fjß iSiiotßeca zPafa tina 2) u/uci6A3Les, erhalten. Und hier saget er uns, daß eben dieselben Chri. sten, wie verwägene Leute, gegen alle Gottesdienste, und vornehmlich gegen jenen, der im Reiche gebräuchlich war, als Feinde sich erkläret haben. Wie läßt sich jene schüchterne Heimlichkeit, welche nur durch Hülfe der Dunkelheit grübet wird, mit der Kühnheit und öffentlichen Bekanntmachung dieser Erklärungen vergleichen ? Der Untersucher tritt nicht aus seinem Gleiße. Dort wollte er die Christen verächtlich machen: hier will er sie la, sterhast scheinen lassen. II. Einer der ersten und berühmtesten Märtyrer ist Ignaz gewesen, ein Bischof von Antiochien, welcher vom Baiser Trajan selbsten, der dortmals in Asien war, ver< urtheilet, und auf sein Geheiß nach Rom geschickt wur, de, damit man ihn den wilden Thieren vorwerfen sollte, zu einer Zeit, wo man die übrigen Christen zu Rom nicht ermordete. Man weiß nicht, was für eines Verbrechens er bey diesem Baiser, der außerdem wegen seiner Gütigkeit berühmt war, angeklagr worden sey. Es ist sehr merkwürdig, daß man den Christen zu Rom gestattete, ihm entgegenzugehen, als er Ln diese Hauptstadt geführet wurde: und dieses beweist sonnenklar, daß man an ihm die Person, und nicht die Sekte strafete. * * Az Wenn 6 Märtyrer Wenn man den heiligen Ignaz von Antiochien nicht für einen Erzböftwicht hält, so ist es die Schuld des Ver« fassers der Untersuchungen nicht« Aber ehe man seiner Aus« sage Glauben beymißt, wollen wir sehen, was für einen Begriff wir uns von Trajanen, und von diesem herrlichen Blutzeugen machen sollen. Man kann nicht verneinen, daß Trajan sehr große Ge« müthsgaben gehabt habe: man muß aber auch gestehen, daß diese Gaben durch sehr schändliche Laster, welche die Trum kenheir, die widernatürliche Liebe, und ein allzu abergläm > bischer Eifer waren, beflecket worden seyn. Von den zweyen ersten Lastern geben uns die heydnischen Schriftsteller sechsten * den Unterricht: und von seiner abergläubischen Gemüthsart kann man aus seiner Antwort auf den Brief des plinms Mtheilen. Dieser Herr, als er Statthalter in Bythinien war, er« kündigte sich bey Trajanen, wie er sich gegen die Christen verhallen sollte, welche er ihm als Leute vorstellte, die in ihren Sitten und in den gesellschaftlichen Tugenden unstrafbar wären, und Lerer ganzes Verbrechen darinnen bestünde, daß sie die Götter nicht anbetheten. Gr berichtete ihm zugleich, was für Todsurcheile er wider einige gesprochen, und zu was für Peinen er andere verdammet habe. Und dieser gütige Kaiser antwortet ihm mit diesen Ausdrücken: „ Du „ hast in den Klqghändeln der Christen der Vorschrift der „ Gerechtigkeit gefolget, wie es sich gebühret. Man muß „ sie nicht auffuchen ; aber, wenn sie angegeben werden, „ und bekennen, daß sie Christen sind , so muß man,si? «r strafen,,. iß" , § 1 ! jÄ rsr» sitz,!. « Eutrsp. und Aurek. DM, Eben Märtyrer. 7 Eben derselbe Trajan, als er gegen die parther auszog, hielt sich zu Antiochien auf. Man gab ihm Ignaxen an, der dorten Bischof war; man führte ihn vor seinen Rich, terstuhl. Trajan verhörte ihn gerichtlich in einem rauhen und strengen Tone, als den Feind seiner Götter. Man kann die ganze gerichtliche Frage bcy Fleury * finden. Ignaz antwortete ihm mit vieler Sittsamkeit, Weisheit, und Stärke von der Heiligkeit der christlichen Religion, von der Gottheit Jesu Christi, von dem ungereimten Aberglauben des Götzendienstes: und dieser gütigste Kaiser vernrtheilte ihn, daß er von den wilden Thieren gefressen werden sollte. Aber wer war jener Ignaz von Antiochien, den man hier für einen Bösewicht auszugeben sich bemühet? Seine Schriften, und alle historische Denkmäler belehren uns, daß er Einer der größesten Männer war, die es jemals im Chri, stenrhume gab: ein Mann, dessen Gesinnungen ganz gölt, lich waren; den die ganze christliche Welt in höchsten Ehren hielt; der von den Aposteln selbsten gebildet worden war; dessen Briefe, die er nach seinem Bekenntnisse vor dem Kaiser, schrieb, die größeste Seele, das edelmüthigste Herz, die feu» rigste Nächstenliebe, womit ein Herz beseelet seyn kann, an den Tag legen. Also war dieser vorgebliche Bösewicht be, schaffen. Es heißt: Man weiß nicht, was für eine» Verbre- chensIgna; angeklagt wordenjsey; und: zu derselben Zeit er, mordete man zu Rom die übrigen Christen nicht. Damit man wissen möge, warum er angeklagt worden sey, darf man nur seine gerichtliche Frage lesen. Er wurde um eben derselben Ursache willen angeklaget, warum jene Vor, steher A 4 ' Rtrchengesth. i. v. 8 Märtyrer. sicher der Kirche, Clemens, Anaklet, Evarist, und viele andere Bischöfe an verschiedenen Orten des Reiches ange, klagt worden sind, von denen alle ihr Blut für ihre Religion geopfert haben. Man ermordete dortmals zu Rom die übrigen Christen nicht. Dich ist ein Ausspruch, welcher deutlich zeiget, wie unverschämt dieser Mann sey: denn unter der Menge Christen , die Trajan seinem Aberglauben opfern hieß, zählet man sehr vornehnie Personen, die zu Rom ermordet wurden, wie: Flamen Domitillen, welche aus dem kaiserlichen Geblüte der Vcspasianen war; Nereen, Achilleen, Theodoren, Euphrosinen, u.m. a. Es ist merkwürdig, heißt es ferner, daß man den Christen zu Rom gestattete, Ignazen entgegenzugehen; und dieses beweist sonnenklar, daß man an ihm die Person, und nicht die Sekte strafete. Und als Trajan schrieb, man müsse die Christen strafen, sobald sie angegeben werden, hieß er die Person, oder die Sekte strafen ? Die Christen giengen Ignazen entgegen; das ist wahr: aber sie thaten es aus eigenem Triebe. Sie hatten keine Erlaubnis deßhalben. Die zehn habsüchtigen Soldaten , welche den Blutzeugen begleiteten, widersehten sich nicht allein dieser Begegnung nicht, sondern waren damit sehr wohl zufrieden, weil sie von den Christen in dergleichen Fällen reichlich bezahlet wurden. O mein Untersuchec.' Sie zwingen uns, viele Abscheulichkeiten und Bosheiten aufzudecken. 111 . Die Verfolgungen wurden nicht fortgeseyet. C>rigs-- nes saget in seinem dritten Buche wider den Celsus: Mann kann die Christen leicht zählen, welche für ihre Religion Märtyrer. 9 Religion gestorben sind ; denn es sind wenige, und nur von Zeit zu Zeit verschiedenmal gestorben. * * * Dieser Mann verstümmelt ohne Scheue die Stellen, oder verfälschet sie, oder trägt sie in einem ganz entgegengesetzten Verstände vor, als der Schriftsteller, aus dem sie gezogen sind. Wir finden hier den überzeugenden Beweis davon. Origenes, wo er dem Verleumder Celsus antwortet, der eine Seele hatte, die der Seele unserü Gegners sehr ähnlich war, zeiget ihm, wie weit die Sanstmukh, Geduld, und Herzhaftigkeit der Christen im Leiden gieng : und da er von dem wirklichen Zustande der Religion im Reiche redet, drü, cket er sich mit diesen Worten aus: Im übrigen, da die Christen, nach den Befehlen ihres „ göttlichen Lehrmeisters , jenen Geist der Sanstmmh und „ Geduld behielten, und den Verfolgern sich niemals wider« „ setzten, haben sie den Fortgang der Religion weit mehr „ befördert, als wenn sie die Erlaubniß gehabt hätten, sich „ zu vertheidigen, weil sie Gott zu gelegener Zeit beschützte, „ und unterweilen die Gewalt der Verfolger einhielt. Um „ die großmüthigen Kämpfer, welche für die Tugend fochten, „ aufzumunrern , und ihnen die Verachtung des Todes ein, „ zuflößen, hat er gestattet, daß etliche von Zeit zu Zeit und ,, verschiedenmal ihr Leben für ihre Religion opferten. Aber „ er hak nicht gestattet, daß alle vertilget werden sollten. „ Um die Furcht und Sorgen der Schwachen zu beruhigen, „ hat er die Bestrebungen der Verfolger vereitelt, und die „ Ge. * Wider den Cels. z. L. A 5 rs Märtyrer. „ Gemüther der Fürsten, der Völker, der Oberkeiten, di« „ im Reiche vertheilet waren, gemildert: und dazu wurde „ nichw anders, als sein Willen, erfodert,,. Es ist augenscheinlich, daß diese Milderung der Gemächer der Fürsten und Völker nur von den Regierungen des Laracalla, Alexanders, der Gordianen , und Philipps verstanden werden kann, unter welchen Origenes lebte. Ob- schon diese Fürsten keine Bannschriften wider die Christen her- ausgegeben hatten, so hat es dennoch von Zeit zu Zeit ver, schiedenmal Märtyrer gegeben, wie es die glaubwürdigen Urkunden beweisen. Aber man konnte sie leicht zählen, weil es nicht mehr so blutige Mehlungen waren, wie man sie vormals unter Mark Aurelen, Trajanen, Domitianen, und Neronen gesehen hatte. Dieß ist der wahre Sinn yeö Gedankens vom Origenes. IV. Gott trug eine so große Gorge für seine Rieche, daß er ungeachtet ihrer Leinde geschehen ließ, daß sie im ersten Jahrhunderte fünf, im zweyten sechszehn, im drit, ten dreißig Rirchenräthe, das ist, geduldete Versammlungen hielt. Diese Versammlungen wurden etlichmal verbsthen, wann die Afterklugheit der Oberkeiten fürchtete, sie möchten unruhig werden. . . . Ls gab Zeiten, wo diese Versammlungen verbsthen waren. Also ist es bey uns den Calvinisten verbsthen worden, sich in Lan- guedok zu versammeln, wir haben manchesmal die Prediger oder Prädikanten henken und rädern lassen, wann sie Versammlungen wider die Gesetze hielten. Märtyrer. i r Nach dem Verleuindertone nimmt unser Mann die Häuchlersprache an. Er redet von der christlichen Kirche, als von der Kirche Gottes und dem Gegenstände seiner göttlichen Sorgfalt; und nachmals lästert er wüthend auf sie. Er spricht von fünfzig Kirchenräkhen, die geduldete Versammlungen waren, und er würde sehr verlegen seyn, sie zu nennen, oder zn beweisen, daß die Heyden Nachricht gehabt haben, daß sie gehalten wurden. Und wenn sie davon kei, ne Nachricht gehabt haben, wie wird man beweisen, daß sie geduldet waren? Aber seine Vergleichung, zwischen den Gesetzen der Kai, ser gegen die Christen und den Gesetzen Ludewigs des Vier, zehnten gegen die Calvinisten, und zwischen den Märtyrern der ersten Kirche und den Reformieren, dir in Frankreiche verdammet worden sind, verdienet hier vorzüglich unsre Auf, merksamkeit. Damit man die Unanständigkeit dieser Ver, gleichung erkennen möge, tragen wir die zwo folgenden Bemerkungen vor. Erste Bemerkung. Die Gesetze der Kaiser gebothen die Verehrung der falschen Götter, und verbothen alles Bekennt, - niß und alle Ausübung des Christenthums. Waren diese Gesetze billige Gesetze? Hatten die Kaiser das Recht, sie ausgehen zu lassen? War man verpflichtet, sich denselben zu unterwerfen ? Die Gesetze Ludewigs des vierzehnten gebothen die Befestigung der alten Religion, die von den Aposteln gepredigt worden war, und verbothen die Betreibung und Ausübung der neuen Religion, die Calvin lehrete. Waren diese Gesetze billig? Hatte Ludewig der Vierzehnte das Recht, sie ausgehen zu lassen ? War man verpflichtet sich denselben zu unter. 12 Märtyrer. terwerfen ? Wir erwarten die Antwort der Philosophen ans diese zwo Fragen. Zu einer größer» Erklärung der Fragen von der ersten Art, wollen wir ein Beyspiel des Betragens der Apostel an, führen. Die Juden hatten den Heiligen Peter und den hei, ligen Johann vor ihr Synedrium, oder ihren großen Rath beschieden, und als sie ihnen verbothen hatten, die Lehre Jesu Christi auszubreiten, sagten diese Apostel zu ihnen: * wäre es billig vor Gotte, daß wir eher euch, als Gotte selbsten, gehorcheten? Uns ist es nicht möglich, von dem, was wir gesehen und gelernet haben, kein Zeug- niß zu geben. War diese Antwort der Apostel billig, oder war sie verdammlich ? Wir wissen wohl, daß sie die neuartigen Philosophen für fanatisch ausgeben**: aber wir, die wir glauben, daß Gott den Aposteln einsprach, wir halten sie, wie ein Orakel, in Ehren. Nun, diese Antwort ist allezeit der Grundsatz gewesen, wonach sich die ersten Christen in ihrem Wandel richteten. Sie waren allezeit die unterthänigstm, die treuesten Unter» thanen des Reiches in allen Dingen, welche das Bürgerliche und das Politische angiengen. In diesem Stücke hat man ihnen niemals das Geringste zur Last legen können. Aber, da sie den Fürsten erwiesen, was sie ihnen schuldig waren, wußten sie auch Gotte zu geben, was ihm gebühr, re. Die Kaiser hatten dann kein Recht, ihnen die Ausübung ihrer Religion zu verbiethen. Zweyte Bemerkung. Man waget es, die Märtyrer der Kirche mit den Calvinisten, die in Frankreiche verur, theilt worden sind, in eine Reihe zu stellen. Damit man die * Apoiielgesch. IV. " philosi Händler- Artik r Betrug. Märtyrer. iz die Richtigkeit dieser Vergleichung fühlen möge, wollen wir das Betragen dieser und jener gegen einander stellen. Die ersten Christen betheten, und verrichteten Opfer für den Frieden und die Wohlfahrt des Reiches, und für die Person des Kaisers. Dieß wird aus den Schriften der ersten Kirchenväter bezeuget. Die Calvinisten waren Vor« Habens, die Regierungsform zu ändern, und in Frank« reiche eine Republik, nach Art der vereinigten Niederlande, zu stiften, wie es aus den Bündnissen von Anduze, von Milhau, und von Montauban, und aus den Nachrichten von Sully bewiesen ist. 2. Die ersten Christen machten niemals eine Verschwör rung, nahmen niemals an einer Aufruhr Theil, griffen nie« malS gegen die rechtmäßigen Mächte zun Waffen. Man findet die richtig gezogenen Beweise davon in der Schußschrift Lertullians, ^ u. s. w. Dreyßigjährige Kriege und Verwüstungen von Seite der Calvinisten, außer der Verschwörung von Ambosse, ein Entwurf der Entführung Rarls des Neunten zu Monceaux, die Erneuerung des Krieges Unter Ludewig demDreyzehnten und Ludewig dem Vierzehnten, zeugen von der friedfertigen und unterkhänigen Ge- müthsart, welche die Calvinisten gewiesen haben. z. Ohne einzige Beschuldigung, Klage, oder Verbrechen gegen die Gesellschaft, ergriff man die Christen, allein um der Religion willen; man that ihnen die schmäuchelhaf« testen Verheißungen, wenn sie Jesu Christo entsagen wollten; man verdammte sie nur, wann sie sich weigerten, die Götter des Reiches anzubethen. Die Calvinisten, die in Frankreich« verurtheilt wurden, sind entweder mit bewaffneter Hand gefangen, oder überwiesen worden, daß sie in eine Verschwör ' 35. und ;6. Rap. 54 Märtyrer. schwörung verwickelt waren; oder sie wurden wegen andrer Verbrechen gestrafet, die mit der Religion keine Verwandt/ schast hatten. Wird unser Schriftsteller fähig seyn, über seine Verr gleichungen zu erröthen» V. Ungeachtet dieser Verbothe, die durch die römischen Gesetze gemacht wurden, hat Gott mehrern Raisern Nachsicht gegen die Christen eingegeben. Diokletian selbe sten, der bey den Unwissenden für einen Verfolger gilt, war achtzehn Jahre lang einossenbarer Beschützer des Lhristenthums, sh sehr, daß mehrere Christen die vor« nehmsten Aemter bey seiner Person bekleideten. Er dul, dere sogar, daß man in Nikodemien, seinem Thronsiye, eine prächtige Rirche, seinem palaste gegenüber, auf» richtete. Der Cäsar Galer, der zum Unglücke gegen die Christen eingenommen worden war, über welche er sich zu beklagen hatte, bewog Diokletianen, die Dom« kirche zu Nikodemien niederreißen zu lassen. Ein Christ, der nicht so vernünftig als eifrig war, riß die Verordr nung des Raifers in Stücke; und daher entstand jene ss berüchtigte Verfolgung, in welcher mehr als zwo hun» dert Personen , im ganzen Umfange des Reiches , zum Lode verdammet wurden. Was soll wohl hier stärker in die Augen fallen : die Kühnheit der Lügen, oder die Ausschweifung der Schlüsse? Dieß lassen wir den Leser entscheiden, und genügen uns, etliche kurze Bemerkungen vorzmragsn. i. Dieser Märtyrer. is r. Dieser Mann sagel uns mit seinem Häuchlertone, Diokletian gelte nur bey den Unwissenden für einen Verfol, ger, und er sey achtzehn Jahre lang ein offenbarer Beschützer der Christen gewesen. Aber er merket nicht/ daß im Gegensätze nur Unwissende reden können, wie er, weil alle historische Denkmäler bezeugen, daß es von den ersten Iah, ren der Regierung Diokletians bis an das neunzehnte, wo er seine erste Bannschrift wider die Christen herausgab, Märtyrer gegeben habe. DieKirchengeschichre Eusebs von Läsareen " der ein zeitgenosser Schriftsteller war, und die Mänyrergeschichre, welche Don Ruinart herausgegeben, und Herr von Maupertuy Übersetzer hat, bierhen die Be, weise davon an die Hand. UeberdaS hinderte diese offenbare Beschützung den Kai, ser nicht, seine eigenen Kämmerer, den Hauprmann seiner Leibwache, eine junge Christian, die er Galeren Maximiar nen zur Braut bestimmt hatte, viele seiner Verwandten, einen Sohn des Stadthalrers zu Rom, unter den Peinen da, Hinsterben zu lassen.^* Man findet dergleichen Beyspielebey Tausenden von jener offenbaren Beschützung, die er den Christen angedeihen ließ. Endlich, wenn er Anfangs der Ungestümigkeit Galers sich widersetzte, so geschah es aus einer natürlichen Furchtsamkeit , welche mit der Grausamkeit in ihm ganz wohl vereiniget war. Er besaß die Runst, saget Eutrop ein heyd, Nischrr Schriftsteller, sich eines fremden Namens zu bedienen , um seine eigene Grausamkeit zu vergnügen, und jene gräuliche Neigung zu befriedigen, ohne daß er da von den häßlichen Nachklang hatte. Und sobald die Baum schrifren verkündiget waren, trieb er die Grausamkeit noch weiter, * 8. L. Lakkanz vom Tode der Verfolg. is Märtyrer, weiter, als alle übrige. Man urtheile davon aus den« entsetzlichen Blutbade, welches dortmals zu Nikodemien selbst unter feinen Angen angerichtet wurde. Es können dann nur Unwissende seyn, die Diokletianen unter die Zahl der Verfolger nicht setzen. 2. Er saget ferner: Galer, der sich über die Christen zu beklagen hatte, bewog Diokletianen , die Domkirche zu Nikodemien niederreißen zu lassen. Aber man hat keine Urkunde, welche bezeuget, daß Galer, der aus einem Hirten Kaiser wurde, irgend eine Ursache gehabt habe, sich über die Christen zu beklagen. Sodann sagen die zwo Bannschristen Diokletians kein Wort von der sogenannten Dom, kirche. Sie gebrechen überhaupt, daß im ganzen Umfange des Reiches die Oerter, wo sich die Christen versammelten, der Erde gleich gemacht, ihre Bücher verbrannt, die Männer , die ein Amt bekleideten, ihrer Würden entsetzet, jene, die den Götzen zu opfern sich weigerten, mit allen erdenklichen Martern gepeiuiget werden sollten. Dieser Fürsprecher Galers verlheidiget dann seinen Clienten sehr schlecht. z. Ein Christ, der nicht so vernünftig als eifrig war, riß die Verordnung des Kaisers in Stücke. Dieser Christ war ein Herr vom größesten Ansehen, wie eS Euseb , ein zeitgenosser Schriftsteller, meldet. Wir gestehen, daß diese Handlung tadelhast war: denn Unterthanen sollen sich nie, mals wider die Fürsten verfehlen, wann sich auch die Fürsten wider ihre Unterthanen verfehlen. Geduld und Unterwerfung ist die einzige Wehre, die Jesus erlaubet. Aber war diese Handlung ein Laster ? Und wer begieng hier ein größe, reö Laster: der Kaiser, der eine grausame, eine augenscheinlich ungerechte, und gottesräubrische Verordnung herausgab; oder der Christ, welcher, im Augenblicke eines billigen Unwillens i Märtyrer. -7 willens gegen diese Gottlosigkeit und Grausamkeit, eine solche Verordnung zerreißt ? Was werden die Philosophen dar, auf antworten ? Im übrigen hat Gott die That dieses großmüthigen Chri« ftcnweit weniger mißbilligt, als jene bitlern Kritiker, weil er ihm die Krone des Martyrthums verlieh. Diokletian, nachdem er ihn die grausamsten Pernen hakte «usstehen lassen, vcrurtheilte ihn, mit einem langsamen Feuer verbrannt zu werden; und dieser Christ übertrug die Marter so herzhaft und freudig, daß sich die Heyden selbst darüber erstaunten.* 4. Er saget, die Handlung dieses Christen sey die Ursache der Verfolgung gewesen. Ein Ausspruch, welcher recht merkwürdig ist! Die Verordnung war die Verkündigung der Verfolgung sechsten. Wie konnte die That des Christen, der die Verordnung Herabriß, die Ursache davon seyn? Ist es möglich, daß Philosophen, daß so große Gei, ster so armselige Schlüffe machen ? 5« Endlich heiß: cs, daß bey dieser Verfolgung im gaw zen Umfange des römischen Reiches mehr als zwey hundert Personen zum Tode verurtheilt worden seyn. Wir wollen auf diese vermessene Lüge mir einer kleinen Stelle aus Euseben antworten. ** Die Raiser, saget er, wollten , daß alle Aubether des wahren Gottes, die sich in Nrkomedien befanden, durch Feuer und Sckwcvt umkommen sollten. Diese Verordnung belegte mit gleicher Strafe ganze Häu, ser ohne Unterschied des Alters oder Geschlechtes. Man kann nicht auodrücken, mit welcher Freude eine unzählbare Menge Männer und Weiber ihr Haupt dem Schwer, * ErMS Gesch. 8. V. " Eben-. H. Band. B >8 Märtyrer. te der Henker, und Ihre Leiber dem Feuer anbothen. Au» ßer diesen gab es eine sehr große Zahl von Leuten, die man zween und zweene anschloß, und damit ganze Schiffe belud, welche man in den Grund senkte, nachdem man sie aufs Hohr Meer getrieben hatte. Dreß geschah in wenigen Tagen in einer einzigen Stadt. Man schließe darans, was im ganzen Reiche zehn Jahre lang, wo die Verfolgung währere, geschehen seyn mußte. Und da kömmt ein Mensch; der saget uns, es habe wohl zwey hundert Märtyrer gegeben. X VI. Der Benediktiner , Abt Ruinart, ein Mann, der im übrigen eben so gelehrt, als schätzbar und eifrig war, hätte seine aufrichtigen Martergeschichren mit größrer Behutsamkeit wählen sollen. Es ist nicht genug, daß eine Handschrift aus der Abtey des heiligen Benedikts an der Loire, oder aus einem Lälestinerkloster zu Paris ge» hoben sey, damit die Geschichte richtig und ächt seyn möge. Er hätte sich der Mühe entheben können, das Ebenteuer des jungen Romanus zu erzählen, das sich im Jahre zsz zugetragen hat. Dieser junge Romanus hatte von Diokletianen in Antiochien Gnade erhalten. Dennoch saget er, der Richter Asklepiades habe ihn ver, urtheilr, verbrannt zu werden. Juden, die bey die, fem Auftritte zugegen waren, haben dev jungen Roma« nus verspottet, und den Christen vsrgeworfen, daß ihr ' Gott sie verbrennen lasse , welcher doch Sidrac, Misac, und Abdenago aus dem Feuerofen errettet hatte; also« bald habe sich bey dem heitersten Wetter ein Gewitter er« hoben, und das Feuer ausgeiöschet. Alsdann habe der Rich» «at / Märtyrer. Richter befohlen, man sollte dem jungen Aomanus die Zunge abschneiden r der erste Leibarzt des Raiftrs, der zugegen war, habe dienstfertig das Amt des Henkers vertreten, und ihm die Zunge von der Wurzel ausgeschnitten: sogleich habe der junge Mensch, der zuvor stotterte, mitsvjelrrFreyheit gesprochen: der Barser sey erstaunt gewesen, daß er ohne Zunge so gm redete: dev Arzt, um den Versuch zu wiederholen , habe auf der Steile einem Vorhergehenden die Zunge abgeschnitten, welcher augenblicklrch darüber starb. Luseb, aus welchem der Benediktiner Ruinart dieses Mährchcn gezogen hat, hätte die wahren wunderrdaten, die im alten und im neuen Testamente gewirket worden stnd , (woran nienrals Jemand zweifeln wird - so viel in Ehren halten sollen, daß er ihnen so verdächtige Ge, schichlchen nicht brygeseliet hätte. ich US ru. M rie< lhk sac, Iss- er- rck Der Benediktiner, Abr Ruinartist, wie unser Kritiker sagt, ein schätzbarer, gelehrter, und eifriger Mann; und, wie eben derselbe Kritiker sagt, ist der Benediktiner, Abt Nuinart, ein Mann ohne Behutsamkeit in der Wahl der Geschichten: er brrngr Ebenteuer, Mährchcn, verdächtige Geschichtchen für ächte Begebenheiten her. Man vergleiche all dieses mit einander, wenn es möglich ist. Nachmals sagt man uns, es sey nicht genug, daß eine Handschrift aus einer Attty der Benediktiner gehoben sey, und m t einer andern Handschrift übercinshmme, die aus einem Cä'estiverohcr Bernardinerkloster gehoben ist, damit sie acht sya möge. Und wir fragen, vb es genug siy, um ihre Richtigkeit in den Verdacht zu ziehen, daß em B 4 Mer-sich Lo Märtyrer. Mensch sie vermine, besonders wenn diese Verneinung tau« sendmal, als betriegüch und lügenhaft, überwiesen worden ist. Endlich heißt es, man müsse die Wunderthaten des al- ten und neuen Testaments, woran man niemals zweifeln wer« Le, so viel in Ehren halten, daß man ihnen keine verdächte gen Geschichtchen beygeftlle. Allein man lese in diesem Wer« ke die Artikel: wunderthaten, Moses, Sündfluth, Christenthum, u. s w. und schließe daraus/ wie viel jener eben so gottlose, als häuchlerische Mann die Wunderthaten dealte:? und neuen Testaments in Ehren halte. Iht wollen wir zur Geschichte seines junge» Romanus schreiten. Man könnte ihn erstlich fragen, warum er ihn altvaterisch Romanus heiße.ansiatt daß er ihn Roma» " nänn« te, wie ihn der Herr von Maupertuy übersetzet hat, und wie es die französische Sprache foderk. Weiter: warum sa« ger er beständig: der junge Romanus, da dieser Märtyrer ein gesetzter Mann, und Diakon der Kirche von Cäsaree» war? Aber wir wollen all dieses bey Seite lassen,'und den Inhalt der Erzählung Eusebs getreulich anführen. Dieser Bischof, welchen wir für Einen der gelehrtesten Männer nicht allein seiner Zeiten, sondern im ganzen Alter« thumr betrachten dörfen, war ein Zeitgenoß desjenigen, von dem er den Kampf erzählet. Und man vernehme, was er uns in seinem zweyten Buche von der Auferstehung und der Himmelfahrt unser« Herrn Jesu Christi davon berichtet. Der heilige Roman war ein Diakon der Kirche von Läsareen in Palästinen. Als ihn einige Geschaffte nöthig« ten, eine Reift nach Asien zu machen, kan? er durch An« tio-Lien, wo Asklcpiades, der daselbst Statthalter war, die Christen mit der äußersten Grausamkeit verfolgte, und es * I»i Zranzösischerr: komsin. Märtyrer. es so wett gebracht hatte, daß er mehrere zum Abfalls vom Glauben bewog. Als es Roman erfahren hatte, stellte er sich dem Asklepiades vor, und verwies chm seine Grausamkeit und seine Blindheit. Der Statthalter char, so viel er konnte, um diesen Fremdking zu gewinnen, oder schüchtern zu machen. Aber alles war vergebens; und nachdem er ihn die entsetzlichsten Peinen hatte ausstehen lassen, verurtheilte er ihn, lebendig verbrannt zu werden. Das Urkkeil sollte außer der Stadt vollzogen werden. Die Juden, welche zu Antiochien sehr zahlreich waren, giengen mir Begierde hinaus ; und als man anfieng, Feuer an den Scheiterhaufen zu legen, fiengen die Juden an, auf die Christen zu schimpfen, und sie au das Wunder der babylonischen Knaben za erinnern, da sie zu ihnen sagten, ihr Jesus wäre nicht so »räch, tig, Romanen zu bcfreyen, wie die drey hebräischen Knaben befreyet worden waren. Indessen daß sie also redeten, zog sich ein so heftiges Gewitter auf, daß Jedermann sich in aller Eile wegbege, ben mußte, und daß der Richter sich gezwungen sah, Romanen in das Gefängniß znrückführen zr> lassen. Als nachmals Asklepiades von diesem Zufalle Diokletianen, der damals zu Antiochien war, Bericht absiattete, «agre der Kai« ser zu ihm, er sollte den Gefangnen nur sitzen lassen. Aber der Richter, durch die Vorwürfe erbittert, die ihm Roman gemacht hatte, beredete bald Diokletianen wieder, und zur ersten Probe seiner Rachsucht ließ er dem heiligen Märtyrer die Zunge abschneiden. Er zwang einen christlichen Arzt, aber der unter der Marter abgefallen war, dieses Urthal zu vollziehen. Der Arzt thar es, und behielt aus einem Reste der Gottesfurcht, die Zunge des Märtyrers auf. Roman, nachdem ihm die Zunge abgeschnitten war, redete so B z unge, 22 Märtyrer. ungehindert, als zuvor. Er tröstete, ermahnte, unterricht tere die übrigen Gefangenen, welche über ein solches Wnn» der voll Erstaunens waren. Als der Richter davon Nachricht erhielt, glaubte er, daß ihn der Arzt betrogen habe. Aber dieser zeigte ihm Römers Zunge vor, und behauptete, es habe ihm nur die Macht Jesu Christi dis Sprache wietergeben, und nach einer solchen Mißhandlung das Le, ben erhalten können. Die Sache wurde bald durch ein Beyspiel bestätiget. Denn der starrsinnige Asklepiades ließ einen Menschen kommen, der zum Tode verdammet war, und hieß ihm die Zunge eben so rief abschneiden , als man sie Romanen abgeschnitten hatte; und der Mensch starb daran auf der Stelle. Etliche Tage darauf ließ Asklepiar -es, der beschämet, aber nur immer desto grausamer war, den heiligen Märtyrer in seinem Gefängnisse erdrosseln. Dieß ist in der Hauptsache die Erzählung Luftbs von Läsareen. Wir haben diesem Verfälscher der Martergeschichten schon etliche Fragen, auf Art einer Kritik, gcstellet. Mau hätte ihn» noch viele andere zu stellen. Man könnte ihn fragen: Wo haben Sie alle jene schönen geheimen Nachrichten her- geholet, die Sie erzählen? Wo haben Sie erfahren, daß der Arzt, welcher dem heiligen Roman die Zunge abschnikt, der erste Leibarzt d.s Kaisers gewesen sey? Wo haben Sie erfahren, daß Diokletian dem Märtyrer Gnade bewilliget habe, -he ihn Asklepiades zum Feuer verurkhcilte? Wo haben Sie erfahren, daß man einen Vorbeygehenden anhielt, dem man die Zunge abschnikt, um zu wissen , ob der Arzt die Wahrheit sagte ? Luseb, welcher uns die Geschichte des heiligen Märtyrers Romans aufbehalten hat, saget uns kein Wort von allen diesen Dingen. Nach Märtyrer. - sz Nach dem Verfasser des Handlexikons steht auch der Verfasser der philosophischen Gedanken wider die Märtyrer auf, welcher m seiner schwülstigen und unverständlichen Spra, che nicht einmal den geringsten Schein von Menschenverstände oder Wahrheit zeiget. Man kann aus dem, was wir von ihm ansühren wollen, davon mcheilen. VII. ' * wer für einen Gottesdienst sterben wollte, von dem er die Falschheit erkännte, wäre tollfinnig. Wer für einen falschen Gottesdienst stirbt, den er aber für wahr hält; oder für einen wahren Gottesdienst , von dem er aber deine Beweise hat, ist ein Schwärmer. * * * Es ist wider alle gesunde Vernunft zu sehen, daß es Menschen geben könne, die ihr Leben aufopferten, um die Wahrheit eines Gottesdienstes zu bestätigen, wovon sie die Falschheit erkännten. Dieß ist wider die Natur. Man muß mehr als ein Schwärmer sey, um zu behaupten , daß nur jene wahre Märtyrer sind, die für einen Gottesdienst sterben, wovon ihnen die Wahrheit geometrisch he, wiesenist. Eine Religion, Geschichten, Begebenheiten, die geometrisch bewiesen werden! das verlanget dieser neue Träu, mer. Dieß verlanget er, wie er sich an tausend Stellen her, ausläßt. ** wenn deine Religion wahr ist, saget er, so kann ihre Wahrheit augenscheinlich dargethan, und durch unumstößliche Gründe bewiesen werden. Man hat, um mich ' «» Ebend. N. ' Phil. Gedank.N. z». -4 Märtyrer. mich zu überwinden, einer einzigen Schlußrede vonnK, then. Laßt uns Vernunfrschlüsse machen. Ich kann mich auf meinen Verstand sicherer verlassen, als auf mei, ne Augen. Eine einzige erw'sisung rühret mich mehr, als raufend Geschichten. Können andere, als Schwärmer und Thoren, also reden, wie der Verfasser der philosophischen Gedanken spricht? VIII. Der wahre Märtyrer erwartet den Tod: der Enthusiast läuft ihm entgegen. * » * Man sollte sagen, daß dieser Mensch denken will, und er schwatzet nur Worte her, die keinen Sinn haben. Da das Wort: Märtyrer, nur soviel, als ein Zeuge, bedeutet, so ist weder die Entschlossenheit den Tod zu erwarten, noch der Edelmurh ihm entgegenzugehen, ein Kennzeichen dev Märtyrers. Die Standhaftigkeit, eher die Pernen und den Tod auszustrhen, als die Wahrheit zu verläugnen; diese zeichnet ihn aus. IX. wenn sich einer zu Mekka befände, und die Asche Mahomets verhöhnen, seine Altäre Umstürzen, und eine ganze Moschee in Verwirrung setzen wollte, der würde ganz gewiß gespießct, und vieleichr nicht heilig gesprochen werden. Dieser Eifer ist nicht mehr Mode, polieukt würde zu unfern Zeiten nur ein Tollsinniger ftyn. * » * Wir haben erkläret, was das Wort: Märtyrer, bedeute. Und wie har die Eigenschaft ernes Zeugen, oder die Zeugschaft, die man der Religion leistet, ein Verhält- n.ß ßch kiel ch ich -4 >!«h Märtyrer. 25 niß mit jenem Wortspiele von Mekka, und von der Asche Mahomers ? Aber der schwülstige Plauderer dachte einen großen Einfall durch dir Vergleichung des Christen, der die Asche Mahomers verhöhnte, mit dem Märtyrer polieukt auf die Bahne zu bringen , welcher, nve man erzählet, ei, nen Tempel der Heyden angezündek haben soll; welchen die, ser Mann für einen Tollsinnigen ausgiedt; und durch wel, chen er, wie mir scheint, uns bereden will, von allen übri, gen Märtyrern das gleiche Urtheil zu fällen. Aber wir fra» gen: Worauf gründet er sich , den heiligen polteukt einen Tollsinnigen zu heißen? vieleicht auf die Urkunden seines Marterthums? Aber diese Urkunden sind allezeit für sehr un, sicher gehalten worden. Es hat auch Abt Rittnarr ihnen in seiner Sammlung keinen Platz gegeben, und sein Na, men steht nicht im Buche der Märtyrer. Vielercht auf das schöne Trauerspiel des großen Corneille? Aber Corneille leget ihm nur Gesinnungen bey, die eines christlichen Heiden würdig find. Umerdessen laßt uns für wahr annehmen, was man vom heiligen polieukt saget. Was können und sollen wir von ihm unheilen? Eben Has, was der heilige Gregor von Nyssa vom heiligen Theodor geurtheilst hat, welcher sich im gleichen Falle, wie polteukt befand. Der heilige Theodor, als er bey andern Soldaten seiner Legion war, hörte sie wider die christliche Religion lästern, und die Lä strunzen noch mit Gespötte vereinigen. Er vmheidigle sie mit vielem Eifer und vieler Weisheit: die Befehlshaber erstaunten, und ließen ihm eine Zeit, damit er sich für das Christenthum, oder den Götzendienst erklären möchte. Während dieser Zeit legte er Feuer an einen Tempel der Cybele. Er wurde ergriffen; man doch ihm Gnade an, wenn er Jesu Christo entsagen B s wollte. 26 Märtyrer, wollte. Cr verabscheute diese Anbiethungen. Er übertrug die entsetzlichsten Peinen mit einer unglaublichen Standhaftigkeit , und ohne die mindeste Bestürzung jemals spüren zu lassen. Endlich wurde er ins Feuer geworfen, worinnen er starb, da er das Lob Jesu Christi sang. War Theodor ! wahrhaftig ein Märtyrer Jesu Christi ? Antworten Gie, Verfasser der philosophischen Gedanken! § H« 1 >ch xxvr. »7 XXVI. Materie. ^>as ist die Ma'crie? Ist die Materie ewig? Ist die Materie fähig zu denken ? Diese sind die wichtigsten Fragen, weiche der menschliche Verstand über diesen Gegen, stand austverftn mag: und wenn man es zu Stande bringt, dieselbe auf eine klare Weise, womit die Vernunft wahrhaft genüget siyn kann, auszulösen; so biegr man sicher allen Irrchümem vor, wozu die vermessene und gefährliche Philo, sophie unserer Zeiten verleiten möchte. Man redet alle Tage von der Materie, ohne daß man davon einen bestimmten Begriff hat, woran man sicher sich Hallen könnte. Man machet, über die Möglichkeit der Ewigkeit oder der Schöpfung der Materie, Vernunftschlüsse, die keinen Grund, keine Feste, keine Beweise Haber?. Man wirst die Frage auf: ob dis Materie nicht fähig wäre zu dem ken, und ob das Denken nicht eine Gabe wäre, die Gott der Materie hätte verleihen köiinen? Dieß machet einen der schönen Theile der neuartigen Philosophie aus; dieß giebt Leuten, die sich hem zu Tage für die Lehrmeister des menschlichen Geschlechts ausgeben, Stoff zu tiefsinnigen Betrachtungen; dieß wird oft in jenen einsichtvollen Werken abgehandelt, wodurch man vorgiebt, die Vernunft auszuklären, die Finsternisse der Unwissenheit zu zerstreuen, die Macht der Voruriheile nmzusiürzen, siche, re und unwandelbare Grundsätze an ihre Stelle zu bringen, und der Gesellschaft die wichtigsten Dienste zu leisten. Wir aber behaupten, daß, ohne alle diese hoffärtige Pralerey der Philosophie, eine gestrnde, aufmerksa ne Ver, nunft, »8 Materie, mmst, welche sich weder durch die großen Ausdrücke, noch durch den kühner, und entscheidenden Ton überraschen läßt; welche nichts zugiebt, was nicht deutlich vorgetragm, und kernhaft bewiesen ist: wir behaupten, sage ich, daß eine sol, che Vernunft, wie wir sie da vorstellen, sehr genügsam sey, diese Fragen aufzulösen; und daß es sogar der Vernunft, die also zu Werke geht, nur allein zukomme, dieselben auf, zulösen. Und auf diese Weift wollen wir nun selbst zu Werke gehen. Erste Frage. Was ift die Mattkle? ^^ie Materie liegt vor unfern Augen; sie ist in unsem Händen; sie läßt sich durch eine unendliche Menge Wirkungen auf alle unsre HülfSglieder fühlen: und dennoch fraget man seit mehr als zwey tausend Jahren, was die Materie sey; und nach unendlich vielen Erörtrungen und Un, tersuchungen weiß man heut zu Tage nicht mehr davon, als man vor zwey tausend Jahren wußte. Ja, wir dörfen sa, gen : jemeh^ man sich Mühe girbt, danach zu forschen, de, sto mehr suhlet man sich genöthiger, dem Ausspruche bey, zupflichten, welchen vor drey tausend Jahren ein Philosoph« scher König that. ^ Ich habe erkannt, saget er, daß niemals ein Mensch das Gcheimniß der Werke Gottes werde ergründen können. Inteilexi, «guoä omm'um operum Oei uuHam xollit Homo invenice rstio- vem. Alles, was wir von der Materie erkennen mögen, be, schränket sich auf etliche Beschaffenheiten und Eigenschaften, welche man, rheils aus verschiedenen Beobachtungen und " Erfahr, ' 'pred. Vlli. i Dil »Mi sLsi Ab Materie./ Z- Erfahrnissen, die man angefiettet hat, chellS aus den Diensten, die sie uns leistet, und dis man daraus ziehen kann, abnimmt. Deßhalben schließt man, daß die Materie eine Substanz sey, welche ausgedehnrt, cheilbar, träge. Las ist, ohne inwohnende Tharrgkeit, und fähig, die Bewegimg «nzunehmen, aber die Bewegung sich zu geben, unfähig ist. Diesen Begriff bringen uns von der Materie alle bey, die mit der meisten Genauigkeit und Klarheit davon gsur, theiler haben, wir haben , saget Locke, * von der Ms, terie keinen andern Begriff, als von einem Dinge, welches aus mehrern fühlbaren Eigenschaften besteht, die auf unsre Sinne wirken. Alles, was ich durch die Sinne wahrnehme, ist Materie, saget Rousseau: und ich leite alle wesentliche Eigenschaften der Materie von den fühlbaren Eigenschaften her, welche mir die Materie;« erkennen geben, und welche von ihr nicht getrennet werden können. Ihre Ausdehnung, ihre Theilbarkeit, ihre Fähigkeit, Eindruck auf unsre Hülfsglieder zu wirken, haben keines Beweises vonnScheu : unsre Sinne leisten uns beständig Zeugschast davon. »Ihre inwohnende Trägheit — uud diese fodert hier dis vorzüglichste Aufmerksamkeit — ist eine Sache, welche von allen größesteu, alten und neuen, Philosophen erkannt wurde ; und unter den alten hat keiner besser davon geurtheilet, als der weise Plato, und keiner har richtigere und vernünftigere Folgen daraus gezogen. Es ist wahr: Demokrit, der Lehrmeister Epikurs, hat nicht wie Plato, und wie dis andern Philosophen gedacht. Er scher die Materie in Bewegung , ohne daß er etwas sagen könnte, das seinen Sah untsr- - D. 2;. Rap. *' Emil. z. Band. zz. Seit. so Materie. unterstützte. Mer es ist auch wahr, daß Demokrit nur aus, sirmk, und keine Schlüsse inacht; und daß er auf die wahr, hast unauflöslichen Schwierigkeiten, die man ihm gegen die iuwohnen.de Bewegung der Materie einwirik, nichts antworten kann. Es ist eben so wahr, daß die Abderitancr aus Mitleids so dienstfertig warm, und Aerzte zu ihm schickten, damit sie sein verworrenes Hirn zu Rechte bringen möchten. Was die neuern betrifft, so bemerket man, daß unter jener großen Zahl der Philosophen vom höchsten Ansehen, welche bey diesen letztem Zeiten zum Vorscheine gekommen sind, kein einziger ist, der die Trägheit der Materie, und ihre inwohnende Unfähigkeit, sich die Bewegung zu geben, nicht als einen Hanpkgrundsaß voraus sehet. Copernrk, Repler, Descartes, Gassendi, Euler, Newton, Matte, bcanche: alle kommen damit einstimmig überein?. Und wenn man dem Ansehen dieser großen Männer noch Ver, mmftschlüsse bcyfüget, wird es nicht mehr möglich ftyn, der Angenscheinlichkeir des Grundsatzes den Beyfall zu versagen. Die Weise, über diesen Punkt Vernunftschlüsse zu ziehen, wollen wir aus dem Emil des Rousseau hernehmen. * „ Ich sehe die Materie „ , sag>?r er, „ bald in i, Bewegung, bald in Ruhe; woraus ich schließe. Laß ,r r „ die Ruhe, noch die Bewegung von ihr eine wesentliche Ei, „ genschaft sey. Aber da die Bewegung eine Handlung „ ist, so ist sie dann die Wirkung einer Ursache, und die „ Ruhr ist die Abwesenheit dieser Ursache. Wenn nichts „ auf die Materie wirket, so bewegt sie sich nicht; und eben „ deßhalben, weil sie zur Ruhe und zur Bewegung gleich, „ gültig ist, so ist ihr natürlicher Zustand, in der Ruhe „ zu bleiben „. Nach, ' r. Band. 4°. Seite» Materie. gr Nachdem er mit vieler Richtigkeit, Klarheit, und Ger oauigkeit die leidende und nütgetheilte Bewegung von der willkührlichen und eigenwilligen Bewegung unterschieden hat, saget er diese merkwürdigen Worte: „ Denken, daß „ die Materie die Bewegung hervorbringe, heißt eine Wir- „ kung ohne Ursache denken; es heißt durchaus nichts den« „ ken „: -- und er fährt weiter fort: * „ Ist es nicht klar: Wenn die Bewegung znr Materie „ wesentlich wäre, so könnte sie nicht von ihr gttrenner wer, „ den; sie wäre allezeit im gleichen Grade in ihr, und alle, „ zeit gleich beschaffen in jedem Thcile der Materie; sie wa, „ re unmittheilbar; sie könnte weder znnehmen, noch ver, „ mindert werden; und man könnte nicht einmal die Ma, „ terie in der Ruhe denken? „ Wenn man mir saget, die Bewegung sey zur Ma, „ terie nicht wesentlich, aber nothwendig, sowilltnan „ mich durch Worte täuschen, welche leichter zu widerlegen „ wären, wenn sie ein Bißchen verständlichere Deutung hät- „ ten. Denn entweder bekömmt die Materie ihre Bewe, ,, gnng von sich selbsten: und alsdann ist sie wesentlich zu „ ihr; oder wenn sie die Bewegung von einer fremden Nr, „ sache bekömmt, so ist sie zur Materie nur soweit noch, wendig, als die bewegende Ursache ans sie wirket r da „ stößt uns die erste Beschwerniß wieder auf. „ Die allgemeinen und abstrakten Begriffe sind die „ Quelle der größestm Jrrthümer unter den Menschen. „ Niemals hat die unverständliche Sprache der Metaphysik „ eine Wahrheit entdecken helfen; und sie hat die Philoso, ,/ phie mit Ungereimtheiten überhäufet, worüber man sich „ schämet, sobald rnan ihnen die Verkleidung ihrer großen Wons ' Eben-. 47. Seit. / Zr Materie. „ Worte auszieht. Sagen Sie mir, mein Freund! Wenn „ man Ihnen von einer blinden Rraft redet, die in der „ ganzen Naruc ausgebreitet ist / bringt man Ihrem Ver- „ stände einen wahren Begriff bey? Man glaubet, durch „ diese unbedeutenden Worte, von allgemeiner Rraft, von ,, notywendiger Bewegung, etwas zu sagen, und man „ jäger nicht das Geringste dadurch, „ Der Begriff einer Bewegung ist nichts anders, als „ der Begriff einer Versetzung vdn einem Orte in einen an« „ dem: es giebt keine Bewegung ohne eine Richtung; denn „ ein untheilöares Wesen kann sich nicht zugleich auf alle „ Arten bewegen. Auf was für eine Art bewegt sich dann „ die Materie norhwendiz? „ Hat die ganze Materie in einem Körper eine einför« „ mige Bewegung? oder hat ein jedes Atom feine eigene „ Bewegung? Nach dem ersten Vegnffe soll das ganze „ Weltall eine feste und uncheilbare Masse ausmachen: nach ^ dem zweyten soll es ein zerstreutes, unzusammenhangen« „ des, flüßiges Ding bilden, ohne daß es jemals möglich „ wäre, daß zwey Aromen sich vereinigten. ,, Nach welcher Richtung soll diese gemeine Bewegung „ der ganzen Materie geschehet!? In gerader Laue? auf« „ wärtS? abwärts? zue Rechte!» oder zur Linken? Wenn „ jedes Theilchen der Materie ferne sonderbare Richtung hat, „ was werden die Ursachen aller dieser Richtungen und aller „ dieser Verschiedenheiten ftyn? Wenn jedes Atom oder „ Theilchen der Materie nur um seinen eigenen Mittelpunkt sich herumörehere, so würde niemals etwas aus seiner „ Stelle v.rrücket werden, und es gäbe kerne mitgetheilte „ Bewegung: noch dazu müßte drest zirkelförmrge Bewe, „ gUi'.Z nach ekiee Art bestimmet scyn. Giedt man der „ Äta« 'Dl AD «O M h, ^! Materie. gz „ Materie eine abstrackte Bewegung, so saget man etwas, „ das nichts bedeutet: und giebt man ihr eine bestimmte „ Bewegung, so seht man eine Ursache voraus, wodurch ,, sie bestimmet wird,,. Sehet man also, daß die Be, wegung wesentlich oder nochwendig zur Marerie sey, so sehet man etwas, das wider alle Einsichten der Vernunft, der Beurcheilung, und des Menschenverstandes streitet. Hier ist dann die Trägheit der Materie so weit erwiesen, als immer ein Ding einer Erweisung fähig ist. Es war von, nöthen sich über diesen Punkt aufzuhalten: i. Um unsre Ber griffe besser zu bestimmen, in Absicht auf das, was wie von der Materie behaupten können. 2. Um die dritte Fra, ge, die wir gestellet haben, sicherer aufzulösen, z. Um dem Mißbrauche vorzubiegen, den gewisse Verführer mit jenen unbestimmten Säßen treiben; nämlich: wir kennend» Materie nicht; die Materie besitze Eigenschaften, die uns unbekannt seyn; wenn es daraufankomme zu entscheiden, wozu die Materie fähig oder unfähig sey, müsse man äußerst behutsam dareingehen. Man muß behutsam dareingehen: das gestehen wir»' Aber man muß auf gleiche Weise standhaft und unwidersprechend seyn, wenn man nach sichern, klar entwickelten, und auf die Erfahrniß gegründeten Grundsätzen, nach Len Beobachtungen, nach dem Geständnisse, und nach der Ein, stimmung der aufgeklärtesten Philosophen, zu Werke gehr, wie wir es machen. Wir gestehen dann, um die gestellte Frage aufzulösen, daß wir die Materie nur aus ihren fühlbaren Eigenschaften, das ist, aus ihrer Ausdehnung, ihrer Theilbarkeit, ihrer Trägheit, ihrer Gleichgültigkeit zur Ruhe oder zur Bewegung , und aus den Wirkungen erkennen, di« sie, sowohl II. Band. > C durch 34 Materie. durch L 4e Gestalt oder die Form, als durch die Bewegung, welche i rie auswärtigen Ursachen ihren Theilen eindrücken, auf unst !e Sinne machet. Dieß ist alles, was wir davon behaupte n können. Darauf beschränken sich unsre Kennt, Nisse in i Msichtl der Materie. Dieß ist alles, was wir vom nöthen h aöen davon zu erkennen. Man sieht schon die wichtigen F-.! gerungen ein, welche man aus Liesen verschiedenen Punkten ziehen mag. Die Materie ist zu unserm Gebrauche und zu unserm Dienste i ^schaffen worden. Es wäre vergeblich, und sogar gefährliö y, wenn wir mehr davon kennen wollten. Alles, was uns die Philosophen seit zwanzig Jahrhunderten davon gesagt hc tben, ist ein Beweis, daß es vergeblich ; und alle Jrrthüm er, worein sie gefallen, sind ein Beweis, daß es ge, jährlich» »rare. Der Weise wird nur alsdann sicher wandeln, wann er sich in seinen Untersuchungen von der Materie auf die Kennt ruß der Eigenschaften einschränket, welche wir an, gesützret s raben. Zweyte Frage. Ist die Materie ewig? <"^>ie Vernunft ist Anfangs verlegen auf diese Frage zu anc- tvor ren. Die Offenbarung saget, die Materie sey er, ~ schaffen worden; und die Vernunft, durch das Licht der Oft ftnbarung beleuchtet, machet folglich darüber stärkere Be, trachmngm, und fasset besser, daß es nothwendig sey, die Schöpfting der Materie zuzulassen. Sie begreift alsdann, Laß die Ewigkeit der Materie weder mit den Einsichten einer lautern Vernunft, noch mit dem Begriffe, den wir von Got, te haben, sich vertragen könne. Laßt uns diese zween Punk, te entwickeln und aufklären, welche desto mehr Aufmerksam, keit W « Ä Ä !s: K ft! Materie. zs keit verdienen, je mehr sie einfach, natürlich und geschickt Md, die Frage deutlich aufzulösen. 8. I. Die Ewigkeit der Materie verträgt sich nicht mit dem, ^ was uns die Einsichten einer lautern Vernunft vorstellen. Erstlich wird einem achtsamen Verstände nichts ungereimter scheinen, als die Vereinigung dieser zweener Begriffe und dieser zweyer Worte: Materie und Ewig. Denn wenn di« Materie ewig ist, so besteht sie aus sich sechsten; sie ist dann sechsten ihr Ursprung. Wenn sie aus sich sechsten besteht, so ist sie dann unabhängig von Gotte: Gott könnte sie eben so wenig vernichten, als er sie erschaffen konnte. Er hat sie nicht erschaffen können; er könnte sie dann nicht vernichten. Ein Sandkörnchen wäre dann genügsam, um die Allmacht Gottes zu vereiteln; und das Daseyn der Materie und aller Theile der Materie wäre dann eben so nolhwendrg, als das Dastyn Gvrres sechsten. Ferner: Es ist bewiesen, daß die Materie wesentlich träge, und aus sich sechsten keiner Thätigkeit fähig ist, wie wir es in der Untersuchung der ersten Frage gesehen haben. Nun worüber würde sich die Vernunft mehr entsetzen, als wenn man ohne Noch und ohne Beweise eine Substanz zu» ließe, die ewig Da wäre, und ewig zu allem unfähig wäre; die alles von sich selbst empfangen hätte, und die aus sich sechsten nichts vermöchte; die ewig zu allen, unuützlich wäre, und ewig erwartete, bis eine allmächtige Hand sie in die Thätigkeit ffetzre? ^ C 2 Worüber zs Materie. Worüber würde sich die Vernunft mehr entsetzen, und was sollte ihr ungereimter scheinen, als wenn man ohne Noch und ohne Beweise eine solche Substanz zuließe? Ich sage, ohne Noch und ohne Beweise: i. Ohne Noch, weil man / um den Ursprung der Materie zu erklären, einen andern Weg hat, Vereinfach, und gut gegründet ist, der die Vernunft befriediget, und alle ihre Ungewißheiten zum Ende bringt. 2. Ohne Beweise, rv-i! alle jene, die uns von einer ewigen Materie sprechen wollen, uns niemals den mindesten Grund angeben können, um ihre Meynung zu bestätigen. Der Weg, den wir angebekr, um den Ursprung der Materie zu erklären, ist die Schöpfung. Dieser Weg ist einfach: denn wenn die Schöpfung immer so unbegreiflich wäre, so verschwinden doch alle Beschwernisse, wann man sie für die Handlung einer unendlichen Macht betrachtet. Er ist gut gegründet: denn er wird durch die Offenbarung bestätiget, welche eine bewiesene Sache ist. Er stellt die Vernunft zufrieden: denn dadurch erscheint Gott wahrhaftig als Gott, und wahrhaftig unendlich in seiner Macht. Aber jene, die uns von einer ewigen Materie sprechen, geben uns nicht allein keinen Beweis, um ihre Meynung zu bestätigen; sondern, ich sage noch mehr: man kann sich nichts Verächtlichere, ja sogar nichts Lächerlichers einbilden, als ihre sogenannten Schlußgründe und Vcrnunftschlüsse sind. Man urtheile davon nach dem, was wir aus dem großen Orakel der heutigen Philosophen herbeybringen wollen. Materie. I. 37 2° Wenn es nicht nothwendig war, daß die Mate, rie da wäre, warum ist sie denn da ? Und wenn sie da seyn mußte, warum sollte sie nicht allezeit da gewe« sen seyn? 4it Hier ist in Wahrheit ein sehr bündiger Vernunftschluß. Er läuft ohngefähr auf diesen hinaus: Wenn es nicht noch, wendig war, daß der Verfasser des Handlexikons da wäre, warum ist er dennoch da? Wird man aus seinem wirklichen Daseyn auf die Noch, Wendigkeit seines Daseyns schließen müssen? Warum ist die Materie da? Weil es Gott gewollt hat. Warum ist jener Gottlose da? Weil es Gott zuge, lassen hat. Der allmächtige und unendlich weise Willen Gottes ist die einzige Grundursache, die man von der Schöpfung angeben kann. Iota ratio LsÄi eü omni- xoteutia fgLientis. II. Rein Schulsay ist jemals so allgemein angenommen worden, als dieser: Aus Nichts wird Nichts. Fürwahr, der Gegensatz ist unbegreiflich. * » * Kein Schulsaß ist jemals richtiger gewesen, wenn es darauf ankömmt, die Macht des Menschen zu messen: mit Nichts kann er nichts machen. Aber wird sich der Mensch rühmen, die Allmacht Gottes messen zu können ? Wird er beweisen, es sey unmöglich, daß Gott ein Schöpfer sey ? III. * Phil. Han-lex. " Augustin, a» Marcrll. C z 38 Materie. IU. Die Ewigkeit der Materie hat bey keinem Volke dem Dienste der Gottheit geschadet. * » * Ir besser mm die Gottheit kennst, desto besser kann man sie ehren. Die Unwissenheit etlicher göttlicher Eigenschaften vertilget den Gorte^cienst nicht; aber sie machet ihn noch« wendig unvollkommener. Nichts giebr uns die Hoheit Gottes besser zu erkennen, als die Schöpfung aller Dinge durch sein allmächtiges Wort. Er gebeut dem Nichts; und das Nichts höret 'eine Stimme. Er saget: es werde Licht; und in eben demselben Augenblicke wurde Licht. * Er redet; und alles entsteht auf sein Wort. Haben jemals die Philosophen so erhabne Begriffe gehabt? haben sie jemals einen so großen Gott aufgewiesen ? IV. Die Religion entsetzte sich niemals darüber, daß ein ewiger Gott für den Herrn einer ewigen Materie erkannt werden sollte. * » * Van weiß, daß die Religion, dieses Mannes sich nicht leicht entsetzet. Im Usi ngen, was will er durch diese son, Len aren Ausdcütte sagen ? Aber wir wollen ihm hernach zu erkennen geben, daß er sich gewaltig verhaut. V. Der Vegriff des Chaos, das von einem Gotte Ln die Ordnung gebracht wird, befindet sich m allen alten Götterlehren, Hksiodus wiederholte, was ganz Morgenland > k'r« Kchj ttzjj »« ich tzi, -ch M ch i. B. Moses, t. *' psillm. -q8. Materie. 39 land dachte, als er in seiner Götterlehre sagte: Das Chaos ist zum ersten da gewesen. Gvid sprach im Namen des ganzen römischen Reiches, als er sagte: Hieudi äichoksni, guisgais kmt:» illsOcorum Longenem lscuit. * ^ * DerBegriffdes Chaos ist augenscheinlich ans Moses hergenommeu. * Die Erde, saget er, war Anfangs nur eine unförmige Masse, ohne Ordnung, ohne Puh, ohne Zierde: sie war in Dunkelheit und in Wasser eingehüllrt. Es war noch nichts darauf, das sie verschönerte, und be, lebte. Es waren weder Bäume, noch Pflanzen, weder Thiere, noch Sonne da, um sie zu erwärmen, zu beleuch, ten, und zu beseelen. Perra autem erat insnis Lc vacua : Le tenebrse erunt super iaciem ub^lli ; ör. Lpiritus Domini serebstur super sc^uss. Also war die Welt im Au, genblicke ihrer Hervorkunst beschaffen; dieß war gleichsain die erste Handlung der Schöpfung. Aber dieser Begriff des Chaos streitet.'keineswegs wider den Be'griff der Schö, pfung: denn ehe Gott in dem Himmel und ck.uf der Erde jene schöne Ordnung einseßte, die wir da bewmrdcr'n, zog er sie zum Anfangs aus dem Nichts hervor, wie uns eöe.7 der, sselbe Moses saget : ln principio crsavit Deus cselum cx" terram. Das Andenken dieses ersten Zustands der Erde, welcher nur etliche Stunden, und vieleicht nur etliche Augenblicke daurete, wurde bey allen Völkern unterhalten. Ist ^ ^ wundern, wenn Hesisdus Und C>vid davon gemeldet haben ? Aber die Dichter, nasche sich allezeit mehr beeiftrten, ihre C 4 - r. S. Moses. I. 4« Materie. Einbildungen vorzutragen, als die Wahrheit zu zeigen, mach, ten davon verschiedene Beschreibungen, worunter keine der majestätischen Einfalt von der Erzählung des Moses gleich, kam: keiner schwang sich zu jenen erhabenen Begriffen hin» an; und alle verfehlten das Größeste dabey : nämlich, zu zeigen, wie diese Welt noch in Len Windeln der Kindheit ein, gehüllet war, und auf das allmächtige Wort des Schöpfers aus dem Nichts hervorstieg. Wie klein sind Hesiodus und Ovid vor dem Geschichteschreiber der Welrschöpfung! VI. Da die Materie ewig ist, mußte sie ewige Eigen, schäften haben, wie die Gestaltahnlichkeit, die Rraft der Tragbeit, die Bewegung, und die Theilbarkeit. Aber diese Theilbarkeit rst nur die Folge der Bewegung; denn ohne Bewegung läßt sich nichts theilen, nichts abson, dern, und nichts in die Ordnung bringen. Man betrachtete dann die Bewegung, als eine wesentliche Eigenschaft der Materie. * » * Hier ist -er Unsinn auf den höchsten Grad getrieben, zur äußersten Erniedrigung des Hoffärtigsten unter allen Menschen. 1. Er sitzet als verstanden, oder zugegeben, oder bewies sen voraus, daß die Materie ewig sey; und eigentlich von diesem ist Ae Frage, wovon er nicht den mindesten Beweis beygebracht hat. 2. Er sehet unter die Eigenschaften der Materie die Kraft der Trägheit; und die Kraft der Trägheit ist nichts. Sie - bedeutet nur die Masse , die Größe, oder die Menge der Mocerie. Nun dieses Zeiget keine Eigenschaft -er Materie an: Materie. 4» an: es zeiget nur die Beschwerniß an, welche eine Macht fühlen würde, diese Masse, diese Größe, diese Menge zu bewegen. Z. Unter diese Eigenschaften der Materie sehet er auch die Bewegung. Allein , es ist in der Antwort auf die vorhergehende Frage bewiesen, daß die Materie zur Ruhe oder zur Bewegung ganz gleichgültig ist. 4. Der gute Mann verirrt sich, wann er saget, die Theilbarkeit sey nur die Folge der Bewegung. Die Thei, lung ist die Folge der Bewegung, und nicht die Theilbarkeit. Man rheilet ein Ding mit Hülfe der Bewegung nur deß-- halben, weil es theilbar ist: aber es ist ehe theilbar, als man zur Theilung schreitet. O mein Verfasser des Handlexikons! Sie börsten wohl in die Schule gehen, um ein Bißchen Logik zu lernen. Wir haben nun erstlich bewiesen, daß der Begriff einer ewigen Materie mit dem, was uns die lautersten Kenntnisse der Vernunft vorstellen, nicht vereinbart werden kann: wir haben gezeiget, daß alles, was man diesem Beweise entge, genstellet, nur Mitleid verdienet: ißt wollen wir darthun, daß eben derselbe Begriff von der Ewigkeit der Materie mit dem Begriffe, den wir von Gotte haben, sich nicht vergleichen lasse. Z. II. Die Ewigkeit der Materie verträgt sich mit dem Begriffe nicht, den wir von Gotte haben. Was ist Gott ? Wenn wir alles vereinigen, was uns die lauterste Vernunft, die aufgeklärteste Philosophie, die erhabenste Offenbarung von ihm entdecken; so werden wir C s finden, 42 Materie. >gß! finden, daß alles,was man von seinen Hoheiten begreifen ^ und sagen kan, durch dieses einzige Wort ausgedrückt werde: ^ Der Unendliche. Gott ist das unendliche, norhwendig unendliche , in allen Vollkommenheiten unendliche Wesen. Es .. wird gewiß weder einen Philosophen, noch einen Deisten ge, ben, welcher sich weigerte, diesen Begriff anzunehmen, den ^ wir von Gotte beybringen. Wenn nun Gott unendlich ist, muß er das Daseyn von sich sechsten haben. Die Abhängigkeit im Daseyn wäre ei, ne große Unvollkommenheit. Allein, jede Unvollkommenheit widerspricht dem Begriffe des Unendlichen. Wenn Gort unendlich ist, so muß sein Daseyn, die Art seines Daftyns, seine Einsichten, sein Willen, seine Macht auf gleiche Weift unendlich seyn. Ist seine Macht unendlich, so kann sie dann Las Daseyn gegen; sie kann erschaffen; sie kann machen, Laß da sey, was nicht da war: denn dieß ist der größeste Beweis, daß die Macht wahrhaftig unendlich sey. Wenn er unendlich ist, muß er eine unbeschränkte Gewalt über alles haben, was da ist; also, daß nichts da sey, und nichts da seyn könne, als durch seinen Willen. Läugnen, daß Gott erschaffen könne, heißt läugnen, daß seine Macht unendlich sey: und läugnen, daß seine Macht unendlich sey, heißt sein Daseyn läugnen. Ein unendlicher Gott! ein göttlicher Schöpfer! dieß " ist der erhabenste Begriff, den wir uns vom höchsten Wesen machen können; dieß ist das Größeste, was unsre Vernunft von ihm Lenken kann. Und wie groß ist der Um " terschied zwischen einem Gotte, der nur eine Materie zu ord, uen hat, die vorher da ist, und einem Gotte, welcher Schö, pftr ist, welcher der Materie tzge Dal-^ : ^er Be, Ml« U! Ät Materie. 47 daß es nochwendig sey, die Schöpfung der Materie anzu, nehmen. Die Ewigkeit der Materie widerstrebet allen lautersten Einsichten; sie vernichtet auf gewisse Weise den Begriff von Gotte; sie ist unendlich unbegreiflicher, als der Lehrsaß von der Schöpfung: und alle, die von der ewigen Materie spre« chen , sagen nur unbestimmte Worte her, und bringen nicht Len mindesten Schein von Vernunft, von Beweisen, oder auch von Wahrscheinlichkeit auf. Dritte Frage. Ist die Materie fähig zu denken? die Ausdrücke von Materie, von Gedanken, von denkendem Wesen eben so deutlich sind, als die Bestimmungen, die man davon geben könnte; so wollen wir dennoch von eben diesen Ausdrücken Erklärungen, oder Er« läntrungen, oder Bestimmungen vortragen, welche uns durch, aus nochwendig geschienen haben. Wir denken, daß die Begriffe dadurch bestimmet werden sollen, daß man besser ver, standen werden könne, und daß die Frage leichter zu enrschei, den seyn werde. Durch das Wort: Materie, versteht man, wie wir ge, sagt haben, eine ausgedehnte, thrilbare, trage Substanz, welche nur durch die Bewegung, die ihr eingedrücket wird, und durch die Form und Gestalt ihrer Theile wirken kann. Unk4r dem Worte: Gedanken, begreift man alles, was die Fassung und die Kennrniß eines Gegenstandes, oder die Untersuchung, die man damit anstellet, oder das Urcheil, das man darüber fällt, oder die Vernunftschlüsse, die man nach jenen Kenntnissen und jener Untersuchung machet, betreffen mag. Durch 46 Materie. Durch denkendes oder verständiges Wesen versteht man jenes, welches fähig ist, nicht allein die fühlbaren Gegen, stände zu begreifen und zu erkennen, sondern auch diejenigen, die pur aus dem Verstände genommen, und abstrackr sind; welches dieselben einzeln und abgesondert annehmen, oder in eine Gattung versammeln, und unter den gleichen Begriffen vereinigen kann, also, daß die Kmntniß allem! gleich denk» lich und gewiß sey, sowohl wann sie auf die einzelnen Din» ge geht, als wann sie davon eine gänzliche Abziehung mar chet. Ich glaube nicht, daß unter den Menschen , die sich vernünftig zu denken befleißen. Jemand sey, der sich weiger, te, diese Erklärungen, oder Erläurrungen, oder Bestimr mungen anzunehmen. Aber da man sie annimmt, scheint die Frage schon gänzlich aufgelöst; und es ist nicht mehr schwer zu beweisen, daß die Materie durchaus unfähig sey zu denken. Dieß wollen wir durch etliche einfache Verr nunstschlüsse, die Jedermann fassen kann, an den Tag legen. Erster Vernunftschluß. Jede Handlung oder Eigenschaft der Materie ist theilbar. Nun aber, der Gedanken ist nicht theilbar. Folglich kamt der Gedanken weder die Wirkung, noch die Handlung, noch eine Eigenschaft der Materie ftyn. Folglich ist die Marerie unfähig zu denken, oder den Gedanken hervorzubnngen. Laß! uns diese drey Sähe in das Helleste Licht schm! i. Der Vordersaß heißt, daß jede Handlung und jede Ei» ' genschaft der Marerie theilbar fty. Damit wir von dieser Wahrheit überzeuget werden , wollen wir erstlich die Hand» lung der Materie untersuchen. , Die Materie. 47 Die Materie wirket nur, und kann nur durch die Be, wegung wirken, die ihr eingedrücket wird, und durch den Ern« druck, welchen alsdann die Theile der Materie auf die Ge« gmstände machen. Dieß ist ein Grundsatz, den Niemand in Zweifel ziehen kann. Also ist das Licht, das uns beleuch» tet, und uns die Gegenstände fühlbar machet, nichts anders, als ein Haufe ungemein feiner und verdünnerter Materie, welche nach den Gegenständen hingetriebcn wird, von den Gegenständen auf unser Aug zurückbricht, und darinnen ihr Bild malet. Was ist der Ton ? Eine sich bewegende Luft, welche 'durch ihre zitternden Bewegungen an die Nerven un« fers Gehörsinnes schlägt, und daraufErschürrrungen verur, fachet, wodurch wir erkennen, was man di- Töne heißt. Der Geruch ist nichts anders, als der Eindruck, welchen die Theile, die sich von den riechenden Gegenständen abreißen, und den Geruchsinn rege machen, aufdieseö Hülfüglied wirken. Das Wachsrhum ist die Wirkung eines Umlau, fes, welcher die Nahrung in alle Theile des wachsenden Körpers bringt; und dieser Umlauf selbsten ist die Wirkung der Bewegung, die eine erhitzte und ausgedehnte Luft Theilen der Materie eindrücket. Jene Lust treibt Liese Theile, wel, che selbst wieder andere treiben; und daraus entsteht der Umlauf, und die große Grundursache des Wachsrhumö. In allen diesen Handlungen, und auf gleiche Weise in allen übrigen Handlungen der Materie sieht man nichts, als Bewegung, und Theile, die in Bewegung gesetzet sind. Nun ist es sonnenklar, daß all dieses theilbar ist. Folglich sind alle Handlungen der Materie theilbar, weil man dabey nur Theile begreift, die in Bewegung gesetzet werden. Was wir von den Handlungen der Marerie sagen, soll man auf gleiche Weise von allen ihren Eigenschaften, und Be- 48 Materie. Beschaffenheiten sagen: denn alle diese Beschaffenheiten und Eigenschaften, die wir an ihr kennen, sind nur die Wirkung der Bewegung, der Gestalt, der Form, und der Zusammensetzung ihrer Theile. Wir erklären uns in diesem Punkte nicht weitläufiger, weil wir in einem andern Artikel dieses Werkes * zur Genüge davon reden werden. 2. Daß der Gedanken, die Kennmiß , die Gesinnung nicht theilbar seyn, ist eine Sache, die man nicht beweisen will: denn es scheint, es werde niemals einen so ausschwei, senden Menschen geben, daß er dieses anstreiten möchte. Was könnte man in der That zu einem Menschen sagen, der behaupten wollte, daß ein Gedanken, eine Gesinnung, eine Bejahung, eine Verneinung eben so fähig ,eyn, gerheiletzu werden, als eine Linie, ein Zirkel, einDreyeck? der von der Hälfte, vom dritten, vom vierten Theile einer Verrichtung des Willens oder des Verstandes redete ? der sich einvib dete, man könne einen Gedanken vertheilen, wie man was immer für eine Zahl, eine Masse, eine Menge theiltt. Jene, die dergleichen Reden führen könnten, möchten immer so ver, achtenswürdig seyn, so verdieneten sie dennoch mehr Mit« leid als Verachtung. Das innerste Gefühl saget uns allen, daß nichts einfacher ist, als jene Verrichtungen, durch welche wir denken, wollen, urtheilen, und schließen: daß diese Verrichtungen, welche in uns sind, sich weder auf das Haupt, noch auf einen andern Theil des Körpers, noch auf dem Umlauf des Geblüts beziehen: daß diese Verrichtungen nur die Weise sind, nach welcher etwas, das in uns ist, das wir sechsten ist, sich zu den Gegenständen wendet; es mögen die Gegen, stände fühlbar seyn, oder über den Kreis unsrer Sinne hinaus. ' Leym Artikel: Seel«. 'ÄS öiü W, Materie. 49 hinausreichen: und daß es unmöglich ist, in diesen Verrich, tmigen den mindesten Grund zu einer TheUbarkeü zu de, greifen. Hier sicht man dann erstlich einen wesentlichen Unter« schied zwischen der Handlung der Materie und dem Gedan» ken; sosann einen Grundsatz, woraus man die-'e augenschem, siche Folgerung zieht: Die Materie kann den Gedanken nicht Hervorbringen, und sie rft unfähig zu denken. Zweyter Vernunftschluß. Der Gedanken kann nicht aus der Materie Herkommen, und nicht von der Materie hervorgebracht werden, wenn es unmöglich ist , daß die Materie den Begriff vom Gedanken erzeuge. Nun, es ist unmöglich, daß die Materie den Be, griff vom Gedanken erzeuge. Folglich kann der Gedanken nicht aus der Materie Herkommen, oder von der Materie hervorgebracht werden. Es ist ein angenommener Grundsatz und ein Schulspruch: Die Ursache begreift ihre Wirkung in sich; und die Wirkung ist in der Ursache enthalten. Mithin, sobald man die Ursache erkennt, kann man auch die Wirkung erkennen , oder zum wenigsten vermuthm. Der Vordersatz leidet dann keinen Anstand. Der Mittersaß ist von Locken, den uns Voltaire allezeit für den großen Beschützer des Materialismus angicbk. * Es erhellet mit der äußersten Rlarheit, saget Locke, gleich, wie wir keinen andern Begriff von der Materie har den, als von einem Dinge, welches aus Mehrern fühlbaren Eigenschaften besteht, die unsre Sinne rühren; daß ' in v. -z. Rap. H. Band. D 5O Materie. daß wir auf gleiche weise, sobald wir einen Gegenstand gefttzet haben, in welchem der Gedanken, die Rennmiß, der Zweifel, u. s. w. bestehen, alsogleich einen eben so deutlichen Begriff von der Substanz des Geistes, als von der Substanz des Rörpers haben. Folglich kann uns, nach Herrn Locke, der Begriff, Len wir von der Materie haben, nicht zu dem Begriffe vom Gedanken leiten, und der Begriff vom Gedanken läßt sich mildem Begriffe von der Materie nicht vereinigen. Er saget ferner: * Es ist unmöglich zu begreifen, daß die Materie aus ihrem Schooße die Gesinnung, die Fassung, die Renntniß Hervorbringen möge. Denn man theile sie Ln so viele Theile, als man will; man gebe ihr alle Bewegungen und Formen, die man verlanget; so werden diese unendlich kleinen Theile auf Rörper von einer Größe, die mit ihnen ein Gleichmaaß hat, nach keiner andern weise wirken, als auf Rörper von einem Zolle oder einem Fuße im Durchschnitte. Die Theile von einem Zolle oder Fuße im Durchschnitte treiben einander; dieß ist alles, was sie thun können , die kleinen haben nicht mehr Vermögen. Also, wenn die großen Theile den Gedanken nicht erzeugen können, so können ihn die kleinen eben so wenig erzen, gen. Endlich die Bewegung, saget er weiter, kann niemals den Gedanken erzeugen; und es wird allezeit eben so sehr über die Rräfte der Bewegung und der Materie seyn, die Renntniß hervorzubringen, als es über die Rräfte des Nichts ist, -Le Materie hervsrzubringen. Materie. sr Dritter Vernunftschluß. Der Gedanken ist eine 2lrt, oder eine Modifikation der denkenden Substanz. Nun aber, keine N7odification der Materie kann der Gedanken seyn. Folglich kann die Ma, terie keine denkende Substanz seyn. ' Da der Gedanken die Weise ist, nach welcher man sich an die Gegenstände wendet, um sie zu betrachten, zu erkennen , zu beurkheilen; so ist es sonnenklar, daß der Gedanken die Art einer Substanz ist. Mithin ist der Vordersich unstreitbar. Der Mittersich ist es nicht weniger. Denn alle Modifikationen der Materie beschränken sich auf die Bewegung, die inan ihren Theilen emdrücket, oder aufdie Anordnung, die man ihnen giebr, oder aufdie Form, die sie haben. Nun getrauet sich Niemand zu sagen, daß der Trieb, den man etlichen Theilen der Materie giebt, oder ihre Anordnung, oder ihre Form Gedanken seyn. Oder wenn Jemand es wägete , Ließ zu sagen, so würde man seine Zeit nicht verlieren, ihm zu antworten. Damit man der Stärke dieser Vernunftschlüsse auswei, che, wird man vieleichr sagen, man behaupte nicht, Laß eine rohe und grobe Materie fähig fty zu denken, und man lege diese Kraft nur der allerfeinsten Materie bey, welche durch die Organisation zum Besten verfeinert wäre. Oder man wird etwa sagen, das, was man Gedanken oder Gesinnung nennt, fty nichts anders, als die Bewegung oder der Stoß der geistigsten Theile des Geblüts an die Substanz des Hirnes. Oder man wird sich endlich genügen,, mit dem verwägensten Gottlosen dieser Zerren zu sagen, der D s Gedan. 52 Materie. Gedanken könnte wohl ein Geschenk des Schöpfers seyn, welches er der Materie verliehen hätte. Dergleichen Antworten, wenn sie gleich von Männern Herkommen , die sich für die erleuchtetsten in der Welt ans, geben, mögen nur für die Schandflecken der Vernunft, und für die äußerste Ausschweifung des Unsinnes gehalten wer, den: und dieses wollen wir auf die fühlbarste Weise zu erken, um geben. Erstlich : man getrauet sich zu behaupten, daß di- Or, ganisarion durch Verfeinerung der Materie sie fähig zu den« ken machen könnte. Aber verändern die Organisation und die Verfeinerung der Materie ihre Natur? Ist die Mate, rie, wenn sie verfeinert ist, nicht mehr träge und nicht mehr Heilbar? Weil sie diese oder jene Gestalrähnlichkeit, diesen oder jenen Grad der Hiße oder der Bewegung hat, wird sie deßhalbra geschickter seyn, Gedanken oder Gesinnung zu wer, dm ? Was werden die Materialisten daraufantworten ? Was werden sie wider den Auszug einwenden, welcher! wir eben von der Lehre Lockens in dem Vortrage unsers zweyten Vernunftschluffes beygeöracht haben ? Es ist dann eine er, bärmliche Sache, Zusagen, die Organisation könnte die Materie denkend machen. Zweyrens: die Vernunft entsetzet sich nicht minder, da sie sagen höret, das, was man Gedanken und Gesinnung heißt, sey nichts anders, als der Stoß und die Bewegung der geistigsten Theile des Geblüts im Hirns. Denn t. Wenn das Hirn im Menschen der denkende Grund ist, weil es diese Größe und Bewegungen empfängt, warum soll man nicht auf gleiche Weift sagen, die Hand denke, und der Fuß denke, weil der Fuß und die Hand eben solche Stöße und Bewegungen empfangen? Es sind in bcy, den jÄ »Ä L »ji ^ 1 , Materie. den Fällen materialische Zäserchen, materkafrsche Bluttheil, chen. Mehr oder weniger Feinheit, oder Verdünnerung, oder Hiße, oder Bewegung in einigen dieser Zäserchen, als in den andern, machen nur einen ganz zufälligen Unterschied aus. Warum dann sollte die Materie im Hirne denken, und in der Hand oder dem Fuße nicht denken ? Die Einbildung des Materialisten ist also nur eine grobe Ungereimtheit. 2. Wenn man den Materialisten fraget, warum er den Gedanken und die Gesinnung in den Stößen und Bewegum gen bestchen lasse, di? im Hirne vorbeygchen ; so saget er: Weil dorten alle Zäserchen feiner, und alle Sinne vereint» grr sind. Allein wenn dieses ist, kann man ihm antworten, so sollten die Thiere, sowohl als die Menschen, und sogar viel bcAr als Sie Menschen Lenken, weil sie eben so feine Zaser, chen im Hirne, und noch lebhaftere Sinne haben, als die Menschen. Kein Mensch wird dem Hunde in der Feinheit des Geruches , dem Adler in der Schärft des Gesichtes, der Katze in der Zärtlichkeit des Gehöres gleich kommen. Wa> rum sollten dann die Thiere nicht eben so gut, als der Mensch, und sogar noch besser als der Mensch, denken? Der Mate, rialist mag darauf antworten. Drittens : Wofür soll man jene schöne Vermmhung Vol, tairens achten, welcher uns saget: * Der Gedanken könn, te wohl ein Geschenk des Schöpfers seyn, das er der Materie verliehen hätte; und man sollte nur ohne Erbitterung untersuchen, ob es ein Widerspruch sey, zu sagen: Die Materie kann denken. Aber, weil er uns seine Vermmhung vorträgt, wird er uns erlauben, die Erklärung darüber von ihm zu begehren. Was * verm. Schrift, re. Rap. D r 54 Materie. Was versteht er dann durch diese Worte: Der Gedanken könnte wohl ein Geschenk seyn, das Gort der Materie verlie, ^ hm hätte? Will er sagen, daß der Gedanken der Materie nntgetheilk werden könnte, wie man die Weiße einer Mauer miltheilen kann ? Aber die Weiße einer Mauer ist eine Sub« stanz, welche ohne Einfluß der Mauer bestehr; wo dage« gen der Gedanken keine Substanz ist, wo er ohne Hülfe des Lenkenden Gegenstandes nicht bestehen kann, wo er nur eine Art oder eine Modifikation des denkenden Gegenstandes ist. Will er sagen, daß der Gedanken zu der Materie sty, was die Form und die Bewegung zu ihr ist? Aber ein Philosoph würde sich lächerlich machen, wenn er sagete, die Form könnte wohl ein Geschenk seyn, das Gott der Materie verliehen hätte. Denn man begreift wohl, daß es unmöglich sey , daß die Materie nicht eine Gestaltähnlichkeit habe; aber man begreift rächt, daß cs unmöglich sey, daß die Materie ohne den Gedanken bestehe. Will er endlich sagen, Laß der Gedanken etwa mit der Materie vereiniget si-yn könnte, wie die Seele mit dem Leibe vereiniget ist ? Aber wir begreifen den Leib und die Seele, wie zwo verschiedene Substanzen; und es wird niemals ein Mensch so thörichk seyn, daß er sagte, der Gedanken sey eine Substanz. Wir gestehen dann, daß wir nicht wissen, was Voltaire habe sagen wollen. Aber weiß er es wohl selbst«» besser? Es ist ebenso wenig Menschenverstand in dem, was er beyscher , man müsse ohne Erbitterung untersuchen, ob cs ein Widersprach sty zu sagen: Die Materie kann denken, und Gott kann der Materie den Gedanken mitcheilen. Den Materie. fs Denn es ist ein augenscheinlicher Widerspruch, wenn man saget, eine und dieselbe Sache sey nur der Bewegung fähig, und sie sey auch eines andern Dinges als der Bewegung fähig. Nun aber, behaupten, daß die Materie denken könne , heißt soviel, als sagen , daß eine und dieselbe Sache nur der Bewegung fähig sey, und daß sie auch eines andern Dinges als der Bewegung fähig sey. Folglich ist es ein au, genscheinlicher Widerspruch, wenn man saget, daß die Materie denken könne. Der Schlußgrund ist überzeugend. Denn man erforsche den Begriff, den wir uns von allen Handlungen der Materie machen können und sollen; man untersuche alle Handlungen der Materie, sowohl auf uns und in uns, als auf die übrigen Gegenstände: so wird es unmöglich seyn, etwas anders, als Stöße, Triebs, Wirkungen der Bewegung zu begreifen; es wird unmöglich feyn zu finden, daß fle eines andern Dinges als der Bewegung fähig sey. Dieß haben auch alle größeste Philosophen bestätiget. Dieß giebt Lo< cke für einen unzweifelhaften Grundsatz an. Dieß kann man nicht an streiten, wenn man nicht allem Lichte der Ver, nunft entsagen will. Man darf also für bewiesen ansehen. Laß die Materie nur der Bewegung fähig s- y. Aber es ist aus allem, was wir in der Erklärung des zweyten Vernunftschlusses vorgctragen haben, auf gleiche Weise bewiesen, daß es unmöglich ist, daß der Gedanken die Wirkung der Bewegung seyn sollte. Es ist also bewie, sin, daß es ein Widerspruch ist zu sagen: Die Materie kann denken. D 4 Kurze 56 Materie. Kurze Fragen und Anmerkungen über den Materialismus, und die Materialisten. was ist ein Materialist? Ein Mensch, der so schlecht in die Welt lebet, daß er in der andern nichts Gutes erwarten kann. Der Materialist ist ein Mensch, der seine Vernunft ent» ehret, der nur seinen Leidenschaften Gehör giebr, dem die Aus acht der Zukunft sehr misfällt, und der sich bestrebet, die Gedanken der Zukunft zu verscheuchen, und sich zu bereden, daß mir dem Menschen alles sterbe. Sein Wumch ist, ein gleiches Schicksal mit den verächtlichsten Thurm zu haben. was ist der Materialismus? Ein Geplauder, welches ans der Ruchlosigkeit und der Unwissenheit entsteht, und welches nicht die geringste Unter» suchung der Vernunft aushairen kann. Man frage einen Materialisten, was Gedanken, Gesinnung, Erkennrniß, Zweifel, U -lersuchmtg, Vergleichung sey ; so wird er uns nur durch Ausschweifungen antworten. Trifft man angesehene Männer unter den Beschü» yern des Mateciatrsmuö an? Man trifft erstlich keinen tugendhaften Mann darunter an. Und wozu würde die Tugend Leuten dienen, welche das Schicksal eines lobten Menschen , und das Schicksal eines tobten Hundes gleich achten? Sodann findet man um ter ihnen keinen großen Philosophen, sowohl im Blterrhu, me, ü's in den letztem Zeilen. Pythagoras, Plato, Aristoteles, Zeno, Descartes, Euler, Letbni;, Malle« branche haben den Materialismus nur für die Schande des mensch, M« dir» Äil Äj r» Materie. 57 menschlichen Verstandes , für den Anstoß der guten Sitten, und nach der Meynung des Cato und des Cicero, für das schädlichste System in der Gesellschaft gehalten. Ist der Materialismus jemals bey einem Volke gutgeheißen oder angenommen worden? Da es niemals ein Volk oder eine Gesellschaft gegeben hat, wo das Licht der Vernunft gänzlich verdunkelt gewesen wäre; so hat es auch niemals ein Volk oder eine Gesellschaft gegeben, wo man den Materialismus angenommen hätte. Man findet in allen, sowohl alten als neuen, Gesetzbüchern keine Spur davon. Aber da es bey allen Völkern allezeit etliche Ruchlose gegeben har, so hat es auch allezeit etliche Menschen gegeben, die zu diesem ausschweifenden Wahne Lust gehabt Haben, ohne daß sie sich davon überzeugen, oder ihn beweisen konnten. Hat es jemals Materialisten au» guter Meynung gegeben? Um diese Frage zu beantworten, muß man erstlich untersuchen , ob es unter den Materialisten eine gute Meynung geben könne. Kann cs eine gute Meynung unter Leuten geben , die sich allem widerftßen , was ihnen das Licht der Vernunft , das innerste Gefühl, die Einstimmung aller Zei, ten und aller Völker einflößen? Kann es eine gute Meynung unter Leuten geben, welche nur Leßhalben einem Wahne bcypflichten, weil er allen Leidenschaften eine vollkommene Freyheit läßt ? welche nicht den mindesten Schein einer Wahr, scheinlichkeit aufzeigen können, worauf sie sich steifen möchten? und welche, weder auf die Einwendungen, die man D ; ihnen sr Materie. ihnen verträgt, noch auf die Beweise, wodurch man sie be? streitet, durchaus das Geringste antworten körmen? Also sind die Materialisten beschaffen. Mögen sie Mate, rialisten aus guter Meynung seyn? XX VN. XXVII. / M e s s i a s. ie Erwartung des Messias ist ehemals die Seele der ganzen jüdischen Religion gewesen. Auf die Ankunft des Messias ist heut zu Tage die ganze christliche Religion gegründet: und diesen Begriff und diesen Glauben vom Messias wollen die Philosophen dieser Zeiten Umstürzen, da sie uns sagen, er sey nur, aus einer schwachsinnigen Unwissenheit und einem blinden Vorurrheile, von den Juden und von den Christen angenommen worden. ^ Woraufsind die stolzen Aussprüche dieser Herren gegründet, und wodurch werden sie bestätiget? Dreß wollen wir den Leser unterscheiden lassen, nachdem ec auf die Artikel, die wir ihirr vorkragen werden, einen Blick wird geworfen haben, i. Was soll man durch das Wort: Messias, verstehen ? 2. Hat Gott der Welt einen Messias verheißen? Z. Ist es wahr, daß die Welt einen Messras erwartet habe? 4. Ist endlich der Messias gekommen? s. Was wenden die Philosophen wider den Glauben eines Messias ein? Dieß wollen wir mit aller möglicher Kürze und Deutlichkeit abhandeln, und zum Beschlüsse etliche merkwürdige Beobachtungen von dem Stande beyfügen, irr welchem der Messias erschienen ist. Was soll man durch das Wort: Messias/ verstehen? ist augenscheinlich, daß man die Begriffe, die man sich von dein Messias machen, soll , nur von den Irr, Erster Artikel. 62 Messias. den herholen muß; denn nur Key den Juden ist von ihm ' geredet, und nur bey ihnen ist ec gewerssager und verheißen ^ worden. Der Begriff, den sie von ihm Hanen, war dieser, ' daß der Messias ein mächtiger König, ein Erlöser, em Er« oberer, ein Gesetzgeber seyn werde, welcher das hebräische ' Volk zum vornehmsten und glorwürdigstcn aus allen Völ« kern machen , und der Besieger und ewige Friedensstifter der Welt werden sollte. Diese so großen und so schmäuchet/ haften Begriffe hakten sie aus den Schriften ihrer Prvphe/ ten, besonders aus Len Schriften Davids, Isaias , Ezechiels, Daniels, Zacharias, gezogen: und eben diese» hat ihnen alle jene Gesinnungendes Stolzes, der außerordentli/ chen Hochschaßung für ihre Nation, und der Abneigung vor andern Völkern eingeflößer: dieses war die Ursache, daß sie das Joch fremder Mächte so ungeduldig übertrugen. Wir genügen uns, die Stellen der Propheten anzuzeigen, um dis Richtigkeit unserö Vortrages zu beweisen; aber wir führen sie nicht an, um uns an die Kürze zu halten, wel/ che wir uns vorgeschrieben haben. Der Leser kann die 2, 44, 46, 7l, 1O9, u. IN. ü. Pjälmen; die 2,, 49, s4, 60, 61, 62, u.m.a. Kapitel aus dem Propheten Jsaias; die zF, Z 9 , u. m. a. Kapitel Ezechiels; das zweyte aus Daniel; Las neunte aus Zacharias, und mehr andere nach/ schlagen, wo man die glänzendsten Schildrungen des MeS/ sias antrifft. Von diesen Begriffen der Macht, der Siege, und der Erobrungen ihres zukünftigen Messias eingenommen, betrachteten sich die Juden, als wenn sie eins die Gebiether der ganzen Erde werden sollten. Sie erreichten den wahren Sinn der Weissagungen nicht; den erhabenstenund einzigen Sinn, der für Gott anständig seyn möchte: nämlich, daß di« Messias. 6r die Ehre, die Macht, das Reich des Messias nur durch seine Tugenden, durch seine Siege über die Laster und Lei, dcnsckaften, durch die Vertilgung des Götzendienstes, und die Stiftung der herrlichsten und heiligsten aus allen Religionen, sich anszncknen solüen. Dieses mar in der That der ächte Sinn der Weissagun- qm. wie man es den Inden alle Tage beweist. Aber wir halten uns mit dieser Untersuchung des Sinns der Weis ja, gungen nicht auf; denn wir haben hier nicht mit den Juden zu streiten. Das Wort: Messias, ist hebräisch, und bedeutet so viel, als das griechische Wort: Xo-s-roe, und das latcinir sche Wort: II-Eus, das ist auf Teutsch: ein Gesalbter, oder ein Geweihter. Bey den Hebräern konnte man zum Priesterrhume nicht gelangen, und den Zepter nicht tragen, ehe man eine Salbung oder eine Weihung empfangen hatte, die vom Herrn gebokhen war: wie es im zweyken Buche Moses, * und an verschiedenen Stellen der Bücher der Kö, nige verzeichne: ist. Deßhalben legte man den Namen Ge, salbker oder Messias, oft jenen bey, die diese Salbung oder Weihung empfangen Harken. Aber dieses Wort wird in der Heiligen Schrift allezeit gebrauchet, um erstlich und vornehmlich denjenigen zu be, Leuten, welcher der König, der Sieger, der Gesetzgeber, der vornehmste hohe Priester, das ist, der Gegenstand der Verheißungen des Herrn, und der Wünsche des ganzen Volkes, seyn sollte. Durch dieses Wort haben ihn die Sama, ritanen ftlbstenbezeichnet, wie es UNS der heilige Johann^* anzeiget. Durch dieses Wort hat ihn Herodes benamset, *** als er sich bey den jüdischen Schristgelehrteir um den Ort seiner --XXX. '«lv. «»»MMh.It. i 6s Messias, ferner Geburt erkundigte. Durch dieses Work hat ihn Da, niel ^, mrd haben ihn alle Propheten angedeukek, als sie von ihm die herrlichsten Schildrungen gaben. Durch die, fts Wort zeiget ihn die alte chalsäische Auslegung an, wo sie die Weissagung Jakobs erkläret. Endlich durch dieses Wort haben ihn die Juden, zu allen Zeiten und bis auf unsre Tage, allezeit bezeichnet. Ungeachtet, daß dieser Na, men etlichen Fürsten, Propheten oder hohen Priestern, aus Ursachen, die wir angeführet haben, beygelegt worden war; so ist er dennoch gebrauchet worden, um den wahren Erlö, ser, welchen Gott versprochen und angekündet hatte, sonder, bar zu bedeuten. So viel belanget den Begriff des Wortes: Messias. i-p F B ;»! Zweyter Artikel. Hatte Gott wahrhaftig der Welt einen Messias verheißen? (?>iese Frage möchte wohl in einem so aufgeklärten Zeital, rer, wie das unsrige ist, sehr unuützlich scheinen; und dennoch ist sie niemals nothrvcndiger gewesen: denn, unge, achtet aller Beleuchtungen, hat man niemals mehr Ver, meffenheit und Unwissenheit, mehr Kalrsinn und Unlenksam, keit in Sachen, welche die Religion belangen, vereiniget angetroffen. Das Licht, das wir vortragen werden, mag in diesem Punkte jene beleuchten, die noch das Licht lieben: und es wird die Schuld nicht bey uns seyn; wenn es jene in die Augen brennt, die sie hartsinnig verschlossen halten wollen. Die Verheißung eines Messias , welche die Welt von dem Herrn erhielt, ist so all als der Anfang der Welt selb, sten. ix. Messias. ez sten. Diese Verheißung ist von einem Jahrhunderte zum andern erneuert, und allezeit mit einem neuen Glanze, und allezeit auf eine anzüglichere Weise vorgetragen worden. Kaum hatte Adam gesündigst, als Gott verkündigte, daß ein Sprössling dieses ersten Menschen der verführerischen Schlange den Ropf zertreten werde. * Sobald die Welt in verschiedene Völker, und die Völker in verschiedene Geschlechter gecheiler waren, warf der Herr seine Augen auf einen Mann nach seinem Herzen, und entdeckte chm, daß aus seinem Blute derjenige ens, springen werde, der alle Gegen und Gnaden über alle Völker der Erde ausgießen sollte. ** Jakob , sein Enkel, empfieng noch größere Beleuch, tungen von dem zukünftigen Messias: er bewunderte schon seine Herrlichkeit, und bestimmte die Zeit, zu welcher er kommen würde, die Welt heimzusuchen. Als Gott zu dem Gesetzgeber Moses redete, verkündigte er alle Weisheit und alle Gewalt, womit der Messias bekleidet ftyn sollte. Dieser Ansspruch ist allzu merkwürdig, daß wir ihn nicht ganz hier beyseßen wollten. will ihnen, sprach der Heer zu Moses, aus dem Mittel ihrer Brüder einen Propheten, gleich dir, auferwecken. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen: er wird ihnen alles sagen, was ich ihm zu sagen gebiethen werde, wenn Jemand sich weigert, anzuhören, was er in meinem Namen sagen wird, so will ich der Rächer seyn. Man bemerke, daß Jesus aus dein Geblüts der Hebräer stammele; daß er ein neues Gesetz, oder die Vollkommen, Heu des alten Gesetzes, zu bringen gekoinmen war; daß sich die ' r. B. Mosts. Hs. Ebend. xxil. *' * Ebmd. xxxx IX. rz. Moses. XVIIl. 64 NikssigA. die Hebräer weigerten, ihn an^hören; und daß niemals eins Rache fürchterlicher gewesen ist, als jene, die durch die Zer, störung Jerusalems unter den, Reiche Vespasians über die, ses Volk ausbrach. Wir übergehen die glänzenden Beschreibungen, welche uns David und Isirias von der Herrlichkeit, von den Sie, gen, und Erobrungen des Messias machen : wir übergehen die rührenden Erzählungen, die sie uns von seinen Bemü, Hungen und seinem Leiden geben; die einnehmenden Bilder, die sie uns von seinen liebenswürdigen und wimderda-en Tu, genden schildern. Wir eilen, zu den lehren Bekräftigungen der Verheißungen zu schreiten, welche durch das Werkzeug der lehren Propheten: Michäas , Daniels, Aggäus, und Zacharias, gemacht worden sind. Michäas * weissaget der kleinen Stadt Bethlehem, Laß sie die Ehre haben werde, demjenigen das Tageslicht zu geben, welcher von aller Ewigkeit da ist, und sich als wah, rer König Israels, als Vater des Friedens, als Zerstörer des Götzendienstes und alles Aberglaubens zeigen soll. Daniel ** vernimmt vom Herrn, daß nach vier hun, Lert neunzig Jahren Jerusalem seinen Gebieiher und seinen Köniz, den Messias, die Pflanzung der ewigen Berechtig, keit, die Erfüllung aller Weissagungen , die Versöhnung aller Sünden, und die Weihung des Heiligen aller Heiligen sehen werde. Aggäus ^ um die Juden zu ermuntern, den Tem, pel wieder aufzubauen, saget ihnen, daß dieser zweyte Tem, pel einen großen Vorzug vor dem ersten haben werde, weil er mit der Gegenwart des Verlangens aller Völker beehret werden sollte. Za» »V. "IX. '»*n. » Messias. 6s Zacharias * endlich lädt Jerusalem«», sich den Enk, zückungen der Wonne und Freude zu überlassen, weil es bald seinen König, seinen Erlöser, den Gerechtesten aus allen, den Fürsten des Friedens sehen werde, dessen Wacht bis an das Ende der Erde sich erstrecken sollte. Ob wir schon alle diese Beweise äußerst zusammengezo, gen haben, so glauben wir dennoch, wir haben genug da, von gesaget, um alle zu Schanden zu machen, und zum Stillschweigen zu bringen, welche immer sich getrauen, die Christen wegen ihres Glaubens an Verheißungen zu verspott ren, die der Herr von einem Messias der Welt gemacht hat. Dritter Artikel. HatHie Welt zur Zeit Jesu Christi einen Messias erwartet? (?>er schwärmerische Bolingbroke mag mit seinem gewöhn- lichm Stolze sagen: **Es ist gewiß, daß kein Ju, de einen Gesalbten, einen Messias gehoffet, verlanget, vorgesagct hat; daß weder Flavius Joseph, noch Phi, lo, welche die jüdische Geschichte mit so vielen Umstän, den beschrieben haben, jemals ein Wort sagen, man ha, be sich dortmals Hoffnung gemacht, daß ein Christus, ein Erlöser kommen werde. Wir wollen uns genügen, ihn mit Schande zu bedecken, da wir ihm jenen Schwarm jüdischer und heybnischer Zeugen emgegenstellen, welche, alle einstimmig, bekräftigen , daß die Welt einen Messias erwartet habe, als Jesus Christus auf der Erde erschien. Man kann sich erstlich nicht deutlicher und starker ans» drücken, als Suetsn und Tacrrus, obschon sie von Len göttt " wicht. Unk-rsi r. Rap. E ix. II. Band. 66 Messias. lichen Orakeln falsche Anwendungen machen. * Es gieng in ganz Osten, saget der erste von diesen Schriftstellern, eine beständige, und seit langer Feit angenommene Mcyr nung im Schwange, als hätte das Schicksal beschlossen, daß Sieger aus Iudenlande ansgehen, und die ganze Welt unter ihre Gewalt bringen sollten. Der Ausgang hargezeiget, daß diese Orakel den römischen Raiser betrafen. Die Juden haben sie für ihr Volk ausgeleget, und dich hat sie zur Aufruhr verleitet. Tacitus trägt es auf eine eben so nachdrückbche Weise vor. ** Sehr viele Inden, saget er, waren innerst überzeuget, daß die alten Orakel bedeuten, es werde das Morgenland zu derselben Zert alles seiner Gewalt unterwerfen, und die Besieger der ganzen Welt werden aus Iudenlande aus« gehen. Titus und Vespasian wurden durch diese dunkeln Orakel bedeutet. Aber da sich die Menschen gemeinlich von ehrbegierigen Aussichten einnehmen lassen, versah es das jüdische Volk nicht, diese Orakel für sich auszulegen. Gueton und Tacitus waren so viel als Zeitgenossen der Begebenheiten, von denen sie sprechen : und Bolingbro- ke, der sechözehn hundert Jahre danach kam, läugnet hartsinnig , daß die Juden einen siegreichen König erwartet haben , wie es diese Geschichteschreiber sagen. Virgil, welcher zur Zeit Augusts lebte, und etliche Jahre vor der Geburt Jesu Christi starb, hat gleicher Weise erkannt, was die ganze Welt erwartete. ^ wir nähern uns , saget er, jenen glückseligen Zeiten, welche die pro- phetinn von Rumes vorhergesaget hat: Lin neuer Spröß« ling vom Himmel wird auf Erden erscheinen. Wenn Virgil diese Orakel der Sybille auf einen Nachkommen Augusts . Im Vespas. " Jahrbuch. L. S. 4. Lirtenl. HD ii'ch Ä K Sich '«r Messias. §7 gusts anwendei, so kann man nichts destoweniger eben diesel, be Wahrheit daraus erkennen. Wollen wir von den Heyden zu den Juden und Samar ritanen schreiten, so werden wir sehen, daß die Erwartung des Meffias beyde Völker auf gleiche Weise beseelte. Die zwo berühmten Weissagungen Jakobs und Daniels, wovon wir im folgenden Artikel reden werden, waren Jedermanns bekannt. Ganz Jerusalem war in Bewegung, als unter Herodes * die Weisen ankamen und fragten, an welchem One der nengebohrene König der Juden zu finden wäre. Als mehrern Juden ähnele, daß etwa Jesus der Messias seyn möchte, sagten sie zu ihm : ** Warum lässest du uns tm Zweifel? wenn du der Messias, wenn du Christus bist, so entdecke es ohne Umschweif. Als der heilige Täu, fer Johann, welchem der Geschichteschreiber Joseph so großes Lob beymißt ***, seine Unterweisungen am Jordan hielt, schickten die jüdischen Gelehrten zu ihm, und ließen ihn fragen, ob er der Messias sey, den man erwartete. Die Samaritaninn, von welcher uns der heilige Johann meldet ****, giebt die augenscheinlichsten Beweise, daß ihr ganzes Volk dortmals des Messias wartete; und deßhalben haben sich mehrere Samacitanen, und unter andern: Dost* theus, Simon, und Menander, von Zeit zu Zeit für den Messias ausgegeben. Nach Jesu Christo haben sich auch sehr viele Juden unterfangen, diese Rolle zu spielen, bis auf Barcochebas ***«*, welcher unter Adrianen, mit mehr als fünfmal hundert tausend Menschen, umkam, die er an sich gezogen und verführet hatte. Während des ganzen Jahr, * Matth. II. »" Ich. X. Alterth. IS. B- 7. Rap d» iv. »«E Origen, wider Cels- l. S. E L 68 Messias. Jahrhunderts, das von den Propheten ausgezeichnet war, ist diese Erwartung so allgemein gewesen, daß sie Niemanden unter den Juden unbekannt war, oder daß Niemand sich zu Sinne kommen ließ, daran zu zweifeln. Man muß dann alle Scham verloren haben, wenn man mit Bolingbroken zu sagen sich getrauet, es habe Niemand unter den Juden einen Messias verlanget, oder erwartet. Vierter Artikel. Ist dieser Messias, der angekündet und verheißen war, endlich gekommen? Hinter den Weissagungen, welche die Zeit der Ankunft des ^ Messias auszeichnen, wollen wir etliche heraus lesen, die uns von seiner Ankunft die klaresten Erweisungen geben, und wider welche die Juden und die Philosophen unmöglich etwas einwenden können. Erste Erweisung. Siekenzehn hundert Jahre vor Jesu Christo, ließ Jakob, auf dem Slerbbette, seine Kinder zusammenrufen, und er weissagte einem jeden das zukünftige Schicksal seiner Nachkommenschaft. Als er aber auf Judas, seinen vierten Sohn, kain, gerieth er in eine Gattung von Entzückung, und sagte in den Trieben der Begeisterung diese herrlichen Worte zu ihm: * Judas! du wirst der Gegenstand der Lobsprüche und der Verehrung deiner Brüder, und das Schrecken deiner Leinde seyn. Judas gleicht dem mutbvollen jungen Löwen. Judas wird die Beute davon tragen; er ruhet so sicher als ein Löw, und ist so fürch« «W '^!Ü Ä i r-i h 'i! i. S. M-scs. X XXXIX. Messias. <5- fürchterlich als eine Löwinn. Der Zepter wird vom Hause Judas nicht genommen werden, und es wird nicht aushören, Herrscher seinem Volke zu geben, bis jener kömmt, der gesendet werden soll, jener, für den alles aufbehalten ist, der Messias: und er wird die Erwartung der Völker seyn. Man muß beobachten, daß jenes, was unsre Vulgata durch diese Worte ausdrückst: Nittenäus ess, in der Ue, becfthung der siebenzig Dollmetscher also ausgedrücket wird: Donee veniant, repoüta tunt ei; und in der chal, däischen Auslegung durch das einzige Wort: » ge, geben ist. Wir haben in der Uebersehung den dreyfachen Sinn vereiniget. Laßt uns ißt die Weissagung aus einan, der schm, erklären, und zeigen, daß sie bis auf die Ankunft des wahren Messias, Jesu Christi, gänzlich erfüllet worden ist. Von David biö auf Sedecias, den letzten der jüdischen Könige, haben allezeit Abkömmlinge von Judas den Zepter geführet. Als die Königswürde durch die Erobrung Jeru, salems erloschen war, bekam der Zustand des Volkes eine andere Gestalt: das Ansehen der Zunft Judas blieb während der Gefangenschaft ausgeseht. Aber nach der Zurückkunft aus der Gefangenschaft machte diese Zunft den Staat des ganzen Volkes aus, welches, unter dem Schuhe der Köni, ge von Persien, und nachmals unter dem Schuhe der Kö, nige von Syrien, nach dm Gesehen regieret wurde, bis es unter den Machabäern ihre freye Herrschaft wieder erlang, te. Es hat dortmals viele Hebräer von verschiedenen Zünf- , len gegeben, die mit jenen aus der Zunft Judas vereiniget waren. Aber sie wurden unter dem Namen der vornehmsten Zunft begriffen, welche ihren Namen sowohl dem Lande, Ez wo 75) Messias. wo sie wohneten, als dein ganzen Volke beylegte. Also wurde auch alsdann die Weissagung Jakobs bestätiget, daß die höchste Gewalt und Herrschaft von der Zunft Judas bis zur Ankunft des Messias nicht genommen werden sollte. Das Volk erhielt sich in diesem neuen Stande beynahe dreyhnüder» Jahre lang, bis aufHirkanen, aus dem Ger schlechte der Asmonäer oder Macchabäer, welcher den Tu tel eines Königs, wie mehrere aus seinen Vorfahren, an, genommen hatte. Und dortmals haben sich die Römer in die Angelegenheiten des Judenlandes gemenget, und den Juden einen Fremden zum Könige gegeben, welcher Herodes war, dessin Geschlecht, bis zur Erobrung Jerusalems von Titus, und zur gänzlichen Zerstörung des jüdischen Volkes, die Krone behielt. Nach der Erklärung dieser Weissagung darf man nur diesen Vernunftschluß machen: Jakob weissaget, daß der Zep'er, das ist, die Herrschaft und Gewalt der Regierung, von dem Hause Judas nicht werde genommen werden, bis der Messias auf die Erde kommen würde. Nun, diese Herrschaft, diese Gewalt ist von dem Hause Judas genommen worden, wie es durch die Geschichte, die wir vorge, tragen haben, deutlich erhellet. Folglich ist es gleicher Weise sonnenklar, daß der Messias gekommen ist. Zweyte Erweisung. Vor zwey tausend drey hundert Jahren hat Daniel, unter den letzten Königen Babyloniens, und den ersten Kö, nigen Persiens gelebtt. Dieser Prophet weissaget*, daß nach vier hundert und neunzig Jahren der Messias erscheinen werde; daß ihn sein Volk verkennen und zum Tode fördern werde; »ix. Messias. 7 r werde; daß, bald nach dieser Verläugnung und diesem Verbrechen, Jerusalem von einem fremden Volke zerstöret, der Tempel abgerissen, das jüdische Volk zerstreuet werden sollte; daß diese unselige Verwüstung vollkommen seyn wer, de. Es sind siebenzehn hundert Jahre, seitdem alle diese Verändrungen, die der Prophet weissaget, sich zugetragen haben: es sind dann mehr als siebenzehn hundert Jahre, seitdem der Messias muß gekommen seyn. Dritte Erweisung. Der Prophet Aggäus weissaget, *daß die Herrlichkeit des zweyten Tempels , der nach der Zurückkunft aus der Ge, fangenschaft gebauet werden sollte, größer seyn werde, als die Herrlichkeit des Tempels, den Salomon gebauet hat, weil das Verlangen der Völker selbsten kommen, und Frie, den darinnen stiften werde. Nun aber, schon seit sievenzehn hundert Jahren, besteht dieser Tempel nicht mehr, und ist von den Römern zerstöret worden. Es war also der Messias, welcher diesen Tempel mit seiner Gegenwart beehren sollte, schon vor dieser Zerstörung gekommen. Vierte Erweisung. Malachias lebte ohngefähr vierhundert Jahre vor Jesu Christo. Man kann nicht mehr merkwürdige Sachen, Handlungen, und Begebenheiten in weniger Worten weis« sagen, als dieser Prophet gethan hat. Sehet! saget der Herr: ich sende meinen Engel, um meinen weg vor mir ;u bereiten. Bald darauf wird der Beherrscher, den ihr suchet , und der Engel des Bundes, den ihr ver, langet, ' v. - m. E4 72 Messias. langet, selbsten in seinen Tempel kommen. Sehet! iyt kömmt er: saget der Herr der Heerschaaren. Also rede, te, vor mehr als zwey tausend Jahren, der letzte aus den Propheten. Man sieht in diesen Worten die Verkündigung des Vorläufers Jesu Christi, des Täufers Johanns; die Ankunft des Messias in den Tempel zu Jerusalem; die Gott« heit des Messias; den kurzen Zeitraum , der, bis zu seiner Ankunft auf die Erde, noch verstreiche n soll. Was werden die Juden und die Philosophen darauf antworten? Fünfter Artikel. Antwort auf die Einwürfe wider den Begriff und die Ankunft eines Messias. I. Zu allen Zeiten, saget Bolingbroke *, hat das jüdir sche Volk den Namen: Gesalbter, Messias, Christus, einem jeden gegeben, der ihnen ein Bißchen Gutes that; bald ihren Hohenpriestern, bald fremden Fürsten. Der Jude, welcher die Träumsrsyen des Jsaias zusammen gesilcket hat, läßt ihn aus einer niederträchtigen Schmäur chcley, die sich für einen knechtischen Juden schicket, sa« gen: Also har der Ewige zu Cyrus, seinem Gesalbten, seinem Messias, gesprochen, dessen rechte Hand ich genommen habe, damit ich die Völker vor ihm zur Erde stürze. Das vierte Buch der 'Röntge nennt den lasterhaften Jehu: Gesalbten, Messias. Ein Prophet verkündiget Hazael, dem Röntge von Damaskus, daß er der Messias sirnd der Gesalbte des Höchsten sey. Ezechiel saget zum Röntge von Tyrus: Du bist ein Cherubim, ein Gesalbter, ein Messias, ' wicht. Unters. Messias. 73 Messias, das Siegel der Gleichförmigkeit Gottes. . . Ls sey nun , wie es wolle: dieß ist gewiß, daß kein Jude zur Zeit des großen Herodes, unter welchem Jesus ge- bohren worden seyn soll, einen Messias gehoffet, verlanget , oder vorgesaget hat. * * * Wir wollen mit ganz kurzen Antworten zeigen, daß nie, mals Unwahrheiten leichter zu widerlegen waren, gleichwie es niemals vermeßnere Unwahrheiten gegeben hat. 1. Es ist falsch, daß die Juden den Namen: Christus, Messias, einem jeden gegeben haben, der ihnen ein Bißchen Gutes that. Wer hat ihnen jemals mehr Gutes erwiesen, als Nehemias, Lsdrao, Judas der Macchabäer, Simon sein Bruder? Unterdessen durchgehe man die ganze Bibel, so wird man keine einzige Stelle finden, wo ihnen dieser Namen beygelegt würde. 2. Das heißt die Unverschämtheit auf das Höchste treiben , wenn inan es waget, die vortrefflichen Weissagungen des Jsaias Träumereyen zu heißen. Man foderr alle Bo, lingbroken auf, um in den Schriften der Griechen und Römer etwas zu finden, das den herrlichen und erhabenen Begriffen, oder den rührenden und einnehmenden Gegenstän, den gleichkäme, welche in diesen Weissagungen vorgerragen werden. In diesen Weissagungen, die zwey hundert Jahre älter als Lyrus sind, leget ihm Gort den Namen: Christus, bey; aber er entdecket zugleich, warum er ihm denselben beylege, und warum er ihn gewählet habe. * Um meines Dieners E 5 Jsai. xxxxv. 74 Messias. Dieners Jakobs willen, habe ich dich bey deinem Namen genannt, ehe du mich erkannt Haft; ich habe dich mit Macht und Stärke angethan: ich habe dich bey der Hand geleitet, damit meine heilige Stadt wieder aufge, bauet, und mein Volk in dre Freyheit geseyet werde. Dieß ift der Beweggrund und die Ursache der Macht und Herrlichkeit gewesen, welche Gott dem großen Lyrus ver, liehen hatte. Was ist in diesen prächtigen Ausdrücken, das eine niederträchtige Schmäucheley eines knechtischen Juden verrierhe? z. Es ist eine schändliche Lüge zu sagen, der lasterhaft te Jehu werde im vierten Buche der Könige: Gesalbter, Messias, geheißen. Diese Ausdrücke findet man in dem» selben Buche nirgends. Gott läßt ihn durch den Propheten Elisäus zum Könige weihen, und heißt ihm sagen*, daß er ihn gewählet habe, um das Haus des abscheuwürdigen Achabs zu vertilgen, und das Blut aller Propheten und Diener Gottes zu rächen, welches Achab und Jezabe! verspritzet haben. Es steht kein Wort vom Messras. 4. Es ist eine neue Lüge zu sagen, ein Prophet habe dem Hazael verkündiget, daß er der Messias und der Gesalbte des Höchsten sey. ** Der Prophet sagte ihm, mit weinenden Augen , nichts anders, als daß er der Grausamste aus allen Tyrannen seyn werde. s. Alles, was vom Könige von Tyrus gesaget wird, ist nur eine Spotlrede, wodurch ihm der Prophet seine Hoffart verweist, da er ihm die gerechte Strafe weissaget, bist voller Bosheiten, spricht der Herr zu ihm: ich » 4. V. der Nö>».«. '* Lbend. VM. *'« Czech. XXVM. 'zjrD' iWizv M Messias. 75 ich habe dich erniedriget; ich habe dich gestürzet, hoch, müthiger Cherubim! ich habe dich, in Gegenwart der R-nige, auf die Erde hingestrecket, damit sie dich in deü ner Erniedrigung beschauen : u. s. w. Man sehe, wie der König von üyrus ein Messias sey. II. * Der Namen: Messias, welchen die Christen so dreiste Jesu allein zugeeignet haben, war ein allgemeiner Namen, den man allen beylegte, die sich für Gesandte Gottes ausgaben. Er heißt nichts anders, als: Ge, sandter; und in diesem Verstands wird er auf alle Propheten angewendet, welche die Juden ermahnten, den Götzendienst zu verlassen, und das Gesetz Moses wieder anzunehmen. * . * Wir haben bewiesen, daß der Namen: Messias, nichts anders bedeutet, als: Gesalbter, oder Geweihter. Wir wünschten wohl, daß uns du Marsais den geringsten Beweis angeben möchte, daß er: ein Gesandter, heiße. Wir möchten wohl auch einen Beweis sehen, daß der Namen: Gesalbter oder Geweihter, jemals einem Propheten beyge, legt worden sey. Wir nehmen dennoch David aus, wel, chem man diesen Namen gab, weil er zum Könige gewrihet worden war. Diese Herren sind keck etwas zu behaupten: aber zu beweisen, das ist eine andre Sache. Anmerkungen von dem Stande, in welchem der Messias erschienen ist. Die Juden, von den glänzenden Vorstellungen betäu, bet, welche ihnen die Propheten von ihrem znkünftigen Mes, . siae * Zerglied. der christl. Nelig. z». Seit. 76 Messias^ sias gemacht hatten, waren von den Begriffen der Macht, Der Herrlichkeit, der Ersömngm und Siege, wodurch sein Reich ausgezeichnet werden sollte, völlig eingenommen. Schon glaubten sie zu sehen, wie alle Throne umgestürzet, und alle Völker zu ihren Füßen liegen ; wie die ganze Erde dem Könige, dem Messias huldiget; wie die Herrschaft der ganzen Welt sein Lrbtheil, und eben dadurch das Eigen, thum der Kinder Jakobs wird. Aber wie groß mußte ihre Verwunderung und ihr Erstaunen seyn; wie vielen Wider, stand mußten sie fühlen sich zu ergeben, als anstatt des Ero, berers und des Siegers , den sie erwarteten, sich ihnen als Messias, ein bloßer Mensch darstellet, welcher zwar das voll, kommene Urbild der Heiligkeit und Weisheit, aber arm uns dsmüthig war; welcher keine andere Siege, als die Sie, ge der Tugenden über die Leidenschaften, verkündigte? Diese Vereitlung ihres Erwartens und ihrer Begriffe verleitete stezur Widerspänstigkeit, und, wieder heilige Paul saget, zum Aergernisse, * ssuäXis huiäem sscanöalum. Diesen Stand der Demuth nnd Ser Armuth, obschon er mit den erhabensten Tugenden verbunden war, sahen die Heyden nur mit Verachtung an, und hielten ihn sogar für Thorheit, wie es noch heut zu Tage viele Christen machen, die nicht besser als jene alten Heyden sind: 6eMibu8 autem Kulli- ti-im. Unterdessen, damit wir dem Gedanken des heiligen Pauls folgen, hat der Messias nur dadurch gezeiget, daß er der würdige Gesandte Gottes fty; nur dadurch hat er alle Macht nnd alle Weisheit Gottes besser zu erkennen gegeben: Ou'iiium Oei virtutem L lLpientiam. Ich glaube, daß jedermann davon überzeuget seyn werde, wenn man ein Wenig Messias. 77 Wenig auf die Beobachtungen merken will, die wir vom«, gen werden. §. I. Der Messias, den die Propheten geweissaget hatten, und den die Christen erkennen, ist der Sohn Gottes, ein Gottmensch, Gott selbsten. Wenn er nur auf die Erde ge, kommen wäre, um als ein Eroberer, ein Zerstörer der Thro, ne und der Reiche, ein Mann, mir aller Rüstung der menschlichen Macht und Hoheit versehen, in der Welt zu erscheinen , würde wohl dieses Ziel, dieser Endzweck, Liese Absicht für einen Gottmenschen, für einen Gesandten Gottes anstän, Lig gewesen seyn ? wären sie tauglich gewesen, der Gottheit jene tiefe Ehrfurcht und lebhafte Liebe, die ihr gebühren , zu erwerben ? hätten sie eine wahrhaft göttliche Hoheit ange- zeiger? Alle menschliche Hoheiten, die unsre Einbildung rühren, sind gemeinlich Hoheiten aus Hoffart oder aus Ungerechtig, kcit: sie werden meisten Theils nach der Größe der Plagen gemessen, womit sie die Welt bedrücken: sie sind beynahe allezeit auf Gewalt, auf Unrecht, anfRau bbegierde, auf das Unglück der Völker gegründet. Alexander schlägt Griechenland in Fesseln; er stürzet Darms von stimm Throne; er beschwemmet Asien mit Meuschmblme; er bringt Millionen Menschen ums Leben : und deßhalbm wird er der Große geheißen. Wären solche Hoheiten geschickt, die Gottheit zu verkündigen ? wären sie würdig für Gorr ? sollte man erwarten , den Gesandten, den Messias, welchen die Propheten und die Orakel der Gottheit geweissaget hatten, damit bekleidet zu sehen? 8- 1l. 78 Messias. §. H. Laßt uns einerseits ein Vorbild aller Weisen, und ander, seitö den größesten Helden zur Vergleichung aufstellen. Laßt «ns beyde schildern. Der Weise ist arm; er ist aus einem schlechten Und nie, dem Stande; er hat nichts, was in die Augen fällt, was die Begierden der meisten Menschen reizt, und ihrem Ge, schmacke schmäuchelt. Aber er giebt in seiner Person und durch seine Beyspiele die Lehren der reinesten uns heldenmü, thigsten Tugenden. Man sieht erstlich an ihm eine so wunderbare und so allgemein bekannte Reinigkeir der Sitten, daß man nicht allein niemals das Geringste daran zu tadeln sinbt, sondern sogar nicht den mindesten Argwahn jemals schöpfen kann. Wohlthätig, zärtlich, mitleidig, liebet er seine Näch, sten, so sehr man sich selbsten lieben kann: er vergißt sch, er opfert sich selber auf, uni ihnen zu dienen, und ihnen Gu, tes zu rhun. Er zeiget eine unveränderliche Sanskmmh ge, gm jene, die ihn verlassen; eine ungläubliche Getuld in den größesten Schmerzen; eine Großmuth im Verzeihen, die Erstaunen machet, und die man über die Natur des Men, schen erhaben glauben sollte. Und bey allen diesen Tugenden hat er niemals auf menschlichen Nutzen eine Absicht; er setzet sich niemals einen andern Endzweck vor, als dem höch, sten Wesen zu gefallen, und die Menschen zu erbauen. Seine Lehre ist nicht weniger» wunderbar als sein Leben. Er trägt die reineste, die wohlthätigste, die nützlichste Sit, tenlehre für eine Gesellschaft vor. Er erkläret, entwickelt, bestätiget sie durch Grundsätze, welche, dafern man ihnen getreulich folgere, alle Menschen durch die liebreicheren und angenehmsten Pflichten vereinigen würden. Er giebt von der Messias. 79 der Gottheit unendlich rührendere, erhabnere, entzückendere Begriffe an, als alle jene, die man vor ihm gehabt hatte. Er stifte! eine Reinigten der Sitten, die man noch nicht gekannt hatte; er vertilget schmäuchelhafte, aber abscheuliche Aberglauben; er bringt die alten Gottesdienste, wodurch die Gottheit beschimpfet, nicht geehret wurde, in die Ver, achtung; er richtet den reinesten Gottesdienst auf, der für Gott zum wichtigsten ist; er bringt seine Lehre in einem gro, ßrn Theile der Welt, und bey allen in Aufnahme, die Murhs genug haben, die Tugend den Leidenschaften vorzu, ziehen; er giebc unfehlbare Mittel an die Hand, damit seine Lehre fortgepflavzr werde; und er pflanzet sie wirklich fort, ungeachtet der Hindernisse und des Widerstands der Gottlo, sen. Also handelt der Weift. Iht wollen wir sehen, was der H?ls machet. Der Held zieht Menschen bey Tausenden an sich, da» mit er andere zu Grunde richte, oder Sklaven aus ihnen mache. Ec verwüstet die Länder: er stürzet Städte nieder: er vergießt Ströme von Blute: er bereichert sich durch Rau» be, Gewaltübungen, Ungerechtigkeiten: damit Einer glücklich werde, müssen Tausende unglücklich ftyn; damit er sich einen Thron «uftichre, muß ec das Blut von tausend Um schuldigen verspritzen. Die Vorzüge, die man an ihm erkenr net, mögen immer so glänzend ftyn ; so ist es dennoch wahr, daß sein Ruhm nur in glücklichen Lastern besteht, und daß alle seine Macht nur bezeuget, wie viel er Nebels in der Welt gestiftet habe. Ein Mensch, den die Vernunft beleuchtet, ordnet, und leitet, urcheile nun von dem Weisen und dem Helden. Wel, cher aus bcybcn scheint ihm würdiger, die Liebe und Be, wunderung der Welt zu erhalten ? Welcher aus beyden wird auf 8o Messias, auf die Ehrcrbierhung und Dankbarkeit der Menschen ein größeres Recht haben? Welchem aus beyden sind nach sei, nem Urtheile die Menschen mehr schuldig? Nun, da wir die Gemüthsart des Helden beschrieben, haben wir nur jene wirklichen Plagen vorgesiellet, die von den Leidenschaften vcr, ursacht, und von einer Einbildung, welche die Vernunft ver, dämmet, hochgeprießen werden: und da wir den Weisen schilderten, haben wir nur erst einen ganz schwachen Begriff von dem gegeben, was Jesus Christus, arm, dcmürhig', verfolget, zum Besten der Welt gekhan hat. Welche von diesen zwoen Personen wird man für den Messias anjtändi, ger achten? §. m. Der Stand der Armurh und der Nisderkeit, in welchem der wahre Messias, Jesus Christus, erschienen ist, ärgerte vormals die Juden, und ist noch heut zu Tage vielen Christen anstößig. Man darf sich darüber nicht wundern: denn die meisten Menschen stimmen weit lieber den Gesinnungen bry, welche der Stolz und die Selbstliebe einflößen, als den Beleuchtungen, welche eine geläuterte Vernunft, und eine Weisheit, dis nur der Tugend anhäugr, an die Hand bie, then. Jesus Christus kannte diese Neigung des menschlichen Herzens wohl: und deßhalben pries er diejenigen selig, die an seinem Stande der Armurh und Demuth keinen Anlaß zur Aergerniß nehmen würden. * Aber ungeachtet dieser Armurh und Niederkeit sieht ein achtsamer Mensch an ihm tausend Beweise einer unendlich erhabnem Hoheit bervorscheinen, als alle menschliche Hoher« len sind; einer Hoheit, die er nur von sich sechsten hat, die Messias. 8 e er nur aus sich sechsten hernimmt, und die wahrhaftig einen Gottmcuschen verkündiget. Erster Beweis seiner Hoheit. Der Messias ist demüthig undarm: aber ergebene, als Herr, der ganzen Natur; er wirket die größesten Wunder durch ein einziges Wort, und durch eins einzige Verrichtung seines Willens. Die Blinden beleuchten, die Gichtbrüchigen heilen, die Tod, tm erwecken, kostet ihn nicht mehr, als uns dis gemeinsten Bewegungen, die natürlichsten Handlungen kosten; und diese Wunder werden, während der drey Jahre seines Pre, digtümtes, beynahe täglich erneuert. Zweiter Beweis seiner Hoheit. Der Messias weiß, daß er das Opfer ist , welches zur Erlösung der Welt geschlachtet werden soll. Er weissaget, mehrere Jahre zu, vor, alle Umstande des Todes, wozu ec verurtheiler werden wird; und er redet davon so gelassen, als wenn es einen an, Lern außer ihm angienge: er redet davon sogar in Gegen, rvatt sen?er offenbarsten Feinde; er brauchet keine Vorsorge, uni dem Tode zu entgehen; er sehet, durch seine Unschuld und s in Stillschweigen, den Vornehmsten seiner Richter, der ihn retten möchte, in Erstaunen und in Unruhe. Den, ken und handeln die Menschen auf diese Weise? oder viel» mehr: sind die Menschen fähig, also zu denken und zu Han, deln? Dritter Beweis seiner Hoheit. Man sieht nie, mals so viele Erhabenheit, und zugleich so viele Sittsam keil vereiniget, als er zeiget, wenn er von sich sechsten spricht. Er nennet sich des Menschen Sohn; er saget, daß er keinen Orr habe, wohin er sein Haupt legen könnte; er knzeich, nel seine Gemülhsarr durch die Sanstmulh, die Dem uh, Land. F und / / 82 Messias. «nd die Sorgfalt, die Armen zu unterweisen; beynahe sein ganzes Leben bringt er mitten unter den Armen zu. Und zugleich saget er, daß er das Licht der Welt sey; * daß er war, ehe Abraham war, das ist, von Ewigkeit her; daß er das Leben und die Wahrheit selbsten sey; daß er seinen Schafen das ewige Leben gebe; daß er und sein Vater Ei, nes seyn; ** daß man ihn, zur Rechten Gottes auf einem Throne hellglänzender Wolken, sitzen sehen werde. *Hat jemals ein Mensch so hohe Begriffe, so erhabne Aussichten, so göttliche Gedanken gehabt? Es konnten auch die Jaden sich nicht entbrechen zu sagen, daß niemals ein Mensch die Gabe gehabt habe, zu reden, wie Jesus Christus redete. Nunhuam locutus eü Homo. ÜLUt tue komo. Vierter Beweis seiner Hoheit. Als er seinen Apo. fielt», und sogar seinen Feinden die Strenge seines Opfers / seiner Peinen, und seines Todes verkündigte, sagte er zugleich zu ihnen, er werde zwar leiden und sterben; aber erhübe die.Gewalt sein Leben herzugeben, und wieder anzunehmen, wann es ihm gefallen würde; er werde den Tod selbsten überwinden; er werde, ain dritten Tage nach seinem Tode, siegreich aus dem Grabe hervorgehen; er wer, Le seinen Gläubigen erscheinen, um sie zu trösten; und ehe das gegenwärtige Geschlecht erlöschen werde, wolle er an den harrsinnigen Feinden der Wahrheit die entsetzlichste Rache üben. Welche Sprache für einen Menschen, an welchem man äußerlich nichts, als ein ganz gemeines Aussehen wahr, nimmt! Wir ** Ebend. x. E* 2»h. X- ! « Joh. vm. E Matth. XXV!. Messias. 8r Wir könnten noch viele andere Beweise von seiner wahrhaft göttlichen Hoheit beyseßen. Aber was wir gesaget ha, ben, ist schon genügsam, um den anbethenswürdigen Mes, sias zu vertheidigen, Menschen, die noch die Religion lie, ben, zu bestärken, und die gottlosen Verführer zu Schanden zu machen. r - XXVllk. 84 I XXVIII. Moses. ziehe die größesten Zsitrechnsr, dis man kennet, zn ^^4- Rache; so wird man finden, daß Moses nicht allein der älteste ans allen Schriftstellern, der Wrlc, sondern um etliche Jahrhunderte älter ist, als alle bekannte Schriftsteller , auch sogar diejenigen, von denen man nur noch den Namen weiß, und nur noch etliche Fragmente übrig findet. Man ziehe die alten Schriftsteller zu Rache, derer Namen und Ansehen allezeit zum meisten sind in Ehren gehalten worden , und die verdienet haben, in Ehren gehalten zu werden; wie Diodor von Sicilien, Alexander Polyhistor, Tro- gus Pompejus, Joseph, u. m. a. so stimmen alle überein, Mofto als einen großen Mann, einen großen Philosophen, einen großen Gesetzgeber (erliche sehen noch bey: als einen großen Feldherr») vorzustellen. Alan ziehe sodann das philosophische Handlexikon zu Ra« tbe: so wird es darinnen unverschämt heißen, daß dieser Moses, wenn es doch jemals einen Führer der Hebräer von diesem. Namen gegeben hat, daß dieser Moses ein unbekannter Mann, oder daß er nur ein Barbar, ein elender Führer von Flüchtlingen, ein blutgieriger Tyrann gewesen sey, und daß nur Leute, die keinen Verstand haben, glauben können, daß die Bücher, die man unter seinem Namen ausgiebt, von ihm ftyn. Wir sprechen kein Urtheil über die Weise, nach welcher dieser Schriftsteller, und noch etliche andere, von diesem Gegenstände handeln. Es gäbe keine Ausdrücke, die stark genug wären, um ihr Brtragen nach Verdiensten zu bestrafen. Aber M LH« ZW' MI O Är Ä! l Moses. 8 s Wer aus Liebe zu jener Menge unwissender und voreingenommener Menschen, vre von unfern Philosophen verführet werden, wollen wir ihnen zuerst die großen Züge vorstellen, womit die heydnischen Schriftsteller den Gesetzgeber der Hebräer uns geschildert haben. Ob sich schon diese Schriftsteller zmvenen in etlichen Umständen von der Wahrheit entfernen, so wi, b man nichts destowemger sehen, was für einen hohen Begriff sie von diesem Manne harren. Schilderung des Moses von heydnischen Schriftstellern. Wir nehmen gleich zum ersten ans diesen Schriftstellern Disdoren von Stellten vor, welchen man allezckr für einen der genauesten und verständigsten Schriftsteller aus dem Äl- tenhume gehalten hat. Im vierzigsten Buche seiner Bibliothek stellet ec uns Moses, als ein außerordentliches Genie, einen vortrefflichen Gesetzgeber, einen weisen und glücklichen Knegsheldm vor. Man vernehme, wie er sich ausdrücket. „ ^ Ec war andern Menschen an Einsicht, Stärke, und „ Weisheit überlegen: er sühne sein Pflanzvoik in das Land, „ welches man heut zu Tage Iudenland heißt, nahm es ein, „ und bauere darinnen mehrere Städte; unter andern das „ berühmte Jerusalem. Er unterwies sein Volk in allem, „ was die Religion, den Gottesdienst, die Opfer, die Re< „ gierung des Staates angieng : er ordnete, und bestimm, ,, re alles durch die Gesetze. Er gestattete weder Bilder, „ noch Vorstellungen der Gottheit; denn er glaubte, daß „ jener, der den Himmel und die Erde einschließk, und der „ durch seine Ge , ckc alles beherrschet, allzu groß sey, um „ unter * viblioth. des Photms. s« 4 . Rap. F 3 86 Moses. „ unter einer menschlichen Gestalt abgrbildet zu werden. „ Man findet am Ende seines Gesetzes diese merkwürdigen „ Worte: Dreß saget Moses den Juden auf Gottes Be, Der gelehrte Gtrabo redet im sechzehnten Buche seiner Erdbeschreibung nicht kvenigcr vortheilhaft von ihm. „ Mo, „ ses„ sagst er, „zog aus Aegypten mit einem großen „ Volke, welchem der wahre Dienst der Gottheit angelegen „ war. Er behauptete, daß die Aegyptier sie entehrten, da „ sie Gott den Thieren, und sogar den verächtlichsten Thieren, „ gleichmacheten; und daß die Griechen und die Afrikaner „ ihr nicht mehr Ehre bewiesen, da sie Gott den Menschen ,, ähnlich bildeten. Er sagte, es gebe keinen andern Gott, „ als jenen, der die ganze Welt einschließt; man könne sich „ kein Bild von ihm gestalten; man müsse ihm einen Tem» „ pel aufrichten , der seiner würdig sey, und ihn anbethm, ,, ohne eine Vorstellung von ihm zu machen. Diese Gesin, „ nungen hatten ihre Wirkung bey Menschen, die ein red, „ licheö Herz hatten, wie die Hebräer; und sie nahmen um „ ter seiner Leitung von dem Lande Besitz, wo nun Jeru, „ salem steht,,. Justin steht in dem Begriffe, den er vom Moses giebt, den Griechen nichts nach. Ob er schon irret, da er ihn einen Sohn Josephs heißt, so ist dennoch dieser Fehler im Ge, schlechte von keiner Wichtigkeit. Man vernehme, wie ec im sechs und dreyßigsten Buche seiner Geschichte sich ausdrü, cket. „ Nichts, was die Gottheit oder die menschliche Ge, „ sellschast angehen mag, war dem Vater des Moses ver, „ borgen. Die Erfahrungen, die man von seiner Weisheit „ und seiner Einsicht sehr oft gehabt hatte, waren so rüh, „ rend, daß man ftine Worte nicht so sehr für Worte eines „ Äden- j>« Ä tzjij q >» ^ Moses. 87 „ Menschen, als für Aussprüche der Gottheit silbsten hielt. „ Moses, sein Sohn, der Erbe seiner Weisheit und seiner „ Beleuchtungen, wußte auch durch die Reize und die An, „ murh, die aus feiner ganzen Person hervorschienen, alle „ Herzen zu gewinnen und an sich zu ziehen „. Wir könnten noch einen Eupalemus ^ anführen, wel, cher saget, daß Moses der erste und älteste unter den Weisen sey, die wir kennen; daß er die Schrift erfunden habe, welche von den Hebräern an die phönicier, ihre Nach, barn, und nachmals von den phönieiern an die Griechen übcrgieng: einen Artapanus oder Artabanus, ^ weicher in seiner Geschichte den Moses, als einen der größesten Männer , die jemals gelebet haben, schildert: einen Nume- nius, der ein pythagorischer Philosoph war, und der in seinem Buche vom wahren Gute, ihn als einen Mann vorstellet, den die Gottheit ungemein liebte, und der bey Gotte zum meisten vermochte. Wir könnten eine große Men, ge anderer anführen, von denen Joseph in seinen Büchern wider Appion die Zeugschasten beybringt. Aber man muß die Leser nicht ermüden. Also Haben sehr viele heydnische Schriftsteller vom Mosrs geredet; also haben sie ihn vorgeftellet. Und der Verfasser des Handlexikons, und die ihm nachschwaßen, sagen: Ist es wohl wahr, daß es einen Moses gegeben habe ? was ist dann dieß für ein Moses, welcher der ganzen Erde unbekannt war, bis einen ptolonräus die Lust anwan, delte, die Schriften der Juden in das Griechische überse, Yen zu lassen? Es ' Eusebs cvang. vorder. 8. B. k ' Ebcird. §. B. Ebend. 8. v. § 4 88 Moses. Es ist genug, wenn man von einem Menschen, der sich also zu reden getrauet, eben das saget, was Rousseau von einem Menschen sagte, der läugnm wollte, daß Gott habe Wunder wirken können: *Es wäre zuviel Ehre für ihn, wenn man ihn strafete; man sollte ihn nur einsperren. Dreß ist das ganze Urrheil, welches auch wir fällen. Laßt uns ißt zur umständlichen Entdeckung seiner übrigen Lügen und Ungereimtheiten schreiten. Lügen aus dem Handlexikon. I. Mehrere Gelehrte sagen, cs werde durch die Schrift selbften bestätiget, daß die erste bekannte Abschrift von den fünf Büchern Moses zur Zeit des Rönigs Iosias ge, funden worden sey. Es wird durch die Schrift bestätiget, daß die Bücher des Geseßes zur Zeit der Richter, welche gleich nach Moses kamen, und zur Zeit der ersten Könige, die auf die Richter folgten, schon bekannt waren. Wir werden davon die Be, weise hier in der Folge angeben. Es ist also bestätiget, daß diese Gelehrten unwissende Leute, oder Betrieger sind. II. Etliche Widerlager setzen bey, es habe kein Prophet die fünf Bücher Mose s angezogen; es geschehe davon we, der in den Psalmen, noch in den Büchern, die man dem Salcmon zuschreibt, noch endlich in irgend einem kano, Nischen Buche der Juden eine Meldung. Die Worte, welche mit Genesis, Exodus, Leviricus, Numeri, Dcu, tcro, * Briese von dem Berge. 95. Seit. -M E ßl! Moses. 89 tersnsmium Übereinkommen, werden in keiner andern Schrift angetroffen, die sie für acht erkennen. * * * Ein ehrlicher Mann würde sich schämen, wenn er offener sich Lügen gestrafte würde. Ich weiß nicht , ob der Doktor fähig ist, sich zu schämen ; aber er wird deßhalbm dennoch Lügen gestraftt seyn. Erstlich stehr im achten Kapitel des Buchs Ioftre, *daß dieser Feldherr einen Altar aufrichten hieß , wie cs im Buche des Gesetzes von Moses gebothrn war, und daß er auf Steine das Deuteronomium des Gesetzes Moses schreiben ließ, wie es dieser Gesetzgeber in Gegenwart der Rinder Israels ausgetheilet hatte. Nachmals sehen wir, daß mehrere Psalmen ** nichts anders als Auszüge des Gesetzes sind, und daß Mofts alle, zeit darinnen angezogen wird. In den Büchern der Könige wird das Gesetz Mofts öfters wiederholet, in allen Dingen, welche die Opfer, die Gebräuche, die Verordnungen betreffen, die in Exodus, Leviticus, und Numeri enthalten sind. Das Buch des Sohns Sirachs enthält das herrlichste Lob von Mofts, als einem Wnnderlhäter und Ge, seßgsber . . . Aber dieß ist genug, um dem Doktor das Zeugniß zu geben, welches er verdienet. III. Es waren schon sehr viele Jahrhunderte, seitdem die morgenländischen Fabeln dem Bacchus alles zueigneren, was die Juden vom Moses gesagt haben. * * * Wec * zi.Vers. «* 77. r-> 6 . Psalm. « XXxxv. F s §O Moses. Wer hat Ihnen das gesaget, Herr Doktor? Wer ist der Verfasser dieser Fabeln ? Wer hat sie gesehen? In was für einem Jahrhunderte sind sie gemacht worden ? Wann Sie diese Fragen werden beantwortet haben, mag man Sie an, hören. Aber vor allen Dingen müssen Sie wissen, i. daß in Ihrer Zeitrechnung ein recht grober Fehler ist. Es waren, sagen Sie, sehr viele Jahrhunderte, seitdem man schon dem Bacchus zueignete/ was die Juden vom Moses gesagt haben. Und man wird Ihnen beweisen, daß die, sec vorgebliche Bacchus, dieser Besieger Indiens, viel jün» ger als Moses war. Denn Semele, die Mutter des Bac, chus, war eine Tochter Radmus, des phöniciers, welcher ein kleines Pflanzvolk in Böotien führte, und die Stadt Tyebe stiftete. Nun aber, nach der Meynung aller Zei» rechner, trifft die Erbauung von Theben mit dem Auszugs der Hebräer aus Aegypten zusammen. 2. Sie müssen wissen, daß nicht allein dis Geschichte des Moses für eine Nachahmung der Fabeln vorn Bacchus nicht gehalten werden kann; sondern man könnte vielmehr die Fa, beln vom Bacchus für eins Verfälschung der Geschichte des Moses ansehen : und dieß halten Vossius , Bochart, der Bischof von Avranche, und mehr andere Gelehrte für eine bewiesene Sache. Z. Sie müssen wissen, daß diese Fabeln erst lange, nach, dem die ägyptischen und phönicischen Pfianzvölker Griechen, land bevölkert Hatten, erdacht worden sind. Allein diese phönicischen Und ägyptischen Pflanzv ölker entstanden erst um die Zeit, da Moses lebte, oder waren sogar größesten Theils jünger als Moses. Wie können dann die Fabeln älter als Moses ftyn? 4. Var, riB A«k esst! D s« >W üiix , Moses. , ' yr 4. Varro, der Gelehrteste unter den Römern, saget uns, daß man van allem, was man von den Zeiten erzählet , die vor der Errichtung der olympischen Spiele gegangen sind, nichts sicher glauben könne; daß erst um dieselbe Zeit die fabelhasten Zeiten Griechenlands aufhören. Nun aber, die olympischen Spiele sind erst sieben hundert Jahre nach Moses errichtet worden. IV. Ist es nicht äußerst wahrscheinlich, daß dieses so neue, so lang herumirrende, so spät bekannte Volk, welches sich so spät in palästinen niedergelassen hat, mit der phör «irischen Sprache die phönicischen Fabeln angenommen habe, die es noch vermehrte, wie es alle dumme Nachahmer machen? Konnte ein so armes, so unwissen, des, so unerfahrnes Volk in allen Künsten etwas anders thun, als seine Nachbarn nachahmen ? weiß man nicht, daß sogar der Namen: Adonai, Eloi, oder Eloah, welcher bey dem jüdischen Volke Gott bedeutet , alles phönicisch war? Das hebräische Volk ist ehemals das Volk Gottes, und das einzige gewesen, welchem die göttlichen Verheißungen und die göttlichen Bücher vertrauet waren ; das einzige, welches den wahren Gott erkannt und angebethet hat; das einzige, dessen Religion jene Laster verdammet hatte, welche die Natur verletzen, und wider die Vernunft streiten. Man muß dann nicht wundern, daß die Philosophen sich so sehr bestreben, dasselbe herabzuseßen, und zu entehren. Aber laßt uns sehen, ob sie geschickt in ihrem Angriffe ftyn. 92 Moses. 1. Sie heißen es ein neues Volk. Allein dieses Volk ist älrer, als die Perser, die phönicier, die Griechen, die Aömer, die Rarthagmenser, und alle, von denen in den Geschichten zum meisten geredet wird. 2. Sie stellen es als ein heruwirrendes Volk vor. Die Hebräer sind dennoch fünfzehn hundert Jahre lang in dem Besitz; ihres Landes gewesen. Gebt eö viele andere Völr ker, die eben also sagen könnten? g. Sie sagen, es sey so spät bekannt geworden. Es war früher bekannt, als die morgenländischen Fabeln, von denen inan uuSeben erst das Alterthum anpries. Außer, dein zeiget Joseph, in seinem ersten Buche wider Appton, eins unglaubliche Menge alter ägyptischer, phönicischer, chal, dälscher Schriftsteller an, welchen die Hebräer gut bekannt waren. 4. Sie geben es für so arm ans. Dieses Volk regier, te, ernährte sich, beschloß Krieg und Frieden ohne Hülse sei, ner Nachbarn. Die reichen Völker können nicht mehr thun. 5. Sie machen ein so unwissendes Volk daraus. Vey diesem Volke findet man die schönsten Bücher der Re, ligion und der Sittenlshre, die erhabenste Poesie, und die vollkommensten Gesetze. 6. Sie behaupten, daß es unerfahren in allen Rün, sten war. Jerusalem war, nach den? Berichte des Stra, bo, Diodors von Sicilicn, Dmochares, und inehr ande, rer Schriftsteller, eine der schönsten Städte im Morgenlands. Der Tempel, wie uns Joseph belehret, war der Gegenstand der Verehrung Alexanders, und nachmals Ver BewunLe, rung des Kaisers Titus. Man hatte auf dreyßig tausend Arbeiter und Künstler in Israel gefunden, um biefts präch, trgs ' ? S. der Nön. V. iz. * Moses. sz tige Gebäude aufzrmchkeri. Wenn man von den Weckhäu, fern zu Jerusalem nichts meldet, so redet man von Len rö, mischen Fabriken eben so wenig: sollte man deßwegen sagen, die Römer seyn unerfahren in allen Künsten gewesen? 7. Sie sagen, die Hebräer haben mir der phönicü schen Sprache alle phönicische Fabeln angenommen. Aber in welchem Schriftsteller haben sie erfahren, daß es jemals eine phönicische Sprache gegeben habe, und daß die Worte : Adonai, Eloah, Eli, phöuicisch gewesen seyn? phönicien war nur ein sehr schmales Stück Landes, zwi, schen dein Berge Liban, und dem mittMudlschen Meere; es'war nur ein kleiner Strich von Syrien: also ist eö sehr wahrscheinlich, daß man dort die syrische Sprache redete. Die phönicische Sprache, von der man kein Denkmaal auf- zuweisen hat, ist also nur in der Einbildung unsers Doktors bestanden. v. Ist es wohl wahr, daß es einen Moses gegeben ha, be ? wenn ein Mensch, welcher der ganzen Natur ge, hoch, beydcn Aegypricrn gclebet hätte, würden so wun, dervolle Begebenheiten nicht den vornehmsten Theil der Geschichte ?legyptcns ausgemacht haben ? Würden nicht Sanchoniaton, Manethon, Mcgasthenes, Herodoms davon geredet haben? Der Geschichtsschreiber Joseph hat alle mögliche Zeugschaften gesammelt, die den Iu, den günstig waren ; aber er getrauet sich nicht zu sagen, daß einer aus den Schriftstellern, die er anzieht, ein ein, zig Wort vom Moses geredet habe, wie! der Nil wä, re in Blut verwandelt worden; ein Engel hakte alle Erst, gebohrne in Aegypten erwürget; das Meer hätte sich eröffnet, und sein Wasser in die Höhe gethürmer: und kein 94 Moses. kein Schriftsteller sollte davon geredet haben? und nur ^ ein kleines Volk ungesitteter Sklaven sollte uns diese ^ Geschichten, etliche tausend Jahre, nachdem sie geschehen ^ sind, erzählet haben? ^ * » * ^ Wer möchte es glauben, daß dieser Mann uns eben an ^ jenen Schriftsteller weisen sollte, der seine Falschheit in das '' Helleste Licht sehet? Joseph, heißt es, getrauet sich nicht ^ zu sagen, daß einer aus jenen Schriftstellern ein einzig ' rvorr von Moses geredet habe. Aber man lese Las erste Buch Josephs wider Appion, so wird man finden, daß - Manethon den Moses ausdrücklich nennt, welcher, saget ' ec, die Gesetze gab, und die Polizey seines Volkes ordnete. > !e§L8 compoluit eis Lacercios cguickam. IIe- Ilopolites, cgui Lc voL3tu8 eil Noles. Wenn Manerhon aus LNoses einen Priester von Heliopolis machet, so ist es l ein Fehler, dergleichen bey vielen Geschichteschreibern einschlri« chen; und er wird in diesem Stücke von Josephen genug aufgezogen. Der Doktor nennet auch den Megasthencs; aber er zeiget wohl, Laß er ihn nicht kennet. Megasthencs hat niemals etwas von der Geschichte Aegyptens geschrieben. Er harre eine Geschichte von Indien geschrieben, dre sehr hochgeschäßet wurde, lind die man nicht mehr hat. Den Herodotus, welchen man den Vater der Geschichte heißt, und welchen Cicero ^ den Vater der Lügen nennet, sieht Manethon, der Aegyptier, indem, was er von Aegypten saget, für einen unwissenden Lügner an. Nane- ttionLZypttus frequenter arAuit Ilerockotum inLZyp- tianis iZnoratione memitum Endlich was den San- choniaron betrifft, haben wir von ihm nur noch etliche j Frag- I Joseph wider App'isn. i.B. von der Nat. der Gött. MoseS. 5>f Fragmente übrig, die von Euseben sind aufbehalken worden: und überdas zweifelt man, ob es jemals bey den phöniciern einen Geschichteschreiber von diesem Namen gegeben Habe. Aber, saget der Doktor in einem höher« Tone: der Nil wäre in Blm verwandelt worden; das Meer hätte sich geöffnet, und sein Wasser in die Höhe gerhürmet: und kein Schriftsteller sollte davon geredet haben? und nur ein kleines Volk ungesitteter Sklaven sollte uns diese Geschichten, etliche tausend Jahre, nachdem sie geschehen sind, erzählet haben? Aber um seinen so Hohen Ton herunterzustimmen, wollen wir ihm Artabanus " anführen, welcher in seiner Geschichte nicht allein die Wirnder erzählet, die im zweyten Buche Moses verzeichnet sind; sondern noch andere beyfüget, und die Gelehrten von Memphis und von Heliopolis für seine Bürgen anzieht. Im übrigen ist es eine eben so airsschweifende Frage, ob es einen Moses gegeben habe, als wenn man fraget?, eb es einen Cäsar, einen Alexander, einen Lyrus gegeben habe. VI. Ls wäre natürlich gewesen, läßt er noch die murren, den Juden sagen, (Personen, die er erdichtet hat:) Es wä« re natürlich gewesen, von dem Lande Gesten, längs dem mittelländischen Meere, gegen Tyrus und Sidon zu gehen: aber du heißest uns beynahe d»e ganze Erdenge von Suez durchreisen; du lässest uns in Aegypten zurück, kehren, bis über Memphis hinaus wandern; und itzt befinden wir uns zu Beelsephon, am Gestade des rochen Meeres, und wenden dem Lande Lhanaan den Rücken zu, * Lex Clemens Stromat. i, L. 96 Moses. zu, nachdem wir achtzig Meilen in Aegypten herirmge.- zogen sind, dem wir entgehen wollen. * Diese murrenden Juden, könnte ein vernünftiger Mann antworten, sind große Schelmen gewesen, weil sie anstrir, ten, was bewiesen und richtig war, und weil sie an ihrem Führer das weiseste und nethwendigste Betragen radelten. Laßt uns diese Antwort des vernünftigen Mannes erklären. i. Alles, was man von diesen Zügen und Rückzügen saget, ist aufgelegt falsch. Dreß sind die Werke des geheiligten Gesckichreschreibers: „ ^ Die Kinder Israels zogen ain ,, fünfzehnten Tage des ersten Monats (Märzen) von Ra, „ »nasse weg ; sie lagerten sich bey Soccoth; von Soccoth „ kamen sie nach Ethan, welches au den äußersten Grän, „ zen der Wüste liegt; von Lorten kamen sie vor phiahi» „ reth, welches gegen Beclsephon sicht; von phiahiroth „ zogen sie nittten durch das Meer; von dannen traten sie „ dre Wüste Sur an (welche sonst Ethan genannt wird) „ und kamen nach Mara,,. Um diese Steile zu verstehen, darf man nur einen Blick auf die Charte werfen, die der verständige V. GLcard, ein Glaubenspreoiger in Aegypten, verfertiget hat, als ec eben an diesen Oerkern war. Ma i wird finden, daß von Ra» masss nach Soccoth acht französische Meilen; ohngefähr ebm so viele von Soccoth auf Ethan sind; und daß man von Ethan einen kteinen Umweg nehmen muß, um erne grüße Landenge zu durchwandern, und phiahiroth gegen, über zu gelangen, welches auch eine kleine Tagrerft ansma» cher: und aisoann rst inan am Gestade des rochen Meeres. Wo 4. L!>. MoW. XXXUI. Moses. 97 Wo sind dann alle jene Züge und Rückzüge, welche dieser Borhschaster der mürrischen Inden anzerget? 2. Nicht allein wäre es nicht natürlich gewesen, gegen Tyrus und Srdon zu gehen; sondern es war durchaus noch, wendig, daß man nicht dahin gieng. Dieses unzählbare Volk wollte zwar in palästmen seine Pffanzstädte aufrich» ten; aber cs mußte zuvor zu den neuen Gesehen , zum neuen Gottesdienste, zur neuen Regierungösorm, dis ihm Gott geben wollte, und dis während der fünfzehn Jahrhunderte, wo diese Pflanzstädte dauren sollten, beobachtet werden muß, ke, gebildet und abgerichtet werden. Nun aber zu diesem Ende war nichts tauglicher, als die Reise durch die Wüste, und der Aufenthalt in der Wüste. Das Murren dieser er, dichteten Leute ist dann sehr übel gegründet gewesen. Fragen des Verfassers des Handlexikons von Moses. I. In was für einer Sprache würde wohl Moses in einer wilden wüste geschrieben haben? Es hätte nur in der ägyptischen seyn können; denn aus eben demsel, den Buche sicht man , daß Moses und all sein Volk in Aegypten gedohren war. Ls ist zu vermuthen, daß er keine andere Sprache redete. Die Aegypticr bedienten sich noch des nicht. Man grub die Hieroglyphen auf Marbel oder Hol; ein: er hatte dann fünf große Bände auf geschliffne Steine graben müssen, wozu eine ungläubliche Mühe und Zeit erfodert worden wäre» * * * Dergleichen Fragen verdienten nur äußerste Verachtung» Aber aus Mitleide für die schwachen Geister, wollen wir uns würdigen, daraufzu antworten. U. Band. G Moses, 98 Moses. Moses, heißt es, war in Aegypten gebohren: es ist zu vermuthen, daß er keine andere Sprache redete. Die, ser Vernunftschluß ist eben so richtig, als wenn man sagete: Jener französische Flüchtling ist zu Berlin gebohren: es ist zu vermuthen, daß er keine andere Sprache als Teutsch rede. Gleichwohl sprechen die Flüchtlinge zu Berlin eben so gut französisch, als man zu Paris spricht; und viele so, gar können nicht einmal das Teutsche. Moses konnte und dorfle in keiner andern Sprache schreiben , als die sein Volk sprach. Nun aber sein Volk sprach nicht ägyptisch. Man vernehme den Beweis davon: Als dieses Volk nach Aegypten kam, wurde ihm sogleich der Besitz des Landes Gesten eingcräumek, welches an den äu< ßersten Gränzen Aegyptens gegen Arabien liegt; und dort wohnte es von den Aegyptiern ganz abgesondert. Es mußte dann seine vorige Sprache behalten, welche das Hebräische war. Allein in dieser Sprache sind die fünf Bücher Moses geschrieben worden; und wir haben sie noch, wie sie geschrieben worden sind. Die Aegyptier, heißt es, bedienten sich noch des Uscs-^oc nicht. Aber mit welchem Grunde behauptet er dieses ? Was sind seine Beweise ? Er lese nur die gelehrten Werke des Marquis Maffei von der Diplomatik, so wird er erfahren, daß man den Gebrauch des im höch« sten Alrerrhume kannte. Außerdem gebeut der Gesetzgeber, daß das Buch des Gesetzes in die Bundeslade gelegt wer, den 'M'Ii sD ipi ly, r-q Flüchtling) kekuzie : Also nennt man die reformlkten Franzosen, > welche ans Frankreiche vettrMen worden, oder entwichen sindund ^ grvAesten Lheils in die brandenburgischen, oder andere prstestanti- sche Länder sich geflüchtet habe». Moses. ys den sollte. Würde er wohl geborhen haben, einen Srein, bruch, oder einen Wald darein zu legen ? 2. Ist es wahrscheinlich, daß es in einer wüste wo das jüdische Volk weder Schneider, noch Schuster hatte, so geschickte Leute gegeben habe, welche die fünf Bücher Moses auf Marbel oder Hol; eingruben? Man wird sagen, es habe wohl Arbeiter gegeben, die in einer Nacht ein goldenes Ralb verfertigten, und nachmals das Gold in Staub verwandelten , ein Werk, welches die Schmelzkunst, die noch nicht erfunden war, unmög- lich zu Stande gebracht hätte. * * * Ist es wahrscheinlich, daß unter einem Volks, welches vhngefähr zwo Mill-onen Seelen ausmachte, Niemand gewesen sty, der sich auf die Künste und Handwerke verleget Hätte, die zum allernorhwendigsien sind? Das goldene Kalb, welches ru einer Nacht verfertiget worden seyn soll, ist eine Unwahrheit. Tue Schrift redet nicht von der Zeit, welche zu dessen Verfertigung angewenöet worden ist? z. Wenn Moses das erste Rapitel seines ersten Bu, ches geschrieben harte, würde wohl allen jungen Leuten verborhen worden seyn, dieses erste Rapitel zu lesen ? würde man so wenig Ehrfurcht für den Gesetzgeber gehabt haben? wenn es Moses gewesen wäre, der gesagt hat, Gott strafe die Bosheit der Väter bis in das vierte Geschlecht, hätte sich Ezechiel getrauet, den Gegensatz zu behaupten? Würden wohl vernünftige Ael/ern einem Kinde erlauben, alle Bücher zu lesen, die sie sechsten ohne Gefahr lesen G 2 könm lo<2 Moses, könnten? Ist das zarte Aller im Stande, alle Gattungen von Büchern, die es liest, nützlich anzuwenden? Erlaubet die christliche Kirche jedem Gläubigen, alle göttliche Bücher zu lesen ? Die Weisheit gebeut diese Gesetze; aus Weisheit wurde den jungen Hebräern verborhen, das erste Kapitel des ersten Buchs Moses zu lesen. Weil Gott von sich sechsten in der vielfachen Zahl redet, so wäre dieß für den noch schwachen Verstand eine Gefahr gewesen: man hätte daraus aufdie Mehrheit der Götter schließen können. Man sehe bey dem Artikel: Ezechiel, die Antwort auf den zweyren Punkt des Entwurfes nach. ' 4. wenn Moses den Levikicus geschrieben hätte, würde er sich im Deuteronomium haben widersprechen können? Der Leviticus verbeut, die Frau seines Bruders zu Heurathen; das Deuteronomium befiehlt es. O Der Widerspruch ist in der Einbildung. Weisheit Leuchtet aus bcyüen Gesehen hervor. Das erste schreibt Regeln der Zucht vor, die man in dm Geschlechtern, und gegen Befreundte oder Verwandte beobachten soll. DaS zweyte sorget für die Erhaltung der Rechte und Ansprüche in den ältesten Zweigen der Geschlechter. Man wird nicht anders mkheilen, wenn man die zween Texte gegen einander hält, die wir vortragen wollen. . * Du sollst nicht entblößen, was an -er Frau deines Bruders bedecket siyn soll, heißt eö im Leviticus: denn du bist diese Achtung deinem Bruder schuldig. Man sieht, was durch dieses Gesetz verborhen ist: ein sündhafter und blutschändrischer Umgang; denn eine solche Thal wäre eine B-- 1»^ M ,'Ä Ä Ä! » Z.L. Moses, xvill. Moses. iOi Beschimpfung für «neu Bruder, und ein entsetzliches Aer. gerniß in der Gesellschaft. * Wann zween Brüder beysammen wohnen, heißt es iin Deuteronomium, und Einer aus ihnen ohne Rinder gestorben seyn wird; soll die Frau des Verstorbenen keinen andern, als den Bruder ihres Mannes heurarhcn, welcher sie zur Frau nehmen, und seinem Bruder Rinder erwecken soll; und er soll dem ältesten aus den Rindern, die er mit ihr zeugen wird, den Namen seines Bruders geben, damit der Namen seines Bruders in Israel nicht vergehe. Dieß geschah zur Erhaltung, oder zur Erneue.' rung des äitsteu Zweiges der Geschlechter. Wo ist der Wi > derspruch? z. Hätte Moses in seinem Buche von Städten gesprochen , die zu seiner Zeit nicht gestanden sind? hätte er gcsaget, daß Städte, die für ihn gegen Osten am Jordan lagen, gegen Westen liegen? * ^ * Vor einem Jahrhunderts sind diese Einwürfe von Spinoza geinacht worden, welche schon Huet, Abbadie, und mehr andere Gelehrte widerleget haben. Wenn der Verfasser des Handlexikons etliche einzelne Oerter genannt hätte, so würde man ihm eine besondere Antwort errheilet haben. 6. Hätte er in einem Lande, wo es niemals Städte gegeben hat, acht und vierzig Städte den Leviten an, gewiesen? S * Moses nennt die Städte. Man müßte beweisen, daß jene Sradts, die benamset sind, niemals gestanden seyn. 7. Hätte 102 Moses. 7. Hätte er für die jüdischen Rönige Regeln vorge- jchrieben, als dieses Volk nicht allein keine Röntge hat, re, sondern sie verabscheuete? wie! Moses hätte Gebo- the gegeben, wie sich Röntge aufführen sollt n, die erst ohngefähr acht hundert Jahre nach ihm kamen, und er hätte von den Richtern und hohen Priestern nichts gesaget, die auf ihn folgten? Verleitet nicht diese Bemerkung zu glauben, daß die fünf Bücher Moses zur Zeit der Röni, ge verfertiget worden seyn? * * * Ern vernünftiger Mann hätte aus den Regeln, die Ms« ses den Königen vorschreibt, gerade das Widerspiel geschlossen. Dieser Gesetzgeber leger ihnen allzu beschwerliche Pflich, ten auf; er spricht allzu eigenmächtig mit ihnen; er machet sie allzn sehr andern Menschen gleich. Jene, die mit einer unbeschränkten Gewalt versehen sind, gestatten nicht, daß man also mit ihnen rede. Folglich sind die fünf Bücher Moses geschrieben worden, ehe es Könige gab. Moses hat, te in den verschiedenen Büchern des Gesetzes alles verordnet, was die hohen Priester und die Richter betraf. Ais Prophet sah er auch die Zukunft ein, und schrieb schon den Königen Pflichten vor, welche vier hundert Jahre, und nicht acht hundert Jahre, wie unser fertiger Doktor behauptet, nach ihm kommen sollten. Aufdiese schönen Fragen folgen rasende Strafreden wi, der Moses: t. Weiler die Hebräer aus Aegypten, als Die, be und Feigherzige, Ausziehen läßt, damit sie zwischen Len Tiefen und Bergen umkommen mögen. 