Wlindttthaten. 749
Der Philosoph.
Ich will daraus schließen, was Sie immer wollen: aberdieß hebt die Schwierigkeiten des Herrn Rousseau noch nichtauf; und ich sehe, daß ich noch nicht weiter gekommen bin,um eine falsche Wunderthat von einer wahren Wunderthatsicher zu unterscheiden.
. Der Gottesgelehrte.
Ich habe Ihnen Anfangs diese Begriffe beybringen MÜS«ftn: Sie werden bald ihren Nutzen und ihre Folgen sehen.Geben Sie mir, zur Gnade, noch auf erliche Fragen Ant«wort. Glauben Sie, daß Gott die Menschen in dem Falleeines unvermeidlichen Jrrthums lassen könne, wo es aufdiewichtigsten Wahrheiten, oder auf seine ausdrücklichsten B»fehle, oder auf die Heiligsten Pflichten ankömml?
Der Philosoph.
Nein, mein Herr! Gott muß uns die Mittel an dieHand geben, jene Wahrheiten zu entdecken, und jene Befehleund Pflichten zu erkennen. -
Der Gottesgelehrte.
Glauben Sie, daß Gott uns andere Wahrheiten offervbaren könne, als jene, die unsre Vernunft aus sich selbst zuentdecken fähig wäre? Wahrheiten, die über alles Vermö-gen unsrer Vernunft erhaben wären ? Wahrheiten, die wirnicht begreifen könnten, und von denen wir nicht anders ver<sichert wären, als weil sie uns Gott sechsten entdecket hätte?
Der Philosoph.
Er kamt es; das ist sonnenklar. Da unsre Vernunftnicht unendlich ist, so wäre es ungereimt zu behaupten, daßsie aus sich ftlbsten alle Wahrheiten, und jede Gattung der
Wahr-