zu mercken,daß dieser Scharmützel auf der Chineser Grund und Boden vorgieng, welches sie ausser Zweiffel abhielt, mit eben der Hartnäckigkeit, die wir nachgehends an ihnen wahrgenommen, in ihrem Vorsatz fortzufahren. Fünff Tage drauf kamen wir in eine grosse Wüste, durch welche wir in drey Märschen zogen. Da müssen wir unser Wasser in Schlauchen bey uns führen, tmdüber Nacht unter freyem Himmel bleiben, wie solches in den Arabischen Wüsten geschiehet, als ich gehört habe« Ich fragte, wem dieses Land gehörte, und man berichtete mir,daß es eine Gattung von äusserstenGrän- hcn wäre, so eigentlich niemand zustünden, indem es ein Theil von der Larglcarkie, oder grossenTartarey wäre, welchen man aber gleichwohl unter die Herr- schafftcn von China auf gewisse Masse zählete; Jedoch trügen die Chineser nicht die geringste Sorge selbige Gegend wider die Naubereyen der Tarrarn zu versichern, und verfolglich wäre es die allergefährlich- ste Wüste von der Wett, ob es gleich sonst noch weit grössere gäbe. Indem wir nun dadurch Men, sahen wir zu vielen mahlen kleine Haussen Tartarm allein es schiene, als wenn sie nur auf ihre eigene Sachen dächten, und sich nicht in unsere mengen wollen, und wir befanden unsers Orts vor gut jenem Menschen ^nachzuahmen, welcher, als er den Teuffel unterwegs ' Aa s an-- Z78 Lebett des EttZellättdees ^ antraff, sagte, daß, wenn Satan ihm nichtsU^ hätte, er gleichfalls mit ihm von nichts sprechen wolta ^ Nichts destoweniger kam uns einsmahls eine von sob chen ziemlich-ftarcken Rotten ganh nahe,und betrach- tete uns mit grosser Aufmercksamkeit, überlegte auch vermuthlich, ob sie uns angreiffen solte oder nicht. Deswegen machten wir also fort einen Pach-Zug von ungefähr vierhig Mann, die sich ganh fertig hieb D ten diese Schelmen wichtig abzuklopffen,und wir blie-- den so lange da halten, biß daß die L-rsvan- eine halbe M Stunde zum Voraus hatte. Wie sie uns aber so be, -O hertzt sahen, so nahmen sie ihren Abmarsch, und ver- W gnügten sich uns mit fünffPfeilen zu grüßen, deren ei- M ner unser Pferde eins dergestalt lähmte, daß wir es ,D musten unterwegs fahren lassen. W Nach diesem giengen wir einen Monat lang sobch! che Wege, die nicht so gefährlich waren, und durch ein K, Land, welches ebenfalls noch,wie man meynet, zu dem M, Chinesischen Gebiete gehöret. Man siehet da bey, A nahe nichts als Dörffer, ausgenommen einige kleine ,D Flecken, so wider die Einfälle der Tartarn bevestyetM, sind. Als wir bey einem dieser Flecken, so ungefähr zwey Tage-Reisen von der Stadt diaum liegt, anka-M men, hatte ich ein Cameel vonnöthen. An diesem Ort ^ findet man deren viel, wie nicht weniger Pferde, und ^ man führet solche dahin, weil die Caravanen, so da offt vorbey ziehen, gemeiniglich einige davon kauffen. Die Person, welche ich ansprach mir ein gut Cameel zuzuweisen, erbot sich, daß sie hingehen und mir eins ^ suchen wolle, ich aber, als ein alter Thor, trug Belie- tz, ^ ben selbiger Gesellschafft dahin zu leisten. Nun mu- ste man zwey Meilen reiftn ehe man an diesem Ort M kam ^ ktobmlon druloe. Z7S ja» K kam, woselbst gedachte Thiere vor den Tartarn in Sicherheit sind, weil man eine gute Besatzung dahin gcleget hat. Ich gieng diesen Weg zu Fuß mit meinem alten Steuermann, indem es mir lieb war mich durch diesen kleinen Spatzier-Gang zu ergötzen, und von der Ermüdung, die einem das stetige Reuten verursacht, ein wenig auszuruhen. Wirfanden besagte kleine Stadt in einer niedrigen und morastigen Gegend liegen , sie war mit einem Wall umgeben, den man nur aus zusammen gelegten Steinen,ohne Kalck dazwischen zu werffen,wie die Mauren unsererThier- Garten in Engelland, gemacht hatte. Hiernechst war solche mit einer Chinesischen Besatzung versehen, welche an dem Thor Wache hielt. >, Nachdem ich mir nun da ein anständiges Cameel geknufft hatte, giengen wir, ohne den Verlauster zu rechnen, mit einem Chineser, der das Thier führte, wieder zurück. Mein wir sahen bald fünff Tartam zu Pferd auf uns zu kommen, deren zwey unsern Chineser angriffen, und ihm das Cameel abnahmen, da unterder Zeit die drey andern meinem Steuermann und mir auf den Halß fielen,indem sie uns,so zu sagen, ohne Gewehr sahen, weilwir nichts als unsere Degen hatten, die uns wider Reuter nicht viel helffen kosten. , Einer von diesen Leuten hielt wie ein wahrer Bärenhäuter, sein Pferd alsofort auf, so bald er mich meinen Degen ziehen sahe, allein ein anderer griffmich zu eben der Zeit auf der lincken Seite an, und gab mir einen Streich über den Kopff, davon ich iedoch nichts fühlte, biß daß ich wieder zu mir selbst kam, und mich der Länge lang aufder Erden ausgestreckt sah c, da befand ich mich auf das äusserste betäubet, ohne daß ich dessen z8o Leben desE»iZella»tders ^ dessen Ursache begreiffen mochte. Sobaldmichmch lapffcrer Portugiese fallen sahe, zog er einPisivlaus M seiner Tasche, damit er sich ungefähr bewehret hatte, Hi ohne daß ich eben sowenig als die Tartarn etwas '-s davon wußte, gestalt uns diese wohl würden in Ruhe ^ gelassen haben, wenn sie dieses vermuthen können, ^ Er gieng indessen kühnlich auf diese Schelmen loß, M and, nachdem er denjenigen, so mir den Streich gege- ^ den, bey dem Arm erwischt, und solchen nach seiner j 4 Seite gezogen, schoß er ihn durch den Kopff, daß das 2, Gehirn heraus sprang. In dem Augenblick war er A mit seinem Säbel, den er stets an der Seite trug, aus ^ der scheide, und machte sich an den andern, welcher , anfänglich vor mir gestutzt hatte, thäc auch aus allen ^ seinen Kräfften einem Hieb nach demselben; allein er traff den Mann nicht, sondern das Pferd an den Kopssund nachdem das armeViehe vor Schmer? Z ^en rasend worden, liess dasselbe mit seinem Herrn Ä über die Felder weg,der es denn freylich nicht mehrzir regieren vermochte, icdoch ein allzu guter Reuter war, ^ daß er nicht hätte darauf sitzen bleiben sollen. Gleich? wohl da es sich endlich aufgebäumet, war dieses Ur? ^ sache,daß er herunter-und das Pferd über ihn her fiel. Indem dieses vorgieng, lieffdcr Chineser, dem ^ man das Cameel weggerissen, und der kein Gewehr ^ hatte,nach selbigerSeite zu,als er darauf innen ward, ^ daß der Tartar ein elend inikrumear, so einer Streit? 7^ Axt ziemlich gleich sahe, an der Seite führte, ergriffer M dasselbige, und schlug ihm den Kopff damit entzwey. * > Mein hertzhaffter Alter hatte immittelst noch einen M dritten Tartarn über dem Halse, und wie er spürte, W daß dieser nicht durchgieng, wie er gehofft, auch ihn W dtz Äk rt it« rds iS S«!t -- >sk tzr! i-' '5-l Kobmlön Lrulöe. z8l gicht anfiel/ wie er gefürchtet hatte, sondern auf eine gewisse Weite unbeweglich still hielt, bedienete er sich dieser Zeit sein Pistol wieder zu laden. Sobald der Muber dieses Instrument innen ward,und solches vor an anders schon ganh fmig-gemachtesPisrol ansähe, glaubte er, daß da keine gute Zeit für ihn wäre, rannte daher in vollem Galop davon, und überließ meinem Helden einen völligen Sieg. Zu der Zeit fieng ich an ein wenig wieder zu mir ßlbst zu kommen, und ich befand mich gerade in dem Zustand eines Menschen, der aus einem treffen Schlaff kömmt; auch konte ich weder begreiffen, warum ich auf der Erden lag, noch wer mich dahin gebracht hatte; einige Augenblick drauff spürte ich Schmertzen, doch nicht auf eine gar merckliche Art ; ich griff mit meiner Hand an die Stirn, und brachte sie gantz blutig wieder von dar herab; nachgehends hatte ich grosse Kopff-Schmertzen, und endlich kam mein Gedächtniß wieder, und mein Verstand war in eben dem Zustand, wie er vorher gewesen. Da stund ich nun alsofork plötzlich auf, und nahm meinen Degen zur Hand, allein ich traffkeinen Feind mehr an; ich sahe nur einen todten Tartar bey mir und besten Pferd, welches bey seines Herrn Cörper zeruhig stehen blieb. Weiter hin aber erblickte ich meinen Erretter, welcher, nachdem er in Augenschein genommen, was der Chineser mit dem unter seinem Pferd liegenden Tartar vorgenommen, wieder zu mir kam, und den Säbel noch in der Hand hatte. Als mich der gute Alte aufgerichtet sahe, liess er auf. mich zu, und umarmte mich mit grossen Freuden-Be- ieusunsen: er hatte mich vor todt gehalten, da er aber z8r Lebe n des Engell anders aber sahe, daß ich nur verwundet, so wolle erdieWun- W de besichtigen, um zu erfahren, ob sie nicht etwage- B fahrlich wäre. Zu gutem Glück hatte es nicht vielzu iB bedeuten, und ich habe niemahls die geringste Folge- rung deswegen verspüret, nachdem der Hieb einmahl D Zeheilet worden, so in zwey oder drey Tagen verrich, tetward. H Wir eroberten durch diesenSreg keine grosse Beu- M te,wirverlohrenein Cameel dabey und bekamen da- K gegen ein Pferd; es war aber hierbey merckwürdig, ^ daß, als wir wieder bey deresravsne angelangt, der M Chineser,so mir das Cameel verkaufft, die Bezahlung ° ^ davor zu haben verlangte. Ich wolte dieses nicht thun, ^ und er citirte mich vor den Richter des Dorffs, wo die Orsvsnc still gehalten hatte. Dieser war wie einer ^; von unsern Friede-Richtern,und ich muß gestehen,daß ^ c er mit grosserKlugheit und Unparteilichkeit mit uns ^ verfuhr. Nachdem er uns beyderseits verhöret hatte, ftagte er den Chineser gar ernstlich, wer das Cameel geführet hätte, und wessen Knecht er wäre? -Ich bin -1'.' "niemands Knecht, sagte er, und ich habe nur den A ''Fremden begleitet, der das Cameel gekaufft hat.., wer hat euch deswegen angesprochen? ver- D, satzte der Richter. " Eben diesesFremde seihst, ant- ^ "wortere der Chineser.Nun wohlan, sagte er, ^' ihr wäret zurselbenZeit des FremdenRnechr, und weil das Cameel seinem Unecht überge- A den worden, so ijk davor zu halten, daß mau -dn esdem ^>errn selber überliesserr hat, und da- ^ ^ Hers ist es billig, daß er dastelbige bezahle. ^. Gleichwie nun wider diesen Abschied nicht ein A Won zu sagen war, so gefiel mir es so wohl, da ich die- ^ kobinlon druloe. X! Z8Z sen Mann der Sache Beschaffenheit mit so grosser Richtigkeit vorstellen/und mit so guter Folge darvon urtheilen sahe, daß ich das Cameel ohne Widerrede bezahlte, und ein anders holen ließ; doch kan man wohl glauben, daß ich mr die Mühe erspahrte selber darnach zu gehen: Massen mein verlvhrnes Geld, und mein zerhauener Kopss zwey zulängliche Lectiones waren, mir grössere Vorsicht beyzubringen. ' DieStadt dlsum bedeckt die Gräntzen vonChina, und man heißt es eineVestung, ist auch würcklich eine, nach der Art, die Oertcr in selbigem Lande zubevesti- gen. Ja ich darff gar versichern, daß viele Millionen Tartarn, die man aus der grossen Tartarey zusammen bringen käme, nimmermehr im Stande seyn würden, deren Mauren mit Pfeil-Schüssen nieder zu legen. Wenn man solche aber, in Betrachtung unserer Art, die Plätze anzugreisscn, eine bevestigte Stadt nennen wolle, würde man sich bey denjenigen, so das Handwerck ein wenig verstehen, auslachens- würdig machen. Wir waren noch zwey Tage-Reisen, wie ich schon gedacht, von diesem Ort, als courriers zu uns kamen, welche von allen Seiten auf die Strassen abgeschickt waren, allen Reisenden und Caravanen zu hinterbringen , daß sie möchten so lange still halten, biß daß man ihnen eine Convoy zugeschickt hätte, weil sich dreyßig Englische Meilen auf der andern Seite der Stadt ein Lorpo von zehen tausend Tartarn sehen lassen. Dieses war eine sehr schlimme Zeitung für uns; doch muß man gestehen, daß der Louverneur, so uns dieselbe berichten ließ, großmüthig mit uns handelte, und z8.4 Leben des Engellastders und daß wir ihm desto grössernDanck schuldig wa- ^ ren, weil er uns sein Versprechen vollkommen wohl ^ hielt. Zwey Tage hernach bekamen wir drey Hum-M dert Soldaten von der Stadt d>lsum, und zwey hun- »Bs dert aus einer andern Chinesischen Besatzung, wet--^' ches uns veranlaßte mit unserer Reise kühnlich fm, D" zufahren. ,.B Die drey hundert Soldaten von deaum zogen vor !ßei an, und die andern zwey hundert waren unser Nach- sd trab: Was uns betraft, so sahten wir uns auf die- B Flügel, und die ganhe L-E^e der Caravane giengin- -Z! der Mitte. Indem wir uns nun in dieser Ordnung M. auch tapffer herum zu schlagen bereit sahen, hielten M wirdarvor, wir waren im Stand die Gefahr mit er» a sr meldten zehn lausend Tartarn zu theilen; allein da tzc wir sie den andern Tag erscheinen sahen, bekamen die M Sachen wunderlicher Weise ein gantz anderes An- sehen. -,'jM Wie wir aus einer kleinen Stadt, eksngu ge. ^ hen wir denselben in vollem Galop auf uns ankom- merz. Da sahe es nun um unsere Chineser, die unser ^ !lH kobirilöv Lruloo. Z85 ^ Vortrab waren, und den Tag zuvor mit ihrer Tapf- ferkeit überaus geprahlet hatten, sehr schlecht aus, in- dem sie dieGesichter stets hinter sich wendeten,weiches ein gewisses Zeichen issdaß der (Soldat keine Resolution hat. Mein alter Steuermann hegte hiervon eben so schlimme Meynung als ich. Herr Enrzelländer, tagte er zu mir, man muß den Burschen einen jNurh einsprechen, oder wr find Verlohnen: sie werden gleich durchgehen, so bald wir nur die Tarrarn aufdem Halse haben. " Ich glaube dieses sowohl als ihr, antwortete,» ich ihm, aber was soll man thun dieses Unglück ab-,, zuwenden? Mein Rath wäre, verfahre er, daß man auf reden Flügel von diesem Lh nefi- schen Lorpo funffyig unserer Leute stellere, diese Verfiarckung wird ihnen ein Hery machen, und werden in braver Leute Gefell- schafft fich rapffer aufführen. Ohne mir die Zeit zu nehmen selbigem zu antworten, ranme ich in vollem Galop zu unserm Commendanten, so an selbi- gem Tage Befehlshaber war, und thät ihm diesen Rath zu wissen. Dieser ließ sich denselben sehr wohl ».i gefallen,und richtete denselben noch in demAugenblick zuWerck,von unsern übrigenLeuten aber machte er ci- 7. - neu besondernHauffen, dessen er sich im Fall derNoth ,7^ bedienen körne. In dieser Positur satzten wir unsere 7^ Reise fort, und liessen die andern beyden hundert Chi- ueser ein eigenes Lorpo bleiben unsere Cameele zu bc- 777> wachen, jedoch mit dem Befehl, daß, wenn es nöthig - ^ wäre, sie dieHelffte ihrer Soldaten uns zu Hülste schicken sollen. Einen Augenblick hernach waren uns die Tar- fi. Theil. Bb ram z86 Leben des Engellandetv ram so nahe, daß sie das Treffen anfangen komm. B Es war ihrer eine sehr grosse Menge, und ich thue der K Sache nicht zu viel / wenn ich sage, daß sie sich zum yö allerwenigsten zehen tausend Mann starck befanden A Das erste was sie thäten, das war, daß sie eine Pae, ^ rhey abschickten uns zu recogoolciren und zu betrach, tm, wie wir uns anstellten. Indem sie nun so nahe ^ an der Spitze unserer Schlacht-Ordnung vorbey ^ ritten, daß man sie mit den Flinten erreichen konte, so ^ befahl unser Lommenllsnr unsern beyden Flügeln, H Laß solche auf einmahl in aller möglichen Geschwin- -z, bigkeit anrücken, und Feuer auf sie geben solten.Die- M ses thät man, und die Tartarn zogen sich wieder nach ihrem grossen Haussen zurück um vermuthlich Nach- H richt vertheilen, wie man sie alleweile ^empfangen, und was sich die übrigen zu versehen hätten. ^ Wir sahen wohl, daß ihnen die Art, aufweiche wir ^ sie empfangen, nicht anständig war. Daher hielten A sie den Augenblick still, und, nachdem sie uns einige Minuten aufmerckjam betrachtet hatten, machten sie M littcks um, und gicngen von uns, ohne den gering- ^ sien Versuch zu thun. Wir waren höchlich darüber erfreuet, denn wenn sie mit ihrem Vorhaben hätten W nachdrücklich fortgefahren, so wäre es uns unmöglich W gewesen, dieser gantzen Armee in die Länge zuwider- W stehen. ^ie Als wir zwey Tage hernach in der Stadt re» ^ oder blaun angekommen, bedanckten wir uns bey dein S Statthalter, daß er so gut gewesen und vor uns gc- Ä sorget hatte, und wir legten insgesamt ungefähr zwei hundert Thaler zusammen, unsere Chinesische Con- A W M Rokinkon Crusoe. > ilri: l-Ä! :»L .2... 