2. Weil er Aaron, der das goldene Kalb ausgestellt hatte, zum hohen Priester machet, anstart ihn zu strafen, z. Weil er den Leviten be, fiehlt. M W M Üg H Ht, ! y Moses. iQz stehlt, zwanzig tausend Menschen aus dem Volke, und ein andermal vier und zwanzig tausend niederzuhauen, als ein Hebräer bey einer Madiamtmn geschlafen hatte: und er ja» get zum Beschlüsse / Ließ ssyn die Einwürfe, welche die Ge< lehrten denjenigen machen, die glauben , daß die fünf Bü, cher von Moses seyn: aber die Kirche, die auf die Syna, goge gefolgst, und unfehlbar, wie diese, sey, habe diese Streitsache entschieden; und die Weisen müssen schweigen, wann die Kirche spreche. Wir wollen auf einen jeden dieser Artikel nur ein Word erwiedern. Wir sagen dann Aus den ersten: Die Hebräer waren unbillig von den Aegyptiern unterdrücket und geplaget worden; sie konnten mit Rechte, nach dem Befehle des Herrn, behalten, was sie den Aegyptiern/ ihren Verfolgern, entlocket hatten; sie machten sich dadurch für den Schaden und die Zinse bezahlt: und vbschon die Art, nach welcher sie handelten, außeror, deutlich war, so konnte Gott ihnen doch die Gewalt dazu geben. Auf den zweyten : Aaron war vom Herrn zum Hohen Priester bestimmet worden, ehe er das goldene Kalb aufstells te; Moses dorfte nicht, aus seiner eignen Macht, ihn des Priesterrhums entsetzen. Auf den dritten: ^ Die erste Blutgeschichte wurde auf das ausdrückliche Geheiß Gottes vollzogen, welcher der un» beschränkte Herr über das Leben der Menschen ist. Die zweyte geschah wegen einer andern Gattung Götzendienstes, welcher noch weit abscheulicher war, und den man ohne Verletzung der Schamhaftigkeit nicht erklären könnte. Unsre mitleidi, gen G 4 ' 2. » Moses. XXXII. io4 Moses, gen und menschenfreundlichen Philosophen nehmen sich hier Bösewichreran, die Gott gsstcafet hat. Der Tod von zwanzig tausend Menschen, der sie vor mehr als dreyßig Jahrhunderten getroffen har, scheint ihnen anstößig, und sie freuen sich, wann sie in einer Zeitung lesen, daß zwanzig tausend Feinde in der Schlacht geblieben sind. So groß ist ihre Menschenliebe. Auf den vierten: Die Gottlosen sagen, Um ihrer Gott, losigkeit ein Ansehen zu geben, daß Gelehrte diese Einwürfe machen. Aber man fraget sie: Wer sind diese Gelehrten? Spinoza ganz allein, und nachmals etliche, welche der elen, Le Widerhall dieses Atheisten sind. Es würde zur Vollkommenheit dieses Artikels etwas man, geln, wenn wir nicht von dem Verfasser des entlarvten Lhrv stenthums noch eine kleine Meldung macheten. Nach dem Urtheile dieses Schriftstellers soll man Moses für Len boshaf, restxn Mann halten, der jemals gelebek hat. Ein tüchtiger Betrüger, ein ausschweifender Gesetzgeber, ein unsinniger Schwärmer, ein blutgieriger Tyrann, rin grausamer Ero, derer: dieß sind die Züge, womit dieser weise und große Schriftsteller uns Moses schildert. Wir wollen etliche seiner schönen Gedanken vorlragen, und sie mit sehr kurzen An, merkungen begleiten. I. Moses beredete die Hebräer, daß er der Ausleger des Willens ihres Gottes sey, und bestätigte seine Sendung durch Werke, die Leuten übernatürlich schienen, welchen die Wege der Natur, und die Handgriffe der Runst unbekannt waren. « » * ' s di W HW W Ä, ^l! dg ich I Die Moses. iQz Die Werke, von denen er redet, sind die zehn Plagen in Aegypten, die Eröffnung des Meeres, und die Uube, Möglichkeit seines Wassers, das ausgethürmt blieb, bis die Hebräer durchgezogen waren, das Fallen des Himmelbrods, u. d. g. Glaubet er, daß alle diese Werke ganz natürlich ftyn, oder daß die Handgriffe der Kunst etwas ähnliches Hervorbringen können ? Er mag uns dann erklären, wie dieses möglich sey; er mag uns Beyspiele davon anzsigen; er mag dieses Fach der Naturkunde durchforschen, damit er uns durch seine eigenen Versuche beweise, Laß wir schwach, sinnig ftyn, wenn wir glauben, diese Werke gehen über die Kräfte der Natur hinaus. Dieß wäre weit besser, als alle seine Ausstellungen und Stachelreden. II. Das erste Geboth, das Moses im Namen Gottes den Hebräern gab, war dieses: sie sollten ihre Herren besteh, !en, die sie zu verlassen im Begriffe waren. O Glaubet dieser Mensch, daß der Gott, den die Hebräer anbelheten, der wahre Gott gewesen sey ? Glaubet er, daß der wahre Gott den Diebstahl gebiethen könne ? Wenn Gott den Hebräern befahl, Sachen zu borgen, die sie niemals heimstellen sollten; so war es zur billigen Entschädigung der Hebräer, und zur gerechten Strafe der Aegyptier. III. Er lehrete sie die wunderbarliche Fabel von ihren Vor, altern, und die närrischen Leremonien, woran der HZch, sie seine Gnaden heftete. * » G 5 Es iO6 Moses. Es gefällt diesem Plauderer den eifrigen Gottesdienst der Juden närrische Leremonien zu benamsen: aber Porphyr^ leget ihm großes Lob bey; philo giebt die Weisheit davon zu erkennen; Joseph schildert uns seine ganze Herrlichkeit ab; die Heyden sechsten, die davon eine Kennkniß hatten, haben ihn bewundert, und in Ehren gehalten. rv. Vor allen Dingen flößete er ihnen den bittersten Haß gegen die Götter anderer Völker, und die ausgesuchteste Grausamkeit gegen ihre Anbether ein. * ^ * Er flößte ihnen den größestcn Abscheu vor dem Götzen, dienste, vor den Sitten, Gebräuchen, und Uebungen der Götzendiener ein; wie es aus verschiedenen Stellen der Bücher des Gesetzes erhellet: ** und zugleich flößete er ihnen die Ach» tung und Freundlichkeit ein, die man den Fremden schuldig ist. ^ Wag hie Einwohner Lhanaans betrifft, auf welchen der Fluch lag, kann man im achtzehnten Kapitel des fünften Buchs Moses, die Ursache davon sehen, wo ihre La, ster verzeichnet sind: und um dieser Laster willen werden diese Völker vertilget werden, saget der Herr. V. Durch eitel Blutvergießen und Strenge machte er «us ihnen Sklaven, die lenksam nach seinem willen wur, den, und bereit waren, seine Leidenschaften zu begün, stigen, und sich für seine ehrgeizigen Absichten aufzuo- pftrn. * von der Enthalt. Thierfleisch zu essen. '* 5- D. Moses. IV. VH. XII. Ebend. XXlll. XXIV. »»«» Ebend. XVIII. M! t,O -B j»! M All jz« hü Moses. iO7 pfern. Mit einem Worte: er machte aus den Hebräern Ungeheuer der Raserey und der Grausamkeit. * * * Die Wurh, mit welcher dieser Mann alle Gräuel von den Hebräern ausstreuet, machet, daß er nicht mehr weist, was er denket, oder was er saget. Wie können eben dieselben Leute zugleich so lenksame Sklaven und so grausam und rasend seyn? Nachmals soll er uns zeigen, wenn er kann, worinnen jene ehrgeizigen Absichten des Moses bestanden. Es ist an keiner Stelle der Schrift angedeutet, daß er weder für sich, noch für seine Kirider jemals etwas gethan habe: er ernannte sich selbst einen Nachfolger, der weder aus seinem Geschlrch, te, noch aus seiner Zunft war. Er erklärte, daß er dm Trost nicht Haben werde, in das gelobte Land einzugehen. Was für Beweise kann man von seinen ehrgeizigen Absich, ren, und von seinen Leidenschaften geben? Heydnische Schriftsteller, die allgemein hochgeschäht wer» den, legen dem Moses die größesteu Lob spräche bey; die jüdischen und christlichen Schriftsteller beweisen und erproben die Wahrheit von allem, was die heilige Schrift von ihm saget: Abtrinnige von der Religion laden ihm allen Gräuel auf, den man ersinnen kann, und beweisen nichts von allem, was sie auf die Bahne bringen. Dem vernünftigen Leser kömmt es zu, sich umzusehen, wonach er sich richten möge, und aus welchen Quellen er schöpfen solle, um von Moses zu urtheilen. XXIX. 108 XXIX. Offenbarung. H^>enn es-me Offenbarung giebt, soll man die nenarti- gen Philosophen, und alle jene sogenannten Gelehrten und Vernünftler, welche beständig wider die Religion lästern, nur für die verdammlichsten Menschen, und für die haffenswürdigsten Feinde des menschlichen Geschlechtes anse- hsn. Denn giebt es eine Offenbar«,mg, so ist sie nothwen- diger Weise das herrlichste Siegel des Willens eines höchsten Wesens, und sie muß nothwendiger Weise für den Wrenschen von der größesten Wichtigkeit seyn. Daraus folget unvermeidlich, daß alles, was dis Ungläubigen dawider ausspeyen, für nichts anders mehr, als für eine höllische Eingebung , für die gottloseste Verführung, und für das schädlichste und gefährlichste Gift gehalten werden sollte. Weil dieser Punkt der Grund und die Feste der Religion ist , wollen wir ihn so umständlich behandeln, als es die Kürze , welche zu diesem Werke erfodert wird, gestatten mag. Wir werden erstlich erklären, was man durch das Wort: Offenbarung, verstehen solle; nachmals werden wir zu erkennen geben, wie sehr das menschliche Geschlecht einer Offenbarung habe vonnöthen gehabt; sodann wollen wir zeigen, daß es eine ganz göttliche Offenbarung gegeben habe, und wir werden die Beweise davon angebsn; endlich werden wir das Herr, liehst«, das vollkommenste Siegel der Offenbarung in dem Evangelium Jesu Christi vorstellen. Mit einem Worte: den Bs.ssüff von der Offenbarung, ihre Nothwendigkcit, ihre GmHheit, ihre vollkommene Erfüllung in dem Evangelium werden DE LZ! 'ich ÄI! Offenbarung. ioy werden wir in vier Artikeln behandeln, und nachmals auf die Einwendungen der Ungläubigen antworten. Erster Artikel. Was ist die Offenbarung? (7>ie Offenbarung ist die Sammlung aller jener Wahrhei, len, welche Gott selbsten den Menschen endecket hat, und welche den Grund und die Feste der ganzen Religion aus, machen. Dieses erkläret uns der Lehrer der Völker mit je« nen erhabenen und kraftvollen Begriffen, welche ihm so eigen sind, wo ec uns saget: „ Eben derselbe Gott, wel- „ cher ehemals so oft und auf so verschiedene Arten, durch „ das Werkzeug seiner Propheten, zu unfern Vätern gersr ,, det hatte, hat noch iht bey diesen leß-ern Zeiten durch den „ Mund seines Sohnes zu uns geredet, welchen er zum Ei- „ genthümer aller Dinge qnfgesiellet, und durch welchen er „ die ganze Welt erschaffen hat „. Mrlrif-rrism, mukis- ^ue mocliZ olim Oeus Ioczuen8 patribu8 in?rop!retis. novilUme 6iebu8ilii8 !ocutu8elb nobis in Klio, czuem conliituit KZoreckem universorum, per czuem fecit ZL sgeculs. Bald darauf sehet er bey, daß dieses göttliche Wort durch die Wunderthaten, durch die großen Zeichen der Allmacht Gottes, und durch den Einfluß der Gaben des heiligen Geistes bezeuget und bestätiget worden sey: ** Lon» teliante Deo üzni'b öc portentis, A varÜ8 virtutibub, §r 8piritU8 sanöii äilirikuttonlbu8. Diese zween Texte geben uns den erhabensten und vollständigsten Begriff von der Offenbarung, i. Gott selbsten würdiget sich zu den Menschen zu reden: Deus loquens kstribus. 2 . Er bedienet sich des Werkzeugs der Propheten , Hebe. i. *' «bend. il. HO Offenbarung. tm, um mit ihnen zu reden: In kropketis. Z. Er redet zu ihnen durch eins lange Reihe von Jahrhunderten, von der Sünde des ersten Menschen an, welchem er einet. Er, löser verheißen harre, bis zur Ankunft dieses Erlösers selbsten: tVluItitariam. multisqne moäl8 olim Deu8 locjuenb?a- tribu8. 4. Er redet endlich zu ihnen durch den Mund sei, nes eigenen Sohnes, das Ebenbild seiner Glorie und seiner eignen Wesenheit: ^oviürme locudus eft nobi8 in DIlo. 5. Die Göttlichkeit dieses Wortes ist durch Wunderwerke, von denen Gort allein der Urheber seyn kann, bezeuget und bestätiget: Lonteliante Deo liZm8 A portentis. Aus dieser Erklärung steht man, wie ungereimt und aus, schweifend die Meynung des Deisten von Senf ist, welcher die Tränmcreyen Mahomets in die Reihe der Offenbarungen sehet, und dieselben ohne Scheue der jüdischen und der christlichen Offenbarung an die Seite stellet. Denn, was für Beweise wird er uns geben, daß Mahomet ein von Gotte begeisterter Mann gewesen sey ? Wo sind die Weissagungen, wodurch er angekünder worden ist? Was für Wunder hat er gewirket, um die Gültigkeit und Wahrheit seiner Lehre zu bekräftigen? Endlich, damit wir nichts unterlassen, was zur Erläu, terung des Begriffes von der Offenbarung norhwendig ist, wollen wir beyfügen, daß der Endzweck der Offenbarung dar, innen besteht, uns Wahrheiten zu entdecken, welche die Vernunft aus sich selbsten nicht hätte erkennen mögen ; oder uns Wahrheiten vollkommener und sicherer zu entdecken, von de, nen die Vernunft nur ganz unvollkommene Begriffe, und ganz seichte Kenntnisse hatte, wenn rnan sie mir jenen vergleicht, welche die Offenbarung uns davon beygebracht Hat. Diesen Begriff soll man von der Offenbarung haben. F F W ich Ä« »s »i H All h Zwey^ Offenbarung. m Zweyter Artikel. Von der Nothwendigkeit einer Offenbarung. er Endzweck, zu welchem die Offenbarung den Menschen ist errheilet worden, war gewesen, ihnen Gott ihren Schöpfer, ihre Pflichten, ihre ewige Bestimmung, ihre grö- Hefte Angelegenheit vollkommner zu erkennen zu geben. War die Vernunft allein zulänglich, um diese wichtigen Kenntnisse zu entdeckeri, oder war sie nicht erklecklich dazu? Dieses wollen wir entscheiden: nicht durch Vernunftschlüsse, wo man fürchten könnte, überraschet zu werden, oder woraus man Mistrauen sehen möchte; sondern durch Wahrheiten, welche man unmöglich streitig machen kann. Erste Mahrheit: Die Menschen sind durch eine lange Reihe von Jahrhunderten, über die wesentlichsten und nothwendigsten Wahrheiten, in den tiefesten Finsternissen ge, stecket. Zweite Mahrheit: Sie haben sich den schändlichsten Ausschweifungen Preis gegeben, welche der Vernunft zum meisten widerstreben. Dritte Mahrheit: Die Einsichten der Weisen sind nicht erklecklich gewesen, um das menschliche Geschlecht zu be, leuchten, und ihre Bemühungen haben nicht genüget, um Len Ausschweifungen der Menschen Einhalt zu thun. Vierte Mahrheit : Nur durch die Offenbarung ist die Dunkelheit zerstreuet, und der Strom der Ausschweifungen eingehalten worden. Wenn wir es zu Stande bringen, diese vier Arten von Wahrheiten zu erweisen, so werden wir eben dadurch auf die augenscheinlichste Weise die Nothwendigkeit einer Offenbarung ns Offenbarung.. rung erwiesen haben. Laßt m s ißt den Beweis einer jeden von diesen Wahrheiten einzeln aufnehmen. Erste Wahrheit. Die Mensch, n sind durch eine lange Reihe von Iahrhun-cr- teu, über die wesentlichsten und nothwendigsten Wahr, heiten, in den tiefesten Finsternissen gesteckct. Fragen wir uns sechsten: Was ist wichtiger für den Menschen, als zu wissen, woher er komme, was er fty, was mit ihm werden solle? Was ist für ihn wesentlicher und nmhwendiger, als seinen Schöpfer zu erkennen, sich selbst zu erkennen, seine ewige und unsterbliche Bestimmung zu erkennen? Die Erkenntniß dieser großen Gegenstände ist der norßweudige Grund aller Pflichten, aller Tugenden, und aller Dinge, woran dem menschlichen Geschlechts kann gele, gen scyn, und woran ihm gelegen seyn soll: sie ist, mtt einem Worte, der nochwendige Grund der einzigen und wahren Weisheit. Man darf nicht wundern, daß irgend ein Philosoph sich getrauen werde, diesen Vortrag anzusireiten. Nun eben in Betrachtung der Erkenntniß dieser großen Gegenstände ist das menschliche Geschlecht in den dicksten Finsternissen gestecket, ehe es durch die Offenbarung beleuchtet worden war. Damit wir davon überzeuget werden, wollen wir vorstellen, was dortmals die Well war: wir wollen untersuchen, wie mau dortmals in der Welt dachte. Und erstlich, was für einen Begriff hatten die Menschen von der Gottheit? Die Menge Götzenbilder, womit die ganze Erde angefüllet war, zeiget uns genügsam, was alle Völker, Griechen, Römer, oder Barbarn, davongedacht haben. Eine ungeheure Anzahl Männer, Weiber, und Kinder, isk H, Ä H Offenbarung. uz Kinder, wovon manche rachsüchtig und blutgierig, anders eifersüchtig, jachzornig, berriegrisch, und alle unzüchtig, oder Ehebrecher, oder Blutschänder, oder noch was mehr gewesen sind: diese waren die Götter, welche dis blind« Welt anbtthete, und vor denen sie sich auf die Knies warf. So niederträchtig waren die Begriffe, die man sich von der Gottheit gemacht hatte. Man wird vieleicht sagen: vermuthlich Haben die Philo» sophen, die Weisen, die Gelehrten von der Gottheit nicht so unvernünftig, wie der Pöbel, gedacht. Allein alle Deirkmäler bezeugen uns den Gegensah. Sie entdecken uns, daß alle jene sogenannten Weisen, was den Gottes» dienst betraf, eben so pöbelhaft, als der Pöbel sechsten, waren; daß sie, wie dieser, die Blutschande, den Ehe« bruch, die Rachsucht, und alle andere schändlichste Laster anberheren, sobald sie vergöttert wurden; und daß sie, in ihrer sonderheitlichen Denkensart, wenig besser als der Pöbel waren, da manche sich der Ungläubrgkeit, andere aller- ley Ungereimtheiten ergaben, wie man es aus den Wer, ken plumrchs ^ sehen kann. Aber nichts erreichet den Nachdruck, womit der Heilt, ge Paul über eben diesen Punkt sich ausdrücket: **,, Je, „ ne Philosophen,,, saget er, „ haben sich in ihren Träume, „ reyen verloren; ihre unsinnige Seele ist mit Dunkelheit „ umhüllet worden, und da sie sich ihrer Weisheit rühm« „ ten, Haben sie nur ihrs Ausschweifung und ihre Thorheit „ an den Tag gelegt,,. Lvanuerunt in LoZitsrionibur tuis, äc vblcuratum eü inüpiens cor eorum; üicLN- te8 euim 5e esse ispjentes, liulti isÄi sunt. Was * von den Meyn. der phitss rr. Rom. k. U. Band. H n4 Offenbarung. Was die Abkunft des' Menschen, seine Verbindungen mit Gotte, seine ewige und unsterbliche Bestimmung betraf, waren ihre Unwissenheit, ihre Jrrrhümer, ihre Ungereimtheiten in allen diesen Stücken nicht weniger unvernünftig , als sie in Betrachtung der Gottheit gewesen sind. Der alberne Pöbel , welcher nur ferne männlichen und weiblichen Götter kannte, die mit einander eiferten, zank, ten, sich schlugen, und übel genug Hauseren; der alberne Pöbel wußte wenig davon, wie der Mensch auf die Erde gekommen sey. Der Lehrsatz von der Unsterblichkeit de« Seele, wovon er manchesmal reden hörete, und welchen der nachdenkende Mensch so gut erkennt, wirkere schlechten Eindruck auf ihn; Aeakus, Minos, und Rhadamantus erschreckten ihn nicht viel. Man hatte ihm jene erhabene Lehre nicht beygebracht, *daß dev Mensch aus der Hand Gottes gekommen, daß er nach dem Ebenbilde Gottes erschaffen sey; daß der Leib in die Erde, woraus er gestaltet worden ist, und die Seele zu Gotte, der sie erschaffen hat, zurückkehren werde; und daß er alsdann von seinem Schöpfer über alles Gute und Böse, das er gewirket hat, gerichtet werden solle. Diese wichtigen Wahrheiten waren ihm ganz unbekannt. Das Wenige , was davon aus der ersten Mundsage übrig geblieben war, ist so schwach gewesen, daß es auf die Gemächer nicht den geringsten Eindruck machete. Aber sind wohl selbst die Gelehrten, die Philosophen, und jene, die man Uns heut zu Tage für Weise preist, mehr beleuchtet gewe, sen? Keineswegs: und der ganze Unterschied zwischen ihnen und dem Pöbel bestand darinnen, daß sie mehr Eigendünkel hatten, und noch mehr Ungereimtheiten aussireueren. Der » i. S, M»s. I. " Prediger M ^ MV P! Ml M N Äi h!« W y h b Offenbarung. ns Der herrliche Begriff eines göttlichen Schöpfers war ihnen durchaus unbekannt. Etliche glaubten, nach dem Zeugnis, se Diodors von Sicilien *, daß die Welt ewig sey, und daß das menschliche Geschlecht von Ewigkeit bestehe, wie die Welt. Andere behaupteten, daß gewisse Samenrheil« chen, welche im ganzen Chaos ansgestreuet waren, durch die Wirksamkeit der Hitze von den groben und feuchten Theilen, womit sie umhüllet waren, sich losgerissen, und zu der Gestaltung des Menschen und aller Thiers den Stoff gegeben haben. Soviel, saget Diodor, habe er von den ägyptischen Weisen gelernet. Der alte Sanchoniaton brachte key den phöniciern Ungereimtheiten von einer andern Art auf die Bahne. ^ Der Leiinen enthielt, nach seiner Meynnng, Thiere ohne innerliches Gefühl, welche daraus andere gestalteten, die das innerliche Gefühl und den Verstand hatten. Er saget: die Männchen und Weibchen, vom Donner erschrecket, ha« ben sich zu bewegen angefangen; Rolpia, das ist: der Wind, und Baau, welche bey den Griechen die Nacht heißt, haben zween Menschen erzeuget, von denen einer der Erstge, bohrne, und der andere die Zeit genannt wurd§, und dar, aus sey das ganze menschliche Geschlecht entstanden. Ist die Weltschöpfung der Griechen mehr wertst gewe, sen, als jene, welche die Acgyprier und die phönicier hatten? Man durchgehe plutarchs erstes Buch von den Mey, nungen der Philosophen, so wird inan theils viele Ungereimtheiten, welche die Vernunft verletzen, theils viele Dummheiten , die mirleidwürdig sind, darinnen amreffen; und man wird niemals eine Verbindung des Menschen mit Gotte, einen jener Begriffe, welche die Seele erheben und cm Gort » r. S. <" Sey Euseb. rvang. Vorder, i. D. ro. Rap. H 2 n6 Offenbarung. Gott heften, einen jener großen Grundsätze finden, welche fähig sind, die Seele von dem Lasier nachdrücklich abzu- wenden, oder ihr eine wahre Ehrerbicthung und eine groß, müthige Lrebe zu den Tugenden emzuflößen. Man will deßhalben nicht sagen. Laß es unter den Hey, dm keine Tugenden gegeben habe. Sie kannten die gesell» fchastiichen Tugenden: die Vernunft war unter ihnen nicht gänzlich erloschen: sie haben uns in diesem Srücke Grund, sätze Ul'd Vorschriften hintsrlassen, welche all unsre Ehrer, biechung verdienen. Ich will sogar beysetzen, daß seit acht» zehn Jahrhunderten, kein so vollkommenes Werk von den gesellschaftlichen Tugenden gemacht worden ist, als Cicero von den Diensten, oder von den Pflichten, vierzig oder fünfzig Jahre vor der Geburt Jesu Christi, geschrieben hat. Aber die Tugenden, welche die Verbindungen des Menschen mir Goue, des Geschöpfes mit dem Schöpfer ausdrücken sollten; die großen Grundsätze, welche das Gemüth von je, uen so wesentlichen Pflichten unterweisen, welche die Liebe zu jenen hohen Tugenden einflößen, und die Seele zur Aus, Übung derselben anfeuern könnten: all dieses, wie es scheint, ist ihm unbekannt gewesen; und es steht davon eben so we, nig ein Wort in seinen Schriften, als in den Schriften unsrer neuartigen Philosophen. Wir reden hier nichts von allen jenen ausschweifenden, ungereimten, und abscheulichen Systemen der Philosophen vom höchsten Gute, von der Seelenwanderung, von dem Zustande der Seele nach ihrem Tode, von der allgemeinen Seele der Welt, vom Materialismus, u. d. g. Sie wa» ren eine Menge Abscheulichkeiten und Ungereimtheiten, wo, durch das blinde Menschengeschlecht forrgcrissen wurde, ohne Offenbarung. n? daß es in einem Punkte schlüssig werden konnte; ohne daß es wußte, woran es sich halten sollte; ohne daß es von ei» nem aus allen Dingen, die es hörte, las, oder ersann, überzeug« war. Es schritt von einem Systeme zum an» der«, von einer Ungewißheit zu einer andern Ungewißheit, und blieb immer verfinstert, immer blind, immer voll Wiß- Legierde und Ungeduld, immer unglückselig. Man durchgehe die philosophischen Werke des Cicero, plutarchs, Clemens von Alexandrien, Eusebs von Cär sareen; so wird man die überzeugenden Beweise von allem, was wir vvrgerragen haben, und folglich den überzeugenden Beweis von der Unwissenheit finden, worinnen das mensch, Uche Geschlecht über die wesentlichsten und nvthwendigsten Wahrheiten steckete; man wird sehen, wie sehr es vonnöthen halte, durch das Licht der Offenbarung beleucht« zu werden. Zweyte Wahrheit. Die Mensche» haben sich den schändlichsten Ausschweifungen Preis gegeben, welche der Vernunft zum meisten widerstreben. * Ucm» mikil 6 IMFUSS csntum ürrt, orsgue centum, kerres vox, omnes icelerum comprenüors form»« Also drückte Virgil sich aus, als er von den Lasterhaften sprach, die in die Hölle gesperret waren. Diese Ausdrücke find noch allzu schwach, um die gräulichen Ausschweifun, gen zu bezeichnen, welchen die Menschen sich Preis gaben, ehe sie von dem Lichte der Offenbarung beleuchtet waren. Es Herrschers erstlich die anstößigste Unzucht auf dem ganzen Erdkreise. Man erschrickt, wenn man liest, war die H 3 * Ameis. l. T. n8 Offenbarung, die alten Schriftsteller ur.s von diesem Stoffe hinterlassen haben; und man vernehme, was sie uns davon berichten: i. Die Unzucht wurde durch das Beyspiel der Götter ge» billiget, die man aubetheke, und welche alle unzüchtig, oder Ehebrecher, oder Blutschänder, oder noch unverschämter waren. 2. Sie wurde durch die Religion geheiliget; denn im ganzen Morgenlands, Griechenlaude, und nachmals beyrzahe im ganzen Reiche, wurde die Feyer der Venus durch öffentliche Schändungen begangen: man richtete zur Ehre der geschändeten, Venus Tempel auf; und man dörf, te den Ausgang der abscheulichen Geheimnisse des Bacchus, der Venus, und der LeUeo nicht vorstellen , ohne die Zucht zu verletzen, z. Die Ausgelassenheit der jungen Leute war weder durch ein bürgerliches Gesetz, noch durch die Religi» on verbot Heu; sie wurde sogar für eine ganz gleichgültige Sache angesehen» 4. Die Schwelgereyen, welche wider die Natur streiten, waren so bekannt und so allgemein geworden , daß uns Seneka berichtet, man Hab? zu Rom für diese unseligen Schlachtopser der viehischen Lüste Schand- häuftr gehalten; daß der Kaiser Alexander Sever, welcher diese Gattung von Schwelgerey verabscheute, und Sinnes war, dieselbe;» hemmen, dennoch sich nicht getrauet hat, es zu unternehmen, damit er nicht dadurch zu noch größer» Nebeln Gelegenheit geben möchte; daß der Kaiser Adrian so weit kam, daß er Einen aus denen, die ihm zu diesen schandvollen Lüsten dieneren, unter die Reihe der Götter «setzen ließ. Man würde kein Ende finden, wenn man alles ansühlkl, wollte, was uns die Schriftsteller von dem Uebec- maaße dieser ebenteurlichen Ausschweifungen berichtet haben« Man wird einen Theil davon in Leu Schildrungen der heyd- Nischen Sitten, am Ende des Artikels: Lhnstenthum, finden. Eine KM ii« Ich >tzl! W R Offenbarung. rr- Eine andere Ausschweifung, welche die Vernunft eben so wenig qurheißen kann, und welche zur Gewohnheit und zum Ges he geworden war, ist die Ungerechtigkeit und Grausamkeit , womit die Gläubiger gegen ihre Schuldner verfuh, ren, und das himmelschreyende Uebermaaß des Wuchers qe, wesen. Bey den Heyden foverte man zuweilen zwanzig, Lreyßig, fünfzig fürs Hundert: man hatte das Recht, die Schuldner, die nicht bezahlen konnten, zu ergreifen , und wie Sklaven verkaufen zu lassen: die mildesten Gesetze erlaubten, für geborgtes Geld wenigstens zwölf vom Hunderte zu fodern; und für Sachen, Die verzehret wurden, mußte man nach einem Jahre eine Hälfte mehr, neben einer glei, chen Menge, wie man empfangen hatte, zurückgeben. Man kann die umständliche Nachricht dieser Gewohnheiten und Gesetze, in der Abhandlung des Marquis Maffet vom Gebrau, che des Geldes *, lesen. Hier sind augenscheinliche Ungerechtigkeiten, welchen eine richtige Vernunft allezeit widersprechen wird, und welche dennoch von der menschlichen Weisheit und den Gesetzen ohn Unterlaß bestätiget und gutgeheißen worden sind. Die Vernunft widersetzet sich eben so sehr, und ruft nicht minder heftig gegen die grausamen Schauspiele der Fechterkampfe. Um die Heyden in ihren Cirken und auf ihren Schauplätzen zu belustigen, mußten vor ihnen Heere von Fechtern erscheinen, welche ganz nackend sich schlugen, welche mit Kunst einander ermordeten, und verschiedene Arten von Waffen brauchten, um die Belustigung mannig, faltiger zu machen. Ost wurden diese unglückseligen Kämpfte sorgfältiger und köstlicher genähret, damit das Blut, wann es langsamer ausfloß, für die Zuschauer das grausa, me * Lew imxiexo äel äznsrs. H 4 rro Offeirbamtig. me Vergnügen verlängerte, sie länger zappeln, und allmäh- ^ liger sterben zu sehen. Um zugleich die Zucht und die ^ Menschlichkeit zu verletzen, wollte man auch Fechterinnen ^ haben. Aber laßt uns von diesem Gräuel abbrechen. Dich ^ genüget fthon, um zu beweisen, wie weit die Ausschwei, ^ fungen des menschlichen Geschlechtes grenzen, und wie sehr ^ es eines göttlichen Ansehens bedorfte, damit so ungeheure ^ Ausschweifungen gehemmet werden möchten. ^ Dritte Wahrheit. ^ Die Einsichten der Weilen sind nicht erklecklich gewesen, «m die Finsternisse des menschlichen Geschlechtes zu zerstreuen, und ihre Bemühungen haben nicht genüget, um den Ausschweifungen der Menschen Einhalt zu thun. Wozu haben die Philosophen in dieser Welt gedienet? fraget der Lehrer der Völker: was haben alle jene Vernünft» ler, alle jene Systemenmacher genützet? ^ sapiens, ubi lcribs, ubi concjuiütor Iiujus sseculi? Haben sie das menschliche Geschlecht beleuchtet? haben sie es gebessert ? Nichts von beyden haben sie gerhan: dieses wird erstens durch die Geschichte und durch die Zeugnisse der alten und neuen Philosophen sechsten; zweytens durch die deutlichsten > und augenscheinlichsten Vernunstschlüffe bewiesen. ! Und erstlich, wenn gleich der Eigendünkel, die Eitel» keit, und der Hochmuih den Philosophen immer so eigen seyn mögen; so ist es dennoch durch die Geschichte allein mehr als bewiesen, daß ihre Unterweisungen, zur Beleuchtung der Welt über die wesentlichsten und nolhwendigsten Wahr, heilen, und zur Besserung der Menschen, ganz unnützlich sind. * Kor. l. Offenbarung. m sind. Wir haben in den zweenen vorhergehenden Artikeln die Beweise davon angegeben. Die Philosophen ftlbften, alte und neue, müssen es gestehen. Man sieht aus allen philosophischen Werken des Cicero, daß die Philosophen für und für einander widersprachen, mit einander stritten, und über die nämlichen Gegenstände Ja und Nein behaupteten. Das erste und vierte Buch plurarchs, von den Meynun, §en der Philosophen, beweisen uns eben dasselbige. Aber Niemand hat uns besserzu erkennen gegeben, wie wenig man sufdie Unterweisung der Philosophen achtete, und achten soll, te, als Lucian in seinem Gespräche des Menippus mit philsnides. Menippus saget erstlich, er habe aus Begierde unter, wiesen zu werden, die Tugend zu erkennen, und die Wahr, heit zu entdecken, angefangen, Homeren und den Hesiodus zu lesen; aber er fty bald über alle Ungebührlichkciten böse geworden, die sie jenen Göttern andichten, aus denen sie dis vornehmsten Lehrmeister in allen Gattungen von Lastern und Schwelgereyen machen. Ich glaubte dann,,, fährt Menippus fort, „ daß ich mich an die Philosophen wenden „ sollte: aber ich bin, wie man zu sagen pflege, vom Rc- „ gen in die Traufe gekommen; denn ich fand unter ihnen „ so viele Unwissenheit und Ungewißheit über die nochwen« „ digsten Wahrheiten, daß mir die einfältigste, Menschen „ unvergleichlich klüger schienen, als sie alle. Fürwahr, „ etliche sagten mir: ich sollte nichts als die Wohllust su- „ chen, welche das höchste Gut fty; andere: man sollte „ dem Vergnügen nichts gestatten , sondern herzhaft arbei, „ ten, sich bemühen , und dulden. Diese wollten, daß ich „ Gold und Silber nur mit Verachtung beschauen sollte; H s „ jene Lucians Necyomant. i22 Offenbarung. „ jene behaupteten, Gold und Silber wären wahre Güter. „ Es war noch weit anders, wann sie mir vom Weltbank ,, sprechen wollten: da hörte ich nur von Atomen, vom Lee, „ ren, von unkörperlichen Substanzen, und andern unbe» „ gr-iflichen Dingen reden. Aber dieß schien mir noch an, „ stößiger «rnd uygcreimter, daß ein jeder von ihnen seine „ Trugschlüsse so gm anordnere, daß ich nicht wußte, was „ ich denken oder sagen sollte, wenn mir einer behauptete, „ ein Gegenstand sey kalt, und ein änderet, eben derselbe Ge, „ genstand sey warm. . Endlich ärgerte ich mich darüber „ noch mehr, als über alles Uebriqe, daß ich einen so gro, „ ßen Widerspruch zwischen ihren Grundsätzen und ihrem „ Wandel bemerkte. Mancher schrie wider die Reichthü, „ mer, der sein Geld «ns Wucher auslich, und um das „ Geld alles that. Mancher machte sich groß, die Ehre zu „ verachten, der in allen Dingen Ehre suchte. Alle bey, „ nahe zogen öffentlich wider die Wohllust los, und heim, „ lich hiengen sie ihr nach, so viel es ihnen möglich war,,. Also schildert Lucian die Weisheit, die Wissenschaft, und die Sitten der Philosophen; und man sieht aus dieser Schil, dernng, daß die Philosophen allezeit einander ähnlich gewe, sen sind. Ein anderer Schriftsteller aus eben demselben Iahrhunder, 1 e, mit Namen Hermias, der eben so sinnreich, aber wohl, ständiger als Lucian ist, beschreibt in seinem Werke, das die Aufschrift hat: Die Verspottung der Philosophen, die Ast terweisheit und die khörichke Eitelkeit der Philosophen noch besser. Aber diese Stelle ist zu lang, daß man sie ganz hecse, ßen könnte; und allzu enge verbunden, daß man etwas davon weglassen dörfte. Unterdessen können wir uns nicht entbrechen, hier anzuführen, was er von den Kenntnissen saget, welche die ßch N Ri > Offenbarung. irz die Philosophen von der Natur der Seele geben. „ Ich fra< „ ge sie „, saget er, ,, was die Seele fty; und Demokrit „ saget mir: sie ist eine Natur aus Feuer; die Stoiker: eme „ luftige Substanz; Heraklit: eine Bewegung; pythago» „ ras: eine Zahl, welche die Kraft hat sich zu bewegen; „ chippon: ein Samenwaffer, Dinark: eine Harmonie; „ Rritias: ein Blut; die übrigen: ein Dunst, der von den „ Gestirnen herkömmt, ein Element der Elemente, u. s. w. „ Ein jeder von ihnen hat sein Kauderwälsch; keiner von „ ihnen hat die Wahrheit. „ Aber was soll nachmals aus dieser Seele werden? Ei- „ nige machen sie unsterblich: andere sterblich: diese lassen „ sie eine Weile länger leben; jene lassen sie in Aromen sich „ aufiösen. Manche weisen ihnen die Körper der Thiere zur ,, Wohnung an; etliche lassen sie nach einander in brey ver, „ schiedene Körper wandern; und wieder andere lassen sie drey ,, tausend Jahre lang währen und hcrumschrveifen. Also wer, „ de ich bald unsterblich; und das freuet mich: bald sterblich; „ und ich kränke mich darüber: bald ein Atom, Wasser, „ Luft, Feuer: nachmals bin ich wieder nichts von all die, „ sein; sondern ich werde Fisch, Wurm, Wildprett, vier. „ füßiges Thier; und wann ich Menschen sehe, weiß ich „ nicht, ob ich sie Menschen, oder Wölfe, oder Hunde, „ oder Ochsen, oder Schlangen, oder Vögel, oder Wun, „ derthkre, oder . . . nennen solle. Endlich Empedokles, „ welcher über alles hinweg geht, machet sin Bäumchen aus „ mir. So viel lerne ich von den Philosophen, jenen gro, „ ßen Orakeln der Weisheit,,. Unsre neuartigen Philosophen denken in diesem Stücke, wie Cicero, plutarch, Lucian, Hermias, und andere ge, dacht haben. „ Ich habe mich bey den Philosophen Raths „ erhör r-4 Offenbarung. „ erholet,,, saget Johann Jakob Rousseau, * „ich habe ,, ihre Bücher durchblättert, ihre verschiedenen Meynungen „ untersuchet, und gefunden, daß alle stolz sind, behaupten, „ Lehrsäße geben; daß sie, sogar in ihrem vorgeblichen „ Scepticismus, alles wissen, nichts beweisen, einander aus, „ lachen: und dieser Punkt, der allen gemein ist, scheint ,, mir der einzige zu ftyn, wo alle Recht haben. Sie thun „ sich groß, wann sie angreifen, und sind kraftlos, wann „ sie sich verteidigen. Ueberleget man die Gründe, so ha, ,, ben sie nur welche, womit sie umstoßen; zählet man die „ Stimmen, ss hat ein jeder nur die seinige für sich : sie kom- „ men nur darinnen Übereins, daß alle streiten, u. s. w. ** „ Unter dem hochmürhigen Vorwände, daß sie allein Ein, „ sicht, Wahrheit, und Redlichkeit besitzen, unterjochen sie „ uns gebiekhrisch ihren entscheidenden Aussprüchen, und „ wollen uns die unverständlichen Systeme, die sie in ihrer „ Einbildung gezimmert haben, für die wahren Grundur, „ fachen der Dinge aufdrrngen. Im übrigen, da sie alles, „ was den Menschen ehrwürdig scheint, umftvßen, vernich, „ ten, unter die Füße treten, berauben sie die Gekränkten „ des letzten Trostes in ihrem Elende; sie nehmen den Mäch, „ tigen und Reichsten dir einzige Bändigung ihrer Leiden, schäften weg; sie reißen aus dem Grunde der Herzen die „ Bisse des Gewissens , die Hoffnung der Tugend heraus, „ und rühmen sich noch , die Wohlthäter des menschlichen „ Geschlechts zu ftyn. Niemals, sagen sie, schadet die „ Wahrheit den Menschen. Ich glaube es, wie sie; und „ dreß ist nach meinem Dünken ein triftiger Beweis, daß „ es nicht Wahrheit ist, was sie lehren,,. Der - Emil. z. Band. 25. Seit. *" Evend. i8«> Seit- Offenbarung.' i2s . Der unerschöpfliche Scharrekenschreiber wider die Reli, gion, oder vielmehr, jener unermüdece Wiederholer der alten Gottlosigkeiten, gesteht an mehrern Stellen seines philosophischen Handlexikons, daß die verschiedenen Sekten der Phi, losophen nichts, als Imhümer und Ausschweifungen, hervorgebracht haben. Wir wollen davon nur folgendes zum Beweise anführen: „*Bey den Heyden sind mehrere Sekten „ ohne alle Schranken gewesen: die Skeptiker zweifelten an „ allem; die Akademiker wollten über nichts ihr Unheil „ sagen ; die Epikurer waren der Meynung, daß die Gort, „ heit sich in die Geschähe der Menschen nicht mengen könne; „ und im Grunde ließen sie keine Gottheit zu. Sie waren „ überzeuget, daß die Seele keine Substanz, sondern ein „ Vermögen sey , welches mit dem Leibe zu Grunde gehr,,. Der vernünftige Leser mag ißt aufrichtig sagen, was er denket. Wrrd rr wohl glauben, Laß Leute, wie wir sie Nun eben geschildert haben, oder vielmehr, wie sie sich einander selbst geschildert Haben, tauglich gewesen seyn, das menschliche Geschlecht zu beleuchten, zu unterweisen, und zu bessern? Aber wir haben noch mchr alles gesagt. Man vernehme, was auch jenen, welche die Norhwendigkeit einer Offenbarung zum harrsinnigstcn läugnen möchten, das Geständniß abzwuigeu soll. Wollten wir sogar den Saß annehmen, daß man unter den Philosophen, Gesehgebem, und sogenannten Weisen die sichersten Beleuchtungen, um zur Kennrmß der Wahrheit zu gelangen, und die lautersten Lehren, um die Sitten zu ordnen, antreffen könnte; so würden wir einen sehr vergeblichen Satz am.ehmen, dessen Falschheit durch die Erfahrung ganz augenscheinlich be.o»rsen ist. Nichts destorveniger, wenn man unter » Leym Artikel: Atheist. i26 Offenbarung. rer ihnen jene sichern Beleuchtungen und Vorschriften antreft ftn könnte, so würden wir deßhalben nicht mehr auögerichret haben. Wir dörfcen noch allezeit mit Rousseaucn sagen; * Philosoph! deine sittlichen Gesetze sind sehr schön; aber zur Gnade, zeige mir ihre Verbindlichkeit. Höre auf einen Augenblick, in der Irre herum zu schweifen, und sage mir rund heraus : was setzest du an die Stelle der Strafen des zukünftigen Lebens? Fürwahr, was für eine Macht wird wohl so ein Philosoph haben, um die Menschen zu verbinden, daß sie seine Unterweisungen anhören, und sich denselben unterwerfen sollen? was für ein Mittel wird ec gebrauchen, um hitzige und ungestümme Leidenschaften zu bändigen , einzuhalten, und zu machen, daß sie nicht mehr anders, als unter der Leitung der Vernunft/ wandeln und zu Werke gehen? Wie schlecht wer, den seine schönen Grundsätze von den Unterdrückern, den Schwelgern, Len mächtigen, aber ungestümen, unbilligen, hochmürhigen Leuten geachtet werden, welche versichert sind, daß sie keine Strafe zu fürchten haben , und weder ankere Gesetze als die Gewalt, noch andere Schranken als die großen Leidenschaften kennen ? Was werden Plato, Seneka, Epiktet bey Dionysen, Tibersn, Caligula, Ncroncn ausrichten? Aber weil diese Weisen und Philosophen mangelhaft sind, und uns für die Bedürfniß nicht genügen, wollen wir dann anderwärts suchen, was abgieng, und durchaus nothwendig war, um das menschliche Geschlecht aufzuklären und zu bessern. Um die Menschen zu beleuchten, wurde ein Licht ersodcrt, welches ihnen erstlich die wesentlichsten Wahrheiten, woran ihnen « Emil. Z. Land. 187. Seite. Offenbarung. 127 ihnen zum meisten gelegen ist, Vorträgen möchte; welches sie von der Ungewißheit und der Sorge zu irren öesreyen, mir« ten unter dem immerwährenden Wechsel der menschlichen Vernunft schlüssig machen , und deutlicher belehren könnte, was wahrhaftig Tugend und was wahrhaftig Laster fty; was aus sich selbsten billig, ehrbar, und erlaubet, und was aus sich sechsten unbillig, unanständig, und verkochen fty. Nun, dis Philosophie ist dazu ganz nicht genüglich gewesen, wie es aus den Verschiedenheiten, Ausschweifungen, Gegen, sähen, und Widersprüchen der Philosophen bewiesen ist. Es wurden weit erhabnere Beleuchtungen erfodert, als die ihrigen waren. Es war also nothwendig, daß man durch eine Offenbarung erleuchtet und unterrichtet wurde. Um das menschliche Geschlecht zu bessern , wurde ein Ansehen erfodert, welches alle Menschen zu erkennen verbeut, den wären; welchen auch die Mächtigsten nicht widerstehen könnten; welches die größesten Leidenschaften ir, Ehren hal, ten, oder wenigstens fürchten müßten. Es war eine Ver« Kindlichkeit vom ökhen, welche entweder durch die fteye und willkührliche Besserung im gegenwärtigen Leben, oder durch ein Gericht und die Folgen eines Gerichtes rm zukünftigen Leben, ihre nolhwendige Wirkung haben sollte. Diese Er, warrung war schon genug in die Seels gepräget: die Vernunft weckte beständig ihr Andenken ans. Aber die Leidenschaften «erstickten die Stimme der Vernunft; sie machten sie fruchtlos. Es wurde dann eine stärkere Stimme und ein stärkeres Ansehen erfodert; es war folglich die Stimme und das Ansehen der Offenbarung nothwendig, welche allein die Ungenüglrchkeit und die Schwachheit der Vernunft ersehen konnte. 128 Offenbarung. Vierte Wahrheit. Nur durch die christliche Offenbarung ist die Dunkelheit zer- streuet, und der Strom der Ausschweifungen eingehalten worden. Wir wollen uns in das Zeitalter Augusts, das ist, um die Zeit der Geburt Jesu Christi, nach Nom versehen, und von dort einen Blick auf den ganzen Umkreis der Erde aus- werfen. Von den Gegenden, wo man die Sonne aufsteigen ficht, bis an jene, wo fie sich niederläßt; von den heißen Landstrichen Afrikens bis an die frostigen Länder Garmai ticns, bey allen gesitteten oder ungesitteten Völkern, die in den Städten gesellschaftlich beysammen wohnten, oder thie, risch in den Wäldern lebten, werden wir eine allgemeine Ab< götterey gewahr werden, welche unter tausend verschiednen Gestalten erscheint, welche die lächerlichsten und ausschwei, sendsien Ungereimtheiten zur Welt bringt, welche in Aus« schweifungen ausartet, die dem menschlichen Geschlechts zur größeften Schande gereichen. Wir werden in den Sitten eben so allgemeine Unordnungen sehen; wir werden schauer« volle Abscheulichkeiten, auffallende Verletzungen der Zucht, erschreckliche Züge der Grausamkeit und Unmenschlichkeit in Len gottesdienstlichen Opfern entdecken. Nachmals werden wir die Staaken und Reiche wankend, und beynahe durch ununterbrochene Zerrüttungen und Meurereyen erschüttert, die Throne, die Aprer, die Kronen beynahe beständig mir Blute beschmißet sehen; wir werden wahrnehmen, daß die zahlrei, chen bürgerlichen Kriege dem Erdkreise kaum Zeit lassen, sich zu erholen. Dieses stellen uns die Jahrbücher des heyLnir scheu Noms, und der heydnischen Welt vor. Zur Zeit, da diese Unordnungen und Ausschweifungen auf das höchste Uebermaaß getrieben sind, kömmt Jejus Ctzcu K l !«il Offenbarung. 129 Christus auf dir Weil; seine Lehre beginnt sich auszuörei, teil; und diese Lehre ist wie ein schimmerndes Morgcnroth, das die Dunkelheit vor sich herjaget. Die Augen werden den Menschen eröffnet; sie sehen das Licht; sie erstaunen über dis Blindheit, in der sie lebten, und über die Ausschweifung gen, denen sie sich Preis gaben. Die lächerlichen Gottheit ten des Heydenthums verfallen allmählig in eine höchste Verachtung; die gräulichen Geheimnisse der Heyden werden äußerst verabscheuet; die Welk erkennet endlich einen Gott den Schöpfer, einen einzigen Gott, einen heiligsten Gott, einen Gott, welcher die Tugend herrlich belohnet, und das Laster strenge züchtiget; einen Gott, welcher den Menschen als sein Geschöpfliebet, und als sein Kind aufnimmt, aber dabey verlanget, daß dieses Kind durch seine Tugenden sich seiner himmlischen Abkunft und des Endzwecks, zu dem es bestimmet ist, würdig mache. Da diese erhabnen Begriffe von der Gottheit unter den Menschen ausgedreiker werden, folget die rührendste Verän- drung und Besserung der Sitten darauf. Die schandvollen und ärgerlichen Vorstellungen bey den Spielen im CirkuS Werden verkochen, die öffentlichen und styerlichen Schäm düngen abgebracht, die grausamen Kämpfe der Fechter um terdrücket: man suchet auf dem Schauplätze nicht mehr das unmenschliche Vergnügen, Menschen sich einander kuttstmä, ßig ermorden, oder von grimmigen Threren zerrissen und gefressen zu sehen. Die Sklaverey wird für mchts anders, als für eine unbillige Verletzung der Rechts der Natur und Menschlichkeit mehr angesehen. Die himmelschreyenden Wucher, welche schon öfters Aomöeynahe in den Unter, gang gestürzet hatten, werden verdammet. Die Gesetze und die Religion harten bey den Heyden alle diese Aueschweifum n. Land. I izo Offenbarung. gen gutgeheißen; die Offenbarung verbannet sie, heißt sie verschwinden, und läßt ihnen nichts mehr, als die Schande und den Abscheu übrig, der ihnen gebühret. Der schändliche Mameluk, Julian, der theure Abgott Voltairens, gab sich wohl alle Mühe, um diese Abscheu« lichkeiten wieder in den Schwang zu bringen. Aber der Gott des Himmels machte den Abmnnigen und seine un» sinnigen Rachschläge zu Schanden. Die vernunftlosen Leidenschaften möchten noch ihr diese gräuliche Ausgelassenheit des alten Heydenthums zumckwün« schen. Aber wenn sie davon kosten wollen, müssen sie die Dunkelheit suchen. Unerachtet der Bemühungen und Wün« sche der Freydeuker und Philosophen sind sie dennoch mit Schande verbunden: und wenn die Gesetze nicht allezeit mit Nachdrucke ihren Ausguß zurücktreiben, so hakten sie wenig, stens ihren Lauf ein, lassen sie nicht allzusehr ««wachsen, und verhindern, daß sie nicht so viele Gewalt und Herrschaft gewinnen, als sie durch eins allgemeine Straflosigkeit und eine allzu auffallende Gememmachung erhalten würden. Aber nicht allein durch die Zerstreuung der Dunkelheit und durch die Besserung der Ausschweifungen, hat die Offenbarung das wahre Gut im menschlichen Geschlechts gestiftet. Sie hat es eben sowohl gechan, da sie die Gesellschaft vollkommener gemacht hat. Es ist eine Sache, welche durch alle Denkmäler und Jahrbücher der Welt bestätiget wird, daß die Staaten und Reiche, seit der Stiftung des Christenthumes , einen viel sicherem Bestand angenommen haben ; daß die Zerrüttungen , Empörungen, Ausruhren weit seltsamer gewesen sind; daß man sich an der Person der Monarchen unvergleichlich seltener vergriffet» har; daß die Fürsten gemeinlich billiger gegen W ck«: ft, Offenbarung. »zr gegen ihre Unterthanen, die Oberteilen mäßiger und sanft« ' mürhiger, die Völker ruhiger Und getreuer gewesen sind. Man versammle nun die vier Wahrheiten, welche wir im Hellesten Lichte vorgctragm, Und mit der äußersten Au« genscheinlichkeit bewiesen haben: l. die dicken Finsternisse wvrinnen das menschliche Geschlecht über die wesentlichsten und nothwendigsten Wahrheiten gestecket ist; 2. die schänd« lichen Ansschwristrr.gen, welche zu guten Sitten, zN Ger brauchen, zu Gesetzen, und sogar zu Uebungen der Religi« on geworden waren; z. die Ungenüglichkeit der Philosophie, um diese Finsternisse zu zerstreuen und den Ausschweifungen Einhaltzu thun; 4. die verwunderlichen Wirkungen der Oft fenbarung, um die ganze Welt in allen jenen Stücken zu beleuchten Und besser zu machen. Nachmals wollen wir mit gutem Muthe jeden Menschen fragen, der zu denken und zu Urcheilen fähig ist, ob man einen stärkern Beweis von der Bedürfniß fodern könne, welche das menschliche Geschlecht an einer Offenbarung hatte. Aber hat das menschliche Ge, schlecht diese Offenbarung erhalten? und was für Beweist könnte Man davon angeben ? Dieß wollen wie im folgenden Artikel untersuchen. Dritter Artikel. Nwt der Wirklichkeit, Richtigkeit, lind Gewißheit einer Offenbarung. As hat dann Gott zu den Menschen reden müssen; das ha« ben wir eben itzt bewiesen r und er hat wirklich zu ihnen geresec; das werden wir auf gleiche Weise darrhmu Damit wir diese zweyre Wahrheit in ihr hellestcS Licht stellen mögen» wollen wir erstlich die erhabnen Begriffe des Völkerlehrers wiederholen; und da werden wir die überzeugendsten Beweist I L M izL Offenbarung. ordentlich und umständlich antreffen ^ Gott har ehemals, durch das Werkzeug seiner Propheten, oft zu unfern pä- lern geredet: er hat neuerlich l ey diesen letzter» Zerren durch seinen eigenen Sohn zu uns geredet: ** und er hatdie ! Göttlr Lkeit seiner 'Aussprüche durch die Zeichen, durch dir wundertharen, und durch den Ausfluß der Gaben des heiligen Geistes bestätiget. Um diesen Text auszulegen, sehen wir Anfangs zum ersten Grundsätze, daß allein die unendlichen und unfehlbaren Einsichten Gottes dis dunkeln Tiefen der Zukunft durchdrin- gen, und unfehlbar und deutlich Vorhersagen können, was von freyen Ursachen abhängt, und dennoch erst nach vielen Jahrhunderten geschehen soll. Wir sehen zum zweyten Grundsätze, daß der Urheber der Narm allein der Natur sechsten gebiechen, ihre Gesetze nach seinem Gefallen hemmen oder aufhalten, und wahre Wunder wirken könne. Wir sehen zum dritten Grundsätze, daß man allein Gotte den Erfolg einer Unternehmung zueignen, und zuschreiben könne, wenn diese Unternehmung, welche Gott sechsten vorgesaget hatte, einerseits Beschwernisse an sich hat, die natürlicher und sittlicher Weise unübersteiglich sind, und wenn man anderseits nur Mittel anwendel, die natürlicher und sittlicher Weise unfähig sind, die Unternehmung zum Stande zu bringen. Wenn wiralso beweisen, daß die Gegenstände der christlichen Offenbarung aufdie rührendsten Weissagungen gegründet , durch die unwioersprechlichsten Wunder bezeuget, und durch einen offenbar übernatürlichen Erfolg bestätiget sind; so haben wir auch schon mit der äußersten Ueberzeugung bewiesen, » Hebr. I. Ebend. ll. Offenbarung. ' iZz sen, daß Gott in der Thar zu Len Menschen geredet hat, und daß es eine wahrhafte Offenbarung giebt. Laßt uns diese drey Gattungen von Beweisen wider auf, nehmen. Erster Beweis der Offenbarung. Die Weissagungen. Die Offenbarung ist in den Büchern des alten und neuen Bundes enthalten. Nun, diese Bücher sind voll der rührendsten Weissagungen. Sie müssen dann nothwendig von Gott eingegeben worden seyn; und alles, was sie enthalten und vortragen, muß nothwendig für Aussprüche betrachtet werden, die aus Gotte gekommen sind. Wir wollen etliche Beyspiele davon an dis Hand geben, welche mit dem Leben Jesu Christi, und mir den Abänderungen der alten Monarchien ein Verhältniß haben. Wer anders, als ein Gott, hatte zehn, zwölf, fünfzehn, und zwanzig Jahrhunderte früher, alle Umstänoe des Lebens des Messias, die Zeit und den Ort seiner Geburt, seine Ge, mükhsart, seine Tugenden, seine Wunder, seinen Tod, seine Auferstehung, seine Siege, seine Erobrungen, den Erfolg von der Stiftung seiner Religion, den Umsturz der Tempel der falschen Götter, und die gänzliche Vertilgung des Götzen, dienstes uns Vorhersagen können? Nun , all dieses ist von den Propheten geweissaget, und in der heiligen Schrift ausgezeichnet worden. . Wie kömmt David, tausend Jahre zuvor, schon auf den Krcuzberg, damit er uns das Leiden Jesu Christi, die Beschimpfungen, die er empfängt, die Spottreden, die er, duldet, die Gorieölästrungen, die erhöret, schildern möge? wie kann er uns schon vorstellen, daß sein Leib mit Gewalt I Z auf N4 Offenbarung, auf Las Kreuz ausgestrecket, seine Hände und Füße durch, bohret werden, daß er vom Durste geplaget, mit Essig und Galle getränket, daß um seine Kleider das Loos geworfen werde? Wie kann er uns schon sagen, was die Apostel unh Jünger, zehn Jahrhunderte nach Davids Tode, gesehen und erzählet haben ? Und dennoch steht eben dieses beynahe so um, stündlich im ein und zwanzigsten Psalme, als in der Geschieh, §e des Evangeliums beschrieben. Wie kann eben derselbe David im fünfzehnten Psalme dir Herrlichkeit der Auferstehung Jesu Christi; im zweyren die Unvermögende Wuth der Großen gegen ihn, seine glorwür, Lige Hervorqehung aus dem Grabe, dis offenbare Strafe des jüdischen Volkes; im ein und siebenzigsten sein Reich auf dem ganzen Erdkreise und die Begierde aller Völker , sich ihm zu unterwerfen, verkündigen ? Wer hatte die Zukunft al, so um raufend Jahre vorgerücket, und dem Propheten so deut, stch vor die Augen gestellt ? Wie hat Daniel, beynahe fünf hundert Jahre zuvor, die großen Begebenheiten, welche sich in einem kleinen Zeiträume von vierzig Jahren eräugen sollten; den Tod Jesu Christi, die Verwerfung des jüdischen Volkes, die Zerstörung Jerusalems und des Tempels, die Verwüstung des ganzen Judenlandes, und die unwiderrufliche Zerstreuung des jüdischen Volkes, so gut erkannt und geweiösager ? Dennoch stellet uns Daniel dieses in zweenen oder dreyon Versen eben vr deutlich, als ein Geschichteschreiber vor: ^ kolb kebäo, sm36e8sLxsMnt2 6u38occi6etur Cknlius, öc non erit Popu1u8 ejus, qui eum neAgturus eli; Lc civitatem <8r säMuariuM älllipabit populus curn 6uce venturo, A ßms ejus vMitas, öe us^ue scj consummstionem per^ Os sM Nik Hi Offenbarung. iz y feverabitössolgtio. Alle diese Begebenheiten, die Daniel vorgesaget hat, haben sich zu den bestimmten Zeiten zu- getragen: und Joseph, Tacitus, Guetsn, und alle, welche die Geschichte desselben Zeitalters schrieben, haben davon gemeldet. Es bestätigen dann alle den prophetischen Geist der heiligen Schrift. Wir berufen uns nicht auf andere Weissagungen die Menge, welche den Herrn Jesus angehen, weil in den Artikeln: Christenthum, Weissagungen, Bibel, genug da, von geredet wird, wohin man sich wenden kann, wenn man Umständlichere Proben und Erweisungen verlanget. Jht wollen wir auf eine andere Art von Begebenheiten kommen, welchem den göttlichen Büchern enthalten, und eben so deutlich vorgesaget sind; welche von der gleichen Unfehlbarkeit der Weissagungen zeugen. Ich meyne die Verän- Lrungen jener berüchtigten und alten Monarchien, von denen eine nach der andern sich erhoben , und eine die andere un, terdrücket und aufgezehret hat; jener Monarchien der Assyrier, der Babylonier, der Perser, der Griechen, und endlich der Römer, welche, nachdem sie alles verschlungen haben, von ihrer eignen Größe verdrücket, sechsten zusammen- fielen. Der Ewige, der keine Folge kennt, dem alles gegenwärtig ist, sieht sie, diese Verändrungen, und zeiget sie durch dis Emsprechung den Menschen, viele Jahrhunderte eher, als sie geschehen. Wm reden im Artikel: Bibel, umständlicher davon. Mir bitten den Leser, denselben zu durchgehen, und sodann mir uns die folgenden Bemerkungen und Beobachtungen zu machen. Wer anders, als ein Gott, konnte zwey hundert Jahre zuvor den Namen von dem Zerstörer des babylonischen Reiches, dem Jsaias auf die Zunge legen? den Namen vom Cyrus, I 4 ressen ?Z6 Offenbarung, dessen Volk dortmals beynahe in ganz Asien unbekannt war, Las nur zur Dienstbarkeit und zum Gehorsame geschafft, und untauglich schien, jemals sine StaatSveranderung zu veranlassen ? Die Perser hiengen von den Medern ab; die Meder selbsten waren den Assyriern unterthänig; die Ge« burt des Lyrus war noch zwey hundert Jahre entfernet. Und eben zu derselben Zeit machet Jsaias diesen Ausspruch: ^ Also redet der Herr ;u Lyrus, den ich bey der Hand genommen habe, damit ich ihn selbsten leite, die Völker ihm uvterwerfe, und die Fürsten und Röntge vor ihm in die Flucht jage. Ich will vor dir hergehen; ich will die stolzen Häupter vor dir erniedrigen; ich will die Pforten von Aerze mit ihren eisernen Gittern zerbrechen. Ich bin der Herr: es ist kein andrer als ich; es ist kein andrer Gott als ich. Ich habe dich mit Macht umgeben, und du hast mich nicht gekannt. Wer anders, als ein Gott, konnte drcy hundert Jahre zuvor die Vertilgung des persischen Reiches durch Alexander» ankünbigen; früher sogar, als dieses Reich bestanden war; früher als man wußte, ob die Perser jemals mächtig im Kriege werden sollten ? Dieses wird dem Daniel unter der Regierung des lehren assyrischen Königs, unter dem Sinnbilds eines Kampfes vorgeftellet, den zwey mmhvolle Thie- re mit einander halten. Eines ist ein Widder, vor welchem der Morgen, die Mitternacht, und der Mittag zittern ; das andere ist ein Bock, der wie ein Blitz aus Abend hervorgehk. Der Widder wird zu Boden gesiürzet, beste, get, und geködtet; der siegende Bock Herrscher an seiner Stelle : „ Der Widder „, wird zum Propheten gesagt, „ ist der „ König der Mrker und Perser; und der siegende Bock „ist j-A D MH W ,W N » XX XX V. OssarlMting. iz? „ ist der Köniz der Griechen,,, ^tVries, yuem viäilsi, k^ex Neäornm eü stque kcrssrum : porro fiircub Uex OrZecorum elt. Also werden Darms und Alexander an» gedeutet. Wer anders, als ein Gort, konnte drey Jahrhunderte vor dem Erfolge verkündigen, daß Alexander keinen Nachfolger haben werde? daß sein Reich in vier Monarchien gecheilet werden sollte ? daß einer aus diesen Monarchen das jüdische Volk mir Wuth verfolgen, und nachmals durch ein Wunder gestrafet werden werde? Dennoch finden wir dieses in den Weissagungen Daniels deutlich ausgezeichnet. „ Nach dem „ Tode Alexanders werden vier aus den Vornehmsten seines „ Volkes die Krone sich zueignen; aber keiner wird ihm an „ Macht gleichen. Unter diesen Fürsten wird Einer seyn, „ welcher sich durch eine hochmüthige Unverschämtheit und „ eine häßliche Verstellung unterscheiden wird. Die Räu» ,, berey, der Tod, die Verwüstung, die Arglist, die Mord» „ tust, die Gottlosigkeit werden ihm auf jedem Tritte fol» „ gen. Er wird sich gegen den Gebiether der Mächtigen „ empören; aber am Ende wird ec elend zu Grunde gehen,,. Also wird der gottlose Anttochus bezeichnet. * * Lon- lur^et Kex impuc!cn5 fucie, s'l, «!d >l>! SA 1 s«» ,!>i Offenbarung. 14z Wunderthaten erkennen und geziehen müsset,, werden uns die ersten Beweise dieser Wahrheit an die Hand btt"hm. Im Judenlande und unter den Augen der Inden hat Jesus Christus die meisten seiner Wunder, und dis herrlichsten Wunder gewirket. Der Eindruck, den sie Hydern Volke machten, war so stark, daß man ihn niemals auslöschen konnte. Es haben auch die Gelehrten uud Klügler unter ih, nen sich nur allezeit Mühe gegeben, die Wunder durch die Grundursachen, denen sie dieselben zuschrieben, verdächtig zu machen; aber nicht zu läugnen. Dieß findet man in allen ihren Büchern, und in ihren ältesten Büchern. Also heißt es im Thalmud , * oder Lehrbuchs, Jesus habe durch eine zauberische Krast Wunder gewirker, und er sey zum Tode L?r, urtherler woroen, weil ec die Zauberkunst gecereben hatte. Also heißt es in einer andern Abhandlung eben desselben Thal, mud, Jesus habe diese verdammliche Kunst in Aegypten ge- lernet; er habe die Geheimnisse davon in einem Schnitte, Len er sich an dem Schenkel gemacht hatte, mit sich getragen, und durch Liese Kunst habe ec so viele Wunder gewirker. Andere jüdische Gelehrte behaupteten, Jesus habe Gelegen, heit gefunden, in das Heilrgthum des Tempels zu kommen; er habe daselbst den unsäglichen Namen Gottes erfahren, und durch die Kraft dieses Namens dis größesten Wunder gewirtet , als: die Blinden und Aussahigen geheilet, und die Tod, ten auftrwecket. Diese verschiedenen Mcymmgen der Juden von den Wnnderchaten Jesu Christi sind unter ihnen beständig beybehalten worden, und man findet fie in allen Büchern,welche sie seit siebenzehnJahrhundecren wider dieChrifien geschrieben haben. Man sieht also, daß die Juden die Wnn« derkharen Jesu Christi nicht geläugnet haben; sondern daß sie, um ' Abhandl. Sanhed. -' Sepher, TrldoS, Jescha. i44 Offenbarung, um den Schlüssen, auszuweichen, die man daraus Wider sie ziehen könnte, nichts anders thün, als über die Grundursache , welche die Wunder hervorgebrachr hat, auf spitzfindige Aueflnchren abweichen. Es scheint, daß die Heyden mit all ihrem Witze und all ihrer Welrweisheir, in der Weise, nach welcher sie von den Mnnderthaten Jesu Christi gehandelt haben, :>icht schicklicher, als die Juden, gewesen sind. Wie die Inden, haben sie dieselben erkennen und eingestehen müssen; und wie die Juden, haben sie nur albernes Zeug auf die Bahne gebracht, wann sie von der Grundursache redeten, wodurch sie gewirtet worden seyn sollen. Der erste, den wir aus den Heyden als einen Zeugen der Wunderchaten Jesu Christi anführen werden, ist jener be, rufcne Abtrünnige, Julian, welcher von unfern Philosophen zum besten gekannt, verehret, und gerühmel wird. Dieser Fürst, der das abscheulichste Beyspiel gegeben hat, das jemals in der Welt gesehen wurde, da er dem Christenthume, wozu er sich zwanzig Jahre lang bekannt Hütte, entsagte, uns die ausschweifenden Ungereimtheiten des Götzendienstes annahm : dieser Fürst schein?, in seinen Schriften wider die Religion, für die Wunderchaten Jesu Christi wenig Achtung zu Haben. Aber deßhalben gesteht er sie dennoch ein. * Wae hat dann Jesus so merkwürdiges gethan, saget er, außer wenn man für etwas sehr Großes ansieht, daß er in Berhsaiden und in Bethanien Blinde und Brumme ge» heilet hat? Und was hat ebenderselbe Jesus seinen Be- freundten Gutes erwiesen? Er geboth den Teufeln; er gieng auf dem Meere ; und die Gesinnungen seiner Freunde und seiner Verwandten hat er nicht verändern können. Hier werden dann die wunderbaren Heilungen, die Macht über M! Ä« Azü O, h>ij Gl ' Lez> Epr. -r. B. Offenbarung» !4s über die Teufel, das Wunder auf dem Wasser zu gehen, von dem grimmigsten Feinde, den jemals die Religion Jesu Chri, sti gehabt har, selbsten erkannt und eingestanden. Lelsus, der Epikuräer, bey welchem Voltaire Und die übrigen Philosophen ihre GotttSlästrungen und ihre Goktlo, .sigkeiten von Zeit zu Zeit auflesen, griff im zweyten Jahr, Hunderte die christliche Religion mit emer solchen Bosheit an, die inan nur zu unfern Zeiten wieder aufleben sieht. In die, ser Gesinnung schrieb er sein großes Werk: die wahrhafte Rede, oder: die Sprache der Wahrheit, welches vom Ln-igenes so bündig bestritten, widerleget, und zu Schan, den gemacht worden ist. Lelsus leget in diesem Werke klar an den Tag, wie sehe er verlegen ist, die Wunderchaten Jesu Christi und der Apostel zuzulassen, oder zu läugnen. Läugnen machte der Ber schwerniß geschwinder ein Ende; aber er hätte der allgemei, nen Kündbarkeit widerstrebet. Er fasset dann seinen Entschluß: er läßt sie für wahr gelten; aber, nach der elenden Ausflucht der Heyden und Juden, schreibt er sie den zau- brischen Wirkungen zu. Man vernehme, wie Lwigencs ^ die Gesinnungen dieses Gottlosen vorträgt: „ Da Lelsus al, „ les weiß, was man ihm wegen der Wunderwerke Jesu „ Christi einwenden kann, stellet er sich an, als wenn er setzen „ wollte, daß alles wahr sey, was man von dm Heilungen, „ von der Vermehrung des Brodes, von der Auferstehung, „ und von allen Dingen erzählet, welche die Apostel gesagt „ haben, um die Wunderwerke gültig zu machen. Abee „ geftht, es wäre alles wahr, und gewiß, fährt Lelsus „ fort, so sehe ich dabey nichts weiter, als wa^ die ägyp „ t" - wider Cels. r. D H. Band. K 146 Offenbarung. „ tischen Zauberer und Landstreicher thun, welche die Teu, „ fel auötreiben, die Krankheiten heilen, die Seelen der „ Todren Heraufrufen, u. s. w.„ Also leget dieser Philo, soph seinen Verstand auf die Folter, um die Wundertaten Jesu Christi verächtlich zu machen, da er sich nicht getrauet, sie zu läugnen. Hierokles, ein Rathsherr von Athen, unter der Rchie, rung Diokletians, wollte sich auch, durch seinen Eifer wider die christliche Religion, und durch die Verteidigung des er« löschenden HeydenchumS, auszeichnen. Er schmierte zusammen , was die Philosophen, die vor ihm lebten, von die, sem Stoffe schon geschrieben hatten, und gab seinem Geschmiere den schönen Titel: Der Freund der Wahrheit. In dresem Werke, welches Euseb beynahe sobald widerlegte, als es erschienen war, trägt Hierokles kein Bedenken, die Wunderrhaten Jesu Christi zu erkennen. Er läßt sie gerade zu, ob er gleich nachmals sich alle Mühe giebt, sie herunterzusehen. Man vernehme, wie er sich ausdrücket: Die Christen sind nicht gescheut, wann sie ihren Jesus so sehr hinaufheben, weil er den Blinden das Gesicht wredergab, und andere wunderbare Dinge von dieser Art wirkte. Um etlicher Wunder willen, die er gethan hat, machen sie einen Gott aus ihm. wir denken und urtheilen auf eine weit vernünftigere weise. Apollonius von Lhyanen har weit mehr Wunder gewirket, als Jesus: aber wir machen deßhalben keinen Gott aus ihm. wir genügen uns, daß wir ihn als einen Menschen betrachten , welcher den Göttern angenehm und von ihnen geliebet war. Die Wunderwerke der christlichen Religion mußten einen sehr starken Eindruck auf das Gemüth der Heyden gemacht haben, weil ihre größesten und eifrigsten Schrift- M W M W ÄH Ä! V h« V ! '4i Offenbarung. 147 Schriftsteller alle gezwungen waren, dieselbe 5 zu erkennen und einzugestehen. Wir könnten noch viele andere heydnische und jüdischs Zeugen anführen, welche auf gleiche Weise Zeugscbaft leisten,' wie jene, die schon angeführet worden sind; welche die Stär« ke der Wahrheit gezwungen Hat, die Wunderwerke Jesu Christi und der Glaubenoprediger zu bekennen; welche nie, mals eine andere Verrheidigung aufzubringen, oder andere Einwürfe zu machen gewußt haben, als daß sie sagten, man inüsse dieselben der Zauberkunst zuschreiben. Aber da die Feinde der Religion die Zauberkunst gelten lassen wollen, um die Wunderthaten Jesu Christi zu erklären, bedecken sie sich dadurch nicht sechsten mit der äußersten Schande, und bestätigen sie nicht die Wahrheit eben dadurch auf das Herrlichste, als sie es immer thun können ? Es haben auch die alten Schußredner des Christen; hums in der Widerlegung einer solchen Ungereimtheit sich mit dem größer sten Ruhme hervorgerhan. ,, Du schreibst die Wunderwerke Jesu Christi der Zau, „ berkunst zu,, , saget Origenes zum Lelsus: ,, aber hat „ man jemals gesehen, daß einer aus jenen Zauberern oder „ Schwarzkünstlern seine Zuschauer zur Besserung der „ Sitten ermahnet, oder ihnen eine heilsame Furcht des „ Herrneingeflößet, odereinen Wandel eingerathen habe, „ der vor dem Richterstuhle des höchsten Richters gutge, „ heißen werden könnte? Weiß man nicht, daß sie nur „ unselige Leute sind, die weder den Gedanken, noch den „ Willen einer Besserung haben, und allezeit die Gottlosesten „ und Verdammlichsten aus allen Menschen sind? Was hat „ Jesus, im Gegensätze, durch seine Wunder gechan? „ Er hat jene, die davon Augenzeugen gewesen sind, zur K n voll« 148 Offenbarung. „ vollkommensten Besserung ihrer Sitten, zur Nachahmung „ der vortrefflichsten Tugenden, wovon er ihnen dasBey, „ spiel gab, und zum Entschlüsse bewogen, in allen ihren „ Handlungen keinen andern Endzweck zu haben, als Gotte „ zu gefallen. Er hat die Gesinnungen der verbindlichsten „ Sanstmuth, des vollkommensten Anstandes in den Sit, „ ten, dergroßmüthigstenWohlrhätigkeit, nebst einer über, „ legenen Beständigkeit, Starkmuth, und Entschlossenheit ,, in allem, was sie verwirren oder beunruhigen könnte, „ den Seelen eingegossen. Muß man also nicht alle Scham „ verloren, und dem gesunden Menschenverstände entsaget „ haben, wenn man die Wunderwerke Jesu Christi der „ Zauberkunst zuschreiben, oder ihn selbsten mit den Schwarz, „ künstlern vergleichen will „ ? Li! »,l Dieß ist dennoch die einzige Antwort, welche Celsue, Julian, und alle berühmteste Helden der Gottlosigkeit zu ge, ben wußten, wann man ihnen die Wunderrharen Jesu Chri» sii und der Apostel vor die Augen hielt. Euseb von Lä, fareen treibt sie noch heftiger in die Enge, in der kraftvollen und wohlgesetzten Rede, die er von diesem Stoff- hält, die aber allzu lange ist, um hier angezogen zu werden. Man kann sie im sechsten Kapitel des dritten Buches seiner evan, gelischen Erweisung sehen. j ^ Endlich, durch die Wunderthaten, welche in -er gött, lichen Schrift enthalten, und durch die glaubwürdigstenDenk, maler bestätiget sind, ist das Christenthum gepflanzet, und die Offenbarung angenommen worden: und wenn eine so große Veränderung, wie durch die Errichtung des Christen» thums anstatt des Götzendienstes in der Welt geschehen ist, ohne Wunderwerke geschehen wäre; so würde eben dieses, wie der Offenbarung. 149 der heilige Augustin anmerket, das unbegreiflichste, unsäg, lichste, und rührendste aus allen Wundern seyn. Hier ist dann der zweyre Beweis gründlich ausgeführet, den wir durch die Wundertharen, welche die größesten Feinde des Christenthums eingestehen, von der Gewißheit der Offen, barung geben. Man schließe nun, ob die Bemerkungen, die Ausrufe, die Spöltereyen von Vsltairen, du Marsais, u. m. a., viel zu achten seyn, und ob sie von großer Stärke und Gründlichkeit zeugen. Dritter Beweis der Offenbarung. Die übernatürliche Fortpflanzung. Anstatt daß wir den Leser an den Artikel: Lhristenthum, zurückweisen, wo wir von der wundervollen Stiftung der christlichen Religion in der Welt gesprochen Haben, wollen wir hier die Schilderung vorstellen, welche ein gelehrter Engländer von dem wunderbarlichen Erfolge dieser Unternehmung gemacher hat. Wenn irgend etwas „, saget er, „ die Göttlichkeit „ einer Offenbarung hellglänzend bestätiget, so ist es der Er» „ folg ihrer Fortpflanzung, weil alles dabey eine erhabnere „ Leitung der Vorsehung zu erkennen giebt, welche sich der „ schwächsten Mittel bedienet, um die allerstärkesten Hinder, „ nisse zu überwinden: und man kann sagen, daß in dieser „ Absicht die Stiftung der christlichen Kirche eines der wun- „ dcrbarlichsten Werke, die der Himmel gethan hat, der Erde „ vor die Augen gestellet habe. Was ist das Evangelium? „ Eine Religion, welche die Leidenschaften kränket, dem „ Fleische und Blute widerstrebet, den Juden ärgert, dem „ heyd, * Vertheid. der Relig. i. Land. K z Iso Offenbarung. „ heydmschen Weisen thöricht scheint; gegen welche sich alles E „ Ansehen, alle Macht, alle Vorurtheile empören; welche ^ „ aller Orten den Pöbel, die Priester, die Philosophen, die § „ Fürsten zu Feinden hat. Wer prediget diese Religion? E „ Ein kiemer Haufe Männer, die von geringer Abkunft ^ ,, sind; die weder Erziehung noch Wissenschaft haben; die i „ von Seite der Welt kein Ansehen besitzen; die alles vor > „ der Welt verächtlich macht, und denen alle Zierde der welk« „ lichen Bcredtsamkeit mangelt. Doch, wer sollte es glam „ ben? Männer von dieser Gemüthsart, welche eine solche „ Religion zu predigen haben, machen sie beynahe an allen ,, Orrm der Erde bekannt, und bringen es so weit, daß sie „ allenthalben in Ehren gehalten und angenommen wird. „ Mitten unter Verfolgungen, Dürftigkeit,und Peinen,sehen „ sie alles, was die Welt giebr, auf das Spiel, «nd da „ sie bey Vieser großen Unternehmung allein durch die Er- „ Wartung himmlischer Belohnungen gestärket sind, geben „ sie ihrer Stimme eine so große Kraft, Laß ihr Schall „ durch alle Welt ausgeht. * Eine so unbegreifliche Ver, „ änberung, welche in stch'selbstm so wenig glaubbar, und „ dem Laufe der Mittelursachen so sehr zuwider ist, zeichnet „ den Finger Gottes auf eine st> augenscheinliche Weise aus, „ daß man blind seyn muß, wenn man ihn darunter nicht „ erkennet. Wenn die Geschichten, welche die Apostel be» „ kräftigten, nicht allen Grund der Wahrheit gehabt hät- ,, ren; wenn die Lehre, welche sie vortrugen, nicht mit allen „ Kennzeichen einer Religion, die für Gott würdig, und „ dem menschlichen Geschlechts nothwendig ist, versehen ge- „ wesen; wenn ihr Predigtamt durch übernatürliche Wir, „ kungen nicht bestätiget worden wäre: würde es möglich „ gewe, - Rom. x. Offenbarung. ,sr „ gewesen seyn, daß sie mit ihrem Predigtamte, bey fi> um „ günstigen, ja bey so widerwärtigen Umständen, die sie „ erfuhren, etwas ausgerichtet hätten „ ? Darüber lassen wir die Philosophen, die Widersacher der Religion, und alle jene Gattung von Leuten, denen die Religion allezeit beschwerlich fällt, Betrachtungen anstellen: sie mögen darüber Nachdenken, und eine Antwort darauf suchen. Vierter Artikel. Das Evangelium Jesu Christi ist das herrlichste Siegel, und die vollkommenste Erfüllung der Offenbarung. (7>ie Offenbarung hatte bey der Schöpfung der Welt am gefangen. * Gleichwie das Morgenroth allmählig sich aus breitet, und bis zum Aufgange des Sonnenlichts immer hellleuchtender und immer glänzender wird; also harte die Offenbarung allmählig sich ausgebreitet, sie war immer hellleuchtender geworden, und Hatte die Gegenstände immer deutlicher und umständlicher entdecket, bis endlich die Sonne der Gerechtigkeit aufgieng, welche alles zu seiner Vollkom, menheit bringen sollte. Diese evangelische Offenbarung ist der Punkt, der die Gottlosen zum meisten erbittert, und der Seele des rechtschaffenen Menschen die größesten Gesinnungen einflößet, wann er sich bestrebet zu erkennen, was er in Absicht Got, * tes scy. Sie eröffnet uns den Tempel und das herrliche Heiligrhum der göttlichen Vollkommenheiten, von welchen man bis dahin eine schwache Kenntniß hatte: sie entdecket uns die unendliche Größe der Allmacht, der Heiligkeit, der Gerech, ^52 Offenbarung. Gerechtigkeit, und der Erbärmnisse des Ewigen: sie bezeich, net für die erhabensten und großmüthigsten Tugenden ein göttliches Urbild, Hülfsmittel, welche alle natürliche Kräfte übersteigen, und Belohnungen, die der unendlichen Freyge, bigkeit und Liebe Gottes würdig sind; sie stellet auch zugleich für die Laster erschreckliche Strafen vorwelche einen Gott verkündigen, der eben so unendlich in seiner Gerechtigkeit, als in seiner Güre und Freygebigkeit ist. Die evangelische Offenbarung ist also der würdigste Gegenstand , den man den tiefen Betrachtungen des Menschen verstellen kann, woran ihm zum allermeisten gelegen ist, und der zum besten fähig ist, die größeste Wachsamkeit, und die lebhaftesten Entzückungen der Bewunderung, der Ehrfurcht, der Dankbarkeit, und der Liebe in ihm zu erwecken. Alles, was die Offenbarung betrifft, verdienet dann von dem Menschen sonderbar bemerket zu werden: die Würde des göttlichen Gesandten, der ihm dieselbe verkündiget; die Hohm der Lehrsäße, die ihm geoffenbaret werden; die Heiligkeit der Sittenlehre, die ihm vorgetragen wird; die Herrlichkeit der Belohnungen , die ihm verheißen sind; und die Wichtigkeit des Schicksals, das in der Ewigkeit seiner wartet. Dieß sind dis Kennzeichen jener letzten Offenbarung, welche die übrigen alle besiegeln mußte, und welche wir zu erklären Willens sind. i. Die würde des Gesandten. Diese letzte Offenbarung ist uns nicht durch den Mund der Propheten und begeir , sterrer Männer verkündiget worden. Eine göttliche Person, der Schöpfer der Zeiten, das wesentliche Ebenbild der Ho, Heiken Gottes, der Sohn des Ewigen, ist uns sichtbar, und ein Mensch geworden; er ist in der Fülle der Zeit, das ist, zur Zeit, welche in den Rathschlüssen Gottes bestimmet war, gekons O« !S Offenbarung. rzz gekommen, uns selbst zu belehren, was er in dem Schooße seines Vaters von aller Ewigkeit her gesehen und erkannt hatte. Nachdem er seit viertausend Jahren durch verschie, dene Weissagungen angekünder worden war, erschien er auf Erden, nicht in jenem Glanze, welcher der Hoffart, dem Ehrgeize, dem Stolze, und den übrigen Leidenschaften entsprochen hätte; sondern mit aller Anmuth und allen Kenn, zeichen, die dem Sohne Gottes, dem Erlöser des menschli, chm Geschlechtes, dem Stifter eines neuen Gottesdiensts gebührten, welcher der reineste, der vollkommenste, für Gott der anständigste ist. Es sind erstlich alle seine Tage durch Züge der göttlichen Allmacht ausgezeichnet; denn diese Allmacht ist sein Eigen- thum, und die größesten Wunder kosten ihm weniger Mühe, als die natürlichsten Handlungen dem Menschen kosten. Alle seine Worte zeugen von der erhabensten Weisheit; alle seine Beyspiele sind Unterweisungen zur Tugend; alle seine Handlungen sind zur Verehrung seines Vaters, oder zu Wohltaten fürs menschliche Geschlecht gewidmet, weil seine ganze Sendung nrchts, als die Ehre Gottes und die Heiligung der Menschen, zum Endzwecke hat. Man sieht an Jesu Christo einen Menschen aufErden; und an diesem Menschen merket man nicht die geringste Unvollkommenheit, die mindeste Spur einer Schwachheit, eines Lasters , eines Mangels, einer unordentlichen Regung, einer Leidenschaft. Man sieht, daß alles an ihm über den Menschen erhaben, alles göttlich, ist, daß alles an ihm einen wahren Gott, einen Gottmens scheu, den Sohn Gottes andeutet. Also ist der Prediger: und Verkündiger der evangelischen Offenbarung beschaffen.. Der heydnrsche Philosoph, Porphyr, wenn er gleich ei« geschworner Feind der Christen ist, giebt uns von Jesu K s Christo 154 Offenbarung. Christo beynahe eine eben so schöne Schilderung, als wir hier entworfen haben. 2. Die Hoheit der Lehrsätze. Die Offenbarung giebt uns wahrhaftig zu erkennen, was Gott sey; sie giebt uns von den göttlichen Vollkommenheiten unendlich erhabnere Begriffe, als uns die vorhergehenden Offenbarungen und die Natur davon gegeben hatten. Erst seit dem Anfänge des Christenthums kann sich die Weit rühmen, daß sie ihren Gott erkennt, und nur aus der evangelischen Offenbarung kann man die erhabensten und richtigsten Begriffe von den Hoheiten Gottes, von seiner Gerechtigkeit, Heiligkeit, Barm» Herzigkeit, und seinen übrigen unendlichen Vollkommenheiten herholen. Was hat uns die Hoheiten Gottes besser entdecket, als das Geheimniß der Menschwerdung? Der einzige Sohn Gottes wird Mensch aus einer unendlichen Liebe, damit er seinem Vater Ehrbezeigungen, Anbethungen, Opfer von einem un< endlichen Werthe und Verdienste darbiethen, damit Gott wahrhaftig in Gotte geehret werden möge. Wo lernet man besser die Gerechtigkeit, Strengheit, Unerbittlichkeit Gottes erkennen, als auf dem Kreuzberge? Jesus Christus wird Bürge für die Menschen, welche dieser Gerechtigkeit schuldig sind; und weil er Bürge wird, muß er ihre Sünden durch den Tod auslöschen. Der vernünf» tige Mensch wird bey dem Anblicke des Kreuzberges noch besser, als bey dem Anblicke der Hölle schließen, wie sehr die göttliche Gerechtigkeit zu fürchten sey. Aus dem Evangelium lernen wir von der Heiligkeit Gottes urtheilen. Die Heiligkeit ist eine unendliche Liebe der Ordnung, welche die mindeste Unordnung weder gutheißen, noch unterstützen, noch dulden kann. Allein mit welchem Nach» 1 »^ W !tt Ä 4 Offenbarung- iss ! Nachdrucke wird diese Liebe im Evangelium vorgetragen und eingefiößet? Alles zielet darauf ab, den Menschen zu heili, gen, ihn von den Sünden zu entfernen, sogar die geheime, gen Gedanken, und die unmerkbarsten Empfindungen zu bessern. Um diese Liebe zur Ordnung und zur Heiligkeit dem Menschen einzuflößen, stellet ihm Jesus Christus die mH, ! rendsten Beysprele, die herrlichsten Belohnungen, die kräf, » tigsien Hülfsmittel; mit einem Worte, ein Urbild vor, wel, g ches fähig ist, die Seele unendlich zu erheben. Seyd voll, » kommen, saget er zu allen Menschen, wie euer himmli, «> scher Vater vollkommen ist. Ein Gott, das Urbild unsrer !» Tugenden! welche Richtschnur, um von der Heiligkeit zu Uktheilen! >i Was uns, von der unendlichen Güte und Liebe Gottes s gegen die Menschen, das alte Gesetz und der schöne Schau, ni platz der Natur entdecken, ist wenig, wenn man es mit dem M vergleicht, was die evangelische Offenbarung uns davon ent, >« decket. Lin Gott wird Mensch, uin die menschliche Natur anzunehmen, und sie in seiner Person mit der Gottheit l!, zu vereinigen; um die Menschen, als sein eigen Blut und !? als seine Brüder, seinem Vater vorstellen zu können; um srr ihre Schulden zu bezahlen, sie von ihrem Falle wieder aus, «j zuheben, sie seiner Verdienste theilhaftig zu machen, das nsi Recht zur himmlischen Erbschaft mit ihnen zu theilen; end, ich lich um ihnen durch seine Unterweisungen und seine Beyspiele ch, untrügliche Mittel an die Hand zu geben, damit sie die Güter sicher erlangen mögen, die er ihnen anbeut. Dieß ß giebt uns das Evangelium von der unendlichen Liebe Gottes le gegen das menschliche Geschlecht zu erkennen, ji», Die übrigen göttlichen Vollkommenheiten werden uns ^ in der christlichen Offenbarung nicht weniger herrlich entde, ckek: r;6 Offenbarung, cket: und wenn man davon nicht gerühret wird, wie man es seyn sollte, so kömmt es nur von der Nachläßigkeic her, wel< che uns zu jener Quelle der göttlichen Beleuchtungen nicht gelangen läßt; oder von der Herrschaft der Leidenschaften, die den Menschen fesseln, und allein an Dinge heften, die den Sinnen schmäucheln, sie rege machen, und befriedigen, wodurch er außer Stand gefttzet wird , zu erkennen, zu schätzen, und zu kosten, was von Gotte ist. ^ Hnimgln autem komo non percixit eg, c^uX sunt 8pi'ritu8 Oei: siultitia eK enim i!1i, öc non potels intelli'Zere. z. Die Heiligkeit der Sittenlehre. Die Sittenlehre, welche die christliche Offenbarung uns vorträgt, ist die reine- ste, die vollkommenste, die der Mensch denken kann, die fruchtbarste an wahren Tugenden, die tauglichste von allen Lastern abzuhalten, die wohlthätigste für die Gesellschaft. Die erste Satzung, das erste Geborh dieser Smenlehre heißt Gott aus seinem ganzen Herzen lieben. Man muß die Bemerkung machen, daß aus allen jenen großen Philosophen, welche sich zu Sinne kommen ließen, Gesetze und Verordnungen für die Sitten vorzuschreiben, keiner ist, der sich beygehsn ließ, man müsse Gott lieben. Die Pflicht der Liebe gegen Gott, den Urheber unsers Daseyns, ist ihnen allen durchaus unbekannt gewesen. Plato, Aristoteles, Golon, Zaleukus, Geneka, Cicero haben, wie es scheint, nichts gefühlet, das sie zur Erkenntniß dieser Pflicht geleitet hätte. Keiner aus ihnen hat ein Wort davon gesaget. So viel im Vorbeygehen zur Ehre der Philosophie! Laßt uns zu unserm Stoffe zurückkehren. Wir sagen also, daß dieses erste Geboth der christlichen Sittenlehre der erste Grundstoff aller Tugenden sey. Denn Gott lieben, heißt lieben, was er liebet; alles vermeiden, was ' i. «or.l. AK ch ich rch W Offenbarung. i,7 was er miSbilliget; urtheilen, wie er urtheilet; alles auf ihn anwenden; seine ewigen Eigenschaften und Vollkommen, heilen zur Richtschnur aller unsrer Gedanken, unsrer Gesinnungen , unsrer Handlungen nehmen. Nun, es ist sonnen, klar, daß eine solche Liebe nothwendiger Weise der Grund« stoff der schönsten Tugenden seyn muß. Eben diese Liebe wird auch der kräftigste Beweggrund, uns von allen Sünden zu entfernen; denn wenn der Mensch Gott wahrhaftig liebet, so wird er in sich sechsten nichts lieben können, als was Gott liebet. Allein was kann Gott in dem Menschen lieben? Nichts, als die Reinigkeit und Unschuld der Sitten, und eine starkmüthige Enthaltsamkeit von der Schwelgerey und den schändlichen Lüften. Nichts, als demüthige und sittsame Gesinnungen, wodurch wir er, kennen, daß wir alles von Gotte Haben, daß wir alles Gotte schuldig sind, daß wir alles für Gott anwenden müssen. Nichts, als eine lebhafte und zärtliche Dankbarkeit für alles, was wir von ihm empfangen haben; eine weise und vernünftige Mäßigung im Gebrauche der Güter; eine großmü, thige Unterwerfung in den Prüfungen, im Verlurste, im Leiden, welchem man ausgesehet seyn kann; eine standhafte Slarkmuth, die Triebe einer thörichten Hoffart, die sich selber nicht kennet, einer sündhaften Ehrbegierde, die weder auf Vernunft «och auf Billigkeit achtet, einer Nei, gung zur Wohllust, welche den Menschen entehret, verächtlich macht, und heruntersetzet, zu hemmen und zu ersticken. Ein Mensch, der Gott wahrhaftig liebet, der eine wahre Begierde hat, ihm zu gefallen, wird allezeit alle diese Lasier sicher verabscheuen. Es ist dann augenscheinlich , daß die Liebe Gottes der wirksamste Beweggrund ist, uns von allen Sünden zu entfernen. Diese is8 Offenbarung. Diese Sittenlehre ist auch die Wohltätigste für die Ge, fellschaft. Sie hat nicht? als Einigkett, Eintracht, und Frieden zun, Zwecke. Sie flößet den Menschen die zarteste Liebe gegen ihres Gleichen ein; sie ermahnet sie zur Gerech« tigkeit, Geduld, Sansimuth, Gefälligkeit, Freygebigkeit, zu großmüthigen und uneigennühlichen Diensten. Dieß ist der Geist jener göttlichen Sittenkehre. Sie will, daß die Menschen einander alle als Brüder, als Glieder einer Familie, von der Gott sechsten das verehrenöwürdige Haupt ist, betrachten, und eben also gegen einander gesonnen seyn sollen, wie ihr gemeinsamer Vater gegen sie gesonnen ist. Endlich, da sie uns immer an die ursprünglichen Rechte dev Natur erinnert, welche durch die Leidenschaften, beson, ders durch den Ehrgeiz, die Habsucht, und die Rachbcgierve, so oft verletzet werden; so will sie, daß wir uns gegen die Menschen auf dis gleiche Weise betragen sollen, wie wie wüuscheren, daß sie sich gegen uns betragen möchten: * Omnia er§o, qusecumque vultig, ut InLisnt vobi8 Komine8, L vos tuLits illl8. Man betrachte die evangelische Sittenlehre nach ihren dreyen schönen Aussichten: nach ihrer Fruchtbarkeit an wah, ren Tugenden, nach den Hülfsmitteln, die sie an die Hand beut, um uns von dem Laster zu entfernen, nach der Ein, stimmung, Eintracht, und Saufrmuth, welche sie in der Gesellschaft stiften wird; man vergleiche sie nachmals mit allem, was die weisesten und aufgeklärtesten Gesetzgeber dar von gesagt haben. Welchen Unterschied, welchen unendli, chen Abstand wird man nicht von der Hoheit, Reinigkeit, Helligkeit der Sittenlehre, die uns Jesus Christus vorge, tragen hat, auf alles, was die größesten Gesetzgeber und Phi, O Di iW ch NI -»> >"8 - Matth. V. Offenbarung. ' 159 Philosophen jemals haben ersinnen und aufbringen können, anlreffen? 4. Die Herrlichkeit der Belohnungen. Endlich zum Beschlüsse stellet die christliche Offenbarung dem Menschen alles vor, was immer zum fähigsten ist, seine Seele zu erheben, ihm die lebhaftesten Entzückungen der Dankbarkeit und Liebe gegen seinen Schöpfer einzuflößen, und ihn zu den großmürhigsten Bemühungen zu ermuntern, damit er sich seines Gottes würdig machen möge. Seine ewige Verei, nigung mit Gotte, seine ewige Besitzung Gottes, seine ewige Glückseligkeit in Gotte: Ließ ist der Endzweck, die Besinn, mung, die Belohnung des tugendsamen Menschen. Wir führen hier nicht alles an, was uns die Offenbarung von dieser unbegreiflichen Glückseligkeit umständlich entdecket. Wir werden uns genügen zu sagen: i. Daß nur die rei< um Seelen würdig seyn werden, dahin zu gelangen, und daß alle übrige davon werden ausgeschlossen seyn: * Nee in- trsbit in earn nliguiä coinquinstuin .... nili gut lcripti lnnr in libro vitse nZni. 2. Daß die Menschen in dem Himmel mit der gleichen Glorie angethan seyn wer, den, womit ihr Erlöser, ihr Gewährleister, der einzige Sohn Gottes bekleidet seyn wird; nach jenem Ausspruche des heiligen Johanns: „ Wann sich Jesus uns zeigen wird, „ so werden wir ihm ähnlich seyn : Lum sppsruerit» similes ei erimus. z. Daß das Aug nichts gesehen, das Ohr nichts gehöret, der menschliche Verstand niemals etwas erdacht habe, was die Belohnungen, die Glorie, die Glückseligkeit erreichen, oder begreiflich machen könnte, welche Gott denen zubereitet, die sich durch die Heiligkeit und die Tugen, den seiner würdig machen werden: ^ Genius non vickit, nee * Leimt. Offen-. XXL. "*2vh.m. *»»t.Kor.H. i6o Offenbarung. necauris suäivit, nec in cor komini8 äscenäit, czu« prseparavit Deus üs, ,H! W Ä« Ä,! ÄÄ !tz> 'S, Offenbarung. ,6r und vollkommenste Erfüllung aller Offenbarungen ist, und daß der Mensch nichts weiter wünschen, verlangen, oder erwarten kann. Fürwahr, möchte er wohl einen größer» Lehrmeister, ein größeres Vorbild, einen größer« Gesehge, her, als der Sohn Gottes ist, oder rührendere Beyspiele, als die er uns giebt, odereine reinere Sittenlehre, als die er uns vortragt, oder wichtigere Lehrsähe, als die er uns offen, barst, oder einen bessern Endzweck, größere Belohnungen, eine vollkommnere Glückseligkeit begehren, als die er uns er, worben, verheißen, und versichert hat? Wir müssen also aus dem, was wir von diesem gro« ßen Gegenstände vorgetragen haben, den Schluß machen, daß ein jeder vernünftige Mensch die Offenbarung, als die wichtigste Entdeckung der Hoheiten Gottes, als die Quelle der kostbarsten und nützlichsten Lehren, endlich als den wür, digsten Gegenstand der Ehrerbierhung, dek Betrachtungen, der Dankharken, und der Liebe des menschlichen Geschlechtes gegen seinen Schöpfer betrachten werde. Fünfter Artikel. Antwort auf die Einwürfe der Ungläubigen, wollen hier von der Möglichkeit der Offenbarung nicht reden; denn cs wird in den Artikeln: Geheim, Nisse, Glauben, Vernunft, u. m. a. genug erwiesen, daß uns Gott Wahrheiten entdecken kann, die unsre Vernunft ohne dieses Hülfsmittel unmöglich erreichen könnte. Wir werden nur die Einwürfe beantworten, welche die Ungläubi, gen über dir Nothwendigkcit und Gewißheit der Offenbarung Machen. Der Derft von Genf, und der philosophische Rriegsnrann, diese beyden haben sich am meisten bemühet, jene Gmudfeste der Religion wankend zu machen. Der L. Band. L Deist i6L Offenbarung. Deift wird zuerst auf den Kampfplatz treten, und ein christ, licher Philosoph wird es mit ihm aufnehmen. Er wird Wort für Wort in diesen Gesprächen wiederholen, was er in seinem Emil saget: der christliche Philosoph wird ihm ant- ' Worten, und der Leser mag das Urtheil fallen. Erstes Gespräch. Von der Nothwendigkeit einer Offenbarung. Der Deist. E Ich sehe kein Bedürfniß, sich an eine Offenbarung zu wenden. Warum hält man sich nicht an die natürliche Religion? Es ist wohl seltsam, daß man einer andern be, dörfen sollte. Woraus soll ich dieses Bedürfniß erkennen? Wie kann ich mich versündigen, wenn ich Gotte, nach der , -Einsicht, die er ryFinem Verstände giebt, und nach dem Gefühle, daß er meinem Herzen einflößet, diene? Der Philosoph. Die christlichen Philosophen erweisen die Nothwendigkeit einer Offenbarung aus der Vernunft und aus der Geschichte» Durch erliche unbestimmte Worte, und ein Warum? wer- den richtige Beweise nicht umgestoßen. Sie können Sich also, mein Herr l sehr stark versündigen, wenn Sie Sich genügen, Gofte nach der Einsicht Ihres eigenen Verstandes zu dienen, daftru es richtig bewiesen ist, daß Gott etwas mehr verlange, als was Ihnen Ihre Einsicht entdecket. Der Deist. Aber, was für eine reinere Sittenlehre, was für einen Lehrsatz, welcher für den Menschen nützlich und für seinen Schöpfer glorwürdig wäre, kann ich aus einer ausdrückli- chm Lehre ziehen, den ich nicht ohne sie aus dem guten Gebrauche * Emil. 3. Band. Seit. Offenbarung. i6z brauche meiner Seelcnkräfce ziehen könnte? Zeigen Sie mir, MS man, zur Ehre Gottes, zum Beßren der Gesellschaft, und zu meinem eigenen Nutzen, den Pflichten des natürlichen Gesetzes beysetzen könne, und welche Tugend Sie aus einem neuen Gottesdienste herleiten wollen, die nicht eine Folge des meinigen seyn würde. ' Der Philosoph. Es hat vor Ihnen sehr viele Philosophen gegeben, wel, che geglaubt haben, von ihren Seelenkräften einen guten Ge, brauch zu machen. Hat ein einziger aus ihnen dis ganze Reu nigkcir der Sirkenlehre und die nützlichen Lehrsätze erkannt, wie wir sie seit der Offenbarung erkennen ? Zeige man mir, sagen Sie ferner, was zur Ehre Got, tes und zum Nutzen des Menschen den Pflichten des natürlichen Gesetzes beygefttzt werden könnte. Wie! Sie sind ein Philosoph, und Sie behaupten, die unendliche Wersheit und Einsicht Gottes hätte dem Menschen niemals etwas entdecken können,wodurch er tugendhafter,heiliger,Gott tes würdiger werden möchte, außer was ihm das natürliche Gesetz entdecke?! Sie behaupten, Gott hätte ihm niemals größere Beleuchtungen errheilen können, als die Einsicht seiner Vernunft, um die göttliche Narur und Vollkommenheit tcn zu erkennen! Gott Härte ihm niemals kräftigere HülfSr mittel an die Hand geben können, um sich an Gott zu Heft ten, ihm zu dienen, und ihn zu lieben, als die er aus seinen eigenen Seelenkräfcen zieht! O mein Herr! wie vermessen ist Ihre Philosophie! Aber wie lächerlich ist sie auch, La sie Len Menschen so groß, und Gott so klein machet! Der Deist. Werden Sie mir nicht emgestehen, daß die größeflen Begriffe von der Gottheit in uns ans der Vernunft allein L 2 enrftc, 164 Offenbarung, entstehen? Sehen Sie den Schauplatz der Natur: hören Sie die innerste Stimme des Herzens. Hat Gort unfern Augen, unserm Gewissen, unserm Verstände nicht alles ge, saget ? Was werden uns die Menschen werter sagen ? Der Philosoph. Ey! sagen Sie doch, um richtiger zu sprechen, die Ver, nunft sey wahrhaftig von den erhabnen Begriffen, die fle von der Gottheit hat, ganz geblendet, aber sie habe diesel, den von der Offenbarung empfangen.' Gestehen Sie, daß sie zuvor nur ganz schwache und ganz unvollkommene Kenntnisse oavon hatte, und daß allein die Offenbarung das Licht angezündet, die Dunkelheit zerstreuet, und der Welt ihren göttlichen Schöpfer bekannt gemacht hat. Sehen Sie den Schauplatz der Natur, fahren Sie weiter fort. , Aber warum weisen Sie uns Heute an den Schaue platz der Natur, da Sie doch behaupten, es sey dieser Schau» platz für die meisten Menschen sprachlos ? Ich habe in einem Ihrer Bücher gelesen: * Die «Ordnung des Weltgebäudes, so wunderbar sie immer ist, rühret niFt alle Augen auf gleiche weise. Der Pöbel achtet wenig darauf, weil ihm die Rennrnisse fehlen, wodurch ihm diese (Ordnung fühlbar würde, und weil er nicht gelernet hat, über das nachzudenken, was ihm in die Augen fällt. Es geschieht weder aus Hartsinntgkeit, noch aus bösem willen, son» dern aus Unwissenheit und Trägheit des Verstandes. Sie fragen, ob Gott unfern Augen, unserm Gewissen, unserm Verstände nicht alles gesagt habe; und ich frage Sie, ob die Augen, bas Gewissen, und der Verstand aller Völker der Erve, die mehr als zwanzig Jahrhunderte dem Götzen» Dieastr und den abscheulichsten Lastern ergeben waren, recht begriff * Srikfan-en H. Eezv. zu Pari-, zz. Seit. Ml. -B' DZ ich R Ä Offenbarung. 16s begriff'« haben, was Gott ihnen sagt-/ und ob es nicht vom Nöthen gewesen fty, eine andere Sprache mit ihnen zu reden. Was werden uns die Menschen weiter sagen, beißt es ferner? Ich gebe Ihnen zur Amwort: Gott hören wir, und nicht die Menschen. Die Menschen sind nicht die Urheber der Offenbarung; sie sind nur die Werkzeuge davon. Gott selbsten redet; und er kann wohl uns etwas weiter sagen, als unsere Augen und unser Verstand sagen können. Der Deist. * Die Offenbarungen der Menschen sehen Gott nur herunter, da sie ihm menschliche Leidenschaften beylegen. Ich sehe, daß die sonderheitlichen Lehrsäße nicht allein die Kennt, niffe von dem großen Wesen nicht ausklären, sondern noch verwirren; daß sie dieselben nicht allein nicht veredlen, sondern noch verächtlich machen; daß sie den unbegreiflichen Geheimnissen, womit sie umgeben sind, ungereimte Wider, spräche beysetzen; daß sie den Menschen hoffärkig, unver, träglich, grausam machen; daß sie, anstatt den Frieden auf der Erde zu stiften, Feuer und Schwert daraufverbreiten. Ich frage mich: Was hilft all dieses? und kann mir nicht amworken. Ich sehe nichts als die Laster der Menschen, und das Elend des menschlichen Geschlechtes darunter. Der Philosoph. Wir erkennen keine Offenbarung der Menschen, und nehmen keine an. Wir lassen nur die göttliche Offenbarug zu. Sie hat bey der Schöpfung der Welt angefangen, und bey Jesu Christo sich geendiget. Nichts ist erhabener und wichtiger, als was sie uns von der Wesenheit und den Vollkommenheiten Gottes lehret» Alles, was Sie von jenen , Ver» * Cmik. z. »and. rsz. Seit. S A i§6 Offenbarung. Verkleinerungen , von jenen ungereimten Widersprüchen, von jenen Lehrsätzen beyfügen, welche die göttliche Natur verächtlich, und den Menschen grausam, unverträglich, u. s. w. machen, ist eitel unanständiges und anstößiges Ge» schwätze. Wann Sie die Dinge, von denen Sie plaudern, umständlich beweisen werden, wird man auch umständlich darauf antworten. Der Deist. * Sie sagen, unter Ihnen, es sey eine Offenbarung vpnnöthen gewesen, um die Weise zu lehren , nach welcher Gott wollte, daß man ihm dienen solle: und Sie führe» zum Beweise die Verschiedenheit der aberwitzigen Gottesdienste an, die man eingeführet hat. Dieser Beweis ist sehr unge» nüglich. Denn, wer steht nicht, daß diese Verschiedenheit eben aus der Einbildung der Offenbarungen herkömmt? Sobald es den Leuten zu Sinne kam, Gott reden zu lassen, ließ ihn ein jeder nach seiner Art reden, und ließ ihn sagen, was er wollte. Wenn man niemals etwas anders angehö« rel hätte, als was Gott zum Herzen des Menschen spricht, so hätte es allezeit nur eine Religion auf Erden gegeben. Der Philosoph. Sie reden weit besser, als Sie denken. Wenn man nichts angehöret hätte, als was Gort zum Herzen des Menschen spricht, so hätte es allezeit nur eine Religion auf Erden gegeben. Alle Menschen wären unfehlbar derjenigen angrhangen, deren Sittenlehre die reineste ist, und deren Lehr» sähe die erhabensten Begriffe von Gotte beybringen, und den Menschen mit Gotte zum vollkommensten vereinigen: und folglich würben sich alle noch heut zu Tage zur geoffenbarten Religion, das ist, zum Christemhume, Ermien. Ebcnd. i2Z. und i24. Seit. Offenbarung. 167 Sie gestehen es selbsten, daß alles, was die Menschen gesagt und geschrieben haben, vor der Heiligkeit des Evangeliums Weichen müsse. Allein, das Evangelium prediget den Wollüstigen die Kasteyungchen Hoffärtigen die Denmch, den Ehrsüchtigen die Verachtung der Ehren, den Knechten des Eigennützen die Trennung von den Gütern. Sehen Sie, warum heut zu Tage so viele Leute von dem Evangelium nichts mehr wissen wollen ? Sagen Sie doch nicht, es haben alle Leute nach ihrer Art Gott reden lassen. Sie sind allzu gut unterrichtet, um zu verneinen , daß die sogenannten Offenbarungen Mahsr mets eicel verächtliche Mähcchen sind: Sie würden es nicht wagen, zu behaupten, daß es zu den abscheulichen Dingen deü heydiüscheu Götterdienstes Offenbarungen gegeben habe: und wir werden, wann Sie immer wollen, die Schwach» heit ihrer Einwürfe gegen den christlichen Gottesdienst beweisen. Der Deist. Eö war ein einförmiger Gottesdienst vsnnöthen: ich will es zugeben. Aber war dann dieser Punkt so wichtig , daß alle Rüstung der göttlichen Macht erfodert wurde, um denselben zu stiften. Laß t uns das äußerliche Gepränge der Religion milder Religion nicht vermengen. Der Gottesdienst, den Gott verlanget, ist im Herzen; und dieser ist allezeit einförmig , wenn er aufrichtig ist. Es ist eine sehr thörichte Eitelkeit, daß man sich einbildet, Gott lasse sich den Schnitt des Kleides am Hohenpriester, die Reihe der Worte, die er auespricht, die Geberden, die er beym Altäre machet, und alle seine Kniebeugungen so sehr angelegen seyn. Bey aller seiner Höhe ^leibt er Mensch, und er wird allezeit nah genug an der Eri M. Gott will, daß man ihn im Geiste und L 4 i» '68 Offenbarung, in der Wahrheit anbethe: diese Pflicht ist allen Religionen, allen Ländern, allen Menschen gemein. Was den äußerli, chenGottesdienst betcifft, wenn er um vergüten Ordnung willen einförmig seyn soll, so ist es eine lautere politische Sache; man hat keiner Offenbarung dazu vonnöthen. Der Philosoph. Sie spotten; Sie suchen Abwege: ihr Handel muß also nicht gut seyn. Und wer hat ihnen gesaget,daß der Schnitt eines Kleids am Hohenpriester, Geberden beym Altäre, Knieben« gungen den Gegenstand und den Endzweck der Offenbarung 'ausmachen? Wir wollen die Sachen nicht vermengen. Was ist der Gegenstand und der Endzweck jener Offenbarung gewesen, die auf dein Berge Sinai mit so vieler Zubereitung ge» macht worden ist? Die Verkündigung des Gesetzes, ein ganz prophetisches Ceremvnienbuch vom zukünftigen Messias, ein« Polizey, wodurch ein Volk, dem die göttlichen Aussprüche vertrauet waren, und aus dessen Blute der Erlöser der Welt entspringen sollte, ohne Mischung erhalten werden mußte. Nun, ich dächte, daß dieses alle Rüstung der göttlichen Macht wohl verdienen würde. Wenn in dem umständlichen Verzeichnisse der göttlichen Gesetze und Verordnungen etliche sind, die einen Theil des Gottesdienstes, wie den Schnitt des Kleides am Hohenpriester u. f. w. ordnen; so sind sie Folgen der Offenbarung, und nicht ihr Endzweck. Sie rhun hernach sehr eigenmächtig den Ausspruch, daß die Einförmigkeit im äußerlichen Gottesdienste eine lautere politische Sache fty. Aber wie möchten Sie uns beweisen, daß Gott in diesem Stücke nichts zu gebiethen habe, und daß es für den Menschen nicht nothwendig oder nützlich sey, wenn zum wenigsten ein Theil davon durch Gottes Befehle geord. zM M sch i«! A iti S, > Offenbarung. i6y geordnet würde? Ey, mein Herr! wie weit verleiten Sie Ihre znverläßigen Machtsprüche! Hat man nicht Grund zu sagen, daß es Leute gebe, die durch eitel Vernünfteln sehr oft aufhören vernünftig zu seyn? Endlich, wenn Sie von dem innerlichen Gottesdienste sagen, daß er allen Religionen und allen Menschen gemein siy; ft gestehe ich zwar, daß dieses ganz richtig ist: aber ich erstaune, daß Sie alle diese schönen Begriffe von der Offenbarung borgen, eben da Sie Sich alle Mühe geben, sie umznstoßen. Kann man dieses nicht für eine Art von Verrathe halten? Der Deist. * Wenn es eine Religion giebt, welche Gott den Men, scheu vorschreibt, und wenn er sie strafet, daß sie dieselbe nicht erkennen; so hat er ihr gewisse und offenbare Zeichen geben müssen, damit man sie für dis einzig wahre unterscheid den und kennen möge. Diese Zeichen sind für alle Zeiten und für alle Oerter; sie sind allen Menschen, Großen und Kleinen, Gelehrten und Ungelehrten, Europäern und Indra, nern, Afrikanern und Wilden auf gleiche Weise empfindsam. Wenn eine Religion auf der Erde wäre, außer welcher es nichts als ewige Strafen gäbe, und wenn an irgend einem Orte der Welt ein einziger Mensch mit guter Meynung von ihrer Gewißheit nicht gerührt worden wäre; so würde der Gott von dieser Religion der unbilligste und grausamste aus allen Tyrannen seyn. Der Philosoph. Sie wären mit dem Christenthume bald fertig, wenn man Ihre verworrenen Säße annähme, ohne sie zu erklären. Erlau« Offenbarung. Erlauben Sie dann, daß man sie mit Erklärungen be, leuchte, derer sie vonnöthen haben. 1. Im Anfänge hat Gott den Menschen das natürliche Geseh gegeben: es Hat keinen einzigen Menschen mit guter Meynung geben können, der von dessen Gewißheit nicht gerühret worden wäre. Das müssen Sie gestehen. Aber Sie müssen auch gestehen, daß es viele Menschen gegeben hat, welche dennoch davon abgewichen sind, und welche folg, lrch nicht mit guter Meynung handelten. Gott konnte sie dann wegen ihrer bösen Meynung und ihrer Abweichung stra« fen, ohne daß er der grausamste aus allen Tyrannen war. 2. Nachmals hat Gott den Hebräern ein sonderbares Gesetz gegeben. Aber dieses Gesetz gieng weder die Euro, päer, noch die Indianer, weder die Afrikaner, noch die Wil, den etwas an. Man zog sich die ewigen Strafen nicht zu, weil nnn es nicht erkannt hatte. Es war also nicht noch, wendig, wenn allein von der mosaischen Religion die Rede ist, daß jene Zeichen, wovon Sie sprechen, für alle Zeiten, und für alle Oerter, oder Mn Menschen gleich empfindsam seyn mußten. z. Gott verhieß und gab zur Zeit, die von den Proph« len bezeichnet war, durch seinen Sohn das neue Gesetz: und dieses Gesetz ist für alle Menschen. Es hat gewisse und offenbare Zeichen, welche nicht den mindesten Grund übrig lassen, zu zweifeln, daß es heut zu Tage das einzig wahre Gesetz sey. Sind nun alle Menschen verbunden, dasselbe anzunehmen, und sich zu unterwerfen, ehe diese Zeichen zu ih, nen gelanget sind ? Nein, mein Herr! Aber gewiß ist es, daß diese Zeichen unfehlbar. zu ihnen gelangen werden, wenn sie kein Hinderniß in den Weg legen, da sie von dem ersten Gesetze, BI !ÄI W Hs -ch Hi Hz Offenbarung. ^ Gesetze, welches in ihr Herz geprägetist, das ist, von dem natürlichen Gesetze abweichen. Durch diese Erklärungen ist das Gewirrs und die Arg, list Ihrer Satze aus einander geleger; und Ihre Einwürfe wider die Norhwendigkeit der Offenbarung fallen zusammen, und verschwinden. Wir wollen die Beweise der Offenba, rung untersuchen, wenn cs Ihnen gefällt. Zweytes Gespräch. Von Den Beweisen der Offenbarung. Der Deist. * Wenn man es fo weit brächte, daß man bewiese, die Offenbarung siy für das menschliche Geschlecht nothwendig gewesen, so hätte man deßhalben noch nicht viel ausgerich» tet. Man müßte genügliche Beweise aufbringen, daß die Offenbarung wirklich geschehen sey. Allein eben dieses ist die Beschwerniß. Wenn ich jene Verschiedenheit der Sekten betrachte, die auf der Erde herrschen, und die einander wech, selswcise der Unwahrheit und des Jrrthums beschuldigen, und wenn ich sie frage: Welche ist die rechte? so giebt mir ein jeder zur Antwort: Die meinige. Ein jeder saget mir: Ich allein und meine Mitgenossen denken richtig; die übrigen le, ben im Jrrthume. — Und wie weißt du, daß deine Sekte die rechte sey? — Weil es Gott gesagt hat. — Und wer hat dir gesaget, daß es Gott gesagt habe? — Mein Pfar, rer, der es gut weiß.-Hier sind dann alle Beweise der Offenbarung auf das Wort und das Ansehen etlicher Menschen ringeschränket: und da diese Menschen alle sich ein, ander widersprechen, so werden folglich alle ihre Beweise un, ter einander umgestoßen und vernichtet. Der " Emil. z. Band. iss. Seit. r?r Offenbarung. ' Der Philosoph. Wann dis Sachwalter zwoer streitender Parteyen vor den Richtern sprechen, so richtet man sich nicht nach dem Ansehen und nach dem Worte der Sachwalter; sondern man schließt und urtheilet nach den Beweisen, die sie beyr bringen, und nach den Urkunden, die sie aufzuzeigen haben. Auf gleiche Weise urtheilet man in Angelegenheiten der Religion nicht nach dem einzelnen Ansehen der Pfarrer, sondern nach den Beweisen, die sie von der Offenbarung jener Wahrheiten, die sielehren, und von ihrem Berufe zum Lehren beybringen. Nun aber, die Christen zeigen Beweise auf, die Sie durchaus urmröglich umstoßen können. Der Deist. * Und was für Beweise vermögen Sie aufzubringen, die ich nicht mit einem einzigen Worte niederlegen könnte? — Gott, sagen Sie, hat geredet: man muß seiner Offenbarung Gehör geben. — Und zu wem Har Gort geredet? werde ich Ihnen antworten. — Er har zu den Menschen geredet. — Warum habe dann ich nichts davon gehöret? — Er hat andern Menschen anfgerragen, dir sein Wort zu verkündigen» — Aber ich hätte lieber Gott selbsten gehöret: es hän e ihm nicht mehr Mühe gekostet, und ich wäre vor der Verführung sicher gewesen. — Er steht dir Bürge davor, da er dir die Sendung feiner Bothschaster bestätiget. — Und wie bestätiget er sie? — Durch Wunderwerke. — Und wo sind diese Wunderwerke? — In Büchern. — Und wer hat die Bücher geschrieben? — Menschen. — Und wer hat die Wunderwerke gesehen?'- Menschen, die sie bezeugen. — Wie! immer menschliche Zeug- schaftsn! immer Menschen, die mir erzählen, was andere Menschen Md j! Wü W M l»! W tuü d«; Hl« T», I ^ Ebend. Iso. Seit. n ft ft «ß iiil! K P Offenbarung. 17; Menschen erzählet haben: Wie viele Menschen zwischen mir und G»tte! Wird wohl ein beurtheilender, unwandelbarer, scharfsinniger Verstand von dergleichen Beweisen gerühret seyn? Der Philosoph. Sie wollen mit einem einzigen Worte die Beweise niederlegen, die wir aufvringen: und ich will mit einem einzi, gen Worte jeden Ihrer Einwürfe umstoßen. Man saget Ihnen, Gott habe geredet; und Sie fragen: Zu wem? Er hat zu den Menschen geredet, weil er für die Menschen, redete. warum habe dann ich nichts davon gehöret? sage» Sie. Weil Sie zu derselben Zeit nicht gelebet haben; aber er har gesorget, daß Sie eben so sicher davon unterrichtet wurden, als wenn Sie dorrmals gelebet hätten. Mein Sie hätten lieber Gott selbsten gehöret. Ewig Schade, daß Gott nicht ihr Gutachten, und das Gutachten eines jeden einzelnen Klüglers eingeholet hat! Es hätte ihm nicht mehr Mühe gekostet. Sie haben Recht. Gotte kostet nichts eine Mühe. Es giebt mir auch «in Bißchen Wunder, daß Sie nicht fodern, Jesus Christus sollte neuerlich aufdie Erde kommen, um Sie selbst zu unterrichten. Sie wären vor der Verführung sicher gewesen. Ich weiß es einmal nicht. Die Wunderwerke und die Weissagungen sind eine Sprache, die nur allein Gotte zukömmt. Die Sprache Gottes kann Niemanden verführen: aber sie bekehret nicht allezeit hoffärtige, klügelnde Leute, die verschiedenen Leidenschaften ergeben sind. rvo sind diese Wunderwerke ? fragen Sie. In Büchern, von denen man augenscheinlich beweist, daß sie göttlich sind. Aber i74 Offenbarung. Aber diese Bücher sind von Menschen geschrieben worden. Sie sind von Menschen geschrieben worden; aber diese Menschen wurden vom Heiligen Gerste beseelet und geleitet. , wie viele Menschen zwischen mir und Gotte! rufen Sie zum Beschlüsse aus. Je mehr Menschen es zwischen Ihnen und Gokle gegeben hat, desto mehr Ungläubige hat es auch gegeben, welche die Offenbarung anstritten; desto mehr Männer und große Männer hat es gegeben, welche Gott aufrichtig anbetheren; und aus einem richtigen Folg- schlösse sollen Sie nun desto besser beleuchtet und überzeuget seyn. Der Deist. Die Weissagungen und die Wunderwerke sind nicht allezeit ein untrügliches Mittel zu bereden und zu überzeugen. Der Philosoph. Warum dieses? Der Deist. * Um zu entscheiden, ob eine Weissagung wahrhaftig von Gotte komme, muß man die Gesetze der Schicksale, die zufälligen Wahrscheinlichkeiten, die Stärke der Ursprachen gut kennen, damit man unterscheiden möge, was in diesen Sprachen eine Weissagung, und was nur eine verblümte Redensart sey. Auf gleiche Weise, um von einer Wunder- that zu urtheilen, muß man wohl wissen, was für Wirkungen in der Ordnung der Natur seyn, oder nicht seyn; man muß sagen können, bis auf welchen Grad ein listiger Mensch die Augen einfältiger Leute verblenden, und sogar verständige Leute in Verwunderung setzen könne; man muß erforschen können, von welcher Art eine Wunderthat sey" möge, * Lbmd, l;r. Seit. »ikk W i f!« k!chi i-lz- !!>. Aff l Offenbarung. 175 möge, und wie viele Glaubwürdigkeit sie haben solle, nicht allem, damit man sie glaube, sondern, damit man strafbar werde, wenn man daran zweifelt; man muß die Beweise der wahren und falschen Wunderkhaten vergleichen , und die schere Richtschnur ausfinden, sie zu unterscheiden; man muß endlich sagen können, warum Gott, um sein Wort zube, stängen, Mittel erwähle, die sechsten so sehr einer Besiäti, gung bedörfen, gleich als wenn er mit der Leichtgläubigkeit der Menschen scherzete, und mit Bedachte die wahren Mit, rel vermiede, sie glaubbar zu machen. Der Philosoph. Ein ganzer Tag würde nicht genügen, um auf alle Punkte, die ihre schöne Redekunst auskramet, unmittelbar und umständlich zu antworten: und etliche Beyspiele w m Augenblicks darlegen, wie schlecht sie gegründet seyn. Jesus Christus sagte die Zerstörung Jerusalems und die unwieder- rufi'.che Zerstreuung des jüdischen Volkes vor: unv vier, zig Jahre nach dem Tode Jesu Christi wurde Jerusalem zer, störet, und das Volk zerstreuet. Jakob sagte, siebmzehn hundert Jahre zuvor, den Zustand vor, in welchem sich die Abkömmlinge seines Sohns Judas bey der Geburt des Mes, stas befinden werden : und Menzehn hundert Jahre danach, bey der Geburt des Messias, war der Zustand, in welchem das jüdische Volk sich befand, also beschaffen, wie es Jakob geweissaget halte. Daniel sagte etliche Jahrhunderte früher die Folge und den Umsturz der Reiche der Perser, Griechen, Und Römer vor: und alles dieses geschah, wie er es angekündet hatte. O! die schöne Erfindung eines verrückten Ver« siandes, der uns hernach sagen will: Man muß die Ge, setze der Schicksale und die zufälligen Wahrscheinlichkeiten SM kennen, damit man entscheiden möge, daß diese Weis, sagnn, *76 Offenbarung. sagungen durch das Ohngefähr nicht bestätiget werden konnten. Eben also muß man von den Wundertaten schließen. Wenn Jemand sehen wird, daß ein Todter aus dem Grabe aufersteht, wie Lazarus, nachdem er vier Tage schon be, graben war; daß die Sonne in ihrem Laufe stille steht, wie sie auf das Geheiß des Ioftre stand; daß die Meere sich theilen , wie sie sich auf den Befehl des Moses theiken: so wird er nicht alle jene Umschweife von Anmerkungen, die Siefodern, vonnöthen haben, um überzeuget zu seyn,daß dieses wahre Wunderthaten sind; und er wird jene ungereimten und unanständigen Bemerkungen nicht machen, die Sie eben gemacht haben. Der Deist. ^ Damit die Weissagungen ein Ansehen hätten, wären drey Dinge erfoderlich, die unmöglich zusammentreffen können; nämlich: daß eben derselbe Mensch ein Zeuge der Weissagung gewesen wäre; daß er ein Zeuge des Erfolges würde; und daß er überzeuget-wäre, es habe dieser Erfolg nicht zufälliger Weise mit der Weissagung eintreffen können. Denn ohne dieß beweist sie nach der^Schärfe nichts. Der Philosoph. Ihr Vernunftschluß ist albern genug. Er bewiese, daß Gott niemals Weissagungen zulassen dörfte, die über die Lebenszeit eines Menschen hinausreichen, oder daß der Mensch alsdann der Mühe enthoben wäre, auf das Wort Gottes daran zu glauben. Merken Sie die wichtigen Folgen Ihrer ernsichlvoijW Grundsätze? Der ! «I * Ebend. 145. Seit. r?7 Ü!, di! Lit M I!t>! k«ß K« Offenbarung. Der Deist. ^ Was die Wunderthaten betrifft, wird man wohl erU-che sonderheirliche Zeichen, die vor wenigen schlechten Leuten geschehen sind, und von denen alle übrige M rffchen nichts anders, als vom Hörensagen wissen, für unumstößliche Wnn- derkhalen ausrufm? Wenn man in allen Ländern der Welt alle Wunderzeichen, welche der Pöbel und die Einfältigen gese, hen haben wollen, für wahre Wunderthaten angäbe, so würde eine jede Sekte dis rechte seyn; es würde mehr Wunder, als natürliche Begebenheiten geben. Ich glaube allzuviel an Gort, als daß ich an so viele Wunderchaten glauben Me, die für Gott so wenig anständig sind. Außerdem weiß man, wie groß die Arglist der Berrieger ist. Ihre Wunder werden auf Straßen, in Wüsten, in Kämmern gewirket; und da gewinnen sie leicht eine kleine Zahl Zu, schauer, die schon bereit sind, alles zu glauben. Der Philosoph. Wollen Sie von den evangelischen Wunderchaten reden? Der Deist. Ich rede von den Wunderchaten insgemein» Der Philosoph» Ich sehe es wohl: Sie getrauen Sich nur halb Ihren Gedanken merken zu lassen; und Sie geben das Uebrige gern zu machen. Aber antworten Sie, zu gefallen, auf etliche Fragen, die ich Ihnen stellen will. Hat Jesus Christus nicht wahre Wunderchaten in Kämmern, Wüsten, und aus Straßen gewirket? Har er nicht in Kämmern dis Schwiegermutter des heiligen Peters gesund gemacht, die Tochter eines Vorstehers der Synagoge auferwecket, das Wasser m Wern ' Ebend. i;4. Seit« N. Band. M *78 Offenbarung. Wein verwandelt? Hat er nicht in Wüsten die Brode durch ein Wunder vermehret, um ein zahlreiches Volk zu ernähren, welches ihm nachfolgete ? Hat er nicht auf den Straßen so viele Blinde, Lahme, Gichtbrückige geheilet? Und dennoch zeichnen Sie durch diese Umstände der Oerter die Wunder von Betrügern aus. Wollen Sie dann damit auf Jesum deuten? Der Pöbel und die Einfältigen, sagen Sie ferner, wollen viele Wunder gesehen haben, da ste doch nichts gesehen haben. Man fraget hier nicht, was der Pöbel und die Einfältigen allzu leicht glauben mögen. Es ist die Rede von den Wunderrharen, welche wir für Beweise der Offen, barung angeben, die in der heiligen Schrift enthalten, durch die Bekehrung der ganzen Welt bestätiget sind, und die wir als unverwerflich vertheidiqen. Sie sagen: Ich glaube allzu viel an Gott, als daß ich an so viele wunderthaten glauben sollte, die für Gort so wenig anständig sind. Die Wunderthaten Jesu Christi und der Apostel waren wohlthätige Werke: was sin, den Sie daran für Gott unanständig? Wollen Sie an die Wunderthaten Jesu Christi und der Apostel nicht glauben? Allein man beweist ihre Richtigkeit. Wollen Sie an andere Wunderwerke nicht glauben? Aber von diesen ist hier die Rede nicht. Endlich verwerfen Sie die Wunderzeichen, die vor wem, gen schlechten Leuten geschehen sind, und von denen alle übri, ge Menschen nichts anders, als vom Hörensagen, wissen werden. Aber wenn Gott vor tausend, zwey tausend Iah, ren Wunder hat wirken können, und in der Thar gewirtet hat, seist es nicht möglich, daß Leute, die erst tausend oder zwey tausend Jahre danach, auf die Welt gekommen sind, etwas Offenbarung. 179 etwas anders davon wissen, ais vom Hörensagen. Was jene wenigen schlechten Leute betätiget, vor denen dieWunder ge- schchen seyn sollen, so kann dieses für die Wunder der Offenbar rung nicht gelten: denn diese haben meistentheils die größeste Kündbarkeit, und Zeugen von allen Ständen gehabt. Der Deist. * Aber hier ist eine neue Schwierigkeit, worauf man, nach meinem Dünken, lticht leicht antworten kann. Jene, die sagen, daß Gott hier auf Erden Wunder wirke, behaupten auch, daß sie der Teufel manchesmal nachahme. Die Zauberer des Pharao getrauten sich, sogar in Gegenwart Moses, die gleichen Zeichen zu wirken, die er auf den aus« drücklichen Befehl Gottes thai. Also, nachdem man die Leh« re durch das Wunder bewiesen hat, muß man auch das Wunder Lurch die Lehre beweisen, damit das Werk des Teufels nicht für ein Werk Gottes angenommen werden möge. Was denken Sie von diesem Dialele? Der Philosoph. Ich denke, daß Sie nicht viel Grundes haben. Sich damit groß zu wissen; denn es ist nur ganz baufällig. Wenn man Ihren Saß in seinem Ganzen nimmt, so ist es erzfalsch, daß die Zauberer des Pharao eben dieselben Zeichen, wie Moses, gethan haben. Sie ahmeten zwar die zwey ersten nach: aber schon beym dritten gestanden sie, daß sie nicht im Stande wären, dasselbe nachzuahmen, und daß Gott allein dergleichen Wunder wirken könnte: ^ Lt äixorunt mslekci: äiZitus Oei eli die. Der ' Emil. z. Land. i;L. Seite. " ». Moses VM. M » i8o Offenbarung. Der Deist. * Es ist so augenscheinlich, mein Herr! daß die Wunder, thaten nichts beweisen, daß Moses den Hebräern ausdrücklich verbotß, darauf Acht zu habe». Man findet dieses Verboch im dreyzehnten Kapitel des fünften Buchs Moses, wo es heißt: Wenn ein Prophet, der fremde Götter verkündiget, seine Reden durch Wunder bestätigt, und wenn geschieht, was er weissaget, soll man nicht allein daraufkeine Acht ha» ben, sondernden Propheten ums Leben bringen. Wenn also die Heyden die Apostel ums Leben brachten , die ihnen einen fremden Gott verkündigten, und ihre Sendung durch Weissagungen und Wunder bewiesen; so sehe ich nicht, daß man ihnen mit Grunde etwas einwenden dorste, was sie nicht Augenblicks wider uns kehren konnten. Nun, was läßt sich in einem solchen Falle thun ? Vernunftschlüsse brauchen, und die Wunder fahren lassen. Es wäre besser gewesen, man hätte sie niemals gebrauchet. Dieß ist der einfachste Menschenverstand/ den man nur durch eitel Unterscheidungen verdunkelt, die zum wenigsten sehr spitzfindig sind. Der Philosoph. Mein Herr! Sie wollen Sich nur auf den einfachsten Menschenverstand steuren. Aber heißt Sie dann dieser einfachste Menschenverstand, einen der größesten Männer und der größesten Propheten, die man kennet, mit Marktschreyern, Wahrsagern, Zigeunern vergleichen ? Heißt Sie dieser Menschenverstand,das Predigtamt der Apostel mir dem Geschwätze eines Verführers, welcher den Götzendienst predigte, in eine Reihe Men? Heißt Sie der Menschenverstand, in dem Texte des Moses Veränderungen wagen, die in die Augen fallen ? O ßi»« N »k « «i di ! Kü Moses ^ ^ * Cmil. z Land. lzs. Seit, Offenbarung. rgi V7oses hatte im eilften Kapitel des fünften Buches Len Israeliten die rührenden Wunder, welche der Herr vor ih« ren Augen gewirtet hatte, zu Gsmüthe geführet: im zwölften hatte er ihnen gebothen, alle Denkmäler des Götzendienstes auözurotten, und niemals einen Gebrauch von den Götzendienern anzunehmen, wann ste in das gelobte Land gelanget seyn würden: und im drei,zehnten; worauf Sie Sich berufen, warnet er sie vor den Verführern und Wahrsagern, welche sie durch ihre Reden zum Götzendienste verleiten möch, ten; und man vernehme, wie er sich ausdrücket. Daftm unter euch ein Wahrsager, oder ein Mensch erscheint, der saget, er habe einen Traum gehabt, der ein Zrichen oder eine außerordentliche Sache vorsaget, wenn nachmals geschieht, was er geweissaget har; und wenn er zu euch spricht: kommet, und bethet fremde Götter an; so hütet euch. diesem Wahrsager oder Trau» mer Gehör zu geben« Der Herr prüfet euch, damit es deutlich erhelle, ob ihr ihn aus euerni ganzen Herzen liebet, oder nicht. Der Wahrsager oder Traumdeuter aber soll ums Leben gebracht werden, weil er euch hat ab- trinnig machen wollen. Also lauter der Text des Moses: wir wollen ihn nun ge, gen Ihre Worte halten. Sie setzen allezeit glatthin das Wort: P ophst, welches verschiedener Deutungen fähig ist; und Moses füget jederzeit diesem Worte Len Namen: Träumer oder Traumdenrer bey, wodurch ein ganz verschiedener Begriff entsteht, als der Ihrige ist. Sie sprechen von einer Einladung zum Götzendienste, die durch Wunder bestätiget wäre; und Moses nimmt diese Wunder nicht für wahrhaft, wirklich, und unverwerflich an: er setzet nur den Fall , daß jenes, was ein Wahrsager geplaudert hat, ohngefähr oder M z durch 182 ^ Offenbarung, durch Zaubereyen wohl geschehen könnte; und er setzet jene unstreitigen und hellleuchkenden Wunder dagegen, welche der Herr gewirket har, und durch welche die Hebräer überzeuget und befestiget werden sollten. Darf man da sagen, daß die Wunderrhaten durchaus nichts beweisen ? Nachmals wollen Sie die heydnischen Verfolgungen ent, schuldigen. Aber was denken Sie, mein Herr! Merken Sie nicht, wie sehr Sie Sich von ihrer Abneigung gegen die geoffenbarte Religion verblenden lassen? Die Heyden kannten Gott, ihren Schöpfer, nicht; sie begiengen einen abscheulichen und ungereimten Götterdienst; sie gaben sich den gräulichsten Ausschweifungen Preis. Die Apostel lehreten sie den wahren Gon erkennen, predigten ihnen eine heilige Religion, brachten ihnen eine ganz reine Sittenlehre bey, uns bestätigten ihr Predigtamt durch Weissagungen und hells'keinende Wunderwerke: und Sie behaupten, die Heyden haben eben so viel Recht gehabt, die Apostel ums Leben zu dringen, weil sie ihnen diese heilige Religion geprediget ha, den, als Moses hatte, dieses Urtheil über Verführer zu fal, len, welche den Hebräern den Götzendienst geprediget hätten. Heißt dieses unterrichten und beleuchten? heißt es nicht im Gegensätze verführen und bekriegen? Der Deist. * Wie soll ich mit den Offenbarungen zu Rechte kom, > men? Ich sehe drey Hauptreligionen in Europen. Eine läßt nur eine Offenbarung zu; die zweyte nimmt zwo an: die andere läßt drey gelten. Eine jede verabscheuet und versiu, chet die zwo andern, und giebt ihnen Blindheit, Verstockung, Hartsinnigksit, Unwahrheit Schuld. Wo ist ein unpartey« sicher Mensch, der über sie den Ausspruch zu thun waget, > wenn ßD!l l! « l« » Cm!l.Band. 149. Seit. Offenbarung. ' r8z wenn er nicht zuvor ihre Beweise gut überleget, ihre Beweggründe gm vernommen har ? Jene, die nur eine Offen, tarung zuläßt, ist die älteste, und scheint die sicherste zu ftyn; jene, die drey gelten läßt, ist die neueste, und scheint die ' Unwidersprechendste zu ftyn; jene, die zwo annimmt, und die dritte verwirft, mag wohl die beßre ftyn: aber es streiten gewiß alle Vorurthetle wider sie; der Widerspruch fällt in die Augen. Der Philosoph. Es ist eben so leicht, milden Offenbarungen zu Rechte zu kommen, als Ihre kühnen und beißenden Aussprüche zu widerlegen. Sie sehen ohne Bedenken die jüdische, christli, che, und mahomttanische Religion in eine Reihe« Ist ein solches Urtheil Ihrer Redlichkeit oder Ihrer Einsicht nach, theiliger? Ich entscheide es nicht. Aber vernehmen Sie, wie man von diesen Religionen urtheilen könne, und urlhei, len solle. Die jüdische Religion ist durch die größesten Wunder gepflanzet worden: aber sie diente nur zur Erwartung und Vorbereitung einer vollkommnern Religion, welche die Religion des Messias war. Alle Propheten haben es also erklä, ret. Diese Religion ist für eins Weile gut gewesen; aber sie dorfte es nicht beständig ftyn. Widerlegen Sie meine Aussage, wenn Sie es vermögen. Die christliche Religion zieht ihre größesten und stärksten Beweise aus den Weissagungen,welche in der heiligen Schrift enthalten sind, die von den Juden aufbewahret wird. Ich glaube, Sie würden Sich nicht unkerwinden, die vortrefflichen Werke zu bestreiten, welche über diesen Stoff geschrieben wor, den sind, wie die Werke Abbadiens, Ludervigs Vives, Bos- suets Rede von der allgemeinen Geschichte, u. s» w. M 4 Die ;84 Offenbarung. Die Religion der Musulmänner hat weder Weissaguw gerr, noch Wunder gehabt: sie ist allein durch die Gewalt gestiftet worden: sie erhält sich allein durch die Unwissenheit und den Mangel der Untersuchung. Dreß ist bewiesen, und die Musulmänner sechsten müssen es gestehen. Sie fragen: wo ist ein unparteylicher Mensch, der über sie den Ausspruch zu thun waget, wenn er nicht ihre Beweise gut überleget, und ihre Beweggründe gut vernommen hat? Ein unparteylicher Mensch wird den Ausspruch thun, daß alle Weissagungen und Beweise, worauf sich vormals die jüdische Religion gründete, hem zu Tage wider siezen» gen; daß die mahomeranische Religion sich niemals bloß gegeben hat, einige Beweise aufzubringkn, oder von ihrer Pflanzung, ihren Lehrsätzen, von der Sendung ihres Stifters eine Rechenschaft zu geben, und daß niemals ein türkischer Lehrer sich unterfangen hat, die Wahrheit seiner Ru ligion zu beweisen; daß die christliche Religion die spihfin- digsien Grübler, die gefährlichsten Verrärher, die fürchterlichsten Mächte zu Feinden gehabt hat, und allen widerstanden ist; daß sie niemals si^reiche?erschienen ist, als da sie sich aus jenen verschiedenen Prüfungen und Kämpfen entwand; und daß sie, bey aller Erhabenheit ihrer Lehrsätze, und bey aller Strengheit ihrer Sittenlehre, ihre Widersacher allezeit zu Schanden gemacht hat, da sie Beweise an die Hand both, und die Gründe ihres Glaubens, ihrer Gesetze, und ihrer Regie- rungsarc entdeckte. Nach dieser Aussicht sollen Sie in der Be- Mtheilung jener drey Religionen zu Werke gehen. Sie erkühnen Sich noch zu sagen: Die jüdische Religion scheint die sicherste, die mahometanische die unrvv derspre- Offenbarung. »85 dersprechendste zu seyu; wider die christliche streiten alle Vorurtheile, und ihre Widersprüche fallen in die Augen. Sie geben die erste für die sicherste an; und es ist aus allen Weissagungen bewiesen, daß sie schon hat zu Ende gehen müssen; und daß sie nicht mehr Statt haben kann. Sie behaupten, daß die zweyke die unwidersprechendste sey. Sie sind verrvägener, als es der Muphti nicht styn würde. Diese Religion soll die unwidersprechendste seyu ; und dennoch «kennt sie Iesum Christum für einen Gesetzgeber, der von Gotte gesendet ist, und sie will nichts von seinen Verordnungen oder von seinen Gesetzen annehmen ; sie läßt eine Menge jüdischer Gebräuche und Satzungen zu, und hat vor dem Iudcnchume einen Abscheu. Sie thun den Ausspruch, daß wider dis dritte alle Vorurtheile streiten, und daß ihre Widersprüche in die Augen fallen ; gleichwohl gestehenSie, * büß die Herrlichkeit der Schrift, worauf sie gegründet ist. Sie in Erstaunen und Bewunderung sehe; daß die Heiligkeit des Evangeliums Ihnen ins Herz rede; daß das Leben und der Tod Jesu Christi göttlich siyn. Vergleichen Sie Sich mir Sich sechsten, wenn Sie es vermögen. Der Deist. ** Wenn auch die Offenbarungen wahr wären/ würde ich dadurch mehr beleuchtet und gesichert seyu ? Die geistlichen Bücher sind in Sprachen geschrieben, dis jenen unbekannt sind, welche ihnen Folge leisten. Die Inden verstehen das Hebräische nicht mehr; die Christen verstehen weder das Hebrä.sche, noch das Griechische; die Türken und die Perser verstehen das Arabische nicht; und die heutigen Araber * Emil. Land. 16z. Seit. * * Ebend. - 50. Seit» M; 186 Offenbarung, ber reden nicht mehr die Sprache mahomers. Ist dieß nicht eine recht natürliche Art die Menschen zn unterrichten, wenn man immer mit ihnen eine Sprache redet, die sie nicht ver» stehen? Man übersehet diese Bücher , wird man sagen. Schöne Antwort! Wer wird mich versichern,daß diese Bücher getreulich übersetzet sind; ja daß es möglich ist, daß sie es seyn? Und wenn Gon den Menschen so viel thut, daß er zu ihnen redet, warum muß er eines Dolmetschers vonnöchen haben? Ich werbe niemals begreifen, daß etwas, so ein jeder Mensch zu glauben schuldig ist, in Büchern verschlossen sey, und das Jemand, der weder zu diesen Büchern, noch zu Leuten, die sie verstehen, zu gelangen Gelegenheit Hst, für eine unwillkühr« liche Unwissenheit gestrafet werden solle. Der Philosoph. Ich begreife sehr wohl, daß Gott, aus Weisheit und Liebe gegen die Menschen, ihnen hat ausdrückliche Gesetze und Geborhe geben können. Ich sehe nichts dabey, was den Begriffen seiner unendlichen Vollkommenheiten widerspräche. Wenn er es gekonnt hat, so haben diese herrlichen Gesetze, und göttlichen Gebvrhe in Büchern und Denkmälern enthal, ten seyn müssen, welche ihr Andenken fortpflanzen sollten, und die man zu Rache ziehen und mit Fleiße durchforschen möchte. Aber diese geistlichen Bücher sind in Sprachen ge, schrieben, die jenen unbekannt sind, «reiche sie besitzen. Die Heiligen Bücher, wird man Ihnen sagen, sind in der Sprache geschrieben worden, welche die Völker redeten, an die die Offenbarung gerichtet war. Die Propheten haben für die Hebräer Hebräisch, die Evangelisten für die Juden und Griechen hebräisch und griechisch geschrieben. Die Sprachen sind seit derselben Zeit zwar verändert worden; allein r Offenbarung. 187 lein der Urtext wurde bebaken, und man hat getreue Ue- berfeßungen davon. Aber wer wird mich versichern,daß -ieBücher getreulich übersetzt worden sind; ja daß es möglich ist,daß sie es seyn ? Mein Herr! Zur Zeit Jesu Christi und der Apostel waren die lateinische und griechische Sprachen im-Reiche gleich bekannt und gebräuchlich, wie das Französische Heut zu Tage im Teutschlande ist. Eben also verhielt sichs in Palästinen mit dem Griechischen und Hebräischen. Es war dann eben so leicht,gute lateinische Uebersehungen von griechischenBüchern, und gute lateinische und griechische Uebersehungen von hebräischen Büchern zu haben, als man heut zu Tage eine gute temsche Ueberseßung eines französischen Buches haben kann. Allein die Christen, sagen Sie ferner, verstehen weder hebräisch, noch griechisch. Ey! wer hat es Ihnen gesagel? Haben Sie wohl so viele Gewalt allen christlichen Völkern auf diese Weise Unwissenheit Schuld zu geben ? Werden alle jene vortrefflichen Uebersehungen von griechischen Schriftstellern, dis seit zweyen Jahrhunderten geliefert worden sind, beweisen, daß Ihr Vorwurf, den Sie La machen, gut gegründet sey? Ich könnte noch beysehen, Laß er nicht allzu höflich sey. Aus all diesem soll man schließen, daß Ihre Einwürfe die Um gründlichkeit der Sache, die Sie zu behaupten wagen, und die unumstößliche Richtigkeit der Sache, die wir verchei, Ligen, nur noch besser an den Tag legen. Fortsetzung der Einwürfe der Ungläubigen. Der philosophische Kriegsmann greift die Offenbarung anders an, als der Deist. Ec geht mit lauter sogenannten Grnnvsäßen und sogenannten Wahrheiten zu Werke, die mir einander verknüpfet fty n sollen. Er maßet sich einer Klm Selung der Mechavhysik an, welche im ersten Augenblicke hinter- 188 Offenbarung, hintergehen könnte. Wir wollen zeigen, daß alle seine Metaphysik nur für Unwissende zu fürchten, und vor den Augen von Leuten, die Vernunstfchlüsse zu machen, und zu »erhellen wissen, sehr verächtlich sey. Man sehe, wie die, ser vermummte Mann zu Werke schreitet. 1 . * Die Mittel müssen mit den Eigenschaften und der Natur desjenigen, der sie brauchet, ein Gleichmaaß ha, ben. wenn Gott seinen Willen den Menschen har kündbar machen wollen , so ist er unendlich weise; er hat die beßten Mittel erkannt: er ist unendlich mächtig ; er hat sie annehmen können: er ist unendlich gerecht; er hat sie dann wirklich angenommen. Laßt uns sehen, ob Bücher, Worte, Reden , Aussprüche, die von Menscheu vorgetragen werden, die beßten Mittel seyn, und ob diese Mittel eine richtige Beziehung auf die göttlichen Vollkommenheiten haben. * * * Was will dieser Mann durch die Worte sagen: Die Mittel müssen mit der Natur desjenigen , der sie brauchet , ein Gleichmaaß haben ? Will ec sagen, weil Gott unendlich ist/ so müssen die Mittel, die er brauchet, um einen Endzweck zu erreichen, gleichfalls unendlich seyn? Dann ist es eine grobe Ungereimtheit. Will er nur sagen, sie müssen für Gott anständig, und zum Endzweck?/ den er sich versetzet , tauglich seyn ? Dann ist der Ausdruck eines Gleich» maaßes sehr unrecht angebracht. Es stecket also nichts als Falschheit und Doppelsinn unter seinen großen Worten und stolzen, Machrsprüchen. Gott * Phil. Rriegsm. 15. Rap. Offenbarung. 189 Gott ist unendlich weise; er hat die beßten Mittel erkannt, welche freyen Geschöpft« anständig waren: er ist um endlich gerecht; er hat solche Mittel erwählet, wie sie freye Geschöpft von seiner Gerechtigkeit erwarten und verlangen konnten. Diese Freyheit muß man niemals ans dem Ge, sichte lassen, wann man von der Weisheit und Gerechtigkeit Gottes in Absicht auf die Geschöpft redet. Nun aber, die Kennjkichen der Weisheit und Gerechtigkeit, also betrachtet, befinden sich vollkommen in jenen Mitteln, die Gott gewäh, lel hat, um die Menschen zu unterrichten. II. Line unendliche Weisheit kann keine andern, als untrügliche Mittel wählen: allein die Vernunft erken, net augenscheinlich, daß ein Buch nicht in Jedermanns Hände gelangen kann; daß es kann verloren gehen, oder verfälschet werden; daß es alle Völker nicht ver, stehen können; daß ein jeder Mensch nicht lesen kann; daß es Blindgebohrne, Taube, Stumme giebt , die nichts lernen können. So ist dann ein Buch kein allger meines und kein sicheres Mittel, um zu unterweisen. Neuer Doppelsinn, der eben so elend, als der vorher« gehende ist! Der betrügliche Sophist vermenget boshafter Weise die Unrrüglichkeit der Mittel, die für fteye Geschö, pft tauglich sind, mit der Nochwendigkeit der Wirkung. Die Mittel müssen untrüglich ftyn; das ist: sie müssen fähig ftyn, freyen, aber redlichen, lenksamen, und gutgesonnenen Geschöpfen, die Wahrheit zu erweisen. Nun, die göttü. chen Bücher.und die Verkündigung der göttlichen Gesetze siad also beschaffen. Aber, da die Geschöpft ftey sind, weich.» dU ft iss Offenbarung. diese Mittel angebothen werden , so müssen diese Mittel eben nicht eine norhwendige Wirkung haben. Man giebt keine Antwort auf jene marktschreyerischen Vorträge: Lin Buch kann verloren gehen; ein jeder Mensch kann nicht lesen. Der Glauben ist nicht auf ma« terialische Bücher gegründet; sondern auf die Wahrheiten, die in diese» Büchern vorgetragen, enthalten, und bewiesen sind. Man leget die Glaubwürdigkeit und Göttlichkeit der heiligen Schrift an den Tag. Der Marktschreyer mag auf die Beweise antworten, die wir davon in dem Artikel: Bi» bel, auf die Bahne bringen. 111 . Die Ueberseyungen, die Verdollmetsibungen, die Auslegungen der Goltesgelehrten. die predigten gewis» ser Leute ohne Beruf, mit verschiedenen Fähigkeiten und ungleichen Graden des Glaubens, welche den Leidenschaften unterworfen u. s. w. sind r all dieses ist noch weit weniger untrüglich. * » * Die Auslegungen und Erklärungen sind keine Nicht» schnür deöGlaubens. Die Übersetzungen haben erst dann ei» ne Gültigkeit, wann sie von der ganzen Kirchengemeine gutgeheißen sind. Ihr Ansehen kömmt also nicht von den Privatpersonen her, die daran gearbeitet haben. Der Kir» chenrath von Trient erkläret, daß die Vulgata die sicher» sie Übersetzung sey, und daß keine Jrrchümrr, wider den Glauben oder wider die guten Sitten, in ihrem ganzen In» halte sich befinden. Dieß machet die Gültigkeit und Un» trüglichkeit der Vulgata aus. M- ' ich I I A 1 »I A « INt di« h hili B A V Offenbarlmg. 19» lV. Jene, die sich so sehr bestreben, wider ihre Vernunft zu streiten , werden vieleicht bey der Erfahrniß nicht blind bleiben können. Sie dörfen nur auf die Zänke, re^en aller jener Diener des Herrn, jener Ausleger des Gesetzes horchen; sie werden hören , wie sich diese «echselsweise ihre Hartsinnigkeit, ihre Unwissenheit, und ihre Unredlichkeit vorwerftn : sie mögen hernach ihre Augen eröffnen, so werden sie sehen, was für Uni heil ihre Zänkereyen stiften. * . * Man wirst den Lehrern der Religion vor, daß sie mit einander nicht Eines werden. Darauf giebt man zweyer, ley Antworten. 1. Sind die Feinde der Religion viel besser mit einander Eines? Der tollsinniqe Rriegsmann verfluchet easEvan, geliuni; der Deist von Genf fluchet auf jene, welche die Heiligkeit des Evangeliums nicht erkennen; Helvetius will keine andere Grundsätze der Sittenlehre, als das physische Vergnügen; panagius zeiget ihm, daß dieser Grundsatz alle Gesellschaft zerstöret; Spinoza will in seinen düstern Ausschweifungen keinen Gott haben; Voltaire, der über alles spottet, was immer heilig ist, will keinen Atheisten dulden. Sind die Gegensätze und Widersprüche bey den christlichen Lehrern auch von so großer Stärke! 2. Was die Verschiedenheit der Meynungen bey den christlichen Schriftstellern betrifft, gehen diese Meynungen entweder den Glauben an, oder sie gehen ihn nicht an. Wenn sie den Glauben angehen, so darf allein die Kirche den Aus, spruch thun; und ihre unlenksame Unduldsamkeit in diesem Stücke ist der größeste Beweis von ihrer Heiligkeit, und von der 5 i 92 Offenbarung. der Gewißheit ihrer Lehre. Wenn sie den Glauben nicht an. ^ ^ gehen, so gestattet sie die Freyheit der Meynungen. Es ist ^ ,, ihr wenig daran gelegen, ob man ein Scotist, oder ein E Thomist, oder ein Molinist sey,v wenn man nur ein Ra- ^ tholik ist. Der Vorwnrf, welchen der falsche Kriegsmann über das Unheil, das durch die Zänkereyen gestiftet wird, noch ^ Leysthkt, ist eine alte Klage, die keine andere Antwort ^ mehr, als die Verachtung verdienet. ^ V. wenn Gott eigene Diener hätte, so hätten alle einen ohngefähr gleichen Grad der Fähigkeit; die weihun, gen, die Auflegung der Hände würden sie gelehrter und ordentlicher in ihrem Wandel machen. Man saget uns, daß ein jeder Priester gleichfähig sey, das Brod Jesu Christi zu wandeln, zu raufen, zur Ehe zu verbinden, ledigzusprechen, u. s. w. Warum sollte er es nicht auf gleiche weise seyn, das Evangelium zu verstehen und zu erklären? Dieß schlägt eben so wohl in seine Amtspflicht ein. Dennoch getrauet man sich nicht, es zu be, haupten: die Erfahrung würde den Gegemheil beweisen. Ich will wohl sagen, was im Mittelpunkte der Erde sey; ich will es sogar umständlich herzählen, wenn man es verlanget, weil mich Niemand der Falschheit überzeugen kann: aber ich werde nicht so thöricht seyn zu sagen, was mein Nachbar in der Tasche hat. «P ßil>! ich Ä ' ; Hier sieht man Sähe zum Lachen von einer ganz neuen Art. Wie würde dieser Kriegsmann beweisen, daß alle Diener Gottes einen ohngefähr gleichen Grad der Fähigkeit Haben ^ iß lil !l! H O Liü B Offenbarung. ,9z haben sollten? daß sie die Weihung gelehrt und ordentlich in ihrem Wandel machen solle? daß ein jeder Priester eben so fähig seyn solle, das Evangelium zu erklären, als die Wone der Wandelung oder der Ledigsprechung auszusvrechen? Der heilige Apostel Paul berichtet uns den Gegensatz. Man kann in seiner ersten Epistel an die Korinther * umstäud- lich sehen, was für verschiedene Gaben und Fähigkeiten die Diener Gottes haben. Aber, mein Herr Kriegsmann! könnte ihm ein verstän, diger Mann sagen: wir fassen, daß Gott die Menschen brauchet, wie ein kluger Fürst seine Unterhalten brauchet. Wenn ein König einem Unterkhanen ein gerichtliches Amt giebl, so giebt er ihm zwar die Macht zu richten; aber their let er ihm zugleich die Sitten, die Weisheit, die Einsicht, die Rechtschaffenheit, die Wissenschaft der Gesehe mit? Die Macht ist ganz unabhängig von der Wissenschaft. Das Unheil mag sehr gut seyn, wenn gleich der Richter ein um gesitteter oder unwissender Mann ist. In der Religion kömmt die Wandlung, die Ledigsprechung von der Gewalt des Priesters; die Erklärung des Evangeliums kömmt von der Wissenschaft her. Im übrigen reden Sie von der Religion auf gleiche Weise, wie Sie sagen, daß Sie von dem, was im Mittelpunkte der Erde ist, reden würden. Sie sind in einem so gut als im andern gegründet, und verdienen in beyr den gleich viel Gehör. Vl. Entweder hat Gott den Menschen kein Gesetz gegeben , oder er hat ihnen ein verständliches und nicht ma- terialisches gegeben; ein Gesetz das allezeit gegenwärtig ist, * XII. ii. Band. N l >94 Offenbarung. ist, und das Gemüth wie den will n angeht; ein Ge< setz, daß die Tauben und Blinden erlangen und erkem nen mögen, das der Unwissenheit keine Statt läßt; mit einem Worte, ein Gesetz, daß jedem Menschen kund ge< macht und eingegeben wird. Dicß vergleicht sich mit der Güte, Weisheit, und Gerechtigkeit eines Wesens, wie man uns Gott vormalet. Es ist unanständig für ihn, Gesetze zu machen. Gedothe einzuführen, und Räche zu geben, von denen man nichts versteht, wenn man nicht Hebräisch, Syrisch, Griechisch, Lateinisch kann, und wenn man nicht tausend Bände von Auslegungen, Ern klärungen, und Verdollmetschungen gelesen hat. * * * Herr Kriegsmann! Es kömmt hier weder aufs Hebräische oder Syrische, noch auf tausend Bände an. Das Gesetz , welches Gott den Menschen gegeben hat, und das alle Menschen verstehen können, ist in diesen zweyen Worten enthalten: * Liebe Gott; liebe den Nächsten. Wir haben gewiesen, daß es die Menschen weder erkennen, noch erfüllen wollten; daß es uns das Evangelium nur klärer entwickelt ; daß uns Jesus Christus besser zu erkennen gegeben har, wie dringend wir verpflichtet siyn, und wie viel uns daran gelegen sey, dasselbe anzunehmen; daß er uns die Mittel umständlich an die Hand gebokhen hat, welche nnS zur vollkommenen Erfüllung dieses Gesetzes leiten. Dieß sind klare und unstreitige Wahrheiten. Siü lasse!« Sich beygehen, von der Güte, Weisheit, und Gerechtigkeit Gottes zu reden. Wissen Sie, daß er uns Beweise gegeben hat, von seiner unendlichen Güte durch die Sendung seines einzigen Sohnes; von seiner unendlichen Weisheit durch die vollkommene Uebereinflimmung seines G« seheS DA rBH -K ick W !Ä>i M U Ä iS !i »> «Matth, xxn. Offenbarung. rsz seßes mit den Bedürfnissen und Pflichten des Menschen; von seiner unendlichen Gerechtigkeit in den Belohnungen, welche er der gottseligen Treue der Frommen Vorbehalt, und in den Strafen, die er der stolzen Unbiegsamkett der Gottlosen bereitet? Diese Aussicht der göttlichen Gesetze, und der unendlichen Güte, Weisheit, und Gerechtigkeit Gottes, ist ungleich anständiger für Gott, als alles, was uns der gottlose und ausschweifende Unsinn der Phrls'jöphen verplaudert. VII. was die Diener, Gesandten, und Statthalter Gor, tes belanget, so wäre vonnöthen, daß sie alle andere Menschen übe-treffen, und alles das seyn sollten, was sie nicht sind, wenn der Röntg seine Minister und seine Bochschaftec erschaffen könnte, würde er sie ohne Zweifel so vollkommen machen , daß nichts an ihnen fehlere, um ihre Aemter gut zu verwalten. Es kostet den Kriegsmann nicht viel zu sagen r Es wäre vsnnöthen. Aber wenn er es beweisen müßte, würde er sich hart ans der Schlinge ziehen. Dergleichen Sprüche und Vorträge verdienen nicht, daß man sich Labey aufhalre» Ist hernach sein Vernunftschlnß gescheuter, wann er einen König und Gorr, in Absicht auf ihre Diener und Borh, schafter, vergleicht ? Der Leser mag davon urtherlen» Wer sind die Gesandten gewesen, die Gott gebrauchet har ? Pro, pheten, dir vom heiligen Geiste selber erleuchtet und beseelet waren: Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gort sechsten, der über alle Dinge gesegnet wart endlich die Apostel, welche mit der Macht, der Stärke, und dem Geiste Gottes ver« N s sehen i9§ Offenbarung, scheu waren. Niemals haben die Fürsten so vollkommene Bochschafter gehabt, die so fähig gewesen wären, ihre Amts, pflichten zu erfüllen, als diese. Niemals haben Bothschaf, ter den Wrllen ihrer Herren so gut erfüllet, als die Apostel den Willen des Gottmenschen erfüllet Haben. Die Nachfolger der Apostel haben dis Menschen nichts Neues lehren, und ihnen nichts Neues offenbaren dörfen. Sie haben nur die Pflicht gehabt, die nämliche Lehre zu er, hauen und fortzusehen, und sie haben sie erhalten und fort- gepflanzet. Aber zu dieser Fortpflanzung haben sie nicht alle dieselben Gaben, und alle dieselben Vorrechte vonnöthen ge, habt, welche die ersten Gesandten besessen Hatten. Es bleibt dann allezeit wahr, daß diese Gesandten und Diener Gottes wahrhaftig also beschaffen gewesen sind, wie es die unendliche Weisheit Gottes erfoderte. VIII. Der Kriegsmann zieht nachmals seine ganze schöne Lehre in folgende zween Schlußgründe zusammen, die er herzhaft für überzeugende Gründe ausgiebk: Erster Schlußnrund. Die Mittel haben ein Gleich, maaß nnr der Natur und den Eigenschaften desjenigen, der sie brauchet. Menschliche Bücher und Reden, sind keine Mittel zur Unterweisung, die für Gott anständig, oder seiner Weis, heit, Allmacht, und Gerechtigkeit angemessen wären. Folglich können Bücher und Reden der Menschen die Mittel nicht seyn, welcher sich Gott bedienet, oder sich hät?e bedienen können, um die Menschen seinen willen zu lehren. * * * Dieser Offenbarung. 197 Dieser überzeugende Schlußgrund ist nichts, als ein sehr mangelhafter Trugschluß. Denn wir haben die Falschheit des Vordersatzes bewiesen. Da nun dieser Sah der Grund ist, worauf sich der ganze überzeugende Schluß steurek, so stoßen wir den ganzen Schluß um, wenn wir die Falschheit dieses Satzes zu Tage legen. 