Vernunft. 6iz
zehn Gebothen enthalten, welche das schönste Gesetzbuch,/ oder vielmehr den vollkommensten Auszug des natürlichenGesetzes ausmachen, und in denen die Vernunft die Grund,sätze aller Pflichten antrifft, wozu wir gegen Gott, gegenden Nächsten, und gegen uns selbsten verbunden sind, umuns für jenen würdig zu erhalten, dessen Macht, Weisheit,und Liebe uns eine glorwürdige Unsterblichkeit bestimmet.Wir reden hier nichts von dem, was in der Kirche von dengottseligen Uebungen und Beobachtungen gelehret wird: es istim Artikel: Gottesdienst, zum Genügen davon gehandeltworden.
Wir haben in unserm Satze vorgetragen, daß nichts derVernunft gleichförmiger sey, als die Weise, womit man dieWahrheiten der Religion ausleget und beweist. Wir habengesaget, daß durch diese Weise alle jene, die daran Theilhaben, eine zulängliche Kenntriiß davon erlangen, und auchzugleich diejenigen zufrieden gestellet werden, welche im Stan,de sind, und das Recht haben, zu untersuchen und zu urrhei,len. Wir glauben nicht, daß ein vernünftiger Mensch deut-lichere und überzeugendere Beweise verlangen könne, als wirin unsrer Erklärung herbeygebracht haben. Wir habenalso den Endzweck erreichet, den wir uns in diesem Artikel^ Vorgesetzer haben: nämlich zu beweisen, daß die Vernunft unddie Religion sich einander niemals im Wege stehen; son-dern daß im Gegensätze die Vernunft, dafern sie redlich, vonVorurtheilen befreyet ist, und über die Leidenschaften Herr,schet, wie sie herrschen soll, uns selbsten leitet, die Wahrhei-ten der Religion mit Ehrerbiethung und Liebe anzubethen.
Durch die Grundsätze, die wir hier bestätiget haben,sind schon vorhinein alle Trugschlüsse widerleget, welche uns
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