7^'^- _ Z87 boy damit zu beschicken. Hierruheten wir auch er- venganhmTagaus. Man kan sagen,daß es in diesekStadt eine ordentliche Besatzung giebt. Sie bestehet zum wenigsten aus neun hundert Soldaten, und man hat solche des- >>?A' allem seither Zeit hat der Czaar vor gut befunden mehr als zwey hundert Meilen Landes sichren zu lassen, indem er solches schlechter dings unnütz, und der Erhaltung unwerth geachtet, zumahl da es von dem mittlern Theil seiner Länder'gar zu weit entlegen,und hiernechst sich Schwierigkeit ereignet,Völ- cker dahin zu senden. Selbige Entlegenheit ist in der That sehr groß, angesehen wir zum welligsten noch 1 sechshundert und siebenzig Meilen zu reisen hatten, ehe wir dahin kamen , was eigentlich Moscau genen- vet wird. Nachdem wir Kaum verlassen, mußten wir über viele grosse Flüsse, und durch zwey entsetzliche Wüsten gehen, deren eine uns sechzehen Tage-Reisen kostete. Solches ist ein verlassenes Land, wie ich gesagt habe, und gehört niemand zu. Den dreyzehenden Martii kämm wir andre Mo- scowttischenGrantzen,und wenn ich mich recht besinne, schieß die erste Stadt, so wir von des Czaars Zuris- Miov amraffen, krZun; sie liegt an der Westen- Seite eines Flußes eben dieses Nahmens. Als ich, mit allem ersmnlichen Vergnügen, in so kurtzer Zeit in einem Christlichen oder zum wenigsten unter eines Christlichen Printzen Bothmäßigkeit gebenden Lande angelangt, war ich über meine unge- Bb r meine z88 Leben desEnZelländers meine Freude nicht Herr. Zwar wenn, nach meiner ^ Meynung, diese Moscowiter den Christen-Nahmen verdienen, so ist es auch alles, was ihnen dißfalls bey- ^ gelegt werden kan, doch halten sie sich es vor eine Eh, re, diesen Nahmen zu fuhren, ja sie sind nach ihrer Arr ^ recht andächtig. B Ich bin gewiß versichert, daß iedweder Mensch,der ^" durch die Welt, wie ich, reisete, und eine Sache zu D «berlegen fähig wäre, nachdrücklich empfinden muß, A daß es ein grosser Seegen des Himmels sey, wenn r 2 man in einem Lande gebohren worden, wo der Nah, »da me GOttes, und des Heylandes bekannt ist, und an« D gebetet wird, und nicht unter solchen Völckern,wel, ch che durch das Vcrhängniß den gröbsten Irrthümern sm übergeben, ja unter Mlckern, welche den Trüffeln Gottes-Dienst leisten, welche vor dem Holh unddem Stein niederfallen,und die Element«, die Ungeheuer, und die allernichtswürdigsten Thiere, oder wenig, Lein stens deren Bilder anbeten. Bißher waren wir biß durch keine Stadt kommen, die nicht ihre Götzen- H, Tempel und Bilder hatte, und wo das thörichte Volck die Ehre,welche der Gottheit gebühret, an dem H Merck seiner eigenen Hände nicht ruchloser weisem- M unheiligte. Zum wenigsten waren wir damahls in einem Lau- de angelangt, wo man den äußerlichen Dienst M ^ Christlichen Religion sahe, wo man bey dem Nah- ^ menJEsu Christi die Knie beugete, und woselbst das ^ Christenthum vor die wahreReligion gehalten ward, ob man schon solche allda durch die gröbste Unwiffea- -H heit verunehrete. Es gefiel mir unvergleichlich wohl, ^ daß ich auf das wenigste einige Merckmahle davon sahe, kobinlbn Ouloe. kokinlön druloe. iahe, und vor übergroßen Freuden gieng ich hin zu dem tapffern Schottischen Kauffmann, dessen ich vielmahl gedacht habe, um mein Vergnügen dem sei- aigen beyzufügen, und indem ich denselben bey der Hand nahm, jagte ich zu ihm: " Der Himmel sey " gcbenedeyet,wir haben nunmchro das Glück,daß" wir uns unter Christen befinden.Freuet euch nickt so geschwinde, antwortete er mir lächelnd, diese lNoscowirer hier sind gar seltsame Christen: Auf das höchste haben sie den Nahmen darvon, und das wahre Wesen des Christenthums werdet ihr schwerlich eher antreffen, als wenn ihr noch einen guten Monath werdet gereiset seyn. " Zum wenig-» sten, gab ich zur Antwort, ist ihre Religion besser als das Heydenthum, und der Dienst,welchen man dem Trüffel thut. „ Es ist wahr, sagte er zu mir, allein ihr müsset wissen, daß, wenn man die Russischen Soldaten, so in den Besatzungen sind, davon ausnimmt, das ganye übrige Land auf mehr als drey hundert tNeilen von hier durch die allerunwissendsten und vermaledeyersten Heyden der ganyen Welt bewohnet wird. Er hatte recht, und meine eigene Augen waren bald Zeugen hiervon. Wir waren damahls auf dem allergrößten vesten Lande, so in der ganhen Welt mag gefunden werden, wenn ich die geringste Vorbildung von der Erd-Kuges habe; auf der Ost-Seite waren wir mehr als zwölff hundert Englische Meilen von der See entfernet, von der West-Seite waren deren mehr als zwey tausend biß an die Ost-See, und mehr als drey tausend biß B b z an Z^o Lebett desEtt^ellätt-ers ^ an den Canal, so zwischen Franckreich und Groß- Ä Brittannicn ist. Gegen Süden lag das Persische ^ und Indianische Meer weiter als fünfftausend M- ^ , ten von uns, und gegen Norden waren es deren wohl ^ acht hundert biß an das Eiß-Meer. Wenn man ^ einigen Oe-o^i-zpki? dißfalls Glauben beymessenM, ^ so giebt es auf der Rord-Ost-Scite kein Meer, fon- Lern dieses veste Land erstreckt sich biß in America; ch" jedoch glaube ich, daß ich irn Stande bin, durch kräff- D tige Ursachen darzuchun, daß es ihrer Meynung an ^ Wahrscheinligkeit fehlet. Als wir das Moscowitische Reich betreten, so hat-- ^ ten wir, vor Ankunfft in eine Stadt von Wichtig- -M keit, nur eine eintzige Anmerckung zu machen: nehm- M sich daß alle Ströme, die nach Osten lausten, sich in Hei den grossen Fluß jsmour, oder Osmour ergießen, wel- cher, seinem natürlichen Lauff nach, seine Wasser in Är Las Orientalische Meer oder in den Chinesischen K Oce-M führen muß. Man schwatzt uns vor, daß W der Mund dieses entsetzlichen Flusses durch eine Art W» von Rohr, von einer erschröcklichen Grösft, so drey M S6)uhe dick, und mehr als zwantzig hoch, verstopft M wird. Um aber hiervon meine Meynung steh zu ^ sagen, so glaube ich, daß es ein Mährlein ist, so mm» «lij zur Lust erfunden hat. Die Schifffahrt nach selbst M« Her Seiteist schlechterdings unnütz, weil es da nicht die geringste Handlung giebt: das gantze Land, ^ durch welches d ieser Strom fleußt, wird von Tartam bewohnt, welche sich auf nichts anders als auf die Viehzucht legen: verfolglich stehet nicht zu vernE chen,daßder bloseVorwitz jemahls eine Person be- ^ weget habe/ diesen Fluß hinab zu fahren, oder durch ^ kobinlon Orulos. '^, 1 . ^,1 Ik- Z9r dessen Mund hinan zugehen, daß sie uns darvon einige Nachricht habe geben können. Diesem nach bleibt es offenbar, daß, indem er nach Osten läufst und .so viel andere Ströme mit sich nimmt, selbiger auf jener Seite sich in den Ocean ergießen muß. EinigeMeilen aufder Nord-Seite diesesStroms, giebt es viele ansehnliche Flüsse, die ihren Laufseben so gerade nach Mitternacht, als der ftmour seinen gegen Morgen hat. Selbige Wessen alle in den grossen Fluß isllgr, welcher seinen Nahmen den Tar- tam, so am alleweitesten gegen Mitternacht, wohnen und dieTartarnvon kiongui heißen, gegeben hat,so da,nach der Chineser Meynung, die ältesten unter den mancherley Völckern sind, die eben diesen Nahmen führen, und welchen von unsern OeuZra- pkm oder Erdbeschreibern der in H. Schüfst bekannte Nahme, OoZ und beygeleget wird. Indem nun alle diese Flüsse ihren Laufs nach Norden nehmen, wie ich gedacht habe, so beweisen fie offenbarlich, daß das Land, davon ich rede, ebenfalls den Nördlichen Ocean auf selbiger Seite zu seinen Gränhen haben muß; daher es also nicht vermuthlich ist, daß sich dieses veste Land von selbiger Seite biß in America erstrecken könne, und daß nicht der Mitternächtige Ocean an den Morgenlandischen stoßen solle. Ich habe mich aus keiner andern Ursache über diesen Punct so weitlaufftig erzeiget, als weil ich damals Gelegenheit hatte, diese OVLl vseion zu machen, welche gewißlich allzu cm ieus ist, als daß sie mit Stillschweigen Übergängen werden folte. Von dem Fluß ärguna gicngen wir mit kleinen Tage-Reisen strl nach dem mittlern Theil von Mo- Bb 4 stau, zyr Leben des EttZellanders scau, und waren Sr. Czaarischen Majestät höchlich ^ verbunden, daß sie Vorsorge getragenund in selbigen ^ Landern so viel Städte bauen lassen, als man deren ^ hat dahin bringen können, wie nicht weniger, daß sie ^ in solche Besatzungen gelegt, die man mit den mN»;. W bus iigrionariis , welche vor Zeiten die Römer zu Si- ^ cherheit der Handlung und Beqvemlichkeit der Rei- ^ senden an die entlegensten Oerter ihres Reichssahten, D vergleichen könte. In allen diesen Städten, so wir D in grosser Menge antraffcn, waren die (-ou verneur, riit und Soldaten alle Russen und Christen. Die Ein» M wohner des Landes hingegen waren Heyden, welche den Götzen opffemn, und die Sonne, den Mond- die Sterne, und das gantze Himmcls-Heer, wie die-H. AÄ Schrifft sagt, anbeteten. Ja ich kan gar bezeugen, daß es die allcrbarbarischsten unter allen Heyden « waren, so ich auf meinen Reisen angetroffen, nur ausgenommen, daß sie kein Menschen-Fleisch, wie die ij ch Wilden in America, zu ihrer Speise gebrauchten. iN Wir sahen einige Exempel ihrer Grausamkeit zwi- U schen ^rZun». und einer Stadt, die so wohl von Tar- W tarn als Moscowitcrn bewohnet wird, und diort. -inslcoy heißt. Sie liegt in einer grossen Wüste, die wir erst in zwanhig Tage-Reisen durchziehen tonten. Als wir nun in einem mit dieser Stadt benachbarten W Dorffangelanget,war ich curiös in selbiges zu gehen; die Lebens - Art dieser Leute ist erschröcklich-viehisch: W Sie sollen selbigen Tag ein grosses Opffer verrichten: ^ Da sahe man auf dem Stamm eines alten Baums ein Göhen-Bild, wel6)es die allerentsctzlichste Figur ^ vorstellte, und wenn man den Teuffel auf die aller- furchtsamste und heßlichste Art abmahlen wolle, ss kobinlov Lrutoe. Z9Z könte man sich nimmermehr nach einem bessern Muster richten. Das Haupt dieser schönen Gottheit sahe keinem Thicr-Kopff gleich, so mir jemahls vorgekommen/oder von welchem ich die geringste Vorbildung haben möchte. Ihre Ohren waren so groß alsBocks-Hörner, die AUgen gaben keinem Thaler an Grösse etwas nach, und die Nase sahe dem Horn eines Widders ganh gleich, der Rachen aber kam eines Löwen feinem vollkommen bey, neben dem befanden sich in diesem gekrümmte Zähne, welche auf das schrecklichste aussahen, als man sich nur einbilden mag. Sie war auf so eine Art gekleidet, welche mit ihrer abscheulichen Gestaltgänhlich überein kam. Deren Leib war mit einem Schaaf-Fell, davon die Wolle heraus gekehrt, bedeckt, und hatte auf dem Haupt eine Tartarische Mühe, mit zwey grossen Hörnern bewaffnet; Ihre Höhe belieff sich ungefähr auf acht Schuhe, und es war nur ein Bildniß von halben Leibe ohne Armen und Beine. Diese ungeheure Statue war ausser dem Dorff aufgerichtet, und wie ich hinzu nahete, sahe ich vor des- selben sechzehen oder siebenzehen menschliche Creatu- ^ rm liegen: ich kan nicht sagen, ob es Männer oder 5^ Weiber waren, denn sie unterscheiden die Geschlechte ^ durch die Kleidung ganh und gar nicht. Selbige la- <.1 sm alle mit dem Gesicht auf der Erden ausgestreckt, diese heßliche Gottheit zu verehren, und blieben da ss A gar unbeweglich, daß ich anfänglich glaubte,sie wären > A aus eben der Materie, daraus der Götze gemacht, ver- fertiget worden. Um nun dieses gewiß zu erfahren, wolle ich näher hinzutreten, allein ich sahe sie plötzlich in der grösten Eil aufstehen, darauf fiengen sie wie die Bb 5 großen z 94 Leben des EttZellättdeks ^7 grossen Hunde, aufdas allerentsehlichste an zu heulen, Ä und giengcn alle darvon,als wenn sie voller Verzweif- ! fclung wären, daß man sie jn ihrer Andacht gestöret ' i«- hätte. - Nicht weit von dem Götzen sahe ich eine Gattung Hütten, so gantz von gedörrten Küh-Häuten und ^ Schaaf-Fellen bereitet war, in deren Thür erblickte ich drey Männer, welche ich vor nichts anders als Fleischer halten konte. Sie hatten grosse Messerin - ^ der Hand, und ich sahe mitten in diesem Gezelt drey A Schöpse und einen jungen Stier geschlachtet liegen. ^ Es ist wahrscheinlich, daß selbiges Qpffer waren, die ^ man diesem höltzernen Ungeheuer geschlachtet hatte, ^ daß diese drey Barbaren die Priester und Opfferer ^ vorstellten, und daß diesiebenzehen, so ich in ihrer an- H Lächtigen Verzückung gestöret, diejenigen waren,wel- -"st ehe die Opffer gebracht hatten sich ihren Abgott gna- '.L-' dig zu machen. M Ich gestehe, daß mir ihr grober Götzen-Dienst Kr mehr als sonst etwas dergleichen, so ich jemahls gese- hen, mißfiel. Ich ward im höchsten Grad betrübt, «L indem ich sahe,daß das fürtrefflichste GeschöpffGOk- tes, welchem er bey der Erschaffung so grosse Vorthei- le verändern Thieren gegeben,dem er eine vernünffti- ÄU ge Seele verliehen, so da fähig ihren Schöpfferzueh- ren, und sich dadurch die allerherrlichsten Wohlthaten r,«- zuwege zu bringen, dergestalt aus der Art schlug, daß itz c solches vor einem Nichts, das es selber erschrecklich ^ gemacht, niederfiel. Mein Schmertz war überaus 4^ groß, wie ich diesen unwürdigen und unziemlichen Dienst, als eine blosse Würckung der Unwissenheit betrachtete, welche det Teuffcl selbst in eine höllische ^ Robinson Orukoe. lV lW :?»