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2 (1777) M - Z
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619
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Vorurteile. 619

was die Religion betrifft: der Prüfung und Bmrtheilungler Vernunft allein unterwerfen sie mit stolzem Tone dieOffenbarung, und alle Gegenstände, die uns die Offenba-rung vor trägt; als ob die Aussichten der Vernunft eben soausgcbrsitet, als die göttlichen Aussichten, wären, undob die menschlichen Gedanken eben so sicher, als das ttn-ttügliche Wort Gottes, seyn könnten.

Man fühlet Augenblicks den ganzen Gräuel, und alleUngereimtheit von solchen Grundsähen; man fasset leicht,daß alle Leidenschaften sich beeifern werden, dieselben anzu-nehmen, daß di§ abscheulichsten Ausschweifungen daraus ent.siehm müssen, und daß die Vernunft sich allezeit davor ent,sehen werde. Gleichwohl laust die ganze neuartige Philo,sophie auf diese schönen Grundsätze hinaus. Soll man die-se Grundsätze für Vorurrheile ansehen ? oder kann man ge,jährlichere und schädlichere Vorurrheile denken?

Nachdem wir von den Vorurtheilen diese Begriffe undErklärungen angegeben haben, die uns nothwendig schie-nen, wollen wir zur Untersuchung der großen Frage schrei-ten ; nämlich: Was für Leute lassen sich in Religronssa-chen von den Vorurtheilen zum meisten blenden und verfüh-ren? Sind es Christen, welche die Religion in Ehren halten, und sich derselben unterwerfen, ober Philosophen undUngläubige, die so viel daran zu schmähen und zu tadelnfinden? Die folgenden Gespräche, worinnen ein Christ undein junger Philosoph über diese Sache streiten, werden denLeser in den Stand sehen, die Frage zu entscheiden.

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