2. Der Berrieger bringt in den Mittersaß einen Aus, druck, der in dem Vordersätze nirgends steht, ob er schon darinnen stehen soll; nämlich: für Gott anständig. Allein dieser Ausdruck kömmt mit dem Ausdrucke des Gleichmaaßes keineswegs Übereins. Denn es kann eine Sache für Gott anständig seyn, ohne daß sie ein Gleichmaaß mit Gotte hat. Das Wunderwerk und die Weissagung sind Zeichen, die für Gott ganz anständig sind; aber sie sind nur endliche Dinge, welche folglich mit der unendlichen Natur Gottes kein Gleichmaaß haben. Dieß ist ein zweyter Fehler, der den Schlußgrund ein Bißchen hinken machet. IX. Zweyter überzeugender Scklußgrund. Go« schlägt allezeit die kürzesten und einfachesten Wege ein. Menschliche Bücher und Reden sind nicht die einfa» chesten und kürzesten Wege« Folglich sind Religionen, die auf menschliche Bücher und Reden gegründet sind, nicht durch Wege gekommen, die für Gott anständig sind: sie kommen also nicht von Gotte her. Die Gerechtigkeit und Weisheit Gottes beweisen meinen Vordersatz: ich glaube nicht, daß ein verständiger Mensch den Mittersay verneinen könne: Sie mögen zu- sehest, hochwürdiger Herr! ob Sie den Schlußsatz verneinen wollen. * * * N z Dieser Offenbarung. Dieser Schlußgrund hmker noch mehr, als der vorige; denn es ist nichts schwerer, als sich einen recht bestimmten und richtigen Begriff von diesen Ausdrücken zu machen: Die kürzesten und einfgchesten Wege. Zu ' resem Ende müßte man den Endzweck, und alles, was der Endzweck enthält, den sich jemand in einer Handlung verstecket, vollkommen erkennen: man müßte alle Mittel erkennen, die er hat, um zu diesem Endzwecke zu gelangen, und alle Beweggrüm Le, welche ihn antteibrn, die Mitte! zu wählen, damit er dazu gelange. Wenn aber jener, der die Handlung verrich, M, unendlich ist, wird sich wohl ein Mensch schmäucheln können, alle die Eckenmnisse zu besitzen, von denen wir reden? Es ist dann unmöglich, von diesen Ausdrücken: die kürzesten und einfachsten Wege, sich einen recht bestimmten und richtigen Begriff zu bilden; besonders, wenn man diese Ausdrücke in Absicht Gottes brauchet. Aber dreß ist noch nicht alles. Da Gott unendlich ist, kann man nicht zweifeln, daß er eine unendliche Menge Wege , die Menschen zu unterweisen gekannt Habe, und daß alle diese Wege für ihn anständig gewesen seyn. Man kann nicht zweifeln, daß es ihm ftey gestanden sey, eine Wahl z» treffen. Es ist möglich, daß er die Menschen durch Bücher hat unterweisen wollen» Ich fodre den Krregsmann auf zu beweisen, daß dieses unmöglich sey. Wenn er es konnte, so darf man sitzen, daß er es gewollt habe. Man kann von der Hypothefis zur Lhests übergehen; das ist: man kann es anstatt des angenommenen Satzes glatthin bejahen, wenn man dazu genügsame Beweggründe Hat. Nun aber, die Christen weisen auf, daß man es thun muß, und daß Gort dre Menschen Lurch Bücher und Reden wirklich unterweisen wollte, und wirklich unterwiesen hat. Wenn dieses ist, L Os D Offenbarung. ryy ist, so steht man, daß der Schlußgrund nichts mehr bedeute : und zum Beschlüsse unsrer Antwort sagen wir: Der Vordersah, welcher dem V. Müllebranche abgebor, get ist/ der ist sehr dunkel, weil man von den Ausdrücken, woraus er besteht, keinen recht bestimmten und richtigen Begriff haben kann; man hat also darauf keine Achtung zu geben. Den Mittersah wird ein jeder Mensch verneinen, der um lerwielen ist , und Vernuuftschlüsse zu machen weiß. Der Schlußsatz ist also beschaffen, wie er beschaffen seyn kann, da er aus zwecnen Vordersätzen gezogen ist, von de« nen einer augenscheinlich falsch, und der andere auf Ausdrü, cke gegründet ist, die sehr geschickt sind zu bekriegen und zu hintergehen. Was soll man also von der schönen Fol, gerung Hallen? und worauf zielet diese starke Erweisung ab? m » XXX. XXX. SLQ Optimismus, oder die beste Welt. as System von Popen,LeibnizenchNallebranchen,und andern Optimisten. welche behaupten, daß alles auf das Beste sey, ist mehr ein sinnreiches als gründliches System : es gefallt im ersten Anblicke, aber es überzeuget nicht; es bringt scheinbare Gründe vor. die aber nichts erweisen; und ein beurcheilender und einsichtiger Mann, wenn ers näher untersuchet, wird bald gewahr, daß dieses System we, der mit den Begriffen, die wir von der Gottheit haben, noch mit dem, was uns die Vernunft einspricht, sich verträgt , und daß es endlich an die Lehre der Offenbarung sich nicht genau bindet. Es verträgt sich mit den Begriffen nicht, die wir von der Gottheit haben. Denn, wenn die gegenwärtige Welt die vollkommenste aus allen möglichen Welten ist, so könnte dann Gott nichts Besseres mehr machen ; seine Allmacht wäre also erschöpfet; man könnte weder im Physischen, noch im Sittlichen etwas Besseres begreifen, als was wir heut zu Tage in der Welt sehen. Der Begriff dieses Systems allein , wenn er deutlich vorgetragen wird, ist seine eigene, überzeugendste, und vollkommenste Widerlegung. Alle jene großen Grundsätze, daß ein unendlich weises Weset, nicht anders handeln könne, als nach allgemeinen und unveränderlichen Gesetzen, oder nach einer Weise und aus Abfichten, die seiner würdig sind, haben keine Bedeutung: denn, Optimismus. sor denn, sobald dieses Wesen unendlich ist, kann es eine um endliche Menge Absichten haben, die alle von einander un, terschieden, und alle auf gleiche Art seiner würdig sind. Es ist eben so wunderbar im Pssope, der aus der Erde hinan, wächst, als in dem Zederbaume, der aufLibanon sprosset: und nichts ist lachenswürdiger, als kleine Dingerchen zu se, hen, wie die Philosophen sind, die sich damit abgeben, zu berichten, was in dem Rache des Allmächtigen hat geschehen müssen. 2. Der Optimismus, die philosophische beste Welt, ver, wägt sich eben so wenig mit der Vernunft. Denn wenn man die Religion aufdie Seite schet, wenn man ihrem Lich, te nicht nachwandelt, so wird man finden, daß diese beste Welt bevnahe aus lauter einzelnen Nebeln besteht; daß sie aus einer Sammlung elender und mißvergnügter Wesen gebildet ist. Nun aber, wem gereichen alle diese einzelnen Nebel oder Mis, vergnügen zum Besten? Wie werden sie zu einem Philosoph» schm Beweise, daß diese die beste Welt sey? Wie erproben sie, daß es in dem Schöpfer und Beherrscher des ganzen Welt» gebäudes eine unendliche Weisheit gebe? Das allgemeine Beste, ein Lieblingöwort der philosophischen Optimisten, ist also nur ein Wesen aus der Einbildung; die Vernunft läug- net und verkennet es lediglich, weil man nicht bestimmen kaun, worinnen es bestehe, wo es sich aufhalte, und zu wessen Nuhen es gereichen könne. z. Dieses System stimmet nicht genau mit der Offen, barung überein, welche ein weit helleres Licht ist, als alle philosophische Systeme, die sich, wie die Moden, verändern« Nun, die Offenbarung saget nicht allein nicht, daß alles auf das Beste sey; sondern zeiget uns beynahe aller Orlen ein sittliches Böse, und eine unendliche Menge physischer Uebel N 5 an. Optimismus. an. Wir untersuchen noch ihre Ursache nicht. Die Offenbarung lehret uns, das gegenwärtige Leben nur als ein Le, ben der Prüfungen betrachten, welches der Mensch nuhen oder misbrauchen kann: daraus entsteht die Tugend oder das Laster , das Verdienst oder das Misverdienst. Sie stellet uns nachmals in der Zukunft die Aussicht eines Stands der Be- ^ Ml lohnungen oder Strafen vor, welcher eine Folge der Weise seyn wird, nach welcher man die Prüfungen ausgehalten hat. Die beste Welt kann also nur in der Religion, und durch Hül- . ^ fe der Religion wahr seyn, .welche uns das sittliche Böse mei- ^ den lehret, und Lurch die Prüfungen physischer Ucbel uns ^ zur Tugend bildet. „ Haltet euern unbeschränkten Herrscher ^ ^ „ in Ehren,,, saget uns der heilige Paul: „ nehmet die ^ „ Uedel, denen ihr ausgesehet seyd, mit Unterwerfung und Lie, ^ „ be an; so wird alles für euch zum Besten ausschlagen,,. , Dann möger ihr sagen: Dreß ist die beste Welt. , §entibu8 Oeum omnis coopersntur in bonum. ^ Der Verfasser des Handlexikons machet sich über das ^ System der Optimisten ungemein lustig; aber er behauptet > auch zu beweisen, daß diese Welt nichts als ein gräuliches Gewirrs, und der Schauplatz aller entsetzlichster Unordnungen ' sey. Dieses Mittel ergreift er, um alles Gefühl der ! ^ Ehrfurcht und Liebe gegen die Gottheit aus den ! Herzen zu tilgen. ' Rim. Vlir. xxxi. SDZ XXXI. Ordensgeistliche. ^»edermann redet heut zu Tage ohne Bedenken von dem S>ande der Ordensgeistlichen. Einige verachten sie; andere halten sie in Ehren: einige verdammen, andere ver, theidigen sie: einige möchten diesen Stand aufgehoben wissen, damit in der Welt nicht mehr davon geredet würde; andere denken, daß diese Aufhebung und Unterdrückung für die ganze christliche Gesellschaft sehr nachrheilig wäre. Da man einen so großen Gegensaß und Widerspruch in den Meymmgen gewahr wird, auf welcher Seite mögen wohl die Vernunft, die Weisheit, und die Wahrheit seyn? Damit wir den Leser in den Stand setzen, davon zu ur, theilen, wollen wir etliche Fragen aufwerfen, wodurch alles, was diesen Gegenstand betrifft, aufgekläret werden mag. 1. Was hat zur Stiftung der geistlichen Orden Gelegenheit gegeben? 2 . Bringen die geistlichen Orden der Kirche keinen Nutzen? ^ 3» Äst es wahr, daß sie dem Staate zur Last seyn? 4- Hak man wohl Recht zu sagen, daß sie größesten Therls aus mivvergnügren Leuten bestehen? Ist das Geschrey, welches gewisse Gattungen von Leuten über die Denkensart und den Wandel der Ordens» geistlichen führen, vernünftig und gegründet? Wenn man diese verschiedenen Fragen ein Bißchen über« leget, wird man bald im Stande seyn, zu urtheilen, und den Ausspruch zu fällen. Wir werden noch eine sechste Frage bey« setzen. 2O4 Ordensgeistliche. setzen, und die Ursachen der Verachtung untersuchen, welche gewisse Personen gegen die geistlichen Orden tragen. Erste Frage. Was ist der wahre Ursprung der geistlichen Orden? und was hat zu ihrer Stiftung Gelegenheit gegeben? <§>ie Antwort läßt sich in diese wenigen Worte zusammen, ziehen: Der Ursprung der geistlichen Orden ist ein Heldeumukh tugendhafter Gesinnungen gewesen. Große Seelen, von der.Schönheit der Lehrsätze Jesu Christi ge, rühret, haben sich entschlossen, sie zur einzigen Richtschnur ihres Wandels zu nehmen, und sie haben deßwegen allen menschlichen Vortheilen, und allen Dingen entsaget, welche dem Herzen des Menschen schmäucheln können. Unter diesen großen Seelen haben einige nichts reizender gefunden, als ihrem Nächsten nützlich zu werden , und haben sich zw gleich mit der größesten Uneigeunützlichkeit, und dem größer sien Edelmurhe, in Religionssachen, zu seinem Dienste ge» widmet. Eine feurige Liebe zu den erhabensten Tugenden, und ein großmüthiger Eifer für den Nächsten, sind also die Quellen gewesen, woraus alle geistlichen Orden geflossen sind. Es können auch alle Stifter von diesen Orden, als außerordentliche Männer betrachtet werden, die Lurch ihre Großmuth, ihre reinen Absichten, ihre erhabenen Tugenden, und durch die Dienste, welche sie der Gesellschaft geleistet haben, vor andern Menschen einen großen Vorzug besaßen. Sie sollen für Männer betrachtet werden , die eine ganz göttliche Philosophie gelehret haben, welche nicht den Stolz, die Neugierde, und die übrigen Leidenschaften befriedigen, sondern Ordenögeistliche. -05 ^ sondern sie bestreiten, bändigen, besiegen heißt; folglich eine Philosophie, welche die erhabenste, und für den Menschen, nach semem Verhältnisse mit Gotte betrachtet, ine aller- nützlichste ist- Man kann nicht zweifeln, daß die Benedikten, die Bernarden, di/ Dominikus, die Lranzen von Assisi die ganzen von Paulen, dir Ignazen , der Erde große Bey, spiele gegesen, daß sie große Opfer entrichtet, um sich zu ^ dm höchsten Tugenden zu erheben, und daß sie Wege aus» Ä gezeichnet haben, welche zu den höchsten Tugenden leiten, ch Me von ihnen haben ihre Schüler und Anhänger gehabt, i ^ welche die Gemeinen ausmachten, die man geistliche Orden ^ nennt. Wenn diese Schüler und Anhänger nicht alle ehr ak xen Lehrmeistern und Stiftern gleich gekommen sind, so grenz ch es mit diesen Sekten, wie mit andern philosophischen Sek« ch tm. Me, die sich unter die Fahne von Sokrates , plar ^ to, Lpikteten Gegeben haben, sind nicht seldsien Sokrar ip tes, Plato, Lpikteten geworden. Aber wir hal-en uns lß« hier genau an die ausgestellte Frage, welche nur erforschet, > N was zu Stiftungen von dieser Art Gelegenheit gegeben habe. Es scheint, mau könne sie vernünftiger Weise bloß allein «i>! der Liebe zu den erhabensten Tugenden, und dem Eifer zum ss. Dienste des Nächsten zuschreiben. M !» s«jK lß Ms P Zweyte Frage. Haben die geistlichen Orden der Kirche einen Nutzen gebracht? H^?eil die Kirche so viele geistliche Orden angenommen und gurgeheißen hat, so muß sie wohl einen Vortheil und Nutzen dabey gefunden haben; und weil die Irrgläubigen und 206 Ordensgeistliche, und die Feinde der Religion mit so großer Heftigkeit wider die geistlichen Orden schreyen, so müssen sie wohl der Religion und der Kirche nützlich seyn. Diese zween Gründe möchten zwar schon genüglich seyn, um die Frage zu beam, Worten: aber man kann weiter gehen. Wenn man untersuchet, wie viele Hülfe der Kirche ge, leistet worden sey, theils um die Lehrsätze zu erklären, rheils um die Irrkhümer zu bestreiten, theils um die Neigung und Liebe zur Tugend einzuflößen: so wird man gestehen müssen, daß die Ordensgeistlichen das Meiste dazu bcygetragen haben. Man wird sehen, daß eine große Menge Werke über Lehr, säße und Streitfragen, und daß die meisten Bücher, in welchen man der zärtlichsten Frömmigkeit wahrnimmk, von Män, nern geschrieben sind, die in den geistlichen Orden gebildet wurden. Was für Männer waren die Bernarden, die Thomas von Aquin, die Bonaventuren, die Bellarminen! Wird man viele Gelehrte antreffen, die mit ihnen zu ver, gleichen wären? Wenn man sich in die Zeiten zurückdenket, wo die Kirche von den großen Kehereyen der Albigenser, der Hussiten, der Lalvinisten, der Lutheraner angegriffen worden ist; so wird man sehen, daß die geistlichen Ordenegemeinen die größeste Anzahl von Kämpfern aufgeftellet haben, um den Fortgang der Kehereyen zu hemmen, oder die Menschen, welche durch die Kehereyen schon verführet waren, auf den rechten Weg zmückzuleiren. Man darf nur einen Blick aufdie Geschichten jener Zeiten werfen, um sich zu überzeugen, mit welchem Mulhe, Bestreben, und Erfolge die Ordensgeistlichen gckäm, pfet haben. Wirft man die Augen aufdie unsrmessenen Landschaften Amerikens und Indiens, wo das Christenthum ist eingesüh, ret Ordensgeistliche. 207 ret worden; so wird man finden, daß sie nur den Bemü« Hungen und dem Eifer der Ordensgeistlichen das Licht des Evangeliums zu danken haben. Durchwandert man die mahvmeranischen Länder, in welchen sich eine sehr große Menr ge Christen befind!; so wird man erfahren, daß diese Christen beynahe keinen andern Beystand in Religionssachen erhalten, als von den Glaubenspredigern, die aus den geistlichen Orden dahin gesendet werden. Kehret man in das christliche Luropen zurück; so wird man erkennen, daß man unmögr lich den Völkern, im Predigtamte, in den Unterweisungen, im Beichtstühle, alles Bedürfniß verschaffen könnte, das man ihnen schuldig ist, wenn man den Beystand und die Hülfe der Ordensgeistlichen vermissen müßte. In manche!« Kirch« spiele zu Paris, wie jenes vom heiligen Gulpizen ist, wo man ein hundert und dreyßig tausend Seelen, das ist, zweimal, dreymal so viele Seelen zählet, als es in gewissen Bischosthümern giebt: könnten wohl ein Pfarrer, etliche Kai pellane, und etliche freywillige Priester für den ganzen Äir» chendienst genügen? hätte wohl das Volk keinen Abgang? Man wird vieleichk sagen, es gebe in den geistlichen Or< den viele unnüßliche Glieder. Aber was für eine Gattung von Gesellschaft ist auf der Erde, von welcher man nicht das Gleiche mit allem Rechte sagen könnte ? Wie viele Glieder giebt es nicht in den ehrwürdigsten, nützlichsten, und noch, wendigsten Gesellschaften und Gemeinen, welche jenen Ge, danken Horazens billig auf sich anwenden dürften : Wir die, nen nur, um eine Zahl auözufüllen, und die Lebensmittel zu verzehren. Nus llumero lumus» Le krudes cemlumers nsti. Wenn man alle Gemeinen, alle Gesellschaften, Kapitel/ Versammlungen verwerfen und aufhebm wollte, wo es um nützliche 208 Ordensgeistliche. nützliche Glieder giebt, oder Glieder, welche nicht alle Ei- ^ . genschaften, Fähigkeiten, und Tugenden haben, die das Publikum von ihnen mit Rechte fodern könnte; welcher ^ Stand , welche Gemeine wäre nicht in der Gefahr, aufge, hoben und unterdrücket zu werden? M Dritte Frage. Ist es wahr, -aß die geistlichen Orden dem Staate zur Last seyn? kB« «di! ainit man diese Frage richtig beantworten möge, muß man sich erstlich erklären, was man durch das Wort: Staat, verstehen solle. Man versteht durch dieses Wort, eine Vereinigung von Städten, Ländern, und Gemeinschaften , unter einer gleichen Gewalt, und unter gleichen Gesetzen, damit sie sich einander wechselsweise dienen, vertheidigen, beschützen mögen. Der Staat besteht also aus Ackersleuten, Handwerkern, Bürgern, die ihre Schatzung bezahlen; aus Soldaten und Kriegsleuten, welche zum Dienste des Vaterlandes die Waffen führen; aus Oberkeiten, die für die Erhaltung der Gerechtigkeit und der guten Ordnung wachen; aus der Geistlichkeit von verschiedenem Range, welcher alles obliegt, was die Religion betrifft; aus StaatSräthen wel, che regieren; und endlich aus dem Fürsten, der die Seele, und-das Haupt des ganzen Körpers und der ganzen Gesellschaft ist. Also kann man sagen, baß der Staat die Nation ausmachet. Nun, in welchem Verstände könnte man sagen, daß die geistlichen Orden der Nation zur Last seyn? Einige von diesen Orden sind reich; andere haben nur ganz mäßige Einkünfte ; andere endlich leben nur vom Almosen; das ist, von « Ei d« ^kr Uß !«ll! kq « «, ;W W, SiL ,!ÜI> z,«! Ordensgeistliche. 2Q- der willkührlichen Frcygebigkeit und dem freywilligm Bey- nage der Bürger. Die reichen Orden sind nicht mehr zur Last/ als die Kapitel oder Stifte der Kanoniker. Wer würde sich nun getrauen zu sagen, die Kapitel seyn der Nation zur Last, da sie nur. aus Gliedernder Nation selbstsn bestehen, da der Stand eines Kanonikers sehr ansehnlich ist, und da man in jedem Hause froh ist, wenn man ein Kind mit einem Ka- nomkale versorgen kann ? Ist nicht der Nation daran gelegen, sie zu schuhen und zu erhalten? Die übrigen geistlichen Orden, wie die Lranciftaner, Rarmekten, Augustiner, Dominicaner, sindaufso mäßige Einkünfte emgeschränket, daß es ungerecht und niederträchtig wäre, wenn man sie darum beneidete. Endlich jene, welche nur vom Almosen leben, kann man mit den Musketierern vergleichen, die für fünf Solde alle» übertragen, was immer im Kriegsdienste zum allerbeschwer- lichsten ist. Wr möchte wohl für dm gleichen Lohn eben dieselben Dienste leisten ? Wie viele Leute giebt es in der Nation, von denen die Dienste nicht so nützlich und nokhrvendig, als von den Ordensqeistlichen sind, und welche dennoch arr Besoldungen und Gnadengeldern unaussprechliche Summen kosten? Es scheint, man dürfte dis geistlichen Orden nicht allein für keine Last des Staates ansehen, sondern vielmehr sagen, daß sie eine glückselige Erleichterung für ven Staat ftyn. E» giebt Häuser, die viele Kinder haben, und die sie nicht alleres alle in der Welt versorgen können. Da bringt man eine Tochter in ein Kloster, einen Sohn unter dre Benediktiner, Bar- Meliten, oder Bernardiner: sie können oorr ehrlich, uns in L. Band. O einer 2io Ordensgeistliche. einer ruhigen Zufriedenheit leben; und ihr Haus befindt sich besser im Stande, den übrigen Kindern eine Versorgung zu schaffen. Aber man hätte lieber, daß ein Kind, welches sich dem geistlichen Stande widmen will, ein Kanoniker oder ein Pfarrer werden möchte. Man sähe in dieser Versorgung eine Hülfe für eine Familie, für Brüder, Schwestern, oder Neffrn. — Nach diesen Absichten müßte der Staat neue Pfründen, neue Pfarren stiften. Aber was wird hernach aus allen jenen schönen Vernunftschlüffen von der Last oder Erleichterung des Staates werden? Vierte Frage. Hat man wühl Recht zu sagen, daß die geistlichen Orden größesten Theils aus misverguügten Leuten bestehen? A^»enn es in den geistlichen Orden kein MiSvergnügengä« de, so wäre dieses die sonderbarste Sache, die der menschliche Verstand immer denken könnte. Der Willen der Menschen ist so veränderlich; es giebt so wenige, die sich beständig von dem Lichte der Vernunft und der Weisheit leiten lassen; es giebt so viele, denen die Laune, die Leiden, schäften, eine böse Gemüthsart die billigsten und vernünftig, sten Dinge verkehrt vorstellen, daß ein Stand, wo alle, die sich dazu entschlossen harren, vergnüget wären, sittlicher Weise unmöglich scheint. Vor mehr als siebenzehn hundert Jahren harre schon Hora; diese Bemerkung gemacht. Wie kömmt es, schrieb er an den Günstling Augusts: wie kömmt es, erlauchter Möcen! dass man Niemanden antrifft, der mit seinem Stande zufrieden wäre; er möchte ihn nun mit Ordens,geistliche. sn mit bedachte gcwähstr, oder gleichsam von Ohngefähr ergriffen haben? (Zuiüt, Uoocenss, utnemo. qusm llbl fortem 8eu rstlQ äe6ei lt, seu fors objecerit, NI» Lootenlus vivat V Fürwahr, wo ist ein Stand, in welchem alle, die dar rinnen leben, zufrieden sind ? Wo ist ein Stand, in west chem es k.ine giebt, die klagen und sich beschweren? Es ist also nicht zu wundern, daß dieses auch in den geistlichen Orden geschieht. Aber man kann von diesen Misvergnüg, teil in den geistlichen Orden sagen: 1. Daß sie es aus ihrer Schuld sind. Ungeachtet ihr rer heiligen Verbindungen fällt ihnen die Tugend schwer; sie lassen sich zu Leidenschaften verleiten, die sie nicht so leicht, als die Layen, befriedigen können; sie lassen die Pflichten und den Geist ihres Standes außer Acht. Endlich giebt es einige von einer solchen Gcmürhsart, daß sie in jedem Sran» de, den sie angetreten hätten, allezeit misvergnügt gewesen seyn würden. Aufihre Gemütsart, auf sie sechsten, und nicht auf ihren Stand soll der Tadel des Mievergnügcns zw rückfsllm. 2. Die Anzahl der Misvergnügken in dm geistlichen Orden ist verhälmißmäßig geringer, als in allen übrigen Ständen. Eö ist sicher, wenn Fceyheilbriese vom Himmel kämen, um alle Ehen zu trennen, und alle geistliche Gelüb, de auftuheben, damit alle Personen von diesen Ständen in ihre erste Freyheit wieder gesehet werden möchten; es ist sicher , daß weit mehr Ehemänner ihre Frauen, und weit Wehr Frauen ihre Männer, als Ordensgeistllche oder Kloster stauen ihre Klöster verlassen würden. Die Sweuhändel, Welche so oft zwischen verctzlichren Personen entstehen, ohne O A von 2i2 Ordensgeistliche. von andern Punkten zu reden, die bekannt und gemein genug sind, geben davon einen unumstößlichen Beweis an die Hand. Z. Wann die Ordensleute ein gewisses Alter erreichet haben, wo die Leidenschaften minder erhitzet sind, wo die Vernunft reiner ist, und wo die Aussichten und Wahrheiten der Religion einen stärkern Eindruck auf die Seele machen; genießen sie, beynahe alle, einer Zufriedenheit und Gk müths» uhe, die man in andern Ständen nicht leicht armes« fen wird. Die Schritte, wozu die Begierde nach Ehren, nach Reichchume, nach einem Glücke in der Welt antreibt, laufen selten ohne Verbrechen und Ungerechtigkeit ab, und verbinden nachmals zu Ersetzungen, zu Wiederruftmgen, zu Erstattungen. Kann die Seele dabey ruhig seyn? oder hat sie eine Ruhe, worauf man sich verlassen könnte? Wohin zielet also jenes Gefchrey über das Misvergnügen, das man in den geistlichen Orden erfahrt? Die Vernunft und die Weisheit werden uns allezeit die Erinnerung machen, daß es nicht möglich sey, in diesen Gesellschaften niemals einige Misvergnügte anzutreffen, weil sie aus Menschen bestehen» W B ki A q jll! Zünfte Frage. Sind die Klagen über die Aergernisse gut gegründet, die mau wider die geistlichen Orden führet? erste, was man aufdiese Frage antworten kann, ist dieses, daß die Personen, welche sich darüber znm heftigsten ereifern, nicht die tugendhaftesten und bescheiden» sten sind. Jesus Christus sprach ehemals zu denen, die ei» ne Ehebrecherinn vor ihm verklagten: * wer aus euch oh« ne «!> ß L> ii « !> * Zoh. Vlll. Otdeiisgeißliche. 21 z ne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Wenn man nach dieser Gesinnung zu jenen fageke, die wider die Ordensgeistlichen schmähen: Wer aus euch ohne Laster und ohne Mackel ist, der werfe den ersten Stein auf sie; so wür« de bald dre Zahl der Schmähenden zusammengeschmolzen seyn. Aber wir wollen eine unmittelbare Antwort geben. Die ausgelassenen Leute urtheilen gemeinlich von an« demnach ihnen sechsten. Leute, welche die Reinigkeit der Sitten nicht kennen, und wenig in Ehren halten, glauben nicht, daß andere besser darauf achten. Die unterhaltlich, sten Gespräche für sie sind jene, wo man erzählet, mit wel, cher Geschicklichkeit man die Leidenschaften ausgeführet, die Unschuld hintergangen, in die Rechte eines Ehemannes Ein« griffe gethan habe. Wenn Ordensgeistliche, wie es zuwei, len geschehen mag, den Stoff zu diesen schönen Gesprächen herborgen, so werden sie noch ansehnlicher und lebhafter. Was für Anmerkungen, was für Auslegungen wird man nicht darüber machen ? Nachdem man zuvor, als ein wohl« lustiger Spöttler gesprochen hat, nimmt man den Ton eines strengen Sittenrichters an. Aber wie schön paffet das Sit- tenrichteramt für gewisse Personen ! Man bekennet, daß es Ordensgeistliche gegeben hat, welche sich gegen die Heiligkeit ihrer Pflichten verfehlet haben, gleichwie man zuvor gestanden hat, daß cs Misvergnügte unter ihnen giebt. Man bekennet, daß rechtschaffene Leute über dergleichen Aergernisse seufzen, weil ihnen die Religion am Herzen liegt, und weil sie dieselbe in Ehren halten. Aber man kann auch sagen: i. Die meisten jener Mährchen von Klostergeschichtchen kommen insgemein aus sehr verdächtigen Quellen her, die billig ein Mistkarren einflößen sollten; sie sind größesten O z Theils 214 Ordensgrisiliche. Theils Früchte der Falschheit und der Ruchlosigkeit; und bey hundert, die man anführet, die mau erzählet, und die von einem,Munde zum andern fortlaufen, würde man kaum den zehnten Theil finden, der auf die Wahrheit gegründet wäre. 2. Die Pflichten des Ehestandes sind nicht weniger heilig , und sind von wichtigem Folgen im gesellschaftlichen Leben, als die Pflichtender Ordensgeistlichen; und dennoch giebt es, nach Maaß;aabe, unvergleichlich mehr verehlichre Leute, welche die Pflichten des Ehestandes übertreten, als es Ordensgeistliche giebt, die sich wider ihre Gelübde verfehlen. Oft werden Herren nnd Frauen, die in diesem Punkte nicht sehr ängstlich sind, diese Mährchen erzählen: und wenn sie gleich kerne Sitten und keine Ehre haben, werden sie sich anmäßen, die Ordensgeistlichen zu tadeln, und wider die geistlichen Orden zu schmähen. Wer wird ihnen Bcyfall geben ? Die Bosheit, oder der Blödsinn. Es ist über die Vorwürfe voll Aergernissen, die man den Order.sgeistlichen Schuld giebt, noch eine Anmerkung zu machen; eine Anmerkung, welche vernünftige, und zu denken fähige Leute, selten zu machen vergessen. Man ereifert sich, und stellet sich ärgerlich an, wenn man bey den Or, denegeistlichen eben jene Tugenden nicht findet, welche man an sich selbsten durchaus nicht haben will. Also werden hochwüchsige Leute ihnen mir dem größesten Stolze von der Demuth predigen. Unersättliche Leute, Laudpresser, Mär» ner, die durch Ungerechtigkeiten reich geworden sind, werden sie hauptsächlich um die mäßigen Einkünfte, die sie besitzen, zum allermeisten beneiden. Leute von ausgelassenen Sitten, treulose Ehemänner, Frauen, für derer Tugend kein Mensch -ntsprechen möchte, werden das größeste Lärmen au sich lagen n L z,i >!! ii s § >> Ordensgeistliche. 215 gen, wenn ein Ordensgeistlicher die Heiligkeit seiner Pfljch. te>, außer Acht sitzet; sie werden aus dem Vergehen eines Unglücklichen auf alle schließen, uad boshaft ausrufen: Da sieht man, was die Pfaffen sind. Dergleichen Ordensgeistliche sind fehlerhaft; sie sind nicht zu entschuldigen ; sie sind strafbar. Aber erfüllen jene so eifrigen und strengen Sittenrichter die Pflichten getreuer, welche das Christenthum, die Vernunft, die Ehrlichkeit ihnen vor, schreiben ? und könnte man nicht mit Rechte zu ihnen saqen: "Häuchler! Du willst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen; aber laß dir zuvor den Balken herausneh, men, den ich in deinem Auge sehe ? Wir wollen hier gewisse andere Vorwürfe nicht berühren, die inan noch den Ordensgeistlichen machet: bald über ihren Müßiggang und die Unnützlrchkeit ihres Lebens; bald über die Leckerhajtigkeit, womit sie in gewissen Häusern die Gäste empfangen und benmthen. Was den ersten Vorwurf belanget, genügen wir uns zu sagen, daß die meisten Ordens, geistlichen. zum wenigsten dreymal des Tages, den Chor halten; daß viele unter ihnen sich aufdie Wissenschaften verlegen , predigen, und Beichte hören; und wenn es einige giebt, derer Leben durchaus unnüßlich ist, so giebt es eine unzählbare Menge Leute in der Gesellschaft, die ihnen glei, chen, und derer Leben, wenn wir mcht mehr sagen wollen, dennoch weit unnühlicher ist. Was den zweyten Vorwurf betrifft, so weiß man, daß die Benediktiner, die Bernardiner, und andere jenen, die sie bewirchen, mit vieler Ehre begegnen. Es wäre recht schändlich, wenn man ihre Freygebigkeit benutzen , und sie tadeln wollte. ' M«tth. v». O4 Sechste 216 Ordensgeistliche. Sechste Frage. Woher kömmt jene so allgemeine Verachtung, die man heut zu Tage gegen die Ordens- geistliche» trägt? kann davon mehrere Ursachen angeben, die wir mit ^ wenigen Worten berühren wollen. Die erste und ab lervornrhmste ist jener philosophische Geist, welcher hem zu Tage einen Theil des Weltkreises vergiftet. Dieser philosophische Geist ist der geschworene Feind der Religion. Alles, was immer in der Religion einen Veystand oder Ruhen schaffen kann, wirb also nothwendiger Weise Leuten verhasst!, die mit dem philosophischen Geiste behaftet sind. Allein viele Ordenögeistliche dienen der Gesellschaft in Religionssachen; es giebt welche unter ihnen, die sehr gelehrt und erbaulich sind, und die den Fortgang des philosophischen Geistes verhindern. Dir sogenannten Philosophen, welche heut zu Tage in sehr großer Anzahl sind, suchen sich dafür zu rächen, und geben sich alle Mühe, um ihre Widersacher in die Verachtung zu bringen. Sie glauben sie vernichtet zu haben, wenn sie dieselben durch den Namen: Mönche, auszeichnen. Und dieser Name, welcher nichts anders, als einen Einsiedler, oder einen Mann, der sich der Welt entzogen hat, bedeutet , wird ein Schimpfwort nach dem Smne derjenigen, die nur wenig, oder ganz keine Religion haben. Was sie aus Bosheit sagen, wiederhaüm nachmals tausend Stimmen aus Blödsinne. Die Ordensgeistlichen dagegen haben weder die Gewalt, noch die Mittel, wider boshafte Schriftsteller, wider vermessene Stutzer, wider offenbare Freydenker, wider Leute voll Vomrtheile, die zu untersuchen und zu urrheilen nicht fähig EP W 1 ^ Uli « h ß b tz !- Ordensgeistliche. 217 fähig sind, sich zu verrheidigen. Ihre Schwachheit machet die Stärke ihrer F inde aus: und diese tragen nur deßhalben den Sieg davon, weil sie Männer ohne Wehre und ohne Hülfe ungestraft beschimpfen dorftn. Die zweyte Ursache der Verachtung, die man gegen die Ordensgeistlichen trägt, entspringt aus gewissen Vorurthei, len, welche sowohl von der Vernunft, als von der Reli, gion verdammet werden, und welche nichts destowenigcr bey, nahe allgemein sind. Es scheint, daß der Stand der Orr densgcistlichen der allerverächrlichste Stand auf der Welt sey, und daß auch die Christen von jedem Range und von jedem Stande zur Bestätigung jenes Ausspruches von dem Völkerlehrer beyhelftn wollen: * wer immer nach dem Geiste der Frömmigkeit leben will, den die Grundsätze Jesu Christi einflößen, der wird Verfolgung leiden müssen. Man sieht einen Menschen, der diesen Stand angetreken hat, nicht mehr für würdig an, eine Hochachtung, eine Ehre, eine Belohnung zu erhalten, wenn er immer so große Fä, higkeiten besäße, und immer so große Dienste leistete. Man glaubet ihm nichts mehr schuldig zu styn, wenn man saget: Er ist ein Mönch; er ist nur ein Mönch. Wenn man aber selbst von jenen, die also denken und reden, nach ihren Talenten, nach ihren Tugenden, nach dem Nutzen, den sie der Gesellschaft bringen, schließen wollte, würde man wohl sagen können, sie seyn besser, als ein Mönch; sie styn so gut, als viele Mönche? Dieser Ton der Verachtung ist also sehr unbillig: und oft würden sich jene, die ihn annehmen, sehr verfänglich machen, wenn sie O s * Lim. m. -l8 Ordensgeistliche. sie von einsichtvoüen und unparceylichen Leuten zur Rede ge, stellet würden. ^ Im übrigen kann man diesen Ton den Freydenkern hin» gehen lassen ; aber er wird bey jenen, die noch auf Ver, ^ nunft und Religion Anspruch machen wollen, allezeit vcr, dächrig und ärgerlich scheinen. Soll man von den Menschen nur nach den Einkünften, die sie besitzen, oder nach dem > ^ Hochmurhe, den sie an sich nehmen, oder nach den Mitteln «B urtheilen, welche sie haben, sich furchtbar oder beliebt zu H machen? Und wird man berechtiget seyn, die Ordensgei,M P, chen zu verachten, weil sie keines von diesen Mitteln haben? M Die dritte Ursache zur Verachtung, die man gegen die ftiij Ordensgeistlichen zeiget, geben sie sechsten durch die Eise» pj sucht eines Ordens gegen den andern, und durch die Unb» D scheioenheic der Aufführung und der Bekanntschaften etlicher M Prlvatglüder. tz Die Eifersucht eines Ordens gegen den andern machet, k Laß man von jenem, in welchem mau ist, allzu vorteilhaft, > «I, und von jenen, mir denen man eifert, gemeinlich allzu un« K billig denket. Man redet nach dieser Denkensart. Dieje, ! nigen, von welchen man geredet hat, unterlassen nicht die hj andern mit gleicher Münze zu bezahlen; und Leute, zu denen „ man redet, unterlassen nicht, sich mir diesem Wetteifer zu Unterhalten und zu belustigen. Sie fangen sieißig auf, waS zu beyden Seiten gesaget wird, und achten nachmals einen ^ Orden so gering, als den andern. Die Schulstreite zwi» ß schen den Jesuiten und Dominikanern haben diesen beyden ,, Orden, die aller Ehre werth sind, gleich viel geschadet. Die ^ Schreibart des V. Serry, eines Dominikaners und des V. , <§otrlieb Raynauds, eines Jesuiten, wird sowohl von ^ idem Wohlstände, als von der Religio« verdammet. Leute, § weiche Ordensgeistliche. riy >kz- welche die Ordensgeisillchen nicht lieben, schöpfen aus die, sen Schriften den Grund, alle auf gleiche Weise zu tadeln, zu verurthcilen. !k» Einige Ordensgeistliche geben noch, durch die Unbe« rv scheiderihsit ihrer Aufführung und ihrer Bekanntschaften, lh Gtlege-chät zur Verachtung. Sie sind manchesmal zur Unzeit aufrichtig; das ist: sie Ä vertrauen es falschen Leuten, wie sehr sie inir ihren Obern, i« mit ihren Mubrüdern, mit der Ordnung und den Saß, G ungen, die in ihren Klöstern Brauches seyn mögen, unzu, «! frieden sind. Man horchet ihnen mit einer boshaften Will« üil Fahrigkeit zu; es scheint, man wolle an ihrem Mrsvergnü, ^ gen Theil nehmen, da man dennoch nur seine eigene Belu» E» siigung dabey suchet; >nan löset ihnen die Zunge, mar, fra, chü get sie, man forschet alles aus ihnen , was sie in der Seele haben r und nachdem man eine schalkhafte Neugier, Hü, de gestillet hat, verachtet man die Klagenden eben so sehr, »fl, als jene, worüber sie sich beklagen. Wenn man aber Vas D Recht hätte, alle Klagende, und alle, worüber man sich P beklaget, zu verachten, so würde die halbe Welt die andere tii Hälfte verachten, und zugleich auf beyden Seiten keine der M andern «was schuldig bleiben. lj>l Den unanständigen Klagen darf man auch dis unam «! ständigen Bekanntschaften beysehen. Es giebt Ordensgeist, liche, welche rheils der Einsamkeit müde sind, wo sie sich j» nicht zu beschäfftigen wissen, theils von einer gewissen Gat, ^ tung Leute, welche nur Bekanntschaften lieben, die sie be, K lustigen, oder ihrer Eitelkeit schmäucheln, schlecht genug !k> . empfangen werden, und deßhalben sich mit dem geringen ,A Pöbel allzu gemein machen. Die Unbescheidenheit in die« A sein Umstande ist zuweilen so stark gewesen, daß sie zu bei, ß ßenden s2o Ordensgeistliche. ßenden Spöttereyen wider sie hat Anlaß geben müssen. Aber dieses geschieht so selten , und die Zahl der Ordens» geistlichen, die sich mit einem ehrwürdigen Anstande betra« gen, ist so groß, daß man kein Recht hat , ihren Stand zu verachten. Wenn man von einer Gemeine nach der Aufführung und Denkenöart einzelner Glieder urcheilet, welche Gemeine unter den Menschen wird vom Tadel, von den Vorwürfen, von der Verdammung frey bleiben? Beschluß. > Man kann nach der Erläuterung, die wir über die ^ ausgestellten Fragen gegeben haben , den Schluß machen, ^ wie man von dem Stande der Ocdensgeistlichen denken sol, le. Es scheint, man könne sich nicht entbrechen, die Ab, sichten und Beweggründe in Ehren zu halten, welche zu den Stiftungen der geistlichen Orden Gelegenheit gegeben haben; es haben diese Orden der Religion sehr große Dien, sie geleistet, und leisten sie noch alle Tage; nur 'kurzjlchti, ge Menschen, welche von Vorurcherlen oder vom Stolze besessen sind, können anders denken; es verhält sich mit den - geistlichen Orden, wie mit allen menschlichen Gesellschaften, wenn sie auch die ehrwürdigsten wären, wo nicht allezeit al, le Glieder in den Talenten, in den Tugenden, in der ge, treuen Erfüllung der Pflichten ihres Standes also beschaffen sind, wie sie seyn sollten, und wo es dennoch dem Pub, likum daran gelegen ist, sie zu schützen und zu erhalten. Endlich scheint es, wenn man auf die Grundursachen der Schmähreden wider die geistlichen Orden zmückforschet, man merke leicht, daß es keine andere giebt, als vie Bosheit, den Geist des Unglaubens, die Abneigung vor allem, Ordensgeistliche. 221 K allem, was die evangelischen Grundsätze zu Gsmüche führet, U- und einen unbedachksamen Mnthwillen, Dinge zu ver- w dämmen, die man nicht kennet, und die man nicht im !- Stande ist zu bemcheilen. Man darf nur ein Bißchen !k Redlichkeit in der Seele haben, so wird man die , Richtigkeit dieser Anmerkungen ein, N schm. iß XXXII. 2rr XXXlI. Irdisches Paradies. ,, fiesen Namen leget man «nein Orte Key, weichender Herr mit Lust qezieret hatte, um den Menschen in dem Augenblicke seiner Schöpfung darein zu setzen. Moses machet im zmeyten Kapitel seines ersten Vuchs diese Be, schreibung davon: „ Gott der Herr hatte im Anfänge einen Lustgarten ge, „ pflanzet, worein er den Menschen setzte, den er erschaffen ,, hatte. Es strömte in diesem Lustorre ein Fluß, welcher ihn zu befeuchten dienere, und der, außer diesem Garten, in vier Aerme getheiler ist. Einer he-ßt phison: dieser umströmet das Land HevLlath, wo Gold wächst; und das Gold dieses Landes ist sehr gut. Dorr findet man auch den Bdellion, und den Onychstein. Der zweyte heißt Gehon: dieser zieht sich um das Land Chus oder Aethio, pien herum. Der dritte nennet sich Tiger, und läuft bey den Assyriern vorbey; und der vierte ist Euphrates. In diesen Lustort versetzte der Herr den Menschen, unv be, fahl ihm, denselbigen zu bauen und zu bewahren „. Ueber diese Beschreibung wollen die stacken Gerfter die, ser Zeiten sich belnssgen, durch dre lächerlichen Anmerkun, gen , die sie darüber machen, und durch die Ungereimtheiten, die sie dabey aufwisen zu können glauben. Nach dieser Ueberseyung saget der Verfasser des vhi, losophischen Handlexikons, enthielt das irdische Paradies beynahe den dritten Theil Asiens und Afrikens. Der Euphrates und der Tiger haben ihre «Quelle mehr als sechszig große Merlen von einander entfernet, zwischen furch, «i> Irdisches Paradies. 22z fürchterlichen Bergen, die einem Garten wen'g gleichst, hen. Der Fluß, der Aelhiopien umgiebt, und der kein anderer, als der Nil oder Niger, seyn kann, entspringt mehr als siebenhundert Meilen von den «Quellen des Ti, gers und Euphrates: und wenn phison der Phase ist, so scheint es wunderlich genug, daß man die «Quelle eines Flusses in tzcytdien, und die «Quelle eines Flusses in Aftiken, an einen und denselben Ort verlegt. Im übrigen ist der Garten von Eden augenscheinlich von den Gärten von Eden, zu Saana im glückseligen Arabien, hergenommen, das im ganzen Alterthnme berufen mar. Endlich ist es hart, daß Adam einen Garten von sieben bis acht hundert Meilen bauen sollte: vermuth, lich hat man ihm Gehülfen gegeben. Man könnte erstlich dem spöttischen Herrn Ausleger antworten, daß es eine Gattung Leute giebr, welchen weit leichter eine unanständige Spottrede, als ein triftiger Be, weisgrund, auf die Zunge kömmt; daß jenes Alkenhum, welches die Gänen von Eden, zu Saana im glückseligen Arabien, berufen gemacht hat, ein sehr neues Alterrhum ist ; daß man. um im Smnde zu seyn, über das ehmalige rrdi, sche Paradies zu urthrilen, die alte Erdbeschreibung und die alten Sprachen gut kennen müßte: diese Kenntnisse darf man vom Verfasser des Handlexikons nicht erwarten; und er ist nicht stolz darauf. Endlich sieht man nur allzu oft, daß ihm der kühne und entscheidende Ton fast allemal anstatt der Vernunft und Wissenschaft gilt. Wir könnten uns zwar mit dieser Antwort genügen, wenn wir nur auf die Herren Philosophen unsere Absicht hätten: aber wir wollen zur Befriedigung unsrer Leser gern noch eine andere beysetzen. Wir sagen dann: Mit dem Lichte dieser 224 Irdisches Paradies. dieser zwoer Kenntnisse, von denen wir nun ißt geredet haben; das ist, der alten Erdbeschreibung und der alten Sprachen, haben die erleuchtetsten Gelehrten die Lage des irdischen Pa« radieses erkannt; sie haben alles für wahr befunden, was Moses in seiner Beschreibung daron saget; und sie erwei» sen es auf eine Weise, daß Niemand, wer immer sie zu Ra, the ziehen und anhöre» will, einen Zweifel mehr haben kann. Fürwahr, wenn man mit ihnen das irdische Paradies an die mittägliche Gränze der babylonischen Provinz, zwischen den zwey und dreyßigsten und drey und dreyßigsten Grad der Breite, setzet, so erkennet man ganz leicht, was uns der heilige Text davon saget. Man trifft dorten ein Land voll Alimuth an: denn unter diesem Himmelsstriche haben die grö« ßeften Herrscher Asiens ihren Thronsitz aufgeschlagen; dort haben sie bas berühmte Babylon, welches unter den Reichen der Assyrier, Babylonier, Perser, Griechen, und endlich der Araber so berufen war, aufgebauet und verschönert. Man findet dorrenden Fluß, welcher das irdische Paradies begoß , und der in vier Aerme gerheilet ist: und dieser Fluß ist der Tiger und der Luphrates , die sich an demselben Orte vereinigen, und, nachdem sie sich ziemlich lange in einem Rinnsaale sortgewälzer haben, aufs neue in zween Aerme sich theilen, und den phison und den Gehon ausmachen/ welche beyde sich in den persischen Meerbu,en stürzen. Man kennet den phison leicht an den Merkmälern, wodurch ihn Moses bezeichnet. „ Dieser,,, saget er, „ umströ- „ mer das Land Hevilath, wo Gold wächst; uno das Gold „ dieses Lanveg ist sehr gur. Dorr findet man auch den „ Bdellion und den Onychstem,,. Nun, alle diese Zeichen können nur dem westlichen Kanals jenes Flusses zukommen, von dem wir geredet haben, der Luphrates heißt) der gegen Arav»M ,,,v W hu « L i. z Vs, «i, >dll r«ii M IUI! W Hw B' Irdisches Paradies. 225 Arabien fließt, und der noch heut zu Tage Sekak, el, Aral,, Las ist, der Araberfluß genannt wird. r. Das Land Hevilath ist Arabien selbsten, wie wir es von Josephen erfahren. Denn, wo Samuel im ersten Buche der Könige gesagt hat, Saul habe die Feinde der He, bräer von Hevilath bis Sur, nahe bey Aegypten, geschlagen; sehet Joseph *, da er die gleiche Begebenheit erzählet, anstatt Sur: peluse, welches dis erste Stadt in Aegypten an den Gränzen paläftinens ist; und anstatt Hevilath scher er r die Völker, die am rochen Meere, oder am arabischen Meer, busen wohnen; das ist, die Araber. 2. Arabien war ehemals, wegen der großen Menge, ^ und wegen der Schönheit des Goldes, das es zog, sehr be, rühmt. Diodor von Sicilien ^ zieht das arabische Gold dem Golde jedes andern Landes vor. David sagte, man werde dem Messias Gold aus Arabien opfern. Bey den Cast sanitern in Arabien war das Gold so gemein, daß man es weniger als Ersen achrere. Endlich versichert ein sehr alter Schriftsteller, — Agatharcides ist es, daß die Sabäer aus Arabien ganz Syrien mir Golde gefüllet haben. Z. „ Dort findet man den Bdellion „. Die Schrift» stellec sind verschiedener Meynung, was durch das Wort: Bdellion, bedeutet werde. Einige behaupten, daß es einen aromatischen und sehr wohlriechenden Gummi bedeute; andere, daß Perlen oder eine Art von Perlen darunter verstanden werden. Aber welche von diesen beyden Meynunaen man immer annehmen mag, so paffet jede für Arabien auf das Veste. Plimus ^ redet viel vom Bdellion aus Arabien, und * s. v. z. Rap. H. Band. 2. z. B. P ^ -i; zk?> 1,. V. y. R-rp- 226 Irdisches Paradies, und er saget, daß der Baum, aus welchem er kömmt, in dem Sande wächst , den die Fluch und Ebbe des persischen Meer, buseus nach Arabien ausschwemmet. Galen, und mehr an, dere Schriftsteller versichern eben dieses. Was die Perlen he- tr'.fft, weiß Jedermann, daß sie größesten Theils am E-.de des persischen Meerbusens, das ist, gegen Arabien und gegen das Eyland Baharem, gefisiher werden. Es haben auch die Alten die arabischen Perlen allen übrigen aus andern Ländern vorgezogen. a. „Dortfindet man den Onych,,. Plimus saget im fünf und brcyßigsten Buche seiner Naturgeschichte, daß man den Onych nur in Arabien antrifft. Weil aber das hebräische Wort: OM Schoham, welches man geineim lich nur: Onych, übersetzet, manchesmal gebrauchet wird, um andere Edelsteine zu bedeuten, so kömmt auch diesis mit Arabien üöereiuS. Denn Diodor von GiciUen ^ und Strabo * ^ bezeugen, daß Arabien vormals die reicheste Laudschaft au allen Gattungen von Edelste,neu gewesen rst. Wir haben bewiesen, daß das Land Hevilath Arabien ist ; daß phrson jener Arm des Luphrates ist, der sich in den persischen Meerbusen ausgießt. Wir haben also den ersten Fluß gefunden, wovon Moses redet: ihr wolle» wir suchen, wo der zweyre sey. Moses nennt ihn Schon, und saget, daß er sich um das Land Lhus, oder, wie es die Vulgata übersehet, um Actbiopien herumzieht. Nun muß man bemerken, daß mau den Namen : Aethispien, mehren, Landschaften bey< geleget har, welche auch oas Land Lhus geheißen worden sind. Also * L. 2. " lü. v. i,.- '^r sv ,dij SW >lch> 's» ß Irdisches PamdieS. 227 Also nannte man: r. den westlichen Theil Arabiens, welch« anrrothen Meere liegt; 2. einen klemm Theil der östlichen Küste von Afriken an eben demselben Me»; z. diL Landschaft Susiane, welche sich längs dem persischen Meerbusen erstreck«, und heute den Namen : Chlisistan, trägt, der ans dem Worte: Chns, und aus der persischen Endung gebildet ist. Und, nach dem gelehrten Erdebeschreiber, Marius Niger, nennen sogar dis Einwohner von Lhusistar» noch itzt ihr Land: die Erde von Lhns. Endlich lesen wiv in; vierten Buche der Könige, daß Lhut eine Landschaft des Ruches Assyrien war. Nur. aber, Lhut und Lbus Leuten augenscheinlich das nämliche Land an; denn, wie Dis Lassens bcooachttk hat, die Lhaldäcr verwechselten in des Aussprache den Mafta-'M s mit t, und sagten: Atryrien für Assyrien , und Luhr für Lnhs. Weil dann alle Erdbeschreibcr erkennen, daß Lhusistan das Land Lhns ist, und daß diese Landschaft längs dem östlichen Arme Leö Luphrates liegt, wo er gegen den persischen Meerbusen ausfiießt; so-ruß also,der Fluß, den man noch hem zu Tags darinnen anrnffr, eben Lerselbige styn, welchen Moses vor Lrey tausend d«y hundert Jahren mit dem Namen : Gehon,. bezeichnet har. Der dritte Fluß des irdischen Paradieses ist der Tiger, welcher, nach Moses, Lurch Assyrien läuft. Nun dieser Fluß besirömet noch heur zu Tage das Laus, Las also geheißen hm. Der vierte endlich ist der Luphrates, welchem der geheiligte Geschichteschreiber kein u.-rersche,de.idkS Kennzeichen beyleget, weil er nahe genug an den Hebräern lag, derer Väter nn Laude gewöhnet hatten, durch welches er stoß, Md weil er ihnen ganz bekannt war. P r Wir 228 Irdisches Paradies. Wir haben unter dem schönsten Himmelsstriche und im schönsten Lande der Welt eine Gegend gefunden; wir sehen, daß sie von einem Flusse befeuchtet wird, der in zween obere und in zween untere Aerme sich thrilek; wir erkennen, daß alle Länder, durch welche diese vier Aerme laufen, alle Um terscheidungszeichen haben, die ihnen Moses bcygeleget hat. Wir haben also den Ort und die Lage des irdischen Parabie« seü gefunden. Folglich bleibt nichts mehr übrig, als die unschicklichen Spottreden zu verachten, und die ausschwei, senden Ungereimtheiten mir Erbärmniß anzublicken, welche der Verfasser des Handlexikons hoch- müthig anskramet. s IN! « s> r> « r xxxm. L2§ XXXIII. Paul. ^sr Verfasser der wichtigen Untersuchung und des philosophischen Handlexikons stehen beyde widekden heiligen Apostel Paul auf: aber ihre Weise im Angriffe ist ganz verschieden. Bolingbroke geht, wie ein Rasender, darein, der weder Anstand, noch Ehrlichkeit kennet, und da er sich für einen Mylord ausgiebr, sich dabey sy kräftig aus, drücket, daß er den beredtsamsten Lastträger übertrifft. Der Verfasser des Handlexikons verbirgt die Bosheit besser. Er mäßiger die Ausdrücke, er verhüllet seine Streiche, er nimmt einen Ton an, der weniger anstößig ist; aber nicht weniger zu verführen tauget. Man soll bemerken, daß der Verfasser des Handlexikons, und der Verfasser der wichtigen Unter» suchnng nur einer und derselbe Mann sind. Beyde sagen die nämlichen Dinge; nur ihre Redensart ist verschieden. In diesem Artikel wollen wir erst mit wenigen Worten einen Begriff geben, wer der heilige Paul gewesen sey ; wir werden nachmals einen Augenblick von Bolingbroken spre, chen, um die Unanständigkeit und die Ausschweifung der Lästerungen, die er von jenem großen Apostel saget, fühl- bar zn machen; endlich wollen wir auf die Fragen des Ver» fassers des Handlexikons antworten. §. I. Der heilige Paul wird in der heiligen Schrift, das Ge» fäß der Auserwählung, der auserlesene Mann, um den Völkern und den Königen den Namen Jesu Christi zu verkündigen, der Lehrer der Völker, der Gesandte Jesu Christi und P z Gottes 1 , l" ».Hli i 2zo Paul. Gottes seines Vaters. geheißen; und seit siebenzehn hnnden Jahren ist er allezeit in der christlichen Kirche wegen der Men» ge seiner Beleuchtungen, der Unerschrockenheit seines Mürbes, und der Größe seiner Bekehrungen und Arbeiten, für einen 'Ved außerordentlichsten Männer, mit einein Worte, für einen Her größesten Helden der Religion, gehalten worden. Er war zu Tarsus, der HauprftM CUirtens, geboh- ren,und wurde sehr jung nach Jerusalem geschicker, um -dorten die jüdische Religion zu studrrm. Er trat in die Schule Ganraliels, eines der berühmtesten Lehrer seiner Zeiten, und nahrN sich durch seinen Fortgang, seine Einsicht, und seinen Eifer für alles, was zur GotteSgclchttheil der Hebräer gehörte, bald vorzüglich aus. Seine feurige 'Grmüthsart 'und seine großem Kenntnisse bewogen die Synagoge, mehrere außerordentliche Aufträge wider jene aus den Inden, die das Christenthum cumahmen, ihm zu übertragen. > Als er aber, mir gutem Geleite, nach Damaskus zog, um einen Auftrag von dieser Art auszuführen, wurde er von Jesu Christo selbst angehalten, und auf eine rührende und wundervolle Weise bekehret, wie es im Buchs der Apostelgeschichten erzählet wird. Seine Bekehrung veränderte nicht allein seine feurige Gemürhsart nicht, sondern gab ihm noch eine ganz neue Lebhaftigkeit. Er war fähig, alles zu unternehmen; unfähig , bey der Aussicht einer Gefahr zu erschrecken; und über alle Furcht und alle Verfolgungen erhaben: sein Eifer enlbrann allezeit heftiger, und seine Seele stieg allezeit höher empor, nach dem Maaße, wie sie von neuen Gegenständen erfüllet war; er fthnke sich nach nichts mehr, als nach der Ehre Jesu Christi, und dem Helle der ganzen Welt. Länger als dreyßig Jah'.e predigte er das Evangelium in einem großen Thrile PM. 2Zk «xheile 2lsicns und Kuropens. Unerachtet der beständigen Verfolgungen, die er ausstehen mußte, hatten seine Benrü/ Hungen einen wunderbaren Fortgang: die Unerschrockenheit und der Starkmuch, den er mitten unter diesen Ungeroit- j te n bewies, waren allezeit mir dem hihigsten Eistr für siae Feinde selbsten, und mit einer mehr als mütterlichen Zärliichkeitgegen jene, die er Jesu Christo gevohren hatte, vereinbaret. Er endigte seine Laufbahne, da er für seinen Gerl U'. d Herrn das Blut vergoß, und im sieben und sechszigst-n Jahre, ein Jahr vordem Tode des Nero, wurde ihm zu Rom das Haupt abgeschlagen. Also verhielt es sich mir dein heiligen Apostel Paul. Laßt uns itzo sehen, wie Bolingbroke und der Verfasser des Hand, lerikons wider ihn tosbrechen. §. II. I. wer war dann jener Paul, saget Bolingbroke , der noch so viel Lärmens machet, und der alle weile in den Tag hinein angezogen wird ? Er sagte, daß er ein römi> scher Bürger fty. Ich getraue mich zu behaupten, daß er unverschämt leugr. ÄS ^ R K Und wer ist dann jener ungerathene Mylord, der so schänd, liche Sachen vorrrägr? Wenn man ihm seine Maske abzöge, und von ihm erzählte, was man in ganz Europen von ihm ssricht, was für ein abscheuliches Gemälde würde man nicht sehen? II. Er wurde zu den Füßen Gamalicls auferzogen; das ist: er war ein Rnecht von Gamaliel. Fürwahr, man P 4 bemrr- -zr Paul. bemerket. daß er die Kleider derjenigen hütete, die Stephan versteinigten, welches ein Geschässt eines Rnech- tesist. * * * In den ObergerichtSversammlungrn steht der Kanzler zu den Füßen des Königs. Wird man deßhalben jagen, daß der Kanzler ein Knecht des Königs sey? Dieß ist dennoch die Auslegung Bolingbrokens. III. Paul mit der großen Nase und mit dem Rahlkopfe, den Lucian ausspottet, hatte die christliche Sekte zum meisten in den Schwang gebracht. N *- * Lucian wurde mit dem Zunamen der Erzatheist, ^Z'LSTnrsL, geheißen, weil er nichts Heiliges in Ehren hielt. Er zog das Christenrhum Lurch, wie er schon das Heydenthum durchgelassen hatte. Es ist nickt zu wundern, daß jene, die ihn nachahmen, seiner mir Ehren gedenken. Suidas schreibt, daß dieser Elende von den Hunden zerrissen worden sey. IV. Hatte der Rardinal Bembo nicht recht, daß er die Episteln des heiligen Pauls: KpilloIaciD, nannte, und den Rath gab, man sollte sie nicht lesen ? * * * Dieß ist, nach der Meynung Baylens *, eine lautere Verleumdung wider diesen Kardinal. Sie kömmt von einem teurschen Schriftsteller, mit Namen: Thomas Lange, der den N » Ich ßt«! Hill ' Y ' Im Artikel; Bemdo. Paul. rzz den Emsä>lnß gefaßt hatte, alle Völker Europens durchzu- lasten. Alle Quellen sind gut für Bolingbroken, dafern sie nur vergiftet, oder verdächtig sind. Die Sendschreiben des heiligen Pauls sind ein außerordentlich kostbarer Theil von der Schrift des neuen Bundes. Man sinder darinnen die wichtigsten Lehrsätze kräftig und nachdrücklich vorgetragen, die Sittenlehre genau und richtig behandelt; man sieht eine Wohlredenheit, welche erhebt, rühret, beleuchtet, und wo- bey der Eiftr für die Ehre Jesu Christi und für die Heiligung der Menschen, als der einzige Beweggrund, nach dem er sich richtet, und der einzige Endzweck, den er sich vorstellet, allezeit hervorscheint. §. ui. i. war Paul ein römischer Bürger, wie er sich rühmet ? Wenn er von Tharfls in Cilicien war ; so ist Tharfls erst hundert Jahre nach ihm eine römische Pflanzstadt geworden . alle Alterthumskundigen kommen damit über- eins, wenn er aus der kleinen Stadt, oder dem Marktflecken Giskale war, wie es der heilige Hieronymus ge- glaubet bat; so ist diese Stadt in Galilärn gelegen: und die Galiläer waren gewiß keine römischen Bürger. * ^ * Troß aller vorgeblicher und sogenannten Alterthumskun, dig-n, berichtet uns Dio Lassiuo ^, daß Julius Cäsar, und nachmals August den Einwohnern von Tarsus, und nicht Thaisis, wie der Grübler wähnet, das römische Bürgerrecht P? ' Geschjcht. 47. D. 2Z4 ^ Paul. Herrscht gefchenket haben: sie schenkten ihnen diefts Recht zur B Di! «D hu Rann man Paulen entschuldigen, daß er petcrn Verweise gab, weil er jüdisch lehrte, da er sechsten im Tempel acht Tage jüdisch gelehrer hat? «'S Harduin hätte die Beschwerniß bald gehoben, wenn er sagte, es sey bey diesem Streits nicht vom heiligen Peter die Rede gewesen, sondern von einem andern Manne, der Leph.rs hieß, welches im Hebräischen eben das bedeutet, was Peter heißt. Allein es ist nicht vonnölhen, die sonder» baren Meynungen dieses berufenen Schriftstellers anzunch, men. Die Begebenheit aus sich sechsten entschuldiget und rechtfertiget die zween Apostel. Man vernehme, wovon die Frage war. Als die Religion Jesu Christi unter den Juden zu Jerusalem gepflanzet zu werden anfieng, wurden die Cere, monren >>! r. l, d VüÄ. 2Zf nionttn und Gebräuche d?r jüdisch-n Religion unter Leu Christen, die vorn Judemhume herkamen, eine Weile ge- duldet. Diese Gebräuche, welche in ihrer Stiftung heilig Niid ehrwürdig sind, waren noch nicht verworfen worden; aber sie waren auch nicht nochwendig. Gleichwohl behaup- leim einige aus den bekehrten Juden, daß Li- Heyden, welch? das Christemhnm annähmen, eben L-eftu Gebräuchen auch Nachkommen müßten. Der Kirchenrath von Je» rnsalem, woben der heilige Peter den Vorsitz hakt?, entschied den Gegensaß. Dieser Fürst der Apostel, der son, derbare Nachfolger Ich- Christi im Predigkamte durch Im dcnland, wich von jenen Gebräuchen nicht ab, wann er bei) Juden war, damit er Vorurtheile, die noch zu verzeihen waren, in Acht nehmen möchte; aber wann er bey bekehrten Heyden war, hielt er sich nicht daran gebunden: »md also betrug er sich zu Antiochien mir den HeyHen , die den Glauben angenommen harten. Nichts war klüger und vernünftiger, als ein solches Betragen. Der heilige Paul verhielt sich auf gleich? Weift, wie wir es aus Len Apostelgeschichten , und aus seinen eigenen Briefen fthm. Dennoch unerachret des Ausspnrchs von dem Kirchenraths zu Jerusalem, und der Erklärungen der Apostel, wurden die Kirchen von Galati?« durch die bcktzhrim Juden gestöret, welche behaupietm, daß die Heyscn, die das Christenthum annahmen, sich auch der Beschneidung unterwerfen müßten. Der heilige Paul bestrebte sich mächtig, dieses Begehren zn bestreiten ; und er bestritt es mir Nach» drucke. Er reifete nachmals nach Antiochien, wo er den heüiZen Peter antraf. Weil sich eine Menge bekehrter In» den von Jerusalem eben um dieselbe Zeit nach Antiochien verfüg?! harten, nahm der Heilige Peter mir ihnen, aus Ursa- V 2Z§ Paul. Ursachen, wie wir gesaget haben, das gleiche Betragen an, wie er es zu Jerusalem that. Der heilige Apostel Bar> nabas, und mehr andere Christen aus dem Judsmhume, machten es eben also. Der heilige Paul fürchtete dann, es möchte dieses Betragen des Fürsten der Apostel, so vsrnünf, rig es immer war, die Vorurrheile der bekehrten Juden von Galatirn stärken. Er vertrug sich mit dem heiligen Peter, nach der Mcynung des heiligen Hieronymus daß er ihm in eurer Versammlung der Brüder verstellen wolle: seine Nachsicht gehe zu weit; damit alle Kirchen wohl ver» stehen möchten, daß es keineswegs vvnnöthen sey, sich der Bsschneidung zu unterwerfen, oder die Werke des GeftßcS auszuüben : und diese Vorstellung machte in der Thal den ganzen Streit aus, welchen der heilige Peter und der hei' lige Paul mit einander hatten. Eine so einfache und so deutliche Erklärung, wie wir da geben, genüget schon, um die zween Apostel zu recht» fertigen, und den Fragesteller zu beschämen. LU. ch« W i»! Hat Paul Recht gethan, -aß er seinen Schüler Tu ^ motheus beschnitt, nachdem er zu den Galatern geschrie» ^ den hatte: Wenn ihr euch beschneiden lasset, wird euch ^ Jesus nichts helfen? ^ * * M- Die Antwort steht im vorhergehenden, was wir eben ! gesagt haben. Jesus hätte jenen, welche die Beschneidung ^ als nyrhwendig betrachtet hätten, nichts geholfen. tz, » Nrief an Aus, 2?7 Paul. rv. Als Paul von den Juden dem Statthalter in Iw denlande übergeben wurde, weil er Fremde in den Tcm, pel eingeführct hatte , hat er Recht gcthan, daß er zum Statthalter sagte: man führe wegen der Auferstehung der Todten die Rlage wider ihn, da doch von der Auferstehung der Todten die Rede nicht war? * ^ * Der heilige Paul Hat nicht Unwahrheit geredet. Jene, die ihn anklagten, daß er Fremde in dm Tempel enigefüh- ret habe, waren Lügner. Diefts war falsch; und die An, kläger konnten es nicht beweisen. * Der heilige Paul sagte srlbsten in einer Versammlung der Juden , in Gegenwart des Hohen Priesters, ^ * daß er nur wegen seiner Lehre, von der Hoffnung eines zukünftigen Lebens und der Auferstehung der Todten, angeklagt werde, weil er immer die Auftc, stehung Jsfu Christi predigte: und dieses reizte die Juden wider ihn zum Zorne. Endlich, als er unter der Fortsetzung eben dieser Gerichtstage vor dem Statthalter redete, der ein Römer war, machte er nur einen kurzen Auszug vom Hergange der Sache, und zog allein den Artikel von der Auferstehung der Todten an, den er allezeit und alleuthal, ben predigte. Der heilige Paul ist also vollkommen unta, delhaft. Hat es mit dem Gegner das gleiche Verhälmiß? V. Hat er recht gethan, daß er zu den Rorinthern schrieb : Haben wir nicht das Recht, auf eure Rosten zu leben, und eine Frau mit uns zu führen u. s. w ? Hst er Recht gethan, daß er Ln seinem zweyten Sendschrei ben * Apostelgesch. XXl. '» Ebend. XXll. 2Z8 Paul. den zu ihnen schrieb: Ich rvcrde denen, die gesündrgct haben . und allmr übrigen nicht verzeihen? g'^as würde man heut zu Tage von einem Manne denken, der, samt seinem Weibe, auf unsre Rosten leben, uns richten, strafen, und den Schuldigen mir dem Unschuldige,, vermengen wollte? * * * O! dieftsmal kömmt der arme Mann völlig aus dem Gleise. Sein Haß gegen den großen Apostel verblendet ihn gänzlich. Er wird die Ungereimtheit seiner Reden nicht gewahr. An welcher Stelle saget dann der Apostel, Laß er den Schuldigen mit Len, Unschuldigen vermengen wolle? An welchem Orte verlanget er, samt einein Weibe, daß er mir sich führen wollte, auf Kosten der Rorinther zu leben? Der Apostel giebr von seiner edeln Uneigemnchlichkeit cm« geuscheinliche Beweise, gleichwie der Gegner Lurch seine Necfalschnngen seine Bööarr an den Tag leget. Manver» nehme, wieder heilige Paul sich ausdrückek: ^ „ Heben wir nicht das Recht, ernähret zu werden ? „ haben ww nicht die Macht, eine Frau mir uns zu führen, „ welche unsre Schwester in Jesu Christo ftyn soll, wie' „ es andere Apost l machen? Wer ist jemals ans seine Ko, „ stm in den Krieg gegangen? wer pflanzet einen Weinberg, „ und ißt von seinen Früchlen nicht? — Wenn wirumcr „ euch geistliche Güter ausgesrer haben, ist es zu viel. Laß „ wir eia Wenig von euer« weltlichen Gütern »..sammeln? „ Allein wir haben dieses Recht nicht gebrauchet, und wie „ leiben rm Gegenrheile alle Ärr von Beschwerlichkeiten, „ bannt wir dem Evangelium kein Hiuderniß in den Weg „ leg.n,,» > Md ' o. I .. IX. S!i !- 1 >!>« Lll ch i» jll p W «r M, W Li «! «d! A. >s ß Paul. . 2Z9 Und im zweyten Sendschreiben redet er eben wieder zrr denRormchern also : ^ „ Ais ich bey euch wohne», uns „ in der Dürftigkeit war, bin ich Niemandes zur Last ge« „ wesen. Sondern unsre Brüder, die von Ulacedotuen „ gekommen waren, haben mir meine BeLürfn-.sse verschal „ ftt. Ich habe mich gehütet, durchaus Jemanden be- „ schwerlich zu fallen, gleichwie ich mich iwch in Zukunft „ hüten werde,,. Was den zweyren Text betrifft, welchen der Gegner anführe: , und worüber er sich so ,ehr zu entrüsten scheint, ftt! er hier samt seiner Erklärung von dem heiligen Paul selöstm folgen „ Ich fürchte, daß ich unter euch Zwietracht, „ E'ftrsucht, Feindschaft, u. s. w. antreffen möchte. Gott „ wolle mich nicht so sehr besiürzm, daß ich üoer viele wei, ,, neu müsse, die schon in schändltche AusschweifrmgmgLsab „ len sind, und darüber nicht Buße gechan Habe-:. Aller „ soll nach der Aussage zroeener oder dreyer Z ügen enkschie- „ den werden. — Ich sage es euch noch einmal: Wenn „ ich das drittemal zu euch komme, will ich weder jene, „ dis vormals gejündiget hatten, noch alle übrige vecscho- „ nen: Ich schreibe euch dieses, da ich abwesend bin, Sa- „ mit ich nicht Ursache habe, wann ich bey euch seyn wer» „ de, mich der strengen Gewalt zu gebrauchen, die mir ,, der Herr gegeben hat, um zu erbauen, nicht um nie- „ derzureißen,,. Verleumder des Apostels! erröthen Sie, wenn Sie es im Stande sind. VI. was versteht man unter Pauls Entzückung in den dritten Himmel ? was ist ein dritter Himmel T * * * * Mar "r. Kvr. xr. "Ebend. XII. 240 Paul. Was versteht man unter dem Aufgange und dem Nie, Lergange der Sonne ? was versteht man unter der Morgen« rörhe? Geht die Sonne auf? geht sie nieder? Har sie nah; beym Weltmeere ihr saftanfärbigteS Lager? Giebt es ein Wesen, das Morgenröt he heißt, und mit ihren rosenfär« bigttn Fingern den Himmel aufsperret ? Dieß sind Redensarten. Eben also verhält es sich mit dem dritten Himmel. Es ist eine Redensart, um eine Entzückung über alles, was sichtbar ist, und unsre Sinne rühret, auszudrücken. Ist diese Entzückung wahrhaft, oder nur ein starker Eindruck auf die Seele des Apostels gewesen ? Er saget uns selbsien, er wisse es nicht. VII. Was ist wahrscheinlicher, menschlich zu reden, daß Paul ein Christ geworden sey, weil er am Hellen Mittage durch ein großes Licht von seinem Pferde gestürzet worden ist, und weil ihm eine himmlische Stimme zager ufen hat: Saul! Saul! warum verfolgest du mich? oder weil Paul, entweder wegen der Verweigerung Gamalielo, der ihm seine Tochter nicht geben wollte, oder wegen einer andern Ursache, wider die Pharisäer erbittert gewesen war? * * * Wer hat Ihnen gesaget, daß es einen Paul gegeben hat? wir wissen Sie, daß er ein Christ geworden ist ? wer hat Ihnen berichtet, wie er bekehret worden sey? Paul selbsien, welcher es vor den Königen, Oöerkeiten, Land^flegern be« zeugete: der erste Geschichteschreiber der Christen, der Ver» faffer der Apostelgeschichten : Peter, der erste Oöerhirt der Paul. 24 k Religion. Aber wer hat von der Tochter Gamaliels geredet ? Man kann keinen Schriftsteller aus den ersten Jahrhunder« ten angeben. Endlich was machet eine Geschichte glaubwür, big? Eine eingebildete Wahrscheinlichkeit, oder die Bestä, tigungder Zeugen? Kann ein gesunder Menschenverstand dergleichen Fragen aufwerfen? Wo ist die Vernunft eines Mannes, der also zu schließen fähig ist? VIII. Der Frager beschließt seinen Artikel, da er saget: Ich stelle alle diese Fragen nur , um mich zu belehren; und ich fodre von einem jeden, der mich belehren will, daß er vernünftig rede. Wer immer es unternimmt, andere zu belehren, soll sich nur an Leute wenden, die fähig sind, Vernunft anzunehmen. Der weise Mann "'saget uns: Einem klugen Menschen sind die Unterweisungen nützlich; aber hundert Prügel werden einen Unsinnigen nicht gescheuter machen. * Sprüchrv. XV». MM AM L. Van-, Ä XXXIV. 242 XXXIV. Peter. AA enn man die Aussprüche der heiligen Schrift zu Rache zieht, so wird man finden, taß niemals ein Mann gelebet Hut, der zu eine»' so ausnehmenden Würde erhoben, mit ein« so ehrwürdigen Gewalt versehen, und durch so große Vorrechte begünstiget worden wäre, als das Haupt der Apostel, der heilige Peter. Was diese Gewalt, diese Würde, diese Vorrechte so ehrwürdig machet, ist dieses, daß nichts dabey die Wirkung der menschlichen Macht, oder der Gewalt der Waffen, oder willkührlicher Verordnungen ist; sondern alles kömmt von der unendlichen Weisheit und dem unbeschränkten Willen des einzigen Sohns Gottes her. Die, ses wollen wir erklären, da wir etliche dieser Aussprüche vorlragen. i. Peter ist von Jesu Christo als der Grund seiner gan, zen Kirche, und des ganzen Gebäudes sein« Religion, eingcschet worden. Alan vernehme, wie ihm diese Wahl verkündiget und erkläret worden ist. Als Jesus Christus eines Tags mitten unter seinen Aposteln war, fragte er sie gesprächweise, was man in der Welt von ihm dächte. Etliche,,, sagten sie, „halten dich für Johann den Täufer; manche für „ Elias; andere für Jeremias, oder für einen aus den Pro, „ pheten. — Aber was denket ihr von mir? antwortete „ Jesus Christus. — Alsobald gab ihm Peter, der seine „ ewige Gottheit erkannte, diese glorwürdige Zeugschaft: „ Du bist Christus; du bist der Sohn des lebendigen Got, „ttS. * Matth. XVl. MT A ß>«,i Vst W r, Peter. 24z „ tes.— Selig bist Lu, Peter, Sohn Johanns! gab „ ihmaufder Stelle Jesus zur Antwort: Weder Fleisch, „ noch Blut Hat dir diese erhabene Wahrheit geoffenbaret; „ mein Vater, der im Himmel ist, har dich göttlich be« „ leuchtet. Und ich sage dir: Du bist Peter; und aufdier „ sin Felsen will ich meine Kirche bauen, welche die Pfor, „ ten der Hölle niemals überwältigen werden. Dir will ,, ich die Schlüssel meines himmlischen Reiches geben, der« „ gestalt, daß alles, was du auf Erden binden wirst, inr „ Himmel gebunden, und alles, was du auf Erden lösen „ wirst, auch im Himmel gelöset sey „. Man muß bemerken, um die Kraft und den Nachdruck dieses Textes besser zn fühlen, daß das syrische Wort: Le- phas, Peter, einen Mannsnamen, und einen Stein, den man zu Gebäuden brauchet, gleicher Weise bedeutet. Die, se Kraft und diesen Nachdruck hatte der große Athanasius recht gesühlet, als er dieselbe Stelle also vortrug: * Du bist Peter, und auf dich , als auf meinen festen Grund« stein, steuren sich die Säulen der Rirche, das ist, die Bischöfe. 2. Peter ist von Jesu Christo, als der allgemeine Hirt der Kirche und aller Glieder, woraus die Kirche besteht, ringcsißet worden. Die Weise, nach welcher dieser wichtige Auftrag ihm übergeben wurde, ist in allen ihren Umstän, den sehr merkwürdig. Als sich der Herr, saget uns der heilige Johann r als sich der Herr nach seiner Auferstehung Las drittemal seinen Aposteln gezeiget hatte, richtete er mit einmal die Rede an Peter besonders, und fragte ihn: Peter! liebest du mich mehr, als alle diese mich lieben ? — Ja, Herr! KM« "Sxnodjsch. Brief an Felir. Q r P S44 Peter, antwortete Peter: du weißt, daß ich dich liebe.— Wohlan! fuhr Jesus fort: wende meine Lämmer. — Er fragte ihn noch zum zweytenmal: Peter! liebst du mich? — Ja, Herr! erwiederte der Apostel aufs Neue; du weißt, daß ich dick liebe. — Wohlan! weyde meine Lämmer: sagte ihm Jesus wieder. — Endlich wiederholte ec eben dieselbe Frage zum drittenmal. Peter, bestürzet über diese dritte Frage, gabzur Antwort: O Herr! nichts ist dir verborgen ; >md du weißt wohl, daß ich dich liebe.— Alsdann sprach Jesus zu ihm: Weyde meme Schafe. Und nachdem er ihm den glor, würdigen Tod vorgesaget hatte, womit seine Bemühungsn im höchsten Alter bekrönet werden sollten, sagteerzu ihm: Folge mir: und vermmhlich geschah dieses, um ihn noch insbesondre m unterhalten; denn es wird von dem Ans« gange dieser dritten Erscheinung nichts mehr gemeldet. Erstlich muß man b.y dieser kleinen Erzählung bemerken, als Jesus Christus zu petern sagte: * weyde meine Lämmer, weyde meine Schafe, daß es so viel ist, als MMI ex zu ihm gesagt Härte: Weyde überhaupt meine gan» ze H erde Denn die Worte; meo8 und meng, meine Lämmer, meine Schafe, bedeuten alle, die Jesu Christo an- gehöre,, und folglich alle Glieder, und alle verschiedene Stände, woraus die Kirche Jesu Christi gebildet ist. Zwey» tens muß man bemerken, daß dieser Auftrag perern in Ge» genwart der übrigen Apostel übergeben wurde; daß die übrigen Apostel denselben erkennen mußten, da die Sache unter ihrem Angesichte von Jesu Christo rn eigner Person vollzogen ward; daß sie ihn wirklich allezeit erkannt haben, wie wir es hm.ach sehen werden; und daß eben aus diesem Grunde KD^ z,P> F s>O Hik> sA ß tz lq ' Ich. XXI. Peter. 24 s Grunde dir wahren Gläubigen für den' Stuhl des heiligen Peters jederzeit die größeste Ehrfurcht gehabt Haber». z. Peter ist, in der Erklärung der Macht, die Jesus den Aposteln gegeben hatte, von allen übrigen unterschieden. Sie erhalten alle die gleiche Gewalt, die Sünden zu verge« den und anzuhalken, zu binden und zu lösen, wre der heilige Matthäus * anmerket: aber zu Peter» allein hat Jesus gesaget: Dir will ich die Schlüssel des himmlischen Reiches geben. Man kannst» ein Haus, in eine Stadt nicht eingehen, wenn jener, der die Schlüssel dazu hat, nicht selbsten aufsperret , oder erlaubet, daß man aufsperre. Es verhält sich dann eben also mit dem himmlischen Reiche, weil die Schlüs- sel dazu perern übergeben worden sind. Die Macht, die Gewalt, das Recht, den Gläubigen den Himmel zu eröffnen, kömmt also von Peter»» her: und dieses machet die Einheit der Kirche, die Einheit der Heerde, und die Einheit des Hirten aus: ** kiet ununi ovile > öd unus kslior. 4. ptterist der einzige ans Len Aposteln, welchem Jesus vorsaget, daß sein Glauben niemals wanken werde: er ist der einzige, für welchen Jesus Christus insbesondere bittet, »md welchem er nachmals aufträgk, seine Brüder in dein Glauben zu stärken. Denn, als Jesus zu allen seinen Aposteln gesagt hatte, daß er sein Reich fürste bereite, wie es sein Vater für ihn bereiter habe, sagte er nachmals diese eigenen Worte zu petern: Simon! Simon!, sieh, der Satan wartet auf euch alle, daß er euch durch das Sieb sichre, wie man das Rorn sichtet. Aber ich habe für dich gebethen, damit dein Glauben nicht wanke; und dir * Matth. XVIII. *» Jvh. X. r«k. XXII. Q z -46 PeteS. dir trage ich auf, deine Brüder zu stärken und zu best«, tigen. Kraft dieser Gewalt, dieser Macht, dieser Würde des Oberhaupts der Kirche, übernahm Peter ihre Regierung in allen Dingen von großer Wichtigkeit, sobald Jesus in den Himmel gefahren war. * Zr ließ alsogleich einen zwölften Apostel erwählen, um die Stelle desjenigen zu ersehen, der Jesum verralhen hatte. ** Er eröffnete zuerst den Heyden die Thüre zum Evangelium. *** Er versammelte zu Jerusalem den ersten Kirchenrath, welcher mir Ehrfurcht seinen Ausspruch annahm, wo die ganze Versammlung schwieg, sobald er zu reden anfieng. Er wird in allen evangelischen Büchern jederzeit vor allen andern Aposteln genannt. Zn ihm verfügte sich der heilige Paul, um sich mit ihm zu umrrreden, und ihm Rechenschaft zu geben, wie er das Evangelium predigte, damit er sicher seyn möchte, daß er es recht verrichtete, aus Furcht, wie Paul sechsten saget, vergebliche Arbeiten zu unternehmen. Für ihn hielt die ganze Kirche Gebethe, und hörte nicht auf, sie zu ver, richten, als er vom Herodes gefangen geschet war. Alles endlich bezeuget, daher seine Gewalt über die ganze Kirche ausgeübet, und daß die ganze Kirche feine Gewalt erkannt hat. Daraus kann man schließen , wie unanständig der Ausdruck derjenigen sey, welche, da fle von dem Nachfolger des heiligen Peters sprechen, ihn nur den Bischof von Rom nennen. Dicß zeiget an, daß diele Leute in der Religion schlecht unterrichtet, oder gegen die Religion übel gesonnen sino. Und noch merkwürdiger ist dieses, daß jene, die die» sen unanständigen Ausdruck zum hochmüthigsten und keckesten brauchen, ' Apostelgesch. 7. «' Ebend. X. " * » Ebend. XV. *" * Galat. H. '« * * * Apostelgesch. XU. Peter. »47 brauchen, manchmal die niederträchtigsten Seelen sind, wel, che vor der mindesten Oberkeit, die ein Ansehen hat, aus Furcht zittern möchten, oder die aus Schmäucheley oder Eigennützen die prächtigsten Titel an die verächtlichsten Geschöp, feverschwenden würden. Ueber alles, was wir ißt beygebracht haben, und wo, durch die Würde und Gewalt des Fürsten der Apostel aus, gezeichnet ist, trifft man in den Büchern des Evangeliums noch viele andere Stellen an, welche die außerordentlichen Gaben und Vorzüge andeuten, womit er verherrlichet wor, den ist. * Er war durch ganz sonderbare Erleuchtungen begeistert, da er der erste von der ewigen Gottheit Jesu Christi Zeugniß gab. ** Er war der erste unter den Aposteln, welchem Jesus nach seiner Auferstehung erschien. *** Er vernahm aus seinem Munde, daß er sein Leben an dem Kreuze, wie er, beschließen werde. **** Er war so mächtig an Wunderwerken, daß sogar der Schatten seines Leibes die Kranken heilere. ***** Seine Worte waren so wirksam, daß er durch eine einzige Rede fünf tausend zu Christen Machete: seine Standhaftigkeit, seine Einsichten, das Ansehen, womit er sprach, setzten den Hohenpriester, und die ganze Synagoge in Verwunderung. Mit einem Worte: alles an ihm zeichnete den Statthalter Gottes auf Erden, den Verwalter des Sohns Gottes, Jesu Christi, und das Werkzeug des hei. ligen Geistes aus. Nachdem wir also die Vorrechte, wodurch sich das Oberhaupt der Apostel auönahm, bestimmet haben, bleibt nichts mehr übrig, als zu beantworten, was der Verfasser des ' Hand, * Matth, xvr. " Suk. XXIV. Joh. XXI. Apoffelgesch. V. Lbend. IV. O. 4 L48 Beter. Handlexikons und Bolingbroke wider ihn ausgespieea haben. I. Peter, heißt es im Handlexikon, ist für den Bischof von Rom gehalten worden. Aber man weiß genug, -aß es zu derselben Zeit, und lange danach, kein besonderes Bischofthum gegeben hat; die christliche Gemeine hat erst gegen das Ende des zweyten Jahrhunderts eine Verfassung angenommen. Es mag seyn, daß Peter die Reise nach Rom gemacht habe; allein man hat keinen Beweis davon. Es war ein heiliger Mann, dem man eine Pfründe zu Rom sehr theuer zu kaufen gegeben hatte; welches man eine Simonie heißt. Man fragte ihn, ober glaubte, daß Simon Peter zu Rom gewesen.*- Er gab zur Antwort: Ich glaube nicht daß Peter dort gewesen sey; aber vom Simon weiß ichs gewiß. ! «L ! d!, ch« tz «! l« Es wäse hart, mehr Lügen in weniger Worten vorzubringen. Wir wollen sie alle stückweise aufnehmen, und in >« das Helleste Licht setzen. ^ A 1. Das Mährchen vom heiligen Manne, der eine k Pfründe zu Rom gekauft hatte, ist nicht gut ausgesonnen: « denn man erkennt weder jene, die Pfründen verkaufen, noch ! die, welche sie kaufen, für Heilige. , § 2. Nur ein Unwissender mag sagen, es Habe beym Am j fange des Chrrstenthums keine besonder» Bifchofthümer ge- I geben. * Der heilige Peter weihete den heiligen Markus zum Bischöfe von Alexandrien; er bestellte Evodius für feinen * Hier»», von den geistl. Schriftst. Peter. 249 seinen Nachfolger zu Antiochien; der heilige Paul setzte seinen Schüler, Timotheus zum Bischöfe von Ephesus ein; die Versammlung der Apostel ernannte den heiligen Jakob zum Bischöfe von Jerusalem. Euseb von Läsareen hat uns die Verzeichniß der Päpste vom heiligen Peter an, und der Bischöfe von Alexandrien, Antiochien, und von den meisten großen Bischosstßen, von den Zeiten der Apostel an, hinterlassen; und unser Widerfacher saget uns zuversichtlich: Man weiß genug, daß es zu derselben Z it kein besonder res Bischofthum gegeben hat. z. Er bestreitet die Stiftung von dem Smhle des heili- gen Peters zu Rom ; und er bestreitet sie mit so vielem Grunde , als man haben würde, die Stiftung des römischen Rei, ches durch Julius Cäsar anzustreiten. Er würde sehr verlegen seyn, wenn man ihn fcagete, wer der erste Papst ge, weseu sey. der sich zu Rom als Nachfolger des heiligen Peters aufgeworfen habe. Allein wir wollen durch unmittelbare und unumstößliche Beweise die Wahrheit dieser Stiftung darlegen. Erstlich wird sie von den ältesten griechischen Vätern bezeuget: von papias, Hegesippus, Irenäus, Origenes, Ignazen, Dionysius von Rorinth, Epiphanias, Theo- doreten, Athanasen, Lhrisoftsmus. Eben dieses bestätigen unter den lateinischen Clemens, Lertullian, Cyprian, Grosius, Laktanz, Ambrosius, Hieronymus , Augustin. Wir würden kein Ende finden, wenn wir alle Zeugen her, zählen wollten , die in diesem Stücke einhällig Bürgschaft leisten. Zveytens bezeuget es der Heilige Peter sechsten in dem Bneft, den er von Rom an die Kirchen von Asien pontus, Galaxien, Rappadozien, Bythinien schrieb, welche wäh, O.; rend »s» Peter, rend seines Aufenthalts zu Antiochien Lurch seine Sorgfalt gepflanzel worben waren. Er giebt Rom den Namen Ba. bylon, wie ihn auch der heilige Johann in seiner heimln chen Offenbarung dieser Stadt beyleget. Drittens, mögen sich die Feinde der römischen Kirche immer so sehr bemühen, um diesen Punkt verdächtig zu ma» chen, da sie verschiedene Stellen aus den Apostelgeschichten dagegen sehen; so ist dennoch nichts leichter, als sie zu nm verlegen, wenn man ihnen zeiget, daß alle Begebenheiten, mit der Stiftung von dem Stuhle des heiligen Peters zu Rom, in der natürlichsten Ordnung stehen: und hier folget die Zeitrechnung in ihrer ganzen Ordnung. Der heilige Peter verblieb nach der Himmelfahrt Jesu Christi ohngefahr fünf Jahre im Iudenlande; und während dieses fünften Jahres gieng er nach Antiochien, und schlug dort seinen Sitz auf, wie es Euseb von Läfareen * bezeuget. Von Antiochien durchreisen: er die Landschaften ponr tus, Asien, Galatien, Rappadozien, Bythinien, und stiftete dort verschiedene Kirchen. * * Während seines siebenten Jahres zu Antiochien, besuchte er die Kirche von Jerusalem wieder, wurde dort auf Befehl des Herodes gefangen geseßet, von dem Engel des Herrn wunderbarlicher Weise erlediget, und verfügte sich von danneu nach Rom, im eilften Jahre nach der Him» nielfahrt Jesu Christi, welches das zweyte von der Regie, rung des Claudius war. Nachdem er sieben Jahre zu Rom gewöhnet hatte, muß, teer daraus wegziehe», weil der Kaiser, im neunten Jahre seines Reiches, welches das achtzehnte nach der Himmelfahrt war, alle Juden aus Rom verbannte. Peter kehrte dann nach F O' D Ai w U ß !>r ' Lhro». ** ApoKclg-fch. Xll. Peter. 251' nach Jerusalem zurück; und eben in demselben Jahre kam der heilige Paul zu ihm, und wurde der Kirchenrarh zu Je, rusalem gehalten*. Zwey Jahre danach, als der Kaiser Claudius gestorben war, verließ der heilige Peter Judenland, zog über Antiochien, wo er sich wieder eine Zeitlang aufhielt, und gieng nach Rom zurück. Dort blieb er bis zu seinem Mar, tenhume, welches am Ende der Regierung des Nero geschah. Wir haben durch diese Reihe der Zeitrechnung gern an dm Tag legen wollen, wie unbedeutend und vernunftlos das Gcschwähe unsrer gelehrten Philosophen sey. II. was Peters Person betrifft, muß man gestehen, -aß Paul nicht -er einzige war, der sich über sein Be, tragen ärgerte. Man hat ihm oft ins Angesicht widersprochen ; ihm und seinen Nachfolgern. Paul hat ihm bitter verwiesen, daß er verborhene Speisen aß. Peter vertheidigte sich, und sagte, er habe den Himmel offen gesehm, von dessen vier Ecken ein großes Tafeltuch her- abhieng, welches mit Aalen, vierfüßigen Thieren, und Vögeln gefüllet war; und ein Engel habe ihm zu, gerufen: Tödte, und iß. » qs ÄS Der Verlauf des Streites, den der heilige Peter und der heilige Paul mit einander hatten, ist im Artikel: Paul, erkläret worden. Wir werden hier davon nichts melden. Es heißt ferner: Man hat petern und seinen Nach, folgern oft ins Angesicht widersprochen. Allein man hat Jesu ' Galat. H. 2sr Peter. Jesu Christo sechsten widersprochen: man widerspricht alle Tage den ehrwürdigsten Oberteilen, den weisesten Gesehen. Was soll man daraus schließen ? Daß es boshafte Leute giebt. Peter, saget man wieder , vei-theidigte'flch, und sag» te, er habe den Himmel offen gesehen, u. s. w. Dich ist eine Lüge, die sich für einen luinpichten Schriftsteller schicket, i. Nirgend steht von der Ver-Heidigung Peters ein Wort, s. Die Sache, die er anfühcet und verunstaltet, ist ein er, habcner Unterricht, welcher mehr als fünfzehn Jahre früher' petern gegeben wurde, und mir dem, was zwischen dem heiligen Peter und dem heiligen Paul vorgieng, keur Ver» hältniß hat. Man kann davon vollkommen überzeuget wer, den, wenn man das zehnte Kapitel der Apostelgeschichten liest. I!!. Lasaubon konnte das Verfahren nicht gutheißrn, womit Peter dem ehrlichen Manne Ananias und Zaphu ren seiner Frau begegnete. Mit welchem Reckte befahl oder gestartete ein Jude, -er ern Gklav der Römer war, daß alle, die an Icsum glaubten, ihre Habe verkaufen, und das Geld davon zu seinen Füßen legen sollten ? wenn ein Wiedertäufer zu London alles Geld seiner Brüder ;u seinen Füßen bringen ließe, würde man ihn nicht als ei, nen Räuber, als einen aufrührischen Verführer fest halten ? Ist es nickt gräulich, daß Ananias sterben mußte, weil er, da er sein Gut verkaufet, und das Geld dafür petern gegeben hatte, etliche Lhaler für sich und seine Frau zurückbehalten , ohne es zu sagen, um sich die Nothdurfr zu verschaffen? Loringius fraget, warum Pe, ter, der jene, die ihm Allmosen gegeben hatten, also ums Lrden Dl»' i,L> w Peter. 25 z Leben brachte, nicht vielmehr alle Schriftgelehrte getödtet habe, die Jesum Christum ;um Lode befördert hatten. * * * Man bemerke diese Schleuste von unsinnigen Sähen, r. Er stellet den Häuchler Ananias, welcher dem Kirchen, Haupte vorleugt, als einen ehrlichen Mann vor, der aller, dingö unschuldig ist. Also log vor erlichen Jahren ein sehr bekannter Schriftsteller dem Könige von Preußen vor. Es ist nicht zu wundern, daß es beyden sehr übel bekommen ist. 2. Er saget, die Inden seyn Sklaven der Römer ge, weseu. Man sieht nicht, warum er es sage. Die Juden waren eben so wenig Skiaven der Römer, als die Völker Luropens Sklaven der Fürsten sind, denen sie gehorchen. z. Er vergleicht den heiligen Peter einem Räuber und einem Aufrührer. Wenn die Beschimpfungen , die man , den Heiligen aiuhur, so strenge gestraftt würden, als jene, die man den Regenten erweist, so möchte dieser Lästerer schon lange aus einem andern Tone gesprochen haben. 4. Er saget, der heilige Peter habe jene ums Leben ge, bracht, die ihm Almosen gaben. Peter war durch seine Verachtung des Reichthums eben so groß, als unser Schrift, steiler, unerachtet seiner hochmüthigen Pracht, verächtlich ist. Nachdem wir diese Anmerkungen vorausgeschickt haben, wollen wir die Begebenheit mit Ananias vorstellen, Wieste uns der heilige Lukas selbst«, erzählet hat. * „ Alle Gläubige,,, saget uns dieser heilige Schrift» „ Mer, hatten nur ein Herz und eine Seele; Niemand sah „ für sein Eigenthum an, was er besaß ; alles unter ihnen " Ap»stelaesch. IV. 2s4 Peter. „ war gemein: es lebte auch Niemand in der Dürftigkeit. „ Wer Felder oder Häuser hatte, verkaufte fle, und brach, „ te ihren Werth zu den Füßen der Apostel. * Ein sicherer „ Ananias verkaufte auch einen Acker, den er hatte, und „ verstand sich mit seinem Weibe, einen Theil des Geldes, „ das er empfangen hatte, zurückzuhalten, und legte zu den „ Füßen der Apostel nur einen Theil, als wenn der Acker „ nicht theurer verkauft worden wäre. Ananias! sprach „ Peter zu ihm: warum hat sich dein Herz vom Saran „ verführen lassen, vor dem heiligen Geiste zu lügen, und „ einen Theil des Werths vom Acker zu verheelen ? Stand „ es dir nicht frey, den Acker zu behalten, oder wärest du „ nicht Herr vom Gelds, nachdem du ihn verkauft hauest ? «, Warum hast du dann diesen Gedanken gefastet ? Du hast „ nicht vor den Menschen, sondern vor Gotte sechsten gelo, ch gen. Indessen daß der heilige Peter also redete, fiel „ Ananias todr zu seinen Füßen dahin: Jünglinge trugen „ ihn alsobald weg, und begruben ihn. Drey Stunden „ danach kam Saphire, die von dem Vorgänge nicht» „ wußte, und stellte sich voll Zuversicht dem Fürsten „ der Apostel vor. Saphire! sprach Peter zu ihr: ist „ das Geld, das ihr gebracht habet, der ganze Werth des Ackers? — Ja ! gab sie zur Antwort. — Warum hast „ du dich verstanden vor dem heiligen Geiste zu lügen ? er, „ wiederre der Apostel. Ich höre diejenigen kommen, wel, „ che deinen Mann eben itzt begraben haben, und den glei, „ chrn Dienst auch dir erweisen werden r und auf diese „ Worte fiel sie vor den Füßen des heiligen Peters tvdt zur „ Erde,,. Diese Ebend. v. Peter. 255 , Diese Zufälle verbreiteten in der ganzen Kirche ein hei, i liges Schrecken, und flößten eine neue Liebe zur Aufrichtig, ^ feit und Redlichkeit ein, da man die Strafe der Falschheit ^ und Häucheley erblickte. Aus dem Vortrage dieser Bege. , bmheit kann man schließen, was für Beynamen der Verfäl, ^ scher der heiligen Schrift verdiene. k IV. ^ Erasmus machte eine recht sonderbare Anmerkung: ^ Das Oberhaupt der christlichen Religion machte seinem Apoftelamte durch die Verläugnung Jesu Christi den An, ^ s»ng; und der erste hohe Priester der Juden hatte sein ^ Amt mit der Verfertigung und Anbethung eines goldnen Ralbes begonnen. ^ Wenn Erasmus diese Anmerkung gemacht hätte, so „ könnte man von ihm sagen, daß er recht dumm und recht y unwissend gewesen sey. Das Apostelamt des heiligen Peters , fieng drey Jahre vor seiner Sünde an; und Aarons Prie- , steramt nahm erst lange nach der semigen den Anfang: denn ^ « wurde erst geweihel, nachdem Gott die zweyten Gesehta, 2 feln gegeben halte. Wenn man die Dummheit und Unwis, » senhrik Erasmus nicht zuschreiben kann, auf wen werden sie ^ wohlzurückfallen? V. ^ * Bolingbroke zimmert auch eineGeschichte derStreithäm " des heiligen Peters mit Simon dem Zauberer, welche Ge» ^ schichte ein lautere Gewebe von Ausschweifungen und Ungereimtheiten ist; und er saget in seinem gewöhnlichen, küh« ii neu ' Wicht. Unters. 17. Nap. 2s§ Peter. nen Lügnertone: Wer sollte es glauben , daß diese Geschickte von dreyen Zeitgenossen Christen erzählet wird? — Der Leser, fährt er fort, mache nun eine Bemerkung mit mir: Ick setze die drey schwachsinnigen Tropfen, Abdias, Hegesippus, und Marcell, welche dieses elende Zeug erzählen, wären nicht so ungeschickt gewesen, und hätten von den zweenen Simonen wahrscheinlichere Mährchen erfunden: würde man sie nicht heut zu Ta, ge für unwidersprechliche Kirchenväter anfehen? Ihre Geschichten sind gewiß eben so glaubwürdig , als die Apostelgeschichte» und die Evangelien; sie sind von einem Jahrhunderte zum andern durch den gleichen weg bis auf uns gekommen: und man hat eben so wenig Grund jene, als diese zu verwerfen. * * ÄS Die Antwort wird ganz kurz seyn. Bayle * berichtet uns, daß Abdias, welcher in einem, man weiß nicht welchem , Jahrhunderte gelebet hat , einer der verwägensten Betrüger, und einer der ungeschicktesten Schelmen war: und er giebt von seiner Aussage Beweise genug. Man lese diesen Artikel, und urtheile, wie sehr der gelehrte Boling, broke Recht habe, mit seinem Abdias Herauszurücken. Vof, sius behandelt ohngefahr den sogenannten Hegesippus, wie Bayle den vorigen behandelt hat. Der zeirgenosse Marcell ist lediglich unbekannt. VI. ^ Sich einem Herrn unterwerfen, der drey oder vier hundert Meilen entfernet ist; warten, ehe man dem ket, bis dieser Mann, dem Scheine nach, gedacht hat! kein * Im Artik. Abdia-. ""Phil. HaM. Peter. ,57 keinEndurtheil eines Gtreithandels zwischen etlichen sei, »er Mitbürger zu sprechen wagen, außer durch Verord, nete, die von diesem Fremden ernannt sind; Aecker und Weinberge, die man von seinem eigenen Röntge geschenkt empfangen hat, nicht in den Besitz nehmen dörfen, ohne dem fremden Oberherrn eine beträchtige Summe zu zah, len; die Gesetze seines Vaterlands verletzen, welche nicht erlauben, seine eigene Nichte zu Heurathen; und sie recht, mäßig zur Ehe nehmen, wann man diesem fremden «vberhevm eine noch beträchtigere Summe gegeben har; seinen Acker nicht zu bauen wagen, an einem Tage, wo der Fremde will, daß man das Gedächtniß eines Unbe, kannten feyern solle, welchen er aus seiner besonvern Ei, genmacht in den Himmel geseyet hat: dieß ist zum Thei, le, was man thun muß , wenn man einen Papst an, nimmt. * » * Wir haben von jedem dieser Artikel nur ein Wort zu sa« gen, um die Ungereimtheit davon zu erkennen zu geben. 1. Sich einem Herrn unterwerfen , u. s. w. Alle katholische Völker erkennen den Papst für das Oberhaupt der Religion; keines erkennt ihn für seinen Herrn: und die Völker, welche ihren Königen und Gebierhern zum meisten unrerthänig sind , sind auch diesem Oberhaupte der Religion jum besten ergeben. 2. warten, ehe man denket , u. s. f. Um von einem Lehrsätze zu denken, soll der Christ das Urtheil der Kirche oder des Oberhaupts der Kirche, welchem die größeste Zahl der Bischöfe beystrmmt, erwarten. In allen übrigen Din, gen darf inan frey denken, wie mau will» »58 Peter. z. Rein Endurtheil— zu sprechen Wagen, u. s. w. Das geistliche Recht ist mit Bewilligung der Königs eilige, sehet worden. 4. Aecker — nicht in den Besitz nehmen dörfen, v. s. w. Die Besitznehmung der Pfründen ist durch den Concor» dal angeocdnet worden. Der Loncordat ist, als einer Kr schönsten Staatsstreiche Franzens des Ersten, a> gesehen worden, weil er ihm alle große Pfründen des Königreichs in die Hände geliefert hat. Was will dann diesir unwissende Murmurant sagen? Die Gesetze seines Vaterlands verletzen, u.s. f. Alle Gesetze, welche die Grade bestimmen, in denen man keine Heurath schließen kann, sind von der Kirche gemacht, und von den Völkern angenommen worden: und die Kirche befreyet davon durch das Werkzeug ihres Oberhaupts, wann ; rechtmäßige Ursachen da sind» 6. Seinen Acker nicht zu bauen wagen, u. s. w. Die Feyertage der Heiligen sind von dm Kirchen eingeseßet, von den Fürsten und Völkern angenommen, und manchesmal verlanget worden, wie man es aus der Verordnung des Kai, sers Leo des Philosophen sieht. 7. Dreß ist zum Theile , was man thun muß, wenn man einen Papst annimmt. Der Oberhirt ist von Jesu Christo eingcsetzet worden: und unser Mann saget, man brauche ihn »licht. Vom Papste würde er bald auf dm Bischof, vom Bischöfe auf den Pfarrer, vom Pfarrer aufdie Religion sechsten kommen. Ol wie wären alsdann die Philosophen von allem Zwange befreyet! VH. Peter. 259 VII. Man muß bemerken, sehet er noch bey, daß vierzig Spaltungen den Stuhl des heiligen Peters vcrunehret, und sieben und zwanzig ihn mit Blute bespritzet haben» Nach diesem schildert er mehrere Päpste mit den schwär« zesten Farben ab; unter andern: Stephan den Siebenten, Sergius den Dritten, Johann den Zehnten, Johann den Lilften, Benedikt den Neunten, u.m.a. * * * Diese ärgerliche Schilderung muß nochwendig den Frey- -mkernschmäucheln, schlecht unterrichteten Menschen in die Augen fallen, und bey dem weisen und beleuchteten Manne Unwillen erwecken. Um die Ehre des päpstlichen Thrones zu vertheidigen, wollen wir mit wenigen Worten zu verstehen geben, was die Ursache», der Gräuel waren, die durch die Tyranney, womit Rom dortmals bedrücket war, während eines halben Jahrhunderts daureten. Man muß sich dann erinnern, daß, im Anfänge des zehnten Jahrhunderts, Theodore, eine der unzüchtigsten, ehrgeizigsten, und boshaftesten Weiber, die jemals gelebet haben, Mittel fand, durch die Waffen Adelberts Markgrafen von Toskanen, sich der Stadt Rom und der Engels» bürg zu bemächtigen. Aber das abscheulichste dabey war, daß sie zwo Töchter hatte, Theodoren und Marozien, welche noch boshafter und ausgelassener waren , als ihre Mutter. Unter der Tyrannen dieser Weiber wurde das Laster ailgewal» tig, und hieß alle Gesetze schweigen. Als Theodore Rom in ihrer Macht hatte, ließ sie ihren Lieblrng, Johann den Neunten, aus den päpstlichen Thron sitzen, welcher im Gefängnisse umkain. Die blurschänbrische und gottesräuberische R» Marozie 26o Peter. Marszie vsrehlichte sich an Veit, den Markgrafen von Tos, kanen, mit dessen Vater sie lange Zeit erneu sündlichen Umgang gepflogen, und von dem sie einen Sohn, mit Namen Alberik hakte. Sie trug zu der Erwählung Sergius des Dritten ein Vieles bey, von welchem sie ein Kind gehabt haue, das sie auch zum Papste machte, als er noch ganz jung war. Dieser Papst legre sich den Namen Johanns des Fehmen bey, und starb im Gefängnisse, wo ihn der Prinz Alber k, sein mütterlicher Bruder, eingesperret hielt. Ihr Enkel Octavian, der eben eines solchen Blutes würdig war. wurde auch Papst unter dem Namen Johanns des E lften , welcher, nachdem er durch seine Grausamkeiten und SÄwelgercyen Len päpstlichen Stuhl entehret hatte, von einen, Manne ermordet wurde, mit dessen Weibe er ei, nsn unerlaubten Umgang gehabt. Endlich der Kaiser L>cho der Große, als er in Italien gekommen war, machte so Vieren Verwirrungen em Ende, da er den Ueberrest dieses unreinen BliMS ausrotteto. Es ist kein Volk und kein Reich, welches nicht unselige oder schändliche Veränderungen erführen hat. England hat seinen Cromwell, Frankreich seine Fredegonde, Spanien seinen Graf Julian gehabt. Man bedauret diese Zeiten und diese Völker; man verabscheuet die großen Verbrecher, die so viel Ueoels gestiftet haben. Also muß man den Zustand bebaue Kit« O // E a s « i Lromwell^ Man lebe in» Artikel: Leidenschaften, 66;. Seite. Fredegonde^ Clülperichs des Erken Gemahlin«, hak verschiedene königliche Prinzen, und, wie man ihr Schuld giebt, ihre» eigenen M« mahl ums Leben bringen lassen. Sie zog wider Childeberten zu Felde, und erhielt zween große Siege, verwüstete Champagne, nahm Paris wieder ein, und starb um zy6. Jutta,An Artikel r Leidenschaften, 664. Seite. Peter. r§r bedauren, in welchem Rom ein halb Jahrhundert war, und die Theodoren und Marozien verfluchen. Dieß ist alles, was W ise thun können, wenn man ihven diese unseligen und ärgerlichen Begebenheiten vorhält. Was jene himmelschreyenden Falschheiten von blutigen Kirchenspaltungen betrifft, kann man darüber die Artikel r Lhristenlhum, und Religion, zu Rathe ziehen, wo sie sieg« reich widerlegt werden. Wir wollen zum Beschlüsse eine Anmerkung beyfügen, welche man im Buche von den Irrthümern voltairens an, trifft. * „ Niemals hat irgendwo ein Thron gestanden, auf „ dem man so viele große Männer sitzen, und so oft die „ wundecbaresten und erhabensten Tugenden glänzen sah, als „ aufdem Throne der römischen Päpste. Von zweyhnndert „ acht und vierzig Päpsten, die man vorn heiligen perer an „ zählet, haben beynahe vierzig ihr Blut für die Religion „ vergossen; über sechszig andere hat man auf die Altäre ge- „ setzet. Beynahe zehn Jahrhunderte durch, das ist, bis „ auf Marozien, sind kaum einige leichte Wolken enrstan, „ den, welche die Tugenden und Heiligkeit, so diesen Stuhl „ immer berühmt gemachet, verdunkelt haben. — Ungeach, „ tel der eigennützigen Zwistigkeiten, die man von Zeit zu „ Zeit unter den Fürsten und Päpsten gesehen, haben diesen „ Smhl allemal Männer bekleidet, die, entweder in Anse, „ hung ihrer Naturgaben, oder ihrer Weisheit, oder ihrer „ Tugenden, sich der höchsten Ehrfurcht und Vereh« „ rung der christlichen Welt würdig gemachet „ haben „. * Ther-l. 2;. Hauptst. R 8 XXXV 262 XXXV. XXXV. Der Prediger. ^Ver Prediger ist ein Buch von sittlichen Betrachtungen und Lehren, welches die jüdische Kirche und die christ- liche Kirche zu allen Zeiten für kanonisch gehalten haben; von dem die seichten und leichtfertigen Gemächer die Deutung nicht ergründen; und welches die Freydenker und Maleria- listen aus Bosheit misbrauchen. Der Endzweck dieses Buches ist, das Nichts und die Eitelkeit aller Dinge zu zeigen, welche der Gegenstand des Stolzes, des Bestrebens, und der Neigung der Menschen sind; sie zu unterweisen, wie sie mit Mäßigung und Dankbarkeit die Güter brauchen sollen, welche der Herr in dieser Welt ihnen anbeut; und wie sie beständig jenes höchste Wesen vor den Augen haben sollen, in dessen Händen sie schweben, und dem sie von dem Gebrauche ihres Lebens, und aller ihrer Gedanken , Gesinnungen, Handlungen Rechenschaft geben werden. Das ganze Werk ist in zwölf Kapitel eingetheilet. Die drey ersten stellen die Eitelkeit der sinnlichen und vergänglichen Dinge vor; die drey folgenden entdecken, wie wenig man sich auf die Denkensart und das Urtheil der Menschen verlassen solle, und zeigen die auffallenden Gegensäße, sowohl als die traurigen Auftritte, die aus ihrer Art zu den« ken und zu urtheiken entspringen. Das siebente, achte, neunte, und zehnte stellen weise Grundsätze auf, um sich in dem Betragen und in den Urtheilen danach zu richten, und um der Ungerechtigkeit und dem Jrrrhume auf gleiche Weise auszuweichen. Endlich geben uns die zwey letzten Kapitel Pie ßD ß!i» BN ijisil» N m' ms ßi!!I il! U P « s« «I d Der Prediger. 26; die Erinnerung, daß ein höchster Richter ist , und daß wir nach dem Tode, wo für uns alles ein Ende nehmen wird , für alles Gare und für alles Böse, das wir gechan haben, Gotte Rechenschaft geben müssen. Diesen Begriff kann sich ein Mensch, der zu urcheilen und zu denken weiß, von dem Buche des Predigers machen. Man kann nicht zweifeln, daß dieses Buch vomSals mon geschrieben worden sey. Die Schilderung, welche der Verfasser von sich sechsten giebt, kann Niemanden, oder diesem Fürsten, zukommen. Wir lesen im dritten Buche der Könige daß Salomon alle Weise vom Morgenlande, von Aegypten, und von der ganzen Welt an Weisheit über- traf; daß keiner aus den Königen, die vor ihm geherrschet hakten, ihm an Reichkhnme und Ehre gleich gekommen war, und daß ihm keiner aus denen, die auf ihn folgen sollen, jemals gleich kommen werde; daß er Verse und Gleichnisse bey Tausenden verfertigte, daß er über alle Dinge, welche die Natur hervorbringk, und über alle Thiere, die auf der Erde wohnen, in der Luft fliegen, oder im Wasser leben, ' gründlich zu reden wußte; daß man von allen Enden der Welt hsrbey kam, um seine Aussprüche zu vernehmen: und mir eben diesen Zügen schildert sich der Prediger schon am Anfänge seines Buches selber ab. , Wir haben ihr schon eine kurze Zergliederung, oder vielmehr die Abtheilung vom Buche des Predigers angegeben: wir wollen es noch «was umständlicher erklären, damit man besser empfinden möge, in was für einer Absicht es geschrieben worden sey. Und erstlich hätte der Verfasser den Endzweck , den er sich vorstellte, nicht nachdrücklicher bekannt machen R 4 'm. u»r> iv. 264 Der Prediger. wachen können, als durch jenen lebhaften Ausruf, womit rr seine Rede beginnt: Eitelkeit über Eitelkeit'. und Meist Eitelkeit. Er hätte zuin letzten Schluffe von -er Furcht Gottes und von -er treuen Beobachtung seiner Gebothe, womit er sie endiget, nicht besser bereiten können. * Die erste Gattung der Eitelkeit, die er verdammet, ist jene Begierde, alles zu wissen, alles zu erforschen, alles zu entdecken : Senn die Ordnung des Weltbaues ist allezeit der nämliche; die Auftritte, welche die Welt vorstellet, sind allezeit die nämlichen; der Mensch im Grunde ist allezeit di» nämliche: und diese Untersuchung bringt weit mehr Beschwer» niß mit sich, als sie Vergnügen und Nutzen schaffet, ln multa Hpientia mults inäi§n3tio, rum6e- scenäat äeorsuin? Viele gelehrte Schriftausleger sehen diese Stelle für einen gutgegründeten Einwurf nicht an. Sie erkennen nur darunter eine Unterweisung, welche den sündhaften Menschen de, müthiget, aber für ihn nothwendig ist, und welche die Freydenker nur aus Mangel von Einsicht, oder aus Bosheit misbrauchen. Sie sagen : Es ist augenscheinlich, daß Salomon in diesem ganzen Kapitel keine andere Absicht hat, als dem Menschen seine Schwachheit, sein Unvermögen, sein Elend, und die S - ^ »I l i * prkd. m. r8.«. si f. Der Prediger. 267 ^ die Eitelkeit aller Dinge, die geschehen, und aller Sachen, ^ an die er sich heftet, besser zu erkennen zu geben, da er sie ^ mit der Macht, mit der Weisheit, und mit den unwandel, ^ baren Vollkommenheiten des Ewigen vergleicht. Sie halten sogar die einfache Übersetzung jener Stelle aus dem Pre- 4 , diger für einen unumstößlichen Beweis ihrer Meynung, >tz, und si- tragen sie auf folgende Weise vor, da sie etliche Verse weiter zurückgehen, und zwey oder drey Worte bcyseßen, lj« welche zur Erklärung und Verbindung dienen. ^ * „ Ich habe erfahren, daß alle Werke, die Gott er- „ schaffen hat, ewig in dem Zustande verbleiben, worein er „ sie geseßet hat; und daß wir an allem, was er erschaffen ^ „ hat, damit man ihn fürchte, nichts beysetzeu, oder weg, „ nehmen können. Was erschaffen ist, das besteht noch; „ was kommen wird, das ist schon gewesen : denn Gott läßt »!>>>- „ wieder entstehen, was vergangen ist. Ich habe die Gott, >t „ losigkeir auf dem Throne der Weisheit, und die Bosheit PK „ auf dem Throne der Gerechtigkeit gesehen. Als ich die- „ ses sah, sprach ich bey mir selbsten: Du darfst dich dar, läe- „ über nicht ärgern; denn der Gerechte und der Gottlose „ werden beyde von dem Herrn gerichtet werden: und als, n«« „ dann wird ein jeder empfangen, was er verdienet hat. ,, Ich habe auch meine Blicke auf die Menschenkinder ge- „ worfen, welche Gott schon bey ihrer ersten Schöpfung hat „ unterweisen und prüfen wollen, da er sie in gewissen Ab, ^ „ sichten den Thieren gleich machete. Deßhalben ist der ,, Tod bey dem Menschen und dem Thiere gleich, und bey, ,j,ß „ de haben ein gleiches Schicksal. Gleichwie der Mensch F „ stirbt, also stirbt auch das Thier, weil beyde auf die gleir „ che Weist athmen, und der» gleichen Schwachheiten unter, ! „ worfen "Ebrnd. ,4, hjs ar. 2§8 Der Prediger. „ worftn sind. Sie haben alle ein gleiches Ende; denn ^ „ da sie, dein Leibe nach, aus der Erde gestaltet sind, müs, 7 , sen sie alle wieder in die Erde zmückkehrem Was die „ Seele belanget, hat wohl Jemand, durch eitel natürliche „ Einsichten, jemals zu erkerMn vermocht, ob die Seele ^ ^ „ der Kinder Adams aufwärts steige, und ob die Seele der ^ „ Thiere hinabfahre? — — Wer wird ihm entdecken kön- D" „ nen, was nach seinem Tode geschehen werde „ ? ^ Sa Eine so natürliche Übersetzung ist erklecklich, einem ver- nüustigen Menschen alle Erläuterung zu geben , die er ver» ^ langen kann , und einen Freydenker zu beschämen, da man seine Unwissenheit, und seine Bosheit aufdecket. Wir well / len itzt einen Augenblick anwenden, um die sogenannten ^ Schwierigkeiten zu vernehmen und aufzulösen , welche das Orakel der Gottlosen unserer Zeiten über das Buch des Pre- A digers auswirst. I I. * Es ist wunderlich, daß man den Prediger in die Reihe der kanonischen Bücher gcfttzet hat. Er ist das W Werk eines Lpikuräers, der auf jedem Blatte wieder!)« H let: Der Gerechte und der Gottlose sind den gleichen Zufällen unterworfen ; der Mensch hat vor dem Viehe nichts ^ voraus ; es wäre besser nicht gebohren ;u seyn, alo zu le< ' den ; es giebt kein zukünftiges Leben; und nichrs ist ver< ^ nünftiger, als mit einem Weibe, das man li b hat , der Früchte seiner Arbeit zu genießen. Das ganze Werk ist von einem sinnlichen und ekelvollen Materialisten. h * » * Me- "Phil. Händler. »» dl! >i!l !d« li» >> 6« ldi« !»d iM 1,!« k Der Prediger. ' 2Ls Wenn dieses Werk von einem Gottlosen, und von einem sinnlichen und ekelvollen Materialisten ist, so muß man ger stehen, daß eS wohl einen Ausleger gefunden hat, der sich dazu schicket; und wenn in einem kleinen Theile dieses Einwurfes ein schwacher Schein von Wahrheit ist, so muß man auch bekennen, daß unter diesen schwachen Schein die gröbsten Unwahrheiten gemenget sind. Es ist wahr, zum Bei,spiele, daß der Gerechte und der Gottlose den gleichen Zufällen von Krankheiten, von Unglücksfällen, von Leiden und Armuth unterworfen sind; und es wäre sehr unrecht, wenn man schlösse, daß jener, der also redet, ein Tpikmäer sey. Alle Weise würden wohl eben also sprechen, da sie sehen, was alle Tage auf dem Schauplatze der Welt vvrbcy. geht: und sie würden deßhalben keine Epikuräer ftyn. Allein, das ist eine derbe Lüge, wo es heißt, der Prk diger habe behauptet, daß es kein zukünftiges Leben gebe. Diesen Sah trifft man in demselbenBuche nirgend an. Aber den Gegensah findet man wohl darinnen: denn in dem dritten, eichen, und zwölften Kapitel wird sehr deutlich von dem Gerichte gesprochen, welches der Mensch nach seinem Tode «usstehen muß. Es ist ein« derbe Lüge, wo es heißt, er habe behauptet, daß nichts besser und vernünftiger sey, als mit einem Weibe , das man lieb hat, der Früchte seiner Arbeit zu genießen. Es wird in dem Texte von der Ehefrau, und nicht von einer Liebhaberinn gesprochen. * Genieß, saget Salomon: genieß der Anmuth des Lebens mit der Ehefrau, die derne Liebe besitzt, so lange die Lage dieses Lebens dauren, welches so vielem Wechsel unterworfen ist. kertrrrers vit- * ix. 270 Der Prediger. vits cum uxors, gusm ciiliZis, cunÄig öiebus vitse inüäbilltatis tuX. Es ist eine derbe Lüge, wo es heißt, das ganze Werk sey von einem sinnlichen und ekelvollen Materialisten: denn kS wird darinnen von dem Unterschiede zwischen dem Geiste und der Materie sehr oft Meldung gerhan; und es wird ausdrücklich gesaget: Der Leib ist aus der Erde gestaltet, und die Seele wird zu Gotte zurückkehren, der sie erschaffen hat. Ls ist eine derbe Lüge, oder vielmehr eine schändliche Hinterlist des Geistes der Verführung, wo man versichert, der Prediger lehre, daß der Mensch vor dem Viehe nichts voraus habe. Wir haben davor den wahren Sinn des Verfas, ftrö ausgeleget. Endlich ist es eine derbe Lüge, wo es heißt, es wäre, nach der Mcyriung dieses Schriftstellers, besser nicht gebohren zu seyn, als zu leben. Dieser allgemeine Saß wird an kei, nsr Stelle gefunden. Alles, was im vierten Kapitel da- von steht, lautet also: Ich habe gesehen, rvie die Unschuldigen durch die Verleumdung verschwärzet, mit Lbränen benetzet, von der Gewalt unterdrücket, ohne Hülfe, und ohne allen Trost waren. Bey diesem betrübten Anblicke habe ich gesunde», daß die Todten glücklicher sind, als die Lebendigen, und noch glücklicher jene, die nicht ge» bohren sind. Und im sechsten Kapitel heißt es: Wenn ein Mensch viele Rinder erzeuget, und lange Jahre auf Erden verlebet hat, ohne daß er jemals in seinem Leben seiner Güter genoß, und ohne daß er nach seinem Lode die letzten Ehren des Begräbnisses empfieng; so sageich ohne Scheue, daß eine unzeitige Geburt ein besseres Schicksal hat, als er. W 'S,' ! ! »d! I M Ä! Zu, / Der Prediger. 271 Im ersten Falle redet er aus Mitleids; im zweyken aus Unwillen. Die Vernunft und die Empfindung geben einem jeden ans uns die gleichen Gedanken ein. II. Ls bleibt immerhin wunderlich, daß man dieses gottlose Werk unter die kanonischen Bücher eingeweihet hat. Wenn man den Ranon der Bibel heut zu Tage bestim» men müßte, so würde man den Prediger gewiß nicht darein setzen. Aber er ist zu einer Zeit darunter gekommen, wo die Bücher ganz seltsam waren, und mehr de, wundert, als gelesen wurden. * » * Es wäre wohl eine drolligte Sache, wenn inan einem Manne, wie unser Gegner ist, den Auftrag gäbe, den Kanon der Bibel zu bestimmen. Er mustert sogleich die fünf Bücker Moses aus; er verachtet das Buch der Spruch, Wörter ; er spottet der Weissagung Ezechiels ; er machet aus dem Evangelium nicht viel Wesens. Bey einemMan, ne, wie er ist, würde uns von der ganzen Bibel bald we, mg übrig bleiben. Aber wie getrauet er sich zu sagen, daß, zur Zeit des Verfassers vom Prediger, die Bücher ganz seltsam gewesen, und mehr bewundert als gelesen worden seyn, da er doch selbst bekennt, er wisse nicht, zu welcher Zeit dieser Schriftsteller gelebet habe ? Wie möchte er beweisen, daß sie ganz seltsam waren, da der Prediger selbstm saget, man höre nicht auf, Bücherzuschreiben? ^ ksciencli plures 1ibrü8 ruü1u8 elt firm. Wir erwarten von ihm eine Antwort auf diese zwo Fragen. IN. 'pred. XII. Der Prediger. HI. Man bat cs mit dem Prediger gemachet, wie mit vielen andern Dingen, die noch weit widersinnischer sind. Sie wurden in den Zeiten der Unwissenheit eingeführct, und man ist, der Vernunft zum Trotze, gezwungen, sie bey aufgeklärtem Zeiten zu vertheidigen, und ihre Um gereimtheit, oder ihre Abscheulichkeit, durch Gletchnißr« den zu verkleistern. Wohl eine gebiethrische und entscheidende Sprache! Und wer nimmt sie an? Ein Mensch, welcher nicht die geringste Kenntnis; von der Sprache der Bibel hat; welcher in erlichen Auszügen von Baylen und Spinoza Einwürfe aufliest, die er mit einigen Spöktereyen würzet; welcher sich beständig widerspricht; und welcher noch die Leser verhöhnet, die ihn bewundern. Der Verfasser von der gottlosen Scharteke, welche die Aufschrift hat: Rurzer Inhalt des Predigers, wird sonder Zweifel dem Verfasser des philosophischen Handlexikons, und dieser dem Verfasser des kurzen Inhalts, seinen Beyfall geben. Ihre Dmkeneart ist so ähnlich, daß man, ohne Scheue sich zu irren, sagen darf: Sie sind beyde nur Ein Mann. XXXVI. 27Z XXXVl. ^i, i,!l! ich W «jx A Evangelische Näthe. »il ! ^ 8 > I-, tzli, »W ch, )tz Pl jjili Z» Evangelische Räche. 27s gänzlichen Beraubung aller Dinge. Dieß ist der erste aus den evangelischen Rächen. Als die Jünger eben desselben Erlösers über alles, was er ihnen von den Verbindlichkeiten, die der Ehestand mit sich bringt, vorgerragen hatte, erstaunet waren, sprachen sie zu ihm: * U)eil es sich also verhält, so ist cs nicht gut für -en Menschen, daß er sich verehliche. Darauf gab er ih, ne» zur Antwort: Alle Menschen fühlen den Werth von der Lugend der Reuschheit nicht; sondern nur jene, wel, «he die Gnade dazu empfangen haben. Ls giebr Verschnittene , die es von Geburt aus sind; es giebt andere, die man mir Gewalt dazu gewachst hat; es giebt welche, die sich selbst verschnitten haben, um das Reich der Him» mel sicherer zu erlangen, wer diesem Grundsätze folgen kann, der soll ihm folgen. Dieß ist der zweyte evangeli- sche Nach, die Tugend zu wählen, welche der natürlichsten uns stärkestcn Leidenschaft enkgegengesehet ist. Aber diese Tugend ist nicht für alle Menschen. Um würdige Kinder Gottes zu werden, müssen wir die Wohlthätigkeit, die Großmurh, die Geduld auf das Höchste bringen. Deßhalben hat Jesus Christus zu seinen Jüngern gesaget: ** Ich will nicht, daß ihr den Bösen jemals einen widerstand thun sollet: sondern wenn euch Jemand auf einen Backen schlägt, so reichet ihm auch den andern dar. *** wenn man mit euch einen Streit an fangen will, um euern Rock zu haben, so gebet auch euern Mantel hin. wenn euch Jemand verbindet, tausend Schritte wett ihn zu begleiten; so gehet noch zwey taufend Schritte mit ihm. Liebet eure Feinde; erweiset ihnen * Matth. XIX. ** Ebmd. V. Luk. Vl. S L 576 Evangelische Räthe. nen Gutes; leihet aus, ohne daß ihr die Rückstellung erwartet: so wird euer Lohn groß seyn, und ihr werdet würdige Rinder des Allerhöchsten werden, der die wir» kungen seiner Güte sogar die Undankbaren und Bösen empfinden läßt. Die Tugend ist etwas so Ehrwürdiges und so Schönes, und die Belohnungen der Tugend sind so herrlich, daß die großen Seelen allezeit bereitet sind, die heldenmäßigsien Be« mühungen auf sich zu nehmen, und die großmüthigsten Op» fer zu machen, um dieselbe sicher zu stellen und zu bewahren. Zu diesen großen Seelen saget Jesus Christus , um sie zu lei» ten : * wer mir Nachkommen will, der verläugne sich selbst, nehme sein Rreu;, und folge mir nach. Denn wer seiner Seele die Vergnügungen gestatten will, die sie von Natur verlanget, der wird sie verlieren; und wer sie ihr um meinetwillen versagen will, der wird sie selig machen. Nachmals, um zu zeigen, wie weit die Liebe, die man Gotte schuldig ist, vorzüglicher sey, als die Liebe, die Len Geschöpfen gebühret, sehet er bey: ** wenn Liner zu mir kömmt, und seinen Vater, seine Mutter, seine Lrau, seine Rinder, seine Brüder, und seine Schwestern nicht hasset (das ist: wenn er nicht bereitet ist, sich von ihnen zu trennen, sobald die Ehre Gottes mit den Absichten der Ge» schöpfe um den Vorzug streitet) so kann er mein wahres Schüler nicht seyn. Endlich,, um begreiflich zu machen, wie herzhaft man alles aufopfern solle, was man lieb hat, wann es darauf an» kömmt, die Hindernisse oder Gefahren der Tugend zu entfer» nen; brauchet er die natürlichsten und stärksten Ausdrücke, ob sie gleich vergleichungsweise zu verstehen sind: ^ wenn dich , MM. XVI. " Lut. XIV. »" Matth. V. Ili^ D»! Ajl!« ky W K s° ji!> Ti 1 ch Evangelische Räthe. 277 dich dein Aug ärgert, saget er, reiß es heraus, und wirf es weil von dir; wenn dich deine Hand ärgert, hauste ab, und wirf sie weg von dir; ^ wenn dich dein Fuß ärgert , hau ihn alsobaid ab: denn man kann das Himmelreich niemals zu theuer kaufen. Das Evangelium trägt noch sehr viele andere Grundsätze von gleicher Art vor, wie jene, die wir itzt ungezogen haben : bald von der Gleichgültigkeit, welche die großen Seelen zu den irdischen Dingen haben sollen, da sie betrachten, was im Himmel ihrer wartet; bald von der Herzhaftigkeit, womit sie sich der Sorgfalt der Vorsehung ergeben sollen; hier von der liebreichen Offenherzigkeit, die man im Umgänge des Lebens zeigen soll; dort von der Freude, womit man die Verfolgungen der Bösen übertragen soll. Aber, was wir her- beyzebracht haben, genüget schon, um von der erhabenen Weisheit dieser göttlichen Räthe ein Urtheil zu fällen. §. II. Die evangelischen Räthe sind einer Religion würdig, die so, wie die Religion Jesu Christi, beschaffen ist. Wenn man den Herren Philosophen den Auftrag gäbe, einen Entwurf von einer Religion zu machen, die wahrhaftig würdig für Gott, und tauglich seyn sollte, seine unendlichen Vollkommenheiten durch die reinrsten Dienstleistungen , und die großmüthigsien Tugenden zu ehren, welche die großen Seelen zum Besten auszeichnen möchten; so ist es sehr wahrscheinlich, daß sie unter diese Tugenden weder die Sittsamkeit, noch die Demuch, noch die Keuschheit, noch die Enthaltsamkeit, noch die Entfernung von allem, was den menschr * Mark. IX. S z ! ll 278 Evangelische Räthe. menschlichen Leidenschaften schmäuchelt, setzen würben. Ge würden sich mit diesem unbestimmten und stolzen Spruche be, ftiedigen: * Man sey gerecht: genug! sonst kann man nichts begehren. Aber eine Religion, welche aus dem Schooße Gottes selbsten gesprossen ist, welche einen Gottmenschen zum Skis ter hat, welche uns von den Hoheiten Gottes so erhabene Kenntnisse benbringt; eine Religion, welche uns so große Vsrcheile, so hohe Belohnungen vorstellet, und welche von Lern göttlichen Gesetzgeber selbst zum ersten beobachtet wurde: eine solche Religion mußte uns weit erhabnere Aussichten, als immer philosophische Gehirne aushecken können, «no weit reinere Tugenden vortragen, als jene, die etwa gewisseGrüb, ler annehmen und zulassen möchten, welche gewiß Niemand in die Reihe der tugendsamsten Menschen sehen wird« Es ist dann für diese Religion anständig gewesen, Mew schen zu bilden, welche durch den Heldenmuth der Tugenden ihre Göttlichkeit bewiesen; welche sich über alle menschliche Leidenschaften erhaben zeigeten; welche von einer Liebe zu Gotr le bränncn, die sie fähig macheke, die Welt, ihre Schätze, ihre Ehren, ihre Wohllüste, ihr Blut, und ihr Leben selber für ihn aufzuopftrn; welche vom Himmel so sehr emgenom, men s yn sollten, daß sie nur mit Verachtung auf die Erde blickeren; wrlche mit gleicher Entschlossenheit, wie der Apostel , voll Feuer sagen könnten: ** Jaich bin versichert r weder der Tod noch das Leben, weder die unsterblichen noch die irdischen Mächte, weder die gegenwärtige Zeit «och die Zukunft, noch irgend ein Geschöpf werden mich von * Volt. Gedicht von dem »atürl. Gesetze. *'Kvm.VM. !!k jßK 4 ! M « ««I di« S-j ! ^ I >ii s» ch-K « Eq sch W«i -KL W B si> Evangelische Räche. -79 von der Liebe abhalten können, womit ich gegen Gott brenne, und die mir von Jesu Christo eingegossen ist. Was mag uns die Philosophie vorstellen, das mit die, sem Edelmuthe, dieser Herzhaftigkeit, diesen göttlichen Trie. ben zu vergleichen wäre ? Oder, was wird man hiebey fin, dm, das für einen Gesetzgeber, der Gottmensch ist, nicht höchstens würdig sey? §. III. Die evangelischen Räche treten den Rechten der Gesellschaft nicht zu nahe. Die Gesellschaft ist die Vereinigung mehrerer Menschen oder Familien, welche unter gleichen Gesetzen leben; der Geist der Gesellschaft fodert, daß ein jedes ihrer Glieder, so viel es vermag, zum allgemeinen Besten beyhelfe; endlich bas allgemeine Beste soll nicht nach der Bestimmung, die etliche Pri, vaileute aus Eigensinne oder Leidenschaft geben wollten, son, dern nach dem Ausspruche der Vernunft und der Religion geschähet werden. Durch so einfache und so deutliche Kenntnisse begreift man leicht, daß die evangelischen Räche, da sie nichts als Wohl, thäligkeit, Großmuch, Ehrerbiethung, und Liebe gegen seines Gleichen einflößet, und die Seele über alle Leidenschaften der Habsucht, Ehrbegierde, Hoffart, und Wohllust erhebt, Welche alle Zwistigkeiten, Verwirrungen, und Plagen ver, Ursachen, wodurch die Gesellschaft gestöret werden kann; man begreift, sage ich, daß diese Räthe nicht allein ihre ehrwürdigen Rechte niemals verletzen, sondern nur dazu mithelfen, dieselbe jederzeit angenehmer, vollkommner, und sicherer zu machen. Noch mehr! Nur jme Seelen, die sich über die menschlichen Absichten erhaben zeigen, und Herz genug haben, Reich S 4 thümer 282 Evangelische Räthe. ihümer und Wohllüste zu verschmähen, kann man große Seelen nennen ; und nur diese sind im Stande, der Gesellschaft die schönsten Beispiele zu geben, und die größestm Dienste zu leisten. Und was für Lobsprüche hat man nicht sogar im Heydemhume denen beygeleget, welche diesen großen Tugenden näher zu kommen schienen? Was hat inan nicht von der Une genuühlichkeit des Lurius und Labricius, von der Geduld desGokrates,von derHerzhaftigkeü Anaxarchens,volr der Enthaltsamkeit desScipio,von derGroßmuth des Lurtius, von Curius^ Dentatus Manius , ei» römischer Bürgermeister. Als die Länder, die er durch seine Siege erfochten hatte, unter die römische» Bürger getheilet wurden, nahm er, gleich jedem Bürger, nur sieben Acker Landes an, obschon ihm der Senat fünfzig aubvch. Labricius) LuscinusCajus, ein berühmter römischer Feldherr, gieng in einer Gesandschast an den König Pyrrhus, welcher ihn durch Geschenke gewinnen wollte, und ihm sogar einen Theil seines Reiches an« both. Cr schlug alles großmürhig au«, ob er gleich so wenig Vermögens besaß, daß seine Töchter aus dem Schatze der Republik ausgeste» ret werden mußten. Sokrates^ Ein berühmter griechischer Philosoph. Seine Geduld gegen die dose Xankipxe hat ihn zum Vorbilde guter Männer gemacht. Anaxarch^ Ein Philosoph von Abdereu. Als ihn Nikokreon in einem steinernen Mörser stampfen ließ, rief er dem Tyrannen zu: Stoß nur auf die Hülle Anararchens los; Auararchen sechste» wirst du nicht verletzen. Nikokreon dräuete ihm, daß er ihm die Zunge wolle ausschnci- den lassen: er enthob ihn der Mühe, biß sich die Zunge ab, und spik sie dem Tyrannen ins Gesicht. Scipiol Als er Neukarthago erobert hatte, führte man ihm unter den Gefangene» ein überaus schönes Mägdchen z». Der junge Sieger war über seine Leidenschaften Meister, und gab es unberührt ihre» Aeltecn zurück. LurtiUS^ Cs hatte sich zu Rom auf dem Markte eine große Kluft eröffnet, woraus ansteckende Lünste emporstiege». Ein Orakel that den Ausspruch, das Uebel würde aufhören, wenn dir Römer ihr kostbarstes Evangelische Räthe. 28r von der Verachtung, die Rrates der Thebaner von seinen eigenen Reichchümern zeigte, gesprochen ? Und wenn sich eben diese Tugenden bey den Christen, in einem viel vollkommnern Grade ohne Vermischung irgend eines Lasters, auf weit reinere Grundsätze gegründet, befinden, werden sie weniger Lob und Bewunderung verdienen ? Was jene großen Sprüche vom Besten des Staates, von der Bevölkerung, von der Pflicht, die ein jeder Mensch hat, der Gesellschaft nützlich zu werden, belanget, die unsre Philosophen manchesmal im Munde führen, um die evangelischen Räche zu bestreiten; wird man anderswo sehen, wie kurz ihre Einsichten in die Staatskunst ftyn, und wie sehr ihre Art zu schließen dem gesunden Verstände widerstrebe. §- IV. Antwort auf die Einwürse etlicher Freydenker wider die evangelischen Räthe. I. * Der Stifter des Chriftsmhums / saget panagius, will, daß man Gott lieben, zu ihm bethen, ihn verehren solle; und seine Schüler haben geglaubet, die höchste Vollkommenheit bestehe darinnen, daß man sich von jeder * Die Bitte», i. Theil. i. Rap. barstes Vermöge» hineinwürfen. Ein tapferer Krieger ist euer kostbarstes Vermögen, riefCurtins, ein adelicher Jüngling: ersetzte sich in der prächtigsten Rüstung zu Pferde, warf sich hinein; die Kluft schloß sich über ihm zusammen; Rom blieb von der Seuche befteyet, und rühmte dankbar seinen Erretter. Rratesj Ein Schüler des Diogenes, trieb seine Geringschätzung drs Reichthums so weit« daß er all sein Vermögen ins Meer warf, Ss 28 r Evangelische Räche. jeder andern Beschädigung enthalte. Daher entstanden jene frommen Tagediebe, die in der Gesellschaft nicht, weiter, als vergebliche Dinge oder Laster thun. * . * Darauf wird man nur mit dreyen Worten Antwort geben, i. Es ist eine Dummheit zu sagen, daß alle Männer , die geistlichen Standes oder in Klöstern sind, lauter un< nützliche oder lasterhafte Leute ssyn. 2. Unter diesen Männern geistlichen Standes oder in Klöstern, giebt es Leute, welche sich mit gutem Erfolge den Wissenschaften widmen, wie man es aus einer Menge vortrefflicher Werke sieht, die man ihnen zu danken hat; und andere geben Unterweisungen, und dienen dem Publikum mit einer großmüthigen Uneigen, Nützlichkeit. Z. Wenn es unter ihnen welche giebt, die un- nützliche Leute sind, darf man darüber sich nicht wundern. Wo ist eine Gesellschaft, in welcher alle Glieder sind/ wie sie seyu sollen? Wie viele Layen giebt es nicht, die ihnen darinnen gleichen ? und wie viele sind aus unfern Widersachern , gegen welche dieses für einen Beweis sä iiominem gelten mag? II. jB tl!'. j slfl Er verwirft die Neigung zun Reichthümern: sie haben sich folglich eingebildet, daß es eine Tugend sey / nichts zu haben. Daher kam jenes Wesp ennest beschwer, licher Bettler, wahrer Hornisse, die sich vom vermö, gen der arbeitsamen Bienen nähren. Man hat im ersten Absätze gesehen, daß Jesus Chri- jz fius zur Vollkommenheit nicht die Abneigung, sondern die j, Entsa- Atz lL kM, >>/ lil >»V »iw Evangelische Räthe. 25 z Entsagung der Reichrhümer foderte. Also redet der Sitten, lehrer panagius unrichtig. In Absetzung der Bettler, die er wahre Hornisse tzeißt, sind diese weit weniger zu fürch, ten, als jene listigen Betrieger, und jene gewaltsamen Presser, von denen die bürgerliche Gesellschaft tzeut zu Tage über, schwemmet ist. Außerdem ist keiner unter diesen Geistlichen, der nicht zum wenigsten ein Schreiber in einem Ainte, oder auch ein Verwalter Härte werden, und zu noch wichtigem Bedien, stungen Härte gelangen können: wären sie alsdann der Welt nützlicher gewesen? Endlich waren viele dieser Geistlichen von Geburt aus bestimmet, einen ansehnlichem Rang in der Welt zu bekleiden, als die meisten jener so höhnischen Tadler. III. isch » AB Er verbeut den Ehebruch, die Schändung, die Verführung : dieses Verboth brachte sie auf den Gedanken, daß eine ewige Reuschheit sehr nach seinem Geschmacks seyn würde. Sie vergaßen sonder Zweifel, daß ihr Mei« ster einen Feigenbaum verfluchet hat, eigentlich darum, weil er einer Jungfer glich. * Dieß ist wieder eine Lüge, wie im vorhergehenden Ar, tikel: und noch dazu stecket eine Gottlosigkeit in der Anwendung. Man würde sie richtiger machen, wenn man saget«, der Feigenbaum, der mit schönen Blättern bedecket, und zugleich ohne Früchte war, gleiche sehr vielen Leuten, die man . in dieser Welt sieht. Man höret eine prächtige, hochtrabende, 284 Evangelische Räthe. bende, einnehmende Redensart: aber von Vernunft, gesum ^ dem Verstände, Wahrheit, wird man nicht den geringsten Funken gewahr. Wir sagen nichts weiter davon. IV. - K-> Er tadelt endlich die Weichlichkeit und die Sinnlich« ^ keit. Was für eine Wirkung machet diese Sittcnlchce bey ihnen? Sie werden rasend; sie bewaffnen sich mit Geißeln, mir peitschen, mit eisernen Zacken; und grau, sam gegen sich selbsten, zerfleischen sie sich ohne Barmher- zigkeit, wie die Priester Baals in Gegenwart des Elias rhaten. Was würdet ihr ärgers thun, unsinnige Tro. ^ pfen! wenn ihr jenen bösartigen Geist, den ihr Teufel nennet, für euer» Gott erwählet hättet? Gott strafet die Sünder nach der Beschaffenheit der Sünden. Die höchste Oberkeit strafet die Verbrecher nach der Beschaffenheit der Verbrechen. Ist es zu wundern, daß ein Christ sich bestrebe, der Gerechtigkeit Gottes vorzukom« men, da er sich selbst wegen seiner Sünden züchtiget? Das Fasten und die Kasteyungen sind durch die Bcyspiele der Propheten, durch die Räthe Jesu Christi, durch die Ermahnungen der Apostel gutgeheißen. Aber nach dem Ge> schmücke der Philosophen sind sie nicht: es folget keineswegs daraus, daß sie derselben nicht sehr wohl vonnöthen hätten. Mir enthalten uns, die Abscheulichkeiten, welche Pol, krire in seiner philosophischen Rede von der Natur des Vergnügens vorträgt, hierzu wiederholen. Ein Mann, der zu sagen waget, das Vergnügen sey das einzige Triebrad der Evangelische Räthe. 28; ^ Menschen; Gott wolle, daß man sich demselben Preis gebe; ^ es fty eine Ausschweifung, ein Unsinn, sich gegen seine Rei, ze zu wehren: ein Mann, der sich getrauet. Einen, der den evangelischen Rächen nachkömmt, für einen schwärme, rischen Träumer, einen Feind der Welt, einen Zer, «NH siörer der Menschheit anzugeben : ein solcher ^ Mann bedarf nicht widerleget zu werden. MM XXXVll. 286 xxxvn. Religion. A^ichlS ist für den Menschen und für die Gesellschaft von größerer Wichtigkeit, als die Religion. Nichts«, fodert reinere Absichten, eine großmüthigere Liebe zur Wahr, heit, eine standhaftere und emschloßnece Rechtschaffenheit der Seele, um sie mit jener Weisheit und Ehrerbmhung, die ihr gebühret, abzuhandeln. Dennoch redet man hem zu Tage von nichts verwägeuer und freyer, als von der Religion. Seitdem das große Orakel der Philosophen dieser Zeiten das hohe Unternehmen ausgevacht hat, die Philosophie qn die Stelle des Christenthums zu setzen; seitdem er uns die natür, liche Religion so sehr gepriesen, die christliche durch so viele Spottreben, Betrüge, und Falschheiten angegriffen, und En« ropen mit so vielen gottlosen und anstößigenScharteken überschwemmet hat: seit dieser Zeit redet, schmähet, urtheilet Jedermann von der Religion. Alle kleine Bürschgen, wel, che der Schule oder der Universitär entwischet sind; alle, die nur mit einem Blicke in die Rechte, oder in die Anfangs, gründe der mathematischen Wissenschaften, oder der Geschichten geschielet haben; alle, die sich Herz genug fühlen, eine kleine Schrift für einen Tag herauszugeben; selbst das Frauenzimmer, welches Gott erschaffen hat, damit es durch die Sanfrmuth, die zärtliche Empfindung, die Einsamkeit, die Zucht, die Lenksamkeit, das Vergnügen der Gesellschaft auömachen sollte: alle geben heut zu Tage in Religionösa- chen Richter ab, und lassen sich beygehen, neue Lehren auf- zubringen. Damit wir mit aller Vorsicht dareingehen, welche die Klugheit eingeben mag, und die bey einem so wichtigen Gegen, Religion. 287 Gegenstände, wie dieser ist , höchst nothwendig scheint; wollen wir im Anfänge den Stoff durch etliche Bestimmun- > gen und Fragen beleuchten: und diese Bestimmungen und !tz! Fragen werden dienen, eben so viele Grundsätze zu bestä, >«»! tigen, welche leicht Jedermann wird zugeben können. Nach, mals wollen wir zeigen, daß es für den Menschen unum, gänzlich nöthig scy, eine Religion zu haben. Allmählig «z werden wir beweisen, daß die natürliche Religion, wenn >>,, fie gleich immer so ehrwürdig und heilig in sich sechsten ist, p, dennoch für das Bedürfniß des Menschen nicht genüge. End, l« lich werden wir alle Erhabenheit, Göttlichkeit, Heiligkeit ch der christlichen Religion, und ihren unendlichen Vorzug vor allen übrigen Religionen, auseinanderlegen. Nachdem wie ch diese Sätze befestiget haben werden, wollen wir Folgen da, ^ raus ziehen, die sine Menge sehr gottloser und sehr gefährli, Sff, cher Grundsätze Umstürzen werden, welche die Philosophen, A das ist, die Freydenker, listiger Weise ausstreuen, und ^ welche Lenke ohne Ueberlegung und Einsicht, als eben so ,, viele Wahrheiten, annehmen, billigen, und wiederhallen. ^ Sodann werden wir ihre Einwürfe einzeln vorrragen, z» und alle Verfänglichkeit, Schwäche, und Falschheit davon an den Tag legen. " Erster Artikel. Bestimmungen, Fragen, Grundsätze, ^ welche sich auf die Untersuchung der Religion beziehen. E Erste Frage. Was ist die Religion? Durch Religion soll man einen Gottesdienst, welchen ^ die Gottheit von den Menschen fodert, und gewisse Pflichten, 288 Religion, die sie ihm aufleget, verstehen. Gott ehren, und Gotte ge. horchen, ist dann alles, was die Religion ausmachet. Es ist kein Christ, oder Jude, kein Mahometaner, oder Gö» yendiener, der diese Bestimmung nicht annehmeu kann, und annehmen soll. Der Deist, wenn er gleich immer um gewiß und immer veränderlich in seinen Grundsätzen ist, muß dennoch ihre Richtigkeit und ihre Wahrheit auch zugeben und eingestehen, zum wenigsten, wenn er eine Religion voraus, sehen läßt. Zweyte Frage. Hat Gott von den Menschen einen Gottesdienst so, dern, und ihnen gewisse Pflichten auflegen können ? Alle Menschen: Christen, Juden, Mahometaner, Götzendiener sechsten, sagen, daß er es habe thun können. Die wahren Philosophen erweisen es auf das Augenschein, lichste, wie man es hienach sehen wird. Einige Menschen wollen, ohne alle Untersuchung , ohne Ueberzeugung, aus eitel Ruchlosigkeit des Gemükhes und des Herzens, aus M Neigung vor den Pflichten, die sie im Zwange halten und de, müthigen, von Religion durchaus nichts reden hören, und eifern beständig wider die Religion. Aber unter diesen zweenen Punkten, das ist: unter der Ue« bereinstimmung aller Völker in einer gleichen Meynung, und unter dem Gegensätze etlicher Menschen, die im gegenwärli, gen Handel billig verdächtig sind; wonach soll ein weiser und verdächtiger Mann seinen Schluß machen? Dritte Frage. " Sind wohl die natürlichen Einsichten und die Ver, nunft genüglich, um den Gottesdienst, welchen Gott so- dert, und die Pflichten, die er uns aufleget also, 5» entdecken, ji»,^ U! HD. Uz < is« s U kll- r«! Ak Religion. 289 rkcn, daß man sich dießfalls an die pur natürliche Religion halten könnte? Die Vernunft allein entdecket uns, daß wir der Gottheit die reinsten, und für sie würdigsten, Dienstleistungen .schuldig sind. Man kanu sich in diesem Stücke nicht kräftiger ausdrücken, als Cicero in seinem zweyren Buche der Ge, setze khut. Sie entdecket uns gleicher Weise alle unsre Pflichten ge^ gen unsers Gleichen, und alleS, was wir uns selbsten schuldig sind. Sie saget uns endlich: wenn das höchste Wesen uns sei. nen Willen offenbarte, und zu seinem Gottesdienste und zu unfern Pflichten etwas mehr federte, als was wir aus uns selbsten zu erkennen und zu entdecken vermöchten; so wären wir eben sowohl verbunden, uns danach zu richten, uns zu unterwerfen, und zu gehorchen. Also könnte die natürliche Religion nur in dem Falle erklecklich seyn, wo es bewiesen wäre, daß Gott nichts weiter von uns fodett, als was uns die natürliche Religion verschreibt , und wo es zugleich bewiesen wäre, daß sie uns in allem, woran uns gelegen ist, daß wir es erkennen, genügsam unterrichtet. Vierte Frage. Ist man verbunden, sich in der Religion zu belehren ? Man antwortet auf diese Frage nicht unmittelbar; sondern wir gebe», hier, anstatt aller Antwort, etliche andere Fragen auf. Ist der Willen des höchsten Wesens ehrwürdig genug, daß der Mensch genau verbunden seyn solle, sich davon zu belehren? Sind die Wahrheiten, Verheißungen, Dränungen, Belohnungen, Strafen, die in der Religion vvrgetrageu wer- u. Land. T den. 2tzv Religion, den, ein Gegenstand, der groß genug ist, daß es dem Men. Kl schen daran gelegen seyn solle? Kann die Nachläßigkeir, die Unbekümmerniß, oder das M Vorurrheil in diesem Stücke eine Entschuldigung leiden? oder soll man es für Verbrechen arischen ? - D Dieß ist alles, was die Klugheit antworten kann; * (^ui iiabetsuresauciiencii. -mächt. ^ Fünfte Frage. Wie soll man in der Untersuchung und Lehrübung der Religion zu Werke gehen? ^ Man soll mir Grundsähen dareinqehen, die eine redliche Seele, und ein Herz, das von Leidenschaften frey ist, eingeben. Wir sagen erstlich : eine redliche Seele; das ist, eine Seele, welche die Wahrheit aufrichtig suchet, und nrcht fürchtet , sie zu finden; welche in den ächten Quellen schöpfet, Beweise verlanget, sich nicht betäuben läßt, und nicht nach lärmenden Worten ihren Entschluß fasset. Wir sagen nachmals: ein Herz, das von Leidenschaften frcy ist; das ist, ein Herz, das bittere Wahrheiten nicht scheuet, welche demüthigen, einschränken, und bessern; ein Herz, bas bereit ist, eher die Hoffart, das Vergnügen, die Neigung zur Unabhängigkeit der Religion , als die Religion der Hoffart, dem Vergnügen, der Neigung zur Unabhängigkeit aufzuopfern; endlich ein Herz, das sich dahin herzhaft entschließt, woran ihm zum meisten gelegen ist. Sechste Frage. Ist jeder Mensch verbunden, sieb in der Religion ;« belehren, und sie zu untersuchen? Hl!!!! ß« Hs» l h» »Üls Wir « Sak. Vlll. Religion. 2-r ^ Wir schreiben weder für die Türken, noch für die In. ^ den, weder für die Tartarn, noch für die Lhineser. Wir ^ schreiben nur für jene, die im Chrisienrhume gebühren sind ; ^ und an diese allein richten wir unsere Antwort. Man muß unter den Christen zwo Gattungen von Men, ^ schm unterscheiden: den Pöbel, und gelehrte Leuts. B?y- de haben ihre verschiedene Weise die Religion zu untersuchen, und sich darinnen zu belehren. S» i. Der Pöbel har den Katechismus und die Stimme sei, ner Hirren. Es bedarf nicht mehr, um gerechte, gesellige, ch untadelhafte Leute zu bilden. Der Katechismus giebr dem Pöbel alles zu erkennen, was den Gottesdienst und die , N, Pflichten betrifft. Man fodert herzhaft alle Philosophen auf, sich ein Buch zu verfertigen, das dem menschlichen Geschlechts H so nützlich wäre, wie der Katechismus. Die Stimme der «j Hirten alsdann erkläret, emwrckelt diese Lehren, trägt die Beweggründe vor, und giebr alle Beweise an, die nach U dem Begriffe derjenigen sind, welche man unterweist. Je, ch des andere Mmel wäre entweder unnühlich, oder allzu be» . M schwerlich, oder ganz unmöglich: es kann also nicht noihwen, ,li! digseyn. Unter den gelehrten Leuten giebt es welche, die genau dtzik verpflichtet sind, sich in der Religion zu belehren, und sie zu untersuchen; wie: die Bischöfe, die Pfarrer, und alle, denen das Lehramt aufgskragen ist« Ihnen kömmt es zu, ihre ganze Schönheit, Weisheit, Göttlichkeit kennbar zu machen, ihre Beweise anzugeben, sie zu beschützen, sie zu ^ vttkheidigen. 2. Es giebt andere, welchen diese Lehrübrmg »ngems in nützlich ist; wie: den Oberteilen, und jenen, die mit Anse, ^ Heu und Macht versehen sind. Denn, da die Rrligiorr und der T 2 Staat, 292 Religion. Staat, nachdem weisen Geoanken Heinrichs des Vierten, niemals von einander qetrennet seyn sollen, werden sie durch die Schätzung der Religion zum wahren Besten des Staates desto mehr Herzhaftigkeit und Eifer beweisen, je besser die Religion ihnen bekannt seyn wird. z. Endlich kann sie einem jeden sehr nützlich seyn, der immer im Stande ist, verschiedene Fache der Wissenschaften und Gelehrsamkeit zu bearbeiten: denn die Beweise der Religion sind so siegreich, ihre Beleuchtungen so lebhaft, ihre Heiligkeit so einnehmend, so erhaben, so schimmernd, daß sie die Unwissenheit und Sorglosigkeit jener, die sie bekennen, unendlich mehr zu fürchten hat, als die fchärfesten Untersuchungen , und alle Bemühungen und Wuth derjenigen, die sich wider sie empören. Vermittelst der Erklärungen, die wir ißt vorausgeschicket, und die uns norhwendig schienen, und vermittelst der Grund, sähe, die wir nun eben bestätiget haben, kann man in verschiedenen wichtigen Punkten, welche sich auf dm Gegenstand beziehen, von dem wir handeln, einen festen Schluß fassen, i. Man machet sich einen richtigen Begriff von dem, was die Religion überhaupt sey. 2. Man merket schon die Nothrvmbigkeir einer Religion, z. Man erkennet, was die narürirche Religion, ihre Erstreckung, und ihre Gränzen seyn. 4. Man erfährt, wie man in der Untersuchung der Religion zu Werke gehen müsse. 5. Man begreift, was zu dieser Untersuchung, nach den verschiedenen Ständen der Menschen, schicklich und norhwendig sey. Wrr wollen ißt Liese große Frage von der Religion mit der größesten Umständlichkeit behandeln, und ihre vornehmlichsten Punkte vollkommen aus einander legen. Zwey- Religion. rsz Ztveyter Artikel. Von der Notwendigkeit der Religion. Erster Satz. Die erste und wesenrlichste Verbindlichkeit des Menschen ist, eine Religion zu haben. Ehe wir unfern Satz beweisen, wollen wir die Anmerkung machen, daß unter denen, die sich darauf verlegen, vernünftig zu schließen, heut zu Tage keiner ist, der sich zu sagen getrauet, oie Welt fey von sich selbst und ohngefähc entstanden ; oder, der das lächerliche Lehrgebäude von den Aromen Lpikurs annimmr; oder, der das Daseyn eines Gottes läugnet. Man kann sein Daseyn nicht mehr laug« nen, daftrn man für vernünftig gehalten werden will. Wir sehen also das Daseyn eines Gottes, eines Schö« pftrs, als eine bewiesene Sache voraus, * welche Niemand anzustreiten sich erkühnen wird; und wir schreiten ungesäumt zum Beweise des Satzes, den wir auf folgende Art vortragen: Die Nolhwendigkeit einer Religion wird unumstößlich erwiesen: 1. Durch den Begriffnen wir vomhöchsten Wesen haben; 2. Durch den Begriff, den wir vom Menschen haben; Z. Durch den Begriff, den wir uns von der Gesell« schafl machen sollen. Beweis der ersten Abteilung. Die Nothwendigkeit einer Religion wird durch den Be« griff bewiesen, den wir vom höchsten Wesen haben. Es ziehe ein Mensch, in einer stillen und ungestörten Betrachtung, seine Vernunft zu Rathe; er werfe die Au, gm * 2m Artikel : Acheist. 294 Religion, gm aus den wunderbaren Schauplatz, den ihm dieses Weltall vorstellet; er beschaue seine H rrlichkeit und Einstimmung; er bemerke die Mannigfaltigkeit der Güter, womit cs bega, bet ist; er denke, daß dieses so prächtige Werk seinen Schöpfer nichts kostet, als einen Wink seines Willenswas für erhabene Begriffe wird er sich dann von der Hoheit, Macht, Weisheit, und Freygeblgkeit des Erschaffers nicht bilden? Wie groß werden die Entzückungen und die Triebe seiner Dankbarkeit gegen dieses höchste Wesen sinn, wann das Staunen und die Begeisterung all? Empfindungen fernes Herzens einnimmt? Mit welchem Eifer und Feuer wird er sein Lob und seine Wohlthaten besingen? Wird ihm nicht dre vollkommenste Huldigung des Gemüths und Herzens die erste und billigste aus allen Pflichten scheinen ? Wird er sich entbrechen können, die Gesinnungen eines Menschen, der behaupten wollte, daß man diesem so mächtigen, so herrlichen, so freygebigen Schöpfer, weder Dienst noch Huldigung, weder Dankbarkeit noch Liebe schuldig sey, ich sage nicht, für eine unnatürliche Undankbarkeit, sondern für eine unerträgliche Ungereimtheit anzusehen? Ich fodere die ganze Philosophie und Freydmkerey, mit allen ihren Umschweifen und ihren arglistigsten Trugschlüssen, heraus, diese so einfachen Begriffe zu verdunkeln, dieses so natürliche Gefühl zu schwächen, diese so augenscheinlichen und wichtigen Wahrheiten umzustürzen. Nun, machen nicht jener Gottesdienst, jene Huldigung, jene Dankbarkeit, jene Liebe, welche so billig, sonochwen- dig, so unerläßlich sind, die Wesenheit der Religion aus? sind sie nicht der Geist und die heiligste Ausübung der Religion? Wird ein Mensch, der zu denken, zu urrheilen, » . vev l l""- Religion. 29 § ^ vernünftig zu schließe», weiß, »emals zu sagen sich gerraucn, tzz ^ ^ siy nicht vonnörhen, eine Religion zu haben? Ist nicht ^ der Begriff von einem höchsten Wesen, von einem göttli.- ktz che» Schöpfer, mit dem Begriffe der Religion nothrverwig H und wesentlich verbunden? Wer immer das Daseyn eines Gottes läugnet, kann nur für einen Tollkepfangesehen werden. Aber wer das Da- n* seyn eines Gottes erkennt, und die Nothwendigkeit einer Re« ^ ^ ligion läugnet, den soll »nan als einen abscheuwürdigen Men- ^ scheu bmachten. «i>! k D, « Es läßt sich noch ein anderer Beweis aus dem Begriff fe von Gotte ziehen. Wenn wir jenen Begriff vom höchsten Wesen noch gründlicher erforschen, werden wir erstlich finden, daß es nokhwendiger Weise unendlich ist. Denn der Begriff von «nein Gotte, der in seinen Vollkommenheiten und seinen Eigenschaften beschränket; das ist, der in seinen Vollkommenheiten und seinen Eigenschaften nicht unendlich wäre, kann von keinem gesundest und vernünftigen Verstände angenommen werden. Man fühlet, daß dieß widerspre, chend wäre. Nun, ein unendliches Wesen kann nur nach einein Endzwecke handeln, der seiner würdig ist. Nichts ist seiner würdig, als das unendliche Wesen sechsten. Es hat sich keinen andern Endzweck vorsetzen können, da es die Ge schöpfe aus dem Nichts hervorzog. Folglich hat es für sich selbst erschaffen, was es immer erschaffen hat. Jede andere Absicht wäre zu gering gewesen, und hätte seiner unendlichen Weisheit nicht entsprochen. Es har uns also Gott nur um seinetwillen erschaffen, und uns den Verstand, die Freyheit, die Kraft zu lieben gegeben. Dieser Verstand, diese Freyheit, diese Kraft zu T 4 lieben. / 296 Religion, lieben, soll dann von uns allein auf ihn gerichtet werden, da» mit wir den Endzweck unsrer Schöpfung erfüllen. Wic sol, len erkennen, daß wir diese Kräfte nicht billiger und schick», cher nach den Absichten Gottes gebrauchen mögen, als wenn wir uns befleißen ihn zu erkennen, weil er die höchste Wahr, heit und der Ursprung aller Wahrheit ist, und wenn wir ihn lieben, weil er die unendliche Güte, und der billigste, noch« wendigste, und würdigste Gegenstand unsrer Liebe ist. Endlich, wenn Gott die höchste Wahrheit, die unbe, greifliche Schönheit, die unendliche Güte ist, ist eg nicht eine unumgängliche Nothwendigkeit, daß ihm Geschöpft, die ihm alles zu danken haben, alle Dienste der Anbsrhugg, der Dankbarkeit, und Liebe leisten, zu denen sie fähig sind, und folglich, daß sie eine Religion haben ? Der Begriff von Gotte ist dann nothwendig mit -ein Begriffe der Religion verbunden, und stellet uns die Nokh, Wendigkeit einer Religion, als eine unumstößliche Wahrheit vor. Beweis der zweyten Abtheilung. Die Nothwendigkeit einer Aeligion wird durch den Begriff bewiesen, den wir vom Menschen haben. In der ersten Abtheilung des Beweises haben wir den Men» schen seinen Verstand, seine Vernunft, den Eindruck, welchen das Schauwunder des Weltalls auf ihn machet, zu Rathe ziehen heißen , damit er einen Begriff von Gotte fasse: und wir haben beygefthet, er werde sehen, daß der Begriff von Gotte mit dem Begriffe der Religion nochwendig verbunden fty. Hier heißen wir ihn nur in sich selbst kehren; so wird ec in seiner eigenen Natur die rührendsten Beweise von der Nothwendigkeit einer Religion amreffen. Denn der erste Gldan, L-i ij» I« ki! «!I ß >1 Religion. 297 Gedanken, der ihm bey dieser Erforschung einfallen wird, ist dieser: „ Ich bin dal doch nur aus Wohlkhar eines andern „ bin ich da. Weder ich, noch meines Gleichen haben si h „ das Daseyn geben können. Ich genieße es nur mir der „ größesten Abhängigkeit, und gleichsam auf Borge: Jener, „ der eS mir gegeben hat, muß mir es jeden Augenblick er. „ halten; außerdem würde ich in den Zustand zurücksallen, „ in welchem ich war, eh ich aus die Welk kam „. Dafern er fortfährt, sein eigenes Wesen zu erforschen, wird er in Hm verschiedene Kräfte: Verstand, Vernunft, Freyheit, Gefühl, die Macht Gegenstände zu unterscheiden, zu beurtherlen, zu wählen , sich zu entschließen, antrrffm ; und er wird begreifen, daß er diese Kräfte nicht allein für Eigenschaften seiner Nat-ur, sondern für kostbare Geschenke, womit ihn der Schöpfer begabet und begünstiget har, ar.se- hen soll. Der Anblick der Güter, welche dieses Weltall in sich emschließt, worüber er zu schalten hat, und die er gerne, ßen kann, machet ihm die Freygebrgkeit.und rührendste Sorg, fall von eben demselben Schöpfer bekannt. Dann kann er sich nicht entbrechen, die nothwendigs Verbindungen zu fühlen, die er mit seinem Gotte hat, nnd ihn für seinen Schöpfer, seinen Herrn, seinen Wohlrhäter, seinen wahren Vater zu erkennen. Aber da er Gort für seinen Schöpfer erkennt, gesteht er eben dadurch, daß er ihm An- bethung und Ehrerbiethung schuldig ist: da er ihn für sei, neu Herrn erkennt, gesteht er seine Abhängigkeit, die Pflicht seiner Unterwerfung, und das Recht ein, welches Gott hat, dem Menschen Pflichten aufzulegen: da er ihn für seinen Wohlrhäter und Vater erkennt, gesteht er, daß er sich von der Ehrfurcht, Dankbarkeit, und Liebe nicht mehr aus, nehmen kann. T s Nun 298 Religion. Nun, worinnen besteht die Religion, außer in der An» berhung, in der Ehrerbiethung im Geständnisse der Abhäm gigkeit, Unterwerfung, Ehrfurcht, und Liede? Und wenn der Mcnfch, da er sich selbst erforschet, alle diese Vcrbin, düngen mir Gölte nochwendig in ftiner eigenen Natur an, trifft, sinder er nicht zugleich die ganze Religion durch den Finger Gottes sechsten schon in sein Herz eingegraben? muß er nicht gestehen , daß cs für den Menschen unumgänglich vonnörhen sey, eine Religion zu haben? Beweis der dritten Abtheilung. Die Nothwendigkeit einer Religion wird durch den Begriff , den wir uns von der Gesellschaft machen, bewiesen. Die Gesellschaft scher nochwerdig eine Religion voraus, und sie kann ohne Religion nicht bestehen. Man kann nichts nachdrückijcherS und rührenders finden, als wie sich der grö' ßeste Mann , der im Heydemhume geleber hat , über diesen Gegenstand ansdrücke; : ^ wenn es keinen Gottesdienst giebt, saget er, den man der Gottheit erweisen soll, so könven weder Sitten, noch Religion mel-r bestehen; und dann wird nichts, als Unordnung und Verwirrung, auf der Welt mehr seyn: und ich sehe nicht, wenn man die Religion wcgnimmt, wie die Rechtschaffenheit, die bür gerliche Gesellschaft, und die vortrefflichste aus den gesellschaftlichen Tugenden, die Gerechtigkeit, noch bestehen mögen. Fürwahr, die Gesellschaft ist die Vereinigung mehrerer Personen und Familien, um unter gleichen Gesehen zu leben, und durch die Gesetze sich einander wechselseitigen Beystand und Nutzen zu verschaffen: sie ist ein Körper , der aus meh- rcrn ' CK. von der Nat. der Gött. i. B. ft!