! Dj :w W Z^7 Macht verändert hätte/ um sich dieTreue und Anbe-» tung/ so er der Gottheit mißgönnt/und die solcher allem gebühret, zuzueignen. Ob nun wohl der Irrthum dieser armen Leute ss niederträchtig und ss viehisch war, daß es scheinet aP wenn dieNatur selbst einen Greuel davor haben sötte) so befand man sie doch dem ungeachtet würcklich davon eingenommen. Ich sahe hiervon unstreitige Proben mit meinen Augen , und es war mir auf keine Weise möglich daran zu zweiffeln. Bey dieser Gemüths-Beschaffenheit verwandelte sich meine Be- stürtzung aufgewisse Masse in Zorn und Raserey; ich rannte mit meinem Pferd nach selbiger Seite zu/ und hieb des Ungeheuers Mütze mit dem Säbel entzwey, da mittler Zeit einer von unsern Leuten das Schaaf- Fell anpackte^ und solches diesem abscheulichen Götzen vom Leibe riß. Diese Würckung unsers Eifers brachte noch selbigen Augenblick in dem gantzen Dorff ein entsetzliches Geschrey zuwege / und bald drauff sahe ich mich mit zwey oder drey hundert Einwohnern umgeben, aus deren Mitte ich mit vollem Galop darvon ritte, weil ich innen ward, daß sie sich mit Bogen und Pfeilen bewehrt hatten, doch behielt ich dabey den vesten Vorsah, das teuffelische ObMum ihrer schändlichen Anbetung noch einmahl heimzusuchen. Unsere esr-ivZns blieb drey Tage in der Stadt, welche von besagtem Dorffnur vier Englische Meilen entfernet lag. Selbige war willens sich daselbst mit einigen Pferden zu versehen, um derjenigen Stelle wieder zu ersetzen, welche zum Theil gestorben, theils auch wegen der bösen Strassen und grossen und langen Z 96 Leben des Engelländers gen Tage-Reisen, so wir durch die letzte Wüste zurück ü gelegt, lahm geworden waren. Diese Verzögerung gab mir Zeit meinen Anschlag , L in vollbringen: ich offenbarte solchen dem Schvtti- 2 schin Kauffmann von Moscau, welcher mir überzeu- H gende Proben seines tapffern Muths gegeben hatte. ^ Nachdem ich ihm nun berichtet, was ich gesehen, und M mit was für Zorn ich eine so abscheuliche Würckung , der Verderbmß, darein die menschliche Natur Versal- U len könte, betrachtet hätte, sagte ich zu ihm, daß, wenn ^ ich nur vier oder fünff beherhte und wohlbewehrtr V Männer antreffen könte, ich Vorhabens wäre diesen ^ greulichen Götzen zu zerstören, und dadurch seinen An- ^ betern klärlich zuzeigen, daß, indem er untüchtig wäre E sich selbst zu schützen, es selbigem unmöglich fiele den- jenigen, so ihr Gebet zu ihm richteten, and sich dessen M Schuh durch ihre Opffer zuwege bringen wollen, den B geringsten Beystand zu leisten. D Er lachte mich aus und sagte zu mir, daß mein G- fer wohl einen guten Grund haben könte, ich dürfftt W aber vernünfftiger Weise nicht die geringste Fruchi AM davon erwamn, auch vermöchte er meinen Zwcckgar M nicht zu begreiffen. " Mein Zweck,antwortete ich Ä ^ ihm, ist die Ehre GOttes zu rächen, welcher, so zu «!„> " sagen,durch diesen höllischen Götzen-Dienst Gewalt G "angethan wird. Allem, versatzteer, wie wollet ihr dadurch die Ehre der Gottheit räche«, ^ wenn diese unseeligeMenschen euer Absehe« ^ nicht begreiffen können, und ihr dabey nicht im Stande seyd ihnen solche, weil ihr deren Sprache nicht verstehet, genugsrm zu erkla- ren; und wenn ihr auch gleich fähig wäret ihnen Lobinion LruLe- 397 l-r, «K ch. !S W « ::ä SÄ u» :Ii» L-- j"» -2 ihnen darvon einige Vorbildung beyzubringen, so würdet ihr doch dabey nichts anders als wichtige Schläge gewinnen, denn es sind resolrurte Leute, zumahl wenn es die Noth erfordert, daß sie diejenigen Dinge, so ihren Aberglauben betreffen, vertheidigen müssen. »Wirkämen dieses bey Nacht verrichten, sagte «ich zu ihm, und ihnen die Ursachen unsers Verfahrens schrifftlich hinterlassen. „ Es ist w shl gegeben, antwortete er mir: mein lieber Freund, chr müßt wissen, daß unter fünff^ anyenVöl- ckern dieser Tartarn niemand ist, der da wisse, was ein Buchstab sey, oder der ein einyiges Wort in semer eigenen Sprache lesen könne. »Ich habe Mitleiden mit ihrer Unwissenheit, ver- » sagte ich, nichts destowenigcr aber habe ich grosse " Lust meinen Anschlag ins Merck zu sehen: vielleicht » wird sie die Natur, so verderbt auch solche bey ihnen -ist,selbst bewegen, daß sie hieraus schließen können, »wie weit sie sich vergehen, mLem sie ihren Gottes- « dienst auf ein so verächtliches Ding richten. -Höret doch, mein Herr, sagte er zu mir, wenn euch euer Eifer zu diesem Unternehmen mir so heffrigen Nachdruck antreibet, so glaube ich, daß ihr in euerm Gewissen verbunden seyd, dasselbe zu vollziehen; Jedoch bitte ich euch, betrachtet, daß diese wilde Nationen durch Gewalt der Waffen des lNostowiti- schen Czaaren Reich unrerworffen worden. Wenn euch nun euer Anschlag geräth,so werden sie nicht unterlassen sich bey tausendenzu diorr Z98 Leben des Engelländers ^ Korrrinslcvy bey dem Gouverneur deswegen Ä zu beklagen, und Sarisfacrion darvor zu be» ^ «ehren. Ist er aber nicht im Stande chne^ Ä solche zu geben, so will ich zehen gegen einen M Thaler wetten, daß ste einen allgemeinen Aufstand erregen werden, und also kämet ihr Ursach an einem blutigen Ariege sevn, den Gerne Lzaarische Majestät wider alle Tar- tarn führen müste. ^ Diese Betrachtung stillere einige Augenblicke die ? Hefftigkeit meines Eifers, allein bald hernach trieb 7^ mich dieser wieder eben so hefftig als zuvor an, er« ^ wähntes Gätzen-Bild zu zerstören, und dieser Gedan- cke gieng mir den gantzen Tag im Kopff herum. ^ Aufden Abend traff mich der Schottische Kauff- ^ mann ungefähr an, als ich vor der Stadt spahieren M gieng; und nachdem er mich auf die Seite gezogen, ^ sagte er zu mir: Ich zweiffele nicht, ich werde M euch von euerm gottseligen Vorsatz abwen- ' Dig gemacht haben; iedoch gestehe ich, daß M ich mich nicht enthalten können daran mit W Fleiß zu dencken, und daß ich vor dieser schändlichen Abgötterey nicht weniger einen Greuel als ihr habe. "Aufrichtig mit euch zu re« ^ "den, antwortete ich ihm,so ist es euch zwar gelun« - Ä "gen, mich von der übereilten Vollziehung meines "Anschlags abzuhalten ; allein ich habe solchen stets "in meinem Sinn, und ich glaube vest,daß ichdensel« ^ «'den,wenn es möglich ist,zuWerck richten will, ehe ich M "von diesem Ort weggehe, wenn ich auch gleich diesen iG, "Barbarn ausgebessert werden solle ihren Grimm W ''ju stillen. Nein, nein, antwortete er mir, aufdie- tz-y kobmlon Lruloe. uobinion l^rutoe. Z9Z sed Seite ist nichts zu fürchten: es würde kei- j neNorh haben, daß euch der Gouverneurih- ^ rer Raserey übergäbe: gestalt er außer dem ^ > aufgewisse Masse euer Mörder seyn würde. ' «Was meynet ihr aber wohl, wie diese Buben mit «mir umgehen würden? sagte ich zu ihm. Ich will euch sagen, gab er zur Antwort, wie sie mir einem armen Russen, der ihnen bey ihrem schändlichen Götzendienst Verdruß, wie ihr zuthun geneigt, erweckt hatte, umgegangen sind. Nachdem sie denselben mit einem pfeik gelährnet, damit sie ihn zur Flucht untüchtig machen möchten, zogen sie ihn gany nackend aus, sayten denselbigen auf ihren Götzen,und nachdem sie ihn allenthalben umringet schoß sen sie so viel Pfeile in dessen Leib, daß er so» stachelicht wie einiget davon aussähe; nach diesem steckten sie alle diese Pfeile mit Feuer an, und opfferren denselben ihrer Gottheit wie ein Brand - Gpffer. War es eben der Götze, sagte ich zu ihm: Ja, antwortete er mir, es war eben der. Darauf crzehlte ich ihm die Geschieht von demjenigen, was meinen Engelländern in KtsgzSLscsr begegnet wäre, welche die Ermordung eines ihrer Cameradcn zu beftraffen eine gantze Stadt geplündert und alle Einwohner niedergemacht hatten, sagte ihm auch, daß man es denen aus diesem greulichen Dorfs eben schwachen, und den Tod deffelbigen armen Christen rächen müßte. Er horte meine Erzehlung sehr aufmercksam an, wie er aber vernahm, daß ich sagte, man müßte mit x-, den Leuten aus diesem Dorff eben so umgehen, so sprach 4os Leben des Engelländers ^ sprach er zu mir, daß ich michsel-rbetrögeTwemUch ^ glaubte, daß gedachte Sache allda vorgegangen wä- ^ re; sondern dieses hatte sich mehr als hundert Engii-, ^ sehe Meilen von ermeldtem Dorff begeben, und die - v Leute aus dem Lande pflegten ihren Götzen unter der ^ gantzen Nation herum zu schleppen. "Nun wohlan, > -antwortete ich ihm, so muß denn der Götze selbst "wegen dieses graujamen Mords gestrafft werden, "und das soll gewiß geschehen, wenn mich der Am« -mel nur biß morgen frühe leben läßt." Kurtz, als er sahe, daß ich schlechterdings entschlossen'^ war, meinem Vorsatz zu folgen, so sagte er zu mir, ^ daß ich dieses nicht allein vollziehen würde, ^ immassen er mit mir gehen, und zum drittens Mann einen von seinen Lands-Leuten einen sehr be« -sv hechten Menschen mitnehmen wolte: er hieß densel- ^ den den Lspicsme kickzräion, und versicherte mich, E daß solcher nicht weniger Abscheu als ich vor dcrgleü M chen Gewohnheiten hätte, welche so teuffelisch als derM Tartarn ihre wären. Er führte selbigen zu mir, und ich erzehlte ihm umständlich, was ich gesehen und wo- zu ich mich entschlossen hätte. Darauf nahmen wir k uns vor alle drey ganh allein dahin zu gehen,weil mein ^ Consorte, dem ich solches angetragen, nicht vor gut be« A: funden mit dabey zu seyn. Er hatte mir gesagt, daß er K allezeit bereit seyn würde mir beyzubringen, wenn es si« nöthig wäre mein Leben zu vertheidigen, allein ein sol- ches Unternehmen stände ihm keines weges an. Die« semnach sotten nur wa drey und mein Knecht dabey ^ seyn, und wir beschlossen unsern Anschlag nicht ehe als ^ um Mitternacht zu vollziehen, und solches mit aller er- sinnlichen Vorsicht und Verschwiegenheit anzufan« ^ gen. H -iltz, IN, AN ,-I W :',ü !Ü> :^- -Äk ' ^ kobwlon Eruloe. ^ol gen. Doch als wir die Sache reiflicher überlegten, befanden wir vor gut biß ausfolgende Nacht zu warten/ weil so denn die c^vans den Morgen nach dieser Verrichtung abreisen solle. Welches den Gouverneur hindern würde diesen Barbarn mit unsern Schaden 6-tix5-äic>n zugeben, weil wir alsdenn seiner Botmäßigkeit schon entgangen waren, , Der Schottische Kauffmann, welcher in seinem Entschluß so beständig als bey dessen Vollziehung bedeckt war, brachte mir ein Tartärisch Kleid von CchaafFcllen gemacht - wie auch eine Mütze, samt Bogen Und Pfeilen. Er versähe sich und seinen Ca- meraden ebenfalls damit, auf daß diejenigen, so uns sähen , niemahls wissen tönten, was wir für Leute wären. Am übrigen brachten wir diese gantze Nacht zu, allerhand von brennenden Materien zusammen gesetzte Sachen zu verfertigen, als von Stück-Pulver, Wein-Geist, und andern dergleichen Dingen, Hiermit versahen tvir uns nun in der Nacht, die zu diesem ilmernehmen bestimmt war, Nahmen auch einen Topff voll Hartz mit Uns, Und giengen Ungefähr eint Stunde nachblntergang der' Sonnen aus derStadt. , Es mochte wohl eilffUhr seyn, wie wir an besagten Ort ankamen, ohne daß wir metckeN kottten, daß das Volck im allergeringsten vor seinen Götzen besorgt wäre, Der Himmel wär mit Wolcken bedeckt,nichts desiowenigcrgab uns der Mond soviel Schein, daß wir sehen tonten,daß der Götze noch eben an dem Ort, Und in eben der Positur stunde, wie ich selbigen zuvor gesehen Hütte. Die Leute jm Dorff schließen alle ausgenommen in dem Gezelt, wo ich drey Priester, so u. Theil. Ee ich 4 sr Leben desEugelländers ich anfänglich vor drey Fleischer angesehenchmenM worden: wir hörten da funff oder sechs Personen '- mit einander reden; daraus urtheilten wir/ daß,wenn wir Feuer an diese hölherne Gottheit legten, es nicht fehlen dürffte, man würde auf uns zu kauften deren ^ Zerstörung zu hindern / welches uns in äusserste Ver- ^ wirrung setzen könte. Einmahl beschlossen wir solches ^ Bild wegzutragen und anderwärts zu verbrennen, B- allein da wir anfangen wollen, dasselbe anzugreiffen, ^ befanden wir es so gar schwer, daß wir allerdings ge- ^ nöthigt wurden, auf ein ander Mittel zu dencken. > Der L3pic3me k.ick3räLon war der Meynung, wir Ä sotten die Hütte mit Feuer anstecken, und die Tar- tarn umbringen nachdem sie heraus giengen,allein ich LZ willigte darein nicht, sondern war der Meynung, M Laß wir niemand todten müstcn, wenn wir es könten Ltz überhoben seyn. Wohlan, sprach darauf der :iM Schottische Kauffmann, ich will euch sagen,was ch zu thun ist, wir wollen uns bemühen selbige Wn Zefangen zu nehmen, ihnen die Hände auf «I den Rücken zu binden, und ste zu zwingen, ^iß daß ste bey der Zerstörung ihres schändlichen e-tz Abgotts Zuschauer abgeben müßen. ZuM ^ tem Glück hatten wir noch einen ziemlichen Theil von eben dem Strick, dessen wir uns das Feuerwerk Atz damit zusammen zubinden bedienet hatten, welches ^ uns denn zu dem Entschluß brachte, die Leute in der H, Hürte alsofort, mit so wenig Lerm, als ermöglich wn- re, anzufallen. Den Anfang machten wir dabey, ^ daß wir an die Thür pochten, welches uns eben so M ützj riech, wie wir gehofft hatten: Denncincrvon ihren ^ Priestern kam und machte auf, denselben packten wer ^ Robin 5 oa?ruloe. 