Wunderthaten. 72z
sehen, göttlichen, unwandelbaren, ewigen Gesetze. Ein Ge.setz kann nicht zugleich unwandelbar seyn, und wrlchcr wer-den. Es ist unmöglich, daß das unendlich werse W-ftnGesetze gemacht habe, die es nachmals verändern, und selbstverletzen wollte. Es ist klar, daß es, als Gott, die Ma-schine dieser Welt so gut gemacht hat, als es möglich war.Also wird es nichts daran verkehren, nichts ändern. Folglichwird es keine Wunderthaten geben.
Der Gottesgelehrte.
Dieß sind wohl kraftvolle Ausdrücke, und recht stolzeSprüche: aber ich hoffe, mein Herr! Ihnen zu zeigen, daßdie neuartigen Philosophen weit stärker im Schreyen, als inVernunftschlüssen, und im Behaupten, als in Beweisen sind.
Was wollen Sie durch Ihre mathematischen, göttlichen,unwandelbaren, ewigen Gesetze sagen? Die Gesetze derPhysik, das ist: die Gesetze, wonach dieses Weltall bewe,get, geordnet, und regieret wird, sind göttliche Gesetze,weil sie Gott zum Stifter haben. Aber Gott hat sie auseurer freyen Wahl, und ohne alle Nvthwendigkeit eingesehet.Wenn die Körper auf einander schweren, so geschieht es, sa<get Newton, weil es Gott also gewollt hat. Sie sind un«wandelbar. Dieß heißt eigentlich: sie sind immerwährend,vbschon sie weder wesentlich, noch nothwendig sind. Wärees wohl Gottes Macht zuwider, wenn er -ie Wirksamkeitdes Feuers auf einen Körper, der aus sich selber brennbarist, hemmete, und wenn dieser Körper mitten unter dmFlammen unversehrt bliebe? Sie sind ewig. Sie sindwillkührlich gestiftet worden, als die Welt aus dem Nichtshervorstieg; sie werden so lange, als die Welt dauren: da»rinnen besteht ihre ganze Ewigkeit. Sie sind mathematisch.
Zz 2 Dreß