« jSk R K l Religion. 299 'il» mn Gliedern besteht, derer Verrichtungen verschieden ftyn ^! müssen, da einige zu gebrechen und zu ordnen; andere zu ge, «tz horchen und zu handeln haben, damit alle zusammen zum all- gemeinen Besten mithelfen. Es muß dann in der Gesellig schast Gesetze, Obergewalt, Abhängigkeit, Unterordnung 4 k geben: es muß der persönliche Vorcheil, der allezeit dem all, «tz gemeinen Nutzen entgegenstrebet, darinnen unbekannt seyn; tzh außerdem würde weder Gerechtigkeit, noch rechtmäßige Gewalt Statt haben: und dieses zerstöret die Gesellschaft. Es müssen die Leidenschaften, welche weder auf das Recht des ^ Nächsten, noch auf die Billigkeit achten, welche alles auf n sich selbst beziehen, und jede Art Mille! anwenden, um ihre Absichten zu erreichen, wie der Ehrgeiz, die Herrschsucht, die ^ Gelbbegierde, eingehakten und unterdrücket werden. itz Allein, es ist unmöglich, daß alles dieses unter den Men, gii> scheu Statt haben möge, wenn sie keine Religion haben, ch Denn der Mensch, der ohne Religion lebet, wird keinen andern Beweggrund, kein anderes Triebrad seines Wandels so erkennen, als seine eigene Glückseligkeit, seinen Wohlstand, vid seinen persönlichen Nutzen. Nichts, als die Furcht einer ^ überlegnem Macht, kann ihn aufhalten, abwenden, oder gii hindern, alle Mittel zu ergreifen, die fähig sind, ihn zu sei- dü, »ein Endzwecks zu leiten. Er wird alles auf sich selber be, ,zl ziehen: seine Leidenschaften sind von ihm selber nicht un- ^ lerschieden; er wird dann alles ans die Befriedigung seiner Leidenschaften beziehen. ^ Die Gesetze werden bey ihm keinen Eindruck wirken: ^ weil er keine Religion hat, werden sie für ihn kein Ansehen ^ haben. Er mag sie wohl zuweilen fürchten; aber er wird ^ sie allezeit übertreten, sobald er es ungestraft thun kann, weil Ki er zoo Migisii. er sie nicht mehr anders, als für Hindernisse seine- eigenen Vortheils ansehen darf. Da die Abhängigkeit seinem Glücke zuwider ist; - denn man hat nichts lieber als die Freyheit; — wird er in dieser Abhängigkeit nur so lange bleiben, bis er sie wird abwerfen können. Die Rechte des Nächsten werden jenem nothwendlger Meise unbekannt seyn, der glaubet, er dörfe und müsse alltauf sich selbsten beziehen. Endlich die Vernunft, deren sich die Gottlosen bedienen könnten, um die Ungereimtheit ihrer Gesinnungen zu verhüllen, kann von keiner Wirksamkeit seyn: dmn, da die Vernunft nur ein Licht ist, welches uns unsere Pflichten, die Gerechtigkeit, und die Tugenden zu erkennen giebt; was wird diese Vernunft einem Menschen sagen mögen, der keine andern Pflichten, keine andre Gerechtigkeit, keine andern Tugenden keunr, als seinen persönlichen Vorchell? Me diese Anmerkungen sind eben so viele überzeugende Beweise, daß unter Leuten, die das Bekenn^niß machten, sie haben kerne Religion, keine wahre, sichere, und beständige Gesellschaft bestehen könnte. Man beut allen Philosophen Trotz, sammt ihren großen Sprüchen, und ihrem machtvollen und entscheidenden Tone, auf diese Anmerkungen und Beweise etwas vernünftiges zu antworten. Sobald ein Mensch keine Religion hat, wird er nokhwendig allezeit alles auf sich selbst beziehen, weil sein persönlicher Vorcheil sein einziger Endzweck ist. Sobald er alles auf sich selbst bezieht, ka.m die Gesellschaft von ihm nicht« mehr erwarten; ja, sie hak von ihm alles zu fürchten: und wenn er ihr nicht schädliche Streiche spielet, so ist es deßhalben, weil eö ihm a« der Gelegenheit, oder an den Mitteln gebricht. Es ist al>o mehr ! »s! !ech W ch Als 4 ! Religion. zoi als bewiesen, daß der Begriff von der Gesellschaft die Noch. Wendigkeit einer Religion voransseßet. Man könnte noch weiter gehen und zeigen, daß hier die Erfahrung vollkommen mit der Vernunft überemskömmt; daß man in der bürgerlichen Gesellschaft allezeit einem Men« schm mistrauet, der keine Religion hat; daß die Religion allezeit das stärke sie Band der Gesellschaften ist; daß die grö« heften Vecändrungen, die in den Gesellschaften em standen sind, wie bey den Griechen und Aömern, allezeit Menschen ohne Religion zu Urhebern gehabt haben. Aber all«' diese Wahrheiten sind in alle Seelen so stark gepräget, und fließen so natürlich aus den Beweisen, die wir ausgeleget haben, haß es nicht vonnöthen ist, flch darüber weitläufiger zu erklären. Es genüget, daß man nur daran erinnere. Dritter Artikel. Von der Ungenüglichkeit der natürlichen Religion. ZweyterSatz. Die natürliche Religion, woran sich die Philosophen halten wollen, ist für den Menschen nicht genügllch. Die Nochwendigkeit einerReligion, und daoJoch der Re« ligion, sind zween Punkte, die den Philosophen gleich sehr mis« fallen. Sie vercheidigen sich sehr schlecht, wenn man um des ersten Willen in sie dringt; und unter dem schönen Vor« wände, daß sie sich an das Naturgesetz und die natürliche Religion halten, geben sie sich alle Mühe, um sich von dem zweyten loözumachen. Sie sprechen viel vom Naturgesetze und von der natürlichen Religion; aber sie nehmen sich wohl in Acht, zu sagen, worinnen sie bestehen, oder eine klare, verständliche, und deutliche Bestimmung davon zu geben. Wrr, zoL Religion. Wir, da wir uns an die Meymrng des größestell aus den römischen Philosophen hatten, wir sagen: Das natürliche Gesetz ist jenes Licht, welches uns Gott verliehen hat, um unsre ersten Pflichten und die ersten Grundwahrheiten zu erkennen, und zu unterfä-ciden, was gerecht oder nicht gerecht sey. ^ Oder: es ist jene Vernunft, die allen Mensch, lichen Gesehen vorgeht, und wodurch wir erkennen, was Gott von unsfodere, was ec une gebiethe, oder verbuche. ^ Ita principem UZem illam Lc uitimnm, qusmOu kumuno Aeneri ciecierunt, mentem eile ciicebuntom- nia ratione coZentis sut vetantis Oei. Dieses Gesetz ist dann unendlich ehrwürdig; es ist durch, aus nochwmdrg; es soll der erste Grund aller Gesehe und ab ler Religionen seyn, die ein vernünftiger Mensch zulassen kann. Uns die ersten Pflichten, die es Uns aufiegel, und dis zunr wenigsten nachgelassen werden können, sind jene, wie gleich darauf eben derselbe Philosoph beyseßet, zu wel, chen wir gegen die Gottheit verbunden sind. Dieß haben unsre Philosophen, ob sie gleich Christen von Abkunst sind, niemals so gut zu erklären gewußt, als heydnische Philosophen. Wir erkennen dann die Heiligkeit, die Wahrheit, und die Norhwendigkeit des Naturgesetzes und der natürlichen Rer ligron. Aber wir gehen weiter, und erweisen ihre Ungcnüg- lichkeit mir der größesten Klarheit. Die Mittel der Erweir snnam sind: i. die tiefe Dunkelheit, in welcher uns die nar türüche Religion über sehr viele Wahrheiten läßt, derer Er» kennmiß für uns von der äußersten Wichtigkeit ist: 2. die Unvermögenheit dieser Religion, um die Ausschweifungen des Meilscheu einzuhallen. Wir ziehen den ersten Theil des Beweises " Cie. von den Gesetz, s. B. * * Edend. k Religion. zoz »tz tveiscs ans dm Ursachen, aus den Gründen, oder »rach dem j Ausdrucke Baylens: u priori; den zweyren: a potte-- riori; das ist, aus den Folgen und aus den Wirkungen. 'DU Ei '«ft jM, Ä, jils- iB MV Erster Beweis. Die Ungenüglichkeit der natürlichen Religion wird durch die riefe Dunkelheit bewiesen, tn welcher sie uns über sehr viele Wahrheiten läßt, derer Erkenntniß für uns von der äußersten Wichtigkeit ist. Es ist für den Menschen nichts wichtiger, als die Ver« bin-ungen, die er mit Gotte har, die Dienstleistungen, die er ihm schuldig ist , und was er von ihm zu hoffe-.: oder zu fürchten habe, zu erkennen: auf gleiche Weift ist für ihn nichts Wichtiger, als daß er erkenne, warum sich in ihm so entge, gengesetzre Gründe befinden , wovon ihn einer immer zur Tugend , und der andere zum Laster antreibr. Nun, die natürliche Religion läßt uns über die meisten dieser Punkte in einer riefen Dunkelheit. Folglich läßt die natürliche Religion den Menschen über viele Punkte, derer Erkenntniß für ihn von der äußersten Wichtigkeit ist, in einer tiefen Dunkelheit: sie ist dann um genüglich für den Menschen. In dem Vernunftschluffe, den wir hier vorgslragen haben, soll der Vordersatz nicht die mindeste Schwierigkeit lei, den. Wenn wir erkennen , daß wir das Werk Gottes sind, werden wir ohne Mühe erkennen, daß die Kenntniß unsrer Pflichten gegen dieses höchste Wesen, und unsrer Verbindungen mit ihm, die angelegensten und wichtigsten Dinge für uns sind. Es hat die gleiche Beschaffenheit mit jenen so entge, Lengesehren Grundsätzen, die wir in uns fühlen und airtteffm. Es Z04 ' Religion. Es kömmt also nur darauf an, daß wir die Wahrheit des ^ Mittersatzes fühlbar machen; nämlich, daß die natürliche ^ Religion uns bcynahe über alle diese Punkte in der tiefesten ^ Dunkelheit lasse. Wir wollen jeden ins Besondere wieder ^ ausnehmen. i. Die Verbindungen des Menschen mit Gotte. Wir ^ haben mit Gotte Verbindungen, welche uns die natürliche ^ Religion genug zu erkennen giebt, wie jene sind, die wir ^ als Geschöpfe haben , die vcm seiner Hand erschaffen, W* mit seinen Wohlrhaten begabet, durch seine Weisheit re» gieret werden: u. s. w. Sie entdecket uns zwar seine Ewigkeit, seine Allmacht, seine Güte, seine Freygebigkeit, ^ ferne unendlichen Einsichten und Kenntnisse, seine Liebe zur E Tugend, die er belohuer, seinen Abscheu vor dem Laster, K M das er strafet: und dadurch stellet sie uns ihn als einen Ge» »li ^ genstand vor, der unsre Anbethung, unsre Ehrerbiethung, iAi! unsre Furcht, unsre Liebe verdienet. W! Aber es sind Punkte, derer Erkenntniß für uns auch von G der äußersten Wichtigkeit ist, und von Lenen sie uns nichts , O»> saget, und nichts sagen kann: ich meyne die Verbindungen r. d.r sündhaften Menschen mit Gone, und die Gesinnungen «« Gottes gegen die sündhaften Menschen. Denn der Mensch kann Gotte misfallen; er kann Hand, ßi ?! lungm verrichten, die Gott misbilliget nnd verdammet; wie da sind: Ungerechtigkeiten, Diebstahle, Rachbegierde, Uu» W treue, barbarische, grausame, unmenschliche Thaten. Al» ^>z> les dieses wird von der Vernunft verdammet und misbilliget; ^ stß, folglich wird es auch von Gotte verdammet und misbilliget, k, welcher der Urheber der Vernunft ist. Es können also die iiis Menschen sündhaft und lasterhaft vor Gokle seyn. Nie» d»z maad zweifelt daran: man har allzu viele Beweise davon vvc Religion. . ZQs ^ vor den Ariaen. Aber ich wiederhole es: was für Gesinnt, nungen har Gott gegen die sündhaften Menschen ? ^ Wird Gott, da er in seiner -Gerechtigkeit, wie in allen ftinen übrigen Vollkommenheiten unendlich ist, ihnen ihre Sünden vergeben ? ja , wird er ihnen sie vergeben können? U Wie möchte man alsdann die nochwendigen und unadsonder- lichen Rechte der unendlichen Gerechtigkeit mit der Berge- r tz bung der Sünden vergleichen? Hat der Mensch ein Mittel, G, dieser unendlichen Gerechtigkeit Genügen zu leisten , und soll ii il, oder kann die unendliche Gerechtigkeit jene Genuglhuungen s« für die Sünden annehmen ? Finstere Abgründe, unauflösli« >K che Fragen für den menschlichen Verstand! aber dennoch die ikj«, wichtigsten Fragen für den Menschen, der beständig der Sün, ßi, de ausgeseht, beständig zur Sünde geneigt »st! Nichts, >8» als das Licht der christlichen Religion, kann diesen Abgrund nz, beleuchten, diese Fragen erklären und auflösen. Die natürliche Religion und das Naturgesetz antworten uns nichts dar- auf, und können uns auf all dieses lediglich keine Antwort P geben. ,zm 2 . Die Dienstleistungen. Die Dienstleistungen sind eis ^ ne norhWmdige Folge der Verbindungen. Also belehren uns zwar das Naturgesetz und die natürliche Religion, was ^ für Anberhung, Dankbarkeit, und Liebe wir Gotte, als- -s dem Urheber unsers DaseynS« und aller Güter, weicher wie , h genießen, schuldig seyn. Aber sind unsere Dienstleistungen K lediglich und nsthwendig auf diese Gesinnungen beschränket ? ^ Foden Gott nichts weiter ? kann er nichts weiter fodern? ge- ^ jiemet rs sich, daß er nichts weiter fodere? Gleichwie er ^ die Unterwerfung unssrs Herzens durch die Gebothe des Nazi» turgescßks fodert, kann er nicht auch die Unterwerfung unser» ^ Verstandes durch den Glauben fodern? Kann er uns nicht § II. Band. U Mahr- ZQ§ Religion. Wahrheiten vorkragen, die über unfern schwachen Begriff erhaben sind, und die wir allein auf das Ansehen seines Wortes glauben sollen? Wahrheiten, derer Erkenmniß für urs wichtig und vortheilhast ist, obschon wir sie nicht begreifen können ? Wahrheiten aus der Geschichte, welche die Vernunft niemals hätte entdecken können, und durch welche uns Gott noch größer, anbethenswerther, liebenswürdiger scheinen wird, als durch alles, was uns die natürlichen Einsich, ten andeuten möchten? Würden uns in diesem Falle das Naturgesetz und die na. türliche Religion von ihrer Ungenüglichkeit nicht selbst unter, richten? würden sie uns nicht ermahnen, weiter zu gehen, und zum Lichte der Offenbarung zu schreiten ? würden sie uns nicht sogar eine Pflicht auflegen, daß wir uns bestreben sollen, jene Dienstleistungen zu erkennen, welche die Gottheit zu ihrer Ehre von uns fodern muß , und welche wir aus Pflicht und au« Nutzen ihr zu erweisen haben ? und würden wir nicht der Vorschrift des Naturgesetzes und der natürlichen Religion widerstreben, wenn wir uns mit jenen ersten Pflichten und Dienstleistungen genügen wollten, wovon wir im Anfänge gesprochen haben ? Weil Mn die Christen so deutlich, daß man niemals etwas darauf erwiedert hat, und unmöglich etwas erwiedern kann, an den Tag legen, Gott habe den Menschen dergleichen erhabene, unbegreifliche Wahrheiten vorgetragen, welche die Unterwerfung unsers Verstandes durch den Glauben fodern: weil die Christen, sageich, dieses unumstößlich an den Tag legen, ist nicht die Ungenüglichkeit der natürlichen Religion eben dadurch erwiesen ? z. Was wir von Gotte zu hoffen,odcr zu fürchten haben. Da die natürliche Religion und das Naturgesetz uns Ds MÜ 8i>! Religion. > Z07 die Heiligkeit, Weisheit, Vorsehung, Gerechtigkeit Gottes zu erkennen geben, leiten sie uns nothwendig darauf, daß wir Belohnungen und Strafen in einem zukünftigen Leben zulaffen. Denn man kann nicht vernmthrn, daß ein unend, lich weises und unendlich gerechtes Wesen, die Beobachtung der Ordnung und die Zerstörung der Ordnung, die Tugend und das Laster, die Silken ehrbarer Personen und den Wan, del der Ruchlosen, die Grausamkeit und die Menschenliebe, die Redlichkeit und die Untreue, mit einem gleichgültigen Au, ge betrachte. Eine solche Gottheit wäre ein Hirngespinnst. Man mnß dann in Gotte Heiligkeit, Weisheit, Vorfthuna, Gerechtigkeit, und folglich Strafen und Belohnungen für ein zukünftiges Leben zulassen. Aber rvorinnen werden diese Belohnungen oder Srraftn bestehen? Die natürliche Religion saget uns nichts davon; die Philosophie hat von diesem Gegenstände beynahe nichts als Ungereimtheiten oder Gottlosigkeiten ansgestreuet; und die Kabeln des Heydenthumes, welche man für die Trümmer einer ursprünglichen, aber verunstalteten Offenbarung ansehenkann, sind lehrreicher und vernünftiger, als alles, was die größesten Vernünftler umer den Philosophen aufdie Bah» ne gebracht haben. Man trifft wahrhaft erhabene und unendlich fürchterliche Sachen in den Erzählungen jener Fabeln an; und man sicht nichts als Ungewißheit, Unbestand , willkührliche Einfälle bey den Philosophen, welche nach dem, was die natürliche Religion und das Naturgesetz sie erstlich gelehret harre, neue Lehren aufbringen wollten. Was ist unterdessen wichtiger für den Menschen, als zu wissen, was er von Gotte zu er, warten, zu hoffen, oder zu fürchten habe ? Es liegt daun vor Augen, daß uns dis natürliche Religion und das Natur« U L gesetz zoz Religion, geseß über Dinge, die für uns von äußerster Wichtigkeit sind M! in einer tiefen Dunkelheit lassen. .. 4. Wie schwer ist die Frage aufzulösen: warum hat der jt, Mensch, da er das Werk eines unendlich weisen und unend. »l O lich heiligen Gottes ist, dennoch so ungeordnete und verderbte ^ Neigungen? Wie kömmtS, daß er die Schönheit der Tu, gend so gut erkennt, und dennoch einen so starken Hang zum Laster hat ? Warum findet man, neben jenen Zügen, die Dch man in ihm antrifft, und die für die Gottheit so würdig sind, ftch! zugleich so widerstrebende bey ihm? Woher entsteht jener ßß! fortwährende Streit zwischen Vernunft und Leidenschaften? D Warum muß er so oft, auch mit Seufzen, ausrufen: W * ^liuägue cupiäo» ^11 t Lilens sliuä lnsäet: viäeo melior», probogue; liill«, Oeterlora feguor. y Ist es die Wirkung eines Lasters, das der menschlichen ^ W Natur anhängt, und von der menschlichen Natur unzcrtrenm h«! lich ist ? Aber dann wird man fragen: wo ist die Weisheit M des Schöpfers ? Ist es ein Verderbniß, welches am Werke U Gottes geschehen ist, und die ursprüngliche Ordnung verkeh, A ret hat, die er darein gestiftet hatte ? Aber, wer hätte diese R! Ordnung verkehren, oder das Werk des Allmächtigen verder, j« i ben können? Hat man einen Beweis, ein Denkmaal, eine H Versicherung, daß dieses Verderbniß geschehen sey? Noch einmal: wie schwer ist diese Frage aufzulösen! Die Vernunft saget uns zwar, daß der Mensch ein freyeS Geschöpf sey, und Laß er seine Freyheit habe misbrauchm ^ können; daß er ein fehlbares Geschöpf sey, und daß er habe sündigen können. Aber warum kömmt der Mensch mit die, sen verderbten Neigungen auf die Welt ? warum ist die Un- 8« ordnung ß, ' OvidS verwand?. 7. v. Religion. zs- ^ i ordnunq so allgemein? was mag die Ursache davon seyn? s Hat Gott, der sie zugelassen, der sie gesehen und vorgesehen ^ hat, ein Mittel an die Hand gegeben, damit man sich da« vor schützen und bewahren möge? ^ Ueber all dieses lehret uns die natürliche Religion nichts; ' ^ sie saget uns nichts. Sie überläßt den Menschen seiner Un- ^ gewißheit, seinen Klagen, seinem Elende: sie beleuchtet und ^ tröstet ihn nicht: sie spricht ihm nicht Muth ein. Kein Punkt > ^ ist wichtiger für ihn , weil dieses einen so starken Einfluß auf sein zukünftiges Schicksal haben soll; und in keinem Punkte ist er zum Unglücke mehr verlassen: folglich zeuget kein Punkt besser von derUngenüglichkeit der natürlichen Religion, theils um den Schöpfer zu rechtfertigen, theils um das Geschöpf zu leiten, aufzurichten, und zu ermuntern. Wir hätten uns über die vier Punkte, die wir da vorge, ich« tragen haben, um die Ungenüglichkeit des natürlichen Gese, « Hes zu beweisen, viel weitläufiger herauslassen können. Wir ^ hätten weit mehr Verbindungen zeigen können, die wir mit Gotte haben, und weit mehr Dienstleistungen, und viele ^ andere Pflichten, zu denen wir gegen Gott verbunden sind , H und worüber uns die natürliche Religion in der Unwissen, ^ heit und Dunkelheit läßt. Wir haben -uns genüget, nur etliche Züge anzubringen, um die Stärke der Erklärungen U mit der genauesten Kürze zu vereinbaren. ^ Zweyter Beweis. Die Unvermögenheit der natürlichen Religion, um den ^ Menschen in seiner Pflicht zu halten. ^ Es wäre vieleicht nicht vonnöthen, die Beweise unser- ^ Satzes weit herzuholen: die Lobredner und vorgeblichen An, ^ Hänger der natürlichen Religion könnten uns wohl Beweise U z r» zis Religion, zu Genügen an die Hand biethen. Wir wollen uns dennoch nicht mit diesen befriedigen: und wir gründen uns auf den folgenden Vernunstschluß. Wenn, ungeachtet aller Beleuchtungen und Hülfsmittel der natürlichen Religion, die Menschen über die wichtigsten und nothwendigstsn Wahrheiten in der tisfesten Dunkelheit gestecket sind; wenn sie sich allen Gattungen der schändlich» sien Ausschweifungen, die von der Vernunft sechsten zun meisten verdammet werden, Preis gegeben haben; wenn alle Lehren derjenigen, die sie haben an ihre Pflicht zurückweisen wollen, jene Unwissenheit nicht zerstreuen, und jene Aus, schweifungen nicht einhalten konnten: so wird die Unvermö, genheit der natürlichen Religion, um den Menschen in seiner Pflicht zu halten, eben dadurch vollkommen erwiesen seyn. Nun, dieß sind Dinge, welche die Jahrbücher bergan, zen Welt bezeugen, und welche sie uns, bis auf die Stift tung der Religion, die Jesus Christus geoffenbaret und verkündiget hat, als allgewöhnlich, herrschend, und allgemein vorstellen. Folglich ist die natürliche Religion durchaus unvermö, gend, den Menschen in seiner Pflicht zu halten. Der Vordersatz der Schlußrede ist unstreitig; seine Richtigkeit fällt in die Augen. Wir unternehmen eS hier nicht, die Beweise vom Mittersatze herbeyzubringen: man wird ste mit einer großen Umständlichkeit vorgetragen finden, wo wir von der Offenbarung geredet haben. Man muß dann nothwendig den Schlußsatz gelten las, sen, und gestehen, daß die natürliche Religion und das Naturgesetz ungenügltch und unvermögend gewesen, um die Menschen in ihrer Pflicht zu halten, und daß sie andrer Hülft- mit, o B K» - >ß Religion. zu Mtel und einer andern Religion vöknöthen gehabt ha, den. Ehe wir beschließen, was diesen Vortrag von der Unge, nüglichkeit der natürlichen Religion betrifft, wollen wir eine Frage aufwerfen, welche dem Verstände ganz natürlich zu Sinne kommen kann; welche vieleicht gewisse Personen in Verlegenheit sehen möchte, weil sie alles umzustürzen scheinen wurde, was wir von dieser Religion gesagt haben; und wel, che durchaus nothwendig aufgelöfet werden muß. wichtige Frage. Zwey tausend fünfhundert Jahre lang, wird man sagen. Hat es auf der Erde keine andere, als die natürliche Religion gegeben. Entweder ist diese Religion dortmals genüglich, oder ungenüglich gewesen. Wenn sie dort genüglich war, so fallen alle Beweise des Satzes eben dadurch zusammen. Ist sie ungenüglich gewesen, so hat dann die Weisheit Gottes grfehlet. Es giebt kein Mittelding: zwischen diesen zweyen muß man nothwendig Eines wählen. Antwort. Diese Frage ist nicht fähig, einen Menschen, der nur ein Bißchen unterrichtet ist, in die mindeste Verlegenheit zu setzen ; denn er wird sagen: Nichts ist fälschet als der Grund, saß, aufwelchen dieser schöne Doppelschluß hinausläuft. Es ist wahr, und Jedermann wird es bekennm: Die natürliche Religion ist allezeit Heilig, nützlich, und nothwen, dig gewesen, wie sie es noch heut zu Tage ist; aber es ist falsch, daß der Mensch jemals aufdiese einzige Richtschnur, in seinem Gottesdienste und seinen Pflichten gegen Gott beschränket gewesen sey. Gott hat schon im Anfänge dem Menschen, wegen jenes Gottesdienste und jener Pflichten, U 4 wich, Sir Religion, wichtige Wahrheiten und Verordnungen kund gemacht, die er nicht wissen, und die er nur durch eine Offeicharung entdecken konnte. Es ist nicht hart, Beweise davon anzugsben: hier sind einige. Schon im Anfänge der Welt haben die Menschen durch Opfer die Gottheit verehret, und geglaubet, daß man sie Lurch Opfer versöhnen könnte. Wir wissen auch kein Volk und keine Religion, wo nicht die Opfer gebräuchlich warm. Wenn wir bis an die ersten Menschen zurückgehen, sehen wir, daß die Kinder Adams dem Herrn Opfer schlachteten; daß die Kinder des noe nach der Sündfluch das Gleiche rhatm; daß alle Völker Blut über die Altäre hinabströmsn ließen. Wir wollen uns hier an die einzigen Versöhnopfer halten, und fragen: Wie haben sich die Menschen einbilden können, daß sie, wenn sie das Blut der Thiere vergössen, der Gottheit gefallen , sie bewegen, besänftigen, sich von ihren Sünden reinigen körmten ? Wie hat ihnen ein so außerordentlicher Gedanken zu Sinne kommen können ? wie ist er so allgemein geworden ? Die Vernunft saget uns lediglich nichts davon. Man sieht kein Verhältniß zwischen der Vergießung des BlutS eines Thieres, und der Genugthuung für einen Fehler oder ein Laster, das ein Mensch begangen hätte. Cicero selbsten, der weiseste, einsichtigste, belehrtest« aus den Philosophen, verstand es nicht. Die Mackel der Seele, saget er, lassen sich weder durch die Zeit auslöschen, noch durch ein Opfer abwaschen. * ^nimi Isbes nec ciiuturmtate vsnelcere, nec mnnibu8 uIÜ8 elur potelt. Unterdessen, da der Gebrauch der Opfer allgemein, und von gleichem Alter, wie die Welt selbsten, gewesen ist, ob» schon MN Hm NW Ml ch Z« L, !« ß * von den Gesetz. 2. N. jß. W kill P, i> Religion. ;rz schon erscheint, daß ihn die Vernunft eher misbilligen, als gmheißen sollte; muß er nothwendig auf etwas Geheimniß, volles gegründet, und durch ein wirkliches Gesetz befestiget seyn; es muß schon im Anfänge ein Geboth des Herrn gege- den haben, ihm Opfer zu weihen. Wenn wir diesem Lichte strale folgen, und bis an die ersten Denkmäler der Geschichte des menschlichen Geschlechtes zurückgehen; bis an jene Denkmäler, * die seit mehr als drey tausend fünfhundert Jahren vorhanden sind, werden wir nicht allein die Richtig, keit des Gebothes, sondern auch die Beweggründe desselben Gebothes entdecken: und diese Beweggründe befinden sich in der Verkündigung eines zukünftigen Erlösers, die Gott dem Menschen that, welcher durch die Sünde feine Vorzüge verloren hatte. Der Erlöser sollte zur Befreyung des menschlichen Geschlechtes geopfert werden: dieses machte die Hoffnung des Menschen lind seinen Trost aus. Und Gort, damit er das Andenken, seiner Verheißung unter den Menschen erhielte, befahl ihnen, Opfer zu entrichten, welche Vorbilder, Zeichen, Erinnerungen jenes Opfers seyn möchten, das der Erlöser eins entrichten sollte, wann er sich für sie opferte. Dieß ist der wahre Ursprung der Opfer gewesen. Man se< h< dann, wie das Gesetz zu Opfern ein Beyfatz der natürlichen Religion werde. Seit der Schöpfung der Welt ist die Heiligung des siebenten Tages den Menschen bekannt gewesen. Der Herr haue ihn, als einen Gedächtnißrag des großen Werkes der Schöpfung, eingesetzet, um die Dankbarkeit der Geschöpfe zu ermuntern, und an diesem Tage ihre Huldigung zu empfangen. Es wird auch die Heiligung dieses Tages in den zehn Gebothen, nicht als ein neues Gesetz, sondern als die Erneu- * Di- Bücher Moses. U s zi4 Religion. Erneuerung eines alten Gesetzes vorgetragen. * Erinneret ^ euch, sprach der Herr, -aß ihr den Sabbat, das ist, den ^ siebenten Tag, heiliget. Homer, der älteste der profanen Schriftsteller, welcher ^ siebenhundert Jahre nach Moses lebte, entdecket uns eben ^ ^ dieselbe Pflicht der Religion, und zeiget uns davon die glei- che Ursache an, die wir angeführet haben: Der siebent« ^ Lag soll unter euch geheiliget seyn; denn an diesem Ta, ^ ^ ge ist die Schöpfung der Welt vollendet worden. ** Man kann, im heiligen Clemens von Alexandrien, mehr and» re Stellen aus dem nämlichen Dichter, und aus Hesisdus, > ^' Rallimachus, Solon antreffen, welche von der Erkenntniß ^ eben dieses Gebrauches und eben dieser Wahrheit zeugen. Hier kömmt dann wieder ein anderes Gesetz der nalür» ^ lichen Religion beyzuschem Wir könnten noch inehrere an, ^ führen: aber, was wir gesager haben, ist schon genüglich, ^ um an den Tag zu legen, daß die Menschen, in ihrem Got, i" tesdienste und ihren Pflichten gegen Gott, niemals an di« Ä einzige Vorschrift der natürlichen Religion eingeschränkt! w« ^ ren. Laßt uns zum dritten Satze fortschreiten. ^ Vierter Artikel. ^ Von dem Vorzüge der christlichen Religion vor allen übrigen Religionen. Dritter Satz. ^ Die christliche Religion ist die einzige, welche Gott auf eine Art, die seiner würdig ist, verehren, und Mensche« bilden kann, die seiner würdig find. !>»> Dieß ist der größeste Gegenstand, welcher den Aussicht ten, den Gedanken, der Verwunderung der Menschen vor» ^ gestellet ^ ' 2. D. Moses. »* Stromat. 5. S H s» ««» Religion. 315 gestellt werden mag: Gott verbindet sich mit den Menschen durch die Religion! die Menschen werden durch die Reli, gion innerst mit Gotte vereiniget! Dieses Bündniß, und diese innerste Vereinigung machet den ganzen Geist, die See« le, und den Endzweck der christlichen Religion aus. Durch diese Religion wird der Mensch, welcher über alles aus dem pur natürlichen Stande erhoben ist, fähig, Gott auf eine Art, die Gottes würdig ist, zu verehren, und machet sich, durch seine Gesinnungen, Verdienste, und Tu« genden, Gottes wahrhaftig würdig. Die natürliche Reli, gion, welche uns die Philosophen mit so vielem Eifer pre, digcn, ohne sie besser in Ehren zu halten, als das Christen, rhum, und welche sie nur aus Hasse gegen das Christenthum so sehr herausstreichen; die natürliche Religion, wie schwach ist sie neben der Religion Jesu Christi, wie unfähig jenen Heldenmuth der Empfindungen und Tugenden in die Seele zu gießen, den die wunderwürdigen Lehren und Beyspiele Jesu Christi, die erhabenen Wahrheiten, die unendlich wichtigen Verheißungen, die herrlichen Belohnungen, wel, che uns die Religion Jesu Christi vorträgt, dem Gemüthe rinflößen! Dieses wollen wir mit aller möglichen Kürze aus, legen, und dieses wird der Beweis unsers Satzes seyn. Beweis vom ersten Theile des Satzes. Die christliche Religion ist die einzige, welche Gott auf eine Art, die seiner würdig ist, verehren kann. Die Beweise, die wir von dem Satze geben werden, sind folgende: i. Die christliche Religion ist die einzige, welche uns von der Gottheit wahrhaft erhabene und unendlich richtige Begriffe beybringt. s. Sie 3»b Religion. 2. Sie ist die einzige, welche ihn durch Ehrbezeiguw ^ gen von einem unendlichen Werths verehren kann. z. Sie ist die einzige, welche ihm ein Opfer darbiekhm ^"" kann, das fähig ist, allem, was seine unendlichen Voll» ^ kommenheiten fodern, vollkommen zu entsprechen. Laßt uns diese drey Gedanken entwickeln! i. Die christliche Religion ist die einzige, welche uns D von der Gottheit wahrhaft erhabene und unendlich richtige «E Begriffe beybringt. Wer ist der Gott der Christen? wel, chen Begriff geben die Christen von Gotte? ! ^ Sie sagen: er ist ein ewiges, einziges, unabhängiges, ^ selbstständiges Wesen , das alle seine Macht, seine Hoheit, 1^ seine Glorie, seine Majestät nur von sich sechsten hat. ^ Sie sagen: Er ist Gott der Schöpfer des Weltalls, wel» ^ ches er aus dein Nichts hervorgszogen, und durch ein einzi» O ges Wort, und einen einzigen Wink seines allmächtigen ^ ' Willens erzeuget Hat. Sie sagen: Er ist der Ursprung alles Gutes, sowohl das wir genießen, als wovon wir nur Zeugen sind; ihm haben jede Geschöpfe alle ihre Stärke, Kraft, Einsicht, Kennt» niß, Wirksamkeit, die sie haben, zu danken; jedes Gräs» chen auf der Erde, jedes Sandkörnchen am Ufer des Meeres, ^ i!s jedes Stäubchen in der Luft ist ein Gegenstand seiner Achtung >»s und Sorgfalt. * Sie sagen: Er ist ein Gott, der alles mit einer unendli, A chen Weisheit regieret, weil alles dienet, oder dienen wird, seine göttlichen Vollkommenheiten zu verherrlichen; er wachet über alles ohne geringste Mühe: denn da er an Macht und h Einsicht unendlich ist, so bleibt er allezeit über diese Sorgen ^ und Verrichtungen unendlich erhaben. »1 ix Eie Religion. zr? Sie sagen: Er ist ein unendlich Heiliger Gott; das ist, der die Ordnung unendlich und nochwendig liebet, und de» alles, was ihr widerstrebet, unendlich und nochwendig Has, set. Diese Heiligkeit ist der Grund der Liebe, die er zur Tugend trägt, und zugleich der Belohnungen, die für die Tugend, als die nochwendigen Folgen jener Liebe, bestimmet sind. Diese Heiligkeit ist der Grund des Abscheues, den er vor dem Laster hat, und der Strafen und Peinen, die für das Laster, als die nochwendigen Folgen jenes Abscheues, bereitet sind. Sie sagen endlich : Er ist ein Gott, welcher den Men« schen, als sein themes Geschöpf, liebet, Len er für sein Kind aufnimmt, den er bestimmet, an der Glückseligkeit und Glorie der Gottheit in dem Himmel Theil zu nehmen, basem er sich nur durch die Tugenden, in welchen er sich während seines Aufenthalts auf Erden üben soll, derselben würdig machet. Dieß sind die Begriffe, welche die Christen von der Gottheit angeben. Niemals haben die Philosophie, die Vernunft, die natürliche Religion so erhabene, so wundervolle , so wichtige hervorgebracht. Man eröffne die Bücher der Philosophen / oder man genüge sich mit Cicero, welcher in seinen philosophischen Werken alles gesammelt hat, was immer Wichtiges die Philosophen gesagt haben: was wird man dorten amreffen, das den hohen Begriffen und erhabenen Gedanken der Christen gleichkäme? Man mache uns den Einwurf nicht, es haben etliche neuartige Philosophen, da sie die natürliche Religion pre, digtm, von der Gottheit auf eine eben so herrliche Weife gesprochen, als die Christen von ihr reden. Die meynei- digen Usberläufer! — wir wollen ihnen keine gehäßigern Na» men ZI 8 Religion. men geben , ob ßs es gleich verdienten: — wo anders haben sie jene erhabenen Gedanken, Ausdrücke, Begriffe her, geholet, als aus dein Felde,- das ist, aus der Religion, die sie verlassen haben? Aber ungeachtet dessen, was sie Großes und Erhabenes von Gotte zu sagen sich bemühen; - man mache nur die Bemerkung: — reden sie dennoch nie, malS von seiner unendlichen Heiligkeit; und von seiner un> endlichen Gerechtigkeit reden sie allezeit sehr schwach. Diese zwo göttlichen Eigenschaften sind allzu schrecklich für die Gottlosen. 2 . Die christliche Religion ist die einzige, welche die Gottheit durch Ehrbezeigungen ehret, die unendlich höher, als die natürliche Macht des Geschöpfes sind. Himmel! kann ich hier mit Moses sagen: höret die erhabnen Wahrheiten , die ich verkündigen will! und du, Erde! höre mir zu, wie die Himmel! * ^uäite, Lorii, c^uL loczuor! rm- cliat terra verba ori8 mei! Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Schöpfer der Zeiten , das wesentliche Bild der Glorie des Vaters, der Vertilger von den Sünden der Welt, der allmächtige Ur, sprung aller Dinge: Jesus Christus ist das Haupt der gan, zen Religion, der ganzen christlichen Kirche, aller Gläu» Ligen, woraus sie besteht. In dieser Eigenschaft ist er nicht allein der erste Anbethrr seines Vaters; sondern auch der Grund des Verdienstes aller Anbethungen, Dienstleistungen, heiliger Werke, welche ihm von dem ganzen menschlichen Geschlechts auf dem ganzen Erdkreise aufgeopfert werden. Er ist der Grund davon, wie die Wurzel einer Pflanze der Grund ihres ganzen Wachöthums ist. Ohne seinen E»u siuß und seine göttliche Kraft, wäre der Mensch unfähig, Gotte - 5. V. Moses. XXXII. Religion. zi- Gölte etwas z« opfern, daß für Gott würdig wäre. Aber durch die Vereinbarung diefes Einflusses und dieser göttlichen Kraft Jesu Christi mit den Kräften und dem Vermögen des Menschen, wird der Mensch ein wahrer Anberher und ein würdiger Anbether Gottes; und er hat kein anders Mit, tel, als dieser, ein wahrerund würdiger Anbether Gottes zu werden. Und man glaube nicht, daß wir hier etwas Außeror, dmtliche- aufzubringen suchen. Wir sagen nichts Neues» und vieleicht ist im ganzen Evangelium nichts so rührend, als die Weise, mit der sich Jesus Christus sechsten ausdrü, ckt, da er uns diese erhabenen Wahrheiten vorträgt. * wie der Rebzweig, saget er, aus sich selbst kein« Frucht bringen kann, wenn er nicht an dem Rebstocke hängt: also könnet ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibet. Ich bin der Rebstock, und ihr seyd die Zweige, wer in mir bleibt, und in wcm ich bleibe, der brmgt viele Frucht: und ohne mich könnet ihr nichts Hervorbringen. Wer nicht in mir bleibt, der wird weg, geworfen werden, wie ein Zweig, den man abhaut, der verdorret, und zu nichts mehr tauget, als daß man ihn ins Feuer werfe. Diese so innerste Vereinigung mit Jesu Christo, die aber den Christen so wenig bekannt ist, stellet uns mit gleichem Nachdrucke der große Apostel vor, welcher von Jesu Chri, sto sechsten wunderbarlicher Weise unterrichtet worden war. ** Jesus Christus, saget er, das Bild des unsichtbar ren Gottes, der Krstgcbohrne aus allen Geschöpfen, das Haupt der Rirchengemeine: Jesus Christus ist vor allen Dingen; durch ihn besteht alles; auf ihn ist alles gebauek ' 2»h. xv. - " Koloss. I. II. 32V Religion, gebauet und gegründet; an ihm hanget ihr, rvie an eurer Wurzel; auf ihn seyd ihr gebauet, Wie das Gebäu, de auf seinen Grund gebauet ist. Jesus Christus ist also der Grund und die Seele des gan, zen Gottesdienstes unter den Christen. Mit Jesu und durch Jesum, den Gottmenschen, das Oberhaupt aller Menschen, den Sachwalter aller Menschen, starten wir unsre Ander thuugen und unsre Ehrbezeugungen Gotte ab. Diese An« bekhungen und Ehrbezeigungen ziehen nvthwendig ihr Ver, dienst und ihren Werth von jenem Oberhaupte und jenem göttlichen Urheber, der uns beyhilft, und mit uns wirket. So ist dann dieser Gottesdienst unendlich höher, als alles, was das Geschöpf aus sich sechsten darbiethen könnte, um die Gottheit zu ehren. z. Das Opfer der christlichen Religion ist das einzige, welches alles erfüllet, was die unendlichen Vollkommenheit ten Gottes heischen können. Denn, was ist das Opfer der christlichen Religion? Das Opfer eines Gottmenschen, der sich schlachtet, stirbt, und sich als ein freywilliges Schlacht- opfer dargiebt, um die unendlichen Vollkommenheiten Gottes zu ehren und zu verherrlichen: ein Opfer, welches einmal auf dem Kreuzberge aus Frevel der Juden vollbracht worden ist, und alle Tage, nach einer gehcimnißvollen, wirklichen, und heiligsten Weise, auf den Altären dec Chrü sten erneuert wird, um Lurch die geheimnißvolle Vernichs tung einer göttlichen Person den Hoheiten Gottes die Huldigung zu leiste» ; um durch den Werth eines göttlichen Blutes seiner Gerechtigkeit Genügen zu schaffen, und die Versöhnung der Sünden fortzupfianzen; um durch die allmächtige Fürbitte dieser göttlichen Person seine Barmherzige keit zu rühren, und seine Gnaden auf uns herabzuleiten; um ßiÄ D ! bald seinen Nächsten lieben. Ec wird ihn lieben, weil dieser, wie er, ein Geschöpfist, das aus den Händen Gottes kam, das von Gotte geliebet wird, das, wie er, bestimmet ist, ewig in dem Schooße Gottes zu leben. Er wird gegen seit nen Nächsten weder Hochmurh, noch Stolz, noch Herrsch, begiecve zeigen; er wird ihn weder verhöhnen, noch verach» ten; er wird sich weder Ungerechtigkeit, noch Gewalt gegen ihn erlauben. Immer großmüthig, gerecht, unradelhaft, wird er immer das Vergnügen und der Gegenstand der Ehr' erbiekhung in der Gesellschaft seyn. Wenn ein Mensch Gott vollkommen liebet, wird als, bald weder Eigenliebe, noch persönlicher Vorkheil bey ihm Statt haben. Er fühlet, dafern er sich mit sich selbst ge»ü, get, 'V-e ich,! «hii D s'", Itzi TÄ! !>occ >! «tz !»^ s« »ft, Iw, iß, nsl« O l As !< jii Religion. zrz get, daß er sich vom höchsten Gute entfernet; daß er des, selben unwürdig wird; daß er sich selber erniedriget, und daß alle seine Gesinnungen eben so klein werden, als alle Ge, genstände, denen er anhängt. Die Liebe Gottes allein kann also den Menschen wahr, Haft und göttlich kugendsam machen; sie kann ihin die grö, ßesten Gesinnungen einfiößen; sie kann ihn über die verführ, lichstm Leidenschaften erheben, ihre Heftigkeit, ihre Unge, rechtigkeir, ihre Gewalt enthalten; sie kann ihn gerecht, mit, leidig, großmülhig, untadelhaft machen, weil jener erha, bene Grundsatz Jesu Christi: * Seyd vollkommen , wie euer himmlischer Vater Vollkommen ist, die einzige Vor, schüft seines Wandels seyn wird. Diese Liebe machet den ganzen Geist und die ganz« Seele der christlichen Religion aus; sie ist der Endzweck alles dessen , was das Gesetz vorschreibt, und was die Propheten geweissaget haben, saget der göttliche Gesetzgeber, Jesus Christus: ln ti>8 univerls l^ex penciec, öc ?rop!ie- tse. In dieser Liebe besteht die vollkommene Erfüllung des Gesetzes, saget der Lehrer der Völker: klenituäo erZo leZi8 äileÄio. Sie ist die erste Lehre, welche die christli, che Kirche ihren Kindern giebt, und das erste der göttlichen Geborhe. 2 *«' DüiZes Dominum Deum tuum: - - kocetb primum L mgximum manckatum. Aus allem, was man dem Menschen vorstellen kann, und aus allen Zügen, womit er sich auszeichnen mag, ist keiner, welcher ihn größer, ehrenwerther / Gottes würdiger schilderte, als die Kennzeichen dieser Liebe. Aus allen Re, ligionen ist keine", welche so gut unterweist, so große Be, leuchmn, 'Matth, v. "Ebend.rxn. *" RLm. Xlll. **»» Matth.xix. X L 324 Religion, leuchttmgen giebt, und so mächtige Hülfsmittel an die Hand beut, um diese Liebe zu erreichen. Es ist dann eben dadurch bewiesen, daß es keine Religion giebt, welche die Menschen Gottes würdiger bilden könnte, als die christliche Religion. Dieß sind die herrlichen Kennzeichen einer Religion, welche die erhabenste in den Begriffen, die sie uns von Gott te beybringt; die heiligste durch die Ehrbezeigungen, die sie Gotte leistet; die herrlichste durch das Opfer, wodurch sie die Vollkommenheiten Gottes ehret; die wirksamste, die kräftigste ist, um Menschen zu bilden, die wahrhaft Gottes würdig sind. Man suche in den andern Religionen etwas, das der herrlichen Majestät, Heiligkeit, und Göttlichkeit der christlichen Religion — ich sage nicht, gleichkomme, sondern —nur ähnlich, nur der Schatten davon sey. Alles, was wir vorgetragen haben, ist auf unumstößliche Beweise gegcün, det. Wenn man sie hier nicht in ihrem ganzen Umfange und umständlich beybringt, so geschieht es deßhalben, weil sie in mehrern andern Artikeln, als in : Bibel, Christen- thum, Geheimnisse, Glauben, Offenbarung, u. m. a. zerstreuet stehen. Man wird dort die überzeugenden Beweise von allem anrreffen, was wir hier über diesen großen Gegenstand versammelt haben. Es ist dann unumstößlich bewiesen, daß aus allen Religionen die christliche Religion die einzige ist, welche Gott wahrhaftig auf eine Weise, die seiner würdig ist, verehren, und Menschen bilden kann, die Gottes würdig sind. Ißt vernehme man etliche nochwendige Folgerungen aus der ganzen Lehre, die wir hier vorgetragen haben. » M B T«>! !>Ä U HE Erste 32s Religion. Erste Folgerung. Die Ruchlosen, welche wider die Religion schreiben und predigen, sind die lasterhaftesten und gefährlichsten Menschen in der Gesellschaft. Da uns die reinesten Beleuchtungen der Vernunft zu dem Urheber unserö Daseyns, zu dein Stifter aller Vorthei, le und aller Güter, die uns umgeben, und derer wir ge, nießm, hinanleiten; könnten wir ihin mit Vernunft die ^ Dienstleistungen unsrer Anbethung, unsrer Dankbarkeit, unsrer Liebe versagen? könnten wir mit Vernunft die gänz, liche Abhängigkeit und den vollkommenen Gehorsam, den Wir ihm schuldig sind, verkennen? könnten wir über die unerläßliche Nochwendigkeit, in welcher sich der Mensch befindet , eine Religion zu haben, den mindesten Zweifel he, gen? Ein solcher Zweifel ist keinem Menschen, der seine Ver, nunft brauchet, jemals zu Sinne gekommen. Es saget uns auch der römische Wohlredner: Es hat niemals ein so un, gesittetes, ein so wildes Volk gegeben, welches von der Gottheit so wenig gewußt hätte, daß es nicht glaubte, man sey ihm eine Anbethung schuldig, und man müsse folglich eine Religion haben. *In 1pÜ8 kommibus nullu §en8 ell, nec^ue tarn immnnsuets, neyne tum fern, HUL etiamli iAnoret, czuslem llabere Oeum lleceud, tsmen tisbenäurn non lomt. Wenn dieses ist, mit welchem Auge soll man jene um natürlichen Schriftsteller ansehen, die keine andre Absicht zu haben scheinen, als alles Gefühl der Ehrerbiethung, Erze, benheit, X Z ' Cic. von den Gesetz, i. B. zrs Religion, benheit, Furcht, und Liebe gegen die Religion aus dem ^ Herzen des Atenschen zu reißen? die nicht aufhören, über alles, was immer ehrwürdig, heilig, unentbehrlich in der Gesellschaft ist, das rasendste Geschrey zu führen, oder die ^ bittersten Spottreden auszustoßen? W Mst welchem Äuge soll man alle Abscheulichkeiten und ^ Gottesiästcungen betrachten, welche die Verfasser des phi- ^ losophischen Handlexikons , der wichtigen Untersuchung, D' § der philosophischen Geschichte, der Zergliederung der christlichen Religion, des entlarvten Lhristenchums, u. m. a. ausspeyen? Zeiten! o Sitten! rief der römi, W > sche Wohlrevner über die Verbrechen des Larilina aus: der ^ Senat weiß es, der Bürgermeister sieht es; und gleich- cht, wohl lebet er noch, der Unselige! Wird nicht ein jeder, »s der immer die Religion in Ehren hält, die gleiche Klage lir§ führen müssen? «b Zweyte Folgerung. ^ Wenn es für den Menschen unumgänglich vonnölhen «! ist / eine Religion zu haben; so steht es ihm deß- in halben nicht ftey, sich sechsten eine Religion N zu schaffen. Die Vernunft beut uns von der NothwendiM und Schuldigkeit, die wir haben , Gotte einen Dienst zu leisten, ^ die lebhaftesten Beleuchtungen an die Hand. Dadurch leitet l sie uns erstlich an die natürliche Religion, welche allezeit um umgänglich nothwendig und der wesentliche Grund jeder wahren Religion ist; jeder Religion, die immer tauget, die Gottheit zu verehren. Wenn die göttliche Weisheit dieser Religion noch etwas beyseßen wollte, entweder da sie unS Wahrheiten offenbarte, welche die Vernunft aus sich selb- sten Religion. 327 gen nicht zu entdecken vermöchte, oder da sie uns Pflichten auflegre , welche wir nicht anders, als durch eine ftmderba, re Offenbarung erkennen könnten; würde uns nicht die Vernunft wieder einsprechen, daß wir schuldig seyn, mit Ehrer, ! -ierhung alles anzunehmen, was Gott sich würdiget, uns durch dieses Mittel zu entdecken und kund zu machen ? l Es folget daraus, daß es dem Menschen niemals frey steht, sichselbsten eine Religion zu schaffen, Weiler immer verpflichtet ist, sich an die natürliche Religion oder an die geoffenbarte Religion zu halten, wie man es hier erkläret hat. Also waren zu den ersten Zeiten der Welt alle Menschen verbunden, der natürlichen Religion nachzukommen, wel, che, wie Cicero saget, nichts anders ist, als die vollkom, mensie Vernunft: * I.ex elt summa ratio. Also waren die Hebräer, da sie der natürlichen Religion immer folgeren, verbunden, ihr alles beyzuseßen, was ihnen im Namen Got, tee vom Moses gebothen war: aber dieß gieng nur dieses ein, zige Volk an. Also find, seit Jesu Christo, alle Menschen verbunden, die höchst vollkommene Religion anzunehmen, die er auf Erden zu verkündigen gekommen ist, sobald sie von dieser letzten Offenbarung die Erkenntniß haben. Dritte Fotzerung. Es ist eine grobe Ungereimtheit, mit Rousseauen und andern neuartigen Philosophen zu sagen, daß alle Religionen gut seyn, und daß man in jeder Religion selig werden könne. Es wäre ungereimt zu sagen, daß die Menschen nicht verbunden wären, einer Religion Folge zu leisten, die Gott selbsten * von den Gesetz, i. 2 . X 4 Z 28 Religion. selbsten geoffenbaret und gebochen hätte. Dieß rrfodertkeinen Beweis. Es wäre ungereimt zu sagen, daß'Gott nichts geoffen, baret habe. Man har die Richtigkeit und Wahrheit der Offenbarung augenscheinlich vargechan. Es wäre ungereimt zu sagen, Laß Gott widersprechende^ Religionengeoffenbaret, und einigen etwas als wahr sorge» stellet habe, was er andern als falsch bekannt gemacht hat. Dicß hieße seine Weisheit und höchste Wahrheit vernichten. Endlich wäre es die äußerste Ungereimtheit zu sagen, daß widersprechende Religionen gleich gut, gleich sicher, gleich wahrhaft seyn. Mau darf kein Logiker seyn, um es zu merken. Nun, es giebt in der Welt Religionen, die sich einander widersprechen. Was liegt daran? Rousseau, und seine Nachsprecher, schreyen sich zu Todte, daß all dieses vor Gotte gleich gut sey ; daß man vor den Augen Gottes eben ss angenehm fty, wenn man nur den Juden und Mahometa- nern Jesum Christum läugnet, als wenn man ihn mit den Christen anbethet; daß Gott eben so wohl gutheiße, wenn man sich in der Synagoge beschneiden läßt, als wenn man sich in der Kirche raufen ließe; Laß Mahomet eben so wohl Glauben verdiene, wann er saget, man dörfe ein Haus voll Weiber Halten, als Jesus Christus, wann er saget, man müsse sich mit einer Frau genügen; daß man unerachter aller dieser Verschiedenheit in den Lehrsäßen und in dem Wandel, dennoch die Seligkeit erlangen werde, daftrn man nur ein ehrlicher Mann ist. Dieses nennt mau henk zu Tage die schöne Philosophie; und ein Mensch, der gesunde Vernunft hat, wird eS für die größeste Ausschweifung und Ungereimtheit halten. W I l «r d!N >!« an !» h § «I Religion. 329 Wir haben die NochwenLiakert einer Religion, dis Um gmüglichkeit der natürlichen Religion, und den unendlichen Vorzug der christlichen Religion vor allen übrigen Religio« neu bewiesen. Laßt uns ißs sehen, was uns die Philoso« phen über diese verschiedenen Punkte einwenden. Fünfter Artikel. Einwürfe der Philosophen wider die Nothwendigkeit einer Religion. I. Man wiederholet auf eine gezwungene Weise jenen Spruch: krimus in orbe Deos lecit timor. Furcht und Sckrecken hat auf den Einfall gebracht, daß es Götter gebe. Dieses hat zu Abhandlungen etlicher Träumer den Stoff hergeborget, welche erklären wollten, wie die Furcht jene Görrer erzeugt habe, die das Heydenthum so lächerlich angenommen, und noch tölpischer angebethet hat. Aber, oh« ne daß wir uns aufhalten, auf dergleichen Träumereyen zu antworten, werden wir die vorgebliche Schwierigkeit, die man uns aufwirft, bald weggeräumet haben. * * * Wir werden sagen: Wenn die Furcht auf den Einfall gebrachtem, daß es Götter gebe; so sind dann Zeiten gewe« sen, wo die Menschen keine Gottheit, kein höchstes Wesen erkannt, und davon keinen Begriff gehabt haben. Es sollen uns also Liese gelehrten Träumer jene Zeiten genau bestim« men: sie sollen uns ansehnliche Schriftsteller anziehen, wel« ch? gesaget und bewiesen haben , daß der Begriff von der Gottheit, der vormals durchaus unbekannt war, zu dieser oder jener Zeit, in diesem oder jenem Lande, unter diesem A s oder zzo Religion, oder jenem Fürsten, aus einer einbiidrischen Furcht entstanden M sey: sie sollen das ganze Alterthum widerlegen, welches al» D lezeit eine oder mehr Gottheiten zugelaffen hat, die vor den D A^enscheu gewesen sind: sie sollen Homer, den ältesten aus allen profanen Schriftstellern, widerlegen, welcher die Ho, M heilen der Götter, und ihre Vorzüge vor den Menschen, so D prächtig schildert; sie sollen den Philosophen, wiephere- B cides, Pythagoras, Plato waren, eine Antwort geben, k»,! bey welchen man so schöne Begriffe von der Gottheit am Pl trifft: sie sollen einen Cicero Lügen strafen, welcher, da er > Z alles wußte, was die Philosophie entdecket, und die Geschich, te aufbewahret hat, die Versicherung giebt, daß allezeit, auch U unter den ungesittetsten und wildesten Völkern, die Gottheit r» erkannt worden sey : sie sollen einem Strabs antworten, der jk in seiner gelehrten Erdebeschreibung, wo er den Ursprung, «ji hie Sitten, die Religion, aller Völker der bekannten Welt anführet, vor allen Dingen allezeit den Begriff von der § Gottheit sehet. eS Der Spruch: krimus in orbe Deos teoit timor, ür, kann also für nichts anders, als für eine Ausschweifung und W Gotteslästerung angesehen werden, die sich für einen niederträchtigen Epikuräer schicket: und was soll man von jenen ^ denken, die ihn wiederholen, und anzunehmen scheinen? d II. . Der philosophische Rriegsmann, der sich für einen H alten Dragonerofficier ausgiebt, und nichts weiter, als ein Bürschgen ist, das von der hohen Schule kömmt, wie es aus seiner Schreibart scheint, nimmt die stolzeste und schul- ^ mäßigste Sprache an, um alle Religionen umzustürzen. ^ * Ich will, saget er mit einem lächerlichen Eigendünkel, ^ nieh- * Phil. Rriegsm. 2. Rap. Religion. zz, mehrere unumstößliche Wahrheiten Vorbringen, die kein Verstand wird anfechten können, der gründlich und mit sich selbst redlich ist: denn es sind wirkliche, ewige, und nothwendige wahrheitev, die allen Menschen gleich in die Augen leuchten. Auf diese Wahrheiten werde ich eine Nette von Vernunftschlüssen gründen, welche meines Dünkens alle Schattenbilder von Beweisen umstoßen sollen , die man für die Religionen anführet/ und welche ihre Unnützlichkeit und ihre bösen Folgen zeigen werden. Zu Folge seines großen Entwurfes reihet er achtzehn aus, schweifende, ungereimte, grob verfängliche Sätze an, die er Wahrheiten heißt. Wir berühren in diesem Artikel nur jene, die ein unmittelbareres Verhältniß dazu haben. Wir wollen sie mit seinen eigenen Worten vortragen. Hier folget die erste: * Erste Wahrheit. Ein jeder ist frey, was die Religion betrifft ; die Religion ist eine persönliche Sache. Und alles, was er zum Beweise dieser Wahrheit auf die Bahne bringt, beschließt er durch diesen Grund, dm er überzeugend nennt: Der Fürst oder die Oberkeit sollen sich in Dinge nicht mengen, die zum Gemeinbeften lediglich gleichgültig sind. Das Heilsgeschäfft ist zum Gemeinbesten lediglich gleich, . gültig. Folglich sollen der Fürst und die Gberkeit Ln das Heilsgeschäfft sich keineswegs mengen. * * * Dieser Mann will Mallebranchen nacheifern, dem grö, ßesten Mekaphysiker, den Frankreich jemals gehabt hat: und sobald er die Sache angreift, machet er Böcke, die man dein jüngsten Logiker nicht vergeben würde. Ec * Eben-. ZZ2 Religion. Er spricht in seinem Vorkrage nur von Religion; und in seinen Beweisen, und seinem sogenannten überzeugenden Grunde, redet er nur vom Heile. Nun aber, Heil und Religion sind zwo verschiedene Sachen. Die Religion ist gleich, sam das Buch der Gesetze und Pflichten, die man gegen die Gottheit beobachten muß; es mögen diese Gesetze und Pflichten uns von der Vernunft allein vorgeschrieben, oder durch Die Offenbarung aufgetragen seyn : und das Heil ist der Zustand des Menschen in jener Welt zur Belohnung der Treue, womit er die Pflichten und Gesetze der Religion beobachtet Hak. Die Religion betrifft den Zustand des Menschen, so lang er in dieser Welt in Gesellschaft lebet: und das Heil ist der Zustand des Menschen in jener Welt, wann er von der Gesellschaft getrennet ist. Die Religion und das Heil sind also zwey ganz verschiedene Dinge, die unser Gegner immer, aus Dummheit oder aus Bosheit, vermenget. Nachmals saget er: Das Heilogeschäffr ist zum Ge< meinbesten lediglich gleichgültig ; folglich sollen der Fürst und die Oberkeil sich nicht darein mengen. Aber erstlich kann man ihm sagen: Mein Herr! Sie sagen weiß, wo Sie schwarz, und schwarz, wo Sie weiß sagen sollen. Es ist in dem Satze, Len Sie zu beweisen haben, nicht vom Heile die Rede: nein; nur von der Religion. Und in Ihren Beweisen sagen Sie kein Wort von der Religion; Sie reden nur vom Heile. Zweykens: Es ist zwar augenscheinlich, daß es zum Gemeinbesten gleichgültig ist, ob ein Mensch nach seinem Tode selig oder verdammet werde. Aber ist es eben so augenschein» lich, daß es einem jeden frey stehe, die Religion, welche in der Gesellschaft in Ehren gehalten wird, zu verachten, zu verschreyen, zu beschimpfen? Ist es eben so augenscheinlich, Religion. zzz daß Oberkeiten sich nicht darein mengen dörfen, was immer wider eine Sache, woran der ganzen Gesellschaft gelegen ist, gechan, gesaget, geschrieben werde? Ist es eben so augenscheinlich, daß alles, was den Dienst, die Pflichten, die Ehrbezeugungen gegen die Gottheit betrifft, für die Gesellschaft durchaus gleichgültig sey? Ist es Aus« schweifung, ist es Gottlosigkeit, was in den Vorträgen dieses philosophischen Kriegsmanns zum meisten herrschet? Endlich, wenn ein jeder frey ist, was die Religion betrifft, so folget daraus, daß die pariser Matzometaner, Juden, Götzendiener, Anbelher des Pagode, Deistm, Atheisten werden dürften, ohne daß der Fürst oder die Ober« keilen etwas dawider zu sagen hätten: und dieß ist eben der Gedanken des Philosophen. Denn es ist gewiß, saget er, daß eine jede Privatperson frey ist, was die Religion betrifft, und daß der Fürst, dieOberkeit, die Republik kein Recht haben, in diesem Stücke zu befehlen. Wir gestehen zwar, daß ein jeder frey sey, was die Religion betrifft, wie man frey ist, was die Sittenlehre, das Laster und die Tugend, ehrliche oder unehrliche Handlungen betrifft. Es steht einem jeden frey, ein Lügner, ein Meyn, ridiger, ein Betrüger, ein Gotteslästerer zu ftyn, u. j. w. Aber wir sagen dennoch nicht, daß all dieses gleichgültig sey. Wir wollen noch ein Work beysetzen. Ein jeder ist frey, was die Religion betrifft, weil uns Gott durch seine Barmherzigkeit emlädt und zu sich ruft, uud weil es in unsrer Willkühr sieht, seiner Stimme zu folgen, oder nicht zu folgen ; weil alle Pflichten der Religion mit freyem Willen er, füllet werden müssen; weil die Religion aus Ueberzeugung, Md nicht mit Gewalt und aus Zwange angenommen werden so«. 334 Religion, soll. Nur in diesem Verstände ist man ftey, was die Religion betrifft III. * Fünfzehnte Wahrheit. Alle Religionen sind falsch. Dieser große Philosoph, nachdem er im ganzen Kapitel über alle Religionen genug geschrieen und geheuiet hat, schlich alle seine sogenannten Beweise in drese zween überzeugende Schlußgründe ein. Erster Schlußgrund. Die Wahrheit kann man nicht wahrnehmen, ohne daß man sie erkenne; man kann sie nicht erkennen, ohne daß sie zum Beyfalle zwinge. Reine Religion zwingt zum Beyfalle - folglich ist keine Re» Ugion eine empfindsame und augenscheinliche Wahrheit. Zweyter Schlußgrund. Alles was auf Treue und Glauben und mit Aufrichtigkeit bestätiget ist, das ist oder falsch, oder dunkel, oder ungewiß. Alle Religionen sind aufrichtig und aufLrcue und Glauben bestätiget : folglich sind alle Religionen falsch, oder zum allerwenigsten dunkel und ungewiß. * » * Wir werden auf so elende Trugschlüsse nicht ernstlich antworten: wir genügen uns, durch Verkehrungen der Schluß» reden den verfänglichen Berrieger sechsten mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Er stellet uns voll Stolzes seine vor» geblichen Wahrheiten auf: und wir wollen ihm zuversichtlich Wahrheiten von einer ganz verschiedenen Art entgegensehen. Er saget uns : Alle Religionen sind falsch, und wir sagen ihm: Alle Systeme des Unglaubens sind falsch; und Ließ beweisen wir ihm durch folgende zween überzeugende Schlußgründe. - Ebend. 17. Rap. Religion. zzs Erster Schlußgrund. Mann kann die Wahrheit nicht wahrnehmen, ohne daß man sie erkenne; und man kann sie nicht erkennen, ohne daß sie zum Beyfalle zwinge. Kein System des Unglaubens zwingt zum Beyfalle: folglich ist kein System des Unglaubens eine empfindsame und äugen« scheinliche Wahrheit. Zweyter Schlußgrund. Alles, was auf Treue und Glauben und mit Aufrichtigkeit bestätiget wird, ist falsch, oder dunkel, oder ungewiß. Alle Systeme des Unglaubens werden aufrichtig und auf Treue und Glauben bestätiget: folglich sind alle Systeme des Unglaubens falsch, dunkel, oder ungewiß. Der Vordersaß dieser beyden Schlußreden ist mit den Vordersähen des philosophischen Kriegömalmes gleich. Der Mittersatz eben dieser beyden Schlußreden wirs von allen Völkern und von der ganzen Welt mit Beyfalle aufgenom« nien werden. Wie will dieser große Metaphysiker mit den zweenen Schlußsätzen zu Rechte kommen? Aber um seiner Metaphysik ein Bißchen zu schaffen zu geben, und uns zu belustigen, wollen wir ihm unserseits auch zween andere Schlußgründe vorlegen; und wir laden den ganzen philosophischen Schwarm ein , eine Antwort darauf zu geben. Erster Schlußgrund. Was von allen Völkern und von allen Menschen, die immer wegen ihrer Einsicht, oder ihrer Sitten ehrwürdig sind, mit Abscheue betrachtet wird, soll als falsch, häßlich, und abscheulich verworfen werden. Run , alle Systeme des Unglaubens werden von allen Völkern und von allen Menschen, die immer wegen ihrer Ein« sicht oder ihrer Sitten ehrwürdig sind, mit Abscheus be, trachtet. 3Z6 Religion, trachtet. Folglich sollen alle Systeme des Unglaubens, als falsch, häßlich, und abscheulich verworfen werden. Zweyker Schlußgrund. Alle Systeme, die wider die Religion geschmiedet sind, sollen für eben so viele Ungereimt, Mi! Herten angesehen werden, wenn die Gottlosen sechsten, ungeachtet es ihnen daran gelegen ist, einander zu unterstützen, Oi dennoch in keinem Übereinstreffen, und nirgends miteinander D > einig werden können« Nun, die Gottlosen können, ungeachr lW ret es ihnen gemeinschaftlich daran gelegen ist, dennoch in ch, keinem Systeme, das wider die Religion geschmiedet ist, M Übereinstreffen, und nirgends miteinander einig werden. M Folglich sollen alle Systeme, die wider die Religion geschmie» Let sind, für eben so viele Ungereimtheiten angesehen werden. M § ' Fürwahr, man lese die Verfasser Emils, des Buchs «D vom Geiste, der Zergliederung der christlichen Religion, des entlarvten Lhristenthums, der philosophischen Ge- M schichte, des Gedichts vom natürlichen Gesetze, u. m. a. ^ Keiner aus ihnen ist mit dem andern gleicher Meynung; alle ^ bestreiten, verleumden, verdammen, verhöhnen sich einander. ^ Man schließe daraus auf ihre Grundsätze, ihre Einsicht, ^ ihre Weisheit, ihren Eifer für die Wahrheit. j«lii !V. Siebenzehnte Wahrheit. Niemand ist verbunden, irgend eine Religion anzunehmen. Es wäre nicht rachsam, daß Jemand zu Constantinor pel diesen Vortrag wägete. Er würde ganz gewiß gesp'.eßet werden. Man vernehme nun, wie unser Gegner seinen Saß beweist. Niemand ist verbunden, irgend etwas zu lesen, ;u Verstehen, oder zu glauben. Ich fodre alle Gottesgelehr ten ««y, tzsi, ! M ichl, i Religion. zz? ttn dcr ganzen Welt auf, mir den mindesten Grund bey- zubringen, der mich verpflichten könnte,sie predigen zu HH: ren; noch weniger, ihnen zu glauben, wann sie eine Begebenheit erzählen. * » * Und ich fodre alle philosophische Krikgemänner heraus, mir den mindesten Grund beyzubringen, der mich hindern könnte zu glauben, daß Jesus Christus ans die Erbe gekommen sey, und daß er, durch das Predigtamt der Apostel, und wider das Bestreben der fürchterlichsten Mächte der Welt, seine Religion darauf gepfianztt habe. Ich fovrr jeden Menschen auf, der seine Vernunft brauch«; das ist, der weder thöricht noch ausschweifend ist, dieser Begebenheit seinen Glauben zu versagen. An diesem Glauben ist allen Menschen zum meisten gelegen. Es ist also falsch, daß Niemand verbunden sey, irgend eine Begebenheit zu glauben. Außerdem ist ein jeder vernünftiger Mensch verpflichtet, die Wahrheit zuzugeben und zu glauben, sobald er sie erkennt» Nun, wir beweisen die Wahrheit der Sendung Jesu Christi, folglich ist ein jeder vernünftige Mensch verpflichtet, die Wahr? heit dieser Sendung zu glauben, so bald er sie erkennet. Der Metaphysik« machet noch viele andere Vernunft? schlüffe, von denen wir nur etliche Stellen anführen wollen, welche die wesentlichsten sind, um ihre Ungereimtheit bemerken zu lassen. Ist Einer, -er weder taub noch blind ist, verbun» den zu wissen, daß es ein gewisses Buch gebe ? Ist cp verpflicht«, daß er lesen könne? Ist er verpflichtet die Sprache zu verstehen, in welcher es geschrieben ist? Ist rr verpflichtet, u. s. w. * « * ' N- Band. Wann 338 Religion. Wann der König eine Verordnung gemacht har, ist Einer, der weder taub noch blind ist, verpflichtet zu wissen, daß es eine solche Verordnung gebe? Muß er lesen könne» ? Darf er, unter dem Vorwände, daß er nicht dazu verpfiich. tet sey, über die Verordnung spotten? i wenn ich verbunden bin, einen Menschen anzuhören, der mir predigen will, so bin ich auf gleiche weise verbunden , alle anzuhören, die mir predigen wollen. Ich habe nicht mehr Ursache, die erste predigt, die mir der Muphti machet, als die predigt des Pfarrers, des Mo- laks, des Brachmans, anzuhören., ,* * * Man wiederholet nur in der christlichen Religion, was die Apostel geprediget haben; und als sie predigten, wiesen sie ihre Vollmachtbriefe, nämlich, die Wunderthaten, die Erfüllung der Weissagungen, die erhabensten Tugenden auf. Haben der Muphti, der Molak, der Brachman auch dergleichen Vollmachtbriefe aufzuweisen? Als die Apostel Jesu Christi, oder Mahomets predigten, war man verpflichtet, von Hause wegzureisen, um sie predigen zu hören? warum sollte man eher einem, als dem andern, nachziehen? Dieser einzige Gedanken, wenn er gut überdacht, gut untersuchet wird, ist genüg- lich, um jene von ihrer Blindheit und ihrem Vorurthei- le zu heilen, die irgend eine Religion angenommen haben. ' * » * Dieser einzige Gedanken , wenn er wohl untersuchst wird, P schon genüglich, um die ganze Gottlosigkeit des Verfassers ru entdecken, und um jene von ihrer Blindheit und ihren ' Vsr- F W Religion. zz- ^ ^ Vorurkheilen zu heilen, welche den Philosophen unserer Zei- ! ten Gehör geben. Ey! wer weiß nicht, wie und durch wel, che Mittel das Christenthum, und wie und durch welch« Vj Mittel der Mahometismus eingesührt worden sey ? Die Apo, siel Jesu Christi zeichneten sich durch große Wunderchaten, ^ und große Tugenden aus, und besiegelten ihr Predigtamt G» mit ihrem Blute. Mahsmet, der unzüchtigste und betrieg» H lichste aus allen Menschen, predigte nur mit dem Säbel in der Faust. W V. * Achtzehnte Wahrheit. Jede Religion ist der Sit, tenlehre zuwider, oder ist ihr ganz unnützlich. Denn, « saget der Metaphysiker, alles, was immer auf die ver« H bannung der Eintracht, Geselligkeit, und des Friedens A, i« unter den Menschen abzielet, ist der gesunden Sittenlehre Ws> zuwider. Nun, nichts ist geschickter, die Bande der Ge» »chi« seUschaft zu zerreißen, als die verschiedenen Religionen. Folglich u. s. w. M «M Damit wir unser Betragen, und unsre Art zu antworten, ein Bißchen verändern, wollen wir Anfangs über die Säße dieses Mannes etliche Bemerkungen machen; dann denWerkh der Beweise untersuchen, worauf er sie zu stützen sich be, mühet. i. Der Metaphysiker saget, daß jede Religion der Sit, tenlehre zuwider, und folglich alle Religionen böse seyn. Und einer der stolzesten Vorgänger des philosophischen Schwarms behauptet, daß alle Religionen gut seyn. ** Ich betrachte, ftget ' «Sbrnd. ro. Uap. ^ Emil. z. D. iüy. Su't. Y 2 Z4s Religion, saget er, alle sonderheitliche Religionen, als eben so vie, le heilsame Satzungen, welche in jedem Lande eine einförmige Art, Gott zu ehren, vorschreiben. 2 . Der Memphysiker saget, daß nichts geschickter sey, die Baude der Gesellschaft zu zerreißet,, als die verschiedenen Religionen, das ist: als die Religion. Und der weiseste und aufgeklärteste Philosoph, der unter den Römern lebte, saget, er fasse nicht, wie die bürgerliche Gesellschaft ohne die Religion bestehen könnte. ^ ^.tczue imuä ssäo, gn pie- tnte näverlu8 Oeos lublata, üciW etr'nm «L soLiet38 kn- MLNl Zeneri8 toliatur. z. Der Mrtaphysiker saget, daß die Religion die Eintracht, den Frieden, die Menschlichkeit, u. s. w. verbanne: und Rousseau von Genf beweist^*, daß nur die Religion die Sitten gemildert, die Regierungen gerechter, billiger , weniger blutgierig gemacht habe; daß sie noch alle Tage zu vielen Wiedererstattungen, Almosen, Aussöhnungen bewege. Nachdem wir einen Augenblick an diese kleinen Anmerkungen gewendet haben, wollen wir ißt die Beweise sehen , die unser Metaphysiker von seinen wichtigen Säßen aufbringt. Er saget: es machen alle Religionen ihre Anhänger ei- ^ fervoll, und eben darum begierig; jenen Böses zu thun, die nicht ihrer Meynung sind; die Religion der Juden habe sie zu Dieben, Räubern, wildfangen , ungerechten Besitznehmern gemacher; inan habe unter Dm Christen eben dieselben Raftreyen, wie bey den Juden gesehen; die Schwelger, die Ehrgeizigen, die Ehebrecher, die Diebe, die ungerechten Richter, seyn Leute, welche die pflichte" des Lhrrstenkhums ängstlich beobachten. Messe hören, beich- - Eft, von der Nnt, der Gott, i. L. ** Emil. z. B. DU «ihn >! NH sm »e k KM »z, ltz K, ^>!I !»ß> IW A'Ä isks« tzll zltt« iWl ü^' RelLaion. ?4r beizten, das Abendmahl ncbmen, zur Fastenzeit Fische essen; die Pfaffen ftyn geizig, ehrsüchtig, stolz, rach, gierig, und Scheusale der Gchwelgerey, Unzucht, und Grausamkeit. Dieß sind die Beweise, welche der beredtsanie Wohl- redncr und Philosoph auf die Bahne bringt, daß die Reist gier, Böses stifte. Welchen hohen Begriff muß man sich von ihm nicht machen, wenn man ihn nach der Sprache der Ehrbarkeit beurtheilct, die seine Schriften an den Tag legen ! Wo ist der Mensch, der sich unterfangen wird, so überzeugende Beweise zu bestreiten? Wer wird sich den Schwung einer so kraftvollen Schreibart geben können, wie die seinige ist? Wir wollen es nicht versuchen; wir streichen die Segel vor ihm: wir überlassen es dem Urcheile des Ver nünftigen Lesers. Aber laßt sehen, was für Mittel er vor schlägt, um so großen Nebeln abzuhelsen: sie sind auch dieses weisen und starken Geistes würdig. Man vemehnn sie. Man wird sonder Zweifel fragen, saget er, wie die sen Ungelegenheiten abzuhelfen sey. Ich kenne dazu nur ein einziges Mittel: und der Landesherr hat es in Han- den. Er muß eine krrnhafte und philosophische Sitten- lehre vortragen lassen, deren sichere und unveränderliche Grundlage nicht dem Eigensinne der Menschen, und dem willen eines falschen Gottes unterworfen seyn sollen ; eines Gottes, den seine Pfaffen allezeit grausam, ungerecht, und wunderlich vorstelten werden. Er muß, durch Belohnungen, Po zügc, Reichthümer, Ehren, seine Unterthanen aufmuntern , sich unterweisen zu lassen , sich von den Vorm theilen loszumachen , andere zu beleuchten, die Tugend zu üben, ihre Pflichten zu erfüllen. Er muß die Duldung in seinem Lande einführen. Y Z Er 34» Religion. Er muß jedem erlauben zu denken, wie er will, dafern man nur auf eine Weise zu Werke geht, welche der Ge, sellschaftvortheilhast, und Niemanden schädlich ist: u.s.>». Sit O S Wir wollen etliche Augenblicke daran wenden, die tiefen Gedanken dieses neuen Gesetzgebers des menschlichen Ge, schlecht« zu untersuchen. Er verlanget erstlich eine Sittenlehre, die in ihren Grundsätzen philosophisch und unveränderlich seyn soll. Dieß wird sehr hart zu finden seyn. Denn nirgends bemerket man so viele Veränderung, Gegensätze, Unterschied, Wider, spräche, als in den philosophischen Meynungen. Man bringe alle Philosophen zusammen: so wird man sie in keinem Punkte einig finden, als daß fie alle wider die geoffenbarte Religion, die einzige wahre Religion, einstimmig heulen. In allen übrigen Dingen wird man gewahr werden, wie es Rousseau so gut auedrücket, ^ daß sie sich einander Verspotten ; daß ein jeder nur seine Stimme für sich hat; daß keiner was beweist; daß alle hochmüthig, entscheidend , voll Lehr prüche sind, und nichts als die unverständlichen Systeme, die sie in ihrer Einbildung gezimmert haben, auf die Bahne bringen. Wie kann ihre Sittenlehre kernhaft und zugleich philo« sophisch seyn? Da die Philosophen, saget eben derselbe Schriftsteller wieder, mit ihren trostlosen Lehren, alles Umstürzen, vertilgen, unter die Füße treten, was die Menschen noch in Ehren halten, rauben sie den Betrübten ihren letzten Trost im Elende; den Mächtigen und Reichsten die einzige Bezähmung ihrer Leidenschaften: sie reißen die Gewissensbisse des Lastersdie Hoffnungen der m, sv! l!N A Siil »i * Emil. Band. 2;. Seit. i ktz« U, KG k« W ^!I> i,« M W> mn j!M D inst z,!^ >!» *', st Religion. 34Z der Lugend aus dem Grunde des Herzens heraus / und rühmen sich noch , daß sie die Wohlthärer des menschli, chen Geschlechtes seyn. Also sind die Sittenlehrer beschaffen, die uns der philosophische Kriegsmann anweist. Diese Grundsätze , fährt er fort, sollen nicht dem Eigensinne der Menschen unterworfen seyn. Aber wenn sie im Gehirne der Philosophen ausgehecket worden sind, wer, Len sie etwa nicht die Wirkung des Eigensinns, und so, gar des ausschweifendsten Eigensinns seyn ? Lr muß durch Belohnungen seine Unterthanen auf, muntern, sich unterweisen zu lassen, sich von den Vor, urtheilen loszumachen. Wenn die Belohnungen, die Eh, ren, die Reichthümcr das große Triebrad der Sittenlehre seyn sollen, so wird es die Frage seyn, wer dieselben siche» rer erhalten werde: das Laster, oder die Tugend? die Schmäucheley, oder die Wahrheit? die Arglist, oder die Redlichkeit? die Leidenschaften, oder die Weisheit? O wah, re Tugenden, was wird aus euch werden! O philosophische Sittenlehre, wie weit setzest du das menschliche Geschlecht herunter! O blinder Philosoph! schlagen Sie doch die fünfte Unterredung von dem Werlhe und den wahren Belohnungen der Tugend nach, welche der römische Wohlredner mit seinen weisen Freunden auf Lusculum hielt: dort lassen Sie Sich unterrichten, und Sie werden Ursache haben, zu rrröthen. Er muß die Duldung in seinem Lande einführen. Dieser Mann verabscheuet offenbar alle Religionen; er spricht allen den öffentlichen Fluch, welche die Religion lieben, ehren, beschützen, vertheidigen; er scheint allemal von ei, "er höllischen Wuth beseelet zu seyn, so oft er von den Die, P 4 nern 844 Religion. r.ern der Religion redet: und nachmals will er« daß man alles dulden solle! Endlich verlanget er, daß der Landsherr, als unbe. schränkter Gebierher, alles entscheide, was die Stttenlehr« und die Religion betrifft. Ein Freydenker aus dem alten Vom führte vor Zeiten gegen einen Weisen die gleiche Sprache, wie der philosophische Kriegsmann; und her Weise gab ihm folgende Antwort» „ Du willst, man solle sich im ganzen Umfange der „ Reiches, wegen der so heiliger, Pflichten der Religion, „ auf unsere Kaiser verlassen: aber wird man ihnen allen „ ohn Unterschied gehorchen müsse!,? Wird man sich zu den „ Verordnungen eines Tollkopfes, wie Caligula, eines „ Scheusals, wie Nero, eines Geizhalses, wie Vespa- „ sinn, eines Trunkenbolds, wie Trajsn, eines Natur, „ schänders, wie Adrian, eines Abergläublcrs, wie „ Mark Llurel, eines Thoren, wie Heliogabalus, ei, „ nes Blödsinnigen, wie Gallian, eines Barbars, wie «, Maximin, bequemen müssen? Haben die Pflichtendes Gewissens, und die Pflichten gegen die Götter keine er, „ habnere Quelle, als das Ansehen der Kaiser ist ? «, Hieße es nicht die Religion vernichten, wenn man sie «, dem unbeschränkten Willen vonMenschen überlassen wollte, „ derer Absichten, Vortheile, Denkensarken so verschieden „ sind, und beständig sich verändern? Denn die Kaiser sind „ endlich Mensche», wie andere; sie sind dem nämlichen ,, Eigensinne, den nämlichen Leidenschaften, dennämlichen „ Jrrkhüniccn unterworfen, wie andere Leute; und man, „ chesmal noch mehr, als andere Leute, wegen der Men- „ ge eigemiützlicher Schmauchler, womit sie umrungen sind. Religion. Z45 „ und wegen des Schimmers der Gewalt und Herrlichkeit, „ der ihre Augen verblendet. „ Die Gottheit hat uns ihren Willen zu erkennen gege» „ ben; die Vernunft unterrichtet uns von unfern Pflichten. „ Diese beyden vornehmsten Gesetzgeber sollen wir in Reli, „ gionssachen erkennen. Wir sollen uns alle ihnen unter» „ werfen, und uns sogar diese Unterwerfung zur Ehre rech, „ nen Allso redete der Weift; und der Freydenker wuß» re ihm nichts darauf zu antworten. Noch ein Wort! Der Philosoph, den wir bestreiten, leget hier seine abscheulichen Gedanken nur allzu viel an den Tag. Er will keine Religion und keine Sittenlehre, als fl weit sie mit dem bürgerlichen Leben ein Verhälmiß ha» ben; keine Verbindung mit der Gottheit; keine Tugenden außer jenen, die sich im äußerlichen auf die Gesellschaft be, ziehen. Er hat keine Grundsätze der Ehre und der Pflichten , weil er alles dem bürgerlichen Zwange und der Furcht überläßt; keine Richtschnur in den Sitten, weil er keine andere, als den Willen des Landsherrn erkennt; keine Religion, weil er keine andere Verbindlichkeit, als den gegenwärtigen Vortheil, zugesteht. Er ist ein Atheist im Herzen, weil er es aus Ueberzeugung nicht seyn kann. Da er diese entsetzlichen Dinge in die Welt streuet, fühlst er ihren Gräuel; er erkennet ihn; er machet sogar Las Gestandniß davon, durch die Furcht und die Scheue, welche ihn abhalten, sich zu entdecken und sich zu nennen. Gleichwohl hat er diesen Gräuel durch sein System der Namr noch vergrößert. Einwürfe der Philosophen Wider die Ungenüglichteit der natürlichen Religion. Keine Religion erkennen, öffentlich zum Unglauben sich bekennen, ist eine Sache, die Jedermann für etwas Unna- P; tätliches Z46 Religion. türlicheS hält; die einem jeden auf den ersten Blick äußerst anstößig scheint; und wovor man einen Abscheu fühlet, den man nicht bemeistern kann. Man giebt, aus einer inner, sien Ueberzeugung, die Nolhwendigkeit einer Religion zu: die Vernunft zwingt uns unmerkbar das Geständniß ab. Aber einerseits leget uns die Religion so beschwerliche und kränkende Pflichten aus; und anderseits ist es so süße, nach seiner Freyheit zu leben, sich allen seinen Neigungen und Gelüsten Preiß zu geben, keiner seiner Leidenschaften zu widerstehen , daß man mit aller möglicher Arglist Mittel suchet, den Verstand mit dem Herzen, und die Vernunft mit dm Neigungen zu vergleichen. Deßhalben, heißt es, hält man sich an die natürliche Religion. Da diese Religion kein an, der Gesetzbuch hat, als jenes, das in unser Herz gegraben ist, und da ein jeder für sich selbsten der Ausleger und Richter davon zu seyn behauptet, waget man nicht viel, wenn man diese Religion zu Hülfe nimmt; man kömmt mit ihr ganz leicht zu Rechte. Aus allen Philosophen hat Rousseau in seinem Emil sie mit der größesten Einsicht vorgekragen, und mit der men sie» Arglist geprediget. Wir nehmen mit Vergnügen alles an, was er voll Einsicht von der Schönheit und Heiligkeit der natürlichen Religion gesprochen hat: aber deßhalben wer« den wir nicht weniger die Trugschlüsse mit Macht bekämpfen, wodurch er die Genüglichkeit dieser Religion bestätigen will. Man vernehme, wie er sich ausdrückel: I. * Sie sehen in meinem Vortrage nur die natürliche Religion. . . Es ist recht seltsam, daß man noch einer nsi 4 « andern Emil. Z. D. i2L. Seit. Religio». Z47 ander» bedörfen solle! wodurch werde ich dieses Bedürfnis erkennen? * » * Es ist nicht seltsam, daß man einer andern bedürfen soll, wenn Gott eine andere hat haben wollen. Sein Willen, der von einer unendlichen Weisheit geleitet wird, ist der um «mstößlichste Beweis, und der stärkest- Beweggrund, den man von diesem Bedürfnisse angeben kann. Daß nun Gott haben wollte, es solle eine andere Religion geben, ist im Artikel: Offenbarung, deutlich erwiesen. II. wie kann ich strafbar seyn, wenn ich Gott-, nach den Beleuchtungen , die er meinem Verstände giebt, und nach den Gesinnungen, die er meinem Herzen einstößet, diene? » Folgen Sie nur den Beleuchtungen Ihres Verstandes: sie werden Sie bald zu der Erkenntnis von der Wahrheit der Offenbarung leiten. Erkennen Sie nur die Wahrheit der Offenbarung; sie wird bald den Gesinnungen Ihres Herzens ein größeres Feuer geben. III. Welche Reinigkeit der Sittenlehre, welchen Lehrsatz, der für den Menschen nützlich, und für seinen Schöpfer ruhmwürdig ist, kann ich aus einer ausdrücklichen Lehre ziehen , den ich nichr ohne sie aus dem guten Gebrauche meiner Scelenkräfte ziehen könnte? 348 Religion. Halt ein, Verwägener! Willst du behaupten, daß dir deine schwachen Seelenkräste so große Beleuchtungen zu ge» bei; vermöchten, als dir die Gottheit selbsten geben würde, wenn sie dir in ihrer ganzen Herrlichkeit und Majestät er, schiene? Wenn sie dir also erschiene, wie viele Lehrsäße, welche für den Menschen nützlich, und für seinen Schöpfer ruhmwürdig wären, würdest du nicht aus dieser Erkennt, niß ableiren? IV. Man zeige mir, was man zur Lhre Gottes, zum Besten der Gesellschaft, und zu meinem eigenen Nutzen, den Pflichten des natürlichen Gesetzes beyseyen könne, und was für eine Tugend aus einem neuen Gottesdienste entspringen möge, die nicht auch eine Folge des weinigen ist. rit Was man bsyseßen könne? Beweggründe und Mittel, - um alle diese Pflichten vollkommener zu erfüllen. Dieß hat die Offenbarung gerhan. V. Die größesten Begriffe von der Gottheit kommen uns aus der Vernunft allein. Man werfe den Blick auf den Schauplatz dev Natur; man gebe der innern Stimme Gehör. Hat nicht Gott unfern Augen, unserm Gewissen, unserm Verstände alles gesaget? Was werden uns die Menschen weiter sagen? * » * Wenn die Vernunft allem uns die größesten Begriffe von der Gottheit beybringt, wie kömmt es, daß die heysmschen Philosophen damit niemals soweit gekommen sind, als die Mi, Religion. Z49 jüdischen Schriftsteller, und Christen , die aus der Offenbarung unterrichtet waren? Verhindert jener schöne Schauplatz der Natur, daß es keine Ruchlosen gebe? Gott har zu unsern Augen, zu unserm Gewissen, zu uuserm Verstands geredet: aber kann er uns nichts weiter sagen, als was er uns durch dieses Werkzeug gesaget hat? Wie erbärmlich kömmt eß heraus, wenn man, mit so vielem Eigendünkel, eine Menge so schwacher Fragen aufwirft! VI. * wenn die natürliche Religion ungenüglich ist, so ist sie es, weil sie die großen Wahrheiten, die sie uns lehret, dunkel läßt. Der Offenbarung steht es zu, uns diese Wahrheiten auf eine Weise zu lehren, daß sie dem Verstände des Menschen fühlbar werden: ihr steht es zu, dieselben für ihn herunterzusetzen, und ihm be. greiflich zu machen. * * S * Wenn Gott den Menschen Wahrheiten hat entdecken kön, nen, und entdecken wollen, welche über die Fähigkeiten ihrer Vernunft hinausreichen; so wird alsbald die natürliche Religion nothwendiger Weise ungenüglich, weil sie sich nicht weiter erhebt, als was die Vernunft begreifen kann. Nun, daß es Gott gekonnt habe, ist eine so augenscheinliche Sache, daß man nicht einmal Lust hat. Beweise davon zu begehren. Daß er es gewollt habe, ist eine Sache, von der wir Erweisungen geben, und allen Philosophen Troß bieihen werden, eine Antwort darauf zu finden. Diese * Edmd. lzz. Seit. Religion. Diese geoffeubarten Wahrheiten glauben wir, nicht mit einer Gewißheit, die auf die Klarheit der Begriffe gegrün, det ist, welche wir davon haben; sondern mit einer Gewißheit , die sich auf die Untrüglich?«! desjenigen gründet, der sie geoffenbaret hat. Es ist dann nicht vonnöthen, -aß sie Gott für uns herunteHeße, und uns begreiflich mache. VII. Diebeste aus allen Religionen ist unfehlbar die denn ltchste. * Man hätte sagen können: Die Beste aus allen Religio, nen ist jene, die den Menschen zum tugendhaftesten machet. Aber man sieht nicht recht, warum eine Religion die beste seyn sollte, weil sie die deutlichste wäre. Rousseau hat vergessen, Len Beweis davon beyzubringen. VIII. Nachdem wir mit Rousseauen vernünftig gestritten ha» ben, wollen wir eine Weile den aufgedunseten Plauderer hö, ren, der sich unter Bolingbrokens Namen verbirgt. *Der große Namen: Theist, den man nicht genug in Ehren hält, saget er, ist der einzige, den man brauchen sollte. Das einzige Evangelium, daß man lesen sollte, ist das große Buch der Natur , das von der Hand Gottes geschrieben , und mit seinem Siegel besiegelt ist. Die einzige Religion, zu der man sich bekennen sollte , ist jene, wo man Gott anbethet, und ein ehrlicher Mann ist. Es ist eben so unmöglich, daß diese reine, ewige Religion »wicht. Untersuch, am Beschluss«'. G« «S! Religion. Z5i , gjon Böses stifte, als es unmöglich ist, -aß -er christ, j liche Schwärmgeist Böses nicht stifte. * * * Wo nimmt doch dieser Mensch sein unbedeutendes Kau, derwälsch her? Was Heißen das göttliche Siegel, das Buch -er Natur, welches von der Zand Gottes geschrieben un- ^ besiegelt ist, und alle jene nachdrücklichen Gotteslästrungen? ^ Was findet er so Großes in dem Namen Theist, oder Deist, oder Gottloser ? denn alle diese Worte bedeuten heut zu Tage nur Eines. Kann es einen ausschweifendem Schwärm, geist geben, als er hat? Wo kann man unsinnigere und un, ! anständigere Vorträge machen ? Wir wollen uns nicht wür, digen, diesem Schwärmer anders zu antworten. IX. Lin weiser Mann saget zu sich selbsten: wenn mir Gott seinen Dienst hätte zu erkennen geben wollen, so wäre dieser Gottesdienst für unserGeschlecht nothwendig. wenn er nothwendig wäre, so hätte er ihn selber uns allen gegeben, wie er allen zwey Augen und einen Mund gegeben hat. Er wäre aller Orten einförmig: denn, > was für alle Menschen nothwendig ist, das ist ein, j förmig. ! « « Der Weise, der also schließen wollte, wäre nur ein wahrer Tollkopf : und Bolingbroke leget hier Liesen Ausschweifungen den zierlichen Namen der Weisheit bey. Wir führen sie nur deßhalben an, diese Ausschweifungen, damit man erkennen möge, wie viel man den berufenen Verfasser der wichtigen Untersuchung zu achten habe. Aber man vernehme. tzsr Religion, nehme, was ein wahrer Weiser zu sich ftlbsten sage» ^ würde. ^ Unser Geschlecht ist vernünftig und frey: es müssen dann Vernunft und Freyheit in der Uebung des Gottesdienst-, der sich für unser Geschlecht schicket, beysammen stehen! Als vernünftige Geschöpfe schienen wir uns der Vernunft, ^ um die Wahrheit zu erforschen. Als freye Geschöpfe, M brauchen wir unsere Freyheit, um einen Entschluß zu fassen, und zu wählen. Ein Mensch Hat zwey Augen und einen -O Mund; ein Hund hat eben dieses. Soll man sagen, ein !>««>»' Hund, mit seinen zweyen Augen und seinem Maule, ver, I iliH ehre Gott eben so gut, als ihn ein Mensch, durch den gu< ten Gebrauch seiner Vernunft und seiner Freyheit, ehret? O Bolmgbroke! ist es möglich, daß Sie so hochmüthig seyn, und zugleich so verächtliche Schlüsse machen? ^ X. Die großen Apostel der natürlichen Religion sprechen von ihr mit vielem Eifer. Aber keiner giebt von ihr dir Bestim« mung an; keiner trägt ihr Gesetzbuch vor. Das Haupt dieser unvergleichlichen Apostel, Voltaire, erkläret sich nicht besser, als die übrigen. Er saget uns zwar in seinen ver, mischten Schriften *: Der Deismus ist die Religion de« gesunden Verstandes; in seinem Gedichte von der natürlichen Religion: Man sey gerecht; genug ! sonst kann man nichts begehren; bey Bolingbroken: Man muß Gott anbethen, und ein ehrlicher Mann seyn ; u. s. w. Aber er wird sich wohl hüten, mir Cicero ** zu sagen, daß das natürliche Gesetz ein Licht sey, welches Gott den Seelen verleiht, um ihnen ein Mittel zu geben, die Grundwahrheiten zu kü * ri. Rap.» " * von den Gesetz, r. B» 1 Religion. gsz z« entdecken, die vornehmsten Pflichten zu erkennen, und zu unterscheiden, was gerecht oder nicht gerecht sey. Er wird, nach dem Sinne eben desselben Schriftstellers *, nicht sagen, dH dieses Gesch die Hoffart, die Rachsucht, die Unwahr, heit, die niederträchtigen Empfindungen verbiethe und ver, banne; daß es gebreche, man solle sanftmüchig, nachsichtig, geduldig, mäßig, keusch, ehrlich, und sittsam in seinem ganzen Mandel, und in allen seinen Reden seyn. Mit ei, ^ ner solchen Verbindlichkeit würde ihm, und vielen andern, die natürliche Religion allzu scharf und allzu strenge scheinen, als daß sie sich für ihre Anhänger bekennen wollten. Einwürfe der Philosophen wider die christliche Religion. Ehe wir aufdiese Einwürft antworten, wollen wir erst, lich die Begriffe von der christlichen Religion bestimmen, welche, wie wir gesagt haben, die einzige ist, die Gott auf einx Weise, die Gottes würdig ist, verehren, und die Men« h scheu wahrhaft Gottes würdig machen kann. r. Die christliche Religion ist nicht also beschaffen, wie sie uns von den Philosophen, den Ungläubigen, den Frey, denksrn geschildert wird. Sie reden allezeit nur als offen, bar? Feinde von ihr. Sie spüren bey allen ihren alten Wider, sachern alles aus, was man ihr vor Zeiten vorgeworfen hak; sie suchen bey allen Geschichteschreibern jene Stellen auf, die zum > Nachtheile von erlichen ihrer Geistlichen oder ihrer Anhänger: gereichen; sie borgen von allen Sektirern alles, was ihnen der Haß oder die Eifersucht haben einblasen können: und da sie alle diese häßlichen Schildrungen sammeln, übertrei, ben, * von den Pflicht, r. S. » II. Band. 2 ^ 354 Religion, ben, vergrößern, und alles beyseßen, was eine Einbildung, die von der Leidenschaft erhitzet ist, eingeben kann; stellen sie dieses, als das wahre Gemälde der christlichen Religion, öffentlich vor. Wenn Jemand unter einem Gesichtspunkte, die Gran, samkeiten der Söhne Clodoväus; die Empörungen des Chramne, Gottfrieds von Harcourt, des Lonmtable von Sanct Paul; die Rasereyen der Fredegonde, und Brum- Söhne ClodoväusH Clodomrr, Childebert, Clotar, und sein unehlicher Sohn Theuderich. Clodomrr bekam Siegmund, den König von Burgund, uebst seiner Gemahlin», gefangen, und ließ beyde zu Cou'miers in einen Brunnen werfen. Clvtar tödtete mit eigener Hand zween Söhne Clodomirs, seines verstorbenen Muders. Theuderich lockte Hermannfriedcn, König in Thüringen , unter FrisdenSvorschlä, gen nach Zülpich, wo er ihn von der Stadtmauer Herunterstürzen ließ. Chramne^ Ein Sohn Clotars und Enkel beS Clodoväus, empörte sich zweymal gegen seinen Vater, wurde von ihm überwunden, und sinnt seiner Frau und seinen Kindern in einer Strvhhütte verbrannt. Gortfr. von Harcourt^ Johann des Dritten von Harcourt dritter Sohn, schlug sich zu Eduard dem Dritten, Könige von England, wurde Feldmarschall, und verlor in der Schlacht bey Coutanccs das Leben. Connetable von Gt. Paul^ Anton, ein Sohn eines armen Edelmanns , vertrat Anfangs die Stelle eines Edelknaben, und kam durch seine Herzhaftigkeit so weit, daß er Marschall von Frankreich wurde. Er wollte die Verwaltung von Champagne, welche dem jnngeu Herzoge ^ von Guise znstand, in seiner Gewalt behalte», und suchte Mittel, daß er vom Könige Heinrich dem Vierten darinnen bestätiget werden, oder, wenn dieses fehlete, mit dem Könige Spaniens einen Vergleich treffen möchte. Der Herzog von Guise erstach ihn zu Rheims. Fredegonde^ Chilperichs des Ersten, Königs in Frankreich, dritte Gemahlin» , hatte sich durch viele Grausamkeite», wozu sic de« König verleitete, und, wie man ihr Schuld geben will , durch die Ermordung ihres eigenen Gemahls berühmt gemacht. . , Brunu Religion. 25 5 Brunichrldis; die Meuchelmorde Behmes, Poltrors, Clemens u. m. a.; die Vergiftungen der Brinvillicrs, und andere dergleichen Gräuel vorstellen, und diese für die Schilderung der Sitten und Denkensart der französischen Nation angeben wollte: mir welchem Auge würde man ihn ansehen? wie verdiente er behandelt zu werden? 2. Die christliche Religion ist nicht beschaffen, wie man sie uns vorstellen will, da man uns die berühmten Miehäl« ligkcken zwischen dem Pciesterchnme und dem Reiche, welche ein Bißchen mehr als ein Jahrhundert gedauret haben, ohn Unterlaß zu Gemüchs führet. Man muß sie für eine betrüb» te Seuche derselben unglückseligen Zeiten ansehen, welche, wie BrunichildisH Siegeberk des Ersten, Königs in Australien, Gemahlin», war wegen ihrer Unzucht und Grausamkeit eben so berufen. Endlich wurde wider sie eine gerichtliche Klage gesühret, wo Clvtar der Aweyte ihre Verbrechen vertrug, und sie sogar beschuldigte, daß sie zehn Kö« nize umgebracht habe. Sie wurde durch einen schändlichen Tod hingerichtet. Behmes Ein Deutscher von Geburt, war im Hause der Herzoge vo» Guist auserzvgen. Er gab, dev der bekannte» Bluthschzei't zu Paris, dem Admiral Coligni die ersten zwcen tödtlichm Stoffe. Cr wurde zu Bouttvüle gefangen, und auf der Flucht getestet, als er aus der Ge- fänguiß entkommen war. Poltrot l Johann Herr von Mcrcy, ein französischer Edelmann, im Dienste des Johann von Svubise, hatte den Herzog Franz von Guise ermordet, und wurde nachmals zu Paris von vier Pferden zerrissen. Clemens^ Jacob, ein Dominikaner zu Paris, gicng nach St. Cloud, als König Heinrich der Dritte Paris belagerte, kam vor den König, und stieß ihm ein Messer in Len Unterleib. Er wurde von den Hosienten auf der Stelle umgebracht. Vrinviliiers^ Marie Margrethe Markgräfinn von Aubray, brachte ihrem Vater, zweenen Brüdern, und mehr andern Gift bep, und wurde zu Paris enthauptet. 3^6 Religio», wie viele andere Krankheiten, vergangen ist, wovon man seit fünfhundert Jahren vollkommen genesen ist, und die man ohne Aergerniß, Unheil, und Gefahr niemals wieder an, führen kann. z. Die christliche Religion besteht nicht in dem, was ihr manchesmal ein übertriebener, und nicht so gründlicher alsverwägenerTadel, oder eine verd.ckrs Gottlosigkeit, um pöbelhafter Andachten und Meynungen willen, vorwiest. Es giebt dergleichen Meynungen, die ohne Grund sind: es giebt andere, die sich nur auf Jrrrhümer in der Handlung gründen; aber Jrrrhümer, die allezeit sehr unschuldig sind; Jrrrhümer die weder die Glaubens - noch die Sittenlehre an, gehen; Jrrrhümer, die von der großen Kirche, der Mutter und Gebielherinn aller Kirchen, niemals gutgeheißen wor, den sind ; Jrrrhümer, welche die einzelnen Kirchen, beson, ders seit dem Kirchenrathe von Trient, mit aller Sorgfalt den Gläubigen allmahlig und in Sanftmuth abgewöhnet haben. Wir müssen noch sagen, Laß unter jenen Andachten und Meynungen, welche die Hoffart und die Gottlosigkeit für pöbelhaft ausgeben, sehr ehrwürdige, nützliche, und gut gegründete begriffen sind. 4. Die christliche Religion giebt die Nationalmeynungm nicht für Lehrsätze und Vorschriften des Glaubens auf. Es sind Gegenstände, worüber man im Teutschlande, Frank, reiche, Spanien, Italien verschieden denket. SlaatSur- fachen können diese Meynungen vorschreiben: aber man ver» ketzert sich deßhalben einander nicht. Man sieht einander in Teutschlande, Frankreiche, Spanien, Italien ohn Uri, terschied für Christen an: und alle sind auf gleiche Weise Christen. Sie sind ein Stoff zu Schulstreitigkeiren, eine Weyde für die Gotteögelehtten; aber nicht ein Gegenstand der Glaubenslehren. Nach» 81 - pl^' Iltzl! A- ß« i Religion. ;s7 Nachdem wir alle diese falschen Begriffe ausgemustert haben, welche die ruchlosen, oder gottesvergessenen, oder unruhigen Leute von der christlichen Religion in den Schwang zu bringen sich bemühen; wollen wir einen Begriff davon bestimmen, welcher wahrhaft, einfach, deutlich, Jeder, wanne begreiflich seyn, und die Glaubens - und die Sitten, lehre zugleich enthalten soll; einen Begriff, den Niemand mit Vernunft anstreiten kann. Was die Glaubenslehre betrifft, ist alles in dem Glaubensbekenntnisse der Apostel wesentlich enthalten; und das, was man die Gebothe Gottes nennte schließt die ganze Sittenlehre ein. Das Glaubensbekenntniß der Apostel zeiget uns, zum Gegenstände unsers Glaubens, das Daseyn eines Gottes in dreyen Personen, des Vaters, des Sohns, und des heiligen Geistes; den Vater als Schöpfer des Himmels und der Erde; den Sohn, der für uns im Schooße der Jungfrau Mensch geworden; der für das Heil des menschlichen Ge» schlechtes gekreuziget worden, dcey Tage danach auferstanden, in den Himmel aufgefahren ist, und zur Rechten des Vaters sitzt, von dannen ec am Ende der Welt kommen wird, alle Menschen zu richten, und ihr Schicksal in der Ewigkeit zu entscheiden; dann den heiligen Geist, die dritte Person der anbechenswürdigen Dreyeinigkeit; endlich die heilige Kirche welche durch die Verdienste Jesu Christi gepflanzet ist ; die Gemeinschaft aller Gläubigem in einem Glauben, einer Hoffnung, einein Beweggründe der Liebe; die Nachlassung der Sünden durch das Blut des Erlösers; die zukünftige Aufec- ' ftchnng, und das Leben der glückseligen Ewigkeit. Die Gebothe Gottes sind zehn an der Zahl. Die drey ersten schreiben uns die Anbethung und Liebe Gottes, die Ehrfurcht gegen seinen heiligen Namen, und die Pflichten Z 3 unser 3^8 Religion, unsers Dienstes gegen ihn vor. Die sechs folgenden Me- then uns die Ehrerviethung gegen die Aeltern, die Liebe ge, gen unfern Nächsten, die Bewahrung der Keuschheit, die Aufrichtigkeit in dm Worten, die Enthaltung von allem ungerechten Gute oder Besitze, die sorgfältigste Behutsamkeit gegen des Nächsten Ehefrau; und daö letzte verbeut uns so» gar die Begierde nach einem Dinge, welches unbillig oder unerlaubt wäre. Diesen Gebothen hat die Kirche noch etliche beygeseßet, welche Mittel zur Heiligung an die Hand geben, und für alle verbindlich sind, die sich für Kinder der Kirche erkennen. Dieß ist nach der Wesenheit die ganze christliche Religion, und die wahre christliche Religion, sowohl in der Glaubens- als in der Sittenlehre. Man wird sie in jenen kleinen Büchern, die man Cachechifmus heißt, umständlicher erkläret anrreffen ; in jenen Büchgen, die man die Kinder lernen läßt, und die hem zu Tags sehr vielen hochmükhigen Grüblern nokh- wendig warnt, welche von der Religion reden, ohne sie zu kennen, und welche in Liesen Büchgen unendlich reinere, vernünftigere, und weisere Lehren amressen würden, als in allen Werken der ausschweifenden und vermessenen Philosophie unserer Zeiten. Laßt uns iho zu den Einwürfen kommen. l!> ! ! I. * Ich schließe, daß jeder verständige, jeder rechtschaffene Mann die christliche Sekte verabscheuen soll. ÄS Also beschließt seine wichtige Untersuchung jener Schrift« steller, der durch eine unzählbare Menge Schriften von am * wicht. Untersuch. Religion. ßerster Gottlosigkeit bekannt, und Hier unter einem englän- discheri Namen verstecket ist. Obschon er sich Mühe giebt, unter verschiedenen Masken sich zu verbergen, besonders, wo er die gräulichsten Gottlosigkeiten vortragen will; wird man ihn gleichwohl an seiner Schreibart allemal leicht erkennen. Man kann nicht fehlen, auf ihn zu rachen; folglich ist es nicht vonnöthen, ihn zu benamsen. Aber dieser Gottlose mag auf die zwo folgenden Fragen antworten: Was soll ein rechtschaffener Mann in der christli, chen Religion verabscheuen? Etwa die Sittenlehre? Wir haben sie nun eben vorgetragen : ist ein einziger Punkt darin, nen, welchen ein verständiger Mann, ein rechtschaffener Mann nicht gutheißen, annehmen , lieben, in Ehren halten soll ? Etwa die Glaubenslehre ? Kann ein verständiger Mann den siegreichen Beweisen, die wir von der Wahrheit der Offenbarung angeben, wodurch die Glaubenslehre verkündiget wird, seinen Beyfall versagen? Muß nicht jeder rechtschaffene Mann gestehen, daß Gott durch die Beleuchtungen , welche uns die Offenbarung an die Hand giebt, unendlich größer, und unsrer Anberhung, unsrer Huldigung, unsrer Liebe würdiger erscheine, als durch alles, was uns die Vernunft einsprechen kann? Dieser höllische Eiferer übertrifft alle diejenigen, welche jemals die Hölle wider die Religion Jesu Christi hervorge- bracht hak. Man hatte niemals so gräuliche Gott-släste, rungen, so schändliche Falschheiten, so schwere Verleumdungen , so unvernünftige Grobheiten zrrsammengebracht, als er in seiner wichtigen Untersuchung versammelt. Es ist auch dieser Beschluß der Schrift und des Verfassers würdig. Z 4 II. Religion. II. I6a Die Menschen sind recht blind, daß sie einer abge, schmackt n, blutgierigen Sekte, die von Henkern unterstützet , und mit Scheiterhaufen umrungen ist; einer Sekte, die nur von denen gutgeheißen werden kann, welchen sie Macht und Reichthum giebt; einer privat, sekte, die nur in einem kleinen Theile der Welt angenommen ist, vor einer einfachen und allgemeinen Reli« gion den Vorzug geben, welche zu den Zeiten Seths, Enochs, und des Noe die Religion des menschlichen Geschlechtes war. Wir wollen uns nicht entrüsten; sondern nur durch etliche kurze Anmerkungen die Ausschweifungen Bolingbrokens zu erkennen geben. Die christliche Religion heißt ihm eine abgeschmackte Sekte: und die gtößcsten Geister, die seit siebenzehn ,Iahr» Hunderten gelebet haben, die Justin, Athenagoras, Cattau, Origencs , Augustin, u. m. a. haben sie angenommen, erkläret, verthetdiget, durch ihre Tugenden und ihre Beleuchtungen verherrlichet. Und was ist Bolingbroke ge, gen diese großen Männer, wenn man den Geist und die Einsichten betrachtet? Sie ist blutgierig. Ist es etwa wegen der Religionkriege , daß man der christlichen Religion den Namen: blutgierig, beyleget? Wenn dieses ist, muß man noch weit eher die Macht der Regenten blutgierig Heißen, welche in den Kriegen ungleich mehr Blut vergießen läßt. Die Neligionkriege zählet man ganz leicht. Es war einer niit den Albigensern im dreizehnten; einer mit den Hus- fiten Religion. ;§i fiten im fünfzehnten; einer mit den Lutheranern und Cal, vintsten im sechzehnten Jahrhunderte. Man weise mir andere auf. Aber man kann von allen diesen Religionkriegen sagen, was Rousseau von jenen in Frankreichs saget: * Man untersuche alle jene Rriege, die man Relizioy- kriege nennt; so wird man finden, daß keiner war, von dem nicht die Ursache bey Hofe, oder in den Ränken der Großen fteckete. Staatsstreiche haben die Hän, dcl unter einander geworren ; und die Oberhäupter bewegten die Völker im Namen Gottes zum Aufstande. Etwa wegen des Ketzergerichtes? Aber, insgemein zu reden, bringen alle Ketzergerichte, die in der Christenheit find, in eine-n Jahrhunderte weniger Lenke ums Leben, als das Pachrgerichk in einem Jahre um Leben und Ehre bringt. Etwa wegen der Todsurthsile, die von etlichen Königen gegen Aufrührer, oder Ruhestörer, oder Verderber der Sit, Mehre gesprochen worden sind? Aber was treibt Boling, brsken an, für diese Art von Leuten das Wort zu reden? Befindet er sich im gleichen Falle? Sie ist von Henkern unterstützet, und mit Scheiterhaufen umrungen. Ganz Europe ist christlich: ich gehe ganz Europen durch, und nirgends finde ich jene Henker, oder jene Scheiterhaufen, von denen unserm Tollkopfe träu, nm. Man har vormals im ganzen römischen Reiche wider die christliche Religion die Henker bewaffnet, und die Scheiterhaufen entzündet gesehen. Constantin entwaffnele die Henker, und löschte die Scheiterhaufen aus. Seit derselben Zeit ist nicht mehrdavon die Rede gewesen, außer wann Verbrecher hmgerichlet wurden. * Brief an den H. Er^lschof von Paris. 3 s Sie 362 Religion. Sie kann nur von denen gutgeheißen werden, wei, chen sie Macht und Reichthum gicbr. Und Lrey hundert Jahre lang, har sie Millionen Anhänger gehabt, die sie nicht allein mir dein Vertruste ihres Vermögens, sondern auch ihres Blutes und ihres Lebens vertheidiget haben: und noch heut zu Tage zählet sie Millionen und Millionen An, Hänger, welche, wenn sie gleich in der Armuch, oder ganz mittelmäßig leben, dennoch eher alles aufopfern, als ihr ent, sagen wollten; und alle Tage weist sie Beyfpiele von groß» müthrgen Seelen auf, die dem Reichthume absagen, damit sie dieselbe in ihrer größesten Lauterkeit und Vollkommenheit üben mögen. Es scheint, dis Wurh Böses zu sagen, beraube den armen Bolingkbroke alles Verstandes. Sie ist nur in einem kleinen Thetle der Welt angenommen. Ganz Europe, und der größeste Thsil Ameri- kens, bekennt sich zur christlichen Religion: Asien und Af, rika stellet eine unzählbare Menge Christen dar. Boling, broke heißt dieses einen kleinen Theil der Welt. Die natürliche Religion ist zu den Zeiten Seths, Enschs, und des Noe die Religion des menschlichen Geschlechtes gewesen. O unbedeutender Wsrtmacher! Sa, gen Sie uns doch: worinnen bestand das menschliche Ge, schlecht zu den Zeiten Seths, der einSohn Adams war? Sa- genSie uns: wieviele Völker,Königreiche.Kaiserthümer zähl, te das menschlicheGeschlecht zu denZeitenLnochs? SagenSit uns: da Sie von jener einfachen und allgemeinenReligion spre, chen, die zur Zeit des Noe auf der Welt war, verstehen Sie die Zeit des Noe vor der Sündfluth, oder nach der Sündsiuth? Ist es die Zeit des Vwe vor der Sündfluth, so mußte die, selbe Religion nicht viel werth gewesen seyn, wei! Gott ge, zwungen war, Las ganze menschliche Geschlecht, zur Ber strafung >tq «s>! Religion. Z6; strafung seiner Sünden, durch das Wasser zn vertilgen. Ist es die Zeit des Noe nach der Sündsimh, so war das gan, ze menschliche Geschlecht auf ein einziges Hauswesen zujäin, mengcschmolzen. O Bolingbroke! wie stark und fürchler, lich sind Ihre Einwürfe l III. iH Die Regenten haben sich dieser Sekte unterworfen, H weil sie glaubten, ihre Völker werden sie deßhalben ich mehr lieb gewinnen , wann sie sich sechsten das Joch aufbürdeten, das ihre Völker trugen. Sie haben nicht gesehen, daß sie sich ;u den vornehmsten Sklaven der Pfaffen machten: und in der Hälfte Kuropens , haben sie es noch nicht so weit bringen können, daß sie unab, m hängig geworden röären. * h« Z« Nu 8«! Wie hat Bolingbroke die Ursachen so gut ergründet, welche die Regenten gehabt haben, das Christenthum anzu» nehmen? Wie kömmt es, da die Regenten Sklaven der Pfaffen sind, daß die Geistlichen nicht Mittel finden, jene Bolingbroke zur Strafe zn ziehen, welche so gräuliche Dinge wider fie ausspeyen? Die Regenten, getrauet er sich zu sagen, nahmen die» se Sekte an, weil ihre Völker derselben zugethan waren. Allein, als Constantin ein Christ wurde, war der Götzen» dienst noch die herrschende Religion im Reiche; und der ab» trinnige Julian schwur das Christenthum ab, als das gan, ze Reich christlich war. Sie haben nicht gesehen, heißt es weiter, daß sie sich ;u Sklaven der Pfaffen machten. Es ist lächerlich zu sa» gen. Z64 Religion, gen, daß Lonstantin, Theodos, Gratian, Rar! der Große, Rarl der Fünfte, Ludewig, lauter Sklaven der Pfaffen gewesen seyn. IV. In der Hälfte Luropens haben sie es noch nicht ft weit bringen können, daß sie unabhängig geworden wä. ren. Es ist kein Regent, der sich nicht Fürst von Gottes Gnaden nennet, und eben dadurch seine unbeschränkte Um abhängigkeit zn erkennen giebt: und es ist in der Religion kein Lehrsatz, der sie ihm absprichr. Man sieht wohl, von was für einer Unabhängigkeit dieser Ruchlose reden will; nämlich, daß sie sich keiner Religion unterwerfen sollen. wie! jene unaussprechliche Zahl von Bürgern, die bedrücket, mit dem Bannstrale beleget, an den Bettel« stab gebracht, auf den Gchindacker geworfen wurden; jene Menge von Fürsten, die vom Throne gestoßen, und ermordet worden sind, hat den Menschen die Augen noch nicht eröffnet? Bolingbrske scheuet weder den Bannstral, noch dm Bettelstab, noch den Schindacker: warum heulet er dann so sehr dawider? Was die Ermordungen und Entsetzungen der Fürsten betrifft, die ihm doch wenig am Herzen liegen; so weiß man wohl, daß es zur Zeit des Heydnischen Roms mehr dergleichen Verbrechen, und mehr Verbannungen und entsetzliche Plagen gegeben hat, die dem menschlichen G« schlechte widerfahren sind, als alle Bosheit der Gottlosen immer der christlichen Religion Schuld geben kann. Aber es ist norhwendig zu bemerken, daß Liese entsetzlichen Plagen und Mi ^lk, Religio». 36s und blutigen Auftritte erst seit dem "Anfänge der christlichen Religion aufgehöret haben. Im übrigen ist es recht wunderlich, daß ein ssynrvollen, der Engländer der christlichen Religion diesen Vorwnrf ma, chet. Ist es nicht aus allen Geschichtsbüchern bewiesen und bestätiget, daß dieses Reich, welches nicht den zwanzigsten Theil Europens ausmachet, allein in weniger als hundert Jahren, unter den berühmten Parteyen der Zork und Lancaster, zwanzigmal mehr Beyspiele von jenen Entse- Hungen, Ermordungen, und Verbannungen aufzuweiser» hat, als man durch volle siebenzehn Jahrhunderte der Religion zur Last legen könnte? V. *was hat dann die christliche Religion vor andern voraus, daß sie verdienen sollte, daß ein vernünftiger Mensch, der von den Vorurtheilen der Erziehung fcey ist, che vor allen übrigen den Vorzug gebe? Jenes hat sie voraus , was wir, der Wesenheit nach, von dieser Religion eben ißt, unmittelbar vor diesen Einwürfen , ausgeleget haben. Wir brechen dem du Marsais , und allen übrigen Philosophen Trotz, uns in derselben Auslegung einer Falschheit zu beschuldigen, oder uns irgend in einer * Zrrglied. der christl. Reich. ' Aork und Lancasters Diese beyden Häuser, derer Patteyen um ter der weißen und der rothen Rose bekannt waren, führten lange . Zeit mit einander Krieg, weil beyde auf die Krone Anspruch macheten. Man hat bemerket, daß unter diesen bürgerlichen Kriegen dreyßrg Schlachten geliefert worden sind, und daß drey Könige und viele Fürsten ihr Leben dabey verloren habe«. ?66 Religion. einer andern Religion etwas so Erhabenes, so Reines, so Weises zu zeigen, als wir vorgeflellet haben. Man verlanget, um von den Religionen zu urrheilen einen vernünftigen Menschen, der von den Vorurcheilen der Erziehung frey ist. Aber Sie, du Marsais! sind Si« wohl von allem Vorurcheile, und besonders von allem Vorurcheile der Hoffart, des Unglaubens, der Ruchlosigkeit, wo nicht im Herzen, zum wenigsten im Verstände, frey? Sie wollen zu verstehen geben, daß nur der Mangel der Be- urtheilung, und die Knechtschaft des Vorurcheile, der Religion der Christen den Vorzug einräumen. Aber haben die Vorurcheile der Erziehung , und der Mangel der Beurchei, lung so viele große Männer dazu bewogen, welche dem Hcy- denlhume, worinnen sie gebohren wirren, entsagten, um die Religion Jesu Christi anzunehmen ? Hat dieses vor Zeiten Justinen, pionius, Athenagoras, Clemens von Alexandrien, Lcrtullianen, Cyprianen, Arnobius, Mmutius Felix bewogen. Laß sie alle vom Götzendienste zur Religio» der Christen Hinübergiengen? Erröthen Sie, du Marsats! crrörhcn Sie über die Ungereimtheiten, welche Sie aus Hast ft gegen Ihre eigene Religion auf die Bahne bringen. VI. *Laßt uns für immer einer knechtlichen Ehrfurcht entsagen, welche uns jene Sammlung lächerlicher per- murhungen anbethen hieße. Laßt uns die christliche Religion aus eben demselben Gesichtspunkte betrachten, wie wir so viele andere Trügereyen ansehen, dre nur für den schwachsinnigen Pöbel erträglich sind, .lvir rnüssen auf eine erhabnere Weise denken. ' .Zerglikd. -er christ. Ae!i§. t 1 Religion. 3 67 Man schließe aus dm Höflichkeiten, die hier du Man sais der ganzen christlichen Gesellschaft erweist, wie gesittet und artig die Philosophen sind: man schließe, wie erhaben sie denken. Alle gesittetste und aufgeklärteste Völker be, kennen sich zur christlichen Religion; diese Religion hat eine unsägliche Menge großer Männer von jeder Art hervorge, bracht; sie besteht schon siebenzehn hundert Jahre: und nach dem Unheils des du Marsais, ist alles, was diese Reli, gion verträgt und lehret, nichts weiter, als eine Sammlung lächerlicher Vermuthungcn, und Trügereyen, die nur für den schwachsinnigen Pöbel erträglich sind! O du Marsais! was soll man von Ihnen sagen und urtheilen? Einen Emwurf, welcher mehr Bosheit zeiget, als er wahres Beschwerniß erregen kann, machet Rousseau im letz, ten Kapitel des gesellschaftlichen Vertrages. Er bchaup» ter zu beweisen, daß die christliche Religion, so wie sie ist, und nach ihrem wahren Geiste, weder in einer Gesellschaft, noch in einem Staate, noch zum Vortheile der Regenten et« was tauge. Wir wollen, mir einer ängstlichen Genauigkeit, einen getreuen Auszug von diesem ganzen Kapitel geben, welchem er die Aufschrift beyleget: Von der bürgerlichen Religion. Wir werden die Art seines Verfahrens, seine Grundsätze, seine Vernunftschlüsse vom Ursprünge der Relü gionm, von dem Anfänge des Christenthums, von dem Gegensätze zwischen dem Geiste dieser Religion, und zwischen den Vorrheilm der Gesellschaft, vortragen, und durch etliche Bewertungen beantworten, die wir über seinen Text Keys», gen werden. Man vernehme, wie er sich ausdrückek. ' - Z68 Religion. * „ Die Menschen hatten Anfangs keine andere Koni, „ ge, als die Götter, und keine andere Regierungsart, als „ die theokratische. Aus diesem allein, daß man Gott „ zum Haupte jeder Gesellschaft machte, folget schon, daß „ es so viele Götter, als Völker, gegeben hat. Zwey „ Völker, die sich einander fremd waren, konnten nicht „ lang einen und denselben Gebiecher erkennen: also ent, „ stand aus den Trennungen der Völker, die Vielgötterei). „ Die Gerichtbarkeit der Götter war, also zu reden, durch „ die Gränzen der Völker bsgränzet. ** Jede Religion war „ dann allein mit den Gesetzen des Staates verbunden, der „ sie vorschrieb; und es gab kein ander Mittel, ein Volk zu „ bekehren, als daß man cs in die Dienstbarkeit brachte. „ *** Als die Römer mit ihrem Reiche ihren Gottesdienst „ und ihre Götter ausgebreitet, und selbsten oft die Götter „ der Besiegten angenommen hatten, fand es sich, daß die „ Völker dieses weitschichtigenReiches unvermerkt eine Men, „ ge Götter und Gottesdienste erhielten, die ohngefähr aller „ Orten gleich waren „. Dieß war, nach Rousseauen, der Ursprung der Reli, gionen in der Welt. „ Bey diesen Umständen kam Jesus Christus, ein geistr „ lichcs Reich auf Erden zu pflanzen. Dadurch wurde „ das theologische System vom politischen Systeme ge< „ trennet; der Staat Hörte auf, einfach zu seyn; und es „ entstanden innerliche Spaltungen, welche die christlicken „ Völker ohn Unterlaß beunruhiget haben: und bald sah ,, man das sogenannte Reich von jener Welt, unter einem „ sichtbaren Oberhanpte, den gewaltigsten Despotismus in „ dieser Welt werden. . *„ Un- « Gesellschaft!, vcrtr. > z;. Seit. '»lLS. Seit. iS/. Seit. Religion. z 69 * ,, Unterdessen, da es doch allezeit einen Fürsten und „ bürgerliche Gesetze gegeben Hat, entspringt aus dieser dop, „ pslten Macht ein immerwährender Streit wegen der Ge, „ richtbarksit, wodurch in den christlichen Staaten aller gn, „ ten Polizey der Weg versperret ist : und man ist niemals „ so glücklich gewesen zu erfahren, ob man Lern LanLsherrn, „ oder den Pfaffen, zu gehorchen schuldig sey. Das christ- ,, liche Gesetz ist im Grunde zum dauerhaften Bestände des „ Staates mehr schädlich, als nützlich. ,, Es ist eine ungereimte Religion, welche dm Menschen, „ da sie ihnen zweyerley Gesetze, zwey Oberhäupter, zwey „ Vateriaude gievt, widersprechende Pflichten aufleget, und „ verhindert, daß sie zugleich gottselig und Bürger styn könn, „ ten. Sie ist so augenstheiulich schlecht, daß man die Zeit „ verlöre, wenn man es beweisen wollte. Alles, was die „ gesellschaftliche Einigkeit zertrennet, bas tauget nichts,,. Man vernehme, wie er nachmals den Gegensatz zwischen dem Geiste des Christemhums, und zwischen den Vortheilen der Gesellschaft schildert. ** „ Da diese Religion mit der politischen Gemeine keü „ ne sonderbare Verbindung Hst, läßt sie den Gesetzen die „ einzige Kraft, die sie aus sich sechsten ziehen, ohne diese!-- „ be zu vergrößern; und dadurch bleibt eines der größesten „ Bande der Gesellschaft ohne Wirkung. Noch mehr! an, „ statt die Herzen der Bürger an den Staat zu heften, macht ,, sie dieselben von dem Staate, wie von allen Dingen der „ Erde, los. Ich sehe nicht, was dem Geiste der Geftll- „ schast mehr zuwider wäre. Eine christliche Gesellschaft „ würde weder zum Stärksten, noch zum Dauerhaftesten . „ seyn. * >88. Seit. *'iyz. Seit. II. Band. A a 3?a Religio«. „ seyn. Durch eitel Verlangen, vollkommen zu werden, „ würde ihr die Verbindung fehlen. Ihr verderbender Feh, „ ler läge selbst in ihrer Vollkommenheit. Er brauchet danach drey Seiten. diese schönen Sähe zu beweisen; und alle seine Beweise bestehen darinnen, daß er die Ausübung der evangelischen Vollkommenheit lächerlich verstellet. Anmerkungen über das Kapitel des gesellschaftlichen Vertrages. Erste Anmerkung. Man darf nicht wundern. wenn wir in diesem Kapitel viele Ungereimtheiten entdecken, da selbst die Aufschrift eine ist. Es ist eben so ungereimt zu sagen: eine bürgerliche Religion, als wenn man sagete: eine Religion, die keine Religion ist. Fürwahr, der Aus, druck: Religion, bedeutet die Pflichten und den Dienst ge, gen Gott; natürliche, nochwendige, unerläßliche Pflichten, welche der Mensch nicht willkührlich annchmen oder verrver« fen kanu. Und der Ausdruck: bürgerlich, zeiget freye Per, träge unter Menschen zu ihrem wechselseitigen Nutzen an, welche von ihrer Bewilligung abhangen, und woran sie wech, seln und verändern dörfen. Diese Ausdrücke: bürgerliche Religion, stellen dann unterschiedene Begriffe vor, welche nicht beysammen stehen können. Zrveyre Anmerkung. Wo hat dieser Mann erfahren, daß die Menschen Anfangs keine andere Röntge, als die Götter gehabt haben ? Es ist bewiesen, daß man die Götter erst lange nach der Stiftung der Königreiche ausge, dacht hat. Er ziehe dann das gelehrte Werk des Cicero von der Natur der Götter zu Rache; so wird er lernen, daß die meisten jener Götter Menschen gewesen waren, die auf der » klk! M i>», !ll» llh! !»!d sjl- F M Religion. z?r Erde geherrschet hatten, und die vergöttert worden sind, nachdem man sie zu Grabe gelegt hatte. Er werft die Augen aufdie alten Nachrichten, oder vielmehr auf die alten Fabeln Aegyptens; ft wird er unter Len ersten Göttern der Aegyptier nichts, als die ersten Könige dieses Volkes, an- treffen. Er eröffne das älteste Buch in der Welt, ras erste Buch Moses; ft wird er erfahret!, daß der Urenkel des Noe das babylonische Reich gestiftet har, und daß sich der Anfang des Gößendiensts erst nach seiner Regierung her, schreibt. Dritte Anmerkung. Ein neuer Einfall, eine neue Um gereinnheit von Rousseauen! Es hat, saget er, so viele , Götter, als Völker gegeben; und aus den Trennungen der Völker entstand die Vielgötterey. Aber wir wollen Rousseauen fragen: Soll man die Verschiedenheit der Völ, ker ans den verschiedenen Göttern, oder die Verschiedenheit der Götter aus den verschiedenen Völkern erkennen? Dieser Knoten scheint hart aufzulösen: Lennes har sehr verschiedene Völker gegeben, welche die gleichen Götter anbttheten, und es hat Götter von mancherley Arten bey einem Volke gegeben. Die Griechen nahmen von den Aegypteru und Asiaten den größesten Theil ihrer Götter auf; vre Römer empsiengen sie von den Griechen. Dieser Ursprung der Viel, götterey, den Rousseau angirbt, ist also sehr ungewiß; und dennoch zieht er daraus jenen schönen, jenen gründlichen Schluß: Jede Religion war dann mit den Gesetzen des Staates verbunden; ein Schluß, der durch die Geschichte falsch bewiesen ist, und durch den Gebrauch, den er bald daranfdavon machet, sehr gottlos und verdammlich wird. Vierte Anmerkung. Weil die Religion Jesu Christi, ftgtt er, das theologische System vom politischen Syfte- Aa L me ??2 Religion, me getrennet hat, hörte der Staat auf, einfach ;n ftyn und es entstanden innerliche Spaltungen, u. s. w. chiex entdeck« dann der Verfasser des gesellschaftlichen Vertrages Fehler in den Gesehen Jesu Christi , und öffnet, über das Unheil, das die Religion Jesu Christi in der Welt gestiftet hat, den Menschen endlich die Bugen. Wir wollen uns Lurch diese stolzen MachrsprüchsRous- seauens nicht schrecken lassen, sondern ihn erstlich fragen, was er durch Las Work: Staat, verstehe. Er wird uns sonder Zweifel sagen/ daß der Staat die Vereinigung mehrerer Familien, das ist, ein Volk sey, welches unter einer obrrkettlichen Gewalt lebet, und durch Gesetze regieret wird, die alle bestimmet sind, um die Ordnung, die allseirigcn Rechte, und die Glückseligkeit unter allen Gliedern, woraus der Staat besteht, zu erhalten. Um diese Bestimmung besser zu entwickeln, sagen wir: Die Ordnung erfodert, daß es eine Religion im Staate gebe; denn die ersten Pflichten des Menschen sind jene, zu welchen er gegen Gott verbunden ist. Die allseitige» Rechts gründen sich auf die pünktlichste Gerechtigkeit, welche der Grundstein aller rechtmäßigen Verträge ist, und welche von der Religion bestens empfohlen wird. Endlich die Glückseligkeit der Glieder entspringt nokhwendig aus dieser Erhaltung der Ordnung und der Achtsamkeit für die allseitigen Rechte. Dieß ist der ächte Begriff, den man sich von dem Staate machen soll, und dieses wir- unter dem Worte: Staat, verstanden. Wenn man diese Bestimmung recht zu Gemürhe nimmt, wird man merken, wie viel es Leute gebe, die nicht wissen, was sie sagen, wann sie stolz den Ausspruch thun. Laß die Religion im Staate sey; daß der Staat die Religion angenommen habe; daß nicht der Staat der Religion. Z7z der Religion, sondern die Religion dem Staate untergeordnet sey: man wird merken, wie weise, einstchkvoll, und gut ausgedachr jener Spruch des großen Heinrichs war: Mau muß Die Religion niemals vom Staate trennen. Dreß vorüttögesehst, verlangen wir ihk von unserm Stamsklügler, daß er uns zeige, oh m der christlichenRr- ligion etwas der Ordnung , oder der Gerechtigkeit, oder der wahren Glückseligkeit des Staates und der Glieder im Staate, zuwider sey. Sie verhindert nicht, Laß der Staat einfach sch, w-eil sie im Gewiss n verpflichtet, den Gesehen zu gehorchen. Man kann das dreyzehme Kapitel des Sendschreibens vvm heiligen Paul an die Römer, wo von diesem Gegenstände gehandelt wird , für ein Meisterstück ansehen, wodurch er die Einstimmung und die vortrcffriche Eintracht zeiget, welche zwischen der Religion und der politischen Macht herrschen soll. Man wird dorten Stoffes genug finden, um die Verleumder des Christenrhumü schamroth und zu Schanden zu machen. Sie verursachet Dis innerlichen Trennungen nicht, weil sie die heldenmäßigste und gcoßmüthigste Nächstenliebe vor schreibt. Sie laßt nicht im Zweifel, ob man dem Landsherrn oder den Pfaffen zu gehorchen schuldig scy. Denn der erste Großprnst r der Religion, der von Jesu Christo selbst?» unterwiesen worden war, giebt Len Christen Liese vortreffliche Lehre: ^Haltet Iedermann in Ehren; laßt die Furcht Gottes in euch wohnen; erweiset dem Röntge alle Ehren; gehorchet mit Furcht euern Gebiethern ; und nicht Z74 Religion. nicht allein denen, die gut und bescheiden find, sondern auch jenen, die voll Fehler stecken. Sagen Sie hernach, Verfasser des gesellschaftlichen Vertrages sagen Sie, dasChristemhnmseyim Grunde ;um dauerhaften Bestände des Staates mehr schädlich, als nützlich ; es sty in den christlichen Staaten aller guten Po, lizey der weg versperret. Der Verfasser Emils wird Ihnen dagegen antworten: * Unsere heutigen Regierungen haben ihre dauerhaftere Gewalt. und ihre seltsameren Zerrüttungen, unstreitig dem Christemhume zu danken; dieses hat sie weniger blutgierig gemachet; es hat den christlichen Sitten mehr Sanfrmuth eingefiößer; u. s. w. Rousseau ! Sie kennen den Verfasser dieser beyden Werke, die in den Meymmgen, welche sie behaupten, so widersprechend sind. Fünfte Anmerkung. Das Chr istenkhum leget den Menschen widersprechende Pflichten auf, da es ihnen zweyer- ley Gesetze, zwcy Oberhäupter, zwey vaterlande giebt. Dießmal, o Rousseau! übersteigen Sie durch Ihre schönen Entdeckungen Ihre eigenen Kräfte! Sie haben bann zwischen der Religion Jesu Christi und der Gewalt des Regenten widersprechende Dinge gefunden? Theilen Sie uns doch diese sonderbaren Entdeckungen mit. Zeigen Sie uns jene Punkte an, wo die Religion und die oberkeitlich; Gewalt einander ini Wege stehen. Wir wissen wohl, Laß Diokletian, Dccius, Nero fähig gewesen sind, Verordnungen herauszu- geben, weiche den Geborhen Jesu Christi zuwider waren. Aber möchten Sie fodern, daß man ihre Verordnungen für gültig anschui, und verbunden seyn sollte, ihnen Folge zu leisten? Möchten Sie diese Regentenden unftigen als Vorbilder ausstcllen ? Sre » z. Band. 18;. Seit. Religion. 275 Sie sagen, daß diese Religion den Menschen zwey Vaterland? gebe. Ader darinnen kömmt sie mit allen ander« , Religionen Übereins. Das zwcyte Vaterland der Christen ist der Himmel, den sie verdienen können, und welchen sie hoffen: es ist das selige Leben, welches den Tugenden zur Belohnung zugesichert ist. Nun, alle übrige Religionen, die jüdische, die mahometanifchs, sogar die heydnische ha, den auf gleiche Weise den rugendsamen Menschen jenes selige Leben verheißen: die natürliche Religion verspricht es eben so wohl: Sie lassen es Ihren Emil hoffen: und eben in diesem Kapitel ^ sehen Sie unter die Lehrsätze Ihrer bürgerlichen Religion, das zukünftige Leben, die Glückseligkeit der Gerechten, die Strafen der Gottlosen. Warum verdam, men Sie im Christenthume, was Sie doch selber gelten las, sen müssen? Diese Religion giebt den Menschen zwey Oberhäupter. Aber sie giebt nicht der Gesellschaft zwey Oberhäupter. Im Gegensätze schreibt sie die Ehrerbiethung, die Unterrhänig. keit, und den vollkommensten Gehorsam gegen alle Oberhäup, ler der verschiedenen Gesellschaften vor. Sie hat ein beson, dcres Oberhaupt in geistlrchenDingen, in Gewiffenssachen, in allem, was den Gottesdienst und die Glaubenslehre betriff. Dieses ist sehr weise; aber es thur der bürgerlichen Ordnung keinen Abtrag, welche das Oberhaupt der Gesellschaft einzuführen für rathsam achtet. Diese Religion giebt den Menschen zweyerley Geseye. Es ist wahr: wir erkennen zweyerley Gesetze; die bürgerlichen und die geistlichen. Sie haben beyde ihren Grund, ihr z?6 Religion. ihr Ansehen, ihren Gegenstand: aber sie streiken nicht gegen einander; sie widersprechen sich einander nicht. Die bürgerlichen Gesetze sind bestimmet, die Rechte und Pflichten der Bürger zu ordnen; die geistlichen, um die Rechte und Pflichten des Gomsdiensts und des Gewissen- emzurrchten. Die bürgerlichen Gesetze haben die gute Ordnung im gegenwärtigen Staate; dis geistlichen haben die Versicherung der Seligkeit im zukünftigen Leben, zu ihrem Gegenstände. Die bürgerlichen Gesetze sind aufdas skerkeü, liche Ansehen gegründet; die geistlichen Gesetze haben das Am sehen Jesu Christi sechsten zuin Grunde, welchen alle Christen für den Sohn Gottes, den König aller Könige, den erster, Gebiechcr aller Menschen erkennen. Er saget uns, * man solle jenen für einen Heyden und publikancn halten, der die Rirche nicht höret. Er saget zum heiligen Peter, ** was er auf Erden binden oder lösen werde, das werde auch im Himmel gebunden oder gelöstst ftyn. Er machet durch den Mund des heiligen Pauls bekannt,^ daß es den Bischöfen zustehe, die Rieche Gottes zu regieren. Also streiten diesezweyerley Gesetze nicht gegeneinander; sie widersprechen sich einander nicht. Wenn die Kirche eine Fastenzeit, Fasttage, Zierlichkeiten , Kirchengebräuche, Csreinonien einschet; so chm die>es den bürgerlichen Gesetzen nicht den geringsten Abtrag. Die größesten Fürsten machen sich eine Pflicht daraus, diese Verordnungen in Ehren zu halten. Wenn das Bürgerliche und Las Geistliche manchesmal in einem Gegenstände zusam- mentrtjfen , so gehr dort die Oberkeit zu beyden Seiten ein« mülhig zu Werke. Und man muß jenes gekünstelte Bestreben , zweyerley Gesetze gegen einander zu stellen, gegen die geist, « Matth. XVIII. " Ebend. xvi. ' ApostelZesth. XX. « >r»«r , N izO Di^ ,O d?r'!lg!ötl. 37^7 gsistlicheu Gesetze Verdacht, Eifersucht, Geringschätzung zu erwecken, dieselben für einen gewaltigen Despotismus auszu- sireuen, sür eine Wirkung der philosophischen Bosheit anse< hen; einer Bosheit, die keine andere Grundursache, als den Hochmuth, die Freydenkerey, und die Gottlosigkeit, hak. Sechste Anmerkung. Der staatökundige Schriftsteller belustiget sich nachmals , da er die evangelisch^ Vollkommen, heit, und Leute, welche sich bestreben wollten, sie in ihrem Wandel und in ihren Grsiummgen auszuüben, lächerlich machen will. Ec stellet die Christen, nur als Bürger ohne Seelen, und als lächerliche Maschinen vor, da doch Jesus 'Christus verlange:, Laß sie die Einfalt der Taube mit der Klugheit der Schlange vereinbaren sollen, weiches das Meisterstück der Weisheit und der Tugend ausmachet. Wir würdigen uns nicht, auf diese üöelstandige Spottreden zu antworten. Wir genügen uns, diesen Mann gegen sich selbst zu halten. Er scherzet hier über die evangelische Vollkommenheit; und in seinem Emil ruft er, voll Verwunderung , und in einer Art von göttlicher Begeisterung, auf, da er von dem Urheber des Evangeliums redet: Welche Sanftmuth, welche Reinigkeit in seinen Sitten ! welche rührende Anmurh in seinen Unterweisungen! welche Erhabenheit in seinen Grundsätzen! welche einsichtvolle Weisheit in seinen Reden! wo hatte Jesus diese erhabene und reine Sittenlehre hcrgenommen, wovon er allein den Umerricht und das Beispiel gab ? Also wechseln, verändern, bejahen und verneinen, wi, versprechen sich, strafen sich selbst Lügen, jene Männer, welche für die Weisen der Welk gelten möchten, und die man uns für die Lichter des menschlichen Geschlechtes anzugeben sich Mauel l Aas VII!. 378 Religion. VIII. Wir wollen hier nicht alles erzählen, was der philosophische Kriegsmann wider die christliche Religion in seinem zwey- ten Kapitel saget, wo er die Ursachen anführen will, um derentwillen er vom Glauben abgefallen ist. Was immer die Wurh dem rasendsten Mameluken eingeben kann, das speyt er heraus. Falschheiten, Verleumdungen, schimpfliche Reden, anstößige Beschuldigungen, GotteSlästrungen, Göttin sigkeiten von jeder Art: alles muß ihm gelten. Er verscho» net nichts; er hält nichts in Ehren; er geht, mit Hülfe feiner Philosophie, über alle Wohlständigkeit, Gebührlich- keit, und Ehrbarkeit weg. Er redet, wie ein Verdammter unter den höllischen Quaalen reden würde, welcher erkennet , daß er für Gott erschaffen war, und welcher sich durch die ganze Last der göttlichen Gerechtigkeit und des göttlichen Zornes verdrücket fühlet. Wir wollen diese Gräuel nicht wiederholen. Die Tollsüchtigen , welche es aushalren könnten, sie zu durchlesen, wären nicht aufgelegt, aus den Antworten Nuhen zu ziehen, wodurch wir sie zu widerlegen im Stande wären: die am dern würden sich allzu sehr darüber ärgern. W sz § Ai kr lei i«Z r» ! ««! ! Kl XXXVlll. j Z7V XXXVIII. h- S a l o m o n. «Itz E'>» kann von Galomon, dem Sohne Davids und >»G Könige von Israel, sagen, daß er ein Mann gewer rrh? sen ist, der einzig war; ein Mann, weicher, durch die M Vereinigung der höchsten Weisheit mit den schandbarsten ZL Ausschweifungen, das Wunder der Welt gewesen ist, und H bis an das Ende der Zeiten seyn wird. Er bestieg den Thron lß mit zwanzig Jahren, und herrschet- vierzig Jahre lang. >W Während der ersten zwanzig Jahre seines Reiches zeigte ,, alles an ihm den großen Mann , und den großen König, ch Die Weisheit seiner Regierung, die Herrlichkeit seiner Geil ^ bäude, die majestätische Pracht, die er in seinen Palästen, und im Dienste des GottshauseS einführte, die erstaunliche Fruchtbarkeit seines Verstandes, womit er alle Gegenstände M der Naturgeschichte, und alles , was die Weltweisheit und die Sittenlehre angeht, behandelte: all dieses schte die Welt jch«, in Erstaunen, und stellte die Wahrheit jenes Ausspruchs ^ des Herrn in das Helleste Licht, asß er zu Salomon sag, te, daß er an Weisheit, Verstände, Reichrhum, und Ehre alle Könige der Welt übertreffen werde, die vor ihm gelebet haben, und daß ihm keiner gleich kommen sollte, die nach ihm folgen werden. Was aber noch mehr befremden und in die Augen fallen muß, ist dieses, daß man an eben diesem Fürsten, nach eitler so berühmten, so weisen, so glorwürdigen Regierung ! von zwanzig Jahren, nichts mehr, als den vernunftlosesten l Menschen , den hartherzigsten Gebiether, den lasterhaftesten I ^d verächtlichsten Schwelger, gewahr wird. Die Z8o Sülomon. Die Weiberliebe veränderte seine Weisheit in Thorheit - sie löschte alle seine Beleuchtungen aus ; sie verderbte sein Herz. Von derselben Zeit an, kannte seine Leidenschaft weder Schranken, noch Anstand mehr. Seine Paläste wurden mir Weibern angefüllet, die größesten Theils abgöttisch wa, reu; sieben hundert nannte man Königinnen ; drey hrwdert andere wurden nur Beyschläftrinnen geheißen : seine Blindheit gieng soweit, daß erden lächerlichen Gottheiten, die sie anberheten, Tempel auftia-cen ließ, und Rauchwerkr opferte. Uncrachret seiner uuermessenen Retchrhümer, beschwerte er seine Umerthanen mir Auflagen: seine Härcigkeit gab zu Empörungen Anlaß. Er war die Liebe seines Volkes , als er den Thron bestieg; zwanzig Jahre lang machte er ihre Bewunderung, ihre Seligkeit aus; durch seine übrige Regierung wurde er ihre Plage, und starb, als er sechs- zig Jahr alt war, ohne viel berrauret zu werden. Wir haben von den Schriften Salomons nichts weiter übrig, als das Buch der Sprüchwörter, den Prediger, das hohe Lied, und das Buch der Weisheit; und die Hebräer und Christen haben allezeit alle diese Werke in die Reihe der göttlichen Bü, cher gesehet. Wenn wir den Herrn Philosophen glauben, so ist alles, was uns die Schrift von der Herrlichkeit, dem Reichihume, und der Ehre Salomons saget, nur eine Sammlung fabelhafter und ungereimter Dinge, wovon die Vernunft die Falschheit und Unmöglichkeit entdecket. Die Werke, die mit Salomons Namen bezeichnet sind, sagen sie, hat man für gut gehalten , weil man geglaubet hat, daß sie von einem Röntge wären, und weil dieser Rönig für den weisesten aller Menschen gegolten hat. Aber sie sino eitel Sammlungen niederträchtiger und pöbelhafter Grundsätze, «ft «tz»! .pl! zK- ß!« ß Salomo». z8i ye, oder ungesittete Anweisungen zu Liebeshändeln, oder Vernunftschlüsse und Sprüche eines epikurischen Philosophen. Laßt uns sehen, ob man nicht Grundes ge- nug hätte, ihr Unheil zu verwerfen. I. * Das erste Buch der Röntge saget, Bethsabee habe vom David crbethen. -aß er ihren Sohn Salomon, anstatt seines ältften Sohnes Adonias, krönen ließ. Es ist kein Wunder, daß eine Frau , welche an dem Tode ihres ersten Mannes mitschuldig war, Arglist genug besaß , um der Frucht ihres Ehebruchs nim Erbreiche zu verhelfen. sk Ich denke, eö ist vernünftiger, wenn inan die gräulichen Falschheiten, welche hier der Verfasser des Handlexikons auf die Bahne bringt, seiner häßlichen Seele, als der Unwissenheit zuschreibt. Er wird deßhalben nicht weniger verächtlich , aber noch hassenswürdigcr seyn. 1. Es ist eine Falschheit, daß im ersten Buche der Könige stehe, was hier der Verlänmder behaupten will. Es wird in diesem ganzen ersten Buche von Bethsabeen und Salomon kein Wort geredet; und es konnte kein Wort davon geredet werden : denn dort werden nur Dinge erzählet,, welche sich begeben hatten, ehe David auf dem Throne war und er nahm Bethsabeen erst zur Ehe, nachdem er zwanzig Jahre gehecrschet hatte. 2 . Es ist eine Falschheit, daß Bethsabee an dem Tode des Urias, ihres ersten Mannes, mitschuldig gewesen fty: diese Abscheulichkeit ist von der Erfindung unsers Schrift« jteliech. * Phil. Handlexik. Z82 Salomon. stellerS. Die Schrift saget nicht allein kein einzig Wort da, von; sondern man muß gerade den Gegensaß schließen wenn man sie mit etwas Aufmerksamkeit liest. Es ist eine Falschheit, daß Salomon die Frucht von dem Ehebruch Davids mit Bethsabeen gewesen sey: denn das Kind, welches von dieser ersten Beywohnung erzeugt worden war, starb eine kurze Weile nach seiner Geburt ; und Salomon kam erst zwey Jahre, nachdem David Bethsabeen zu seiner rechtmäßigen Ehefrau gemacht hatte, auf die Welk. Man hat zur Spörrerey und zur Verleumdung ein Vieles voraus, wenn man weder den Wohlstand, noch die Wahrheit in Ehren hält. II. Adoniao, welcher um Salomons willen vom Throne ausgeschlossen war, verlangte keine andere Gnade, als daß er ihm erlauben möchte, Abisag zur Ehe zu nehmen, jenes junge Mägdchen, das man dem David zugegeben hatte, um ihn in seinem Alter zu erwärmen. Die Schrift saget nicht, ob Salomon dem Adonias diese Beyschläferinn seines Vaters streitig machete: aber sie saget, daß ihn Salomon auf dieses einzige Begehren ermorden ließ. Vermuthlich hat ihm Gott, welcher ihm den Geist der Weisheit gab, dortmals den Geist der Ae» rechtigkeit und der Menschlichkeit entzogen. * » * . Er fährt mit Verleumdungen und Abscheulichkeien fort. Adonias ist nicht um Salomons willen, sondern auf den ausdrücklichen Befehl des Herrn vom Throne ausgeschlossen worden. Der Herr, Gott Israels, saget David mich ' i. D. der Chronik, xxvill. dm «Z h«, ich h -dlis !>tts« m« «h> «A >!»I^ ,ß^ ß>! Salomon. ' z8z mich vor allen aus meinem Hause erwählet, über Israel zu herrschen: und unter meinen Söhnen, — denn er hat mir eine große Men ge gegeben, — har er meinen Sohn Salomon erwählet, um auf dem Throne meine Stelle zu ersetzen: und als man diesem Fürsten hintrrbrachte, daß Adonias sich habe zum Könige ausruftn lassen, gab er alsbald Befehle, man solle seinen Sohn Salomon nach Gihon führen; man solle ihn dort zun, Könige von Israel salben und krönen, und in den Palast zu^ückbringen, wo David Men der Erste war, der ihn als neuen König erkanme. Der herrschsüchtige Adonias hatte sich immer geschmäu. chelt, den Thron zu besteigen, weil er der ältste aus Davids Söhnen war. Er hatte sich Leibwachen zn Fuße und zu Pferde aufgerichtet; er hatte den Feidhsrrn Ioab, den hohen Priester Abiathar, und andere Hofleute die Men, "ge aufseine Seite gezogen; er hatte sich sogar, beyLebzeiten seines Vaters, zum Könige aueruftu lassen, wie wir gesaget haben. Als aber David den Salomon hatte salben und krönen lassen, flüchtete sich der unglückliche Adonias zum Altäre, und ließ den neuen König büren, daß er ihm das Leben schenken möchte, welcher es ihm mir derBedin, gung zugestand, daß er sich in der Folge bescheiden auffüh, rm wollte. Unterdessen blieb er beständig unruhig und mis, vergnügr, und ließ sogar Lurch Bethsabeen Abisag zur Ehe begehren. Salomon, der seine Anschläge einsah, sprach zur Königinn, seiner Mütter: „ Wie getrauest du dich, „ Abisag für Adonias zur Ehe zu begehren? Begehre nur „ auch die Krone für ihn. Er ist mein ältsier Bruder; er „ hat schon den hohen Priester Abiathar, und den Feld» Herrn Ioab auf seiner Seite. Durch dieses unbescheidene Begehren hat Adonias sich selbst das Urtheil gesprochen „. Der 384 Salomon. Der König verdammte ihn wirklich zum Tode, und trug dem Hauptmanne seiner Leibwache auf, dieses Unheil selbst auf der Stelle zu vollziehen. Wenn es etwas strenge war, so hat es Adonias über sich gezogen, und wohl verdienet. Der Ausdruck: ermorden, welchen hier der Verfasser brauchet, und so oft, und so gern wiederholet, zeiget, daß er manchesmal die Wörter ein Bißchen im falschen Verstände sehet. III. Es heißtim nämlichen Buche der Röntge, daß Salomon über ein großes Rönigreich zu gebiethen hatte, welches sich vom Euphrates bis zum rochen und zum mittelländischen Meere erstreckte. Aber zum Unglücke heißt es zugleich, daß der Rönig von Aegypten das Land Gazcr in Ranaan erobert, und die Stadt G«;er feiner Tochter zum Brautschatze gegeben habe, welche mit Sa- lomon getrauet worden seyn soll. Es heißt, das; zu Damaskus ein Rönig gewesen sey. Die Bönigreiche von Grdon und Tyrus waren dortmals in ihrer Blühte; u. s. w. Man muß gestehen: unser Gegner ist nicht geschickt zum Lügen. Es heißt in; zweyten Buche der Chronike, daß stch die Macht Salsmons über alle Könige, vom Euphrates bis an bas Land der philistäer und bis an die Gränzen Aegyptens, erstrecket habe. * Lxercuit etiam poteststem üiper cunÄ08 keZes, u üumins Lupstrute uique sci tsrram stüiMmorum A ulque uä term;no 8 L" dritten Buche der Könige steht es, daß ihm diese Königs che Gaben brachten, und dienstbar waren: dies ist, das s- ,,!« 'kl ««! B ft- sio! U Ä in! lii> k! k ;c !- 8 L til >< 2. B der Chronik. IX. Salomsn. ?8s sie ihm den Tribut zahleten: und dabey ist nichts, worüber man erstaunen sollte; denn dieses war eine nochwendige Folge der Siege seines Vorfahrs. David hat in der That die Moabite» bezwungen, und ihnen einen Tribut auferleget: * Kt perculsit Noab, 5a6uichus eli Oaviä 5er- viens 5ub tributo. Er besiegte den König von Syrien, Adarezer , als er auszog, um sein Geblech bis an den Eu- phrakes auszubreiten;Kz percullic ^clare^er, czuanclcr psoteüuseii, ut (lominaretur tuper üumen Lupsira- tew- Er schlug die Syrier von Damascuo; er warf eine Bcsahung in alle ihre Städte, und zwang sie, dem Reiche Israels steuerbar zu werden: ^ ^ p°5Lulsit Oavici c!s 8yria vlAluti äuo millia virorum, L po5uir praesieilum m8yrisOamÄ5ci; snÄnczue 8viia Oaviä servieng 5u8 tributo. Er trieb alle Macht der Könige aus Syrien in die Flucht, weiche, mit einer erstaunlichen Rmterey und einer unsäglichen Menge Fußvolkes, den Ammonitern zu Hülse gekommen waren. Viclenteg sritem uuiver- si KeZes (8yrorum) 5e victos ells ab Israel, expa- verunt, öc 5u§eruut (suinguaZiuta A oclo millia, L 5e- cerunt pacenr cum Israel. Lc lervierunt eis. Es ist dann nicht wider die Wahrheit, wenn man saget, daß die Macht Salsmons, vom Euphrates bis an die Gränzm Aegyptens, sich erstrecket habe. Das ist wider die Wahrheit, wenn man behauptet, daß die Schrift sage, die Staaken Salomons haben sich vom Euphrates bis zum rochen und zum mittelländischen Meere erstrecket. Sein Reich, eigentlich zu reden, begriff nur palästiuen in sich; aber ' 2. N. der Rön. VNI.- Ebend. z. Ebsnd. S. "" Ebcud. X. n. Land. V b 386 Salomon. aber seine Macht breitete sich viel weiter aus, als sein Reich sich erstreckte. Es ist wieder ein neuer Bock zu sagen, daß die König» reiche Sidon und Lyrus dortmals in ihrer Blühte waren. Tyrus und Sidon machte nur ein einziges, und sehr kleines Königreich aus, wie man es aus den Briefen Salomons an den König von Tyrus sieht. Das Land Gazer in Lha» naan ist nicht bekannt. Es heißt allein, daß der König Aegyptens eine Stadt dieses Namens eroberte, die von den Lhananaern bewohnet war, und daß er sie seiner Tochter, der Braut Salomons, zum Brautschaße gab« Aber es steht nicht dabey, in welchem Lande diese Stadt gelegen war, dre vermmhlich von flüchtigen Lhananäern mag bevölkert worden scyn. IV. Saul, der Anfangs nur zrvey Schwerter in seinen Staaten besaß , hatte bald ein Rriegsheer von drey hun, dert dreyßig tausend Männern auf den Beinen. Niemals hat der türkische Sultan so zahlreiche Rrtegsheere gehabt. Ls waren Leute genug , die ganze Welt zu erobern. Diese schönen Widersprüche scheinen aller Vernunft zu widerstreben. * * * Die einzige Stadt Thebe in Aegypten, die hundert Thore hatte, konnte, nachdem Berichte des pomponius Mela, durch jedes ihrer Thore zu gleicher Zeit zehn tausend streitbare Männer, das ist, ein Kriegsheer von einer Million Köpfe, ausrücken lassen. Niemals hat der türkische Sultan, der ganz Aegypten, einen schönen Theil Asiens, Euro, Salomori. Z87 Luropens, und Afrikens in seiner Gewalt hak, sozahlrei, che Kriegsheere gehabt. Was für eine Schwachheit ist es, so entfernte Zeiten und so verschiedene Gebräuche also gegen einander zu halten ! Wußte mau dortmals von Regimentern, von halben Schaa, ren, von Geschwadern etwas? Man verkündigte demVol- ke, daß es die Waffen ergreifen sollte: und wer immer Waffen zu tragen im Stande war, der ergriff sie. Man theilre diese Leute in verschiedene Haufen, unter verschiedene Befehlshaber ab. Die Kriegsübungkunst war noch wenig bekannt. Die Griechen und Römer haben sie erliche Jahrhunderte später erfunden. Was jenen Umstand von dem ersten Kriegsheere Sauls betrifft, wo man nur zwey Schwerter hatte, giebt uns die Schrift die Nachricht, und an der nämlichen Stelle die Ursache davon. * Es hatten nämlich die siegreichen philistäer die Israeliten entwaffnet, und alle Eisenschmiede forrge« führen Wo sind jene schönen Widersprüche, welche der Doktor in der Schrift wahrgenommen haben will ? Man wird hier gewiß kernen finden, als zwischen seinen Anmerkungen und dem gesunden Verstände. Das Reichthum, welches David dem Salonion hin, terließ, ist noch viel unglaublicher. Er gab ihm an baarem Gelde hundert und drey tausend Talente Goldes, und eine Million und dreizehn tausend Talente Silbers» Lm Talent Goldes von den Hebräern ist ohngefähr sechs V. tausend . L. der Asn. xm. B b 2 388 Salomo». tausend Pfunde Sterling werth; ein Talent Silbers gilt fünf hundert Pfunde Sterling. Der ganze Belauf der Vermächtniß in baarem Gelds betrug also tausend ein hundert und neunzehn Millionen fünf mal hundert tau, send Pfunde Sterling, oder fünf und zwanzig tausend sechs hundert acht und vierzig Millionen französisches Geldes. Es hat dortmals in der ganzen Welt nicht so viel Haares Geld gegeben. * * * Man bewundere den Scharfsinn, die Einsicht, die Richtigkeit dieses vortrefflichen Klüglers, dieses großen Rechners. Er läßt das Talent Goldes von den Hebräern sechs tausend Pfunde Sterling, das ist, sechs tausend Louisd'or gelten. Sechs tausend Louisd'or wägen beynahe hundert Pfunde: das Talent Goldes bey den Hebräern mußte dann beynahe hundert Pfunde wägen. Wenn dieses ist, so muß er dann gestehen: ». Daß die Krone des Königs der Ammoniter, welche ihm David vom Haupte nahm, nachdem er ihn besieget hatte, und die er nachmals sechsten trug, über hundert Pfunde wog: denn sie wog ein Talent Goldes, ohne das Gewicht der Edelsteine zu rechnen, womit sie besehet war. * tulit üiuäems R.e§i8 eorum cie cupite ejus, pon- «Zo auri talentum, Ksben8 Zemmus pretiolilliims, impolitum est super cuput Ouvi'ä. Wäre hier nicht der Fall, wo man sagen könnte, eine Krone sey eine recht schwere Last, und wer sie tragen wollte, müsse einen guten Kopf haben? 2 . Muß er gestehen, daß zu der Verzierung der Bun, deslade, des Brodtisches, des großen Leuchters^ und etlicher Werk, * 2. S. der Aon. XII. Salomori. z89 Werkzeuge, welche in der Wüste zum Gottesdienste gebrauchet wurden, mehr als für vier Millionen Gold angewendet worden sey: ^ Omne surum, quock expensum est in opere sgnÄusrii, viAinti novem talenrorum kuit L septingentorum triZents stclorum. Die Bundeslade war ein Kaste von Setimholze, zween und einen halben Ellbogen lang, der von innen und von außen mit Golde bede, cket war. Er enthielt die Tafeln des Gesetzes, u. d.g. Daß dreyßig Zentner, oder drey tausend Pfunde Goldes zu diesen Stücken allein gebrauchet worden seyn, würde unser fertiger Rechner hart beweisen können. Außerdem, wie hakten zween Stöcke, oder zwo kleine Tragstangen von Seümholze, welche dienen mußten, die Bundeslade zu tragen, genüg, lich seyn können, eine so schwere Last zu halten? Vermmh, lich hat unser Rechner auf all dieses nicht Acht gehabt. z. Muß er gestehen, daß die Königin« Saba, außer einer unermessenen Menge Rauchwerke und kostbarer Edelsteine, dem Salomon noch mehr als stebenzehn Millionen an Golde geschenket habe; denn sie gab ihin hundert und zwanzig Talente Goldes: ** Deckst erZo KeZi centum viMnti talents nuri» A aromnts mustn mmst» L Zem- M 38 pretiosag. Wohl eine höfliche und freygebige Prrn, zessinn! Man würde heut zu Tage nicht ihres Gleichen finden. Gleichwohl war sie nur über einen Theil von Arabien Königin«; obschon sie andere zu einer Königin« von Aethio- pien machen. All dieses muß vermuthen lassen, daß die Rechnung un, sics Gegners gewaltig fehlerhaft sey. Er hätte alle diese Ungereimtheiten vermieden, wenn er beobachtet hätte, daß die Weise, ** D der Rs». X- Bb z ' 2.