42z gleich an, thaten ihm ein Sperrholtz in den Mund, damit er nicht um Hülste rieff, hiernechft banden wir ihm die Hände, und führten ihn vor den Abgott, wo wir ihn auf die Erde legten, nachdem wir ihm die Füsse gleichermaßen mit Stricken zusammen gezogen hatten. Nach diesem traten zween von uns auf die Seite der Thür, und warteten biß jemand heraus gieng sich zu erkundigen , wo der erste hingekommen; wie sie sich aber mit diesem Warten betrogen sahen,klopfften sie gantz sacht von neuem an , weiches zwey andere veranlaßte an die Thür zu kommen, und wir gierigen eben so mit ihnen , als wie mit ihrem Ca- mcraden um: wir begleiteten sie alle viere biß bey dem Götzen, wo wir sie etwas von einander auf die Erde legten. Als wir zurück kamen, sahen wir zwey andere aus dem Gezelt treten, und noch einen dritten, der bey der Thür stehen blieb. Die beyden erstm faßten wir bey dem Kragen an, daher liess der dritte unter grossen Schreyen wieder zurück, allein der Schottische Kaussmann folgt ihm aufdem Fuß nach, und nachdem er eins von den zusammen-gesetzten Wercken, die wir gemacht hatten, zur Hand genommene. dasselbige angezündet,warsser es mitten unrer diejenigen, so noch übrig waren, weil es-nichts anders thäte, als daß es Rauch und Gestanck machte. Mittler Zeit hatte der andere Schottländer nebst meinem Knecht die beyden Tartarn schon einen an den andern gebunden, und führte selbige zu dem Götzen, damit sie sehen möchten, ob ihnen selbiger mit Hülss zu statten kommen würde, und nach diesem kamen sie beyderseits in vollem Lauff wieder zu uns. Cc r M 4L4 ^eben des Ettgelländers AlsdieArtvonNacketen,die wir in die Hüttege- W worffen, solche mit Rauch dergestalt angefüllt hatte/ > daß die armen unglücklichen Menschen beynahe da- > von erstickt waren, so warffen wir noch eine von einer I gantz andern Art hinein, welche alles helle wie ein Licht W machte; wir folgten sechiger nach, und fanden da nur I vier Personen, zwey Männer, wie wir glaubten, und D so viel Weiber, welche allem Ansehen nach mit den D Vorbereitungen zu einem ihrer teuffelischm Opffer D zu thun gehabt hatten. Sie schienen uns tödtlich er- « schrocken: siezitterten wie Espen-Laub,und derRauch hatte sie dergestalt dumm gemacht, daß sie nicht das geringste Wort zu sprechen im Stande waren. Wir nahmen und banden sie wie die andern mitst wenig Lermen als es möglich war,undeileken sie aus der Hütte zu bringen, weil wir selbst diesen dicken und stinckenden Rauch nicht länger crdulten komm; mit einem Wort wir legten sie zu ihren Cameraden vot ihren Abgott, und darauf griffen wir alsofort das Merck am Das erste, was wir thäten war, daß wir den Götzen und feine prächtige Kleidung mit einer guten Hu-mittät Hartz,und mit Schwefel-vcrmischten Unschlit bestrjchen, nach diesem füllten wir dessen Rachen, Augen und Ohren mit Stück-Pulver, machten ihm Racketen^ seine Mühe, und bedeckten ihn, st zu sagen, über unh über mit Feuerwerck. Um auch un- W ser Vorhaben noch leichter zu machen, erinnerte sich D mein Knecht, daß er bey dem Gezelt einen grosser > Haussen Heu undStroh gesehen, daher gieng er mi! W dem Schottischen Kauffmann dahin, und brachten N beyderseits so viel davon als ihnen möglich war. Als ^ nun solcher gestalt alles in Bereitschafft stand, banden wir kobinlon Lrukoa. ^_ 40 f Wir unsere Gefangene loß, nahmen ihnen die Sperrt hölher aus dem Munde, stellten sie ihrem ungeheuren Abgott gegen über/ und brannten ihn endlich an. Eine Viertel-Stunde gieng ungefähr vorbey ehe das Feuer das Pulver ergriffe, so wir demselben in den Rachen, in die Augen und Obren gethan hatten; wie es aber angieng, spaltete es fast das gantze Bild, und verstellte es dergestalt, daß nichts als ein unförmlicher Klumpe davon übrig blieb. Doch weil wir mit diesem Erfolg noch wenig zufrieden waren, so legten wir unser Stroh rund um selbigen herum, und nachdem wir uns nunmehro versichert hielten, daß er in gar kur- tzer Zeit durch das Feuer schlechterdings würde verzehret seyn, so fiengen wir an darauf zu dencken, wie Mir uns zurück begeben möchten; Mein der Schottische Kauffmann brachte uns auf andere Gedancken, indem er uns versicherte, daß, wenn wir fort giengen, alle diese arme Göhen-Diener sich in das Feuer stür- tzen würden um mit ihrem Abgott darinnen zu verbrennen. Wir entschlossen uns daher so lange da zu bleiben, biß daß das Stroh gäntzlich zu Aschen worden wäre. Den andern Morgen stellten wir uns unter unsern Reise-Gefährten sehr geschäfftig an, alles zum Abzug fertig zu machen, und niemand konte argwohnen, daß wir anderswo als in unsern Betten gewesen waren, weil nichts weniger als das Nacht-Lauffen natürlich ist, wenn man einen mühesamen Tag zuvor siehet. Allein die Sache blieb dabey nicht: den andern Tag hernach kam eine grosse Menge Volcks, nicht allein aus dem Dorff, sondern auch von allen umliegenden Oertern, vor die Stadt, und begehrten Abtrag Cc z wegen 4v6 Leben desEttgellättders wegen der Beleydigung, so man ihrenPrkstern^uch ^ ^ dem grossen K-rm-^Ki-l^unßu angethan; dieses ist der erschröckliche Nahme, den sie dem allerungcMe- - sien Abgott, so man im Heydenthum finden könne, ^ beylegten. Das Volck zu dü rründkoy gerieth also- ^ fort in eine sehr grosse Bestürhung über einer, so rm-> ^ vermutheten Besuch, welcher durch mehr als dreyßig tausend Personen bey ihnen abgeleget ward, sonder-- m lieh weil sie zuvor sahen, daß sich dieselben in wenig ^ Tagen biß auf hundert tausend Seelen vermehren würde. ^ Der Rußische 6ouvern eu,- schickte Leute zu ihnen, welche sich bemühen sotten dieselben zu stillen, und gab SK ihnen die besten Worte, die man ersinnen kan: Er R versicherte sie, daß er von dieser gantzen Sache schtech-- s terdings nichts wüste, und daß er versichert wäre, daß L diese gantze Nacht kein Soldat von der Besatzung M ausser der Stadt gewesen: daß diese Gewaltthätig- cktl keit gewißlich durch seine Leute nicht begangen wer- den, und daß er die Schuldigen exemplarisch straffen W wolte, falls sie ihm dieselben anzeigen könten. Sie M gaben hochmüthig zur Antwort, daß das ganhe Land -L daherum den grossen Lbsm-LKi-iKsung«, welcher in der Sonne wohnet, allzusehr verehre,als daß es deßen «g, Bild zerstören solte; daher könte diese Ubelthat nie- mand anders als ein ungläubiger Christ begangen ^ Haben, und damit sie davor gebührenden Abtrag er- ^ halten möchten, so kündigten sie ihm so wohl als allen ^ Russen den Krieg an,weil sie doch insgesamt nur Chr? ^ sien und Ungläubige wären. L ^ Der Gouverneur ließ sich von dem Zorn, welchen ^ eine so trotzige Rede bey ihm erweckte, nichts mercken, ^ d»ü LS S Ms e-k! kobinsyn Crusoe. ^ auf daß cr nicht Ursach seyn möchte an einem Friede us-Bruch mit diejen überwundenen Välckern, zumahl da ihm der Czaar befohlen mit selbigen gelinde und freundlich umzugehen. Dresemnach fuhr er immer fort dieselben aufeine sehr höfliche Art zu rrr- ü>ren , und damit er deren Unwillen von seiner Besatzung ablehnen möchte, sagte er zu ihnen, daß eben selbigen Morgen eine Caravans aus der Stadt gezogen wäre um nach Rußland zugehen: daß vielleicht einer von solchen Reisenden ihnen diesem Schimpfs angethan hätte, und daß cr Leute nachschicken und sich bemühen wolte, dasselbe zu erfahren, wann sie mit dieser Aufführung zufrieden seyn wollen. Dieser Vorschlag schiene sie ein wenig zu stillen, und damit ihnen der Oouvemeur sein Wort halten möchte, schickte er einige von seinen Leuten zu uns, welche uns alles umständlich berichteten, was alleweile vorgegangen wäre, auch uns zugleich beybrachte, daß, wenn jemand von der Caravaue zu diesem Aufstand Gelegenheit gegeben hätte, selbiger wohlthun würde, wenn er sich je eher je besser aus dem Staube machte: und also möchten wir Schuld Habenoder nicht, so würde es uns doch wohl zu statten kommen, wenn wir mit aller möglichen Geschwindigkeit unsern Zug beschleunigten, indessen wolle er nichts verabsäumen, diesen Barbaren die Mäuler zu schmieren , biß daß wir nichts weiter zu befürchten hatten. Dieses Verfahren des 6ouvernem-s war gewißlich sehr gütig, als man aber der gantzen Caravane davon Nachricht gab, so war da niemand, der das allergeringste von diesem gantzen -Handel wußte; und auf uns dachte man es gleich am allerwenigsten, so Cc4 gar Leben des Ettgellanders ^ gardaß man uns auch im geringsten nicht därmnh^ ftagte. Nichtsdestoweniger machte sich derjenige, ^ so damahls die Caxavane c-mwInssii-te,des6ouver- ^ neursRath dergestalt zu Nutz, daß wir zween Tage ^ und zwo Nächte, ohne fast nicht still zu halten, fort- ^ zogen um isrsvveng, eine andere Colonie des Mofco- ^ witischen Czaars, wo wir in Sicherheit wären, zu er? ^ reichen. Hier muß ich gedenchen, daß wir auf dem A dritten Marsch in eine grosse Wüste, die keinen Nah- H» wen hat, und von der ich an seinem Ort weitlauffugcr O reden will, kommen sollen. Wenn wir uns bey so ge« U > stalten Sachen härmen befunden hätten, so ist es sehr K ivahricheinlich,wie man gleich sehen wird, daß wir alle mjt einander umgekommen wären. Bey der andern Tage-Reise nach Zerstörung des ckt! Götzen-Bilds, kam sehr weit hinter uns ein dicker A« Staub zum Vorschein,dieses gab einigen von derCa; M ravaneAnlaß, zu glauben, daß wir verfolgt würden, W! Auch betrogen sich dieselben gar nichuWir fatzten uns che picht weit von der Wüste entfernet , und waren eben M vor einem grossen See, 8chsic8-oier genannt, vm W bey gegangen, als wir einen ftarcken Haussen Reute« Uß, rey,auf der andern Weite des Sees innen wurden, M welcher sich nach Norden zog, da wir indessen nach M - Westen reiseten. Wir waren hocherfreuet,daßsie «ßei aufeiner Seite des hingeritten,und wir uns hin- gegen zu unserm grossen Glück auf hie andere gewen« W det hatten, Zr "y Tage hernach sahen wir sie nicht mehr, denn weil sie sich eingebildet, sie folgten uns ^ stets gleichsam auf dem Fuß nach, so waren sie biß an ^ den Fluß Ocläa gegangen. Dieser, wenn er sich wei- W tergegen Norden erstrecket, ist sehr breit und sehr liess ^ ^ llobmson Lrukoe, ^29 aber an dem Ort ,wo wir ihn sahen, befindet er sich überaus schmal, auch kan man da leicht durch selbigen kommen. Um dritten Tage wurden sie ihresZrrthums innen, oder aber man berichtete ihnen den rechten Weg, den wir genommen, und da verfolgten sie uns mit aller ersinnlichen Geschwindigkeit; wir erblickten sie ungefähr bey Untergang der Sonnen, und hatten zum Glück zu unterm Lager einem solchen Ort erwählet, der sehr bequem war uns allda zu wehren. Wir befanden uns bey dem Eingang einer fünff bundert Englische Meilen langen Wüste, und wir komm zu unserer Sicherheit keine andere Stadt antreffen, als sgr-i vena. so noch zwey Tage-Reisen von uns läge; wir hatten an dem Ort/wo wir waren, viele kleine Hölhcr, und unser Lager war zum Glück in einer ziemlich engen Gegend, zwischen My Gebüschen, die zwar nicht weit gimgen, aber überaus dick waren, welches denn die Furcht, so wir vor einem feindlichen Anfall in eben der Nacht hatten, ein wenig minderte. Es fand sich, ohne uns vieren niemand unter dem Haussen, der da eigentlich wüste, warum wir verfolget würden ; gleichwie aber die Tartarn von Mon- gul die Wüste mit großen Trouppen zu durchstreif- fen pflegen, so machten sich die Caravanm jederzeit wider selbige als wider fliegende Räuber-Lager gefaßt, und also wunderten sich unsere Leute nicht, als sie sich von dieser Rcutcrey verfolgt sahen, Wsswarennicht allein zwischen zweyen Höltzexn csmffrt, sondern unser Vordertheil des Lagers befand sich auch mit einem kleinen Bach bedeckt, dergestalt, daß wir nur von hinten zu angegriffen werden Cc s kons 412 Leben des Ettgellästders ^ konten. Jedoch weil wir mit diesen natürlichen 4 Vortheilen unsers Posten noch nicht recht zufrieden ^ waren, so machten wir aus unserer ganhcn' ej- ^ nen Wall vor uns/ hinter welchen wir unsere Camee- le und Ps erde auf eme Reihe stellten/ und hinterwärts ^ bedecken wir uns mit umgehauenen Bäumen. ^ Wir hatten diese Art von Verschantzen noch nicht zu Ende gebracht / so waren uns dieTartarn schon über dem Hals. Sie griffen uns nicht gäheling, auch nicht wie Straffen-Räuber an / wie wir ge- M glaubt hatten; sondern sie schickten erst drey Abge- M ordnete zu uns/und liessen sagen, wir sollen ihnen die Mitthäter auslieffern, welche ihre Priester cmge- fallenMd ihren Gott mit Feuer «s verbrannt hätten, damit solche, ihre Ubelthat auszu- söhnen, ebenfalls durch die Flannnen verzehret wer- M den möchten; neben dem sagten sie zu uns, daß wenn W wir ihrem billigen Suchen statt gäben, so wollen sie »> sich zurück ziehen, und der übrigen Caravane nicht das geringste Leyd anthun; falls aber dieses nicht ge- rck schuhe, wollen sie uns alle, so viel unser wären, der- M brennen. . He Unsere Leute wurden über dieses Compliment sehr LH bestürht, sie sahen einander an, und wollen untersu- »r« chen, obsich nicht jemand durch seine Geberden ver- rathen würde, daß ihn dieser Handel besonders an- kne gienge. Allein derjenige, welcher es gethan hatte, G, hieß Niemand. Darauf ließ der Lnmmenll-mr von der Caravane die »spunden versichern, daß er ^ sich gewiß glaubte, daß sich die recht Schuldigen nicht M in unserm Lager befanden: Wir wären alle Kauff- leute von stillem Gemüth, und daß wir nur wegen der ^ 1 ".'