728 Wunderthaten.
Minsk. Allein es ist gerade das Widerspiek; die Wunder,thaten glaubt man durch die Vernunft, und nicht durch denGlauben. Verleihen Sie mir, zur Gnade, ein BißchenAchtsamkeit.
Wenn man eine Wnnderthat in der christlichen Kirche be»kannt machet, so geht man auf folgende Weise mir ihrerUntersuchung zu Werke: i. Man erforschet erstlich, ob dieSache wahrhaft wunderthätig, das ist, übernatürlich sey.2. Man untersuchet ihre Richtigkeit. Damit man eineWunderthat für gewiß annehme, müssen die Zeugen einsicht,volle und rechtschaffene Leute seyn; ihre Zahl muß erklecklich,und die Zeugschaftrn müssen so klar und richtig seyn, daß einMensch, der zu schließen und zu ««heilen im Stande ist,nicht den mindesten Zweifel mehr daran habe» kann. z.Man läßt alle zum Verhöre, die etwas dawider einwenden,damit die Einwürfe und Erötsrungsn dienen mögen, dieWahrheit der Sache besser^aufzuklären und zu bestätigen.Also verhält man sich in den römischen Gerichten, mn dieWunderthaten zu erkennen und anzunehmen. Die Weisheitund die Vorsicht können nichts weiter thun. Auf dieseWeise glaübet man an die Wunderthaten. Sie sehen also,Laß man allein durch die Vernunft, und nicht durch dmGlauben die Wunderthaten glaubet.
Jene, die in der göttlichen Schrift enthalten sind, glau«ben wir durch den Glauben, wie wir die übrigen Wahrhei,ten glauben, die in der Bibel stehen. Aber nicht das Wim»derkhätige der Sache, sondern das Ansehen des göttlichenGeistes, welcher den heiligen Schriftstellern eingesprochenhat, was sie uns berichtet haben, wird zum Beweggründeunsers Glaubens.