Wunderthaten. 765
sechszehn Jahrhunderten zum Feuer verdammet. Das Unheilwurde aufbem Schauplatze, in Gegenwart der ganzen Stadt,vollzogen, welche mit lautem Geschreye seinen Tod vom Land-vogte begehrte. Er war dort ohngefähr hundert Jahre alt.Sein Marterthum ist von Augenzeugen ausgezeichnet worden,welche erzählen, als dieser ehrwürdige Greis auf dem Holz«stoße ausgestreckt und angebunden lag, haben sich die Flamemen getheilet, und eine Gattung von Zeltdache gestaltet ,unter welchem er gleichsam zu schlafen schien, ohne daß ereine Bewegung machte, oder ein Zeichen des Schmerzensvon sich gab. Man war voll Erstaunens; man wußte nicht,ob er todt oder lebendig wäre. In dieser Ungewißheit schick-te der Richter einen Trabanten oder Henker, welcher ihm aufdem Holzstoße selbsten das Haupt abhieb. Dreß ist die Ge,schichte. Ist sie wahr, oder nicht wahr? Das hangt vonden Beweisen ab. Aber Ihre Philosophen hüten sich wohl,dieselben anzugreifen. Und wie sollten sie dieselben angrei,fen? Sie sind ihnen unbekannt.
2. Ambrosius, Bischof zu Mayland, machte dem kai,serlichen Hofe kund. Laß er im Traume den Auftrag erhal,ten habe, die Gebeine der zween Märtyrer, aus einem un»anständigen und unbekannten Orte, wo sie lagen, heraus,zunehmen, und denselben eine ehrwürdigere Stelle einzuräu,men. Als er sich zu dem angezeigten Orte begeben hatte,fand er die zween Leiber. Die Uebersetzung geschah in Ge»genwart des Kaisers, des ganzen Hofes, und einer unzählba,ren Menge Volkes. Währender Uebersetzung wirkte GottWunder, um die Gewißheit der Entdeckung und die Heiligkeitder Gebeine zu bestätigen. Dieß ist die Geschichte.