^ Robinson drulöe.i __ ,,_ _ 4 " Geschäffte, so unsern Handel angrenzen, reifsten: wir hätten nicht einmahl dran gedacht, daß wir ihnen den geringsten Verdruß erwecken möchten; dahero würden sie wohl thun, wenn sie ihre Feinde anderwärts suchten, und uns nicht auf unserm Marsch beunruhigten, ausser dem aber wolten wir alle unsere Krässte dran strecken uns zu wehren, und es dahin zu bringen, daß sie ihr Unternehmen gereuen sollte. Sie glaubten diese vergnügliche Antwort so gar wenig, daß sie den andern Morgen mit Aufgang der Sonnen bey unserm Lager ankamen und in solches mitGewalt einbrechen wolten, allein da sie dessen eigentliche Beschaffenheit sahen,durfften sie nicht näher auf uns anrücken als nur von der andern Seite des Bachs,welcher unsern Vordertheil des Lagers bedeckte. Da hielten sie nun und sahten uns einest erstaunliche Menge Volcks vor Augen, daß der tapfferste unter uns darüber erschrack: Diejenigen, welche am bescheidensten davon urtheilten, hielten davor, daß ihrer zum allerwenigsten zehcn tausend wären. Nachdem sie uns einige Augenblicke betrachtet, fiengen sie abscheulich an zu heulen, und verfinsterten die Lufft mit einer grossen Pfeil-Wolcke. Zu gutem Glück waren wir wider dergleichen Ungewitter ziemlich wohl versorget: denn wir verbargen uns hinter unsere Waaren-Ballen, und wenn ich mich recht erinnere, ward kein einhiger von uns verwundet. Einige Zeit hernach sahen wir sie eine Bewegung nach der rechten Seite machen, und wir vermutheten, daß wir hinterwärts angefallen werden dürfften, als ein Cosacke von strsvena. der in Moscowitischen Diensten stand, und ein schlauer Putsche war, sich zu dem 4i r Leben des Engelländers ^ dem Commendanten von der CeWvane nähere, und zu ihm sagte, daß wenn es ihm beliebte, so getrauete er ? sich dieses ganße Lumpen-Gesinde nach Slbeiiicg zu schicken: Dieses wareine Stadt, welche mehr als fünffTage-Neisen Süd-wärts von uns entfernet lag. ? Indem nun gedachter Kerl innen ward, daß der Conu ^ mendant solches nicht mehr als gern sahe, so nahm er ^ seinen Bogen und Pfeile, und satzte sich zu Pferde. ^ Nachdem er also aufder Seite unsers Nachzugs von Ä uns abgegangen, so nahm er einen grossen Umweg, E" und begab sich, als ein Abgeschickter zu den Tartarn, ^ welcher hauptsächlich zu ihnen käme, und selbigen von ^ dem, was sie zu erfahren suchten, zulängliche Nach- O richt geben wolte, Diesemnach sagte er zu ihnen,daß E diejenigen, welche LKsm-LKi zerstöret hän ' ^ ten, mit einer Caravans von Ungläubigen nach 8ikeil- « Ica gegangen waren, mit dem Vorsah 8ckgl-!ür den Gott der Tartarn von ^soZur gleichergestalt zu ver- «A brennen. ' Wie nun dieser Kerl selbst eine Art von Tartarn ^ war, und ihre Sprache vollkommen gut redte, so rich- « tete er seine Erzehlung so wohl ein,daß sie derselben ehe W ne Schwierigkeit Glauben beymassen. Auch rann- Äh, ten sie noch selbigen Augenblick fort, was sie konten, G und drey Stunden drauff sahen wir keinen einhigen ^ mehr davon, hörten nicht weiter davon reden, und Äzz haben niemahls erfahren, ob sie biß nach Likeiikr ge- gangen sind, oder nicht. Nachdem wir uns dieser Gefahr entrissen, zöge« ^ wir sicher fort biß in die Stadt far-vena, wo es eine Atz Moscowitische Besatzung giebt , und da blieben wir ^ funffTage um von der Ermüdung, die uns auf unser« Kobivlon Oruloe. 4lz o> --.'I »kir letzten Tage-Reisen beschweret, wiederum auszuruhen, gestalt wir unter selbiger Zeit nicht so viel Weile gehabt, daß wir hätten ein Auge zuthun mögen. Vondargiengenwirabermahl in eine entsetzliche Müste,durch welche wir erst in drey und zwantzig Tagen gelangen tonten; wir hatten uns aber mit einigen Gezelten versehen, um die Nächte bequemer hinzubringen, ingleichen sechzehen Wägen aus dem Lande mit genommen, unser Wasser und Verrath an Le- bens-Mitteln nachzufühlen. Über diß hatten wir noch den Dienst darvon, daß sie uns des Nachts statt einer Verschalung dieneten, indem solche um unser Lager dergestalt gesetzt waren, daß, wem uns die Tartam, öhne eine uns allzusehr überlegene Anzahl,^ angegriffen - wir solche ohne Mühe hätten zurück treiben können« .. An dieser Wüste sahen wir eine grosse Menge von den Jägern, welche die gantze Welt mit den schönen Zobel-und Hermelin-Fellen versehen« Es sind meistens KionZu Ische Tartarn, und gar offt falten sie kleine Caravanen an; Allein unsere war kein Wildprer vor sie, auch haben wir niemahls gantze Haussen darvon gesehen« Ich hätte die Thiere, Venen sie diese kostbare Felle abziehen, gar zu gerne in Augenschein nehmen mögen , allein es war mir unmöglich meinen Zweck zu erreichen: denn diese Herren durfften sich zu uns nicht nahen, und von mir wäre es ein grosser Unverstand gewesen, wenn ich mich hatte von der Ca- ravane absondern und zu ihnen gehen wollen. Als wir aus dieser Wüste heraus kamen, giengen wir in ein Land, welches ziemlich Volckreich^ und, so tu sagen, mit Städten und Schlössern angefüllt war, dahin i q.i4 Leben des EttFelländers dahin der Czaar zu der Caravanen Sicherheit?» '' wohh als auch das Land wider die Streiffereyen der ^ Tartarn zu vertheidigen,Besatzungen gelegt hatte,ge- ^ statt ausser dem diese Gäste die Wege sehr gefährlich machen würden. Seine Czaarische Majestät haben '' ' den Gouverneurs dieser Oerter genaueBefehle erthei- let nichts zu verabsäumen,daß die Kauffleuteund Rei- sende aufder Strasse sicher seyn möchten; ja sie sol- D ten gar selbigen Convoyen von einer Vestung zur an- ^ dern geben, so bald sich das geringste Gerüchte von ei- nemTartarischen Einfall ausbreitet. s« Diesem Befehl zur Folge bot uns der Gouverneur von ^ainslcoy, welchem ich nebst dem Schottischen m Kauffmann, der ihn kannte, aufzuwarten die Ehre ^ hatte, eine Convoy von funfftzig Mann biß zur nähe- irr? sten Besatzung an, wenn wir g/aubten, daß auf dem ch Wege die geringste Gesa hr wäre. M ^ch hatte mir aufder gantzen Reise eingebildet,daß Al ie naher wir Europa kämen, ie höflicher würden wir m Die Leute, und ie Volck-reicher dieLänder finden,allein Ä ich hatte in beyden Stücken sehr geirret, weil wir noch H Durch der Tartarn von iunz;ur Land gehen musten, s, woselbst wir eben die Merckmahle eines barbarischen ^1 Heydenthums, ja wohl gröbere als diejenigen sahen, ^ welche uns vorhero so sehr vor den Kopssgestossenhal- ten. ZwarweilselbigedurchdieMoscowitergänh- ^ lich unter den Fuß gebracht, und besser als die andern itz im Zaum gehalten wurden, so waren sie weder so sie- velhafft, noch so gefährlich als die von kionZul, hinge- gen aber spürten wir klärlich, daß sie in Grobheit der ^ Manieren, in Götzendienst, und Menge der Abgötter, keinem barbarischen VM in der Welt etwas nach- L Robinson Crusoe. 41s '^i f gaben.^ Sie sind allesamt, so wohl als ihre Häuser mit Häuten von wilden Thieren bedeckt; und es ist nicht möglich einen Mann von einer Frauen durch die Kleidung oder Gestalt zu unterscheiden. Zur Win- ters-Zeit, wenn die Erde ganh mir Schnee bedeckt ist, halten sie sich an unterirrdischcn Oertern auf/welche in viele besondere Holen getheilet sind. Wenn die von Kionßui vor die ganhe Nation ihren ck3m-c,Ki-lii3unHu hatten, so verehrten diese in jedem Zelt und Keller gewisse Götzen. Über dißakles beteten sie die Sonne/die Sterne an, wie nicht wenigerden Schnee, das Wasser, mit einem Wort alles was ihrem Verstand eine wunderbare Sache vorstellte, und gleichwie ihre grobe Unwissenheit ihnen Anlaß giebt, daß sie allerwegen etwas erstaunliches antressen, so findet sich fast nichts, so mit ihren Opffern nicht beehret werde. ) Es wiederfuhr mir nichts besonders in diesem gan- hen weiten Land , dessen äusserste Gräntzen von der Wüste, deren ich letztens gedacht, über vier hundert Englische Meilen entfernet lagen. Die Helsste dieses Landes daneben so wohl als eine Wüste betrachtet werden : Massen wir genöthigt waren zwölffTage zu reisen, ohne daß wir weder Hauß, noch Baum an- ttaffen , auch musten wir unser Wasser und unsern ändern Vorrath bey uns führen. ^ Nachdem wir aus dieser Einöde endlich entkom- nien, langten wir in zwey Tage-Reisen in der Stadt Isnersy an, welche bey einem grossen Fluß eben dieses Nahmens liegt. Da sagte man uns, daß dieser Fluß Europa von Asien scheidet, mit welchem doch unsere iand-Chartm-Macher nicht öderem kommen. Jrr- desftn 4 l 6 Leben des Engellanders dessen ist das gewiß, daß er gegen Morqen demHi Siberien die Grantzen giebt, welches Land nur eine O Provinh von dem weiten Reich der Moscowiter ist vhnerächtet es gantz Teutschland an Grösse übertrifft! -D Ich habe befunden,daß in dieserProvintz dasHeydem thum und die viehischste Unwissenheit allenthalben, 'sti ausgenommen in den Rußischen Besatzungen, die sd Oberhand haben. Der gantze Strich Landes M- schen dem Strom Ovy, und dem Fluß ist mit eL Heyden beseht, und zwar mit solchen -Heydenchie eben so barbarisch, als die entlegensten Tartarn ,a als die >S unvernünfftigsten Wilden in Asien und AmekicS sind. lÜM Deswegen nahni ich Mir die Freyheit bey allen Kz. Moscowitischen Gouverneurs,mit welchen ich die Eh? M, zu sprechen hatte, zu. erinnern, daß, obwohl diese arme «E Heyden unter die Regierung einer Christlichen NasM trongehörten, solche dennoch deswegen nichts bereiLer^M waren das Christenthum anzunehmen. Sie gabH W mir fast alle zur Antwort, daß ich nicht unrecht IM allein es wäre eine Sache, die sie nicht angieiA Wenn der Lzaar, sagten sie, geneigt wäre seine Unterthanen in Siberien, r und kicnKul^ zu bekehren , so solre er zu dem Ende liche , und keine Soldaten dahin schicken; ^ weil er es aber auf eine andere Art angreifst, ^ so ist es Natürlich, daß unser Monarch Mehr ^ bedacht ist diese Völcker seinem Reich zu E rerwerffeN, als Christett daraus zu machest. ^ Von dem Fluß hnersy biß an den Oby, Mustek^ wir durch ein Land ziehen, welches einiger maßen M sie und angebauet da liegt; zwar ist dessen Bodens Kobialon Lruloe. 417 nicht unftuchtdar, oder zum Anbau untüchtig: es fehlt da an nichts,als an Einwohnern, und Geschicklichkeik. Wenn man es an sich selbst betrachtet, ist es ein sehe angenehmes und sehr fruchtbares Land; die wenigen Einwohner, so sich darinnen aufhalten, bestehen gäntzlich aus Heyden, wenn man diejenigen, so aus Rußland dahin geschickt werden, davon ausnimmt. Ach muß hier beyläussig anmercken, daß eben in das Land, so aufbeyden Seiten des oky liegt, dir Mosco- lvitischen Ubelthäter, welche nicht zum Tode verurteilet, ins Elend geschickt werden: und selbigen ist es ich nahe unmöglich, daß sie jemahl von dar entwischen können. Es begegnete mir inzwischen nichts, welches würdig wäre allhicr erzehlt zu werden, biß daß ich in der Haupt-Stadt in Siberien,i'obolslLi genannt, anlangte. Daselbst blieb ich eine ziemlich-langeZeitauS sagender Ursache: Wir hatten auf unserer Reife ungefähr sieben Monath zugebracht, und der Winter nähere mit grossen Schritten heran. Die Caravans jvlte nach Mvscau gehen, allein mein conkorre und ich ^sattenda nichts zuthun: wir trachteten nur einhkg nmd allein nach unserm Vaterland zu kommen, und -,Iese Betrachtung verdiente wohl, daß wir einen klei- ^ ten Rath besonders hielten. Zwar sagte man uns Wunder-Dinge von den Schlitten, so durch Renn- .. Thiere fortgezogen werde,und die Reisen, welche matt , mWinter unternimmt, so leicht und schnell machen: 's «ich weiß ich wohl daß dasjenige, was man uns da- -Idnberichtet,so erstaunlich es auch schiene, die pure l, ßutere Warheil war. Die Russen reifen dahcrlieber ' » Winter als im Sommer, weil sie m ihreftSchlrt- u. Theil. D» «tt 4i8 LebettdesEikgellanders ^ ten die Tage und Nächte mit aller ersinnlichen Be- ^ quemlichkeit hinbringen, da sie indessen einen unge-i^ mein-groffen Weg zurück legen. Das ganhe Land ist D- mit Schnee bedeckt, welchen die Kälte dermaßen ge--,"Umhättet, daß er aus den Flächen, den Gebürgen,den^ Flüssen und den Seen eine einige angenehme und ^ gleiche Ebene macht. Allein mit einer Reise von dieser Beschaffenheit M konte ich nichts gewinnen. Wenn ich nach Engel- V land gehen wolle, hatte ich nur zwey Wege zu liesst men. Ich konte mit der Caravane biß nach ssroMMV gehen, und von dar mich nach Westen wenden um-M dlLrva und den Finnländischen Meer-Busen zumesst chemVondar war mir es leichte zu Wasser oder znchi! Land nach Dantzig zu kommen, woselbst ichvielleichW Gelegenheit finden konte, meine Indianische Waa-H^ ren mit Vortheil loß zu werden. Oder aber ich mMO die Caravane in einer kleinen Stadt, so ander liegt, verlassen, weil ich von dar in sechs Tagen MK Wasser nach LrcksnZei komm, und von ietztgemeld-MH tem Ort nach Hamburg, nach Holland oder gar nachtz« Engelland gelangen konte. W Nun war es eben so thöricht auf eine oder die ande .