Wunderthaten. 72 s
Wunde, oder einen Fluß an den Augen heilet. Der ganzeUnterschied zwischen diesen zwoen Heilungsarten besteht dar-innen, daß jene eine übernatürliche Kraft erfoderl, unddiese nicht über die menschliche Fertigkeit hinausreichet. WennHeliodor * im Tempel zu Jerusalem von himmlischen Hän-den, oder ein Soldat im Lager von seinen Mitgesellen aus-gestrichen wird; so verändert dieses am Welkgebäude nichts.Ich sehe weder Thorheit, noch Ungereimtheit dabey: undIhr Koch, Ihre Ameisen, Ihr Kunstspiel von unermessenenTriebrädern, sind große Worte, die keinen Sinn haben.
Der Philosoph.
Und warum sollte Gott eine Wunderchat wirken? Umeine gewisse Absicht auf etliche lebendige Wesen auszuführen.Er müßte dann sagen: Ich habe es nicht zu Grande brin-gen können, durch den Bau des Weltalls, durch meinegöttlichen Rathschlüsse, durch meine ewigen Gesetze eine ge-wisse Absicht auszuführen: ich will dann meine ewigen Be-griffe, meine unwandelbaren Gesetze verändern, und michbestreben, etwas in das Werk zu setzen, das ich durch sienicht habe thun können. Dieß wäre ein Beweis der Schwach-heit, und nicht der Macht. Es ist dann ungereimt, an Wun,derchaten zu glauben: es wird auf gewisse Weise die Gottheitdadurch verunehret.
Der Gottesgelehrte»
Ihre Philosophen sollen ihre Sprache der Gottheit nichtin den Mund legen: sie ist nicht anständig für dieselbe.Die unwandelbaren Gesetze, die göttlichen Rathschlüsse sindmit einer unendlichen Macht und Weisheit ausgezeichnet.
Alles,
Z z Z
* 2. Macch. M.