«. Mose«, xxxvm. 89 o Salomoti. Weise, nach kleinen Talemen zu rechnen, die gewöhnlichste war; welches gleich einen großen Nachlaß bey seiner Rech, nung machet: er hatte begriffen, daß David dem Salomo» in der That unsägliche Schatze hinterlassen mußte, weil die. ser Fürst, in vierzig Jahren seiner Regierung, und bey immerwährenden Siegen über sehr reiche Nachbarn, alles Gold, das er gesammelt hatte, beständig auf die Seite legte, und allein zur Erbauung des Tempels bestimmte, welchen er Gocte zu errichten beschlossen hatte. Auf diese Weise und nach diesen Anmerkungen wird man alles, was von den Flotten aus Ophir gesagek wird, vernünftig erklären. VI. B« Zi« !« Man brauchte täglich in seinem Hause zum Mittag- und zum Nachtmahle fünfzig Ochsen, und hundert Hammel, und Federvieh und wildprett nach Maaßgabe, welches sich auf sechezig tausend Pfunde Fleisches belaufen mochte. Es heißt ferner, er Habs vierzig tausend Ställe, und eben so viele Häuser für seine Rriegsrvä- gen, aber nur zwölf tausend Ställe für seine Reulerey gehabt, wägen genug für ein bergigtes Land, und Rüstung genug für einen Rönig, dessen Vorfahr nicht mehr, als ein Maulthier, bey seiner Rrönung hatte, und für ein Erdreich, welches nichts, als Esel, nährett. Sollte man nicht diese Anmerkungen für Scherze eines Possenreißers halten? Ein Possenreißer will nur den Pöbel lachen machen. Er bekümmert sich wenig uni Vernunft oder Wahrheit. Aber denket wohl unser Philosoph viel besser darauf? I» Salomon. Z9i In dem gewöhnlichen Aufwands für das Haus Salonions sehet er täglich fünfzig Ochsen an; es sind nur zwanzig mehr, als in der heiligen Schrift angezeiget werden. Er vermnthet, daß diese Ochsen, nebst hundert Hammeln und dem Federviehe und Wilkprette, ohngefähr sechszig Zentner Fleisches ausmacheten. Es mußten dann die Ochsen und Hammel von einer schönen Größe gewesen seyn. Er hätte zum wenigsten einen Fleischer zu Rathe ziehen sollen, eh er seine Rechnung machete. Er vermnthet, ein Fürst, welcher beynahe vierzig Jahre lang gegen die Syrier, Morgenländer, und Araber Krieg geführet hatte, diebeständig viele Remer hielten, habe selbe sten bey seiner Krönung nicht mehr, als ein Maulthier, gehabt, und sein Land habe nichts, als Esel, genähret, wenn gleich alle benachbarten Länder sehr schöne und sehr gute Pferde zogen. Aber er saget uns nicht, wo er alle diese wichtigen geheimen Nachrichten hergeholet habe. Er wird uns dann erlauben, sie zu verwerfen, bis er uns einige Beweise davon beygrbracht haben mag. Unterdessen weisen wir ihn an das achte Kapitel des zweyten Buchs der Könige, wo von der Reuterey der Hebräer genug geredet wird; wie auch an mehrere andere Stellen, und sogar an die Geschichte des ersten Fürsten, der bey ihnen regieret hat. Den Schnitzer, welchen er machet, da er vierzig tausend Ställe anstatt vierzig tausend Pferde setzet, muß man ihm verzeihen. Er versteht weder die morgenländischen Sprachen, noch die Eigenschaften dieser Sprachen. Aber er hätte die Übersetzungen nachschlagen können: dort würde er gefunden haben, daß es ausdrücklich angedeutet wird, Salomen habe vierzig tausend Pferde in seinen Ställen, und Zwölf tausend Männer für seine Reuterey und für seine Bb 4 wägen 892 Salomo», wägen gehabt, welche er in die Städte, die dazu bestinu met waren, und nach Jerusalem verlegte, wo der rüg seinen Thconsty hatte: * Nabuit cjuoque 8z1omoa c^uaöraZints miüia equoi um in stadulig, L curruum equitumcjus üuoöscim mrlUg, conMuityue eos m urbibub cjuaäriZsrum, L, ubi erst l^ex, in ^erulglsin. VII. was den Tempel betrifft, welchen er bauen liest, und den die Juden für das schönste Gebäude der ganzen Welt gehalten harten, wenn ihn Bramantes, Michel Am geio, und Palladion gesehen hätten, so würden sie ihn nicht bewundert haben/ Er war eine Art kleiner Festung ins Viereck, welche einen Hof einschlosz, und in diesem Hofe stand ein Gebäude von vierzig Ellbogen, und ein anderes von zwanzig in der Länge. Es heißt nun, daß dieses zweyte Gebäude, welches eigentlich der Tempel, das Orakel , das Heiligthrrnr war, zwanzig Ellbogen in der Breite, wie in der Länge, und zwanzig in der Höhe hatte. Es ist kein Baumeister in Luropen, der nicht ein solches Gebäude für ein Denkmaal der Barbar» Hab ten würde. * » * Dieser Mann redet von der Baukunst, wie ein Blinder von den Farben reden möchte. Wenn er die vortrefflichen Werke * 2. D. der Chronik, rx. Bramantes^ von Urbino, ein künstlicher Baumeister i» Italien, starb zu Rom 1514. Michel Angelo) Buonaruotk, ein trefflicher Maler , Bildhauer, und Baumeister aus einem gräfliche» Haust, im sechszehnteu Jahrhunde te. palladie) Andreas, ein gelehrter Baumeister ven Vicenzen, s«b üek Bücher »sn der Bankrwst 1572 heraus. Salomon. 39Z Werke Viteuvs und des Palladro, und ihre Anmerkungen Ger die Tempel kannte, würde er sich nicht entehren, da er den berühmten Tempel Salomono ein Denkmaai der Bar» harn nennet ? Dieser Tempel, welcher zu allen Zeiten und bey allen Völkern berühmt gewesen ist , war in drey Tcheile getheiltt: in die Halle oder den Vorsaal; in das, was eigentlich Tem- pel hieß; und in das Heilrgchnm. Der Vorsaal überrraf unriidlrch an Schönheit alle Hallen oder Versänken der römi, shen Tempel, wovon uns Vitruv die Beschreibung giebt. Dieser Vorsaal gieng durch die ganze Breite des Tempels, und war halb so tief, als er breit war. Er ist hauptsächLrch zur Vorbereitung und Schlachtung der meisten Opfer besinn« met gewesen. Das, was eigentlich Tempel hieß, stellte einen Raum vom schönsten Ebemnaaße vor: denn er harre in der Länge soviel, als doppelt feine Breite war, und in der Höhe einen vierten Theil weniger, als er in der Länge harre. Zn diesem schönen Raume versammelte man sich zum Gedeihe und zum Gesänge. Das Heüigrhum war ein prächtiger Saal ins Viereck, worinnen man die BunLeölade, und alles, was die Religion der Juden für heilig und kostbar hielt, ausiewahrte. Der Boden und die Wände waren nur Gold- schienen ganz bedecket, die mit geschnittner und gestochener Arbeit reich verzieret waren. Galomon, welcher alle Sänger, Spielmänner, Pförtner, Wachen, Opferer, Priester, die immer zum Dienste dieses heiligen Ortes bestimmet waren, und alle Bediente und Wsrkleuie, die man wechselsweise brauchen mußte, um den Tempel herum wohnen lassen wollte, ließ erstlich einen erstaunlichen Umkreis von Gebäuden zu mehrern Stockwerken für ihre Wohnungen aufführen. In der Mitte die» Bb s sss 394 Salomon. ses Platzes, und in der vornehmsten Ansicht dieses Umkreises wurde der Tempel errichtet. Er halte zur Baulage den erhabensten Orr von Jerusalem gewählet, damit dieses herrliche Gebäude von allen Seiten gesehen werden könnte, und damit es scheinen möchte, daß das Haus des Herrn über all sein Volk erhaben sey. Apollodor gab, Ms hundert Jahre danach, Adrianen eben diesen Rach, um die Baustelle für einen prächtigen Tempel zu wähle», den dieser Kaiser zu Rom aufführen lassen wollte. ^ «i! xF ! b Hundert achtzig tausend Hebräer, ohne von den fremden Arbeitern zu reden, welche Salomon noch aufnahm, wurden durch mehrere Jahre angestellet, den Bauvorrarh zu diesem Gebäude zu bereiten, dasselbe anfzmichten, und zu seiner Vollkommenheit zu bringen. Es wurde auf eine ss ; dauerhafte Art aufgebauer, wie der Geschichteschreiber Joseph bemerket*, daß es schien, als müßte es so lange, als die Welt, dauren. Abcr es wurde, nach vier hundert und stebeuzig Jahren, von Nabuchodonosor verbrannt und gänzlich zerstöret. Achtzig Jahre danach, wurde es von Zorobabel wieder aufgerichm: aber dieser zweyte Tempel kam an Schönheit und Reichrhume dem ersten nicht gleich. . Herodes unternahm cs, ihm sein voriges Ansehen wieder zu geben, und zu ersetzen, was noch fehlste, um die Pracht Salomons zu erreichen. Endlich eilf hundert dreyßig Jahre, nachdem Salomon den Bau davon angefangen hatte, wurde er in Aschen verkehret, und nicht mehr j aufgebauet **. Er war, saget der. Geschichtsschreiber Io- > seph, *** sowohl wegen seiner Größe, seiner Pracht, j und ! * Iüd. Altert!) 8. D. 2 . Rap. *' Ebend. B. -q. Aap. » ' vom jüd. Arrege. 7 . v. io. Aap. Salomos Z95 rind seinem Reichthume , als WEN- der Stärke und Dauerhaftigkeit seiner Bauart, das vortrefflichste Gebäude, das man sehen konnte, und wovon man jemals gehöret haben mag. Was soll man vom Verfasser des Handlexikons denken, welcher uns saget, daß man diesen Tempel für nichts anders , als für ein Denkmaal der Barbarn herrsch, ten konnte, und daß ihn Michel Angels und palladro nicht bewundert haben würden? MN XXXIX. I9§ XXXlX. c h i c k s a l. -»e KVHan findet im philosophischen Handlexikon einen Artikel vom Schicksale, wo der Verfasser alle Ausschweifun» gen, die Hobbes von diesem Gegenstände vorgetragen hat, ganz genau sammelt, und ganz treulich ausschreibt. Erb» mühet sich, sie Lurch die Zierlichkeiten seiner Schreibart zu verschönern , und er wiederholet sie mit einer Mine, die ve» muthen läßt, daß er zufrieden ist, so gut geschrieben zu haben. Man kann das System vom Schicksale für den stärk« sien Beweis der Blindheit des Heydenrhumes, der Aus« schweifung der alten Philosophen, und der groben Dumm» heit derjenigen betrachten, die ihnen Gehör gegeben haben. Das Schicksal war, nach ihrer Meynung, ein nothwrn» di,es Gesetz, ein ewiger Rarhschluß, welcher alles, was immer einem jeden begegnen sollte, unwiederruflich bestimmte und ordnete, und welchem dis Götter, wie die Men» schen, unterworfen waren. Es haben zwar mehrere gelehrte Heyden die ganze Ungereimtheit dieses Wahnes erkannt: Cicero scherzet nur darüber Ln seinem Buche Oekuto, wo er ausdrücklich saget, daß das Schicksal ein eitel Hange» spinnst sey: IHtj vi8 nulla eft. Ssmka streitet imzwey» ten Buche der Naturfragcn heftig dawider; und plutarch giebt in seiner Abhandlung von den Widersprüchen der Stoi« ker die ganze Albernheit davon zu erkennen. Dennoch will man diese Ungereimtheit heut zu Tage wie» der aufwärmen, und Lurch Vernunftschlüsse, Beyspiele, und Zeugnisse bestätigen. Man wird auf die Kraft dieser Be» weise, m W M, L iü ßz s» tir! iijW «!» P Zl-i üiN ! Schicksal. Z97 Meise, und auf die Stärke der Vernunftschlüsse aus dem folgenden Gespräche schließen können, welches ein Fatalist und ein Weiser mir einander führen. Der Fatalist wieder, Holetalles, was im philosophischen Handlexikon vorgetra, gen wird; und der Weise giebt ihm zu verstehen, wie schlecht all dieses geschloffen sey. Der Fatalist. Wie! Sielassen das System vom Schicksale nicht zu? Das giebt mir Wunder. Der weise. Und Sie nehmen es an? Das giebt mir noch weit mehv Wunder. Der Fatalist. Die Lehre vom Schicksale ist vieleicht die ällste, die man kennet: denn im ältesten aus allen Schriftstellern, im Homer, findet man die Spur und den Begriff davon; und dieses beweist, daß sie zu feiner Zeit sehr im Schwange gieng. D-e Pharisäer dey den Juden lehreteu sie gleicher Weise. Warum grebt es Ihnen so sehr Wunder, wenn sie die Philosophen annehmen? Der weise. Sachte, mein Herr! Sie machen schon Anfangs «neu s) starken Fehler wider die Zeitrechnung, daß man ihn rm« möglich hingehen lassen kann. Sie sagen, das älteste Buch, das wir haben, sey Hon,er; und Moses, von dem wir eben sowohl die Bücher haben, lebte beynahe sechshundert Jahre vor Homeren. Jener war rm Jahre der Welt 2464, und dieser im Jahre zoz 9 gebohren. Bessern Sie dann erstlich diesen Schnitzer aus. Was die Lehre der Pharisäer belanget, so verstehen Sie diese nicht besser, als die Zeitrechnung. Das Schicksal, welches Z98 Schicksal, welches sie zugelassen haben sollen, war nichts anders, als das unfehlbare Vorwissen Gottes, wie es die christlichen Gon tesqelehrten und Philosophen zulassen. Wenn der Geschich, teschreiber Joseph das Wort: Schicksal, gebrauchet hat, so geschah es, weil er für Griechen und Römer schrieb, die von diesem Vorwissen nichts verstanden. Was konnte wohl in der THat das Schicksal bey Lehrern seyn, wie die Pharisäer waren ? Sie ließen die Freyheit iin Menschen zu; sie gaben ihm die Vernunft zum Führer; sie erkannten Laster und Tugenden, Strafen und Belohnungen, und ein Gericht nach dem Tode; sie waren ungemein eifrig für die Religion, die Pflichten des Gottesdiensts, das Gn beth, und für alles, was uns von der Größe Gottes die erhabensten Begriffe geben kann. Also schildert uns der Geschichteschreiber Joseph die Phai risäer ab. * „ Ihre Lebensart ist ganz einfach „, saget er: „ sie kennen die Wohllüste des Lebens nicht. Sie weichen „ von dem niemals ab, was ihnen die Vernunft einmal „ entdecket hat. Sie erkennen ein Schicksal; doch so, daß „ der Mensch deßhalben frey ist. Gott , sagen sie, ordnet „ die Dinge also an, daß der Mensch allezeit seine Freyheil „ hat, um das Laster oder die Tugend zu wählen, wenn „ gleich allezeit alles nach den Absichten Gottes geschieht. ,, Sie glauben die Unsterblichkeit der Seele, ein Gericht „ nach dem Tode, ein Unheil, wie man es durch seine Tue „ gendsn oder seine Laster verdienet hak, ewige Peinen für „ die Gottlosen: und alles, was immer im Gottesdienste „ und im Gebelhe siyerlich ist, wirb nach ihrem Gutachten „ geordnet,,. Mein *2üö. Merth. iS. B. 2 . Rap. Schicksal. z-9 y Mein Herr! wollen Sie diese Leute für Fatalisten anse, her, ? oder würden Sie wohl selbst ein Fatalist seyn, wenn !tz sie alle Lehrsähe der Pharisäer zugäben? , Der Fatalist. ^ L Ein Philosoph ist ganz versichert, daß alles aus unver, änderlichen Geschen geschieht, daß alles geordnet ist, Laß al, leö eine nolhwendige Wirkung ftyn muß. Al Ks Mx, G >s^ !,S Der weise. >- Desto schlimmer für den Philosophen. Seine Versicherung gereichet seiner Vernunft zur schlechten Ehre. Der Fatalist. Entweder besteht die Welt aus ihren physischen Gesehen, aus ihrer eigenen Natur; oder ein höchstes Wesen har sie nach seinen höchsten Gesetzen gebildet. In beyden Fällen sind diese Gesetze unveränderlich; in beyden Fällen ist alles nothwendig. Die schweren Körper streben nach den. Mit- telpunkte der Erde, und können nicht nach Ruhe in der Luft streben. Die Birnbäume können nicht Ananas tragen; al» les ist geordnet, eingetheilr, begcänzet. Der Mensch kann nur eine gewisse Anzahl Zähne, Haare, Begriffe haben. Es kömmt eine Zeit, wo er nothwendig seine Zähne, seine Haare, seine Begriffe verliert. Der Weise. Der Misbrauch eines Ausdrucks machet den ganzen Grund ihres Trugschlusses aus; die Erklärung dieses Ausdrucks genüget, um ihn zu widerlegen. Alan erkläre nur das Wort: nothwendig; so enthält Ihre ganze Lehre nichts mehr, als rin lächerliches Wortspiel. Es Ananasz Eine Frucht aus Indien, die so groß als eine Melone, und zuckersüß ist. 4oo Schicksal. Es giebt Dinge, die aus unveränderlichen Gesehen no>h« wendig sind, von welchen Gesehen der Gebrauch und die Anwendung unserm Willen nicht unterworfen ist. Es giebr Dings, die aus unveränderlichen Gesehen nothwendig sind von denen die Anwendung und der Gebrauch nnsrm Wille» unkerworseu ist: Zwo Gattungen von Nothwendigkeit», die von einander ganz unterschieden sind. Also ist es, nach der Nothwendigkeit von der ersten Gattung, nochwendig, — wir mögen es wollen, oder nicht wollen , — daß die schweren Körper nach dem Mittelpunkt der Erde streben, und daß ein Körper, der mehr Dichtheit, als der flüßige Körper, hat, worein man ihn stürzet, zum Boden sinke. Also ist es, nach der Nothwendigkeit von der zweyten Gattung nothwendig, daß ein Mensch, der iin Zweykampfe einen Stoß in das Her; bekommen hae, daran sterbe. Aber es war nicht nothwendig, daß dieser Mensch den Zweykampf eiugieng; er hat gekämpftc, weil er es gewollt hat. Es war also nicht nothwendig , Laß dieser Mensch an einem Herzstoße stürbe. Endlich, wie misbrauchen Sie die Ausdrücke, da Sie sagen, das Schicksal der schweren Körper sey, daß sie nach der Erde streben; das Schicksal eines Birnbaumes sey, daß er keine Ananas trage l Haben jemals dis alten Fatalisten etwas so lächerliches auf die Bahne gebrach: ? Der Fatalist. Allein Gott machet nichts vergeblich: folglich ist alles «vthwmLig. Der weise. Es ist nicht nothwenürg,. daß ein Mensch eins gewisse Anzahl Zahne habe. Wenn er sich einen herausmße» läßt, «! W Ml k>! K W st ", »i «i 8 i Schicksal. 4c;i so ist er deßhalben dennoch ein Mensch, wie zuvor. Dec Zahn that ihm Dienste, so lang er gesund war: folglich war er weder vergeblich, noch nothwendig. Für Sie wäre es wohl nolhwendigchaß Sie ein Bißchen mehr Logik wüßten. Der Fatalist. Halten Sie nicht jene für schwachsinnige Tropfen, die etwa sagen: Mein Leibarzt har meiner Base aus einer tödlichen Krankheit geholfen; er hak ihr das Leben um zehn Jahre verlängert. Denn es ist klar: Die Base mußte noch, wendig um dieselbe Zeit eine gewisse Krankheit haben; der Leibarzt konnte nicht anderswo, als in der Stadt seyn, in welcher er war; die Base mußte ihn rufen lassen; und er mußte ihr die Brzneyen verschreiben, die sie gesund gemacht haben. Dec Arzt hat sonder Zweifel in diesem Stücke der Ordnung der Narur nicht widerstrebet; er hat ihr gesolgcc. Der Weise. Et), mein Herr! wie viele Krankheiten giebt es nicht, die nian nicht nochwendig haben müßte! Wie viele werden durch Unvorsichtigkeiten, Ausschweifungen, Schwelgereyen veranlasset, die man hätte vermeiden können ! Mancher stirbt an der Unverdanlichkeit, welcher noch lange gelebt hätr te, wenn er enthaltsamer gewesen wäre: mancher gehl zu Grunde, u. s. w. Der sich übel verheurachec hat, giebt sein Unglück nicht dem Schicksale, oder unveränderlichen und norhwcudigen Gesehen Schuld; er schlägt sich nur stlbsten vor die Stirne, und saget: Du hasts gewollt, Tölpel ! Fürwahr, er urrheilet besser, als der Fatalist. Was für unveränderliche Gesetze sind es, welche den Arzt an die Stadt hefteten? welche die Kranke verbanden, ihn rufen zu lassen? welche die Krankheit nvthweudig ma, U. Band. C c cheren? 422 Schicksal. cheten? Ist dieses nicht ein Kauderwälsch, worüber sich der Menschenverstand ärgern möchte ? Heißt es philosophisch dm, ken ? Nein; es heißt die Vernunft entehren, wenn man aljö redet. Der Fatalist. Ein Bauersmann glaubet, daß das Ohngefähr den Hagel auf sein Feld geworfen habe. Aber der Philosoph weiß, daß es kein Ohngefähr gisbt, und daß es bey der Beschaffenheit dieser Welt unmöglich war, daß nicht an diesem Tage der Hagel aufdiesen Orr fallen sollte. . Der weise. Sie lassen den Bauersmann sagen, was er nicht saget. Er sieht den Hagel nicht für eine Wirkung des OhngefährS, sondern für ein Unglück an; und er suchet nicht weiter. Er weiß in diesem Stücke so viel, als der Philosoph. Der Philosoph weiß nicht mehr davon, als er; aber er plaudert weit mehr. Der Fatalist. Aber wäre es nicht drolligt, wenn ein Theil der Welt geordnet wäre, und der andere nicht? wenn ein Theil von dem, was geschieht, geschehen müßte, und wenn ein anderer Theil von dem, was geschieht, nicht geschehen müßte? Der weise. Alles, was Sie da sagen, ist nur auf eine lächerliche Zweydeutigkeil des Wortes: Müsse»;, gegründet. Dieses Work bedeutet manchesmal die zukünftige Wirk- lichkeit eines Dinges; ein andermal die Nothwendigkeit eines Dinges; und zuweilen auch die Pflicht, wozu ein Ding verbindet. Wir wollen diese drey Sähe machen: Ich muß nach Mittage spatzieren gehen. — Eine Mauer, die ihr Gleich» gewicht ! M B-l zP V Dü N- Z A ül N I« A « i ! »j ü >!« Schickfas. 40z gewicht verliert, muß fallen. — Ein Unterthan muß sei, nem Fürsten Gehorsam leisten. — Der erste Satz zeiget die zukünftige Wirklichkeit eines Dinges an, welches eigentlich von meinem Willen abhangt, und er will so viel sagen : Ich werde nach Mittage spatzieren gehen, weil ich es also will. Der zweyte bedeutet, daß die Mauer nach den physischen Gesetzen nicht mehr bestehen kanr^ Der dritte drücket eine bürgerliche und gewissenhafte Pflicht aus, welche man nicht übertreten kann, ohne ftarfbar zu werden. Würden Sie wohl Leute, die wie die Fatalisten schlie, ßen wollten, in die Reihe der schönen Geister, oder in die Reihe der... sehen? Der Fatalist. Sie richten nichts aus, mein Herr! Wenn man es ge, nau betrachtet, so sieht man, daß die Lehre, welche dem Systeme vom Schicksale widerspricht, sehr abgeschmackt ist. Aber es zieht viele Leute, die bestimmet sind, schlechte Ver, nunftschlüsse zu machen; andere, ganz keine Vernunftschlüsse zu machen; andere, diejenigen zu verfolgen, welche vernünf, lig schließen. Der weise. Es giebt viele Leute, die bestimmet sind, schlechte Ver, nunftschlüsse zu machen. Das ist wahr. Die Fatalisten un,' ter den Philosophen geben uns nachdrückliche Beweise davon. Andere, sagen Sie ferner, sind bestimmet, ganz keine Ver, nunftschlüsse zu machen ; und diese sind weniger zu bedauren, als jene, die schlechte machen: andere sind bestimmet, diese, nigen zu verfolgen, welche vernünftig schließen. Aber, die als Fatalisten schließen, verdienen nicht verfolget zu wer, den; sie verdienen nur Hohn und Verachtung. Cc A Für, 4S4 Schicksal. Fürwahr, was ist der Fatalismus ? Eine blinde Kraft die unbezwinglich alle Wesen und alle Geschöpft fortreißt; die uothwendig alles in ihnen, ohne ihren Willen, bestimmet, Mw unvermeidlich den ganzen Laufihres Lebens, und endlich ihres Geschickes entscheidet. Sie sagen: die Lehre, welche dem Systeme voin Fatalismus und vom Schicksale wider, spricht, ist sehr abgeschmackt. Dieß vorausgesetzet: So ist dann abgeschmackt zu sagen, daß der Mensch ftey, und fähig sey, nach seiner Willkühr Gutes oder Böses zu wirken. Es ist dann abgeschmackt, Gesetze zu machen, um das Laster zu bestrafen, und die Tugend zu lohnen. Es ist dann abgeschmackt, politische Gesellschaften, Sta«. ten, Regierungen zu stiften, wovon die Glieder zu wechselseitigen Pflichten verbunden seyn sollen. Es ist dann abgeschmackt, irgend eine Oberkeit für wahr» Haft und rechtmäßig zu erkennen. Es ist daun abgeschmackt zu sagen, daß es Laster und Tugenden gebe. Es ist dann abgeschmackt, eine Religion, oder einen Gott zuzulassen, welcher ein Belohner der Tugend und Bestrafte des Lasters ist. So viel saget ihre Philosophie und Ih» re Weisheit. Leben Sie wohl, Herr Fatalist! U U un «>! § « 4v5 Xl.. D Schöpfung. ie Schöpfung der Welt ist aus allen Punkten, welche uns die Religion vorstellet, derjenige, derdieuvend, liche Macht, das unbeschränkte Ansehen, und die vortreffliche Weisheit des höchsten Wesens auf das Fühlbarste auszeich. net; der, durch die geheiligten Pflichten der Dankbarkeit und Liebe, das Geschöpf mit dem Schöpfer auf das Engeste ver, bindet; und der unsere Vernunft, da er über sie erhaben ist, beleuchtet, und unendlich besser befriediget, als alles, was uns die Philosophie in ihren Systemen und in ihren Ein, würfen an die Hand beut. Wir bestätigen die Wahrheit des Lehrsatzes von der Schöpfung im Artikel: Materie, wo wir die zweyte Frage beantworten, ob die Materie ewig sey. Wir wollen uns hier genügen, erstlich die Erzählung anzuführen, die Moses davon machet, und sie durch etliche kurze Erklärungen zu recht, fertigen; und dann werden wir zeigen, wie schwach die Ein» würfe seyn, welche die Philosophie dagegen aufwerfen will. Erster Artikel. Erklärung und Beleuchtung der Erzählung / die Mösts von der Schöpfung machet. (Erster Tag. * Im Anfänge, saget Moses, geboth der ^ mächtige Gott dem Himmel und der Erde das Da, styn. Die Erde war erstlich leer, ohne Zierde, ohne Putz, ohne Bewohner: denn die göttliche Allmacht, der einzige Ursprung ' i. B. Most-, l. C c z V 406 Schöpfung. Ursprung von allein, was da ist, und von allem, was da, seyn kann, gab ihr in diesen ersten Augenblicken nichts, als Las Daftyn, ohne Wirksamkeit, ohne Fruchtbarkeit. 1er- rs sutem erst in3M8 A vucus. Sie lag sogar vom Was, fer bedecket, und in Fmsterniß eingehüller, bis der Herr sag» te: Es werde Licht! und Augenblicks ward es Licht. I)i- xitigue Deus: kintl^ux! L lgöba est lux. Alsbald füllie ein unermessener Hanfe von unendlich feiner Materie den unbegreiflichen Raum der Himmel aus. Das Licht war noch nicht fühlbar, weil es noch nicht in Bewegung war ; und es war nicht in Bewegung, weil die Sonne, die ihm die Bewegung mitchellen sollte, noch nicht da war. Gott, welcher die Wirkung sah, die diese leuchtbare Materie her» Vorbringen sollte, wann sie durch die Sonne in Bewegung gescht werden, und wann die Erde von vernünftigen und empfindsamen Geschöpfen bevölkert seyn würde, hieß das Licht gut. Er trennte d-s Licht von den Finsternissen; das ist , er ordnete die Bewegung des Lichtes, welches durch den täglichen Umlauf sich auf einer Hälfte des Erdkreises fühlen lassen sollte, indessen daß es aufder andern in Ruhr wäre. Diese Zeit der Bewegung des Lichtes wurde der Tag, und die Zeit der Ruhe, die Nacht geheißen; und diese allmählige Dauer der Schöpfung des Himmels, der Erde, und des Lichtes, war der erste Tag der Welt. Zweiter Tag. Hier war aller Stoff zum großen Weltgebäude bereitet. Das nämliche allmächtige Wort, welches ihn aus dem Nichts hervorgebracht hat, wirb ihm am zweyten Tage, die Anordnung, die Gestalt, die Eincheir lung geben , die er allezeit behalten soll. Es entstehe dasUirmanrent in Mitte der Wässer, sprach der mächtige Gott: es theile die Wässer von einander ! Und ! t!I w bs II W M L k A t« «> d> Ü! Ä s. Schöpfung. 407 Und Augenblicks entstand das Firmament, und thellte die Wässer voneinander. Einige, die dicht und schwer waren, blieben auf dev Erdfläche; andere , die dünne und flüchtig wurden, verstreuten sich durch ihre Leichte in den ganzen Dunstkreis , der damit erfüllet ist , wie es eine unendliche Menge Erfahrungen beweist. Andere, die noch dünner und leichter waren, schwangen sich über den Dunstkreis sechsten hinauf, zu Absichten bestimmet, welche die kleine Vernunft des Menschen nicht ergründen mag, und welche die ewige Weisheit allein uns entdecken kann. Dieser Dunstkreis, der aus Luft, Wasser, und andern feinen Materien besteht, machet gleichsam die Hülle der Erde, und das blaue Gewölb des Himmels aus: er leistet uns die größesten Dienste, da er unsre Kugel umschließt, durch die Menge Wässer, die er uns auetheilet; durch die Mäßigung, Veränderung, Zu, rückstralung des Lichtes: er dienet, dem Tage einen neuen Schimmer , und der Ordnung, die auf unsrer ganzen Kugel herrschen muß, Bestand und Befestigung zu geben. Dieser Dunstkreis ist das Firmament, wovon Moses redet, und welches er Himmel heißt, wie wir es noch alle Tage nennen. Welche vortreffliche Uebereinstimmung ist in der Erzählung des Moses mit der Wahrheit, in seinem Berichte mit unsrer Erfahrung! Wo ist ein Philosoph aus Griechenlands, Aegypten , oder Chaldäen, der so gut beleuchtet, so gut unterrichtet gewesen wäre? Dritter Tag. Laßt uns forkschveiten, und die neuen Wirkungen des allmächtigen Wortes sehen! Gott sprach: die Nässer versammeln sich an einem Orte, und die Erde er, scheine! Auf dieses Wort steigen die Berge und Hügel empor ; die Thäler sinken hinab: * Hlcenäunt montes, L äe- 'roz. Psalm. Cc 4 4<>8 Schöpfung, ckelcenäunt campi. Unermcssene Behälter höhlen sich aus um die Meere einzuschließen. Als die Wässer versammelt waren, und die Erde hervorragte, trug diese Erde noch nichts als einen trockenen Sand, oder unfruchtbaren Leimen, wel, cher neue Befehle des Schöpfers erwartete. Er gab sie, die Befehle: Es bringe die Erde Krämer, Pflanzen, nnd Bäu, me hervor, sprach er, wodurch sie geschmückct, gezierer, verschönert werden soll; und dis Kräuter, Pflanzen, und Bäume sollen, jede nach ihrer Galrung, den Samen enthal» ten, damit sie, durch die ganze Dauer der Zeiten, aus sich selbst«, sprossen mögen. Des Schöpfers Befehle wurden vollzogen. Augenblicks erschien die Erde, mit Grase lieblich geschmücket, mit Blumen bunt gezieret, mit Bäumen bede. cket, mit einer Fruchtbarkeit begabet, die sie nur von jenem göttlichen Worte empfangen har, und die so lange währen wird, als die Welt besteht. Wie edel ist diese Erzählung! wie groß sind diese Bill der! wie würdig für das höchste Wesen! Wie armselig sind jene Romane von Maillet, Buffon, Descartes, Epikuren, welche bey der Schöpfung und Gestaltung der Welt nichts, als Bewegung sehen! wie armselig sind sie, wenn man sie damit vergleicht, was uns der Lehrer der Hebräer vorstellet! Man frage nur ohne Scheue alle jene Systemenmacher: Kann es eine Zeugung oder Wiedererzeugung ohne Keim, oh» ne Samen geben ? Aber was für einer Art von Bewegung wird es bedörfen, um den Keim einer Kornähre, einer Weintraube, einer schönen Nelke, eines kleinen Veilchens hervorzuöringen ? Saget ihnen die Vernunft, oder lehret sie die Erfahrung etwas davon? Weiß der hochmüthigste Phü losoph, oder der fertigste Rechner in diesem Stücke mehr, als D «chi Wi! sim! will zi! ln ori !»z l« »! IW' » y Np Ml F .B K»k Schöpfung. 409 als der wilde Huron , oder der dumme Mohr, den man kaum von einem Lastthiere unterscheidet? Man gebe ihnen reinen Sand, Thon, oder Leimen; das ist, ohne irgend ei« ne Gattung von Keime oder Samen; man lasse sie diese Materien bewegen, und gleiches Falls mit lautecm Wasser befeuchten; inan lasse sie dieselben mit ihrem Feuer und ihrer Bewegung erhitzen: was werden sie dadurch erzeugen? Werden sie es so weit bringen, daß die Materien fruchtbar werden ? Werden sie nicht norhwendig erkennen müss t», wie uns Moses berichtet, daß nur das allmächtige Wort der Schöpfers einer Materie, die aus sich sechsten trag und unfruchtbar ist, Wirksamkeit, Kraft, und Fruchtbarkeit habe mittheilsn können? Vierter Tay. Neue Wunder zeichnen am vierten Tage die Macht Gottes aus. Es entstehen zween große leuchtbare Rärper, sprach der Herr, damit sie am Himmel glänzen, und die Erde beleuchten! Sie sollen dienen, die Zeit, die Iahrozeiten, die Tage, und die Jahre zu ordnen. Und in einem Winke stand jene unermessene Feur- kugel da, die wir Sonne nennen, welche, durch ihre einzi, ge Bewegung um ihre Achse, alle leuchtbare Materie erschüttert, un» der Erde zu leuchten, und sie durch die glänzend, sien und verschiedensten Farben zu schmücken; welche durch ihre Hitze die Seele und das Leben der ganzen Natur zu seyw scheint; welche, durch die Richtigkeit ihres Laufes, — um nach der Weise des Pöbels zu reden, — alle Ordnung, Psiichten, und Bcschäfftigungen der Gesellschaft eintheilet. Sie ist das Gestirn des Tages, weil sie Gort erschaffen har, um Hurons Hnroiren, ein wildes Volk aus Kanada in Nordamerika. Cc Z 4ro Schöpfung, um dem Tage vorzustehen ^; und er hat zugleich ein aw ders erschaffen, um der Nacht vorzustehen. Dieses neue Gestirn ist kein Feuerkörper, weil die Erde Ruhe und Erqui, ckung haben mußte: es ist kein Körper, der aus sich selbst?» glanzet, weil ein großes Licht den Schlaf verhindert hätte, welcher für die lebenden Geschöpfe norhwendig war: eg ist ein dunkler Körper, der nur ein gelindes, durch die Abstra, lung geschwächtes, Licht ausgieöt, Las dennoch erklecklich ist, um sich in der Noch damit zu helfen; ein Körper, der, durch die Verschiedenheit seiner Scheine, das ist, durch mehr oder weniger beleuchtete Theile, die er ailmählig alle Tage des Monars vorweist, dienen kann, die verschiednen Beschäftigungen der Gesellschaft noch genauer einzutheilen. Gott zierte zugleich den Himmel mit einer unzählbaren Menge glänzender Sterne, und dunkler Körper aus, web che gleichfalls mit einem geborgten Lichte schimmern. Dennoch dörftn wir nicht glauben, daß diese Verzierung ohne Nutzen fty. Jer»e glänzenden Sterne dienen auch, uns die Wege der zwey großen Lichter, die uns leuchten, zu be, zeichnen; sie erinnern den Landmann an die Zeit des Feldbaues, und der Arbeit; sie dienen den kühnen Schiffern zur Leitung, welche den unermessenrn Raum der Meere durchkreuzen ; sie werden eins hülflich seyn, den Abstand anderer dunkeln Sphären zu entdecken; die sich ain Himmel wälzen. Moses, heißt den Mond einen aus den zweenen großen leuchtbaren Körpern, welche bestimmet sind, der Erde zu leuchten, weil er, wenn er gleich der kleinste der Planeten ist, durch seine geringe Entfernung von der Erde uns merklich größer scheint, als die übrigen, und weil er uns eine » r. B. MoseS. «>» Etz «!i L»! !»< D Schöpfung. 4il größere Menge Lichtes zurückwirft, als alle andere P!ane< ten zusammen, und die Sterne selbsten uns zuschickrn können. Fünfter Tag. Nun ist die Erde geschmücket und ge, zieret; die Himmel sind verschönert; die Gestirne laufen mit einer unbegreiflichen Schnelligkeit in ihren Kreisen fort: die unendliche Freygebigkeit des Schöpfers will ißt mit seiner Allmacht einstimmig zu Werke gehen, um ihre Wohlkhaten zu vermehren. Die Wässer, saget er, sollen lebendige Thiere, die im Wasser schwimmen, Hervorbringen, und Vögel, web che auf Erden und unter dem Firmaments des Himmels fliegen! Desselben Augenblicks wurden die Flüsse und die linermeffeneri Behältnisse der Meere mit einer wunderbaren Menge Fische angefüllet, an denen die Verschiedenheit der Größe, der Gestalten, der Naturtriebe, der Eigenschaften noch verwunderlicher war. Die Lüste wurden mit einer Menge Vögel bevölkert, derer Schönheit, Zierde, Gesang, und Leichtigkeit noch mehr in die Augen fallen. Er segnete sie, und sprach zu ihnen : Wachset, und vermehret euch ; erfüllet den Raum des Wassers , und das Leere der Lüfte: und er gab ihnen zugleich den Naturtrieb; das ist, die nochwendigen Eigenschaften, um ihre Erhaltung und ihre Fortpflanzung zu versorgen. Also wurde der fünfte Tag be, schloffen. Welche Kraft hätten dann die salzigten und harzigen Wässer des Meeres, oder die süßen Wässer der Flüsse haben können; welche Kraft hatte die Luft, die wir einathmrn, haben können; um jene unzählbaren Völker zu erzeugen, die darinnen wohnen ? um ihre Hülfsglieder also bilden, baß sie nothwendig an das Element gebunden wären, in dem sie erzeuget sind; daß weder die Vögel im Wasser, noch die Fi, siche 4>r Schöpfung, sche in der Luft leben könnte»? Welcher Unterschied zwischen der Philosophie des Moses, der uns das allmächtige Wo« des höchsten Wesens, als die einzige Grundursache von der Fruchtbarkeit der Elemente, vorstellet; und zwischen der Philosophie jener ausschweifenden Klügler, die alles diesen unbedeutenden Worten: Bewegung, und Lchngei fähr, zuschreiben! Der Mensch, der mit so vielen Wohl« thaten und so vielen Gegenständen der Bewunderung umgeben ist, und die Geheimnisse der Schöpfung sieht, ohnesie begreifen zu können, fühlet einen Trieb zu der zärtlichsten Dankbarkeit gegen seinen Schöpfer, und er kann sich nicht entbrechen, seine unendlichen Vollkommenheiten zu bewundern. Die philosophischen Systeme verleiten ihn nur zur Um gereimthert, zur Undankbarkeit, und zur Gottlosigkeit. Sechster Cag. Lust und Wasser haben ihre Be, wohner; die Erde wird nun auch die ihrigen erhalten. Gort sprach: Die Erde bringe lebendige Thiere, jeder nach seiner Art, heimische Thiere, kriechende Thiere, und wilde Thiere hervor! Auf des Herrn Wort wurden die Wälder, die Berge, die Triften mit Thieren von jeder Gattung bedecket. Manche, die von einer stillen Neigung waren, blieben auf den Wiesen und in den Gefilden; andere, die schüchterner und wilder waren, suchten im Gehölze ihre Freystätte; einige, die flüchtiger waren, stiegen die Klip, pen und Berge hinan. Alle ließen die Macht und Weisheit des Schöpfers Hervorscheinen, und waren mit Eigenschaft ten begäbet, wodurch sie demjenigen nützlich und nochwendig werden möchten, der bald als der Vorsteher der Welt erkläret werden sollte. Schöpfting Moses kömmt endlich auf jenes ausnehmem de-Menschen. de Meisterstück, wodurch der Herr das große Werk Bl ch ck ^ Mj ! W , M s->> v r ^ s- k i- «l «> > Schöpfung. 4lz Werk der Schöpfung vollbringt; er unterrichtet den Men, schen von seiner ganz göttlichen Abkunft; er zieht ihm die vortrefflichsten und tauglichsten Lehren, um sein Herz mit Dankbarkeit und Liebe gegen seinen Schöpfer zu erfüllen. Hier herrschet nicht mehr die Sprache der unbeschränkten Ge, malt, die dem Nichts gebeut, sondern die Sprache der Sanft, muth , der Gefälligkeit und Liebe. Ein Gort allein redet, und saget: Laßt uns den Menschen erschaffen ! als wenn mehrere Personen miteinander redeten, wodurch er schon jenes anberhenSGÜrdige Geheimnis andeulet, welchrs, erst vier tausend Jahre danach, durch die menschgewordene Wcish ir, deutlich erkläret werden sollte. Gott saget: Laßt uns den Menschen nach unserm Ebenbilde, und uns ähnlich er, schaffen! Er soll über die Fische des Meeres, über die Vögel der Luft, über die Thiere, über die ganze Erde, und über alle krischende Thiere gebiethrn, die sich unter dem Himmel bewegen. Er gestaltet ihn aus zweyen We, sen: er giebr ihm einen Leib, der aus Leimen von der Er, de gebildet ist: er bläst ihm einen Hauch des Lebens ein; das ist, er schöpfet und giebt ihm eine Seele, welche um mittelbar von Gotte selbsten kömmt, und die Geistigkeit von einer ganz andern Abkunft ist, als der Leib der Seele, und das Leben der übrigen belebten Geschöpft. Denn der Ausdruck: Hauch des Lebens, wird nur bey dem Mem schen allein gebrauchet. Unterdessen, da unter allen Geschöpfen keines Gestattung mit einer geistigen und unsterblichen Seele begabet des Weibes, war, gab es keines darunter, welches Adam ähnlich gewe, sen wäre. Gott schickte ihm dann einen tiefen Schla f. Wäh» rendes Schlafes nahm er eine Rippe von diesem ersten Man, ne, 4l4 Schöpfung. Heiligkeit des ne, und bildete ein Weib daraus. Erstelltests Ehestandes. Adam vor, als er erwachte; und Adam, da er sie sah, sprach aisobald: Dieß ist Bein von meinen Beinen und Fleisch vor, meinem Fleische. Der Mann und das Weib werden zweenein einem Fleische seyn; und ihre Verbindung wird so liebreich, so heilig, so zärtlich seyn, daß der Mann sogar seinen Vater, seine Mutter, und alles verlassen soll, «m seinem Weibe einzig und unveränderlich anzuhangen. Folgen aus der Schöpfung. Wie viele erhabene und wichtige Wahrheiten entdecket uns diese Erzählung des Moses! Wir sehen dabey: 1. Die wahre Würde und Hoheit des Menschen, weil er durch seine geistige, freye, vernünftige, unsterbliche Seele das lebendige Ebenbild Gottes ist. 2. Seine allgemeine Herrschaft über alle Geschöpfe, wozu er durch die Bewilligung, die ihm Gott am Tage seiner Schöpfung zugestand, den Anspruch hat. z. Seine Vortrefflichkeit und seinen Vorzug vor allen sichtbaren Geschöpfen: denn, wenn er dem Leibe nach, wie sie, au» der Materie gestaltet ist, so übertriffr er sie unendlich durch jeneu göttlichen Hauch, den er empfieng, das ist, durch die göttliche Abkunft seiner Seele. 4. Die Ehrerbiekhung, die Liebe, die Sorgfalt, welche der Mann für sein Weih haben soll, weil sie das Fleisch aus seinem Flsische, und Gebein ans seinen Gebeinen ist; weil sie aus einer seiner Rippen gebildet, und nächst a" sei' nem Herzen gelegen ist, damit sie seine Gefährtin», und nicht seine Sklavin», feine Gehülfinn, und nicht allein der Werkzeug seiner Lüste werden möge: und weil nichts den Absichten VeS Schöpfers mehr widerstrebet, und nichts die Mensch' p! im be k xsl Sa !« C >,s Schöpfung. 41; Menschlichkeit mehr entehr«, als das viehische Betragen der Mahomelaner , welch- dm holdseligsten und liebenswerthe, sten Theil des menschlichen Geschlechtes der Gewalt und Wohllust des andern auscpferk. s. Die ehrwürdige Unauflöslichkeit des EhebandeS, weil der Mann alles, was ihm rheuer ist, verlassen, und unveränderlich seinem Weibe anhangen soll; und weil fle bey» de nur ein Herz haben sollen, gleichwie sie miteinander nur ein Fleisch auemachen. b. Die Einigkeit, die Liebs, und den Frieden, der unter allen Menschen herrschen soll, weil sie alle von einem Blute abstammen, und wirklich alle auf Erden nur eine Familie ausmachen. 7. Die heiligsten Pflichten der Religion, den Gottes, dienst, die Anbethung, die Dankbarkeit, die Liebe gegen den Schöpfer, weil ihm der Mensch alles zu danken hat, und weil er mit so vielen Wohlkhaten, Vorrechten, Gna« den, und Ehren begabet worden. Wer hatte Moses von allen diesen wichtigen Umständen und erhabenen Wahrheiten unterrichtet ? Wer hatte in seinem Gemülhe so große Beleuchtungen aufgehen lassen? Wie kömmt es, daß dieser Mann, der älteste aus allen bekann, im Weltweisen, Gesetzgebern, und Philosophen, so weit über alles erhaben ist, was andere Menschen, von dem Ursprünge der Welt und des menschlichen Geschlechtes, jemals ersonnen oder geträumet haben ? Wir erwarten von unfern neuartigen Gelehrten, Philosophen, und Vernünftlern dir Antwort und die Auflösung darüber. Es ist dann nicht vonnölhen, weiters für die Wahrheit M sprechen. Sie scheint allzu glänzend in die Augen. Die Erklärungen , welche wir in die Erzählung des Moses eingeschaltet 4l6 Schöpfung, geschaltet haben, sind alle auf die urkundlichen Sellen der B - Schrift, oder auf die genauesten Beobachtungen der Na, ^ rurkunde gegründet. Es kömmt nur noch darauf an, der Wahrheit eineu neuen Schimmer zu verschaffen, und die § Ungereimtheiten fühlbar zu machen, welche die Freydenker, l ^ die Gottlosen, die Irrgläubigen dagegen einwenden. !«.» Zweyter Artikel. ! ^ Ungereimtheiten , welche die Freydenker wider die Ge> fti, schichte und den Lehrsatz der Schöpfung einwenden. ^ I. * Im Anfänge fchuffGott den Himmel und die Erde. Also hat man übersetzet; aber die Ueberfttzung ist nicht richtig. Es giebt Niemanden, der ein Bißchen belehret ist, der nicht, wüßte, daß der Urtext heißt: JmAnsan« ge schuffm die Götter, oder schliff die Götter den Hinn Niel und die Erde. Diese Lesart stimmet außerdem mit dem alten Wahne der phönicier Übereins, welche sich eingebildet hatten, Gott habe die Untergötter gebrauchet, um das Lhaos, das Lhaut Lreb, in die Ordnung zu bringen. Die phönicier waren seit langer Zeit ein mächtiges Volk, welches seine Gökterlehre hatte, ehe sich die Hebräer etlicher Dörfer bemächtiget hatten, die an ihr Land gränzten. Man kam: natürlicher Weise denken, daß die Hebräer, als sie endlich eine kleine Pflanzstätte Hey phönicien hatten, die Sprache zu lernen angefanuen haben, besonders, als sie Sklaven >n phömcicn wurden. Dann haben Leute, die sich um das Schreiben Annahmen , etwas von der alten Götterlehre ihrer Herren Sri j!l! «'S L! i»! »I ii l! Phil. Handl. im Artikel: Genesis. Schöpfung. 417 ^ re» abgeschrieben. Dieß ist die 2lrt des menschlichen ^ Verstandes. ^ ^ K * ^ Sollte mau nicht sagen, dieser Mann habe alle Geschich, ^ ren innen, und er fey in allen alten Sprachen gut bewandert ? Gleichwohl fehlet sehr viel dazu, wie wir es erproben ' werden. Er findet erstlich , daß die Ueberseßung des ersten Ver, ^ fis im ersten Buche Moses unrichtig sey. Wer sollte glan- ^ ben, nachdem diese Stelle, seit siebenzehn Jahrhunderten, von allen Gelehrten aus allen christlichen Gemeinen, von den Griechen, Lateinern, Syriern, Arabern, Aegyptiern, ^ jederzeit also überseht worden ist, daß heut zu Tage ein lick Mann anfsichen würde, welcher, ohne von den alten mor« A genländischen Sprachen etwas zu wissen, sonder Scheue sa» l» get, daß keiner von diesen Ueberftßern richtig gewesen sey? ich« Wenn er die Bedeutung des Wortes: Llohim, gewußt »s hätte, so würde er diesen Bock nicht geschossen haben. Die, ses Wort, welches in der vielfachen Zahl steht, bedeutet die M Stärke, die Macht, die unbeschränkte Gewalt. Es wird durch das Wort: Gott, übersehet, weil diese Vollkommene Uli heilen Niemanden, als ihm, wahrhaftig znkommen , und sB weil sie Niemand, als er, ans sich sechsten hat. Man sehet das Wort: schuff, im Hebräischen : Bara, bey, um zu B verstehen zu geben, daß es nur eine einzige Natur, ein eine BZ ziger Erschaffer, oder Schöpfer sey. Dieser Gebrauch, ein ^ Zeitwort in der einfachen Zahl mit einer Nennendung in der vielfachen zu verbinden, wird im Hebräischen öfters ange» ^ troffen. Man könnte davon mehrere Beyspiels anführen. ^ Hier ist dann unser Verbesserer schon aufdem Fehler ertappet. ^ U. Band. Dd Cr 4i8 Schöpfung. Er behauptet, die Hebräer haben die alte Götterlehre der phönicier abgeschrieben. Aber, wo hat er diese alte Göt- terlehre der phönicier kennen lernen? Von Niemanden, als von den Griechen, welche kaum eher, als tausend Jahre nach Moses geschrieben haben: oder von Sanchomaton (wenn doch jemals dieser Schriftsteller gelebethat) der drey hundert Jahre nach dem Gesetzgeber der Hebräer lebte. Ich sage: wenn doch jemals Sanchomaton gelebet hat; denn ein gelehrter Engländer * hat bewiesen, baß es niemals ei« nen Sanchomaton gegeben habe,, und daß die vorgebliche Übersetzung dieses Schriftstellers in das Griechische ein Roman des philo von Biblos sey. Er saget ferner, die phönicier seyn seit langer Zeit ein mächtiges Volk gewesen, ehe sich die Hebräer etlicher Dörfer bemächtiget hatten, die an ihr Land gränzten; und diese haben ihre Sprache gelernet, als sie ihre Sklaven warm. Es ist hier rarhsam zu bemerken, daß phönicien ein schmales Stück Landes am Ende des mittelländischen Meeres ist; daß es in der Größe mit dem Lande, welches die Hebräer besaßen, keineswegs in die Vergleichung kömmt; und daß es insgemein, besonders zwischen Lyrus und Sidon, trocken und sandigt ist. Die phönicier machten sich durch ihre Hanvelschaft, und durch die Pflanzvölker, die sie in verschiedene Länder führten, berühinet: aber sie waren nie» mals ein mächtiges Volk. Die Stadt Lyrus hat zum meisten beygerragen, die phönicier bekannt zu machen. Allein Lyrus ist erst, ohngefähr zweyhundert und zwanzig Jahre, nach dem Tode Moses gebauer worden, welcher der Verfasser vom Buche Genesis ist. Außerdem wurde dieses Buch geschrieben, ehe die Hebräer vom Lande Lhanaan Besitz genominen - » Dodwek. " Strab. 16. B. MM H w Äüiz, ik« W Schöpfung. 4l- nommen hatten, und ehe sie mir den phöniciern eine G'minr A schaft haben konnten: wie hätten dam, die Hebräer die Be, >4 ^ griffe ihrer Welkschöpfung von ihnen herholen können ? Man Us wird auch diesen Grübler fragen, wo er erfahren habe, itz! daß die Hebräer jemals Sclaven der phönicier gewesen ftyn. ^! Seit drey tausend Jahren hatte kein Schriftsteller ein Wort U! davon gssaget. Aber man sieht leicht, daß unser Gegner !>ir in Absicht der Geschichte ist, was die falschen Münzer in Ab, il<» sicht der Münzen sind. Alles, was von ihnen herkömmt, H ist falsch. A l. !«» B W B B E«! Hk iB Die Erde war tohu, bohu, und leer; die Finsternisse lagen über dem Abgrunde; und der Geist Gottes grenz über die Wässer hin. Tohu, bohu, heißt eigentlich, Chaos, Unordnung. Es ist eines jener unnachahmlichen Worte, die man in allen Sprachen antrifft, wie: unter stch und über sich. Der Geist Gottes bedeutet den wind, der das Wasser bewegte. Dieser Gedanken ist in den Fragmenten des phönicischen Schriftstellers, Sanchoniaton, ausge- drücket. Die phönicier glaubten, wie alle übrige Völker , daß die Materie ewig sey. Man trifft sogar in der ganzen Bibel keine Stelle an, wo es hieße, daß die Mar terie aus Nichts gemacht worden sey. « » Hier stecket wieder die gleiche Unwissenheit und Kühnheit» Tohu, bohu, heißt nicht Chaos; sondern Einöde, wüste: und dieses kam mit dem Zustande gut Übereins, in welchem die Erde war, wie sie uns Moses in seiner Erzählung vom er» sten Tage der Welt vorstellet. Bee D l> » 4»o Schöpfung. Der Mann getrauer sich noch zu behaupten, daß es in der ganzen Bibel keine Stelle gebe, wo es hieße, daß die Materie aus Nichts gemacht worden sey. Und was heißt dann dieses : * Ich bitte dich, mein Sohn! wirf deine Augen auf den Himmel, auf die Erde, und auf alles, was darinnen ist, und erkenne, daß es Sott aus Nichts erschaffen hat? ?eto, nate, ut nspici-is sä ccelum L terrnm , A aä omnis, yuX in eis sunt, L intelliZgz, yuia ex nikilo tecit illa Deus. Was heißen jene Worte des PsalmeS: ** Er sprach: und alles war geschehen; er geboth: undalles war erschaffen? Iple äixit, L saöt» sunt; ipse mLnäsvit, ör. creatg iiint. III. Gott sagte auch: Laßt uns den Menschen nach unserm Ebenbilde machen! Was verstanden die Juden dadurch: Laßt uns den Menschen nach unserm Ebenbilde machen? was das ganze Alterthum verstanden hat. Man machet Ebenbilder nur von Leibern. Rein Volk hat sich einen Gott ohne Leib vorgestellet. Die Juden glaubten bei ständig einen körperlichen Gott, wie alle übrige Völker. Alle erste Rirchenväter glaubten auch einen körperlichen Gott, bis sie die Meinungen des Plato angenommen hatten. * * * Was soll man dadurch verstehen: Laßt Uns den Menschen nach unserm Ebenbilds erschaffen? Das, was wir erkläret haben, wo wir von der Schöpfung des Menschen redeten. Die Juden , saget der Verfasser, glaubten beständig einen körperlichen Gott. Aber , mir welchem^hellschiim mernden » Macchab. VH. ** i§ r. Psalm. Schöpfung. 421 mernden Lichte kann man nicht die Finsternisse seiner Lügen zerstreuen! Was für herrliche Begriffe von den Hoheiten Gottes, von seiner Ewigkeit, seiner Unermeßlichkeit, seiner Geistigkeit, und allen seinen unendlichen Vollkommenheiten biethenuns nicht die Bücher an, die von den Juden Herkommen ! Und wenn die Philosophen sich unterwinden, uns die Hoheiten Gottes zu erkennen zu geben, müssen sie nicht von den Juden ihre Begriffe borgen? ^ Der -Herr, saget Moses, herrschet in alle Ewigkeit, und über alle Zeiten hinaus. Er ist -er unüberwindliche Bönig, -er ewig lebet, der immer da ist, und dessen Allmacht, Hoheit, und Barmherzigkeit Niemand zu beschreiben sä, hjg ist, saget der Sohn Syrachs. wie wunderbar, o Herr! sind deine Renntnisse! ruft David in seiner Begeisterung aus: wie mächtig sind sie! und wer wird jemals sie erreichen können? wo werde ich Mich derj unendlichen Scharfsicht deines Geistes entziehen ? Rann ich jemals deinen Augen entweichen? wenn ich mich bis zum Himmel erhebe, so bist du dawenn ich in den Abgrund der Erde hinabsteige, so bist du wieder da. Soll ich an das äußerste Ende des Meeres fliegen, so wird mich deine Macht dahin leiten: soll ich mich in Finster- niß einhüllen? Aber die Finsternisse sind vor dir, wie des Tages Licht. Man durchgehe alle jüdische Bücher, Jobs, Jsaias, Ezechiels, der Macchabäer; ü. s. w. so werden sie allenthalben die erhabensten Begriffe von den unendlichen und unbegreiflichen Vollkommenheiten Gottes vor, stellen: und man saget uns kaltsinniger Weise —: Die Juden glaubten beständig einen körperlichen Gott, wie alle übrige Völker. Man * 2. S. Moses. XV. *» Jef. Syr. XVIU. iz8. Psalm. Dd z 422 Schöpfung. Man weiß, wie strenge das VerLvth war, keine Bild« sänle, oder Figur, oder Vorstellung an dem Orte zu haben, wo man sich versammelte, um den Pflichten der Religion abzuwarten« Man weiß, daß die griechischen und römischen Schriftsteller bezeugen, man hübe im Tempel der Juden kei, ne Art von Bildern gesehen, weil sie nur die Gottheit des Himmels anbetheten. Eoeli ^umen sciorant. Mau weiß, als die Kaiser in dem Tempel Bildsäulen aufstellen lassen wollten, daß alle Juden mit Weinen erklärten, sie wollen lieber ihre Habe und ihr Leben aufopfern, als darein willigen. Muß man Hernach nicht unsinnig seyn, wenn man behaupten will, die Juden haben beständig einen körperr liehen Gstt geglaubet? Ferner: daß alle erste Kirchenväter auch einen körperlichen Gott geglaubet haben, bis sie die Meymmgen des Plato annahnren , dieß ist allzu dumm, allzu albern, um eine Anrwerr zu verdienen. Wie viele aus den ältsten Kirchenvätern könnten wir nennen, die Philosophen und Platomker gewesen waren , ehe sie dasChristenkhum annah« men, wie Athensgoras, Justin, Origeneo, Clemens von Alexandrien, und andere ohne Zahl ? Aber man bemerke, daß eben derselbe Verfasser in feinem Handlexikon beym Wor, te : Lhristrnthum, ausdrücklich saget: Die Kirchenväter in den drey ersten Jahrhunderten waren beynahe lauter platomker. So groß ist die Weisheit dieses Philosophen; so groß ist die Einsicht des Kritikers, und die Treue des G« fchichreschreibrrs. IV. Er exschuffsie männlich und weiblich, wenn Gott, oder die Götter von der zweyten Klasse, den Menschen nach ihrem Ebenbilde männlich und weiblich erschaffen haben, ss Schöpfung. 42z so scheint es in diesem Falle, daß die Juden glaubten, ihr Gott oder ihre Götter seyn männlich und weiblich. Im übrigen weiß man nicht, ob der Verfasser sagen wolle, dtt Mensch habe Anfangs beyde Geschlechter ge, habt. * * Wenn man diese Reden für Reden eines Tollsinnigen an. sieht, so muß man ihm eine Wohnung anweisen, wo er sie verdienet. Wenn man sie als Reden eines Freydenkers betrachtet, so erregen sie einen billigen Abscheu, und fodern Bestrafung. . V. Und er ruhete am siebenten Tage. Die phönicier, die Chaldäer, die Indianer sagten, Gott habe die Welt in sechs Zeiten gemacht, welche der alte Zoroaster die sechs Gambar nennt, die bey den Persern so berühmet waren. Es ist unstreitig, daß alle diese Völker eine Götterlehre hatten, ehedie jüdische Horde in den wüsten reb und Sinai wshnete: ehe sie Schriftsteller haben konnte. Es ist dann überaus wahrscheinlich, daß die Geschichte der sechs Tage eine Nachahmung von den sechs Zeiten sey. * ^ * * Was ist doch dieses beständige Berufen auf phönicische, chaldäische, indianische Schriftsteller, Gelehrte, und Philo, sophen, von denen keine Sylbe vorhanden ist, und die man nur aus etlichen Nachrichten kennet, welche um sehr viele Jahrhunderte jünger, als Moses, sind? Wenn der Verfas, ftr des Handlexikons diese Schriftsteller kennet, warum bringt er uns keine Stellen daraus ? Warum bestimmt er nicht die Dd 4 Z«t, 424 Schöpfung. Zeit, wo sie gelebet haben? Aber er würde sehr verlegen seyn, damit aufzukommen. Was Zoroastern betrifft , so weiß man wohl, daß es, zur Zeit des Lambyses. Königs in Persien, daL ist, mehr als tausend Jahre nach Moses, einen Mann von diesem Na< me r gegeben hat: und alles, was man von älrern Zsroastem saget, ist eitel Gewebe unschicklicher Mährchen, nach der Meymrng Baylens, und Doktors prideaux, Dcchanrs zu Nor wich. Die Gambar von Zsroastern, dis Heyden Persern so berühmet waren, werden aufdaS Ansehen unsers Gegners bcy uns nicht berühmt werden. VI. Von dem Lusiorte gieng ein Fluß aus, welcher den Garten befeuchtete, und von dannen sich in vier Flüsse theil, ie, u. s. w. Nach dieser Ueberscyung schloß das irdische Paradies beynahe den dritten Theil Asiens und Afrikens rin. Der Euphrates und der Tiger haben ihre (Quellen, mehr als sechszig große Meilen, von einander, zwischen entsetzlichen Bergen, die wenig einem Garten gleichen. Der Fluß, der Aethiopien begränzet, und kein anderer, als der Nil oder der Niger seyn kann, entspringt, mehr als siebenhundert Meilen , von den (Quellen des Tigers und Euphrates entfernet: und wenn der phison der Phase ist, so ist es wunderlich, daß die Quelle eines Flusses aus Gcythien, und die Quelle eines Flusses aus Afriken, an einem Orte stehen.... Gott setzte dann den Menschen in diesen Lustgarten, damit er LH» bauen sollte. Es ist hart, daß Adam einen Garten, versieben bis acht hum dert Meilen lang war, hätte bauen sollen: vermuthlich hat man ihm Geholfen zugegeben« * P » Man Schöpfung. 42 s Man nimmt manchesmal den scherzhaften Ton an, «enn man das Lächerliche von einem Dinge besser vorstellen will. Aber man muß seiner Sache gewiß feyn; sonst machet man sich selbst lächerlich. Befindet sich nicht unser Kritiker in diesem Falle? Er will die Meynung vom irdischen Paradiese lächerlich machen. Wir beantworten hier nicht alles, was seine thörichke und gottlose Einbildung vvrzubrin- gen waget. Wir verweisen den Leser an den Artikel: irdisches Paradies, in diesem Werke, wo alles, was diesen Punkt der Offenbarung angeht, untersuchet, gerecht fertiget, und bewiesen worden ist. VU. Nun, die Schlange war das listigste aus allen Chie- ren. Es sprach ;um Weibe: u. s. w. Die Geschichte der Schlange, die Even versuchte, ist ein Gegenstand, den die Philosophen gern zur Hand nehmen. Bey dieser Gelegen- Heit will ich ein Gespräch, zwischen einem aus diesen Herren und einem Juden, von eben diesem Gegenstände, erzählen. Der Philosoph. Wohlan! ihr armen Juden! ihr glaubet dann kräftig alte jene allen Mährchen aus eurer Bibel? und ihr seyd ge, wiß versichert, daß Eve ein artiges Gespräch mit einer Schlange gehabt habe? Der Iude. Und glaubet ihr es nicht auch, ihr Christen? Der Philosoph. Ja, ja. Wer denken kann, der glaubet nichts, alrr lvas ihm die Vernunft beweist. Dd 5 Der 426 Schöpfung. Der Jude. Und beweist Ihnen Ihre Vernunft, daß Sie an die Bü. eher Moses nicht glauben dürfen ? Beweist Ihnen Ihre Ver. nun ft. daß Moses ein unwissender Dummkopf, oder ein unverschämter Verführer gewesen sey ? Das ganze Alterthum hat ihn für einen der größesten Männer gehalten, die jemals gelebet Hades!. Seine Gesänge haben etwas Erhabenes, und etwas Edels, das niemals ein Dichter oder ein Wohlredner erreichet hat. Er giebt uns allezeit die erhabensten Begriffe von der Gsttheit. Der Gottesdienst, den er einführet« ist der herrlichste, der jemals bey einem Volke gewesen war. Seine Geschichte ist die einzige, wo man die Abkunft der al» ten Völker sicher erfährt. Er kann also für keinen Dumm» köpf gehalten werden. Er kann eben so wenig ein Verführer heißen. Er hat ohne allen Eigennützen geschrieben und gere, det: er hat niemals für sich oder für seine Kinder etwas ge, chan. Was antworten Sie daraus? Der Philosoph. Ey! das schöne Mährchen von dem Gespräche der Eve mit der Schlange! Eine Schlange redet! Eve glaubt, daß die Thiere reden! Dieß tauget zu den Mährchen von Achill- Pferde, das ihm den Tod versagte; vom Flusse Kaukasus, der dem Pythagoras den guten Morgen gab; vom Baume, der die Weisheit des Apollontus von Thyane verkündigte. Porphyr und Philostrat, die diese Dinge erzählen, verdie, nen keinen Glauben; Moses verdienet eben so wenig. Kann, te wohl Eve glauben, daß eine Schlange die Macht hätte zu reden ? Mußte sie nicht über die Näherung und Vertrau, lichkeit einer Schlange erschrecken ? Kann man etwas Unge» reimieres ausdenken? Schöpfung. 427 Der Jude. Es grebt mir sehr Wunder, Laß ich Sie von Porphyren und Philsstraten also reden höre, von denen Sie, in Ihren Schriften wider Ihre Religion, manche Träumereym so oft und nachdrücklich anführen. Aber lassen wir dieses bey Seite, um auf unsere Mutter Eve zu kommen. Was ihr artiges Gespräch mit der Schlange betrifft, will ich Ihnen nicht sagen , wie unsere Rabbiner, daß Samuel, oder Saran sich in einen schönen Jüngling , ganz mit Schimmer umgeben, verwandelt habe; daß er auf einem Draken von ungeheurer Größe geritten sey; und Laß ec also Even den schönen Vortrag gemacht Habe. Ich nehme lieber an, was Ihre alten Lehrer gesagt haben, Laß unsre ersten Aelrern, in jenen kurzen Augenblicken ihrer Unschuld, die Näherung der Thiere nicht zu fürchten harten, weil sie wußten, daß sie darüber zu gebiethen haben, und weil sie von diesen noch keine Ausschweifung gesehen hatten; ich nehme an, daß Satan, der seit kurzer Zeit dem Stande der Ehre und Glorie entstürzet war, in welchem er ist erschaffen worden, über das Glück neidisch seyn konnte, das Geschöpfe genossen, die er für weit geringer hielt, als er selbsten war; daß er, aus Hasse gegen den Schöpfer, und in den Trieben seiner Eifersucht, wohl habe versuchen können, sie zur Sünde zu verleiten; daß er zu dieftm Ende nur die Hülfsglieder der Schlange in Bewegung sehen, und Töne Hervorbringen dorfte, die geschickt waren, Even zu betriegen. Dann hat dieses Geschöpf, welches vieleicht nur erst etliche Stunden lebte, nicht untersuchet, was jenem Thiere die Sprache habe geben können. Und wenn sie glaubte, daß es natürlicher Weise die Macht zu reden nicht hätte, so mußte sie noch mehr 428 Schöpfung. mehr erstaunet, und noch leichter zu verführen seyn, da sie dasselbe wirklich reden hörte. Endlich, da Liefe Begebenheit, beynahe vor sechs tausend Jahren geschehen ist, so kann man sie nicht streitig machen, außer wenn man ihre lediglich? Unmöglichkeit, oder den Mangel der Glaubwürdigkeit von dem, der sie erzählet, bewiese. Ihre ledigliche Unmöglichkeit kann man nicht beweisen: und was die Glaubwürdigkeit des Moses betrifft, ach! wie stot/ern sie nicht, die Herren Philosophen, wann sie beantworten sollen, was unsere Rabbiner und Ihre Gelehrten vortragen, um das Ansehen dieses großen Gesetzgebers zu bestätigen! Der Philosoph. Aöer, wie ungereimt ist es zu sagen, dis Schlange sey, zur Straft ihres Verbrechens, verdammet worden, ans ihrem Bauche zu kriechen, und sie suche aus Rachsucht beständig zu beißen! Ist die Schlange heut zu Tage nicht, was sie allezeit gewesen ist? Die Aegyptier, die Chaldäer, die Indianer, die Araber haben jederzeit die Schlange für ein Sinnbild des Lebens gehalten. Die Kaiser von China, die älter als Moses sind, haben allezeit dieses Sinnbild an ihrer Brust getragen. PLlpay, Lokmann ließen die Thiere bey den Indianern reden. Alles steht hier im verblünmn Verstände ; es ist nichts wirkliches dabey. Der Jude. Aber, wie ungereimt ist es auch, so oft und so dreiste Schriftsteller anzuführen, von denen man nur den Namen kennet; von denen man nichts Gewissts weiß; von denen man kaum etliche Worte, etliche unförmige Fragmente hat, welche nur erst von andern Schriftstellern angezogen werden, die acht, zehn, zwölf, oder fünfzehn Jahrhunderte später ge- > M D,» W kW MI Schöpfung. 429 gelebet haben? Diese angemaßte Gelehrsamkeit kann wohl einbildrische und leichtsinnige Stußerchen himergehm: aber wie soll sie von vernünftigen und belehrten Männern ange, sehen werden? Wo haben Sie erfahren , wie die chinesischen Kaiser, die älter als Moses sind, angekleidet waren ? Zeigen Sie die Schriftsteller, die Zeit, u. s. w. Verlangen Sie, daß Ihr Ansehen genügen soll, damit man auf Ihr Wort Ihnen glaube? Führen Sie uns eine Stelle vom Pilpay oder Bilpai an. Wie! Sie sind so belesen, und wissen nicht, daß der Lokman, von dem die arabischen Schriftsteller reden, kein anderer, als der Aessp aus phrygien ist, und daß er nie« malS in Indien gewöhnet hat ? Sie wissen nicht, daß man bey den Aegyptiern, Arabern , Chaldäern die Schlange nur deßhalben für ein Sinnbild des Lebens nahm , weil das gleiche Wort in ihrer Sprache das Leben, oder eine Schlange bedeutete? Endlich finden Sie das Urtheil ungereimt, welches der Herr über die Schlange sprach. Aber Ihre Weisen, Ihre Alten sehen darunter nichts, als ein Dsnkzeichen einer Be, gebenheit, welche so rührend, so lehrreich, so tauglich ist, den menschlichen Stolz zu demüthigen und zu Schanden zu ma, Nilpay oder Bilpaig OderBidpai/ ein indiamsihcr Bramin, soll vor mehr als zwey tausend Jahren ein Buch geschrieben haben, baS Aelilc Wadimne, oder Fabeln des Pilpai heißt, worinnen er durch Thiergespräche die sittlichen Tugenden zur Unterweisung eines Regenten vorträgt. Dieses Buch ist unter verschiedenen Aufschriften in die meisten bekannten Sprachen überseht worden. Loknran^j Herbelot schreibt von ihm in seiner morgen!,indischen Bibliothek, und schließt ans der Zeitrechnung , daß Lokinan, ob er gleich viele Aehnlichkeit mit Aesöpen, seinem Landsmaime hat, dennoch mit ihm nicht eine Person seyn könne. 4Zo Schöpfung. machen. Diese Philosophie ist gewiß viel weiser und ver« nünftiger, als die Ihrige: und ich, als ein Jude, würde mich leicht zur Wahl entschließen. VIII. Die Götter Helohim, als sie sahen, daß die Töchter der Menschen schön waren, nahmen jene zu ihren Frauen, dir sie sich gewahlet Hanen. Dieser Einfall ist auch allen Völkern gemein gewesen. Es giebt keine Nation, außer den Lhi- nesern, wo nicht einige Götter den Mägdchen Rinder gemacht haben sollen. Die Rinder, die aus der Beywoh- nung dieser Götter und der Sterblichen erzeuget wurden, mußten wohl vornehmer, als andere Mensche- s-yn. Es steht auch fleißig im ersten Buche Moses, es haben diese Götter, die bey unfern Mägdchen geschlafen haben, Rie- sen gezeuget. * * * Man sehe wieder einen jener vermessenen Züge, die man kaum glauben kann, nachdem man sie auch gelesen hat. Moses erinnert, in allen Büchern des Gesetzes, ohn Unterlaß an den großen Lehrsatz von der Einheit Gottes; er brauchet alle erdenkliche Vorsicht, um die Hebräer vor dem Götzendienste zu bewahren. Der Verfasser des Handlexikons will uns zu verstehen geben, Moses habe von mehrern Göttern geredet; er habe Untergölter erkannt. Eine solche Ungereimtheit verdienet nicht widerleget zu werden. Der Sinn dieserStelle r vicZeutes gutem HIi'i Dei 6- 1ig8 komiuum, ist einfach und natürlich. Weil der Geist der Frömmigkeit unter den Nachkommen des Seth erhalten worden war, wurden sie das Geschlecht der Rinder Gottes genannt; und die Nachkommen Rains, von denen die Schrift nichts dergleichen meldet, wurden das Geschlecht der iS»! ch L l ch l« >K kB W ch vi' « ji» B, !» Schöpfung. 4zi -er Menschenkinder geheißen. Diese zween Stämme mach, ten lange Zeit kein BünLniß mit einander: erst wenige Jahr» Hunderte vor der Sündflurh verbanden sich die Abkömmlinge des Seth mit Rains Nachkommen: und aus diesen Verbindungen kamerr jene kühnen und mächtigen Menschen her, von denen die Schrift redet. Denn die Menschen, welche Gott nicht fürchten,sind allezeit die allergefährlichsten; sie sind zum meisten zu scheuen. Die richtigste Ueberseßung dieser Stelle ist dann jene, welche alle christliche Gemeinen jeder, zeit angenommen haben. Aquila und Symmachuö, welche die ersten Uebersetzungen von der Schrift gemachel haben, und dem Judcnrhume zugerhau waren, übersehen diese Stelle, einer durch diese Worte: Die Rinder Helohims, das ist, Gottes; und der andere: Die Rinder der Mächtigen. Endlich ist es eine eben so ungesittete als ungereiinte Am merkmg, zu sagen, es haben sich alle Nationen, außer den Chinesen!, eingebildet, daß die Götter den Mägdchen Kim der gemacht haben. Die Griechen hatten diese Thorheit, von denen die Religion in das ganze römische Reich übergieng. Aber man wird bey den * Persern, Leutschen, Iapone, fern, Indianern, Arabern, und bey den meisten Völkern Amerikens von diesem Unsinne nichts finden. Diese Völker waren weniger ausschweifend, weil sie weder die Griechen, noch die Römer kannten. IX. Man kann auf die Treue und den Verstand des Verfas, serö aus den Anmerkungen schließen, die er über die Unwis, senheil des Moses machet, welchem er alberne Meymmgen und eine lächerliche Denkensart von den Himmeln, dem Firmamente, den Sternen, u. s. w. Schuld giebt, da, mit ' Man sthe Hyde, Lacitus, «nd andere nach. 4Z2 Schöpfung, mir er Gelegenheit haben möge, dawider aufzuziehen. Man kann seinen Geschmack nach folgenden Bemerkungen beurkheilen. Der Herr machte dem Adam und der Lve Rleider aus Fetten. Diese Stelle zeiget wohl, daß die Juden einen körperlichen Gott glaubten, weil sie ihn das Schnriderhandrverk treiben ließen. —- Gott sprach zu Noe: Ich will mit dir und mit allen Thieren einen Bund schließen. Sott mit den Thieren einen Bund schließen! was für einen Bund?-Erstellte vor den Lustgarten einen Cherubim mit einem Schwerte. Cherubim heißt ein Ochs. Ein Ochs, mit einem Säbel bewaffnet , machet eine seltsame Figur vor einem Chore. Ich fahre nicht weiter fort. Es sind eitel einfältige Spott« reden, hie man kaum einem Possenreißer auf dem Markte vergeben würde. Ein gelehrter und erfahrener Mann weiß, daß das Wort r Cherubiin, Stärke, Macht, oder etwas Ehrfurchtvollee, etwas Schreckbares bedeutet. Er weiß, daß das Wort: Bund, in dem Falle, wovon die Rede ist, nichts anders Heißt, als die Verheißung, welche der Herr gegeben hat, daß er die Erde nicht mehr durch eine neue Sündflurh überschwemmen wolle; und eben dieses will der Text ausdrücklich andeuten. Er verachtet den eben so ungesitteten als gottlosen Lästerer, welcher bey Gelegenheit der Kleider , die Gott unfern ersten Aeltern gab, oder die er ihnen einsprach sich zu machen, zu sagen waget, es habe der Schöpfer des Himmels und der Erde das Schneiderhandwerk getrieben. Er erkennet endlich, daß die Schrift, unter den Händen drr Gottlosen, so viel ist, als: AIsrZaritL snte porcos, wie Jesus Christus saget. X!^I. W «ch s«lt 43r X^l. Seele. ist die Seele? Eine große Frage, welche die Frey, denker mit Vergnügen aufwerfen, welche die Klügler schwerlich auflösen werden, und worauf nur eine richtige Vernunft und die Religion uns in den Stand sehen können zu antworten. Es ist kaum ein Punkt in der Philosophie, wovon man so viele Jmhümer, Ausschweifungen, und Ungereimtheiten auf die Bahne gebracht har. Man findet sie beynahe alle in der Encyklopädre beym Artikel: Seele, versammelt, wo man alles abgeschrieben hat, was Cicero, von den Träu, mereyen der griechischen Philosophen über diesen Gegenstand, erzählet. Sie sind im philosophischen Handlexikon besser ins Kurze gezogen, und mit einem Spörterrone gewürzet, welcher leicht zu erkennen giebt, daß der Verfasser sich wenig bekümmert, so vernünftig und klug dareinzugehen, als der Sroffzu erfodern scheint. Da behauptet er mit einer sonderbaren Kühnheit, daß uns die Vernunft von der Natur der Seele nichts entdecke; daß man nichts davon wissen kön, ne, als was uns der Glauben davon berichtet: welches nach seiner schönen Denkenöart so viel sagen will, als, daß man durchaus nichts davon wissen könne. Es ist ganz leicht zu zeigen, daß uns die Vernunft über diesen wichtigen Punkt nicht in so tiefen Finsternissen stecken läßt, als man es zu behaupten waget; und daß nichts ver, achtenswürdiger ist, als jene ungereimten Sprüche und jene verstellten Zweifel, die man vorzubringen sich ge trauet. Wir wollen erstlich die Wahrheit bestätigen; nachmals werden H. Band, Er wir 4Z4 Seele, wir die Ungereimtheiten und die Lügen aufdecken. Aber ehe wir zur Sache schreiten, verlangen wir, daß man uns zween Punkte zugebe, welche nothwendig scheinen, um die Begriffe zu bestimmen, und welchen man den Beyfall nicht versagen kann. Dieß sind die zween Punkte. 1. Der Mensch denket; und unter dem Worte: Denken, .verstehen wir alle Kennmiß, Beurcheilung, Vernunftschlüsse, Znsammenseßung, Untersuchung, und andere Verrichtungen von dieser Art, wozu wir sehen, daß der Mensch sä, hig ist. 2. Das Denken erstrecket sich nicht allein auf die Dinge, die in die Sinne fallen, sondern auch auf die abstraktesten Dinge, die von der Materie ganz abgesondert sind, und bloß im Verstände bestehen. Wenn man uns diese Punkte zugegeben und eingestanden hat, machen wir von der Seele die Bestimmung, undbestä, Ligen sie durch den folgenden Saß. Satz. < 7 >ie Seele ist ein geistiges und unsterbliches Wesen, web ches in dem Menschen der Ursprung aller seiner Gedanken, Kenntnisse, und Empfindungen ist. Wir ziehen die Beweise dieses SaßeS: i. aus der Noch« Wendigkeit, in dem Menschen ein Wesen zuzulassen, dcü von dem Leibe unterschieden ist: 2. aus dem innern Gefühle, oder der Empfindung; Z. aus der wesentlichen Untheilbar, keit des Gedankens: 4. aus dem Ansehen der größesten Phi« losophen, welche das Alterthum aufzuweisen hat. Wir beweisen erstlich nur die Geistigkeit der Seele; denn da die Unsterblichkeit eine nothwendige Folge davon ist, verschieben Seele. ' 435 schieben wir bis zum Beschlüsse dieses Artikels unsere Folge, rungen, um ihre Unsterblichkeit festzuseßen. Erster Beweis. Die Geistigkeit der Seele. Wir können eben so wenig zweifeln, daß es in uns ein Wesen gebe, welches von unserm Leibe unterschieden ist, als wir an unserm eigenen Daseyn zweifeln könnbri. Nun, was in uns denket, betrachtet, rechnet, vergleicht, nachsinnt; was fähig ist, eine so große Verschiedenheit der Kenntnisse und Empfindungen zu haben ; das kann nicht Materie fi yn: es muß von einer Natur ftyn, die von der Materie ganz verschieden, und weit vornehmer ist, als die Materie. Für, wahr, die Materie wirket nur, und kann nur durch die Bewegung , die Zertheilung, die Gestalt ihrer Theile wirken. Locke beweist es unumstößlich im vierten Buche seiner Abhandlung vom menschlichen Verstände; und er beweist zugleich , daß die Materie nicht allein zu denken nicht fähig sey, sondern daß sie nicht einmal den Begriff vom Gedanken erzeugen könnte. Man suche die Beweise davon in diesem Werke beym Artikel: Materie, nach. Was in uns de«, ket, ist ein Wesen, das von der Materie unterschieden ist; folglich giebt es in uns ein Wesen, das nicht materialisch, das vom Leibe unterschieden ist. Zweyter Beweis- Das innere Gefühl» Ueberdas fühlen wir innerlich, daß alles, was in uns vorbeygeht unsre Gedanken, unsre Kenntnisse, unsre Gesin« "ungen, unser Geschmack zur Wahrheit, das Vergnügen, welches wir empfindest, wann wir sie gefunden haben; wie fühlen innerlich, sageich, daß all dieses nicht dir Wirkung Es L *2" 4Z6 Seele, von einer Bewegung etlicher Theilchen Materie seyn könnte, welche in unsrer Person die Lage verändert hätten, oder die Wirkung von einem Umlauft flüssiger Theilchen, die in uns vorbcygienge, wie der Umlauf des Saftes in einer Pflanze geschieht. Es muß dann von einem mächtigem, wirksamern, und einfachem Ursprünge Herkommen, als die Materie ist. Diesen Ursprung verstehen wir, und wolle» wir durch das Wort: Seele, oder geistiges Wesen, verstehen. Dritter Beweis. Die Untheilbarkeit des Gedankens. Wer nur ein Bißchen einer Ueberlegung und Unterst» chung fähig ist, verfasset leicht, daß alles, was Materie oder materialisch ist, theilbar sty, weil es nothrvendig den Begriff eines Haufen, oder einer Sammlung von Theilchen mit sich bringt: und man fasset auch leicht, daß alles, was wir Verrichtungen des Verstandes und des Willens heißen, nothwendiger Weise einfach, unrheilbar, und folglich uw materialisch sey. Man bejahet, man verneinet, man ver- gleicht, man giebt Beyfall, man erkennt die Wahr/ heit, man suchet sie, man schiebt sein Uckheil auf: wie dörfte man sagen, daß all dieses theilbar wäre? Wie würde man Jemanden ansehen, der behaupten wollte, daß man eine Empfindung, einen Gedanken, einen Zweifel, eine Bejahung, eine Verneinung in zwey rheilsn könne? Elende Ausfluchten! Der gesunde Verstand ärgert sich darüber. Dieß ist die ganze Antwort, welche Leute verdienen, die sie zu brauchen wagen. Man hat diese drey Beweise auf das Möglichsteins Kurze gezogen; aber man wird sie, in der Antwort auf die dritte Frage von der Materie, ganz entwickelt und ganz m entspringen. Man muß eine Substanz von einer „ fünften Gattung zulassen, die von den übrigen ganz uw „ terfthieden ist; eine Substanz, die in sich sechsten und „ aus sich sechsten ihre Kraft, ihre Wirksamkeit hat, und „ die jene Verrichtungen Hervorbringen kann, wozu die ma» „ terialischen Grundursachen unfähig sind „. Cicero. Dieser Mann, der größeste Geist, welchen das alte Rom gehabt hat, und der alle großen Geister des Griechenlands erreichet und vieleicht überkroffen hat, machet auf die sieg» reicheste Weise jene zu Schanden, die ihre verstellten Zweifel über die Natur der Seele vortragen möchten. „ * Es giebt „ hier auf Erden nichts,,, saget er,,, das man für die ,, Grundursache und den Ursprung der Seele angeben könnte: „ denn in der Seele ist nichts vermischet, nichts zusammen» „ gesetzt, nichts von der Materie entsprungen, oder aus „ der Materie gestaltet; nichts hat mit der Natur des Was» „ serS, der Luft, oder des Feuers ein Verhälmiß: denn „ nichts von all diesem kann das Gedächtniß, den Verstand, „ den Gedanken erzeugen; nichts kann das Vergangene zu, „ rückrufen, die Zukunft versehen, von dem Gegenwart» „ gen urcheilen. Die Seele kann also nur von Gotte her» „ kommen. Sie hat dann eine ganz besondere Natur, weil „ sie von jenen Dingen ganz verschieden ist, die wir sehen „ und gebrauchen. Wir können die göttliche Natur uns „ nicht anders vorstellen, als wie ein einfaches Wesen, das Seele. 4Z9 „ von aller verweslichen Vermischung vollkommen frey ist; ,, und wir können uns von der Seele des Menschen auch ,, keinen andern Begriff machen „. Also haben diese großen Männer von der Natur der Seele gedacht: und da sic sich also ausdrückten, wie wir eben itzt gesehen haben, sagten sie uns nichts anders, als was die Vernunft ihnen selbsten einsprach; was sie einem jeden Menschen, der zu denken und zu überlegen fähig ist, ringesprochen hat, und allezeit einsprechen wird. Dieß ist gewiß weit zulänglicher, und gewiß weit vernünftiger, als jene Stäubchen oder Aromen des Demokrit, welche nach/ mals Epikur wieder zur Hand genommen, und endlich der Dichter Lukrez in schöne Verse gereihet hat. O die schö, nen Seelen, die da aus Staube gemacht sind ! Man führe, so lang man will, etliche Philosophen an, die behauptet haben, daß die Seele materialisch sey. Nichts kann dadurch bewiesen werden, als die Schwachheit, die Fehl, tritte, die Jrrchümer des menschlichen Verstandes, und 5e, sonders die Ausschweifungen des Herzens, und das Feuer der Leidenschaften. Ihr Ansehen kann nicht von großer Wich» tigkeit ftyn. Denn außerdem, daß sie dem Geiste nach mit den großen Männern, die wir nun eben angezogen Haben, nicht vergleichbar sind, so sind sie auch in sehr geringer An, zahl. Man hätte auch sehr Unrecht, wenn man unter die Ver, theidigcr der Materialität der Seele gewisse Schriftsteller zählen wollte, welche sich keine Mühe gaben, eine genaue Bestimmung von ihr anzugeben, sondern sich nur beflissen,' eitel metaphorische Beschreibungen davon vorzustellen, die aber sehr tauglich sind, uns zu bedeuten, was für einen hohen Begriff sie von der Seele hatten. Also haben man, ' Ee 4 che, 440 Ocele. che, wegen der Wirksamkeit, Kraft, Feinheit, und Erha, benhsit, die man in den Gedanken und Empfindungen gewisser Seelen bemerket hat, gesaget: die Seele sey eine ganz feurige Substanz; andere: sie sey noch feiner, als die äthe, rische oder luftige Materie; diese: sie sey durch den Glanz und die Wirksamkeit dem Lichte gleich; jene: sie sey etwas Göttliches, und gleichsam ein Theil der Gottheit ftlbsten. Man har allezeit die erhabensten Begriffe und die edelsten Ausdrücke gesuchet, um ihre Vorrrefflichkeit kennbar zu machen. Nun, es ist augenscheinlich, wie wir gesagt haben, daß man dadurch keine genauen Bestimmungen von der Seele hat geben wollen; sondern man wollte nur aus ihren Ver, richtungen schließen lassen, wie vortrefflich diese Substanz iu sich ftlbsten, und wie weit über alles, was wir sehen, eri haben fty. Die kleinen Klügler, derer ganze Wissenschaft in der Le, suug etlicher gottloser Bücher besteht, und welche sich dadurch ein Ansehen zu geben glauben, wenn sie über die Geistigkeit der Seele Zweifel auftverfen, verdienen dann nichts, als Mitleid und Verachtung, wann sie behaupten, es haben al, lr alte Philosophen eine körperliche Seele geglaubt. Sie sind in diesem Stücke nur der Wiederhall der Unwissenheit. Eben so wenig verdienen sie ein Gehör, wann sie uns wieder sagen wollen, die meisten alten Kirchenväter haben eine körperliche Seele geglaubt. Sie geben dadurch entweder von ihrer Unwissenheit, oder von ihrer Unredlichkeit, ei, nen neuen Beweis: von ihrer Unwissenheit, weil sie die Gesinnungen der Väter nicht kennen; von ihrer Unredlichkeit, weil sie die augenscheinlichste und merkbarste Zweydeutigkeit miöbrauchen. Wir wollen erklären, was zu dieftr Beschuldigung Anlaß gegeben Hst. Die I-B Di M ,!k Ächj Ä> chi> P itz. IÄ! IIP ^ N j-B! Seele. 44 ^ Die Väter haben allezeit die Geistigkeit und Unkörper, licbkeit der Seele bestätiget, bewiesen, und vertheidiget. Es hieße sie verleumden, wenn man ihnen in diesem Stücke Zweifel beymessen wollte. Aber etliche aus ihnen haben noch eine der scharfsinnigsten Fragen, die man aufwerfen kann, untersuchen, und nachmals erklären wollen; nämlich: wie man eine Seele von einer Seele unterscheiden könnte, nachdem sie von ihrem Leibe getrennet wären. Man sehe zum Beyspiele, die Seelen des Cicero, Läsars, Lato, pompejus, Latilina wohnen beysamen. Wie werden die, se Seelen, da sie von den Leibern getrennxt sind, sich von einander unterscheiden? wie werden sie einander erkennen mö, gen? Um diese Frage zu beantworten, haben die Väter, mit erlichen Philosophen aus den alten Zeiten, vecmuthet, daß die Seelen, wenn sie gleich geistig sind, dennoch gewisse unterscheidende Kennzeichen, gewisse Gestalten, gewisse Prä, ge haben, die sie von den Leibern, in denen sie wohnten, und von Len Leidenschaften, wovon sie bewegt waren, behalten; daß sie durch diese Kennzeichen oder Präge sich einander er, kennen, und vermeiden mögen, daß sie nicht die Seele des Latilina für des Cicero Seele, oder die Seele des Läsars für des Pompejus Seele halten. Diese Kennzeichen, Ge» stallen, oder Präge, wurden von ihnen die Rörperlichkeit der Seele geheißen. Diese Art zu schließen ist zwar nicht von den besten ge, wesen; aber sie begünstiget die Materialisten im geringsten nicht: und ich glaube, unsere großen Philosophen wären, mit aller ihrer Wissenschaft, heut zu Tage sehr verlegen , wenn sie eben diese Frage beantworten müßten: wie kön, nen die Seelen, wann sie von den Leibern getrennet sind, sich einander erkennen und unterscheiden? E e s 442 Seele. Tertullian, Synnesius, und noch andere, welche dir hitzigsten Vsrrheidiger dieser Erklärung gewesen sind, haben mir eben so vielem Eifer die Unkörperlichkeit und Geistigkeit der Seele vertheidigst. Man vernehme hier sonderbar, wie Tertuklian sich ansdrück«: * Die Seele ist ein einfaches Wesen. Es ist eben so wenig eine Zusammensetzung an ihr, als eine ^Heilbarkeit; und sie hat keine Theilbar, keit, weil sie nicht aufgelöset werden kann, wenn sie zusammengesetzt wäre , könnte sie avfgelöset werden; wenn sie aufgelöset werden könnte, wäre sie nicht mehr unsterblich. Und weil die Seele unsterblich ist, so kann sie dann weder einer Auflösung, noch einer ^Heilbarkeit fähig seyn: denn die ^Heilbarkeit ist eine Auflösung, und die Auflösung ist der Tod. Einige andere Väter haben auch von der Körperlichkeit der Seele gesprochen; aber auf eine Weise, welche die Mae terialität keineswegs begünstiget. Der heilige Irenäus um ter andern, wo er die Träumereyen der Seelenwanderung bestreitet, läßt einen pythagorischen Philosophen austreten, ** welcher saget, daß die Seele, da sie ein Hauch ist, nicht anders als in einem Leibe bestehen könne, und daß sie nothwendig durch Hülfsglieder unterstützet werden müsse. Aber der heilige Irenäus antwortet, es habe die Seele des Menschen eine ungemein feine Hülle; sie erhalte nach dem Tode des Menschen durch dieses Mittel die menschlicheGestalt, und sie sey folglich, nur in Vergleichung mit dichten Körpern, die in unsre Sinne fallen, lediglich unkörperlich. Wir können von dieser Erklärung des heiligen Irenäus sagen, was wir von der Erklärung Tertullians schon gesagt haben, daß » ysn der Seele. !4» Rap. «»r. S. Seele. 44 z ^ h daß sie dem Lehrsätze von der Geistigkeit der Seele keineswegs ^ widerstrebe. htz Ißt wollen wir umständlicher sehen, was die Philoso, ^ phen nach der Mode wider den Lehrsatz von der Geistigkeit ^ der Seele einwenden. Zum allerersten soll jener düstere Träu, mer auftreten, welcher uns ein allgemeines System der Na, Otz rur zu geben sich anmaßet, und Labey öffentlich den Matena« lismuö, und den Atheismus bekennet, und lehret. ich * wenn wir fragen, was ein Geist sey, so antrvor» ten uns die Neuern: er sey eine Substanz von einer uw bekannten Natur, welche so einfach, so untheilbar, so unausgedehnt, so unsichtbar, so unfühlbar für die Sinne ist, daß seine Tbeile, nicht einmal durch den Ge, M danken getrennct werden können. Aber, wie läßt sich et» ^ ne solche Substanz begreifen, welche nichts anders ist, km als eine Verneinung alles dessen, was uns bekannt ist ? lvi Wie kann man sich einen Begriff von einer Substanz - ««, machen, die keine Ausdehnung hat, und gleichwohl auf h ß, unsere Sinne wirket, das ist , auf materialifche Hülfs, H glieder, die eine Ausdehnung haben ? wie mag ein weich sen ohne Ausdehnung beweglich seyn, und Materie in M die Bewegung setzen? wie kann eine Substanz, die ket, «h V ne Lheile hat, auf verschiedene Lheile des Raumes nach M einander sich ausbreiten? Wenn wir diesen Mann fragen: Was ist däs Grun-d, Ursache -er Schwere, kraft welcher ein Stein hrrmbsällt? Was ist das Triebwerk, das in einigen Substanzen den Zug- " System der Nat. 7. Rap» 89. Seit. 444 Seele. Zugtrieb, und in andern denForttrieb hervorbringt? Wie soll man die Mittheilung der Bewegung von einem Körper zum andern erklären ? So wird er uns antworten: * Die ein, fachsten Bewegungen, die gemeinsten Naturerscheinungen, die gewöhnlichsten Arten zu handeln in allen Rör- pern, find Geheimnisse, die sich nicht erklären lassen, und von denen wir niemals die ersten Grundursachen erkennen werden. Weil er uns auf die Fragen, die wir ihm nach seinem Beyspiele sehen, mit dieser Antwort abweist; so mag er es nicht übel aufnehmen, daß wir ihm die gleiche Antwort auf die Fragen geben, die er uns sehet, und daß wir ihm auf alle jene wie? nichts anders sagen , als: Ls sind Geheimnisse, die sich nicht erklären lassen. Wir wollen gleichwohl zur Befriedigung unsrer Leser, noch zeigen, daß in allen seinen wie? Kein Schatten einer gesunden Ver, nunft anzulreffen ist. wie läßt sich eine Substanz begreifen, saget er, web che nichts anders ist, als eine Verneinung alles dessen, was uns bekannt ist ? Dieser Mann sehet voraus, daß wir nichts anders, außer durch die Sinne, kennen; das ist, daß wir nur jene Dinge kennen, welche durch die Gestalt, oder durch die Farbe, oder durch die Bewegung, oder durch die Handlung ihrer Theile, auf die Sinne einen Eindruck zu machen vermögen. Aber hat er Grundes genug, dieses vorauszuftßen? Wir kennen, was die Wahrheit, was eine Bejahung, eine Verneinung sey, u. s. w. Gleichwohl hat die Wahrheit, die Bejahung, die Verneinung weder Ge, statt, noch Theile, noch Farbe, noch Geruch, noch Be< wegung, Es stecket also eitel Ungereimtheit in der ersten Frage, ' r. ruay- ris. Heitz. Wie !«! Seele. 445 wie kann man sich einen Begriff von einer Substanz machen, die keine Ausdehnung hat, und gleichwohl auf materialische Hülfsglieder wirket? Wir genügen uns, mit den vernünftigen Leuten zu antworten : Erfahrung ist mehr als Wissenschaft. Die Erfahrung belehret uns, daß wir die Zunge, den Faß, die Hand bewegen, weil wir es wollen. Wahr ists: wir begreifen nicht, wie dieses ge» schehe; aber wir wollen die Richtigkeit einer Sache nicht läugnen, wovon wir die beständige Erfahrung haben, und wir werden deßhalben nicht sagen, daß unser Willen eine ausgedehnte Substanz sey. wie kann eine Substanz, die keine Theile hat, auf verschiedene Theile des Raumes nach einander sich aus» breiten? Dieß ist der gröbste Trugschluß, den man vor» tragen könnte. Eine Substanz, die aus Theilen besteht, breitet sich auf den Raum durch ihre Theile aus. Eine einfache Substanz breitet sich darauf nur durch ihre Hand, lung aus, und dadurch läßt sie sich im Raume merken. Wenn man die Handlung dieser einfachen Substanz nicht deutlich begreift, so hat man darum nicht Ursache, ihr Dar seyn zu verneinen. Dieser Mann sehet allezeit voraus, was er beweisen soll, und was er niemals beweist, näm» lich, daß es keine Substanz ohne Theile gebe. II. * Die Seele ist nichts anders, als der Leib sechsten, in Absicht auf etliche Verrichtungen oder Rräfts betrach, tet, wozu ihn seine Natur und sein besonderer Glieder, bau fähig machet. Sie muß die gleichen Verändrungen auestehen, wie der Leib. Sie wird mit ihm gebohren. 446 Seele, und entwickelt flch mit ihm; sie hat mit ihm einen Stand der Rindhett, der Schwachheit, der Unerfahrenheit; sie - nimmt zu, und wird stark mit ihm: und alsdann wird sie fähig, gewisse Verrichtungen zu unternehmen; sie ge, nießt der Vernunft; sie zeiget mehr oder weniger Verstand, Beurtheilung, Wirksamkeit. Sie ist, wieder Leib, Sen Veränderlichkeiten unterworfen, welche die äußerlichen Ursachen , die auf ihn einen Einfluß haben, ihn ausstehen lassen. Sie genießt, und leidet in Verbindung mit ihm; sie nimmt an seinen Vergnügungen und an seinen Plagen Theil. Sie ist krank, wann der Leib mit einer Rrankheit behaftet ist; sie nimmt, sowohl als er, durch die verschiedenen Grade von -er Schwere der Luft, durch die Wechslungen der Iahrszeiken, durch die Nahrung, die in den Magen kömmt, verschiedene Formen an: endlich können wir uns nicht entbrechen zu er» kennen, daß sie, in gewissen Zeitpunkten, die sichtbaren Zeichen der Erstarrung, des Alters, und des Todes aufweise. * » * Wie leicht könnte sich hier ein Spaßvogel über diesen Träumer lustig machen! Was für artige Glossen würde er, über die sinnreichen Sähe, und die schönen Gedanken ma» chm, die man in diesem Texte gewahr werden kann! Die Seele, saget der Träumer, ist nichts anders, als der Leib, in Absicht auf etliche seiner Verrichtungen betrachtet; und bald darauf setzet er bey: Die Seele wird mit dem Lei« be gebohren; sie nimmt zu, und wird stark mit ihm. Das heißt nach seinem schönen Einfalle: Der Leib wird mit dem Leibe gebohren; er entwickelt sich, nimmt zu, wird stark mit dem Leibe: es kömmt eine Zeit, wo der Leib vernünftig wird. !sr heißen Kalle, was erkältet. Wäre die Amwort nicht geistreich und emsichcvoll ? tz Er heißt ferner: Von der Seele sagen, daß sie da-: sey, a as «tz« beseelet, ist alles, was unser kleiner Verstand davon weiß. ! Unterdessen haben wir erst gesehen, daß der Verstand des pla, W to, des Aristoteles, des Cicero, u. m. a. viel weiter gegart, W gen ist. Wir wissen daß die hebräischen Lehrer, welche mehr , >tz dann sechs hundert Jahre früher geschrieben haben, als es in sitz Griechenlands Philosophen gegeben hat, auch viel weiter gc- G« gangen sind. Jene wunderbare Menge großer Geister, die das Ä, Christenthum gezähler hat, ist auch viel weiter gegangen. Aber hie Epikuräer, die Freydenker, jene, die ein zuküufr G tiges Leben fürchten, möchten gerne nicht so weit gehen. !M IV. Man vernehme, wie unser Gegner vernünftelt, um den W Beweis umzustoßen, welchen man von der Geistigkeit der d Seele durch die Unteilbarkeit des Gedankens giebt. Die Ma, x terie, die uns im übrigen unbekannt ist, besitzt Eigen, « tz! sihafren, welche nicht materialisch sind, welche nicht rheil, ^ bar sind« Sie hat die Drückkraft gegen einenMittelpunkt, die ihr Gotr gegeben hat. Nun diese Drückkraft hat keine Theile; stetst nichttheilbar. Die bewegende Rraft derLör« ^ per ist ein Wesen, das nicht aus Theilen zusammengesetzt ist. Das wacbothum der organisirten Rörper, ihr Le, den, ihr Naturtrieb, sind eben auch keine Rörper aus Thetlen, keine rheilbare Wesen. Man kann eben so wenig das Wachsthum einer Rose, das Leben eines Pferdes, den Naturtrieb eines Hundes in zwey rheilen, hW als man eine Empfindung, eine Bejahung, eine Ver, ^ Meinung in zwey rheilen kann. Der schöne Schlußgrund, ^ ll. Band. F f den 4?o den man aus der Untheilbarkeit des Gedankens zieht, be» weist dann durchaus nichts. * * Dieser Mann behauptet, daß die Materie uns unbekannt ^ sey: zugleich behauptet er, daß sie makerialische und unma» terialische Eigenschaften besitze; und dieses will sagen, sie sey «j>K uns nicht unbekannt. Es kömmt ein Bißchen widersprechend jftE heraus. Aber, ohne daß wir uns dabey aufhalten, wollen M wir ihm beweisen, daß nichts theilbarer sey, als jene schönen V Eigenschaften der Materie, die er untheilbar nennt. M Erstlich, was ist das Wachökhum einer Pflanze ? Das -KI WachSkhum ist nichts anders in ihrem Anfänge, als der Zu» wuchs der Pflanze, welcher durch die Ausdehnung der Zäser» M chen, durch den Umlaufdes Saftes, und durch die Beyrre, , « tU»g der Feuchtigkeiten, der Salze, und andrer Theile der Dz Materie geschieht, wodurch diese Pflanze anwächst und ver- H größer: wird. Dieß heißen wir Wachökhum. Die Nährung und Erhaltung der Pflanze geschieht durch eben dieselben Grundursachen, und eben dieselbe Einrichtung. Nun, all ^ dieses, wie man sieht, ist ganz marerialisch und ganz ^ theilbar. Wir heißen die bewegende Kraft den Ausschlag der Mas- , ^ se und der Schnelligkeit, womit ein Körper an einen andern ^ Körper ansiößt. Soll man sagen, diese Masse und diese ^ Schnelligkeit seyn untheilbar ? sie seyn Eigenschaften der Mai mir, die nicht materialisch sind ? ^ Was ist die Druckkraft ? Es ist dir Kraft, mit welcher ^ ein Körper gegen den Mittelpunkt der Erde strebet. Man ^ mag nun diese Kraft durch den Fomrieb von Descartes, ^ oder durch den Zugtrieb des englänbischeu Philosophen erklä- ^ ren; Seele. 451 ^ rm; so wird man niemals etwas anders finden, als was materialrsch und theilbar ist. Die Schnelligkeit der Wirbel ordnet alles im ersten aus diesen Systemen; und die Massen mit den Vierecken der Entfernungen ordnen im zweyten alles. Das Leben in den Bäumen und Pflanzen ist nichts an» ^ ders, als der Umlauf des Saftes. Wie getrauet man sich dann zu behaupten, daß die Materie Eigenschaften besitze, ^ welche nicht materialifch und nicht theilbar waren, wie die ^ Druckkraft, das Wachschum, u. f. w. ? iG Man kömmt nachmals mit dem Leben des Pferdes, mit dem Naturtriebe des Hundes aufgezogen. Aber wie wollte - man beweisen, daß der Naturtrieb des Hundes eine Eigen» schaft der Materie sey ? Worinnen läßt man das Leben des «K Pferdes bestehen? Es ist kein Drug in der ganzen Philoso, Np» phie, wovon man weniger versichert ist, als von dem, was P ir die Seele der Thiere belanget. Einige machen lauter beweg» O» liche Maschinen daraus; und alsdann ist alles theilbar an ih, H« neu: andere geben ihnen für die Seele ein geistiges Wesen, His Las mit dem Körper vergeht; und dann fällt der Grund von tz, «l der Untheilbarkeir aus sich sechsten. Unser Gegner Hält jene id zq für Dummköpfe, welche den Thieren materialifche Seelen geben; jene für noch größere Dummköpfe, die behauptet ha- M ben, daß diese Seelen weder körperlich, noch geistig seyn : ««B er behandelt auf gleiche Weise jene, die ihnen geistige See- kn zugeben; und die, welche Maschinen daraus machen, die weder Kenntniß noch Gefühl haben. Er spottet über alle Meynungen, nnd kann sechsten kerne bestimmen. Die ^ bleibt dann lediglich unbekannt. ^ ßr Noch einmal! Der Beweisgrund, welcher aus der ttn» ^ «Heilbarkeit des Wachschumes von einer Rose, des Naluc- ^ ttiebs von eurem Hunde, des Lebens von einein Pferde ge» ^ ß! Zf» zogen 4s» Seele, zogen wird, erprobet durchaus nichts, weil man einerseits beweist, daß dieses Wachschum sehr cheilbar sey; und am derseitS, daß wir den Naturtrieb des Hundes lediglich nicht kennen. Ey! die schöne Act zu beweisen, wo man sich auf zween Säße gründet, von denen einer augenscheinlich als falsch erwiesen ist, und der andere durchaus nicht erkläret werden kann ! die schöne Art, eine Sache zu bestreiten, wes, che wir alle durch die Vernunft und das innere Gefühl er» kennen! V. B !Z M Ps Es ist recht sonderbar, -aß in den Gesetzen des Volks Gottes von der Geistigkeit und Unsterblichkeit der Seele, weder Ln den zehn Gebothen, noch im Levitikus, noch in allen fünf Büchern Moses, ein Wort gesagt wird, wenn Moses den Lehrsatz von der Unsterblichkeit der Seele vorgetragen hätte, so würde nicht eine große Schu, le der Juden immer dawider gestritten haben; diese große Schule der Sadducäer wäre nicht im Staate gurgeheißen worden; die Sadducäer hätten nicht die vornehmsten Stellen bekleidet ; man hätte nicht hohe Priester §us ih» rem Mittel angenommen. — Ohne denjenigen, der allein alle Menschen unterrichten mußte, hätten wir nie, mals etwas von unsrer Seele erkennen mögen: denn die Philosophen haben niemals einen bestimmten Begriff davon gehabt, und Moses, der einzige wahre Gesetzgeber der Welt vor dem unsrigen, hat die Menschen über diesen großen Punkt in einer tiefen Unwissenheit stecken las» sen. Man ist dann erst seit siebenzehn hundert Jahren von den« Daseyn der Seele, und vor» ihrer Unsterblichkeit Versichert. * * W A G Äk Atz Oi! Zdj Es Seele. 45 z Es ist recht sonderbar, daß von allem, was unser Geg, ner hier behauptet, kein Wort ist, welches nicht eine Falsch«, heit enthält, oder auf eine Falschheit gegründet ist. Dieses »vollen wir durch die folgenden Anmerkungen klar beweisen, welche alle«, was diesen Gegenstand betrifft, in das Helleste Licht sehen werden. i. Wer sind die Ersten gewesen, die an der Unkörper« lichkeit der Seele gezweifelt, und von diesem Stoffe falsche Lehren aufgebracht haben ? Etliche müßige oder freydenkende Philosophen. Die ältesten, die man kennet, sind: Demokrit, Dicäarch, ein Schüler des Aristoteles, Epikur, Aristoxenes, der Tonkünstler; nach ihnen kam ein gewisser Pöbel der Philosophen, klebest klrilolopln, * wofür Cicero , von dem wir diesen Ausdruck borgen, sehr wenig Ach» tung hat« Ehe diese Herren zum Vorscheine kamen, das ist erliche Jahrhunderte vor Jesu Christo, fiel es Niemanden bey, an diesem Lehrsätze zu zweifeln, welcher fich vom höch» sten Alterthume herschreibt. Dieses Alrerthum, wie Cicero bemerket, welches beynahe bis zum ersten Ursprünge der Dinge zurückgeht, mußte die Wahrheit besser erkennen: kt pri- mum Huiöem ab vmni anti^uitate, czuse, czuopro- piu8 sberst ab ortu öd äivina proZenie, boc mel!U8 eslortalle, l«> Seele. 4§5 Pflicht der Gesellschaft aufgehoben. Denn man vernehtns, wie Leute reden werden, oder reden können, die Materialisten geworden sind. Ob es einen Gott gebe, oder nicht, was ist uns daran gelegen? Stirbt der Mensch, so ist alles dahin. — Was bedeutet jenes große Wort: Vorsehung ? Die Vorsehung ist nichts. Man hat nach dem Tode nichts zu hoffen, und nichts zu fürchteri. — Was ist die Tugend? Ein Vorur- kheil, welches Thoren verführen mag: wenn man sich aber ein Vermögen oder ein Vergnügen verschaffen kann, warum sollte man es entbehren? Man fraget ihr: Was für entsetzliche Unordnungen würden nicht dergleichen Folgerungen in die Welt bringen? Um terdessen wären alle diese Folgerungen ganz richtig, wenn man annähme, daß die Seele nicht unsterblich sey. Man ur- thüle bann von dem gräulichen Grundsätze, aus welchem sie Herkommen. III. Man hält die menschliche Natur für das vollkommenste Ding in her Welt. Aber Ließ wäre grundfalsch, wenn die Seele des Menschen nicht unsterblich wäre. Im Gegensätze müßte man, in diesem Falle, alle Menschen, theils für die unglückseligsten aus allen Wesen, theils für die Hassens- würdigsten ansehen. Man sieht, daß einige bedrücket, ge- quälet, gemartert; andere Unterdrücker, Ungerechte, Unmenschen sind. Nun, da man setzet, daß die Seele sterblich sey, so leben die ersten ohne Trost, die zweyren ohne Furcht der Bestrafung. Dann wäre das Leiden ohne Frucht, die Tugend ohne Belohnung, das Laster ohne Beschränkung. Dann hätte man Recht, die Thiere glücklich zu preisen, Weiche, mit der Sorgfalt für ihre Erhaltung allein beschaff- U. Band. G g liget, 466 Seele, tiget, eines unvergleichlich glückseligem Schicksals genössen, als das menschliche Geschlecht. Aber, was für einen Begriff könnte man sich auch als. dann von der Weisheit des höchsten Wesens machen? Was für eine Absicht könnte uns mir ihm verbinden? Was für ein Beweggrund könnte uns antreiben, ihn zu lieben, zu fürchten, anzuberhen? IV. Nur der Lehrsatz von der Unsterblichkeit der Seele kann große Männer bilden, kann uns zn großen Tugenden erhe- ben, kami uns zu großen Opfern für Gott, für die Reli- gion, für das Vaterland, für die Gesellschaft bewegen. Der größere Nutz wird allezeit das Uebergewicht haben. Wenn alles auf das Gegenwärtige beschränket ist, wird Jedermann alles auf das gegenwärtige Beste, das gegenwärti, ge Vergnügen, den gegenwärtigen Nutzen anwenden. Ec wird sich für eine Zukunft in der Einbildung nicht bekümmern, die ihn nicht angehen mag. V. Der Lehrsatz von der Unsterblichkeit der Seele erhält, ermannet, tröstet den mgendsamen Menschen; der entgegengesetzte Lehrsatz kann nur lasterhaften und bösen Menschen gefallen. Auf welcher Seite kann man vermukhen, daß die Wahrheit scy? VI. Laßt uns untersuchen; laßt uns vernünfteln. Welche sollen uns beffere Philosophen scheinen: die, welche die Um sterblichkeit der Seele läugnen; oder jene, die sie amiehmen? Die ersten haben kerne andere Beweggründe sie zu läug- uen, als ihre Unwissenheit, und das Beschwerniß, das sie fühlen, zu begreifen, wie eine Seele ohne Leib bestehen könne. Dieß war der große Vernunftschluß Dicäarcheiie, eitles F W Ni !!!<>^ Hz 'Äj ZU >W O '4V 'l Seele. 467 nes Schülers vom Aristoteles, und des Aeistoxenus, des Tonkünstlers. Cicero* nimm! essehr bündig mir ihnen>mf, und giebt auf eine ganz fühlbare Weise das Lächerliche ihres Vcrnunftschlusses zu erkennen. Diese zween Männer, Di- cäarch und Aristoxenus, sind die Vorläufer Epikurs, Md der epikurischen Rotte gewesen. Die zweyten gründen sich auf die Natur der Seels, wel, che nochwendiger Weise unvergänglich ist, aufdas Ansehen der göttlichen Schrift, auf die allgemeine Uebereinstimmung aller Gesellschaften, die eine Religion hakten, aller Zeiten und aller Völker, auf das Zeugniß aller größester Philosophen , die man jemals gekannt Hat. Was wird ein Materialist gegen diese Vereinigung von Beweisen und Zeugnis, sm aufbringen können? Diesen Anmerkungen wollen wir noch jene Stelle beysehen, durch welche Psung den Ungläubigen und den Materialisten vollends zu Boden leget: ** „ Warum solltest du noch an ei» „nem zukünftigen Leben zweifeln? Soll ich es dir sagen? „ Sobald man Ursache hat die Zukunft zu fürchten, so wün, „schek man sie nicht mehr: und sobald man aufhöret, sie „ zu wünschen, giebt man sich Mühe, nicht mehr daran „ zu glauben. Also verräth der Unglauben ein strafbares „ Gewissen. Wann der Gedanken der Zukunft die Ungläur „ bigen heimsuchet, und mit Gewalt in ihre Seele ein dringt, „kriechen, zittern, und glauben sie . ... Ol wie gut „ beweist ihr Schrecken die augenscheinliche Richtigkeit des „Handels, den ich vertheidige! Der Unglauben strafet „ sich selber Lügen; er gesteht wider seinen Willen, daß „ es ein unsterbliches Leben giebt „. XU " Nachtgedank« VU- Ulage. Gg L ' Tuskul. Frag. I, V. 4§S Sündfluth. ie Sündfluth ist jenes entschliche Schicksal, welches die Welt vor mehr als vier tauftno Jahren erfuhr, als sie, zur Strafe ihrer Laster, vom Zorne des Allmächte gen unter Wasser begraben und verfchwemmet wurde, wobey sich ein einzig Hauswesen rettete, das wunderbarlicher Weise verschonet blieb, um die Erde wieder zu bevölkern. Die Christen glauben auf das Wort der göttlichen Schrift, daß diese Sündflnth allgemein gewesen sey; sie bemerken noch davon fühlbare Spuren und untrügliche Bewei, se, beynahe in allen Theilen der Erde: und unsre gelehrten Philosophen sagen ihnen, daß sie mit allem ihrem Glauben eitel rhörichte, blinde, unwissende Leute seyn. Von ihrer sichern Wissenschaft ganz überzeuget, behaupten sie: * die allgemeine Sündfluth sey ein ungereimtes Hirngespinnst in der Naturkunde, welches durch die Gesetze der Schwer rung, durch die Gesetze der flüssigen Rörper, durch die unzulängliche Menge Wassers, als unmöglich erwiesen ist; sie sey ein Geheimniß, das man durch den Glauben glaubet, und der Glauben bestehe darinnen, daß man glaube, was die Vernunft nicht glaubt. Sind die Herren Philosophen berechtiget, so hoch damit aufzuziehen ? Sind die Christen so einfältig mW verächtlich, als man sich zu behaupten getrauet? Dieses muß man unter» suchen. Die Frage von der Sündfluth ist eine Frage aus der Geschichte. Nun aber, Fragen aus der Geschichte können und sollen * phii. Handlex. SüMuth. 4§9 sollen nur 'nach der Gewißheit der Zeugnisse, und nach der Glaubwürdigkeit der Zeugen, die man anführt, entschieden werden.^ Man kann keine Begebenheit anstreiten, wenn man nicht die Unzulänglichkeit der Zeugnisse, die man als Beweise angiebt, oder die lediglich« Unmöglichkeit der Sache, die bezeuget wird, klar an den Tag leger. Nach Liesen Grund, sähen wollen wir sehen, wer Recht habe: die Christen, wel, che die Sündstuth glauben, oder die Irrgläubigen, welche die Leichtgläubigkeit der Christen verhöhnen? Die Christen gründen sich auf das Wort der göttlichen Schrift, im ersten Buche Moses *, im Evangelium**, in den kanonischen Sendschreiben des Oberhaupts der Apostel ***, wo von dieser großen Begebenheit geredet wird. Sie berufen die Irrgläubigen zur Beschauung der Erdkugel, die wir bewohnen, und welche noch heut zu Tage die allgemeine Zerstörung bezeuget, die sie dortmals durch den Aufenthalt der Wässer aufihrer Oberfläche erfahren hat. Endlich führen sie, als Zeugen von der Sache, die sie ver, theidigen, Philosophen, Gelehrte, sehr alte Schriftsteller an, welche von der Offenbarung nicht belehret warm, aber auch keine Ursache harren, sie zu bestreiten. Laßt uns dann die Beweise vor die Hand nehmen, die wir angezeigt haben. i. Man findet nicht allein in der Tiefe der Erde und an den niedrigsten Orrtern, sondern bis auf den erhabensten Plähen, und sogar aufden höchsten Bergen, Bänke, Schichten , Haufen von Meermuscheln, und Seekräutern; man findet dorten versteinerte Fische, und Beine von Thieren, die man nur in den entferntsten Gegenden antrifft, wood- rvard, ' VI. »» Mtth. XXIV. *'* i. Per. III. Gg Z 470 SÜildflltth. ward, VaUrsmeri, Scheuzer, Buffon, die philosophischen Vergleiche, die Nachrichten von der Akademie der Wissenschaften, geben davon Beweise und umständliche Beschreibungen, welche die stolzesten und harrsinnigsten Feinde der Wahrheit eingestehen müssen. Es muß daun all dieses aus dem Grunde des Meers Herausgetrieben, und von der starken Bewegung der Wässer fortgeführt worden seyn. Es muß dann die Oberfläche der Wässer zum wenigsten den Spitzen der höchsten Berge gleich gestanden seyn; die Wässer müssen sich länger darüber aufgehalten habeu, und während desselbmAuftmhaltS in einer großen Bewegung gewesen ichn. Nun, eben alle diese Umstände beschreibt uns Moses sir seiner Erzählung von der Sündflnkh. * Er saget uns, daß sich daö Wasser fünfzehn Ellbogen, das ist, ohngefähr vier Klafter, über die Berge aufgerhürmer habe; daß es in die- ser Höhe hundert fünfzig Tage lang geblieben sey; daß der Herr nach fünf Monaten die Winde über die Erde geschickt Habe, die vom Wasser bedecket und verschrvemmet war; daß das Wasser in seiner Bewegung durch eine Gaumig von Fluch und Ebbe hin und her gewaller sey; daß die Spitze der Berge erst hervorzuragen anfiengen, nachdemdsß Wasser drey Monate sich beweget, und allmahlig vermindert hatte; und daß noch andere drey Monate erfodm wurden, bis die Erye Hinlänglich getrocknet war. Jene Fortführung, jene Vermischung, jene Zerstreuung so vieler Hinge, die aus dem Wasser gekommen sind, waren sic nicht eine nothwendige Folge von der Bewegung des Wassers 2 und sind sie nicht eben so viele immerwährende Denk- I. N. VN. vm. Die philosophischen Vergleiche) §i» Journal von der mskL» bische» Gesellschaft der Wissenschaften. Sündfluth. 471 Denkmäler von-er Wahrheit der Sache, die vvn Moses erzählet wird ? Beweist nicht die Beschauung der Wel: die Wahrheit von Moses Erzählung? und kömmt die Erzählung des Moses nicht vollkommen damit Übereins, was n * an dieser Welt erkennen? 2. In den engen Pässen großer an einander Hangenden Gebirge, wie die Alpen und die pyrenäischen Berge sind, ttissc man an gewissen Oerkern andere Berge an, welche nichts anders sind, als nnermessene Hausen großer Kieselsteine, Li? aufeinander gerhürmer und angehanftt liegen. Diese Berge sind nicht so hoch , als jene, die von lebendigen Felsen sind. Die Kieselsteine hangen durch eine Art Kutte zusammen, die beynahe so hart als Stein ist. An den Stücken, die davon lcsgehen, erkennt man oft moosigtt, schwärzliche, vertrocknete Kräuter, welche in diese Gattung von Kürte stark eingewachsen sind. Wenn man ans jene Art von Fluch und Ebbe, wie Moses erzählet, und auf die gewaltige Bewegung der Wässer Acht har; so wird man sich über diese unermessenen Haufen Kieselsteine nicht wundern , welche in den ungleich abftchen-- dm Pässen neu? ^Verze ausmachen. Aber man beur allen Philosophen ohne Scheu? Troß, die Ursache davon in irgend einem Systeme anzugeben, welches die Erzählung des Moses nicht vorausscher. Z. Die Geschichte von der Sündfluch ist allen alten Völkern bekannt gewesen. * Berosus, der Chaldäer, berichtet uns von der Archedaß sie sich bey dem Ende der Sündfluch auf einen B?"g in 'Armenien niedergelassen habe. Nikolaus von Damaskus saget in dem sechs und neunzigsten Buche ' Josephe Alterth. i.V.q. Rap. Gg 4 472 Sündfluch. Buche seiner Geschichten, daß zur Zeit der Sündflmh ei, Mann gewesen sey, welcher mit einer Arche, oder einem Schiffe einen hohen Berg Armeniens erreichet hat, und also Dieser allgemeinen Noch entgangen ist, und daß dis Trümmer dieser Arche aus diesem Berge lange Zeit aufoehaltmwor. den seyn. * Abydenus, der Verfasser einer Geschichte der alten Meder und Assyrier, erzählet von der Sündfluch eine Menge Umstände, welche mit der Erzählung des Moses alle übereinstimmen. Man lese Lucians Abhandlung von der syrischen Göttinn , so wird man dort alle Umstände dieser erschrecklichen Begebenheit, so klar und nachdrücklich vorgetragen , finden, als sie im ersten Buche Moses stehen. Wenn wir hier Luciarren anführen, so gilt er nur für einen Bürgen und Zeugen der allgemeinen Erbsage, die er bey dm Morgenländern von der Sündfluch amraf. Nach der Klarheit und dem Augenscheine so verschiedener Beweise, die wir ißt beygebracht haben, hat kein vernünftiger Mensch den mindesten Anstand, oder Zweifel mehr. Der Irrgläubige selbsten wagst es nicht, dieselben agufechten; aber er bemühet sich, Abwege zu nehmen, durch ein gelehrt- scheinendes Kauderwälsch zu betäuben, und jene zu überra, schen, die wenig unterrichtet sind, da er ihnen sogenannte Unmöglichkeiten Lerzeiget. Man kann auf die Gründlichkeit seiner Wissenschaft, und die Stärke seiner Vemmrftschlüsse aus der folgenden Unterredung schließen, in welcher ein Jrrgläubiger'alles auf die Bahne bringt, was von dem Verfasser des philosophischen Handlexikons gegen die Sündfluch eingewendet wird. Dev > P K H Hk kl j Ä « Eusebs evang. Vorder. 5. V- r-> Rap. 47Z Sündfluth. Der Irrgläubige. Mein! mein! Ihre^ allgemeine Sündfluth ist nur ein altes Mahrchen, eines jener alten Imhümer, welche die un» wissende Leichtgläubigkeit annimmt, und wovon der Philo/ soph alsbald die Ungereimtheit einsieht. Der Christ. Krnn man auf Ihr Wort sicher glauben, mein Herr! und soll man Ihr Ansehen höher achten, als das Ansehen des Moses, und so vieler Schriftsteller, die man hochschatzet und in Ehre» hält, und die es gewiß verdienen ? Der Irrgläubige. Nur die Vernunft hat bey mir Ansehen: und die Ver, misst saget mir, daß die Sündfinlh ein ungereimtes Hirngs, spinnst in der Naturkunde sey, welches durch die Gesetze der Schwerung, durch die Gesetze der flüssigen Körper, durch die unzulängliche Menge Wassers, als unmöglich bewiesen ist. Der Christ. Was ist aber die Schwerung? und was thun die Ge, sehe der Schwerung, für oder gegen die Ueberfthwemmung des Erdkreises? Der Irrgläubige. Und wem ist unbekannt, daß die Schwerung jene Kraft ist, durch welche die Körper sich einander anziehen, in dem geraden einfachen Verhältnisse ihrer Masse, und in dem verkehrten gedoppelten Verhältnisse ihrer Abstände. Der Christ. Wohlan! was wirken jene Gesetze der Schwerung ? Ma> chen sie, daß der Regen auf die Erde nicht falle? daß die Wässer nicht laufen ? daß sie die Felder nicht verschwemmen? Gg s daß 474 Sündflll'th. . daß sie nicht anschwellen, warm sie in großer Menge sind? Haben sie dann die Sündfluth verhindern können? Was wirken die Gesetze der flüssigen Körper für oder ge zm dre nämliche Sache? Die Luft ist flüssig, der Rauch ist flüssig, das Wasser ist flüssig und fließend. Die fließe«, den Dinge legen sich wagrechr, wirken, und schweren auf alle Seiten; das ist, gegen die Seiten, wie gegen den Grund; und eben die Natur der fließe-rven Dinge dienet, von imh, rern außerordentlichen Umstanden der Sündfluth die Ursache anzugeben. Ich sehe nicht, warum man jene großen Wor, te von Gesetzen der flüssigen Körper, von Gesetzen der Schwe, nwg brauchet, um die Erzählung des Moses anzustreiten. Der Irrgläubige. Aber, es ist unmöglich zu bewegen, daß es eine zulängliche Menge Wassers gegeben habe, um den ganzen Erdball zu bedecken, und fünfzehn Ellbogen hoch über die höchsten Berge anzuschwellen. Der Christ. Und wie viste Dinge giebt es nicht, die man zugeben muß , obschon man nicht beweisen kann, wie sie Haben geschehen können ? Hätte ich das Recht zu schließen, daß «ne Sachs nicht geschehen fty, weil ich nicht begreifen kann, wie sie geschehen seyn möge ? .,ß>» ch!> d! H Der Irrgläubige. Allein, wo wollen Sie eine zulängliche Menge Wassers finden, um den ganzen Erdball zu bedecken ? Der Christ. Und Sie, haben Sie die Tiefe aller Meere geaichel? Haben Sie die Menge der verdünnerken Wasser gemessen, welche mit der Luft vermenget sind, die unfern Dunstkreis aus- machel? »st l»tz Süttdflnth. 475 machet ? Wissen Sie, wie sehr diese Wässer verdünnen ftyn, wie hoch sie sich hinaufschwingen, was für einen Raum sie ,ausfülleken, wenn sie die Mach: des Schöpfers, der sie ver, dünnert und gerheilet hat, und der sie durch die Verdünne, runz in der Luft erhält, schwerer und dichter machrte, und nach den Gesehen der Schwerung und des Gleichgewichts, auf die Erdkugel, die wir bewohnen, zurückfallen ließe? Min Herr'. Sie wissen weit mehr Dinge nicht, als Sie Dinge wissen, und Sie glauben weit weniger, als Sieglau, ben sollen. Gehen Sie, mein Herr! gehen Sie, sobald Sie Zeit dazu haben, und lesen Sie das acht und dreißigste Kapitel des Buchs Job: dorr werden Sie erfahren, wie lachenswürdig jene kleinen Dinger sind, die uns alle Werke der Allmacht des Schöpfers abgemessen vorstellen wollen. Der Irrgläubige. O! ich sehe schon: Sie wollen mir von Ihren untern und obern Wässern, von Ihren Wasserfällen des Himmels, von Ihren Quellen des großen Abgrundes, und von allen jenen übrigen Ingredienzien schwahen, welche Moses erzählet, welche dis Unwissenheit annimmr, und welche so/ wohl von der Philosophie, als von der klugen Naturkunde und vom gesunden Verstände, verworfen werden. Aber was werden Sie dabey gewinnen? Der Christ. Die Wissenschaft ist nicht allezeit das Loos derjenigen, die sich zum meisten damit groß wissen : und die Vernunft Und der gesunde Verstand sind nicht allezeit mit dem stolzesten und entscheidendsten Tone vereiniget» 476 Süridflirt^ Der Irrgläubige. Sind dieß die ganzen Beweise, die Sie von Ihren obern und untern Wässern, und von allem übrigen geben? Der Christ. Nein, mein Herr! Dieß ist nur ein Wort, das ich vor den Beweisen habe vorausschicken wollen. Ich sage Ihnen dann: Es giebk höhere Wässer, als jene, die wir sehen, welche im ganzen Dunstkreise, und vieleicht noch über dem Dunstkreise, ausgebreitet sind: es giebt eine unermeßlich« Menge solcher Wässer; der Grad ihrer Verdünnerung be, stimmt die Höhe, zu welcher sie sich Hinaufschwingen; und Moses, da er untere und obere Wässer unterschied, hat nichts behauptet, was nicht mit der Naturkunde und der Wahrheit ühereinskömmt. i. Es giebt höhere Wässer, als jene, die wir sehen, und die in dem ganzen Dunstkreise ausgebreiket sind. Man kann es aus der unermessenen Menge Wassers schließen, welche von der Oberfläche der Meere beständig anfsteigt, und nie» mals häufiger aufsteigt, als wann die Luft am heitersten ist, und folglich, wann man es am wenigsten wahrnehmen kann. , Diese Wässer erzeugen zum Theile die Wolken, und werden nachmals von den Winden herumgetragen, um das Erdreich fruchtbar zu machen. 2. Die Menge dieses Wassers, das sich im Dunstkreise auöbreüet, ist Unermessen: denn die Ausdünstung der Meer« wahret unaufhörlich; sie ist häufiger in den heißen Himmels» strichen, als in Len kalten oder gemäßigten Gegenden; und vornehmlich in den hitzigsten Gegenden dehnen sich die Meer re zum allerweikesten aus. ss D M ß»! tzj! z. Nach SÜNdsitlkh. 477 z. Nach den Gesetzen der Naturkunde muß dieVerdün, ^ nerung in den hißigern Gegenden größer seyn, als in Len übrigem Nach den Gesetzen des Gleichgewichts, und der Wafferwägekunst müssen die flüssigen Dinge desto mehr Leich, tigkeit zu steigen haben, je mehr sie verdünnen sind; und ^ da man den Grad der Verdünnerung nicht weiß, kann man ^ auch den Grad des Steigens nicht bestimmen. ^ 4. Hat die Allmacht des Schöpfers im Anfänge einen ^ Theil der Wässer Verdünnern, und in den unermesserm Raum des Dunstkreises, ja, sogar über den Dunstkreis hin« ^ auf, versetzen können? und hat er es rhun wollen, wenn er ^ es gekonnt hat? Diese zwo Fragen stelle ich auf. Wo wäre ein Mensch vermessen genug, um auf die erste Frage D mit Nein zu antworten ? Mas die zweyte belanget, so kann sie nicht anders, als durch das Ansehen und Gewicht der >Z Zeugnisse und der Zeugen entschieden werden. Wir führen nun kein anders, als das Zeugniß des Moses an. Aber ch giebt es eines, welches mit dem seinigen im Alterthume, « in der Glaubwürdigkeit, im Ansehen zu vergleichen wäre? * 'b' Der Irrgläubige. E Mein Herr! ich bin bereit, die Meynung der Philoso- * phen abzulegen, und die Ihrige auzunehmen, dafern Sie " mir nur eine Sache zugeben wollen: nämlich, daß die alb gemeine Sündflurh die wunderrhäligste Sache sey, wovor» ^ man jemals hat reden hören. Denn alles ist Wunder dabey: ^ Wunder, daß ein Regen von vierzig Tagen die vier Thule ^ der Welt überschwemmet hat, und daß das Wasser fünfzehn ^ Ellbogen über alle höchste Berge hinangestiegen ist; Wunder, O daß es Wasserfälle, Thore, Oeffnungen am Himmel gege, i ben hat; Wunder, daß alle Thiere von allen Theilen der i Welt j ' Man sehe -je Artikel: MoseS und Bibel, nach. 478 Smidfluth. Welt in die Arche gekommen sind; Wunder, daßNoeM Monate lang Nahrung für sie gesunden hat; Wunder, daß alle Thiers mit ihrem Vorrache in der Arche Raum gehabt haben; Wunder, daß die meisten darinnen nicht gestorben sind; Wunder, daß sie Nahrung gefunden haben, als sie aus der Arche qiengsn; Wunder, u. s. w. Aber Ließ sind Geheimnisse, die man durch den Glauben glaubet, und der Glauben besteht darinnen, daß man glaube, was die Vernunft nicht glaubt; welches wieder em neues Wunder ist. Der Christ. Wären Sie wohl im Stande den schönen Saß zu bekräftigen , den Sie vortragen: Man glaubet das Wunder durch den Glauben, und der Glauben besteht darinnen, daß man glaube, was die Vernunft nicht glaubt ? denn Ließ ist alles , was Sie damit sagen wollen. Nun, hören Sie die Folgen aus diesem schönen Grundsätze: Der Glau, Heu besteht darinnen, daß man glaube, was unmöglich ist; alle christliche Gemeinen, welche ganz Luropen, die Hälfte Amerikens, und einen großen Theil Afnkens und Asiens bewohnen, glauben, was unmöglich ist; unter dieser unsäglichen Menge Menschen giebt es etwa ein Hundert, die Witz und Verstand genug haben, daß sie nicht glauben, waö unmöglich ist. Mein Herr! mein Her! fürchten Sie nicht, daß man von Ihren Philosophen sage, was der heilige Augustin von einer gewissen Gattung Menschen seiner Zeit sagte, die er stolze Thoren nannte? * ssomineg superbe sieli- rantes. Doch laßt uns Ihre wichtigen Beschwernisse einzeln vor die Hand nehmen. Wunder, sagen Sie, daß ein Regen von »VekmntnA 5. B. K t,!« D jii! ch ki» « i!»s Ä! hi ll Sündflllth. 479 von vierzig Tagen die vier Theile der Welt überschwcm, met bat, u. s. w. Aber sind Sie dabey gewesen, daß Sie die Güsse, die Haufen , dis Ströme der Wässer gemessen hätten, die sich von, ganzen Dunstkreise Hera! stürzten, der vierzig Ta 'c und vierzig Nächte lang, ohne auszusehen, dicht geworden war? Aber wissen Sie, in welchem Zustande sich die Oberfläche Nissers Erdballs vor der Sündsstth befand, und wie viel Wasser damals Vorwochen war, um ihn ganz zu bedecken? Aber wissen Sie, ob es nicht uner- messene^Behälrniffe unterirdischer Wässer gegeben habe, welche, von -er Macht des Herrn getrieben und in die Höhe geschleudert, sich mit dem Gewässer des Himmels vereiniget haben? Lesen Sie die klugen und gelehrten Anmerkungen des Herrn Abtes fluche ^ von der Süubfluch, so werden Sie ein Bißchen bescheidener und eingezogeuer scyn. Wunder, daß es Wasserfälle am Himmel gegeben hat,u. si w. Ey! kann und soll man nicht dadurch natürlicher Weise jene Sammlung, jene »«ermessenen Behältnisse der Wässer verstehen, welche Verdünner! und im Dunstkreise ausgebreitel sind, und welche sich siromweise herabwälzten, sobald sie zusammensticßen und Licht wurden? Will dann dieses Wort: Wasserfall, etwas anders bedeuten, als die Herabstürzung des Wassers, und mögen die Wasserfälle am Himmel etwas anders heißen, als die Wässer, die vom Himmel Herabstürzen? Wunder, daß alle Thiere in die Arche gekommen sind, u. fl w. Aber sagen Sie nicht sechsten: ** Osrw eit ani- ma brutorum, Gott gebe den Thieren die Bewegung, wie er den Gestirnen die Bewegung giebt ? Was fanden Sie also, * Fchaupl. der Nat. z. Band, vhil. Händler. Artik r Thlere. 480 SÜIldflUth. so, bey Ihren schönen Systemen, für ein Beschwerniß, l''^ sie auf diesen Sammelpka; zu leiem? I! ^ Wunder, daß Noe zehn Monate lang Nahrung für sie gefunden hat. Aber hat er nicht Zeit genug gehabt, ! ^ Vvrrarh für sie zu sammeln, La er so viele Jahre brauch, ^ te um Vre Arche aufzubanen? Wunder, daß alle Thiere mit ihren» Vorrathe in der Arche Raum gehabt haben. Aber es scheint. Sie wissen ^ nicht, was ein Schiffau^inachet. Unsere gwßesten Kriegs, M schisse sind nur ganz kleine Maschinen, im Vergleiche mit W dem, was die Arche war; und dennoch ist es unbegreiflich, W daß man so viele Sachen für das Takelwerk, den Vorrach, W die Rüstung zum Geschütze darein laden könne; und dabey rck sicht man noch manchesmal ganze Heerden darinnen. Wunder, daß alle diese Thiere Nahrung gefunden haben, als sie aus der Arche grengen. So merken Sie D dann nicht, daß nach der SüuLfluch die fleischfräßigen Thie, re an der Nahrung keinen Mangel leiden konnten? Den übrigen Thieren mußte cs an hslbgerrocknetem Kräuterwerke nicht gesehler haben. Und wovon leben die Wölfe, biewil, den Schweine, die Grinsen, wenn der Winter lange währ . "ket? Ey, niein Herr! schicken sich dergleichen Ctnwendun» ^ gen auf Ihre gelehrte und einsichrvolle Philosohie? Was werden Sie aber hernach zu allen jenen Denkmai «> lern der SünLflmh, jenen Bänken, jenen Schichten von " tz Muschelwerke, und zu allen jenen Mrergewächftn sagen, welche man allenthalben in der Tieft der Erde, in der Nach, ^ bacschaftMid sogar aufdemGipftl der höchstenBerge antriffl? Der Irrglätlbige. " Ich werbe sagen, daß orefts für die SünLsinrh durchaus nichts beweist. Ich werde sagen : Diese Banke, diese . ^ Schichten II, Süridfluth. 48r Schichten von Muscheln, die man auf allen Seiten, sechs, zig, achtzig, ja hundert Meilen vom Meere weg, entdecket hat, sind ein unstreitiger Beweis, daß es diese Meergewäch, se allmählig auf ein Erdreich geleget hat, welches ehemals rin Ufer des großen Weltmeers war. Der Christ. Man kann keine besser gerarhene Anmerkung machen. Vermöge dieser wird man finden, daß es ehemals in den Schweizerftädten find auf dem Berge Cenis Seehavm ge, geben habe; denn an allen diesen Oertern tüssc man solche Bänke und Schichten von Muscheln an, die Las Meer allmäh, lig auf ein Erdreich geleget hat, als dieses vom großen Welt« meere bedecket war. Der Irrgläubige. Wagen Sie es zu verneinen, daß das Meer allmählig alles Erdreich nach einander habe bedecken können, und daß dieses in einer unsäglichen Menge von Jahrhunderten stufen, weise durch immerwährendes Forttücken habe geschehen können? Der Christ. Ja, mein Herr! ich wage es zu verneinen. Der Irrgläubige. Das Meer hat fich, in einer Zeit von fünfhundert Iah« ren, von Aiguesmortes, Frejus, Ravenna, welche große Seehavsn waren, zurückgezogen, und hat vhngefähr ein Erdreich von zworn Meilen ohne Wasser gelassen. Durch diese Forrrückung ist es augenscheinlich, daß zwo Millionen- My hundert und fünfzig tausend Jahre erfodert würden, um unfern ganzen Erdball zu umschwemmen. Also kömmt das Meer allmählig aus seiner Lage. U. Band. H h Der 48r Sündfliith. Der Christ. Ich versichere Sie: Bergerac erzählet uns in seiner Rei, se durch den Mond nichts Wunderbarlichers, als Sie uns hier vorschwahen. Es kann seyn, sagen Sie, daß das Meer ailmählig alles Erdreich nach einander bedecket habe. Dceß will bann sagen: es kann seyn, daß das Meer ehe, mals über die Alpen, das pirenäische Gebirg, die «nein, ander Hangenden Berge Afrikens gegangen sey; es kann ' seyn, daß die Wallfische ehemals auf den Feldern,in der Schweiz herumgeschwommen seyn, und daß man auf dem großen Sanct Bernhardsberge Austern gefischet habe. O! wie trefflich ausgedacht, mein Herr! Aber wo waren zu denselben Zeiten die Wohnungen der Menschen? Denn, nach den Gesehen der Schwerung, und den Gesehen der flüs, sigm Körper, mußre dortmals der Erdball ganz mit Wasser bedeckt gewesen seyn. Der Irrgläubige. Mein Herr! mit Hohngelächter ist es nicht ausgemacht. Sie müssen mir erklären, wie das Meer sich von Aigues« mortes, Frejus, und Ravenna, in Zeit von fünfhundert Jahren, habe zurückziehen können; sonst habe ich noch im, mer das Recht, zu schließen, daß es allmählig alles Erd, reich nach einander habe bedecken können. Der Christ. Ich will Ihnen ganz gern die Ursache von dieser Ver, änderung angeben, welche mit diesen Städten und einigen andern geschehen ist, die sich in der gleichen Lage befinden. Aber ich muß Ihnen zuerst sagen und beweisen, daß die Welt noch heut zu Tage beschaffen ist, wie sie vor zweyen oder dreyen tausend Jahren war; und daß etliche kleine Hau, sin !>« » >»! ii-I j» k Sündfluth. ^ 48z ftn von Sande oder Kiesel, die an einer Küste liegen geblie, den sind, eben so wenig Veränderung in der Welt gemacht haben, als in einem Flusse etliche Schuhe breit Erde oder Kieselsteine machen, die sich einsenken und an seinem Gestade liegen bleiben. Man ziehe Strabo und Pomponius Mela, jene Erd, beschreibet zu Rache, die vor sechszehn bis siebenzehn hundert Jahren geschrieben haben; so wird man finden, daß fie uns die Küsten Spaniens, Galliens, Italiens, Griechenlands, Asiens, Afrikens, eben also vorstellen, wie wir sie noch heut zu Tage sehen; daß Seehasen, welche in allen diesen verschie, denen Ländern gelegen, und seit mehr als zweyen tausend Jahren bekannt sind , sich noch heut zu Tage in der nämlichen Stelle befinden, wo sie dortmals waren, und die Schiffs aufnehmen, wie sie dieselben allezeit ausgenommen haben. Gleichwohl müßten, nach ihrer schönen Berechnung, diese Seehasen schon acht oder zehn Meilen von den Küsten ent, ferner seyn. Man vergleiche unsere neuen Mappen mit jenen , die nach Strabo, Pomponius Mela, u. m. a. ge, macht worden sind; so wird man sehen, daß die Küsten am mittelländischen Meere vollkommen die nämlichen find: matt wird Lalpe oder Gibraltar, Rarthagenen, Barcelonen, Marsilien, Antibes, Genua, Ostien, Neapel, Rsrfu, Lonstantinopel, Sayd, oder Sidon, Rarthago, oder viel, mehr seine Trümmer, darauf sehen; man wird sie noch an den nämlichen Stellen sehen, wo sie vormals waren. Al, so ist dieser Einfall von der Verrückung der Meere nichts, als eine Erfindung eines Romanschreiberö. Die Veränderung der Lage bey Aisueemorkes, Fr«, jus, und Ravenna beweist nichts für Ihre Sache. Man Hh » , Samte 484 Sündfluch. bauet« erstlich diese Städte an sumpfigten Oertern auf; man legte Seehaven dabey an; man versäumte es, ihrer zupft, gen; der Schlamm sammelt- sich, ergsß sich aus: dann hat sich nicht das Meer zurückgezogen; sondern e n Sumpf ist entstanden, hat die Luft angestecket, hat die Einwohner aus der Stadt getrieben. Aiguesmortes ist auch nichts anders mehr, als ein Aufenthalt der Fischer. Frejus, «in Bischofsiß, ist nichts mehr, als ein beynahe emvöl, kerreö Dörfchen. Diese Städte und diese Seehaven würden noch besuchet werden, wie ehemals, wenn man die noch- wendige Vorsicht angewendet hätte , sie zu unterhalten. Wie lang ist es, daß Cette, der Seehaven, abgegangen wäre, wenn man nicht beständig daran arbeitete, um ihn vom Schlamme zu räumen? Von Ravenna weiß man, daß es vor Zeiten mitten im Wasser lag; und deßhalben hat man ehemals seine Einwohner die Frösche von Ravenna, knnse kzvennates, geheißen. In einiger Entfernung von dieser Stadt war ein Haven, wo August eine Flotte zur Sicherheit des adriarischen Meeres hielt. Weil aber das Erdreich allmäh, lig gestiegen ist, mähet und ärmer man heut zu Tage, wo man vormals nur gefischet hatte. Ich sehe dann nichts dabey, was mich jene Verrückung der Meere, die sie sich einbilden, vermuthen lassen könnte. Der Irrgläubige. Wie viele vortreffliche Schriftsteller trifft man dennoch heut zu Tage an, die diese Veränderung zugeben? Lesen Sie die gelehrte Naturgeschichte des Herrn von Buffon, so werben Sie alle Entdeckungen und Bemerkungen sehen, die er darüber gemachet har. Der 48s - Sündfiuth. Der Christ. Man hat vor Zeiten Romanen von Liebeshändeln gs« schrieben; ißt schreibt man sie von der Naturkunde. Also ist das Buch von der Theorie der Erde des Herrn von Buffon beschaffen. Dieses Unheil fallen vie Gelehrte» davon. Der Irrgläubige. Kann man von den Werken eines so großen Mannes, wie Herr von Buffon ist, also sprechen? Der Christ. Ich will den Fähigkeiten des Herrn von Buffon gern so viel Gerechtigkeit widerfahren lassen, als ihm das ganze Publikum widerfahren läßt. Aber ich werde von dem Uriheile des Publikums nicht viel abweichen, wenn ich sage: Herr von Buffon hat in seiner Geschichte von der Theorie der Erde nichts anders, als einen Roman, herausgeben wollen. Kann man in der That glauben, daß er im Ernste re, de, da er uns saget, daß die Planeten, jene kalten und dunkeln Körper, aus dem Körper der Sonne selbst gestaltet worden seyn, welche lauter Licht und Feuer ist? * Welcher Einfall zu sagen, es sey dieses durch den schiefen Fall eines Schwanzsterns auf jenes Gestirn geschehen: der Schwanz» st-rn habe durch diesen Fall durch die Sonne Furchen gezo, gm, und ihr eine große Menge Materie entrissen, welche die Planeten erzeuget hat, und diese haben sich angeschicket, näher oder weiter um die Sonne zu laufen, je nachdem sie mehr oder weniger Dichtheit hatten! Ey! die schönen Entdeckungen,'die er uns hier anz«get! Kan« ^ i. Band. iy4. Seit. Hb Z 486 SÜtldflllth. Kann man glauben, daß er im Ernste rede, da er uns saget, * daß diese Planeten ehemals kleine Sonnen gewesen seyn, die eine Zeit lang haben Brennen müssen; aber sie seyn erloschen, weil sie keine brennbare Materie mehr hatten , gleichwie die Sonne wegen der gleichen Ursache in zukünftigen Zeiten vermuthlich anck erlöschen werde ? Aber man kann zum Herrn von Buffon sagen: Wenn die Sonne all« mählig erlöschen soll, so muß sie dann schon weniger heiß seyn, als sie vor zweyen Jahrhunderten war; und wenn man bis aus zehn, zwölf, fünfzehn, zwanzig Jahrhunderte zurückgeht, so mußte sie immer heißer gewesen seyn. Wie groß mußte dann die Hitze gewesen seyn, die man auf der Erde vor fünf Hundert, tausend, zwey rausend, oder drey- tausend Jahren erfuhr ? Soll nicht all dieses unter die Zahl der romanhaften Einfälle gerechnet werden? Kann man glaubm, daß er im Ernste rede, da er uns saget, ** daß jenes »»ermessene Meer, welches das alte feste Land vom neuen getrennet hat, durch die Senkung ir, gend einer weiten Höhle in das Innerste vom Erdbälle, auf einmal habe entstehen können; daß die Wässer, welche die Erde bedeckten, dorrmals nothwendig von allen Seiten haben ablaufen müssen, um das atlantische Meer auszufüllen; und daß also die Länder entdecket worden seyn, die wir bewohnen? Wer Hat doch dem Herrn von Buffon Nachricht von diesem Zufalle gegeben? Zu welcher Zeit ist diese Senkung geschehen? Was für einen Begriff soll man sich von dem Baumeister machen, der diesen großen Theil des Weltger bäudes so schlecht gebauet und so schlecht unterstützet hätte? Endlich, was wäre disß für eine Höhle, die bey vier tausend Meile« " 2-7» Seit» *' -42. Seit. Cündfluth. 487 Meilen in der Länge, und zwölf oder dreyzehn hundert in Eder Weite haben sollt« ? ^ Kann man Dauben, daß er im Ernste rede, *da er ht» erkläret, wie die Berge entstanden seyn? Sie sind nur, sa- üy get er, aus verschiedenen Schichten von Steinen und Erde »tz entstanden, welche das Wasser fortgerissen und weggeschleppet hat, und die allmahlig angewachsen sind. Also sind die ch unabsehbaren Reihen der Alpen, der pirenäischen Gebirge, ii« des Caucasus, u. m. a. entstanden. Allein man wird ihm »y einwenden: Als sogar die Spitze dieser ungeheuren Massen 8 mit Wasser bedecket waren, wo lagen dann die Länder der E« Erde, welche die Menschen hatten bewohnen können? Oder ch was hätten dortmals die flüssigen Körper, die Wasserwäge, kunst, und die Schwere für Gesetze gehabt ? Ich würde kein Ende finden, wenn ich über alle übrige Dinge, die er auf die nämliche Art vorträgt, dergleichen » Anmerkungen machen wollte. Sie können aus diesem Multi! ster selbst davon urtheilen. Der Irrgläubige. «iif ** Und was möchten Sie auf den Einwurf des Herrn kt du Marsais antworten, welcher Ihnen saget, daß die Aus- Ä Messungen der Arche Nse zu erkennen geben, daß es unmög, »»! lich gewesen sey, nur den zehnten Theil der Thiere darein zu 1«! bringen, und zu nähren, welche darinnen hätten seyn sollen ? Der Christ. U Ich würde ihm antworten, daß unsere Philosophen weit kühner, etwas zu behaupten , als geschickt, es zu beweisen, U sind. Du Marsais behauptet diese Sache, unddieBewei, ^ se sind ihm in der Feder geblieben. Weil er nicht im Starr, ist de ß * 1 14. Seit. ir. f. w. * * Zerglied. der christl. Nel. 4 - Seit. Hh 4 488 SündflM Le war, nur einen aufzubringen, habe ich ihm nichts weiter zu sagen« Im übrigen bekümmern wir Christen uns wenig um eie Einwürfe, Schwierigkeiten, Verträge der Herren Philosophen: sie sind alle durch die vortrefflichen Abhandlum gen widerleget, welche von diesem Gegenstände Johann Bu, keo, ein Chormönch von St. Amon, und Herr pelletier von Ronan heraus gegeben haben. Diese unvergleichlichen Werke erschöpfen alles, was man von diesem Punkte sagen kann. Man wird alle umständliche Nachrichten davon im ersten Bande der Bibel antreffen, die zu Avignon beyme, rande im Jahre 1767 in siebenzehn Quarrbändm ans Licht gekommen ist. Der Irrgläubige. Deßhalben werde ich meine Meynung nicht ändern. Der Christ. Sie sind noch jung, mein Herr! Ich verzweifle nicht, Laß Sie noch einmal klüger werden mögen. ME 1 XlM. 48y Xl.HI. System. ^>as Wort: System, stellet einen herrlichen und rsi, zenden Begriff vor, wodurch man sich leicht einneh, men läßt; welcher aber beynahe allezeit etwas mangelhaftes an sich hat, und sehr oft die Quelle vieler Ausschweifungen und vieler Irrthümer wird. Man heißt System eine Anordnung von Begriffen und Grundsäßen, mit welchen man von allen Dingen, die den Gegenstand betreffen, den man in ein System bringen will, oder die mit denselben Gegen, stände eine Verwandschaft und eine Verbindung haben, genaue Rechenschaft zu geben behauptet. Um ein System zu machen, muß man einen richtigen, ausgebreiteten, scharfsichtigen Verstand haben, der mit einer großen Mannigfaltigkeit von Kenntnissen begabet ist. Man muß einen richtigen Verstand haben, welcher die Wahrheit zu unterscheiden, und in allen Dingen zu finden weiß; welcher sie allezeit deutlich vorträgt, und alles mit den einfachesten Begriffen und natürlichsten Ausdrücken zer, gliedert, damit er niemals zu einem Fehler und zum Jrrthume Gelegenheit gebe, und selbsten niemals sich einem Fehler oder dem Jrrthume aussehe. Man muß einen ausgebreiteten Verstand haben, welcher fähig ist, nicht allein alle Theile des Gegenstandes, den man in ein System bringt, sondern auch alle Gattungen von Ein, würfen, die man wider das System machen könnte, zu umfassen ; und welcher im Stande ist, diese Einwürfe deutlich und gründlich aufzulösen. Denn man kann nicht etwas für sichere Grundsätze und für Wahrheiten ausgeben oder an, Hh z nehmen. 490 System. nehmen, das durch andere Grundsätze und durch andere Wahrheiten bestritten werden möchte. Man muß einen scharfsichtigen Verstand haben; das ist, einen Verstand, welcher auch den letzten Folgerungen nach» spüret, und sie entdecket; welcher ihre Verbindung müden ersten Grundsätzen zu erkennen giebt; welcher auf gleiche Weise alle Folgerungen Voraussicht, die man aus dem Systeme wider das System selbsten ziehen könnte, und welcher sie alle mir den ersten Grundsätzen vergleicht: denn nur durch dieses Mittel kann man die Richtigkeit und den Nutzen des Systeme- zeigen. Endlich muß man eine große Mannigfaltigkeit von Kenntnissen haben: denn dadurch allein kann man versichert seyn, daß man alles insgemein gefastet, alles voraus gefthen, alles gegen einander gehalten hat; also, daß keine Gattung von Schwierigkeiten oder Einwürfen, weder die Grundsätze, noch die Behauptungen , die man festsetzen und beweisen will, zu schwächen vermöge. Daraus muß man schließen: i. daß eö sehr wenige Men, schen giebt, wenn sie immer so gelehrt, und immer so große Vernünftler scheinen mögen, die im Stande sind, ein Sy- stem zu machen: 2. daß die meisten Systeme nur die Frucht des Eigendünkels sind, welcher sich durch irgend einen » schwachen Schein verführen läßt; welchem beynahe allezeit ein ausgebreiketer Verstand fehlet, der zu solchen Untcrneh, mungen nothwendig ist; und welcher allein tauglich ist, jene, die sich 'einnehmen lassen, züm Jrrthume zu verleiten: Z. daß man nicht erstaunen darf, wenn die meisten Systeme so leicht umgestürzet werden, und von so kurzer Dauer sind. Die Naturkunde, die Arzneywissenschaft, die Zeitrechnung, die Gesetzgebung, die StagtSkunst, die Finanzen, u. s- w. haben Ülj L A W ßi, System. 49 r haken zu einer Menge von Systemen Gelegenheit gegeben. Unter diesen Systemen hat es etliche sinnreiche, sehr wenige gründliche, und viele ausschweifende , ja sogar unbillige und unmenschliche gegeben, wie jene sind , die aus dem Macchiavelismus entstanden. Wir stellen davon keine umständliche Untersuchung an, welche der Neugier sehr reizend scheinen möchte, die uns aber von unserm Endzwecke ab, ziehen würde. Eö genüget uns , von dem berufenen Systeme der Natur zuspcechen, wobey die Religion den größesten Antheil hat, und dessen Abscheulichkeiten, Ausschweifungen, und Ungereimtheiten wir mit kurzen Worten an den Tag legen wollen. System der Natur, welches dem Herrn Mrabeand, beständigen Sekretär der französischen Akademie, zugeschrieben wird. Man hat dieses System für Las furchtbarste Werk, das wider die Religion erschienen wäre, vorgestellet. Die Gott, tosigkeit har es, als die Frucht von Betrachtungen, Vernunftschlüssen , und den siegreichsten Beweisgründen, an« gepriesen; die Freydenkercy hat es für das tauglichste Mittel angesehen, alle jene Schreckenbilder zu verscheuchen, und alle jene Fessel zu zerbrechen, womit die Religion , wie die Freydenker sagen, das ganze menschliche Geschlecht gefangen hält, kränket, und peiniget; und der hochmürhige Unglauben hat im Anfänge dadurch zu siegen geschienen. Aber man darf sagen, daß jener scheinbare Sieg, den er sich versprach, ihn auf die niederträchtigste und entehrendste Weise zu Scham den gemacht hat. Fürwahr, wrrm man dieses berüchtigte Werk mit etwas Aufmerksamkeit untersuchet , so wird man sehen, daß nie ' MSlö 492 , System, mals ein Werk weniger philosophisch gewesen ist, und der Vernunft selbsten mehr widersprochen hat; man wird sehen, daß nur die Träumereien und Gottlosigkeiten von Lukrezen und Spinoza darinnen aufgewärmet werden, wobey man gleichwohl weder die zierliche Redensart des römischen Dich» ters, noch die Dialektik des jüdischen Mameluken antrifft; man wird sehen, daß es die vernünftige Natur auf das äußerste verletzet und ans das grausamste beschimpfet, als es immer möglich ist, weil es dieselbe bis auf den Stand von blo, ßenMaschinen,oder von den verächtlichsten Thieren herabschet. Der Verfasser dieses Werkes verbirgt sich unter dem Na, men eines Verstorbenen; und er thut wohl: denn er begreift, daß keine Gesellschaft ein solches Verbrechen einem lebenden Menschen verzeihen könnte. Gleichwohl mögen die Grundsätze der Sittenlehre, die er auskramet, iinmer so abscheulich, und seine Schmähreden wider alle bürgerliche, politische, rrnd geistliche Mächte immer so schwärmerisch seyn; so ist doch alles, was er saget, nur auf Ungereimtheiten * und auf so starke Ansschwerfungen gegründet, daß man sie nur entdecken darf, um Abscheu und Verachtung dagegen ernzustößen. Dieses wird der Leser aus der kurzen Zergliederung, die wir davon machen wollen, und die wir in ver, fihiedene Abschnitte theilen werden, ganz leicht erkennen. Erster Abschnitt. Von den ersten Grundsätzen des Systems der Natur. Auszug aus dem Werke. * AVeftr große Schriftsteller bejammert erstlich die Men, ^ schm , daß sie bisher niemals sich getrauet haben, ihre WH M D, chns "Varrel. zumS^st, System. 49 z ihre Vernunft anfzuklären; er seufzet, daß sie bisher Sklaven der Blendwerke, der Vorurtheile, der politischen und geistlichen Tyranney gewesen sind: dann erkläret er ihnen, daß alle ihre Jrrthümer daher entstehen, weil sie die Name nicht gekannt haben. Nun, in diesem Stücke schrnäuchelt ee sich, uns die neuesten, nützlichsten, und wichtigsten Kennt, Nisse beyzubringen. Sein ganzes erstes Kapitel wendet er an, uns zu erklären, was die Natur sey; und alles, was er uns berichtet, besteht darinnen, daß er uns saget: „Die Natur „ ist die Allgemeinheit aller Materien; sie ist das große „ All; das ist, die Sammlung aller Materien, der Lust, „ der Erde, der Metalle, des Feuers, des Lichtes, der „ Erdgewächse, der flüssigen Körper von allen Arten, wel, „ che Materien durch einfache, einförmige, unwandelbars ,, Geschein Bewegung gebracht werden „: Und er saget ftr, ner: ^Aus den verschiedenen Eigenschaften dieser Materien , aus ihren mannigfaltigen Zusammensetzungen, aus ihren Arten zu wirken, entstehen die Wesenheiten der Wesen, von denen die ganze Summe das ausmachet, was wir Natur nennen. Von dorten schreitet er zur Bewegung, die er also bestimmet : Die Bewegung ist ein Trieb , durch welchen ein Rörper seine Stelle verändert, oder sich bestrebt, seine Stelle zu verändern. Und gleich darauf sehet er bey: Alles ist in Bewegung auf der Welt. Die Wesenheit der Natur ist, daß sie wirke; und der Begriff von der Natur schließt nothwendig den Begriff von Bewegung in sich. Da die Materie, von aller Ewigkeit her, da gewesen ist, und da die Bewegung eine natürliche Folge ihres Daseyns, ihrer Wesenheit, und ihrer Eigenschaft ' Syst. i. Rap. "' 2. Rap. 494 System. genschaften ist, so ist auch die Bewegung , von aller Ewigkeit her, in der Materie da gewesen: und das Welt, aU , jene ausgebreitete Versammlung von allem, was da ist, stellet uns allenthalben nichts, als Materie und Bewegung vor die Augen. Nach diesen ersten Sätzen will uns der große Ausleger der Narur alle ihre Geheimnisse enthüllen , und alle ihre Wege entdecken, da er uns die Gesetze der Bewegung erklä« ret. * Unter den Materien, saget er, sind einige bestän, dig geneigt sich zu vereinigen; andere sind unfähig, vereiniget zu werden. Auf diese verschiedenen Beschaffen» Heiken sind die Arten zu wirken gegründet, welche die phy» fiker mit dem Namen von Anziehung und Zurücktreibung, von Sympathie und Anlhiparhie, von Geineinschaft und Verbindung, bezeichnen. Die Sittenlehrer deuten diese Beschaffenheit mit dem Namen von Liebe und Hasse, von Freundschaft und Abneigung an. Alle Rörper wirken nach Gesetzen, die in ihrer eigenen Wesenheit wohnen, ohne daß sie einen einzigen Augenblick von jenen abweichen können, nach welchen die Natur sechsten wirket. Die» ses unwiderstehliche Vermögen, diese allgemeine Noch» Wendigkeit, diese allgemeine Rraft , sind also nichts an» ders , als eine Folge von der Natur der Dinge, kraft welcher alles nach beständigen und unwandelbaren Ge» setzen wirket. Nachdem der Lehrer diese Gesetze mit so viel Bemthei» lung, Beweisen, und Einsicht fest gestellet hat, schließt er daraus: „ Es giebt weder Ordnung, noch Unordnung, „ weder Verstand, noch Ohngefähr in der Welt; diese „ Worts, die mau sooft brauchet, und die man für so noch» „ wendig * 4- Rap. Systerrr. 497 „ wendig hält, sind nur unbedeutende Worte; die Ordnung „ in der Natur ist, eine Beschaffenheit ihrer, nach der „ Strenge nothwendigen. Thsile; alles, was wir ken» „ nen, ist bloß der Nothwendigkeit unterworfen; und „ die Unordnung, für ein Wesen, ist nur sein Ueber- „ gang;u einer neuen Ordnung, zu einer neuen Art „ des Daseyns „. Was man durch das Wort: Verstand, bezeichnet, sieht er allein für die Frucht einer verächtlichen Unwissenheit an: denn, saget er, „ es kann keinen Verstand ohne Empfindung, „ keine Empfindung ohne GlieNröau geben; und der Glie, „ verbau ist nur eine Zusammensetzung der Materie. Es „ kann also keinen Verstand gebet»; und dieses Wort, wie „ die Worte; Ordnung und Unordnung , ist nur ein „ unbedeutendes Wort,,. Dieß sind gleichsam die vorläufigen Erklärungen, die er, sie« Grundsätze, und die Hauptpunkte des berüchtigten Systems der Namr. Es wäre schon dieser einfache Auszug für die Gelehrten eine zulängliche Widerlegung. Gleich, wohl werden wir uns einen Augenblick dabey aufhalten, da, mir wir die lächerliche Ungereiinlheit davon besser entdecken mögen. Anmerkungen über denAuszug aus dem Werke. Schon die Bestimmung, die er von der Natur giebt, ist nichts, als ein armseliges Wortspiel, welches je zuwei, len unachtsame und seichte Gemürher hintergehen kann, aber jedem ekelhaft vorkömmt, der fähig ist zu untersuchen und zu beurrheilen. Denn wenn man fraget, was die Natur sey, was verlanget man, und was will man erfahren? Man verlanget, man suchet zu erfahren und zu wissen, was die Grund, 496 System. * Grundursachen von allen Dingen seyn, die wir sehen, und die uns bekannt sind. Aber ist die Frage beantwortet, hat man die Einsicht, die man verlanget, wenn man saget: * Die Natur ist das große All, welches aus der ver» sammlung der verschiedenen Materien, aus ihren man« nigfaltigen Zusammensetzungen, aus ihren verschiednen Bewegungen entsteht ? Geben diese großen Worte dem Ge, mükhe einen klaren und genüglichen Begriff? Ist man zu, frieden? ist man zulänglich belehret? Wird uns die Wiß- begierde nicht alsobald fragen heißen: Ist dieses große All, so wie eö ist , aus sich sechsten da ? hat ihm eine erste Grundursache, eine höhere Macht, ein größeres Wesen das Daseyn verliehen? Aber in was für eine Verlegenheit wird diese erste Frage, die wahrhaft philosophisch ist, nicht sehen? Denn es muß nothrvendig dieses große Al! aus sich sechsten da seyn, oder es muß das Werk einer höhern Macht seyn. Es giebt keinen Mittelweg. Wenn das große All aus sich sechsten da ist, so ist es dann ewig; so hat es dann von Ewigkeit herMenschm,Thie< re, Pflanzen, alle jene mannigfaltigen Arten von Wesen gegeben, die aus Körnern, Samen, Keimen, und Erzeugungen Herkommen. Wenn es von Ewigkeit her Erzeugungen gegeben hat, so giebt es dann auch unendliche Folgrei, hen. Nun ist es bewiesen, daß eine unendliche Folge einen der handgreiflichsten Widersprüche mit sich bringt Folglich kann das große All nicht aus sich sechsten da seyn. Ferner: wenn jenes große All das Werk einer schöpftischen Macht ist, wie es die christlichen, Philosophen sagen, welche durch die Offenbarung unterrichtet sind; oder wenn B D, -«ß chlli * i. Rap. n. Seit. * » Mai» sthc den Art. Atheist. Sllj t System. 