- re von diesen Reisen im Winter zu dencken: Es fit unmöglich zur See nach Danhig zugehen, weildl^T Ost-See zu dieser Jahrs-Zeit stets gefroren, msschs wenn man zu Lande dahin gehen wollen, war es ebei-J so eine kützliche Sache,als wenn man in einerschlech -B tenGesellschafft mitten durch die Tartarn von^v^^ gulzu reisen sich unterstünde. Wäre ich hingegen ir O Monath OLiober nach ^rclisa^ei gekommen, so hässl ich alle Schiffe abgeseegelt, und dieStadt beynass wufi kobinlon Oulo-Ü Me gefunden, weil die Kauffleute, welche sich daselbst im Sommer aufhalten, gegen den Winter nach Moscau zu gehen pflegen. Und also würde ich Meine ungcmeine Kalte, und vielleicht auch einm ^großen Mangel anLcbens-Mitteln haben ausstehen ' -müßen, dabey das betrübte und unangenehme Leben , wegen ermangelnder Gesellschafft nicht einmahl ge- ' rechnet wird. Vcrfolglich war es besser die Caravans fahren zu lassen, und alle nöthige Anstalten zu machen, den Winter in der Haupt-Stadt in Siberien ^ hinzubringen, woselbst ich aufdrey wesentliche Dinge Staat machen konte: nehmlich aufdem Überfluß an Eebens-Mitteln,aufeine gute und warme Wohnung, samt Holh in der Menge, und endlich aufeine sehr gute Gchllschafft. Ich befand mich damahls in einer Gegend, welche von meines irrdischen Paradieses, meiner Jnsul ih- ?em ganh unterschieden war: angesehen ich allda nie- »mahlsKälte empfand, als unter wahrendem Schauder vomFieber; Ja ich hatte Mühe genug daselbst Mieder auf meinem Leibe zu dulten, u. machte mir da rein Feuer, als ausser dem Hause einige Speisen zurichten. Hier dagegen versähe ich mich vors erste M drey guten Camisölern, und einigen grossen Rö- cken/die mir biß auf die Füsse giengen, und deren Erziel biß auf das Gelenek an der Hand zugeknöpfft 'waren. Zudem ist auch zu mercken, daß man diese i verschiedene Gattungen von Kleidern insgesamt mit Mein Pelh-Werck gefüttert hatte. ' Um aber meine Wohnung warm zu machen, fleug es auf eine andere Art an, als wie man in Engel- l»nd thut, wo man in offene Camine , welche in iedes Dd - ZiW zrS Leben des Engelländees Zimmer gesetzt sind, Feuer macht, welches doch die Lufft eben so kalt läst, als sie zuvor war, so bald das Feuer ausgelöscht ist. Ich ließ nehmlich an einem B Ort, welcher der mittelste Theil von sechs verschiede -Bl nen Zimmern war,einen Camin sehen,so einem Pack- B Ofen gleich sahe; die Röhre,wodurch der Rauch hin- M aus ziehen solte, gieng auf eine Seite, und die Oeff- Z.A aung, daraus die Hitze kam, war gleich auf der Seite M gegen über: Hierdurch wurden alle Gemacher in glei- D cher Wärme erhalten, ohne daß man irgendswo das cht> Feuer innen ward,wie solches eben so in den EnK jchen Bädern zu sehen ist. Solcher gestalt waren meü W ne Zimmer stets warm, es mochte draussen so kalt seyn D als es wolle, und ich hatte niemahls keinen Verdruß Äs» von dem Rauch. M Was ich wegen der gutenGesellschafft vorgegeben, M die ich in einem barbarischen Lande, in einer von deiM allermitternächtlichsten Provrnhen vonMoscau an^D getroffen; ja meinem Lande,welches mit demEiß-Mj Meer benachbart, und nur einige Grad von Novr- ^ remblL entfemetist, dasselbigesoll wohl im Anfangs sehr ungläublich scheinen. , - Allein man wird demselben ohne Mühe Glauben ^ beymesscn, wenn man so gut seyn und sich erinnern will,daß ich gesagt habe,Siberien sey der Auffenthalt derjenigen,so etwas wider den MoscowitischenSmt verbrochen haben. Diesem nach muß dessen Haupt- ^ Stadt voll AdehQeuerals, grosse Herren,ja garPrill- hen seyn. Ich fand da den berühmten Printzen6sl-^ licrin, den alten Lenersl koboüiM, und viele anderes Personen von dem vornehmsten Stande,unter denen viele hohe v«men waren. kobinkon Lrusos. 4Lk Durch Vorschub des Schottischen Kauffmanns, welcher hier von mir scheiden musie, machte ich mit vielen von diesen Herrn/ja auch mit einigen von den Vornehmsten Bekanntschafft; Ich bekam von vielen angenehme Visiten/ welche viel beytrugen,daß mir die traurigen Abend-Stunden des Winters kurtz wurden, Als ich einsmahls mit dem Prinhen - - - - welcher vor diesem ein Staats-viimKer Sr. Czaari- sten Majestät gewesen, eine Unterredung hatte, so hörte ich denselben die wunderbarsten Dinge von der Hoheit, Herrligkeit, weiten Herrschafft,und unge- meffenen Gewalt seines Herrn, des Käysers von Groß-Reussen erzehlen. Ich fiel ihm aber in die Rede und sagte,daß ich vordiesemein weitunbeschränck- terMonarche gewesen, ob ich schon nicht eine so grosse Anzahl Unterthanen, noch ein eben so weitläuWges Reich besessen hätte. Diese Rede erweckte bey dem Rußischen Printzen eine grosse Verwunderung, welcher mich mit ungemciner Aufmcrcksamkeit ansähe und bat, daß ich ihm sagen möchte, ob dasjenige, was lch ihm so ernstlich vorsagte, einige Wahrheit in sich hielt. Ich versprach ihm, daß seine Verwunderung also- sm würde aufhören,wenn ich Zeit hätte mich dißfalls besser zu erklären, und dabey sagte ich zu ihm, daß ich ungemesiene Gewalt gehabt hätte, mit meiner Unterchanen Glück und Leben nach Gefallen zu handeln, und daß meiner unbeschränckten Macht ungeachtet keine Person in meinen Ländern zu finden gewesen, die mich nicht recht kindlich geliebet hätte. Er schüttelte den Kopffund gab mir zur Antwort, daß ich in dieftm Stück seinen. Herm den Czaar in Dd z der q.rr LebettdesEttgelländers ^ derThat weit übertreffen hätte.Das ist noch nicht alle!, gnasiger Herfalle Länder meines Aö- ^ ttigreichs waren mein eigen: alle meine Usr- ^ rerthanen besaßen dieselben nur als Pachter, ohne daß fte dazu gezwungen waren, und so ^ Viel sich deren da'hefanden, harren alle ihr Leben gewagt, üm das mehlige zu erhalt, n, ^ niemahls ist ein Fürff von seinem Vorc7 im- 'E brünjriger gelieber, und zu gleicher Zeit so sehr geehrer und gefürchtet worden. sck Nach dem i - nun solchen noch eineWeile mit die- B sen prächtigen Grill-n, so loch auf würckliche, wie« Ä wohl gar gering-schätzige Dinge gegründet, ausge- cö ^rlten hatte , legte ich ihm diese ganhe Sacke deut, Ä lichvor A.ugen, und beschrieb ihm alles umständlich, «e was mirm der Znsulbegegnet/ undaufwas Art ich m da meine Unterthanen regiert hätt;/mit einem Wort ch ich erstattete ihm hiervon eben den Bericht, welchen ch ich durch öffentlichen Druck bekannt gemacht habe. «. rch «sre leben könnten, Ich Lobinlon Oslos. 43 r Ich wunderte mich aber nicht mehr, so bald ich dem Prmtzen, dessen ich vielmal gedacht, meine Schwierigkeit vorgetragen hatte. Denn ergab mir folgendes zur Antwort. Man muß gleich anfangs den Grr wo wir find und hiernechst den Zustand betrachten, in welchem wir uns behuben. Mein Herr, wir ins Elend geschickte sind hier mir solchen-Schrancken umschloß sen, welche sich vielsiärcker befinden als eiserne Gitter und Riegel. Auf der Nord- Geire haben wir ein Ülleer, welches nicht kair befahren werden, und durch welches niemahls weder Schiff, noch Boot kommen mögen; und wenn wir auch gleich ein Schiff in unserer Gewalt hätten, so wüßten wir doch nicht auf welche Seite wir siegeln solren. In keiner andern Gegend können wir uns anders lUvSren als mitten durch einen Strich Landes von ungefähr drey hundert und viergig Meilen, so seiner Lzaari- schen Mawstät zustehet. Nun- ist da nicht möglich sich durch Abwege zu schleichen, sondern es ist schlechter Dings nöthig den Land-Gtrafsim zu folgen, welche die com- mLNtl-mren in den Vestüngen gebahnt haben/ und also durch Städte gehen, wo Rußische Blsagung liegt. Nähmen wir nun die ordentlichen 3Mege, so würden wir unfehlbar ertappt werden, wendeten wir uns aber auf Abwege, fo könre es nicht fehlen, wir müßten Hungers sterben. Derfolglich ist es klar, dasi man einen solchenAnsihlag ohne in die aller- gröste 4Z2 Leben desEngellandees ^ Fröste Thorheit zu verfallen, nicht mache» kam E Diese einhige Antwort legte mir das Stillschwch genaufund vergnügte mich völlige Selbige gab mir vollkommen zu erkennen, daß diese kelerch.en in den weiten FeldernSiberiens eben so wohl gefangen wä- ren,als wennmansiein diec'irrsUe kzuMoscauge- sperrt hätte. Doch hinderte mich diese Überzeugung keineswegs mir in Kopffzuseßen, daß ich im Stande E wäre diesen grossen Mann aus seiner betrübten Ein- l«: samkeitzureissen,jaich machte so gar schon Anschläge ^ deswegen, so gefährlich sie auch für mich selbst seyn W tonten. Einsmals fand ich Gelegenheit ihm auf Au den Abend meineGcdancken Aßfalls zu eröffnen,und ÄP selbigem den Vorschlag hiervon zu thun. Ich stellte Ä ihm vor,daß es mir sehr leicht wäre ihn mit mir zu neh- » men, weil er von niemand bewacht würde,und daß ich M beschlossen hätte nach ^ rck ngel und nicht nach Mo- W scau zugehen. Daß ich aufdiesem Wege Mit meinem LH Gefolge, wie eine kleine esra Zn- daher ziehen könre, sW und also nicht gehalten wäre bey den Rußischen Be- s«, i sahungen Nachtlager zu suchen; sondern daß ich alle Nacht, wo ich wolte auf dem Felde bleiben könts; daß ich ihn auf diese Art leicht nach krcliangei zu füh- rG ren im Stande wäre, woselbst ich ihn auf ein Engli- sches oder Holländisches Schiff in Sicherheit brin- gen, und ihn darauf mit mir in solche Länder nehmen ^ käme, dahin ihn niemand zu verfolgen bedacht seyn ^ würde. Ich versicherte ihn zugleich, daß ich ihn auf ^ der Reise mit allem was er bmöthigt wäre, versehen ^ wolte,biß daß er sich imStaM befände vor sich selbst M seinen Unterhalt zu haben. ^ Uwbmsö" Outos. 4ZZ Er ,wte mir aul grojstr Aufmerksamkeit zu, und mm der M.hen Zeit, da ich mir ihm redete, sahe er mich steijf an; ja ich konte aus allen seinen Geberden spüren, daß ihn dasjenige, was ich ihm sagte,in die al- lergewattsamste Bewegung satzte.Er veränderte alle Augenblick seine Farbe,bald schienen seine Augen leb- hchr,bald verloschen, und es harre das Ansehen als tvenn sein Hertz zwischen widerwärtigen >Ne6cn hin u. her schwebte.Und was noch mehr ist, so war' er nicht gleich imStande mir zu antworte, wie ich aufgehört hatte, und ich erwartete seine Antwort mit Uagedult. Nachdem er sich aber ein wenig erhöhst hatte, rieff tr i V)ie unglücklich rst der armen sterblichen ihr Zustand, wenn stestch nicht wider alle Gefährlichkeiten, die ihre schwache Tugend bedräuen,mit allem möglichen Fleiß in Sicherheit seyen! die Bezeugungen der aufrichtigsten Freundschaft können ihnen zu Fall-Stricken gedeyen, und in der allerbesten Absicht von der tVelt führt einer den andern in Versuchung. Mein werther Freund, fuhr er mit einer geruhigem Art fort, euer Anerbieten ist dergestalt von allem Eigennutz besreyer, daß ich die tVelr gar wenig kennen würde, wenn ich mich nicht darüber verwunderte,und daß ich der Undanckbar- ste unter den Menschen wäre, wenn ich nicht deswegen alle erstnnliche Erkänntlichkeit bey mir verspürte. Allein saget mir aufrichtig, habt ihr die Verachtung, welche ich gegen diewelr blicken lasten, ohne falsch gehalten; und daß ich euch das innerste memes n. Theil. Ee Hev- Leben des Eügellanders ^ --- - Heryens eröffnet habe, indem ich euch verlu d» «chert/daß ich mir in memem Lxiüo eineGlüch-^ ^ seeligkeir zuwege gebracht, die allMorrheile ' Ä übertraffe, welche man von dem hohen Än-'I^ sehen und dem Reichthum entlehnen kau Habt ihr mich für aufrichtig gehalten wenn M ich euch bezeuget, daß ich mich nicht wieder rn denGcheitt-gebettdcGrand,in welchem ich ^ mich vor diesem an dem Hofe meines Herrn ^ gesehen, von neuem versetzen lassen wolte?^ Habt Lhrmich vor einenredlichenMannge- hr- halten, oder habt ihr mich für einen von dre- M sen Heuchlern angesehen,welche Lhr llnglück M« zu ersetzen fälschlicher weise mit Gottes- ^ furcht undweißheitpralen? Hier schwieg er still, nicht zwar meine Antwort zu ^ erwarten,sondern weil ihn die hefftige Bewegung sei- jtch nes Hertzens abhielt weiter fortzufahren. Ich ver- ^ wunderte mich höchlich über die Meynungen dieses grossen Manns, und gleichwohl versäumte ich nichts v ihn zubewegen anders Sinns zu werden. ^ Ich ge-^f brauchte dabey einige LrK„menrg oder Gründe, da-^ mit ich ihn veranlassen möchte sich aus feinem betrüb ^ ten Zustand zu reisten; so bemühcte ich mich auch es ^ dah in zu bringen, daß er meinen Vor ich lag als ein> M Thür betrachtete, welche der Himmel seiner Frey- v hcit aufthat, und wie einen Befehl, den er von da M Göttlichen Vorsehung erhielte sich in einen angeueh- G mern Zustach zu sehen, und den andern Menschen « nützlich zu seyn. was wisset ihr, gab er mir M « Antwort, ob es nicht, statt eines Befehls W Göttlicher Vorsehung, vielmehr eine List H des Kobinlön trufos. 437 . 'D r!-; ves Satans ist, welcher, unter meiner Befreyung,Sev Seelen Sie Vorbildung einer grossen Glückseeligkeit darbietet, mich ins Ney zu bringen, und mich an bewegen vor mich selbst in dasVcrderbeu zu rcnnen?In meinem exilio bin ich frey von aller Versuchung wieder nach meiner elenden -Hoheit zu kehren, und wenn ich lost wäre, vielleicht würde mich der-Hochmuth, Scr Ehrgeiy, Sie Geld - Begierde, und Fleischcs-Lust von neuem hejstig verleiten. Da würde denn dieser glückseelige Gefangene, mitten in denAnnehmlichkeiccn eineräus- serlichen Freyheit, abermahl ein Sclave seiner Ginne» und ätleNen werden. Nein, nein, mein werther Herr, es ist besser, daß ich in meinem > x,!io vorn -Hofvcrban- net, und von, Laster bcfccyet bleibe, als daß ich mich, mir Verlust der Freyheit meiner Vernunft, und mit Entbehrung einer ewigen Glückseligkeit dieser weite» Einöde entziehen solre: Auf dieses immerwährende Vergnügen richte ich anieyo meine Augen, solches kante ich aber leichte aus dein Gesicht verlieren, wenn ich euer gütiges Erbieten annähme. Ich bin ein schwacher Mensch, weicher von Natur der Tyranney seiner Ge- müths-Neignngen umerworsscn ist: wendet mich demnach von meinem glückseeligen Mißtrauen nicht ab, und seyd nicht zu einer Zeit mein Freund,und mein Versucher. War ich bey dem vorigen Osscurs bestürtzt gewesen, so machte mich dieser ganh und gar stumm: Seine Seele stritte wider dessen Begierden, und wider die natürliche Neigung, vermöge deren iedev Mensch seine Bequemlichkeit suchet, mit so grosses Macht, daß, ob es gleich ungemein-kalt Wetter war, er dennoch über und über schwitzte. Indem ich nun sahe, daß es ihm sehr nöthig war sich zu beruhigen, sa sagte ich ihm mit wenig Worten, daß er wohl thun würde, diese Sache mit Weile, und aufcine stille Art ju überlegen, und darauf kehrte ich nach Hauß. Ungefähr zwey Stunden hernach hörte ich jemand 4Z6 Leben des Engelländees an meiner Kammer-Thür, und wie ich aufstand und solche aufmachen weite, überhub er mich der Mühe; M selbiges war NUN der Fürst selbst. Mein lieber Freund, sagte er zu mir, ihr hattet mich bey nahe überredet, allem M Sie fleißige Betrachtung ist mir zuHülffe gekommen, W, und ich habe mich wieder in meiner Meynung gang ^ und gar gestarcket; nehmet es nicht übel, ich bitte euch. M wenn ich ein so freundliches und von allem Eigennutz so entfernetes 2lnerbieten,al» das eurige ist, nicht annch-, M me, sondern dasselbe awsschlage, so geschiehet es nicht jWl aus Mangel der Erkenntlichkeit: ich bin nach aller M Möglichkeit davor danckbar, seyd es versichert. Ihr L werdet aber nicht begehren, daß ich mich unglücklich machen soll: ja ihr habt allzu viel Verstand, daß ihr E euch über den Sieg, welchen ich über mich selbst ZW erhalten , nicht erfreuen sollet. "Ich hoffe, "gnädigerHerr, gab ich ihm zur Antwort, daß «« «'sie völlig überzeugt sind, daß, indem sie den Vor- W « schlag, welchen ich ihnen thue, verwerffen, sie sich ge- W gen des Himmels-Stime nicht ungehorsam bezeigen, tz-i!