Vernunft. 605
Vierter Satz.
Nichts ist der Vernunft gleichförmiger als die Weise,wonnr inan die Wahrheiten der Religion ausle-get, vorträgt, und beweist.
Ehe wir den Beweis des Saßes vortragen, ist es dien,lich anzumerken, daß die christliche Religion ganz auf ge«schehene Dinge gegründet ist; als da sind: die SendungJesu Christi auf Erden, seine Unterweisungen, seine Stif«tungen, die Geheimnisse seines Lebens und seines Todes.
Er unterwies sechsten zwölf Männer, die er Apostel,das ist, Gesandte, hieß, und denen er austrug, nach seinemTode in der ganzen Welt seine neue Religion zu lehren.Die Apostel schieden von einander, um diese Wahrheiten,ein jeder auf seinem Wege, unter dem Namen des Evan,geliums, oder der guten Bothschaft zu verkündigen. Ihrganzes Predigtamt bestand darinnen, daß sie vortrugen, wassie gesehen und gehöret, was Jesus gethan, was er gelehret,und was für Befehle er ihnen aufgetragen hatte. Sie wie-sen keine andern Vollmachtbriefe auf, als den beständigenBeystand des heiligen Geistes , welcher, durch die erhaben-sten und heldenmüthigsten Tugenden, die man sie üben sah,und durch die erstaunlichen Wunder und die unbegreiflichenund unverwerflichen Zeichen, die man sie wirken sah, mitdem größesten Glanze hervorschienen. Man konnte sich nichtentbrechen, sie für außerordentliche Männer zu halten. EinTheil aus den Völkern glaubte ihrem Worte, und der evan,gelische Samen, der im Anfänge nichts zu bedeuten schien,breitete sich, nach der Weissagung Jesu Christi, so wunder,bar aus, daß anderthalb Jahrhunderte nach seinem Tode,