Vernunft. soz
^ natürlichen Wahrheiten erkennen und begreifen. Wir be,gehren nichts, und können nichts begehren, als die überzm«^ genden Beweise der Offenbarung zu kennen, worauf sie ge.H gründet sind. Wir glauben diese Wahrheiten nur auf das^ Wort Gottes; aber durch die Vernunft erkennen wir, daßGott wahrhaftig geredet hak. Nun, die Vernunft kann uns^ in dieser Art von Untersuchung eben so wenig zum Icrkhumeverleiten, als selbst in der Untersuchung natürlicher Wahr,^ heiten. Sie kann uns bis zur Pforte des Heiligshums füh,ren, und führet uns wirklich sicher dahin. Aber dort läßtxjtz. sie uns stehen, und saget uns nichts anders mehr, als: weil^ Golk geredet hat, müsse man schweigen, sich unterwerfen, undanbethen.
M Hier ist dann der erste Theil des Satzes zum Genügenich bewiesen; nämlich, daß die Vernunft, wenn sie redlich, undvon Leidenschaften und Vorurtheilen befreyet ist, uns niemals^ zum Jrrthume verleite.
^ Der zweyte Theil, nämlich, daß der Vernunftschlußuns oft zum Jrrthume verleite, läßt sich auf eine noch fühl,K barere und begreiflichere Art beweisen.
«ß Jedermann gesteht, daß es sichere Vorschriften giebk,B um auf eine richtige und bindige Weise zu schließen: aber^ man weiß auch, daß es viele Leute giebt, die sich derselbennicht allzu gut zu gebrauchen wissen; daß es andere giebt,^ die sich ihrer gut zu gebrauchen wüßten, aber es nicht thunwollen; daß es mehrere giebt, bey denen die Einbildung die^ einzige Vorschrift aller Urtheile ist; daß es endlich welche^ giebt, die nur de» Leidenschaften zum Besten reden können.^ Dieß vorausgesetzt, muß man nicht erstaunen, daß der T-rr,nunftschluß uns zum Jrrthume verleiten könne.
Man