Druckschrift 
2 (1777) M - Z
Entstehung
Seite
611
Einzelbild herunterladen
 

Vernunft. 6n

vobis. Dieß ist der Anfang, und der Gegenstand ihrerLehre. Finder die Vernunft hier etwas anstößiges und un,schickliches darunter?

Nachmals sagen sie, daß unter den Wahrheiten, die siezu lehren verpflichtet sind, einige die Gegenstände unferSGlaubens ausmachen, andere uns zum Lichte und zur Lei,tung dienen müssen, um unfern Wandel und unsre Lebensartzu ordnen; und die reine Vernunft findet keine Beschwerniß,jede dieser Wahrheiten anzunehmen.

Jene, welche den Gegenstand des Glaubens ausmachen,sind die Geheimnisse; das ist, die unerforschlichen Abgründeder Wesenheit Gottes, seiner göttlichen Vollkommenheiten,seiner ewigen Rachschlüsse, die wir nur aus der Offenba,rung erkennen, und nur aus der Offenbarung zu erkennen oer,mögen. In diesem Stücke gestehen die Bischöfe, die Leh-rer , und alle jene, die in der Kirche die Pflicht haben zulehren und zu unterweisen, daß auch sie diese Geheimnisse an,

^ belhen, ohne sie zu begreifen; und daß sie dieselben nicht be-greifen, weil sie über die menschliche Vernunft erhaben, weilsie in der Wesenheit Gottes selbsten ^!nd, welcher eben darum,weil er unendlich ist, nochwendig für jeden erschaffenen undendlichen Verstand unbegreiflich seyn muß.

Sie sagen dann, daß der Gegenstand der Untersuchungender Vernunft nicht seyn soll, diese Geheimnisse zu begreifen,weil man dadurch zwey widersprechende Dinge zugleich ver,langte, nämlich zu begreifen, was nach seiner Wesenheit un-begreiflich ist. Aber die Vernunft, sagen sie ferner, hardas Recht überzeugende Beweise zu verlangen und zu fodern,daß diese Geheimnisse geossenbaret worden, daß sie auf dasWort Gottes gegründet, daß sie wahr? Aussprüche seyn, die