Druckschrift 
2 (1777) M - Z
Entstehung
Seite
662
Einzelbild herunterladen
 

«62 Ursprung des Bösen.

dir Sünde widerstrebet. 2. In Absicht auf den Menschen,

an welchem die Sünde gestrafek wird.

Laßt uns erstlich einen Augenblick auf die Untersuchungdes ersten Punktes wenden. Wenn man beweisen könnte,daß die Gestattung der Sünde nicht allein die göttlichen Voll,kommenheiten nicht verletzet, sondern daß sie sogar dienet,durch noch rührendere Zeichen die Hoheit und Glorie GottesHervorscheinen zu lassen; so würbe man eben dadurch bewei«sen, daß Gott, wenn er gleich die Sünde vorhergesehn, hat,deßhalöen sie nicht hat nochwendig verhindern müssen. Nundieser Punkt laßt sich ganz leicht beweisen. Denn: l. dieGestattung der Sünde verletzet seine Gerechtigkeit nicht, weilder Gegenstand der Gerechtigkeit ist, für das Gute zu beloh-nen , und für das Böse zu strafen. 2. Sie verletzet seinsWeisheit nicht, weil die wahre Schönheit der sittlichen Weltdarinnen besteht, daß der Mensch die Tugend aus Vorzüge,aus Geschmacke, aus eigener Wahl, und mit Freyheit annimmt. Dieß aber könnte nicht Statt haben , wenn dieSünde nicht gestattet wäre. z. Sie verletzet seine Gütenicht, welche darinnen besteht, daß sie Gutes erweisen will,und wirklich erweist. Allein die Gestattung der Sünde istdem guten Willen Gottes nicht zuwider; sie hemmet seineWohlkhaten nicht; sie verhindert den Menschen niemals,daraus Nutzen zu ziehen. 4. Sie verletzet seine Heiligkeitnicht, weil nur der Willen, oder die Handlung der Sündesie wirklich verlchtt, und weil das Vermögen zu sündigen,wenn man ihm widersteht, die schönste Huldigung ist, dieman seiner Heiligkeit leisten mag. Außerdem giebt nichtsdie Größe der göttlichen Vollkommenheiten besser zu erken»nen, als die Gestattung der Sünde. Und fürwahr, was