497 xs zmn wenigsten das Werk einer anordnenden Macht ist, wie es einige Philosophen aus dem Alterthume behauptet haben , so ist das ganze System unsers Lehrers zu Boden geschlagen. Denn in den Systemen, oder von der Schöpfung der Materie, oder von der Anordnung, welche die Materie «mpfieng, werden wir nmhwendig alles, was wir in der Natur sehen und kennen, der Macht, der Weisheit des unkörperllchen Wesens, das alles erschaffen, oder minLstens angcordnet hat, zuscyreiben. Die schöne Bestimmung, die man von der Natur giebr, saget also nichts, sie lehret nichts, sie erkläret nichts. Vergebens mag man uns sagen, es haben alle Wesen ihre sonderbare Kraft; sie wirken alle nach Gesetzen, die in Hrer eigenen Wesenheit wohnen; es sey in der Namr ein unwiderstehliches Vermögen, eine allgemeine Kraft, durch welche alle Wirkungen der Wesen aus den Eigenschaften Herr rühren, die ihnen die Natur verleiht. Me Liese allgemei- rien und sonderbaren Kräfte, alle diese mwohnenden Gesetze, alle diese herrühcenden Eigenschaften erklären nichts, entwickeln nicht das Geringste. Sie geben unserm Verstände kein größeres Licht, «ls die verborgenen Eigenschaften der alten Philosophen. Man hat der verborgenen Eigenschaften ge- lachet; man kann also auf gleiche Weise der neuen undeutlichen Sprache lachen , wodurch sich der einbUdrische Lehrer kunstmäßig a"Snehmen will. Er ist nicht geschickter, und nicht glücklicher in dem, was er uns von der Bewegung saget, als er in jenem war, was er von der Natur geschwatzet hat» Die Bewegung ist, nach seiner Meynung, ein Trieb, durch welchen ein Körper seine Stelle verändert, oder sich bestrebt, seine Stelle zu verändern» Der Doktor würde vielt. Band. I i leicht 498 System, leicht von übler Laune und verdrießlich werden, wenn man über seine wunderliche Meynung sich lustig machen und lachen wollte. Er saget ferner, daß die Bewegung eine so wesentliche Eigenschaft der Materie sey,als alle ihre übrigen Eigenschaften. Aber alle alte und neuere Philosophen haben die Trägheit der Materie nicht allein bewiesen, sondern scgar unstreitig an den Tag grleget. Die Eprkurer * sind ziem, lichelend bestanden, als mansie wegen Verewigen Bewegung, die sie der Materie zudachten, angegriffen hat. Wird der Erfinder des Systems besser bestehen, wenn man über die wesentliche Bewegung, die er der Materie beymißt, Beweise fodern will? Damit * Man sehe den Art: Materie. wesentliche Bewegung^ Wären gleich alle Körper, und ihre klein, stcn Theilchen in steter Bewegung, oder Bestrebung, ihre Lage zn verändern, wie wirklich die itzigen Physiker größeste» Lheils davorhalte«; so würde es doch sehr unächr gefolgert ftyn, wenn man hieraus mit dem Systemenmacher schließen wollte, die Bewegung sey der Materie so wesentlich, als alle ihre übrige» Eigenschaften und Bestimmungen, ohne welche sie aufhvrte, Materie zu seyn. Wenn wir, mit seiner Erlaubuiß, alle übrige Charaktere, auch das wirkliche Daseyn, der Ma« terie beybehalten, und nur die Bewegung aus eine Weile von ihrem Begriffe absondern wollen; so bleibt uns gleichwohl noch die Idee einet bestimmten Wesens, welches, ohne die wirkliche Bewegung zu habe», nur die Fähigkeit besitzt, Bewegungen anzunehmeu, und nichts Widersprechende« in sich begreift. Nun, dieses bestimmte Wesen, mit dem wirklichen Daseyn begabet, wie würden wir es nennen müssen r Materie ? Nein ; es misset einen wesentlichen Charakter der Materie: die Bewegung. Geist ? Die geistigen Wesen hat der Systemenmacher aus dem großen Weltall ausgemustert. Unding? Das kann es auch nicht heißen , weil es keinen Widerspruch in seinem Begriffe enthält, und folglich mit dem wirklichen Daseyn begadet seyn könnte. Er soll «nt dann ein drittes Wesen anzeigen, das weder Materie, noch Geist, und dennoch etwas Selbständiges seyn mag. Unsere Physiker haben es zum Gesetze System. 499 Damit er uns von den Gesetzen der Bewegung unterweise, saget er, die Körper ziehen sich an, treiben sich fort, treiben sich zurück: er spricht in der Hälfte seines Werkes von wer« ter nichts, als von Anziehungen, von Zmücktreibungm, von Schwerungen gegen einanoer: endlich thut er den AuSr spruch, daß die Körper nach Gesetzen, die in ihrer Wesen» Herr wohnen, nach beständigen, unwandelbaren Gesetzen wirken, ohne daß sie einen einzigen Augenblick davon ab» weichen können. Da sind alle seine Gesetzt der Bewegung. Wer hat jemals über diesen Srcff eine so einleuchtende, so gelehrte, und so genügliche Unterweisung gegeben, als unser Lehrer giebt? Aber, was er uns von der Ordnung lehret, verdienet noch mehr bewundert zu werden. * Die Ordnung, saget er, hat in der Natur kein Daseyn, wo alles nothwendig ist. Die Ordnung ist nur die Fakultät, welche uns mit allen Wesen, die uns umgeben, in ein ordentliches Verhältniß richtet. So scharfsinnig, so deutlich, entwickelt und verbessert er die irrigen Begriffe, die wir uns von der Ordnung machen. . * z. Rap. 56. Seit. Als» Gesetze gemachet: „ Ein Körper muß ruhe», wenn er ringsum von ,, gleichstarken Kräften ungezogen, oder weggetrieben wird,,' Und dieses Ruhen heißt in ihrem Verstände nicht, rin Körper müsse darum sein Wesen verliere». Vieleicht würden sie anders reden, wenn st« nicht vernünftige und geistige Seelen zu haben dachten; sondern bloß artige Modepuppen wären, wie der Systemenmacher. Ordnung^ Cr erkläret uns die Ordnung durch ein ordentlicher Verhällniß , und so lauge wir nicht wissen, was Ordnung ftp, können wir unmöglich verstehen, was ordentlich heiße. Cr erkläret also ein Ding durch ebendasselbe, und vertreibt Finsternis mit Finsternissen. Ji L soo System. Also würden wir uns grob verirren, nach seiner Mey- nung, wenn wir sageien: Die Ordnung in einer Rede ist die Anrichtung, welche ein vernünftiger Mensch seinen Be« griffen und Beobachtungen verschaffet, damit er eine Wahr« heil erklären, sie beweisen, und überzeugen möge. Wir würden uns grob verirren, wenn wir sageten: die Ordnung in einer Uhr ist die Anrichtung, welche ein geschickter Künst, ler verschiedenen Triebfedern rmd Radwerken giebt, um die Stunden auszuzeichnen, und die Zeiten abzumessen. * Die Ordnung ist nur ein einförmiger Zusammenhang von Wirkungen, die aus den Eigenschaften -er Wesen her, rühren. Der neue Ausleger der Natur hat es gesaget. Also lautet der Eingang des berufenen Systems der Na» rur. Man schließe aus dem kurzen Abrisse, den wir nun davon gegeben haben, wie sehr die Christen, die Gottesger lehrten, die vernünftigen Menschen durch diese« Werk erschre, chet und gedemüchiget seyn müssen. Gleichwohl ist dieses nur noch der Eingang: was wir ferner anführen werden, mag wohl ungemein wichtiger seyn. Wir wollen mit den neuen Begriffen, die er uns vom Verstände und von den verständigen Wesen geben will, den Anfang machen. Zweyter Abschnitt. Von dem Verstände, oder von den verständigen Wesen. HI>as man durch das Wort: Verstand, andeutet, hatte man allezeit für das Reinste, Aufgeklärteste, Scharfsichtigste in der menschlichen Seele gehalten: und die Philosophen haben jederzeit geglaubet, daß der Verstand für die SeeledaS sey, was das Aug dem Leibe ist. Unser Syst« menma- -s tziai N« A« Vz tz, htz 's * Kap. 6y. Seit. System. 50 r menmachtt erkennt keinen Verstand, und läßt keinen zu, ^ man es in dem vorhergehenden Abschnitte gesehen hat. ^ Unterdessen, weil er begreift, daß man dieses Wort nicht le< tzjglich verbannen kann, verbindet er es mit einem Begriffe nach seiner Art. Wenn man ihn dann fraget, was Verstand sey, so ^ giebt er zur Artwort: * Er ist eine Art von Wesen, die ^ einigen sonderheitlichen Wesen eigen ist; und um diese Be.' ^ ssimmung zu erklären, welche einem Bratenwender eben so ^ gut, als einem verständigen Weftn zukömmt, sehet er ferner ^ bey: Wir heißen verständige wesen jene, derer Glieder/ ^ bau nach unsrer Art eingerichtet ist, bey denen wir La. KL kultäten sehen, die geschickt sind, sich zu erhalten, die W Ordnung, die ihnen zukömmt, zu behaupten, die noch- wendigen Mittel zu ergreifen, um zu diesem Endzwecke lch« zu gelangen, mit dem Bewußtseyn ihrer eigenen Be- Hr wegung. »Zj Diese Bestimmung oder Erklärung mag anfänglich ein M ziemlich unaufiösliches Rärhsel scheinen. Wir können, zur H Kurzweile noch etliche Augenblicke daran wenden, um eben über diese schöne Bestimmung etliche Bemerkungen, auf Art der Fragen, zu machen. Man kann ihn erstlich fragen, ob er wohl sichere Grundsähe habe, um den Verstand auf den menschlichen Glie-er- ^ bau einzuschränken; ob der Gliederbau eines Affen, einer , jö Kahe, eines Papageyen nicht auch verständige Wesen aus ihnm mache; ob diese Thiere nicht eben so gilt, als wir, ,ßk sich einander sagen könnten: wir heißen verständige We- ßsen jene, derer Gliederbau nach unsrer Art eingerichtet ist. A>I Nach- Ii Z »Ebcnd. io2 System. Nachmals kann man ihn fragen, was er durch da« Wort: Fakultäten, bey den Wesen, derer Gliederbau nach B unsrer Art eingerichtet ist, verstehe; man kann ihm diesen Doppelschluß entgegenstellen, den inan mit Grunde einen O zweyschneidenden Schiußgrund heißt: arZumentum utrin- ^ue lenen«» und sagen : Durch das Wort: Fakultäten, bey den verständigen Wesen, Verstehen Sie entweder nur die Triebe und die Wir, ^ kung der Materie, die in Bewegung gebracht ist; oder Sie verstehen etwas anders, als die Materie, die in Bewegung gebracht ist. Wenn Sie nur die Materie, die in Bewe« gung gebracht ist, verstehen, so wird dann alles, was mit W Trieben versehen ist. was einer Wirkung fähig ist, und was ^; eine Bewegung annehmen kann, auch Fakultäten haben, jj,, und in der Reihe der verständigen Wesen stehen können. » Wenn Sie etwas anders verstehen, als die Materie, die in «, Bewegung gebracht ist, so widersprechen Sie Sich selbsten; ^ denn Sie wiederholen ohn Unterlaß in ihrem ganzen Werke: x, * Das Weltall, jene ausgebreitete Versammlung von al- ^ lem, was da ist, stellet uns allenthalben nichts, als ^ Materie und Bewegung vor die Augen. tz, Endlich, weil diese Fakultäten nur Thcike von Materie s» sind, die auf eine gewisse Weise gethrilet, geordnet, und beweget tzj werden; weil sie nur Triebfedern und bewegliche Radwerkr !>» sind; so kann man den Doktor noch fragen: Wie erkennen tz diese Theile von Materie, diese Triebräder die nothrveirdi, ^ gen Mittel, um sich in der (Ordnung zu erhalten? Wie ^ haben sie das Bewußtseyn, das ist: die Erkermwiß aus ^ der Erfahrung, ihrer eigenen Bewegungen ? Wie sehen !tz sie, * lo. Seit. "l System. soz sie, was ihnen zukömmr, um zu ihrem Endzwecke zu gelangen? O erhabener Verstand! Es scheint wohl, daß dein Glie, Verbau nicht nach unsrer Art eingerichtet ist, und daß wir nicht so verständig sind, wie du. Dritter Abschnitt. Von der Seele, und von den Fakultäten des Verstandes überhaupt. Auszug aus dem Werke. * sachlich läßt unser Doktor keine Seele zu. Denn die ^ Seele, saget er uns, ist nichts anders, als der Leib, wenn man ihn, in Absicht auf einige seiner Verrichtungen, oder auf einige Arten seines Daseyns und seiner Wirkungen, betrachtet. Aber an die Stelle der Seele, die etliche Philosophen, denen die Natur unbekannt war, ersonnen hatten, sehet er die Substanz des Hirnes; und man vernehme, wie er sich ausdrücket: Das Hirn ist der allgemeine Mittelpunkt, wo alle Nerven, die in allen Theilen des menschlichen Rörpers ausgebreitet sind , Zusammentreffen. Vermittelst dieses innern Hülfsgliedes geschehen alle Verrichtungen, die man der Seele zuschreibt. Bewegungen, welche den Nerven mitgetheilet werden, geben dem Hirne verschiedene Formen. Daher wirket es wieder zurück, und bringt die Hülfsglieder des RLrpers in die Bewegung; oder es wirket auf sich sechsten, und wird fähig, in seinem eigenen Bezirke, eine Menge mannigfaltiger Bewegungen hervorzubringen, welche ' 7. Rap. yr. Seit. - ?y. Seit. 5»4 System, welche man unter dem Namen von Fakultäten des Ver, ^ standes bezeichnet hat. M Nachdem er die menschliche Seele also Minimen hat, ss' entwickelt er ihre Verrichtungen auf folgende Weise: * Die Namen von Empfindungen, Bemerkungen, Begriffen, ^ bedeuten nichts anders, als verändrungen, die in dem ^ Hirne entstehen, bcy Gelegenheit des Eindruckes, rvel- chcn auf die innern Hülfeglieder, die man Snme nennt, ^ die Börper machen, die auf sie wirken. Diese veräm ^ drungen, in sich selbst betrachtet, heißen Empfindungen. ,>!" Sie heißen Bemerkungen, sobald sie das innere Hü!fs- I glicd wahrnimmt, oder daran erinnert wird. Sie hei« ^ ßen Begriff?, wann sie das innere Hülfsglied auf dm ^ Gegenstand bezieht, der sie erzeuget hat. I Jede Empfirrdung ist also nichts anders, als «in Stoß, den unsre Hülfsglieder empfangen. Jede Bemer, ! >« kung ist jener Stoß, wann er bis an das Hirn fortge, leitet wird. Jeder Begriff ist das Bild des Gegenstam des, von welchem die Empfindung und die Bemerkung herkonimen. Z Anmerkungen über diesen Auszug. ^ Nun ist endlich die menschliche Seele, durch die wich- .K tigen En-Leckungen des neuen Auslegers der Natur, er« kamtt, enthüllet, sichtbar und fühlbar gemacher worden. ,li D-c übrigen Philosophen hakten uns bisher, mit ihren um ä verständlichen Ausdrücken von einer einfachen, verständigen, ^ unausgebreiteten Substanz, nur sehr dunkle Kenntnisse davon « I beygcdrachr, die schwer zu fasten waren. Dieser leget sie ! unfern Sinnen vor, und läßt sie uns, also zu reden, mit -er j i, ' r. Nap. 8«^ System. svs -kr Hand berühren, wie ein geschickter Lehrer in der Zer, gliederungskunst alle Zäserchen, Häutchen, und Aederchen, woraus der menschliche Körper besteht, unfern Sinnen vor, leget, und zu erkennen giebt. Man könnte fürwahr diese neugebackene Seele ganz st, cher mit jenen Puppen vergleichen, womit fich Kinder, und Leute, die wenig Vernunft hatten, so lange belustiget haben: und ich wüßte nicht, was der Doktor einem Manne ant» Worten könnte, der zu ihm sagete: „ Nein/ mein Herr! „ ich mache keinen Unterschied zwischen Ihrer menschlichen „ Seele, und zwischen der Puppe; und man soll keinen „ inachen. Vernehmen Sie, wie ich es Ihnen beweisen „ will r Gleichwie alle Nerven, die in dem Körper ausger „ breitet sind, im Hirne Zusammentreffen, und auf das „ Hirn wirken; also treffen alle Faden, welche die Glieder ,, der Puppe in die Bewegung setzen, am Leibe der Puppe „ zusammen. Gleichwie die Gegenstände, da sie den Ein» „ druck auf die Sinne, oder äußere Hülfsglieder machen, „ Liesen Eindruck auch dem innern HülfSgliede, das ist, „ dem Hirne, mittheilen; also theilet die Hand, da sie die „ Faden der Puppe rühret, diesen Eindruck der ganzen Pup» pe mit. Endlich, gleichwie der Stoß, den die HülfS- „ glieder empfangen, Empfindungen, Bemerkungen, Be» „ griffe hervorbringt; also soll die Rührung des Fadens, „ der an der Puppe hängt, ihr auf gleiche Weise Empfin» ,, düngen, Bemerkungen, Begriffe beybringen. Es ist „ dann zwischen der menschlichen Seele und der Puppe kein „ Unterschied,,. Man könnte noch jene Seele, die der gelehrte Ausleger gezimmert hat, mit Maschinen, die von Federn und Rad, werken getrieben werden, oder mit jenen geschnitzelten Figu- Ii 5 ren sos ? System, ren vergleichen, die man bey gewissen Vorstellungen brauchet, und die man bewegen und handeln lassen kann. Und wenn die Gedanken und alles, was man Wirkungen des Verstands und des Willens heißt, die Wirkung der Bewegung siyn sollen; so kann man uns nicht verbrechen zu behaupten, daß diese Maschinen oder Figuren denken, wollen, überlegen, und daß sie wirklich einen Verstand und einen Willen haben. Wird man, nach diesen schönen Grundsätzen, nicht auch die Welt für eine Schaubühne ansehen können, welche mit einer unzählbaren Menge von Puppen, Maschinen, und Figuren angefüllet ist, aus denen einige Puppen, Maschinen , und Figuren von einer Wichtigkeit, wie die Philoso, phen, die Gelehrten, die Oberaufseher, die Obcrkeiten, die Heersführer, die Regenten; andere nur verächtliche Puppen, Maschinen, und Figuren sind, die wenig zu bedeuten haben, wie der gemeine Pöbel, die Handwerker, und der Bürgerstand? Ey! wie glänzend, wie neu, wie einnehmend sind die Begriffe unsers Systememnacherö! Aber wir wollen diese scherzhaften Gedanken fahren las, sen, und ein Bißchen philosophischer zu Werke gehen. Läßt sich wohl etwas, ich sage nicht Unverständliches, sondern auch Ungereimteres denken, als die Werse, nach welcher er die Verrichtungen seines denkenden Hirnes erklären will. Das Hirn, saget er, wirket zurück; es bringt die Hülfsglieder des Rörpers in -Le Bewegung; oder es wirket auf sich selbsten, u. s. w. Aber wen will er durch diese gekünstelte Gelehrtensprache hintergehen? Was versteht er durch das Zurückwirken ? und was ist das Znrückwirken? Jedermann weiß, daß das Zurückwirken nichts anders ist, als das Bestreben eines Körpers- der zufamnrengedrücket, oder «,«ß dD W ÄjÜ i«lt iE» M A ßp D- «i^> Di!t System. 507 oder gewaltig ausgedehnet ist , um sich in seinen vorigen Stand wieder zu versehen. Also drücken zwo Billiardkugeln sich erstlich zusammen, wann sie auf einander treffen; sie wirken zurück, und versehen sich in ihren vorigen Stand der Rundung. Also versehet sich ein Drat, oder eine Stahl/ klinge, wann sie schneckenförmig gekrümmet wird, nachmals von sich selbsien wider in ihren vorigen Stand. Allein, wem wird es jemals in den Sinn kommen zu sagen, daß zwischen dem Gedanken, und dem Zurückwirken jener Bilr liardkugeln, oder jenes Drates und jener Stahlklinge, eine Aeh '.lichkeit sey ? Was also der Doktor von dem Wirken oder Zurückwirken des Hirnes saget, ist eitel unbedeutendes Kau« derwälsch, und eine wahre Ungereimtheit. Das Hirn, fährt er fort, wirket auf sich selbsten, und wird fähig, in seinem eigenen Bezirke eine Menge mannigfaltiger Bewegungen hervorzubringen. Em neues Meisterstück des Wihes, welches nur auf eine neue Unge, reimrheit abzielek; denn man soll und kann das Hirn für nichts anders betrachten , als für eine Masse weicher, elastischer Materie, wenn man will, die aus einer Menge von Zäserchen besteht. Das Hirn kann auf sich sechsten nicht anders wirken, als wie einige Theile der Brlliardkugel auf die andern Theile eben derselben Kugel wirken; und wie einige Theile des Drares oder der Stahlklinge ans dis andern Theile wirken. Aber wird man sich zu sagen getrauen, daß jene Theile fähig werden, in ihrem eigenen Bezirke rinerNenge mannigfaltigerBewegungen hervorzubringen, welchen man nachmals den Namen von Verrichtungen des Verstandes beylegen möchte? Wir werden uns gewiß in Acht nehmen, dieses zu sagen, damit wir von unfern Lesern nicht etwa für einen verrückten Kopf gehalten werden. Die so? System. Di« physische Erklärung, die er von den Empfind««- 1^! gen, Bemerkungen, Begriffen giebt, und der Unterschied s den er zwischen diesen verschiedenen Verrichtungen bestimme/ > passen auch auf dieses Schwindelhirn ungemein. A Die Empfindung, saget er, ist ein Stoß, den unsre ^ Hülfsglieder empfangen. Die Bemerkung ist jener Stoß, ^ Wann er bis an das Hirn fortgeleitet wird. Der Be, ^ griff ist das Bild des Gegenstandes. So wird dann ter O Anfang der Bewegung Empfindung, die Fortdauer eben ^ derselben Bewegung Bemerkung, und das Ende der Bewe, »« gung BegriffHeißen. Aber mit welchem Grunde giebt die, rN ser Mann einer und derselben Bewegung so verschiedene Na» iß men ? Warum sehet er das Bild des Gegenstandes eher an H das Ende der Bewegung, als zum Anfänge oder in die Mit» Hs te ? Endlich warum waget er zu sagen, das Hirn, das ist, ck eine Masse von Materie, werde erinnert, es nehme wahr« Ä, es vergleiche, es beziehe die Bewegungen auf die Gegen» G stände, von denen sie erzeuget worden sind? Stücke von ^ Materie haben einm Verstand, eine Gabe zu denken, zu ^ vergleichen, zu urcherlm! Wir sagen kern Wörtchen darüber. ^ Wrc wollen den Leser in der Entzückung und i n Erstaunen ^ lassen, worein ihn diese neue und einleuchtende Philosophie fthen muß. Vierter Abschnitt. Von den Fakultäten -es Verstandes ins Besondere. k>ie Folge der physischen Erklärung von den Fakultäten ^«1* »Uli MN Anfänge überein. Damit wir den Leser nicht allzu lan» ge aufhalcen, wollen wir uns genügen, die sinnreichen und ein, tO !»G dich ZijS « Mi !^! «l^I «»> System. so- «ilßchlvollm Bestimmungen desDoktorS Herzvlftßsp, welchen Vir erliche kurze Glossen oder Anmerkungen beyfügen werden. Was ist der Gedanken , nach dem Wahne dieses neuen Gelehrren? *Er ist, saget er, die Bemerkung der Modifir eationen, die unser Hirn von den auswärtigen Gegenständen empfangen hat, oder die es sich selbsten mittheilet. Dieß ist ein Wörterkram / welchen dieser Lehrer niemals mit Ehren wird vertheidigen können, uyd welchem er niemals W mindesten Schein von Menschenverstände beylegen mag: denn wenn die Bemerkung nichts anders ist, als ein Stoß -er Zäserchen, der bis zum Hirne fortgeleitet wird, wie «selbsten saget; und wenn dieser Stoß nur eine Modifikation der Zäserchen im Hirne ist, wie es Jedermann erkennt; so heißt es so viel, da man saget, der Gedanken ssy die Be, merkung der Modifikationen, als ob man sagere, der Ger danken sey die Modifikation der Modifikationen. Wird ein Kritiker dieses stillschweigend hingehen lassen? Endlich behauptet er, das Hirn werde fähig, sich Mo, dificationen mikzutheilen, oder in seinem Bezirke Modifica, tionen hervorzubringen. Aber da das Hirn eine leidende und zmückwirkendr Masse ist, wie die Billiardkugel, oder wie die Srahlklingr, wovon wir weiter oben Meldung gerhan haben, so wird es nicht anders fähig, Modifikationen hervorzubringen, als wie die Kugel und die Klinge dazu fähig werden. Nun aber, wer ist so ausschweifend, der sich zu sagen gekramte, daß die Kugel und die Klinge Gedanken Hervorbringen, »der daß die Modifikationen der Kugel und der Klinge Ger danken seyn? Die- * 8. Nap. llr. Sejt. 5l2 System. Die Bestimmungen, die er von andern Verrichtungen des Verstandes angiebt, sind eben so artig und ebenso merk würdig, als jene, die er uns vom Gedanken gab. Er saget: * Die Beuvtheilung ist die Fakultät, welche das Hirn hat, die Modifikationen oder die Begriffe, die es empfängt , oder die es die Macht hat in sich selbst;u erregen, mit einanderzu vergleichen, um ihre Verhältnisse oder ihre Wirkungen zu entdecken. **Man leget den Namen: Vernunft, einer bestimmten Art bey, nach welcher das Hirn seine Fakultäten ausübet; man heißt: Wih, Weisheit, Klugheit, Tugen-, beständige oder veränderliche Beschaffenheiten dieses Hülfsgliedes. Man hat den versammelten Fakultäten, wozu dieses Hülfsglied fähig ist, den Namen: Verstand, gegeben. Dich ist die Lehre des Systemenmachers; ihr vernehme man etliche Btt merkungen, die wir im Vorbeygehen über diese Lehre machen wollen. Die Beurtheilung ist die Fakultät, welche das Hirn hat, die Modifikationen oder die Begriffe mit einander zu vergleichen. Aber, wenn das Hirn nur eine Maschine mit Triebfedern ist, wie er es ohn Unterlaß wiederholet, kann man vernünftiger Weise sagen, daß eine Maschine mit Triebfedern Fakultäten habe ? Wird man jemals sagen: die Fakultäten eines Bratenwenders, einer Uhr, einer beweglü -chen Figur, oder einer Puppe? Wird man sagen, daß diese Maschinen die Rraft haben, ihre Modifikationen und ihre Bewegungen mit einander zu vergleichen? Wird man sa» gen, daß eine Maschine die Macht habe, die Bewegungen , die sie empfängt, in sich selbst zu erregen, um die Verhältnisse und die Wirkungen davon zu entdecken? ^ lieber, , * r, Rap. UH. Seit. "» n;. Seit. i. Ed «ch System. sn Ueberdas bedeutet das Wort r Fakultäten, das VermL, gen zu handeln , die Macht zu wirken. Die Macht sißet allezeit einen wirkenden Gegenstand voraus. Leute, welche einen Geist im Menschen zugeben, finden diesen wirkenden Gegenstand in der Seele. Aber, wer aus dem Menschen eine Maschine, eine Puppe machet, wo wird er wohl den wir, kenden Gegenstand antreffrn, von dem hier die Rede ist? Endlich wäre es äußerst lächerlich zu behaupten, Laß eine Maschine mir Federn die Bewegungen, die in ihr vor, beygehen , erkenne, wahrnehme, mit einander vergleiche. Eben so lächerlich wäre es, wenn man sageke, daß sie fähig fty zu überlegen, daß sie ein Gedächrniß, eine Einbildung, einen Willen, Absichten, Begierden, Entwürfe habe. Da nun das Hirn, oder das innere Hülfsglied, da der ganze Mensch sechsten, wie wir es gesehen haben, nur eine Ma« schine mit Febern ist, so ist es eben so ungereimt, wenn man ihm eine von diesen Fakultäten beyleget. Wie wird der Erfinder des Systeme- diese Anmerkungen beantworten ? Man leget den Namen ; Vernunft, einer bestimmten Art bey, nach welcher das Hirn seine Fakultäten aus- übet. Das Hirn übet, nach dem Wahne unstrs Doktors, seine Fakultäten nur durch Treiben und Zurückkreiben, Wir« ken und Zurückwirken, mit einem Worte, nur durch bloß mechanische Bewegungen aus. Man wirb also sagen kön, nen, daß eine Maschine, die eine bestimmte Art zu wirken hat, auch mit Vernunft begabet sey. Giebt uns dieser Mann nicht recht ausgezeichnete Begriffe von der Vernunft ? Er saget ferner: Man heißt Wiß, Weisheit, Güte, Klugheit, Tugend, beständige oder veränderliche Beschaffenheiten oder Modifikationen des innern Hülfsgliedes, welches die Wesen der menschlichen Gattung zu wirken antreibt. Lir System. I «ntreibt. Man kann, wird man ihm sagen, die Dumm, M heit, die Thorheit, die Bosheit, die Unbescheidenheit, das !>?' Laster eben auf gleiche Weise beständige oder veränderliche M Modificationen des inner» Hülfsgliedeö benainsen, welches die Wesen der menschlichen Gattung zu wirken antteibt; und -B dau» wird man ihn bitten, daß er uns anzeige, was für ein Unterschied zwischen dem Witze und der Dummheit, zwi« schen der Weisheit und der Thvrheit, zwischen -er Güte und ^ der Bosheit, zwischen dem Laster und der Tugend sey. B Was wir hier vorgetragen Haben, ist mehr als genüg- ^ lich, um zu beweisen, daß in jener ganzen Erklärung, wel, ^ che der Doktor von den Fakultäten des Verstandes angiebt, ^ weder Philosophie, noch Vernunstschluß , noch Menschen, ^ sinn sey, und daß er eitel Ungereimtheiten auskrame, weil er eitel ausschweifende Grundsätze aufwirft und ausführet. K Fünfter Abschnitt. Von dem Willen und den Handlungen des Willens. <^>ie Philosophie unser« Gegners ist nicht weniger irrig, wo er sich unterfängt, uns von dem menschlichen Wik len und den Handlungen des Willens Rechenschaft zu geben; als da er von Len Fakultäten des Verstandes sprach. Ec kömmt wieder auf seinen Mechanismus; er martert sich, um einen Schein der Vernunft herauszubringen, und ec machet keinen Vernunftschluß, er giebt keine Bestimmung oder Erklärung, die nicht zum Lachen oder zum Milleide be< weget. * Der Willen, saget er mit seinem allentscheidenden und Hschmüihigen Tone r -er willen ist eine Modifikation um fers I», G » 8. Rap. l! 4 . Seit. System. siz ftrs Hirnes, wodurch es bewogen wird zu wirken; das ist, die Hülfsglieder des Rörpers zu bewegen. Wollen heißt zum wirken geneigt seyn. Die äußerlichen Gegen, stände, oder die innerlichen Begriffe, die diese Neigung erzeugen, heißen Beweggründe; denn diese sind die Ledern oder Triebwerke , welche die Hülfsglieder des Rör, pers in die Bewegung bringen. Also sind die Handln», gen des Willens Bewegungen des Leibes, welche durch die Modifikationen des Hirnes gelenket werden. Die Leidenschaften sind Arten oder Modifikationen des innern HülfogUedes (das ist: des Hirnes) welches durch die Gegenstände angezogen oder zurückgetrieben wird, und welches folglich den physischen Gesetzen der Anziehung und der Zurücktreibung unterworfen ist. Nach so richtigen Bestimmungen, und nach so gelehrten und scharfsinnigen Erklärungen ist gewiß kein guter Logiker, der nicht vor allen hohen Schulen in der Welt behaupten könnte, daß ein Bratenwender, eine Uhr, eine jede beweg, licheMaschine, eben so wie wir, einen willen haben, daß sie durch Beweggründe gelenket werden, und daß sie zu Handlungen des Willens und zu Leidenschaften fähig seyn. Denn, wenn man den einsichlvollen Grundsätzen dieses Doktors folget, und seine eigenen auserlesenen und kunst, mäßigen Ausdrücke brauchet, so kann der Logiker mit stob zem Murhe sagen: Ich behaupte, daß alles, was den willen betrifft, sich eben so wohl in einer Uhr, als in dem Men, schm, befinde. Fürwahr, der Willen in der Uhr ist eine Modifikation des innern Hülfsgliedes oder Triebwerkes, durch welche die Uhr bewogen wird zu wirken, das ist, die Hülfs, glieder oder Theile zu bewegen, aus denen sie besteht. Wol- U. Band. K k len s!4 System, len heißt zum wirken geneigt seyn. Nun aber, sobald die Feder in der Sackuhr, oder die Gewichte der Harguhr wieder aufgezogen sind, so ist die Sackuhr, und die Hang» uhr zum Wirken genügt. Die Gewichte, die Federn, die Räder, von denen diese Neigung erzeuget wird, heißen Be» wcggründe; denn diese Federn oder Triebwerke bringen die Hülfsglieder der Maschine in die Bewegung. Und weil die Handlungen des Willens nur Bewegungen sind, welche durch die Modifikationen gelenker werden, und da diese Modisicans» nen ftlbsten nur Bewegungen sind; so ist es augenscheinlich, daß die Sackuhr und die Hanguhr zu Handlungen des will lens ungemein fähig sind. Endlich werden eben diese Uhren den Leidenschaften nicht minder unterworfen seyn, als die Menschen sechsten. Denn, da die Leidenschaften nichts anders sind, als Modifikationen des inner» Hülfsgliedes, oder des inner» Triebwerkes, welches von den Gegenständen angezogen oder zurückgetrieben wird, und den physischen Gesehen der Anziehung und der Zurücktreibung unterworfen ist;' so werden die Uhren, weil sie diesen physischen Gesehen eben so wohl unterworfen sind, in der richtigen Folge den Leidenschaften nicht minder unterworfen seyn. Also könnte der Logiker sprechen, wenn er den Grundsätzen des Naturlehrers folgen wollte; und wir sehen kaum, was ihm der Lehrer antworten könnte. Ein anderer Logiker könnte ihm noch etliche Fragen auf, werfen, die ihn sehr in die Enge treiben würden. Mein Herr! könnte er zu ihm sprechen: Sie sagen uns, daß das Hirn sich verschaffen könne, was ihm angenehme Formen giebt, oder daß es entfernen könne, was ihm schadet; daß es innerliche Begriffe habe ; daß seine Bemerkungen oder Begriffe As jl>!« «k» >r« irj k» Ä iji v >!^ System. sls Begriffe bald angenehm, bald unangenehm seyn. Allein, da das Hirn, da der ganze Mensch nur für eine bloße Ma, schine nüt Triebwerken angesehen werden mag; wie begreifen 'Sie, und wie werden Sie uns begreiflich machen, daß eine Maschine mit Triebwerken innerliche Begriffe habe ? Wie be« greisen Sie, und wie werden Sie uns begreiflich machen, daß sie Begierden habe, daß sie wirklich wolle, was ihr ansteht, und daß sie entfernen könne, was ihr schadet? Wie begreifen Sie, und wie werden Sie uns begreiflich ma« chen, daß eine Maschine zu angenehmen oder unangenehmen Empfindungen fähig sey ? Sind Sie wohl versichert, daß man von dem Vergnügen, oder Misvergnügen eines Braten, Wenders, oder einer Uhr, Rechenschaft geben könnte ? und wären Sie etwan ein so geschickter Philosoph, daß Sie das, selbe berechnen dörften ? Mein Herr! Sie wollen alles durch den Mechanismus erklären, und alles auf den Mechanismus beziehen; aber es scheint nicht, daß Sie ein allzu glücklicher Mechaniker sind. Sie bemühen sich, einen einzigen und allgemeinen Mareria, lismus aufzustellrn; und es scheint, daß Ihre Bemühungen nichtsehr witzig und sinnreich sind. Sie wollen durch Ihr System etwas Neues und Außerordentliches auf die Bahne bringen; und man kann nicht läugnen, daß alles, was Sie uns sagen, von einem wahrhaft außerordentlichen Schrift, steiler, von einem Originale, zeuget. Sie.., Aber wir wollen den guten Mann mir seinen Logikern verlassen. Er mag mit ihnen zu Rechte kommen, so gm er kann. Laßt uns unsere Zergliederung fortschen. s Sechs- 116 System. Sechster Abschnitt. Vom sittlichen Menschen. an hatte bis ißt geglaubt, daß der Mensch ein verstän? diges fteyes Wesen sey, welches seinen Willen und seine Handlungen in seiner Gewalt hätte. Der Erfinder des Systeme- hat sich den Kopf zerbrochen, wie man gese, hen hat, um uns zu beweisen, daß man sich betrogen habe, daß dieses nur ein grobes Jrrthum sey, und daß alle Men, scheu wirklich bloße Maschinen mit Triebwerken, wahre Puppen seyn. Hat er seine Sage bewiesen? Das lassen wir den vernünftigen Leser entscheiden. Aber, was der ver« nünftige Leser noch schwerer begreifen wird, ist dieses, daß der Systemenmacher sich mit einmal aus einem nietaphysi« schen Philosophen in einen philosophischen Sittcnlehrer ver, wandelt, und sich beygehen läßt, diesen Maschinen mit Triebwerken, diesen Puppen, die Sittenlehre zu predigen. In seinem ganzen neunten Kapitel erkläret er die Erzie, hung, die man ihnen geben, die Gewohnheiten, die man ihnen beybringen, die Weise, nach welcher man ihr Tempe, rammt ausbilden, die Gesetze, nach welchen man sie beherr, schen, die Tugenden, die man ihnen rinflößen, und die Laster, von denen man sie entfernen soll. Er fängt bey dem Temperamente an, weil dieses der Grund aller Unterweisungen ist, die er jenen Maschinen ge» ben will: und er redet von der Einrichtung eines Tempera, mentS, wie ein Mechaniker von der Einrichtung einer Maschine reden würde. * Es ist kein Zweifel, saget er, daß das Temperament des Menschen, durch eben so physische Ur, * y, Rap. rez. Seit. System. 517 Ursachen, als jene sind, durch welche es besteht, verbessert, verderbet, verändert werden könne. Ein jeder aus uns kann sich auf gewisse weise ein Temperament machen. Das Temperament, fährt ec fort, ist in jedem Men, fchen der gewöhnliche Zustand , in welchen sich die dich« ten und flüssigen Theile befinden, aus denen sein Rörper besteht, wenn wir also die Elemente kännten, welche den Grund des Temperaments eines Menschen, oder der meisten Menschen sind, so wüßten wir, was ihnen zu, stünde, was für Gesetze für sie nothwendig, was für Unterweisungen ihnen nützlich wären, wir wollen uns dann bestreben, die Materien zu entdecken, woraus das Temperament des Menschen besteht; diese Entdeckungen werden uns dienen, die Natur und die Eigenschaft seiner Neigungen und seiner Leidenschaften zu errathen,nnd sein Betragen voraus zu wissen, wann sich die Gelegen« heiten anbiethen werden. Nach diesem saget er uns mit der ernsthaftesten Mine das schlechteste Zeug von den verschiedenen Temperamenten, und von den verschiedenen Arten der Speisen und der Nah, rung, die man brauchen könnte, um die Temperamente vollkommener zu machen, oder zu verbessern. Einem Moliere, «nein Desfontatnes würde es leicht gefallensseyn, diese ernst, haften Moliere^ Johann Baptist Poequelin von Mokiere, jener berühmte Komiker im vorigen Jahrhunderte. Er bemühte sich, die Fehler und die Ungereimtheiten seiner Zeitgenossen auf der Bühne vvrzustellen , und dadurch seine Landsleute zu bessern. Lebte er noch! Wie vielen Stoff zu neuen Charakteren, zu lächerlichen Originalen , würde er nicht unter den Modephilosvphen finde»! Desfontaines^ Peter Franz Guyot Desfontaines, starb zn Paris i7g;. Er eiferte in seinen Anmerkungen über die neuen Schriften, einer KkZ s!8 System, haften Kinderpossen, und diese unnüßlichen Plandereyen auf. zuziehen. Wir wollen uns dabey nicht aufhalten, und wir genügen uns, dem Leser folgende zwo oder drey kurze Beobachtungen vorzulegen. Ein vernünftiger Mann, der ein wahrer Philosoph ist, wird zwar das Temperament bey jedem Menschen für das Werk der dichten und flüssigen Theile halten, woraus sein Körper besteht. Er wird ohne Bcschwerniß gestehen, daß das Temperament auf die Sitten, die Naturtriebe, die Neigungen vielen Einfluß hat. Aber er wird nicht alles einem Mechanismus von physischen und nothwendigsn Anziehungen und Zurücktreiöungen zuschreiben: er wird, durch die Erfahrung von so vielen Menschen, die sich von dem Triebe des Temperaments nicht bemeistern lassen, unterrichtet. erkennen, daß diese Triebwerke von der Vernunft und von der Religion beherrschet und geleitet, gelenker oder ein, gehalten werden können; er wird allezeit innerlich übcrzeu, ger bleiben, daß sich schätzbare, ehrwürdige, und rugmdsame Menschen eben dadurch vorzüglich anszeichnen; daß man an dem Menschen nichts mehr loben oder tadeln, strafen oder belohnen börste, und daß endlich keine Gesetze mehr Statt haben käputen, wenn das Temperament nur eine bloß mechanische Grundursache wäre, deren Wirkungen eben so unvermeidlich und eben so nothwendig ftyn würden, als die Wirkungen einer Uhr, oder einer Maschine mit Trieb- werken sind. Nach« einer Wochenschrift, die er zu Parks herausgab, mit vieler Bemthei- lung und strenger Kritik, wider den verderbten Geschmack der neuartigen Gelehrsamkeit, wodurch er sich ganz natürlich den Haß und die Schmähschriften Voltaire»« «nd seiner Anbether zuzrehen mußte. ijite Hst «» >s- System. si9 Nachdem der gelehrte Mann das Temperament so gut erkläret hat, schreitet er zu den Gewohnheiten fort, und geht dabey mit eben so vieler Weisheit und Beurkheilung zn Werke: * Wir können, saget er, sowohl die physischen als sittlichen Naturerscheinungen der Gewohnheit durch einen bloßen Mechanismus erklären. Unsere Seele (das ist: das Hirn) nimmt verschiedene Formen an, wie der Leib. Die Gewohnheit ist im Menschen eine Art da ;u ftyn, zu denken, und zu wirken , welche unsere Hülfsglieder durch die oftmalige Wiederholung einer gleichen Bewegung annehmen: daraus entsteht das Vermögen, diese Bewegungen hurtig und leicht zu voll, ziehen. Weil der Doktor behauptet, daß alle / sowohl physische als sittliche Naturerscheinungen durch einen bloßen Mechanismus erkläret werden können; so hätte er uns ein großes Gefallen erwiesen, wenn er uns zugleich anzezeigt hätte, was für ein Unterschied zwischen einer physischen Naturerscheinung und einer sittlichen Naturerscheinung sey. Dieses scheint in seinem schönen Systems sehr hart aufzulöftn. Und was könnte er wohl in der That sagen, da er behaup, lek, daß die Unterscheidung des physischen Menschen vom sittlichen Menschen nur auf willkührliche Vermuthungen gegründet fty. Nachmals saget er uns: Die Seele nimmt verschiedene Formen an, wie der Leib. Aber weil die Seele mit dem Leib nur eines und dasselbe Ding auömachet; weil sie nichts anders ist, als der Leib, wenn man ihn, in Absicht 6. Rap. 78- Seit. * s- Rap. IZ6. Seit. *'* 7- Rav. y8. Seit. K k 4 520 System. Absicht auf einige seiner Verrichtungen, und auf einige p Arten ftines Daseyn und seiner Wirkungen, betracht tet; so heißt es so viel, da man saget, daß die Seele ver, ^ schiedene Formen annehme, wie der Leib, als wenn man ^ sagete : der Leib nimmt verschiedene Formen an, wie der ,,g Leib. Ist dieser Ausdruck recht philosophisch? 4 Wir wollen iht aufdie Erziehung kommen, durch welche A man die Menschen, das ist, die beweglichen Maschinen und A! die Puppen bilden soll. Man vernehme, wie er sich darü, ^ her ausdrücket: * Die Erziehung ist nichts anders, ^ als die Runst , den Menschen bey guter Zeit, die Ge- wohnheitcn, Meinungen , und die Arten des Daseyns beyzubringsn, welche von der Gesellschaft, worunter sie leben werden, angenommen sind. Die ersten Augen- blrcke unserer Rindheit werden angewendet, Versuche ^ zu machen. Jene, denen die Pflicht obliegt, uns zu er- ^ Sieben, lehren uns, Nutzen daraus zu schöpfen, oder entwickeln die Vernunft. Unter den Augen seiner Lehr- r> Meister erwirbt das Rind Begriffe; es lernet sie zu ver- M einigen , auf eine gewisse weise zu denken, gut oder übel tz, zu urtheilen. Man weist ihm die verschiedenen Gegen- stände, und gewöhnet es, dieselben zu hassen oder zu lie- v-s ben, zu verlangen oder zu fliehen, hschzuschätzen oder zu verachten. Also wird das Gemüth allmählig mit H Wahrheiten, oder mit Jrrthümern angefüllet, nach web chen ein jeder seinen Wandel einrichtet: dadurch wird ^ er glücklich oder unglücklich, tugendsam oder lasterhaft, lrebi nswerth oder hassenswürdig für andere, zufrieden oder unzufrieden mit seiner Bestimmung, je nach den Ar Gegen« y. Nap. Seit. k* »d ik »!«« System. 52! Gegenständen, auf welche man seine Leidenschaften und sein Gemüth gelenket har. Also lautet der Text des Na, turlehrers, worüber wir erliche kurze Anmerkungen machen wollen. 1. Wenn man sich an die Begriffe hielte, welche die lautere Vernunft und der gesunde Verstand allen Menschen eingeben, so würde man sagen: Die Erziehung ist die Kunst, den Verstand und das Herz des Menschen zu bil, den; den Verstand, durch die Grundsätze der Wissenschaft ten und der Kenntnisse, womit man ihn anfkkäret; und das Herz, durch die Neigung, die Liebe, die Ehrerbiethung, die man ihm gegen die Tugend einflößet. Jene so ver« worrenen Ausdrücke: Gewohnheiten, Meinungen, Arten des Daseyns beyzubringen, würde man für lächerliche Ausdrücke ansehen, die keine vernünftige Erklärung anzu« nehmen fähig sind. 2. Ein Mensch, der eine Seele, ein verständiges Wesen zugiebt, das vom Leibe unterschieden ist, könnte noch diese Bestimmung, wenigstens zum Theile, hingehen lassen. Aber, wer an dem menschlichen Geschlechts nichts, als Materie und Bewegung, erkennet, und wer von allen Verrichtungen des Menschen durch den bloßen Mechanismus Rechenschaft zu geben sich anmaßet, dem wird man, bey jedem Worte und bey jedem Ausdrucke der Bestimmung , in die Rede fallen. Denn, wie läßt sich durch den bloßen Mechanismus das Vermögen erklären, welches ein Stück von Materie hätte ^ seine Zeit anzuwenden, um Versuche zu machen ? wie läßt sich die Wissenschaft erklären, welche ein anderes Stück von K k z Materie 522 System. Materie hätte, damit es jenes lehrete, Nutzen daraus;« schöpfen? Wie wird man begreiflich machen, daß jenes Stück von Materie Begriffe erwerbe, und sie zu vereinigen lerne; das ist, eine Sammlung, einen Vorrach davon sich zu verschaffen, sie zu wählen, zu vergleichen, zusammenzu. schm, oder zu trennen lerne? Wie will man cs zu Stande bringen, uns zu bereden, daß jenes Stück von Materie, welches seine Wirksamkeit nur durch physische und uorhwendige Triebe hat, undwel, ches nur durch physische und nochwendige Triebe in die Be, rvegung gesetzt wird, fähig werde, seinen Wandel einzu- richten, zufrieden oder unzufrieden, glücklich oder unglücklich, liebenswerth oder hassenswürdig zu werden, uns daß es den kostbaren Samen der Vernunft und Tu» gend in sich enthalte, den nachnmls eine kluge Erziehung glücklich ans Licht bringen mag ? Hat man jemals mit einer so ernsthaften und so dummen Mine mehr Ungereimtheiten und mehr lächerliche Possen ausgekramet? Aber wir wollen weiter schreiten. Leute, die sich nicht würdigen, auf dem gemeinen Wege zu wandeln , der allezeit sicherer ist, und den uns die ange, bvhrne Vernunft und der gesunde Menschenverstand weisen; Leute, die beständig etwas Neues haben müssen, werden in Len Begriffen, die man uns hkr von der Glückseligkeit und der Tugend angiebt, die außerordentlichsten Dinge sin, Len. * Die Glückseligkeit, heißt es, ist das ordentliche Verhältniß des Menschen mit den Ursachen, die auf ihn wirken, q. Rap. i;§. Seit. System. srz Wirken, oder, wenn man lieber will, eine Art des Da seyns, von welcher wir die Dauer wünschen. Ist diese Bestimmung nicht recht einleuchtend und vernünftig? Ist der Verstand durch dieses ordentliche Verhärmtst nicht ungemein aufgekläret? Ist die Vernunft nicht vollkommen befriediget, wenn man uns saget: Die Glück, seligkeir ist eine Art des Daseyns, von welcher wir die Dauer wünschen. Nach dieser gutgerathenen und sinnreichen Bestimmung wird man, mit aller Sicherheit, eben so viele Gattungen von Glückseligkeiten angeben können, als es Leidenschaften giebt; man wird eben so viele glückselig heißen dürfen, als es einzelne Wesen geben wird, die ihre Leidenschaften befriedigen können. Der Landprcsser wünschet die Dauer von seinen Pressungen, der Freygeist von seinen Schwelgereym, » der Kronräuber von seinen unrechtmäßigen Besitzungen, der Straßenräuber von seinem guten Fange, der Treulose von seinen Verrärhereym. Also, nach den Lehrsätzen des Doktors, sind der Landpresser, -er Freygeist, der Räuber glückselige Menschen. Jedermann fasset leicht, wie die Ehrlichkeit, die Ordnung, und die Wohlanständigkeit beschaffen seyn würde, welche Lurch eine solche Lehre eins in der Gesellschaft eingeführt werden könnte. Ißt wollen wir sehen, ob er eben so glücklich und so scharfsinnig zu Werke gehe, wo er von der Tugend redet. Der größeste Mann unter den Römern saget uns: „ Die Tugend ist eine beständige und gutgeordnere Gesim ,. nung der Seele, welche diejenigen schätzbar machet, die sie „ an sich haben; welche aus sich selbsten all unserer Hoch <» achmng würdig wäre, wenn wir auch keinen Nutzen von ihr s-4 System. „ ihr hätten ; und welche der Grund aller Ehrlichkeit in „ den Begierden, Gedanken, und Handlungen ist: mit ei. „ nem Worte , sie ist die vollkommene Vernunft,,. * Virtus elt gstsöiio animi constaus, convenien8gue. l3uäLd>1s8 eüiLiens eos, in qurbu8 elt, l> ^ ml Die Begriffe, die unser Lehrer von der Tugend angiebk, jß« sind von jenen ganz unterschieden, die uns der römische PH« D losoph gegebm hat. Er genüget sich zum Anfänge zn sagen: O Die Tugend ist alles jenes, was dem Wesen der M menschlichen Gattung, die in Gesellschaft leben, wahr- D baft und beständig nützlich ist. Aber, weil dieser Begriff, D so unvollkommen er iminer ist, mit seinem Systeme nicht P allzu wohl passet, saget er bald darauf ferner: *** Damit «P der Mensch tugendhaft würde, müßte ihm daran gele, gen seyn, tugendhaft zu werden, wenn er, seiner Na, U tur nach, nothwendig sein wohlseyn verlangen muß, so ist er auch gezwungen, die Mittel dazu zu lieben. Es wäre vergeblich von einem Menschen zu begehren, daß ^ er tugendhaft wäre, wenn er es nicht seyn könnte, ohne ^ -aß er unglücklich würde; und er muß das Laster lie- den, sobald ihn das Laster glücklich machet. Ey! wie dieser ehrliche Mann Hochachtung und Liebe gegen die Tugend einflößrt! Ey! die merkwürdigen Lehren, die er bey< > bringt! die weisen Grundsätze, die er ausstreuet! die wichli, ^ 3«» U ' Tufkul- §rag. 4. D. «»«Eben-. -5«. Seit. " 9. Rap. >ZZ. Snt. System. 525 gm Dienste, die er der Gesellschaft leisten will! Der Leser mag ftlbstcn die Schlüsse ziehen, welche aus einer so gräuli» ^ chen Lehre nakürlich stießen. Siebenter Abschnitt. Uh ^ Von dem Ursprünge des Begriffs von der Gottheit. itz Hs^ach dem Maaße, wie die Feinde der Religion in die ^ größestcn Ausschweifungen der Gottlosigkeit verfallen, so ermangeln sie beynahe niemals, zu gleicher Zeit in eben H, so schmachvolle Ausschweifungen der Blindheit und der Un, D gereimcheiken auszuarten. Wir treffen davon den Überzelte Ä gendsten Beweis dorten an, wo der Erfinder des Systeme« ßd die Weise erkläret, nach welcher der Begriff von der Gott.- F heit unter den Menschen eingeführet worden ist. Er schreibt kp erstlich den Ursprung dieses Begriffes der Unwissenheit, dem »Ä Schrecken, der Unerfahrenhert des noch ungesitteten Mein schen zu. Nachmals versichert er, daß er von den erhab, B nern Geistern und von den großen Männern, welche die «5 Völker aufgekläret, unterrichtet, und sittlich gemacht haben, «i vorgetragen und beygebracht worden sey: und endlich saget »k er, der Eigennuß und die Arglist von den Stiftern der Na, z!>' tionen, und von den Pfaffen, haben es vollends zu Stande ^ gebracht, die Begriffe von der Gottheit zu bestätigen. Wir ^ wollen ihn zum Anfänge selber reden hören. sli ^ Auszug aus dem Werke. z!» * wenn die Menschen die Beweggründe ihrer Hoff, ^ nungen und ihrer Furcht mit kaltem Blute untersuchen «I wollten, so würden sie finden, daß oft die Gegenstände, oder ° ll- Theil. i. Rap. i. Seit. 526 System. oder die Begriffe, welche fähig sind sie zu rühren, keine wirkliche Wesenheit haben, und eitel unbedeutende rvor, re, oder Schreckbilder sind, welche die Unwissenheit aus- gehecket hat. * Diese Unwissenheit war sonder Zweifel größer in entfernten Zeiten, wo der menschliche Verstand , nock in seiner Rindheit, die Erfahrung nicht gehabt hatte, die wir itzt an ihm sehen. Verstreute, ungesittete Leute kannten nur unvollkommen, oder ganz nicht, die Wege der Natur. Dieses vorauegeseyet, muß, ten alle Ursachen für unsere wilden Vorfahren Geheim» nisse seyn; alle Naturerscheinungen mußten ihnen wunderbar und fürchterlich Vorkommen. Außer den gemeinen Naturerscheinungen, wovon die Nationen Augenzeugen waren, ohne die Ursache«» davon zu errathen, haben sie, in Zeiten, die weit von uns zurückstehen Drangsalen erfahren, welche sie in die grausamste Unruhe versetzen mußten. Da brauchet der Lehrer seine Redekunst, um di« Erd- rrschütterungen, die Überschwemmungen, die Ausbrüche der Feuerberge, die Unfälle, die Bedrängnisse herzuzählen, welche die Welt erfahren Hat, und er sehet bey: ^ In diesen unseligen Umständen erhüben die Nationen ihre unruhigen Blicke, und warfen ihre weinenden Augen aufden Himmel, wo sie vermutheten, daß die unbekannten Ursachen , die Stifter dieser Drangsalen, ihren Sitz haben sollten; und allezeit haben die Menschen aus der Unwissenheit, der Noch, und den Trübsalen ihre ersten Renntnisse von der Gottheit geschöpfet. Er saget endlich zum Beschlüsse seines ersten Kapitels: **'* Wenn die Un- wissen- * 6. 7. Seit. *' r. Seit. »*' 24 - Seit. System. 127 ^ ivissenheit -er Natur die Götter erzeuget hat, so ist die ^ Aenntniß der Natur bestimmet, sie zu vernichten, und ""tz den Menschen zu unterrichten, damit er aufhöre, aber- «»tz gläubisch zu ftyn. Nachdem er auf diese Weise den Ursprung des Begriffs ^ von der Gottheit der Unwissenheit, und dem Zustande des ^ Menschen zngeschrieben hat, als er noch wild und ungesittet ^ war, verändert er auf einmal seine Meynung, und läßt eben ^ diesen Begriff aus dem Verstände, der Weisheit, und der ^ Vernunft entstehen. dis Kd H i,ch * Aus dem Schooße der gesitteten Nationen, saget er, kamen die Männer her, welche die Geselligkeit, die Rünste, die Gesetze, die Götter, bey Familien oder Hon den einführeten, die noch zerstreuet, und nicht in eine ganze Nation versammelt waren. Da sie also ihr Daftyn glücklicher macheren, erwarben sie ihre Liebe, und ihre Verehrung; sie erhielten das Recht, ihnen Meynungen vorzuschreibeu ; sie hießen sie jene annehmen, die sie selbst ersonnen, oder in den gesitteten Ländern erlernet hatten, woraus sie gekommen waren. ^ Diese Männer, web che die Lehrer, die Führer, und die Gebiether der aufkeb menden Gesellschaften wurden, redeten nach der Linbib düng ihrer Zuhörer, und bestimmten die Gottheiten der Nation, da sie die Götter gelten ließen, die sich eine jede Privatperson gebildet hatte, oder da sie andere an ihre Stelle setzten, welche sie von den Ländern hergebracht hatten, woraus sie sechsten kamen. Endlich §28 System. Endlich saget er uns: * Jene weisen Im Alterrhu, me, jene Stifter der Nationen, redeten nur durch Fabeln und Glcichnißreden zu ihnen, und behielten sich das Recht vor, ihnen dieselben zu erklären. Diese ger heimnißvolle Sprache war nothwendig, entweder um ihre Unwissenheit zu verheelen, oder um ihre Macht zu erhalten: und ihre Erklärungen wurden allezeit vom Eigennützen, von dem Betrüge, oder von der aberwitzigen Einbildung eingesprochen. Anmerkungen über diesen Auszug. Erste Anmerkung. Dieser Mann saget, der erste Begriff von der Gottheit sey von der Unwissenheit entstanden , als der menschliche Verstand, noch in seiner Kindheit, die Wege der Natur nicht kannte. Aber schon bey diesen ersten Worten verhaut er sich gewaltig. Die Kindheit setzet einen Anfang des Daseyns voraus. Es muß also das menschliche Geschlecht einen Anfang gehabt haben. Gleich wohl -O' Wo wird man jemals so unähnliche und so ungereimte Sähe antreffen? wo wird man so augenscheinliche Widersprüche finden, wie bey diesem Schriftsteller, welcher sich gleichwohl für das Orakel seiner Zeiten ausgiebt, und allen Menschen, die vor ihm gelebet haben, ihre Unwissenheit, und ihren schlechten Gebrauch der Vernunft ohn Unterlaß vorwirft? Der Auszug , den wir hergefetzet haben, ist ge, treu. Der Leser sinder schon darinnen die siegreichste Widerlegung : wir wollen uns dann mir etlichen ganz kurzen Anmerkungen genügen, um die Ungereimtheiten kennbarzu machen, worein dieser stolze Klügler verfällt. Kl - zz. Seit. lest« KZ >dir> sö iB i-> > System. ^29 wohl sagst eben derselbe Mann, die Materie und die Bewegung, welche die ganze Wirksamkeit, Kraft, und Stärke -er Namr ansmachen, seyn ewig. Es muß dann oas menschliche Geschlecht, welches eine nvthwendige Wirkung jener Kraft und jener Stärke ist, auch ewig seyn. So hat es dann keinen Anfang gehabt. Jene Kindheit des menschlichen Verstandes, und jene ungesitteten Vorfahren, wovon ec uns spricht, enthalten dann nichts, als einen groben Widerspruch, em lächerliches Geschwätz, einen Schnitzer, der auf den Erfinder passet. Zweyte Anmerkung. Er vermmhet, daß der erste Stand des Menschen wild und ungesittet gewesen sey. Diese Vermuthung gilt bey den neuen Philosophen a!i?s: denn vermittelst dieser Vermuthung können sie ihrer Einbildung freyen Zügel schießen lassen; sie können chre ungereimten Systeme ohne Scheue m den Wind bauen, uns auf die Offenbarung lästern. Aber diese Vermuthung bringt ihnen wenig Ehre, weil sie ganz ohne Bewerfe ist, und weil alle glaubwürdigsten Denkmäler dawider zeugen. Sie ist ganz ohne Beweise: denn wie wissen sie, und wie haben sie erführen, in was für einem Zustande der Mensch vor fünf oder sechs tausend Jahren war ? Sodann zeugen auch alle glaubwürdigste Denkmäler dawider: denn alle Schriftsteller, wel, chevondem Ursprünge verschiedener Vöcker gehandelt haben, lassen sie durch Pflanzstädte entstehen; und diese Pflanz, städke waren Truppen von Menschen, die in Gesellschaft lebten. Der erste Stand des Menschen war also nicht wild und Ungesittet; er hat es nicht werden können, außer wann er von der Gesellschaft abgesondert gewesen ist, oder wann er sich sechsten davon abgesondert hat. H- Band. L l Dritte szv Sytlem. Dritte Anmerkung. Wie getrauet man sich zu behaupten, daß einer und derselbe Begriffaus der ungesittet» sten Dummheit, und daß er zugleich aus dem Verstände der schönsten Genien emsprunqen sey? Wie waget man es, uns zu bereden, daß eben derselbe Beqrrff nichts anders, als die Frucht der Unwissenheit und einer kindischen Furcht, und daß er auf gleiche Weise'die Frucht von den Kennt, niffen, Beobachtungen, Anmerkungen der größesten Männer sey, die jemals gelebet haben ? Hätte man immer geglaubet, daß ein Mensch fähig wäre, dergleichen Ungereimtheiten und Widersprüche auf die Bahne zu bringen? Nein, gewiß nicht: man hätte es nimmer geglaubet, wenn der Erfinder dieses Systemeö nicht gelebet hätte. Vierte Anmerkung. Eben dieser Mann behauptet, daß die Menschen, zu den Zeiten der Unglücksfälle und Be» drängnisse, aus Furcht und Schrecken sich eingebildet haben, es gebe eine Gottheit. Aber wenn man ihn ftagere, in welchem Jahrhunderte, bey welchem Volke, unter welchem Fürsten diese Begriffe und diese Einbildungen angefangen haben. und angenommen worden seyn ; wenn man ihn fra» gete, was für ansehnliche Schriftsteller er anführen könnte, um feine Aussage zu verbürgen: was könnte er wohl zur Antwort geben? Sollen dann seine Träumereyen für einen zulänglichen Beweis gelten ? Fünfte Anmerkung. Wenn aber, wie es dieser Mann mir seinen immer widersprechenden Meynungen vor» giebr; wenn die größesten Männer, die schönsten Geister, die Gesetzgeber, die Wohlthäter des menschlichen Geschlecht teö die Begriffe von der Gottheit herbeygebracht haben, und wenn dich Begriffe nachmals durch alle Zeiten allgemein an, genom, im k,i !h> R lkH !!pl AlÜi IIA ll^l ,ßS .-r^ System. fzi genominen worden sind: wie getrauet er sich zu sagen, daß diese Begriffe nur Hirngespinnste seyn, und keinen Grund haben? Verlängerer, daß sein Wort mehr, als das Ansehen aller großen Männer und aller Zeilen gelten soll? will er uns glauben heißen, daß er allein mehr Einsicht, Scharfsinn, und Kenntnisse besitze, als jemals alle große Männer und alle Zeiten, zusammen genommen, gehabt haben? Wären diese Federungen bescheiden, weise, vernünf, tig? oder wären sie nicht etwa thöricht, unsinnig, und aus, schweifend? , >> Sechste Anmerkung. Jene Weisen, jene wohlthä, tigen Männer, rvelckre die Völker sittlich, und ihr Daseyn glücklich wacheren, welchen der Doktor die herrlichsten Lob« spräche beymißr, verwandelt er in einem Augenvlicke in Betrieger, die eine geheimnißvolle Sprache annahmen, da sie von der Gottheit redeten, um ihre Unwissenheit zu be« Mänteln, und ihre Macht durch Erklärungen zu erhalten, welche der Eigennutz, oder die aberwitzige Einbildung ihnen einsprach. Aber, wie vergleichen sich an den nämlichen Personen die allergländzevdsten Einsichten mit der dümmsten Unwiffen, Heu, diegroßmüthigeWohlthätigkeitmicdem niedcrrrächti« gen Eigennützen, die Liebe zUr Wahrheit mir dem abscheu« lichsten Betrüge, die reine Weisheit mit der aberwih-gen Einbildung? Gleichwohl thm diesi s unser Doktor, wie es aus dem Texte am Tage liegt, den wir angezogen haben. Durch diese wenigen Anmerkungen ist de? Leser im Stande von dem schönen Genie des Systemenmachers, von seinen ausgebreiteten Einsichten, von der Stärke seiner Be« L l r weise. szr Svftem. weise, und von der Richtigkeit und Gründlichkeit seiner Veruunftschlüffe zu »«heilen. Beschluß. Man würde dem Leser nur lange Weile machen, wenn man die Ungereimtheiten umständlicher entdecken wollte, wovon dieses System strotzet; das ebenteurlichste, das uw vernünftigste, und grundloseste System, so man jemals gesehen hat. Wir hören auf, und genügen uns cmzumm ken, daß auf diese Ungereimtheiten gräfliche Dinge folgen, welche weit eher verdieneten, von der gerechten Strenge der Oberkeiten, als von der Einsicht der christlichen Philosophen untersuchet zu werden. Nachdem er aus dem Menschen eine Maschine mit Triebwerken, eine blinde Maschine gemacht hat, welche durch nochwendige Bewegungen getrieben wird, und folglich zu keiner sittlichen Handlung fähig ist, giebt sich der unsinnige Schriftsteller den Trieben des ausschrvei» fendstm und unbegreiflichsten SchwärmgeisteS Preis. Ec schmähet mit der äußersten Wurh wider alles, was Len Grund, die Verbindung, die Ordnung, die Erhaltung der Gesellschaft ausmachet; an die Stelle des durchaus noth» wendigen Lehrsatzes von der Frer-Heit setzet er die auffallende Ungereimtheit des Fatalismus; er vercherdiget den Selbst» Mord, und spricht ihm das Lob; er beißt den Lehrsatz von der Unsterblichkeit der Seele ein blindes und unvernünftiges Vsrmcheil; er achtet das Daseyn des Menschen eben so gering, als das Daseyn des schlechtesten Würmchens oder der verächtlichsten Pflanze; er giebt ihm die nämlichen Grund» Bl tzÄ System. szz Grundursachen, unterwirft ihn den nämlichen Verändrun, qm, und Nßt ihn auf dis gleiche Weise zu Grunde ge, hm: gleichwohl verlanget er, daß man ihm eine vortreff, liche Erziehung beybringe, daß man ihn durch weise Ge, sehe beherrsche, und daß man ihm Ehrfurcht und Liebe gegen alle Tugenden einfiöße. Unter dem Vorwände, wi, der die Msbräuche der bürgerlichen und politischen Macht, und wider die Fehler der Gesetze zn eifern, er, kennt er keine rechtmäßige Gewalt mehr; alles ist in sei, nen Augen Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Tyranney, und Verletzung der heiligsten Rechte. Er stellet dm siegreichen Beweisgründen, welche uns Descartes, MaUebranche, Newton, Clarke von dem Daseyn eines höchsten Wesens an die Hand gegeben haben, die ver, ächklichsten Trugschlüsse entgegen. Endlich nimmt er die Masse vom Gesichte; er giebt sich alle erdenkliche Mühe, um dm anstößigsten Atheismus zu lehren, zu predigen, in den Gang zu bringen. Der größeste Theil von diesem Gräuel wird an verschie, denen Stellen unsers Werkes vorgetragen, bmrtheilet, und gebrandmarket, wie er es verdienet. Wenn man diesen Gräuel mit dem Lichte der Vernunft allein erblicket, so fasset man alsbald dm größestm Abscheu, den er erwecken muß; man erkennet, was für Schande, Fluch, und Züchtigung der unselige Schriftsteller verdienet hat, und wie sehr jene an seiner Schande Theil nehmen, die Geschmack daran finden können. Wir mögen zum Beschlüsse nichts anders sa, gm, als daß noch kein Werk an das Licht getreten ist, wo sich die Gottlosigkeit ans eine so kühne, und so unverschämte L l Z Weist ^Z4 System. Weise ausgezeichnet Härte, wo das menschliche Geschlecht schimpflicher erniedriget Und herabgesetzt worden wäre, wo der menschliche Verstand sich durch gröbere Verirrungen - lEr die Vernunft, die Schlußkunst, und die Denkensart entehret hätte. xuv. Xl.iV. sZf Tauf e. ATHer sollte es glauben, daß zwischen der Seele, welche vormals den berufenen Abtrinnigen, Julianen , be, geisterte, und jener, welche heul zu Tage den Verfasser vom philosophischen Handlexikon beleb«, ein so nahes Verhälmiß und eine so große Gleichheit wäre ? Man bemerket an beyden einen gleichen Abscheu vor der Taufe, die sie beyse empfan, gen haben. Um das Zeichen auszulöschen, welches dieses Sacrament in die Seele präget, nahm Julian zu den ver, dammlichen Reinigungen der Götzendiener die Zuflucht. Um den Christen die Gesimmugen der Ehrfurcht, die sie diesem Sacramenle schuldig sind, aus dem Gemüthe zu bringen, sparet der Verfasser des Lexikons weder Lügm, noch Ränke. Damit wir die Wahrheit in alle ihre Rechte wieder einsetzen, wollen wir mit wenigen Worten erklären, was die Taufe der Christen fty; und dann werden wir zeigen, wie aus» schweifend und gottlos die Einwürfe des Gegners lamm. Erster Artikel. Was ist die Taufe der Christen? A>is christliche Kirche bedienet sich des Worts: Taufe, ^ um die erste Weihung zu bedeuten, wodurch ein Mensch Gotte geheilig« wird, wann sie denselben in die Gesellschaft der Christen aufnimmt, und wann er sechsten ein Christ wird. Das Wort: taufen, heißt: waschen, reinigen, eintauchen. Ll 4 Die sZ6 Taufe. Die Waschungen. Reinigungen, Tauchungen sind vor ^ Zeiten bey sielen abgöttischen Völkern, und bey den Juden, B sehr im Schwange gewesen; sie sind noch heul zu Tags bey p § den U7ahomctanern sehr gebräuchlich aber alle diese Cers, ^ momen haben mit der Taufe der Christen kein Verhältnis O Man vernehme kei; Unterschied zwischen ihnen und der Taufe. Dl 1. Die Taufe ist für jene durchaus nothwendig, welche Christen werden wollen; und die Tauchungen oder Reinigun- ^ gen bey den abgötkischdn Völkern warm nur Gebräuche, ^ oder, also zu reden, freye und willkührliche Andachten, ^ welche zu üben die meisten sich wenig bekümmerten. N 2 . Die Taufe wird, und kann nur einmal gegeben wer, * den, weil sie ein unauslöschliches Zeichen in die Seele prä, W ger; und dieses brachte vormals den abtrinnigen Julian bey, <>« nahe zur Verzweiflung: aber die Tauchungen oder Reinigun, gen konnten so oft wiederholet werden, als man wollte, weil « sie eitel Cercmonien waren, die keine Folgen hatten. ! z. Die Talift besteht darinnen, daß man in das Was, ^ ser gerauchet, oder nur von dem Taufenden zu gleicher Zeit ^ damit begossen wird, wann er die sacrarnentalischrn Worte ausspricht: und dieses läßt sich niemals abändern. Aber ^ die heydnischen Tauchungen oder Reinigungen waren, nach * den Zeiten, Gegenden, Ländern, Personen, beständigen N» Vsrändrungen unterworfen, und hatten niemals einen Be« ^ siand, oder eine Bestimmung. Nachdem wir diesen Unterschied bestätiget haben, wovon man in der Folge die Nothwendigkeit sehen wird, wollen wir ^ ein Bißchen umständlicher erklären, was die TarLe fty. Dieses Sakrament kann anszweyerley Art mitgecheilet werden, Lurch die Eintauchung und durch die Begießung. Man 'til» t,!k t KL ^r K Taufe. " 5Z7 Man ertheilke es anfänglich und hauptsächlich durch die Ein, tauchung; und diese Weise war sehr lehr sam und geheimniß« voll. Denn die Eintauchung bedeutete, — damit ich hier die geheiligten Ausdrücke des Völkerlehrerö brauche, — die Beerdigung des alten Menschen, das ist, den Tod der Sünde, nebst der Vernichtung der unordentlichen, lasier, hasten, und verderbten Leidsrischasten ; und die Herauskunft, oder der Austritt aus dem Wasser stellte Las neue Leben, die Auferstehung , die Wiedergeburt des neuen Menschen vor, der Lurch die Gnade beleuchtet und geheiligt wurde. Man kann sich auf keine herrlichere und rührendere Weise von dieser Veränderung ausdrücken, als es eben derselbe Apostel thut: * Wir alle, die wir in Jesu Christo getauft! wurden, sind zur Nachahmung seines «Codes getaufet worden : denn wir sind mit ihm durch die Taufe begraben worden, da wir auf eine geheimnißvolle weise starben, damit wir ein neues Leben leben mögen, gleich- wie Jesus Christus, durch die Glorie seines Vaters auf, erwecket, ein neues Leben lebet, wenn wir ihn in sei, nem Tode vollkommen nachgeahmet haben, werden wir ihn auch in seiner Auferstehung Nachahmer», wir sollen uns dann erinnern, daß der alte Mensch in uns mit ihm gekreuziget worden ist, damit wir nicht mehr Llnechte der Sünde seyn,-und damit wir nur in Gotte durch Jesum Christum unfern Herrn leben mögen. Der Freydenker, der Gottlose, der Philosoph wird sich nicht die Mühe geben, diese erhabenen Wahrheiten zu betrachten und zu ergründen; erwirb sie verschmähen; er wird in diesem Texte eitel große Worte und unbedeutende Sprüche L l 5 sehen. " Nöni. Vt. sz8 Taufe, sehen. Man kennet ihre All zu denken und sich ausrudrü, cken. Aber man schreibt nur, um sie zu Schanden zu „ia, chen, und den Menschen zu beleuchten, der eine redliche Seele Hat, der die Religion wmh und in Ehren hält. Was die Eintauchung belanget, wollen wir noch an, merken, daß man in etlichen Kirchen den Menschen dreymal in das geheiligte Wasser eintauchte, um die Dreyfaltigkeit der Personen anzuveukeu, in derer Namen er getauftt wur» de; und in einigen andern tauchte man ihn nur einmal ein, um die Einheit der göttlichen Natur vorzustellcn. Beyde dieser Arten zu taufen waren gleich gültig, weil Jesus Chri, sius keine davon bestimmet, und nur allein gesagt hatte: * Gehet, und lehret alle Völker, und taufet sie im Na» men des Vaters, des Sohns, und des heiligen Geistes. Weil die Taufe sich nicht allezeit durch die Eintauchung mittheilen läßt, und in vielen Umstanden, als im Fallege, fährlichec Krankheiten , wegen der rauhen Kälte gewisser Gegenden, wegen Schwachheit des Alters, oft allzu be, schwerlich md beynahe unmöglich wird, nahm man auch den Gebrauch an, sie durch die Begießung zu erchrilen. Da dieser Gebrauch in vielen Absichten weit füglicher ist, hac man ihn gänzlich angenommen, und hält sich heut zu Tage in der ganzen Christenheit daran. Weil die Kirche in den ersten Jahrhunderten mitten im Heydenthume selbsten aufgerichtet wurde, und aus Leuten bestand, die vom Götzendienste zum Christenthume üöergien, gen; brauchte man viele Sorgfalt, sie zu unterrichten, zu prüfen, und zur Gnade zu bereiten, die sie verlangten. Je» ne, § Alt s-/ KI 8 ch "M !tl Ki iii » «Matth, xxvm. ^ Miliz W iß« k» K>^ I Taufe. sZ5> ve, die in diesen Stand der Prüfungen und Unterweisum gen getreten waren , wurden Ratechumener geheißen, wel, ches im Griechischen so viel als, die Unterrichteten, sagen will. Jene Prüfungen, die sie aushalten mußten, ehe sie zur Gnade der Taufe zugelassen wurden, bestanden hauptsächlich in der Uebung der Gcbethe, im Fasten, in Fußfällen, im Wachen, endlich in der Anklagung, Geständ- niß, und Beichte der vergangenen Misrhaten, wieeSTer- tullian anzeiget: * InZressuro8 Luptilmum orstionibus ceebri8, jchunii8, öd ZeuicuIutionibu8, öd perviZi- Hi8 orure oportet, 6c cum conkestione omnium re- tro öeliÄorum. Endlich waren die Vorabende von Ostern und von Pfingsten die ftyerlichsten Tage, die zur Ertheilung der Taufe gewidmet waren, wie es uns eben wieder Tertullian berichtet, wovon wir noch die Worte anführcn wollen: wir halten Ostern , saget er, für die feyerlichste und füglichste Zeit zur Taufe, weil dortmals das Leiden des Herrn, in dessen Namen wir getaufet sind, ist vollen, -et worden; wie nicht minder Pfingsten, weil dortmals die Geheimnisse der Auferstehung Jesu Christi von den Jüngern zum feyerlichsten begangen worden sind, und« die Gnade des heiligen Geistes sich auogegossen hat. Im übrigen ist jeder Tag , jede Stunde, mit einem Worte, jede Zeit gleich schicklich zur Taufe, wenn in der Feierlichkeit etwas verschieden ist, so ist doch in der Gnade, die man empfängt, kein Unterschied. Zwey- * von der'Tauft. 20. Rav. *» Ebend. i?> Rap. 54 ? Taufe. Zweyter Artikel. ^ Untersuchung der Dinge - die der Verfasser des Hand- ff' lexikoris von der Taufe^auf die Bahne bringt. W D Die Menschen, welche sich allezeit durch die Sinne leiten lassen, bildeten sich leichtlich ein, daß etwas, wo- P durch der Leib gewaschen wird , auch die Seele waschen ß« sollte. Es waren große Rufen in den unterirdischen «i Grüften der Tempel in Aegypten für die Priester und g, für die Eingeweihten. Die Indianer haben sich seitun- A denklichen Zeiten in den wässern des Ganges gereiniget, ^ und diese Leremonie geht noch stark im Schwange. Sie gieng zu den Hebräern überman taufte dort alle Lrenr« de, die sich der Beschneidung nicht unterwerfen wollten. Dieß war eine Wiedergeburt: dieß gab eine neue Seele, ^ wie in Aegypten. « « «> Wo hat dieser Mann erfahren, daß sich die Menschen ^ einbildeken, daß etwas, wodurch der Leib gewaschen wird, jA ^ auch die Seele waschen sollte ? Was für einen armseligen ^ " Schluß zieht er aus den Kufen in Aegypten, und aus jenen ^ Bädern im Ganges! Was für eine Ungereimtheit will er ^ uns aufdringen, von der Tauft, welche die Hebräer, wie ^ er saget, jenen eccheiltcn, die sich der Beschneidung nicht H unterwerfen wollten! Endlich, was für eine gottlose Träumer ^ rey ist es zu sagen, daß die Tauft eine neue Seele gebe! ,j Laßt uns jeden dieser Punkte vor die Hand nehmen. < Nie- Taufe. 54i Niemals haben die Menschen jene abgeschmackte und ebenttmliche Meyrmng angenomnren, oder geglaubet, daß etwas, wodurch der Leib gereiniget wird, auch die Seele reinigen sollte. Wenn es etliche dumme Leute sich ein, gebildet haben, so sind diese dummen Leute verachtet, und verschmähet -worden : kluge und beleuchtete Männer ha, ben weit anders gedacht. Cicero, wo er das erste Ge, seß des Gottesdienfts erkläret, welches darinnen besteht, daß man sich den Göttern mit einem reinen Herzen und einer andachtvollen Seele darstcllcn solle: * H.cl I)ec>8 säermto Laste, pietstem aöstikento, giebt in diesem Stücke sehr kostbare Lehren, weicher sich Christen nicht schämen börsten. Das Gesetz will, saget er, daß wir uns den Göt, tern mit einem reinen Herzen darstellen sollen; und in dieser Reinigkcit des Herzens besteht alle Heiligkeit des Gottesdienfts. Dreß soll nicht verhindern, auch die Reinigkcit des Leibes damit zu vereinigen. Aber man muß beobachten, weil man jederzeit die Reimgkert des Leibes fodert, daß man noch weit mehr Sorge tragen müsse, die Reinigkcit der Seele dabey zu haben, welche von einer weit vortrefflicher» und vollkommnern Natur ist. Er setzet alsogleich jene so merkwürdigen Worte bey, die so tauglich sind, unfern ausschweifenden Philosophen zu Schanden zu machen: Der Leib kann durch eine Begießung mit Wasser, und durch Lcremo, nien von etlichen Lagen gereiniget werden. Die Wackeln der Seele können, weder durch die Länge der Zeit, 542 Taufe. Zeit, noch durch irgend eine Reinigung oder ein Opfer «usgelöfchet werden, jlluä vel ülper- üone s^ure, vel äierum numero tollitur; animi 1z- bes nec cü-uturnitste vsnelLere, nec munibuz uüiz elui potek. Ferner, da die Hitze, in den mittäglichen Ländern Persiens und in Indien, beynahe unerträglich ist, darf man sich nicht verwundern, daß der Gebrauch der Bäder dorken sehr gewöhnlich gewesen sey, wie er eSnochhent zu Tage ist. Aber was chm dieß zur Frage von der Tauft der Christen? Was thun auf gleiche Weise jene Kufen in den Tempeln Aegyptens dazu, die er noch anzieht ? Und wer weiß nicht, daß in der Nachbarschaft der meisten Tempel Reim, gungsbäder waren, welche zu dergleichen Begießungen, wo> von eben Cicero geredet Hat, und zur Säuberung der Schlacht, opftr, oder zur Abwaschung der Opftrer dieneten? Zu eben di-sem Gebrauche Hane auch Salomon im Vorgebäude des Tempels zu Jerusalem eine ungeheure Kufe aufstellen lassen, welche man das eherne Meer nannte. Die Belesenheit unsere Mannes ist dann sehr*verächtlich, und der Gebrauch den er davon machet, ist es noch weit mehr. Er saget ferner, daß der Gebrauch der Reinigungen und Taufen von den Aegyptiern zu den Hebräern übergegangen sey. Aber jene der Hebräer sind gewiß über drey tausend fünfhundert Jahre alt. Man findet, daß sie im dritten, i,n zweyren, und sogar im ersten Buche Moses emqeführet waren. Und wo schreiben sich die Reinigungen der Aegyptiee und Indianer her? aus welchen Schriftstellern können wir sie erfahren ? Aus Griechen, die erst fünfzehn hundert Jahre nach Moses geschrieben haben, und die nur sehr ungewisse Geschichi §üüfe. 543 ik ' jjnv, ttw ^,lv,rv« -Lllsv vkivkls» unser rL-egner, ^ der alles weiß, und alles entscheidet, seine Aussprüche. ^ Endlich saget er, daß die Begießungen oder Reinigungen Geschichten anführen, welche um etliche Jahrhunderte jünger der Aegyptier, und die Waschungen und Taufen, die bcy den Juden üblich waren , eine neue Seele gegeben haben, und , ^ daß dieß eine Wiedergeburt gewesen sey. Hier paaret er die Gottlosigkeit mir der Falschheit. Jener Herrliche Ausdruck : Wiedergeburt, oder zweyte Geburt, ist ein Ausdruck, wes, cher der christlichen Religion allein eigen ist. Jesus Christus .« selbstm hat das Wort: wiedergebähren *, zum ersten ge, ^ brauchet, als er einem der Vornehmsten unter den Phari- , säern die Taufe des neuen Gesetzes verkündigte. Die Ver, "' wunderung des gelehrten Pharisäers, als er dieses neue Wort , hörete, und die Erklärung, die er von dem Sohne Gones E darüber verlangte, sind ein Beweis ohne Ausnahme, daß dieser Ausdruck bis dahin unbekannt gewesen war. Eö ist ^ dann eine gottlose Encheiligung, wenn inan ihn auf die Rei, ^ niaungen und Begießungen der Heyden anwendet. Johann raufete im Jordan, und taufete Jesum selb- sten, welcher doch Niemanden getaufet hat, der sich aber ^ würdigte, diese alte Leremonie zu heiligen. Die Taufe ^ wurde bald der erste Rirchengebrauch, und das Siegel der ^ christlichen Religion. Unterdessen waren die fünfzebn er- sten Bischöfe zu Jerusalem alle beschnitten; es ist nicht W? ausgemacht, ob sie gerauft gewesen seyn. II. 3«h. Ut. Di-ß 544 Taufe. Dieß ist ausgemacht, Herr Aukhor! daß es unmöglich ist, sowohl zu beweisen, daß die fünfzehn erster. Bischöfe zu Jerusalem beschnitten gewesen seyn, als Len mindesten Argwohn aufzubringen, daß sie nicht gekauft gewesen seyu. Es ist unmöglich den ersten Saß zu beweisen: denn dreyßig Jahre nach dem Tose -es heiligen Simeons, des zweyten Bischofs zu Jerusalem, richtete der Kaiser Adrian im gaw zen Reiche nnrer den Juden eine entsetzliche Metzelung an; er zerstörte Jerusalem , und bauets an dessen Stelle eine neue Stadt auf, die er nach seinem Namen: Elia, nannte; er verboch allen Juden in diese Stadt zu gehen, sich ihr zu nähern , ja sogar auf Höhen zu steigen, wo sie dieselbe häk, ten wahrnehmen können. Nun, so nennen Sie, wenn Sie können, dreyzehn Bischöfe von derselben Zeit an, die bei schnitten gewesen wären. AN !ch> ick« Eben so wenig werden Sie den zweyten Saß beweisen. Denn, wer hat jemals vermachet, daß die Christen von «> ^ ner der herrlichsten Kirchen Männer für Oberhäupter und 1'^ Bischöfe genommen haben, die selbst keine Christen gewesen wären? ^ Nachmals behaupten Sie, daß Jesus Christus Nie- ^ manden getaufet habe, und Sie behaupten es recht verwes» sen, ohne Grund, und ohne Beweise. Das älteste Denk, ^ maal, das wir von der Taufe der Apostel haben, ist das Zeugniß von Evodius, dein zweyten Bischöfe zu Antiochien. Man vernehme dieses Zeugniß, wie es uns Nicephorus auft behalkm hat: * Peter ist der einzige gewesen, den Jesus ^ Christus mit seinen Händen getaufet hat ; und Peter tau» ^ fere nachmals Andreas und die Söhne Zebedäus. Diese ». X»»" k, 's. B. z. Rap. l ^!j> "SH lsj... . ia,^ i.- i/ Türrse. 545 taufte» die übrigen Apostel. Die siebenzig Jünger wurden von perern und von Johannen geraufte, welcher der Gorteegelehi te benamset wur de. Also spricht ein Bi» schof, der lange Zeit mit den Aposteln gelebet hatte, und welchen der heilige Peter allen übrigen Christen vor .og, um sein Nachfolger in der Kirche Antiochiens zu werden. Der Ausspruch, daß Jesus Niemanden grtauftr habe, ist bann zum wenigsten vermessen. HI. Man miobrauchte dieses Sakrament in den ersten Jahrhunderte!» des Lhnstcnchums: nichts war gewöhn« sicher, als daß man auf die letzten Züge wartete, um die Tauft zu empfangen. Das Beispiel des Raffers Tonstantins ist cm genügsamer Beweis davon. Man vernehme, wie er geschloffen hat: „ Die Tauft reiniget „ alles. Ich kann also meine Frau, meinen Sohn, „ alle meine Verwandten umbringen; dann will ick mich „ taufen lassen, und m den Himmel kommen,,. Und in der That, er machte es getreulich so. Dieses Beyspiel war gefährlich: allmählig kam der Brauch ab, auf den Tod zu warten, ehe man sich das geheiligte Wasser geben ließ. Schon iin zweyten Jahrhunderte fieng man an, die Rinder zu taufen: aber im dritten kam der Brauch wieder auf, erst bey dem Tode sich taufen zu lassen. * * * Die Abscheulichkeiten, welche dieser Artikel wider Ton, stammen enthält, sind aus dem Versuche einer allgemeinen Geschichte gezogen. Die Kühnheit des Verfassers, Falsch, huren, Verleumdungen, und Lügen über alle große Männer li. Band. Mm zu 146 Taufe, zu häufen, welche das Lhristemhum vertheidiget und in Eh» ren gehalten haben, ist in dem Buche der Irrrhümer vol, tairens ziemlich gut bewiesen. Wir weisen an dieses Buch zurück, was den großen Lonstantin belanget, und wir genügen uns hier, die Ungereimtheit, Gottlosigkeit, und Aus. schweifung der Vernunfrschlüsse vom Verfasser des Handle, xikons kennbar zu machen. Aji« O! Man misbrauchte das Sacrament der Taufe in den ersten Jahrhunderten, saget er: nichts war gewöhnlicher, als daß man auf die letzten Züge «artete, um es zu em, pfangen. Der Mann hätte wohl uns berichten sollen, was für Misbräuche es waren; er hätte uns Beweise davon ge, ben sollen. Denn er mag wohl wissen, daß er kein Recht hat zu verlangen, daß man ihm auf sein Wort glaube. Sa, gen, man habe die letzten Augenblicke des Lebens abgewsr, tet, ehe man sich taufen ließ, heißt sowohl dem gesunden Verstände, als der Wahrheit zu nahe treten. Denn, wie verträgt sich dieses mit dem, was plinius, der Statthalter in Byrhinien, uns von jenen zahlreichen Ver, sammlungen der Christen von jedem Alter, von beyden Ge, schlechtem, von allen Ständen saget, welche ihre Religion durch so hohe Tugenden, und durch eine so heldenmüchige Herzhaftigkeit mitten unter den Peinen verherrlichten? Wa, ren wohl jene nicht getaufet, die für den Namen JesuChri, sti also litten und starben ? plinius lebte im ersten Jahrhunderte, oder im Anfänge des zweyten. Wie verträgt sich dieses mit dem, was uns Lertullian in seinem Buche von der Taufe ^ berichtet, daß sich die Christen beeiferten, ihre Kinder noch im Alter der Unschuld taufen zu lassen ? Huiä Di >«i !>Ii «i> >!> ? iS. Aap. Amlft. s,)7 ssstinat setgx innoceng 36 remMonem pecc^torum? Wie verträgt es sich mit dem, was er in seinem Buche von den Schauspielen saget, daß man in der Taufe das Bekennt- niß gemacht habe, dem Teufel, der Pracht dieser Welt zu entsagen? Cum ayu3m inZrelss . . . remmtiglls uo8 Diabolo ore uottro conteltamur. LertuUian fieng im zwcyren Jahrhunderte zu schreiben an. Wie verträgt sich dieses mit der Sorgfalt, die der heilige Cyprian harte, das heilige Abendmahl zu den Beichtigern, das ist, zu den Chri, sten, die für den Glauben im Gefängnisse waren, zu schi, cken? und mildem, was er uns in seinem Buche äe Dapli8 von jenem kleinen christlichen Mägdchen erzählet, welches die Heyden zwangen, Wein hinabzuschlucken, der den Götzen geopfert worden war? Der heilige Cyprian regierte die Kirche von Rarthago im dritten Jahrhunderte. Wie verträgt sich dieses mit dem, was der fünfte Kir» chenrath zu Rarthago, der im vierten Jahrhunderte gehal, ren worden war, von der Taufe der Kinder verordnet ? Mau sieht in der sechsten Satzung die Sorgfalt und Wachsamkeit der Kirche, um den Kindern die Taufe erkheilen zu lass n. Man höre nachmals, wie dieser Mann bekräftiget, daß in den ersten Jahrhunderten nichts gewöhnlicher gewesen sey, als auf die letzten Züge ;u «arten, um die Laufe zu empfangen. G IV. Man fragte den heiligen Cyprian, Bischof zu Rar, thago, ob jene wirklich getaufet wären, die sich nur den ganzen Leib hätten begießen lassen. Ec antwortet in seinem sieben und sechzigsten Briefe, es glauben zwr mehrere Rirchen nicht, daß diese Begossenen Christen scyn; M m 4 doch 548 Taufe. doch er glaube, sie siy-r Christen ; aber sie haben eine unendlich schwächere Gnade, als jene, die nach dem Ge, brauche dreymal getauchet worden wären. * » * Dieser Mann handelt weislich, daß er sich nicht oft durch angezogene Stellen rechkserligel: er ist in dieser Gattung von Versuchen nicht glücklich. Die Streiche, die er damit führen will, treffen ihn nur selbsten. Man vernehme, was der heilige Cyprian in dem angeregten Briefe saget. ,. Du fragest mich auch, mein lieber Sohn! was ich von „ jenen denke, welche die Gnade Gottes empfangen haben, „ da sie an einer Krankheit oder einem Gebrechen darnieder „ jagen: und weil sie nicht in das heilige Wasser getan» „ cher, sondern nur begossen worden sind, fragest du, ob „ man sie für wahre und vollkommene Christen anfthen solle. „ Meine Meynung ist, daß die göttlichen Gaben nicht „ grschwächei oder gestümmelt werden können, und daß der „ Nuß niemals vergringerl werden möge, wenn man mit „ eiuein vollen nnd gänzlichen Glauben, sowohl von Seite „ dessen, der das Sacrament ansrheilet, als von Seite des» „ fen, der es empfangt, an diesen göttlichen Gaben Theil ,, nimmt. Man wirbln diesem heilsamen Sacramente von den „ Mackeln der Sünde nicht also gereimget, wie man die Ma< „ ckckn der Haut und des Leibes in den Bädern abwascht, „ welche die Menschen zu ihrer Gesundheit erfunden haben. „ Diese zwey Dinge, die Reinigten des Leibes durch die Bä» „ der, oser die Rerpigung der Seele durch die Verdienste „ des Glaubens, werden auf eine ganz verschiedene Weise „ gewirker. Wenn in Nolhfällen dieses heilsame Sacrament -H Hl «! Taufe. 549 „ aufckne kürzere Weise ausgetheilet wird, machet es deß, „ halben die Gläubigen, sie es empfangen, dennoch aller „ seiner Früchte und seiner Vortheile theilhaftig, und die „ Güte des Herrn ist deßhalben »,icht verkürzet. Soll man „ sagen, daß sie zwar die Gnade empfangen haben; aber „ weil sie dieselbe durch eine eingeschränktere Mittheilung der „ göttlichen Gaben und des heiligen Geistes empfiengen, solle „ man sie zwar für Christen Hallen, aber man dürfe sie den „ übrigen nicht gleich achten ? Das wäre irrig gedacht. Der „ heilige Geist wird nicht nach gewissem Maaße mitgetheilet. „ Er gießt sich in der Seele des gerauften Gläubigen ganz „ aus,,. Man vergleiche diesen Text mit der Meynung, die man dem heiligen Cyprian beymißk, und man schließe, wie glücklich und geschickt dieser Mensch mit seinen Auszügen sey. Was wir ißt von der Lehre und den Untersuchungen dieses Schriftstellers beygebracht haben, genüget schon, um den Leser in den Stand zu sehen, damit er ihm Gerechtigkeit widerfahren lasse, wie eres verdienet. Mmz XI^V. 5sQ Thiers e e l e. ^X ie Frage von der Thierseele ist eine der fähigsten, die ^ menschliche Neugierde zu reizen, und zugleich eine der unfähigsten, dieselbe zu befriedigen. Seit mehr alszweyer, tausend Jahren redet und streitet man ; es werden Systeme gemacht: und man ist noch eben dort, wo man geblieben war, als man angefangen hatte / diese Frage zu untersuchen. Die Seele der Thiereist immerein Geheimniß für den Menschen. Alle jene Bemühungen, sie zu erklären, Haben nichts anders gefruchtet, als daß sie uns zu erkennen gaben, zu was für Ausschweifungen die Vermessenheit und der Küßel, von allem zu reden, und Aussprüche zu thun, die besten Köpfe verleiten können. «» HÄ > Wenn gleich die Thiere etwa« Empfindsames und Beseeltes zu haben scheinen, so wagten es doch einige zu sagen, > ^ sie seyn nur Maschinen mit Triebfedern, ohne irgend eine Art von Empfindung oder Kenntniß, und es fty zwischen ih- itz nen, und einer Uhr oder eitlem Orgelspiele, kein anderer Um ch terschied, als etwa mehr oder weniger Vollkommenheit an ch diesen verschiedenen Maschinen. Andere, von dem Scheine itz der Ordnung und Richtigkeit in den Handlungen und dem »«> Betragen der Thiere gerührer, behaupteten, daß sie geistige tz Seelen haben. Andere endlich, die an eben diesen Wesen allzu viele Kennzeichen der Empfindung, um sie für einfache Maschinen zu halten, und eine allzu beschränkte und unver- ^ änderlicheEmförmigkeit in ihren Verrichtungen Mahrnahmen, ^ um ihnen geistige Seelen zuzugeben, Haben ein Mittel ergrifi . fen r Thierseele. 551 fm: sie haben eine Gattung Seele, das ist, eine Grund, ursach? der Verrichtungen, in ihnen vermuthet, welche sie ihnen mit Vernunft nicht absprechen zu können glaubten, ob man gleich ihre Wesenheit und Natur nicht deutlich er, klären möchte. Da diese Frage oft zu Sähen Gelegenheit giebt, welche in die Religion einschlagen, wollen wir erstlich erliche Grund, sähe Vorräten, welche dienen könnten zu bestimmen, was wir von der Seele der Thiere denken sollen; und nachmals wollen wir bemerken, wie sehr die Spitzfindigkeiten und Trugsähe des Abschreibers Baylens der Vernunft und dem gesunden Verstände widerstreben, und wie sehr sie in Absicht auf die Religion gefährlich seyn. Erster Artikel. Grundsätze, die iu der Untersuchung der Frage von der Thierseele zur Leitschnur dienen mögen. 1. (T^aS System, welches aus den Thieren einfache Ma, schinsn, pure Triebwerke machet, mag wohl für ein sonderbares, kurzweiliges, )a, wenn man will, für ein sinn- reiches System angesehen worden seyn: aber es ist niemals für wahr gehalten worden; es hat Niemanden jemals überzeuget, auch jene nicht, die es vertheidiget haben. Die Ursache da, von ist, weil es wider die gemeinsten, natürlichsten, gründ, lichsten Begriffe allzu sehr streitet. Fürwahr, wir sehen eine so vollkommene Gleichförmigkeit und Verhälmiß zwischen den Hülfsgliedern des Gefühles, die im Menschen sind, und jenen, welche die Thiere haben, daß wir uns nicht entbrechen können zu urkheilen, diese HülfS, gliedrr haben in beyden Gattungen den gleichen Gebrauch Mm 4 und 512 Thierseele, und di- gleichen Wirkungen. Man müßte uns die äugen.' scheinlichsicn Erweisungen geben, um uns zu bereden , daß diese Hülfsglieder ganz mmüßlich ftyn, oder nur zum äußm lichen Scheine dienen; daß die Thiere Augen haben, und nicht sehen; daß sie Ohren haben, und nicht hören; daß sie die ganze Anrichtung, Auscheilung, und alle Verrichtungen des Lebens haben, und leblos ftyn. Aber diese Erwrisum gen har man noch nicht gegeben, und cs scheint, daß man noch lange darauf warten dörfe. Man kann also das System von Descarres im Ernste nicht verstellen, wann man von derThierftele urcheilen will. 2. Das System derjenigen, welche den Thieren geistige und verständige Seelen geben, ist dem gesunden Verstände und der Vernunft eben so anstößig, als das vorhergehende. Denn i. die Einförmigkeit der Handlungen ist in den Thieren allzu unveränderlich, daß man nicht dafür halten sollte, sie werden von ihrer Narur zu einem gewissen Gegenstände, oder zu gewissen Gegenständen getrieben. Wenn sie nun also getrieben werden, so kann die Geistigkeit und der Verstand alsbald in chner. nicht mehr Statt haben, weil sie ihnen durchaus unnnßlich waren. 2. Wenn man ihnen die Geistigkeit und den Verstand zummhek, wird man viel tiefer hineinkommm, als man gern möchte. Denn man wird nicht entstehen können, ihnen auch die Kraft zu begreifen, zu wählen , zu wollen, und folglich die Freyheit zuzugeben. Wenn aber die Tßiere verständig und ftey sind, werden sie nicht auch zum sittlichen Gur n oder Vösen fähig ftyn ? werden sie nicht auch eines Gesetzbuches, Verordnungen, u. s. f. von« uöthen haben? Z. Wie schön wäre die Bestimmung für einen Verstand, wie für dm Verstand einer Katze, daß er b«, schrän, D W Ls« W Ä ki« ! llß ich ch ist D i-«! Z! I» ^i' !!!-' ß- Töitt'seele. ^ ssz schränket wäre, Mäusen oder Vögeln nachzustellen! für den Verstand eines Hundes, daß er Hasen nachjagen müß» re! für den Verstand eines Schweines , daß er nur immer beschöniget wäre, jede Gattung von Nahrung in Speck zu verwandeln! u. s. w. Fürwahr soll man Leute, die dergleichen Systeme zimmern, für vernünftige Leute halten ? Wenn die Folgen, die man daraus zieht, lächerlich) sind, was soll man von den Grundsätzen denken, woraus sie gezogen werden ? z. Obgleich der gesunde Verstand uns nicht gestattet, die Thicre für eitel Maschinen anzusehen, oder ihnen geistige Seele» zuzumuchen; so erlaubet er uns dennoch nicht zu zwei, feln, daß in ihnen, außer dem mechanischen Triebwerke der HülfSglieder, eine innerliche Grundursache ihrer Verrichtun, gm wohne« Aber was für eine Grundursache ist diese? Wir fühlen uns gezwungen zu gestehet,, daß unsre C'insich, tm zu kurz sind, um ihre Namr zu bestimmen. Wir mögen wohl sagen, was sie nicht ist; aber wir haben keine so dmt« lichcn Begriffe, daß wir sagen könnten, was sie ist. Wir befinden uns dann im doppelten Falle, zu gestehen, daß es ei, nr Grundursache gebe, und zugleich zu gestehen, daß wir nicht wissen, was es für eine Grundursache sey. Diese beschei, denen Geständnisse sind norhwendig, und sie sind weit ver, nünftiger und überzeugender, als alle Metaphysik der Gelchr, tm. Aber laßt uns noch etwas weiter schreiten. 4. Es ist keinem Menschen erlaubt zu zweifeln, daß die Allmacht Gottes unendlich mehr ausgebreitet sey, als un« sire Einsichten, und daß Gott viele Dinge machen könne, von denen wir nicht einmal den Grundbegriff haben. Kann nicht Gott Substanzen oder Wesen erschaffen, oder hat er sie nicht erschaffen können, derer Natur uns kei, Min s ms- 554 Tüierseele. neöwegs bekannt ist? Er hat Wesen erschaffen, weiche de« Verstandes nnd des Gefühles fähig sind, wie die Seelen der Menschen. Er hat Wesen erschaffen, welche den Ver, stand haben, und das Gefühl nicht haben, wie die Engel. Er hat andere erschaffen, die weder Verstand noch Gefühl haben; welche jene sind, die aus eitel Materie bestehen. Hätte er nicht auch welche erschaffen können, die einen Theil des Gefühles ohne Verstand Härten ? Ich erwarte, was die Bescheidenheit der Klügler auf diese Frage antworten werde. Denn wir werden im folgenden Artikel beweisen, daß dabcy kein Widerspruch ist. 5. Wenn wir gestehen, daß Gott Wesen erschaffen kön, n?, die das Gefühl oder einen Theil des Gefühles haben, ohne die Vernunft zu haben, werden wir nicht mehrverle» gen seyn, was man in der Frage von der Thierftele ent, schließen solle; und wir werden sagen, daß wir ihnen eine Substanz von dieser Art für die Seele geben. Aber da wir gestehen, daß wir ihre Natur nicht erkennen, werden wir der Mühe enthoben seyn, auf alle jene neugierigen Fragen zu antworten, die man aufwirft, ob diese Substanzen die Frey, heit haben ? ob sie mit einer Gedächtniß, eigentlich zu reden, begabet seyn? ob sie mit dem Thiere sterben ? u. s w. Wir werden uns genügen, zu sagen, was wir wissen, und von dem, was wir nicht wissen, unsre Unwissenheit fteymüthig zu gestehen. Schluß. Es folget ans allem, was wir da vorgetragen haben: daß es ungereimt sey zu sagen, die Thiere seyn nur Maschinen mit Triebrädern; 2. daß es eben so ungereimt sey, ihnen Thterseele. 5^ ihnen geistige Seelen zu geben; z. daß es eine natürliche Folge eines Grundsatzes sey, der aus sich selbsten ungereimt ist, wenn man saget, diese geistigen Seelen sterben mit dem Leibe; 4. daß jenes, was wir van der Natur und den Hand, lungen der Thiere kennen, uns nicht erlaube zu zweifeln, daß eö in ihnen eine Grundursache der Verrichtungen gebe, die von den Hülfsgliedern unterschieden ist; aber daß Gott, welcher sie nur zu unserm Dienste erschaffen hat, uns ver, bergen gelassen habe, was die Natur dieser Grundursache fty. Dieß ist alles, was der vernünftige Mensch von der Thierseele bekräftigen kann. Zweyter Artikel., Lehre des Abschreibers Baylens von -er Thierseele. k?Vc ganze Lehre des Verfassers des Handlexikons von der ^ Th erseele besteht darinnen, daß er mit einem Spöt, tertone die alten Einwürfe wieder durchbeutelt, welche über verschiedene Systeme gemacht worben sind, die sich auf diese Frage beziehen, ohne etwas neues beyzusetzen, und daß er etliche Grundsätze des Materialismus hineinstreuet, wie jene sind , die man in den vermischten Schriften aus der Phi» losophte und der Gelehrsamkeit antrifft. Wir wollen mit wenigen Worten die Ungereimtheit dieser Grundsätze und dieser Einwürfe vorstellen. 1 . Die Schulpedanten fragen: was ist die Seele der Thiere? Ich verstehe diese Frage nicht. Lin Baum hat die Fakultät.seinen umlaufenden Saft in seine Fibern auf, zunehmen, die Rnospen seiner Blätter und seiner Früch» te aus einander zu falten; wird man mich fragen, was die N6 Thierseele. die Seele dieses Baumes fty? Kr hat diese Gaben enn pfangen; das Thier hat die Gaben des Gefühles/ der Gedächrntß, einer gewissen Anzahl von Begriffen ein» pfangen. wer hat alle diese Gaben ertheilet? wer ha» alle diese Fakultäten geschenket? Jener, der das Gras auf dem Felde wachsen läßt / u. s. w. * « * Man darf gewiß nicht viel sinnen und Nachdenken, um Thierftele. Gleichwohl läßt es unser Girier dabey noch nicht bs, senden. Er erkläret sich noch auf eine andere Weise, da er ftp get, daß diese Fakultäten Gaben scyn. Der Baum hat diese Gaben empfangen, saget er: das Thier hat die Gaben -es Gefühles, -er Gedächtniß, einer gewissen Anzahl von Begriffen empfangen, wer hat alle diese Gaben ertheilet? Wer hat alle diese Fakultäten geschenket ? Jener , der das Gras auf dem Felde wachsen läßt. Hier ist wieder ein neues Kauderwälsch. Gabe und Fakultät vergleichen sich keineswegs mit einander: denn Gabe drücket nur eine Sache aus, die man leidender Weise em- -fängt > und Fakultät bedeutet etwas thätiges und wirkendes. Dich sind Gegensätze, die in die Augen fallen, und welche die französische Akademie nicht annehmen würde. Aber wie wollen uns auf einem so schönen Wege nicht aufhalten. Bald werden wir die Gottlosigkeit mit der Ungereimtheit gepaaret sehen. Nachdem dieser Mann gelehret hatte, daß die Fakultäten der Thiere nur Gaben sind, setzet er diese Worte bey, welche bemerket zu werden verdienen: Der Philosoph, welcher gesaget hat, Deus eff snims brutorum, hat Recht gehabt ; aber er hätte sollen weiter gehen. Was wir di« Thierseele nennen, ist nach semer Meynung nichts anders, als Gott selbsten, weil Gort ihnen das Gefühl die Gedächt, niß, und eine gewisse Anzahl von Begriffen gegeben hat. Aber, was hat Gort den Menschen mehr gegeben, als den Thirrrn, außer einer noch größer» Anzahl von Begriffen, als sie haben ? Es ist also zwischen dem Menschen und dem Thiere kein anderer Unterschied, als daß jener etwas mehr Begriffe, als dieses hak ? und da Gott die Seele der Thiere P, n8 Thierseele. ist, warum mag «r nicht eben sowohl die Seele der Men, schen styn? Er gesteht es auch, daß sein Philosoph sich mit diesem ersten Säße, Oeu8 est »mms brutorum, nicht hätte genügen, sondern weiter gehen sollen; das ist : er hät« te kurz abbrechen, und das Daseyn der Seele verneinen sollen: und er vergißt es nicht im folgenden Texte zu thun. II. woher mögen so viele widersprechende Irrthümer entstehen? Von der Gewohnheit, welche die Menschen allezeit gehabt haben, zu untersuchen, was eine Sache sey, ehe sie wußten, ob sie bestehe. Man heißt die Lalle, die Rlappe an einem Blasbalge die Seele des Blasbalgs, was ist dann diese Seele? Lin Namen, den ich dieser Rlappe gegeben habe. Ls ist da keine Seele, die von der Maschine unterschieden wäre. Aber, wer giebt dem Blasbalge der Lhiere die Bewegung? Ich habe es schon gesagt: Jener, der den Gestirnen die Bewegung giebt, u. f. w. * * * Die schwachsinnigen Menschen, wie unser Doktor wähnet, zanken sich über Sachen, ohne nur zu wissen, ob sie bestehen; sie gebet» den Namen: Seele, einem Dinge, welches nichts weniger als Seele ist, welches nur ein Stück in einer Maschine , wie zum Beyspiele die Klappe an einem BlaSbalge ist; von der Seele des Blasbalgs kömmt er auf die Thür, seele; von der Thierseele, saget er, sollte man weiter gehen. Er getrauet sich nicht, die Seele des Menschen zu nennen; er genüget sich, daß er sie zeiget und anweist: dann schweigt er stille. Nach» üi>d> >!Ä Il^i! Hk ß»! ijr! ,üi'^ Thierseele. ^9 Nachmals bringt er, mit einer sichern und höhnischen Mine, bald verächtliche Trugsäße, die er für Erweisungen angrebt, bald einfältige Spöttereyen auf die Bahne, die er eben so dreiste vorträgt, als wenn sie mit dem feinsten Ein« falle gewürzet wären. Der Leser mag davon »«heilen. III. Man höre über die Thiere andere dumme Lhicre vernünfteln: Ihre Seele ist ein geistiges Wesen, das mit dem Rörper stirbt. — Aber mit welchem Grunde bildet ihr euch ein, daß jenes Wesen, welches nicht Rörper ist, mit dem Rörper vergehe ? Die dümmsten Thiere sind jene» die behauptet haben, daß diese Seele weder Geist noch Rörper sey. Ey! das schöne System! wir können durch Geist nichts anders verstehen, als etwas unbekanntes , das nicht Rörper ist. Mithin kömmt das System dieser Herren auf dieses heraus: Die Seele der Lhiere ist eine Substanz, die weder Rörper ist, noch etwas anders, das nicht Rörper ist. * . * Da man diesen Menschen jene so-freygebig für dumme Thiere ausrufen höret, welche die Frage, von der wir Ham dein, untersuchet haben, könnte man ihm nicht mit einer Art von Rechte durch diesen Vers des La Fontaine ant, «orten: Wer wird das dümmste Thier aus diesen dreyenseyn? Nicht jenes, das es scheint. Aber so viel nur im Vorbeygehen: laßt uns zur Sache schreiten. Ich glaube, wir haben im vorhergehenden Artikel ziemlich gm bewiesen, daß das System derjenigen, welche den Thieren s60 Thicrsrele. Thisrm geistige Seelen geben, durchaus nicht anzuuchmen ß sey: folglich wollen wir nicht weiter davon sprechen. Wenn O man aber eine Mittelsubstanz zwischen dem Körper und F dein Geiste armehmen wollte; ohngefähr wie wir im erste,, ^ Artikel * angezeiget haben : würde man wohl durch di-L,. ^ Weisungen unströ Gegners wirklich zu Boden geworfen seyn? Uin die Starke ftiner Erweisungen zu erkennen, wollen wir M Anfangs die Bestimmungen unterstrichen, dir er uns selbst«, von dem Geiste und dem Körper zieht. Was ist der Geist, nach fernen, Dünkel ? Der Geist, iß saget er, ist etwas unbekanntes, das nicht Rörper ist. A> Und was ist der Körper? ^ wir wiffm nicht, was ein M Rörper sey. Also läuft feine Bestimmung des Geistes auf Di dieses hinaus: Der Geist ist etwas unbekanntes, das nicht D, ein anders Ding ist, welches uns auf gleiche Weift unbekannt M ist. Wahrlich! eine Bestimmung, die von einem guten Lo« ^ giker zeuget, und die unsre Begriffe trefflich aufkläret! Gleich, ^ wohl kömmt sie vom Orakel dieser Zeisen, vom Abgotte der ^ schönen Vernunftschlüffe, vorn Verbesserer des Christen« ^ rhums her. Wir sagen ganz einfach: Der Geist ist eine denkende htz Substanz; und: der Körper ist eine aus Theilen zusammen, U geschre Substanz. Aber nur diesen einfachen Bestimmungen entdecken wir alsbald die Albernheit der Vernunftschlüffe, die er mir der siegreicheste» Mine ansposauner, da er spricht: , Das System dieser Herren kömmt auf dieses heraus: ^ Die Seele der Thiere ist eine Substanz, die weder Rör« ^ per ist, noch etwas anders, das nicht Rörper rst. ^ * Nvm. «. z. Phil. Haydlex. Artikel: Körper. tzi El >x. ifi! -ss l§^ Thterseele. , s6i Nein! das System jener Herren, die da sagen, daß die Seeleder Thiere weder Geist noch Körper sey, läuft nicht da hinaus. Denn, wenn man in ihrem Säße die Besinn, mungen der Dinge anstatt der Worte sehet, die man brauchet, um dieselben auszudrücken, so wird man nichts dabey finden, das nicht ganz vernünftig wäre; und ihr Saß wird also lauten: Die Thierseele ist eine Substanz, welche weder aus Theilen zusammengeseßet, noch denkend ist: sie ist nicht aus Theilen zusammmgeseßet; folglich ist sie kein Körper: sie ist nicht denkend; folglich ist sie auch kein Geist. Nun, da es die höchste Ungereimtheit wäre, wenn man die Macht Gottes, und die Einsichten des Menschen in die gleichen Gränzen einschränken wollte; so wird man niemals behaupten können, daß es Gotte unmöglich wäre, eine Art von Substanz zu erschaffen, wovon der Mensch die Natur nicht erkennen möchte; eine Substanz, die weder verständig, noch aus Theilen zusammengeseßet wäre; eine Substanz, wie wir vermuthen, daß die Seele der Thiere beschaffen seyn könne. Liegt dann nicht die ganze Ungereimtheit bey dem kleinen Klüg, ler, welcher der Macht Gottes Schranken seßen will? Fällt nicht das ganze Gespött auf jenen zurück, der andere verla, chen will? IV. Die Seelen der Thiere sind Formen der Substanz sagte Aristoteles, und nach Aristoteles die arabische Schu, le, und nach der arabischen Schule die englische Schule, und nach der englischen Schule die Sorbonne, und nach der Sorbonne Niemand in der Welt. N n n. Band. Und 56r Thierseele. Und was haben nach allen diesen Schulen die neuge, backnen Philosophen Besseres gesaget? Was für Beleuchtungen haben sie uns mitgetheiler? Keine. Man tadelt, man spottet, und dieß ist alles. Aber denkt man auch? Ey, ja wohl! Durch Formen der Substanz hat man eigentlich eine Substanz verstanden, welche die Grundursache der Verrich, Lungen in den Thieren ist. Es ist wahr: Aristoteles, die arabische Schule, die englische Schule, die Sorbonne har ben also gelehret. Der menschliche Verstand hat nicht wei, ter gehen können: denn der Gegenstand ist allzu wenig bekannt. Wir verweilen uns bey dem Worte: materialische See» le, nicht, worüber dieser Doktor auch kritisiert, welcher allezeit in abgeschmackten Spöltereyen stärker ist," als in Ver, nunftschlüssen. Wir gestehen, daß dieses ein schlechter Aus» druck ist , den Leute gebrauchet haben, die mehr davon sagen wollten, als sie gewußt haben, und die gleichwohl nichts an» derS im Sinne hatten, als die geistige Seele zu verwerfen. W ,h! !!ßr « V. welche Armseligkeit, welche Schwachheit zu sagen, daß die Thiere ihre Verrichtungen allezeit auf die gleiche Weise thun, daß sie nichts vollkommener machen! u. s. w. wie! jener Vogel, welcher sein Nest im Halbzirkel machet, wenn er es an eine Mauer henkt; welcher es im Viertelzirkel bauet, wenn es in einer Ecke steht, und der es rund auf einem Baume machet; soll er wohl alles auf gleiche weise thun ? * « »kt Aber hl !>«!! Thierseele. 56z Aber welche Armseligkeit, welche Schwachheit zu behaupten , daß die Thiere ihre Verrichtungen nicht allezeit aus die gleiche Weise rhun, und daß sie etwas vollkommener machen! Man frage die Menschen von allen Zeiten her, ob sie jemals gesehen haben, daß die Schwalben ihre Nester auf eine andere Weise machten; daß sie die Wohnungen ihres kleinen Hauswesens besser ausrüstecen, und anders eintheilten, als sie heut zu Tage thun. Man frage sie, ob die Biber zu Lanada ihre Bauart vollkommener gemacht haben; ob die Bienen ihre Stöcke künstlicher aufbauen, oder ob sie bessern Honig machen; ob die heutigen Füchse viel mehr Geschicklichkeit besitzen, als die Füchse voriger Zeiten hatten. Man richtete vormals die Hunde zum Waidwerke, die Pferde zur Reit, kunst ab, wie man sie heut zu Tage abrichtet. Aber haben sie ihre Geschicklichkeit, ihren Witz, u. s. w. um ein Vieles ver« bessert? Welche Armseligkeit! welche Schwachheit! Dieß ist alles, was man von den Vernunftschlüssen unsers Gegners sagen kann. Dl, r- Nn s X^Vl. L§4 XL.VI. Tugend. der berufenen Sammlung von Ungereimtheiten und cO Gottlosigkeiten, welche unter dem Namen des philo, sophischen Handlexikons bekannt ist, findet man von der Tu, gmd eine sonderbare Abhandlung, die sich für ihren Verfasser sehr gut schicket. Wir wollen einen kurzen Auszug davon geben, und zugleich die Einwürfe beantworten, welche der Verfasser sich sechsten machet. Nachmals wollen wir die richtigen Folgen dieses neuen Systems entdecken. Dann wollen wir sehen, ob es nicht ehrlichere und vernünftigere Grundsätze gebe, als jene, die er beybringt, um von der Tugend zu urtheilen. Kurzer Auszug der Abhandlung. Man vernehme, wie es der Wohlredner angreift. „ Was ist die Tugend ? Wohlthätigkeit gegen den Näch, „ sten. Denn kann ich etwas anders Tugend nennen, als „ was mir Gutes thut ? Aber wie! soll man keine andern „ Tugenden zugeben, als jene, die dem Nächsten nützlich „ sind? Und wie kann ich andere zugeben? Wir leben in „ Gesellschaft: es ist dann nichts wahrhaft gut für uns, „ als was der Gesellschaft zum Besten gereichet. Aber „ was wird aus den Cardinaltugenden, aus den theologischen „ Tugenden werden ? Etliche werden in den Schulen bleiben. „ Ein Einsiedler wird nüchtern, fromm, mit einem „ Bußkleide umgeben seyn: wohlan! er mag heilig heißen; „ aber ich werde ihn nicht tugendhaft nennen, bis er irgend „ eine . Tugend. s6s „ eine Tugen- grübet har, woraus andere Menschen einen „ Nutzen gezogen haben. „ Aber, wenn ein Einsiedler ein Freßwanst, ein Trun- „ kenbold, u. s. w. ist, so ist er lasterhaft: folglich ist er „ tugendsam, wenn er die entgegengesetzten Eigenschaften „ hat?— Dieß kann ich nicht zugeben. Er ist nicht lasier, „ Haft in Absicht auf die Gesellschaft, welcher seine Laster „ keinen Schaden ihun. „ Aber Nero, der Papst Alexander der Sechste, und „ andre Ungeheuer von dieser Art, haben Wohlthaten er, „ wiesen. — Ich gebe ohne Scheue zur Antwort: Sie sind „ an demselben Tage tugendhaft gewesen,,. Wir haben das neue System des tugendliebenden Phi, losophen vorgetragen: itzt wollen wir die Folgen davon ab, schildern. Folgen des neuen Systemes. Ein Landpresser hat, mit Hülfe eines Auftrags, den er sich arglistig erworben hat, die Völker bedrücket, bestohlen, zu Grunde gerichtet. Nachdem er seine räubrische Habsucht «sättiget hat, will er seiner Eitelkeit Genügen leisten, da er auf seinen Gütern herrliche Paläste bauen läßt, da er bey seinen Unterthaneu etliche kleine Werkhäuser anlsget. O! da soll man keinen Anstand nehmen , diesen Landpresser in die Reihe der tugendhaften Menschen zu setzen. Er ist wohlthäkig. Eine Frau hat die ehliche Treue gebrochen; sie hat ihrem Manne einen Titel erworben, der bekannt genug, und nur all, zu gemein ist. Aber diese Frau, welche ein gutes Herz hat, kömmt einer armen Mutter, die mit Kindern überladen ist, einem Werkmanne, der in der Noch stecket, zu Hülfe. Nu z Wohl! 566 Tugend. Wohl: diese Frau ist sehr tugendhaft; denn sie ist wohlthäi tig. Sie ist günstig gegen ihre Liebhaber; sie springt den Nochleidenden bey. Ein Mensch hängt heimlich Ausschweifungen nach, die wider oie Na/ur sind, und zugleich theilet er Wohlthaten aus. Er ist sehr tugendhaft, weil er wohlchätig ist. Ein Schriftsteller hat Reichthum gesammelt, welches eben so gut die Frucht seiner listigen Kunstgriffe, als seiner Talente ist: er ist als ein Meyneibiger, ein Gottloser, ein schändlicher Schwelger, ein Mann ohne Treue und Glauben bekannt geworden. Aber in seinem hohen Alter opfert er einen Therl seines Vermögens .seinem Stolze auf; er will sich den Ruhm eines wohlchätigen Mannes erwerben. Nach diesem Systeme muß man ihn für einen recht tugendsamen Menschen halten. O mein Herr Wohlredner! was für ein schändliches Ding ist Ihre Tugend ! Laßt uns dann ehrlichere und vernünftigere Grundsäße suchen, um von dem zu urtheilen, was man Tugend nennen soll» tzl D ,ij« M Grundsätze, um davon zu urtheilen, was den Namen Tugend verdienet. > »U Wir wollen die wahren Weisen, und jene, die sich durch ihr Betragen und ihre Einsichten den größesten Ruhm er« worben haben, zu Rache ziehen. Alle haben allezeit die Tugend für ein Ding angesehen und vorgestellet, welches unsre Ehrerbiethung und unsre Liebe zum Besten verdienet. Alle Fragen, so die Sittenlehre betreffen,,, saget der römische Philosoph, „ haben ihren Ursprung im Begriffe der „ Tugend» Und weil die Tugend eine standhafte und weise ,' il Tugend. 567 „ Beschaffenheit der Seele ist, welche diejenigen schätzbar „ machet, btt) denen sie sich befindet, und da sie, ohne Ab, „ sicht auf dm Nutzen, der daraus entspringen könnte, „ aus sich ftlbsten sehr schätzbar ist; so ist die Tugend der „ Grund aller Ehrlichkeit in den Anschlägen, Gesinnungen, „ und Handlungen; und man kann sie mit zweyen Worten: „ die vollkommene Vernunft, bestimmen „. Der sinnreicheste, und vieleicht der größeste, den wir unter den Kirchenvätern kennen, drücket sich von diesem Gegenstände noch deutlicher, und noch anzüglicher aus: * „ Die „Tugend,,, saget er, „ besteht darinnen, daß man nichts „ liebe, als was geliebt zu werden verdienet. Wenn man „ sich von dieser Liebe durch keine Widerwärtigkeit abwenden „ läßt, so ist es die Tugend der Starkmuth. Wenn man „ niemals davon abweicht, um dem Reize der Wohllust zu „ folgen, so ist es die Mäßigkeit. Die Tugend der Gerech. „ tigkeit verlange!, daß man ihr alles aufopfere, was der Stolz eingeben kann; und die Klugheit erfodert, daß man „ diese Liebe allen übrigen vorziehe. **,, Es giebt drey Arien von Gütern „, saget er an einer andern Stelle: „ die kostbarsten sind die Tugenden, „ welche unfern Wandel ordnen, und ihn allezeit der Vor, „ schuft der Vernunft gleichförmig machen. Die gerim ,, gern sind die fühlbaren Güter, derer man genießen kann, „ wenn man der Vernunft dabey folget. Es giebt andere, ,, welche das Mittel dazwischen ausmachen, und die Gaben „ des / * August. Brief an Maced. " Ebend. vsm freien willen. Nn 4 s68 Tugend. „ des Verstandes sind; und dieser har man nicht vormö, „ then, um nach der Vorschrift der Vernunft zu leben,,. . Es ist kein Wunder, daß diese großen Männer besser von der Tugend sprechen, als unser Wohlredner: denn man spricht niemals besser von einer Sache, als wenn man sie kennet, in Ehren hält, und liebet. Und damit wir alles, was diesen Gegenstand betrifft, in wenige Worte, und ins Kürzeste zusammenziehen, wollen wir für die Liebhaber der Tugend nur dieses sagen: 1. Die Tugend ist die Übereinstimmung unsere Wan, dels, mit dem, was uns die Vernunft, das Gewissen, und das Gesetz vorschreiben. Die Vernunft stellet uns das Buch des natürlichen Gesetzes vor, gleichwie uns die Offenbarung die Tafeln des göttlichen Gesetzes vorhält« Das Gesetz ist unser L-chr, unsre Leitung, unsre Richtschnur; und das Ge, wissen ist unser Ermahn«, unser Richter, unser Bestrafte. Die Erfüllung der Pflichten, welche wir durch diese Mittel «kennen, die heißt man Tugenden. 2. Weil die Tugend nichts anders, als die vollkommene Vernunft ist, wie Cicero saget, oder weil sie darinnen be, steht, wie der heilige Augustin saget, daß man nur das liebe, was geliebt zu werden verdienet, so folget daraus, daß man in die Reihe der wahren Tugenden jenes nicht setzen soll, was voin Stolze oder von der Eitelkeit eingegeben oder angerathen wird, was mit einer Ungerechtigkeit begleitet ist, was aus Absichten geschieht, welche weder die Ehrlichkeit zu« geben, noch die Vernunft annehmen, oder die Religion billigen könnte. Es folget daraus, daß man in die Reihe der wah, ren Tugenden viele Dinge nicht setzen börste, die zwar in sich sechsten löblich scheinen; aber entweder durch den Beweggrund, der !iitz >>tzj iilh > hx ich N o» O O D / Tugend. 569 der sie erzeuget, oder durch den Endzweck, den man sich versehet, da man sie ausübet, lasterhaft werden. Wenn esTugenden giebt, welche wahrhaft, rein, grvßmürhig,erhaben, und aller Hochschähung und alles Lobes würdig sind; so giebt es auch falsche, häuchlerische, gefährliche, verführerische Tugenden , welche nichts anders als vermummte Laster sind. z. Die Wohlthätigkeit ist eine Tugend, wann die Ehr, lichkeit, die Menschlichkeit, die Liebe seines Gleichen der Grund davon sind. Außerdem könnte sie wohl nichts am derö, als eine hochmüthige Pralerey, oder eine gefährliche Verführung seyn: und dieses trägt sich nur allzu oft zu. Doch wir wollen diese fehlerhaften Beweggründe nicht betrachten, und nicht vermuthen. Die Wohlthätigkeit ist eine Tugend; das gestehen wir: aber sie ist nicht die einzige, wie es der Verfasser der Abhandlung zu verstehen geben will. Denn die Geduld in großen Nebeln; die Standhaft tigkeit der Seele in den betrübtesten Nnglücksfällen; die Starkmuch den Zorn einzuhalken, sich über die lebhaftesten und empfindlichsten Regungen zu erheben; der Edelmuth, einem grimmigen Feinde zu verzeihen, wenn man die Mittel, die Gelegenheit, die scheinbarsten Gründe zur Rache hat: dieß haben allezeit alle Menschen für die schönsten Tugenden angesehen, welche ihre Verwunderung und ihre Ehrfurcht zum Besten verdienten. Die Keuschheit des Gcipio zu Rarthagenen, die Uneigennüßlichkeit des Fabricius, wel, cher das Gold ausschlug, das man ihm anboth, die Mäßigung Läsars, welcher das Kästchen vom Pompejus ins Feuer werfen ließ, die Geduld des Sokrates, Anaxarchs, Lykurgus, wären in den Augen des Verfassers des Handlexikons keine Tugenden: znm wenigsten wärm diese Tugenden nicht nach seinem Geschmacks. Nn 5 4. Wir 57« Tugend. 4. Wir reden hier von den christlichen Tugenden nicht: denn, da die Liebe Gottes der Ursprung, Jesus Christus das Urbild, und der Himmel die Belohnung davon ist, so würden sich die Philosophen nicht viel darum bekümmern. Vor kurzer Zeit hat ein vornehmer Herr eine sehr anzügliche Bemerkung über die philosophische Wohlthätigkeit gemacht. Niemand, sagte er in einer zahlreichen Gesellschaft, hat die Wohlthätigkeit mehr gepriesen, als der Verfasser des philosophischen Handlexikons, und Niemand hat sich schicklicher in diesem Stücke selbst das größeste Lob beygemessen. Jedermann weiß es wohl, daß er von sich selbst spreche» will, wo er in seinem Artikel: Verfolgung, einen Mann aufführet, der die Tugend prediget, und aueübet; der die Weysen versorget, den Dürftigen geholfen hat; der die wüsten Oerrer, wo etliche Sklaven mühselige Tage verlebten, in fruchtbare Felder umgestaltet hat, wo nun glückselige Familien wohnen: und gleichwohl hat man niemals einen so jüdischen Wucherer gesehen, als dieser so wohlthätige Mann einer ist. Er rühmet sich, daß er die Tugend prediget Und auöübet; und damit er ein sonderbares Beyspiel der Wohlthätigkeit gebe, leiht er den Landleuten, die bey ihm Hülfe suchen, Geld zu fünf vom Hunderte aus. Aber er läßt sich nur mit Feldfrüchten bezahlen; und die Feldfrüchte nimmt er nur für die Hälfte ihres Werrhes an: folglich läßt er sich mehr als Hundert vom Hunderte für Zinse geben. Er hat die Weysen versorget. Wahr ists: er Hat das Publikum beschäßer, als er die Versorgung einer verwsysten Jungfer einer verweysten Jungfer) Die Base des CorneMe. Man sehe de- Voltaire-- in meine» historischen Nachrichten. Tugend. 571 Jungfer vorschlug; und man hat nachgerechnet, und will behaupten , daß er einen Theil der Schätzungen für sich be, halten habe. Er hat den Armen aufgeholftn, und wüste Oerter in fruchtbare Felder umgestaltet. Man gesteht es: er Har auf einem Gute Arbeiter ausgenommen, und etliche Werkhauser angeleget; aber sie arbeiten beynahe bloß für seine Rechnung, und er zieht fast den ganzen Nutzen und Gewinn von ihren Bemühungen. ^ Man hat vieleicht noch nichts Lächerlickers und Alberners vorgetragen, als die Begriffe dieses Schriftstellers von der Tugend sind. Nach seiner Denkensart kann ein Mensch hei/ lig seyn, ohne tugendhaft zu seyn, obschon man durch die Heiligkeit die vollkommenste Liebe und Ausübung der Tugend versteht und begreift. Einer und derselbe Mensch kann zu/ gleich sehr lasterhaft und sehr rugendsam seyn; denn er kann mit einer Hand nehmen, stehlen, und rauben, und mit der andern ausschenken. Nero, das Scheusal, raubte weise Rathsherren aus, um seinen Schandbuben Gporus zu be/ reichern. Das Scheusal, saget er, ist dortmals wegen sei« ner Tugend ehrwürdig gewesen. Wofür soll man einen Philosophen ansehen, der dergleichen Grundsätze bestätiget? Für einen alten ^ Narren. XL.VII. XI.VH. Verfolgungen. Hi us allen Feinden des Christenthums hat keiner so stark ^ und so beständig Wider die Verfolgungen und die Ver. - folger geschrieen, als jener, der nicht nachläßt, Frankreich mit gottlosen Scharteken zu überschwemmen, der zum we, nigsten verfolgt worden ist, und der zum meisten verdienet hat bestrafet zu werden. Ist wohl dieser Mann von allem recht überzeuget, was er in seinen eifervollen Srrafteden auf die Bahne bringt? Nein, gewiß nicht. Aber er weiß, daß er durch eitel Ge, schrey die Welt betäuben, und glauben machen werde, was er selbst nicht glaubst; er weiß, daß tausend Stimmen blödsinnig nachhallen werden , was sein Unsinn und seine thörichte Einbildung erzeuget haben. Er schreyr wider die Verfolgungen, wie die Verbrecher wider die Gerechtigkeit schreyen. ' Wir wollen ihm auf allen seinen Irrwegen nicht Nachfolgen; wir unkerwinben uns nicht, alle seine falschen Be, schuldigungen und falschen Vernunftschlüffe zu widerlegen. Wir werden uns genügen , etliche klare und unstreitige Grundsätze aufzustellen, wodurch man urtheilen mag, was mit Vernunft und Rechte den Namen der Verfolgungen und Verfolger verdienen könne. Zu diesem Ende werden wir erstlich bestimmen, was man unter dem Worte; Verfolgungen, verstehen solle; und wir wollen davon einen so richtigen und so wahren Begriff beybringeu, daß ein jeder vernünftige Mensch verbunden styn Verfolgungen. 57z seyn möge, denselben anzunehmen, und sich daran zu halten. Nachmals werden wir zeigen, daß die Philosophen den ^ Namen: Verfolgung , der Ausübung einer rechtmäßigsten und nothwendigsten Gewalt eben so dreiste beylegen, als man ihn den Misbräuchen geben würde, welche man zuwei, len mit dieser Gewalt anstellen könnte. ^ Sodann werden wir beweisen, daß all ihr Geschrey wi« ^ der die Verfolgungen und die Verfolger keinen andern End, ^ zweck hat, als die Freyheit 'und Straflosigkeit dem Laster und der Ausgelassenheit zu verschaffen. ^ Endlich wollen wir bemerken lassen, daß sie allezeit, da ^ sie wider die Verfolgungen so gewaltig schreyen, dennoch ^ jene entschuldigen, rechtfertigen, und gucheißen, welche ge, gen die Religion erreget worden sind. Daraus mag man schließen, daß nichts unsinniger, unbilliger, und gehäßiger in» >si, als jenes ewige Geschrey, und jene ungestümen ^ Erster Artikel. ^ Was soll man unter dem Worte: Verfolgung, verstehen? K 6>ie Philosophen, welche wider die Verfolgungen unauf, hörlich schreyen, würden sich wohl hüten, eine richtige >«zl und genaue Bestimmung davon zn geben. Wir wollen sie «ff ohne Scheue vortragen: denn wir glauben, daß es wesent, lich und durchaus nothwendig sey, von der Sache, die man ^ » behandelt, einen deutlichen Begriff zn haben; und wir sa< M; Die Verfolgung ist ein scharfes Verfahren, das man >F wider die Gesetze gegen Unschuldige ausübet. Oder: Sie 574 Verfolgungen. ist ein unbilliges und unrechtmäßiges Betragen gegen Menschen, die nicht strafbar sind. Damit wir aber diese Bestimmung in das Helleste Licht sehen, machen wir noch folgende Anmerkungen. 1. Die Gesetze sind allein gestiftet, um die Ordnung und den Nutzen der Gesellschaft zu erhalten. Sie müssen den Unschuldigen beschützen, den Staat, die Ruhe, die Rechte des weisen und tugendhaften Bürgers sicher stellen, den Strafbaren, welcher sie verletzen und die gute Ordnung stören wollte, im Zaume halten. Die Strenge und die Weis, heit sind dann in den Gesetzen gleich nokhwendig; jene, um das Nebel zu verhüten, und diese, um das Gute zu best« dem. 2. Da es unmöglich ist, daß es nicht von Zeit zu Zeit unter den Menschen einige gebe, welche das allgemeine Beste nicht genug in Ehren halten, und nicht erfüllen möchten, was sie den Gliedern der Gesellschaft schuldig sind; so ist die Gewalt und die Strenge der Gesetze nokhwendig, um dieselben einzuhalten, sie zu ihrer Pflicht zurückzuleiten, und die ansteckende Seuche des Beyspiels zu heilen und zu ver, hindern, welche die Straflosigkeit nur weiter ausbreiten würde. ßF kiii In dergleichen Fällen können die Strafen, welche die Gesetze bestimmen, mit dem Namen der Verfolgung nicht beleget werden: sie sind eine achtungswürdige Gerechtigkeit, die durch die Weisheit, die Nothwendigkeit, und den wahren Eifer fürs Gemeinbeste geordnet wird. Und man würbe nichts, als Zerrüttungen, Laster, und Unordnungen in einer Gesellschaft sehen, wenn keine Gerechtigkeit grübet würde, um Einhalt zu thun , und zu bestrafen. !!s!- P »r ß!>r jA ÜÜ !k- -' «F Verfolgungen. 575 z. Wie man alles mis brauchet, kann man auch die Macht und Gewalt misbrauchen, welche die Gefthe mitthei, len. Man kann das Ansehen misbrauchen, um unbillige Gesetze zu verordnen, wie die Bannschriften und Befehle der Kaiser, während der ersten drey Jahrhunderte der Kirche, wider die Christen waren. Man kaun auch die Macht und Gewalt misbrauchen, um Gewaltthaten, Bedrückungen, Zerrüttungen anzurichken: die Beyspiele davon sind im menschlichen Geschlechts nicht seltsam. Nun, in allen diesen Fällen, wo Unschuldige oder Glieder der Gesellschaft, die keines Verbrechens angeklagt wären, also mishandelt würden, könnte man mit Rechte sagen, daß die Weise, nach welcher man mit ihnen verführe, eine wahre Verfolgung sey, weil sie sowohl unbillig als unrechtmäßig wäre. Nachdem diese Grundsätze also entwickelt sind, fühlet man die ganze Richtigkett und Genauheit der Bestimmung, die wir gegeben haben, da wir sagten: Die Verfolgung ist ein scharfes Verfahren, und ein unbilliges und unrecht, mäßiges Betragen gegen Leute, die nicht strafbar sind. Aus dieser Bestimmung folget, daß man allezeit Recht gehabt hat, was immerauch die Philosophen sagen mögen, da man dem Betragen der Kaiser gegen die Christen während dreyer Jahrhunderte den Namen: Verfolgung, beylegte. Es sind wahre Verfolgungen gewesen. i. Weil die Christen keineswegs strafbar waren, da man ihnen niemals etwas anders vorwerfen konnte, und in der That vorwarf, als daß sie sich standhaft weigerten, eitle und verächtliche Götzen anzubethen. 2. Weil 576 Verfolgungen. 2. Weil das Verfahren gegen sie unbillig und unrechtmäßig war. Es war unbillig, weil kein menschliches Gesetz . den Aberglauben und den Gräuel des Götzendienste guchei, ßen, oder eine augenscheinlich heilige und göttliche Reltzion, wie die christliche Religion ist, verbuchen, oder Strafen und Peinen anweuden dorfre, um zur Annahme des Götzendiensts und zur Verläugnung der christlichen Religion zu zwingen. Es war unrechtmäßig, weil man nicht befuget war, Menschen , welche nur Gott den Schöpfer anbelheten, und den einzigen Grundsätzen der reinsten, heiligsten, anständigsten, und für die Gesellschaft nützlichsten Sittenlehre folgten, als hassenswürdige Verbrecher zu behandeln. Wir glauben, die deutlichsten und unstreitigsten Grundsätze beygebracht zu haben, bey welchen man allezeit anfangen muß, sobald man von den Verfolgungen reden und vernünftig schließen will. Zweyter Artikel. Die Philosophen legen der Ausübung der rechtmäßigsten Gewalt/ wie den Misbräuchen/ die man mit dieser Gewalt anstellen kann/ den Namen: Verfolgung - bey. , /sobald man die gefährlichste Ausgelassenheit des Verstan- des cinhalren, oder die Streiche verhindern will, welche die Freydenker wider die Religion und die Sitten zu führen stch bemühen; sobald eine rechtmäßige Oberkeit Lurch billige und kraftvolle Gesetze die Religion vertheidigen, und sicher stellen will: so rufen schon die Philosophen, Verfolgung! Verfolgung! aus. Und damit sie stch einen Schein des Rech- SIE lß B Verfolgungen. ^77 Rechtes und der Vernunft erwerben, vermengen sie arglisti, ger Weise in ihren Strafteden etliche tadelhaste, oder zwei- ftlhasie, oder verzeihliche Begebenheiten mit dm unvmneid« lichften und nothwendigsten Uebungen der Gerechtigkeit und Strenge. Alle diese verschiedelren Begebenheiten schildern sie mit gleichen Farben ab; sie schreiben dieselben dem glei» chen Geiste zu; und da sie wider jene eifern, geben sie sich für berechtiget aus, diese auf gleiche Weise zu verschreyen. Also vergleichen sie die Verurtheilung des Galiläi und etlicher Meynungen von Descartes mit der Verdammung des Artus, Pelagius, Nestorius, Verenger; und schrei)en: Verfolgung! Sie fällen das gleiche Urtheil von jenen Pri» vattrieben der Wurh und Rachsucht, die manchesmal die Staate erschüttert haben, und von den weisesten und noch, wendigsten Verordnungen, um den Empörungen oder dem Unglauben Einhalt zu thun; und schreyen r Verfolgung! Das Galiläa Galiläus Galiläi »VN Florenz, ein berühmter Mathematiker, wurde wegen Vcrtheidigung des coperm'kamschen Systems gefangen gesetzt, und mußte es im sechszigste» Jahre seines Alters wiederru- fc». Descartes^ einer der berühmtesten Philosophen. Einige seiner Schriften sind zuRom iü 6 z unter die verbotheuen Bücher gesetzt worden. Arms, pelagius, Nestorius^ drey berufene Erzieher im vierten und sünsteu Jahrhunderte. Verengers Erzdiakon zu Angers, ist in Mehrern Kirchen» ersammlungsn um seiner anstößige« Lehrsätze willen verdammet, und öfters zur Wie- derrnfsng angchalteü worden. Er unterschrieb dreymal em Glam bensbekenntniß, das man ihm verlegte; aber sobald et aus der Gefahr war, nahm er seine Jrrthümer wieder an- Er starb auf dem Eilande St.Cosmas 128«, nachdem er sich bekehret hatte- wie einige behaupten wollen. II. Band. D s 578 Verfolgungen. ^ Das rechtförmigste Betragen gegen Leute, welche die er, chrecklichsten Störer des Friedens, der Ruhe, ftnd der Ein» krackt in der Gesellschaft sind, stellen sie etlichen Handlun» gen einer übertriebnen Strenge an die Seite,, die zu unge» ßtteten Zeiten geschehen sind, und welche sie mit aller Sorg» falt verfälschen und vergrößern; und schreyen: Verfolgung! Endlich reden sie im gleichen Tone von den Strafen, wel, che sehr weislich wider die lasterhaften Menschen nach den Gesetzen der Religion und des Staates verordnet worden sind; und von dem berufenen Bartholmätage, welchen ein gallsüchtiger und rachgieriger Fürst angeordnet hatte, der aber durch zwölfjährige Meukereyen und Verwirrungen aufs äußerste getrieben war. Das Wort: Bartholmä« tag, ist die große Losung jener sinnlosen Schreyer. Der große Voltaire hat tausendmal wider den Bartholmä« tag geheulet; alle, die von seiner Sekte sind, wiederholen alle Tage das nämliche Geheul wider den Bartholmä- tag ; und bis auf die schlechtesten Schulbürschgen, die zum Unglauben anfgeschworen haben, und von den Philosophen abgcrichtet werden, ist keiner, der nicht seine Kraft versuchte, aus vollem Halse, wider den Bartholmätag zu schreyen. Es ist rathsam zu bemerken, daß diese unermüdeten Schreyer Leute sind, welche jederzeit alles, was Zwang oder Recht, billig oder unbillig, rechtmäßig oder unrechtmäßig ist, unter einander mengen; welche die Begebenheiten, die Be» weggründe, die Ursachen der Nvthwendigkeit, oder der Ge» bühr ohneScheue verfälschen und verunstalten. Es ist rathsam zu bemerken, daß cs Leute sind, die sich Philosophen nennen; die P, ßtzll t W« N Bartholmätag Das bekannte Blutbad zu pari». i57r. ich L5 ck ich! ckj D B jl» B' » > ' Verfolgungen. 579 die den Christen vorwerfen, daß sie die Geschichte nicht als Philosophen studieren können; die sich immerfort der Dienste rühmen, welche sie als Philosophen dem menschlichen Ge, schlechte leisten. Mein durch die Grundsätze, die wir im vorhergehenden Artikel bestätiget haben, fühlet man schon, wie sehr man auf eine solche Philosophie Miötrauen sehen solle; man sin, det alles in seinem ächten Werthe; man verwahret sich leicht vor der Verführung. Wir wollen dann hier die Anwen, düng von diesen Grundsätzen machen, und besser auseinander legen, was wir von allen jenen Dingen, die man ohne Un, terschied unter dem Namen: Verfolgung, vermenget, nur Überhaupts gezeiget und gewiesen haben. Nach diesen Grundsätzen wird man die Verurtheilung des Galiläi für eine Sache ansehen, die weder den Richtern große Ehre, noch diesem berühmten Physiker und Sternken, ner großes Unheil, noch der Gesellschaft großen Schaden bringt. Die Richter gaben zu erkennet», daß sie den Lauf der Planerenwelt nicht so gut kannten, als Lopernik und Galiläi. Wie viele Richter sprechen alle Tage blindere und schädlichere UttheileGaliläi wurde verdammet, an gewissen Tagen in der Woche etliche Vater unser und Ave Maria zu bethen: die Meynung von der Bewegung der Erde um die Sonne herum gieng dennoch fort. Hat man hier wohl Ursache, so sehr darüber zu schreyen? Aber Arius, pelagius, Neftorius griffen die Haupt, lehrsäße des Chistenthums an. Man widerlegte sie liebreich und sanftmüthig. Die größesten Männer ihrer Zeiten, Athanasius, Augustin, Cyrill, die Papste bewiesen ihnen ihre Imhümer. Diese hochmürhigen Ketzer weigerten sich Oo 2 - hart, 58c> Verfolgungen, harksinnig , sie zu erkennen: sie wurden von allgemeinen Kirr chenräkhm, das ist, durch das « hrwürdigsie Ansehen auf Erden, verdammet; sie wurden von den Kaisern, zur Strafe ihrer unlenksamen Hartsinnigkeit, verwiesen. War es Billigkeit, oder Verfolgung? Nach diesen Grundsätzen wird man den größesicn Tbeil der verhaßten Tharen, die während der bürgerlichen Uneinigkeiten gejchehen sind, für die unvermeidliche Folge großer Erbittrungen wegen empfangener Schwachen; für die noch, wendige Wirkung von Leidenschaften, welche durch die un, billigsten, unordentlichsten, strafbarsten Verfahren erreget worden sind; für Abscheulichkeiten, wodurch jene, die an der Religion ändern wollen, noch verfluchungswürdiger scheinen müssen; endlich für sehr unbillige Beschuldigungen an- sehen, weil bcynahe jederzeit die Neuerer den Anfang gema- chet, die Katholiken gereizet, und in die größesien Unordnungen ausgeschweift haben. Man wird von all diesem in der Geschichte der Albigenser vom Abte von Vaucernay, in den Geschichten der Niederlande von Johann Le Llcrc, und von Emmanuel von Metteren, in den Urkunden der Bündnisse der Reformirten, die Soulier gesammelt hak, überzeugende Beweise amreffen. Aber die ersten christlichen Kaiser, und nachmals die Könige, Franz der Erste, Heinrich der Zweyte, Rarl der Neunte, haben Gesetze gemacht, um eine Religion zu beschützen und zu vertheidigen, welche augenscheinlich heilig und göttlich ist, wie wir gesagt haben, und um die Verbrechen derjenigen zu bestrafen, die sie verfälschen oder Umstürzen wollten. Sind diese Gesetze nicht billig und unnachläß- lich gewesen? Hatten diese Fürsten nicht die Gewalt, siez» ver- !»» W« D st« !l!« Li!« !tlil «kj iss ff! >1!^ 1^ lIS s' F i Verfolgungen. 58» verordnen? waren sie uichr verbunden dazu? Greift nicht die Widersihung gegen diese Gesetze das oberkeirliche Anse» Heu an? und kömmt sie wohl ans einer andern Quelle, als ans einem Geiste der Gottlosigkeit und der Empörung her? Warum verwickelt man also diese verschiedenen Dinge unter dein gehäßigen Namen der Verfolgung? Nach diesen Grundsätzen wird vor dem gräulichen Bar» tholmätage ein jeder Abscheu haben, der ein Gefühl der Menschlichkeit und der Religion hat. Man wird ihn für ein Mittel der Verzweiflung, welches das Nebel nicht geheilet, sondern ärger gemachet har; für eine wohlverdiente, aber umechtförnnge und unmenschliche Strafe, worunter viele U> schuldige verwickelt wurden; für eine Grausamkeit an sehen, welche die Religion verdammte, welcher sich mehrere Bischöfe widerseßten, und worüber die Nation errörhete, sobald sie sich von jenen Augenblicken der Raserey erholet harre; aber welche bey Weitem nicht so gräulich war, als das ewige Lärmen der Feinde der Religion zu verstehen giebt. Man kann davon überz- uget werden, wenn man Nachlesen will, was von dieseiu Gegenstände in dem Buche der Jrr- thümer Noltairens angemerket ist. Aber die Strafen, welche Lurch Verordnungen über Empörer beschlossen worden sind, die dreyßig volle Jahre lang wider ihre Könige die Waffen führten; die mit Gewalt eine Menge Freyheiren zum Nachrheile der alten Religion, die sie verlassen hatten , sich errangen; die unvergleichlich mehr Blutes in ihren Privatempörungen vergossen haben, als am Barrholmätage vergossen worden ist: sollen diese verordnen Strafen Verfolgungen benamset werden? Oo z Nach 582 Verfolgungen. Nach diesen Grundsähen endlich wird man eine Menge Begebenheiten brurkheilen, die sich entweder in den ungesikte» ten Z -kren begeben haben, oder von Len Feinden der Religion erdichtet, oder vergrößert, oder verfälschet worden sind, um dieselbe verhaßt zu machen; Begebenheiten, die ohne Be, weise angenommen, von dch wiederhallenden Nachsprechern ohne Bmriheilung wiederholet wurden, und die nach der geringsten Untersuchung in einem vernünftigen Kritiker keine andre Gesinnung, als Unwillen gegen die vermessenen Plan, derer, und Mitleid mit ihren blinden Bewunderern, zu» rücklassen. PlS B H» Dritter Artikel. Die Philosophen schreyen nur wider die sogenannten Verfolgungen/ damit sie sich die Straflosigkeit verschaffen. AVZan durchgehe alle verschiedene Punkte der Religion ^ und der Sittenlehre; alle Punkte, welche die Ehr» lichkeit, die Ordnung, die gegenseitigen Pflichten in der Gesellschaft erhalten und sicher stellen mögen; so wird man sehen, daß keiner ist, welchen die Philosophen zu verletzen sich nicht bemühet haben, und welchen sie nicht aus dem Herzen zu tilgen suchten, um den Unglauben und die Aus» gelassenheit dafür hinein zu pflanzen. Dreß ist fürwahr der Endzweck, den man sich in allen jenen verdammlichen Büchern und Scharteken vorsetzet, womit die We-r h^ur zu Tage überschwemmet ist; welche von ihren Verfassern, die sonst sehr bekannt sind, zum we, nigsten öffentlich mchr für ihre Werke erkannt werden; von denen mehrere durch die bürgerliche Oberteil mit Schimpft ver, »i» Verfolgungen- 58 z verdammet worden sind, und die eben deßhalben nur mehr gesuchet, und begieriger gelesen werden. * Da findet man die heiligsten Sachen, zum Gegen, stände der gottlosesten Verhöhnung genommen; ** man findet die gröbsten und anstößigsten Gorreslästrungm gegen die anbethenswürdigste Person des göttlichen Sohnes, gegen seine jungfräuliche Mutter, und gegen die Heiligen; *** man sicht die Erbitterung und das Geschrey einer mehr als höllt; schen Wuth wider die Religion, wider ihre Regienmgsart, ihre Gebrauche, ihre Beobachtungen, ihre Priester. Da sieht man alle Grundsähe der Sitten, der Tugenden, der Rechtschaffenheit auf eine physische Empfindlichkeit einge. schränket, welche den Menschen zu einer Art von Maschine machet, ihn herabsehet, den Thieren gleich stellet, von denen er nur in der Bosheit noch unterschieden ist: ***** man liest die lästerlichsten Verleumdungen, die vernunftlosesten Trugschlüsse, die falschesten Beschuldigungen, besonders was die Religion betrifft: man findet den Unglauben , den Atheismus, den Materialismus in Lehrgebäude gerichtet, und bcy den christlichen Nationen, und vor Völkern, bey denen man zu denke» weiß, ohne Scheue vorgetragen. Kann die Gesellschaft dergleichen Vergehungen dulden? können sie die Gesetze ungestraft lassen? Gleichwohl, wenn man sich reget, wenn man sie tadelt, wenn man ihre Abscheulichkeiten und gräulichen Sähe auf, decket; ' Volt, vermischt. Schrift. " Das Mägdchmvon Orleans. " Die wicht. Unters vonBvlingb. — Der philos. Rriegs- man». "" Vom Geiste. *«"» rillgem. Geschicht. 584 Verfolgungen. decket; wenn man sie vor den Richterstühlen der Vernunft, der Religion, der Oberteilen anklaget: so schreyen diese verdammlichen Schriftsteller alsbald wider Verfolgung, Uri, gerechtigkeit, Schwärmgeist, Ketzergericht aus. Dieses rasende Geschrey ist eitel Geschrey der Bosheit. Sir stellen es nnr an, Ulff die fteyen Geister zu erhitzen, die schwachen Seelen schüchtern zu machen, jene abzuschrecken, welche es wagen wollten, sie zu tadeln; um der Oberteil, der Vernunft, der Religion, und den Gesehen, wo es möglich wäre, das Stillschweigen aufzulegen; endlich um diyFrey» heit für ihre Laster, und die Straflosigkeit für ihre Vnbre, chen sicher zu erlangen. Wir halten uns nicht auf, diesen Gedanken zu entwi ckeln, oder mit umständlichen Beweisen zu bestätigen. Die vernünftigen Leute treffen sie in ihren Schriften an, und sie machen unter einander in ihren Bündnissen und Verschwör rungen wider die Religion selbst das Geständmß davon. Laßt uns zum letzten Artikel schreiten, welcher die Unbillig» keit ihres Schreyens wider die Verfolgrurg noch besser zeigen wird. '!!!' B, » «i Vierter Artikel. Da die Philosophen wider die Verfolgungen schmen, entschuldigen und rechtfertigen sie allezeit jene, die gegen die Religion angestellt worden sind« Cl^ie Philosophen sind die geschworensten Feinde der Reli, gion, und ihre furchtbarsten Verfolger: es ist nicht wundersam, daß sie alle Verfolgungen, die sie erduldet hat, entschuldigen und rechtfertigen wollen. Dem 'Verfasser der allge» ^I!I 'l !tz >«r, ,!» K P B »r Verfvigturgen. ^8s allgemeinen Geschichte war es Vorbehalten , das gräulichste und anstößigste Verfahren in dieser Art aufzuweisen. * Redet dieser Schriftsteller von den entschlichen Verfolgungen, welche die christliche Kirche während der ersten dreyen Jahrhunderte erfuhr; so finden Nero, Domitian, Maximin, Decius, Diokletian, jene Scheusale der Grausamkeit und des Schwäringeistes, an ihm den eifrigsten Sachtval, ter, der sie verrheidiget, rechtfertiget, ihnen noch die schmäur chelhafteften Lobspcüche beymißt. Ec stellet einen Diokletian für einen der größesten Männer, die jemals gelebet haben, für einen Fürsten vor, der als Held Kriege geführet, der als Weiser gehsrrschet hat, und als Philosoph gestorben ist. De- cius und Maximin waren, nach ihm , Fürsten , die wider dis Christen wegen ihres Parteygerstes billig aufgebracht waren , weil diese in den Kriegen, wo man um das Kaiserkhum stritt, zu den Gordiern fich geschlagen hatten. Das Scheusal des menschlichen Geschlechtes, Nero, ist kein so böser Mann gewesen, wie man ihn vorstellen will, und man thäte ihm Unrecht, wenn man ihn unter dis Zahl der Verfolger sehete. Dieses Urtheil spricht man von ihm in der allgemeinen Geschichte. Es strafen zwar alle historische Denkmäler diesen Betrie- ger Lügen; alle Bannschriften der Kaiser wider die Christen geben ihnen keine andern Laster Schuld, als ihren Abscheu vor dein Götzendienste; und die hsydnischen Schriftsteller feldsten kommen darinnen übereinS. Was liegt daran? Voltaire glaubet, man werde alle diese Beweise nicht nachschla- tzen, und ist deßhalben nicht minder entschlossen, einen so schönen * Mgem. Geschieht. 5- Rap. / Oo 5 ^ 586 Verfolgungen, schönen Handel zu verteidigen." Erstreitet, er verleumdet, er tritt immer mit einer gleichen Unverschämtheit der Wahrheit entgegen. Entweder läugnet er die Verfolgungen, oder er giebl die grausamsten Verfolger für die schätzbarsten Wen sen aus: und die Christen, die Schlachtopfer ihrer Gran, samkeit, stellet er niemals anders, als wie Verbrecher vor, die billig gestrafet wurden. xi«i F W ,/ „ Julian war, nach Voltaircn, vieleicht der erste unter den Menschen, oder zum wenigsten der zweyte daran. Man erforsche in ihm den Menschen, den Philosophen, den Kaiser, saget er; und man suche mir dann dm Für, sten, den man ihm zur Seite stellen dörste. Er ließ nie> mals einen Christen tödten; er verfolgte sie nicht. Er ließ sie, als ein gerechter Kaiser, ihrer Güter genießen, „ und als ein Philosoph, schrieb er wider sie,,, Dieß saget von Julianen hxx christliche Voltaire; und man vernehme, was die heydnischen Schriftsteller von ihm sagen. Eurropius ^ tadelt an »hin seine hartsinnige Erbin terung gegen die christliche Religion; Aurel Vicor ** sei« neu ausschweifenden Aberglauben im Götzendienste. Am- mtan Marcellin wirst ihm die Unbilligkeit seiner Geser He gegen die Christen, und seine Kunstgriffe vor, die Zwie, kracht unter ihnen anzufachen. Endlich die öffentlichen Ur, künden und die Geschichteschreiber zeigen uns eine große Zahl Märtyrer an, die unter seiner Regierung gelitten haben. Julian, saget Voltaire, hat sich genüget, als ein Philosoph wider sie zu schreiben; und Voltaire machet es heut zu Tage, wie der Philosoph und der Mameluk, Julian. Die »i I LH -A üir " lo. B. ** Im Julian. E -L. B. »z- rh A H !«j »S r!> !-!< -ß >!^ Verfolgungen. 587 Die berufene Körnginn vor, Englands, Elisabeth, hat dieKacholischen so sehr gehasset, als Julian das Christen, thum hastete; und sie verfolgte, wie Julian. Lamden, der Geschichteschreiber dieser Königin», und der weise Schrift» geller / Herr Hume/ erzählen die grausamen Gesehe, die sie wider die Katholiken machte. Es starb eine große Menge von ihnen in den Peinen und in den Martern, wozu sie dieselben verurtheilen ließ. Unterdessen vernehme man Voltaire». Er, der Marien von Englande, welche die katholische Religion hatte wieder einführen wollen, als eine verdrießliche und stille Tyrann«,n schildert, leget der Weisheit Elifabethens, welche alles angewendel hat, um sie zu vertilgen, die größesien Lobsprüche bcy. „* Niemand,,, saget er, „wurde verfol- „ get, weil er katholisch war. Aber jene, die aus Grund- „ säßen des Gewissens den Staat zerrütten wollten , rvttr« „ den scharf gestrafet. Es ist sicher, daß Elisabeth gegen „ die Katholiken ihres Königreichs nicht blutdürstig war, „ wie Marie gegen die Protestanten gewesen ist „. O unvergleichlicher Voltaire! Es ist sicher, daß Ihnen, weder in der Kühnheit Verleimümngen auszusireuen, noch in dem Eifer wider die Wahrheit zu streiten, jemals Liner gleich gekoMinen ist. Die christliche Religion hatte länger als ein Jahrhundert in Iapon zum schönsten geblühet. Diese schöne Christen, heit wurde durch die Verfolgung vertilget, welche der Haß der Bonzen im Anfänge erreget hatte; und die Eifersucht der Holländer gegen die portugäsischen Kausieute brachte sie nachmals zum Ausbruche. Aber * Mgem. Geschicht. ;88 Verfolgungen. Aber man vernehme den berühmten Geschichteschreiber Voltairen. Er wird uns versichern, daß niemals eine Verfolgung billiger und besser verdient gewesen sey. Er wird sagen, die Verschwörungen und Meurereyen der Christen haben den Anlaß dazu gegeben; und man hätte niemals daran gedacht sie zu verfolgen, wenn sie sich mit der Ge- wissenSfreyheit genüget hätten, die man ihnen gestattete. Er wird die Nothwendigkeit dieser Verfolgung Staatsgründen zuschreiben; er wird in seiner schändlichen Einbildung die Beweise seiner Aussage suchen. Die gröbsten Unwahrheiten werden so leicht von seiner Feder fließen, als dis Wahr» heit von den Lippen eines rechtschaffenen Mannes stießt. Die Geschichten, dis Zeitbestimmungen, die Bürgschaften der Augenzeugen sprechen wider ihn. Was liegt daran? Die Christen müssen, was es immer gelten mag, strafbar, und die Verfolger gerechkfertiget werden. O! wie wäre es eine verdrießliche Sache, ein Christ zu seyn, für jeden, der sich nach dem Beyfalle Voltairens schnete! D» li« Nach allen Wahrheiten, die wir hier erkläret, und allen Anmerkungen, die wir vorgetragen haben, ist es vergeblich, die Ursachen auszuforschen, welche die Philosophen zur Ver- theidigung der Verfolger der Religion so sehr anfeuecn mögen ; es ist vergeblich zu fragen, warum sie einen so lebhaften Eifer für jene zeigen, die zu verschiedenen Zeiten sich unterfangen haben, die Lehrsähe der Religion zu verfälschen, ihr Ansehen zu schwächen, ihre Gebräuche und Satzungen zu vernichten; für jene, die von Zerr zu Zerr durch die Religion verdammet worden sind: es ist vergeblich zu unrecsu, chen, warum sie alle weiseste und nokhwendigsie Handlungen der Gerechtigkeit von dieser Art, nicht anders als unter dem ge« !«»> stj> «j» «ß !^ Sk Ai K Verfolgungen. - 58? gehäßigsn Namen der Verfolgung vorstellen. Sie sprechen da nämlich für ihre eigene Sache. Sie haben eben dieselben Gesinnungen, die alle Feinde der Religion hatten; sie laufen die gleiche Gefahr; sie verdienen den gleichen Widerwillen , den gleichen Abscheu, die gleichen Bannstrale. Sie machen alle mit einander gemeine Sache. Sie bringen dann ihre eigene Verrheidigung vor, wann sie die Verfolger vertheidi» gen, und wider die Verfolgungen schreyen. Aber man merke auf die klaren und unstreitigen Grund» sähe, die wir bestätiget, und auf die verschiedenen Anmer» kungen, die wir eben gemacher haben; so wird man schließen können, daß nichts lasterhafter.und strafwürdiger ist, als ihr beständiges Schreyen wider die Verfolgung. WM MW Xl.VIIi f90 XL.VIII. N e r n u n f t. ^V>an läßt sich durch die verführerische Sprache leicht überraschen, womit uns die Philosophen die Vorthei» le der Vernunft herausstreichen, die geheiligten Rechte der Vernunft ohn Unterlaß im Munde führen, und ihre Schüler arglistig bereden, die Vernunft für den einzigen Richter aller Gegenstände der Religion aufzustellen. Sie laden die Christen ein, bey ihnen in die Schule zu gehen, um über die Schwachheit der Vorurtheile, der Leichtgläubigkeit, und heS Aberglaubens sich hinauszuschwingen : und wir laden sie auf gleiche Weise ein, bey den Christen in die SÄule zu gehen, damit sie erkennen lernen mögen, wie weit sich die Gränzen der Vernunft erstrecken, wie sie zu Werke gehen müsse, was für Gefahren in ihrem Wege seyn, was für Vortheile man aus ihrem guten Gebrauche ziehen, und wie sehr man sie miöbrauchen könne. Dreß sind wir Vorhabens, durch eine Reihe der einfachsten und deutlichsten Sähe, zu er« klären und zu entwickeln. Wir wollen im Anfänge eine richtige Kenntniß von der Vernunft angeben, die Jedermann fassen, und Niemand an- streiten mag. Danach werden wir zeigen, gleichwie es Wahr» heiren von verschiedenen Arten giebt, daß auch die Vernunft verschiedene Wege habe, um zu der Erkenntniß dieser Wahrheiten zu gelangen. Nachmals wollen wir erklären, daß man in der Erforschung und Untersuchung der Wahrheit nicht sicher zu Werke gehen könne, wenn man zu dieser Untersuchung und Erforschung keine redliche Vernunft brauchet. Der Ri ich! !,«! D! lp» ljlS O Vernunft. 