« Mein-Herr, sagte er zu mir, wenn mir dieser Vorschlag Durch eine besondere Regierung der göttlichen Vorse- . . hung gethan worden, so würde mich auch eben eine sil- ^ che Regierung denselben anzunehmen gezwungen ha- W den, und verfolglich habe ich Ursache zu glauben, das IHM es aus Gehorsam gegen die Stimme des Himmels gc fchiehct, wenn ich einen, dem Ansehen nach, so Vortheil- hassten Vortrag ausschlage. Ihr werdet bald von mir scheiden, und wenn ihr mich nicht gany und gar frey verlasset,so werdet ihr mich doch als einen ehrlichen Und 'M frommen Mann zurück lassen, welcher sich wider seine Bc .Zierden mit einer weisen Vorsicht und einer klugen Furchcs- mkeit bewaffnet hat. Ich kvNte es nicht M derst machen, ich muste seinen weisen Entschluß gut ^ heißen, jedoch mit wiederhohlter Versicherung, daß mein Absehen bloß dahin gezielet,wie ich ihm dienen ? möchte. Darauf umarmte er mich auf eine sehr lieb- ' ^ Hübliikön dru/ve. 4ZA reiche und inbrünstige Art, und versicherte mich, daß er der Aufrichtigkeit meiner Absichten überzeuget wäre , und daß es ihm würde überaus lieb seyn, wenn er mir deswegen seine Erkenntlichkeit spüren lassen kön- lc. Um mir aber zu zeigen, daß seine Versicherungen aufrichtig waren, so prLtenrirte er mir ein vortreffliches Geschenck von Zobeln und andern kostbaren Aauch-Waaren. Es gieng mirschrvehrein, daß ich dasselbe von einem Mann, der sich in einem unglücklichen Zustand befände, annehmen solle; allein er wolle keine abschlägige Antwort haben, und damit ich ihn also nicht unwillig machen möchte, ward ich gezwungen, ein so herrlich anzunehmen. Den Tag hernach schickte ich meinem Knecht zu ihm mit einem H'ee - Gesehenes, welchem ich zwey r-: Glücken Damast aus China, und eimge kleine Japanische Gold-Srücken,die alle zusammen nicht sechs sinken wogen, beygefüget hatte; verfolglich fehlte 'viel daran, daß meine Verehrung derseinigen gleich kam: auch befand ich bey meiner Zurückkunfft nach Engelland, daß solche mehr als zwey hundert Pfund Sterlings werth war. Den i'Kce nahn: er an, ingleichen ein Stück Damast,und ein emhiges kleines Goldstück von Japanischen Gepräge, welches er ausser Zweiffel als eine 6u- "uiilät behielt; und indem er mir das übrige wieder > > zurück schickte,ließ er mir sagen, daß es ihm würde sehr H! lieb seyn, wenn er eine Unterredung Mit mir haben ! käme. Als er daraufzu mir gekommen, sagte er zu mir, daß ich wüste, was unter uns vorgegangen wäre, und daß er mich höchlich bäte, ihm nichts mehr davon zu sagen; Jedoch möchte er gerne.wisscn, ob ich, der ich Ee z ihm W Leben des Ettgellattdets ihm meine Dienste so großmüthig angeboten, auch E wohl gesinnet wäre eben dergleichen an einer Person M zu thun, die er mir nennen wolle, und deren Bestes er M gar sehr zu Herhen nähme. Ich antwortete ihm auf- richtig, daß ich wider mein Gewissen reden würde, wenn ich sagte, daß ich bereit wäre für einen andern eben so viel zu thun als für ihn, gegen den ich eine gross- M se Ehrerbietung benebst einer vollkommencnHochach- A-> tung bey mir verspürte. "Jedoch,fukr ich fort,wenn " sie wollen so gut seyn und mir dieselbigc Person neu- " nen, so will ich ihnen auftichtig antworten; Mßfällt ^ * ihnen alsdenn meine Antwort, so hoffe ich nichts de- ^ stoweniger, sie werden deswegen keine Ungnade auf " mich werffen." Daraufsagte er mir, daß es seinen ^ einigen Sohn beträffe, den ich niemahls gesehen, und «») welcher sich in eben dem Stand wie er befände. Sel- M big er wäre zwar über zwey hundert Englische Meilen /M voniokoisk-, entfernet, er wolre aber schon Mittel ^ finden, denselben kommen zu lassen, wenn ich geneigt ^ wäre, ihm diese Gunst zu erweisen. M Ich besann mich nicht einen Augenblick, sondern sagte zu z« ^ ihm, daß ich es von gantzem Hertzen zufrieden wäre,und «r Laß, weit ich ihm selbst nicht zeigen tönte, wie hoch ich ihn schätzte, so würde es mir sehr lieb seyn, wenn ich ihm in der Person seines Sohns einige Merckmahle davon geben tön, 1?. Den andern Tag schickte er Leute fort, den jungen Pri'w Heu abzuhohlen / und selbiger kam drey Wochen drauf an, j ^ riii brachte sechs Pferde mit,welche mit dem kostbarsten Peltz> Merck, dessen Werth sich gar hoch belieff, beladen waren. , ^ ^. Seine Knechte führten diePferde in die Stadt,und liessen ihren jungen Herrn unweit darvon bleiben, in der Nacht ^ aber kam er unbekannter Weise in mein Hauß/ und sein Ba- ^ ter brachte ihn zu mir. Noch selbigen Augenblick nahmen ' W Wir wegen unserer Reyse völlige Abrede, und richteten die henöthigttil Vorbereitungen dazu gebührend ein. ^ Kok'mion Autos. r. ^ ^ __ 4Z- Ich hatte in dieser Stadt einen Theil von meinen Indra, niscyen Waaren gegen eine gute craiontat Zobel,Herrmekin, sänvartze Füchse, und.ander kostbar Peltz-Werck vertauscht. Was ich dagegen gelieffert hatte, bestund in Muftaten-Nüs- sm undNägelein,un das übrige schaffte ich vollends zu ruck. ,agr> fort/woselbst ich es besser als zu LonSon lost ward- Diese Handlung gefiel meinem Lsnlortcu überaus wohl, denn er trachtete mehr nach Gewinn als ich,und zu dem war das com:ne,cwm mehr sein Merck als meines. Auch gmku» litte er sich sehr/daß wirken Entschluß gefast/so langem Si- bcrien zu bleiben, weil wir daselbst so gar ansehnlichen Verdienst gehabt hakten. Im Anfang des 1>inii rcysctc ich von dieser Stadt ab, West che von den gewöhnlichen Wegen der Handlung so weit entfernet liegt /daß sie wohl nicht viel Wesens in der Welt machen soll. Unsere Caravane war überaus klein, weil sie in als lern imr in dreyßig Pferden und Cameelen bestund. Alles dieses gieng unter meincmNahmcn,ob deren wohl eilffdrun- ter waren, die dem jungen Printzen als Eigenthums,Herrn zukamen. Indem ich nun eine so grosse Kgussage hatte, solle ich natürlicher Weise eine gute Anzahl Gesinde haben; verfolglich kante man desPcintzen Leute gar wohl für meine halten. Dieser Herr selbst nahm den Titul meines Hofmeisters an, welches vermuthlich Anlaß gab, mich für einen vornehmen Mann anzusehen, allein diese Eitelkeit kitzelte mich gar wenig. Wir muffen gleich Anfangs durch die gröstc und unange- mhmste Wüste / so ich auf dieser Reise angetroffen / gehen. Ich nenne solche sie unangenehmste Müsse, weil an vielen Orten derBoden marastig.und an manchen andern ungleich ist. Alles was uns dabey tröstete/ das war der Gedancke, daß wir von den räuberischen Tartarn nichts zu fürchten hätten, weil selbige niemahls, oder doch wenigstens gar selten über den ob/ grenzen- Allein wir fanden uns in selbiger Rechnung kein betrogen. Der junge Printz hatte einen sehr treuen Moscowittschen oder vielmehr Siberrschen Bedienten bey sich, welcher dassel- be gantze Land vollkommen wohl kannte, und uns daher» besondere Wege führte, um die Städte, welche aufdenLand- Ee 4 straffen 44^_ Le ben des E ttAelländers ^ straffen sind, zu vermeiden. als "I umm. 8o>/ xamdboviU Viele andere: Er wüste/daß die da befindliche Besatzungen d?a erhaltenen Befehl die Reffenden zu ex-miniren auf das allergenaueste beodachtetefi, um zu sehen, ob nicht ein Vor, nehmer von den Kevinen etwa rathe geworden, sich ume M-' andern Reysendeu in den mittlern Theil von.Moscau rr schleichen- Nach der Art wir nun unsere Sachen anstellten, waren Wir zwar dergleichen Untersuchungen nickt unterworffen- 1 »,°^ auf einer andern Seite aber sahen wir uns genöthigt die gantze Keys durch die Wüste zu rhun, und alle Nächic unte, unsern'^ezelten zu liegen, da wir hingegen - wenn wir durch die Städte gezogen waren alle ersinnliche Bequemlichkei! hätten gemessen können Der junge Printz merckte die Be- ndir-e schwerlichkeiten,darein mich meine Güte gegen ihm brachte jickA so wohl. daß er nur vlelinaht nicht vergönnen wolre das La Wk ger aufzuschlagen, bevor wir uns nahe bey einer Stadtbc «Mi fanden. Er selbst vergnügte sich alsdenn mit seinem treue, Diener in den Wäldern zu schlaffen und wußte uns an de> «tm Oertcrn, wo wir ihn zu erwarten Abrede genommen ,schv> Wieder anzutreffen ß « Wir kamen in Europa/ indem wir über den Fluß KM U gien ene welcher an diesem OttEuropam von Asien scheide, Die erste Europäische St -dt, welche man auf selbiger Seü HW, antrifft,wird -o!/ genannt- das heißt so viel,ab ^ die gtoffe Stadt an öcm Fi uss x->ms. Wir glaubten wi I,,,, sahen da das Volck weit artiger in seiner Manier zu leben ^, und in seiner Kleidung,auch besser in feiner Religion; allen wir betrogen uns.Jn der Wüste/durch welche wir gehen mu ^ sten,u. die sich aufsilbiger Seite nur zwey hundert Englisik ^ Meilen erstrecket/ohnerachtet sie an andern Orten derenwc ^ sieden hundert groß ist, fanden wir die Einwohner von drne in bsongu! garwcnia unterschieden Sie stecken meiner ^ eben so groben Hcydemhum als die Wilden in Amerm ^ Ihre Flecken und ihre Häuser sind voller Götzen-Bilder un ihre Lebens - Art ist gantz barbarisch, ausgenommen in de ^ Städten undDöl ffernchie nahe dabey sind/wo man Christe fir'tet we ch sagen,sie wären von der Griechischen Religio j - allein selbige haben so viele abergläubische Ceremonien /' ^ ihnen von ihrem alten Heydenkhum übrig geblieben / m ^ pobinlon Crusoe. « 44 r unter gemelkte Reliaion gemenget, daß man ihren Gottes- Dienst mehr für eine Zauberer- oder Beschwörung/als vor xche Christliche Andacht halten solte- In em wir durch riefe ungeheure Einöde zogen, und ich, Wie schon gemeldt, alle Gedanckcn von Gefahr aus meinem Gemüth verbannet sstte, wäre ich bald mit meinem gantzcu Gefolge durch e ne Rotte Strassn-Räuber ermordet worden; ich habe niemahls erfahren möucn, was es für Leute waren, obselblgeB>n--de unter eine Gattung von Tartarn, die m in oüiaeiu nennet, gebörre - oder ob sie von jenseit des Flusses hergekommen, oder aber ob es ein Haussen Jäger aus Scheuen war, die sich etwa zusammen gethan einen andern Raub, als Zobel und Füchse m erhäschen Das weiß jch aber gar wohl, daß sie alle zu Pferd fassn, daß sie mit Bögen und Pfeilen bewehrt waren, und daß, wie sie uns das erstemal)! begegneten, sich ihre Zahl ungefähr auf fünff und Viertzig erstreckte Sienahetcn zu zwey verschiedenen mahlen an uns, und indem sie uns assnihalben umgaben, betrachteten sie uns mit grsssm Fleiß. Nach diesem sichten sie sich gerade vor uns aufdic Strasse/als wenn sie wkllenß wären uns den Dkg zu verlegen. Weil unserer nun nicht mehr als sechzehen Personen waren, so stellten w-r darauffalle unsere Cameele auf eineLinig vor uns, damit wir desto besser im Standewaren dieses Geschmeiß zurück zu schlagen, und nachdem wir still gehalten, schickten wir des Prilchen S iberischen Knecht ab, um selbige zu^co)-r>olcchcn. Sein Herr willigte um su-piel mehr gar gerne drein weil er befürchtete,es möchte ein Hausse Siberier seyn, welche man ausdrücklich abgeordnet, ihn auf seiner Kuckt einzubohle-mndmitGewaltwieder zurück zuführen. Dieser hery hasste Bediente gieng auf selbige zu,und indem er in einer gewiss« Ferne von ihnen stehen blieb/ sprach er mit ihnen auf alle Mund-Arten der Eiberisckcn Sprach«/ ohne daß er eine eintzige Sylbe von dem,was sie antworteten, verstehen konte. Nickis desioweniger vernahm er aus ihren Gederden und gemachtrn Zeichen, daß sie auf ihn schiessew würden, wenn er so tühne wäre und näher hinzu träte, Darauf gieng er wieder zurück uns sinnen Bericht zu erstatten/ wiewohl er unS nicht viel wichtiges zu sagen Harfe/ ausser haß er solche, ihrer Kleidung nach, vor Kalmücken oberer« Ee 5 caßische 44- Lehm des EttZellattders caßische Tartarn hielte, und daß, wie es allsrdingsschstne, sich deren noch eine grössere Anzahl in derWüstc ausgebreitet haben mäste, ohnerachtet er vorhero niemahls sagen hören, daß kiest Barbarn soweit nach Norden gerückt waren Dieses war wohl freylich ein betrübter Trost für uns, allein es befand sich da kein Mittel dawider. Nicht weit auf unserer lincken Hand,ein Viertel einer Englisch-n Meile von uns, und gantz nahe an der Strasse, war ein kleiner Dusch,allwo die Baume überaus dick standen,und ich betrachtete gleich anfangs,daß wir biß dorthin gehen,und uns daselbst, so gut wir tönten/ verschantzen müßen. Wir selten nothwendig hierdurch einen doppelten Vortheil erhalten: Die dicken und über einander hängenden Acste sichten uns wider die Pfeile unserer Feinde in Sicherheit, und sie tonten uns niemahls in einem Haussen angreiffen. Aufrichtig zu reden so brachte mich der alte Portugiesische Steuer« mann zuerst aufdiestGcdancken: Dieser ehrliche Mann hakte die vorkrcffliche Eigenschafft/ daß er in der Gefahr stets qe« lassen war, u. dadurch befand er sich allözeicam geschickteste» uns guten Rath zu ertheilen, und einen Muth zumachen. Wir vollzogen diesen Anschlag-also fort mit aller möglichen Geschwindigkeit/ und wir erreichten gcmeldreskleines Gchöltz/ ohne daß die Tartarn oder Räuber die geringsteBe« wegung machten, uns daran zu hindern- Als wir da angelangt, befanden wir zu unserm grossen Vergnügen/daß der Boden daselbst marastig war,und daß eraufeiner Seite eine grosse Quelle harre,die sich in eine Gattung von kleinen Sem ergoß und in welche nicht gar zu weit von dar eine andere Quelle von eben der Grösse liess Kurtz wir sahen uns gerade bey dem Ursprung eines ansehnlichen Flusses, den man WnlsK-i nennet. Der Baume welche um diese Quelle herum wuchsen, waren unacfahr nur zwey hundert an der Zahl/ aber,wie ich bereits gedacht/fie stunden sehr nahe an einander, und waren mit überaus dick-belaubten Aesten versehen - dergestalt, daß, so bald wir diesen Busch innen hatten/wir uns ausser Gefahr achteten, es wäre denn daß unsere Feinde abstiegen,und uns zu Fuß angreiffen wölken- Um aber auch dieses Unternehmen desto stljwehrer zu machen, so ward,mser alter Porkusiiese raths grosse Aesteabzu- S-B AM -ttiiüi» Mac «ssch! Hu, l chmli Er»! ckn, d Jeu, Mi Ähtf Ätzt -M Mj« 2 Mjü tzHir, A; Hizk kokmlon Okiilöe. 44.; ssauen und an den Bäumen hangen zu lassen, welches wie eine ordentliche Verschantzung um uns herum war. ' Da hielten wir uns stille,um zu sehen,was der Feind wider uns vornehmen würde,allein eine sehr geraumeZeit machten sie nicht die geringste Bewegung, doch ungefähr zwey Stunden vor angehender Nacht kamen ste gerade aufuns loß, und ob wir dessen gleich nicht innen geworden, so beenden wir nichtsdestoweniger ihre Anzahl sehr vermehret, und daß ihrer znm wenigsten achtzig Reuter waren, unter denen wir ei, gi'ge Weiber ansichtig zu werden glaubten. Sie waren nur einen halben Flinten-Schnß von uns, als wir ein eintziges Gewehr ohne Kugel loßbranntcn.und ihnen zugleich aufRußisch zurieffen.wa-; sie wol-en, und vafi sie siel) ruräer begeben solren. Wie ste uns aber'nicht verstunden, so thät dieser Schuß nichts anders als daß er nur ihre Wuth verdoppelte.Dahero gieng'en sie in vollem Rennen auf uns zu, ohne sich einzubilden, daß wir die Zugänge so wohl versperret hatten,daß es dadurch zukommen unmöglich war. Unser Portugiese, der unser lntzmieu,- gewesen, vertrat auch die Stelle unsers Qapirzms. Er bat uns wir selten nicht Feuer geben, biß wir den Feind einen halben Pistolen. Schuß von uns sähen,damit wir gewiß schiessen konten. Wir sagten ihm, er solle uns das Zeichen darzu geben/er verzögerte dieses aber dergestalt, daß einkge von den Feinden nur zwey Picken lang von uns waren,wie wir unsere Salve gaben. Wir zielten so gewiß,oder besser zu sagen, die Göttliche Vorsehung regierte unsere Schüsse so wohl, daß wir vzerzehcn davon tödteten,ohne die Pferde, und diejenigen, welche nur verwundet waren, zu rechnen. Denn wir hatten alle unser Gewehr zum wenigsten mit zwey oder drey Kugeln geladen. Siewurden entsetzlichbestürtztüber eine so unerwartete Salve / und zogen sich über zwey hundert Ruthen von uns zurück. Binnen dieser Zeit hatten wir nicht allein so viel Weile unser Gewehr wieder zu laden, sondern auch einen Ausfall zu thun, und fünff oder sechs Pferde aufzufangen, deren Herrn allem Vermuthen nach das Leben verlohren hakten. Wir sahen leichtlich, daß unsere Feinde Tartarn waren, allein wir konten unmöglich sehen, in was für ein Land ste gehörten, noch was für eine ungemeine Ursache sie bewogen biß dahin zu kommen. Ungefähr eine Stunde 444 Leben des Engel-landers brauffmachten sie eine abermahlige Bewegung uns anM fallen, und fLcoxnorci^en unser kleinesHoltz ausallemSeir trn, um zusehen ob sie nicht einen andern Weg durch zu kommen finden möchten; allein wie sie merckten, daß wir bereu waren ihn allenthalben das Haupt zu bieten, so giengen sie von neuem fort, und was uns anlangte, so lelolvitten wir Ms, da die gantze Nacht über eingeschlossen und bedeckt zu bleiben. Wir schlieffcu sehr wenig, wie man ohn« Mühe glauben wird; und brachten schier die gantze Nacht zu uns besser zu verfchanhefl und alle Oerter, wodurch die Feinde, am leichtesten zu uns kommen konten, zu versperren, dabey wir keines wegs versäumten allenthalben Schild < Wachen auszustellen, und sonst gute Wache zu halten. In dieser pollwe erwartteten wir des Tages mit Schmertzeg/alleuz dieser machte / daß wir gar eine unangenehme Sache zu Gesichte bekamen: Wir hatten gemeynet, daß, weil die Feinde so übel empfangen worden, selbige ihren ^uch wurden haben sincken lassen, ihre Anzahl aber war biß auf dreyhun- dert gewachsen, und hatten zehen yder zwölff Gezelte oder Hütten aufgerichtet, nicht änderst als wenn sie Ms zu.beläz gern entschlossen wären. Sie hatten dieses kleine Lager eine viertel Weile von uns in der Ebene geschlagen, wir wurden durch diesen »blick sehr erschreckt/ und ich gestehe, daß jch/vor meine Person/mich, samt allem was ich vyn -Vermögen bey mir hatte, verivhren gab. Ob nun wohl der Verlust des letzter» gar ansehnlich gewesen, so war es doch die, ser nicht, her mir am meisten im Kopff lag - Wovor mir vielmehr arauete / solches war der Gedancke am Ende eine« so langen Reise, nachdem ich so vielen Gefährlichkeiten entgangen , und so grosse und zahlreiche Schwierigkeiten überstanden/in die Hände diefir Barbqrn zufallen: Da im Angesicht des Hafens/und so zusagen in dem Augenblick so gar zu verunglücken, da ich mich in der gro'sten Sicherheit zu seyn vermeynet hatt«. Meinen 6onlo> trn betreffend / so erstreckte sich dessen Schmrrtz biß auf die Raserey: Er versicherte, daß ihm der Verlust seiner Güter und seines Lebens gleich gälte, und daß er lieber fechtend umkommen als Hungers sterben wolle / und daß er sich biß aufseinen letzten Bluts - Tropffen zu vertheidigen gesonnen wäre- Der junge Fürst / welcher eben so behertzt als dtt tapsfer- sie >W M W Set Mit mgj hm Ks° _ Robmlon Lruloe. 44s sie KriegAMann von der Welt war/ pflichtete ebenfalls der Meynung bey, daß man biß auf den letzten Odem fechtest müste, und der alte Steuer - Mann glaubte, daß / nach d« Art, wie wir poMrt waren/wir unfern Feinden die Spitze biethen, und solchezurück schlagen tönten. Solcher gestalt gieng der gantze Tag hin, ohne daß man zu einem beständi- gen Schluß gelangen mochte. Gegen Abend wurden wir gewahr/daß sich bey den Tartatn eine neue Verstarckung eingefundrn; welches uns Anlaß zu glauben gab / daß sie sich in verschiedene Rotten zertheilt gehabt, um allenthalben herum zu streiften und Raub zu suchen/ und daß die erste» einige von den ihren abgeschickt den andern von der Beute/ die sie entdeckt, Nachricht zu geben. Indem ich nun befürchtete, sie möchten den andern Lag noch stärcker werden, Mieng ich an die Leute, welche wir mir uns von HoKK» gebracht/zu befragen um von selbi» gen zu vernehmen, ob nicht ein Abweg vor Handen wäre, auf welchem wir in der Nacht diesem Gesinde! entgehen, und uns in eine Stadt begeben / oder aber auch irgendswo e» ne Convoy antreffen könten, die uns durch diese Wüste ge- leitete» Der Sibirier/ des Printzens Bedienter, sagte zu uns/ daß wenn wir ihnen lieber entwischen, als mit selbigen fechten wolten - so getrauet« er sich uns vermittelst einer Strasse die gegen Norden nach ke"„n gieng, währender Nacht von dar wegzubringen, und die Lartarn, welche uns da wie be- lägert hielten, ungezweiffelt zu betrügen,diesem fügte er bey, daß ihn seist Herr zum Unglück versichert hätte, daß er sich schlagen, und nicht entfliehen wolte. Ich antworte ihm,daß er seines HerrnReden unrecht verstanden hätte, immassen derselbige viel zu klug wäre, daß er sich bloß deswegen schlagen wolle, damit er nur das Vergnügen zu fechten haben möchte, und ob er schon groffe Merckmahle seines utterschrockenenMuths von sich gegeben hatte, so würde er doch nicht mit siebenzehen oder achtzehen Mann,ohne eine unumgängliche Nothwendigkeit fünff oder sechs hundert Tartarn widerstehen wollen. Wenn ihr, satzte ich hinzu, würcklich ein sicheres Mittel wisset uns frisch und gesund hier wegzuführen, so ist dieses der einzige Entschluß, den wir nehmen sollen- Er gab mir zur Antwort, daß, wenn 446_ Leben des Erigellätrders wenn ihm fein Herr dieses anbefehlen wolle, er seinen' Köpff drauffsatzte, wenn er den Anschlag, davon ietzo die Frage zrA Ware, nicht ausführte. Es fiel nicht schwehr den jungen Herrn zu einen so vcr- „L nünffttgen Entschluß zu bewegen; er gab also seinem Be» dienten den erforderten Befehle,und wir machten noch selbi- Mp gen Augenblick alles zurecht es dahin zu bringen, damit die- Mz ses heilsame Unternehmen gerathen möchte: Sobald es an- Wil fjeng dunckel zu werden/zündeten wir Feuer in unserm kiel- M neu Lager an, und machten dißsails so gute Anstalt, daß es die gantze Nackt überbrennen könnte um den rartarn einzu- bilden, daß wir noch da waren < und so bald wir die Sterne zum Vorschein kommen sahen, welches die Zeit war, die der Siberier zu unserer Abreise angesetzt, über di'ß auch unser Last«Thiere zum Marsch schon berGwaren, so folgten wir unserm Weg - Weiser, welcher nur den Polar. Stern zu Rath zog uns durch diese Länder,deren ein grosser Theil aus . lauter Ebenen bestand, zu geleiten. „" Nachdem wir nun zwey Stunden lang tapsser fortgezo- "ich gen/sahen wir,daß die Dunckelheit zu verschwinden anfieng, uiü, daß es hcllerwar, als wir es zu unserm Vorhaben nv- ^ thig hielten: Der Mond gieng auf, welches uns sehr nach- theilig würde gewesen seyn, wenn die Tartarn unsers Ab- 'z zugs waren gewahr worden. In gutem Glück wurden fie . dißfalls übertölpelt/und wir langten des Morgens um sechs ^ Uhr/nachdem wir vrertzig Englische Meilen Wegs zurückge- , ^ legt/und viele von unsern Thieren lahm geworden, meinem ^ Dorffan, welches heißt, wo wir ausruhcten, ohne daß wir den gantzen Tag von unsern Feinden dasgc- , ^ rmgste sagen hörten. . ^ Ungefähr zwey Stunden vor Nacht, begaben wir uns wieder aufdie Reiso und blieben biß den andern D' acht Uhr unterwegs; Wir müßen über einen , / iuß/ »rirkrs genannt, gehen/ wenn Wirt» einen grogeni oöickrei- chen, und von Russen bewohnten Flecken/ so o-omois heißt, gelangen wolten- Da hielten wir einige Zeit Rast-Tage: ^ vernahmen auch daselbst, daß viele Horden Kalmückische Lartarn sich in der Wüste herum zerstreuet, allein daß wir ^ von selbigen nichts weiter zu befürchten hätten,welches denn /r< bey uns eine Stosse Freude erweckte- . Robinson Urusoo. Wir blieben fünffgantzer Tage da, damit wirsü wohl einiger Ruhe, nach so beschwehrlichen Tage-Reisen, gemessen/ als uns auch mit etlichen Pferden,die wir gar sehr gebrauchten, versehen Möchten. Wir waren dem redlichen Siberiee in der That den grossen Danck schuldig daß er uns biß dahin geführt hatte; daher gaben wir. mein Consortund ich. demselben zeheu Pistolen werth an Gold, um solchem wegen dieses wichtigen Diensss einige Vergeltung zu thun. Eine andere Reise von fünffTagen führte uns nach Veus» liina an dem Fluß tV tMxgz, so sich in die OvinN ergiesset, nnd von dar kamen wir den dritten zulu nach b.sw,en?Kox. Da hatten wir nun das Vergnügen,daß wir das Ende unserer Reisen zu Land sahen - weil wir nunmebro an dem Ufer der waren, welches ein schiffreicher Fluß ist, aufdem wir in sieben Tagen nach gelangen konten. Da mietheten wir zwey grosse cl»louppen zu unserer L^!>3?,c, und ein sehr bequemes Fahrzeug vor uns selbst. Den siebenden grenzen wir zu Schiff, und den ackrzchendcn kamen wir insgesamt frisch und gesund zu an, nachdem wir auf unserer ganyen Reift zu Lande, die Seit unsers Aufenthalts zu Hd.-isku mitgerechnet, ein Jahr, sünff Monat und drey Lage zugebracht hatten. In dieser Stadt müssen wir sechs Wochen verharren und die Aukunffc der Schiffe erwarten, ja wir würden gar seyn gezwungrn worden viel länger dazubleiben, wenn nicht vor der gewöhnlichen Zeit, da die Englischen Schisse ankommen, ein Hamburger einen Monat eher in dem Hafen eingelauffen wäre. Als wir nun reifflich erwogen,was wir für einen Entschluß fassen sotten, so betrachteten wir/daß wir unsere Waaren zu Hamburg mit eben so gutem Vortheil als zu Londen *önten, ünd daher beschlossen wir insgesamr mit 's zu gehen ; wir verglichen uns wegen der lh ließ noch selbigen Augenblick alle meine Sachen an BooMragen- Nunwaressehrnatürlich, daß ich zu gleicher Zeit meinen so genannten Hofmeister nm aufdas Schiff gehen ließ, damit erauf meine Sachen Achtung geben möchte; hierdurch aber bekam der junge Printzalle ecsintz- sich« Bequemlichkeit sich die qantze Zeit, die wir uns zur Reise geschickt zu machen, vonnörhen harten, verborgen zu halten. Solchergestaltblieber/ solange wir noch zu schaffen SchlMMik er nicht etwa durch einen Mo- 4.L8 des kobinson Crusoe. scowitischenKauffinannin derStadt erkannt werdenmöchke. Denzwantzigsten ^»--ull, reysecen wir von kroksn^el ab/ Und liessen den dreyzehenden >eprember in die Elbe, ohne daß uns aufunsererReyft groß Unglück begegnet war. Zu Hamburg fanden wir, mein Cottsdrte und ich, erwünschte Gelegenheit so wohl unsere Indianische Waaren, als auch das Peitzwerck, so wir mit aus Siberien gebracht, zu verkauffcn- Als wir ttun den?rc>Kr von allen unsern Waaren mit einander theilten,so bekam ich, des vielen erlittenen Schadens und der aufgewandten schwehren Unkosten ungeachtet, zu meinem Antheil drey tausend vier hundert uud fnnff und sieben» tzig Pfund Stcrl siebenzehen Schilling, uud drey Stüberj wie wohl ich eine Parthey Diamanten, so ich zu für Mich allein gekaufft, und wohl sechshundert Pfund Steck. Werth waren, zu meinerPonion mit rechne Hier nahm der junge Fürst Von uns chschicd. Er fuhr die Elbe hinauf, und war Willens nach Wien zugehen, woselbst er Schutz zu finden boffte.und von dar aus er miksemes Vaters guten Freunden, >o noch am Leben wären/ Lorreffon- pflegen tonte. Die er vo» mir schied, bez-Ugte er mir auf die allernächdrückiichire A-.t , dasi er so wohl vor den Dienst/ weichen ich ih-n geleistet, als,-uch vor die aufrichtigen Freundschaffl^-Z/ici'/n, je ich seinem Barer dem Fürsten gegeben,seine gantze Lebens-Zeir erkä:>ntlich seyn würde, Nachdem ick aber die Monarh zu Hamburg geblieben, tzieng ich zu Lande Nach c-em aag woselbst ich mich aufein Paguet-Boot begab, und den zehendea /an an, l-oz, fthm Jahr und neun Monath nach meinerAb, eift aus Engelland, zu Londew anlangte. Nunmehro befinde ich mich in meinem Vaterlands, und habe vest beschlossen, daß ich mich nicht ferner And in der Welt nach se'tzam-n H Mdeln hc>:.-- allermassen esZeit ist daß ich mich zu einer Z» . Lauter, als alle diejenigen dav m ich ietzo Meldung gethan, bereit mache: Ich habe in zwey uNS siebentzig Jahren, die ich unter so mancherley Glüct- W- chsel- hingebracht, sattsam gelernet, wie hoch ein stilles uns enHerogenes Leben ;» achten sey, und wie .inge-irei ckä.Äich sich ein weiser Mann schätzen solle, wenn er s u-c Lagern SerRuhd befi' wefirn Last. E N D E-