591 Der dritte Saß wird seyn, daß man in der Erforschung und Untersuchung der Wahrheit die Vernunft vom Vernnnft- schluffe wohl unterscheiden müsse. Endlich werden wir beweisen, daß nichts der Vernunft gleichförmiger sey, als die Wesse, womit man die Wahrheiten der Religion ausleget, vorträgt, und beweist. Nachdem alle diese verschiedenen Punkte werden kräftig bestätiget seyn, wollen wir auf die Schwierigkeiten antworten, welche uns jene aufwerfen, die wider die Religion streiten. Erster Artikel. Was ist die Vernunft? HsNir wollen hier die prächtigen Ausdrücke jener Schrift« steller nicht brauchen, welche die Vernunft, wenn sie von ihr reden, ein Geschenk der Götter, ein himmlisches Licht, einen Ausguß, einen Theil, einen Stral der Gottheit nen, nen. All dieses ist tauglicher, die Einbildung zu rühren, als deutliche Begriffe im Verstände zu erzeugen. Sondern wir wollen uns an die philosophische Gmauheit bestens ein, schränken, und sagen: Die Vernunft ist das Licht, wel, ches Gott in die Seele gießt, um sie von ihren Pflichten zu beleuchten, und zu der Erkennlniß der Wahrheit zu bringen. Diese sind fürwahr die zwo einzigen Absichten, wegen welcher Gort dem Menschen die Vernunft gegeben hat. Man muß erstlich bemerken, daß die Vernunft, in Ab« sicht auf die ersten, ans die nothwendigsten Wahrheiten, die gleichsam natürlich sind, in allen Menschen gleich ist. Wahrheiten von dieser Art sind jene von dem Dascyn Gottes, von der Pflicht, ihm Dienste zu leisten, von der Gerechtigkeit , die einem jeden geben heißt, was ihm gebühret, vos der 592 Vernunft. der Aufrichtigkeit und Wahrheit in den Worten, von der Treue in den Verheißungen und Verträgen, von der Wohl, thätigkeit gegen seines Gleichen, u. s. w. Wenn ein Mensch nur ein Wenig darauf merket, und das natürliche Licht zu Rache zieht, das in ihm ist, so wird er alle diese Grundwahrheiten gewahr: und man hat noch keinen beträchtlichen und redlichen Menschen gefunden, der sie nicht erkannt, geliebet, angenommen hätte, wie es Cicero in seinem ersten Buche der Gesetze beweist. ist« >,!B' Diese Grundwahrheiten sind, wie ein kostbarer Samen, oder wie fruchtbare Quellen, die eine Menge anderer Wahrheiten enthalten: aber, da die Wirksamkeit und Kraft der Vernunft nicht allen Menschen gleich ist, wie es die Er, fahrung zeiget; so merken und erreichen nicht alle Menschen mit gleicher Leichtigkeit jene Unterwahrheiten, die in den Grundwahrheiten enthalten sind. Wenn man dann einige Wahrheiten von dieser zweyten Art Leuten vorzutragen hat, die noch eine schwache Vernunft, wie die Kinder, haben; oder Leuten, derer Vernunft in den Spitzfindigkeiten, Zergliederungen,und Formen derVernunft, schlüsse nicht geübet ist, wie es eine große Menge solcher Leute in dieser Welt giebt: so muß man, um ihnen diese Wahrheiten begreiflich zu machen, mit ihnen zu Werke g« Heu, wie man mit jenen dareingeht, die man zur Mcßkunst abrichten will. Man fängt mit deutlichen Bestimmungen, mir ganz einfachen Sätzen an, die man mit ein wenig Auf, nierksamkeit leicht fassen kann. Man schreitet nicht zu weitern Säßen fort, bis die vorhergehenden wohl begriff n sind, und bis man ihre Erweisung gefasser hat. Also muß man es mit allen Wahrheiten machen, die man der Vernunft vortragt. Unter IM kr:^ Sri !»i »II !p eil !- - Vernunft. 59 z Unter den Wahrheiten, die man der Vernunft Vorträgen kann, girbt es Wahrheiten aus Vernunstschlüssen, und Wahrheiten aus der Geschichte. Die Wahrheiten aus Ver- nunftschlüssen sollen auf eine klare und deutliche Weise vor, getragen werden, damit sie die Vernunft leicht fasse, und beständig behalte. Nun, die Vernunft wird sie nur le.chr fassen, wenn sie einfach sind, wenn sie alle Zweydeutigkeit oder Trugsähe entfernen : und sie wird sie nur beständig bHalten, . wenn ihre Deutlichkeit die Verbindung mit den Grundwahrheiten und den ersten Grundsätzen zeiget. Die Wahrheiten aus der Geschichte können und sollen nicht eher angenommermverden, als man unumstößliche Be, weift und Zeugnisse aufbringt, daß die Sache, die mau für wahr ausgiebt, in der Thal geschehen sey. Der Wrrth der Zeugnisse wird aus der Eigenschaft der Zeugen geschloffen. Was einförmig von Menschen bezeuget wird, derer Weisheit und Redlichkeit bekannt ist, die im Stande gewesen sind zu untersuchen und zu urtheilen, die keine andere Absicht und keinen Nutzen bey ihrer Aussage gehabt haben, als die Liebe zur Wahrheit; was von Menschen von dieser Gemürhsart bezeuget wird, soll für unumstößlich wahr gehalten werden. Was aber von unbekannten, herumschweifenden Leuten be, zeuger wird, die voll Leidenschaften, Eigennützen, oder aus Mehrern Absichten verdächtig sind; das wird ein vernünftiger Mann niemals für eine Wahrheit aufnehmm. Nachdem wir erkläret haben, was die Venmnik fty; nachdem wir die Gegenstände vocgestellet haben, woran dis Vernunft geüb et werden kann: laßt uns iho fthen, wie sie in der Erforschung und Untersuchung der Wahrheit Zu Wer, ke gehen solle. II. Band. Pp Erster 594 Vernunft. Erster Satz. Gleichwie es Wahrheiten von verschiedenen Arten giebt, also hat auch die Vernunft verschiedene Wege, um zu der Erkenntnis dieser Wahrheiten zu gelangen. Es giebt Wahrheiten, die im Vermögen des menschli, chm Verstandes bestehen; es giebt welche, die dem Glau, ben des Menschen vorgestellt werden; es giebt einige aus der Erfahrung; endlich giebt es andere, von denen er nur durch seine Sinne unterrichtet werben kann. Es ist augenscheinlich, daß unter diesen Gattungen der Wahrheiten keine ist, zu deren Erkenntniß der Mensch nicht gelangen könnte. Aber sie Mittel oder Wege, um vahm zu gelangen, sind nicht einerley, und können nicht einerley seym Die Wahrheiten, welche im Vermögen des menschlichen Verstandes bestehen, können nur durch das Mittel der Ver, nunftschlüss? erkannt werden. Dergleichen sind die verstände lrchen, geometrischen, physischen, und sittlichen Wahrheiten. Man kann sie nicht anders erkennen, als da man die Ans, drücke und die Begriffe, worunter sie vorgesiellt werden, vergleicht; da man ihre Verbindung mit den ersten Grundsäßen begreift, und die Erkenntniß erlanget, daß sie wirklich in jenen ersten Grundsätzen enthalten seyn, von denen Niemanden ein Zweifel zu Sinne kömmt. Die Wahrheiten, die unserm Glauben vorgesiellet wer, den, sind jene, die man nicht kraft der Vernunftschlüsse, son, dem auf das Ansehen der Zeugen annimmt, welche dekräft tigen, daß eine Sache geschehen fty, daß sie da sey, oder daß si- >tz >«tz >jlk! öd- «d - ß! ij? Vernunft. 595 sie wirklich da gewesen sey. Diese Gattung von Wahrheit ist im bürgerlichen Lehen und in der Religion nicht weniger wichtig, als die Wahrheiten aus dem Verstände. Har der Kö, „ig so ein Gesetz gemacht? hat Gott so ein Geheimniß ge- offenbaret ? ist dieser oder jener Mensch der Besitzer von dieser oder jener Herrschaft ? Dicß sind Wahrheiten, die man aus Vcrnunstschlüssen, und aus der Zergliederung der Begriffe nicht erkennt, sondern aus dein Ansehen der Zeugen, der glaub, würdigen Urkunden, der öffentlichen Denkmäler, und alles dessen, was die Gewißheit von einer Sache versichern kann. Gleichwie es Höchst unvernünftig wäre, den Beweis einer metaphysischen Wahrheit aus dem Ansehen der Urkunden und Zeugen anzugreisen; also wäre es eben so ungeschickt, wenn man die Wahrheiten, die geschehen sind, aus Vernunftschlüs, sen und ans der Grunderklarnng beweisen wollte. Dis Beschaffenheit dieser verschiedenen Gattungen von Wahrheiten rrfodert nothwendig ganz verschiedene Arten von Beweisen. Der Beyfall der Vernunft zu Len Wahrheiten von der ersten Gattung heißt: Wissenschaft; und der Beyfall der Vernunft zu den Wahrheiten von der zweyten Gattung heißt: Glau, den. Nun, der Glauben ist im bürgerlichen, im Sittli, chen, und in der Religion eben so wesentlich, und machet «inen eben so unumstößlichen Grundsatz aus, als die Wissen, schast: und man müßte Leute, die keine Wahrheiten zulassen wollten, welche nicht aus der Erklärung und den Vernunft, Müssen bewiesen wären, für die gefährlichsten aus allen Menschen halten. Dis Wahrheiten aus der Erfahrung sind jene, die wir aus der Erfahrung und dem inner» Gefühle erkennen. Ich lebe; ich fühle; ich bin frey: Ließ sind Wahrheiten, die inan Pp r nicht 596 Vernunft. nicht beweist. Wenn sie Jemand anfechten wollte, müßte man ihn, anstatt aller Antwort, ins Tollhaus schicken. « Die Wahrheiten, welche wir durch die Sinne erkennen, sind jene, die sich aufden Eindruck beziehen, den die Kör« per durch ihre Handlung und ihre Eigenschaften aufuns wir« ken. Diese Wahrheiten nehmen keine Gattung der Beweise an, die wir für die übrigen angedeutet haben. Weder durch Vernunftschlüsse, noch durch Zeugschaften urcheilen wir von der Hitze, von der Kälte, von der Süße, von der Bitter, keit, und von dem verschiedenen Eindrücke, den die Körper auf unsre Sinne machen. Die Vernunft nimmt in allen diesen Dingen keinen andern Richter an , als die persönliche Empfindung. Hier sieht man die verschiedenen Gattungen der Wahr, Heiken, welche im Vermögen der Vernunft bestehen, und die Wege, wonach man sich kehren soll, um zu ihrer Erkennt, niß zu gelangen: und daraus soll man folgende Schlüsse ziehen. Erster Schluß. In der Erforschung und Untersuchung der Wahrheit, will die Vernunft, daß wir die Wege ergreifen, welche den verschiedenen Gattungen der Wahrheiten, die wir untersuchen, eigen und angemessen sind. Also muß man die Wahrheiten im Verstände nur durch Vernunftschlüsse, die Wahrheiten aus der Geschichte nur durch das Ansehen der Zeugnisse, die Wahrheiten aus der Erfahrung nur durch die Empfindung ^ erforschen. Außerdem weicht man von der Vorschrift der richtigen Vernunft ab. Und deßhalben fraget man: Da je, ne Philosophen, die wider die Religion zu Felde ziehen, ohn Unterlaß die verständlichen und metaphysischen Wahrheiten den iilh, Vernunft. 597 den Wahrheiten der Offenbarung , welche geschehene Wahr, Heiken sind, entgegensetzen, und verlangen, daß man ihnen diese verschiedenen Gattungen Wahrheiten auf eine und dieselbe Arc beweise; gehen sie wohl in diesem Stücke dem Wege der richtigen Vernunft nach ? , Zweyter Schluß. Es wäre gleich unvernünftig, für Wahrheiten aus der Geschichte metaphysische Beweise zu begehren, als es unvernünftig wäre, zu verlangen, daß die Augen vom Klange, oder die Ohren von den Farben urtheilen sollten. Auf glei, che Weise wäre es unvernünftig, wenn man die Gewißheit geschehener Dinge nicht annehmen wollte, weil sie nicht metaphysisch bewiesen sind. Dritter Schluß. Was immer für kahle Ausflüchten der Eigensinn und die Leidenfchaft vorwenden mögen, so wird doch eine richtige Vernunft den geschehenen Wahrheiten, die so bewiesen sind, wie wir es fodern, eben so stark beypflichren, als den Wahr, Heiken, die metaphysisch bewiesen werden. Hat es einen Zesuin Christum, den Urheber und Stifter der christlichen Religion, gegeben, der durch seine Tugenden, seine Lehre, und seine Werke wunderwürdig war? Dreß ist eine geschehene Sache, woran man eben so wenig zweifeln darf, als man zweifeln dürfte, daß zwey und zwcy vier ausmachen. Fürwahr, was von tausend und tausend Zeugen, vonFceun den und F inden, von parkeylichen und unparteylichen Personen erkannt und bestätiget; was durch die »«verwerflichsten, ältesten, öffentlichen Denkmäler, die noch vorhanden sind, bezeuget wird; was nvthwendig mit allem, so den Grund P p z der 593 Vernunft, der gesellschaftlichen Ordnung ausmachet, zusammenhängt: das kann eben so unmöglich falsch scyn, als es unmöglich ist, daß ein Ganzes nicht größer sey, als einer seiner TsM. Nur dis Philosophen nach der Mode können darüber Ausflüchten suchen: und worauf zielen ihre Ausflüchten ? Vierter Schluß. - Die berühmtesten Widersacher der Religion achten wenig auf die Beweise geschehener Dinge, die ihre Wahrheit an den Tag legen; aber ste häufen ohne Scheue die unsichersten und verdächtigsten Begebenheiten, sobald ste wider die Religion sind. Gleichwohl singen sie uns hochinüthig, daß sie nichts für sicher und wahr annehmen, als was ihnen ihre eingebildete Vernunft entdecket. Kann man auf ihre Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ein vieles trauen? oder zeigen sie in ihrer Art zu schließen viele Richtigkeit? Zweyter Satz. Man kann in der Erforschung und Untersuchung der Wahrheit nicht sicher zu Werke gehen, wenn man zu dieser Erforschung und Untersuchung keine redliche Vernunft brauchet. Beweis des Satzes. Man kann in der Erforschung und Untersuchung der Wahrheit nicht sicher zu Werke gehen, wenn man nicht die Hindernisse aus dem Wege räumet, welche verhindern würden, sie zu stüdm und zu erkennen. Nun aber, nur eine redliche Vernunft kann diese Him dernisse entfernen. Folglich kann man nur mit einer redlichen Vernunft in der Erforschung und Untersuchung der Wahrheit sicher zu Werke gehen. D«, »w Der I ß, .tz r zs ISSN »!> D? !- < Vektttlnft. sss Der Vernunftfchlnß ist ganz einfach und deutlich: es kömmt nur darauf an, alle Folgen davon merklich zu mar chm. Zn diesem Ende darf man nnr erklären, w Ms, L-iz »tzz Vernunft. soz ^ natürlichen Wahrheiten erkennen und begreifen. Wir be, gehren nichts, und können nichts begehren, als die überzm« ^ genden Beweise der Offenbarung zu kennen, worauf sie ge. H gründet sind. Wir glauben diese Wahrheiten nur auf das ^ Wort Gottes; aber durch die Vernunft erkennen wir, daß Gott wahrhaftig geredet hak. Nun, die Vernunft kann uns ^ in dieser Art von Untersuchung eben so wenig zum Icrkhume verleiten, als selbst in der Untersuchung natürlicher Wahr, ^ heiten. Sie kann uns bis zur Pforte des Heiligshums füh, ren, und führet uns wirklich sicher dahin. Aber dort läßt xjtz. sie uns stehen, und saget uns nichts anders mehr, als: weil ^ Golk geredet hat, müsse man schweigen, sich unterwerfen, und anbethen. M Hier ist dann der erste Theil des Satzes zum Genügen ich bewiesen; nämlich, daß die Vernunft, wenn sie redlich, und von Leidenschaften und Vorurtheilen befreyet ist, uns niemals ^ zum Jrrthume verleite. ^ Der zweyte Theil, nämlich, daß der Vernunftschluß uns oft zum Jrrthume verleite, läßt sich auf eine noch fühl, K barere und begreiflichere Art beweisen. «ß Jedermann gesteht, daß es sichere Vorschriften giebk, B um auf eine richtige und bindige Weise zu schließen: aber ^ man weiß auch, daß es viele Leute giebt, die sich derselben nicht allzu gut zu gebrauchen wissen; daß es andere giebt, ^ die sich ihrer gut zu gebrauchen wüßten, aber es nicht thun wollen; daß es mehrere giebt, bey denen die Einbildung die ^ einzige Vorschrift aller Urtheile ist; daß es endlich welche ^ giebt, die nur de» Leidenschaften zum Besten reden können. ^ Dieß vorausgesetzt, muß man nicht erstaunen, daß der T-rr, nunftschluß uns zum Jrrthume verleiten könne. Man 624 Vernunft. Man darf nicht wundern, daß man in den Werken ge, wisser Schriftsteller so viele Vernunftfchlüsse antrifft, von denen manche zweydemig, falsch, und geschickter zu verführen, als zu beleuchten: andere lächerlich, elend, ungereimt sind, die nichts als Verachtung, oder Unwillen verdienen. Vor mehr als achtzehn hundert Jahren hat Cicero schon gesagt: „ Fürwahr, ich weiß nicht, wie es komme, daß aus allen Ungereimtheiten, die einem Menschen zu Sinne kommen können, keine ist, welche nicht von einem Philosophen „ auf die Bahne gebracht oder verrheidiget worden wäre,,. *8eä ne5Lio, «guomocko nikil tam ablurcke 6ici potest, «i HZ! Vernunft. 607 ,^ Es ist kein vernünftiger Mensch, der nicht mit Verguss, gen den Vordersatz zugäbe; und die Philosophen , auch die zum schweresten nachgeben, werden ihn müssen hmgchen lassen. Es kömmt also nur darauf an, denMittersatz zu ft. beweisen, und aus einander zu legen: und dieses wollen wir ^ mit aller möglichen Deutlichkeit und Kürze chun, ob es ^ schon nothmendig eins umständliche Erklärung erfodert. Die christliche Religion ist gestiftet worden, um alle ^ Menschen von jede!» Alter, von jedem Stande, Große und ft, Kleine, Gelehrte und Unwissende, erhabne Genien, nuttel, > mäßige Geister, ja sogar Leute vom schwächeften Verstände, für Gott zu bilden, und Gottes würdig zu machen. Der Unterschied in der Fähigkeit, Einsicht, und Scharf,mnigkert ft, machet nichts aus, in einer Religion, welche nichts als eine A, redliche Seele, ein reines Herz, eine aufrichtige und groß- ^ mükhrge Liebe zur Tugend fodert. Nun aber, die Weise, ^ womit man die Wahrheiten der Religion ansleget, vor- ^ trägt, und beweist. ist höchst vernünftig, sowohl in Absicht auf jene, die nicht iin Stande wären zu untersuchen, und aus sich selbst zn urrheilen, als in Absicht auf diejenigen, j welche im Stande wär en, und das Recht hätten, es zu thun. !, Wir wollen die zween Thsile des Mittersaßeö beweisen. ^ Beweis des°ersten Theiles. e Um die Menschen für Gott zu bilden, stellet ihnen die Religion, allen einförmig, ihre Lehrsätze und ihre Gebcthe vor, wovon der kurze Begriff in den Giaubensformeln oder ^ Bekenntnissen, und in den zehn Gebothen enthalten ist, die ^ man sonst die Geboche Goires nennt, und welchen etliche btygesehet werden, die von der Kirche gemacht worden sind, i Die, 628 ^ Vernunft. Dieser kurze Begriff der Glaubenslehre befindet sich in jenen Büchern, die man Rathechismus heißt, und welche ganz einfach, deutlich, und kurz erklären, was in den zehn Ge« bothen und den Glaubensformeln enthalten ist. Diese Art, die Wahrheit zu lehren, ist für das zarte Alter zulänglich, in welchem der Mensch nicht anders unter, wiesen werden kann, als daß er die Lehren, welche ihm seine Lehrmeister geben, willig anhöret; und zu dieser Arr allein ist dasselbe Alter fähig, weil die Vernunft noch nicht genug gebildet ist, um aus sich selbst belehret zu werden, zu unter, suchen, und zu urtheilen. Diese Art ist auch für Leute genüglich, welche ihr Stand oder ihre Verrichtungen nicht die nochrvendige Zeit auf die Untersuchung dieser Wahrheiten wenden lassen; für Leute, die weder die Wissenschaften, noch die Bücher, noch sonst et, was kennen, das die Beurtheilung schärfen, und den Ver> stand zieren mag; die in der christlichen Gemeine nichts an, ders sind, als was ein gemeiner Soldat im Kriegsheere ist. Gleichwie der gemeine Soldat weiß, daß er thun muß, was ihm sein Hauplmann saget; daß sein Hauptmann die Besch, le vom Feldherrn, und der Feldherr vom Könige empfängt: also wissen die Christen, von denen wir reden, daß sie sich nach ihrem Pfarrer richten müssen; daß ihr Pfarrer nicht- anders lehret, als was der Bischof lehret; daß der Bischof im Glauben mit dem Papste einstimmt, welcher das Haupt der ganzen Religion ist. Sie wissen dann, daß jenes, was man sie lehret, die Lehre der ganzen christlichen Kirche ist; und sie leben ruhig und sicher. Diese Grundlehren, welche wesentlich sind, weil sie alle Wahrheiten der Religion in sich enthalten, werden noch weit, ü>>»! «M, Ätz A >il! «in iß! P' jB »- Vernunft- ca- Weitläufiger erkläret und erläutert in jenen Unterweisungen, die man an den Tagen Hält, welche zum Gottesdienste vorzüglich gewidmet sind. Dort trägt man einen THeil der Be, weise vor; man ermahnet, man muntert zur Ehrerbiethung und Liebe dieser Wahrheiten auf; man zieht die nothwendi, gen Kenntnisse daraus, um die Pflichten der Religion und der Gesellschaft zu ordnen: und ein jeder kann, nach seiner Einsicht und seinem Verstände, diese Beweise und diese Fol, gen begreifen, und sich zu Nutzen machen. Beweis des zweyten Theiles. Da die christliche Gemeine einen großen Körper ausmachet, der aus einer Menge verschiedener Glieder besteht; hat Gott verordnet, daß in dieser Gemeine, die wir Kirche nennen, verschiedene Stände und verschiedene Verrichtungen für die verschiedenen Glieder seyn sollen, woraus sie besteht. Alle können nicht Apostel, Bischöfe, Lehrer, oder mit außer, ordentlichen Gaben versehene Leute seyn, wie der heilige Paul * anmerket. Die Bedürfnisse, und der norhwendige Dienst der bürgerlichen Gesellschaft würden es nicht gestatten. Nur ganz wenige sind zu diesen herrlichen Vorzügen und zu diesen wichtigen Verrichtungen bestimmet. Diese vorzüglichen Glieder der christlichen Gemeine sind verpflichtet, die Wahrheiten der Religion mit mehr Sorgfalt zu betrachten und zu ergründen; ihre Gründlichkeit und Heiligkeit kennbar zu machen; die Beweise davon anzugeben, und in ihren Unterweisungen mündlich oder schriftlich den Glau» i. Korinth. XU. II. Band. A' 6ia Vernunft. Gläubigen mitzucheilen; ihr Sicht, ihre Führe?, ihre Lehr, Meister zu ftyn : indessen daß die Gläubigen sich genügen, mir einen, herzhaften Gehorsame die Pflichten zu erfüllen, welche die Vorsehung ihnen ausgeleger hat. Diese vorzüglichen Glieder der christlichen Gemeine ge, ben von den Wahrheiten der Religion die gründlichsten, die klärestm Unterweisungen, die zum fähigsten sind, einen Men« schen, welcher nur der reinen Vernunft Gehör giebt/ zufrie, den zu stellen. Und man sehe, wie sie in diesen Unterweisungen zu Werke gehen. Erstlich erklären sie, daß sie nichts aus sich sechsten sagen , oder sagen dörftn; daß sie nur die Verwahrer der Wahrheit sind, und die Pflicht haben, dieselbe also vorzutragen , wie sie von ihren Vorfahren auf sie gekommen ist; daß man in der Religion, nach dem Grundsätze des großen Papsts und Märtyrers, des heiligen Stephans, nichts Neues vortragen darf, und daß die Lehre in der Kirche nur eine Uebergabe, oder Mittheilung eben derselben Wahrheiten seyn soll, welche im Anfänge gelchrer und empfangen worden sind. 'IM innovetur; nili iguoä traöitum eii. Die Lehre in der Kirche geht dann bis an die Apostel, und fvl, glich bis an Jesum Christum, den Ursprung aller Wahrheit, selbst zurück. Nun, Jesus entdecket seinen Aposteln, daß er ihnen alles geoffenbaret habe, was er von seinem Vater vernommen har: * Omnia, hua-Lum^ve suRvi a statre meo, nota keci vobis; und daß der heilige Geist, den er ihnen senden wolle, sie alles lehren und ihnen alles eingeben werde, was er ihnen gesagtt Hakte: ** Ille vo8 clocebit omnia, L i'uZ§eret vobis omnia, HnsecumHue öixero voliis. «i Pli» hl,S »Ile» ^ Joh. XV. " Ebmd. XIV. Vernunft. 6n vobis. Dieß ist der Anfang, und der Gegenstand ihrer Lehre. Finder die Vernunft hier etwas anstößiges und un, schickliches darunter? Nachmals sagen sie, daß unter den Wahrheiten, die sie zu lehren verpflichtet sind, einige die Gegenstände unferS Glaubens ausmachen, andere uns zum Lichte und zur Lei, tung dienen müssen, um unfern Wandel und unsre Lebensart zu ordnen; und die reine Vernunft findet keine Beschwerniß, jede dieser Wahrheiten anzunehmen. Jene, welche den Gegenstand des Glaubens ausmachen, sind die Geheimnisse; das ist, die unerforschlichen Abgründe der Wesenheit Gottes, seiner göttlichen Vollkommenheiten, seiner ewigen Rachschlüsse, die wir nur aus der Offenba, rung erkennen, und nur aus der Offenbarung zu erkennen oer, mögen. In diesem Stücke gestehen die Bischöfe, die Lehrer , und alle jene, die in der Kirche die Pflicht haben zu lehren und zu unterweisen, daß auch sie diese Geheimnisse an, ^ belhen, ohne sie zu begreifen; und daß sie dieselben nicht begreifen, weil sie über die menschliche Vernunft erhaben, weil sie in der Wesenheit Gottes selbsten ^!nd, welcher eben darum, weil er unendlich ist, nochwendig für jeden erschaffenen und endlichen Verstand unbegreiflich seyn muß. Sie sagen dann, daß der Gegenstand der Untersuchungen der Vernunft nicht seyn soll, diese Geheimnisse zu begreifen, weil man dadurch zwey widersprechende Dinge zugleich ver, langte, nämlich zu begreifen, was nach seiner Wesenheit unbegreiflich ist. Aber die Vernunft, sagen sie ferner, har das Recht überzeugende Beweise zu verlangen und zu fodern, daß diese Geheimnisse geossenbaret worden, daß sie auf das Wort Gottes gegründet, daß sie wahr? Aussprüche seyn, die «rr Vernunft. ^ vom Himmel gekommen sind. Die Vernunft kann nichts weiter fodern: und die Vernunft ist dann zufrieden, wenn man ihr giebt, was sie fodert. Nun eben in diesem Stücke nehmen sich die christlichen Lehrer wahrhaftig aus. Sie zeigen uns mit der äußersten Augenschcinlichkeit, daß jene Aussprüche in Büchern enthalten sind, die unstreitig von Gotte kommen; daß sie mit dem Blute etlicher Millionen Märtyrer besiegelt, daß sie durch so rührende Wunder bewiesen worden sind, daß die Feinde des Christenthumeö selbst sie gestehen mußten. Sie zeigen uns, daß der Glauben dieser Aussprüche allein die Aus« schweifungen und den Gräuel des Götzendienste vernichtet; daß er der Welt das Schauwunder der heldenmürhigsten und erhabensten Tugenden vor Augen gestcllet; daß er eine An, ständigkeit in den Sitten hervorgebrachr hat, die ganz unbe, kaum war, ehe die Welt christlich wurde; daß endlich die Offenbarung dieser Aussprüche die wichtigsten, höchsten, rei, " zendsten Begriffs von der Gottheit, und die wahre Erkennt» niß von der Hoheit des Menschen, von seiner Bestimmung, seinm Pflichten, seinen größesten Angelegenheiten, und von dem, was in der Ewigkeit für die Tugend und das Laster be« reitet ist, dem Menschen beygebracht hat. Was mag eine redliche Seele fühlen, die ihrer Vernunft aufmerksam Gehör giebt,und den Werth der Wahrheit kennet, wann man ihr die hellleuchtende Erklärung dieser rührenden Erweisungen verträgt? Wird sie dann Anstand nehmen, wird sie eine Beschwerniß finden, die Aussprüche der Gott« heit zu erkennen und anzubethen? Die praktischen Wahrheiten, welche unserm Wandel und unsrer Lebensart zur Richtschnur dienen sollen, sind in den zehn Bi » Jams jik, Hl, Vernunft. 6iz zehn Gebothen enthalten, welche das schönste Gesetzbuch, / oder vielmehr den vollkommensten Auszug des natürlichen Gesetzes ausmachen, und in denen die Vernunft die Grund, sätze aller Pflichten antrifft, wozu wir gegen Gott, gegen den Nächsten, und gegen uns selbsten verbunden sind, um uns für jenen würdig zu erhalten, dessen Macht, Weisheit, und Liebe uns eine glorwürdige Unsterblichkeit bestimmet. Wir reden hier nichts von dem, was in der Kirche von den gottseligen Uebungen und Beobachtungen gelehret wird: es ist im Artikel: Gottesdienst, zum Genügen davon gehandelt worden. Wir haben in unserm Satze vorgetragen, daß nichts der Vernunft gleichförmiger sey, als die Weise, womit man die Wahrheiten der Religion ausleget und beweist. Wir haben gesaget, daß durch diese Weise alle jene, die daran Theil haben, eine zulängliche Kenntriiß davon erlangen, und auch zugleich diejenigen zufrieden gestellet werden, welche im Stan, de sind, und das Recht haben, zu untersuchen und zu urrhei, len. Wir glauben nicht, daß ein vernünftiger Mensch deutlichere und überzeugendere Beweise verlangen könne, als wir in unsrer Erklärung herbeygebracht haben. Wir haben also den Endzweck erreichet, den wir uns in diesem Artikel ^ Vorgesetzer haben: nämlich zu beweisen, daß die Vernunft und die Religion sich einander niemals im Wege stehen; sondern daß im Gegensätze die Vernunft, dafern sie redlich, von Vorurtheilen befreyet ist, und über die Leidenschaften Herr, schet, wie sie herrschen soll, uns selbsten leitet, die Wahrheiten der Religion mit Ehrerbiethung und Liebe anzubethen. Durch die Grundsätze, die wir hier bestätiget haben, sind schon vorhinein alle Trugschlüsse widerleget, welche uns Q g Z die 614 Vernunft. -- die vorgeblichen Verkheidiger der Vernunft auftverftn. Dev, noch wollen wir noch erliche vortragen, damit für den Leser nichts ermangeln möge, und damit er die vollständigsten Er, lämrungen erlange. Zweyter Artikel. Cinwürfe etlicher Philosophen wider die vorhergehenden Sätze. > I. ^ ^>eißt es nicht die Ungereimtheit und die Tyrannei bis zum Uebermaaße treiben, wenn man ver- langet, wie es die Pfaffen thun, daß man sich nach Vorschriften, welche man brauchet, um zur Erforschung der Wahrheit in allen Wissenschaften zu gelangen, nicht richten dürfe, wann von der Religion die Rede ist? * * Verleumdungen und Widersprüche: dieß bringt der unsinnige Schwärmer in seinem Einwurfe vor. Verleumdungen: Wir haben in unfern vier Säßen gezeiget, was für Vorschriften man in der Kirche gebrauchet, und gebrauchen soll , sowohl um zur Erkenntniß der Wahrheit zu gelangen, als um die Wahrheit zu kehren. Widersprüche: weil er hier bekräftiget, mau richte sich in der Kirche nach keiner Vorschrift, um die Wahrheit zu finden; und im ersten Ka< pitel seines hißigen Geschwatzes'gesteht er, daß man unter den Christen predige, man müsse sich vor den falschen Propheten hüten; man müsse Acht haben, daß man nicht verführet werde; und der heilige Paul sage uns, man müsse alles untersuchen, alles erforschen. Sich wider, * Phil. Rriegsm. 6. Rap. Vernunft. 615 versprechen ist das gemeine Loos derjenigen, die wider die Wahrheit streiten. / II. Es ist eine Arglist, welche sich für die Schelmen gut schicket, die sie ersonnen haben, daß man ohn Unterlaß ausruft: Man muß sich Gotte Unterwerfen: dem mensch, lichsn Verstände steht es nicht zu, den Willen des Ewigen zu erforschen, seine Macht einzuschänken, noch weniger, die Rachschlüffe seiner Weisheit zu ergründen. Man muß blind gehorchen, U. s. w. Dreß ist die Frage nicht. Man zweifelt nickt an allen diesen Dingen. Der Zweifel fällt nicht auf den Gehorsam; er fällt auf das Gcboth. * » * Aber, mein Herr Plauderer! wenn es wahr ist, daß man sich Gotte unterwerfen muß, daß es dem menschlichen Verstände nicht zustehr, den Willen des Ewigen zu erforschen, u. f. w. warum sagen Sie, diese Säße seyn nur Arglist, welche Schelmen ersonnen haben? Wenn es wahr ist, daß es Fälle giebt, wo man blind gehorchen soll, und wenn daran Niemand zweifelt; warum sagen Sie im folgenden Kapitel: Ls ist eine Ausschweifung, die Vernunft zu ersticken, und sie in eben diesen Fallen für blind gelten zu lassen? Mein Herr Schlußredner, mit Ihren überzeugenden Gründen! werden Sie doch mit sich sechsten einig. Die übrigen Einwürfe, die man beybringen kann, stehen in den Artikeln: Geheimnisse, Gewißheit, Glauben, Offenbarung. O. q 4 XllX. X^IX 6l 6 Vorurtheile. ^>as Vorurtheil ist eine Meynung, welcher man bey, pflichret, ohne daß man durch zulängliche Beweise dazu berechtiget wäre; das ist, durch Beweise, die eine ernst, hafte Untersuchung aushallen, und die Vernunft zufrieden stellet, könnten. . Die Unwissenheit, die Fehler der Erziehung, der Man, gel der Ueberlegung, und die Leidenschaften, sind die vornehmsten Quellen der Vorurtheile; das Jrrthum, und die Starrsinnigkeit im Jrrlhume sind zum öftesten die Frucht davon. Aber, gleichwie es unter den Irrthümern welche giebt, die von keiner Wichtigkeit sind, und wie es auch andere giebt, die höchst gefährlich und schädlich seyn mögen; also giebt es auch Vorurtheile von verschiedenen Gattungen. Es giebt manche, die man für ziemlich gleichgültig halten kann; es gtebr schändliche Vorurtheile, die nichts weiter als Beschämung verdienen; es giebt sehr gefährliche Vorurtheile, die man nicht genug verabscheuen kann. Die Philosophen und die Ungläubigen rühmen sich hoch- müthig, daß sie nur vom reinsten Lichte der Vernunft sich leiten lassen; sie geben sich ohne Scheue für Männer aus, die über alle Vorurtheile hinweg sind; sie werfen den Christen vor, daß sie in vielen Dingen, welche die Religion betreffen, verächtliche Sklaven der Vorurtheile seyn. Die Sache ist wichtig genug, eine achtsame Untersuchung zu verdienen: und diese sind wir Vorhabens anzustellen, nachdem wir die versch edenen Gattungen der Vorurtheile, die man hier s PH W j'« «4 KL A h ß! « ß Sk! - i Vorurtheile. 617 hier anzeigte, «in Bißchen ausführlicher werden erkläret haben. Erster Artikel. Verschiedene Gattungen der Vorurtheile. Gleichgültige Vorurtheile. ^ene Vorurtheile heißt man gleichgültig, die weder der ^ Vernunft, noch den Sitten, noch dem Besten der Gesellschaft schaden können. Also, wenn es Leute giebt, welche glauben, daß die Sonne sich um die Erde herumwälze, so ist ihr Vorurtheil sehr gleichgültig. Man kann ein eben so ehrlicher Mann, und ein eben so guter Christ seyn, da man das System der alten Sternkundigen gelten läßt, als da man das neue System annimmt, ob gleich dieses neue die Erklärung von dem Laufe der Planeten besser erleichtert. Wenn redliche Seelen, die aber mehr Frömmigkeit als Einsicht besitzen, gewissen Wunderthaten, oder gewissen außerordentlichen Begebenheiten, die irgend in einer Legende stehen, Glauben beymessen, obgleich diese Wunderthaten und diese Begebenheiten nicht recht bewiesen sind; so ist es auch ein sehr gleichgültiges Vorurtheil, weil es weder der Religion , noch den guten Sitten schaden kann. Wenn gewisse Physiker allenthalben die Anziehung Newtons gewahr werden; wenn andere alles durch die Wir, bei von Descartes erklären, die erstlich MaUebranche, und nachmals privat von Moliere vollkommener auögeführet haben; so ist zu beyden Seiten nichts erwiesen: es ist dann ein Vorurtheil; aber dieses Vorurtheil ist für die Gesellschaft ziemlich gleichgültig. Qq 5 Schänd- 6l8 Vorurcheile. Schändliche Vorcirtheile. Man soll jene Vorurcheile für die schändlichsten haken, welche zum wenigsten Einsicht und B-mcheilung vmaihen, und welche den Beleuchtungen der gesunden Vernunft zum meisten widerstreben. Nun, unter diese Vorurcheile darf man Eines rechnen, das heut zu Tage sehr gemein und sehr aus, gebreitet ist; ich mcyne das Vomrcheil, nach welchem man glaubet, daß die Vernunft und die Wahrheit allezeit auf der Seite der sogenannten Philosophen unserer Zeiten stehen. Diests Vorurrheil ist sehr gemein: deßhalben liest man mit so großem Eifer und Vergnügen alles, was aus ihrer Feder Ummt; und cs ist zugleich recht schändlich: denn die meisten jener so gepriesenen Schriften können nicht den mindesten Versteh der Kritik, oder die mindeste Untersuchung ans, halten, die nur ein Bißchen überleget und vernünftig wäre. Man lobet, und rühmet sie dann nur aus Vorurcheile so gewaltig. Es ist keine Frage, daß dieses Vorurrheil schändlich und entehrend sey. Gefährliche und schädliche Vorurcheile. Man vernehme nur die Philosophen wieder. Sie werden unaufhörlich sagen, daß diese Zeiten die Zeiten der Ver, nunft und der Einsicht seyn; daß man zuvor nicht gewußt, oder nicht gewaget habe, zu denken; und daß die Philosophie, da sie endlich die Welt anfklärer, alle Finsimüß zerstreuet, die Vernunft in alle ihre Rechte emgesetzek, und dadurch dem ganzen menschlichen Geschlechts die kostbarsten Dienste geleistet habe. Nach diesen vertheilhaften Meynungen eignen sie der Vernunft das ausschließende Recht zu, alles zu entscheiden, was M P,! hm hm! iili« »,«!>! - ^>«1 X il lß' » Vorurteile. 619 was die Religion betrifft: der Prüfung und Bmrtheilung ler Vernunft allein unterwerfen sie mit stolzem Tone die Offenbarung, und alle Gegenstände, die uns die Offenbarung vor trägt; als ob die Aussichten der Vernunft eben so ausgcbrsitet, als die göttlichen Aussichten, wären, und ob die menschlichen Gedanken eben so sicher, als das ttn- ttügliche Wort Gottes, seyn könnten. Man fühlet Augenblicks den ganzen Gräuel, und alle Ungereimtheit von solchen Grundsähen; man fasset leicht, daß alle Leidenschaften sich beeifern werden, dieselben anzu- nehmen, daß di§ abscheulichsten Ausschweifungen daraus ent. siehm müssen, und daß die Vernunft sich allezeit davor ent, sehen werde. Gleichwohl laust die ganze neuartige Philo, sophie auf diese schönen Grundsätze hinaus. Soll man diese Grundsätze für Vorurrheile ansehen ? oder kann man ge, jährlichere und schädlichere Vorurrheile denken? Nachdem wir von den Vorurtheilen diese Begriffe und Erklärungen angegeben haben, die uns nothwendig schienen, wollen wir zur Untersuchung der großen Frage schreiten ; nämlich: Was für Leute lassen sich in Religronssa- chen von den Vorurtheilen zum meisten blenden und verführen? Sind es Christen, welche die Religion in Ehren hal ten, und sich derselben unterwerfen, ober Philosophen und Ungläubige, die so viel daran zu schmähen und zu tadeln finden? Die folgenden Gespräche, worinnen ein Christ und ein junger Philosoph über diese Sache streiten, werden den Leser in den Stand sehen, die Frage zu entscheiden. !« Zwey- 62 O Vorurtheile. Zweyter Artikel. Gespräche von den Vorurtheilen in Religionssachen. Erstes Gespräch. Der Philosoph. ie Christen haben Unrecht, wenn sie die Philosophen ' für Leute halten, die der Religion Feinde sind. Wir halten sie aufrichtig in Ehren ; wir verdammen nur, war ihre Remiqkeit verderbet; wir verwerfen und verachten nur, was ein eitel blindes Vorurtheil zum Grunde hat. Der Christ. . Die Philosophen haben Unrecht, wenn sie die Christen für Leute halten, welche Sklaven der Vorurtheile sind, und die Reinigkeit der Religion verderben, da sie ohn Unterschied schlecht gegründete Meynungen annehmen. Der Philosoph. Wie viele Dinge giebt es nicht , welche sie nur aus Vorurtheilen der Geburt und der Erziehung, und auf das Wort von Leuten annehmen, die nichts untersuchet hatten, und weder zu denken, noch zu überlegen wußten? Der Christ. Und wie viele Dinge giebt es nicht, welche Sie nur aus Vorurtheilen, die noch weit leichtsinniger sind, und auf dar Wort von Leuten verwerfen, die nichts so sehr scheueten, als wenn sie untersuchen und überlegen müßten? Der Philosoph. Die Christen glauben, weil man ihnen saget, sie müssen glauben; sie glauben ohne Untersuchung; es ist ihnen nicht einmal erlaubet, zu untersuchen. Sie glauben also nur aus Vorurtheilen. Der Vorurtheile./ 621 ' Der Christ. ^ Leute, welche die Religion niemals gelernet haben, oder ' welche sie nur aus Büchern kennen, die dawider streiken; Leute, welche sie auf das Aeußerste scheuen , weil sie die fürchterlichste Feindinn der Leidenschaften ist; Leute von die, litz ser Art können wohl von allem Vorurtheile nicht frey seyn. ^ Der Philosoph. ^ Wollen Sie von den Philosophen sprechen? ^ Der Christ. Ja, mein Herr! und ich halte die Philosophen und die > Ungläubigen für Leute, welche den gefährlichsten und zugleich ^ den schimpflichsten Vorurthsilen ergeben sind. «r ^ Der Philosoph. Wie! Sie getrauen Sich Männer, die nur allezeit nach dem Lichte der Vernunft wandeln, und die durch ihre Einsichten, ihre Kenntnisse, ihre Entdeckungen alle Tage ^ dem menschlichen Geschlechts die wesentlichsten Dienste lei. ^ sten; diese Männer getrauen Sie Sich für Leute voll Vor, § urtheilen anzugeben? ikl i!«t Der Christ. Wir mögen jene prächtigen Lobsprüche, und alle jene schöne Pralerey von philosophischen Talenten und Beleuch, tungen bsy Seite sehen: man findet dieses in allen Schar« teken nach der Mode beständig wiederholet; und es kömmt sehr vorurrheilig heraus. So viel im Vorbeygehen! Aber wir wollen zur Sache kommen. Mein Herr! Eö ist nichts leichter, als alle Vorwürfe von Vorurtheile« in Religionssachen, welche Die Philosophen den Christen machen, zu Boden zu legen; und nichts ist lkich.- 622 Vorurtheile. leichter, als die Philosophen zu überweisen , daß sie in diesem Stücke selbst in die schändlichsten Vorurtheile geca« then. Wir wollen zum Anfänge die Christen rechtfertigen, und zeigen. Laß sie in allen Dingen , die sie als Glaubens, sähe der Religion annehmen, allezeit auf die überzeugendsten Bewegurftrchen, oder auf Beweise gegründet sind, welchen man unmöglich etwas entgegensetzen kann, und daß sie folglich weit entfernet sind, aus Vorurtheile zu glauben. Der erste Glaubenssatz, welchen die Christen annehmen, ist der Lehrsatz von dem Daseyn eines Gottes ; das ist : eines höchsten Wesens, und einer ersten Grundursache von allem, was da ist. Der Philosoph. / O! dieß ist eine Wahrheit, die man nicht verneinen könnte, ohne sich zu entehren. Der Christ. Erlauben Sie, mein Herr! daß ich diesen Hauptbegriff, diesen ersten Glaubenssatz ein Bißchen erklären möge. Das höchste Wesen ist nothwendig, undaus sich selb» sten da, und es hat seyn Daseyn nur von sich sechsten em- pfangen. Dieses ist sonnenklar: denn außerdem wäre es das Höchste Wesen nicht mehr; es wäre nicht über alles erhaben. Weil es über alles erhaben, und die erste Grundursache von allem ist, muß es alle Vollkommenheiten besitzen, die sich für die Vortrefflichkeit seines Wesens schicken, und es muß sie in dem vollkommensten Grade besitzen; denn da es die erste Grundursache von allem ist, so ist nichts, und man begreift nichts, was seine Vollkommenheiten hätte be< schräm «» »j! K' «l Ü- - Dj K ü»' !l' ^ . Vorurtheise. 62z schränken können: und daraus schließen wir, daß seine Kenntmßund seine Einsichren sich über alles erstrecken, daß^ es sich ftlbsten vollkommen kennet, und daß es auf gleiche Miss alles kennt, was es erschaffen hak. Wir sagen: Es muß auf das Höchste heilig feyn; das ist: es muß die Ordnung, und alles, was die Ordnung erhält und belanget, unendlich lieben; es muß auch aus eben diesem Grunde alles, was der Ordnung widerstrebet, mis- billigen und verdammen. Es muß also die Tugend lieben, welche mit der Ordnung einstimmer, und das Laster hassen, daß dre Ordnung störet und umstürzet. Die Gerechtigkeit ist zu der Vortrefflichkeit seines We, sens eben so wesentlich, als die Heiligkeit. Die Gerechtigkeit muß also jedem Geschöpfe zutheilen, was ihm gebühret: sie muß dann die Tugend ehren und belohnen, das Laster richten, verdammen, und strafen. Und wenn wir oft in dieser Welt das Laster ungestraft, glücklich, und im Siege, die Tugend aber verlassen, oder verfolget sehen; so urrhcilen wir, daß jenes höchste und gerechteste Wesen sich eine andere Zeit Vorbehalte, um der Tugend und dem Laster zuzmheilen, was sie verdienet haben. Was sagen Sie zu dieser Reihe von Begriffen, wo, durch wir zu erkennen geben wollen, was Gott sey. Der Philosoph. Alle Philosophen werden diese herrlichen Begriffe von Gotte gelten lassen. Sie sind vom Finger Gottes sechsten in das Herz des Menschen geschrieben, und sie sind durchaus nothwendig, um die Gesellschaft zu leiten, und zu ver, binden. 624 Vormtheile. Der Christ. Sie gestehen also, daß in diesen Begriffen/welche die Christen von Gotte haben, kein Vorurtheil sey? Nun vernehmen Sie die Schlüsse, die sie in der Glaubenslehre daraus ziehen. Weil Gott das höchste Wesen und die erste Grundursache von allen Dingen ist, so sind ihm die Menschen Anbethung, Gehorsam, Dankbarkeit, und Liebe schuldig; und diese Pflich, ten erfüllen sie durch den Gottesdienst in der Religion. Weil Gott unendlich beleuchtet ist, so muß man glauben, daß er alles sieht, alles erkennt, auch die geheimsten Gedanken, Begierden, Empfindungen, die im Herzen des Menschen sind, und daß er entdecket, ob sie gut oder schlecht geordnet seyn. Weil er unendlich heilig ist, so urtheilen wir, daß er in uns liebet, was den Absichten seiner Heiligkeit entspricht, und daß er verwirft, was diesen Absichten widerstrebet. Weil er unendlich gerecht ist, so muß man schließen, daß keine Tugend unbelohnet, und kein Laster unbestraft bleiben werde. Weil seine Gerechtigkeit nicht allezeit in diesem Leben ihre Macht auf eine fühlbare Weise ausübet, so muß man es für einen ungezweifelten Glaubenssatz ansehen, daß ein zukünftiges Leben kommen werde, wo dieselbe Gerechtigkeit ihre Macht ausüben, und einem jeden zutheilen werde, war er verdienet hat. ^ Finden Sie diese Schlüffe richtig, mein Herr ? fließen sie nicht nothwendig aus den Glaubenssätzen, welche die Christen annehmen? Vorurtheile. 625 Der Philosoph. Mein! darinnen bestehen die Vorurtheile nicht, die man ihnen Schuld giebt. Der Christ. Sie gestehen dann alle jene Wahrheiten ein, die ich eben vorgerragsn habe? Sie gestehen dann alles ein, was den Grund der christlichen Religion ausmachet, und alles, was den Philosophen und den Ungläubigen in der christlichen Re« ligion zum meisten im Wege steht? Der Philosoph. Ich hake Ihnen schon gesagec: darinnen bestehen die Vorurtheile nicht. Denn das natürliche Gesetz lehret uns alle diese Glaubenssätze selbsten, wie es Herr Rousseau in seiner berühmten Glaubensbekenntniß * augenscheinlich vor die Augen leget. Der Christ. Wir wollen also zu andern Punkten schreiten, und sehen, ob man bessern Grund haben werde, den Christen Vorur- theile Schuld zu geben. Die Christen lassen eine Offenbarung zu; sie halten die Bücher des alten Bundes in Ehren, als Bücher, die vom heiligen Geiste eingegeben sind, und sie beweisen ihre Glaubwürdigkeit und ihre Göttlichkeit unumstößlich. Das neue Testament ist die Sammlung von der Lehre Jesu Christi, und von der Geschichte seines Lebens auf der Erde. Zwey Dinge können uns von dem Werehe dieses Buches überzeugen : die Bewunderung, die es in den rugendsamen Seelen erwecket, und das Schrecken, das es denen einjagct, die sich von R r - Emil. z. Band. II. Land» 6r6 Vorurtheile. von den Leidenschaften beherr schen lassen. Möchten Sie wohl die Ehrfvrchl, welche die Christen gegen diese geheiligten Bücher tragen, ein Vorurtheil Heißen? Sie glauben auch an die Wunderkhaten, die in eben diesen Büchern erzählet werden; sie glauben an die Wunder, werke der Apostel und mehrerer Wunderthäter, welche die Religion gezählet hat; sie glauben an die Weissagungen, die in dm göttlichen Büchern enthalten sind; sie glauben, daß Jesus Christus Besessene von dem Teufel erlediget, und daß er vielen aus seinen Jüngern die gleiche Macht gegeben hat,Teufel auezu treiben. Die Philosophen untersuchen nichts; aber sie spotten der Leichtgläubigkeit der Christen in den mei, sten von diesen Gegenständen: die Christen, welche sich auf augenscheinlich rrwieseneBegebenheiten gründen,sehen dieVer« nunftichlüsse der Philosophen für erbärmlich an. Auf wel, cher Seile ist das Vorurtheil? Die Christen haben eine Liturgie, oder gottesdienstliche Satzungen; sie Haben gottselige Feyern, Gebeche, Ver, sammlungen, Gebräuche. Es ist leicht für Ungläubige und Freydenker, all dieses für Vorurtheile anzugeben: aber können sie widerlegen, was unterrichtete und aufgeklärte CH«, sten sagen, um das Ansehen, die Norhwendigkeit, den Nutzen, und die Früchte von dergleichen Stiftungen zu erweisen? Endlich behaupten die Christen, daß die Kirche, ihr Ober, Haupt, ihre ersten Hirten, in allem, was das Gewissen und die Religion betrifft, eine wahre Gewalt haben: und sie behaupten es, weil Jesus Christus erkläret hat, daß jener, der die Kirche nicht höret, für einen Heyden oder Publikamn gehalten werden sollte; weil er zum Fürsten der Apostel, als er ihn zu fernem Statthalter auf Erden bestellte, gesag t hat, er M MW N ! W> ^ Vorrrrtheile. - 627 s,^ er gebe ihm die Schlüssel zum himmlischen Reiche, und alles ^ was er auf der Erde entscheiden werde, solle auch in dem Hin» ^ mel unfehlbar gurgeheißen seyn; weil der heilige Geist selb- ^ sten, wie der heiiige Paul berichtet, die Bischöfe eingesehet ^ ^ hat, um die Kirche zu regieren. Ist cs dann ein Vormtheik bry den Christen, wenn sie behaupten, daß man der Kirche, ^ ihrem Oberhaupts, und den ersten Hirten Ehrerbierhuug, Um ^ terthänigkeit, und Gehorsam schuldig sey? ^ Der Philosoph. itztz In allen diesen Dingen ist kein Vorurtheil; aber alle >i>k, diese Dinge haben eine unzählbare Menge Vorurtheile hervor, gebracht, welche die Lauterkeit der Religion verderben, und sie verunehre». Und auf wie mancherley Arten haben nicht listige Pfaffen und eigennühliche Möllche Len Pöbel, durch unrerschobne WunLcrrhalen , durch falsche Reliquien, durch unsinnige und lächerliche Andachrübungen, hintcrgan, ^ gen? Mit wie vielen Vsrmrhcilen unterhalten, und täuschen sie das Volk noch alle Tage? Li Der Christ. .. Was Sie den Pfaffen und Mönchen zur Last bringen, wird bald widerleget seyn. Heut zu Tage werden unter E' den Geistlichen jene gefürchtet, die mit einer Gewalt bekleidet ^ sind, und in ansehnlichen Würden stehen; jene, die reiche Pfründen haben, werden beneidet, und mit Misgunst ange- F sehen; die übrigen, wie die Mönche sind, werden verachtet: ^ alle sind ohne Wehre. Wie leicht kann man sie angreifen! ^ Es heißt: die Pfaffen und die Mönche sind listig und D eigennühlich. Ey, mein Herr! wie sehr ist heut zu Tage zj- diese Mode bry Len Layen emgeschlichen! Was dis Geist!» ^ chen mid die Mönche im Kleinen, und sehr im Kleinen thun, > Rr 2 od',o 628 Vorurtheile. oder gethan haben, geschieht bey unfern Zeiten mit der furch« terlichsien Arglist, und mit unbeschreiblichem Eigennützen in der bürgerlichen Gesellschaft, besonders, wenn man eine Macht, einen Anspruch, einen Auftrag, eine Gemalt besitzt. Aber dieses ist die Absicht unsers Gespräches nicht, wir wob len zur Sache zurückkehren. Sie reden von Vorurtheilen, welche die Religion verum ehren. Mein Herr! Jene Vorurtheile könnten die Religion verunehren , welche sich in der Lehre selbst befänden, und web che durch das Ansehen der Oberhirten und der Lehrer in der Religion unterstützet würden. Was weder gelehret wird, noch gulgeheißen ist, darf man der Religion nicht zur Last legen, sondern einigen Privatpersonen, derer Meynungen und Denkensart keine Vorschrift und kein Gesetz ausmachen. Man wird ohne Beschwerniß gestehen, daß es unter den Christen Leute giebt, die einigen Vorurtheilen, das ist, schlecht gegründeten, oder beweiselosen, oder auch durchaus falschen Meynungen unterworfen sind. Aber man muß auch bekennen: 1. Daß diese Vorurtheile der Christen weder der Gesell« schuft, noch den guten Sitten, noch eben jenen Kritikern, welche sie mit so vieler Hitze tadeln und verdammen, einen Schaden thun. 2. Daß einige von diesen Vorurtheilen manchesmal unter dem gemeinen Volke nützlich sind, La sie es antreiben, gottselige Werke zu verrichten, die allezeit Gotte gefällig styn können, wenngleich die Ursache und der Beweggrund, der sie hervorgebracht und gestiftet^ hat, etwas falsches an sich hatte. z. Daß die Lauterkeit der Religion dabey nicht das geringste verliert; denn obgleich die Kirche Dinge, die nicht in sich hO, !«. D Gu Ä N lils,! Vokurtheile. 629 sich feststen Böse sind, duldet, und dazu Me schweigt, so behält sie dennoch ihre ganze Lauterkeit in ihrer Lehre, ihren Ureheilen, und ihren Aussprüchen. 4. Daß die Vorurrheile, welchen alle diejenige unter, werfen sind, die man unter dem Namen: Philosophen oder Ungläubige, begreift, unendlich verdammlicher und schädli, cher sind, als jene, welche sie selbst den Christen Schuld ge, ben. Dieses wäre mir leicht zu erweisen, mein Herr! wenn Sie unser Gespräch von diesem Stoffe noch etliche Augen» blicke fortseßen wollten. Der Philosoph. Mein Herr! Sie wagen ein großes Unternehmen: ich weiß kaum, wie Sie es zu Stande bringen werden. Ich bin neugierig, Sie diesen so kützlichen Punkt ausführen zu Hören. Aber wir wollen die Sache bis morgen verschieben: ich werde besser im Stande seyn, Ihnen alle erfoderliche Zeit zu dieser Untersuchung zu lassen. Zweytes Gespräch. Der Philosoph. Ich habe großes Verlangen, mein Herr! die Unter«, -ung mit Ihnen wieder anzufangen. Sie muß von Erheb, lichkeit werden. Die Philosophen heißen sich Männer, die nur dem Lichte der Vernunft nachwandeln ; die keiner Mey, nung beypflichten , ehe sie dieselbe reif überleget haben; die nur allezeit auf die wahren Beweise, die Gewißheit, die Erprobungen sich ergeben: und Sie wollen behaupten, daß diese Männer, wie andere Leute, zu Vorurtheilen fähig seyn können. Der Rr z 6zo Vormtheile. Der Christ. Ja, mein Herrdas will ich behaupten. Noch mehr! ^ ich behaupte sogar, daß Sie mir sechsten bald Ihren Bey» fall geben werden. Antworten Sie mir erstlich, zur Gnade, E auf erliche Fragen. Glauben Sie, daß die Philosophen, wie andere Menschen, den Leidenschaften unterworfen ftyu. ^ Dar Philosoph. Es ist nicht viel vonnöthen, sich darüber aufzuhalten: denn, was die Leidenschaften betrifft, weiß man wohl, daß die Philosophen auch ihren Theil haben, wie alle Menschen. Der Christ. Sie glauben also, daß sie, wie andere Menschen, zur Wohllust geneigt, dem Stolze ergeben, und allen jenenKrank, Heiken der Seele unterworfen feyn, die wir durch das Wort: Leidenschaften, bezeichnen. Aber können nicht diese Leidem schäften zu einer Menge falscher Msynungen, und folglich zu einer Menge Vorurcheile verleiten? DU sh >qch H»! Der Philosoph. h Ich glaube, man dörse dieses für eben so viele unurm HG stößliche Grundsätze ansehen: denn insgemein geben die Lei» jch denschaften der Vernunft wenig Gehör, und heißen oft g» rade das Widerspiel thun, von dem, was die Vernunft cim ^ spricht- Der Christ. Atz Und sind die Vorurtheils, die ans den Leidenschaften entt ^ H>>« stehen, nicht weit gefährlicher, und weit nachtheiliger, als, ^ jene, die von der Geburt, der Kindheit, und der Erziehung s« h Herkommen? ^ D«r - -Ä «ik «k i i i v Bsrurlheile. 6z i Der Philosoph. Ich weiß nicht recht, was ich Ihnen darauf sagen solle. Haben Sie die Güte, und entwickeln ihren Gedanken ein Bißchen mehr. Der Christ. Erfahrm wir nicht alle Tage, daß die Leidenschaften uns schmauchelu, unv daß sie uns verführen, da sie uns schmäu- cheln? Erfahren wir nicht, daß sie nach dem Maaßr, wie man ihnen williger nachgiebr, und leichter zugestehl, was sie verlangen, immer lebhafter und ungestümer rverdm; daß sie, warm sie einmal ein« gewisse Gewalt über die Seele er» langet haben, fähig sind, in alle Ausschweifungen auszuar« len, und alsdann dreist über alles hinwezzugehen, was die Vernunft, der Wohlstand, die Billigkeit, die Tugend foi der»? Wenn Sie daran zweifelten, würde ich Sie heißen ans jene blicken, die sich vom Stolze, von der Habsucht, von der Rachsucht, von dem Hange zur Wohllust beherrschen lassen. Der Philosoph. O! ich zweifle nicht daran. Wir haben nur allzu viele Beyspicle vor den Augen, die sehr geschickt sind, uns davon zu überweisen. Der Christ. Glauben Sie endlich, mein Herr; daß die Vorurtheile, welche man einigen Christen, entweder wegen ihrer Leichtgläubigkeit an gewisse Legenden, Wunderkhaten, pöbelhafte Mundlehren, oder wegen einiger Andachtübungen, oder um ^gegründeter Meynungen, Schuld giebt, so gefährlich und so hart abzulegen ftyn, als jene, die aus gewissen Leidenschaften entspringen, wie wir cs gemeldet haben? Rr 4 Der 6-zr U N »l' ! Vorurthcile. Der Philosoph. Ich gestehe ganz gern, daß sie weder so nachtheilig, noch so hart zu besiegen sind. Die Vorurcheile der Kindheit sind schwach, und vergehen leicht, wann die Vernunft stärker wird: und jene, welche die Philosophen den Christen vorwer, fen, sind weder der Gesellschaft, noch den guten Sitten schäd, lich; und man darf sie mit jenen nicht vergleichen, die aus den Leidenschaften entstehen. Der Christ. Mein Herr! Es genüget mir, daß Sie alle diese Punkte zugegeben haben, um Ihnen zu beweisen, daß jene, welche die Religion, oder verschiedene Punkte der Religion, bestreu ten, tadeln, und angreiftn; daß die Ungläubigen, Philoso, phen, und andere Leute von diesem Schrotte, weit mehr Vornrcheilen, und Vorurkheileu, die weit weniger zu ent, schuldigen, und der Gesellschaft und den Sitten weit schäd, licher sind, unterworfen seyn , als die Christen, auf welche man mir so gezwungnem Eifer schmähet. Der Philosoph. Mich verlanget sehr zu sehen, wie Sie Ihren Sah btt weisen werden. Er inuß allen Verfechtern der neuartigen Philosophie und allen ihren Bewunderern innerst ins Aug greisen. Der Christ. Ich will Ihnen dann erstlich sagen, daß Leute, welche sich anmaßen, sich für die Beleuchter der Welt auszugeben; welche sich brüsten im Stande zu seyn, über alles, überZ Sitten, Gebräuche, Geschichte, Philosophie, Religion, Vernunftschlüsse zu machen, Urtheile zu fällen, Aussprüche r» ᮎ s k ill! Sil; ?-!> l »rir r« e^i Ä Vsrnrtheile. 6;z zu thun ; welche nur mir Verachtung auf die vergangenen Zeiten zurückblicken; welche durch etliche elende Trugschlüsse, die sie jnr unumstößliche Beweisgründe aufstellen, alles wankend zu machen und umzuftürzen suchen, was bisher in der Gesellschaft angenommen und in Ehren g-halten wurde: ich will sagen, daß Leute von dieser Art nochwendig weit mehr Vorurcheilen unterworfen seyn müssen, als die einfäl, tigsten Menschen unter den Christen nimmer sind. Denn, zu wie vielen falschen Meymmgen und Jrrchümem verleitet nicht dieser Eigendünkel? Wie viele ungereimte Schlüsse und verwägene Aussprüche lehret er nicht machen? Wie viele falsche Scheingründe und. unzulängliche Beweise heißt er nicht annehmen? Der Philosoph. Es wäre fürwahr recht zu wundern, wenn Leute, wie Sie da geschildert haben, allezeit die Vernunft und die Wahr, heit auf ihrer Seite hätten: und man dörfte hundert gegen Eines wetten, daß sie, und jene, die ihnen Gehör geben, den lächerlichsten Vorurcheilen zu Preise werden müßten. Der Christ. Dieß ist noch nicht alles. Muß nicht jene »«beschränk, te Unabhängigkeit, welche diese Herren in ihrer Art zu denken und zu handeln an sich nehmen; muß nicht jener stolze Ton, womit sie erklären, daß sie sich an die Vorschrift des natürlichen Gesetzes und der Vernunft halten, in allerhand Jrrthümer und Ausschweifungen verleiten? Der Philosoph. Es wäre wohl möglich: denn es giebt keinen blindem und betrüglichern Führer, als den Stolz; und unter gewissen Weltlemen ist nichts gemeiner, als daß sie alles, was unbe, Rr ; zähmte 6;4 Vorurcheile. zähmte Leidenschaften verlangen, Lurch ein sogenanntes na» tätliches Recht unterstützen. Der Christ. Es ist nicht vonnöthen, daß ich Ihnen meinen Gedan, ken weitläufiger erkläre; es scheint, daß Sie selbsten alle Folgen jener schönen Grundsätze ziemlich gut cinsehen. Sie begreifen schon , daß man alsdann keine andre Gesetze mehr erkennt, als jene, welche die Leidenschaften annehmen wollen. Man läßt von der Religion nur so viel gelten, als weder dem Stolze des Verstandes zu nahe treten, noch den Neigun« gen des Herzens im Wege stehen kann; das ist: man behält nur den Namen davon. Man läßt keine andere Vorschrift für die Sitten zu, als jene, welche die Wohllust nicht verwch, kek. Das Lob der gesellschaftlichen Tugenden wird zwar noch auf den Lippen schiveben; aber der Privatnutz, die Eigenliebe, und eine lächerliche Eitelkeit werden im Herzen allezeit herrschen. Unterdessen wird man nur von dem Glücke sptti chen, in diesem schönen aufgeklärten Zeitalter gebohren zu seyn; man wird sich Glücke wünschen, daß endlich die Vernunft ihre Rechte erlanget, und die Finsternisse der verächtlichen Vorurthelle zerstreuet hat; und eben zur Zeit, da man in die unvernünftigen Vorurrheile, und in die schimpflichsten Irr, thümer verfällt, wird man sich eigenmächtig unter die Rei, he der Wersen versetzen. !!I,l !i«A «ü A tz«! ich Der Philosoph. v Ich kann mich vom Erstaunen nicht erholen/ worein Sie mich bringen. ... Der Christ. Und woher kömmt dann dieses Erstaunen? was ist des H Gegenstand davon? ^ ^ d>! 1 Der VormLhcile. 6z s Der Philosoph. O mein Herr! wie richtig ist Ihre Schilderung! Mir bäucht, da ich Sie höre, daß ich jene jungen Zöglinge der neuartigen Philosophie, mit ihrer stolzen Mine und ihrem ent, scheidenden Tone, vor mir sehe, welche dreist von allen Dinge!, reden und urcherlen, wenn sie gleich mchlö wissen., als was sie in etlichen Scharteken nach der Mode lasen, und wenn sie gleich niemals etwas überdacht, oder untersuchet haben. Es daucht mir, ich wäre noch in jenen Versamm, lungen, wobey ich mich öfter befand, und wo man nur mit Entzückung von uustrm aufgeklärten Zeitalter spricht, ohne Laß man die geringsten Kenntnisse hätte, welche erfoder; wür, den, damit mau urcherlen und vergleichen könnte; wo man mit Verachtung über alle vorhergehenden Zeitalter hinweg, sieht, die mau für eitel Zeiten der Unwissenheit und der Leichtgläubigkeit hält, ohne daß man sich zu Sinne kommen ließe, mit was für einem Namen die Nachkommenschaft das Zeitalter, worinnen wir leben, beehren werde; wo man uns unaufhörlich zu den alten Indianern, Persern, und Lhinesern verweist, dis man nur nach dem Namen kennt, um von ihnen die Lehren der wahren Weisheit , der guten Sitten, und der Religion herznholen, als wenn man dorten etwas antressen könnte, das mit dem hellglänzenden Lichte, welches uns das Christenrhum angezünder hat, zu verglei, chen wäre. Der Christ. Es scheint, Sie waren erstaunet über das, was ich Ihnen sagte; und ich bin es noch weit mehr über das, was Sie mir selbsten sagen. Ich hätte nicht erwartet, daß Sie dir Schilderung, die ich nur entworfen hatte, so gut ausfüh, 6z6 Vorurteile, ren sollte». Sic begreifen cs so gut, als ich, wenn man slch einer thörichrrn Eitelkeit Preis giebt, wenn man sich über alle Menschen Hinausschwingen will, wenn man neue Wege entdecken will, und zu diesem Ende von den Grundsätzen abweichk, welche allgemein angenommen, und auf das Reifste untersuchet worden sind; sie begreifen, sage ich, daß man alsdann, gleichsam notwendiger Weise, in eine größere Mm» ge Irrthümer und Vorurrheile verfällt, als der Pöbel selb, sien: und an dieser Klippe stoßen sich allezeit alle Ungläubige, und alle Feinde der Religion. Der Philosoph. Ich gestehe eS^: weil ich wenig gewöhnet war zu über» legen, und weil ich mich durch große Worte, durch witzige Einfälle, durch die betricgliche Sprache der neuartigen Leh, rer leicht hiurergehen ließ, bin ich in jene Schwärmerei) gerathm, die heut zu Tage so gemein ist. Ich sprach aus dem gleichen Tone, wie andere, ohne daß ich überzeuget war. Gleichwohl gefiel ich mir sechsten wohl, und was mir schmäuchelte, war nichts, als Eitelkeit, Irrthum, und Vvrurrheil. Die Gesellschaften sind heut zu Tage von Leu, ten angefüllet, welche denken, wie ich gedacht habe, und welche so blind sind, als ich gewesen. Aber Sie haben mir die Augen eröffnet. Der Christ. Fürwahr, es habey alle jene sogenannten Lehrer bey Wen lem nicht so viele Einsicht, Scharfsinn, und Kenntnisse, als sie sich so listig und so beständig zu haben rühmen. Man hat ihnen durch eine Menge vortrefflicher Werke schon erwie, fen, daß ihre Schlußakt gemeiniglich verkehret, ihre Kennt, nisse >lx Ls irr? -y tzA^ Vorurtheile. sz? nisss sticht und ungegründet, und daß sie mit all ihrer Phi, losophie nur blinde Führer anderer Blinden sind. Der Deismus, durch sich selbst widerleget; das Orakel der neuen Philosophen; die Irvthümer voltairens; die An, merkungen über das philosophische Handlexikon, und viele andere Werke von dieser Art, geben davon »numstöß« liche Beweise an die Hand. Einer der vornehmsten aus die, stn sogenannten Lehrern hat gssaget: *Das Vorurtheil ist eine N7eynung ohne Beurtheilung. Trifft inan aber in den Lieblingsmeynungen dieser Herren viele Beurtheilung an? Der Philosoph. Die Anmerkung ist ziemlich gut! und ich sehe nicht, wie der Verfasser des Handlexikons seinen schönen Gedanken werr de erklären, oder vertheidigen können. Der Christ. Und ich sehe, daß Sie im Punkte der Vorurtheile schon halb bekehret sind. Um Ihre Bekehrung zu vollenden, will ich die Hauptsätze herzählen, welche die Ungläubigen und dis Tadler der Religion beständig im Munde führen; welche sis für unumstößliche Grundsätze ausgeben: und welche Sie selb« sten leicht als Vorurtheile erkennen werden; als sehr verächtliche Vorurtheile, die aufkeine Weise zu entschuldigen, und für die Religion, die guten Sitten, und die Gesellschaft allezeit höchst schädlich sind. Es ist ein Vorurrheil, das weder zu entschuldigen, noch zu dulden ist, wenn man behauptet, daß dieses Jahrhundert das aufgeklärteste Zeitalter sty, und daß man bis auf unsere Tage zu denken nicht gewußt, oder sich nicht getrauet Habe. Dieses * Phil. Handlex. bcym Artikel: Verurteil. 6Z8 Vorurthcile. Dieses ist der Vernunft eben so sehr, als der Anstän- digkeit und der Wahrheit zuwider. Was hat dann dieses schöne aufgeklärte Zeitalter ans Licht gebracht ? Eine wundervolle Menge gottloser Scharteken, viele Wörterbücher, die ohne Beurrherlunz, und oft sehr boshaft geschrieben sind, eine große Anzahl Bücher von Ansangsgründen, Einleitungen , Auszügen, die keine Beweise und keinen Zusammenhang haben, die nichts gründlich untersuchen, und die nur tauglich sind, Dummköpfe voller Eigendünkel zu bilden, wie man es alle Tage gewahr wird. Was hat dieses schöne aufgeklärte Zeitalter hervorgebracht? Hat es große Geister aufzuweisen, wir'Aristoteles, Descar> tes, Newton in der Philosophie; Bourdaloue, Vossmt in der Wohkedcnherr; Raphael, Michel Angelo, le Sueur, le Brun in der Malerkunst; Milton, Lasso im Heldengedichte; Aristoteles^ Der Stifter der peripatetischen Schule zu Achen. Er soll sich , wie einige wähnen, in den Seearm Euripus gestürzet haben, Lessen Ebbe und Fluch er nicht ergründen konnte. Dcftartcssj Newtons Man sehe im Artikel: Lhineftr.I B. 145.S. Bourdaloue^ Ludewig, ein ftanzösischer Jesuit, und berühmter Hvf- prediger Ludewigs des XI V., starb zu Paris 1704. im ?r Jahre. BozsUrt^ Mob Benignus, Bischof von Meaur, gebohren zu Dijon 1627, hat sich besonders durch seine vortrefflichen Leichenrede» Ruhm erworben. Raphaels Michel Angeles Le Brun^j Im Artikel : Lhineser. I. B. 145. Seite. Le Gueur^ Eustach, einer der größesten Mahler zu Paris im vorige» Jahrhunderte. Die schöne Geschichte des heiligenBruno in der Karlhau- se ist noch nicht die beste Albert von der Hand dieses Künstlers. Jvhaim, der Verfasser des epischen Gedichtes vom verlorner« Paradiese, welches er, wie Homer, in der Blindheit verfettete, und weiches cm Meisterstück rrn kühnen Erfindungen und von DrchrergrM P. Er lel.e ür- Jahre, und starb zu Londen -674. ft iss »' -f S^ !-§ Vorurtheile. §z- dichte; Bramante, palladis, philibert vonLorme,B!on°- -et in der Baukunst waren? Was für nützliche oder merkwürdige Entdeckungen hat es in den Wissenschaften und schö, nen Künsten gemacht ? Wie wird die Nachkommenschaft dieses Zeiralker benamsen? Sie wird es gewiß nicht das Zeit, alter der Erfindungen und der Wuchert nennen. Mer wirrste es nicht das Zeitalter des Eigendünkels und des Unglaubens heißen können? Es ist ein eben so unvernünftiges und verdammliches Vormthei!, wenn man behauptet, man dörfe nichts in der Religion annehmen, das die Vernunft nicht begreifen kann. Es ist unvernünftig, weil die Natur sechsten voller Ge, Heimnisse ist, welche die Vernunft gleichwohl nicht verwerfen darf, und welche sie unmöglich begreifen kann. Es ist verdammlich, weil es die Gründe der Religion untergräbt, und alle Offenbarung verwirft, wovon man dennoch unumstößlich beweist, daß sie möglich, nochcherrtig, und wirklich da sey. Es ist eines der gefährlichsten und schädlichsten Vorur, theile, wenn man behauptet, man könne sich mit dem natürlichen Gesetze, und mit der natürlichen Religion genügen, weil man alsdann durch jene Worte von natürlichem Gesetze und natürlicher Religion nichts anders versteht, als dis Neigungen der Natur; und sogar jene, welche die lasterhaftesten Lassos Torquato, hat das bekannte Gedicht vom befreiten Jerusalem geschrieben. Er starb zum Ende des sechszehnten Jahrhunderts. Bramante^ palladis) Im Artikel: Satoinon. H.B.zyr. Seite. philibert von Lorme^ Im Artikel: Chinesen l. B. 14;. Seite. Blonde!) Franz, ein geschickter Mathematiker und Baakünstler, hat den Entwurf zu den neuen Thoren und Verzierungen gegeben, hiezu Paris angelegt würben. 640 Vorurtheile. testen sind, und welche der Wohlstand, die Ehrlichkeit, die Ordnung ims zum meisten unterdrücken heißen; weil man außerdem von der Weisheit, der Heiligkeit, und dem Um, fange jenes natürlichen Gesetzes und jener natürlichen Religion , wovon uns Cicero und Aousseau so Herr! che Ver« stellungsn machen , beynahr keinen Begriff hak. Wir kennen noch beyseßen, daß die Auslegungen der Ungläubigen, der FrsyLmker, der Neuphilosopheu von dem natürlichen Gesetze, und die Beyspiele und die Sitten der meisten aus ihnen, unwiderlegliche Beweise sind, daß wir die Wahrheit Vorträgen. Wenn man diesem Vorurtheile folget«, mein Herr! so würde man bald die Zucht, die guten Sitten, die Ehrlich, keil von der Welt verbannen, und der Mensch würde sich, in der Knechtschaft seiner Sinne und der körperlichen Lüste, nach dem Gedanken eines persischen Schriftstellers, weit un, ter die Thiere selbst hsrabsehen. * Denn wenn man seine Vernunft von der Begierlichkeit bemeistern läßt, saget dieser Schriftsteller, ist man verächtlicher, als Thiere, welche nichts besitzen, um die Sinne zu zäumen und zu bewältigein So weit möchte jener schöne Grundsatz leiten, daß man sich mit dem natürliche» Gesetze genügen dörfe. 5 W »Mi «M ?k», Ich könnte Ihnen noch viele andere, eben so verächtliche , eben so unvernünftige, und eben so schädliche Vorn» theile anführen , welche man beynahe in allen Schriften um srer sogenannten Philosophen amrifft. Gleichwohl werden sie von diesen Herren immer mit kühnem Muthe ausgebren tet; Herbelot. Zis. Seit» ^!!!l >M, S.j, i««! l ^ik B -x- «! Vorurcheile. 641 ttt; eine Jugend, die keine Kenntniß und keine Beurchei, lunghat, wiederholet sie voll Bewunderung; Leute, welche sich zuversichtlich für Weise ausgeben, und fähig seyn wol« len, alles zu entscheiden und zu beurtheilen, nehmen sie mit Vergnügen an. Der Philosoph. Mein Herr! Sie haben mir das größeste Gefallen von der Welt erwiesen, und ich bin Ihnen unendlichen Dank schuldig. Wenn ich alles durchgehe, was in unfern Ge, sprächen abgehandelt worden ist, erkenne ich augenscheinlich, daß im Punkte der Vorurcheile zwischen den Christen und den Philosophen keine Vergleichung Statt hat. Jene, die man den Christen so gewaltig vorwirft, finden nur unter einem kleinen Haufen des gemeinen Volkes Platz; sie ernste, hen nur aus einer Unwissenheit, die zu entschuldigen ist. oder aus einer gottseligen Leichtgläubigkeit; sie sind wohl zu verzei, hen, weil sie weder der Religion, noch den guten Sitten, noch der Gesellschaft schaden. Aber weit anders verhält es sich mit jenm, welche Sie mit so gutem Grunde den Tadlern der Religion Schuld geben. Sie zeigen ganz richtig, daß sie wahre Vorurcheile sind, weil sie allezeit ohne Vernunftschlüsse, und ohne Be, weise stehen; daß sie recht schädliche Vorurcheile sind, weil sie nur auf die Entkräftung der Religion und auf das Vers derbniß der Sitten hinauslaufen; daß sie nicht zu verzeihen sind, weil sie bloß aus dem Stolze, einer ruchlosen Ein, bildung, der Neigung zur Unabhängigkeit, dem Hange zur Wohllust entspringen; endlich, daß sie Vorurcheile sind, welche der Vernunft sowohl, als der Religion widerstreben, ll. Band. S s und 64» Vorurtheile. > und wovon man, oder durch eine strenge Kritik, oder durch ein kluges MiStrauen, oder durch eine gänzliche Verniet, düng aller jener verführerischen Schriften, sicher ftey blei, ben wird. ' Der Christ. lir KZ-- Es wäre wohl Schade, mein Herr! wenn eine so red- ^ liche Seele durch die philosophischen Grundsätze, Meynun, gen, und Vorurtheile himergangrn worden wäre. Aber tzck «in so richtiger Verstand mußte sich nothwendig von seinem Jrrthume ^>1« erholen. B«ll L 64z > i Ursprung des Bösen. /LS ist in der ganzen Philosophie keine Frage, woran die Seele soviel Anrheil hat; wo die Vernunft weniger zulänglich scheint, um dis Schwierigkeiten aufzulösen, die dabey aufstoßen, und worauf man, aus Verzweiflung oder Eigendünkel, anstößigere Systeme gebauet hat, als auf die große Frage vom Ursprünge des Bösen in dieser Welk. Damit wir alles, was diesen Gegenstand betresst, ordentlich und deutlich abhanden, wollen wir 1. das System der alten Manichäer vom Ursprmrge des Bösen erklären: 2. werden wir über die neue Vertheidigung, die Bayle von diesem un, gereimten Systeme geschrieben hat, etliche Anmerkungen ma, cheu: z. wollen wir einige Grundsätze vortragcn, um uns in der Untersuchung vom Ursprünge des Bösen danach zu richten: 4. werden wir eine philosophische Erklärung geben, wie oas Böse in die Welt gekommen fly: s. werden wir aufdie Ein« würfe antworten, die Bayle für die Hypothese der Manichä« er aufwirft. Diese fünf Artikel werden all-s enthalten, was wir von einem so kützlichen und so wichtigen Gegenstände vorzutragen haben. Erster Artikel. System der alten Manichäer vom Ursprünge des Bösen. /Ak Heu vor mehr als zwey tausend drey hundert Jahren ha, ben die pythagoreischen Philosophen, diese scharfsinnige und l die pythagorrschen Philosophen^ Die Anhänger des berühmten py- > thagoras, des ersten untek de» alren Wersen, der sich Philosophen l nannte. Ss 2 644 Ursprung des Bösen. und schwere Frage aufgeworfen: 1» L»rsc or,- ^ Axv ö/ «üZ-^77s<: Da Gott gut ist, warum sinddte ^ Menschen böse? Die Schüler des Zoroafter, jene Vorläu« fer des Manes und der Manichäer, harren schon eben diese Frage gethan, und sie glaubten, eine Antwort ohne Aus, nähme darauf zu geben, und alle Schwierigkeiten aufzulösen, wenn sie zwey Grundwesen aller Dinge zuließen. Diese zwey ^ Grundwesen waren, nach ihrer Meynung, gleich ewig, und ^ von einander unabhängig: eines war wohlthärig von seiner Natur, und der Ursprung des Lichtes und der geistigen und '' vernünftigen Wesen; und das andere war übelthätig, und der ^ Ursprung der Finsternisse und der Materie. ül, > Em jedes von ihnen hatte sein Reich, wo es Unbeschränkt ^ zu gebierhen hatte. Aber, als die Materie und die Finster« d!i nisse in das Reich des Lichtes und der Geister eingebrochen m« ^ > ren, wurden sie unter einander gemenget und vermischet; und ß,« aus dieser Mengung und Vermischung entstand die Welt, K2« wie wir sie heut zu Tage sehen. Der Mensch ist auch ein H z Sprößling aus dieser Mischung, und hat etwas von beyden «A Grundwesen. Was in ihm gut ist, wie die Vernunft, der W Verstand, die ehrlichen und tugendsamen Gesinnungen, kömmt vom guten Ursprünge, vom wohlrhatigen Grundwer Ai sen her: und was in ihm böse ist, wie die unordentlichen Lei« denschaften, die lasterhaften Neigungen, die Gesinnungen, Üitzi die Lüste, welche der Anständigkeit, der Ehrlichkeit, der Ge« G rechrigkeit widerstreben, das kömmt vom bösen Grundwesen H her. ^ Zoroaster) Ein persischer Weiser. Die Mepnungen der Gelehrte» von § diesem Philosophen sind sehr verschieden. Die meisten behaupten mit Grunde, daß es mehr als einen Zsroastee gegeben habe. Maries^ Ein berühmter Scktirer im dritten Jahrhunderte, von dein sich die Ketzerey der Manichäer verschreibt. < Hl !>K Hl. jrlk i > Ursprung des Bösen. 64s her. Nach diesem Systeme verwarfen die Manichäer die Bücher des allen Gesetzes, weil es ausdrücklich heißt, daß der Himmel und die Erde das Werk eines göttlichen Schöpfers , und daß alle Werke des Schöpfers gut seyn. * Wie sich immer die alten und neuen Manichäer bemühet haben, um ihr System zu verfeinern, zu vertheidigen, wahr, scheinlich zu machen, so ist es dennoch leicht, die Nichtig« keit und Ungenüglichkeit davon zu zeigen, und die gröbsten Ungereimtheiten darunter aufzudecken. i. Dieses System ist ungenüglich und nichtig. Es grün» det sich auf keinen augenscheinlichen Grundsatz, welcher fähig wäre, uns zu überzeugen, und es wird von keinem Ansehen bestätiget, dem wir uns mit Vernunft unterwerfen müßten. Man fraget die Manichäer: was ist der Ursprung des Bösen ? Sie antworten: Er ist die Materie und die Finster» nisse, welche vom übelthätigen Grundwesen erschaffen, oder in die Bewegung gebracht worden sind. — Und was für Be» weise geben sie von dem Dafeyn dieses übelthätigen Grundwesens an?— Keinen. — Aber warum nehmen sie es an, da sie keinen Beweis davon haben? Weil es keine Wir, kung ohne Ursache geben kann. Der Vernunfkschluß der Manichäer läuft dann auf dieses hinaus: Es ist Böses in der Welt; wir kennen die Ursache nicht davon; so ist dann diese Ursache ein Grundwesen, das aus sich selbst besteht, und un, abhängig und ewig, wie Gott sechsten ist. Diese Art zu schließen machet den Manichäern und ihren Anhängern nicht viele Ehre. Ferner wird dieses System durch kein Ansehen bestätiget, das uns verbinden könnte, uns zu unterwerfen. Dir Christen i. L. Moses. I. Ssz 646 Ursprung des Bösen, sten sehen ihre Schrift für göttlich, und von Gott eingegeben an; sie erkennen ihre Kirche für ein höchstes Obergerichr, das vom heiligen Geiste geleitet wird, und in seinen Urcheilen und Entscheidungen untrüglich ist. Es sind dann Punkte, worüber sie nicht vonnöthen haben, Beweise zu fodern, wo sie kein Recht hätten, Beweise zu begehren, und wo sie dem Ansehen nachgeben müssen. Die Göttlichkeit der Schrift und die Untrüglichkeit der Kirche stellen sie dann genügsam sicher, dienen ipnen anstatt der Beweise, halten der Stärke der trist tigsten Beweise die Wage, und überrreffen sie noch. Wann mau darzeiget, daß Gott geredet Hat, so kann inan nichts wei. ter begehren. Aber iin Systeme der Manichäer ist nichts dergleichen. , Es sind eite! Menschen dabey. Wenn sie etwas behaupten, M verbinden sie sich zu beweisen ; und wenn sie ohne Beweise ber ^ haupcen , hat man das Recht, sie und ihre Vorträge zu ver, ^ werfen, und zu verschmähen. Nun haben wir aber gesehen, ^ daß sie ohne Beweise behaupten. W 2. Das ganze System der Manichäer ist eitel Geweb von Ungereimtheiten, wie es Archelaus, der Bischof von M Baschra in Mesopotamien, in seiner Unterredung mit Ma- Tip nes bewiesen Har, wo dieser mit Schande beladen wurde, ^ und seine Beschämung durch die Flucht verbarg. Wir wob ^ len hier etliche vorrragen. ^ E Erste Ungereimtheit. Die unbegreiflichste Ungereimt» ^ Heit, welche ber menschliche Verstand jemals ausgebrütet hat, ^ ist der Begriff von einem übelthätigen Grundwesen, welches ^ gleich ewig mit Gotte, unabhängig von Gotte, und vermör itz, gend ist, die Allmacht und alle Absichten der Weisheit Got> ^ teS zu hemmen. Dieses übelrhärrge Wesen ist aus sich selb' tzj, sten Hü üir l'k, lRS e- >«' !c!< S- ^i! jiS^ - Ursprung des Bösen. 647 sten da, und ist schon in diesem Stücke Gotte gleich. Aber, wie kömmts, daß es zwar diese höchste Vollkommenheit hat, und dabey nichts als unselige und fluchwürdige Eigenschaften besitzt? Wie kömmtö, daß es zwar nothwendig und aus sich sechsten da ist, wie Gott, aber dabey eine Natur hat, welche der Natur Gottes gänzlich entgegengesetzt ist ? Zrveyte Ungereimtheit. Wie ist es möglich, daß diese Welt, wo wir die vortrefflichste Ordnung und die wundersamste Übereinstimmung herrschen sehen; wo alles so gut zusammenhangt ; wo von allen Seiten die Kennzeichen einer unendlichen Weisheit Hervorscheinen: wie ist es möglich, daß diese Welt nur die Wirkung des Streits und des Gegensatzes zwey, er feindlichen Grundwesen seyn sollte, von denen niemals ei, n s mir dem andern sich vergleichen kann,von denen nur immer eines zu verderben suchet, was das andere machet, und die gleich mächtig sind, eines, um die Ordnung allenthalben ein, zusühren, und das andere, um allenthalben Verwirrung zu stiften? Wie ist es möglich, daß jene Ordnung, jene Ueber» einstimmung, alle jene glänzenden Züge der Weisheit nichts anders wären, als der Erfolg von den Kämpfen und dem Gegensätze zwcyer Grundwescn? Dritte Ungereimtheit. Mit welchem Grunde getrauet man sich zu sagen, daß die Materie aus ihrer Natur böse sey? daß eine Substanz, die ausgedehnet und von Theilen zusam- mengesetzet ist, ein Grundwesen des Bösen sey? Da man die unendlichen Dienste und Annehmlichkeiten sieht, welche die Materie verschaffet,und die derMensch zwar manchesmal mis, brauchen kann, wovon er aber auch einen unschuldigen Ge, brauch machen, und sie durch die Dankbarkeit gegen den Schöpfer heiligen kann: giebt uns die Vernunft die Meynung Sö 4 der 648 Ursprung des Böse», der Manichäer nicht als eine Ungereimtheit zu erkennen, wel, che uns die Materie nur als eine gebohrene Feindinn der Weisheit und Tugend vorstellen? Vierte Ungereimtheit. Wenn ich die empfindsamen Wesen, die auf Erden sind, untersuche; so sehe ich, daß vom Insekte bis zum Elephamen alles mit Absicht gemachet ist, und mir eine unendliche Weisheit andeutet; daß alles feinen Nutzen hat, und von der sorgsamsten Güte zeuget; daß mir alles die unerschöpfliche Fruchtbarkeit der göttlichen Allmacht zu erkennen giebt, und mich mit BewlMderung erfüllet. Wenn zuweilen diese empfindsamen Wesen die Gelegenheit zu einem physischen Uebel sind, so biethen dem Menschen die Ver, nunst und der Verstand, die ihm gegeben sind, Mittel genug andre Hand, um es zu vermeiden, oder wieder gut zu machen: und außerdem, was sind diese physischen Uebel im Vergleiche mit den Vortheilen, die man daraus zieht, mit den Diensten, die sie leisten, oder mit den Tugenden, wozu sie Gelegenheit geben? tzch Fünfte Ungereimtheit. Wenn der Mensch das Werk ^ zweyer entgegengesetzter und feindlicher Grundwesen ist, so ist er nicht lobwürbiger, da er Gutes thut, oder sträflicher, da W er Böses thur, als sin Stein lobwürdig oder sträflich ist, da er, seiner eignen Schwere überlassen, hinabfällt, und gegen den ^ Mittelpunkt der Erde strebet. Denn, was in ihm vom bösen ^ Gmndwesen ist, muß nothwendig Böses wirken; und was ^ in ihm vom guten Grundwesen ist, muß nothwendig Gutes hitz wirken. Er muß dann unter diesen zwoen Mächten nothwen, dig leidend ftyn. Gleichwohl ist der Mensch der Reue um ^ terworfen. Er fühlet, daß er Böses lhltt, weil er es thun ^ Will, und weil er seine Kräfte ftey misbrauchet. Wenn die ^ Gv !«!,h PH «js'l s>rk v> ßi! «s^ P> !- Ursprung des Bösen. S4- Gewohnheit gewaltig und gleichsam unverbesserlich ist, be< greift er wohl, daß dieses eine ganz physische Wirkung des öfter» Misbrauchs seiner Freyheu ist. Es ist also falsch, daß der Mensch von zweyen entgegengesetzten Grundwesen beweget und geleitet werde. Er ist dann das Werk zweyer Grund, wesen nicht; und seine eigene Erfahrung beweist ihm, daß die manichäischeHypothese die ausschweifendsteUngereimtheit sey. Unterdessen waget es Bayle, den man für den aklerober. sten Führer der Ungläubigen halten darf, diese ungereimte Hypothese als das Mittel vorzustellen, welches die Schwierig, feiten, die man vom Ursprünge des Bösen auftverfen kann, zum glücklichsten austöset. Aber diese Ungereimtheiten werden noch merklicher werden, wenn man die unbegreiflichen Jrrwe, ge sieht, worauf er selbst verfällt, da er sich Mühe giebt, den Manichäismus zu vertheidigen; und dieses wollen wir im folgenden Artikel vor die Augen legen. Zweyter Artikel. Untersuchung der Verteidigung des Manichäismus von Baylen. HsNan kann ohne Widerwillen und Erstaunen nicht sehen, ^ ^ wie hitzig und eigensinnisch Bayle für dieVertheidigung des Manichäismus sich ereifert, was er sich für große Mühe giebt, was für Ränke, Umschweife, und Kunstgriffe er an, wendet, um denselben zu erheben, und dadurch Religion, Offenbarung, Sittenlehre, und alles umzustürzen, was immer in der Gesellschaft ehrwürdig, heilig , und norhwendig ist. Aber es ist nicht weniger wunderbar, daß dieser Mann, mit allen seinem Witze, seinem Scharfsinne, und aller Klügelung seiner Vernunftlehre, in die Handgreiflichsten Widersprüche, in S 6 s die 6^0 Ursprung des Bosen, die gröbsten Ungereimtheiten verfällt, und Vernunstschlüsse ^ brauchet, die beym ersten Blicke anstößig sind, und derer ^ Falschheit in die Augen fällt. Man kann davon aus den folgenden Mustern schließen. D 1. * Bayle versichert uns an einer Stelle: Ne Verthei- ^ ^ diger des Manichäismus wären durch die Gründe g prio- ^ ri bald ;u Boden geschlagen gewesen. Die Gründe a po- ^ iteriori waren ihr Hauptwerk: damit konnten sie sich L« lange herumschlagen; und da waren sie hart zu über, Ms winden. Und anderswo giebr der nämliche Mann auch die Versicherung: ** die Rirchenvätec hätten sollen alle Grün- Hh de u priori fahren lassen, als Außenwerke der Festung, M die leicht angegriffen werden mögen, und die man nicht U „ behaupten kann. Sie hätten sich mit den Gründen a ^ polieriori genügen, und all ihre Macht hinter dieser ^ Verschanzung versammeln sollen. ^ Wir sagen kein Wort über einen so starken und so auf ^ fallenden Widerspruch; wir genügen uns, daß wir ihn arizei- ^ ^ Akm «diu 2. Man muß alle Scham verloren haben, um Grund, ^ säße zu bestätigen, welche die Vernichtung alles sittliches Gu, , ^ ten und Bösen , des Lasters und der Tugend, der Freyheit, , ^ und aller Dinge, wovon uns die Vernunft und die Religion ^ ^ die deutlichsten Begriffe beybringen, nach sich ziehen. Und ^ eben dieses rhut Bayle, wo er sich also ausdrücket. ^ Durch , ^ die Begriffe, die wir von einem erschaffenen Wesen haben, ^ ^ können wir nicht begreifen, daß es ein Ursprung der ^ Handlung sey; daß es sich selbst bewegen könne; und, da ^ es, in jedem Augenblicke seiner Dauer, seyn Daseyn und das * Artikel: Manichäer, Note Mg. -* Artikel: Paulicianer, Note W. '"' Ebend. Note W> . 1 ! i»Ü! >°z «ft «i>I B «-n Ursprung des Bösen. 6s i das Daseyn feiner Rräste von einer andern Ursache empfängt, daß es durch ein Vermögen, das ihm eigen wäre, in sich selbst Modalitäten erzeuge.-weil dann das Geschöpf den Ursprung der Bewegung nicht aus sich selb, sten hat, so muß es nothwendig von Gotte bewegt werden. Gott thuk dann etwas mehr, als daß er ihm nur gestattet zu sündigen. Kann man etwas Ungereimtere, etwas Anstößigere auf die Bahne bringen ? Will dieses nicht ganz deutlich sagen, daß der Mensch in der Hand Gottes nichts als eine elende, be wegliche Maschine sey, und wenn es wahrhaftig eine Sünde " im Menschen gäbe, daß Gott selbst davon der Urheber wäre ? Will es nicht sagen, wie Herr Clarke * weislich anmerker, „ daß Gott im ganzen Vermögen seiner Macht kein Geschöpf ,, gestalten könnte, welches frey und fähig wäre, sich zu be, „ wegen, und aus sich selbst zu wirken? Nach dieser Rech, „ nung, ist Gott die unmittelbare Ursache von allem, was in „ -er Welt geschieht, und ist es eben sowohl in Absicht auf „ die geistigen Substanzen, als in Absicht auf die Materie. „ Folglich sind die Menschen lediglich zur Tugend und zum „ Laster unfähig, und dörfen für ihre Handlungen weder be, „ lohnet noch gestrafet werden, weil sie allezeit nur leidende „ Wesen sind. Wir wollen hier nicht anfangen ein so eben, „ reurliches System ordentlich zu bestreiten. Es verhält sich „ mit der Freyheit bey den verständigen Wesen, wie mit „ der Bewegung in den Körpern. Wenn sie nicht die Er« ,, fahrung, auch einem jeden, genügsam und überzeugend ,, beweist, so kann es kein Vernunftschluß auswirken „. z. Um * vertherdrg. derNelrg. 5. Band. es2 Ursprung des Bösen. z. Um die Sache noch immer mehr zu verwirren, und iinmer mehr Dunkelheit im Verstände auszubreiten, nns- brauchet er die Schrift auf die himmelschreyendste Weise; ec trägt die übertriebensten Meynungen etlicher Gvttesgclehr, ten, sie mögen Katholiken oder Protestanten seyn, als sichere Aussprüche vor; er betreibt mir aller erdenklichen Stärke die Schwierigkeiten weiter, giebt niemals eine Antwort darauf, und läßt da den unerfahrnen Leser stecken, welcher sich bey einem solchen Schlußmacher armselig der Verführung aus» sehet, wenn er nichr genug Wissenschaft oder Einsicht besitzt, um sich davor zu bewahren, oder zu vertheidigen. Also, weil Gm im Jsaias sagst: * So viel die Himmel über die Erde erhaben sind, eben so viel sind meine Wege über eure Wege, und meine Gedanken über eure Gedanken erhaben; schließt Bayle ** daraus, daß wir von dem Betragen Gottes nichts begreifen, und nichts be» greifen können. Aber seine Unendlichkeit, und der Misbrauch, den er von der göttlichen Schrift machet, werden sonnenklar am Tage liegen, wenn man auf dieß ganze fünsund fünf» zigste Kapitel die Augen wirft, wo Gott nur von der Größe seiner Erbärmnisse, seiner Güte, seiner Liebe gegen seine Geschöpfe redet, und wo er uns saget, um uns den höchsten Begriff davon zu geben, daß diese göttlichen Vollkommenheiten über unsre Denkensart so weit, als die Himmel über die Erde, erhaben sind. Da der heilige Paul einerseits von den Juden redet, welche wegen ihrer Sünden- und unerachtet der Verheißungen, W ' Jsai. bV. Artikel: Paulictaner, NoteMl Sc>. Seit. »L L: «v -!» i-ir !»> l Ursprung des Bösen. 6s z gen, die ihre Nation empfangen hatte, verworfen worden find, und an der Gnade des Evangeliums nicht Theil gehabt haben; und da er anderseits von den Heyden spricht, die der Gnade mitgewirket haben, und Kinder Gottes geworden sind, ruft er darüber aus : * Abgrund der Schätze verweis, heit und Wissenschaft Gottes ! wie unbegreiflich sind seine Urtheile, und wie unerforschlich seine Wege! Und daraus schließt Bayle, ^ daß das unbeschränkte Recht Gottes über alle Geschöpfe der einzige Grund sey, womit der heilige Paul die Beschwernisse der Vorbestimmung habe beantworten können. Und dennoch wird in demselben ganzen Kapitel von nichts geredet, als von der Geduld Gottes, wo, mit er den unlcnksamen Juden begegnet, von seiner Barm, Herzigkeit, da er die Heyden zum Glauben beruft, und von seinen Verheißungen gegen beyde Geschlechter. Es steht kein Wort von der Vorbestimmung darinnen. Endlich wirft er die schreckbarsten Einwendungen vom Ursprünge des Bösen auf, und giebt nicht die mindeste Ant, wort darauf: denn, saget er frostig, ^ jH weiß keine Antwort; und die evangelischen Geheimnisse haben die Eigenschaft, daß sie Einwendungen unterworfen sind, welche die natürliche Einsicht nicht ausklären kann. Aber wir wollen im fünften Artikel zeigen, daß die Beschwernisse, die er als unauflöslich angiebt, nur für jene unauflöslich find, welche kein ander Licht haben, als die Unwissenheit, die Unredlichkeit, die Gottlosigkeit, und welche einen Fang, schluß von einem richtigen und gutgegründeten Vernunft, schlusse nicht zu unterscheiden wissen. q. Um * Rim. XI. " Erklärung von den Manich. '** Ebmd- 654 Ursprung des Bösen. 4. Um seinen Leser besser zu himergehen, und in die Schlingen seiner verfänglichen Schlußart besser zu verwickeln führet er ihm ohn Unterlaß sein persönliches Schicksal zu Ge- mükhe, und stellet ihm beständig diesen Gegenstand vor, als wenn er einzig von der Güte Gottes abhimge. Da« diese Güte in einer unbeschränkten Gmauheit annimmt, ohne mindeste Absicht auf die übrigen Vollkommenheiten , die Gotte nicht weniger wesentlich sind, will er diese Güte alles vorbestimmen, oder alles verzeihen, oder die Augen zu allem schließen lassen. Er bekümmert sich weder um die Freyhcit, noch um das sittliche Gute, noch um die Tugend; «spricht sogar in seinen langen Abhandlungen und weitläufigen Er« klärungen kein einzig Wort von all diesem. Er will nicht- anders, als daß es kein physisches Uebel für den Menschen, sowohl in dieser als in jener Welt, gebe. Mit einem Worte, darr das Wort: Güte, beständig im Munde hat, und wie« verholet, und vergrößert, was der Begriff von Güte Heischen und vorstellen mag, machet er nur eine wahre und blinde Blödsinnigkeit daraus. 5. Weil Bayle wohl merket, was für eine gehäßige Rolle er spielt, da er so hitzig für den Manichäismuskäm« pfet, bringt er noch neue Trugschlüsse, als die siegreichsteVer« theidigung, und die vollständigste Rechtfertigung seines Betragens, auf die Bahne. Er möchte noch bereden, man sey ihm viele Verbindlichkeit schuldig, und man könne aus seinen Anmerkungen großen Nutzen ziehen. * Denn es ist nützlicher, als man denket, sagt er, wenn man die Vernunft des Menschen demüthiget, da man ihm zeiget, mit was für einer Stärke die thörichtesten ^Reyereyen, wie jene !«» »ch I- ich »sl! IM, «ß lch ho« - Artrk. Paulicianer, Note M- Ursprung des Bösen. 65; ^ der Manichäer ist , seiner Einsicht spotten , und die ^ Wichtigsten Hauplwahrheiten verwirren können. — Man muß seinen Verstand dem Gehorsame des Glaubens gefangen geben, und über gewisse Dinge niemals streu ^ h ten. - Das nothwendigste Mittel, die Religion Jesu ^ Christi zu erhalten, ist die Pflicht, sich dem Ansehen Got- ^ > tes zu unterwerfen, und die Geheimnisse demüthig zu ^ glauben, die er uns zu offenbaren beliebte, wenn sie inv Htztz mer so unbegreiflich wären, und unsrer Vernunft im mer ^ so unmöglich scheinen möchten. Nach dem Tone dieses Mannes sollte man sagen, daß er ^ lauter Sentenze spricht: und wenn man aufmerksam unterer suchet, was er saget, so sieht .man nichts, als ein Geschwätz, das einem Menschen, der zu denken und zu urtheilen weiß, it: erbärmlich vorkömmt. ^ Ls ist nützlicher als man denket, wenn man die Ver« ^ nunft des Menschen demüthiget. Aber, warum die Ver, ek nunft des Menschen demüchigen ? Man muß sie, im Gegensätze, beleuchten, leiten, verbessern, wenn sie in der Gefahr wäre, dnrch das Irrkhum verführet zu werden. Die hoch» ^ müthigen Leute, die Verführer, die schlechten Schlußmacher muß man demüthigen. ^ Man muß dem Menschen zeigen, mit was für einer ^ Stärke die thörichtesten Retzereyen, wie jene der Mani- k * chäer ist, seiner Einsicht spotten. Und warum wirft er sich zum Sachwalter, zum eifrigsten und hitzigsten Ver« sichrer eben dieser Ketzereyen auf, den man jemals gesehen ^ hat? Warum saget er kein einzig Wort, um jene wichtigen z ^ Hauptwahrheiten zu bestätigen, welche von eben diesen Kche« ^ reyen angefochten werden? Man 6s6 Ursprung des Bösen. Man muß über gewisse Dinge niemals streiten. Und eben über dieselben Dinge streitet er selbst mit der «„begreif, lichsten Wurh und Harsinnigkeit. Man könnte mehr als zweyhundert Seiten in seinem Lexikon von diesen einzigen Materien zählen. Man muß sich dem Ansehen Gottes unterwerfen, und die Geheimnisse glauben, wenn sie immer so unbegreiflich wären, und unsrer Vernunft immer so unmög. lich scheinen möchten. Reue Schelmerey! Die Uruerrver« fung auf das Ansehen Gottes ist weder blind, noch dumm. Unser Gehorsam ist der Vernunft selbst?» gleichförmig: * Kationsbils oiileguium veürum. Die Vernunft be» weist uns die Nothwendigkeit und die Pflicht, zu glauben. Die Verweigerung des Glaubens wäre dann von der Ver, musst selber verdammet. Aber unter den Dingen, welche wir zu glauben verpflichtet ßnd, giebt es einige, die aus ihm Ramr über den Bezirk und das Vermögen unsrer Vernunft unendlich erhaben sind. Die Geheimnisse bleiben allezeit Geheimnisse: diese sind der Gegenstand des Glaubens. Aber die Offenbarung ist augenscheinlich bewiesen : diese ist der Weg zum Glauben, das Licht und die Stühe der Vernunft. ,A ,Üls ,VI Z ,,U ,!iß Z' M .5 .ft Man muß aber Herrn Clarke selbst über diesen Stoff vernehmen. Nachdem er, weitläufiger als wir, diese Stelle aus Baylen angeführet hat, giebt er ihm folgende Antwort ^ daraus: ** „ Fürwahr, diese Sprache ist sehr anstößig und ^ „ sehr unvernünftig im Munde des Herrn Bayle, nachdem er §«, „ die Grundsätze und Aussprüche, die er der Schrift zueig« h „ net, so oft gebrauchet Har, um den Handel der Manir „chäer ^ - Röm. XU. " vertheid. her Nelig. 5. Band» Ursprung des Bösen. 657 „ chäer zu vertheidigen. Ist er nicht ein recht demüthiger, „ bescheidener, dem Ansehen Gottes unterworfener Christ, „ der sich wohl erinnert Hat, daß man die Manichäer nur „ durch die Schrift widerlegen müsse? Worauf steuret „ sich im Uebrigen sein Grundsatz? Auf die Vernunft? „ oder auf die Schrift sechsten ? Nein; auf keine von beyr „ den: und der Philosoph von Rotterdam hatte allzu viel „ Einsicht und Scharfsinn, daß er es nicht hätte merken „ sollen, wenn er seinen Nutzen, oder seine Ehre dabey ge, „ fanden hätte, dieses zu merken. Wenn in der Religion „ so unergründliche oder so erhabene Dinge seyn können, „ daß sie die schwache Fähigkeit des menschlichen Verstau, „ des nicht erreichen kann; folget es daraus, daß die Vcr, „ nunst von jenen nicht zu urtheilen vermöge,die sie natürlicher „ Weise begreift, oder welche die Offenbarung ihr begreiflich „ gemacht hat? In dieser Absicht wäre der allgemeine „ Grundsatz einer einfältigen Unterwerfung eben so falsch, „ und nicht minder lächerlich, als jener, den man im Phy, „ fischen annehmen wollte, daß unsre Astgen von dem, was „ sie sehen, nicht urtheilen können, weil es Gegenstände ge, „ ben kann, welche ihre Entfernung unserm Gesichte ent, ,, zieht,,» Dieß ist erklecklich, um von der Verteidigung, die Bayle vom Manichäismus gegeben hat, ein Urkhcil zu fäl, len. Es ärgerten sich insgemein alle christliche Gemeinen, Katholiken und Protestanten, darüber; alle stunden wider ihn auf. Er versuchte es, sich durch seine Erklärungen zu rechtfertigen, die man am Ende seines Lexikons findet. Er verwirrt dort die Materie mehr als jemals; er streuet dorr noch perführischere Grundsätze aus; er beantwortet nichts von ü. Band. T t dem. N8 Ursprung des Bösen. dem. was man ihm emwendet. Er beschließt seine Rechtser« tigung durch diese merkwürdigen Worte: Jene, welche den Nutzen oder da», cui bono? -er Untersuchungen ver» langen, die ihnen misfallen haben, werden meine Ant« wort in der dritten Erklärung, antreffen, die von den pyrrhsniern handelt: und in derselben Erklärung geschieht, weder von Manichäismus, noch von den Manichäern, die mindeste Meldung. Also spielt in Baylen der Christ mit der Religion, der ehrliche Mann mit der Ehrlichkeit, und der Philosoph mit der Vernunft. Dritter Artikel. Vorläufige Fragen / welche bey der Untersuchung vom Ursprünge des Bösen zu Grundsätzen M dienen sollen. ,4, ^>urch die folgenden Fragen find wir Vorhabens, dm Verstand des Lesers aufzuklären, und ihm eine Weise an die Hand zu biethen, um bey der Untersuchung einer so schweren und so.kühlichen Materie richtig und sicher zu Werke zu gehen. Erste Frage. Hat Gott Wesen von verschiedenen Gattungen erschaffen können, welche verschiedene Grade der Vollkommenheit haben ? Antwort. Da die Macht Gottes unendlich ist, kann sie ihre Werke und ihre Schöpfungen bis ins Unendliche verändern; und eben diese wunderbarliche Verschiedenheit giebt uns den weiten Umfang und die Fruchtbarkeit seiner Allmacht besser zu erkennen. Die einzige Schöpfung der ^ Erde, Hs z ßnj Pyrrhonier^ »der Skeptiker, die Anhänger pyrrho des PMs- tzs, pheu, die an allen Dingen zweifelten. ^4 !chi «v: !»' W/ B / Ursprung -es Bösen. 6z- Erde, mit allen Aerzen, die sie enthält, mit allen Gewachsen, womit sie bedecket ist, mit allen Thieren, die sie ernähret, mit allen verschiedenen Gattungen der Organisation, welche die Folgen davon sind, bringt uns von der schöpftischen Macht den höchsten Begriff bey. Weil aber alle diese Wesen von verschiedenen Gattungen sind, müssen einige mehr oder weniger vollkommen, als die andern, seyn; weil alle diese Wesen endlich nkid beschränket sind, müssen sie auch in ihrer Vollkommenheit endlich und beschränket seyn. Gleichwohl haben jede, was ihnen, in Absicht auf den Endzweck, wozu sie er« schaffen worden sind, nvchwendig ist. Man darf also nicht zweifeln, daß Gott Wesen von verschiedenen Gammgen, , und mir verschiedenen Graden der Vollkommenheit habe erschaffen können ; und diese Verschiedenheit kann den Begriff nicht verletzen, den wir von der Macht oder Weisheit des Schöpfers haben sollen. Zweyte Frage. Hat Gott freye verständige we, sen erschaffen können? Antwort. Die Freyheit ist die Macht, welche ein verständiges Wesen hat, eine Sache nach seiner Wahl zu thun, oder nicht zu khun. M»m merket wohl, daß diese Ei, genschaft eine wahre Vollkommenheit ist. Sie ist für die verständigen Wesen gleichsam wesentlich und nothwendig: denn, da sie die verschiedenen Arten der Güter, und die Mit, tel, dieselben zu erlangen, erkennen; müssen sie auch die Macht haben, diese Mittel zu wählen und zu gebrauchen: sonst wären die Erkenntniß und die Beurtheilung für sie . ziemlich unnützlich. Verständige Wesen ohne Freyheit könnte man nur für bewegliche Maschinen halten, die eitel leidend wären7 Dann hätten weder Tugenden, noch Ver, T t r bimste 66o Ursprung des Bösen, dienste mehr Statt. Es könnte unter den Menschen von» 4 I> sittlichen Guten keine Rede mehr seyn. Man muß dann ^ gestehen, daß Gott freye verständige Wesen habe erschaffen ^ B können. 5» Dritte Frage. Hat Gott den verständigen Wesen, ^ die er erschaffen hat, Gesetze aufiegen können? ' D Zlntwort. Als Schöpfer ist Gott der unbeschränkt» W Herr seiner Geschöpft, und der Ursprung aller Güter, derer sie genießen. Sein höchstes Ansehen foderte von dem Ge« M schöpft einen Dienst der Abhängigkeit und der Dankbarkeit: das wird Niemand zu verneinen wagen. Seine unendliche , ^ Güte verlangte, daß dieser Dienst weder hart, noch beschwer« ^ lich seyn sollte. Seine Weisheit mußte Beweggründe an die Hand geben, welche fähig seyn möchten, das Geschöpfs ^ bewegen und anzutreiben. Also verhielt sich Gott im Gebo« ^ the, daß er dem ersten Menschen gab. Er versetzte ihn an ^ ^ den angenehmsten Ort auf der Erde; er versah ihn mit allem, ^ was er verlangen und bedürfen konnte; er gab ihm die um ^ beschränkte Herrschaft über alle Wesen, womit er umgeben ^ war; er erlaubte ihm den Genuß aller jener köstlichen Früch« ^ te, welche dieser Lustgarten ihm anboth, auch sogar derselbi« ^ gen Frucht, welche die Unsterblichkeit ertheilte. Ein einziger ^ Baum war darunter, welchen er ihm zu berühren verboth, ^ um seinen Gehorsam zu prüfen, und seine höchste Oberg« ^ walk erkennen zu lassen. Verletzet dieß Gesetz, dieß Verboth den Begriff, den wir von der höchsten Obergewalt Gottes < - von seiner Weisheit, oder seiner Güte haben sollen? ^ Vierte Frage. Hätte Gott die Geschöpfe unfähig zu sündigen machen sollen? . ^ Wt- O hö !,O Ük', Ursprung des Bösen. 66 k Antwort« Wir Haben gesthen, daß Gott endliche und beschränkte Wesen, von verschiedenen Gattungen, und mit verschiedenen Graden der Vollkommenheit hatte erschaffen können. Nun aber, beschränkte und endliche Geschöpfe müssen der Unvollkommenheit unterworfen scyn; denn dieses ist eine nothwendige Folge ihrer Natur. Wir haben auch gesehen, daß er freye verständige Wesen erschaffen hatte. Allein, freye verständige, aber beschränkte Wesen können un« ter verschiedenen Gattungen von Gütern, unter scheinbaren und wirklichen Gütern, unter erlaubten und verbotenen Gütern eine Wahl treffen. Es ist dann eine Folge von ihrer Natur, daß diese Geschöpfe manchesmal sich bekriegen, übel wählen, und folglich sündigen können. Der Gerechtigkeit, Weisheit, und Güte Gottes kömmt es zu, ihnen Hülfsmittel und Beweggründe an die Hand zu biethen, die fähig sind, sie vor der Verführung zu bewahren, und von der Sünde abzuziehen. Nun aber, er beut diese nicht a klein an die Hand; sondern es hat noch keinen vernünftigen Men, schen gegeben, der sich zu sagen getrauet Hätte, er biethe sie uicht an. Bayle hat die Stärke dieser Gründe so gut ge, fühlet, daß er aus Verzweiflung, und weil er unmöglich zu antworten weiß, so weit geht, daß er zu verstehen giebt, Gott hätte dem Menschen den freyen Willen nicht geben sollen. Die Antwort schicket sich in der That für einen Verzweifelten. Fünfte Frage. Da Gott die Sünde des Menschen vorhergesehen hat, hätte er sie nicht verhindern sollen ? . Antwort. Damit wir diese Frage richtig beanttvor, ^ ten mögen, muß man die Sünde unter zweenen verschiedenen Gesichtspunkten betrachten: i. In Absicht auf Gott, dem ß Tt z die «62 Ursprung des Bösen. dir Sünde widerstrebet. 2. In Absicht auf den Menschen, an welchem die Sünde gestrafek wird. Laßt uns erstlich einen Augenblick auf die Untersuchung des ersten Punktes wenden. Wenn man beweisen könnte, daß die Gestattung der Sünde nicht allein die göttlichen Voll, kommenheiten nicht verletzet, sondern daß sie sogar dienet, durch noch rührendere Zeichen die Hoheit und Glorie Gottes Hervorscheinen zu lassen; so würbe man eben dadurch bewei« sen, daß Gott, wenn er gleich die Sünde vorhergesehn, hat, deßhalöen sie nicht hat nochwendig verhindern müssen. Nun dieser Punkt laßt sich ganz leicht beweisen. Denn: l. die Gestattung der Sünde verletzet seine Gerechtigkeit nicht, weil der Gegenstand der Gerechtigkeit ist, für das Gute zu belohnen , und für das Böse zu strafen. 2. Sie verletzet seins Weisheit nicht, weil die wahre Schönheit der sittlichen Welt darinnen besteht, daß der Mensch die Tugend aus Vorzüge, aus Geschmacke, aus eigener Wahl, und mit Freyheit an nimmt. Dieß aber könnte nicht Statt haben , wenn die Sünde nicht gestattet wäre. z. Sie verletzet seine Güte nicht, welche darinnen besteht, daß sie Gutes erweisen will, und wirklich erweist. Allein die Gestattung der Sünde ist dem guten Willen Gottes nicht zuwider; sie hemmet seine Wohlkhaten nicht; sie verhindert den Menschen niemals, daraus Nutzen zu ziehen. 4. Sie verletzet seine Heiligkeit nicht, weil nur der Willen, oder die Handlung der Sünde sie wirklich verlchtt, und weil das Vermögen zu sündigen, wenn man ihm widersteht, die schönste Huldigung ist, die man seiner Heiligkeit leisten mag. Außerdem giebt nichts die Größe der göttlichen Vollkommenheiten besser zu erken» nen, als die Gestattung der Sünde. Und fürwahr, was »!il Ms, ch M l,«! ' Ursprung des Bösen. 6»z entdecket uns besser die unendliche Heiligkeit Gottes, als die Weise, wonach er gefedert hat, daß für die Sünde genug gethan wurde? oder seine Gerechtigkeit, als die Strengheit, womit sie gezüchtiget wird ? oder seine Herrlichkeit und seine Freigebigkeit, als die Belohnungen, womit er jene krönet, die über die Neigung zur Sünde gesieget haben? Wenn man also die Sünde in Absicht der göttlichen Vollkommen, heiren betrachtet, ist Gort nicht verpflichtet gewesen, sie zu verhindern. Der zweyte Punkt der Antwort geht das Schicksal des Menschen an, und folglich läßt man sich in diesem härter befriedigen. Gleichwohl muß man gestehen, sofern man die Sünde in Absicht auf den Menschen betrachtet, an dem sie gesirafet wird, daß Gott nicht verpflichtet war, sie zu verhindern, wenn sich der Mensch mit Billigkeit über die Strafe nicht beklagen kann. Nun ist es augenscheinlich, daß er sich mit Billigkeit über die Strafe nicht beklagen kann, weil er unerachtet der Drohungen, die ihm gemacht worden waren, und unerachtet der Hülfsmiktel, die er hatte, um das Gute zu wirken und das Böse zu vermeiden, den, noch frey gesündigel hat. Man gebe auf die folgende Wahrheit Achtung. Nur die lasterhaften Menschen rechten wider Gott für die Dul, düng und die Straflosigkeit des Lasters. Diese Leute be» kümmern sich eben so wenig um die Belohnungen der Tugend , als um die Tugend selbsten. Aber sie verabscheuen jeden Lehrsatz, welcher Strafen kund machet, die für die Lasterhaften bereitet sind« Sie streiten vergeblich über die Um Möglichkeit, die höchste Güte Gottes mit den schärfsten Strafen zusammenzureimen. Sie wünscheten, daß diese rr 4 höchste 664 Ursprung des Bösen, höchste Güte alles erlaubte, alles duldete, zu allem imenr. pfindlich wäre; daß der Mensch ungestraft lasterhaft, ausge- lassen, allen seinen Leidenschaften dienstbar seyn könnt«: und sie merken nicht, daß eine solche Güte, welche die verächtlichste Gemüthsart an einem Menschen wäre, mit noch weit stär, kenn Grunde für Gott viel unanständiger, und durchaus unfähig seyn würde, in einem unendlich gerechten und unendlich heiligen Wesen Statt zu finden. Ml! B ß« Aus allem, was wir da gesagt haben, folget augenschein, ^ lich, wenn man die Sünde entweder in Absicht auf Gort, . - oder in Absicht auf den Menschen betrachtet, daß Gott nicht nvthwendig verpflichtet war, sie zu verhindern, und daß er - sie hat gestalten können, ohne daß seine Heiligkeit, seine Ge, ' rechtigkeit, seine Weisheit, seine Güte dadurch verletzet Mir, § den. Wir wollen alle diese Grundsätze noch besser entwl- t» ckeln, wo wir auf die Einwürfe antworten werden, welche « den Gegenstand des letzten Artikels ausmachen. tz Vierter Artikel. Philosophische Erklärung vom Ursprünge-es Bösen. Hsus dem, was wir bisher gesaget haben, hat man schon ^ einsehen können, was der Ursprung des Bösen sey. Aber damit man ihn noch besser erkennen, und sicherer beur- theilen möge, wollen wir aufmerksam erforschen, wie die Natur des Menschen beschaffen sey. Diese Erforschung wird uns zur sichersten Entdeckung des Gegenstands, den wir suchen, hinanleiten. D L l>! h K R Der Mensch besteht aus zwoen Substanzen; aus dem ii? Geiste und der Materie, aus einer verständigen Seele, und Ursprung des Bösen. <§6s aus einem Leibe, der mit Hülfsgliedern versehen ist. Die Seele hat verschiedene Fakultäten; als da sind: der Begriff, welcher das Bild und die Kenntniß der Gegenstände an, nimmt : der verstand, welcher sie vergleicht, erforschet, be, urtheilet; der willen, welcher jenen nachstrebet und anhängt, die ihm gefallen, oder von denen sich entfernet, die ihm miS, fallen; die Freyheit, welche, nach der Erkenntniß und Unter, suchung, sich entschließt, ein Ding zu thun, oder nicht zu thun, zu erwählen, oder zu verwerfen, je nachdem sie es für schicklich ansieht. Man kann noch eine gewisse natürliche Empfindung, welche uns das Gute vom Bösen, das Tu, gendhafte von dem, was nicht tugendhaft ist, unterscheiden läßt, und die natürliche Neigung zum Guten dazu sehen. Alle diese Fakultäten befinden sich auf gleiche Weisem allen Menschen; aber sie befinden sich nicht bey jedem in ei, nem gleich vollkommenen Grade. Dieser Unterschied, welcher oft sehr beträchtlich ist, kann aus vielen Ursachen her, kommen, wovon die vornehmsten eine vollkommnere Orga, nisalion in einem als im andern, oder auch ein großer Unter« schied in der Pflegung, Unterweisung, und Auferziehung sind. Man trifft unter den Menschen manche an, welche, durch die Vernunft, die Erkenntniß, und den Scharfsinn, nur wer nig geringer, als pur geistige Wesen scheinen; und man fin, der auch andere darunter, welche, durch ihre Dummheit, kaum etwas besser als die Thiere scheinen, die keine Ver, nunft haben. Zu diesen geistigen Fakultäten muß man noch andere Ge, sinnungen sehen, die von einer verschiedenen Gattung sind , die vom Leibe Herkommen, und die der Ursprung der Leiden, schäften sind. Man muß auch im Menschen verschiedne Ar, Tl; ten ess Ursprung-es Böse«. . ten des Gefühles und der ^Empfindung erkennen, welche m ^ Len pur geistigen Wesen nicht Statt haben, und nicht Stau ^ haben können. Also ist der Mensch aus seiner Natur gleich» ^ sam ein Mittelding zwischen den puren Geistern, und den ^ Thieren; er ist weit geringer als jene, und weit erhabner, ^ als diese sind: und in dieser sonderbaren Vereinbarung und ^ § Verbindniß ist nichts, das nicht im physischen Verstände gut, ^ nichts, das in sich selbsten schlecht wäre, oder, das man nicht ff» in einem gleichgültigen Stande betrachten könnte, weil er ^ der freye Mensch zum Guten oder zum Bösen gebrauchen kann. ch Weil aber die Kenntnisse des Menschen beschränket sind, und weil der Eindruck, welchen die Dinge aufdie Sinne wirr ^ ^ ken, bald nützlich, und nicht angenehm, und bald schädlich, Al aber nicht unangenehm sind; so folget daraus, daß er man» M chesmal in Jrrthum verfallen, und eine schlechte Wahl tref, fen kann: es folget daraus, daß er zuweilen, durch den Ein» druck, der auf die Sinne gemacht wird, lebhafter gerühret rverden kann, als durch das, was ihm die Vernunft und das z innere Gesetz vorstellet: es folget daraus, daß er vieleicht ^ nicht allemal auf alle Beweggründe genug Acht hat, welche ^ ihn an jenes, was gerecht, anständig, tugendsam ist, heften sollten. »ij Ob er gleich vollkommen ftey ist, so kann er doch, aus Fehlbarkeit der Natur eine schlechte Wahl treffen, seine Frey, K heit misbrauchen, und folglich sündigen: und alsdann sieht man, daß der wahre Ursprung des Bösen nur der böse Ge» ^ brauch ist, welchen der Mensch mit seinem fteyen Willen ^ «nd mit seinen Seelenkräften machet. ^ Ihr Unter» tz it! Ist l« ß! F Ursprung des Bösen. 667 Unterdessen darf diese Fehlbarkeit des Geschöpfes, dieses Vermögen seine Freyheit zu misbrauchen, und seine Pflicht zu übertreten, weil es eine natürliche Folge seiner Natur ist, dem Schöpfer, als ein Mangel der Weisheit, Macht, oder Güte nicht beygemessen werden. Sonst müßte man sagen, Gott hätte nichts erschaffen, oder nur lauter unendlich volle kommene Wesen erschaffen sollen. Aber ein jeder aus diese« zweenen Säßen ist gleich ungereimt. Wir haben die Ungereimtheit des ersten in unsrer Antwort auf die erste Frage an den Tag gelegt. Die Ungereimtheit des zweyten ist nicht weniger sichtbar: denn, wer ein Geschöpf nennet, der nennt ein endliches und beschränktes Wesen, und folglich ein fehlbares oder mangelhaftes Wesen. Außerdem, wenn man die Unvollkommenheit der Geschöpfe dem Schöpfer, als einen Fehler, beymessen könnte, so gäbe es keines, das nicht ein Recht zu haben glaubte, sich über seinen Erschaffer zu beklagen: Der Kieselstein könnte sich beklagen, daß er nicht so gut mit Organen versehen ist- als die Pflanze ; die Pflanze, daß sie nicht die Empfindung hat, wie das Thier; das Thier, daß es den Verstand nicht hat, wie der Mensch; der Mensch, daß er minder vollkommen ist, als der Engel; der Engel, daß er m seinen Vollkom, me Heilen dem Schöpfer nicht näher gleicht. Aber all dieses sind eben so viele Ungereimtheiten, und so grobe Ungereimt, heilen, daß sie keiner Widerlegung bedörfen. Man fühlet im Gegensätze, daß nichts tauglicher ist, die Macht des Schöpfers Hervorscheinen zu lassen, und unsrer Be.vnndrung vorzustellen, als jene Unterordnung, jene Ver, schiecenheit, jene Grade der Vollkommenheiten in den Ge, schöpfen. Man fühlet, daß alle jene Wesen, unerachtet ih. rer e§8 Ursprung des Bösen. rer natürlichen Unvollkommenheilen, zu den Absichten dien» lich sind, zu welchen sie Gott gemacher hat, und die er sich, M als seiner würdig, hat vorstellen können. Man fühlet, Laß bas Vermögen, welches der Mensch empfangen hat, das Gute nach seiner Wahl zu wirken, der Tugend den Vorzug A" zu geben, dem Schöpfer seine Dienste freywillig zu leisten, ^ den ersten Grund von der wahren Schönheit der sittlichen ^ Welt ausmachet. Endlich fühlen wir alle im Grunde der ^ Seele, und ein jeder Mensch, der seine Vernunft brauchet, ^ der zu denken, zu überlegen weiß, erkennt es auf gleiche ^ Weise, daß nur die Liebe zur Wahrheit, zur Gerechtigkeit, ^ zur Tugend, welche der Mensch aus eigner Wahl ausübct, ^ lobenswürdig sey; daß nur sie Hochschähung und Ehrfurcht ^ verdiene, und auf der Erde ein Schauwunder zeige, welches ^ wahrhaftig tauglich ist, unsre Achtung zu erwerben. ^ Alles ist dann von Gotte gut: * V iäit Deus cunÄa» quse ksLerst, öc erant vsläe bona. Alles ist am Men. schen gut, der seine Freyheit brauchet, um den Absichten Gottes zu entsprechen. Das Böse kann nur von dein Mir- brauche Herkommen, welchen der Mensch mit den Kräften " E machen wollte, die er von seinem Schöpfer empfangen hat. Man soll nach keinem andern Ursprünge forschen. Alles stimmet hier mit dem, was uns das innere Gefühl, die Ver, » nunft, die Offenbarung saget, vollkommen übereinS. Der Gottlose fühlet es, wie alle übrige Menschen. Es fehlet ihm nichts, als Redlichkeit und Aufrichtigkeit: ft ?i würde ers gestehet». ^ Kd Kt lk ir, irr il- ,rä ,jr -s öl jS Ursprung des Bösen. ss- Fünfter Artikel. Antwort auf die Einwürft/ die Bayle vom UrspruM des Bösen machet. (?>ie Grundsätze, die wir nun in den vorhergehenden Ar, ^ tikeln vorgetragen haben, wären schon erklecklich, alles zu beantworten, was Bayle vom Ursprünge des Bösen ein« wendet. Damit wir aber den Lesern ein vollkommenes Ge« nügen leisten, wollen wir noch alle Schwierigkeiten beybrim gen, die dieser berufene Lehrmeister der Unglaubigkeit über diesen Stoff austvirst. Er wiederholet unaufhörlich in aller» seinen Artikeln: Manichäer, paulicianer, Origenes, Mar, kisniter, u. m. a. daß die Vernunft diese Schwierigkeiten lediglich nicht auflösen könne. Man wird den Leser in der» Stand setzen zu urrheilen, ob diese Aussprüche, und Plaude« reyen gut gegründet seyn. Erster Einwurf. * „ Wenn der Mensch das Werk eines unendlich gütb „ gen und heiligen Grundweftns wäre, so würde er nicht „ allein ohne alles wirkliche Böse, sondern auch ohne alle „ Neigung zum Bösen erschaffen worden seyn, weil diese „ Neigung ein Fehler ist, der von keinem solchen Gcundrve« „ sen Herkommen kann,,. > Ant- * Bayle Artikel: Manichäer, Note W. paulicianer^ Alsowurden die Manichäer in Armenien von Einem» Namens Paul, benamset, der sich im siebenten Jahrhunderte z» ihrem Haupte aufwarf. tdrigenes^ Der berühmte Kirchenlehrer im dritten Jahrhunderte. Sr hatte wider die Marcioniter geschrieben. Marcioniter^ Die ketzerische» Anhänger v»n Marcion im zwepten Jahrhundert». Ursprung des Bösen. Antwort. ^ Nichts ist richtiger, als dieser Vordersaß Baylens, und nichts fälscher, als die Schlußfolge, die er daraus ziehen will. Um diese Schlußfolge zu entdecken, dörfm wir nur seine Schlußrede auf diese Weise ausführen: nun aber, -er Mensch ist nicht ohne alles wirkliche Böse, oder ohne Neigung zum Bösen erschaffen worden. Folglich ist er das Werk eines unendlich gütigen und heiligen Grund- wesens nicht. Aber, wenn man die Schlußrede also au-, führet, sieht man schon, wie falsch und verführerisch sie sey. Denn es ist grundfalsch, daß der Mensch mit einem wirkliche» Bösen erschaffen worden sey. Adam empfieng von Gotte eine gerechte Seele, einen gesunden Leib, einen Verstand, der fähig war zu erkennen, was wahr, gerecht, und ehrbar sey; er empfieng Sinne, welche den Eindruck der Gegenstände aufnahmen, und ihm dadurch anzeiglen, was ihm zu seiner Erhaltung und seinem Wohlseyn nothwmdig wäre. Er empfieng auch die Freyheit, das ist, das Vermi, gen, sich selbst zu entschließen, und zu wählen. Allein an all diesem ist nichts, was man, oder ein wirkliches Böses, oder eine Neigung zum Bösen nennen könnte. Der fteye Willen, das Vermögen aus Wahl und aus Geschmacks dem Guten nachzustreben, ist gewiß ein kostbares Geschenk, obschon man es misbrauchen kann. Es ist dann die ganze Schlußrede Baylens grundfalsch, und sehr verführerisch. « Fortsetzung des Einwurfs. . Hat Gott vorgesehen, daß der Mensch seinen fteyen Willen misbrauchen werde? Wenn ers vorgesehen hat, „ hätte " Eben-. >m ßl> , Ursprung des Bösen. s?r „ hätte er die Sünde seines Geschöpfes verhindern sollen. „ Denn die Begriffe der Ordnung gestatten nicht, daß ein „ unendlich gütiges und heiliges Grundwesen, welches die „ Entstehung des sittlichen Bösen verhindern kann, dasselbe „ nicht verhindere; besonders, wenn es sieht, daß es verbun, „ den seyn werde, dafern es das Böse gestattet, sein eigenes „ Geschöpf mit Strafen zu beladen,,. Antwort. Die Begriffe der Ordnung verlangen, daß ein unendlich heiliges Grundwesen die Sünde lediglich verbreche, und daß i rin unendlich gütiges Grundwesen alle Hülfsmiktel, und die mächtigsten Beweggründe an die Hand bieche, um die Sün« de vermeiden zu helfen, und daß es die Strafen bekannt ma, che, die nachmals die Züchtigung der Sünde seyn werden. Aber, da dieses unendlich gütige und heilige Grundwesen zu< gleich unendlich weis und gerecht ist, verlangen auch eben dieselben Begriffe der Ordnung, daß seine Weisheit die fteyen Geschöpfe ihrer Freyheit sich gebrauche», lasse, und daß seine Gerechtigkeit dieselbigen strafe, welche sie misbrauchen. Zweite Fortsetzung des Einwurfs. * ,, Wenn eine so beschränkte Güte, wie die Güte der „ Väter ist, nothwendig erfodert, daß sie, so viel ihnen „ möglich ist, den bösen Gebrauch verhindern, den ihre „ Kinder mit den Gütern, die sie ihnen geben, machen könne ,, ten; so wird mit weit stärkerm Grunde eine unendliche und „ allmächtige Güte die bösen Wirkungen ihrer Geschenke ver» „ hindern r sie wird den Menschen zum sittlichen Guten an, ' „ treiben, wie sie ihn zum physischen Guten angetrieben hat. An, ' Lbrnd. 672 Ursprung des Bösen. „ Anstatt des freyen Willens wird sie ihren Geschöpfen den „ Trieb zum Guten geben: oder, wenn sie ihnen den freyen „ Willen giebt, wird sie beständig mit Nachdrucke Sorge „ tragen, um zu verhindern, daß sie nicht sündigen,,. Antwort. Nach dem Maaße, wie wir in der Erörterung der Schwierigkeiten fortrücken, sehen wir, wie sich die gräulichen Grundsähe immer besser entwickeln, und wie die Ungereimt» heiren aufwachsen. Dieser Mann will weder freyen Willen, noch sittliches Gutes, noch Tugend mehr haben. Er will lieber die Menschen einfache Triebmaschinen seyn lassen, die blindhin geleitet, und wie die Thiere angetrieben werden. Wie rühmlich ist diese Philosophie für die Menschlichkeit und die Vernunft! D ch cki Dt I»!k », Gott, saget er, wird den Menschen zum sittlichen !P Guten anteiben, wie er ihn zum physischen Guten an- stz getrieben hat. Aber ist Menschenverstand dabey, wenn man U also redet? Das sittliche Gute ist das, was man frey, aus lW einem ehrlichen Beweggründe und in einer ehrlichen Absicht, thut. Das physische Gute ist die Hülse, welche die , schöpfe nokhwendig von auswärtigen Gegenständen nach den ^ Gesehen empfangen, die der Schöpfer zu ihrer Erhaltung . bestimmet hat: wie das Wachöthum in den Pflanzen, die ^ Ernährung in den Thieren, u. s. w. Das sittliche Gute be» ^ greift nokhwendig die Ausübung der Freyheit in sich: das ^ physische Gute zeiget nur die Nothwendigkeit an. Wenn ^ man also saget, Gott sollte den Menschen zum sittlichen Gu» ten, wie zum physischen Guten, antreiben; so ist es so viel, ^ als ob man sagte, Gott sollte ihn antreiben, etwas nothwen» ^ big zu thun, was wesentlich nur mit Freyheit geschehen kann. Ist ^ »> «»! Ik !II IS ti!r P! iss liik Ursprung des Bösen. 67z Ist jemals ein gröberer Schnitzer, ein größerer Widerspruch gesehen worden? Anstatt des freyen willens wird Gott seinen Ge, schöpfen den Trieb zum Guten geben. Die Freyheit ist nichts Böses. Kann man Gotte mit Vernunft einen Vorwurf machen, daß er sie üns gegeben habe? Sie ist eine wahre Vollkommenheit; sie ist zum sittlichen Gmen noch, wendig. Desto schlimmer für jene, die sie misbrauchen! Oder, wenn Gott ihnen den freyen willen giebt, wird er beständig mit Nachdrucke Sorge tragen, um zu verhindern, daß sie nicht sündigen« Durch den Ausdruck: Mit Nachdrucke Sorge tragen, muß dieser Mann entweder einen unüberwindlichen Widerstand, welcher die Ausübung der Freyheit verhindert und zernichtet, oder etwas anders ver, stehen. Wenn er einen unüberwindlichen Widerstand ver, steht, so enthält sein Saß die zween Widersprüche: nämlich, die Ausübung der Freyheit, und eine unüberwindliche Hin, dermß zu der Ausübung der Freyheit. Wenn er etwas anders versteht, so wollen wir warten, bis er sich besser erkläret. Die Vergleichung von der Pflicht eines Vaters gegen seine Kinder, und von der Pflicht des Schöpfers gegen seine Geschöpft, kann nicht unschicklicher seyn. Was will man uns durch jene beschränkte Güte, und jene unendliche Güte sagen? Es ist hier die Rede nicht von Güte, sondern von Pflicht. Ein Vaier, als ein Geschöpfund als Vater, hat ein Geseh von seinem Schöpfer empfangen; und nach diesem Gesetze muß er ihm dienen, und machen, daß man ihm diene; er muß das Böse meiden, und machen, daß man es vermeide. Es mag seine Güte oder seine Schwachheit, seine Härte oder seine Nachläßigkeit Gelegenheit zum Bösen geben; so ist II. Band. Uu «r 674 Ursprung -es Bösen, er gleich strafbar, weilerein Gesetz Übertritt, welches ibm der Schöpfer aufgeleget hat. Er ist dann durch ein noch stärkeres Gesetz, als das Gesetz der väterlichen Güte, verbun« den, seinen Kindern keine Geschenke zu geben, die sie misdrau, chen würden. Wenn man aber ein Gesetz iin Schöpfer vermuthen kann, was für ein Gesetz soll es wohl seyn ? Ein Gesetz, das sich mit allen göttlichen Vollkommenheiten verträgt; ein Gesetz, wodurch seine Heiligkeit ihre unendliche Wioersehung vor der Sünde zeiget; wodurch feine Weisheit alles zum sittlichen Guten ordnet, und zu diesem Ende Len Geschöpfen die Frey- heil erhält, womit sie dieselben begaber hat; wodurch endlich sein« Güte ihnen allen Beystand und alle Mürel reichet, um zur Glückseligkeit zu gelangen. Aber man wird niemals mit Vernunft eine Güte in Gotte vermuthen können, die alle ursprüngliche Verordnungen, welche die Weisheit gemacht hätte, vernichten müßte, um die Verirrungen des freyen Geschöpfes zu verhindern und zu bessern. Welche Ausschweifung, zu begehren, daß die Fehltritte, der Eigensinn, der Misbrauch, den der Mensch mit seiner Freyheü machen kann, die Rathschlüsse des höchsten Wesens bestimmen sollten ! Was für Verwirrungen würde nicht eine Güte, die sich danach richten müßte, in der physischen und sittlichen Welt stiften! Zweiter Einwurf. * „ Wie unter der Regierung eines höchsten Wesens, „ das unendlich gütig, unendlich heilig , unendlich mächtig „ ist, sich das Böse eingeschlichen habe, ist nicht allein un- „ auß ' Ariik. Paulicianer, Note M 1 Ursprung des Bösen. 675 „ auflöslich, sondern sogar unbegreiflich: und alles, was „ man gegen die Gründe einmenbet, warum dieses Wesen „ das Böse gestattet habe, ist den natürlichen Einsichten „ und den Begriffen von der Ordnung angemessener, als eben „ diese Gründe sechsten sind „. »tz, AL iüL k Mk! L's D sü'' / Antwort. Bayle selber soll auf diesen erschrecklichen Einwurf antworten ; und daraus wird man von der Redlichkeit und der Gründlichkeit seiner Vernunftschlüsse urrheilen können. * „Die sichersten und deutlichsten Begriffe von der Ord, „ nung geben uns zu verstehen, daß ein Wesen, welches aus „ sich selbst besteht, welches nochwendig und ewig ist, auch ,, einzig, unendlich, allmächtig, und mit Vollkommenheiten „ von jeder Art begabet seyn müsse. Da man also diese ,, Begriffe zu Rarhe zieht, findet man nichts ungereimter, „ als die Hypothese von zweyen Grundwesen. — Wenn uns „ die Manichäer einwenden, weil man in der Welt mch- „ rere Dinge sieht, die sich einander zuwider sind, müsse es „ nochwendig zwey Grundwesen geben; so klingts erbärmlich. „ Der Gegensatz zwischen diesem Wesen, möchte er auch „ durch das, was man Verschiedenheit, Unordnung, Ver, „ Wirrung der Natur nennt, immer so sehr vergrößert wer, ,, den, könnte nicht einen halben Einwurf gegen die Einheit „ Gottes ausmachen. Man giebt von allen diesen Dingen „ Rechenschaft, entweder durch die verschiedenen Kräfte, „ die Gott den Körpern gegeben hat, oder durch den Zusam, „ menfluß gelegenheitlicher verständiger Ursachen, nach denen „ es ihm gefallen hat sich zu richten,,« Also V Artik. Manichäer, Note!W° Uu Z 676 Ursprung des Bösen. Also beweisen uns die Begriffe von der Ordnung, nach Baylen, augenscheinlich die Einheit Gottes und eines ejnzi, gen Grundwesens; und nach eben demselben Bayle, ist dm Begriffen von der Ordnung viel angemessener, was man für das System zweyrr Grundwesen saget. Nach ihm, machet der Gegensatz zwischen den erschaffenen Wesen nicht einen halben Einwurf gegen die Einheit Gottesaus; und wieder nach ihm, ist es unmöglich, wenn man ein einziges Grund« wesen annimmt, von diesem Gegensätze die Ursache zu sinom. Aber, nachdem man diese vortreffliche Uebereinsirmmung in den Gedanken Baylens bemerket hat, frage man ihn noch, mit welchem Grunde die Manichäer zwey Grundwesen an« nehmen; so wird er gestehen, daß sie keinen Grund n priori haben. Man frage ihn, ob eine Erklärung der außeror« dentlichen Naturerscheinungen, die sich aufkeinen Grundsatz steuret, recht philosophisch und genüglich sey; so wird er sa« gen müssen, daß sie es keines Wegs ist. Man frage ihn endlich, ob man wegen der Beschwerniß, die man fühlen möchte, etliche Naturerscheinungen zu erklären, die sichersten und deutlichsten Grundsätze verwerfen solle; so wird er mit Nein antworten müssen. Gleichwohl will er eben diese Ungereimtheiten durch die Vertheidigung des Mamchäis, mus bestätigen. Die Beschwernisse, die man bey der Erklärung der Naturerscheinungen antrifft, beweisen die engen Schranken der menschlichen Vernunft. Sie beweisen nicht, daß diese durchaus unauflöslich und unbegreiflich seyn. Aber nichts wird aus eben diesem Grunde sicherer verdammet, als daß man die deutlichsten und gewissesten Grundsätze verwerfen sollte. Wir werden in unfern Systemen Beschwernisse, und 1 '^ Zk KS!> >W ch !!k »tz I^ !,ß- K- Ursprung des Bösen. 677 und im Systeme der Manichäer die anstößigstenUngereimt» heitenankreffen. Fortsetzung des Einwurfs. * „ Wenn der Mensch das Werk eines einzigen. höchst „ gütigen, höchst heiligen, höchst mächtigen Grundwesens „ ist, kann er den Krankheiten, der Kälte, der Hitze, dem „ Hunger, dem Durste, dem Schmerzen, demVerdntße „ unterworfen seyn? kann er so viele Laster begehen ? Kan» „ die höchste Heiligkeit ein sündhaftes Geschöpf Hervorbrim „ gen? Kann die höchste Güte ein unglückseliges Geschöpf „ erzeugen? Wird nicht die höchste Macht, mit einer unend, „ lichen Güte verbunden, ihr Werk mit Gutem beschenken, „ und alles entfernen, was dasselbe verletzen, oder ihm vev« „ drießlich fallen könnte,, ? « Antwort. Nichts von all diesem machet nur einen Schatten von Einwurse gegen die Einheit des Grundwesens aus. Die Hitze, die Kälte, der Hunger, der Durst sind dem sittlichen Guten nicht zuwider; sie können sogar ein Vieles beytragen, die Tugend, die Herzhaftigkeit, die Liebe zur Wahrheit, zur Gerechtigkeit, zur Ehrlichkeit sichtbar zu machen. Die bö, sen Neigungen sind nicht eigentlich die Natur des Menschen. Wenn sich einige in ihm befinden, so kommen sie allezeit von zufälligen Ursachen her, welche Folgen des Zustands eines Geschöpfes sind, das nothwendiger Weise beschränket und endlich ist, und welche noch zur Glorie und zum Verdienste des Menschen gereichen können, da sie durch die Vernunft, die ' Artik. Manichäer, Note Uu z 678 Ursprung des Böse». die Auferstehung, und den Beystand, den-er Schöpfer nicht versaget, zu bessern sind. Was das Uebrige des Einwurfs betrifft, geben wir folgende Antwort darauf: 1. Es ist falsch, daß Gott sündhafte Geschöpfe hervorgebracht habe. Gott hatte den Menschen gerecht erschaffen: und der Mensch ist nur deßhaiben von der Gerechtigkeit abgewichen, weil er seine Seelenkräste ftey gemiöbrauchet hat. 2. Es ist falsch, daß er unglückselige Geschöpfe erzeuget habe. Wo war die Unglückseliakeit des Menschen in dem Zustande, worein ihn Gott versehet hatte, als er ihn erschuf? Was aufseinen Ungehorsam gefolget ist, muß nicht Gotte auf die Rechnung geschrieben werden, sondern dem Misbrau- che, den der Mensch mir seiner Freyheit gemacht har. Z. Es ist falsch, daß dis höchste Macht, mit einer UN, endlichen Güte verbunden, von dem Geschöpfe alles entfernen müsse, was dasselbe verletzen, oder ihm verdrießlich fal, M könnte: denn die unendliche Güte wird von einer Weisheit bel- uchret, die gleichfalls unendlich ist. Nun aber, die unendliche Weisheit wird die Uebsl nicht entfernen, welche eine nochwendige Folge der Gebrechlichkeit des Geschöpfes sind, und welche, durch einen guten Gebrauch', der Stoff und die Gelegenheit zur Tugend werden können: denn ebendarinnen besteht das sittliche Gute, worauf die unendliche Weisheit ihre Absicht haben muß. Der ganze Venmnstschluß von Baylen besteht dann in einem armseligen Trugschlüsse, welcher zwar den Absichten der Leidenschaften rchinäuchelt, aber durchaus den Vorstellungen des reinsten Vernnnstlichtes widerstrebet. , Drit- 67 - iltz kki dl L> Hk Ä! zs) Ursprung des Bösen. Dritter Emwurf. * „ Jene, die sagen, Gott habe die Sünde gestattet, „ weil er sie nicht hätte verhindern können, ohne den freyen „ Willen zu verlchen, den er dem Menschen gegeben Hane, „ und der das schönste Geschenk war , das er ihm gab; „ die sehen sich vielen Schwierigkeiten aus. Der Grund, „ den sie angebsn, ist schön ; aber man kann ihn durch „ Gründe bestreiten, welche allen Menschen begreiflicher, und ,, auf den Gesunden Verstand und die Begriffe von der Ord, „ nung besser gegründet sind. — Der freyr Willen des „ Menschen, den man ihm in Umständen, wo er ihn zu „ seinem Untergange gebrauchen sollte, ganz und unversehrt „ ließ, ist kein gutes Geschenk gewesen. Niemals werden „ wir fassen, daß man ihm dieses Vorrecht, aus einer Wirr „ kung der Güte und aus Liebe der Heiligkeit, habe lassen „ können. Jene, die sagen, es habe freye Geschöpfe geben „ müssen, damit Gott mit einer willkürlichen Liebe geliebet „ werden möchte, fühlen schon in ihrem Gewissen, daß diese „ Hypothese der Vernunft nicht Genügen schaffet. Denn, „ wenn man vorsieht, daß diese freyen Wesen die Liebe „ Gottes nicht erwählen werden, so sieht man, daß der „ Endzweck, den man sich vorgeseßt Hätte, verschwindet, „ und daß es also keineswegs nochwendig ist, den freyen „ Willen zu erhalten,,. Antwort. V Ehe wir Baylen unmittelbar antworten, fragen wir ihn: ^ Welche aus rwoen Wetten wäre vollkommener, für die Wsisr heit * Artikel: Paulicianck, Note 60. Zeit. ? Uu 4 680 Ursprung des Bösen, heit des Schöpfers würdiger, und tauglicher, seine Hoheit und Glorie zu offenbaren: eine Welt, wo es weder sittliches ^ Guus, noch Tugend gäbe, und wo alle Geschöpfe so unfähig dazu wären, als der Stein, die Pflanze, das vernunftlose Thier; oder eine Welk, in welcher verständige Geschöpfe fähig js 1 wärm, di- Tugend zu erkennen, zu lieben, anzunehmen, B aus Wahl sich daran zu heften, und ihr vor allen Dingen, ji N die nicht tugendhaft sind, den Vorzug zu geben ? Wir fta« «W gen ihn ferner - ob man die Tugend sieben, sich daran Heft in ten, ihr den Vorzug geben, ihre Belohnungen verdienen ibj könne, wenn man die Freyheit nicht hat? Nachdem wir Du ihm örrfts Bein zu nagen gegeben haben, schreiten wir zu M einer unmittelbaren und umständlichen Antwort. ^ 1. Er saget uns, man könne den Grund, den man M von der Gestattung der Sünde angiebt, und welcher die Er» V Haltung der Freyheit in dem Menschen ist, durch Gründe ji«Z bestreiten, die aufben gesunden Verstand, und die Begriffe ik von der Ordnung besser gegründet sind. Aber es ist im drin »i» ten Artikel bewiesen worden, daß die Freyheit für di«wen ich ständigen Wesen eine wesentliche Eigenschaft, und die Fehl« ^ barkeit eine nothwendige Folge von der Natur beschränkter ^ und endlicher Geschöpfe ist, daß die Gestattung der Sünde ^ ^ keine der göttlichen Vollkommenheiten verletzet. Folglich ist es wider den gesunden Verstand und wider die Begriffe von ^ der Ordnung, wenn man die Gestattung der Sünde bestreitet. 2 . Er saget, daß der freyeWillen, den man dem Mem schen in Umständen, wo er ihn zu seinem Untergange gebrauchen sollte, unversehrt ließ, kein gutes Geschenk "l wäre. Wohl ein falscher und lächerlicher Gedanken! Der «! Misbrauch eines Dinges bewiese nicht,daß das Ding böse sey. z. Man Ursprung des Bösen. bru z. Man fasset nicht, fährt er fort, daß man ihm die, sts Vorrecht aus einer Wirkung der Güte und aus Liebe der Heiligkeit habe lassen können. Aber jede der göttli, chm Vollkommenheiten hat ihren Gegenstand. Der Gegen, stund der Güte ist, Gutes zu thun; der Heiligkeit, die Ord, nung und die Tugend zu handhaben; der Weisheit, alles zu Absichten, die Gottes würdig sind, zu wirken und zu ordnen. Nun, keine dieser Vollkommenheiten widerstrebet der andern. Güte, Weisheit, Heiligkeit, Gerechtigkeit, alles steht in Gotte beysammen. Die Weisheit des Men, schen erfodert, daß er sich die Wohlthaten des Herrn dankbar zu Nutzen mache, und nach seinen Gesetzen lebe. 4. Jene, die sagen, es habe freye Wesen geben müssen, spnchr er ferner, damit Gott mit einer willkührlichen Liebe geliebet werden möchte, fühlen schon in ihrem Gewissen, daß diese Hypothese der Vernunft kein Genügen schaf, fet. Das Gewissen saget uns, diese Hypothese sey höchst vernünft-g; sie misfalle nur den Leidenschaften, und setze die Freysenker äußerst in Unruhe. Es war keineswegs nothwendig, den freyen wil» len ;n erhalten. Endlich leget unser Mann die Masse ab. Er entdecket seinen verdammlichen und schwärmerischen Ge, danken , Gott Habe sehr übel gethan, daß er uns die Frey, heit gab. Fortsetzung des ELnwmfs. * „Es ist keine gute Mutter, welche, nachdem sieih, „ ren Töchtern erlaubet hätte, auf den Baal zu gehen, diese „ Erlaubniß nicht wiederrufen würde, wenn sie versichert „ wäre, Uuf * «bmd. szr Ursprung -es Bösen. „ wäre, daß sie dort ihr Iungferkränzchen verlieren sollten. „ Und jede Mutter, die gewiß wüßte, daß dieses unfehlbar ' „ geschehen sollte, und sie dennoch auf den Baal gehen ließe, ,, „ würde sich zuin wenigsten den billigen Tadel zuziehen, daß «s „ sie weder ihre Töchter, noch die Keuschheit geliebet habe, „ß „ Sie möchte vergebens sagen, sie hätte dir Freyheit ihrer „ Töchter nicht verletzen wollen: man würde ihr antworten, ,, diese Nachsicht sey sehr übel verstanden gewesen, und sie ^ „ hätte besser gekhan, wenn sie ihre Töchter unter ihrem Ge« ^ „ sichte behalten, als ihnen ein solches Vorrecht der Freyheit irij „ also zur Unzeit gegeben hätte. Dieß giebt uns die Vec, st > „ messenheit derjenigen zu erkennen, welche uns die Nach» V! „ sicht, die Gort für Len fceyen Willen des Menschen gehabt ^ „ haben soll, zum Grunde angeben,,. H »ch Antwort. Dieser unanständige Vergleich, der an mehrern Stellen E« wiederholet wird, schien allen christlichen Gemeinen anstößig, ^ sobald das Lexikon ans Licht gekommen war. Bayle, um W sich zu rechtfertigen, genüget sich, in seiner Erläuterung von den Manichäern zu sagen, wenn er diesen Vergleich nicht angeführet hätte, so würde er den Streit vom Ursprünge des Bösen, als Geschichteschreiber, schlecht beschrieben, und die "! Gründe von beyden Theilen ungetreu erzählet haben. Also ''" spottet er seiner Leser, die nicht wohl belehret sind. Wir ^ haben den Einwurf, der aus der Vergleichung eines Va» ters gezogen ist, schon beantwortet. Hier hat es die näm» " siche Beschaffenheit: man darf nur die gleiche Antwort hier anwenden» »i Sweyte °h>! rr ülül- >«ir- Ursprung des Bösen. 68 z Zweyte Fortsetzung des Einwurfs. * „ Es steht einem Wohlthäter wesentlich zu, keine „ Gnaden zu ertheilen, wenn er weiß, man würde sie also „ misbrauchen, daß sie demjenigen, der sie empfienge, nur „ zu seinem Untergange dienen würden „. Antwort. Also müßte man nach unserm Sophisten auch sagen, Gott Habs übel gechan, daß er den Menschen Augen gege, Heu Hat, weil es einige giebt, welche unzüchtige Blicke schie, ßen lassen; daß er den Weinstock wachsen läßt, weil es ei, nige giebt, die sich berauschen; daß er das Feuer erschaffen ha?, weil es Mordbrenner giebt. Fürwahr, ist es erlaubet, also zu schließen? Gott, als die allgemeine und unendlich weift Grundursache, will, daß es in der Welt ein sittlrches Gute gebe, weil das sittliche Gute die schönste Zierde davon ausmachet. Das sittliche Gute sehet nothwendig die Frey, heit voraus. Aber Bayle will weder diese, noch jenes haben. Dritte Fortsetzung des Einwurfs. Es steht einem Wohlthäter wesentlich zu, nichts „ zu sparen, damit seine Wohlkhaten die Person glückselig ,, machen, die er damit beschenket. Wenn er ihr die Wis, „ senschaft ertheilen könnte, die Wohlthaten gut zu gebrau, „ chen, und wenn er ihr diese verweigerte, so würde er die „ Eigenschaft eines Wohlthärsrs schlecht behaupten „ . Antwort. Gott hat den Menschen alles gegeben, was nothwendig war, damit sie durch seine Wohlthaten glückselig werden möchten: * Ebend. " Eben-. 684 Ursprung des Bösen, möchten: er gab ihnen sein Gesetz, die Vernunft, das Gewis, sen, die Gnaden, u. s. w. Dem Freydenker scheint nur eine Wohlrhat zu viel: die Freyheit; ein Joch zu viel: das Ge« setz; eine Pflicht zuviel: die Pflicht seine Leidenschaften zu bändigen. In den Einwendungen vom Wohlrhärec, um kerscheide man allezeit das allgemeine Grundwesen, und das erschaffene Wesen: wir haben die Ursache davon schon angegeben. Vierte Fortsetzung des Einwurfs. * „ Man kann nicht begreifen, daß eine Wehlthätige „ Namr ein vorzügliches Geschenk mache, ohne dabey das „ Verlangen zu haben, die Glückseligkeit derjenigen, denen „ sie es machet, merklicher zu befördern; und folglich muß „ fie es also anstellen, daß diese ihren Vortheil daraus zie, „ hen, und sie muß verhindern, daß sie dabey ihren Scha- „ den, oder ihren gänzlichen Untergang finden. Und giebt „ es kein ander Mittel, dieß zu verhindern, als da sie ihr „ Geschenk wiederruft, so muß sie es wrederrufrn,,. Antwort. Unser Scheingründler vermenget immer das allgemeine Grundwesen mit dem Privatwesen. Das allgemeine Grundwesen, das von einer unendlichen Weisheit beleuchtet ist, Hat Absichten, welche zur Glückseligkeit eines jeden Privatmenschen abzielen. Wenn ein Privatmensch durch den Mis> brauch seiner Freyheit, diesen Absichten nicht entspricht, kann man die Schuld davon nicht auf das allgemeine Grundwesen schieben. Das Privatwrsen ist durch Gesetze gebunden, von denen es nicht abweichen darf. Also müssen ein Vater, eine Mutter, ein Wohlthäter sich an die Gesetze ihres Schör pfers ' lpauliciarm, Note LkkkZ tz- h: iii! , l >>,, !!>ff s-^ F s Ursprung des Bösen. 68? pferS halten, um das Gute zu wirken, und durch andere wirken zu lassen; um das Böse zu meiden, und andere meiden zu heißen. Laßt uns diesen Unterschied des allgemeinen Grundwesens und des Privatwesens durch ein Beyspiel vor die Augen legen. Ein wohlchätiger König, welcher sich die Glückselig, keil seiner Unterrhanen sehr angelegen seyn läßt, machet ein Gesetz, aus welchem sehr große Vorrheile für den Staat und für die Völker entspringen. Dieß Gesetz verordnet Strafen für diejenigen , die sich nicht danach richten wollten. Wenn nun etliche Privatpersonen dasselbe übertreten, und in die Strafen verfallen, die von dem Gesetze verordnet sind, muß jener weise und wohlthätige König sein Gesetz aufheben, damit er dem Uebertreter die verdienten Strafen erspare? Muß . man sagen , wie der verfängliche Bayle von dem Schöpfer sagec: Wenn es kein ander Mittel giebt, den Strafbaren zu reuen, als da man das Gesetz wreverruft, so muß man es in der Thal wiederrufen? Muß man sagen: dieser weise uns wohlthätige Fürst behauptet seine schöne Eigenschaft nicht recht? fern Gesetz ist keine nützliche Verordnung für seine Völker, und es steht einem Gesetzgeber wesentlich zu, keine Gesetze zu verordnen, wenn er wüßte, daß sie etliche Privat, Personen zu ihrem gänzlichenUntergange misbrauchm würden? Fünfte Fortsetzung des Einwmfs. „ Väter würden aller ihrer Pflichten vergessen, wenn „ sie einem Kinde das Messer oder den Degen nicht nähmen, „ dafern sie sähen, daß es im Begriffe wäre, denselben übel „ zu gebrauchen, um sich zu verwunden. Sie wären ver< „ pflichtet, unerachtet seiner Thränen, ihm diese Geschenke „ aus den Händen zu reißen,,. Ant- 686 Ursprung des Bösen. Antwort. Noch einmal: Man unterscheide das allgemeine Grund, wesen von dem Privatwesen. Diese Unterscheidung löset alle Beschwrrmß auf. Es ist bewiesen worden, daß Gott den Menschen die Freyheit nicht hat nehmen müssen. Es ist bewiesen worden, daß Gott den Menschen allen Beystand und alle nöthige Mittel hat an die Hand geben müssen, um sie tugendhaft zu machen, und daß er sie ihnen wirklich an die Hand giebt. Sie können diese Mittel gebrauchen, und können sie versäumen. Der gme Gebrauch machet sie rügend, hast; aber dieser Gebrauch hängt von ihrer Freyheit ab. Vierter Einwurf. * „ Laktanz, der Kirchenvater, läßt in seinem drey. „ zehnten Kapitel vom Zorne Gottes Epikuren also reden: „ Entweder will Gott das Böse von dieser Welt nehmen, „ und kann es nicht; oder er kann es, und will es nicht; „ oder er kann es nicht, und will es nicht; oder endlich, er „ kann es, und will es auch. Will er es, und kann es „ nicht, so ists Unvermögen; und dieses ist der Naim Got> „ tes zuwider: kann er es, und will es nicht,' so ists Bös, «, art; und dieses ist der Natur Gottes nicht weniger zu, „ wider: wen» er es weder will, noch kann, so ist es zu» „ gleich Bösart, und Unvermögen: wenn ers will, und ,, kann, — welches aus diesen Mrrteln allein Gotte zu, „ steht, — wo kömmt dann das Böse auf Erden her? „ Der Schluß ist dringend. Es antwortet auch Lak> „ tanz schlecht genug darauf, da er saget, Gott wolle das „ Böse; aber er Habe uns die Weisheit gegeben, mit wel, „ cher man das Gute erlanget. Mau muß gestehen, daß „di-ft - Phil. Händler. ^k>! «! A dtz !fi L jk !Ä chi st! K>! ij«' Aijl ßi !/ Ursprung des Bösen. 687 „ diese Antwort, mit dem Einwurfs verglichen, sehr schwach „ ist; denn sie laßt vermuthen, daß Gort die Weisheit nicht „ hätte geben können, wenn er nicht das Böse hecvorgebrachr „ hätte; und dann haben wir eine drolligte Weisheit,,! Antwort. Also drücket sich dieser Abschreiber Baylens aus, welcher aus ihm von Zeit zu Zeit etliche Gottlosigkeiten aufliest, um die Werke seines Alters ein Bißchen aufzuwäcmen. Der Schluß scheint ihm dringend: dieß machet seinem Verstan, de oder seiner Aufrichtigkeit wenig Ehre; denn der Schluß läßt sich ohne viele Mühe widerlegen, wie man es sehen wird, nachdem wir die Bestimmung dieser zweyer Worte: Gott und Böses, werden gegeben haben. Durch das Wort: Gott verstehen wir das unendlich vollkommene Wesen; das ist, jenes Wesen, an welchem alle Vollkommenheiten, Weisheit, Güte, Macht, Heiligkeit, unendlich sind. Durch das Wort: Böses, verstehen wir die unangenehmen Empfindungen, wel. che durch den Eindruck gewisser Gegenstände auf uns veran, lasset werden; welche eine Folge des unvollkommenen Standes sind, der dem Geschöpfe wesentlich ist, und die zur Ausü, bung der Tugend ein Vieles beylragen können. Nach dieser Erklärung wollen wir auf jeden Theil des Schlusses von Epikuren antworten. 1. Entweder will Gott das Böse von dieser Welt nehmen, und kann es nicht. Gott, da er unendlich mächtig ist, kann das Böse von dieser Welt nehmen, und da er unendlich weise ist, will er es nicht ganz hinwegnehmen, weil er eine Gelegenheit zur Ausübung der Tugend übrig lassen will. 2. Oder 688 Ursprung res Bösen. , 2. Oder er kann «s, und will es nicht. Dieerha, ^ denen Absichten der Weisheit gestatten nicht, daß er das D Böse hinwegnehme; und die Allmacht, welche von der Weis- st 6 heit beleuchtet und geleitet wird, ist dadurch nicht verletzet. lB z. Oder er kann es nicht, und will es nicht. Keines ^ von beyden steht anders dem höchsten Wesen zu, als auf die Weise/wie eben ißt erkläret worden ist. 4. Oder endlich er will es, und kann es auch. Aber ^ die Weisheit leitet seinen Willen und leine Macht. wo kömmt dann das Böse auf Erden her? Vom unvollkommenen Stande, der dem Geschöpfe wesentlich ist. D War es wohl der Mühe werth so viel zu sagen, der Schluß ^ ^ sey sehr dringend; Laktan; habe schlecht darauf geantwortet; ^ ^ wir haben eine drolligte Weisheit ? Ey wahrhaftig! die drob ' ligte Weisheit, welche der Verfasser des Lexikons hat! , . Beschluß. Ist es dann wahr, daß die große Frage vom Ursprünge des Bösen Schwierigkeiten enthalte, die für die Vernunft durchaus unauflöslich sind? Diesen Saß stellet uns Bayle, als das fürchterlichste Schreckbild für dre GotttSgelehrtM, und für alle christliche Philosophen vor. Er unterläßt nicht ihn bis zum Eckel im Munde zu führen, und zu wiederholen. Wir haben alle seine stärksten Einwürfe vorgetragen, und wir haben nur die natürliche Einsicht und die Begriffe der Ordnung zu Rache gezogen, um daraufzu antworten. Unterdessen, weil im Menschen zwey Hauptsächlichen Triebwerke sind, welche seine Denkensart, seine Urtheile, seine Entscheidungen lenken: nämlich der Verstand und das Herz, die Vernunft und die Leidenschaften; so glauben wir . zwar, »!> Ursprung de§ Böse». «8-, zwar, daß wir alles gesagt haben, was den Verstand über, zeugen,' und die Vernunft befriedigen kann: aber wir wa, gen es nicht, uns zu schmäucheln, daß wir das Herz voll» kommen berichtiget, oder alle Widersetzung der Leidenschaften ersticket haben. Es geschieht nur allzu oft, daß auch als, dann, da die Vernunft zum besten befriediget ist, das Herz sich nicht entbrechen kann, zu seufzen, und immer noch em, porzusträuben: * ^liuägue cupiäo, Nens uliull lusllbt: viäeo weliors, probogue; Oeteriors seguor. ^ Die Schwachheit ist allzu groß, der Reiz des Vergnü, ^ genö allzu verführerisch, die Folgen der Sünde allzu erschreck« > lich, daß der Mensch, und vorzüglich der Freydenker, nicht immer in Unruhe und in Aufruhr schweben sollte. An, statt sich zu bessern, welches das einzige beste Mittel wäre, bemühet er sich nur, nach allen seinen Kräften wider die göttliche Weisheit zu rechten. Aber seine eigene Vernunft ^ rechter noch weit stärker wider ihn. i«!" «Bl Sie beweist ihm, seine Vernunft, r. daß nichts un, gereimter sey, als die Hypothese von den zweyen Grundwer sen, um den Ursprung des Bösen zu erklären: 2. daß das sittliche Gute, das ist, die Tugend , in der Welt der wür, digste Gegenstand der göttlichen Weisheit sey: z. daß dieses sittliche Gute nothwendig die Freyheit voraussetze: 4. daß diese Freyheit in Geschöpfen wohne, die nach ihrer Wesen, heit gebrechlich sind: daß diese Gebrechlichkeit die göttlichen Vollkommenheiten keineswegs verletze: 6. daß derSchö, pfer seinem Geschöpfe die kräftigsten Mittel an die Hand bie, che. ' Ovids verwandt. 7.8° II. Band. X 5 eso Ursprung -es Bösen, the, damit es, unerachter seiner Gebrechlichkeit, nicht ins Irrchnm verfalle, oSer damit es sich wieder heraushelft: 7. daß Vas Geschöpf, wenn es unerachtet dieser Hülfsmiktel sündiget , die Schuld nur sich selber beymeffen dürfe, und kein Recht habe, sich über Gott zu beklagen: 8. daß man also den Ursprung des Bösen nirgends anders suchen müsse, als im Herzen des Menschen, der srey seine Kräfte micbrauchet. Nach allen diesen so einfachen und so deutlichen Beweisen, soll man aus dem, was in d esem ganzen Artikel ge, sagt worden ist, keinen andern Schluß ziehen, als der Wei- feste aus den Menschen gezogen hat, nachdem er das rührend, sie und wahrhafteste Bild der Ausschweifungen, worein die Menschen verfallen können, und der Widerwärtigkeiten, die man in dieser Welt antrifft, vorgestellet hakte. Fürchte Gort, und halt sein Gesetz; denn dieses ist die ganze Wesenheit des Menschen. * Oeum time, L manästa eju8 odlerva. I^oc eit em'm omnis komo. Mit die» sen dreyen Worten nehmen wir von den Herren Klüglern, den Ungläubigen, den Freydenkern Abschied. * Prediger XU. Weissagungen. die prophetische Eigenschaft, welche die Bücher des al« e-—^ len und neuen Bundes an sich tragen, einer der stärk« sten Beweise von der Göttlichkeit der Religion ist; so verwirrt, bestürzet, und kränket sie auch die Gottlosen zum allermeisten, welche wider die Religion zu Felde ziehen. Der Lehrer des Atheismus, Spinoza, hat nichts unterlassen, um die Wahrheit der Einsprechung der Propheten zu vernichten« E » liehe jüdische Rabbiner, durch die Gründe der Christen in die Enge getrieben, haben sich die größcsts Mühe gegeben, um den Sinn der Weissagungen zu verdrehen und zu verdun, keln. Bey diesen Lehrmeistern schöpfen unsre gelehrten Aft terchrrsten die Trugschlüsse, wodurch sie diesen Beweis dev Religion zu schwächen sich bestreben. Man wird im Artikel: Bibel, die deutlichsten Erweisungen von der Wahrheit dev göttlichen Einsprechung der Propheten, und von der Erfül, lung der Weissagungen anrreffen. Wir werden uns hier ge, nügen, auf das zu antworten, was man dagegen einwendet. Der Verfasser von der Zergliederung der christlichen Reli, gion, und jener von der wichtigen Untersuchung, haben wider die Weissagungen die größeste Mühe angewsudek. Wir wollen zeigen, wie eitel ihre Mühe, wie verächtlich ihre Vernunftschlüsse, und wie häßlich ihre Lügen styn. L-2 Weissagungen. 1 . * Zum Anfänge wollen wir die Meynung, die mit dem Worte: Prophet, verbunden ist, erklären. Die wahre Deutung ist: Prediger, oder Ermahner. Dieß war tu der That die Verrichtung der Propheten: sie er« mahnten das Volk, zu dem Dienste des wahren Gottes zurückzukehren; sie droheten ihm Strafen an, wenn es in seiner Untreue beharren wollte; sie verhießen ihm Belohnungen, wenn es zu seiner Pflicht zurückkehrete. Diese Verheißungen und Drohungen, die man auf gerai thewohl machte, galten für Weissagungen, und die Christen ließen sich zu Sinne kommen , etliche davon auf Je» sum Christum anzuwenden. B Anstatt zu erklären, verdunkelt du Marsais zum Anfam p ge den Begriff, der mit dem Worte: Prophet, verbunden ^ ist. Laßt uns die einfache Wahrheit an die Stelle der acglü ihn, stigen und verführerischen Ränke sehen. !«« Der erste Begriff, den das Wort: Prophet, unserm Gemüthe vorstellet, ist der Begriff eines Mannes, der die ^ Zukunft vorsaget: und alle, welche die Christen unter die Zahl ^ der Propheten sehen, sind Männer gewesen, die, von göttli, ^ eher Einsprechung beleuchtet, geweisfaget haben, wasgesche/ ^ hen sollte, und was in der Thal nach ihren Weissagungen ^ geschehen ist, und manchesmal viele Jahrhunderte nach ihren ^ Weissagungen geschehen ist. Dieß ist der wahre Begriffvom ^ Propheten, an welchen sich alle Weise jederzeit gehalten haben. Eben 2 Zerglied. der christl. Aelig. 47. Seit. li»,. lljj- lK il^' K-i- Ü«s ! Weissagungen. 69 z Eben diese Männer ermahnten, droheten, verhießen, nachdem Golt ihnen einsprach: das ist wahr. Aber es be. weist keineswegs, daß die wahre Deutung des Worts: Prophet , Prediger ober Ermahner sey. Man sinder auch, -aß dieses Wort in der Schrift gebrauchet wird, um jene zu bedeuten, welche Lieder und Gesänge zur Ehre der Gottheit verfaßten und absangen. Also wird Marie *, die Schwester Moses, und Saul **, der erste König in Israel, als pro« phezeyend vorgestellet, weil sie zur Ehre des Herrn Lieder ge, sungen hatten. Endlich berichtet uns Clemens von Alexandrien ***, daß die Heyden sich auch des nämlichen Wortes bedienten, um entweder Opferer und Pfaffen, oder Philosophen, oder ver, schieden? Glieder der Heydnischen Priesterordnung anzudeuten. Alle diese Erklärungen dienen uns, die verschiedenen Deutun, gen zu erkennen, die man diesem Worte: Prophet, beyge« leget hat. Wenn man es aber in seinem wahren und vorzüg, lichen Verstände nehmen will, muß man sich nothwendig an den ersten halten, welchen wir angegeben und bestimmet haben. II. Diese Verheißungen und Drohungen hatten oft keine Wirkung. Man sieht im Jonas, daß er weissagte, Ninive werde in vierzig Tagen untergehen; als aber dieses nicht geschah, sagteer, Gott habe, von der Reue der Ni» niviten gerühret, seinen Rathschluß wiederrufen. Jeremias verhieß, dem Sedecias förmlich im Namen Gottes, er werde im Frieden sterben ; gleichwohl stach man ihm beyde ' 2. N. Moses. XV. " I. B. der-Röntg. X. *** Stromat.». B. Xx z 694 Weissagungen. beyde Augen aus, nachdem man seine zween Söhne in feiner Gegenwart ermordet hatte. * * * Gott ließ einer lasterhaften Stadt weissagen, sie werde in vierzig Tagen untergehen. Der König und alle Einwohner erschracken; sie nahmen zur Buße die Zuflucht; sie er, hielten Gnade: mW der vernünftige du Marsais schlich : So sind dann die Weissagungen falsch. Er kennet vermuth, lieh die drohenden Urtheilsprüche nicht. Er urtheiltt nicht besser vom Sedecias. Jeremias sagte diesem unglücklichen Fürsten, Jerusalem werde erobert, und Len Flammen Preis gegeben werden; er selber werde in die Hände Nabuchodonosors fallen; erwerbe gefangen nach Babylon geführet werden, dorten im Frieden sterben, und nach Weise der Könige, seiner Vorfahren, daselbst begraben und betrauret werden: und all dieses ist geschehen, wie es ge, weissaget worden, war. Weil nun der König von Babylon die Söhne Sedecias ermorden , und ihm selbst die Augen ausstechen ließ, saget uns du Marsaio, Jeremias fty ein falscher Prophet gewesen. Man bewundere doch die Nich« tigkeit seines Vmrunstschlusses, und die Stärke seines Be» weises! III. ' vi» B sS S«' P Cg Nt! Aber wir wollen zu den Weissagungen schreiten, Ml» ^ che, wie man behaupten will, auf eine so bestimmte und deutliche weise, die Zeit und die Umstände der Geburt und des Todes Jesu Christi beweisen. Die erste, welche ,, für eine der ächtesten gielt, ist die Weissagung Jakobs, ^ „ der da saget, der Zepter werde nicht von Juda genom- - „ Weissagungen. 69 s men werden , bis der Messias gekommen sey. Um die Schwäche dieser Weissagung sichtbar zu machen, dar f man nur etliche verschiedene Arten anführen, wonach nian diese Stelle übersetzet hat. Einige erklären: die «Obergewalt werde für immer in Iuda seyn , nachdem der Messias gekommen feyn werde; andere: das Do! k werde in Betrüb niß leben , bis sie der Gesandte des Herrn zu Ende br n« gen werde; andere : bis die Stadt Silbo werde zerstöret seyn; wieder andere: bis der Gesandte in Silho di? oberste Gewalt erhalten werde. Man sieht aus der Verschiedenheit dieser Ueberseyungen, wie viel Dunkelheit im Texte ist. Aber wir wollen ihn im allergünstigsten Verstände nehmen ; so ist doch diese Weissagung, so unbestimmt sie immer ist, augenscheinlich falsch: denn die 'Juden sind öfter als einmal, während ihrer verschredenen Gefangenschaften, ohne Haupt, ohne Bönig gewesen; und Herodes , der bey der Geburt Ilesu ihr Bönig war, ist nicht aus ihrer Nation, sondern ein Idumäer gewesen. - * * * Um den Einwurfdes du Marsats zu widerlegen, und ihn selbst zu demüthigen, und zu Schanden zu machen, genüget eö , daß wir den Text dieser einleuchtenden Weissagung her- stßen, und über die lächerlichen Erklärungen, die er von etli, chemneuen Rabbinern borget, einige Anmerkungen machen. Dieß ist der Text der Weissagung: „Juda, du wirst „ von deinen Brüdern mit Lobsprüchen erfüllet werden; deine „ Hand wirb auf das Haupt deiner Feinde fallen; die Kin- „ der deines Vaters werden dich mit Furcht und Ehrerbie, - „ thung betrachten. Der Z-pter wird vom Hause Juda Xx 4 ''Nicht 695 Weissagungen. „ nicht genommen werden, und es wird nicht aufhören, Ge, ^ „ setzgeber und Fürsten hervorzubringen, biö jener kommen ! B ,, wrrd, der gesendet werden soll, und der die Erwartung ^ „ der Völker seyn wird,,. * ^uZ.i! te lauäabunt krg. ßl" tr«8 tui: Nsnus tua in cervicibug Inimicorum tuo- B rum: söorabunt te kilii ?3tri8 tui. Non suferetur W sceptrum cie^uäa, L Oux äe kemore eju8, öonecve- Ä niut. qui mirtenciu8 ett; L ipse erit LxpeÄstio Zen- krl? tium. Di? Uebersehung der siebenzig Dollmelscher kömmt B im Grunde mit der Uebersehung derChnsten vollkommen über- A eins. Man vernehme, wie die siebenzig Dollmetscher eben A diesen Text erklären: ^ucis! lauciaverunt te kratrebtui: An AI 3 NU 8 tu» in 6or5o inimicorum tuorum; aäorsbunt km te kilil kc-tri8 tui. Non äeiiciet krincep8 ex ^ucis, L km Dux 6e 1umbi8 eju8, äonec veninnt, ^UL repokt» M sunt ei; L ipi'e erit Lxpeüutio Oentium. U Dieser Text allein wirst alle Traumereyen der Rabbiner, und des du Marsais zu Boden: aber damit wir sie noch klä- ^ rer beleuchten, wollen wir folgende Anmerkungen bey> ^ setzen. kr i. Es ist sonnenklar, daß dieser Text nichts anders, als ^ etwas Glvrwürdiges und Schmäuchelhastes für dieNachkom- ^ men Iuda weissaget; es ist sonnenklar, daß er nur die Vor- ^ theile und den Vorzug andeutet, den diese Zunft vor den ^ übrigen haben wird. Man soll und kann also, in den Erklär ^ rungen, die man voll den verschiedenen Theilen dieses Textes ^ giebt, von diesem Gesichtspunkte nicht abweichen. „ s ö s. Von der Zeit an, wo die Zunft Iuda, durch die Erhebung Davids auf den Thron, die höchste Gewalt erlanget hat, * 1. B. Mvses. XXXXIX. Weissagungen. 697 Hat, bis zur Zeit der Ankunft Jesu Christi, Hat diese Zunft nicht aufgehöret, ihrer Nation Fürsten, Führer, und Ober- keiten aufzustellen, welche mit der gesetzgebenden Gewalt versehen waren. Sie stellte beynahe fünf hundert Jahre lang, vom David bis zum Sedecias, Könige auf. Währender Gefangenschaft zu Babylon hatte sie Oberkeilen, welche das Recht besaßen, über Leben und Tod zu schalten; wie es aus der Geschichte Susannens * erhellet. Nach der Zmückkunft arrs der Gefangenschaft machte diese Zunft allein die ganze Nation aus, welche die Macht hatte, sich ihre Oberteilen, Vorsteher, Feldherren zu wählen; denn die Leviten, die Benjamiten, und die wenigen Israeliten, welche sich mit denen aus der Zunft Juda vereinigten , wurden alle unter dem Namen: Juden, vermenget. Endlich die asmonischen oder macchabaischen Führer, welche die Natron unter dev Kriegen, und nach den Kriegen wider die Könige Syriens regierten , wurden allezeit von dem Volke sechsten erwählet, welches dortmals ein wahres Gemeinwesen ausmachte. Dieß liegt augenscheinlich am Tage durch die Briefe der Könige Syriens und der Römer an die Juden, und durch die Briese der Juden an die Könige Syriens, und an die Römer. Der Juden ihre an diese Mächte lauten allezeit im Namen des jü, dischen Volkes, und ihres Feldherrn oder hohen Priesters: ** Iuäas Nncc!nrI)XU8, ulu8 ^uäseorum. - ^onLtkas 1ummu8 8acer6os, A Zens Iu^Lorum. Die Briefe der Mächte an die Juden drücken das nämliche aus: *** Lene sit Lom 3 M 8 , öc Zenti ^ntZXorum. - kex Demetrius Zenti ^uäseorum. - Kex^ntiockusLenatui ^uä-eorum. Di« * Daniel. XIII. ** r. Macch. VHI. und XII. Ebend. VIH. und X. — 2. Macch. Xl. Xx s ' 1 e§8 Weissagungen. Die Inden erhielten sich in diesem Stande bis zu den Vtt< fli ändrungen, die Herodes auf den Thron brachten. ßi Es ist dann gewiß, daß die gesetzgebende Gewalt und p Macht von der Zunft Juda nicht genommen worden ist, bis N die Zeit der Geburt Jesu Christi herannahere: Non autere- B tur doeptrum; —non clesiLiet krinccps, 6oneü6cc. z. Eine kurze Zeit vor der Geburt Jesu Christi ist diese in Gewalt und Macht von den Juden genommen worden. im * Sie wurden den Römern dienstbar, die ihnen Schatzungen si! auflegten, die ihnen das Recht nahmen zum Tode zu verur, N «heilen, die ihnen aus den Fürsten des Geschlechts Herodes, « der ein Jdumäer war, fremde Gebiether gaben. Dann war l« es wohl Zeit, daß, nach der Weissagung Jakobs, der MeS, stas kommen sollte; und dort kam wirklich Jesus Christus auf ^ die Welt. ^ 4. Bey allen alten Rabbinern, und in allen Lehrbüchern, li die bey den Juden immer in Ehren gehalten sind, wie der da Talmud und der Targum, wird diese Weissagung aufdie ft gleiche Weise erkläret, wie wir sie erklären; und alle Ausle« st gungen, welche die neuern Rabbiner davon haben machen wol, len, um sich gegen die Christen zu vertheidigen, sind äugen» b fcheinlich ohne Grund; sie rhun dem Texte Zwang an, und ^ stimmen keineswegs mir unsrer ersten Anmerkung Überei», welche so natürlich ist, und welche wesentlich wird. Es haben sich auch die Rabbiner entschlossen, um die Beschwerniß aufzuheben, die Zeit von der Ankunft des MeS- r siaS r ' Josephs Alterth. 14. B. ^ Talmuds Das Buch, welches die bürgerlichen und geistlichen Gesetze, nebst den Gebräuchen der Juden, in sich begreift. 1 Targum^ Die chaldäische Uebersetzung des alten Testaments bey den Juden. ^ - Weissagungen. ^ 699 - sias nicht mehr auszurechnen, und wider jene, die sich mit dieser Ausrechnung beschäffkigen wollten, den Fluch auszu« sprechen: Kumpatur 8pir:tu8 eorum, ^ui supputant terminos temporum. wer immer es waget, die Zeiten auszurechnen , der soll auf der Stelle bersten. <>. Seit siebenzehn hundert Jahren haben die Inden we« der Fürsten, noch Vorsteher, noch Oberkeilen, noch geseßge« bende Macht und Gewalt. Es ist dann der Zepter vom Hau« se Inda genommen worden; Juda hat dann anfgehöret, Gesetzgeber und Vorsteher aufzusteüen; jener, der gesendet werden sollte, und der die Erwartung der Völker war, ist dann gekommen. Die alten Juden haben allezeit bekannt, daß der Messias der Gegenstand dieser Weissagung sey; die Christen erkennen darunter Issum Christum, den Sohn Mariens, der ein Ab« kömmling von Juda war, und ste beweisen, daß man ihn ' darunter erkennen müsse. Zur Zeit Jesu Christi ist alles er« füllet worden, was die Weissagung angedemet hat; und die« se Erfüllung bewähret dieselbe in allen ihren Stücken. Man kann also alles verachten, was die neuern Rabbinner gesagt ha, ben, und was ihnen der elende Wiederhall, du Marsais, nachruft. IV. * Eine der berühmtesten ist hernach jene vom Jsatas, welche man alle Augenblicke den Ungläubigen entgegense« Hier ist sie: „Eine Jungfrau wird empfangen, und „ einen Sohn gebähren, welcher Emmanuel heißen wird,,. Man siehr die Geburt Jesu Christi deutlich darunter. Der heil geMatthäus trägt kein Bedenken, als aufeine förmliche * Zcrgl. der christl. Ael. 4S- Seit. 7oo Weissagungen, liche Vorfagung, die Iesun» Christum betrifft, sich darauf zu berufen. Man wird sich wohl wundern, wenn man diese Stelle m, Isaias suchen will, und etwas ganz anders findet. Man vernehme, wovon die Rede ist: Der pro, phet versichert Achaz. daß er von den Anschlägen der Röntge Israels und Syriens nichts zu fürchten habe, und saget ihm zum Zeichen von derwahrheit seinervorsagung, daß sein Weib empfangen, und einen Sohn zur Welt bringen werde , welcher Emmanuel heißen sollte; und daß eher, als dieses Rind im Stande seyn werde, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, das Land Acha; von den Röntgen Israels und Syriens befreyet seyn sollte. Man sieht, wie wenig Verhältniß diese Stelle mit der Geburt Jesu Christi hat. Mehr als ein Rritiker, und der Abt Houteville selb, ften, haben diese Weissagung lieber mit Stillschweigen übergehen, als von ihr Meldung machen wollen, weil sie merkten daß man dadurch die Leichtgläubigkeit der Men, schen allzu unverschämt äffete. Rann man genug bewundern , daß Matthäus sich getrauet habe, eine so lächerliche Anwendung damit zu machen, und daß Leute, die sonst sehr geschickt sind, so viele Schwachheit haben, seinem Beyspiele zu folgen. X Du Marsais tadelt hier die Weissagung, aber er nimmt sich wohl in Acht, den Text davon beyzuseßen. Damit wir die Arglist seines Tadels zu erkennen geben, wollen wir nur dem Leser erklären, bey welcher Gelegenheit diese Weissagung gemacht worden sey: wir werden nachmals den Text davon her, V> »dir ßM Odr Ms W Ms« ü „rei »ich ,.r Weissagungen. 701 hersetzen; dann wollen wir etliche Anmerkungen machen, wel» che zu seiner Erläuterung dienen werden. Die Gelegenheit zu der Weissagung ist diese gewesen. Die Könige von Syrien und Samarien halten sich verbunden, um den gottlosen Achaz, den König vvnIuda, des Throns zu entsetzen. Sie hatten Jerusalem zu belagern ««gefangen; und die ganze Stadt war voll Bestürzung, als der Herr den Isaias sendete, und dem Könige und den Einwohnern Mueh einsprechen ließ. Der Prophet weissagete Anfangs, daß Gott Jerusalem von der Wuth der zween verbundenen Fürsten be, freyen, und alsdann den König Israels bestrafen wolle; daß in fünf und sechszig Jahren das Königreich Sammariens nicht mehr bestehen werde. Damit er den König von dem Beystande des Herrn noch mehr versicherte, fuhr Isaias fort: „ Begehre vom Herrn „ ein Wunder, was für eines du immer willst; so ist erbe» „ reit, es dir auf der Stelle zu bewilligen „ . Der gottlose König wurde durch dieses neue Zeichen der Güte nicht bewo, gen; sondern antwortete frostig: „ Nein: das thue ich nicht; „ ich will den Herrn nicht versuchen „. Gott both ihm ein Wunder an; der gottlose König schlug es aus; und das Wunder hatte nicht Statt. Aber von einem heiligen Unwillen er» füllet, und immer vom heiligen Geiste beleuchtet, weissagte der Prophet die großen Zeichen der Barmherzigkeit, die Gott im Hause Davids Hervorscheinen lassen wollte. „ DerHerr,,, sprach er, „ wird die Verheißungen nicht widerrufen , die er „ David, seinem Diener und deinem Vater, gegeben hat. „ Sie werden zu ihrer Zeit erfüllet werden« Eine Jungfrau „ aus seinem Blute wird gebähren, und die Frucht ihres „ Leibes 7vr Weissagungen. „ Leibes wird Emmanuel, oder Gott mit uns, heißen,,. Dieß war dis Gelegenheit zu dieser Weissagung, und der Prophet drücket sich also aus: * Fürst! höre mich stillschweigend an. Fürchte nichts, und deine Seele soll bey dem Anblicke zweyer fürchterlicher Heere der Röntge Syriens und Israels nicht erschrecken. Sie haben gesprochen: Laßt uns gegen Juda aufbrechen; laßt uns dieses Rönigreich erobern, und den Sohn von Tabeel als Röntg darein fegen. Und vernimm, was der Herr saget: Dieser Anschlag soll nicht gelingen; ja sogar in fünf und sechszig Jahren wird Ephraim weder ein Volk, noch einen Staat mehr aus- machen. Gort fuhr noch zu Achaz fort: Begehre ein Wunder, welches du immer willst, auf Erden oder im Himmel. Und Acha; sprach: Ich thue es nicht, und ich will den Herrn nicht versuchen. Aber der Prophet sagte: Höre mich, Haus Davids! haltet ihr für ein so geringes Ding, daß ihr übel gegen die Menschen.verfahr ret? wollet ihr auch übel mit Gotte verfahren? Eben deßhalben wird euch Gott selbstcn ein wunder geben. Eine Jungfrau wird empfangen, und einen Sohn gebähr ren, dessen Namen Emanuel seyn wird. Zu gleicher Zeit verkündigte der Prophet die Strafen, welche über dir Gottlosen ausbrechen werden. „ Syrien,,, sagst er, „ wird in kurzer Zeit unterjochet, und Sammarien ,, zerstöret werden; das ist, ehe ein nerrgcbohrnes Kind so „ viele Kemmiiß erlanget har, daß es das Böse zu verwett ,, fen, und das Gme zu wählen wüßte,,. Dieses wrrd durch jene Worte bedeutet, welche unmittelbar aufdie ange, zogen- * 2lai. vir. r« Weissagungen. 7c>Z zogene Weissagung folgen: Ehe ein Rnab das Böft;» verwerfen, und das Gute zu wählen weiß, wird das Land, das du verabscheuest, verlassen werden. Index That, * drey Jahre danach wurde Syrien von Theglat, phalasar erobert. Bald darauf trafSammarien das gleiche Schicksal. Theglatphalasar harte schon einen Theil der Einwohner in Medien überführet; und sein Nachfolger, Salmanasar, als er Sammarien eingenommen hatte, führte noch das übrige Volk aus diesem Lande weg. i. Man steht aus dem Texte, den wir getreulich äuge, zogen haben, i. den Beystand, welchen Gott Jerusalem verhieß; 2. seine Güte, da er zur Versicherung dieftr Ver, Heißung ein Wunder anboth; z. die Beweise, die der Pro« phet von seiner göttlichen Einsprechung durch die Vorsagung gab, welche an den Königreichen Syriens und Israels er, füllet werden sollte; 4. die Bestätigung der Verheißung, die dem Hause Davids gemacht worden war, daß der Mes, sias daraus entspringen sollte; und noch dazu, den Umstand seiner wundervollen Geburt, der noch nicht geoffenbaret war: nämlich, daß er eine Jungfrau zur Mutter haben werde. Was kann nun eine Weissagung ehrwürdiger machen, als dergleichen Umstände? 2. Man sieht, daß du Marsais betrügt, da er saget, Jsaias rede in dieser Weissagung von einem Kinde, das er von seinem Weibe erhalten werde, und das Emmanuel heißen sollte. Denn Jsaias hat niemals ein Kind gehabt, das diesen Namen getragen hätte. Ferner ist in diesem Texte nicht von einem Weibe, sondern von einer Jungfrau die Rede, wie es das hebräische Wort: NyÄ , und das griechische Wort: ' Josephs Altcrth. ?. B iz. Rap. 7 °4 Weissagungen. Wort: andeutet, welches die siebenzig Dollmet, scher in ihrer Uebersehung brauchen, und welches sich nicht durch das Wort: Weib, geben läßt. Endlich ist es so ge, wiß, dgß Emmanuel kein Sohn von Isaias, sondern ein Sprößling aus dem Hause Davids ist, daß der Prophet, wo er im folgenden Kapitel von der zukünftigen Zerstörung Jerusalems unter Nabuchodonosor redet, sich also ans« drücket: * Die Heere Assyriens werden alsdann das ganze Land bedecken, das dir, o Emmanuel! zugehöret. Was wird dazu du Marsais sagen? z. Es ist grundfalsch, daß der Abt Houteville diese Weissagung mit Stillschweigen übergangen habe. Man lese das neunte Kapitel im zweyten Buche von der Religion, welche durch die Geschichte bewiesen ist; so wird man dort die Erklärung eben dieser Weissagung, wie bey allen übri, gen Vertheidigern der Religion, antreffen. Du Marsais heißt diejenigen schwache Geister, die diese Weissagung aus Jesum Christum anwenden. Ihn erkennen wir gern für ei, nen starken Geist, und wir wollen mit Vergnügen von der Stärke seines Geistes Beweise angeben. V. ^ Eben derselbe Isaias führet uns noch eine jener siegreichen Weissagungen an. Man sieht darinnen deut, lich, heißt es, den Tod und das Leiden Jesu Lbristi» Man untersuche diese Stelle mit Aufmerksamkeit, so wird man nichts, als die Erzählung aller peinen sin» den, die Jeremias ausgestanden hat. Grotius muß es gestehen : aber er setzet bey, daß Ieremias das Sinn, bild ü>ljj Kr lh »r t: ^L °- »r B» A>' >«^ Weissagungen. 7oy bild und die Figur Iesu Christi sey, und daß alles, was jenem begegnet ist, eine Bedeutung von dem gewesen sey, was diesem begegnen sollte. Mansche, wie weit man gehen muß, wenn man seinen Verstand zu so albernen und so häßlichen Dingen anwenden will. Aber, was ist alberner und häßlicher, als die Aussprüche des du Marsais ?-Entweder hat er das fünfzigste Kapitel im Isaias, das er anziehr, gelesen; oder er hak es nicht ge, lesen. Hat ers nicht gelesen, so redet er albern: hat ers ge, lesen, so ist er ein hassenswürdiger Verführer. Man fasset nicht, wie ihm zu Sinne kommen mochte, dem Jeremias zuzueignen, was in diesem Kapitel gesaget wird. Es ist unmöglich, in der Person desjenigen, der redet / uyd einen Theil seines Leidens vorhersaget, einen Gott zu verkennen. Denn könnte ein anderer, als Gott, sagen: * Ist dann mein Arm verkürzet, daß ich euch nicht erret» ten könnte? Habe ich nicht die Macht euch zu befreyen? Mein Zorn erklecket, um die Meere und Flüsse auszutrocknen , das Licht am Himmel auszulöschen, und alles mit dicken Finsternissen zu verhüllen. —Also redet der, jenige, welcher gleich darauf fortfährt: Ich habe meinen Leib denen Preis gegeben, die mich schlugen, die mein Antlitz mit Speichel bedeckten, und mich mit Schwachen und Vorwürfen überluden. Gleichwohl versichert uns der einsichtvolle und gelehrte du Marsais, daß jener, der da redet, Niemand außer Jeremias seyn könne. Vl. ' Jsai. II. Band. Yy 706 Weissagungen. VI. Die berühmte Weissagung von den siebenzig Wochen tm Daniel ist auch aus der Zahl derjenigen , womit man Leute betäubet hat, die sich fürchten eine Untersuchung Vorzunehmen, welche sie für allzu beschwerlich halten, und die lieber alles blindhin glauben, als die geringste Prüfung anfangen wollen. Ls ist eine seltsame Sache Zusehen, wiesichdieGelchrren gemartert haben, um sie mit der Geburt Jesu Christi zusammenzureimen. Es giebt mehr als fünfzig Meynungen von dieser Sache, ohne daß nur eine dem Verstände genugthun könnte, der auch zum leichtesten zu befriedigen ist. Alles, was man mit Wahrheit von der Stelle sagen kann, die diese Weissagung enthält, ist dieses, daß sie augenscheinlich in den Text Daniels eingeschaltet worden ist, um die Juden zu bereden, daß Ionathas der Messias, oder der Gesandte Gottes, oder ein Führer sey, der ihnen den Sieg über alle ihre Feinde verschaffen sollte. Man darf nur lesen, was vor dieser sogenannten Weissagung vorausgeht , und was unmittelbar darauf folget, um klar;» sehen, daß sie ein Beysatz ist. Und will man die Zeitrechnung derselben Zeiten nur ein Bißchen mir Aufmerksamkeit und Redlichkeit untersuchen, so wird man finden, daß die siebenzig Wochen genau bey der Zeit Ionathas des Macchabäers, das ist, ohngefähr hundert und dreißig Jahre vor Jesu Christo, auslaufen. * » * Aus allen Weissagungen, dir Jesum Christum bedeut^ haben , ist keine rührender und überzeugender, als jene von den Weissagungen. 70? den siebenzig Wochen. Man sieht darinnen die Bestimn.u >g der Zeit von der Ankunst des Messias, dir Heiligkett fernes Lehramtes, die Strengheit seines Opfers, die Bestrafung der Juden, die Zerstörung Jerusalems und des Tempels, die unwiderrufliche Verstreuung des jüdischen Volkes: und alle diese verschiedenen Dinge sind durch Denkmäler bewähret und bewiesen, an denen wir ebenso unmöglich zweifeln können, als an unserm eigenen Daseyn. Sie ist auch aus allen Weissagungen diejenige, welche den Hartsinnigen Juden zum meisten zu schaffen giebt, und unsre stolzen Ungläubigen aus aller Fassung bringt. Wir wollen erstlich den Text der Weissagung vortragen , und nachmals die Erlämrungen darüber geben, welche wir für die Leser nothwendig achten. Endlich werden wir die Dunkelheit zerstreuen, womit man sie zu verhüllen suchet. Hier ist der Text. * Gott hat die Zeit auf siebenzig Wochen bestimmet, welche euer Volk und eure heilige Stadt betreffen, und noch verfließen werden, bis die Treulosigkeit vollendet wird, bis die Sünde aufhöret, bis die Gottlosigkeit vertilget wird, bis die ewige Gerechtigkeit herbeykömmt, bis die Gesichter und die Weissagungen erfüllet werden, und bis der Heilige der Heiligen die Salbung empfängt, wisse dann, und merke darauf'. Von dem Befehle an, den man ertheilen wird, um Jerusalem wieder aufzubauen, bis auf Christum, den Führer des Volkes, werden noch sieben Wochen und zwo und sechszig Wochen vergehen : die Plätze und Mauren werden bey harten Zeiten wieder aufgebauet werden» Nach zwo und sechszig Wochen Hy - * Daniel« 7oz Weissagungen. chen wird Christus getödtet werden, und das Volk, das ihn verläugnen wird, soll nicht mehr sein Volk seyn. Es wird ein Volk mit seinem Führer kommen, und die Stadt und das Heiligthum zerstören: alles wird am E> gänzlich verheeret werden. Nach dem Rriege wird die Verwüstung entstehen, welche geweiosagkt worden ist. Er wird in einer Woche seinen Bund mir Vielen schlier ßen; und mitten in -er Woche wird das SLlacktopfer und die Opferung aufhören. Der Gräuel der Verwü» stung wird im Tempel seyn, und die Verwüstung wird bis zum Beschlüsse und bis ans Ende dauren. Dieß ist der Text von Daniel; und hier folgen die Er, lämrungen, die wir versprochen haben, damit man ihn leichter verstehen, und alle Beschwernisse aufheben möge, die man dabeyamreffen könnte. Die erste Erläutrung wird die Zeit bestimmen, wo die siebenzig Wochen anfangen. Sie haben anfanqen müssen, als der Befehl ertheilet worden ist , Jerusalem wiederaufzubauen. Aber, wann ist dieser Befehl ertheilet worden ? Nicht zur Zeit des Lyrus; denn seine Verordnung, wie man sie in der heiligen Schrift * antrifft, redet nur von der Herstellung des Tempels, und saget kein Wort von der Stadt. Der gelehrte Julius Asti, kanus, welcher um das Jahr zweyhundert christlicher Zeit, rechnung lebte, und der uns in diesem Stücke die kostbarsten Beleuchtungen hinrerlassen hat, sehet die Zeit dieses Befehles, um die Mauren Jerusalems zu erbauen, und folglich den Anfang der siebenzig Wochen, aufdas zwanzigste Jahr der Regierung Artaxerxes an, welcher den Zunamen langhän, di- ! B ch-r A kl Z- «i m da d>! Z-! A d« rn - Csdr.!. Weissagungen. 709 dig hatte, und der vierte König? in Persien nach dem Tode des Lyrus war; und er zeiget durch die Berechnung der Zeiten, und aus den historischen Denkmälern, daß man kei, nen andern Zeitpunkt bestimmen kann. Aber, warum heftet sich Julius Afrikanus an das zwanzigste Jahr des Artaxerxes ? Weil die heilige Schrift * ausdrücklich berichtet, daß in diesem Jahre Nehemias, welcher der Obermundschenk des Artaxerxes war, von diesem Fürsten die Erlaubniß erhielt, die Mauren Jerusalems wie, der aufzubauen. Er zog darauf mit einem Geleite von Reutern aus, und ließ mit solchem Fleiße daran arbeiten, daß man die Mauren in zweyen Jahren wieder aufgebauet, die Stadt bevölkert, und in einen Stand gesetzt hatte, daß sie von ihren Nachbarn und ihren Feinden in Ehren gehalten wurde **. Ferner kömmt die Berechnung der Jahre mit diesem Zeitpunkte vollkommen Übereins. Denn, wenn man die Zeit, welche das Reich der Perser, vom Artaxerxes bis auf Da, rius, gedauret hat; die Zeit, welche das Reich der Seleuct, den währete, die nach Alexandern in Asien herrschten; und die Zeit, welche vom Ende der Seleuciden bis auf den Tod Jesu Christi verstrichen ist, zusammenrechnet, wird man die Zahl von vierhundert und neunzig Jahren finden, wie es Daniel geweissaget hatte. Die Meynung de- Julius Afrikanus ist die Meynung aller erfahrenster und gelehrtester Zeilrechner geworden: und alle, die davon haben abweichen wollen, wie der Ritter Marsham, find in erbärmliche Fehler verfallen. _ Die * 2. Csdr. H. " Ebend. VI. Marsham) Iodan», «in englischer Zeilrechner lnr vorigen Jahrhunderte. Yy 3 7is Weissagungen. Die zweyte Erläuterung wird über jene Worte der Weissagung: Siebenzig Wochen, handeln. Warum heißt man sie Wochen von Jahren ? Es ist sonnenklar , daß man sie nicht anders Heißen kann, und nicht an, dcrs heißen soll. Die Schrift sechsten lehret uns diese Art zu zählen, und die Beispiele, die sie uns anbeut, werden Beweise ohne Ausnahme seyn. Laban begehret von Ja, kob siebenjährige Dienste, damit er ihm Rachel zur Ehe gebe; und er drücket sich eigentlich so, wie Daniel, aus: * Erfülle, sprach er zu ihm, jene Woche der Lage für die Heurath der Lia; und ich will dir auch die Rachel geben, wenn du mir noch sieben andere Jahre dienest. Jakob gierig es ein : die Woche wurde erfüllet und er nahm Rachel zur Ehe. Auf gleiche Weise saget Moses zu den Israeliten, als er ihnen das Saböatjahr anküudeter ^ Ihr sollet sieben Wochen der Jahre, das ist, siebenmal sieben Jahre zählen, welche zusammen neun und vierzig ausmachen. Man ist dann berechtiget, Wochen von Iah, ren zu zählen. Noch mehr! man muß nochwendig Wochen von Jahren zählen. Fürwahr, die Folge der Begebenheiten, die vom Pro, pheten geweissaget werden, bezeugen uns, daß diese Art zu zählen die einzige ist, welche man annehmen kann, um den Text zu erklären. Denn Wochen von Tagen wären zu kurz, und Wochen von zehn Jahren, oder sogar von Jahrhunderten , wie etliche neuere Rabbiner getränmet haben, wären zu lang, wie es die Folge der Begebenheiten beweist, die in der Weissagung bedeutet werden. . Di- * r. B. Moses. xxix. ' 3.B. MoftS. XXV. Weissagungen. 71 r Die dritte Erläuterung wird jene letzten Worte betreffen: Und das Volk, das ihn verläugnen wird, soll nicht mehr feyn Volk seyn. Es wird ein Volk mir seinem Führer kommen, und die Stadt und das Heiligthum zerstören; u. s. w. Welche Bestätigung, welche unglücklichen Be» weise giebt nicht die evangelische Geschichte von der Erfüllung dieser Weissagung au die Hand! Sein Volk wird ihn verläugnen, saget der Prophet: und die rasenden Juden schreyen dem Pilatus zu, der ihnen Iesum Christum vorstellet: * Nimm, nimm diesen Men» schen von unfern Augen fort; er soll gekreuztget werden. Der Prophet saget: Sern Volk wird nicht mehr sei» Volk seyn; und die Juden laden den Gräuel und die Fol, gen ihres Gottesmords auf sich und ihre Nachkommen, durch diesen abscheulichen Fluch: ** Sein Blut falle über uns und über unsre Rinder! Der Prophet saget : Es wird ein Volk mit seinem Führer kommen, und die Stadt und das Heiligthum zerstören ; und vierzig Jahre nach dem Tode Jesu Christi, um, ringen die Römer, unter der Anführung des Titus, die Stadt, schließen sie ein, erobern sie, unerachtet des stärksten und harksinnigsten Widerstands,Len man jemals gesehen hatte, stürzen sie vom Grunde zu Boden, zünden den Tempel an, und lassen keinen Stein auf dem andern. Eilfmal hundert tausend Seelen kommen bey dieser Belagerung ums Leben; neunzig tausend Juden gerathen in die Dienstbarkeit; viele Tausende werden dem Feuer, den Zähnen grimmiger Thiere Preis gegeben, oder an Kreuze und auf Pfähle genagelt. Und ' Jvh. xrx. " Matth. XXVll. Py 4 712 Weissagungen. Und der Geschichteschreiber Joseph , ein Augenzeug dieser Gräuel, giebt die klägliche Beschreibung davon. Der Prophet saget: Die Verwüstung wird bis zum Beschlüsse und bis ans Ende dauren ; und seit siehenzehn hundert Jahren ist dieses unglückselige Volk der Juden gleich, sam allerithalben in der Dienstbarkeit, ohne Vaterland, ohne Tempel, ohne Opfer, immer verabscheut, und immer gepla, get. Was werden darauf unsere stolzen Ungläubigen, Frey, deuker, und Philosophen sagen? D rrch diese Erläutrungen sieht man, wenn man den Zeit, punkt der Weissagung, die Kennzeichen Christi, der geweis, saget wurde, die historischen Denkmäler, die keine Ausnahme leiden, betrachtet, daß nur in der Person Jesu Christi, zur vollkommenen Erfüllung und Bewährung der Weissagung, alle Umstände Zusammentreffen. Man sieht, daß denjenigen, die andere Auslegungen suchen, als wir gegeben haben, die augenscheinlichsten Beweise widersprechen, welche aus den verschiedenen Umständen eben dieser Weissagung gezogen sind. Man kann also den du Marfars sich bestreben lassen, um Ionathas als den Gegenstand der Weissagung vorzustellen; um die Ausschweifung zu behaupten, daß der Text nach der Hand eingeschaltet worden fey; um Lügen aufLügen zu häu, fen/ und durch seine falschen Vernunftschlüsse die unwissenden, oder voreingenommenen Menschen zu hintergehen. Christus mußte endlich zu einer bestimmten Zeit auf die Erde kommen; ec mußte die Welt beleuchten, die Sünde vertilgen, von seinem Volke verläugnet werden; er mußte die Opfer des alten Gesetzes aufheben: der Tempel mußte zu Boden gestürzet, die Stadt völlig zerstöret, das ganze Volk Weissagungen. 7 iz verwiesen werden. Alles dieses ist geschehen; Christus ist dann auch gekommen, und die Weissagung ist vollkommen erfüllet worden. VII. * will man neue Beweise, daß diese Weissagung mit Jesu Christo keine Verhältnis; habe, und daß die Anwendung, die man davon machet, neu sey? Rein Evangelist hat sich zu Sinne kommen lassen, sie zu ge» brauchen, obschon sie Daniel vollkommen kannten: denn es war dortmals allzu bekannt, daß die Zeit, diebedeur tet wurde, seit mehr als hundert Jahren verflossen war. Aus eben diesem Grunde haben die ersten Rirchenväter nichts davon gemeldet; und erst, nachdem eine merkliche» re Entfernung die Dunkelheit der vergangenen Zeit ver» größert hatte / hat man verschiedene Systeme ausgedacht, um sie auf die Geburt Jesu Christi anzupassen. * . * Du Marsais! Sie zeigen eine recht dumme Unwissenheit , oder eine sehr hassenswerthe Untreue. Die Kirchen» väter, sagen Sie, haben von der Weissagung Daniels nichts gemeldet, und erst in später» Zeiten hat man sie auf Jesum Christum angewendct. Aber Julius Afrikanus der im Anfänge des zweyten Jahrhunderts gebohren war, giebt uns eine sehr richtige und umständliche Erklärung da» von. Clemens von Alexandrien thut das Gleiche in seinen Stromaten ***. Origenes erkläret sie in seiner neun und ^ zwan- ' * Zergl. der christl. Relig. ;r. Seit. , »» Dey Euseb. evan§. Erweis, r. V "» > » Py 5 7l4 Weissagungen. zwanzigsten Abhandlung über den heiligen Matthäus; Lerrulltan in seinem Buche wider die Juden; Euseb in stmer evangelischen Erweisung. Rein Evangelist hat flch zu Sinne kommen lassen, sie zu gebrauchen, sagen Sie: und der heilige Matthäus, der heilige Markus, der heilige Lukas erzählen die Ermahnungen, die Jesus Christus seinen Jüngern gab, wann diese Weissagung erfüllet werden solle. O Philosoph! also streuen Sie, unter der Hülle der Liebe zur Wahrheit und zur Unterweisung, Lügen und Verführung aus! VIII. * Der heilige Matthäus behauptet, daß die Flucht in Aegyten und die Rückkehr Jesu Christi vom Pseas geweisfaget werde, wo er spricht, Gott habe sein Volk aus Aegypten zurüekberufen. Eben derselbe Evangelist geht so weit, daß er Weissagungen anzieht, die man an keiner Stelle in derBibel findet. Er saget zum Beispiele : Jesus wohnte zu Nazareth, damit die Weissagung erfüllet wurde: Er wird Nazaräner heißen. ' Gleichwohl findet man diese Weissagung nirgends, wa» soll man von solchen Zeugfchaften denken? Und muß man nicht gestehen, daß jene, die stch aufdiese Weissagungen so viel gefteifet haben, es aus Unwissenheit oder aus Untreue thaten? »it Laßt uns einen Augenblick daran wenden, die Betrüge des du Marsais zu entwickeln. Wer immer in der Lesung der heiligen Schrift ein Bißchen bewandert ist, weiß ganz wohl, daß in den Schriften der Propheten Dinge stehen, die pure ^ / Weissagnngen. > yry pure und einfache Weissagungen sind; andere stehen darin, nen, welche Vorbilder, das ist, Figuren und Vorstellungen der Dinge sind, die geschehen sollten. Es hat im alten Ge, setze eine Menge von prophetischen Gebräuchen, Begeben, heiren, und Personen gegeben, welche Figuren und Vorstel, lungen von dem, was der Messias seyn sollte, oder was dem Messias begegnen sollte, gewesen sind. Der heilige Apostel Paul, der gewiß in der Kennrniß des Gesetzes sehr bewan« dert war, saget uns ausdrücklich, daß jene Dinge, die bey den Hebräern geschahen, allezeit Bilder und Figuren waren: * ÜXL omruu in üZura cominZebsnt üli8. Bey der ersten Lesung der heiligen Schrift, hat man erstlich diese Gebräuche, Begebenheiten, Personen, wovon wir reden, im Sinne vor sich. Aber, wenn man ihnen aufmerk, sam nachdenket, findet man dabey noch eine tiefere Bedeu, tung, und nach der Vorstellung oder der Figur, steht man auch das Ding darunter, welches abgebildrt und vorgestellet wird, das ist, den Messias sechsten. Also, da der Herr durch den Mund des Oseas saget: Israel ist mein Rind; ich habe es zärtlich geliebet, und meinen Sohn aus Aegypten zurückberufen; denket man erstlich an den Auszug der Hebräer aus Aegypten: und wenn man dem Texte aufmerksam nachsinnt, wird man ein Vorbild und «ine prophetische Begebenheit gewahr. Israel zieht in Aegypten , um dem Hunger zu entgehen; und Jefils zieht auch dahin, um der Grausamkeit des Herodes zu entgehen. Dieses Reich dienet dem Volke Gottes, und dem Sohne Gottes zur Freystätte; und wegen dieser beyden verschiedenen Begeben» " i. Kor. X. Ost. XI. 716 Weissagungen. benheiten saget Gott auf eine gleiche Weise: Ich habe meinen Sohn aus Aegypten zurückberusen. Alle Propheten insgemein haben die Heiligkeit des Mes- sias geweissaget; das Wort: Nazaräner, bedeutet so viel, als : geheiliget; und Jesus Christus ist die Heiligkeit selb, sten. Soll man sich wundern, daß der Evangelist saget, Jesus werde Nazaräner genannt werden, damit erfüllet werde, was die Propheten geweissaget haben? Muß man hernach nicht gestehen, daß es für du Marsais artig läßt, wenn er saget: Jene, die sich auf di« Weissagungen so viel ge> steifet haben, thaten es aus Unwissenheit oder aus Untreue ? IX. * Es hat Einer gesaget: der erste Wahrsager, der erste Prophet ist der erste Schelm gewesen, der einen Tölpel gefunden hat: also ist die Weissagung aus dem ältsten Alterthume her. wir haben, mitten aus Lan- guedok, Propheten bey Haufen nach London kommen gesehen, welche den Propheten der Juden ganz ähnlich waren, und den gräulichsten Schwärmgeist mit den ekelhaftesten Lügen verbanden. Man hat Jurieu in Holland prophezeyen gesehen. Es hat zu allen Zeiten der, gleichen Betrieger gegeben; und nicht allein elende Rerle, die Weissagungen machten, sondern noch andere elende Rerle, welche Weissagungen unterschoben, die von alten Personen gemacht worden seyn sollen. * * * Man darf kein Wahrsager seyn, um zu wissen, wer der sogenannte Mylord Bolingbroke sey. Er verbirgt sich unter einem * wicht. Unters 7. Aap. ll'h « '» Weissagungen. 717 einem engländischen Namen, damit er kühner die Gräuel ausspeyen möge, womit seine Seele erfüllet ist. ^ Es ist dem noch ganz gewiß, daß niemals ein Engländer gewesen ist, ssr in seinen Schriften die Gotteslästrungen zu einem so großen Uebermaaße getrieben hätte. Aber, was gewinnt er durch seine gotkeslästrischen Ausdrücke, und seine ungereimten Sähe? Beweist er, daß es niemals wahre Propheten gegeben habe? Beweist er, daß alle Weissagungen unterschoben seyn, oder daß nicht erfüllt worden sch, was sie bedeuten? Beweist er, daß die Flüchtlinge aus Languedok, und daß Iurieu für wahre Propheten gehalten worden seyn? Man nehme von seinen Reden die Verwägenheit, die Grobheit, die Unanstän, digkeit, die Schmähworte, und die Ausdrücke der pöbelhaften Lastträger weg; so wird nichts mehr übrig bleiben. Aus eben dieser Ursache würdigen wir uns nicht, die Gräuel, die er noch beyfüget, herzusehen, oder zu widerlegen. Flüchtlinge^ Die resormirteu Franzosen, die aus ihrem Vaterlands in verschiedne protestantische Länder entwichen, und insgemein Flüchtlinge genannt werden. Jurieu^ Peter, ein Franzose, gierig wegen der resormirteu Religion nach Rotterdam, wo er sowohl mit vielen katholischen Gelehrten, als auch mit Bayleu viele Streite hatte. Cr wähnte, die Resormirteu würden wieder nach Frankreich berufen werden, und im Jahre 171;. sollte die Ankunft de- Reichs Christi seyn. Er starb 171z. zu Rotterdam. 1 . 11 . ?!8 L.II. Wunderthaten. ^s^underthat heißt man eine Begebenheit, eine Handlung, welche durch keine natürliche Ursache hat gewirket wer» den können; welche den beständigen und erkannten Gescheit der Natur zuwider ist, und welche man nur dem Schöpfer und Herrn der Natur selbsten zuschreiben kann. Also sind die Auferstehung eines Todten, die Unverweslichkeit eines Körpers, die Erhaltung eines brennbaren Gegenstands mitten unter den Flammen, die Befestigung des Wassers unter dem Fuße eines Menschen, und andere ähnliche Begeben» Heiken lauter Wundmhaten. Obgleich diese allgemeine Bestimmung schon genüglich wäre, um zu entdecken, was eine Wunderthat sey; so wol» len wir dennoch, um die Wunderthaten der christlichen Re, ligion noch besser auszuzeichneu, etliche Bemerkungen beyse, ßen, welche uns nothwendig scheinen. Man muß dann be, merken: i. Daß die Wunderthaten durch die Anrufung des Na» mens Gottes gewirket werden müssen. Die Ursache davon ist diese, weil das Geschöpf durch das Geständnis; seines Un> Vermögens Gott verherrlichen, und durch sein Vertrauen und sein Gebeth den außerordentlichen Bcystand, den es von ihm erwartet, verdienen soll. Also ruft Moses * den Herrn an, um die Wässer des rothen Meeres zu zercheilen; Isaias um dem Erecbias eine wunderthätige Verst» cherung von seiner Genesung zu geben; Elias ***, um den Sohn der Wittwe zu Sarephta zu erwecken. Also be» stehlt ' z. S. xiv. »xxxvm. ' z. L. der Rönrg. xvir. Wunderthaten. / 719 firhlt perer * im Namen Jesu Christi dem Gichtbrüchigen, daß er aufstehen und davongehen sollte. 2. Sie müssen gebrauchet werden, um Lehrsätze zu oft fenbaren oder zu bezeugen, welche die Vernunft nicht enrde, cken, und aus sich sechsten nicht erreichen könnte; oder mn gewisse Punkte einer reinen und heiligen Sittenlehre, die mit der natürlichen Vernunft und Billigkeit übereinstimmet, zu bestätigen. Also geschahen die meisten Wunderthaten Jesu Christi, um seine Göttlichkeit und seine Sendung, als eures Erlösers und Gesetzgebers des menschlichen Geschlechts, zu bezeugen. Er fragte den Blindgebohrnen, ob er an den Sohn Gottes glaube: ** Oeäi8 in kilium Der ? Er stell, te den Juden vor, daß sie an seine Werke glauben sollen, wenn sie aufsein Wort nicht glauben wollten: ^ 81 miki non vulti8 creclere, operibu8 creäite. Er sagte, daß der Tod des Lazarus dienen werde, ihn als dm Sohn Gottes zu verherrlichen r **** Z1orj6cetur küiu8 Oer per «am. Da die Wunderthaten die würdigste Sprache Gottes sind, müssen sie nur zu Dingen gebrauchet werden, die für Gott würdig sind. z. Die Wunderthaten müsse» bestandbare Werke ftyn. Dieß dienet, um sie von flüchtigen Blendwerken zu unter, scheiden, welche einen Augenblick betäuben können, und nicht Zeit lassen, daß man sie untersuche und prüft. Die Wun, ^ dertharen Jesu Christi waren bestandbar. Man sah die Kran, , ken, die er geheilet; die Todten, die er auferweckel; die ! Blinden, denen er das Gesicht verliehen hatte. Man redete mit ihnen; man fragte sie; man wurde überzeuget. 4. Die "Apostelgesch.nl. Jvh. IX. ' * * Ebend. x. Eben-. Xl. 720 Wunderthaten. 4. Die Wunderthaten sind insgemein Wohlchaten: j«, ne, die Jesus und die Apostel wirketen, waren es. Es ia. get auch der heilige Peter, wo er vom Erlöser spricht, daß er nur auf Erden erschienen sey, um Wohlchaten auszmheilen. * lJui pertrsnliit ben^tacienäv» öc isnsnäo omne8. Es qiebl auch Wunderthaten zur Bestraftmg, wann diese Bestrafung nochwendig, oder zur Warnung der übrigen Menschen mchlrch wird. Endlich gieöt es andere, die we< der Wohlchaten noch Strafen sind; sondern di« ganz untrüg« liche Kennzeichen von der Macht und dem Willen des Herrn an sich tragen, um irgend eine große Wahrheit kennbar zu machen, wie jene waren, die bey dem Tode Jesu Christi geschehen sind. Dieß mögen überhaupt die Kennzeichen der Wunderthaten seyn. Aber, wie kann man von der Wahrheit und Wirklich, keit der Wunderthaten versichert werden? 1. Man kann nicht daran zweifeln, wenn man selbst «in Zeuge davon ist, und Zeit hat, sie zu prüfen und zu um tersuchen. Wenn einer einen Todten hat auferstehen sehen, und über diese Auferstehung vernünfteln und streiten wollte, der müßte nur in das Tollhaus geschicket werden, oder die Rotte der Modephilosophen vergrößern helfen. 2. Man kann nicht daran zweifeln, wenn man davon Zeugschaften und Beweise hat, die entweder durch die Wür, de, oder durch die Zahl der Zeugenden glaubwürdig sind. Handlungen können nicht anders bewiesen werden. Man prüfe, man untersuche, ehe man glaubet, Dieß rufen uns die Vernunft und die Weisheit zu» z. Man DM Hst in hi !nN k VkNI! !>rli >»>! * Aposrelgesch. X. I kj, l>t r, >!k i I i« ß ß I«!! K- Wunderthaten. 721 z. Man kann nicht daran zweifeln, wenn aufdie Wun, derthatcn berühinte Stiftungen gefolget sind, die durch glaub, würdige und immerwahrende Denkmäler bestätiget werden; oder wenn sie zu einer großen Feyerlichkcit Anlaß gegeben haben, welche man eingesetzet hat, um ihr Andenken zu ver, ewigen. Also ist die Stiftung der christlichen Religion ein immerwährender Beweis der Wunderthaten Jesu Christi. Also sind die berühmten Umzüge von Dijon und von Dole glaubwürdige und beständige Zeugnisse zwoer Wunderthaten: einer mit der Hostie von Dijon, welche, mit Federmesser, chen durchstochen, Blut vergossen hat; und der andern mit der Hostie von Dole, die über den Flammen schwebte, als der Altar mit Feuer umgeben und verbrannt wurde. Dieses hat der Präsident von Boivin, welcher dortmals lebte, als das zweyre Wunder geschah, durch folgendes Paar Verse so gut ausgedrücket: iMpisqmä «illbltss kommemgue Dsnmgue fs-teri? 8e probst ege bommein ksv^uine, öc igve Oeum. Nach dieser Weise soll man zu Werke gehen, um seinen Glauben an die Wunderthaten zu bestimmen. Die gesunde Vernunft giebr sie ein; die Weisen folgen ihr; und eben deßhalben kann sie nicht nach dem Geschmacks der Ungläm bigenseyn. Diese Herren machen Vsrnunftschlüsse in den Tag hinein , wodurch sie sich bestreben , zu überraschen und in die Enge zu treiben, und wodurch sie zum besten beweisen, daß sie die schlechtsten Vernunftschlüsse machen. Mit diesen schönen Vernunfrschlüssen wollen sie an den Tag legen, daß eine Wunberrhat unmöglich sey; daß der Glauben au die Wum dercham, der Vernunft widerstrebe; daß er das höchste Well. Band. Zz 722 Wundertaten. sen verunehre; daß er die Frucht einer unwissenden Einfalt ! ! sey. Endlich, damit sie die Wundertaten lächerlich mq, ! ß l« Spinoza, der Deist von Genf, der Verfasser des Hand, ^ lexikons, die zween unsinnigen Verfasser des entlarvten ßi« Lhrrstenthums, und des philosophischen Rriegsmanns, W» haben die Lehre von den Wundertaten mit der größesten Md l Wirth und Bosheit angegriffen. Man wird aus den folgenden Gesprächen von der Stärke, der Gründlichkeit, und den Folgen ihrer Vernunfrschlüsse urrheilen können. Sie ^ werben von einem weisenGotresgelehrten, und von einem jun» bp gen Zöglinge der neuen Philosophen geführet. Dieser junge Zögling weiß alles auswendig/ was seine großen Lehrmeister ^ geschrieben haben. Er ist voll Eifers, zur Verteidigung V ihrer Gesinnungen; aber er hat eine redliche Seele. Er ist »« vom Jrrthume voreingenommen; aber er fühlet die Wahrheit, W und erkennet sie, wenn man sie ihm zeiget. z», < Man muß bemerken, daß der junge Philosoph in diesen Ml j Gesprächen Wort für Wort hersaget, was seine großen » Lehrmeister gesprochen Haben. A * Ja, mein Herr! ich behaupte, daß eine Wunder, that eine unmögliche Sache sey, welche in den Ausdrücken einen augenscheinlichen Widerspruch enthält. Denn was ist eine Wundertat? Sie ist eine Verlehung der mathemati, chen, vergleichen sie dieselben mit den Fabeln des Heyden« thumö. Erstes Gespräch. Von der Möglichkeit der Wundertaten. Der Philosoph. scheu. * Aus dem phrl. Handlex. Wunderthaten. 72z sehen, göttlichen, unwandelbaren, ewigen Gesetze. Ein Ge. setz kann nicht zugleich unwandelbar seyn, und wrlchcr wer- den. Es ist unmöglich, daß das unendlich werse W-ftn Gesetze gemacht habe, die es nachmals verändern, und selbst verletzen wollte. Es ist klar, daß es, als Gott, die Maschine dieser Welt so gut gemacht hat, als es möglich war. Also wird es nichts daran verkehren, nichts ändern. Folglich wird es keine Wunderthaten geben. Der Gottesgelehrte. Dieß sind wohl kraftvolle Ausdrücke, und recht stolze Sprüche: aber ich hoffe, mein Herr! Ihnen zu zeigen, daß die neuartigen Philosophen weit stärker im Schreyen, als in Vernunftschlüssen, und im Behaupten, als in Beweisen sind. Was wollen Sie durch Ihre mathematischen, göttlichen, unwandelbaren, ewigen Gesetze sagen? Die Gesetze der Physik, das ist: die Gesetze, wonach dieses Weltall bewe, get, geordnet, und regieret wird, sind göttliche Gesetze, weil sie Gott zum Stifter haben. Aber Gott hat sie aus eurer freyen Wahl, und ohne alle Nvthwendigkeit eingesehet. Wenn die Körper auf einander schweren, so geschieht es, sa< get Newton, weil es Gott also gewollt hat. Sie sind un« wandelbar. Dieß heißt eigentlich: sie sind immerwährend, vbschon sie weder wesentlich, noch nothwendig sind. Wäre es wohl Gottes Macht zuwider, wenn er -ie Wirksamkeit des Feuers auf einen Körper, der aus sich selber brennbar ist, hemmete, und wenn dieser Körper mitten unter dm Flammen unversehrt bliebe? Sie sind ewig. Sie sind willkührlich gestiftet worden, als die Welt aus dem Nichts hervorstieg; sie werden so lange, als die Welt dauren: da» rinnen besteht ihre ganze Ewigkeit. Sie sind mathematisch. Zz 2 Dreß 7L4 Wunderthttten. Dieß ist nur ein« ungereimte Worcverkehmng, wovon Jh, Philosoph keine Erklärung geben könnte, die nur ein Biß, chen vernünftig wäre. Wo ist dann der Widerspruch, wo ist die Unmöglichkeit der Wunderchaten? ^ Der Philosoph. Aber ich habe Ihnen gesager, und Sie müssen e« selbst gestehen, mein Herr! es sey unmöglich, daß ein unendlich weises Wesen Gesetze gemacht habe, die es nachmals verän, dem und selbst verletzen wollte. Der Gottesgelehrte. Er har sie nicht gemacht, um sie zu verletzen. Er hat sie gemacht, damit sie der immerwährende Grund der schö, neu Ordnung und Übereinstimmung im Weltgebäude seyn möchten. Der Philosoph. Gott kann nichts ohne Ursache thun. Allein, welche Ursache könnte ihn bewegen, sein eigenes Werk für eine Weile zu verunstalten? — Es geschieht zum Besten der Menschen, werden Sie mir sagen. — Aber ist es eben nicht die unge, reimleste Thorheit, sich einzubilden, daß das unendliche We, sen, zum Besten dreyer oder vier hundert Ameisen aufdiesem kleinen Hausen Koches, das ewige Kunstspiel jener unermesse, nen Triebräder, welche das ganze Weltall in die Bewegung setzen, verkehren werde. Der Gottesgelehrte. Wenn die Stimme Jesu Christi Lazarus aus demGra» be ruft, oder einem Blindgebohrnen die Augen eröffnet, so sehe ich dabey eben so wenig Verkehrung in der Ordnung des Wellgebäudes, als wenn ein Wundarzt eine gefährliche Wunde, Wunderthaten. 72 s Wunde, oder einen Fluß an den Augen heilet. Der ganze Unterschied zwischen diesen zwoen Heilungsarten besteht darinnen, daß jene eine übernatürliche Kraft erfoderl, und diese nicht über die menschliche Fertigkeit hinausreichet. Wenn Heliodor * im Tempel zu Jerusalem von himmlischen Händen, oder ein Soldat im Lager von seinen Mitgesellen aus- gestrichen wird; so verändert dieses am Welkgebäude nichts. Ich sehe weder Thorheit, noch Ungereimtheit dabey: und Ihr Koch, Ihre Ameisen, Ihr Kunstspiel von unermessenen Triebrädern, sind große Worte, die keinen Sinn haben. Der Philosoph. Und warum sollte Gott eine Wunderchat wirken? Um eine gewisse Absicht auf etliche lebendige Wesen auszuführen. Er müßte dann sagen: Ich habe es nicht zu Grande bringen können, durch den Bau des Weltalls, durch meine göttlichen Rathschlüsse, durch meine ewigen Gesetze eine gewisse Absicht auszuführen: ich will dann meine ewigen Begriffe, meine unwandelbaren Gesetze verändern, und mich bestreben, etwas in das Werk zu setzen, das ich durch sie nicht habe thun können. Dieß wäre ein Beweis der Schwachheit, und nicht der Macht. Es ist dann ungereimt, an Wun, derchaten zu glauben: es wird auf gewisse Weise die Gottheit dadurch verunehret. Der Gottesgelehrte» Ihre Philosophen sollen ihre Sprache der Gottheit nicht in den Mund legen: sie ist nicht anständig für dieselbe. Die unwandelbaren Gesetze, die göttlichen Rathschlüsse sind mit einer unendlichen Macht und Weisheit ausgezeichnet. Alles, Z z Z * 2. Macch. M. 726 Wunderlhaten. Alles, was Gott thun will, und was er durch sie zu thun ha-., das thur er. Kein Geschöpf kann ihm widerstehen. Wenn seine Weisheit bey gewissen Umständen jene Gesehe hemmen over aufhalten will, damit man seinen Willen, und seine Hoheit erkennen und anbethen wöge, so thut er es mit gleicher Macht und mit gleicher Herrlichkeit. Und was sin, den Sie dabey, das für Gott unwürdig wäre ? Der Philosoph von Genf * denket weit anders, als Sie. Rann Gott Wunder wirken ? fraget er: das ist; kann er den Gesetzen Abbruch thun, die er gestiftet hat ? wollte man drcse Frage im Ernste behandeln, so wäre sie gottlos, wenn sie nicht ungereimt wäre. Einem, der sie mit Nein beantwortete, geschähe noch allzu viel Ehre, wenn man ihn strafete; es wäre genug, daß man ihn ein- spcrrete. Der Philosoph. Aber der philosophische Rriegsmann denket keineswegs , wie der Philosoph von Genf: ** Die Wahrheit und die Augenscheinlichkeit, saget er, bedörfen keiner Wunder- tharen, damit man sie annehme. Ist es nicht recht wun, -erlich > daß es der Gottheit leichter fallen soll, die 1» k Wohlan! Wenn Sie es durchaus haben wollen, sagen Ihnen unsere Philosophen darauf, so wollen wir an die Wunderthaten glauben, die in unsrer heiligen Religion ge, wirket worden find; aber wir wollen sie durch denGlauben,und nicht durch unsre Vernunft glauben, der wir gewiß kein Gehör geben werden. Denn, wann der Glauben spricht, weiß man schon, daß die Vernunft kein einzig Wörtchen sagen darf. Der Gottesgelehrte. Wie! Ihre Lehrer nennen sich Philosophen, und sie haben einen Glauben ! Wer wird sich dieß bereden können? Gleichwohl erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, daß Sie im gegenwärtigen Falle Sich irren. Sie glauben, heißt es, die Wunderthaten durch den Glauben, und nicht durch die Ver- Zz 4 ' nrmft. 728 Wunderthaten. Minsk. Allein es ist gerade das Widerspiek; die Wunder, thaten glaubt man durch die Vernunft, und nicht durch den Glauben. Verleihen Sie mir, zur Gnade, ein Bißchen Achtsamkeit. Wenn man eine Wnnderthat in der christlichen Kirche be» kannt machet, so geht man auf folgende Weise mir ihrer Untersuchung zu Werke: i. Man erforschet erstlich, ob die Sache wahrhaft wunderthätig, das ist, übernatürlich sey. 2. Man untersuchet ihre Richtigkeit. Damit man eine Wunderthat für gewiß annehme, müssen die Zeugen einsicht, volle und rechtschaffene Leute seyn; ihre Zahl muß erklecklich, und die Zeugschaftrn müssen so klar und richtig seyn, daß ein Mensch, der zu schließen und zu ««heilen im Stande ist, nicht den mindesten Zweifel mehr daran habe» kann. z. Man läßt alle zum Verhöre, die etwas dawider einwenden, damit die Einwürfe und Erötsrungsn dienen mögen, die Wahrheit der Sache besser^aufzuklären und zu bestätigen. Also verhält man sich in den römischen Gerichten, mn die Wunderthaten zu erkennen und anzunehmen. Die Weisheit und die Vorsicht können nichts weiter thun. Auf diese Weise glaübet man an die Wunderthaten. Sie sehen also, Laß man allein durch die Vernunft, und nicht durch dm Glauben die Wunderthaten glaubet. Jene, die in der göttlichen Schrift enthalten sind, glau« ben wir durch den Glauben, wie wir die übrigen Wahrhei, ten glauben, die in der Bibel stehen. Aber nicht das Wim» derkhätige der Sache, sondern das Ansehen des göttlichen Geistes, welcher den heiligen Schriftstellern eingesprochen hat, was sie uns berichtet haben, wird zum Beweggründe unsers Glaubens. Wiinderthaten. 729 Der Philosoph. Ich fühle die ganze Stärke Ihrer Gründe. Aber Sie müssen mir noch über ein Paar Worte, die ich im Verfasser des entlarvten Lhristenthums gelesen habe, eine Erläuterung geben. * Eine übernatürliche Sache, saget er, fodert stärkere Zeugschaften, damit man sie glauben könne, als eine Sache, die nichts wider die Wahrscheinlichkeit an sich hat. Was sagen Sie auf dieses? Der Gottesgelehrte. Dieß ist nichts, als ein Wörterkram ohne Bedeutung. Eine Sache mag natürlich, oder übernatürlich scyn, so kann ich sie nicht anders glauben, als, entweder auf die Zeugschaft meiner Sinne, wann ich selbst gesehen, untersucht, und mir Sorgfalt geprüfet habe, oder aufdie Zeugschaften der Zeugen, von welchen ich die Stärke und Gültigkeit untersuche. Wenn die Sache, worauf es ankömmt, eine große Wichtigkeit ent» hält, und Folgen nach sich zieht, die alle meine Achtsamkeit verdienen, so untersuche ich mit größerer Sorgfalt und Ge» nauheit. Aber die Sache mag natürlich, oder übernatürlich seyn, so kann ich nicht auf zwo verschiedene Arten darein gehen, um zu der vollkommensten Prüfung, und folglich zum Glauben zu gelangen. Zweytes Gespräch. Von der Wirklichkeit der Wunderthaten. Der Philosoph. Nein, mein Herr! ich zweifle keineswegs, daß Gott Wunder wirken könne. Aber will sie Gott wirken ? Hat ev stk! * Entlarvt. Lhristenthum. 68. Seit. Zz 5 7Zv Wunderthaten. sie gewirket? und wie kann man versichert seyn, daß eine Sache, die man für wunderthätig ausgiebl, eine wahre Wunderthar sey? Ueber diese Stücke wirft der Philosoph von Genf * Schwierigkeiten auf, die sehr hart aufzulösen scheinen. Der Gottesgelehrte. Nach allem Scheine hat ein Bißchen Vorurtheils Sie gehindert, an diesem Philosophen viele Dinge zu bemerken, welche Sie auf seine Aussprüche äußerst mißtrauisch Härten machen sollen. Ehe wir auf seine Schwierigkeiten antwor- len, wird es nicht unschicklich seyn, über das Betragen die. fts Schriftstellers Sie erliche Anmerkungen machen zu lassen. Was soll man von einem Manne denken, der auf einer Seite saget: ** Ls ist gottlos und ungereimt zu fragen, ob Gott Wunder wirken könne; und anderswo: ist unmöglich, versichert zu werden , daß irgend eine Sacke, was es immer seyn mag, eine wunderthat sey; — die wunderthaten sind die größesten Hindernisse zum Glauben; — und: die höchste Weisheit wird zum Lnd» zwecke, den sie sich vorseyet, keine so widrigen Mittel brauchen ? Was sollte bann jene göttliche Macht seyn, deren Wirkungen der Mensch niemals erkennen könnte, die eine Hindemiß zum Glauben würde, und welche die höchste Weisheit zu misbilligrn verbunden wäre? Was soll man von einem Manne denken, welcher, wann er von den Wunderthaten Jesu Christi redet, dieselben bald annimmt, bald verneinet; **** welcher sie bald den vorzüglichen Beleuchtungen Jesu Christi in der Erkennmiß eitel na- türli, * Briefe von dem Berge, z. Br. * * 94. Seit. * l» 9 . und -l. Seit. *»»» rs. und 9 r. Seit- Wunderthaten. ' 731 türlicher Dinge zuschreibt, bald mit verschiedenen Erfahr»», gen aus der Naturkunde, oder Heilungen aus der Wundarz- neykunst vergleicht; * der sich bald Mühe giebt, sie herum ter zu sehen, da er saget: sie werden von Schriftstellern erzählet, die eine dumme Unwissenheit hatten, aber für die Ehre ihres Herrn voll Eifere waren; und bald sich ge, nüget, sie für gütige, menschenfreundliche, wohlthätige Handlungen anzufthen, die eher Tugenden, als Wunder, thaten wären Was soll man von einem Manne denken, der, uner, achtet der deutlichsten und ausdrücklichsten Texte, hundertmal wiederholet, daß die Wunderthaten Jesu Christi nicht, als ein Beweis seiner Sendung, gewirket und angegeben worden seyn? Ich will nur einen anziehen. Der heilige Johann läßt durch zween seiner Schüler Jesum Christum fragen, ob er der Gesandte Gottes sey, oder ob man einen andern erwarten müsse; und Jesus giebt keinen andern Beweis von seiner Sendung, als seine Wunderthaten. Saget Jo, Hannen , antwortet er, was ihr gehöret und gesehen ha, bet. Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aus» säyigen sind grreiniget, die Tauben hören, die Tobten sieben auf. Was wird Johann Jakob Rousseau aufdie, sin Text antworten ? Der Philosoph. Mein Herr! Ihre Anmerkungen verdienen einige Acht, samkeit; aber sie geben auf die Schwierigkeiten keine unmit, telbare Antwort: und diese verlange ich itzt. Die erste jener Schwierigkeiten, welche man für die hauptsächlichste betrach. ren »1.04. und I0Z. Seit. Matth. Xl. *»106. und so. Seit. 7Z2* Wunderthaten. ren kann, lautet also: „ Eine Wunderchat ist eine Ausnah, B „ me von den Gesetzen der Natur: will man sie beurcheilen, „ so muß man diese Gesetze kennen; und will man sie sicher „ beurcheilen, so muß man sie alle kennen. Also, wenn „ Einer saget, daß diese oder jene Handlung eine Wunder, „ that sey, so erkläret er, daß er alle Gesetze der Natur „ kennet, und daß er weiß, diese oder jene Handlung sey „ eine Ausnahme davon. Aber, wo ist der Mensch, der „ alle Gesetze der Natur kennet ? Newton rühmte sich nicht, ^ „ alle zu erkennen. Ein rechtschaffener Mann, der bey einer „ unerhörten Sache zugegen war, kann bezeugen, daß er ^ „ die Sache gesehen habe, und man darf ihm glauben. ^ „ Aber er wird niemals behaupten, daß diese Sache, wenn „ sie immer so erstaunlich seyn möchte, eine Wunderthal „ sey. Denn wie kann ers wissen „ ? ' M Der Gottesgelehrte. k, a Es wird nicht schwer seyn / Ihnen zu zeigen, daß der Nizi! Grund, worauf Ihr Philosoph gebauer hat, sehr baufal, W lig sey r und zu diesem Ende müssen Sie mir die Gnadethun, H etliche Fragen zu beantworten, die ich Ihnen vortragen will. g« Geben Sie nicht zu, mein Herr! daß die Gesetze der Namr ZU von einem unendlich weisen und unendlich beleuchteten W« G, sen gestiftet worden seyn? Utz Der Philosoph. ^ Es ist nicht vonnöthen, eine solche Frage zu thun: denn Etz es ist noch Niemanden zu Sinne gekommen, an diesem zu ^ zweifeln. , Der Gottesgelehrte. ^ Wenn die Gesetze der Natur von einem unendlich weisen ^ und unendlich beleuchteten Wesen gestiftet worden sind, kön, !« ' ft? Wunderthaten. 7z; nen sie sich einander nicht widersprechen; sie können sich einander nicht zerstören. Der Philosoph. Wenn sie sich einander widersprächen und zerstöreten, so hätten sie das Kennzeichen jener unendlichen Weisheit nicht mehr a»r sich. Der Gottesgelehrte. Kennet man welche von diesen Gesehen? Der Philosoph. Man kennet nicht allein sehr viele davon, sondern man kennet sie mit Ueberzeugung. Diese Kenntnisse sind für jeden vernünftigen Mann, für jeden, der Menschenverstand hat, unzweifelhafte Grundsätze. Also kennet man die Gesetze der Bewegungen von der Planetenwelk, und man ist im Stande, auf etliche Jahrhunderts vorhinein, die Begegnungen, Gegenscheine, Zusammenkunft,und Verfinstrungen der himmlischen Körper, unfehlbar vorzufagen. Also kennet man die meisten Gesetze der Schwerkraft, der Bewegung, des Gleichgewichts , der Wirkung flüssiger Körper: und aus diesen Kenntnissen schließt man, daß ein Körper, wenn er sich selbst überlassen ist, allezeit zum Mittelpunkts der Erde streben muß; daß die flüssigen Körper sich allezeit von sich selber wagerecht stellen; daß ein dichter Körper, der nach seiner Eigenschaft schwerer, als das Wasser, ist, worein er gewor. fen wird, zum Boden sinken muß, und nicht oben auf schwimmen kann. Ich würde kein Ende finden, wenn ich alle Schlüsse hersagen wollte, die man aus diesen Grund, sähen zieht. 7Z4 Wunderthatm. Der Gorreogelehrte. Dreß ist schon genug, mein Herr! Sie haben von den bekannten Gesehen der Natur gesprochen; aber könnte es nicht auch andere unbekannte Gesetze geben, welche ganz entgegen, gesetzte Wirkungen hätten? Der Philosoph. Es kann anders Gesetze der Natur geben, die wir noch nicht kennen: aber es kann keine geben, welche Wirkungen hätten, die den Gesetzen, die wir kennen, entgegengesetzt wä, ren. Wenn es Gesetze der Natur gäbe, welche die andern zerstöret!«, könnte man sich wohl bereden, daß diese Gesetze von einer unendlichen Weisheit gekommen seyn? Würde man hernach sichere Grundsätze haben, um die Ordnung und die schöne Uebereinstimmung, die im Weltgebäude herrschet, zu erkennen, sich danach zu rechten, und davon zu'urrhülen? Was für eine Rechnung könnte man auf alle astronomische Beobachtungen, aufdie Grundsätze der Mathematik, aufso viele Schriften gelehrter Naturkunviger machen, welche sich mit dem besten Erfolge auf die Betrachtung der Narur ver, leget haben? Der Gottesgelehrte. Ey, mein Herr! Sie Härten für den Handel, den ich vertheidige, nicht besser reden können. Denn erstens stürzen Sie jenen Grundsatz des Philosophen von Genf, — daß man alle Gesetze der Natur kennen müßte, wenn man eine wunderthat beurtheilen wollte, — nicht allein zu Boden, sondern Sie entdecken noch dabey, wie sehr er lachenswürdig sey. Zweytens beweisen Sre aufdas Beste die Wirklichkeit der Wunderthaten, welche in der göttlichen Schrift enthalten sind, und die dieser Philosoph anzustreiten waget. Der 73s . Wunderthaten. , Der Philosoph. Ich merke es, und es verdrießt mich nicht; ich habe die Wahrheit lieber, als den Sieg: oder vielmehr, jener ist der schönste Sieg, durch welchen man der Wahrheit nachgiebt. Der Gottesgelehrte. Mit diesen unstreitigen Beweisen sind alle Wunderthaten des alten und des neuen Bundes bewiesen und dargethan. Wenn die Fluchen des rothen Meeres, auf das Wort des Moses *, und das Wasser im Jordan ans das Geheiß des Iosue ** ihre Flüssigkeit verlieren, und sich wie krystallene Mauren aufchürmen, um die Israeliten durchwandern zu lassen; da sind alle Gesetze, welche die flüssigen Körper an, gehen, gehemmet und aufaehalten: nur der Schöpfer der Na, tur kann sie auf diese Weise hemmen und aufhalten. Wenn die Sonne, auf das Wort eben desselben Iosue, *** in ihrem Laufe stille steht; da sind alle Gesetze der Bewegung der himin» tischen Körper gehemmet: allein wer kann sie hemmen, als je, ner, der sie gestiftet hak? Wenn Elias***'" durch sein Ge, Selb das Feuer vom Himmel fallen läßt, welches in einem Wwke das Opfer verzehret, das er dem Herrn schlachtet, ist wohl ein Gesetz in der Physik, das man für die Ursache einer so auffallenden'Begebenheit angeben könnte? Der Philosoph. Alles, was Sie da von den Wunderthaten sprechen, mag immer so richtig seyn; so ist es doch dienlich zu wissen, was auch die Philosophen von eben diesem Gegenstände sagen. Je genauer eine Sache erörtert wird, desto klärer und rührender wird die Wahrheit werden. Spinoza will das Wunderthä, tige - r. N- Moses. XIV. *' Iosue. III. * Ebend. x. »»»» B. der Könige. xVlll. 7Z§ Wunderthaten. lige von dem Durchzuge durchs röche Meer wegblasen, da er ^ saget, es habe ein heftiger Wind die ganze Nacht gewehrt, ^ welcher Lurch seine Kraft zu beyden Seiten das Wasser in die ^ Höhe gehalten, und den Grund des Meeres ausgetrocknet ^ hat; und dieses habe ganz natürlich geschehen können. Rons» ^ seau will die Wunderthaten des Elias und Issue für Kim "M Verspiele gelten lassen. * Vor Zeiten, saget er, ließen die ^ Propheten ans ihre Stimme das Feuer vom Himmel falr Dli len: heut zu Lage thun die Rinder mit einem Glasstücke lkü, das nämliche. Iosue ließ die Sonne stille halten ; ein ^ Ralendermacher läßt sie verfinstern, wenn die Pfaffen ^ Baals den Herrn Rouelle bey sich gehabt hätten, so wür, U de ihr Holzstoß von sich selber Feuer gefangen haben, und »«d Elias wäre betrogen gewesen. Ni Der Gottesgelehrte. ' Mein Herr! Wenn Sie ein Bißchen mit Aufmerksamkeit ^ Nachdenken, was diese zween Philosophen dadurch sagen wob ^ len; so werden Sie sicher entdecken, daß der Einwurf ves ^ Spinoza nur Erbärmniß, und der Einwurf des Rousseau ^ nur Unw.llen verdienet. Fürwahr, ist es nicht eine erbärm- ^ Uche Sachs, mit Spinoza zu mukhmaßen, daß natürlicher "" Weise ern Wind habe entstehen können, der heftig genug war, ^ einen Raum im Meere von fünf oder sechs Meilen in zwey zu ^ rheilen, diese unermessene Menge Wassers zu beyden Sei» ' ^ ren in die Höhe zu thürmen, und unerachlet seiner natürlichen H Beweglichkeit, wie Mauren, wie dichte Körper, aufrecht zu erhalten ? Ist es nicht eine erbärmliche Sache zu muchmaßen, ^ daß dieser Wind, ohne daß man ihn an den Usern im ge» ^ ringsten gefühlrt hätte, auf der Oberfläche des Meeres nur in " ^ jener i» §9. Seit. Wnnderthaten. 7Z7 jener schmalen Richtung gewehrt habe,welche den Graben oder den Hohlweg eröffnen mußte,der den Hebräern zum Durchzugs dienen sollte ? Ist es nicht eine erbärmliche Sache zu muth, maßen, daß dieser Wind, welcher durch seine Heftigkeit und Stärke fähig war, so viele Millionen Klafter ins Gevierte vom Wasser aufrecht zu halten, und welcher, weil er von Osten kam , den Reisenden ins Gesicht wehen mußte, ihrem Durchzuge keine Hinderniß verursachet, daß er sie nicht verdrü, cket, zerstoben, vergraben , oder zum wenigsten fortgekragen, und weit vom Orte, wohin ihr Weg gerichtet war, zurück, getrieben habe? In Wahrheit, heißt dieses philosophisch, heißt es physisch geurtheilet ? Ist es nicht so ausschweifend und lächerlich, als vom elendesten Marktschreyer, gesprochen? Gleichwohl ists der berühmte Spinoza, der also schließt. Was den Philosophen von Genf belanget, kann man andere, als über die Unanständigkeit sich ärgern, womit er von so ernsthaften Dingen redet, wie jene sind, die in der Schrift erzählet werden, und womit er Dinge lächerlich zu machen suchet, welche man nur mit Behutsamkeit und Ehr, furcht behandeln sollte? Was ist jemals erhabener und rüh, reuder gewesen, als die Wunderthat des Elias ? Sie wissen, bey welcher Gelegenheit sie gewirket wurde, und was für eine Absicht der Prophet gehabt hat. Es kam darauf an, die Israeliten von der Abgötter«) und vom Dienste Baals wieder abzuleiten. Er sagte in einer unzählbaren Versammlung Volkes, wobey sich der König selbst befand, man sollte den Schluß fassen, ob man dem Gotte Israels oder Baal dienen, und ob man diesen oder jenen anbethen wollte. Das Mittel, welches er vorschlug, um einen billigen und sichern Entschluß zu fassen, bestand darinnen, daß einerseits die Pfaffen Baals !I. Band. Aaa ihrem 7Z8 Wunderthaten. ihrem Gotte, und anderseits er dem seinigen einen Altar auf« richten, und einen Ochsen über einem Holzstoße darauf legen sollten, damit er als ein Brandopfer geweihet werden möchte; und jener Gott, dessen Brandopfer durch das Feuer vom Hin» mel verzehret werden würde, sollte für den einzigen wahren Gott erkannt werden. Der Vortrag wurde angenommen, und Sie wissen, was der Ansgang davon war. Die Pfaffen Baals schrieen, heulten, zerkeröten sich vergebens: Baal konnte nichts ausrichten. Dann schritt Elias auch zu seinem Werke. Er ließ erstlich auf seinen Altar, seinen Holzstoß, sein Schlachtopfer Wasser stromweise gießen; er ließ diese Handlung zum zweytenmal und zum drittenmal wiederholen; nachmals verrichtete er zn Gotte dieses Gebech: *„Herc! „ Gott Abrahams, Isaaks, und Jakobs! laß heute erken, „ nen, daß du der Gott Israels bist, daß ich dein Diener „ bin, und daß ich hier nur deine Befehle vollziehe. Erhö- „ re mich, o Herr! erhöre mich, damit dieses Volk heute „ erfahre, daß du Gott der Herr bist „. Auf diese Worte fällt jähling ein Feuer herab, welches das Opfer, den Holzstoß, die Steine vom Altäre, das Wasser, das ganz herumfloß, ja sogar den Staub aufder Stelle entzündete, verzehrte, verschlang, und unsichtbar machte. Und der Philosoph Roue- feau saget uns: wenn die Pfaffen Baals den Herrn Rou- elle bey sich gehabt hätten, so würde ihr Holzstoß von sich selber Feuer gefangen haben, und Elias wäre betrogen gewesen. Der Philosoph. Ich gestehe es, ich kann Ihnen durchaus nichts darauf antworten. Der z. B. der Römg. XVIIl. Wunderthaten. 7z- Der Gottesgelehrte. Und wie gefällt Ihnen, was er von dem Gesundmachen beyfthet? Schicket sich wohl der schnackische und possenhafte Ton, den er annimmt, aufden ernsthaften Stoff, von dem er handelt? * Ich weiß nicht, saget er, ob man die Runst gesund zu machen gefunden habe, oder ob man sie jemals finden werde. Dieß weiß ich, daß sie nicht über die Natur hinaus ist. Es ist eben so natürlich, daß ein Mensch gesund werde, als es natürlich ist, daß er in eine Rrankheit falle. Er kann eben so wohl jähling gesund werden, als jähling sterben. Alles, was man von gewissen Genesungen sagen könnte, ist dieses, daß sie verwunderlich, aber nicht unmöglich sind, wie wollte man beweisen, daß sie wunderthaten seyn? Also erkläret sich Rousseau. ' Der Philosoph. Ich muß es bekennen: ich finde weder Wahrheit, noch Richtigkeit, noch Wohlstand in allem, was er uns da vor- plaudcrr. Er spricht, wie Moliere auf der Schaubühne gesprochen hätte, um die Arrzte zu verspotten, und saget, er wisse nicht, ob man die Runst gesund zu machen gefunden habe, oder ob man sie jemals finden werde. Und auf dem folgenden Blakte saget er in einem Tone, den man dem schlechtesten Marktschreyer kaum hingehm ließe: Man hat das Geheimniß gefunden,die Ertrunkenen wieder zu erwecken, und man suchet das Geheimniß die Erhenkten zu erwecken. Also weiß er nicht, ob ein Mensch geschickt genug wäre, eine kleine Krankheit zu heilen; aber er weiß, daß er geschickt ge, mz * 101. Seit» Aaar 742 Wmiderthaten. nug ist, Todte zu erwecken. So viel im Vorbeygeheu! Wir wollen zu seinen Aussprüchen schreiten. Erstlich ist es grundfalsch, Laß insgemein ein Mensch eben so wohl jählmg gesund werden, als jähling sterben kön, ne. Denn wir sehen alle Tage Trauerfälle vor Augen, welche uns zeigen , daß es sehr natürlich ist, jähling zu sterben, und die Aerzre und Zsrgliederungkundige erweisen uns dieUr, fachen von dergleichen Todesarten auf eine ganz fühlbare Weise. Aber wir sehen gleichfalls alle Tage Krankheiten, wo, von es natürlicher Weise unmöglich ist, jähling und äugen, blicklich zu genesen, welches natürlich nur stufenweise und allmählig geschehen kann. Der Goktesgelehrte. Diese wahren Grundsäße, die Ihnen die Vernunft dar, zeiget , und die Sie so gut bemerken, können wir aufdie Wunr derthaten Jesu Christi, und vornehmlich auf gewisse Wunder, rhaten anwenden, die eben derselbe Philosoph auf eine sehr übelständige Weise zu verstellen waget. Jesus verlieh zweenen Blinden das Gesicht, von denen einer nicht eher geheilet wurde, als er aus der Stadt gezogen war, und als der göttliche Wunderchäter zweymal die Hände auf ihn geleget Harte: der andere, nachdem ihm eben derselbe Erlöser ein Bißchen Koches, mit Speichel benetzet, aufdie Augen gestrichen, und ihn geheißen halte, sich in der Quelle Siloe zu wüschen. Deßhalben stellet uns Rousseau Jesunr vor, wie er gleichsam durch Handgriffe den ersten Blinden hei, ler, und emeu andern Weg einschlägt, um den zweyten gesund zu machen. * Wozu dienet all dieses für eine Wunder, that? fraget er: Streitet die Natur mit ihrem Schöpfer? Muß loz. S,iu Wlinderthaten. 74 r Muß er Zwang, und widerfeyung anwenden, damit sie thmgeborche? Hat er Speichel, Roth, Vermischungen vonnörhen ? Aber kann ich ihn nicht dagegen fragen: Wozu dienen alle diese Vernunftschlüsse, mein Herr Philosoph? Glauben Sie, daß diese Heilungen natürlich seyn ? Glauben Sie, daß Speichel und ein Bißchen Koches eine zulängliche Kraft haben. Blinde von Geburt zu Heilen ? Könnten Sie, als ein guter Naturkenner, uns die Ursache von diesem außer, ordentlichen Umstande angeben? Der zwcyte von diesen Blinden redete viel weiser, als unsre Philosophen, da er, um alle spitzfindige Fragen zu Schanden zu machen, die ihm die Pharisäer aufwarfen, zu ihnen sagte: * wir wissen, daß jener, der Sott wahrhaftig ehret, und feinen Willen vollzieht , von ihm erhöret werde. Man hat niemals gchö ret, daß Jemand einem blindgebohrnen Menschen die Augen eröffnet habe, wenn dieser Mann kein Mann Gottes wäre, so hätte er kein solches Wunder gewirket. Dreß sind Ausdrücke, die eine redliche Seele, einen verständigen Menschen anszeichnen; einen Menschen, der vom Geists der Religion erfüllet ist. Wird may von unfern Philosophen etwas ähnliches hören? Ferner, wird ein vernünftiger Mensch die Weise gurheißen können, nach welcher der Philosoph von Genf von der Genesung des Besessenen redet, die vom heiligen Matthäus, vom heiligen Markus, und vom heiligen Lukas erzählet wird **. DieserBesessene war rasend; es zitterte die ganzeNach- barschaft vor ihm; vergebens wurde er gebunden, undangefesselt; es gab keinsBande.keine Fessel,die er nicht zu zerreißen vermochte. Matth. Vlli. Mark. V. ruk.Vlll. Aaa z «J»h. rx. 742 Wun-erthaten. mochte. Jesus kam zu ihm, damit er ihn befreyete; er frag, te Len Teufel, wie er heiße; und der Teufel gab zur Am, wort: sein Namen sey Legion, weil er nicht allein war; son» dern es wohnten sehr viele Teufel im Leibe dieses Menschen. Die Teufel bathm Jesum, daß er sie nicht in die Hölle zurück, weisen , sondern ihnen erlauben möchte, in eine Heerde von Schweinen zu fahren, die in derselben Gegend waren. Jesus erlaubte es; der Mensch wurde befreyet, und genas; und diese Thiere von den Teufeln fortgerissen, stürzten sich in das Meer hinab. Ueber dieses ruft Rousseau aus: * Und dich sind die herrlichen Beweise von der Sendung des Erlösers des menschlichen Geschlechts! Gerechter Gott! Ls schwindelt mir! ich weiß nicht, wo ich bin! Wie! Jesus giebt einem armen elenden Tropfen die Vernunft, die Gesundheit, die Freyheit wieder; er offenbarer sich, als den Sohn Gottes; er gebeut den höllischenMächien: undJohann Iakob Rousseau saget: es schwindle ihm darüber, und es sey nicht möglich, dieses zu glauben, ohne daß man dem gesunden Verstände entsagte! Der Philosoph. Man muß aufrichtig gestehen, daß Herr Rousseau hier seinen Saß übel vertheidiger. Aber wir wollen ißt dieses bey Seite fetzen. Was er von der Beschwerniß saget, die wah> ren Wunderthaten von den Zaubereyen zu unterscheiden, das ist wichtiger: und wenn es ihnen gefällt, so wollen wir es auf eine andere Unterredung sparen. " 107. Seit. Drit Wrmdetthakn. 74 z Drittes Gespräch. Von dem Unterschiede der wahren und der falschen Wunderthaten. Der Philosoph. Sie werden bekennen, denkeich, daß in der Unterschei, düng der wahren und der falschen Wunderthaten Rousseau zum meisten zu fürchten ist, und daß seine Metaphysik und seine Vernunfrschlüsse in diesem Stücke sehr fähig sind, Je, wanden in die Enge zu treiben. Ich werde dann froh seyn, wenn Sie noch die Güte haben wollen, sich über diesen Punkt zu erklären. Der Gottesgelehrte. Ich will Sie nicht allein willig anhören, sondern es er, freuet mich, daß Sie mir Gelegenheit an die Hand geben, Ihnen zu erweisen, wie sehr die Lehre des Rousseau dem ge, sunden Verstände und der Wahrheit zuwider sey. Der Philosoph. / Vernehmen Sie dann, wie er es angreift: ^ „ Wir wol- „ len zulassen,,, saget er, „daß es wahre Wunderthaten „ gebe: aber was helfen sie uns, wenn es auch falsche Wun. „ dertharen giebt, von denen man sie unmöglich unterscheiden „ kann? Und man habe nur gute Achtung, daß ich hier „ falsche Wunderthat nicht eine Wunderthat heiße, die nicht „ wirklich geschehen ist, sondern eine Handlung, die recht „ wirklich übernatürlich, und geschehen ist, um eine falsche „ Lehre zu bestätigen. Weil das Wort: Wunderthat, in „ diesem Verstände den gewissenhaften Ohren anstößig schei, „ nen mag, wollen wir ein ander Wort brauchen, und ihm „ den * lvy. Seit. Aaa 4 744 Wunderthaten. „ den Namen: Zauberey, beylegen. Aber wir müssen uns „ erinnern, daß es für die menschlichen Sinne unmöglich „ ist, eine Zauberey von einer Wunderthat zu unterscheiden,,. Der Gottesgelehrte. Und wie beweist er, daß es unmöglich sey, sie zu um terscheiden? Der Philosoph. Auf folgmdeWeise: „Das gleiche Ansehen, (der Schrift) „ welches von den Wunderthaten zeuget, bezeuget auch die „ Zaubereyen: und dieses Ansehen beweist noch dazu, daß „ der Schein der Zaubereyen von dem Scheine der Wun, „ derthaten in keinem Stücke verschieben sey. Wie kann „ man dann diese von jenen unterscheiden? und was kann „ die Wunderchat beweisen, wenn jener, der sie sieht, durch „ kein sicheres Zeichen entscheiden kann, ob sie das Werk „ Gottes, oder das Werk des Teufels sey? * Als Aaron „ seine Ruthe vor Pharao hinwarf, und diese in eine „ Schlange verwandelt wurde, warfen die Zauberer auch „ die ihrigen hin, und sie wurden in Schlangen verwandelt. „ Es mag nnn diese Verwandlung wirklich geschehen ftyn, „ wie es in der Schrift steht, oder es mag nur die Wun, „ derthat Aarons wirklich geschehen seyn, wie es etliche „ Gottesgelehrten sagen; so liegt nichts daran: der äußer, „ liche Schein ist wirklich der nämliche gewesen. Da nun „ die Menschen von den Wunderthaten nur nach ihrem Sin, „ ne urtheilen können, so ist der wirkliche Unterschied, dm „ sie nicht merken können, wenn die Empfindung der Siw ,, ne gleich ist, für sie so viel, als nichts« Also beweist „ das Zeichen, alöZeichen, aufeiner Seite nicht mehr, als „ auf s» nc>. Seit. Wunderthaten. 74^ „ auf der andern, und der Prophet hat in diesem Punkte „ vor dem Zauberer nichts voraus „. Der Gottesgelehrte. Ich bekenne, wie Sie es wohl eingesehen haben, daß Liese Metaphysik und diese Vernunstschlüsse Rousseauens sehr geschickt sind, viele Leute zu überraschen, und in die Enge zu treiben. Damit man die Verfänglichkeit und Arglist da« von entdecke, muß man sich Anfangs deutliche Begriffe von gewissen Dingen bilden; als: von der natürlichen Gewalt der Teufel, von dem Beystande, den dis göttliche Vorsehung dem Menschen schuldig ist, und von dem, was er von ihr zu erwarten das Recht hat, sowohl um die Wahrheit zu erkennen , als um sich vor dem Jrrthume zu bewahren. Mit dieser Hülfe wird man bald alle verfängliche Arglist des un, gläubigen Genfers verschwinden sehen, und nicht große Mühe haben, auf alle seine Schlußgründe eine unmittelbare Antwort zu geben. Der Philosoph. Ich begreife schon, daß nach diesen vorhergehenden Er, klärungen die Frage erläutert und endlich entschieden werden könne. Der Gottesgelehrte. Um dieses zu erreichen, werden Sie die Güte haben, mir aufetliche Fragen zu antworten, die ich Ihnen vertragen will. Geben Sie das Daseyn der Teufel zu? Der Philosoph. Ich weiß wohl, daß es Leute giebt, die sagen, es gebe weder einen Gott, noch Teufel: aber nur Leute, die unfähig zu denken sind, unvernünftige Menschen, die gemeinlich so verachtenswürdig sind, daß sie kein Gehör verdienen. Man Aaa 5 darf 746 Wunderthateii. darf nur die Werke des Plato, plutarchs, Porphyrs, und M «ine Menge anderer Heyden eröffnen, damit man überzeuget ß ^ werde, daß das ganze Heydnische Alterchnm das Daseyn der ^ Teufel erkannt habe. Die gelehrten Kirchenväter, welche zi, »> während der ersten Jahrhunderte, oder das Chrisienthum ver, theidiger, oder die Abgötkerey bestritten haben, erweisen die A nämliche Sache. Endlich die göttliche Schrift machet einen AH Glaubensartikel daraus. Man kann dann ihr Daseyn nicht läugnen. - ^ Der Gottesgelehrte. chn Nun, was denken Sie, daß die natürliche Gewalt der Teufel sey. hm Der Philosoph. kl! Sie müssen mir zuerst sagen, was Sie davon glauben; Mi und ich will Ihnen hernach meine Gedanken über Ihren sm Vortrag eröffnen. sek Der Gottesgelehrte. Man kann nicht zweifeln, daß die Kraft und Gewalt -er Teufel der Kraft und Gewalt des Menschen sehr über« legen sey. Aber, woher kömmt die Kraft des Menschen? Sie kömmt nur vom Willen und von der Seele her, welche auf ^ eine empfindsame Weise nicht anders wirken kann, als durch die Hülfe der Glieder, Sennen, Fibern des Körpers, mit < welchem sie vereinigt und verbunden, und welchem sie dienst, bar ist. Aber, weil die Teufel pure Geister sind, kann ihre Wirksamkeit weder so beschränket, noch so abhängig seyn, noch so leicht gehemmet werden, als der Menschen ihre. Sie ^ muß dann unvergleichlich erstaunlichere Dinge wirken. Man ^ ziehe die heilige Schrift, und die profanen Schriftsteller zu ^ Rache; man lese die Bücher Jobs, und gewisse Stellen im ^ Evan, Wuilderthaten. 747 Evangelium; man lese die Stücke von Porphyren, die Lu- seb von Cäsareen uns aufbehalten hat: so wird man an« zügliche Beyspiele und Beweise von dem) was ich Ihnen sage, antreffen. Der Philosoph. Aber es ist sehr hart zu fassen, wie ein purer Geist, ein Teufel auf die Materie, auf die Körper wirken könne. Der Gottesgelehrte. Dieß ist nicht härter zu fassen, als, wie unsre Seele auf unfern Leib wirke, und die Fibern, die Sennen, die verschiedenen Glieder unsere Körpers in die Bewegung sehe. Wir thun es ganz natürlich, und die Gewohnheit es zu rhun, ist die Ursache, daß wir nicht darüber Nachdenken. Aber es ist eben so gewiß, daß wir die Wirkung unsrer Seele auf unfern Leib nicht deutlicher fassen, als die Wirkung des Teufels auf einen Theil der Materie. Der Philosoph. Wir wollen dieß gelten lassen. Wie schwer er mir immer scheinen mag, so fühle ich doch, daß ich nichts dawider ein, zuwenden habe. Allein, sagen Sie mir ein Bißchen umstand, licher, worinnen Sie die Kraft der Teufel bestehen lassen. Der Gottesgelehrte. Ich lasse ste bestehen: r. in der Gewalt, die Körper zu bewegen, zu erschüttern, zu versehen. Also sehen wir, wie Satan, als er die Erlaubniß erhalten hatte, den Diener Gottes, Job, zu verfolgen, Feuer in den Lüften versam, melk, und herunterschleudert, wodurch alle seine Heerden ver» zehret werden; er laßt Winde und Stürme loöbrechen, wel« che das Haus, wo die Kinder Jobs versammelt waren, erschüttern, einstürzen, und alle verdrücken, die sich darunter be, 748 Wunderthaten. befanden. 2. In einer unbegreiflichen Schnelligkeit. Die Teufel können von einem Orte zum andern mit der gleichen Geschwindigkeit übergehen, als der Gedanken eines Menschen ave Theile der Welt durchschweifet. Es ist dann nicht ver< wunderlich, daß sie Dinge offenbaren können, welche sich an sehr entfernten Orlen zutragen, oder eben erst zugetragen Ha, ben. z. In einem weit erhabner« Verstände, als der Verstand des Menschen ist, weil sie pure Geister sind. Deßhal, ben hießen Plato, plutarch, und die meisten alten Philo» sophen dieselben das ist: Verständige, Renner. Aus diesem Grunde, wenn sie den Wandel, die Gemüths, art, und die Gesinnungen der Menschen erforschen, machen sie richtigere Mulhmaßungen, errarhen sehr oft, und können sogar manchesmal ziemlich sicher vorsagen, was in gewissen Umständen geschehen solle. Aber sie könnten Dinge nicht vor» sagen, die sich erst in entfernten Zeiten zutragen möchten, oder Die sie nicht schon gleichsam vorbereitet sahen. 4. Man darf noch ihre Bosheit dazu sehen: denn, wenn wir die heili, gen und profanen Schriftsteller zu Rache ziehen, so werden wir sehen, daß die Teufel ihre Gewalt vorzüglich durch Pla» gen und Unheil auszeichnen. Euseb von Läsareen führet uns in seinem fünften Buche der evangelischen Vorbereitung eine große Menge Beyspiele an, die aus heydnischen Schnftstel, lern gezogen sind. Aus dieser Erklärung, die ich Ihnen da von der Kraft und Gewalt der Teufel vorgetragen habe, muß man schließen, daß sie fähig sind, sehr erstaunliche Dinge zu wirken, ohne daß dieselben wahre Wunderthaten wären, und daß man eine große Achtsamkeit brauchen darf, damit man sich vordem Betrüge und dem Irrchume bewahre. «i; h: W «M «r ft s"« Der Wlindttthaten. 749 Der Philosoph. Ich will daraus schließen, was Sie immer wollen: aber dieß hebt die Schwierigkeiten des Herrn Rousseau noch nicht auf; und ich sehe, daß ich noch nicht weiter gekommen bin, um eine falsche Wunderthat von einer wahren Wunderthat sicher zu unterscheiden. . Der Gottesgelehrte. Ich habe Ihnen Anfangs diese Begriffe beybringen MÜS« ftn: Sie werden bald ihren Nutzen und ihre Folgen sehen. Geben Sie mir, zur Gnade, noch auf erliche Fragen Ant« wort. Glauben Sie, daß Gott die Menschen in dem Falle eines unvermeidlichen Jrrthums lassen könne, wo es aufdie wichtigsten Wahrheiten, oder auf seine ausdrücklichsten B» fehle, oder auf die Heiligsten Pflichten ankömml? Der Philosoph. Nein, mein Herr! Gott muß uns die Mittel an die Hand geben, jene Wahrheiten zu entdecken, und jene Befehle und Pflichten zu erkennen. - Der Gottesgelehrte. Glauben Sie, daß Gott uns andere Wahrheiten offerv baren könne, als jene, die unsre Vernunft aus sich selbst zu entdecken fähig wäre? Wahrheiten, die über alles Vermögen unsrer Vernunft erhaben wären ? Wahrheiten, die wir nicht begreifen könnten, und von denen wir nicht anders ver< sichert wären, als weil sie uns Gott sechsten entdecket hätte? Der Philosoph. Er kamt es; das ist sonnenklar. Da unsre Vernunft nicht unendlich ist, so wäre es ungereimt zu behaupten, daß sie aus sich ftlbsten alle Wahrheiten, und jede Gattung der Wahr- 7 so Wimderthaten. Wahrheiten entdecken und erkennen möchte. Ich sage da§ Gleiche von den Befehlen und Pflichten, welche seine ober, herrliche Gewalt uns auferlegen kann. Denn, da wir Ge, schöpfe sind, die von diesem Höchsten Wesen abhangen, kann er uns Befehle bekannt machen lassen, und Pflichten von uns fodern, die keine andre Ursache, keinen andern Beweggrund, keine andre Vorschrift haben, als seinen unbeschränkten, aber allezeit anberhenöwürdigen und ehrvollen Willen. Der Gottesgelehrte. Wenn aber unsre Vernunft unfähig ist, diese Wahrheiten aus sich selbst zu entdecken, durch welches Mittel wird sie uns Gott bekannt machen können? , Der Philosoph. Es ist augenscheinlich, daß er auf eine solche Weift zn uns werde reden müssen, damit wir die Stimme Gottes von jeder andern Stimme sicher unterscheiden mögen. Nun ist keine Stimme würdiger für Gott, welche den höchsten Schöpfer, Herrn, und Gebiether der Natur besser auszeichnet, als die der ganzen Natur gebeut, das ist, die durch Wun, derthaten zu uns redet. Jedes andere Mittel zeichnet mir die Stimme Gottes auf eine so fühlbare Weise nicht aus. Der Gottesgelehrte. Ich denke. Sie werden die Weissagungen nicht ausschlie, ßsn wollen, welche eben so wohl eine göttliche Stimme sind, als die Wunderthaten. Aber wir wollen von unserm Stoß fe nicht abweichen. Sie erkennen dann, daß die Wunder» that eine Stimme Gottes ist? Der Philosoph. Ich erkenne es ohne Beschwerniß. Aber, da die Zaw berey manchesmal die Wundmhat so gut nachahmet, komme ich Wunderthaten. 7er ich immer auf den vorigen Punkt zurück, und frage Sie noch einmal: Wie werde ich eine von der andern sicher unterschei, den können? Der Gottesgelehrte. O! nun kommen wir ganz nahe zur Auflösung der Schwierigkeiten. Gott kann, ohne seine unendliche Weisheit zu verlehen, zwar gestatten, daß der Mensch durch Zaube. reyen versuchet werde; aber er kann nicht zulassen, daß er auf eine solche Weise betrogen werde, daß er das Jmhum nicht vermeiden könnte. Er wird ihm allezeit sichere Mittel an die Hand geben, damit er erkenne, auf welcher Seite das Werk Gottes, und die Wahrheit sey. Diese Mittel sind: i. Die Vortrefflichkeit der wahren Wundertharen vor den Zaubereyen, welche von einer redlichen und achtsamen Seele leicht wahrgenommen werden kann. 2. Die Anrufung des herrlichen Namens Gottes, welcher allein, als Herrscher der Natur, wahre Wunderthaten wirken kann; La das Geschöpf nichts vermag, außer durch sein Vertrauen, das Bekenmniß seines Unvermögens, und sein Gebeth. Wir könnten wohl noch etliche andere Mittel zur Unterscheidung beyseßen: aber, da hier von der Aehnlichkeit der Wunderthaten des Moses, und der Zaubereyen der ägyptischen Schwarzkünstler die Rede ist, genügen wir uns mit diesen zweencn ersten Punk, ten, welche für die Schwierigkeiten, die wir aufzulösen haben, schon erklecklich sind. Und welche Vortrefflichkeit sieht man erstlich in den Wunderthaten des Moses! Er geboth im Namen Gottes der ganzen Natur, und sie gehorchte ihm allezeit: auf ein Wort versetzte ,er die erschrecklichsten Streiche, und auf ein Wort heilte er jene, die getroffen waren; er weissagte und drohete. 752 Wunderthaten. rmd seine Weissagungen und Drohungen hatten allezeit ihre s» Wirkung. Er war wechselsweise die Geißel der Aegyptier ch" und ihre Zuflucht, ihr Verderber und ihr Erretter, nach ß jener herrlichen Verheißung, die ihm der Herr gerhan hatte r * Sieh! ich setze dich zum Gotte pharaons, und Aaron wird dein Priester und dein Prophet seyn. Aegypten ^ wurde durch zehn gräuliche Plagen verheeret, und der gon» ^ lose König kam, zur Strafe seiner hartsinnigen Gottlosigkeit, ^ bald selbst ums Leben. Also schien die göttliche Gewalt ^ Hervor, womit Moses bekleidet war. ^ Und wo lief alle Kunst der Zauberer hinaus, die ihm Pharao entgegensetzte? Auf eine schwache Nachahmung dreyer Wunderthaten vom Moses; eine Nachahmung, die ^ man leicht begreifen und erklären kann. Aber i. konnten ^ eben diese Zauberer keine Wunderthat des Moses verhin, A« dern. 2. Sie konnten nicht dagegen ihre Macht über die Hebräer ausüben, wie es Moses über die Aegyptier lhat. z. Unerachtet aller ihrer Bemühungen wurden sie, nach der dritten Plage, von ihren Teufeln nicht mehr erhöret, und sie waren gezwungen, die Hand Gottes zu erkennen. 4. ** Sie ^ konnten die schmerzhaften Geschwüre, wodurch sie mit ihrer ganzen Nation geplaget wurden, von sich selber nicht abwen- den; und von derselben Zeit an zogen sie sich zurück, und wägeten es nicht mehr, vor dem Manne Gottes zu erschei, ^ neu. 5. Wann es darauf ankam, die Strafen und Plagen ^ aufhören zu lassen, wendete sich der König und die Aegyptier ^ niemals zu den Zauberern, sondern allezeit zum Moses, und ^ zum Gotte des Moses, damit sie aufhören möchten. Au- ^ ßerdem, mit welcher Zuversicht ruft nicht Moses seinen Gott an! s. s. Moste, vn. "r. B. Most-, ix. ^!l! ciii ljl W Wunderthaten. 75 z an! mit welcher Majestät läßt er ihn nicht reden ! mit wel, cher Gewißheit saget er nicht allezeit die Wunderthaten vor, die er wirken will. Der Philosoph. Alles, was Sie mir da gesaget haben, zündet mir das Helleste Licht an. Ich sehe nun, ungeachtet aller Bemü, Hungen des Herrn Rousseau, weder Zweifel, noch Beschwer« niß, noch Ungewißheit mehr. Ich erkenne ißt, und getraue mich, jedem kennbar zu machen, wie verfänglich und trüglich seine Vernunftschlüsse seyn. Der Gottesgelehrte. Es wäre recht sonderbar, wenn Sie aus einem Wider, sacher ein Vertheidiger würden. Was . werden Sie dann von jenem ersten Einwurfe des Rousseau sagen: Das gleiche Ansehen (der Schrift), welches von den wunderthaten zeuget, bezeuget auch die Zaubereyen ? Der Philosoph. Ich werde sagen, daß dieses wahr sey. Aber sie bezeuget jene, als göttliche Werke, und diese, als zaubrische Hand, lungrn. Der Gottesgelehrte. Ihre Antwort ist deutlich, kurz, und gut gegründet. Denn eben dieselbe Schrift, welche uns berichtet, daß Moses jedesmal, da er ein neues Wunder vorsaget, allezeit im Na, men Gottes sprach; eben dieselbe Schrift saget uns auch, daß die Zauberer, als sie ihn nachahinten, zu den Beschwörungen , das ist, zum Teufel ihre Zuflucht nahmen, kece- runt per iuLantstiones LZyptiscas limiliter. * Aber, * 2. B. Moses. VH. II, Band. Bbb r 754 Wunderthaten. Aber, fährt der nämliche Philosoph weiter fort, wenn eben dasselbe Ansehen noch dazu beweist, daß der Schein der Zaubereien von dem Scheine der wunderthaten in K keinem Stücke verschieden sey, wie kann man also diese B von jenen , und das Werk Gottes vom Werke des Leu« (bi fels unterscheiden? ^ Der Philosoph. ^ » un Man wird sie durch die weisen Grundsätze, die Sie an« ^ gegeben haben, unterscheiden, i. Durch die Anrufung des herrlichen Namen« Gottes. Wenn Gott angerufen wird, kann er das Jrrthum und die Unwahrheit nicht bestätigen. A Dieß ist durch die Vernunft erwiesen. 2. Durch die Vor, trefflichkeit der Wunderthaten. Allein die Vortrefflichkeit der H Wunderthaten Moses scheint hier mit dem Hellesten Glanze st hervor. Schon beym ersten Vorfälle frißt die Ruthe Mo- st ses, dieeine Schlange verwandelt war, die wirklichen oder scheinbaren Schlangen der Zauberer auf, ohne daß sie etwas zu thun vermochten, um e« zu verhindern. Bey dem zweyken und dritten Vorfälle lassen sie Frösche erscheinen; sie ü zeigen Wasser auf, das in Blut verwandelt ist: und dieses ' läßt sich durch eine geschickte Versetzung, die mit Hülfe der « Teufel geschehen ist , ganz wohl erklären. Damit aber nach« !>> walS die Frösche verschwinden, und das Wasser seine natürli, che Gestalt erhalte, wird das Wort und das Gebekh Moses erfodert« Die Zauberer können zwar das Böse stiften; aber sie können es nicht wieder gut machen. Schon nach der drit« ^ ten Plage ist all ihre Wissenschaft erschöpfet. Sie quälen ^ sich, sie geben sich alle Mühe; aber sie können nichts mehr ^ auörichren: sie gestehen selbsten, daß sie überwunden sind, ^ sie bekennen es frey dem Pharao. Der Wunderthaten. 75 s Der Gottesgelehrte.. Rousseau wird sich deßhalbeu noch nicht gefangen geben. Er wird sagen: Da die Menschen von den wunderthaten nur nach ihren Sinnen urtheilen können, und wenn (bey den Wunderthaten, wie bey den Zaubereyen) die Em, pfindung der Sinne gleich ist, so beweist das Zeichen, als Zeichen, auf einer Seite nicht mehr, als auf der andern, und der Prophet hat in diesem Punkte vor dem Zauberer nichts voraus. Der Philosoph. Es ist wieder falsch, daß der Mensch von den Wunder, thaten nur nach den Sinnen urtheilen könne. Es empfan, gen zwar nur die Sinne den Eindruck, welchen die Wunder, that , oder die Zauberey machet; aber nur die Vernunft ist fähig, ihren Unterschied zu erkennen, und zu entscheiden, da sie die Umstande von beyden untersuchet. Der Gottesgelehrte. Aber, wenn man Ihnen saget, daß aus diesen wechselnden Versuchen von Wundern zwischen Moses und den Zauberern * Pharao wohl etwa nichts anders hätte schließen können , als daß Moses ein geschickterer Zauberer wäre, als sie: was könnten Sie darauf antworten ? Der Philosoph. Ich würde sagen, Moses habe allezeit im Namen Gottes geredet, und man habe jene niemals Zauberer geheißen, die in allen ihren Handlungen den Namen Gottes anrufen. Pharao machte den Schluß nicht, worauf Rousseau deutet. Er schloß vernünftiger, als der Philosoph von Genf. Der * m. Seit. Bbb r y;6 Wunderthaten. Der Gottesgelehrte. Da jenes, was man noch im dritten Briefe von dem Berge von diesem Gegenstände findet, kein Beschwere niß mehr machet, so glaube ich, daß Sie keinen Zweifel mehr übrig haben sollen. Sie haben in diesem Gespräche gezrie get, wie leicht man mit einem Menschen zu Rechte kommen könne, der eine redliche Seele und einen richtigen Verstand har. Er kann zwar durch Vorurtheile hintergangen werden; aber die Untersuchung wird ihn sicher auf den rechten Weg zurückleiten. Der Philosoph. Ich möchte wohl gern, wenn sie es für gut achten, etliche Punkte des philosophischen Handlexikons, von der Ge, wißheit und Richtigkeit der Wunderthaten, die gemeinlich unter den Christen erkannt werden, noch erörtert wissen. Wir finden hiebey die Vernunstlehre des Rousseau nicht: dieser Schriftsteller ist nicht fähig dazu. Aber die Kühnheit seiner Aussprüche, wenn sie gleich allezeit ohne Beweise sie, hen, uttd die Spötterey, die er über die Handlungen, worüber er streitet, auszubreiten suchet, können eben so leicht bekriegen und verführen, als die best eingekleideten Trug, schlüsse. Ich will dann die Stelle dieses Schriftstellers ver, treten, und die Beurtheilung und den Tadel begierig ver, nehmen, den Sie darüber aussprechen werden. > Viertes Gespräch. Von der Wahrheit der Wunderthaten, die gemeinlich unter den Christen erkannt werden. - Der Philosoph. Ich habe Ihnen gesaget, mein Herr! um unsre Erör, terungen von den Wunderthaten zu vollenden, und alle noch, Wunderthaten. ^7 wendige Erläutrungen von diesem Stoffe zu sammeln, müßte man noch etliche Säße aus dem philosophischen Handlexikon untersuchen. Damit ich die Stelle desselben Verfassers ver, treten möge, wie ich mich verbunden habe, muß ich ihnen seine Meynungen, seine Aussprüche, und seine Beweise vor, tragen. Erstlich darf man, nach seinem Sinne, auf die Wun, -erchaten, die von den Christen angezogen werden, nicht mehr Staat machen, als auf jene, die man ehemals im Heyden, thume auf die Bahne gebracht Hat: und die Denkmäler Ihrer Kirchengeschichte, Ihrer Legenden, die Zeugschaften Ihrer Kirchenväter verdienen nicht mehr Glauben, als die Görterlehre des Hcsiodus, die Verwandlungen Ovids, und die übrigen Fabeln der Heyden. Und vernehmen Sie, wie «r es beweisen will. „ Man nenne mir ein Volk „, saget er, „ bey welchem nicht unglaubliche Wunder gewirket worden „ sind. Die Geschichten sind eben so voll mit Wundern, als „ mit natürlichen Begebenheiten« Die Töchter des Anius „ verwandelten alles, was sie wollten, in Getreid, in Wein, ,, und in Oel; Aeskulap erweckte den Hippolitus von den „ Todten; das Haupt des Orpheus sprach nach dem Tode „ noch Orakel aus; die Genesungen, die im Tempel Aesku, „ laps geschahen, waren unzählbar,,. Nach einer langen Erzählung von dergleichen Wuvdern, wovon ich Ihnen nur einen kleinen Theil hersage, fährt er fort: „Die christlichen „ Philosophen sagen: Wir glauben an die Wunderthaten, „ die in unsrer heiligen Religion gewirket worden sind; wir „ haben einen festen und vollkommenen Glauben an die „ Wunderthaten Jesu Christi und der Apostel; aber man „ erlaube uns, an den übrigen ein Bißchen zu zweifeln „. Bbbz, Alfs 7^8 Wunderthatsn. Also fängt er an alle Wunderthatsn zu verhöhnen, die von den Geschichttschreibern und Vätern berichtet werden. Der Gottesgelehrte. Was würden Sie sagen, mein Herr! wenn ich behaup. Me, ich wollte Sie selbst belehren, was Sie von verschiede, neu Systemen denken; als, von den Systemen Malebranr chens , und Lockens in Absicht ans den Ursprung der Be, griffe, oder von den Systemen Boulainvilliers und Gärtners in Absicht auf die Geschichte von Frankreiche ? Der Malebranche.^ Niklas, ein Priester aus der Congregatien des Oratoriums , und einer der berühmtesten Meraphysiker und der größesteu Philosophen seines Zeitalters. In seinem Systeme von den Begriffen behauptet er, daß wir alles in Gotte sehen, worüber er mit dem bekannten Arnaud viele Streitschriften wechselte. Er starb zu Paris i 7 iZ im 78 Jahre. Locket Johann, einer der vortrefflichsten Philosophen in Enzlaube. Man hat von ihm sehr viele kostbare Werke, die seine» Namen verewigen. Unter andern schrieb er auch Bemerkungen über die Mcymmg des W. Malebranche, daß wir alles in Gotte sehen, die gelesen zu werben verdiene». Er starb zu Oates, etliche Meilen von Londen bey dem Ritter Marsham 1704 im 73 Jahre. Boulainvilliers^ Heinrich von St. Saire, u. s. w. hatte die Geschichte seines Vaterlands mit besondrer Mühe untersuchet, und mehrere Bücher davon geschrieben. Aber die Neigung Systeme zu machen, hat. beyuahe alle Nützbarkeit verderbet, die man aus seinen Werken ziehen könnte. Seine sogenannte Widerlegung von Spinoza, und sei« Leben Mahomets, welche erst nach seinem Tode herausgekomme« stnd, wenn er sie doch geschrieben hat, geben von seiner Religion keine vvrkheilhaste» Begriffe. Gleichwohl leget der v. L» Borde, ans dem Oratorium, der ihm 1722 bey dem Tode bepgestanden, von seine« christlichen Gesinnungen ein erbauliches Zeugniß ab. GakmeiO Abt, Lehrer der hebräischen Sprache am königlichen Collegium zu Paris, hat eine Abhandlung von dem Ursprünge der französischen Regierungsform geschrieben; und setzet noch die Geschichte von 759 Wunderthaten. Der Philosoph. Ich sehe nicht, wo Sie mit dieser Frage hinauswollen. Dennoch will ich Ihnen sagen, daß ich recht erstaunet wäre, und daß es mich sehr drolligt dünken würde, wenn mich rin anderer von meinen eigenen Gedanken belehren wollte. Der Gottesgelehrte. Gleichwohl ist es eben das, was die Herrn Philosophen mit uns thun wollen. Sie wollen uns selbst belehren, was wir von den Vätern, Legenden, und Wunderthaten denken. Sie sollten selber uns anhören, und von uns erfahren, was unsre wahren Gesinnungen seyn. Sie sollen dann wissen, daß wir die Väter, als Heilige, in Ehren halten, und ihnen, als Menschen glauben. Durch ihr tugendsames Leben sind sie unsre Vorbilder. In der Lehre der Glaubenssachen, der Sitten, und der Kirchenzuchl, sind sie die Fortpsianzer der Erblehre. In den Geschichten, die sie beybringen, erzählen, und anziehen, sind sie der Beur> »Heilung, der Untersuchung unterworfen, wie jeder anderer Zeuge. Auf diese Weise denken wir von den Vätern. Sie sollen wissen, daß die berühmte Goldlegende Jakobs a Voragine, die Blumenlese der Exempel von Läsa- von geankreiche fort, welche die Herren Dell und Villaret vor ihm geführet hatten. Voragine^ Jakob de, ein Dominikaner im dreyzehnten Jahrhunderte, hat, nach dem Geschmacke desselben Malter«, eine Sammlung von Leben der Heiligen herausgegeben, welche man aus Hochsthätznng -»» Goldlegende nannte. Bbb 4 7 62 Wlltiderthaten. Cäsarius dem Listerciensermönche, und andere Bücher und Sammlungen aufden gleichen Schlag, von Niemanden, als von der Einfalt und der Leichtgläubigkeit, Beyfall erhalten Haben; daß man sie für ein Gemenge von Wahrheit und Falschheit, von gewissen und ungewissen Dingen ansieht; daß die Fehler in den Geschichten, die sie enthalten, keine Fol, gen und keinen Einfluß auf das Beste der Gesellschaft haben, und folglich den Zorn bedachtsamer Philosophen nicht verdienen. Sie sollen wissen, daß wir Wunderthaten zugeben, bey deyen wir die Untersuchung der miötrauendsten Kritik nicht scheueren; von denen die Philosophen ganz gewiß die Beweise nicht untersuchen möchten, weil sie fürchteten, daß sie selbst dieselben gutheißen müßten; und daß wir Wunderthaten von dieser Art, vom ersten Jahrhunderte bis aufs achtzehnte, zählen. Sie sollen wissen, daß es Wunderthaten giebt, die wir vernünftiger Weise glauben, obschon wir keine vollständigen Beweise davon haben. Von dieser Gattung sind mehrere Wunderthaten, die in den dreyen ersten Jahrhunderten des Christenthums geschehen sind. Bey denselben Zeiten konnten die Christen, weil sie verstreuet, verborgen, verfolget waren, keine öffentlichen Verzeichnisse, und förmlichen Gerichtskunden haben, wie sie eine unvernünftige Kritik heut zu Tage zu fodern waget. Die Erblehre hat ihr Andenken fortge« pflanzet; und eine so große Unternehmung, wie die Stiftung der Läsarius^l Sin Cisterciensermönch, im Kloster Heisterbach bey Kit», tm rreyzchnte» Jahrhunderte, schrieb unter ander» zwölf Bücher vo» den Wunderthaten und Erscheinungen, die zu stiuer Zeit in Deutschland« geschehen seyn sollte«. Wuriderthaten. 761 -er Religion war, scheint ihre Wahrheit zu bestätigen und vorauszuseßen. Endlich sollen sie erkennen, daß ein jeder Mensch, der ein Bißchen Scham und Ehre hat, sich nicht werde entbre, chen können zu sagen, die Vergleichung, die man zwischen den Wundern des Heydenthnms und des Christenthums anzu, stellen sich vermißt, sey eben so unanständig, als gottlos. Jene Wunderrhaten des Heydenthums sind in fabelhaften Zeiten geschehen: Niemand hat sie gesehen; Niemand Hat sie ge, glaubet; sie treten bald der Vernunft, und bald der Anstän, digkeit zu nahe. Die gelehrten Schußschriften der Väter zeigen klar, wie lächerlich sie seyn; und Cicero antwortet, in seinem zweyten Buche von der Wahrsagung, seinem Bru, der D-uintus, der einige davon angezogen hatte: Nil äe- bet elle in ?tiilolopkia commentitiis ikbeilis loci. Also, mein Herr! denken die Christen von denWunderthaten. Der Philosoph. Ich kann nicht verneinen, daß diese Denkensart ganz richtig sey. Gleichwohl giebt es unter den Wunderthaten, welche Sie für die bewährtesten und standbarsten halten, einige, die noch viele Schwierigkeiten leiden. „ Es mögen „ wohl „, saget Ihnen der Gegner, „ Augenzeugen geschrie. „ ben haben, daß sie dortmals, da der Bischof von Smirna, „ der heilige Polykarp, lebendig verbrannt zu werden verur, „ theikr, und in das Feuer geworfen worden war, eine Stim, „ me vom Himmel gehöret haben, welche ausrief: Sey gu» „ tes Muchs, Polykarp! zeige, daß du ein Held bist! „ daß alsdann die Flammen am Holzstoße sich von seinem „ Leibe entfernet, und ein Zeltdach von Feuer über seinem Bbb 5 Haupte / 762 Wundertaten. „ Haupte gestaltet haben; daß mitten aus dem Scheiterhau, „ ftn eine Säule herausgegangen sey, und daß man poly, „ karpen habe das Haupt abschlagen müssen. Wozu dienen „ diese Wunderthaten ? sagen die Ungläubigen: warum hat „ das Feuer seine Natur verloren, und warum verlor das ,, Beil des Henkers nicht auch die seinige? Wie kömmt«, „ daß so. viele Märtyrer frisch und gesund aus dem siedenden Oele entkommen sind, und der Schärfe des Schwertes nicht „ haben widerstehen können ? Man giebt zur Antwort: Weil „ es der Willen Gottes war. Aber die Philosophen möch» „ ten all dieses mit ihren Augen gesehen haben, ehe sie es glau, „ ben. Der heilige Augustin erzählet, es seyn die heiligen „ Gervasius und protasins dem heiligen Ambrosius im „ Traume erschienen; sie haben ihm den Ort entdecket, wo „ ihre Gebeine lagen; der heilige Ambrosius habe sie ausge- „ graben, und ein Blinder sey dadurch geheilet worden. Die „ Philosophen sagen, sie glauben nichts davon; Gervasius „ und protasius seyn Niemanden erschienen; es sey dem „ menschlichen Geschlechts wenig daran gelegen, daß man „ wisse, wo die Trümmer von ihrem Gerippe liegen; sie „ glauben von diesem Blinden eben so wenig, als vom Blim „ den, den Vespasian heilere; dieß sey eine vergebliche Wun- „ derthat, und Gott thue nichts vergeblich. Sie haben für „ die Stelle des Lucians, die in dem Tode von peregri» „ nus'steht, eine große Achmng: wenn ein geschickter „ Taschenspieler ein Christ wird, so machet er gewiß sein „ Glück,,. Also erkläret sich der Verfasser des Handle, xikons. m A fi-l A ke « A ß A !» d« W h« li. K 76Z «>W«I Wunderthaten. Der Gottesgclehrte. Er erkläret sich, wie ein Mensch, der sich lustig machen und spotten will, aber sich keineswegs angelegen seyn läßt, vernünftig zu schließen. Ich frage Sie ftlbsten, mein Herr! Wenn dieser elende Tropf zu St. Dionys wäre, würde er sich wohl zu sagen gelrauen, daß man da die Trümmer der Gerippe-von unfern Königen sammle ? Gleichwohl führet er diese Sprache, wo er von den christlichen Helden redet. Wenn er ein Bißchen Scham besäße, würde er sich wohl unterfan, gen, nachdem er häuchlerisch versichert hat, er habe einen festen und vollkommenen Glauben an die wunderthaten Jesu Christi und der Apostel: würde er sich unterfangen zu sagen, man müsse die Wunderthaten für Handgriffe der Taschenspieler ansehen ? Aber laßt uns seine Vernunftschlüsse und seine Beurtheilung vor die Hand nehmen. D wozu dienen diese wunderthaten, saget er? warum hat das Feuer seine Natur verloren, und warum verlor das Beil des Henkers nicht auch die seinige ? Leuten, die sich nicht, wie er, zur Gottlosigkeit verschworen Härten, könnte man antworten, Gott habe durch diese Wunder von Zeit zu Zeit bezeugen wollen, daß er dieStiftung desChristenrhumS anordnete; er habe jene, die zugegen waren, dadurch rühren wollen, um zu ihrer Bekehrung Gelegenheit zu geben; er habe wollen seine Märtyrer von Zeit zu Zeit gewissen entsetz, lichen Peinen entziehen, und unter das Schwert kommen lassen, weil er mit ihren Kämpfen zufrieden war, und ihre Siege krönen wollte. Aber diese Gründe sind nicht nach dem Ge- St. Dionys) Eine Stadt und Abtey zwo Meilen von Paris, wo die Grabstätte der französischen Könige ist. 7§4 Wunderthaten. Geschmacks der Philosophen. Es giebt viele andere billige und vernünftige Dinge, die ihnen eben so wenig schmecken wollen. wie kömmts, daß so viele Märtyrer frisch und ge» fund aus dem siedenden Oele entkommen sind, und der Schärfe des Schwertes nicht haben widerstehen können? Man giebt zur Antwort: weil es der willen Gottes war. Aber die Philosophen möchten all dieses mit ihren Augen gesehen haben, ehe sie es glauben. Ich antworte erstlich auf die Frage, daß sie ganz am Unrechten Orte stehe. Es kömmt darauf an, daß man die Richtigkeit der Sache an den Tag lege, und nicht ihren Be, iveggrund und ihre Ursache untersuche. Nachmals sageich: Die Philosophen, welche alles ge, sehen haben möchten, ehe sie es glauben, bekriegen sich selb, sten, und bekriegen uns nicht. Man kann wohl eben zu ih> nen sagen, was Jesus Christus den Abraham zum reichen Prasser sagen läßt: *Sie haben Moses und die Propheten, wenn sie diese nicht hören, so würden sie eben so wenig glauben, wenn auch ein Lodter vor ihren Augen aufer» stünde. Man weiß schon, daß sie mehr geneigt sind, die Wahrheit zu bestreiten, als dieselbe anzunehmen, und man sieht wohl, daß sie nur von ihrer Hoffart und ihrem Hange zur Freydrnkerey angesporuet und verblendet werden. Die zwo Wunderthaten, die sie aus jenem gottlosen Schriftsteller angezogen haben, sind so ächt und glaubwürdig, als immer der strengste Kritiker verlangen kann. l. Der heilige Polykarp, Bischof zu Smirna, ein Schüler des heiligen Johanns des Evangelisten, wurde vor sechs« » r«k. xvi. Wunderthaten. 765 sechszehn Jahrhunderten zum Feuer verdammet. Das Unheil wurde aufbem Schauplatze, in Gegenwart der ganzen Stadt, vollzogen, welche mit lautem Geschreye seinen Tod vom Land- vogte begehrte. Er war dort ohngefähr hundert Jahre alt. Sein Marterthum ist von Augenzeugen ausgezeichnet worden, welche erzählen, als dieser ehrwürdige Greis auf dem Holz« stoße ausgestreckt und angebunden lag, haben sich die Flame men getheilet, und eine Gattung von Zeltdache gestaltet , unter welchem er gleichsam zu schlafen schien, ohne daß er eine Bewegung machte, oder ein Zeichen des Schmerzens von sich gab. Man war voll Erstaunens; man wußte nicht, ob er todt oder lebendig wäre. In dieser Ungewißheit schick- te der Richter einen Trabanten oder Henker, welcher ihm auf dem Holzstoße selbsten das Haupt abhieb. Dreß ist die Ge, schichte. Ist sie wahr, oder nicht wahr? Das hangt von den Beweisen ab. Aber Ihre Philosophen hüten sich wohl, dieselben anzugreifen. Und wie sollten sie dieselben angrei, fen? Sie sind ihnen unbekannt. 2. Ambrosius, Bischof zu Mayland, machte dem kai, serlichen Hofe kund. Laß er im Traume den Auftrag erhal, ten habe, die Gebeine der zween Märtyrer, aus einem un» anständigen und unbekannten Orte, wo sie lagen, heraus, zunehmen, und denselben eine ehrwürdigere Stelle einzuräu, men. Als er sich zu dem angezeigten Orte begeben hatte, fand er die zween Leiber. Die Uebersetzung geschah in Ge» genwart des Kaisers, des ganzen Hofes, und einer unzählba, ren Menge Volkes. Währender Uebersetzung wirkte Gott Wunder, um die Gewißheit der Entdeckung und die Heiligkeit der Gebeine zu bestätigen. Dieß ist die Geschichte. ?6§ Wullderthateu. Es ist dienlich anzumerken, daß Ambrosius einer der größesten Geister am kaiserlichen Hofe, und ein Sohn eines der vornehmsten Herrn im Reiche war; daß er, schon in seiner ersten Jugend, die Regierung der Provinzen Liguriens und Aemiliens erhielt; und daß die Weisheit, die er unter seiner Verwaltung blicken ließ, die Ursache war, daß ihn die ganze Stadt verlangte, um den Bischofsiß derselben kaiser« lichen Hofstadt zu bestellen. Es ist dienlich dieses anzumer, ken, weil unsre Philosophen Leute sind, die schon aufden einzigen Namen, und auf das Amteines Priesters, nichts als Hohn und Verachtung bezeigen. Der heilige Augustin, das schönste Genie seines Zeitalters, und vieleicht das schön, ste Genie, das jemals gclebet hat, wohnte dortmals zu Mayland, und bekräftiget, als Augenzeug, alles, was bey dieser Uebersehung vorbeygieng. Endlich feyert man, seit vierzehn Jahrhunderten, ihr Gedächrniß in der Kirche zu Mayland. Können so ehrwürdige Zeugschasten im Gemü, th« vernünftiger Menschen noch einen Zweifel zurücklassen? Aber wozu taugen sie bey Philosophen? sie zu überweisen, oder sie zu Schanden zu machen? Der Philosoph. Oinit vielem Vergnügen habe ich Ihnen zugehöret. Aber hören auch Sie noch, was dieser Mann auf die Bah« ne bringt. ,. Leute „, saget Sr, „ die ihre Vernunft durch „ die Wissenschaft umerstüßen, werden sagen, die Kirchen, „ Väter haben selber oft bekannt, daß zu ihren Zeiten keine „ Wunder mehr geschehen. Der heilige Lhrysostomus sa» „ get es ausdrücklich; der heilige Augustin selbsten fraget in „ seiner Stadt Gottes: Warum geschehen jene Wundertha- „ t«n heut zu Tage nicht mehr, die vormals geschehen sind? Wunderthaten. 767 „ Und er giebt die Ursache davon: Our, inquiunt, nunc „ iUa miracula, WX prseäicatis fsÄgeüe, nonstunt? „ kollem quiciem äicere, nscellaria priu8 fuifte, ^uam „ crecieret muncius, sä'koc, ut crecieret munclux,,. Der Gsttesgelehrte. Ich glaube, Sie werden über die Antwort, die ich Jh< nen geben soll, recht erstaunen : Sie werden dadurch sehen, wie weit der Betrug und die Umreue gehen könne. Der heilige Augustin saget nicht allein nicht, was man ihn hier sagen läßt; sondern er saget gerade den Gegensaß. Im siebenten Kapitel des zwey und zwanzigsten Buches seiner Stadt Gottes beweist er die Göttlichkeit der Religion durch die Wunderthaten Jesu Christi, der Apostel, und der Mär, tyrer, die bey ihrer Stiftung geschehen sind; und im folgen, den Kapitel ist er Vorhabens, die Frage zu beantworten, welche die Heyden, die Mißlinge, die Ungläubigen öfters machten, wenn man ihnen Wunderthaten anzog. Zum Anfänge dieses Kapitels steht eben der Text, dm Sie anger führet haben : „ Aber warum sieht man heut zu Tage jene „ Wunderthaten nicht mehr, die man, wie es heißt, vor, „ malS gesehen hat? sagen die Ungläubigen. Ich könnte „ zwar antworten, daß Sie norhwendig gewesen seyn, ehe „ die Welt den Glauben angenommen hakte, damit sie da, „ Lurch bewogen werden möchte, denselben anzunehmrn „. Und nach diesen Worten, die er gleichsam im Vorbeygehm saget, seßet er bey. Laß die nämliche Gewalt in der Kirche immer noch bestehe, und daß noch heut zu Tage, im Namen Jesu Christi, oder durch die Kraft der Sacramente, oder durch die Fürbitte der Märtyrer, Wunder geschehen. Mm ctiLm nunc liunt miracula in nomine ejus, live per 768 Wunderthaten. ^LLramevts ejus, 6ve per orstion« vel memorizz ! ^ 8aniIorum. Und gleich darauf erzählet er eine große Men« 1 ge Wunderthaten, die zu seiner Zeit gewirket worden sind, I und von denen er größesten Theils selbst ein Augenzeug gr» ! wesen war. Heißt dieß bekennen, es gebe heut zu Tage kei, ! ne Wunderthaten mehr ? Der heilige Lhryfostonms Hai sehr ^ viele ähnliche Stellen. ^ Der Philosoph. Ich gestehe es: diese Untreue Hat mich aufgebracht; und ich sehe wohl, daß dieser Männ nur zu bekriegen und zu ver« führen suchet. Ich erwarte, daß sie ihn auch in dem, was i er von dem berühmter» Apostel der Indianer und Iapone« ser saget, auf gleiche Weise zu Schanden machen werden. Vernehmen Sie, wie er von ihm spricht; „ Lavier beklaget „ sich in mehrern seiner Briefe, daß er die Gabe der Spra, „ chen nicht hat. Er saget, er sey bey den Iaponesern § „ nur wie eine stumme Säule. Gleichwohl schrieben die ! „ Jesuiten, er habe acht Tobte auferwecket. Das ist viel: ^ „ aber man muß auch bedenken, daß er sie sechstausend „ Meilen von hier auferwecket hat „. Der Gottesgelehrte. Man muß auch bedenken, daß sechstausend Meilen vom Orte, wo diese Wunder geschehen sind , und zweyhundert Jahre, nachdem sie geschehen sind, ein Mensch, ohne daß er etwas gesehen oder untersuchet hat, sie verdächtig machen will. Alle Beweise bey Seite gesetzt, wäre die Bermmhung , allein für alles gut, was man von den Wunderthaten jenes großen Mannes gesaget har. Er hat das Christenthum in einer unermessenen Strecke Landes ausgebreiret. Er muß > dann durch die außerordentlichsten Gaben unterstützt gewest» . stylt. ? Wurlderthateik. 769 ftyn. Es ist grundfalsch, daß er sich beklagte, er habe die Gabe der Sprachen nicht. Diese Gabe trug er aller Orten mit sich. In einer einzigen Gelegenheit, hat sie ihm Gott nicht gleich beyin Anfänge seines Predigtamtes mitgetheilet, um seinen Eifer zu prüfen, und ihm einen neuen Schwung zu geben. Der Heilige fieng mir einem großen Muthe an, die Landsprache zu erlernen. Aber die Prüfung daurets nur etliche Tage. Der Philosoph. Ich merke schon, mein Herr! wie sehr es wahr sey, was Sie in unserm ersten Gespräche sagten, daß die Herren Philosophen weit stärker im Schreyen, als in Vernunftschlüssen , und im Behaupten, als in Beweisen sind. Ich sehe schon, was für ein großer Unterschied Wischen vermessenen Aussprüchen und der Wahrheit sey. Aber, ehe wir esbe, schließen, muß ich Ihnen noch einen sonderbaren Gedanken dieses Mannes vortragen. „ Es wäre zu wünschen „, saget er, „ damit eine Wunderthat recht bewähret würde, daß sie „ in Gegenwart der Akademie derWissenschasten von Paris, „ oder der königlichen Gesellschaft von Londen, und der me, „ dicinischen Facultät, unter dem Beystande eines Truppes „ vom Leibregimente, gewirket werden möchte „. Der Gottesgelehrte. Der Gedanken ist nicht sonderbar, aber ausschweifend» Hätte dann eine Akademie der Wissenschaften, oder eine me, dicinische Facultät zugegen ftyn sollen, um zu entscheiden, daß die Auferstehung des Lazarus, der vier Tage nach seinem Begräbnisse aus dem Grabe hervorstieg, eine wahre Wun, derthat sey? Hätten sie zugegen ftyn sollen, um zu entschei, II. Band. C c e den, 770 Wutiderthaten. den, daß die Genesungen der Blinden, der Stummen, der Tauben von Geburt an, die durch ein einzig Wort geschar hen; oder jählings und augenblickliche Genesungen, die durch eine einzige Handlung an abwesenden Kranken gewirker wur« den, Werke seyn, welche die Kräfte der Natur übersteigen ? Hier wäre wohl die Gelegenheit, den Gedanken Rousseaucns umzukehren, und auszurufen: Sind diese die ehrwürdigen Machrsprüche, die überzeugenden Vernunftschlüsse unsrer Philosophen! Gerechter Gott! mir schwindelt! ich weiß nicht, wo ich bin! ^ Nach diesem dörfen Sie Sich, mein Herr! über die um begreiflichen Ausschweifungen und Ungereimtheiten nicht mehr wundern, worein jene Philosophen verfallen. Sie dörfen nicht erstaunen, daß der Verfasser des Handlexikons saget, wenn er ein Zeuge von einer Wunderthac wäre, so würde er, anstatt die Macht des Herrn zu erkennen und anzubekhen, ein Manichäer werden, und sagen, es gebe ein Grundwesen , welches zerstöret, was das andere gemacht hat; daß Rousseau bekräftiget, er müßte fürchten, daß ihn der Anblick einer wunderthat zum Narren machte. Also denken jene, die sich für die Weisen des Zeitalters, für Ver, theidiger der Vernunft,für Verbesserer der Religion ansgebm. Sie dörfen nicht wundern, daß der Verfasser der philosor phischen Gedanken meiner höllischen Begeisterungausrust: Dank sey der äußersten Zuversicht, die ich aufmeine Ver, nunft setze! mein Glauben steht nicht dem nächsten besten Gaukler zu Gnaden. Erzpriester des Mahomets! mache nur die Brummen gerade; gieb den Stummen die Sprache; den Blinden das Gesicht; heile die Gichtbrüchigen ; erwecke die Podten. Aber willst du, -aß ich mich zu Wunderthaten. 77» zu deinem Glauben bekehre, so laß alle diese Blendwerke fahren: wir wollen Vernunftschlüsse machen. Der Gottlose, damit er wider die Wunderrhaten und die Person Jesu Christi sechsten Lästcungen ausstoßen möge, lei get die göttlichen Kennzeichen, wodurch sich Jesus Christus, als den Gesandten Gottes, zeiget und kennbar macht, einem mahometanischen Betrieger bey. Er heißt jenen, der diese göttlichen Kennzeichen hat, einen Gaukler; jene göttlichen Wer ke, Blendwerke; und er glaubet, cr habe sich schon sicher gestellte, da er das Wort: Erzpriester des Maho- iners, anstatt des Namens Jesu Christi sehet. Man giebt ans diese Gräuel keine Antwort. Jenen, die das Schwert der Gerechtigkeit in den Händen haben, steht es zu, das Evangelium und die Person Jesu Christi, die so sehr beschimpfet wird, zu rächen. Der Philosoph. Wahr ist es: mir hat die Haut geschauert, als ich diese Stelle in den philosophischen Gedanken las; denn es kamen mir alsbald jene schönen Worte Jesu Christi zu Sinne: ^ Kunte8 renuritlgte joanni, Hu°e viciissig. Cteci vi- 6eut, cluuöi umbulsnt, leprost munclantur, furch su- chiunt, mortui relurZunt. Und ich dachte, wie Sie: Die Oberkeit sollte so entschliche Gotteslästerungen strafen. Im übrigen, mein Herr! weiß ich Ihnen unendlichen Dank für die Gewogenheit, womit Sie diese Gespräche mit mir unterhalten haben. Ich merke, wie gründlich alle Grundsäße sind, die Sie bestätigten, und wie viel ich Ihnen schuldig bin, daß Sie mich so klar beleuchtet haben. Der 'Matth. XI. Cecr 7?r Wundertaten. Der Gottesgelehrte. Und ich muß Ihnen, zu jenem richtigen- lebhaften, und durchdringlichen Verstände, den Sic unter unfern Gesprächen für und für gezeiger haben, zu ihrer redlichen Seele, und zu ihrer herzhaften Liebe der Wahrheit, auf die schmauchelhafteste und bestverdiente Weise Glück wünschen. Ende des zweyten Bandes. Der« l 77Z Verzeichniß der vornehmsten Materien. Hsttan mrd zum Anfänge eines jeden Artikels eine Mtheilung eben desselben Artikels finden, welche davon einen deutlichen und richtigen Begriff geben soll, und wodurch man vollkommen alles erkennen mag, was darinnen abgehandelt, und wie es abgehandelt werde. Wir wollen also in diesem Verzeichnisse nur jene Dinge beybringen, von denen in dem Werke gesprochen wird, und die gleichwohl durch die Titel der Artikel nicht angedeutet werden; die aber der Leser dennoch mit leichter Mühe hier gern finden wird. A. Hsbraham. Ungereimtheiten eines Neuphilosophen von Abra- > t ha,rr. I. B. 121. S. Unheil der heydnischen Schriftsteller von diesem Patriarchen. Lbcnd. 127. S. Alexander der Große. Seine Eroberungen werden durch die Weissagungen vorgesager. I. B. 95. S. Der hohe Priester Javdus zeiget diese Weissagungen Alexandern vor, und dieser Fürst laßt die Juden eines ausnehmenden Schutzes genießen. Ebcnd. 96. S. Atheismus. Die Leidenschaften und Ausschweifungen des Herzens sind die einzigen Quellen des Atheismus. I. B. 27. S. Aurel (Mark). Seine Verwundrung über die große Menge der Christen unter dem römischen Kriegsheere. I. B. 17z. S. . B. > Babylon. Die Eroberung dieser Stadt durch Cyrus wird schon zwey hundert Jahre, ehe Cyrus gebobren war, geweissaget. I. L. 94. S. Babylonier. Es ist falsch, daß ihre astronomischen Beobachtungen so alt seyn , als es Voltaire behauptet. I. B. 151. C 7 . Bacchus. Die Geschichte von Moses kann nicht nach der Geschichte des Bacchus gemacht worden seyn. I. B. 119. S. II. B. 92. S. Ccc z Bar- 774 Verzeichnis Bartholmatag. Urtheil von der Gelegenheit und den Ursachen des Blutbades am Vartholmätage. I. B. 486. S. II. B. 581- S. Bayle. Sein Lexikon ist die große Rüstkammer, woraus die Ungläubigen und die Freydenker ihre Waffen herholen. Eingangsr. Lvn. S. Falsche Vernunftschlüsse, Widersprüche, und Ungereimtheiten Vaylens, wo er den Mani- chäismus vertheidiget. II. B. 649. S. Seine grauliche Verirrungen, wo er gegen die Gestattung der Sünde vernünftelt. Ebcnd. 66y. S. Berostus. Dieser chaldaische Schriftsteller giebt Jeugschaften, welche die Wahrheit der Weissagungen beweisen. I. B. 99. S. Bibel. Man sehe: Schrift (heilige). Bischöfe. Ihre Pflichten, um der ansteckenden Seuche des philosophischen Geistes Einhalt zu thun. Eingänge. xi.v. S. Eine Ermahnung, die ihnen Ezechiel giebt. Ebcnd. xi-vii. S. Ware es wohl aotban, wenn sie die Kircheustra- fen gebrauchten? Ebend. xrix. Bolingbrokc. Der sogenannte Mylord Bolingbroke ist ein sehr bekannter Schriftsteller von Paris. I. B. ioz. S. Seine erbärmlichen Ungereimtheiten, und seine gräulichen Wrangen wider die Person Jesu Christi. Ebend. 458. S. Buffon. Seine Theorie der Erde ist nichts, als ei» Roman. II. B. 48st. C. Christenthum. Man sehe: Religion (christliche). Cicero. Seine schönen Gedanken von der Anständigkeit in den Ausdrücken. I. B. 470. S. Von dem Gottesdienste. Ebcnd. 604. S. Von dmi höchsten Gute. Ebend. 610. u. st rv. Von der Seele, ss. B. 438. S. Von der Heiligkeit des Gottesdienste. Ebcnd. Z41. G. Von der Tugend. Ebend. 566. S. Cyprian. Der heilige Cyprian wird von einem Neuphilosophen verleumdet, und hier vertheidiget. II. B. Z47. S. Cyrus. -er vornehmsten Materien. 775 Lprus. Seine Macht und seine Siege werden von den Propheten zweyhundert Jahre vor seiner Geburt, herrlich geweissaget. II. B. 73. G. D. Diaz. Urtheil über die Geschichte der zween Brüder Diaz, welche von Voltaire« so oft angezogen wird. I. B. 484. S. Diokletian. Er ist einer der grausamsten Verfolger gewesen; und die Heyden selbsten haben ihm seine Grausamkeit vorgeworfen. II. L. 15. S» E. Ehestand. Erklärung der Gesetze von dem Ehestande im dritten und fünften Buche Moses. II. B. 102. S. Heiligkeit des Ehestandes. Ebend. 414. S. Erklärung von der Stelle in der Schrift, welche die Verheurathung der Kinder Gottes mit den Menschenkindern betrifft. Ebend. 4Z0. S. Ermordungen. Die Ermordungen der Fürsten sind bey den Götzendienern unvergleichlich zahlreicher gewesen, als bey den Christen. I. B. 269. S. Esdras. Er ist der Verfasser von der Bibel nicht. I. B. 117. S. Nur die zwey ersten Bücher von Esdras sind kanonisch. Ebend. Evangelium. Kurzer Auszug von der evangelischen Sittenlehre. I. B. 167. S. Herrlicher Begriff von dieser Sittenlehre. II. D. Z2I. S. 8 . Fanatismus. Beyspiele von Fanatismus. I. B. 475. S. Fechter. Ursprung der Fechterkämpfe: Unmenschlichkeit und Unanständigkeit dieser Kämpfe. I. B. 259. S. Frerct. Er ist ein ungeschickter und arger Verleumder der heiligen Evangelien. I. B. 437. S- Seine boshafte Schilderung der ersten Christen. Ebend. 442. S. Cce 4 G. 77§ Verzeichniß. G. ^ Gedanken (philosophische). Die lächerliche Vertheidigung der Leidenschaften von dem Verfasser dieses Werkes. I, B. 666. S. Seine dummen Meynungen von den Märtyrern. ^1. B. 2Z. S. Seine gräulichen Gotteslastrungen über die Wunderthaten Jesu Christi. II. B. 770. S. Gegenfüßler. Warum haben die Alten nicht geglaubet, daß cs Gegenfüßler gebe? I. B. 637. Geheimnisse. Abscheuliche Vorstellung der Geheimnisse bey de» heydnischen Feyern. 1 . B. 217. S. Geist (philosophischer). Was ist der wahre philosophische Geist? Eingänge, xri. S. Philosophischer Geist unserer Zeiten. Ebend. xiv. S« Seine Gründe, seine Wirkungen, seine Ansbreitung. Ebend. xv. u. s rr>. Vergleichung dieses philosophischen Geistes mit den Einfällen der Barbarn. Ebend. xx. S. Mittel, demselben Einhalt zu thun. Ebend. xxxvir. S. Geschlechtrcgister. Erklärung des Geschlechtregisters Jesu Christi, um den heiligen Matthäus mit dem heiligen Lukas zu vergleichen. I. B. 204. G. Ebend. 455. S. Gesellschaft. Was ist die Gesellschaft? I. B. 29. S. Eine Gesellschaft kann ohne die Religion nicht bestehe». Ebend. Der Begriff, welchen wir von der Gesellschaft haben, beweist die Nothwendigkeit einer Religion. II. B. 298. S. Gesetze. Die Gesetze der heydnischen Kaiser gegen die Christen, und die Gesetze der christlichen Fürsten gegen die Ketzer, werden gegen einander gehalten. II. B. 11. S. Gesetzgebung. Was ist der Gegenstand und der Endzweck der Gesetzgebung des Moses gewesen? I. B. 324. S. Lächerliche Gesetzgebung des Rousseau, in Abstcht auf die Religion. Ebend. 374. G. Abscheuliche Gedanken eines Neuphilosophen von der Gesetzgebung in der Religion. II. B. 341. S. Die bürgerliche Gesetzgebung rind die christliche Gesetzgebung streiten nicht wider einander. Ebend. 376. S. Glauben. / der vornehmsten Materien. 777 Glauben. Woher kommen die Gefahren des Glaubens? I. L. 558. S. Wie sind die Hebungen des Glaubens ftcy? Ebcnd. 579. S. Götzendienst. Die anstößigen Ungereimtheiten des Gbtzen« diensts. I. B. 272. S. Gott. Beweise von dem Daseyn Gottes. I. B. 16. S. Wie soll nian von der Güte und Gerechtigkeit Gottes urtheilen? Ebend. 2yo. S. II- B. 674. S. Gott nimmt nicht jede Art von Gottesdienste gleichgültig auf. I. D. 607. 8. Begriff, den wir von Gotte haben. II. B. 294. S. Die erhabnen Begriffe, welche die christliche Religion von Gotte beybringt, Ebcnd. 316. S. Der Erste, welcher gesagt hat: ?rimu8 in orbe Deos kscit timor, ist nicht der ehrlichste Mann gewesen. Ebend. 329. S. Die erhabnen Begriffe, welche die Bücher der Hebräer von Gotte geben. Ebcnd. 414. S. Grstius. Sein Urtheil von dem hohen Liede. I. B. 676. S. Helenc. Die heilige Helene, die Mutter des großen Constan« lins, ist die rechtmäßige Frau des Constanz Chlorus gewesen. I. B. 2ZI. S. Hermias. Seine sinnreiche und satyrische Schilderung der Philosophen. I. B. 627. S. -Herodotus. Sein albernes Geplauder von der Beschneidung. I. B. 6o. S. u. st w. Heyden. Sie geben von den Tugenden der ersten Christen selb- sten Zeugniß. I. B. 175. S. I- Jesus Christus. Schilderung und Gemüthsart Jesu Christi. I. B. 156. G. Wie reden die Mahometaner von ihm? Ebend. 163. S. Er har das geistliche Kirchenregiment ein- gesetzet. Ebend. 209. S. Wie viel Gutes hat die Religion Jesu Christi in der Welt gestiftet? Ebend. 252. S. Be- Ccc Z weise 778 Verzeichnt - weise von der Göttlichkeit seiner Person. Ebend. zi6. S. Beweise von seiner göttlichen Sendung. Ebend. 567. S. Seine Wunderthaten werden von den Juden und von den Heyden eingestanden. II. B. 142. S. Alle Christen sind mit Jesu Christo vereiniget. Ebend. 319. G. R. RachslisD. Die Ausbreitung der katholischen Religion. I. B. 247. S. Rirche. Wichtige Anmerkung von der Lehrübung in der christlichen Kirche. I. B. 237. S. Es ist ungereimt zu sagen, daß es in der katholischen Kirche nur sechszig Millionen Menschen gebe. Ebend. 246. G. Wie soll man diesen - Spruch verstehen: Außer der Kirche ist kein Heil zu hoffen? Ebend. Z70. S. Die Unduldsamkeit der Kirche ist der stärkste Beweis von ihrer Heiligkeit. Ebend. MZ. G. Ihre Lehrart von den Wahrheiten der christlichen Religion ist un- , vergleichlich. II. B. 60Z. S. L. Legenden. Wie soll man von den alten Legenden urtheilen? II.B. 7Z9.S. m. Mahometaner. Erhabne Begriffe, die sie von Jesu Christo haben. I. B. i6z. S. Wie halten sie die seligste Jungfrau in Ehren? Ebend. 464. S. Wie würden sie mit unser» philosophischen Gotteslästerern verfahren? Ebend. Marsäts ( du). Seine Unwissenheit, und Untreue wird in seinen Einwürfen wider die heilige Schrift aufgedecket. I. B. 10z. G. Seine Unwahrheiten wider die Evangelien. Ebend. 446. S. Seine schwachen Einwendungen wider die christliche Religion. II. B. z6Z. 9 . Marterchum. Anmerkungen über das Marterthum des heiligen Ignaz von Antiochien. II. B. Z. S. des heiligen Romans. Ebend. 18. S. des heiligen Polieukt. Ebend. 25. S. des heiligen Polykarps. Ebend. 761. S» Meer -er vornehmsten Materien. 779 Meer ( rothcs ). Erklärung des Auszugs der Israeliten auS Aegypten, und ihres Zuges durch das rothe Meer. II. B. 96. S. Lächerliche Murhmaßung des Spinoza von eben diesem Durchzuge. Ebend. 736; S. Messe. Die Messe ist allezeit des Morgens gehalten worden. I. B. 225. S. Erhabener Begriff von der Heiligkeit des Opfers der Messe. II. B. 320. S. Moses (fünf Bücher). Moses ist der Verfasser davon. II. B. 88. S- N. Naturgesetz. Was ist es? II. B. 302. S. Es ist unzulänglich für den Menschen in dem gegenwärtigen Zustande. Ebend. O. Dberkeit. Sie ist verpflichtet, die Religion zu vertheidigen. Eingangsr. 1.1. S. Dpfer. Die menschlichen Schlachtopfer sind in den Religiös nen der Heyden Brauches gewesen. I. B. 648. S. Wie haben die Menschen auf den Einfall von Opfern gerathen können? II. B. 312. S» Dpttmismus. Dieses System ist mehr sinnreich, als gründlich; es verträgt sich weder mit der Vernunft, noch mit der Offenbarung. II. B. 200. S. Grigcnes. Wie dachte er von der ewigen Dauer der Strafen? I. B. 307. S. Sein Urtheil über das hohe Lied. Ebend. 684. S» P. Papst. Die Stiftung von dem Stuhle des heiligen Peters zu Rom. II. B. 249. S. Paul. Seine herrlichen Begriffe von der Pflanzung der Religion. I. B. 177. G. Seine Erklärung von der Erbsünde. Ebend. 419. S. Von der Offenbarung. II. B. 109. S. Sein Streit mit dem heiligen Peter. Ebend. 234. S. pha- 780 Verzeichnis Pharisäer-. Sie hatten in der Sittenlehre die nämlichen Grundsätze, wie die Christen. II. B. zy8. S. Philosophen. Schilderung der Philosophen aus dem heiligen Paul. Eingangsr. xvm. S. Lächerliche Vorurtheile MN Besten der Philosophen unserer Zeiten. Ebend. i.xm. S. Ist es wahr, daß sie die Menschen denken gelehret haben? Ebend. l.xx. S. Ihre Schilderung aus Hermias , aus Lucia», aus Rousseau von Genf. I. B. 627. S. II. L. 121. S. u. st rv. Ihre Jrrthümer und ihre Unwissenheit in den vornehmsten Wahrheiten. Ebend. 113. S. Ihr Unvermögen, die Welt «ufznklaren und zu bessern. Ebend. 120. G. DaS beständige Berufen auf phbnicische, indianische, chal- däische Philosophen ist eitel Detriegerey. Ebend. 42z. S. Es ist keine Gattung von Ungereimtheiten, die nicht irgend von einem Philosophen vertheidiget worden wäre. Ebend. 604. S. piinüis. Die Zeugniß des Plinius von der großen Menge der Christen zu seiner Zeit, und von ihren Tugenden. I. L. 173-175« S. pluche. Vergleichung des Herrn Abts Plnche mit dem Verfasser des philosophischen Handlerikons. I. B. 630. S. Religion. Untersuchung von diesem Satze: „Ein ehrlicher Mann „ kann in was immer für einer Religion selig werden „. I. L. 364. S. Religion ( christliche ) Kurzer Auszug von dieser Religion. I. B. 164. S. Wie viel Gutes hat sie dem menschlichen Geschlechts erwiesen? Ebend. 2Z2. S. Sie allein kann Gott auf eine Weise verehren, die seiner würdig ist. II. B. Z15. S. Sie allein kann die Menschen Gottes würdig machen. Ebend. 321. S. Anmerkungen über die Sätze des gesellschaftlichen Vertrages wider die christliche Religio». Ebend. 367. S. /. Rousseau der vornehmsten Materien. 78 r Rousseau von Genf. Er ist ein besserer Dialektiker, als Voltaire. I. B. ZM. S. Er leget von der Gottheit Jesu Christi, und von der Heiligkeit des Evangeliums das schönste Zeug» niß ab. Ebend. 462. S. Er machet die Materialisten durch die siegreichsten Gründe zu Schanden. II. B. 30. S. Er leget die Weisheit und Heiligkeit des Naturgesetzes zum vollkommensten an den Tag. Ebend. 346. S. Aber : Er verfallt in die handgreiflichsten Widersprüche, da er die Duldung verlanget. I. B. 346. S. Sein Vertrag einer wechselseitigen Duldung zwischen allen Religionen ist ungereimt. Ebend. 374. S. Er machet eine anstößige Vergleichung der göttlichen Offenbarung mit den Traumereyen Mahomets. II. S. 110. 182. S. Er widerspricht sich in seinen Einrvürfen wider die Offenbarung. Ebend. 162. S. S. Schlange. Evens Gespräch mit der Schlange. II. D. 425. S. Schöpfung. Der Begriff von der Schöpfung ist der Vernunft weniger anstößig, als der Begriff von einer Materie, die aus aller Ewigkeit da wäre. II. B. 43. S. Schrift (heilige). Sonderbare Beweise von ihrer Glaubwürdigkeit I. B. 74. S. von ihrer Göttlichkeit. Ebend. 86 . S. Sie ist weit vortrefflicher, als alle Bücher, die von Menschen geschrieben worden sind. Ebend. 560. S. Seele. Erklärung von der Körperlichkeit der Seele, wie die Kirchenvater dieses Wort verstanden haben. II. B. 441. S. Es ist falsch, daß in den Büchern des Moses von der Geistigkeit der Seele nichts stehe. Ebend. 452. S. u. st w. Lächerliche Gestaltung der Seele in dem System der dstarur. Ebend. ZOZ. S. Sitten der Heyden. I. B. 253. S. u. st w. Spaltung. Was für Spaltungen hat es in der christlichen Kirche gegeben? I. B. 240. S. II. Land. Ddd Staat, -82 Verzeichniß "- Staat. Die Erschüttrungen der Staate haben sich beyden Heyden weit öfter eräuget, als bey den Christen. I. B. 264. F. Was ist der Staat? II. B. 208. 37s. G. T. Tempel. Entwurf von dem Tempel Salomons. II.B. 393 . S- Teufel. Anmerkungen über die Gewalt, Teufel auszutreiben. I. IZ. 226. S. u. st w. Worinnen besteht ihre Gewalt? II. B. 747. S. Trajan. Er ist abergläubisch gewesen, und hat die Christen verfolget. II. B. 6. S. Trugschluß. Der Geist der Trugschlüsse herrschet unter den Ungläubigen. Eingangs»-. i.x. S. Unterschied zwischen einem Trugschlüsse und einer Erweisung. I. B. 46. S. Tugenden. Die gesellschaftlichen Tugenden werden durch dm philosophischen Geist vertilget. Eingangs»-, xxvr. G. Grundsätze, um richtig zu »rrtheilen, was den Namen der Tugenden verdiene. II. B. 566. S. v. Vanini. Der Charakter und das Ende dieses Atheisten. I. B. 49- S. Verfolgungen. Es ist bewiesen, daß die Christen von den Kaisern nur wegen ihrer Religion verfdlget worden sind. . I. B. 182. S. Gräuel der Verfolgungen. Lbend. 183. Voltaire. Er ist ein niederträchtiger und verdammlicher Hänch- ler. Eingangs»-. i.vi. S. Er ist ein knechtischer Nachschreiber Baylens. Ebcnd. i-vm. S. Er schreibt artig; aber er köinmt den großen Schriftstellern des vorigen Jahrhunderts nicht gleich. Ebcnd. i-xv» S. Er, und der gotteslästerliche Bolingbroke sind einer und derselbe Mann. I. B. 103. S. Er spricht mit Eifer und Zärtlichkeit für die Duldung das Wort. Ebend. 336. S. Es ist kein Punkt in der Religion, welchen er nicht angegriffen hat. Ebend. 338. G. Seine V der vornehmsten Materien. 78 Z Seine Denkensart von Religionssachen. Ebcnd. Er giebt seinen Kritikern allezeit nur Schmahworte zur Antwort. Lbcn>. ^Z. A. Er ist niemals besorget, richtige Vernunftschlüsse zu machen. Ebend. Z4Z. S. Er schiebt die Heyden, die Arianer, die Türken, die Deisten, u. s. w. alle durch einander in den Himmel hinein. Ebcnd. Z84. S. Seine Berechnungen von dem Reichthume Salomons sind lächerlich. II. B. Z87. S. Sein Geschrey wider die Verfolgungen und die Verfolger besteht aus eitel ungereimten Vernunftschlüssen, und häßlichen Verleumdungen. Ebend. 572. Z85. S. u. sw. Kein Schriftsteller ist ihm an Kühnheit der Lügen und Falschheiten gleich gekommen. Ebcnd. Z8Z. S. Unduldsamkeit. Was ist der, Unterschied zwischen der bürgerlichen, und der theologischen Unduldsamkeit? I. B. 464. (A. Die christliche Unduldsamkeit ist, nach dem wahren Verstände, einer der glänzendsten Beweise von der Heiligkeit der Kirche, und von ihrer Untrüglichkeir in der Lehre. Ebcnd. Z94. S. Unlauterkeit. Die gräulichen Ausschweifungen der Unlauterkeit bey den Heyden, k. B. 25z. S. Unschuldige Rinder. Ihre Mordgeschichte wird von einem heydnischen Schriftsteller bezeuget. I. L. 201. S. ' w. Weissagungen. Die Weissagung ist nothwendig eine göttliche Sprache. I. B. 87. S. Erklärung der Weissagung Jakobs, siebenzchn Jahrhunderte vor der Ankunft des Messias. II. L. 68. S. und 69Z. G. Erklärung der Weissagung von Jsaias: Eine Jungfrau wird empfangen, u. s w. Ebcnd. 701.8. Erklärung der Weissagung Daniels von den siebenzig Wochen. Ebend. 707. S. Erklärung einer Weissagung von Oseas. Ebcnd. 715. S. Ddd 2 Welt 784 Verzeichniß der vornehmsten Materien. Welt ( die beste ). Dieses System ist mehr sinnreich als gründ« lich ; es verträgt sich weder mit der Vernunft, noch mit der Offenbarung. II. B. 222. S» Wucher. Wie weit gieng der Wucher bey den Heyden? I. B. r6r. S. Vergleichung der christlichen , und der heydnischen Gesetze in Absicht des Wuchers. Ebend. 263. S. z. Zoroaster. Alles, was man von den Zoroastern saget, ist sehr ungewiß. II. B. 424. S. Zwistigkeiten zwischen der Kirche und dem Reiche. I. B. 239. G. Ihre Dauer. Ebend. 242. S. Wie soll man sie anse- hen. II. B. ZZZ. S. . - -.N "'-ZN - - < L-' L .4 sLML